Filmkritik: „Sunshine Cleaning“ (2008)

Originaltitel: Sunshine Cleaning
Regie: Christine Jeffs
Mit: Amy Adams – Emily Blunt – Jason Spevack – Alan Arkin u.a.
Laufzeit: 91 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Komödie (60 %) / Drama (40 %)

„Leiche im Keller ? Kein Problem !“

Inhalt: So oder so – das Leben ist ein schmutziges Geschäft. Für die beiden Schwestern Rose (Amy Adams) und Norah (Emily Blunt) hat dieser salopp dahergesagte Spruch allerdings eine besondere Bedeutung. Denn finanzielle Missstände bewegen sie dazu, eine besondere Reinigungsfirma zu gründen. Ihre Biohazard Removal / Crime Scene Clean-Up Service GmbH sorgt – wie der Name schon sagt – dafür, dass die menschlichen Überreste von Verstorbenen beseitigt werden. Irgendjemand muss es schließlich erledigen – auch wenn es keine besonders angenehme Arbeit ist. Schließlich tut vor allem Rose so auch etwas für die Zukunft ihrer Familie – sie möchte ihrem Sohn Oscar (Jason Spevack) ermöglichen, auf eine Privatschule zu gehen. Der scheint auf der Regelschule nämlich immer wieder Probleme zu bekommen – hat aber zumindest eine verständnisvolle Mutter. Auch der rüstige Vater der beiden Schwestern, Joe (Alan Arkin) tut sein bestes um der Familie zu helfen. Der Berufsalltag ist nicht immer leicht – und zudem häufen sich noch die privaten Probleme. Und es scheint, als würde auch die Vergangenheit der beiden noch darauf warten, aufgearbeitet zu werden…

Gute Laune vor ernstem Hintergrund - Sunshine Cleaning meistert die Balance

Kritik: Es weht ein frischer Wind – und das ist bei einem Beruf wie dem in Sunshine Cleaning porträtierten auch gut so. Wie man diesen Film auch anpackt – es handelt sich schlicht um eine aussergewöhnlich gut gemachte, bittersüße schwarze Komödie. Wer hier das gewöhnliche erwartet, wird positiv überrascht werden. Angefangen beim wirklich knallharten Filmstart, über den irrwitzigen Arbeitsalltag der beiden Schwestern; bis hin zu einem bewegenden Famlienporträt – der Fokus wirkt niemals eingeschränkt, sodass tatsächlich der Eindruck entsteht, man begleite die beiden Schwestern und ihre Familie auf Schritt und Tritt. Regisseurin Christine Jeffs ist es zweifelsohne gelungen, eine stimmige Balance aus schwarzkomödiantischen Elementen und bewegenden Lebensgeschichten auf die Leinwand zu bannen. In erster Linie hat dies einen hohen Unterhaltungswert zur Folge, doch neben den vielen amüsanten und stellenweise auch ekligen (Matrazen-Szene) Momenten werden immer wieder ernstere Elemente eingeschoben, die den Zuschauer kurz innehalten lassen und auf eine wunderbar subtile Art und Weise tiefgründiges vermitteln. Die heutzutage so angesagte Holzhammermethode sucht man hier glücklicherweise vergebens. Vielmehr wirkt das Gezeigte überaus authentisch und nachvollziehbar, vornehmlich auch durch den direkten Bezug zu den Charakteren.

Die beiden Schwestern bekommen mit ihren Alltagserlebnissen und der damit verbundenen Vergangenheitsaufarbeitung ebenso Aufmerksamkeit zugesprochen wie der Sohn von Rose, Oscar; oder auch die interessanteren Nebencharaktere. Wie Mac (Steve Zahn), der der geheime Liebhaber von Rose ist; oder Winston (Clifton Collins Jr.), der einarmige Verkäufer, der auch mal als Babysitter für Oscar einspringen muss. Der markanteste Nebencharakter ist dann aber doch Lynn (Mary Lynn Rajskub), eine Frau die ebenfalls viel durchgemacht hat, und nun in einem überaus zwiespältigen Verhältnis zu Norah steht. Dass der Film hierbei stets so gut funktioniert und so gut herüberkommt, ist in erster Linie – neben der Grundidee und der Umsetzung der Regisseurin – den Darstellern zu verdanken. Gerade die beiden Filmschwestern, gespielt von Amy Adams und Emily Blunt, leisten eine hervorragende Arbeit – und verstehen es, die Hin- und Hergerissenheit ihrer Charaktere (zwischen Lebensmut und tiefer Trauer) mit einer unglaublichen Intensität und Authentizität auf die Leinwand zu bannen. Auch die zahlreichen Nebendarsteller machen ihre Sache gut, besonders hervorzuheben ist aus dieser Riege sicherlich das Nachwuchstalent Jason Spevak, der seinen Charakter vom Schlag eines starken Aussenseitertypus ebenfalls äusserst versiert spielt.

Verdammt, wieso tut denn niemand etwas... !?

Fazit: Sunshine Cleaning ist zweifelsohne einer dieser US-Filme, bei denen die Attribuierung klein aber fein absolut zutrifft. Ein geringes Budget und generell wenig Aufriss führen dazu, dass man mit relativ neutralen Erwartungshaltungen an den Film herangeht (es handelt sich nun einmal nicht um einen millionenschweren Blockbuster) – und letztendlich doch merklich positiv überrascht werden wird. Die Grundidee ist nett und erfrischend, die Umsetzung gelingt in Anbetracht der angenehmen aus Tragik und (schwarzer) Komödie hervorragend. Die technische Aspekte zeigen abermals auf, dass man auch mit geringen Mitteln einen durchaus ansehnlichen Film gestalten kann – ganz ohne Special Effects oder teure Szenenaufbauten / Kostüme. Alles in allem – Sunshine Cleaning ist eine überdurchschnittliche, intelligente (Tragik-)Komödie; und damit eine klare Empfehlung. Eine noch höhere Wertung wird lediglich dadurch verhindert, dass der Film – insgesamt – dann doch noch ein stückweit zu konventionell, oder nennen wir es: brav daherkommt.

