Filmkritik: „Stone Cold – Eiskalt“ (2005)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Buchvorlage
Regie: Robert Harmon
Mit: Tom Selleck, Jane Adams, Reg Rogers u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 87 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Einsam | Verschroben | Killer-Paar | Ermittler

Kalt wie ein Stein.

Inhalt: Als der Deputy Luther Simpson auf einer Nachtstreife eine brutal zugerichtete Leiche entdeckt, ist das Entsetzen in der Kleinstadt Paradise groß. Schließlich passiert hier sonst nicht gerade viel – abgesehen von den üblichen, alltäglichen Problemen. Was zu diesem Zeitpunkt allerdings noch niemand weiß ist, dass es nicht bei diesem einen Mord bleiben wird – und sich offenbar ein oder mehrere Serientäter in der Stadt eingenistet haben und hier ihr Unwesen treiben. Ein Unwesen, dass mehr und mehr zu einer persönlichen Angelegenheit für den bald darauf ermittelnden Polizeichef Jesse Stone (Tom Selleck) avanciert – der es einfach nicht zulassen kann und will, dass noch mehr unschuldige getötet werden. Dass er quasi nebenbei aber auch noch weitere Fälle, wie etwa eine schwere Vergewaltigung lösen muss; macht es ihm nicht gerade leichter. Und nicht zuletzt wären da auch noch die Probleme mit seiner Ex-Frau und seinem Alkohol-Konsum…

Kritik: STONE COLD – EISKALT ist der Pilotfilm der Erzählungen um den fiktiven Knallhart-Kriminalermittler Jesse Stone. Ursprünglich in Form von insgesamt 9 Romanen aus der Feder des US-Amerikanischen Autors Robert B. Parker veröffentlicht, begann man ab dem Jahre 2005 entsprechende Film-Adaptionen für ein noch breiteres Publikum zu realisieren. Mit der Entscheidung Tom Selleck für die Hauptrolle zu verpflichten hat man schon einmal nichts falsch gemacht – zumal ihm die Rolle als äußerlich so gut wie keine Miene verziehender Super-Cop mit einem umso liebenswerteren und sensibleren Innenleben wie auf den Leib geschneidert scheint. Im Zusammenspiel mit dem für den Pilotfilm sichtlich betriebenen Aufwand, der ebenfalls hervorragenden Besetzung der Nebenrollen sowie den stimmigen Sets und Drehorten hat man so schon einmal gute Voraussetzungen geschaffen, um den geneigten Krimi-Zuschauer nachhaltig an den Bildschirm zu fesseln.

Was bleibt ist allerdings die berechtigte Frage nach weiteren Besonderheiten, oder noch genauer den wirklichen Alleinstellungsmerkmalen des Pilot-Films – und damit gewissermaßen auch allen weiteren Teilen. Hier sieht es zugegebenermaßen schon nicht mehrt ganz so rosig aus, denn – und dafür muss man kein exzessiver Krimi-Konsument geschweige denn Krimi-Experte sein – hinsichtlich der Handlung und den Geschichten der Nebenfiguren riecht STONE COLD verdächtig nach der typischen Krimi-Einheitskost. Sich in irgendeiner Form als auffallend erweisende Experimente gibt es keine – und das weder im inhaltlichen noch im gestalterischen Sinne.

Um in den vollständigen Genuss des Films kommen zu können wäre es also vorteilhaft, wenn man sich generell mit eher einfach gestrickten Kriminal-Geschichten anfreunden kann. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Film wie STONE COLD generell zu vernachlässigen wäre – oder nicht dennoch einen gewissen Drive entwickeln kann. Immerhin schaffen es die Verantwortlichen letztendlich doch, den Spannungsbogen kontinuierlich aufrechtzuerhalten – und das trotz dessen, dass die Verhältnisse eigentlich schon recht früh klar sind und man weiß, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Oder auch: hinauslaufen muss.

Anders gesagt: wer in Bezug auf den Plot selbst – also auch Dinge wie etwa die Darstellung der angestellten Ermittlungsarbeiten – nicht allzu hohe Erwartungen hegt, und einen Krimi vor allem daran misst wie stark der Hauptprotagonist in seiner Rolle aufgeht; der sollte einen Blick auf JESSE STONE riskieren.


Bilder / Promofotos / Screenshots: ZDF

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„Ein nicht herausragender, aber doch technisch und handwerklich solider Krimi mit einer interessanten Hauptfigur.“

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Filmkritik: „Inside Man“ (2006)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Spike Lee
Mit: Denzel Washington, Clive Owen, Jonnie Brown u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 130 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller (50 %), Krimi(50 %)
Tags: Bankraub | Heist | Überfall | Geiselnahme | Raub | Erpressung

Diebstahl ist (nicht) gleich Diebstahl.

Inhalt: Der gewiefte Dalton Russell (Clive Owen) ist mit seinem Team gerade dabei, den Coup des Jahres zu landen. Als Maler getarnt haben sie es geschafft, die Kontrolle über eine große New Yorker Bank zu erlangen – inklusive aller sich im Gebäude befindenden Personen. Dabei scheinen sie recht gut vorbereitet zu sein, denn schon kurz nach der Erstürmung der Bank verpassen sie den Geiseln eine einheitliche Kleidung – sodass es den von Detective Keith Frazier (Denzel Washington) angeführten Ermittlern zusehends schwerfällt, die Lage zu überblicken. Ebenfalls zu einem Problem wird, dass der Gründer und Inhaber der Bank (Christopher Plummer) eine gewisse Madaline White (Jodie Foster) beauftragt, sich um den Inhalt eines seiner Schließfächer zu kümmern – ausgerechnet jetzt sollte man wohl sagen, und selbst wenn das bedeutet mit den Bankräubern kooperieren zu müssen. Was also ist im besagten Schließfach, das offenbar auf keiner Inventarliste auftaucht; und vor allem: wissen auch die Bankräuber davon ?

