TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 9)

Originaltitel: The Walking Dead Season 9
Relation: Fortsetzung der achten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 9 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

9×01 – A New Beginning | Ein neuer Anfang
9×02 – The Bridge | Die Brücke
9×03 – Warning Signs | Keine Ausnahmen
9×04 – The Obliged | Hungerstreik
9×05 – What Comes After | Wach auf
9×06 – Who Are You Now? | Die Welt dreht sich weiter
9×07 – Stradivarius | Stradivarius
9×08 – Evolution | Geflüster
9×09 – Adaptation | Home Sweet Home
9×10 – Omega | Lydia
9×11 – Bounty | Damit leben
9×12 – Guardians | Anführer
9×13 – Chokepoint | Engpass
9×14 – Scars | Narben
9×15 – The Calm Before | Die Ruhe davor
9×16 – The Storm | Der Sturm

Just your typical nerverending story.

Inhalt: Nachdem die Truppe um Ex-Scheriff Rick Grimes das schier unmögliche geschafft und ihren Erzfeind Negan endlich ein für allemal in eine dunkle Zelle geworfen hat, scheint langsam aber sicher das von vielen so sehnlichst herbei gewünschte Alltagsleben in den neu aufgebauten Gemeinden einzukehren. Zwar gibt es noch immer Spannungen und Konfliktpotential, vor allem unter den Einwohnern und den ebenfalls gefangengenommenen Anhängern Negan’s – doch im großen und ganzen widmen sich alle dem weiteren Fortschritt. So sollen Infrastrukturen weiter ausgebaut, Technologien wieder entdeckt und neue Bündnisse geschlossen werden – wovon natürlich auch das Familienleben der Einwohner profitiert. Auch dieses Mal finden wieder einige Charakter näher zueinander, wohingegen sich andere urplötzlich distanzieren – was spätestens mit einem großen Fest im Königreich beendet werden soll. Hier sollen wirklich alle Überlebenden zusammenkommen, gemeinsam feiern und über ihre Zukunft sinnieren – wenn, ja wenn es da nicht doch ein Problem gäbe. Selbiges kommt dabei in einer eher ungewöhnlichen Form daher: es scheint, als hätte sich eine andere große Gruppe von Überlebenden zusammengetan. Im Gegensatz zu Rick & Co aber haben die Flüsterer eine etwas andere Überlebensstrategie gewählt: sie tarnen sich als Untote, und wandeln gemeinsam mit den großen Herden umher. So genießen sie einen gewissen Schutz – doch auf ein zivilisiertes Leben müssen sie weitestgehend verzichten. Der Ärger ist gewissermaßen vorprogrammiert, als Rick & Co ein Mitglied der Flüsterer gefangennehmen, welches sich als Tochter der hiesigen Anführerin herausstellt…

Kritik: Alle Jahre wieder, da ist es soweit – und eine weitere THE WALKING DEAD-Staffel erblickt das Licht der Welt. Ein Licht, in dem die Serie vielleicht gar nicht mehr stehen sollte – und das nicht nur in Bezug auf die sinkenden Einschaltquoten. Nein – denn was den geneigten Serien-Zuschauer viel mehr ärgern sollte ist die Tatsache, dass das Franchise seit der Ausstrahlung der allerersten Staffel (das war wohlgemerkt 2010) tatsächlich enorme qualitativen Einbußen zu verzeichnen hatte – trotz der stets vorhandenen, von nicht wenigen als besser oder zumindest effektiver gehandelten Comicbuch-Vorlagen. So wird THE WALKING DEAD zweifelsohne nicht den Weg einschlagen, den die Verantwortlichen jüngst mit dem Ende von GAME OF THRONES begingen. Zwar nicht, indem sie eine grandiose Final-Staffel inszenierten (eigentlich ist sogar genau das Gegenteil der Fall, siehe hier) – aber doch, indem sie eine erfolgreiche und sich in aller Munde befindende Serie exakt zum richtigen Zeitpunkt beendeten. Bei THE WALKING DEAD hingegen kann man sich kaum des Gefühls erwehren, dass die an sich – und wohl schon mit dem Beginn der zweiten Staffel – weniger spannende Serie schlicht und ergreifend niemals enden wird. Beziehungsweise niemals enden soll – weil niemand so genau weiß, wohin die Reise eigentlich geht.