Filmkritik: „Suicide Club“ (2010)


Originaltitel: Suicide Club – Manchmal Lebt Man Länger Als Man Denkt
Regie: Olaf Saumer
Mit: Klaus Dieter Bange – Arne Gottschling – Mathieu Süsstrunk – Christian Heiner Wolf
Laufzeit: 96 Minuten
Land: Deutschland
Genre: Drama / Komödie

Inhalt: Fünf grundsätzlich verschiedene Menschen treffen sich bei Sonnenaufgang auf einem Hochhausdach. Obwohl sie sich untereinander nicht kennen, verbindet sie doch ein Wunsch: der Wunsch, ihrem Leben ein jeweils vorzeitiges Ende zu setzen. Doch es gibt Probleme, mit denen keiner so Recht gerechnet hätte: zuerst ist es die langsam aber sicher erwachende Stadt und damit mögliche „Zeugen“ des Gruppen-Freitods – und danach muss sich ausgerechnet einer der Anwesenden übergeben. Schnell wird klar: der optimale Zeitpunkt wurde verpasst. Also wird gemeinsam beschlossen, doch bis zum Abend zu warten – denn der Schlüssel zur Dachtür wurde bereits vorsorglich weggeworfen. Nur, wie vertreibt man sich die Stunden, die einem eigentlich gar nicht mehr geblieben wären ? Aus gähnender Langeweile entstehen zaghaft erste Gesprächsversuche, und man lernt einander erstmals kennen. Irgendwann aber erscheinen zwei Polizisten auf dem Dach, eben weil es bekannt dafür ist dass sich Menschen hier das LEben nehmen – und die 5 verstecken sich in einer Art Schacht. Die darauf folgenden Ereignisse waren abermals alles andere als geplant; und am Abend ist sich jeder sicher: dies war ein Tag, den niemand so schnell vergessen wird.

Kritik: In der Tat ist bereits der Trailer zu dieser kleinen aber feinen deutschen Filmproduktion vielversprechend – eine bunt zusammengewürfelte Truppe trifft sich zum gemeinsamen Freitod ? Das ist ungewöhnlich, und ähnliche Ausgangssituationen gibt es wenn überhaupt nur höchst selten in (zumeist ausländischen) Genrefilmen. So kann man sich bereits vor dem Film relativ sicher sein, dass man eine vergleichsweise „unverbrauchte“ Story erleben wird – die in erster Linie von ihren Protagonisten lebt. Dementsprechend „still“ fällt der Film auch aus: wer in einem Film wie Suicide Club rasante Action oder schnelle Schauplatzwechsel erwartet, ist definitiv falsch beraten. Das GAnze ist eher vergleichbar mit einem Kammerspiel – so bleibt der Schauplatz über beinahe den gesamten Film derselbe (das Hausdach), nur einmal gibt es einen unfreiwilligen Ausflug in eine (fremde) Wohnung. Es ist von daher nur verständlich, dass man bei einer solchen Produktion eher das Augenmerk auf die Dialoge und die zwischenmenschliche „Chemie“ der Charaktere legt – ganz ohne reißerische Maßnahmen.

Sterben oder nicht Sterben, das ist hier die Frage...

Obwohl, gerade im späteren Verlauf gewinnt der Film dann doch noch überraschend an Spannung – dies hat zweifelsohne mit der Idee zu tun, den Schauplatz kurzerhand eine Etage tiefer, das heisst in eine fremde Wohnung, zu verfrachten. Eine sehr gute Idee, wie sich zeigen wird – denn abermals erfährt man als Zuschauer näheres über die Lebenshintergründe der Lebensmüden. Auch wird eine weitere Person involviert – was für Spannung einerseits, für (nötige) Abwechslung andererseits sorgt. Der Film wirkt allerdings nicht erst ab diesem Zeitpunkt makaber (dann aber erst recht !), ein ansprechender schwarzer Humor zieht sich über die gesamte Spieldauer. Jedoch, auch wenn es einige merklich „heitere“ Szenen und Dialoge gibt, wird niemals der ernste Grundton ausser Acht gelassen. In erster Linie ist Suicide Club nun einmal ein Drama – welches verschiedene Persönlichkeiten vorstellt, und nach und nach mehr Aufschluss über die möglichen Beweggründe für die jeweilige Entscheidung das eigene Leben zu beenden, gibt.

Überaus wichtig für das Funktionieren eines solchen Films sind – zweifelsohne – die Darsteller. Und, hier gibt es glücklicherweise auch nichts zu bemängeln. Tatsächlich wirken die Protagonisten wie aus dem Leben gegriffen, als könnten es die eigenen Nachbarn sein – dass es sich dabei um eher unbekannte Darsteller handelt, ist diesem Eindruck zusätzlich dienlich. Jedoch kommt auch ein ambitionierter Film wie dieser (leider) nicht ohne Schwächen aus. Diese beziehen sich jedoch nicht auf den Unterhaltungswert (wie man vielleicht vermuten würde), denn trotz der relativ langen Spieldauer von 96 Minuten und nur zwei Schauplätzen – kommt so gut wie niemals Langeweile auf. Wenn man sich auf eine solche Machart einlassen kann, bei der man automatisch dazu gebracht wird, „zwischen den Zeilen“ zu lesen, versteht sich. Nein, ein auffallender Aspekt ist beispielsweise die Darstellung der Stimmungsschwankungen: natürlich verändert sie sich zwangsläufig, da das eigentliche Vorhaben gescheitert ist und man so noch einige Stunden Zeit hat. Und natürlich soll der Film gerade so aufzeigen, dass ein Leben; auch wenn man schon damit abgeschlossen hat, doch noch einige lebenswerte Momente offeriert (mit denen vielleicht keiner mehr gerechnet hätte). Doch gerade die hier porträtierte „‚Heiterkeit“ wirkt einstweilen stark aufgesetzt, und vielleicht auch ein klein wenig übertrieben – gerade in den Wohnungsszenen wird hier eindeutig etwas zu sehr aus dem Vollen geschöpft. Das wirkt dann – im Gegensatz zum sonstigen Verhalten der Charaktere – erstmals nicht mehr ganz so glaubwürdig.