Kritik: INSIDE MAN ist ein von Spike Lee inszenierter Thriller, der sich für seine Darstellung eines etwas anderen Bankraubs auf eine Vorlage des US-Amerikanischen Drehbuchautors Russell Gerwitz stützt. Etwas anders ist vielleicht auch, dass der Film dabei tatsächlich mit einigen neuen respektive für das Genre der sogenannten Heist-Movies erfrischenden Ideen auftrumpfen kann – und die Darsteller alles daran setzen, ihre Charaktere glaubhaft zu verkörpern. Im Zusammenspiel mit dem nicht allzu schnell zu durchschauenden Plan der Bankräuber vermag es der Film so durchaus, einen gewissen Reiz oder auch Sog zu entwickeln – einen Reiz, dem man sich als Zuschauer kaum entziehen kann. Und einen, der die eigentlich eher hoch angesetzten 130 Minuten Spielzeit grundsätzlich zu alles anderem als einer langatmigen Angelegenheit avancieren lässt. Dafür, dass der Film zu keinem Zeitpunkt auf eine nennenswerte geschweige denn übertriebene Gewaltdarstellung oder größere Action-Szenen setzt; ist das durchaus ein Verdienst – wobei vor allem Fans von vergleichsweise ausführlichen Dialogen, Machtspielchen und einer wohldosierten Priese Humor auf ihre Kosten kommen sollten.

Und dennoch: im Falle von INSIDE MAN von einer qualitativen Ausnahme oder gar einem waschechten Genre-Highlight zu sprechen, trifft es dann auch nicht ganz genau. Der Grund dafür ist schnell gefunden: interessanterweise scheinen so gut wie jedem Vorteil des Films immer auch Elemente gegenübergestellt zu sein, die vorschnelle Begeisterungsstürme schnell wieder im Keim ersticken können. Beispielsweise halten die eingangs erwähnten frischen Ideen nicht immer das, was sie versprechen – wobei man erst gar nicht in Versuchung kommen sollte, viele der hier eingebrachten Aspekte logisch zu hinterfragen. Aber auch das prinzipiell engagierte Schauspiel steht in INSIDE MAN teilweise auf der Kippe. Allein die Darbietung von Denzel Washington bewegt sich hart im Rande des Overactings, vor allem hinsichtlich des für die Dramaturgie des Films doch etwas zu abgebrühten und an Filme wie SHAFT erinnernden Porträts. Und überhaupt: dass sein Charakter derart im Fokus steht, und selbst potentiell interessantere Figuren wie die des von Clive Owen gespielten Anführers der Bankräuber zu quasi-Nebenfiguren macht; mag im Sinne des Erfinders sein – wirkt sich hier aber ebenfalls nicht unbedingt positiv aus.

Auch die einerseits durch die vergleichsweise netten Bankräuber, andererseits – und vor allem – durch die Nazi-Thematik aufkommenden moralischen Fragen fallen im hier anberaumten Zusammenhang etwas zu abstrakt aus, als dass der Zuschauer wirklich etwas mit ihnen anfangen könnte. Immerhin verzichtet Spike Lee auf ein allzu gewöhnliches gut gegen böse-Gefälle – und überlässt es weitestgehend dem Zuschauer, etwaige (dann: sich zumeist im Graustufenbereich befindende) Urteile zu fällen. Das gilt dagegen weniger für die angedeuteten Strippenzieher im Hintergrund, wie etwa die von Juliane Moore gespielte Madeleine White – die eher wie eine (absichtlich überakzentuierte) Karikatur denn wie ein menschliches Wesen wirkt. Letztendlich bleiben INSIDE MAN damit vor allem zwei Dinge: eine super-solide Inszenierung, die ihr Augenmerk eher auf die Darsteller und Kulissen als auf etwaige Special Effects legt; sowie ein überraschend hoher Unterhaltungswert. Der tröstet über vieles hinweg – aber eben auch nicht über alles.

Bilder / Promofotos / Screenshots: United International Pictures (UIP)

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„Ein nicht vor Schwächen gefeites, aber doch recht solide gemachtes und vor allem spannendes Porträt eines etwas anderen Bankraubs.“

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Filmkritik: „Wir“ (2019)

Originaltitel: Us
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Jordan Peele
Mit: Lupita Nyong’o, Winston Duke, Elisabeth Moss u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 116 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror (50 %), Thriller (50 %)
Tags: Familie | Doppelgänger | Untergrund | Überleben | Rache

Wer soll’s richten, wenn nicht wir ?

Inhalt: Eigentlich wollen Adelaide (Lupita Nyong’o) und ihr Mann Gabe (Winston Duke) nur ein paar entspannte Tage an der sonnigen nordkalifornischen Küste verbringen. So reisen sie gemeinsam mit ihren Kindern Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex) in das alte Ferienhaus, in dem sie schon zuvor gastierten. Dieses Mal jedoch scheint sich etwas ganz und gar unheilvolles in die Idylle des Urlaubs zu drängen – wobei unklar ist, in wie weit ein düsteres Ereignis aus Adelaide’s Vergangenheit damit zusammenhängt. Sicher ist nur, dass urplötzlich eine Familie vor dem Haus der Urlauber steht – deren Mitglieder offenbar sie selbst sind. Im Gegensatz zu den jeweiligen Originalen aber scheinen diese düsteren Gestalten nur wenig gutes im Schilde zu führen – und beginnen daraufhin relativ direkt, die Familie anzugreifen. Es bleiben eigentlich nur zwei Fragen – wer genau sie sind, und vor allem was sie wollen…

Kritik: So schnell kann es gehen. Nachdem er zunächst noch ausschließlich als Darsteller auftrat – und das auch noch in eher mittelprächtigen Produktionen – steht ein gewisser Jordan Peele mittlerweile vor einer großen Karriere als Drehbuchautor und Regisseur. Hauptsächlich dafür verantwortlich dafür ist sein 2017’er Spielfilmdebüt GET OUT – der nicht nur viele gute Kritiken einheimste, sondern auch für reichlich Diskussionsstoff unter geneigten Cineasten sorgte. In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt respektive soll nun auch WIR schlagen – eine interessante Mixtur aus Elementen des (Psycho-)Thrillers und Horrorfilms, in dem eine Familie den wohl schlimmsten Alptraum ihres bisherigen Lebens durchlebt.