Und das ist – die tatsächlichen qualitativen Aspekte der Serie oder hier eher der mittlerweile neunten Staffel einmal außen vor – nicht weniger als ein waschechtes Problem. Schließlich kann – oder sollte – keine Serie endlos laufen. Zumindest keine mit einem gewissen Qualitätsanspruch, und wenn es nicht gerade um eine – hier steckt es dann schon im Namen – Daily Soap handelt. Zu einer Abwandlung einer eben solchen ist THE WALKING DEAD aber bekanntlich schon seit geraumer Zeit avanciert, und dafür braucht es sicher nicht erst eine tiefere Analyse. So gibt es schon jetzt, und mit Stand von mittlerweile unglaublichen 131 Episoden schlicht viel zu viele gefühlte Filler-Momente (oder wahlweise auch ganze, sich dezent überflüssig anfühlende Episoden) – beispielsweise in Form von Rückblenden, uninteressanten Nebengeschichten oder ganz allgemein inhaltlichen Leerläufen. Vielleicht, aber auch nur vielleicht wäre das noch gar nicht so schlimm – wenn es zumindest immer wieder deutlich spektakulärere Momente gäbe, die den Zuschauer gewissermaßen für ihr Durchhaltevermögen belohnen – doch wie es schon in den Rezensionen zu den bisherigen THE WALKING DEAD-Staffeln angedeutet wurde, sieht es auch diesbezüglich schon länger nicht mehr allzu rosig aus.

Dabei ist nach wie vor nur selten das Problem was passiert (auch wenn man hier ebenfalls einen nicht unerheblichen Verbesserungsbedarf anmelden könnte) – sondern vor allem wie es passiert. Anders und mit einer Vergleichsmöglichkeit gesagt: die Probleme, die die Macher von GAME OF THRONES in der letzten Staffel verbockt haben; sind bei THE WALKING DEAD schon lange bekannt. Und das nicht zu knapp: seien es diverse Logik-Probleme, höchst unglaubwürdige Charakter-Anwandlungen, schier hanebüchen-konstruierte Situationen oder schlicht und ergreifend eine fehlende Nachvollziehbarkeit unzähliger einzelner Momente – der potentielle „Genuss“ von THE WALKING DEAD kommt aufgrund solcher (wohlgemerkt: eigentlich komplett vermeidbarer) Fehler oder vielleicht auch Schludrigkeiten immer wieder markant ins Stocken. Vor allem natürlich, da man in wirklich jeder einzelnen Episode auf derlei Momente stößt – und die Szenen, in denen seltenerweise doch mal alles rund läuft einfach nicht mehr ausreichen um eine nennenswert intensive Atmosphäre zu generieren. Denn, und noch einmal: gerade eine Serie wie THE WALKING DEAD sollte eigentlich explizit von dem Gedanken leben, wie sich der Zuschauer in einer Situation wie der hier dargestellten (das heißt einer post-apokalyptischen Welt) verhalten würde. Trotz der zahlreichen vorhandenen Charaktere und deren verschiedener Entwicklungsstadien wird dem Zuschauer allerdings schon lange nicht mehr die Möglichkeit gegeben, sich wirklich mit einer der Figuren zu identifizieren. Im schlimmsten, aber sicher nicht unwahrscheinlichen Fall bleibt mittlerweile sogar eine jegliche Form der Empathie auf der Strecke – und das bei einer Serie, die nach wie vor einen enorm starken Charakter-Fokus hat.

Eigentlich, und wenn man es herunterbricht; bleiben von der neunten Staffel somit nur drei Dinge wirklich hängen. Zum einen der schier unsägliche Abschied von Rick, der schon vor seinem ominösen (man will nicht sagen: halbherzigen, schließlich will man Darsteller Andrew Lincoln in der Hinterhand behalten) Verschwinden die ein oder andere Szene hatte, die schlicht auf keine Kuhhaut geht – wie etwa die, in der er auf einem Pferd sitzend von Untoten „eingekreist“ wird und daraufhin ärgerlich (für ihn, aber sicher auch für den Zuschauer) verletzt. Zum anderen wären da die sogenannten Flüsterer, die neuen Hauptfeinde der Gemeinden – die eine eher unglaubwürdige Strategie an den Tag legen, eine etwas zu unbesiegbare Anführerin (und einen noch unbesiegbareren zweiten Anführer) haben, und – diese Befürchtung wird sich wohl oder übel bewahrheiten – fortan eine zu große Rolle spielen werden. Als letzten, für die neunte Staffel gewissermaßen symptomatischen Punkt wäre nur noch das Staffelfinale anzuführen – in welchem die Macher doch tatsächlich versuchen, einen (Schnee-)Sturm als waschechtes THE WALKING DEAD-Novum einzuführen. Anders gesagt: wenn nach satten 9 Staffeln schon ein simpler Wetterumschwung für ein inhaltliches Vorankommen sorgen muss, sieht es um die verbleibenden Ideen wohl eher schlecht bestellt aus.

