Filmkritik: „Dead Rising: Watchtower“ (2015)

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Originaltitel: Dead Rising: Watchtower
Regie: Zach Lipovsky
Mit: Jesse Metcalfe, Meghan Ory, Virginia Madsen u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 118 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror, Action
Tags: Zombies | Untote | Epidemie | Seuche | Videospiel

Der schmale Grat zwischen Zombie und Mensch.

Kurzinhalt: Trotz einer großen Zombie-Epidemie in den USA hat die hiesige Regierung scheinbar alles im Griff. Menschen; die aufgrund eines Bisses infiziert werden, können schließlich mithilfe eines speziellen Serums davor bewahrt werden sich wirklich in fleischfressende Untote zu verwandeln. Als der Reporter Chase (Jesse Metcalfe) mit einer Kollegin in einer Kleinstadt unterwegs ist um eine mögliche Sensations-Story zu erhaschen, geschieht plötzlich etwas unerwartetes: offenbar wirkt das Serum bei einigen der Infizierten nicht mehr. Im darauf folgenden Tumult werden die beiden Reporter getrennt – und Chase schließt sich mit der heißblütigen Crystal (Meghan Ory) zusammen, die er zuvor noch relativ erfolglos interviewt hat. Man entschließt, sich erst einmal zu verstecken und vorsorglich zu bewaffnen – und die Öffentlichkeit mit laufenden Berichterstattungen aus dem Zentrum des Krisenherds auf dem Laufenden zu halten. Allerdings wird das in Anbetracht der stetig wachsenden Zombie-Schar und dem Erscheinen einer rebellischen Biker-Gang zunehmend schwieriger… als dann auch noch das Militär auf den Plan tritt und plant das gesamte Gebiet zu bombardieren, ist das Chaos endgültig perfekt.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wie lange es den Zombiefilm als Subgenre des klassischen Horrorfilms schon gibt, darüber könnte man sich wahrlich streiten. Aber ob er nun tatsächlich erst mit George A. Romero seinen großen Durchbruch schaffte oder eigentlich schon Jahrzehnte vorher – die von den sogenannten Wandelnden Toten ausgehende Faszination für das Fremde, Gefährliche und unmittelbar Lebensbedrohliche hat seit jeher einen Platz in der internationalen Filmlandschaft. Und so wird auch die Flut an sich dem Zombie-Kanon anschließenden Neuerscheinungen kaum abnehmen. Den 2015 veröffentlichten, US-Amerikanischen Film DEAD RISING: WATCHTOWER markiert dabei insofern eine Besonderheit, als dass es sich um eine Videospiel-Verfilmung handelt. Die sind zwar vergleichsweise selten, stehen dafür aber umso öfter unter einem schlechten Stern – und das nicht nur, da Videospiel-Freunde eher harte Kritiker sind und die jeweilige Vorlage bestmöglich umgesetzt wissen wollen. Viel eher ist es so, dass sich einige derjenigen die sich bereits an das Unterfangen einer Horror-Videospielverfilmung gewagt haben in vielerlei Hinsicht versagt haben – und Namen wie Uwe Boll stellvertretend für ein Rezept stehen, das so nur selten aufgegangen ist.

Für DEAD RISING sieht es indes gar nicht mal so schlecht aus. Hauptsächlich, da Regisseur Zach Lipovsky das auf die Leinwand gebrachte Spektakel relativ stilsicher und mit einem gewissen; in diesem Falle sicher nicht ganz unwichtigen Hang zur Selbstironie inszeniert hat. So wird bereits in den ersten Minuten offenbar, dass vergleichsweise viel Mühe in das Projekt gesteckt wurde. Die sinnige Schauplatzwahl, die Liebe zum Detail zum Beispiel in Bezug auf die unzähligen Statisten und die Kostüme; oder aber die versierte, direkte und klar Action-orientierte, in Bezug auf eine allgemeine Hektik gerade noch annehmbare Kameraführung sprechen klar für das handwerkliche Engagement der Macher – und sorgen für einen hohen Unterhaltungswert. Überraschenderweise machen auch die Darsteller eine durchgehend gute Figur. Vor allem das wechselhafte Spiel von Jesse Metcalfe in der wohl wichtigsten Hauptrolle erscheint stets charmant und ist dabei – zumindest für Genre-Verhältnisse – als vergleichsweise glaubwürdig zu bezeichnen. Trotz, oder gerade wegen des immer wieder anberaumten ironischen Untertons. Auch mit der Wahl seiner weiblichen Mitstreiterin und Badass-Amazone Meghan Ory, oder aber dem fiesen Gegenspieler hat man nichts falsch gemacht; während der Auftritt von Rob Riggle als Zombie-Experte klar für die meisten Schmunzler sorgt. Zwar kann DEAD RISING niemals über (s)eine gewisse Formelhaftigkeit hinwegtäuschen, aber größtenteils geht das Konzept auf.

Größtenteils – denn abgesehen von den bereits aus dem Videospiel bekannten; im Film eigentlich relativ selten vorkommenden Waffenbau-Experimenten und gelegentlichen Splatter-Einlagen geht es dann doch nicht ganz so spektakulär zu. Das ist eine Feststellung, die vor allem auf die eigentliche Story zu beziehen ist – die im Gegensatz zu etwaigen Klassikern des Genres offensichtliche Gesellschaftskritik nicht mehr nur unterschwellig oder versteckt einbringt, sondern offen zelebriert. Das kann hie und da schon etwas ernüchternd wirken – vor allem natürlich dann, wenn es um das nicht mehr ganz so überraschende und stark überzeichnete Finale samt der enthaltenen Kernbotschaft geht. Immerhin: in Sachen Aktualität und Relevanz ist DEAD RISING: WATCHTOWER ganz vorn dabei. Die Medienlandschaft ist ein einziges Tollhaus, Skrupel gibt es nirgendwo; und die Sehnsucht nach heimlichen Helden ist groß. Das ist zwar keine besonders neuerliche Feststellung, aber in diesem Falle dennoch eine amüsant präsentierte.

Fazit: Sicher, DEAD RISING ist kein Meilenstein der Filmgeschichte – aber dennoch überzeugt er sowohl als solide Videospiel-Verfilmung, als auch als unabhängiger Zombie- respektive Splatterfilm mit einem kaum zu übersehenden Hang zur Überzeichnung. Während die eigentliche Idee und die Ausführung der Hintergrundgeschichte eher schwach sind und vor allem eingefleischte Genre-Fans langweilen könnten, spielt DEAD RSING seine Stärken in nahezu allen anderen Bereich aus – was ihn klar über den Durchschnitt rettet. Die handwerklichen Aspekte sind gelungen, die Darsteller ebenso wie ihre verkörperten Charaktere trotz Klischee-Alarm angenehm; die fulminante Mixtur aus Witz und Atmosphäre funktioniert. DEAD RISING ist so vor allem eines geworden: ein gut gemachter und verdammt unterhaltsamer Zombiefilm für Zwischendurch, der trotz seiner Spieldauer von knapp 2 Stunden niemals langatmig wird.

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„Überraschend gut aufgehende Kombination aus Atmosphäre und Spaß.“

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Filmkritik: „Zombieworld – Das Ende Ist Da“ (2015)

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Originaltitel: Zombieworld
Regie: Jesse Baget u.a.
Mit: Bill Oberst Jr., José M. Angorrilla, Marc Velasco u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 96 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Zombies | Episoden | Kurzfilme | Zusammenstellung

Zombies gehen immer… oder ?

Kurzinhalt: Die weltweite Zombie-Apokalypse ist ausgebrochen ! Nachrichtensprecher Marvin Gloatt (Bill Oberst Jr.) hat sichtlich Mühe, den wenigen verbleibenden Zuschauern mitzuteilen was sich in diesen verzweifelten Stunden rund um den Globus abspielt. Dennoch gebührt ihm seine Reporter-Ehre, weiterzumachen – komme was wolle. Und so präsentiert er diverse Live-Schaltungen und Berichterstattungen aus verschiedenen Teilen der Erde, die eines gemeinsam haben: die hungrige Zombies haben bereits überall die Vorherrschaft übernommen. Gut also, dass er auch einige Überlebenstipps für den gefährlichen Zombie-Alltag parat hat. Wenn es dafür nicht schon zu spät ist…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Filme, die in einem mehr oder weniger direkten Zusammenhang mit einem Verleiher namens GREAT MOVIES GMBH auftauchen können doch eigentlich nur… richtig; verdammt gut sein. So zumindest lautet die Annahme. Doch Vorsicht ist geboten – schließlich lauert hinter eben jenem Firmennamen ein Unternehmen, dessen Repertoire in etwa mit dem der noch bekannteren Trash-Schmiede THE ASYLUM zu vergleichen ist. Das gilt vornehmlich in Bezug auf die Tatsache, dass man es mit dem allgemein wichtigen Originalitätsfaktor nicht ganz so ernst nimmt – und das ein oder andere Werk auch mal dreist kopiert. Davon kann ZOMBIEWORLD zwar nicht wirklich ein Lied singen – doch ist das zunächst schwer zu erfassende Problem (speziell, wenn man nicht weiß worauf man sich hier einlässt) ein ganz ähnliches. Eines das dazu führt, dass der Film weder als stumpfe Parodie auf andere Genre-Vorbilder richtig funktioniert, noch als eigenständiger Zombie-Episodenfilm überzeugt.

Das besondere, oder auch der Knackpunkt des Films: letztendlich ist ZOMBIEWORLD ein wenig von beidem. Der Film besteht tatsächlich aus mehreren Einzelepisoden, die durch einen zentralen Dreh- und Angelpunkt (einem Nachrichtensprecher, der von allerlei Zombie-Geschehen rund um die Welt berichtet) miteinander verbunden werden. Bei jenen Bildern aus dem Nachrichten-Studio handelt es sich auch um die aktuellsten, im Sinne des Projekts spezifisch gedrehten Szenen. Alle anderen sind stellenweise wesentlich älter, stammen von verschiedenen Regisseuren – und wurden hier für eine Art Zombie-Collabo-Projekt neu aufbereitet und zusammengeführt. So finden sich beispielsweise auch die bereits bekannten Kurzfilme FIST OF JESUS oder BRUTAL RELAX in ZOMBIEWORLD wieder – nur in einem etwas anderen Zusammenhang. 