Tatsächlich, und das fällt schon relativ früh beziehungsweise analog zum doch recht rasanten Auftakt des Films auf – gelingt Peele dabei auch dieses Mal die Zeichnung einer vergleichsweise dichten und wenn man so will hypnotischen  Atmosphäre. Und das liegt nicht allein an der technisch schier perfekten Inszenierung, die unter anderem von der gelungenen Kamera-Arbeit von Mike Gioulakis profitiert – sondern in erster Linie daran, dass man als Zuschauer auf mindestens zweierlei Art und Weise vom Gezeigten gefesselt wird. Schließlich fühlt sich WIR eben nicht nur wie ein standardisierter Horrorfilm an, der seine Stärke aus der Darstellung vieler möglichst beklemmender Situationen – und oftmals leider auch der Aneinanderreihung von altbackenen Klischees – generiert. Nein – denn ausnahmsweise steckt hinter dem Film auch endlich einmal wieder eine gute oder zumindest doch recht erfrischende Idee. Eine, die Peele zwar nicht gänzlich (und bis zum bitteren Ende) durchdacht zu haben scheint – aber doch eine, die den Zuschauer bei der Stange hält und bis kurz vor das Ende relativ stimmig begleitet.

Vereinfacht könnte man auch sagen, dass der Film stets die richtigen Fragen stellt, und das auch noch zu den richtigen Zeitpunkten – und man als Zuschauer weitaus deutlicher als in vielen anderen Werken angehalten ist, das Geheimnis hinter der ominösen Doppelgänger-Familie zu ergründen. Hier spielt nicht nur die Idee selbst mit hinein, sondern auch das Timing – das dank des offensichtlich vorhandenen Fingerspitzengefühls des Regisseurs gar nicht erst viel Raum zur Kritik zulässt. Das gilt im übrigen auch für das gezeichnete Bild der Familie (in darstellerischer, aber auch charakterlich-empathischer Hinsicht), die eingeworfenen Rückblenden, die letztendlich doch über vielem stehende (und dabei gar nicht mal so unoffensichtliche) Gesellschaftskritik oder die hie und da mutig in die Szenerie gesetzte (Situations-)Komik.

Das einzige, worüber man sich bei WIR wirklich streiten könnte; ist demnach die Ausführung der Grundidee – die sich insgesamt betrachtet dann doch etwas zu unschlüssig anfühlt. Man kennt es: es ist nicht unbedingt das schwierigste eine gute Idee zu haben und diese zu Papier zu bringen – sondern vor allem auch, wie man diese dem Zuschauer näher bringt oder im besten Fall sogar glaubhaft vermittelt. Und das ohne die eventuell vorhandene Magie, das vielleicht einzigartige Mysterium gänzlich zu entschlüsseln. Genau das gelingt WIR – der immerhin viele der aufgestellten Theorien erklärt beziehungsweise anhand von, man nenne es Easter-Eggs untermauert – leider nicht gänzlich oder in einem solchen Maße, dass man von einem tadellosen oder gar kultverdächtigen Werk sprechen könnte.

Dennoch schadet es kaum, sich Jordan Peele’s Interpretationen eines zuvor noch nicht auf diese Art und Weise dargestellten Doppellebens einmal zu Gemüte zu führen – und den Film, vielleicht ja auch ohne explizite Inhalts-Nachfragen zu stellen – einfach mal auf sich wirken zu lassen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: Universal

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„Ein durchaus fesselnder und vor allem gut gemachter Horrortrip der etwas anderen Sorte.“

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Filmkritik: „Passagier 23 – Verschwunden Auf Hoher See“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Romanvorlage
Regie: Alexander Dierbach
Mit: Lucas Gregorowicz, Picco von Groote, Oliver Mommsen u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 100 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Kreuzfahrt | Schiffsreise | Verschwunden | Entführung | Kidnapping

Wehe dem, der hier als dreiundzwanzigster eincheckt.

Inhalt: Eigentlich hat der Polizeipsychologe Martin Schwarz (Lucas Gregorowicz) schon die Hoffnung aufgegeben, jemals mehr über das Ableben seiner Frau und seines Sohns in Erfahrung bringen zu können. Vor gut 5 Jahren war die Familie gemeinsam auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs, wobei die beiden unter mysteriösen Umständen verschwanden – offenbar gingen sie bei voller Fahrt von Bord. Doch warum seine Frau einen erweiterten Suizid hätte begehen soll, erscheint Martin nach wie vor schleierhaft. Jetzt aber, und nach all den Jahren erhält er die Nachricht; dass es neue Informationen geben könnte – wofür er sich erneut auf das besagte Kreuzfahrtschiff, die Sirius begeben muss. Hier erfährt er außerdem von einem weiteren Fall, bei dem ein zunächst verschwunden geglaubtes Mädchen plötzlich wieder aufgetaucht ist –  und das auch noch mit dem Teddybär seines Sohnes im Arm. Angetrieben vom Drang, endlich Licht in die dunklen Ereignisse bringen zu können; begibt sich Martin erneut auf Spurensuche…

Kritik: Dass man nicht allzu viel von einem Film erwarten sollte, bei dem es sich wie im Fall von PASSAGIER 23 um eine Eigenproduktion eines privaten TV-Senders handelt; liegt auf der Hand. Dennoch, und das ist die eigentliche Überraschung; macht die Verfilmung von Sebastian Fitzeks gleichnamiger Romanvorlage einen recht ordentlichen Eindruck – erst Recht natürlich, wenn man ihn mit anderen Eigenproduktionen der jüngeren Zeit oder einer ähnlichen Machart vergleicht.