Fazit: Nein, es hat sich nicht viel geändert im und am THE WALKING DEAD-Universum – mit Ausnahme dessen, dass er nach der gefühlt etwas satteren achten Staffel eher wieder bergab geht. Sicher, einige grundsätzliche Qualitätsmerkmale der Serie sind nach wie vor vorhanden – wie etwa der insgesamt zufriedenstellende visuelle Part inklusive der guten Kostümarbeiten und der ordentlichen Kameraführung, oder aber die respektablen Leistungen der Darsteller. Doch insgesamt – und im Hinblick auf die schiere Anzahl der bereits ausgestrahlten sowie die der sicher noch folgenden Episoden – bleibt es einfach nicht aus, dass die Faszination THE WALKING DEAD mehr und mehr verpufft.

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„Derjenige, der immer noch zuschaut beweist wahrlich Durchhaltevermögen.“

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TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 8)

Originaltitel: The Walking Dead Season 8
Relation: Fortsetzung der siebten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 8 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

8×01 – Erster Kampf (Mercy)
8×02 – Die Verdammten (The Damned)
8×03 – Wir oder die (Monsters)
8×04 – Nur irgendwer (Some Guy)
8×05 – Die Beichte (The Big Scary U)
8×06 – Der König, die Witwe und Rick (The King, the Widow, and Rick)
8×07 – Für danach (Time for After)
8×08 – Kampf um die Zukunft (How It’s Gotta Be)
8×09 – Ehre (Honor)
8×10 – Botschaften (The Lost and the Plunderers)
8×11 – Flucht nach Hilltop (Dead or Alive Or)
8×12 – Der Schlüssel zur Zukunft (The Key)
8×13 – Der Weg der Toten (Do Not Send Us Astray)
8×14 – Ich sterbe nicht (Still Gotta Mean Something)
8×15 – Die rechte Hand (Worth)
8×16 – Zorn (Wrath)

Das alles kommt mir nicht bekannt vor.

Inhalt: Nachdem die Gemeinschaft um den ehemaligen Sheriff Rick Grimes bereits Bekanntschaft mit einer neuen, von einem skrupellosen Anführer namens Negan geleiteten Gruppe von Überlebenden gemacht hatte; droht die Auseinandersetzung zwischen den korrespondierenden Gemeinden Alexandria, Hilltop, dem Königreich und dem von den Saviors geführten Sanctuary endgültig zu eskalieren. Dabei ist nicht nur Negan selbst das Problem, der sich immer mehr auf seinen Zwist mit Rick versteift und nach wie vor versucht ihn zu brechen – auch innerhalb der verschiedenen Gemeinschaften ergeben sich teils unerwartete Entscheidungen, Intrigen und brutale Machtkämpfe. Immer mehr scheint es, als könnte es nur einen Sieger geben – einen, der die gegebenenfalls unterlegene Gruppe auch nicht mehr tolerieren und im schlimmsten Fall komplett auslöschen würde. Dass dabei das Leben jedes einzeln auf dem Spiel steht, ist beiden Seiten bewusst…

Kritik: Auch wenn es in Bezug auf die Einschaltquoten zur Schadenfreude mancher immer mauer aussieht, werden es die meisten Pay-TV-Zuschauer und Serienfans höchstwahrscheinlich mitbekommen haben: das ebenso berühmte wie berüchtigte THE WALKING DEAD-Franchise ist um eine weitere komplett ausgestrahlte Staffel reicher. Genauer gesagt handelt es sich um die mittlerweile achte – die im Grunde genommen direkt an die Ereignisse der vorangegangen siebten Staffel (siehe Review) anschließt und den Kampf zwischen den beiden TWD-Galionsfiguren Rick und Negan weiter intensiviert. Im Grunde genommen wurde in den bisherigen, zumeist ausführlichen Besprechungen der einzelnen Staffeln (siehe THE WALKING DEAD-TAG) bereits alles oder zumindest vieles über die Serie gesagt – sodass es an dieser Stelle nur eine kurze Übersicht über die Vor- und Nachteile der achten Staffel geben wird. Es sei allerdings angemerkt, dass selbst diese einige größere Spoiler enthalten können – weshalb man bei einem Vorhaben die Staffel noch zu verköstigen entsprechend vorsichtig sein sollte.

