Metal-CD-Review: VICTORIUS – Space Ninjas From Hell (2020)

Alben-Titel: Space Ninjas From Hell
Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichung: 17. Januar 2020
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Frank Koppe – Drums
Florian Zack – Guitars
Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals

Track-Liste:

1. Tale of the Sunbladers (04:18)
2. Ninjas Unite (04:35)
3. Super Sonic Samurai (04:02)
4. Evil Wizard WuShu Master (03:51)
5. Nippon Knights (03:28)
6. Shuriken Showdown (03:34)
7. Wasabi Warmachine (04:34)
8. Wrath of the Dragongod (03:32)
9. Astral Assassin Shark Attack (03:46)
10. Space Ninjas from Hell (03:15)
11. Cosmic Space Commando Base (04:19)
12. Shinobi Strike 3000 (02:23)

Wenn man zum lachen wirklich in den Keller gehen muss – oder sollte.

Mittlerweile gibt es sie immer zahlreicher: Power Metal-Bands, die nicht einfach nur Musik machen – sondern dabei auch auf ein ganz bestimmtes Image setzen. Und damit im besten Fall auch auf einen besonderen Wiedererkennungswert, der damit längst nicht mehr nur aus dem letztendlich an den Tag gelegten Handwerk resultiert. Oftmals mit im Gepäck dieser Band ist auch ein gewisser Spaßfaktor – der ebenfalls nicht allein aus der Musik resultiert, sondern mitunter abenteuerliche Ausmaße annehmen kann. Seien es also die Jungs von GLORYHAMMER mit ihrem gleich mehrere Jahrhunderte abdeckenden (und sich bis in kosmische Gefilde erstreckenden) Helden-Epos, die Recken von ALESTORM mit ihrem unwiderstehlichen Piraten-Flair oder die tollkühnen BROTHERS OF METAL mit ihren Gesangsgeschichten über den kriegerischen Odin und den Konsum von reichlich Met – von einer direkt wiederzuerkennenden Spielart über herrlich abstruse Musikvideos und Kostüme bis hin zu fulminanten Live-Auftritten haben sich diese Bands jeweils einiges aufgebaut, geht es um ihre (ur-)eigenen Identitäten. Wie VICTORIUS nun diesbezüglich ins Bild passen, ist noch nicht vollends geklärt – fest steht nur, dass die 2004 gegründete und von Leadsänger David Baßin geführte Band sich mittlerweile ebenfalls einer eher spaßigen Auslegung des übergeordneten Power Metal-Genres verschrieben hat. Die 2008 erschienene, dezent an den Stil des Indie-Kurzstreifens KUNG FURY erinnernde EP DINOSAUR WARFARE (siehe Review) jedenfalls sprach entsprechende Bände – und auch mit dem vorliegenden SPACE NINJAS FROM HELL schreitet man in eine ganz ähnliche Richtung.

Das bedeutet vornehmlich eines: dass die insgesamt 12 Titel des Albums mit einem immensen Spaßfaktor einhergehen. Zumindest in der Theorie, und wenn man so will – schließlich gibt es auch einige Anhaltspunkte, die eher gegen den neuerlichen Werdegang von VICTORIUS sprechen. Da wäre zum einen die Tatsache, dass SPACE NINJAS FROM HELL vieles ist – nur kein anspruchsvolles Album. Und das fällt selbst dann auf, wenn man sich im voraus auf ein eher seichtes und Spaß-orientiertes Album eingestellt hat – sowie hie und da ein gewisses, hier unbedingt nötiges Augenzwinkern walten lässt. Eines, dass bei den meisten anderen Bands einer ähnlichen Spielart kleinere Schwächen oder einfach zu kitschige Elemente und Momente verzeihen lässt – nicht aber bei VICTORIUS, die es im Hinblick auf ihr neues Album vielleicht doch etwas übertrieben haben. Denn: derart einfach gestrickt ging es schon lange nicht mehr auf einem Power Metal-Album zu – ganz unabhängig davon, wie groß der Spaßfaktor auch war. Das betrifft vor allem die Struktur des Albums und der einzelnen Titel – die letztendlich so leicht und eingängig daherkommen, dass man sie gar nicht mehr auseinanderhalten kann. Von den besungenen Inhalten, der Gestaltung der einzelnen Textzeilen sowie der entsprechend unbekümmerten Herangehensweise von Leadsänger David Baßin gar nicht erst zu sprechen. Es mag kurios erscheinen, aber: das hier gebotene ist selbst für ein wie auch immer geartetes Spaßalbum zu viel, oder eben zu wenig. Und das in einem solchen Maße, dass einem das Lachen – im schlimmsten Fall – im Halse stecken bleiben könnte.