Fazit: Suicide Club ist ein erfrischend andersartiger, ungewöhnlicher deutscher Film; der eindeutig von seinen Charakteren (+ Darstellern) und der makaberen Ausgangssituation lebt. In der Hinsicht funktioniert er auch blendend – es handelt sich um ein äusserst menschliches Porträt, welches geschickt mit vollkommen gegensätzlichen Emotionen hantiert. Das einzige Problem ist eigentlich nur die Vorhersehbarkeit: denn jedem Zuschauer wird es relativ klar sein, dass es eben nicht zum Freitod kommen wird – sonst wäre das Ganze ein (relativ sinnfreier) Kurzfilm geworden. Doch gerade in Anbetracht dessen gerät das eigentliche ende viel zu unspektakulär und simpel, nicht zuletzt da relativ offen bleibt, was weiterhin mit den Charakteren geschieht. Werden sie sich am nächsten Morgen doch noch einmal treffen ? Oder haben sie neuen Lebensmut geschöpft ? Aber wenn ja, wie werden sie ihre eigentlichen Probleme in den Griff kriegen ? Fragen über Fragen…

Filmkritik: „Percy, Buffalo Bill Och Jag“ (2005)

Filmtitel: Percy, Buffalo Bill Och Jag
Regie:
Anders Gustafsson
Mit: /
Laufzeit:
83 Minuten
Land:
Schweden
Genre:
Kinderfilm

Inhalt: Was für ein Sommer ! Ulf (Hampus Nyström) lädt seinen besten Freund Percy (Daniel Bragderyd) ein, die Ferien bei ihm und seiner Familie auf dem Land zu verbringen. Genauer gesagt ist es Percy selbst, der sich frecherweise eingeladen hat – die Familie weiss erst gar nichts davon. Doch nachdem er erst einmal angereist ist, wird er auch schnell willkommen geheissen. Es scheint, als käme nun endlich etwas Leben in die etwas träge wirkende Familie – Percy ist extrovertiert, lebhaft; und überträgt langsam aber sicher einen Teil dieser Stimmung. Und das ist auch nötig… besonders die Beziehung der Großeltern von Ulf scheint recht eingefahren und lieblos, doch langsam beginnt selbst der alte Buffalo Bill-Fan aufzublühen. Mindestens ein Problem gibt es dann aber doch: Ulf hat sich in die hübsche Pia verliebt, doch die scheint, jetzt da Percy da ist, anderes im Sinn zu haben… die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Wird dies doch noch ein glücklicher Sommer werden – ein Sommer der Freundschaft, der Liebe, des Zusammenhalts ?

Kritik: In der Tat ist Percy, Buffalo Bill Och Jag kein gewöhnlicher Film. Denn an was denkt man, wenn man diese Storyzusammenfassung liest und nebenbei noch das Cover betrachtet ? Richtig, in erster Linie an einen heiteren, stimmungsaufhellenden Kinder- beziehungsweise Familienfilm. Das ist Percy, Buffalo… aber nur bedingt. Denn einstweilen werden recht ernste Untertöne angeschlagen, und überhaupt kommt der Film insgesamt ein wenig düster daher. Oder aber, man verwendet die Formulierung monoton: denn von einem spannenden, generationsübergreifenden Sommerabenteuer hat der Film dann doch weniger, als zuerst vermutet.

Und dabei beginnt alles noch so vielversprechend: ein Sommer auf dem Lande, mit einem frechen Jungen als (erst) heimlichen Gast – da ist das Meer, da ist die Natur, da ist die erste Liebe… und das Abenteuer. Doch schnell wird man feststellen, dass der Fokus zu einem nicht unerheblichen Teil auf das Familienleben der Großeltern gelegt wird – so werden beispielsweise häufig die bitterernsten Mienen des Großvaters oder der Großmutter eingefangen. Schnell wird klar: hier stimmt irgendetwas nicht in deren Beziehung. So erfährt der Zuschauer nach und nach mehr, wenn auch nichts halbes und nichts ganzes: der eigentliche Grund für die allgemeine Tristesse lässt sich höchstens erahnen. Immerhin kommt hier der Filmtitel zum Zuge: der Großvater ist ein heimlicher Verehrer von Buffalo Bill, dem Wildweststar. Und auch die Großmutter schwärmt von diesem „very handsome man“… doch für das junge Publikum dürfte dies bereits zuviel des guten sein. Nicht, dass es überfordert wäre, gewiss nicht – aber mit Sicherheit ein wenig gelangweilt. Denn neben dieser, nennen wir es „Beziehungskrise“ -kommt sogleich noch eine zweite auf, nämlich die der jüngeren Generation.

Eindeutig: Percy, Buffalo… legt den Fokus auf zwischenmenschliche Beziehungen, insbesondere der Liebe; und zeigt auf, mit welchen Schwierigkeiten man dabei einstweilen zu kämpfen hat. Das mag zwar ein ehrenwertes Konzept sein, für einen abendfüllenden Kinderfilm ist das aber viel zu wenig. Ausserdem gibt es genügend andere Filme, die derlei Aspekte „mal so nebenbei“ einstreuen – allerdings ohne dafür eine Spielzeit von 83 Minuten zu benötigen. Stichwort Beziehungskisten: hier geht es vor allem auch um Neid, Missgunst; und das Gefühl, „weniger wert“ zu sein. Denn genau das denkt und fühlt Ulf, der mit Percy den absoluten Gegenpart gegenübergestellt bekommt. Denn der ist offen, spontan, herzig; und macht sich schnell bei allen beliebt. Eben auch bei Pia, dem Mädchen welches merkwürdigerweise kaum Emotionen zeigt (warum, wird nicht erklärt). Mit dieser keinesfalls einfachen Situation muss Ulf nun zurechtkommen – und gelangt sogar an einen Punkt an dem er sich fragt, ob nun Percy oder aber Pia wichtiger für ihn ist. Und wieder: eine ernste Thematik, die uns alle bei unserem Weg ins Erwachsenendasein begleitet hat oder begleiten wird – aber, sonderlich spannend oder innovativ ist das Ganze nicht inszeniert. Und schon gar nicht kindgerecht – denn Kinder müssen bei Laune gehalten werden, bei diesem Film hier läuft man aber Gefahr, dass schnell Unruhe im Kinosaal entstehen könnte. Und das zu Recht.