Die guten Seiten der achten THE WALKING DEAD-Staffel:

Neben den nach wie vor überdurchschnittlichen handwerklichen Aspekten der Serie – die sich beispielsweise in einem ansprechenden Setdesign, stimmigen Kostümen, einem aufwendigen Make-Up oder einer vergleichsweise ruhigen und nicht vom wesentlichen ablenkenden Kameraführung äußern – muss man speziell der achten Staffel des Franchise zugute halten, dass es bezüglich der zuvor nicht selten vernachlässigten (und damit umso mehr erwarteten) Action-Aspekte wieder etwas mehr zur Sache geht. Action bedeutet in diesem Fall gleich zweierlei: zum einen, dass die Szenenabfolgen selbst etwas rasanter inszeniert werden – und zum anderen, dass auch tatsächlich mehr innerhalb der einzelnen Folgen passiert; wobei die Interaktion zwischen den verschiedenen Charakteren, die Ereignisse auf dem Weg zum Endkampf zwischen Rick und Negan oder der Bildschirmtod von wichtigen Serien-Charakteren eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die teils merklich angezogene Spannung – die vor allem auch daraus resultiert, dass man den offensichtlich kaum noch zu vermeidende Endkampf immer wieder hinauszögert und sich dem Finale eher schrittweise (und das letztendlich sogar recht effektiv) nähert. Auch die Tatsache, dass man sich mittlerweile – und das gilt insbesondere oder auch zwangsläufig für Kenner der bisherigen Staffeln – recht intensiv mit den Kosmos von THE WALKING DEAD auseinandergesetzt hat (also beispielsweise die Charaktere, aber auch die eigentlichen Serien-Merkmale mit all ihren Vorzügen und Macken kennt), sollte sich in Bezug auf jede weitere Staffel eher positiv als negativ auswirken. Zumindest, und das ist die unweigerliche Voraussetzung; wenn man es überhaupt bis hierhin durchgehalten hat. Anders gesagt: auch wenn man bis dato einiges an der Serie auszusetzen hatte, ist es einem wahrscheinlich dennoch nicht gänzlich egal was passiert – auch oder gerade wenn die potentiellen Erwartungen wieder einmal enttäuscht werden.

Die schlechten Seiten der achten THE WALKING DEAD-Staffel:

Bei aller Liebe zu THE WALKING DEAD und der wieder etwas besseren achten Staffel sollte man eines in keinem Fall außer acht lassen: das Franchise (oder eher die hier behandelte Umsetzung der Comicbuchvorlage) war und ist längst nicht perfekt. Wenn man so will strotzt sie sogar vor Schwächen – die sich natürlich auch in der achten Staffel bemerkbar machen. In Sachen Timing, einer schier unsäglichen zeitlichen Streckung von einzelnen Ereignissen respektive ganzen Story-Arcs (man erinnere sich an das Gefängnis – und nun auch Negan) oder einem gefühlt eher fehlgeleiteten Fokus auf weniger interessante Inhalte etwa hinkt THE WALKING DEAD so manch anderer TV-Serie hinterher – wofür es hinreichend Beispiele gibt. Hinsichtlich der achten Staffel soll allerdings nur – und stellvertretend – auf einen einzelnen Moment voller potentieller Fehlentscheidungen hingewiesen werden. Gemeint ist das Ableben von Carl, das als Cliffhanger zwischen der 8 und 9 Episode (zwischen der die bekannte Winterpause lag) schlichtweg nicht funktionierte; oder eher gar nicht erst dafür vorgesehen war. Schließlich wusste man vor der Winterpause schon recht genau, was passieren würde – wobei es nicht unbedingt ärgerlich ist, dass man die entsprechend erwarteten Szenen in Episode 9 auch tatsächlich zu sehen bekommt.