Sicher, grundsätzlich verstehen VICTORIUS ihr Handwerk. Das haben sie bereits mit ihren früheren Alben bewiesen, und auch SPACE NINJAS FROM HELL hat – speziell bezüglich der Instrumenten-Front – einiges anzubieten. Theoretisch könnte die Band damit also durchaus mit ihren potentiellen Konkurrenten a’la GLORYHAMMER oder vielleicht auch DRAGONY mithalten. Theoretisch – doch wenn sich eine Band tatsächlich dafür entscheidet einen Titel wie das zwar gut gemeinte, letztendlich aber nur noch zum Fremdschämen einladende NIPPON KNIGHTS zu produzieren; hört es ganz schnell wieder auf. Und das gilt – leider – für einen Großteil der auf dem Album enthaltenen Titel, die meist genau das bieten was die kruden Bezeichnungen (noch nie eine ASTRAL ASSASSSIN SHARK ATTACK gehört ?) versprechen. Und das geht schlicht auf keine Kuhhaut – zumindest keine nüchterne. Während die letzte EP – die unter anderem mit Laser-schießenden Dinosauriern aufwartete – also noch als nette Abwechslung oder Gimmick verstanden werden konnte, sieht es in Bezug auf SPACE NINJAS FROM HELL (und damit gleich ein komplettes Album im peinlich-einfachen Spaßgewand) schon deutlich anders aus. Es ist schade – doch in dieser Form sollten VICTORIUS keinen Erfolg haben. Zumindest keinen, auf den man auch im hohen Alter noch stolz sein kann…

Anspieltipps: TALE OF THE SUNBLADERS


„Hoffentlich war das nur ein Ausrutscher.“

Diese Wertung sorgt für einen Abstieg von VICTORIUS in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Dinosaur Warfare (EP, 2018)

Alben-Titel: Dinosaur Warfare – Legend Of The Power Saurus (EP)
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Januar 2018
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals
Frank Koppe – Drums
Flo – Guitars

Track-Liste:

1. Saurus Infernus Galacticus (00:38)
2. Dinosaur Warfare (04:11)
3. Legend of the Power Saurus (04:39)
4. Lazer Tooth Tiger (04:21)
5. Razorblade Raptor (03:31)
6. Flames of Armageddon (03:56)

Dinos und Tiere als Superhelden gehen immer…

… zumindest oder gerade in diversen auf ein jüngeres Publikum zugeschnittenen TV-Formaten. Aber im Genre des Power Metal ? Fakt ist: auf ihrer DINOSAUR WARFARE-EP legen es die deutschen Power Metaller von VICTORIUS auf eine eben solche Kombination an – und präsentieren dem geneigten Genre-Konsumenten ganze 6 (oder 5, abzüglich des Intros) entsprechend verspielte Genre-Titel, die sich in Bezug auf ihre Atmosphäre irgendwo zwischen dem dezent trashigen Charme von Low-Budget-Filmprojekten wie KUNG FURY und dem ebenfalls mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachtenden Schaffen von musikalischen Recken wie TWILIGHT FORCE oder GLORYHAMMER bewegen. Immerhin: gerade in handwerklicher Hinsicht kann man den bereits seit 2004 aktiven Musikern kaum etwas vorwerfen – zumal sie seit ihrem seinerzeit noch stark ausbaufähigen Debütalbum UNLEASH THE TITANS (2010, siehe Review) kontinuierlich an sich gearbeitet und die Power Metal-Welt zuletzt mit rundum starken Werken wie HEART OF THE PHOENIX (Review) beglückt hatten.