Zwei, drei gute Szenen offeriert der Film in diesem Zusammenhang dann doch – beispielsweise als Percy seinem Freund einen Gefallen tun möchte und die beiden ein recht ungestümes Pferd ausführen um damit Pia zu beeindrucken. Oder aber, als der Großvater seinen Enkel Ulf zur Seite nimmt und ihm sagt, dass du schon genauso wirst wie ich. Kleine Hoffnungsschimmer an einem sonst recht düsteren Filmhorizont: die restliche Spieldauer verstreicht recht ereignislos, die Story dümpelt vor sich in – und spätestens als in den Schlussminuten der Ausruf was war das für ein schöner Sommer ! kommt, stellt sich der Film selbst ein Bein. Denn als Zuschauer fragt man sich nun: ja, was genau war daran denn nun so schön ? Viel gesehen hat man ja nicht, minimale Entwicklungen zwischenmenschlicher Beziehungen – oder ein kurzer Schwimmunterricht – mal aussen vor. Wo waren denn die gemeinsamen Unternehmungen, die gemeinsamen Abenteuer die zusammenschweißen ? Dies versucht der Film dann in einer der Endsequenzen zu relativieren, indem er sich auf de Kraft der Imagination beruft (Der Großvater wird zu Buffalo Bill, Sinnbild seiner Genesung) – das funktioniert dann – und zu so einem späten Zeitpunkt – aber leider auch nicht mehr wirklich.

Die technischen Aspekte sind durchwachsen – leider, muss man sagen. Denn hier hätte man dem Film durchaus noch einige Pluspunkte verleihen können. Wenngleich sich Schnitt und Kameraführung auf einem soliden Niveau bewegen, regiert im allgemeinen eine offensichtliche Langeweile: von einem „schönen Sommer“ ist hier die Rede, doch von diesem Gefühl kommt leider nicht viel rüber. Wenn man dies schon bei der Story vergeigt hat, dann hätte man doch wenigstens einige bezaubernde Bilder inszenierten können – laue Sommerabende, Spiel und Spaß in der Natur (und sei es ein simpler Hüttenbau !)… oder wenigstens ein paar kräftige Farben. Nein – es regieren klare Grau- und Grüntöne, wirkliche optische Abwechslung sucht man vergebens. Auch der eigens komponierte Soundtrack kommt reichlich dürftig daher, ja; man nimmt ihn kaum war. Da hätte man sich die Mühe – leider Gottes – auch sparen können. Einzig und allein die beiden Hauptdarsteller machen eine annehmbare Figur – einer als introvertierter, schüchterner Junge – der andere als absolutes Gegenteil. Dass die anderen Darsteller regelrecht zu Komparsen verkommen, ist ein weiteres schlechtes Zeichen: die anderen Kinder wirken seelenlos und höchstens zweckdienlich in Bezug auf die dünne Story. Dann wären da noch die Großeltern, die recht gut und glaubwürdig spielen. Interessant: die Eltern von Ulf sind zwar ebenfalls anwesend, haben aber überhaupt keine Bedeutung für die Geschichte. Die Mutter ist so gut wie nie zu sehen, und der Vater löst allerhöchstens mal ein Kreuzworträtsel – das war’s.

Fazit: Percy, Buffalo… ist wenn überhaupt ein durchschnittlicher Film mit einer fraglichen Zielgruppe. Kinder werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach langweilen, Erwachsene aber auch – es gibt weitaus bessere Filme für Kinder, oder aber: über Kinder. Denn das ist ein Unterschied – dieser hier versucht, beides auf eine merkwürdige Art zu vermischen. Ohne Zweifel: das Ergebnis ist höchst gewöhnungsbedürftig… zusätzlich gibt es eine Abwertung für das nicht eingehaltene Versprechen, dass es sich hier um einen „Sommerfilm“ (gute Laune, spannend, familiengerecht) handelt.


Filmkritik: „Arlen Faber / The Answer Man“ (2009)

Filmtitel: Arlen Faber (AKA: The Answer Man)
Regie:
John Hindman
Mit: /
Laufzeit:
97 Minuten
Land:
USA
Genre:
Drama / Tragikkomödie

Inhalt: Arlen Faber (Jeff Daniels) ist der wohl berühmteste Autor dieser Tage, da er ein weltweit unglaublich erfolgreiches Buch mit dem Titel „Me and God“ geschrieben hat. Zahlreiche Übersetzungen, zahlreiche gewinnbringende Bücher-zum-Buch sind die Folge, und auch Interview-Anfragen gibt es zuhauf. Doch der exzentrische Arlen zieht es vor, seine wahre Identität geheimzuhalten – und das schafft er auch, und zwar bis zu dem Tag an dem er Kris Lucas kennenlernt, einen Buchladenbesitzer; und Elizabeth, eine alleinerziehende Mutter. Diese beiden zwingen Arlen aus seiner sozialen Isolation herauszukommen – der eine indem er ihn mit allerlei wichtigen Fragen „beglückt“ (schließlich weiss ein Arlen Faber so gut wie alles), die andere indem sie erstmals wieder Liebesgefühle bei Arlen weckt. So nimmt der zurückgezogene Mann wieder mehr am gesellschaftlichen Leben teil, doch all die Zeit der Ausgrenzung hinterließ ihre Spuren – er verpatzt die ein oder andere Situation. Und außerdem muss er offenbar noch mit seiner Vergangenheit abschließen…

Kritik: In der Tat handelt es sich hier um eine Liebeskomödie, die als erstes gar nicht mal so sehr danach aussieht. Doch dies bedeutet in diesem Fall nur gutes: im Gegensatz zu anderen Hollywood-Liebeskomödien herrschen hier weniger allgemeiner Kitsch und unsäglicher Schmalz. Stattdessen bekommt man das (chaotische) Porträt eines Buchautors zu sehen; und erfährt, was für eine Einstellung ein Mann wie Arlen zum Leben hat – wenn er denn schon einmal mit Gott höchstselbst gesprochen hat, wie er behauptet… eben diese Charakterisierung fällt sehr gelungen und situationsbedingt komisch aus – irgendwie schließt man die Figur sofort in sein Herz, auch wenn die jeweiligen Handlungen derselben eher nicht dafür sprechen. Doch dieses Gefühl steht stellvertretend für den Prozess, den Arlen Faber im Laufe des Films durchmacht – er wandelt sich, und zwar merklich. Das Ganze findet letztendlich in Rahmen einer angenehmen Spieldauer und einer ausgewogenen Mischung aus Comedy und Ernsthaftigkeit statt.