Mit dem so noch nicht bei einem Infizierten vorgekommenen langen Todeskampf – inklusive eines schier unerträglichen Trauerspiels sowohl von Seiten der Darsteller als auch der allzu forciert auf die Tränendrüse drückenden Drehbuchautoren – hat man es dagegen eindeutig übertrieben. Von den Zombies oder Untoten, die eigentlich noch immer eine entsprechende Rolle spielen sollten; gar nicht erst zu sprechen – doch das war in Anbetracht des nunmehr fast ausschließlich zwischenmenschlichen Kampfes innerhalb von TWD gewissermaßen abzusehen. Folglich fehlen – und das nach wie vor – auch viele weitere Aspekte, die man von einer apokalyptisch angehauchten Zombie- respektive Survival-Serie erwarten würde. Und wenn doch mal etwas dahingehendes gezeigt wird (wie in Bezug auf sich ergebende Machtstrukturen, die Essensbeschaffung oder die Errichtung neuer Gemeinden / Schutzbereiche) scheint man doch schnell wieder beim nächsten Thema zu sein – vornehmlich einem solchen, von dem man nur selten das Gefühl hat als würde es tatsächlich eine größere Rolle spielen.

Fazit: Auch wenn die mittlerweile achte Staffel von THE WALKING DEAD das Tempo teils merklich anzieht, einige intensive Action-Elemente bereithält, wichtige Charakter-Entscheidungen forciert und ein überraschend abgeschlossen wirkendes Finale bereithält; bleibt das TV-Franchise ein enorm zweischneidiges Schwert. Wirklich retten kann demnach auch die achte Staffel nichts, oder bestenfalls wenig – wobei es die Tatsache, dass höchstwahrscheinlich noch einige weitere Staffeln folgen sollen nicht unbedingt besser macht. Anders gesagt: es hätte einfach vieles anders laufen sollen (oder eher: müssen) im THE WALKING DEAD-Universum, damit man von einer rundum gelungenen TV-Portierung hätte sprechen können. So aber bleibt es bei einer vergleichsweise zähen und schleppenden Angelegenheit, deren wenige Highlights und Lichtblicke im Wust der mittlerweile unzähligen Episoden verpuffen. Da die achte Staffel insgesamt betrachtet aber weniger Schwächen hat als die vorangegangenen, gibt es eine leichte Wertungserhöhung – wobei man es sich nach wie vor und in jedem Fall überlegen sollte, überhaupt mit der Serie anzufangen. Ist es erst einmal soweit, fällt ein Aufhören bekanntlich schwer – selbst wenn man nur mäßig von einer Serie wie TWD angetan ist…

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„Die achte Staffel von THE WALKING DEAD bleibt sich im Kern (und damit auch in Bezug auf so gut wie alle bisherigen Stärken und Schwächen) treu – und wirkt entsprechend altbekannt. Das angezogene Tempo und der potentiell schon jetzt endgültige Abschluss der Negan-Arc aber führen zu einer dezenten Wertungserhöhung im Vergleich mit den Vorgängerstaffeln.“

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TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 7)

Originaltitel: The Walking Dead Season 7
Relation: Fortsetzung der sechsten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 7 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

7×01 – Der Tag wird kommen | The Day Will Come When You Won’t Be
7×02 – Der Brunnen | The Well
7×03 – Die Zelle | The Cell
7×04 – Fron | Service
7×05 – Draufgänger | Go Getters
7×06 – Der Schwur | Swear
7×07 – Sing mir ein Lied | Sing Me a Song
7×08 – Unsere Herzen schlagen noch | Hearts Still Beating
7×09 – Der Stein in der Strasse | Rock in the Road
7×10 – Neue beste Freunde | New Best Friends
7×11 – Wir sind Negan | Hostiles and Calamities
7×12 – Sag Ja | Say Yes
7×13 – Begrabt mich hier | Bury Me Here
7×14 – Auf die andere Seite | The Other Side
7×15 – Was wir brauchen | Something They Need
7×16 – Heute beginnt der Rest des Lebens | The First Day of the Rest of Your Life

Altbekanntes mit neuem Hauptdarsteller.