So präsentiert sich ZOBMIEWORLD weniger als Film im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr als Sammelsurium von mehreren kleinen Zombie-Geschichten – über deren Einzel-Qualität man wahrlich streiten könnte. Das Angebot reicht hier schließlich von verdächtig laienhaft inszenierten Szenen mit passenden Looks (die man so eher im Fundus diverser Youtube-Clipmacher oder als Zwischensequenz für ein Videospiel vermuten würde), geht über immerhin ansatzweise unterhaltsame Zombie-Survival-Turorials als Genre-Persiflage und mündet einstweilen doch noch in vereinzelten Eindrücken einer großen Hochglanzproduktion. Das Problem: auch wenn diese einzelnen Abschnitte hie und da einen gewissen Fun-Faktor etablieren (was noch am ehesten für FIST OF JESUS als reine Fun-Splatter-Orgie gilt), verpuffen sie spätestens in der kruden Zusammenstellung des Projekts. Hier passt schlicht nichts zu- und aufeinander, weder in Bezug auf den Stil noch auf den Inhalt.

Sicher, allen Geschichten gemeinsam bleibt der Hintergrund einer Zombie-Apokalypse – doch hilft das nicht viel, wenn auf absolut blödelnde Comedy-Einlagen plötzlich bierernste Charakter-Momente folgen und man immer wieder aus dem somit kaum vorhandenen Filmfluss gerissen wird. Sicher ist es enorm mutig, überhaupt ein Projekt wie dieses auf die Beine stellen zu wollen – und zumindest Bill Oberst Jr. gibt sich als Nachrichtensprecher sichtlich Mühe, der fraglichen Zusammenstellung eine gewisse Würze zu verleihen. Um das Ganze zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu bringen reicht das allerdings nicht. Der Fehler, ZOMBIEWORLD als zusammenhängenden Film zu präsentieren – dem folglich ein jedwedes Gespür für Dramaturgie und eine generelle Harmonie der präsentierten Bilder abhanden gekommen ist – wiegt schlicht zu schwer.

Fazit: Wenn es nicht die sehr freie, sich letztendlich als absolut unpassend herausstellende Kombination verschiedener Einzel-Episoden (oder auch: Kurzfilme) ist, die die Zuschauer von ZOMBIEWORLD verschrecken wird – dann die teils gähnende Langeweile. Denn trotz der Mitarbeit zahlreicher Regisseure, der schnellen Aufeinanderfolge der einzelnen Episoden und der immerhin annehmbaren Darstellung des Nachrichten-Sprechers als Vernetzungspunkt der Geschichten offenbart ZOMBIEWORLD immer wieder Momente des Leerlaufs. Das liegt zweifelsohne an der stark schwankenden Qualität des ausgesuchten Materials – das teils so unterirdisch ist, dass im direkten Vergleich selbst diverse Hobbyfilme-Macher klar die Nase vorn haben. Und das gilt beileibe nicht nur für die teils hanebüchenen Animationen oder die eher schlechten als rechten Leistungen der beteiligten Darsteller. Was bleibt, ist ein ganz großes Fragezeichen. Was genau wollten die Macher mit einem Projekt wie ZOMBIEWORLD erreichen ? Vielleicht wollten sie tatsächlich nur eine besondere Zusammenstellung aus verschiedenen Genre-Kurzfilmen für alle beinharten Zombie-Fans präsentieren. Warum man dann aber keinerlei Qualitätskontrollen vorgenommen hat, bleibt schleierhaft. Das Ergebnis jedenfalls spricht eine eindeutige Sprache: die einzelnen Kurzfilme werden eher abgewertet als dass man ein Interesse für sie generieren könnte.

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„Ein mutiges, leider katastrophal fehlgeschlagenes Projekt.“

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Filmkritik: „Cooties“ (2014)

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Originaltitel: Cooties
Regie: Jonathan Milott, Cary Murnion
Mit: Elijah Wood, Alison Pill, Rainn Wilson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Komödie
Tags: Kinder | Grundschule | Zombies | Pandemie | Seuche

Vorsicht, bissige Kinder.

Kurzinhalt: Clint (Elijah Wood) ist ein junger Mann, der sich eigentlich als Schriftsteller verdingen möchte – den großen Durchbruch aber noch nicht geschafft hat und sich seither mit einem Job als Vertretungslehrer über Wasser hält. Als er seinem alten Zuhause einen Besuch abstattet um in Ruhe an seinem Buch feilen zu können, nimmt er daher auch eine temporäre Stelle an seiner alten Schule an. Doch bevor er sich den normalerweise entstehenden Schwierigkeiten und dem etwas eigentümlichen Lehrer-Kollegium stellen kann, ergibt sich etwas unerwartetes: eine Schülerin zeigt plötzlich Anzeichen einer Erkrankung. Was genau es ist, darüber ist man sich im unklaren – doch spätestens als auch andere angesteckt werden und die Kinder wie wild gewordene Bestien über die Lehrerschaft herfallen, bricht Panik aus. So versuchen der verdutzte Clint, seine alte Schulfreundin Lucy (Alison Pill), ihr Freund Wade (Rainn Wilson) und andere Überlebende, den Kindern die Stirn zu bieten – was ihnen sichtlich schwerfällt. Immerhin scheinen zumindest die Erwachsenen davor gefeit, ebenfalls angesteckt werden zu können…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wie auch immer geartete Zombie-Filme gibt es mittlerweile reichlich – ob nun mit einer eher typischen Besetzung, oder zumindest einer eher ungewöhnlichen Gruppe auf Seiten der Aggressoren oder potentiellen Opfer. Allzu viel neues gibt es aber selbst hier nicht mehr zu holen, so gut wie alles wurde bereits durchgekaut – mit einer Ausnahme. Denn: wo Kindergruppen sonst bestenfalls von dämonischen Präsenzen kontrolliert werden, wandeln sie in COOTIES tatsächlich als lebende Tote über den Bildschirm. Glücklicherweise ist das unter anderem von Elijah Wood ins Leben gerufene Film- und Spaßprojekt aber ein eben solches – sodass etwaige Befürchtungen einer Grenz-Überschreitung schnell ad acta gelegt werden können. Die Zombie-Hatz ist grundsätzlich als rasantes und grelles Spektakel ausgelegt, in dem der ein oder andere trockene Spruch den nächsten jagt – und in dem man die neuerlichen Zombie-Kids gar als bloßes Beiwerk betrachten könnte. Als solches, dass die vielen absurden Dialoge und Charakter-Situationen an einer Grundschule erst ermöglicht; sicher – theoretisch wäre hier aber auch eine gänzliche andere Form der Bedrohung denkbar gewesen.

Doch was soll man machen – Zombie-Filme erfreuen sich nach wie vor einer großen Beliebtheit, und sie lassen sich zudem mehr als gut verkaufen. Dies wiederum führt dazu, dass es entsprechende Genre-Filme nur noch selten schaffen, potentiell gehegte Erwartungen zu übertreffen; geschweige denn sich als eigenständig-frische Werke zu profilieren. Auch im Falle der COOTIES sieht es diesbezüglich eher düster aus – doch immerhin hat man sich auch nicht gänzlich die Blöße gegeben. Der Film funktioniert am ehesten als recht unterhaltsame, abgedrehte Komödie – die sowohl typische Anleihen aus dem Bereich des Horror-Trashs als auch diverser schon eher alltagstauglicher Komödien heraufbeschwört. Im Ergebnis bedeutet dies vor allem, dass es weniger von der typischen Zombie-Splatter-Kost zu sehen gibt als eventuell erwartet (was in diesem Fall aber weitestgehend positive Folgen hat; vor allem in Bezug auf die größtenteils minderjährige Besetzung) – dafür aber umso mehr Wert auf möglichst hanebüchene Dialoge und absurde Situationen gelegt wurde. So zumindest lautet die Theorie, der man nicht immer gerecht wird – denn trotz der relativ ausschweifenden Gag-Dichte und der vor allem im späteren Verlauf angezogenen düsteren Stimmung mit dem Spannungs-Potential eines ‚echten‘ Horrorfilms bleiben etwaige Durststrecken auch in COOTIES nicht gänzlich aus.

Schließlich hat man sich deutlich weniger um die Handlung respektive Ideen über die merkwürdige, ausschließlich vorpubertäre Kinder betreffende Pandemie (die im übrigen aus verseuchtem Hühnerfleisch entstanden ist) bemüht – und vieles den viel Raum einnehmenden Charakteren überlassen. Die wurden dann allerdings auch tatsächlich gut getroffen: sei es Elijah Wood als schüchtern-naiver Schriftsteller der auf eine alte Schulfreundin trifft; sei es ein Lehrer-Kumpane der schlecht mit anderen ins Gespräch kommt, dafür aber ein Experte auf so manchem Gebiet ist – oder aber der von Rainn Wilson gespielte Wade, der sich als feuriger Anführer der Gruppe herauskristallisiert und rein Sprüche-technisch viele Lacher auf seiner Seite hat. Hie entsteht viel makaberes, wenn auch nicht immer auf dem höchsten denkbaren Niveau – doch ein überdurchschnittliches Unterhaltungs-Potential ohne explizite Fremdschäm-Momente ist in jedem Fall gegeben. Schade ist nur, dass sich der aus LOST bekannte Jorge García als Fehlbesetzung herausstellt, wobei sein Charakter ohnehin nicht viel zu melden hat. Das gleiche gilt indes auch für die beiden nicht-infizierten Kinder, aus deren Rollen man noch so viel mehr hätte machen können.

Rein technisch und handwerklich macht COOTIES eine gute, allerdings auch weitestgehend unspektakuläre Figur. Anders gesagt: man sieht dem Film an dass es sich um ein Spaßprojekt ohne größeres Budget handelt, was sicher auch Vorteile hat – doch in Bezug auf die Kostüme, die Maske, Schauplätze und vor allem die Interaktionen mit der Umwelt macht man es sich stellenweise sichtlich einfach. Etwaige andere Aspekte, wie in Bezug auf die Kamera-Arbeit, den Soundtrack oder die Qualität der darstellerischen Leistungen gehen analog dazu auch mal dezent unter – im allgemeinen Trubel und dem nicht immer, aber doch vergleichsweise häufig zündenden Gag-Feuerwerk.