Vornehmlich liegt das daran, dass es den verantwortlichen durchaus gelungen ist ein möglichst großes Maß an Spannung zu generieren: die dezent klaustrophobisch angehauchte Atmosphäre auf dem Kreuzfahrtschiff mit all seinen Korridoren und mehr oder weniger versteckten Räumen wurde gut umgesetzt, und der Zugang zu eigentlich abgeschotteten und somit eine gewisse Faszination ausstrahlenden Sperrbereichen erlaubt dem Zuschauer, selbst ein gutes Gefühl für die geheimnisvolle Spurensuche auf dem Schiff zu entwickeln. In jedem Fall hochzuhalten ist in diesem Zusammenhang die Arbeit an der Kamera inklusive der stimmigen Ausleuchtung und Inszenierung der Schauplätze, der sich angenehm einfügende Soundtrack, und ja: auch die Darsteller machen einen akzeptablen bis guten Job, auch wenn man es hier – und hinsichtlich der sowohl den Roman als auch den Film begleitenden atmosphärischen Kühle – etwas übertrieben hat.

Weitere Schwächen offenbart das Werk erst in der näheren Betrachtung, respektive bei einem intensiveren Einsteigen und Fragen-stellen: während auf manche Detail durchaus geachtet wurde (wie etwa die Migräne-Attacken des Hauptcharakters), hat der Film dann doch an zu vielen Ecken und Enden Probleme hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit. Hier hätte man noch mehr Ideen investieren beziehungsweise sich weitaus nachvollziehbarere Erklärungen aus dem Ärmel schütteln müssen, um die Spannung schlicht und ergreifend nicht mit zu vielen eher hanebüchen erscheinenden Elementen in eine Waagschale zu werfen. Dennoch handelt es sich um einen soliden Thriller, den man sich nicht anschauen muss – aber anschauen kann, und das ohne größere Probleme.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: MG RTL D / Wolfgang Ennenbach

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„Kein spektakulärer, aber doch solider Thriller – erst Recht für eine TV-Produktion.“

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Filmkritik: „Schattengrund – Ein Harz-Thriller“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Romanvorlage
Regie: Dror Zahavi
Mit: Josefine Preuß, Steve Windolf, Oliver Stokowski u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Drama, Thriller
Tags: Harz | Hexen | Haus | Mädchen | Kult | Verschwinden

Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Inhalt: Eigentlich hat Nico (Josefine Preuß) kaum damit gerechnet, dass ihre Tante ihr etwas vererben würde – erst recht natürlich, da die beiden über viele Jahre keinerlei Kontakt hatten. Und doch sieht sie sich eines Tages damit konfrontiert, das eher ungewöhnliche Vermächtnis in Form eines Schlüssels, eines Besens und einer Streichholzschachtel anzunehmen. Es stellt sich heraus, dass der Schlüssel zu einem Haus im Harz gehört – dem Ort, an dem Nico zumindest als Kind viel Zeit verbracht hat. Einmal dort angekommen muss sie jedoch schnell feststellen, dass ihr die Bewohner mit Argwohn begegnen – und auch sie beginnt sich an ein schreckliches Ereignis aus der Vergangenheit zu erinnern. Denn, und das haben die Leute keineswegs vergessen; damals ist sie zusammen mit ihrer besten Freundin Fili aus dem Dorf weggelaufen. Das Problem ist, dass aber nur Nico lebendig zurückkehrte – und bis heute unklar ist, was genau mit ihrer Freundin geschehen ist. Nach all den Jahren setzt Nico nun endlich alles daran, die Schatten der Vergangenheit zu lüften…

Kritik: Nein, wirklich originell ist die Geschichte von SCHATTENGRUND nicht. Und das trotz oder gerade wegen der Romanvorlage von Elisabeth Herrmann mit ihrem vermeintlich okkulten Handlungshintergrund, der sich im Endeffekt nur als Aufmacher für eine überraschend brachiale Missbrauchsgeschichte entpuppt – die man so eigentlich schon des Öfteren bei diversen Eigenproduktionen der öffentlichen und privaten TV-Sender gesehen hat.

Ob es sich lohnt, speziell SCHATTENGRUND als ebenso spannenden wie verstörenden und im besten Fall auch noch aufklärenden Genre-Film zu empfehlen; steht demnach in den Sternen – zumal es die verantwortlichen dem Zuschauer auch nicht immer leicht machen. Etwa, indem man eine hier absichtlich um einige Jahre gealterte Josefine Preuß in der Hauptrolle vorgesehen hat – die nicht wirklich in ihrem Charakter aufzugehen scheint und Probleme hat, wirkliche Sympathiepunkte zu sammeln. Und ja, auch hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit sowohl in Bezug auf die wichtigsten Eckpunkte der Erzählung als auch die Motivation der einzelnen Charaktere offenbaren sich allerhand Probleme.

Immerhin: wenn es um die reine Kamera-Arbeit sowie das Einfangen der durchaus stimmig inszenierten Schauplätze geht, hat das Filmteam eine gute Arbeit gemacht – und auch der eher klassisch angehauchte Soundtrack kann sich grundsätzlich hören lassen. Technisch-handwerklich geht das Projekt, zumindest wenn man die dann doch etwas zu hölzernen darstellerischen Leistungen sowie die ungünstigen Traum- beziehungsweise Geister-Sequenzen (die, in denen die toten Kinder auftauchen) außen vor lässt – also allemal in Ordnung. Leider ist das aber – und wenn überhaupt – nur die halbe Miete, sodass man im Falle von SCHATTENGRUND nur bei einer höchst eingeschränkten Empfehlung bleiben kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: ZDF und Reiner Bajo

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„Schattengrund, oder: diese Film wird (und das vermutlich zu Recht) ein Schattendasein fristen.“

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Filmkritik: „Das Geheimnis Von Marrowbone“ (OT: MARROWBONE, 2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Sergio G. Sánchez
Mit: Anya Taylor-Joy, George MacKay, Mia Goth u.a.
Land: Spanien, Großbritannien
Laufzeit: ca. 111 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Drama, Horror
Tags: Familie | Flucht | Umzug | Verfolgung | Fluch