Die Freiheit, mit DINOSAUR WARFARE nun auch mal ein nicht ganz so ernst gemeintes und im besten Fall einmaliges musikalisches Kurzprojekt auf die Beine zu stellen haben sich VICTORIUS also gewissermaßen verdient. Wenn, ja wenn das Ganze nicht in einer allzu unerträglichen Blödelei ausartet – und auch nicht so experimentell daherkommt, dass es nicht mehr an den üblichen Maßstäben der Band gemessen werden könnte. Glücklicherweise kann man diesbezüglich aber schnell eine Entwarnung aussprechen, denn: die DINOSAUR WARFARE-EP bewegt sich im musikalischen wie handwerklichen Sinne gar nicht allzu weit weg vom bisherigen Schaffen der Band, entfaltet als kurzweiliges Projekt schnell einen gewissen Charme – und macht schlicht einen Heidenspaß. Der Gründe dafür sind es hauptsächlich zwei: zum einen schaffen es VICTORIUS hier relativ problemlos, mit ihrer ebenso flotten wie grundsätzlich recht hymnisch angelegten Spielart des Power Metal zu überzeugen – woran auch die satte Produktion einen nicht unwesentlichen Anteil hat.

Zum anderen aber, und das ist gewissermaßen ein EP-exklusiver Effekt; geht die hier anberaumte thematische Komponente recht gut auf – und erweist sich insgesamt nicht als störend, auch wenn einige Passagen im Opener und Titeltrack DINOSAUR WARFARE sich diesbezüglich schon hart an der Grenze bewegen. Sicher, einen wie auch immer gearteten Innovationspreis werden VICTORIUS mit ihrer EP trotz allem nicht gewinnen können – und das nicht zuletzt, da sich stellenweise doch recht frappierende Ähnlichkeiten zu Bands wie etwa DRAGONFORCE ergeben. Dennoch erweisen sich gerade die beiden Titel LEGEND OF THE POWER SAURUS und das als Lyric-Video ausgekoppelte LAZER TOOTH TIGER als echte und vor allem handwerklich gut inszenierte Spaßgranaten, die sich in ihrer Wirkungskraft durchaus mit einigen eher klassischen Genre-Hymnen messen können. Wenn, ja wenn man nur das Augenzwinkern nicht vergisst.

Eine kleine Kehrseite hat die EP dann aber doch – schließlich hätte man sowohl das Intro als auch das gleich in mehrerlei Hinsicht nervige RAZORBLADE RAPTOR ersatzlos streichen können. Davon abgesehen gibt es aber eigentlich nur wenig zu mäkeln – mit Ausnahme der grundsätzlichen an VICTORIUS gerichteten Geschmacksfragen versteht sich. Die sollten sich vornehmlich auf den vergleichsweise weichen Leadgesang von David Baßin beziehen, der auch auf der vorliegenden EP nicht bei jedermann gleichermaßen gut ankommen wird. Wer sich nicht daran stört – und überdies gerne einmal erfahren möchte, wie ein DRAGONFORCE-Soundtrack zu diversen Cartoons der 80er Jahre geklungen hätte – der sollte in diesem Fall unbedingt zugreifen.