Fazit: COOTIES ist einer jener Filme, der auf der schon seit Jahren anhaltenden Welle der Zombie-Filme mitsurft – aber immerhin auch einige neue Ideen, einen gewissen Charme und einen erhöhten Fun-Faktor mitbringt. Als abendfüllendes oder gar kultverdächtiges Genre-Meisterwerk taugt er aber weder als Komödie noch als Zombie-Trash-Verschnitt – dazu wirkt er schlicht zu beliebig, und vielleicht auch zu halbherzig. Zudem kommt er absolut unnötigerweise mit einem der enttäuschendsten Film-Enden aller Zeiten daher – sodass auch die versteckte Szene nach dem Abspann nur noch wenig Sinn macht. Dennoch: im Sinne eines launigen Filmabends unter Freunden, die im besten Fall eine Vorliebe für schwarzen Humor haben; könnte COOTIES seinen Zweck erfüllen.

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„Kein Muss für Zombie-Fans – als etwas andere Komödie aber durchaus annehmbar.“

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Filmkritik: „Juan Of The Dead“ (2011)

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Originaltitel: Juan De Los Muertos
Regie: Alejandro Brugués
Mit: Alexis Díaz De Villegas, Jorge Molina, Andrea Duro u.a.
Land: Spanien, Kuba
Laufzeit: ca. 100 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Komödie
Tags: Kuba | Karibik | Sommer | Zombies | Untote

Kuba ist bekannt für seine Zigarren… aber nicht nur.

Kurzinhalt: Als im von Krisen ohnehin geplagten Kuba eine Art Zombie-Epidemie ausbricht, versuchen die Regierung und die Medien alles auf politische Gegner des Landes zurückzuführen. Doch als selbst die Reporter vor laufender Kamera bei lebendigem Leibe gefressen werden, scheint es bereits zu spät – das Land steht vor einer Bedrohung, die es so zuvor noch nie gesehen hat. Der Kubaner Juan (Alexis Díaz de Villegas) sieht das Ganze aber eher entspannt – und bietet den Bürgern sogar seine Dienstleistung als Beseitiger von nunmehr unliebsamen Familienmitgliedern an. Gemeinsam mit seinem besten Kumpel und weiteren Bekannten zieht er los, um das beste aus der Katastrophe zu machen – um sein Überleben, aber vor allem das seiner mittlerweile erwachsenen Tochter zu sichern.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Filme, die sich in irgendeiner Art und Weise mit Untoten respektive fleischfressenden Zombies beschäftigen; gibt es wie Sand am Meer. Während viele jener Werke – die sich in einem durchaus traditionsreichen Sub-Genre des Horrorfilms zuhause fühlen – mit einem ersten Hintergrund aufwarten oder zumindest auf eine ernsthafte Wirkung im Sinne einer schaurigen Filmerfahrung abzielen; gibt es mindestens ebenso viele Zombiefilme die eher dem Genre der Horrorkomödie zuzuordnen wären. Und diese haben oftmals – und trotz der unterschiedlichen, mal mehr und mal weniger trashigen Herangehensweisen – eines gemeinsam: sie strapazieren eher die Lachmuskeln der (abgebrühten) Zuschauer, als dass sie Angst und Schrecken verbreiten. Im besten Fall, und um den Bogen zu den eigentlichen Zombiefilmen zu schlagen; beinhalten sie dann auch noch das ein oder andere Quäntchen Gesellschaftskritik.

Sicher wären hier einige Paradebeispiele anzuberaumen; vor allem wohl solche, die speziell in den turbulent-bunten 80er Jahren entstanden sind. Doch da JUAN OF THE DEAD bereits mit seinem Filmtitel allein auf einen weitaus jüngeren quasi-Zombiefilm aus England anspielt, sollten die Parallelen zu Edgar Wright’s SHAUN OF THE DEAD (Review) tatsächlich die offensichtlichsten sein. Hierbei handelt es sich um eine schwarzhumorige Zombiekomödie, in der die beiden britischen Kult-Darsteller Simon Pegg und Nick Frost ein wahres Gagfeuerwerk ablieferten – und um einen Film, in dem die wandelnden Untoten so gesehen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Insbesondere, da man einen starken Wert auf die Charakterporträts legte, so abstrus und zugespitzt sie erscheinen mögen – sodass nun auch JUAN OF THE DEAD versucht, in eine ganz ähnliche Kerbe zu schlagen. Das Problem: JUAN OF THE DEAD mangelt es einerseits genau daran – an starken, angenehm eigentümlichen und bestenfalls unverwechselbaren Charakterporträts – und letztendlich auch an jener Prise eines britischen Humors, der das ‚Original‘ so einzigartig machte.

Andererseits könnte man diese Aspekte nur allzu schnell wieder hinsichtlich ihrer Bedeutsamkeit schmälern. Schließlich verstehen sich die Macher von JUAN OF THE DEAD zwar gut mit Titelspielereien und etwaigen Andeutungen – doch wollten sie SHAUN OF THE DEAD letztendlich nicht bloß kopieren respektive auf einen neuen Schauplatz übertragen. Im Gegenteil, grundsätzlich bietet der Film genügend neue Elemente, um sich als eigenständiger Zombiefilm zu profilieren. Zumindest theoretisch – in der Praxis schöpft man jene potentiellen Vorteile leider kaum aus. Beispielsweise wäre da der Schauplatz, beziehungsweise die gesamte eher sommerliche Kulisse zu nennen – durch den das Gefühl aufkommen sollte, dass man die Schwüle des kubanischen Sommers auch als bloßer Zuschauer spüren könnte. Das ist allerdings nur  bedingt der Fall – schlussendlich entscheidet sich JUAN OF THE DEAD in optischer Hinsicht weniger von vergleichbaren Zombie-Komödien, als man es zunächst gedacht hätte.

Sicher, statt etwaiger dunkler Szenen dienen hier vermehrt satt ausgeleuchtete Sets oder gleich der strahlende, wolkenlose Naturhimmel als Grundlage für einen vergleichsweise sommerlich-hellen Zombiefilm – doch reicht das allein nicht aus, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Denn ausgerechnet bei den Kostümen und der Arbeit der Maskenbildner hat man (wohl auch aufgrund des Mini-Budgets) geschlampt – und das in einem eher negativen, denn in einem angenehm-trashigen Sinne. Auch hätte man das Meer bzw. das Element des Wassers ruhig mehr einbeziehen können – abgesehen von der (dezent unglaubwürdigen) Auftaktszene und einer an LAND OF THE DEAD erinnernden Unterwasser-Aufnahme gibt es diesbezüglich nichts zu sehen. Mit vielen Szenen bewegt man stilistisch eben doch auf einem sicheren, unspektakulären Terrain – was auch auf die anderen technischen Aspekte (wie Schnitt und Kameraführung) und auch den unspektakulären Soundtrack zu übertragen ist.

Das eigentliche Problem von JUAN OF THE DEAD liegt aber ohnehin in einem gänzlich anderen, sicherlich gewichtigeren Bereich begründet. Bei diesem dreht es sich um nicht weniger als den eigentlichen Kernaspekt des Films, beziehungsweise die letztendliche Genre-Ausrichtung und inhaltliche Gestaltung. Dafür, dass der Film als kubanisches Pendant zu SHAUN OF THE DEAD und auch davon unabhängig als besonders furioser, witziger und unterhaltsame Zombie-Komödie angepriesen wird; vermag er es beispielsweise verdächtig wenige Lacher zu generieren. Zwar ist es gut, dass man nur selten auf allzu platte Gag-Elemente setzt; doch ein paar gelungenere Pointen oder ein wenig mehr Situationskomik hätten dem Film sicherlich gut getan. Im Zusammenspiel mit dem alles andere als erfrischenden Plot entsteht so schließlich nicht selten das Gefühl, als würde der Film nicht wenige Durststrecken bereithalten. Die wenigen kurioseren Aha-Momente (beispielsweise die Szene, in der Juan von seinem besten Freund gebeten wird sich oral befriedigen zu lassen) sind dann leider viel zu schnell wieder vergessen.

Ein weiterer Knackpunkt könnte bereits dann ersichtlich werden, wenn man die FSK-Freigabe betrachtet: JUAN OF THE DEAD ist ab 16 freigegeben. Dafür bietet der Film zwar hie und da doch noch das ein oder andere heftige Splatter-Element – doch gerade eingefleischte Genrefans können diesen wenigen actionreicheren Szenen nur ein müdes Lächeln entgegenbringen. Noch gravierender wird es, wenn man ein weiteres tragendes Element des Films besieht – die Riege der Charaktere. Insbesondere der Hauptdarsteller des Juan, Alexis Díaz de Villegas kann kaum überzeugen und wirkt einstweilen sogar regelrecht unsympathisch – ob man seine Darbietung nun mit dem charmanten Spiel seiner britischen Kollegen von SHAUN OF DEAD vergleicht oder nicht. Mit seinem besten Kumpel Lazaro, der von Jorge Molina gespielt wird; macht man es schon etwas besser – beispielsweise mit einigen eigentümlichen Charaktereigenschaften, die sich bestens für einen Film wie diesen eignen. Auch wenn hier das ein oder andere platte Klischee bedient wird, wie in den ermüdenden Momenten als er einer erretteten Maid zu keinem Zeitpunkt in die Augen, sondern nur auf den Busen starrt.