Spieglein Spieglein an der Wand…

Inhalt: Um den Fängen ihres ihrer Familie offenbar aggressiv nachstellenden (noch-)Ehemannes  zu entkommen, trifft die verzweifelte Rose (Nicola Harrison) eine schwerwiegende Entscheidung: gemeinsam mit ihren insgesamt vier Kindern flieht sie Ende der 60er Jahre von Großbritannien in die Vereinigten Staaten von Amerika. Einmal in ihrem neuen Heim an einer ebenso idyllischen wie verlassenen Küste angekommen, nimmt die Familie einen neuen Namen an und versucht, möglichst wenig Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen. Doch schon kurz bevor sich die Kinder Jack (George MacKay), Jane (Mia Goth), Billy (Charlie Heaton) und der junge Sam (Matthew Stagg) richtig einleben können, erliegt ihrer Mutter ihrer schweren Krankheit – und hinterlässt ihren ältesten Sohn Jack mit einer wichtigen Aufgabe. Fortan soll er die Geschicke der Familie lenken und auf sie aufpassen – zumindest bis er 21 ist, und die Familie nicht mehr von den Behörden auseinandergerissen werden könnte. Tatsächlich scheint ihm das auch ganz gut zu gelingen – zumal er von seiner Liebe zur Bibliothekarin Allie (Anya Taylor-Joy) beflügelt wird. Problematisch ist indes, dass sich im großen Anwesen der Familie selbst einige höchst unheimliche Dinge ereignen… was insbesondere den jüngeren Geschwistern reichlich Sorge, ja wenn nicht gar panische Angst bereitet.

Kritik: Auch wenn der Filmtitel nicht sperriger hätte ausfallen können und die Geschichte von DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nach nicht viel klingt – oder eher nur nach einer weiteren von so vielen, in denen eine vom Schicksal gebeutelte Familie in ein gruseliges Anwesen zieht und somit erst Recht Probleme bekommt – erweist es sich als ratsam, der von Sergio G. Sánchez (unter anderem der Ideengeber für DAS WAISENHAUS, siehe Review) erdachten Schauermär eine Chance zu geben. Und das vornehmlich, da es sich entgegen den ersten Vermutungen weniger um einen klassischen Horrorfilm als vielmehr um einen überraschend intensiven Thriller handelt – dem anstelle des plakativen Horrors weitaus mehr Elemente des Dramas inklusive einer vergleichsweise starken Charakterzeichnung innewohnen. Und um einen Thriller der – der mittlerweile vorhandenen Erfahrung des spanischen Schauspielers, Drehbuchautors und Regisseurs Sánchez sei Dank – schnell eine ähnlich klaustrophobische und in sich stimmige Atmosphäre etablieren kann wie einst DAS WAISENHAUS.

Die wohl aber größte Überraschung des Films ist, dass er im späteren Verlauf mit einem so nicht unbedingt erwarteten Twist daherkommt – und damit vielleicht sogar einen ähnlichen Effekt zu hinterlassen vermag wie der Genre-Klassiker THE SIXTH SENSE. Damit steht fest, dass sich DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE am ehesten in die Riege der eher ebenso mysteriös wie psychologisch angehauchten Thriller im Stile der bereits erwähnten Titel, sowie eventuell auch ICH SEH, ICH SEH (Review), SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT (Review) oder DER BABADOOK (Review) einreiht – und dabei eine alles andere als schlechte Figur macht. So kann nicht nur die Schauplatzwahl inklusive eines überraschenden Settings in den späten 60er Jahren überzeugen – auch das Setdesign, die Kostüme, der gesamte handwerkliche Part und die darstellerischen Leistungen der teils bekannten, hier recht erfrischend agierenden Nachwuchs-Akteure stimmen. Lediglich die sich dann doch etwas länglich anfühlende Auftaktphase mit einigen verzichtbaren Momenten sowie der doch noch vorhandene Impuls, sich den gängigen Konventionen des Horrorfilms zu näheren (Stichwort Jumpscares) verhindert hier größeres – was aber nichts daran ändert, dass man DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE problemlos empfehlen kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Metropolitan FilmExport, Universal Pictures

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„Das Rad mag mit DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nicht neu erfunden werden – und doch handelt es sich um einen ebenso gut gemachten wie spannenden Film mit dem gewissen Etwas und einem überraschenden Ende.“

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Filmkritik: „Inglorious Basterds“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Quentin Tarantino
Mit: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz u.a.
Land: USA, Deutschland
Laufzeit: ca. 153 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Drama, Kriegsfilm
Tags: Zweiter Weltkrieg | USA | Deutschland | Rache | Feldzug

Von unbekannten Sammelleidenschaften des 20sten Jahrhunderts, Folge Eins: Nazi-Skalps.

Inhalt: Während der zweite Weltkrieg noch in vollem Umfang tobt, landet ein US-amerikanisches Team aus einer handvoll Elitekämpfern im von Nazis besetzten Frankreich. Ihr Auftrag ist simpel, aber in der Durchführung keinesfalls einfach: sie sollen so viele Nationalsozialisten wie nur irgendwie möglich zur Strecke bringen – egal auf welche Art und Weise. Während sie also mit einer Vorliebe für Nazi-Skalps als makabere Trophäe durch Frankreich schleichen rückt schon bald ein neues, potentiell kriegsentscheidendes Ziel in ihre Nähe. Die gesamte deutsche Heeresführung inklusive niemand geringerem als Adolf Hitler würde sich bald zu einem illustren Propagandafilm-Abend in einem französischen Kino versammeln. Was läge da also näher, als den Krieg mit dem Ableben Hitlers vorzeitig zu beenden ? Doch auch die Gegenseite schläft nicht – allen voran hat es sich ein perfider Nazi-Inspektor (Christoph Waltz) zum Ziel gemacht, Juden und allgemeine „Vaterlandsverräter“ zu enttarnen. Und so scheint er recht schnell zu bemerken, dass sich hinter den als italienische Filmfreunde ausgebenden Subjekten ganz andere, hochkarätige Gegner verbergen… nämlich Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und sein Team.