Etwas schade ist, dass man bei der Figur von Elizabeth (Lauren Graham) – im Gegensatz zu der von Arlen – dann doch wieder stark in die Klischee-Kiste gegriffen hat. Kann eine etwas andere Liebeskomödie nicht zwei etwas andere Charaktere vertragen ? Doch hier ist wieder einmal wenig Spannung geboten: alleinerziehende Mutter, tolles Aussehen, überhaupt kein(e) Makel. Das ist schade, entsteht so doch – besonders gegen Ende des Films – dieses typische Gefühl einer „Gelecktheit“, wie sie sonst nur bei Riesen-Hollywoodproduktionen a’la Und Dann Kam Polly vorherrscht. Life is beautiful here in america… unter Authentizität und Nachvollziehbarkeit (wie es besonders bei einer Komödie der Fall sein sollte) versteht man aber anderes. Leider färbt diese Entwicklung gegen Ende hin noch auf einen anderen Bereich ab – so wirkt Arlen’s Wandlung ebenfalls nicht wirklich glaubwürdig und ein wenig aus der Luft gegriffen. Er hilft eben auf seine Art – so hat man es wohl darstellen wollen, wenn er in Gesprächen schon nicht gerade ein Höchstmaß an Empathie aufbringen kann. Doch es kann eben auch so wirken: er „verkauft“ seinen Status endlich an die Aussenwelt, und lässt einen armen jungen Mann am „Gewinn“ teilhaben. Folglich bliebe er Kris Lucas gegenüber derselbe… „miese Typ“ der er war, und hilft ihm lediglich in finanzieller Hinsicht.

Fazit: Sei es drum, der Film sorgt für gute Unterhaltung und einiges an Kurzweil. Bild und Ton bewegen sich auf einem hohen Niveau, so wie auch die schauspielerischen Leistungen. Wer eine etwas ausgefallenere Liebeskomödie  sehen möchte, der sollte zugreifen. Von einer Höchstwertung ist Arlen Faber aber immer noch meilenweit entfernt – dafür ist das Ganze dann doch noch viel zu gewöhnlich; und auch viel zu brav. Relativ fix und unspektakulär geht es auch zur Wertung…


Filmkritik: „13 Moons“ (2002)

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Originaltitel: 13 Moons
Regie: Alexandre Rockwell
MitJennifer Beals, Elizabeth Bracco, Steve Buscemi u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 93 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Komödie / Drama
Tags: Komischer Kauz | Duo | Clowns | Freundschaft | Schicksal

Ein tollkühner nächtlicher Ritt.

Inhalt: Zwei noch namenlose Clowns sind in ihrem Beruf wenig erfolgreich… als sie eines Tages auch noch ein (kindlicher) Zuschauer wüst beschimpft, scheint es erst einmal vorbei mit der Karriere. Doch der Abend hält noch mehr böse Überraschungen für Bananas (Steve Buscemi) und Binky (Peter Dinklage) bereit – Bananas‘ Frau Suzi (Jennifer Beals) trifft unglücklicherweise auf seine aktuelle Freundin Lily (Karyn Parsons), woraufhin erstere ein wenig… durchdreht. Sie landet im Gefängnis – und die beiden Clowns nehmen die Hilfe von einem namhaften Vermittler namens Mo (David Proval) an, der wiederum einiges zu tun hat. Denn der verhandelt noch den Fall von Sanandra (Rose Rollins), der Frau von einem Rap-Mogul namens Lenny (Daryl Mitchell), und hat außerdem noch seinen eigenen Sohn (Austin Wolff) am Hals. Das ungleiche Team macht sich auf den Weg… und muss inmitten all des Trubels auch noch eine Spenderniere auftreiben, und zwar von einem völlig entgeisterten Alkohol- und Drogenabhängigen (Peter Stormare). Und dann sind da noch 3 vom „rechten Weg“ abgekommene Priester… die sich ebenfalls zur Truppe gesellen und die ein oder anderen grundsätzlichen Fragen an das Leben stellen.

Kritik: Man braucht kein Geheimnis daraus zu machen – ja, die Story von 13 Moons ist ein wenig verwirrend. Die Ereignisse überschlagen sich, und ein bunter Haufen von Charakteren findet – wohl ohne jemals an dergleichen gedacht zu haben – einen gemeinsamen Nenner, nämlich ein krankes Kind dem es zu helfen gilt. Der Film offenbart hierbei mindestens zwei Besonderheiten: zum einen handelt es sich um ein Low-Budget-Independent-Projekt, welches mit einer normalen Handkamera gedreht wurde – dementsprechend „authentisch“ fällt das Ergebnis aus. Zum anderen beschränkt sich die Handlung auf nur einen einzigen Tag, beziehungsweise eine Nacht – jedoch, eine relativ aufregende ist es allemal. Doch eigentlich ist alles am und im Film ein klein wenig speziell – nicht immer im positiven Sinne, aber von einem einzigartigen Werk kann man definitiv sprechen. Die Geister werden sich scheiden – doch von einem wahrlich genialen B-Movie ist ein 13 Moons leider weit entfernt.

In Sachen Handlung gibt es – neben der Plotbeschreibung eigentlich wenig zu berichten. Der Film wirkt insgesamt sehr improvisiert, und zwar in allen Belangen. Es scheint, als hätte man sich vorab nur ein ungefähres Bild der Szenerie gemacht, und alles weitere aus den skurrilen Dialogen und Charakterporträts entstehen lassen – wenn man sich darauf einlassen kann, funktioniert der Film auch… halbwegs. Denn letztendlich hinterlässt keiner der Charaktere einen wirklichen Eindruck beziehungsweise hat eine wirklich bedeutende Rolle – ausser natürlich, allerlei (durchaus witzige) Sprüche zu ziehen, sich merkwürdig zu verhalten, ja sogar so etwas wie „Freundschaften“ mit den anderen „zufällig“ Anwesenden zu schließen. Gerade in diesen Momenten funktioniert der Film bestens: wenn sich einer der Anwesenden fragt, was Person X und Person Y eigentlich hier machen – sie kennen sich nicht, haben nichts miteinander zu tun – und doch halten sie, wie durch ein unsichtbares Band, zusammen. Wenn auch nur für eine Nacht… und für ein Kind, das schwer krank ist.