Absolute Anspieltipps: DINOSAUR WARFARE, LEGEND OF THE POWER SAURUS, LAZER TOOTH TIGER


„Eine recht spaßige, im besten Fall aber dennoch nur einmalige Angelegnheit.“

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Heart Of The Phoenix (2017)

Alben-Titel: Heart Of The Phoenix
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
Steven Lawrenz – Guitars
David Baßin – Vocals
Rustam Guseinov – Drums

Track-Liste:

1. Shadow Warriors (04:03)
2. Hero (04:18)
3. End of the Rainbow (03:44)
4. Die by My Sword (03:42)
5. Sons of Orion (05:08)
6. Heart of the Phoenix (04:18)
7. Empire of the Dragonking (03:48)
8. Hammer of Justice (03:50)
9. Beyond the Iron Sky (04:21)
10. Virus (04:02)
11. A Million Lightyears (04:06)

Ein Phoenix aus der Asche, der diesen Namen auch verdient.

Man kann den deutschen Power Metallern von VICTORIUS viel vorwerfen – nur nicht, dass sie sich mit ihren Studioalben viel Zeit lassen. Immerhin legte die Band direkt nach dem noch stark ausbaufähigen 2010’er Debütalbum UNLEASH THE TITANS (siehe Review) eine recht muntere Veröffentlichungsfrequenz vor – wobei der 2013 veröffentlichte Überraschungserfolg THE AWAKENING (Review) klar als bisheriges Diskografie-Highlight auszumachen war. Nach dem letztaktuellen, nicht mehr ganz so guten DREAMCHASER (Review) soll es 2017 also wieder an der Zeit sein für ein neues VICTORIUS-Album. Dieses horcht auf den Titel HEART OF THE PHOENIX, beinhaltet 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 45 Minuten – und scheint ausnahmsweise mal nicht da weiterzumachen, wo die stets siegessicheren Musiker auf und mit DREAMCHASER aufgehört hatten. Das wiederum hat eine gleichermaßen markante wie angenehme Folge: es scheint, als würden sich VICTORIUS auf ihrem HEART OF THE PHOENIX wieder etwas mehr an dem mit THE AWAKENING vorlegten Sound orientieren. Der ganz große Überraschungseffekt bleibt damit zwar aus, doch immerhin begeht die Band keine ähnlichen Fehler wie noch auf DREAMCHASER – dem insgesamt schlicht der nötige Biss fehlte.

HEART OF THE PHOENIX dagegen kann es wieder weitaus effektiver entfachen, das spezielle Feuerwerk der Marke VICTORIUS. Mit ein Grund dafür könnte sein, dass sich die Musiker dieses Mal etwas mehr Zeit genommen und sich explizit auf ihr Songwriting konzentriert haben – was man dem Album auch zu jedem Zeitpunkt anmerkt. So kann man sich bereits der Wirkungskraft des furiosen Openers SHADOWWARIORS kaum entziehen – wobei es im weiteren Albenverlauf sogar noch besser wird. Das folgende HERO beispielsweise begeistert mit seinem galoppierenden Anspruch, dem knackigen Riffing und den perfekt in Szene gesetzten Keyboardeinschüben. Der absolute Höhepunkt wird dann aber vermutlich mit brachialen Trio aus dem thematisch an VEONITY erinnernden, überraschend gut funktionierenden SONS OF ORION (allein die instrumentale Passage gegen Ende ist Gold wert), dem in jeder Hinsicht mächtigen Titeltrack HEART OF THE PHOENIX sowie EMPIRE OF THE DRAGONKING zelebriert – so gut klangen VICTORIUS nicht einmal auf THE AWAKENING. Hier von einem geradezu triumphalen Gesamteindruck zu sprechen, trifft es wohl recht genau – denn auch die Refrains, Soli-Passagen und Background-Gesänge (hört man genau hin, glaubt man einstweilen an OLYMPOS MONS erinnert zu werden) wurden in Bezug auf ihre Qualität und Effektivität auf ein so noch nicht von VICTORIUS gekanntes Niveau gehievt.