Fazit: JUAN OF THE DEAD strotzt vor mal mehr, mal weniger offensichtlichen Schwächen, und könnte unter gewissen Umständen durchaus als Totalausfall angesehen werden. Was ihm bleibt ist letztendlich nur ein eher streitbarer Aspekt, an dem sich die Geister der Rezensenten und Zuschauer scheiden werden. Anders gesagt: entweder, man erlebt den Film allein unter den oben angegebenen Gesichtspunkten und befindet ihn für eine ideenlose, langatmige und verdächtig witzlose (und wenn überhaupt alberne) Interpretation altehrwürdiger Klassiker oder eines jüngeren Vorzeigebeispiels a’la SHAUN OF THE DEAD – oder aber, man berücksichtigt auch die hie und da angedeutete Sub-Ebene des Films. Doch gibt es auch hier nicht unwesentliche Probleme: die Zombie-Horden als Sinnbild für etwaige Gesellschaftsschichten oder politische Gruppierungen zu verwenden, ist spätestens seit den frühen Werken von George A. Romero keine Seltenheit mehr – und JUAN OF THE DEAD bietet bis auf wenige zusammenhanglos in den Raum geworfene Stichworte einfach kaum Anhaltspunkte, die die Lust auf eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Land und seiner Geschichte fördern würden. Ganz im Gegenteil, speziell das befremdliche Element einer Verkaufsidee (Juan und seine Freunde bieten Bürgern an, gegen ein Entgelt ihre ehemaligen Angehörigen zu entsorgen) und das mit ganz ähnlichen Botschaften ausgestattete Ende hinterlassen einen reichlich unangenehmen Beigeschmack. Dass das Ganze mitunter auch als explizite Kritik am Kuba-Regime unter Fidel Castro einerseits, und als Hommage an die trotz allem lebensfrohen Kubaner andererseits angesehen werden könnte ist zwar schön und gut – doch macht es den Film als solches nicht besser oder sehenswerter. Und schon gar nicht spannender oder unterhaltsamer.

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„Eine reichlich langatmige, ideenlose und inhaltlich fragliche Zombiefilm-Komödie; bei der einem vieles verdächtig bekannt vorkommen sollte – mit Ausnahme des Schauplatzes.“

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Filmkritik: „Black Sheep“ (2006)

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Originaltitel: Black Sheep
Regie: Jonathan King (II)
Mit: Nathan Meister, Peter Feeney, Tammy Davis u.a.
Land: Neuseeland
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror, Komödie
Tags: Schafe | Mutation | Virus | Splatter | Trash

Auf das Schaf gekommen.

Kurzinhalt: Ein neuseeländischer Schafzüchter namens Angus Oldfield (Peter Feeney) plant, mithilfe neuerliche Experimente eine völlig neue und bessere Spezies des beliebten Nutztieres zu erschaffen. Dumm nur, dass ihn  zwei findige Öko-Aktivisten (Oliver Driver, Danielle Mason) daran hindern wollen – sie stehlen eine der fürchterlich entstellten, augenscheinlich toten Versuchstiere um die Öffentlichkeit aufzuklären. Aber auch Angus‘ Bruder Henry (Nathan Meister) taucht plötzlich auf, um mit seiner Vergangenheit abzuschließen. Dazu will der einst vom seinem Bruder heftig traumatisierte Schafs-Phobiker eigentlich nur seinen Anteil an der Farm verkaufen – doch alsbald kommt er den kruden Machenschaften seines machthungrigen und sich kaum veränderten Bruders auf die Schliche. Während die Zahl-Uhr des auf ihn wartenden Taxis unaufhörlich weiter läuft; ereignen sich indes noch ganz andere, überaus merkwürdige Dinge. Es scheint, als würden die sonst so friedlichen Schafe der Gegend plötzlich zu tollwütigen Bestien mutieren…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Als etwas anderer, da auffallend tierischer Horrorfilm präsentiert sich Jonathan King’s BLACK SHEEP – ein Film, der gleich in mehrerlei Hinsicht besonders ist. Schließlich wird schnell klar, dass der neuseeländische Regisseur in seiner ersten Regie-Arbeit (zu der er auch das Drehbuch schrieb) weniger auf einen größtmöglichen Grusel aus ist; als vielmehr auf allerlei Schenkelklopfer. Etwaige Parallelen zu Peter Jackson’s früheren Werken a’la BAD TASTE oder BRAINDEAD (Review) kommen also nicht von ungefähr. Nicht nur, dass die beiden Regisseure dasselbe Herkunftsland teilen; BLACK SHEEP konnte als eine Art Hommage an frühere, das Genre der Horrorkomödie prägenden Werke betrachtet werden. Umso passender erscheint es da, dass Jonathan King nicht nur dem Genre und anderen großen Künstlern Tribut zollt – sondern gleichzeitig auch dem quasi-Nationaltier Neuseelands. Und das ist auch der eigentliche Clou des ansonsten nicht unbedingt als bahnbrechend zu bezeichnenden Films, der es als einer der ersten überhaupt schafft die plauschigen, viele der hiesigen Hügellandschaften prägenden Wollknäuel geradezu bedrohlich erscheinen zu lassen.

Allerdings schlägt sein BLACK SHEEP zu keinem Zeitpunkt düsterere Töne an. Selbst die vergleichsweise harten Splatter-Szenen sorgen in ihrem Kontext vor allem für eines: für einen immensen Unterhaltungswert. Eine der größten Kuriositäten findet sich schließlich in Bezug auf die inszenatorischen Kniffe des Filmteams: sofern es sich anbietet und im Sinne der jeweiligen Szene ausreicht, werden schlicht etwaige in der Landschaft herumstehende Schafe oder auch mal aufgescheuchte Herden gefilmt – und sobald die Tiere ihre eher angriffslustige Ader durchscheinen lassen, greift man auf Puppen zurück. Die sehen nicht nur herrlich grotesk aus, sondern bieten in den entscheidenden Momenten genau das richtige Futter für etwaige Trash- und Creaturefans, die die Protagonisten einmal mehr mit einem etwas anderen Gegner beschäftigt wissen wollen. Allein aus der reichlich kruden Prämisse der wildgewordenen Schafe und der soliden, gerne mal an BRAINDEAD erinnernden Handwerksarbeit ergibt sich somit ein Film, den man zumindest als eingefleischter Fan des Genres einmal gesehen haben sollte.

Alles andere (sowie sicherlich auch die eher weniger vorhandene Story) kann dann als Zusatz gesehen werden. Als Zusatz, den man trotz der geradezu gewaltigen Grundidee ebenfalls nicht vernachlässigte – denn auch in den vielen kleineren Nebengeschichten ist ein gewisses Engagement der Verantwortlichen, sowie eine Vorliebe für allerlei kuriose Details immer spürbar. Gerade deshalb wirkt BLACK SHEEP auch niemals wie ein plumper Abklatsch etwaiger Genre-Vorbilder – sondern wie ein eigenständiger, durchaus professionell gemachter Film mit vielen Seitenhieben; der sich schnell im Sinne einer eigenen Identität profilieren kann. Stellvertretend dafür stehen beispielsweise die zahlreichen Neben- respektive Hintergrundgeschichten; wie  die zur (begründeten) Schafs-Phobie des Hauptcharakters. Desweiteren ist man sich auch nicht zu schade einen Grund für die eigentliche, aggressive Invasion der Schafe abzuliefern. Der ist zwar wenig überraschend, im Gegensatz zu vielen anderen Filmen einer ähnlichen Machart aber zumindest überhaupt vorhanden.

Natürlich ist BLACK SHEEP dabei – und trotz dessen, dass man ihn wohl bestens als Anschauungsmaterial zwecks der Fragwürdigkeit von tierischen Experimenten einsetzen könnte – alles andere als ein fordernder oder gehaltvoller Film. Das muss, und will er aber auch gar nicht sein – was sich ebenfalls sehr gut an den arg oberflächlichen, für den Filmfluss aber dienlichen Charakterporträts festmachen lässt. Diese sorgen ebenfalls für den ein oder anderen Lacher, den ein oder anderen Sympathiepunkt – auch wenn keine allzu markante Figur (wie beispielsweise ein altehrwürdiger Lionel) mit von der Partie ist. Am ehesten sorgt hier noch der quasi-Bösewicht und gemeine Bruder Angus für Aufsehen – der von Peter Feeney mit einer Leidenschaft und Eigentümlichkeit verkörpert wird, dass es eine Freude ist.

Fazit: In Anbetracht eines Films wie BLACK SHEEP gilt es eigentlich nur, eines zu beachten – man sollte schon ein Fan des Genres, legendären Film-Vorbildern wie BRAINDEAD oder zumindest eher unkonventioneller Horror-Komödien sein um in den vollen Genuss dieses herrlich makaberen und durchtriebenen Werkes zu kommen. Trifft diese Notwendigkeit zu, so steht einem gelungenen Filmabend nichts im Wege: BLACK SHEEP wirkt trotz seiner Flachheit durchdacht, trifft hinsichtlich seiner handwerklichen Aspekte exakt den richtigen Nerv und präsentiert sich als angenehme Mischung aus einem wohlwollenden Genre-Tribut und einem doch überraschend eigenständigem Werk. Als kleines Schmankerl gibt es noch einen kuriosen Soundtrack von Victoria Kelly obendrauf – der eben deshalb so kurios wirkt, weil er so gar nicht mit dem trashigen Gesamteindruck des Films harmonieren will und sich bestens für den ein oder anderen (ernst gemeinten) Blockbuster geeignet hätte.

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„Ein einzigartig tierisches Vergnügen für alle Genre-Fans.“

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Filmkritik: „Warm Bodies“ (2013)

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Originaltitel: Warm Bodies
Regie: Jonathan Levine
Mit: Nicholas Hoult, Teresa Palmer, Analeigh Tipton u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Romanze, Horror
Tags: Zombies | Untote | Liebe | Verwandlung

Ein frischer Wind im Zombie-Genre – oder war’s doch nur das Fenster ?