Inhalt: Nachdem die Gruppe von Rick Grimes erstmals in die Hände des skrupellosen Negan gefallen ist scheint die Hoffnung für alle, die sich noch als halbwegs freie Menschen in der post-apokalyptischen Gesellschaft bezeichnen; endgültig dahin. Schließlich forcieren Negan und seine zahlreichen Anhänger mit einem des öfteren verstörenden Nachdruck, dass ihnen alle noch existierenden Gemeinschaften auf die ein oder andere Art und Weise dienen sollen. Wer sich weigert oder aber etwaige Vereinbarungen mit teils erheblichen Forderungen nicht einhält, stirbt – auch wenn sich die Beschaffung von Wasser, Nahrungsmitteln oder Gebrauchsgegenständen ohnehin schon als schwierig genug erweist. Doch noch scheint die Strategie von Negan erfolgreich zu sein – so gut wie alle Menschen in der Umgebung folgen ihm, oder geben zumindest vor genau das zu tun. Selbst der kampferprobte Rick scheint zu akzeptieren, dass er und seine Gefolgschaft nun einem neuem Anführer dienen. Immerhin war der Preis, den er bereits zahlen musste; ausgesprochen hoch – wobei das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Ein Einzelgänger ist Rick jedoch schon lange nicht mehr – sodass Konflikte mit Negan vorprogrammiert sind. Mit der ständigen Angst um seine Kinder Carl und Judith, sowie der generellen Sorge um die Gemeinschaft Alexandria geht es in der siebten Staffel weniger um die wandelnden Toten – sondern vielmehr um meist blutige zwischenmenschliche Auseinandersetzungen.

„Die Serie THE WALKING DEAD ist eine globale Erfolgsstory: Millionen von Zuschauern weltweit zieht die zahlreich ausgezeichnete Endzeit-Odyssee in den Bann.“ (Quelle: foxchannel.de)

Kritik: Und schon wieder ist ein Jahr vorüber – und eine weitere komplette Staffel von THE WALKING DEAD vollständig ausgestrahlt. Eines kann man den Verantwortlichen, sowie sicher auch den zahlreichen Zuschauern des berühmt-berüchtigten Zombie-Franchise damit schon einmal attestieren: ein enormes Durchhaltevermögen. Denn auch wenn die entsprechende Comicbuchvorlage von Robert Kirkman und Tony Moore schon immer erfolgreich war und sich nach wie vor einer großen Beliebtheit erfreut, zieht sich das Konzept der TV-Serie nun schon seit einigen Staffeln dezent in die Länge. Gründe dafür gab und gibt es mehrere – und beileibe nicht nur solche, die sich auf die ohnehin schwierige Portierung von der Comicvorlage hin zu einem abendfüllenden und jahrelang ausgestrahlten Serienformat beziehen. Fest steht: man hätte den Machern vieles nur allzu gern verziehen. Doch spätestens seit der Einführung der sogenannten Gefängnis-Arc – bei der sich die Geschichte ganz offensichtlich viel zu lange auf einer Stelle bewegte – sieht es nicht mehr wirklich gut aus für das TV-Format. Denn, und auch das ist quasi eine waschechte THE WALING DEAD-Spezialität: eine ausgedehnte Straffung etwaiger Inhalte auf mehrere Folgen oder gar Staffeln hat nicht automatisch zur Folge, dass man als Zuschauer ein dichteres Erzählniveau erhält oder gar eine intensivere Serienerfahrung macht.

Genau das ist schließlich auch das Stichwort, wenn es um die mittlerweile siebte Staffel des Franchise geht. Nach wie vor können die Verantwortlichen einfach nicht darauf verzichten, die Serie mit endlos-überflüssigen Füll-Momenten und ärgerlichen Vertröstungen zu spicken. Wohlgemerkt, und das ist der eigentliche Knackpunkt – immer in Anbetracht dessen, dass die wenigen guten Ideen ohnehin nicht ausreichen einzelne Folgen oder gar eine ganze Staffel zu tragen. Im direkten Bezug auf die siebte Staffel bedeutet dies etwa, dass man den gleichermaßen furchteinflößenden wie seltsam charmanten Negan als neuen Hauptcharakter oder eher Haupt-Antagonisten postuliert. Das ist an sich eine gute und funktionierende Idee, die eine spürbare Spannung und Frische in den Serienkontext bringt – zumal Jeffrey Dean Morgan seine Sache wirklich gut macht, und sich die mittlerweile enorm hoch gehaltenen zwischenmenschlichen Aspekte der Serie nicht mehr nur mit gefühlten Belanglosigkeiten beschäftigen. Andererseits aber kommt im Verlauf der immerhin 16 Staffelfolgen nicht mehr viel neues hinzu, sodass nicht nur Fans der eigentlichen Serieninhalte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen werden. Wobei es fast schon ironisch ist, dass die Situation in der finalen Folge in etwa die selbe ist, in der Rick und Co. auch in Folge 1 steckten. Doch natürlich nimmt sich die Serie viel zu ernst, um diese und andere offensichtliche Missstände in unerwartete Vorteile verwandeln zu können.