So bleibt die letztendliche Botschaft einerseits klar, andererseits geht sie ein wenig im allgemeinen Kuddelmuddel unter. Merklich schwach inszenierte Szenen, die die Bedeutungsschwere einzelner Momente darstellen sollen, wirken eher lächerlich. So gibt es einen Ballon, der langsam gen Himmel aufsteigt; und den alle Protagonisten betrachten. Das wirkt etwas deplatziert, auch wenn die Metapher dahinter klar ist. Andere Szenen werden in einer Art Zeitlupe gespielt, und mit einer tragischen Musik untermalt – hier wird aber auch nicht mehr ersichtlich als dass die Protagonisten sich früher schon einmal – unbemerkt – über den Weg gelaufen sind. Halten wir Menschen also in Extremsituationen, in denen es unsere moralische Pflicht ist, anderen zu helfen zusammen – so unterschiedlich sie auch sein mögen ? Dies ist aber beileibe die einzige, tiefer gehende Frage, die dieser Film aufzuwerfen vermag. Alles andere dient der puren Unterhaltung – und wirklich langatmig wird es aufgrund all der Absurditäten tatsächlich nicht.

Fazit: Rein technisch gesehen ist 13 MOONS ein eher durchwachsener Film – wobei vor allem die wackelige Kameraführung negativ auffällt. Auch der allgemeine Look, der einen am ehesten an einen Clip aus der Behind-The-Scenes-Kategorie als an einen ernstgemeinten Film erinnert, macht es nicht besser. Inhaltlich sind sicher einige gute Einfälle dabei – aber auch einige arge Durststrecken, viele „böse Wörter“ und ein Gesamteindruck, der einige Fragen offen lässt. Nicht in Bezug auf das Verständnis, versteht sich – sondern vielmehr hinsichtlich des Sinn und Zwecks dieses Films im allgemeinen. Als Grundvoraussetzung für die Zuschauer gilt deswegen, möglichst einige der mitwirkenden Darsteller zu kennen – oder im besten Fall explizit zu mögen. Schließlich ist es ein Fakt, dass die gemeinten Herren weniger neue Figuren, als vielmehr sich selbst spielen.

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„Weder Fisch noch Fleisch.“

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Filmkritik: „Good Intentions“ (2010)

Filmtitel: Good Intentions
Regie:
Jim Issa
Mit: /
Laufzeit:
84 Minuten
Land:
USA
Genre:
Komödie

Inhalt: Die junge Mutter Etta Milford (Elaine Hendrix) hat ein Problem mit ihrem Ehemann Chester (Luke Perry), genauer gesagt mit seinem Hobby: er erfindet gerne und werkelt an seinen sehr speziellen Projekten. Das Problem: die Familie hat nicht viel Geld zur Verfügung und kommt gerade so über die Runden – ein Grund mehr für Etta, die finanziellen Belange eines Tages selbst in die Hand zu nehmen… auf höchst ungewöhnliche Art und Weise. So entschließt sie sich, maskiert den kleinen Laden ihres Mannes zu überfallen, um das so „verdiente“ Geld in möglichst sichere Anlagen zu investieren. All das geschieht selbstverständlich mit einer „good intention“, sie möchte das Geld nicht für sich – sondern für ihre Kinder, die einmal eine bessere Ausbildung als sie genießen sollen. So investiert sie plötzlich in antike Möbel, erpresst den Sheriff der Stadt, und auch sonst ist das Leben ziemlich turbulent in dieser kleinen Stadt.

Kritik: Good Intentions ist sicherlich eine kleine Comedy-Überraschung. Denn was den Zuschauer hier erwartet, ist eine liebevoll inszenierte Komödie mit diesem speziellen Südstaaten-Flair, und einer handvoll spezieller, wenn nicht leicht durchgeknallter Charaktere. Es geht um den ewigen Kampf ums (finanzielle) Überleben einerseits, andererseits – und ausnahmsweise – einmal nicht direkt um die eigene Existenz. Sondern die der Familie – weshalb all die Ereignisse in Good Intentions sich auf eben diese „guten Beweggründe“ zurückführen lassen. Dass die Ergebnisse stellenweise recht makaber und aberwitzig ausfallen, ist der extrem lockeren Inszenierungsart zu verdanken – wirklich gezwungen wirkt hier kaum etwas. Der Film unterhält, und kommt für eine Independent-Produktion ohne großes Budget im Gesamteindruck gar nicht mal so schlecht daher.

Natürlich sollte man hier aber auch kein makelloses Meisterwerk erwarten. So fällt besonders im Sinne der Charakterzeichnung auf, dass sich die Protagonisten nicht immer wirklich nachvollziehbar verhalten, stellenweise sogar übertrieben naiv aufführen. Dies hat mit dem Gefühl zu tun, welches dieser Film auslöst: er wirkt eher wie ein „kleiner Film“, der im Kreise von Kumpels und Bekannten gedreht wurde, und nicht generell auf ein großes internationales Publikum abzielt. So sollte man auch keine groß angelegte Gesellschaftskritik und die Gegenüberstellung von „Good Intentions“ und „Bad Crimes“ erwarten – all das bleibt vollständig aus. Der Film ist leichte Kost, und dementsprechend simpel angelegt. Ein klein wenig tiefer geht der Film dann aber doch noch: nämlich wenn es darum geht, das Verhältnis und die Ansichten der beiden Schwestern Etta und Pam (Leann Rimes) aufzuzeigen. Auch das gelingt recht gut, und Dinge wie „Werte innerhalb einer US-Familie“ werden zumindest ansatzweise angeschnitten.