Kurzinhalt: In einer nahen Zukunft ist die gesamte amerikanische Bevölkerung einer Art Zombie-Seuche zum Opfer gefallen. Die infizierten wandeln fortan als Fleisch-fressende Untote durch die Straßen – und machen Jagd auf die wenigen menschlichen Überlebenden, die sich mit Ach und Krach in Sicherheit brachten konnten. Einer der Zombies (Nicholas Hoult) aber scheint noch immer etwas menschliches in sich zu tragen. Alsbald begegnet er einem Mädchen namens Julie (Teresa Palmer), welches von einer Horde Untoter angegriffen wird – und beschließt sie zu retten. Doch damit nicht genug, er nimmt sie sogar mit in sein Versteck und nimmt sich vor sie auch weiterhin zu beschützen. Die völlig verdutzte Julie kann nicht so Recht glauben wie ihr geschieht – und doch freundet sie sich langsam mit ihrem ungewöhnlichen Retter an und gibt ihm den Namen R. Speziell Julie’s Vater würde seiner Tochter aber kaum glauben, dass ausgerechnet einer der ihn ständig bedrohenden Zombies seine Tochter gerettet haben soll…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Es ist sicher nicht leicht, dem allseits beliebten Genre des Zombie-Films auch heute noch etwas neues abzugewinnen. Diejenigen, die es dennoch versuchen gehen oftmals nur noch groteskere Wege – beispielsweise in Form diverser Kreuzungsfilme, in denen die Zombie-Thematik mit einer anderen, bisher noch nicht verwendeten verknüpft wird. Doch gibt es auch einen bodenständigeren Weg – wie den, den man nun in WARM BODIES geht. Einen bodenständigeren, aber dennoch ungewöhnlichen – und zunächst sogar merklich erfrischend erscheinenden. Schließlich sieht die Idee des Films vor, dass längst infizierte noch immer menschliches in sich tragen – und daher auch mithilfe einer entsprechenden Stimulierung auch wieder in die Welt der lebenden zurückgeholt werden können. Die andere Seite der Medaille, das heißt die der absoluten Unumkehrbarkeit des Vorgangs findet sich ebenfalls im Film – und zwar in Form von schon weitaus länger infizierten, nunmehr nur noch an Skelette erinnernde Wesen.

Mit dieser Prämisse startet WARM BODIES dann auch recht unkonventionell durch; und lässt den Zuschauer einen gerade erst infizierten begleiten, der der gängigen Vorstellung eines Zombies absolut widerspricht – beispielsweise in Form ständiger reflektierender Monologe. Gerade die sorgen dann auch für einen gewissen Anflug von Heiterkeit und allerlei schwarzen Humor – bis hierhin sieht es demnach verdächtig gut aus für WARM BODIES. Doch aufgepasst – denn das, was noch folgt ist kaum noch mit dem frischen Auftakt des Films zu vergleichen. Der eine Knackpunkt ist sicherlich die hohe Gewichtung der für das Konzept des Films essentiellen Liebe – einer Liebe, die den eigentlich Untoten wieder neues Leben einhauchen kann. So sinnig das zunächst klingt, so ernüchternd und vor allem Genre-fremd ist die letztendliche Lösung: WARM BODIES ist demnach vor allem deshalb ein so andersartiger und erfrischend wirkender Zombiefilm, da er schlicht weniger von einem Zombiefilm hat als von einer handelsüblichen Hollywood-Romanze.

Etwaige Parallelen zur TWILIGHT-Saga oder anderen explizit an ein in dieser Hinsicht besonders liquides Zielpublikum ausgerichtete Teenie-Horrorfilme kommen also nicht von ungefähr. genau das werden sich auch Jonathan Levine und die hinter ihm stehenden Produzenten gedacht haben, als sie beschlossen den Roman MEIN FAHLER FREUND von Isaac Martin in Filmform zu verpacken. Leider ist dann auch hauptsächlich diese eher verkaufsorientierte und möglichst massenkonforme Stimmung, die sich im gesamten weiteren Verlauf dies Films niederschlägt – der dem Zuschauer eigentlich doch nur Popcorn-taugliches Mainstreamkino mit einer besonderen Lovestory offeriert. Dass das Ganze vor dem Hintergrund einer Zombie-Apokalypse spielt, fällt da kaum noch ins Gewicht – im Gegenteil, wird dieser Hintergrund sogar frech für die dreist-oberflächliche Moral des Films genutzt. Wer sich schon intensiver mit diversen Zombie-Filmen und speziell den Ursprüngen des Genres beschäftigt hat wird wissen, dass nicht wenige Filme dieser Machart zumeist auf zwei Ebenen funktionieren: einer tatsächlichen, handlungsorientierten – und einer eher unterschwelligen, dezent gesellschaftskritischen a’la George Romero. Und nun kommt ein Film wie WARM BODIES daher – und erdreistet sich, jene einst kunstvoll und intelligent verpackten Untertöne vollständig zu entmystifizieren.

Schließlich werden die Zombies hier in jeder Hinsicht zu von der Gesellschaft ausgegrenzten Geschöpfen, die noch nicht einmal wirklich – und  das ist der Punkt – Zombies sind. Bringt man (das heißt, die Gesellschaft) ihnen nur die nötige Akzeptanz und (Nächsten-)Liebe entgegen, würden sie ihre Andersartigkeit und ihr so gesehen verzweifeltes, fehlgeleitetes Verhalten schneller wieder ablegen als es den nicht mehr zu rettenden (den Skeletten, die beliebig durch etwaige fanatische Bevölkerungsgruppen zu ersetzen sind) lieb ist. Und wenn in WARM BODIES selbst die reine Bildsprache nicht mehr ausreicht, und die Herzen der noch-nicht-ganz Untoten wieder zu schlagen beginnen –  dann weiß man, dass der Zuschauer hier nicht ganz für voll genommen werden kann. Vielleicht wäre all das noch gar nicht so schlimm, hätte WARM BODIES zumindest mit der ein oder anderen weiteren Idee aufgetrumpft – doch abgesehen von der halbwegs interessanten Prämisse erstickt man vieles im alles umfassenden Kitsch und Liebesschnulz. Selbstverständlich spielt es in diesem Zusammenhang auch keine Rolle mehr, dass der Hauptprotagonist den Freund seiner nunmehr geliebten verspeist hat – was soll’s, wenn es doch einen viel besseren Ersatz gibt. Dass die Macher erst gar nicht auf Idee gekommen sind sich weitere Gedanken zur Zombie-Apokalypse zu machen ist dann auch nicht sonderlich überraschend. Wozu sich die Mühe machen, wenn sich der Film auch so verkauft ?

Sicher könnte man über den Sinn oder Unsinn des Hintergedankens der Originalvorlage, und noch expliziter über dem Film und seine merkwürdige inhaltliche Ausrichtung streiten – doch gibt es wie so oft auch einige Aspekte, die sich einer wie-auch-immer gearteten Objektivität nicht gänzlich entziehen. Hauptsächlich geht es dabei um die technischen Aspekte des Films – der vor allem optisch und vom Soundtrack her eine gar nicht mal so schlechte Figur macht; mit Ausnahme der eher plump animierten Skelette. Die Optik ist generell angenehm düster und sieht nur hier und da einige Highlights und Eyecatcher vor, der Schnitt ist angenehm und niemals zu hektisch, die Schauplätze werden stimmig in Szene gesetzt, die Arbeit der Masken- und Kostümbildner ist nicht überragend aber doch zweckdienlich. Hinsichtlich seines Darsteller-Ensembles setzt man in WARM BODIES sogar noch einen obendrauf: speziell Nicholas Hoult scheint in seiner Rolle geradezu aufzugehen, selbst kleinere Details (wie in Bezug auf Bewegungsabläufe oder das Sprechen) werden glaubhaft von ihm transportiert. Sein weiblicher Gegenpart in Form von Teresa Palmer muss dagegen nicht viel mehr machen als gut auszusehen und hie und da etwas Überzeugungsarbeit zu leisten – da wäre mehr drin gewesen. Ebenso wie in Bezug auf den regelrechten Gast-Auftritt von John Malkovich; dessen Sinn sich leider überhaupt nicht erschließt.

Fazit: Sollten die verantwortlichen Ideengeber hinter der Filmumsetzung von WARM BODIES tatsächlich gedacht haben, das Genre beleben oder gar umkrempeln zu können; so ist ihnen dieser Versuch misslungen. Schlicht, da WARM BODIES zusammenfassend betrachtet eigentlich gar kein Zombiefilm ist – sondern sich diesen allseits beliebten Story-Hintergrund auf eine besonders perfide Art und Weise zunutze macht. Letztendlich geht es eben doch nur um die Liebe – und, dass sie alle Schranken zu durchbrechen vermag. Wer auf die neuerdings angesagte Vermischung von sonst eher dem Horror zuzuschreibenden Inhalten mit satten Love-Stories mit Teenie-Identifikationsfiguren steht; könnte allerdings seine Freude an WARM BODIES haben. Die TWILIGHT-Vampire und -Werwölfe lassen grüßen…

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„Handwerklich in Ordnung – inhaltlich eine Katastrophe.“

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Filmkritik: „Zombiber“ (2014)

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Originaltitel: Zombiber
Regie: Jordan Rubin
Mit: Rachel Melvin, Cortney Palm, Lexi Atkins u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 85 Minuten
FSK: ab 16 / 18 freigegeben
Genre: Horror / Komödie
Tags: Biber | Kreaturen | Zombies | Haus | Jugendliche

Was gab es noch nicht… richtig, Biber-Zombies !

Kurzinhalt: Eigentlich wollten die Freundinnen Jenn (Lexi Atkins), Mary (Rachel Melvin) und Zoe (Cortney Palm) ein paar ruhige Tage in einem abgelegenen Ferienhaus verbringen – ganz ohne Männer. Doch dann erscheinen plötzlich doch noch ihre feierfreudigen Bekannten Tommy (Jake Weary), Buck (Peter Gilroy) und Sam (Hurch Dano) auf der Bildfläche, und mischen die Party gewaltig auf. Damit können sich die Freundinnen offenbar noch ganz gut arrangieren – doch alsbald gesellen sich noch weitere ungebetene Gäste hinzu; eine Horde wild gewordener Biber nämlich. Die scheinen aufgrund eines Chemie-Unfalls mutiert zu sein, und dadurch auch Jagd auf Menschen zu machen. Das Problem: ein Biss der Kreaturen scheint die Infektion direkt zu übertragen – weshalb sich die Truppe mit Ach und Krach versucht, im rustikalen Holzhaus zu verschanzen. Doch einer der Männer, der schon ungewollt auf Tuchfühlung mit den bissigen Nagern gegangen ist; benötigt dringend ärztliche Hilfe…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Als einer der neuesten Ableger der Tierhorror-Sparte fungiert Jordan Rubin’s ZOMBIBER – eine weitere Low Budget-Produktion, die frei nach dem Vorbild von ähnlichen Werken wie BLACK SHEEP eine ganz bestimmte Tierart mit der allseits beliebten Zombie-Thematik verknüpft. Dieses Mal sind es indes keine wild gewordenen Schafe, die mehrere junge Menschen oder gar ganze Ortschaften drangsalieren – sondern leicht tollwütige Biber, was nicht minder kurios erscheint. Und auch wenn ein größerer Überraschungseffekt in Anbetracht des von Billigproduktionen überlaufenen Genres ausbleibt; scheint man in ZOMBIBER zunächst vieles richtig zu machen – was für einen entsprechend stimmigen Einstieg und eine steigende Motivationskurve im Sinne eines unterhaltsamen Trashfilm-Abends sorgt. Vor allem die angenehme, sich durch so gut wie alle Szenen ziehende Selbstironie und die überraschend professionelle Machart hinterlassen dabei einen besonders positiven Eindruck.