Kritik: Sicher; man kann von Quentin Tarantino beziehungsweise seiner bereits mit frühen Filmen wie Reservoir Dogs – Wilde Hunde (1992) oder Pulp Fiction (1994) etablierten Marke halten was man will. So gut wie fest steht indes, dass seine Filme nicht selten mit einem immensen Unterhaltungswert einhergehen – ganz gleich, ob dabei etwaige Grenzen des guten oder schlechten Geschmacks neu ausgelotet werden. Überhaupt fühlt es sich gut an zu wissen, dass es auch in der heutigen Zeit noch Filmschaffende gibt, die trotz eines wie im Falle von Tarantino rasant gewachsenen Bekanntheitsgrades an ihren Wurzeln (oder wahlweise auch: Grundsätzen) festhalten und sich nicht großartig darum scheren, was andere sagen respektive von ihren Werken halten. Auch INGLORIUS BASTERDS zeugt von dieser schlicht für Tarantino typischen Mission, eine auf den ersten Blick gewöhnliche Geschichte unter Zuhilfenahme seines offensichtlich großzügig ausgestatteten Ideen-Fundus und einer großen Portion Eigeninitiative zu einem so noch nicht dagewesenen, reichlich grotesken Ganzen zu verweben. Das mündet hier zwar nicht in einem nennenswert gehaltvollen, geschweige denn politisch oder historisch korrekten Machwerk – dafür aber in einem direkt dem Regisseur zuzuordnenden, angenehm eigenwilligen, von der ersten Minute an unterhaltsamen und nicht zuletzt enorm eigenständigen Film – der nicht wirklich etwas mit dem (fast) gleichnamigen Film INGLORIOUS BASTARDS aus dem Jahr 1978 (siehe Review) gemeinsam hat.

Anders gesagt: bei Tarantino – und damit auch bei INGLORIOUS BASTERDS – wird ein sonst essentieller Bestandteil wie der der eigentliche Geschichte zu einem bloßen Aufhänger degradiert, um noch mehr Platz für ein wildes Intermezzo aus kunterbunten Charakteren, aberwitzigen Dialogen und gefühlt im Sinne des Films zurechtgebogenen Ereignissen zu lassen. Dass diese Achterbahnfahrt nicht nur nett anzuschauen ist sondern auch einer gewissen Substanz nicht entbehrt, etwa in Bezug auf die psychologische Komponente – macht die Tarantino-Filme so reizvoll; und lässt sie eben nicht nur zu stilistisch herausragenden Kunstwerken avancieren, sondern zu ganzheitlichen. INGLORIOUS BASTERDS bildet da keine Ausnahme, auch wenn man sich an den Gedanken einer Verquickung einer Weltkriegsthematik mit dem typischen gehobenen Exploitation-Flair (inklusive einer letztendlich doch recht explizit ausgeführten und dargestellten Form der, man nenne es späten Rache) erst gewöhnen muss. Lässt man sich aber erst einmal auf den Film ein und genießt den von den ersten Minuten an hochgehaltenen Ideenreichtum inklusive vieler auch in handwerklicher und darstellerischer Hinsicht bemerkenswerter Raffinessen; so wird einem der unrühmliche Feldzug der INGLORIOUS BASTERDS so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © The Weinstein Company

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„Ja, Inglourious Basterds ist ein brutal-makaberer Rachefeldzug, an dem sich die Geister scheiden werden – aber auch eine ebenso markante wie einzigartige Hommage an das Kino beziehungsweise die Geschichte des Films selbst.“

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Filmkritik: „The Boy“ (2016)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: William Brent Bell
Mit: Lauren Cohan, Rupert Evans, Ben Robson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Horror / Thriller
Tags: Kind | Junge | Puppe | Lebensecht | Gruselig | Anwesen

Da hat mich doch gerade jemand angezwinkert…

Inhalt: Um ihre Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können, nimmt die junge Amerikanerin Greta (Lauren Cohan) einen Job als Kindermädchen bei einem älteren, in einem abgelegenen englischen Dorf lebenden Ehepaar an. Wie sich bald darauf herausstellt, muss sich Greta aber nicht wirklich einer für das Berufsfeld typischen Aufgabe stellen. In Wahrheit ist der 8-jährige Brahms schließlich kein wirklicher Junge – sondern lediglich eine lebensgroße Puppe aus Porzellan. Auch wenn Greta der Angelegenheit verständlicherweise mehr als skeptisch gegenübersteht, nimmt sie die Aufgabe der Betreuung an – und gibt sich alle Mühe, die Heelshires (Jim Norton, Diana Hardcastle) – die kurz darauf verreisen und das neue Kindermädchen allein mit Brahms zurücklassen – zufriedenzustellen. Als sie jedoch beginnt, die Liste mit den ihr gestellten Aufgaben zu hinterfragen und einigen Punkten nicht nachzukommen, ereignen sich plötzlich mehrere seltsame bis absolut furchteinflössende Dinge. Um nicht völlig auf sich allein gestellt zu sein, bittet sie den charismatischen Lebensmittel-Lieferanten Malcolm (Rupert Evans) um Hilfe…

Kritik: Wer kennt sie nicht – jene guten alten Horrorfilme, in denen größere Anwesen und allerlei damit verbundene übernatürliche Phänomene die Hauptrolle spielen… und das im Grunde noch weit vor den eigentlichen Darstellern ? Tatsächlich sollte jeder, der sich schon einmal in den Gefilden des Horrorfilms ausgetobt hat; bereits eine Vielzahl eben solcher Machwerke gesehen haben – und das vermutlich ohne größere Überraschungseffekte. Entsprechend schwierig hat es auch William Brent Bell’s (u.a. WER – DAS BIEST IN DIR) THE BOY, der zunächst wie ein absolut typisches Genre-Werk mit den allseits bekannten Formeln daherkommt: eine junge Frau wird von einem kauzig-mysteriösen Ehepaar als Babysitterin eingestellt, die in einem ebenso prunkvollen wie verwinkelten Anwesen hausen und einige merkwürdige Angewohnheiten pflegen. Immerhin: mit der Prämisse, dass niemals wirklich von Geistern oder Dämonen gesprochen wird und stattdessen eine gleichermaßen hübsch gestaltete wie furchteinflößende Porzellanfigur eines Kindes Dreh- und Angelpunkt der Gesichte ist; kann sich THE BOY durchaus von der Masse abheben – was auch für die glücklicherweise schnell abgelegten Verhaltensmuster nach dem typischen (Angst-)Schema F gilt.