Anders gesagt: HEART OF THE PHOENIX klingt endlich wieder nach einem gleichermaßen energetischen wie spaßigen deutschen Power Metal, der sich in Bezug auf seine hymnischen Melodien und die damit einhergehende mitreißende Wirkung alles andere als verstecken muss. Gut ist, dass die handwerklichen Aspekte eben diese Feststellung zusätzlich untermauern. Analog zur deutlich variableren, variantenreicheren Spielweise der Band überzeugt vor allem die Handhabung der Gitarren – und der bei VICTORIUS eigentlich immer bestmöglich in Szene gesetzte Sound. Die für alle Seiten vorteilhaft ausfallende Abmischung und die ausgewogen-druckvolle Produktion lassen jedenfalls kaum Wünsche offen.

Eine kleine handvoll Dinge könnte man HEART OF THE PHOENIX dann aber vielleicht doch noch vorwerfen. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass VICTORIUS nicht gerade mit Innovationen um sich werfen – und sich nach wie vor zahlreiche Parallelen zu anderen alteingesessenen Bands mit einer ähnlichen Spielart ergeben. Zwar wirkt sich das dieses Mal nicht ganz so gravierend aus, aber dennoch: HEART OF THE PHOENIX markiert insgesamt durchaus einen recht beherzten Griff in die allgemeine Power Metal-Klischeekiste. Zum anderen gilt es zu vermelden, dass Leadsänger David Baßin über die Jahre zwar maßgeblich an sich und seiner Darbietung gearbeitet hat – aber noch immer nicht zu den besten oder prägnantesten Genre-Frontmännern gehört. Glücklicherweise überwiegen im Falle von HEART OF THE PHOENIX aber die positiven Aspekte, sowie sicher auch der enorme Spaßfaktor – sodass problemlos eine unbedingte Empfehlung ausgesprochen werden kann. Effektiver als das jeweils neueste Material von HAMMERFALL oder BLOODBOUND ist das Ganze schließlich in jedem Fall…

Absolute Anspieltipps: SONS OF ORION, HEART OF THE PHOENIX, EMPIRE OF THE DRAGONKING


„Das klingt schon eher nach VICTORIUS.“

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Dreamchaser (2014)

Alben-Titel: Dreamchaser
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sonic Attack Records

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals
Patrick Ziege – Drums
Sebastian Rasch – Guitars

Track-Liste:

1. Twilight Skies (05:03)
2. Day of Reckoning (04:48)
3. Dragonheart (04:45)
4. Fireangel (04:35)
5. Dreamchaser (03:33)
6. Battalions of the Holy Cross (03:57)
7. Blood Alliance (04:24)
8. Speedracer (03:37)
9. Where Ravens Fly (05:19)
10. Black and White (04:07)
11. Silent Symphony (04:56)

Gut Ding will Weile haben… eigentlich.

VICTORIUS sind eine bereits im Jahre 2004 gegründete Power Metal-Combo aus dem Osten Deutschlands, die sowohl ihre erste kurze Demo als auch ihr Debütalbum UNLEASH THE TITANS (siehe Review) noch in kompletter Eigenregie veröffentlichten. Eben jenes Debütalbum war es aber auch, welches nur einen höchst gemischten Eindruck hinterlassen konnte – VICTORIUS waren noch weit davon entfernt, ihr Potential voll auszuschöpfen. Mit dem zweiten Album THE AWAKENING (Review) sowie der analogen Label-Aufnahme bei Sonic Attack Records aber schien die Band plötzlich markant aufzublühen, war so gesehen kaum wiederzuerkennen – sodass sie sich endlich in die Herzen zahlreicher Power Metal-Fans spielen konnte. Etwas ungewöhnlich, mindestens aber gewagt war wiederum der Schritt; nicht einmal zwei Jahre darauf schon den Nachfolger DREAMCHASER ins Rennen zu schicken. Und tatsächlich: das unter Umständen als konsequent zu betrachtende Album mag die Karriere der Band sowie ihre angepeilte Spielart weiter gefestigt haben – markierte insgesamt betrachtet aber wieder einen kleinen Rückschritt im Werdegang und der Diskografie von VICTORIUS.