Beim Stichwort Independent und Low-Budget kommt man natürlich auch immer schnell zu den optischen Aspekten – wirkt der Film auch so, oder hat man sich doch etwas mehr Mühe gegeben ? Glücklicherweise ist eher zweiteres der Fall. Der optische Part fällt zwar nicht überraschend brilliant oder extravagant aus, aber bewegt sich durchaus auf einem mittleren Niveau. Die Kameraführung ist ebenso unspektakulär – aber sehr angenehm, ebenso wie die Schnitte. Der Soundtrack ist wohl ein besonderer Ohrenschmaus für Fans der Sängerin und Schauspielerin Leann Rimes, die auch eine nicht unerhebliche Rolle im Film spielt – doch auch sonst sind ausschließlich massentaugliche Popmusikstücke vertreten. Die Leistungen der Darsteller ist schon etwas schwieriger zu beurteilen – immerhin wirkt das Ganze (wie oben schon erwähnt) eher wie eine Art Spaß-Proejkt. Hinzu kommt, dass Good Intentions eine Komödie ist, die auf schräge Charaktere zurückgreift – sodass die Schauspieler eventuell auch ein wenig „sich selbst“ spielen konnten. Man weiss es nicht, das Spiel wirkt jedenfalls noch erträglich, und nicht ganz so übertrieben wie in manch anderer Charakter-Comedy.

Fazit: Schlussendlich – man sollte den Film mit einer „good intention“ ansehen (obwohl, die hat man ja zumeist), oder eher: mit neutralen Erwartungen. Dann wird man auch nicht enttäuscht, sondern für gute 80 Minuten locker-seicht unterhalten. Fans von Leann Rimes oder generell den südlichen USA (denn davon gibt es viel zu sehen, auch von der Lebensart) würden vielleicht höher werten.

Filmkritik: „Bedtime Stories“ (2008)

Filmtitel: Bedtime Stories
Regisseur:
Adam Shankman
Mit:
Adam Sandler
Laufzeit:
99 Minuten
Land:
USA
Genre:
Komödie / Fantasy

Inhalt: Der burschikose Skeeter Bronson (Adam Sandler) war schon immer ein Liebhaber von Hotelanlagen. Schließlich hat er bereits als Kind viel vom Geschäft mitbekommen, denn auch sein Vater ist Besitzer eines Hotels. Seit jeher hat er einen Gefallen an der speziellen Magie, die diese Gebäude ausstrahlen, gefunden. Seine Schwester Jill (Keri Russell) jedoch kann diese Leidenschaft nicht wirklich teilen… 20 Jahre später arbeitet Skeeter immer noch im Hotelgeschäft – aber offensichtlich nicht in der Position, die er sich gewünscht hätte. Denn als Handwerker und Mädchen für alles hat man es nicht immer leicht – er hofft, dass der neue Hotedirektor Barry Nottingham (Richard Griffiths) endlich sein Versprechen einlösen und Skeeter auf einer höheren Position einsetzen würde. Doch es gibt einen Nebenbuhler – ein gewisser Kendall (Guy Pearce) strebt ebenfalls eine Position als Direktor an. Ein eifriger Wettstreit um die beste Position beginnt.

Kritik: Was zuerst auffällt ist, dass sich Disney für diese Produktion verantwortlich zeichnet. Man sollte also einen überdurchschnittlichen, charmanten, magischen Film erwarten dürfen – zumal mit Adam Sandler als Hauptdarsteller einer der hochkarätigen Schauspieler aus dem Komödien-Genre engagiert wurde. Doch, bei aller Liebe; man sollte keine allzu hohen Erwartungen an dieses Werk haben. In Bedtime Stories ist eines nämlich ganz und gar nicht magisch: das Drehbuch. Obwohl die Idee, das knallharte Hotelbusiness mit auflockernden Trips in die Welt der Imagination zu verbinden, gut ist – scheitert der Film letztendlich daran. Selbst in Anbetracht dessen, dass es sich hier in erster Linie um einen Kinderfilm handelt, hat man das Gefühl, als hätte man all dies schon einmal gesehen. Wirkliche Innovationen oder wirklichen, intelligenten Witz (schließlich handelt es sich um eine Komödie), bleiben aus.

Denn gerade die auf witzig getrimmten Szenen sind es, die überhaupt nicht zünden, schon gar nicht in Anbetracht der Erwartungen an einen so großen Namen wie Disney. Die mitunter schlimmsten Szenen beinhalten ein Meerschweinchen namens Bugsy – eine unproportionierte, hässliche CGI-Kreatur mit extrem großen Augen. Das wäre als kurzer Element-Einwurf vielleicht noch erträglich gewesen, doch dieses Tier hat doch einiges an Screentime zugestanden bekommen, und ständig wiederholen sich die (stumpfen) Witze über seine „ach-so-riesigen“ Augen. Jedoch kommt in einigen Szenen auch ein echtes Tier zum Einsatz – und man braucht beileibe kein Tierrechtsaktivist zu sein um zu erkennen, dass man vielleicht doch nicht ganz so tierlieb mit dem Wesen umgegangen ist, wie man es von einem Kinderfilm erwartet.

Ja, der Film hat auch noch andere Szenen – beispielsweise die Traumsequenzen, die gar nicht mal so schlecht inszeniert daherkommen. Wenn sie nicht in einem derart absurden Kontext präsentiert würden – so ergeben sie wenig Sinn, ausser dass sie für optische Abwechslung sorgen. Stichwort Optik: die technischen Aspekte sind allesamt relativ angenehm ausgefallen – aber bei einer Disney-Produktion mit nach oben offenem Budget sollte man eigentlich auch nichts anders erwarten. Die Filmmusik ist traumhaft schön, die Effekte sind nett, die Schnitte wenig hektisch. In dieser Hinsicht wird man den Erwartungen also gerecht – doch keinesfalls auf inhaltlicher Ebene. Einzig der Charakter von Mickey, gespielt von Russell Brand; kann für einige Lacher und aufkommende Sympathie sorgen.

Doch der (negative) Höhepunkt der Kritik ist noch nicht erreicht; und folgt erst jetzt. Als wenn all dies nicht schon genug wäre, bietet der Film letztendlich doch noch eine böse Überraschung – beim Finale. Denn die Botschaft, die dem (kindlichen) Zuschauer hier feilgeboten wird, ist erschreckend amerikanisch, unmoralisch, und einfach falsch. Zu Beginn des Films hat man erfahren, dass Skeeter als Handwerker nicht immer das beste Ansehen genossen hat – wie es in der (harten) Realität eben nun einmal so ist. Doch als er selbst um einige Positionen  aufsteigt, tut er es den „Mobbern“ von damals plötzlich gleich, und behandelt sie entsprechend geringschätzig. Wenn man also seinen Weg an die Spitze geschafft hat, ist es nur recht, sich an den ärmeren und schwächeren zu rächen ? Eine durchaus interessante Aussage für einen Disney-Film. Selbst wenn diese Botschaft nicht derart explizit ausgeführt wird, ist es doch möglich, dass sich Zuschauer diese genau so herauspicken – denn das Angebot ist da.