So ist man geneigt, wie die Hauptdarstellerin selbst immer mehr über das vermeintliche Kind herausfinden zu wollen – wobei THE BOY in Sachen Atmosphäre und einer überraschenderweise wenig reißerischen Phantomspannung (etwa bei den längeren Einstellungen auf das Gesicht der Puppe) reichlich Pluspunkte sammelt. Problematisch ist nur der letzte Akt sowie sicher auch die finale Auflösung des Films, bei der man wieder zur guten alten Brechstange greift (und das im wahrsten Sinne des Wortes) – sowie sicher auch das verschenkte Potential in Bezug auf die psychologische Komponente des Films, der sich noch etwas mehr auf seine Stärken als Psycho-Thriller hätte fokussieren sollen. Und eben nicht als Horrorfilm, dafür ist THE BOY mit seiner FSK 12 ohnehin nicht gruselig genug – aber sei es drum. Im Sinne einer schnellen Unterhaltung für zwischendurch kann man hier wohl nicht viel falsch machen. Wer es noch intensiver respektive intelligenter möchte, sollte vielleicht mal einen Blick auf ICH SEH, ICH SEH (siehe Review) werfen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Capelight Pictures

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„Trotz zwei oder drei größerer Schwächen ist THE BOY eine nette kleine Erfrischung im mittlerweile völlig vorhersehbaren Horrorfilm-Genre.“

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Filmkritik: „Hinter Den Mauern“ (Mini-Serie, 2016)

Originaltitel: Au-Delà Des Murs
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Hervé Hadmar
Mit: Veerle Baetens, Geraldine Chaplin, François Deblock u.a.
Land: Frankreich, Belgien
Laufzeit: 3 Episoden á 45 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Thriller, Horror, Mystery, Drama
Tags: Haus | Abenteuer | Erfahrung | Parallelwelt | Zeitreise | Paradoxon

Hat man erst einmal einen Blick riskiert…

Inhalt: Die als Logopädin arbeitende Lisa führt trotz ihrem Tagesgeschäft in einer Kinderklinik ein eher zurückgezogenes Leben. Umso seltsamer erscheint es ihr, als sie eines Tages ein altes Anwesen erbt – und das unter höchst mysteriösen Umständen. Und tatsächlich, wie sich bald darauf zeigt sollte sie mit ihren Vermutungen Recht behalten. Als sie im Haus Geräusche wahrnimmt und sich ein Stück der Tapete zu lösen beginnt, schlägt sie entschlossen ein Loch in die Wand – und entdeckt dahinter einen weiteren Korridor des Hauses. Mit dem was sie dort erwarten sollte, hätte sie indes kaum rechnen können – schließlich scheint sich ihr hier eine ganz eigene, surreal anmutende Parallelwelt zu offenbaren. Eine, in der es offenbar auch Gefahren gibt; sodass Lisa nach der Begegnung mit einem merkwürdig gekleideten Mann panisch flieht. Allerdings nicht in Richtung Ausgang, denn der ist plötzlich nicht mehr zu finden…

Kritik: Ja, doppelt hält oft besser – was insbesondere auf Filmschaffende zutrifft, die sich sowohl als Drehbuchautoren als auch Regisseure verdingen. Und, die im besten Fall gleich beide Betätigungsfelder in einem einzigen Projekt ausleben dürfen – wie im Falle von HINTER DEN MAUERN (im Original AU-DELÀ DES MURS). Dabei spielt es grundsätzlich keine große Rolle, ob man das auch von Marc Herpoux mit erdachte Werk nun als dreiteilige Mini-Serie betrachtet wie offiziell vorgeschlagen – oder aber als zusammenhängenden Spielfilm mit einer dezenten (sich aber nicht negativ auswirkenden) Überlänge. Beiden Varianten oder auch Betrachtungsweisen gemein ist in jedem Fall eine Einladung, die man nicht vorschnell abschlagen sollte – bedienen die Verantwortlichen doch längst nicht nur alteingefahrene oder gar ausgelutschte Tugenden des Horrorfilms. Nein, HINTER DEN MAUERN geht hier und da noch ein paar Schritte weiter. Und das beispielsweise, indem die Macher eine ebenso interessante wie spannend inszenierte Mystery-Komponente vorsehen – was ihr Werk eher in Richtung eines übernatürlich angehauchten Thrillers driften lässt. Und überhaupt: das gute alte Zeitreise-Paradoxon lässt – hier allerdings eher unerwartet – Grüßen…

Tatsächlich ist HINTER DEN MAUERN damit etwas gänzlich anderes geworden als eine typische, in eine einzelne Genre-Schublade zu steckende Fernsehproduktion – woraufhin aber nicht nur die ungewöhnliche und letztendlich überraschende Story hinweist. Schließlich sieht man dem Projekt auch jederzeit problemlos an, dass ihm etwas mitunter besonderes innewohnt. Derart stimmig anmutende, den Zuschauer schon allein durch ihren optischen Eindruck in den Bann ziehende Kulissen hat man so jedenfalls selten gesehen – und das weder in einer entsprechenden Serie, noch einem ähnlich aufgemachten Spielfilm. Anders gesagt: HINTER DEN MAUERN strahlt ganz offensichtlich aus, dass einiges an Arbeit und Herzblut in das Projekt investiert wurde – was sich nur positiv auf den Zuschauer auswirken kann. Das gilt im übrigen auch für die tadellosen Leistungen der beiden Hauptdarsteller, und das der hie und da auftretenden Nebenfiguren – die HINTER DEN MAUERN zu einem Grusel-Kabinett der einstweilen etwas prätentiösen, dabei aber doch angenehm extravaganten Art avancieren lassen. Allzu plumpe Jumpscares, nicht nachvollziehbare Handlungen der Charaktere oder auch ein unnötige wilde Zuarbeit seitens der Kamera oder des Soundtracks bleiben dem Zuschauer jedenfalls erspart.