Aber auch gewisse Aspekte der Handarbeit (wie in Bezug auf das Design der mutierten Biber oder die recht aufwendig erscheinenden Splatter-Szenen) und der Hang zu explizit überzeichneten Dialogen weisen darauf hin, dass es sich hier durchaus um ein feucht-fröhliches Film-Fest handeln müsste – zumindest für eingefleischte Genre-Fans, die nicht allzu viel Tiefgang erwarten. Müsste ist allerdings auch das Stichwort, denn unglücklicherweise haben es die Macher verpasst die offensichtlich vorhandene (Narren-)Freiheit in Bezug auf wirklich alle Bereiche des Films auszuleben. Das bedeutet: abgesehen von den zunächst erfrischend makaberen Dialogen und einigen optischen Elementen (und eventuell auch einer gewissen Freizügigkeit im Vergleich mit anderen US-Produktionen) präsentiert sich ZOMBIBER als absolut typischer, zu gewaltigen Prozentzahlen austauschbarer Horrortrasher. Dies führt nicht nur dazu, dass sich der Film schnell meilenweit von einem wie auch immer gearteten Kultstatus entfernt – sondern auch dazu, dass er sich trotz der knappen Spieldauer von guten 70 Minuten schnell abzunutzen droht.

Gründe dafür finden sich schließlich zuhauf; wobei diese bereits mit der alles andere als innovativen Einstiegsszene (und dem eigentlichen Grund für die Mutation) beginnen. Eine aus verdächtig vielen Filmen bekannte Lastwagenszene wie diese könnte bestenfalls noch als Hommage an das Genre durchgehen – während viele der späteren Elemente (wie die Verfolgung durch die Biber, oder die Umwandlung der infizierten Menschen) nur noch ermüdend wirken; und durch das tendenzielle Overacting und die Ausrichtung der Charaktere an gängige 08/15-Schemen sogar regelrecht nerven können. Das gleiche gilt grob auch für alle potentiellen Grusel- und Ekelmomente – die man so schon zig mal gesehen hat, und die trotz der Detailverliebtheit der Macher niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken können. ZOMBIBER ist somit alles andere als innovativ oder geistreich; was abzusehen war – doch auch als potentielle Spaßgranate taugt er nur äußerst bedingt. Besonders natürlich dann, wenn man ihn mit weitaus stimmigeren und originelleren Genre-Kreationen wie BLACK SHEEP vergleicht.

Fazit: Trotz der guten Ausschöpfung des niedrigen Budgets, der insgesamt stimmigen Optik und allerlei gelungenen handwerklichen Aspekten kann oder will der Funke einfach nicht so Recht überspringen. Wohl schlicht, da sich ZOMBIBER eher als 70-minütige Hommage an gängige Genre-Werke denn als eigenständig funktionierender Film inszeniert und so gut wie keine eigenen Ideen auffährt. In Bezug auf die Story, den Handlungsverlauf, die Charaktere und die expliziten Auseinandersetzungen zwischen Tier und Mensch bleibt der Film entsprechend überraschungsarm – und bedient großzügig alle Genre-Klischees, die sich ein jeder schnell aus den Fingern saugen könnte. Immerhin verhindert der deutliche Hang zur Selbstironie und der offensichtliche Tribut an Genre-Granaten wie BRAINDEAD oder eben BLACK SHEEP schlimmeres. ZOMBIBER kann demnach nicht wirklich die Erwartungen erfüllen, die man möglicherweise an den Film gestellt hat – aber noch als durchschnittliche Genre-Kost für einen dezent angeheiterten Filmabend angesehen werden.

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„Im besten Fall kann ZOMBIBER als ganzheitliche Genre-Hommage angesehen werden – im schlimmsten als dreist-billige Kopie. In beiden Fällen reicht es jedoch nicht, um mit entsprechend vorgelegten Kult-Werken mitzuhalten.“

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Filmkritik: „Beyond Re-Animator“ (2003)

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Originaltitel: Beyond Re-Animator
Regie: Brian Yuzna
Mit: Jeffrey Combs, Jason Barry, Elsa Pataky u.a.
Land: USA, Spanien
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: keine Jugendfreigabe
Genre: Horror / Komödie
Tags: Untote | Leichen | Reanimation | Gefängnis | Wissenschaftler | Makaber

Eine Leiche, ein giftgrünes Serum und ein Seelenfänger…

Kurzinhalt: Auch nachdem sein letztes Experiment fehlgeschlagen ist, arbeitet der eifrige Dr. Herbert West (Jeffrey Combs) weiter an seinen abenteuerlichen Forschungen, die sich wie keine anderen mit dem Thema des Lebens und Tods auseinandersetzen. Dabei ist er aufgrund der moralischen Fragwürdigkeit seiner Projekte dazu gezwungen, stets im Geheimen zu agieren – eines Tages aber gelingt einem durch Dr. West’s Serum wiederbelebten Testsubjekt die Flucht. Jene weder lebendige noch wirklich tote Kreatur ermordet kurz darauf eine Frau und lässt einen kleinen Jungen traumatisiert zurück. Die Spuren führen schnell zu Dr. West, der daraufhin direkt verantwortlich gemacht wird und für einige Jahre hinter Gitter kommt. Jahre später ist es dann ausgerechnet das nunmehr erwachsene Kind von einst, das Dr. West als aufstrebender Gefängnisarzt zur Hilfe eilt – der junge Mann ist fasziniert von Dr. West’s Forschungen und ist für eine Zusammenarbeit sogar bereit, ihm den indirekten Mord an seiner Schwester zu verzeihen. Von nun an arbeiten die beiden gemeinsam an der Perfektionierung des Reanimations-Serums, wenn auch unter erschwerten Bedingungen – schließlich sind sie noch immer von Gefängnismauern umgeben und den ständigen Blicken der Wärter ausgesetzt.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! BEYOND RE-ANIMATOR ist der dritte Teil des berühmt-berüchtigten RE-ANIMATOR-Franchise, welches 1985 und von Regisseur Stuart Gordon ins Leben gerufen wurde. Dabei ist allein die Tatsache, dass es überhaupt noch zu einem dritten Teil gekommen ist relativ bemerkenswert – nach dem zweiten Teil BRIDE OF RE-ANIMATOR (1989, Review) sollten schließlich noch einmal ganze 14 Jahre vergehen, bis man endlich eine Trilogie verwirklicht hatte. Die nächste – ebenfalls eher positive – Überraschung folgt jedoch sogleich: dass zwischen dem zweiten und dritten Teil über ein Jahrzehnt Zeit und auch Filmgeschichte liegt, macht sich kaum bemerkbar. BEYOND RE-ANIMATOR fügt sich nahtlos an die beiden Vorgänger an, greift dabei auf bereits vermittelte Hintergrundinformationen zurück – und sollte daher vor allem für eingefleischte Fans des Franchise interessant sein. Diejenigen die sich als solche bezeichnen können, werden abermals einen dezent wahnsinnigen, von seinen perfiden Vorstellungen angetriebenen Dr. Herbert West erleben – dessen Forschungen sogar vor einem weiteren neuen Höhepunkt zu stehen scheinen. Denn: während man in BRIDE OF RE-ANIMATOR hauptsächlich noch einzelnen Körperteilen Leben einhauchte beziehungsweise es deren FRANKENSTEIN’sche Zusammensetzung war welche den Ausschlag gab; befasst man sich in BEYOND RE-ANIMATOR nun mit dem letzten fehlenden Bindeglied auf dem Weg zur Vollendung des Reanimations-Projektes.

Richtig – es geht um nicht weniger als die Seele, oder zumindest all dem was den wiederbelebten Menschen wieder zu dem macht was er einmal war; und nicht bloß zu einer primitiv-aggressiven Kreatur. Somit ist die RE-ANIMATOR-Reihe tatsächlich eine von jenen seltenen, bei denen es Sinn gemacht hat die ursprüngliche Thematik erneut aufzugreifen und in weiteren Teilen zu verarbeiten – ergibt sich spätestens mit der vollendeten Trilogie ein reichlich makaberes, für alle Splatter- und Horrorfans ansprechendes Gesamtwerk rund um das Thema der Reanimation. Dadurch, dass sich das RE-ANIMATOR-Franchise auch bestens im Genre des (guten) Trashfilms daheim fühlt, kann man nach wie vor über viele kleinere Schwächen oder auch die schier atemberaubenden, aber niemals vollständig erklärten Prämissen hinwegsehen (das Prinzip der, man nenne es Seelensubstanzextraktion ist mindestens ebenso hanebüchen wie das Serum selbst) – und sich voll und ganz auf das weniger gruselige, dafür aber gerne mal dezent eklige und extrem durchtriebene Gesamterlebnis fokussieren. Auch scheint Regisseur Brian Yuzna einiges dazugelernt zu haben, zumindest im direkten Vergleich mit dem etwas zu düsteren und stellenweise arg langatmigen FRANKENSTEIN-Verschnitt BRIDE OF RE-ANIMATOR. In BEYOND RE-ANIMATOR kommen wieder vermehrt eigene Ideen zum Einsatz, hinsichtlich des Tempos und der Dynamik des Films wurde endlich wieder an den richtigen Reglern geschraubt.