Gut, dass THE WALKING DEAD schon längst keine Survival-Serie im herkömmlichen oder erwarteten Sinne ist; sollte mittlerweile jedem klar sein. Der Zombie-Virus an sich, die wandelnden Toten (sowie deren in den früheren Staffel oftmals spektakulär inszeniertes Ableben), das Überleben in der Wildnis, die Beschaffung von Wasser und Nahrung, alltägliche Konflikte zwischen Überlebenden – all das spielt schließlich keine Rolle mehr, oder nur noch eine markant untergeordnete. Sicher, die gesamte nun präsentierte Negan-Arc hätte die Serie in ihrem Kern auch nicht mehr retten können – doch für einen kleinen Aufschwung wäre sie sicher gut gewesen. Vielleicht ist sie das auch, aber eben nur teilweise – die teils desolate Atmosphäre, sowie die gerne mal etwas überakzentuierten und somit erst Recht an die Comics erinnernden Machtspielchen können noch am ehesten als diesbezügliche Vorteile gewertet werden. Unglücklicherweise übernimmt Staffel 7 aber auch alle Schwächen der Vorgängerstaffeln, die sich wie erwartet besonders stark auf Negan und seine Interaktion mit den anderen Überlebenden auswirken. Von einer wie auch immer gearteten Glaubwürdigkeit zu sprechen, fällt jedenfalls immer schwerer – auch wenn die beteiligten Darsteller des öfteren mit Herzblut bei der Sache zu sein scheinen.

Besonders markant ist in diesem Zusammenhang sicher die finale Folge – die in Anbetracht ihrer längeren Spieldauer, den gleichzeitig aber umso nichtssagenderen oder bereits allseits bekannten Inhalten ohnehin weniger zu bieten hat als eventuell erhofft. Immer wieder offenbart sich das Gefühl, als könnte die Serie oder zumindest der aktuell vorrangige Handlungsabschnitt mit nur einem Handstreich beendet werden. Wobei es sicher nicht allein die gerne mal mit vergleichsweise beschränkten geistigen Fähigkeiten ausgestatteten Charaktere sind die dies verhindern, sondern viel eher die Macher. Die möchten die Serie schließlich möglichst lange am Leben erhalten – und kümmern sich offenbar weniger um möglichst glaubhafte Zusammenhänge. Ein interessantes Gedankenexperiment wäre beispielsweise, wie die siebte Staffel mit der Hälfte der anberaumten Episodenzahl von 16 funktioniert hätte. Wobei, wirklich interessant ist dieser Gedankengang nicht – denn die Antwort liegt auf der Hand. Sicher, man macht keine großartige Staffel aus einer bestenfalls mittelprächtigen; indem man sie um die Hälfte kürzt – doch die Marschrichtung wäre schon einmal eine wesentlich angenehmere. Hätte man dann auch noch zusätzlich eine schnelle Beendigung des Negan-Konflikts vorgesehen, so hätte THE WALKING DEAD womöglich tatsächlich  wieder zum Status einer unaufhaltsam vorwärts preschenden, spannenden und abenteuerlichen Zombie-Serie zurückgefunden. Im Blick auf den aktuellen Status Quo heißt es jedoch: es darf weiterhin (und schamlos) auf einer Stelle getreten werden.

Fazit: Ob der Konflikt mit Negan nun in der nächsten Staffel gelöst werden wird oder auch nicht – mittlerweile scheint es relativ egal, was genau im THE WALKING DEAD-Universum geschieht. Im Laufe der Jahre und Staffeln hat es schlicht viel zu viel von seiner ursprünglichen Faszinationskraft eingebüßt. Aber nicht etwa, und das ist das schlimme; weil sich das Format abgenutzt hätte – sondern ausschließlich, da sich die Macher verzettelt haben. Ihr Setzen auf falsche Schwerpunkte, ihre an einer Hand abzuzählenden hervorragenden Ideen, unnötige Gefühlsduseleien, endlose Durststrecken und freche Cliffhanger machen jedenfalls keinen Spaß. Die wenigen Vorteile, die die Serie noch oder nach wie vor hat; reichen dagegen einfach nicht mehr aus um sie zu tragen. Anders gesagt: die gute Arbeit der Kostüm- und Maskenbildner, die atmosphärische optische Gstaltungsarbeit im gesamten; sowie die weitestgehend soliden Leistungen der Darsteller verpuffen im Nirwana.