Mit ein Grund dafür ist, dass die 11 enthaltenen Titel kaum eine ähnlich überraschende und überzeugende Wirkung entfalten können wie das auf THE AWAKENING enthaltene Material – aber auch, dass sich VICTORIUS offenbar schon etwas zu früh zurückgelehnt und eher auf eine sichere Nummer gesetzt hatten. Das Ergebnis fiel entsprechend ernüchternd aus: mit den insgesamt 11 auf DREAMCHASER enthaltenen Titeln ließ und lässt sich schlicht kein Blumentopf gewinnen. Eventuell mit Ausnahme der zur Schau gestellten handwerklichen Leistungen, sowie der abermals recht überzeugenden Abmischungs- und Produktionsarbeit; die das noch recht rohe und raubeinige Werkeln des Debütalbums endgültig vergessen lassen. Doch gerade in Bezug auf die Effektivität des Songwritings, die Herausarbeitung etwaiger Alleinstellungsmerkmale und die letztendlich erzielte Gesamtwirkung sieht es vergleichsweise düster aus. Anders gesagt: DREAMCHASER präsentiert einen absolut Genre-typischen, leicht zu verwechselnden Power Metal mit vielen austauschbaren Momenten.

Da hilft es auch nicht viel, dass sich VICTORIUS in handwerklicher Hinsicht weiterentwickelt hatten und das Album zumindest aus einer eher oberflächlichen Warte heraus gut klingt. Mehrere, aufgrund der vergleichsweise einfachen Struktur des Albums eigentlich nicht nötige Durchläufe zeigen dann aber vor allem eines: ein wirklich nennenswerter Effekt ergibt sich nicht. Stellvertretend dafür steht schließlich schon der gesamte Alben-Auftakt Pate: Nummern wie TWILIGHT SKIES, DAY OF RECKONING, DRAGONHEART oder FIREANGEL wechseln sich mit ihren angepeilten Geschwindigkeiten vorhersehbar ab, bleiben relativ harmlos, klingen verdächtig unspektakulär – und entsprechen mitunter den übelsten, zumindest in dieser expliziten Form eher zu vermeidenden Genre-Klischees. Es sei denn natürlich, man nimmt sich selbst nicht allzu ernst – doch das schien und scheint bei VICTOIUS durchaus der Fall zu sein. Immerhin: gegen Mitte des Albums, respektive ab BATALLIONS OF THE HOLY CROSS wird es wieder etwas interessanter. Und: die Leistung, oder eher die im Vergleich zum Debütalbum leistungsspezifische Wandlung von Leadsänger David Baßin ist nach wie vor beeindruckend.

Doch schlussendlich wird aus DREAMCHASER nicht viel mehr als ein relativ müde wirkender Abklatsch einiger BLOODBOUND-Alben, vermengt mit einigen hie und da eingesetzten Tempo-Schüben a’la CELLADOR oder DRAGONFORCE – und ganz und gar kläglichen balladesken Ambitionen wie in SILENT SYMPHONY. Was auch immer geschehen war – VICTORIUS klingen auf ihrem dritten Studioalbum viel zu generisch, austauschbar, emotionslos; kurzum: schlicht zu simpel und oberflächlich. Dank der akzeptablen handwerklichen Leistungen und des insgesamt knackigen Sounds waren und sind sie dabei noch immer vom Status ihres Debütalbums entfernt – doch mit dem überraschend guten THE AWAKENING hat das Ganze ebenfalls nicht viel am Hut.

Absolute Anspieltipps: BATALLIONS OF THE HOLY CROSS, BLOOD ALLIANCE, WHERE RAVENS FLY


„Viel mehr Berg- und Talfahrt geht eigentlich nicht.“

Metal-CD-Review: VICTORIUS – The Awakening (2013)

Alben-Titel: The Awakening
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 22. März 2013
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sonic Attack Records

Alben-Lineup:

David Baßin – Vocals
Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
Steven Dreißig – Guitars
Rene Wähler – Drums

Track-Liste:

1. Age of Tyranny (03:33)
2. Starfire (03:50)
3. The Awakening (04:31)
4. Lake of Hope (04:27)
5. Under Burning Skies (03:50)
6. Black Sun (04:15)
7. Demon Legions (05:55)
8. Through the Dead Lands (04:42)
9. Call for Resistance (04:21)
10. Kings Reborn (04:29)
11. Metalheart (03:38)

Alles, nur kein böses Erwachen.