Doch gibt es auch dieses Mal kleinere Probleme, die dazu führen dass auch der  dritte Ableger der Reihe dem Original von 1985 nicht ganz das Wasser reichen kann. Es beginnt bereits mit der storytechnsich zwar durchaus sinnigen, im Endeffekt aber etwas enttäuschenden Schauplatzverlegung in ein modernes Gefängnis. Dass man ausgerechnet an einem solchen Ort in der Lage wäre, derart wahnwitzige Experimente wie die von Dr. West durchzuführen, erscheint selbst in Anbetracht des allgemeinen Trash-Faktors etwas weit hergeholt – das funktionierte zuvor und mit den Handlungsorten im Krankenhaus und dem hauseigenen Keller von Dr. West wesentlich besser. Auch scheint es noch immer dezente Probleme hinsichtlich der ureigenen Atmosphäre des Franchise zu geben: wann immer etwas ernstere Töne angeschlagen werden respektive sich der Film selbst doch etwas zu ernst nimmt, geht einiges an Dynamik flöten. Die dem entgegengebrachten Kräfte können ebenfalls nicht immer überzeugen: oftmals sind es die explizit auf witzig-makaber getrimmte Elemente, die dann doch ein wenig Over-The-Top gehen (wie in Bezug auf ein abgebissenes Geschlechtsteil, dass daraufhin und im Abspann mit einer Maus kämpft) und den Film lächerlicher erscheinen lassen als er es eigentlich ist. Aber es scheint ohnehin, als ob so gut wie keine gängige Film-Regel auf ein Franchise wie RE-ANIMATOR anzuwenden ist.

Fazit: Nach dem eher enttäuschenden BRIDE OF RE-ANIMATOR machte man mit BEYOND RE-ANIMATOR wieder einen kleinen Sprung nach vorn – was insofern bemerkenswert ist, als dass man ganze 14 Jahre dafür brauchte und man sich rein inszenatorisch noch immer verdammt nah am Originalfilm von 1985 bewegt. Gut ist, dass der Film wieder vermehrt auf eigene Ideen setzt, man sowohl beim alten Regisseur als auch beim eigentlichen Hauptdarsteller blieb – und die Story um die höchst umstrittenen Experimente mit einem neuen Höhepunkt versieht. So kann BEYOND RE-ANIMATOR trotz der nicht in jeder Hinsicht sinnig erscheinenden Schauplatzwahl jedem unerschrockenen Genre-Freund empfohlen werden; vor allem wenn er bereits die ersten beiden Teile kennt und weiterhin am Schicksal von Dr. Herbert West interessiert ist.

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„Nicht so gut wie das Original, aber schon angenehmer als der zweite Teil.“

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Filmkritik: „REC 3 Génesis“ (2012)

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Originaltitel: [REC]³ Génesis
Regie: Paco Plaza
MitLeticia Dolera, Diego Martín, Àlex Monner u.a.
Land: Spanien
Laufzeit: ca. 80 Minuten
Altersfreigabe: ab 18
Genre: Horror
Tags: Rec | Sequel | Nachfolger | Hochzeit | Splatter | Zombies | Untote

Wer hätte gedacht, dass sich ausschweifende Predigten doch einmal lohnen würden…

Kurzinhalt: Eigentlich sollte es ein Tag werden, an dem sich zwei glücklich Verliebte das Ja-Wort geben – und alle ausgelassen und in einem angemessenen Rahmen feiern. Doch als ein direkter Verwandter des Hochzeitspaares (Leticia Dolera und Diego Martin) von einem Balkon stürzt und daraufhin einen anderen Gast in den Hals beißt, ist es vorbei mit der Feierlaune. Plötzlich regiert die pure Panik, alle rennen umher – und ohne zu wissen was genau eigentlich geschieht, werden die Partygäste nach und nach auf eine recht überschaubare Anzahl dezimiert. Doch die zahlreichen Toten sind nicht wirklich tot – sie werden zu blutrünstigen Gestalten, die sich kaum aufhalten lassen und erst dann in eine Art Starre verfallen, wenn kein lebender Mensch mehr in der Nähe ist. Das Hochzeitspaar wird im Verlauf des Durcheinanders getrennt, findet nach weiteren Verlusten von Verwandten und Freunden aber wieder zueinander – und versucht, dem Tollhaus zu entkommen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! REC 3 ist der mittlerweile dritte Teil eines 2007 gestarteten Horror-Franchise aus Spanien, für das sich hauptsächlich die beiden Regisseure Paco Plaza und Jaume Balagueró verantwortlich zeichnen. Ein Franchise, das durchaus für Furore sorgen konnte – schließlich besteht die eigentliche Ambition der Filmemacher seit jeher darin, das Prinzip der sogenannten Fake Documentary auf das Horrorfilm-Genre zu übertragen. Da man damit allein allerdings noch kein filmisches Neuland betreten würde – man betrachte entsprechende Wegbereiter wie das nunmehr 15 Jahre alte BLAIR WITCH PROJECT – hat man sich ein ganz spezielles Subgenre des Horrorfilms ausgesucht. Ein Subgenre, das vor allem im letzten Jahrzehnt ein wahres Revival feierte und sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Die Rede ist – natürlich – vom Horror-Subgenre des Zombiefilms. Paco Plaza und Jaume Balagueró setzen dabei bewusst auf eine modern inszenierte Variante, wie sie etwa durch Zack Synders Remake von DAWN OF THE DEAD geprägt wurde – die Folge sind auch hier alles andere als langsam vor sich hin schlurfende Zombies, sondern wahre Killermaschinen die im Zusammenspiel mit einer angepassten (das heißt, vor allem rasanteren) Art der Inszenierung für ein unmittelbares Gefühl der Gefahr sorgen sollen.

Jene Kombination zweier jüngst sehr erfolgreicher Genres – das der Fake-Dokumentation und das des Zombiefilms – sorgte dafür, dass sich die beiden Regisseure schnell einen Namen machten. In Bezug auf REC 3 fallen sowohl die Geschmacksfragen als auch der Diskussionsstoff nicht ganz so ausführlich aus wie noch zuvor – und das nicht nur, weil der neueste Ableger der Reihe inhaltlich kaum noch etwas mit den beiden Vorgängern zu tun hat. Schließlich begehen die Spanier (beziehungsweise nur Paco Plaza, der dieses Mal allein Regie führt) einen erneuten Stilbruch, und setzen nur zu Beginn des Films auf das Prinzip der Fake-Dokumentation. Was sich zweifelsohne anbietet; ist die hier gezeigte Hochzeit ein Event, bei dem es nicht gerade unwahrscheinlich erscheint dass (Hand-)Kameras dabei sind. Danach jedoch, und nach etwa 20 Minuten wechselt man plötzlich zu einer gängigen Kino-Perspektive, die das Geschehen aus einer etwas distanzierteren Position heraus betrachtet. Sicher ist das der eigentliche Clou des Films; der einigen Fans der Reihe zwar sauer aufstoßen könnte – im Endeffekt aber durch die klar ersichtlichen Vorteile einen Zugewinn in Bezug auf das Erlebnis REC 3 zu verzeichnen hat. Die zwar authentisch erscheinenden, oftmals aber nur allzu hektischen und anstrengenden Wackelkamera-Bilder sind somit ebenso passé wie der oftmals unglaubwürdige Fakt, dass die Protagonisten auch in den wahnwitzigen Situationen hinter der Linse kleben – und auch mal den Tod eigener Familienmitglieder oder enger Freunde aufzeichnen. Der in REC 3 stattfindende Befreiungsschlag wirkt somit umso erfrischender – hier werden die Protagonisten entweder dazu genötigt die Aufnahmen einzustellen, oder aber sie legen die Kameras freiwillig ab.

Doch mit jenen Feststellung hat man nur einen kleinen Teil dessen betrachtet, was REC 3 ausmacht – und gleichzeitig den wohl erfolgreichsten. Alle anderen Aspekte des Films sind schon weitaus kritischer zu betrachten – und das nicht von ungefähr. Hier kann man gleich eine ganze Ansammlung von Gründen auffahren, die in diesem Fall jedoch nur auf das wesentlichste reduziert werden. Klar ist nur: das Angebot ist riesig; riesiger als es einem Film wie REC 3 zuträglich wäre. Es beginnt bereits mit der eigentlichen Auslegung des Inhalts, denn einen nennenswerten Story-Aufbau gibt es nicht – nur der im Sinne einer Hochzeit pompös ausstaffierte Ort, an dem das Schlachtfest stattfindet sorgt hier für Aufsehen. Fatal dabei ist, dass es keinen tatsächlichen Spannungsbogen gibt – eben nur einen solchen, der sich auf das Überleben oder Nicht-Überleben der einzelnen Charaktere konzentriert. Alles was darüber hinausgehen könnte – wie etwa die Andeutung, dass hinter all dem Ganzen eher ein religiöser oder besser gesagt dämonischer Hintergrund denn ein typisches Zombie-Virus stecken könnte – versickert im Nichts. Die Tatsache, dass das Ganze so gesehen hinter verschlossenen Türen geschieht und keine Interaktion mit anderen Menschen als den Hochzeitsgästen selbst stattfindet; macht es da auch nicht besser, im Gegenteil.

Analog zur fragwürdigen Auslegung des Inhalts hat man auch stark hinsichtlich der etablierten Atmosphäre zu kämpfen. REC 3 orientiert sich schließlich nicht wirklich an den Vorgängern, sondern geht eher weg vom klassischen Horror – und somit hin zu einem dezent trashig anmutendem Splatterfilm mit zahlreichen komödiantischen Einschüben. Diese können mal beabsichtigter, mal unfreiwilliger Natur sein – was den reinen Unterhaltungswert zwar merklich steigert; doch letztendlich dazu führt dass REC 3 nur einer von vielen Genrefilmen seiner Art ist. Und nicht unbedingt ein besserer, bleiben die Entscheidungsschwierigkeiten der Macher auch in Bezug auf die Charakterporträts omnipräsent. Wo zu Beginn noch der ernsthafte Versuch unternommen wird die Charaktere einzuführen und eine emotionale Bindung zum Zuschauer entstehen zu lassen; regiert später ein wahrlich unglaubwürdiges Wechselspiel. Ängstlich-schüchterne, zaghafte Charaktere werden somit urplötzlich zu brutalen Killern; diejenigen von denen man am ehesten erwartet hätte dass sie halbwegs intelligent mit der alles überrennenden Situation umgehen würden verhalten sich durchweg stumpf. Wieder stehen sich Elemente eines schnell zu verköstigenden Trashs und Elemente des auf gruselig (und bestenfalls authentisch) getrimmten Horrors gegenüber – mit einem unklaren Sieger. Vor allem aber weiß ein weiterer, nur vermeintlicher Clou des Films negativ hervorzustechen: die Tatsache, dass sich in diesem Fall zwei Liebende einer Horde von Zombies stellen, stellen müssen. Sicher, die ein oder andere dezente Lovestory kann man auch im Genre des Horror- oder auch Zombiefilms begutachten – doch hier hat man den Bogen eindeutig hinsichtlich einer gewissen Lächerlichkeit und Penetranz überspannt.