Eines sollte damit schon jetzt feststehen: HINTER DEN MAUERN ist nicht nur eine auffällig gut gemachte Mini-Serie, sondern auch eine fast uneingeschränkt empfehlenswerte. Insbesondere natürlich für all jene, die sich von den typischen Horror-Szenarien der Marke es spukt in einem verlassenen, sonst aber stinknormalen Haus gelangweilt sehen. Der einzige Wermutstropfen ist, dass es am Ende doch alles etwas zu schnell geht – und die Geschichte durch ein so nicht gerade innovatives geschweige denn einleuchtendes Zeitreise-Paradoxon abgerundet wird. Sei es drum – einmal gesehen haben sollte man HINTER DEN MAUERN allemal. Und das allein aufgrund seiner surreal angehauchten, dabei aber dennoch stets greifbar erscheinenden Szenerie innerhalb einer makaberen Traumwelt, die die (einstweilen harte) Realität doch irgendwann einholt. Es sei denn natürlich, Lisa hätte sich doch anders entschieden… was das bei Fernsehproduktionen sonst eher seltene Gefühl aufkommen lässt, noch mehr Geschichten von der Welt HINTER DEN MAUERN hören zu wollen. Hervé Hadmar macht aber – und da ist es wieder, das Paradoxon – absolut alles richtig, wenn er die Miniserie genau so stehen lässt wie sie ist.

Bilder / Promofotos / Screenshots: ARTE

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„Eine qualitativ extrem überraschende Mini-Serie mit traumhaft-hypnotischen Kullissen und einer einzigartigen Atmosphäre.“

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Filmkritik: „Bronson“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Biografie / Originaldrehbuch
Regie: Nicolas Winding Refn
Mit: Tom Hardy, Matt King, James Lance u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Biografie, Drama, Thriller
Tags: Charles Bronson | Verbrecher | Krimineller | Schläger | Gefängnis | Gewalt

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Inhalt: Nachdem der junge Michael Peterson (William Darke) schon im Kindesalter mit einer recht offenen Einstellung zum Thema Gewalt auffällig geworden ist, scheint sich auch im weiteren Werdegang des jungen Mannes (dann: Tom Hardy) wenig zu ändern. Eher ist das Gegenteil der Fall – sodass es keine allzu große Überraschung ist, dass er bei dem Versuch eine Postfiliale auszurauben geschnappt wird. Daraufhin landet er für satte sieben Jahre im Gefängnis, zumindest wenn es nach den Richtern geht – doch für den exzentrischen Michael scheint das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. So beginnt er auch hinter Gittern, sich den Regeln zu widersetzen und inbesondere heftige Prügeleien anzufangen – was ihm sogar einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Gefängnis-Abteilung einbringt. Doch selbst hier scheint man nicht so recht zu wissen, wie man am ehesten mit einem Mann wie Michael umgehen sollte – der sich, nachdem er eines Tages doch noch unerwartet freikommt; kurzerhand den Künstlernamen Charles Bronson zulegt und eine Karriere als beinharter Straßenboxer beginnt. Der nächste Gefängnisbesuch soll indes weniger lange auf sich warten lassen als gedacht…

Kritik: In der Tat, und darauf weist längst nicht nur die Inhaltsbeschreibung des 2009 erschienenen Spielfilms BRONSON hin – ein wenig wahnsinnig ist das, was der dänische Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Winding Refn in Form seiner quasi-Hommage an das Leben des tatsächlich existierenden Schwerverbrechers Charles Arthur Salvador auf die Beine gestellt hat; durchaus. Mindestens aber ist es gewagt, wie nicht wenige Projekte des nach eigenen Angaben farbenblinden Multitalents Refn – der sich für BRONSON offenbar explizit von Stanley Kubrick’s Meisterwerk A CLOCKWORK ORANGE (siehe Filmkritik) inspirieren ließ. So sollte auch BRONSON so manchem Zuschauer einen gehörigen Schlag in die Magengrube verpassen – erst Recht natürlich, wenn man völlig unvoreingenommen ans Werk geht und sich entsprechend überraschen; ja wenn nicht gar von der schier hypnotischen Bilderflut überwältigen lässt.

Sicher kann und sollte man dabei nicht behaupten, dass BRONSON Filme wie A CLOCKWORK ORANGE übertrifft – zumal er das auch gar nicht will, und eher eine alternative (unter Umständen sogar eine greifbarere) Ansicht auf das von Gewalt gezeichnete Leben einer gesellschaftlichen Randfigur darstellt. Anders gesagt: Refn’s BRONSON ist am Ende nicht ganz so substanziell und kultverdächtig wie Kubrick’s Vorlage, vermag es aber dennoch für einen nachhaltigen Eindruck zu sorgen. Und das – womit sich die beiden Werke doch wieder näher kommen als gedacht – eher als ein auf die Leinwand gebanntes Kunstwerk denn als typischer Spielfilm. Das wilde und freigeistig inszenierte Aufeinandertreffen von schonungslos dargestellten Elementen der Gewalt, der stellenweise surreal anmutenden Bilder und Innenansichten des Hauptcharakters, des zugegebenermaßen großartigen Schauspiels des Hauptdarstellers Tom Hardy und nicht zuletzt des aussergewöhnlichen Soundtracks sollte jedenfalls niemanden gänzlich kalt lassen.

Streiten könnte man sich demnach am ehesten über den Sinn oder Unsinn von BRONSON als filmisches Kunstwerk und quasi-Biografie eines notorischen Schlägers, dem es völlig egal war und ist was mit ihm geschieht – wobei man den diesbezüglich auch im Film zitierten Begriff des Nihilismus leider nicht gänzlich von der Hand weisen kann, geht es um ein möglichst treffendes Gesamturteil. Das beste ist noch, man macht sich selbst ein Bild – denn einmal gesehen haben sollte man einen unkonventionellen Film wie BRONSON allemal. Natürlich nur, und dafür braucht es eigentlich keine Vorwarnung; wenn man die entsprechenden Nerven mitbringt…

Bilder / Promofotos / Screenshots: © STUDIOCANAL

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„Ein bemerkenswerter Spagat zwischen einem fleischgewordenen Prügel-Alptraum und einer ebenso makaberen wie überraschend faszinierenden Erzählart inklusive einiger gut gemeinter Kubrick-Analogien.“

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