Sie sind vergleichsweise selten, doch es gibt sie – Bands; die nach einem eher mittelprächtigen Karriestart und den damit einhergehenden kritischen Rückmeldungen plötzlich doch noch geneigt sind, alle Register ziehen. Doch ganz egal ob die deutschen Power Metaller von VICTORIUS nun tatsächlich einige Überstunden eingelegt; oder sich schlicht noch einmal konspirativ zu einer fruchtbaren Grundsatzdiskussion zusammengesetzt hatten – das Ergebnis in Form des zweiten Band-Langspielers THE AWAKENING kann sich allemal sehen und hören lassen. Und das aus vornehmlich einem Grund: VICTORIUS legten speziell in Bezug auf den Leadgesang von David Baßin – und damit einhergehend auch die Inszenierung der inhaltlichen Komponente – einen regelrechten Quantensprung hin. Neben der eher schwachbrüstigen Produktion war vor allem das eines der großen Mankos des Debütalbums UNLEASH THE TITANS (siehe Review) – das damit eher den Eindruck eines schnellen Hobby-Outputs denn eines lange geplanten Meisterstücks erweckte.

Umso schöner erscheint es, mit dem Zweitwerk THE AWAKENING nun tatsächlich eine kleine Sound-Revolution zu erleben. Was genau in und mit der Band passiert war steht in den Sternen, aber: man hört deutlich, dass es VICTORIUS endlich geschafft hatten ihre eigene Identität zu finden. Anders gesagt: nach dem noch nicht wirklich aussagekräftigen, einstweilen etwas unentschlossen wirkenden Debütalbum schien die Spielart plötzlich gefestigt. THE AWAKENING bietet dem geneigten Genre-Konsumenten so eine äußerst eingängige und dabei stets handwerklich überzeugende Power Metal-Mixtur; die stilistisch irgendwo zwischen den flott agierenden Kollegen von CELLADOR, den hymnischen Fanfaren von FREEDOM CALL und vielleicht auch den Schweden von BLOODBOUND  anzusiedeln ist. Andere wiederum ziehen gerne die Briten von DRAFONFORCE zwecks eines Vergleiches zu Rate, und auch das erscheint nicht gänzlich abwegig. Wobei man lediglich einschieben müsste, dass VICTORIUS vergleichsweise gemäßigt zu Werke gehen, nicht nur was die Soli betrifft – und somit auch kein Problem mit stampfenden Midtempo-Nummern a’la LAKE OF HOPE haben.

Im Falle von THE AWAKENING hat man also die Qual der Wahl. Sollen es nun die temporeicheren, nicht nur in den Refrains mit einem starken Hymnen-Potential ausgestatteten Brecher a’la AGE OF TYRANNY, UNDER BURNING SKIES oder KINGS REBORN sein – oder doch lieber die mit dezenten progressiveren Strukturen ausgestatteten, sicher nicht minder spektakulären Nummern vom Schlage eines THE AWAKING oder BLACK SUN ? Denn auch oder gerade hier überzeugen VICTORIUS in einem ganz und gar überraschenden Ausmaß. Insgesamt betrachtet hatten VICTORIUS schlicht vieles richtig gemacht – sodass sie mit THE AWAKENING endlich auf dem richtigen Weg waren.