Fazit: Bedtime Stories ist ein Film der Ärgernisse. Es handelt sich um eine krude Mischung aus Realitäts- und Traumszenen, deren Bedeutung insgesamt absolut abhanden gerät – sofern die Macher überhaupt eine jegliche Intention dabei hatten. Das Potential hinsichtlich der Träume-werden-wahr-Geschichte wurde jedenfalls verschenkt. Gerade hier hätte man – mit weiterer, intensiverer Bezugnahme auf die Kinderdarsteller dieses Films (Jonathan Morgan Heit und Laura Ann Kesling) – viel mehr erreichen können. Eine kindgerechte, traumhaft-witzige Komödie für die ganze Familie nämlich.

Filmkritik: „Brügge Sehen… Und Sterben ?“ (2008)

Filmtitel: „Brügge Sehen… Und Sterben ?“ (Original: „In Bruges“),
Regie:
Martin McDonagh
Mit:
Colin Farrell – Brendan Gleeson – Ralph Fiennes
Laufzeit: 107 Minuten
Herkunftsland:
Großbritannien / USA
Genre:
Thriller / Drama / Komödie

Inhalt: Ein offenbar recht ungleiches Duo (Colin Farrell und Brendan Gleeson) findet sich im belgischen Städtchen Brügge wieder. Herbeordert von ihrem Boss Harry (Ralph Fiennes) sollen sie hier eine Weile untertauchen, nachdem ein vorheriger Job in einer Kirche schiefgegangen war. Doch es stellt sich allzubald heraus, dass die beiden hier nicht nur untertauchen sollen… einer der beiden erhält einen ganz speziellen Auftrag. Das Problem: langsam beginnen die beiden, ihre bisherigen Handlungen in Frage zu stellen; die Grenzen wer hier noch zu wem loyal ist (und sein sollte) müssen offensichtlich neu ausgelotet werden. Dazu müssen aber alle drei Hauptprotagonisten vor Ort sein… und der große Showdown beginnt.

Kritik: Brügge – wo soll das sein ? So oder so ähnlich wird die belgische Stadt in Brügge Sehen… Und Sterben ? immer wieder umworben – als abgelegener Ort, in dem die Zeit ein wenig still zu stehen scheint. Passend dazu wird immer wieder Bezug auf die alten Gebäude und die poetische Wirkung der Umgebung genommen, was letztendlich den krassen Gegensatz zur relativ unpoetischen Gangstergeschichte – beziehungsweise den strengen ungeschriebenen „Ehrenkodex“ der Charaktere – bildet. Brügge Sehen… ist ein recht ungewöhnlicher, und daher auch erfrischender Film – wenngleich er vergleichsweise zäh beginnt. Es wird nur recht zaghaft gesprochen, die einzigen Dialoge finden zwischen den beiden Hauptcharakteren statt – Hintergrundgeräusche oder Musik gibt es kaum, und wenn dann sind es eher zarte Klänge. Der Film macht eines gleich von Beginn an klar: es handelt sich hier nicht um einen „typischen“ Gangsterthriller, sondern um ein stark nach Drama anmutendes (aber mit allerlei Absurditäten versehenes) Werk.

Das Haupt-Augenmerk liegt hierbei klar auf den drei Hauptprotagonisten aus zwei Profikillern und einem Boss, der erst noch in Großbritannien sitzt. Die Beziehung der drei untereinander erscheint oftmals etwas undurchsichtig, aber genau das macht die Sache so spannend. Drei Männer vergleichsweise „harschen“ Kalibers treffen sich in einer malerischen Kleinstadt, um eine „Großstadtangelegenheit“ zu klären. Spätestens als besagter Boss der Truppe selbst nach Brügge kommt, um, wie er sagt „eine Sache der Ehre“ zu regeln; beginnt ein seltsames Spiel aus (falschen ?) Nettigkeiten und Grausamkeiten. Eben das macht den Film so besonders: die Charakterporträts sind angenehm ungewöhnlich, und vielleicht gerade deshalb so menschlich. Irgendwie kann man mit allen Involvierten ein wenig mitfühlen, wenngleich es selbst die Hotelchefin so treffend formulierte: die sind doch total verrückt.

Letztendlich geht es um die (große) Frage, wer es „verdient hat, am Leben zu bleiben“ – und diese Ansicht variiert von Charakter zu Charakter; und verändert sich auch im Laufe des Films. Eingerahmt wird diese eigentlich dunkle Thematik in eine Mischung aus überaus komischen Dialogen (Stichwort: Ehrlichkeit) und Handlungsabläufen, die einen schon wieder an eine Komödie mit allerlei schwarzen Humor denken lassen. Für Unterhaltung ist also definitiv gesorgt – nicht zuletzt Dank der Leistungen der Darsteller. Colin Farrell als leicht naiv wirkender „Neuling“ im Business hadert mit einem riesengroßen Schuldgefühl – entdeckt quasi nebenbei aber noch seine große Liebe. Brendan Gleeson fungiert als „alter Hase“ und damit als glaubwürdiger, „beruhigender“ Gegenpol, der sich für Kultur und Geschichte interessiert. Und Ralph Fiennes als Boss wirkt irgendwie nie wirklich (und grundsätzlich) böse, es sind eben die Gegensätze die Brügge Sehen… zu dem machen, was er ist. So trägt jeder der Charaktere eine gewisse Menschlichkeit in sich, ebenso wie recht unterschiedliche Meinungen zu dem was „richtig“ ist und was nicht.

Fazit: Die Inszenierung erscheint insgesamt gelungen. Die versierte Kameraführung ergänzt den positiven Eindruck der Schauplatzwahl und der Szenenaufbauten. Der Film beginnt jedoch erst, nach einer gewissen Zeit an Tempo zu zulegen – der Einstieg fällt etwas zäh und nur bedingt gelungen aus. Trotzdem: eine solide Sache !