Fazit: REC 3 ist ein Wagnis – jedoch keins, welchem man mit tosendem Beifall begegnen wird. Vielmehr scheint es so, als sei das eingetreten was man keinem Macher von mehrteiligen Filmreihen wünscht – dass man sich irgendwann im Verlauf seines eigenen Konzeptes verhaspelt. Nicht nur, dass REC 3 inhaltlich und vor allem atmosphärisch mit den Vorgängern bricht, er bietet schlicht keine sinnige Alternative. Übrig bleibt ein absolut typisches Stück Film, welches durch zahlreiche Durststrecken; vor allem aber markante inszenatorische Diskrepanzen gekennzeichnet ist. REC 3 funktioniert am ehesten als reiner Splatter-Film mit einigen besonders heftigen dahingehenden Darstellungen, geradezu abstrusen Charakterporträts und einer wunderbar deplatzierten Love-Story mit einem überraschend kitschigen Ende. Das wäre an sich kein Problem; hätte man REC 3 konsequent in diesem Stil erzählt – doch die Geschichte der Vorgänger und vor allem die ersten Filmminuten im Stile einer Fake-Documentary lassen sich einfach nicht damit vereinbaren, Hinzu kommt, dass REC3 selbst als überzeichneter Splatterfilm alles andere als allein ist – wer auf eine dahingehende Unterhaltung aus ist, braucht sich nur einmal im schier unerschöpflichen Zombiefilm-Fundus der 80er-Jahre umzusehen. Denn allein die Tatsache dass sich Zombies heutzutage schneller bewegen, man analog dazu schnellere Schnittfolgen einsetzt und das Ganze mit einer Hochglanzoptik versieht; rechtfertigt noch lange nicht das Entstehen immer neuer Filme jener Machart.

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„Da konnte sich wohl jemand nicht entscheiden.“

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Filmkritik: „Re-Animator“ (1985)

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Originaltitel: Re-Animator
Regie: Stuart Gordon
Mit: Jeffrey Combs, Bruce Abbott, Barbara Crampton u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 95 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Untote | Serum | Dr. West | H.P. Lovecraft | Erweckung | Wiederbelebung

Dieses Serum hat es wahrlich in sich.

Kurzinhalt: Dr. Herbert West (Jeffrey Combs) ist bei seinen wissenschaftlichen Forschungen in Europa ein schier wahnwitziger Durchbruch gelungen. Im Zuge seiner Arbeit, die sich vor allem mit wichtigen neurologischen Faktoren während des Sterbens auseinandersetzt; war er in der Lage ein Serum zu erschaffen – das unglaublicherweise dazu imstande ist, längst verstorbene wieder ins Leben zurückzuholen. Doch so vielversprechend dieser wissenschaftliche Durchbruch auch klingen mag – die Ergebnisse sind noch weit davon entfernt, zufriedenstellend zu sein. Und so sucht Dr. West nach einem Zwischenfall Zuflucht an einer amerikanischen Universität, wo er sich mit dem Medizinstudenten Dan (Bruce Abbott) anfreundet und sogleich bei ihm und seiner Freundin Megan (Barbara Crampton) als Untermieter einzieht. Hier hofft er, ungestört weitere Experimente durchführen zu können – doch Dan und Megan bemerken schnell, dass mit Dr. West irgendetwas nicht stimmt. Und tatsächlich soll es nicht bei einer toten Hauskatze bleiben… Dr. West wird immer fanatischer, aber auch zielstrebiger – er will Dan’s Zugang zur örtlichen Leichenhalle ausnutzen, um sein Serum auch endlich an Menschen testen zu können. Mit ungewissen Folgen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Eingefleischte Genre-Fans und Horrorspezialisten werden sie kennen – Namen wie Stuart Gordon oder Brian Yuzna. Während erstgenannter vor allem durch seine Regiearbeit am vergleichsweise groß angelegten Projekt FORTRESS – DIE FESTUNG bekannt wurde, verbindet man zweiteren des öfteren mit dem fleischgewordenen Leinwandhorror für all jene, die ohnehin nicht gerne zum Zahnarzt gehen – den beiden Teilen der Horrormär THE DENTIST. Beiden Ausnahmeregisseuren, die eine jeweils recht bunte Filmografie für sich verbuchen können; liegt jedoch eine gemeinsame Vergangenheit zugrunde. Tatsächlich tauchen ihre Namen erstmals im Zusammenhang mit RE-ANIMATOR auf – jenem Kultfilm, der in der Mitte der 80’er Jahre das Zombiefilm-Genre in eine etwas andere Richtung hin auslotete. Anders als bei ihren späteren werken stützten sie sich in diesem Fall noch auf eine berühmte Vorlage: Howard Phillips Lovecraft’s Kurzgeschichte HERBERT WEST – DER WIEDERERWECKER aus dem Jahre 1922. Mit einem Umfang von gerade einmal 44 Seiten ist die gruselige, aber äußerst greifbare und zeitlose Geschichte schnell erzählt – doch offenbar ließen sich Gordon (als Regisseur) und Yuzna (hier als Produzent) nicht davon abschrecken, und legten es darauf an einen abendfüllenden Horrorfilm zu inszenieren. Herausgekommen ist RE-ANIMATOR – eine gleichsam fidele wie abstrus-trahsige Hommage an das Genre des Horrorfilms. Aber auch an das Schaffen von H.P. Lovecraft; dessen Name stets in direkter Verbindung mit dem Film auftaucht – glücklicherweise.

Und obwohl der Inhalt des Films auf ein hauptsächliches Element – nämlich die namensgebende Wiedererweckung von Toten – heruntergebrochen werden kann, bietet er ein vergleichsweise hohes Unterhaltungspotential. Das liegt hauptsächlich an einem ganz speziellen Charme, den das Werk in beinahe jeder Szene zu versprühen vermag. Irgendwo angesiedelt zwischen einem durchaus ernstgemeinten, geradezu reißerischen Schocker; einem typischen Zombiefilm und einer sympathischen B-Movie-Produktion holt RE-ANIMATOR das Maximum aus den vorgegebenen Möglichkeiten heraus – und sorgt dafür, dass viele einzelne Elemente in Erinnerung bleiben. Schon die Prämisse an sich, die eine etwas wissenschaftlicher orientierte Herangehensweise an das Genre des Zombiefilms wagt; erscheint für das Erscheinungsjahr äußerst frisch und markant – und auch sonst haben alle Beteiligten ein gutes Fingerspitzengefühl bewiesen. Dies äußert sich auch in den keinesfalls überreizten, dafür umso markanteren Gore- und Splatterszenen und dem herrlich unbekümmerten und damit umso authentischer wirkenden Schauspiel. Hier von einem dezenten Overacting zu sprechen, wäre sicherlich gar nicht mal falsch – doch passt auch dies perfekt zur Grundstimmung des Films; der sowohl als reiner Horror-Schocker (damals sicher noch etwas besser als heute) als auch als launige Genre-Kost für Splatter- und Kuriositätenfans funktioniert.

Eine oftmals etwas plump wirkende, aber dennoch ihren Zweck vollständig erfüllende Maskenarbeit rundet den guten (und vor allem liebevollen) handwerklichen Eindruck zusammen mit der soliden Kamerahandhabung, Schnittausführung und einem markanten Soundtrack ab. Etwas schwieriger wird es indes, über Faktoren wie die Bild- oder Tonqualität zu sinnieren – die je nach Release- und Schnittversion absolut unterirdisch ausfallen können. Auch wenn sie keinen Einfluss auf die Wertung haben – denn hier geht es um den Film selbst, auch unter Berücksichtigung der damaligen Möglichkeiten – sei es an dieser Stelle erwähnt. Besonders die deutsche Synchronisation ist mir ihrem extrem auffälligen Hintergrundrauschen, schlecht ortbaren Stimmen und teilweise sogar Sprecherwechseln recht misslungen – und das nicht wirklich im witzigen Sinne, wie es bei manchen vergleichbaren Genre-Werken oftmals der (nicht unbedingt gewollte) Fall ist. Was bleibt ist ein Film, der vielleicht nicht so genial oder wegweisend ist weil er es (im Kern) ist – die Faszination entsteht vielmehr aus der Tatsache, dass es sich so gesehen um ein von späteren Bewegungen und Genreausrichtungen unabhängiges Ursprungswerk handelt. Und auch wenn immer irgendjemand der erste ist, sollte auch das entsprechend honoriert werden.

Fazit: Dass RE-ANIMATOR ein Kultfilm ist, steht wohl außer Frage. Insbesondere Genre-Fans und Freunde früherer Horrorproduktionen, die mit einem oftmals äußerst geringem Budget vergleichsweise großes und vor allem stimmiges auf die Beine stellen konnten; werden perfekt bedient. Dass er dennoch keine Höchstwertung erhält, ist vor allem der letztendlichen inhaltlichen Auslegung geschuldet. Vor allem in der ersten Hälfte glänzt der Film nicht gerade mit zahllosen genialen und / oder abstrusen Ideen, erst gegen Ende fährt man noch einmal alle dahingehenden Geschütze auf – und was für welche. Etwas schade ist auch, dass der vermeintlich wissenschaftliche Ansatz nur als Aufhänger dient, aber niemals etwas expliziter in den Kontext des Films eingebunden wird – obwohl hier letztendlich Ärzte, oder zumindest dezent fanatisch angehauchte Wissenschaftler das Zepter des Geschehens in den Händen halten. Ein paar Fachbegriffe hier (und seien sie noch so erfunden), ein etwas pseudo-wissenschaftlicherer Grundton dort (und würde er noch so trashig wirken) – und der RE-ANIMATOR wäre eventuell noch unterhaltsamer und stimmiger ausgefallen als ohnehin schon.

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„Unterhaltsamer Genre-Kultfilm mit dezenten Längen.“

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