Absolute Anspieltipps: AGE OF TYRANNY, THE AWAKENING, UNDER BURNING SKIES, BLACK SUN


„Speziell nach dem eher durchwachsenen Debütalbum ein ganz schön starkes Stück.“

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Unleash The Titans (2010)

Alben-Titel: Unleash The Titans
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Januar 2011
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Tyl Fiedler – Drums
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals
Steven Dreißig – Guitars

Track-Liste:

1. Unleash the Titans (03:36)
2. Oblivion (03:16)
3. Stormrider (03:46)
4. Break the Spell (04:11)
5. Wings of Destiny (04:11)
6. Slave to the Dark (03:37)
7. Last Sanctuary (03:38)
8. Fly with Me (04:12)
9. Angel (03:33)

Ja dann… lassen wir sie mal frei, die Titanen.

VICTORIUS ist eine 2004 gegründete Power Metal-Combo aus Deutschland, die im Jahre 2008 eine erste offizielle Demo an den Start gebracht hat. Bevor die Band aber von einem Label unter Vertrag genommen und analog dazu auch einen größeren Bekanntheitsgrad erreichte, sollten noch einige Jahre vergehen. Aus eben jener Zwischenphase stammt auch das vorliegende Debütalbum UNLEASH THE TITANS, welches 9 Titel bei einer recht übersichtlichen Gesamtspielzeit von 34 Minuten beinhaltet – und von der Band noch in kompletter Eigenregie produziert und vermarktet wurde. Das gleichermaßen interessante wie kuriose dabei ist, dass VICTORIUS nicht nur deshalb vergleichsweise schlecht abgeschnitten hatten – sondern auch davon unabhängig nur ein eher mäßiges Genre- respektive Debütalbum abliefern konnten. Eines, welches nur wenig mit der später glücklicherweise doch noch erreichten Stilsicherheit der Band am Hut hatte. Anders gesagt: zu den interessanteren Debütalben diverser aufstrebender Bands, denen eine gewisse Magie sowie der spürbare Drang mehr erreichen zu wollen innewohnt; gehört UNLEASH THE TITANS nicht – oder nur höchst eingeschränkt.

Denn neben der eher schwachbrüstigen, insbesondere für die Gitarren zum Nachteil ausfallenden Abmischungs- und Produktionsarbeit hat das Album mindestens eine weitere frappierende Schwäche. Oder eher zwei, schließlich ist weder das was Leadsänger David Baßin hier von sich gibt von besonderer Bedeutung, noch kann seine gesangliche Darbietung generell überzeugen – mit Darbietungen wie der in BREAK THE SPELL, dem auch sonst recht merkwürdigen LAST SANCTUARY oder dem balladesken ANGEL als negative Paradebeispiele. Dabei ist insbesondere das einer der Gründe dafür, dass viele der vertretenen Nummern wie ein relativ müder Abklatsch diverser sogenannter True Metal-Bands a’la MAJESTY oder WIZARD wirken – die grundsätzlich soliden, aber eben auch alles andere als spektakulären Instrumentalparts sowie die selbst im Vergleich zu den frühen WIZARD geradezu kärglich ausfallenden Gangshouts erledigen den Rest. Immerhin geben einige Riffs und harmonische Strukturen (wie etwa in STORMRIDER) einen dezenten Hinweis darauf, dass schon zu diesem frühen Zeitpunkt mehr in VICTORIUS geschlummert hatte als sie es in der Lage waren zu zeigen – doch gegen den insgesamt eher platten Gesamteindruck konnten und können diese feinen Nuancen auch nicht mehr viel ausrichten.

Was dem Debütalbum somit bleibt, ist sein eher rauer und ungeschliffener Eindruck – der die Musiker von VICTORIUS in einer frühen, potentiell interessanten Schaffensphase zeigt. Wer seine Sammlung vervollständigen möchte, kann also getrost zuschlagen – wer dagegen nur auf die Essenz von VICTORIUS aus ist; der sollte UNLEASH THE TITANS vielleicht eher überspringen und mit den späteren, besseren Alben beginnen.

Absolute Anspieltipps: UNLEASH THE TITANS, STORMRIDER


„Eine interessante, insgesamt aber viel zu ungeschliffene und gerade in gesanglicher Hinsicht problematische Werkschau.“