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„THE WALKING DEAD steht wie ein Fels in der TV-Landschaft – aber eher als Klotz denn als qualitatives Denkmal, leider.“

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TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 6)

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Originaltitel: The Walking Dead Season 6
Relation: Fortsetzung der fünften Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 6 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

1 – First Time Again | Herdentrieb
2 – JSS | Kämpfer
3 – Thank You | Danke
4 – Here Is Not Here | Hier ist nicht hier
5 – Now | Hier und Jetzt
6 – Always Accountable | Wer die Wahl hat
7 – Heads Up | Die Wand
8 – Start To Finish | Nicht das Ende
9 – No Way Out | In der Falle
10 – The Next World | Die neue Welt
11 – Knots Untie | Lösung
12 – Not Tomorrow Yet | Die Nacht vor dem Morgen
13 – The Same Boat | Im selben Boot
14 – Twice As Far | Keine Gleise
15 – East | Nach Osten
16 – Last Day On Earth | Der letzte Tag auf Erden

Nicht nur die Gruppe um Rick betreffen Unsicherheiten.

Inhalt: Nachdem die Machtverhältnisse in der befestigten Stadt Alexandria neu ausgelotet wurden, haben sich der ehemalige Sheriff Rick Grimes und sein Gefolge gut in der vorerst sicheren Umgebung eingelebt. Selbst zu den eigentlichen Einwohnern der Stadt pflegen sie einen immer besseren Kontakt – und bringen sie ihnen auch einige der Tricks und Kniffe bei, die sich während ihrer langen Reise durch das Zombie-Ödland als patent erwiesen haben. Das scheint auch bitter nötig, schließlich hat die Gruppe mit einem so noch nicht dagewesenen Zombie-Ansturm zu kämpfen. Doch sind die Untoten beileibe nicht die einzigen Gegner, die den Überlebenden zu schaffen machen: auch eine mysteriöse Organisation, deren Mitglieder sich schlicht die Wölfe nennen; tritt auf den Plan. Offenbar scheinen sie nichts anderes zu wollen als Alexandria zu infiltrieren und wahllos zu töten… doch selbst nachdem diese Gefahr vorerst gebannt werden kann, bleibt die Situation heikel. Als die Gruppe eine weitere Siedlung mit friedlich gesinnten Überlebenden entdeckt, beschließt man Handel zu treiben – doch es scheint, als lauere noch eine andere Gruppierung im Hintergrund. Und auch ein spezieller Name fällt immer wieder… doch wer genau ist dieser Negan, und was hat er vor ? Doch selbstverständlich haben auch Rick, Carl und alle anderen ihre ganz eigenen Probleme – offenbar stehen der Gruppe gravierende Entscheidungen bevor.

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Mit The Walking Dead geht die erfolgreichste Pay-TV-Serie aller Zeiten in die nächste Runde.“ (Quelle foxchannel.de)

Kritik: Nun also wurde sie komplett im Pay-TV ausgestrahlt – die mittlerweile sechste Staffel von THE WALKING DEAD. Fakt ist: auch dieses Mal haben wieder unzählige Zuschauer eingeschaltet, ob nun in den USA oder in Deutschland – eine sicherlich erfolgreiche Ausstrahlung im Free-TV wird folgen. Die Begeisterung für das Zombie-Franchise scheint ungebrochen – auch, da die sechste Staffel mit dem neuen Schauplatz Alexandria, einer daraus resultierenden neuen Gruppendynamik, neuen Charakteren und dem Auftreten zweier großer Feind-Gruppen viel versprochen hat. Dies gepaart mit den anderen, grundsätzlichen Stärken der Serie – wie etwa dem großzügigen Fokus auf die Charaktere, den einstweilen schockierenden Überraschungen sowie den soliden handwerklichen Aspekten inklusive der Zeichnung einer halbwegs glaubwürdigen post-apokalyptischen Welt sollten Fans auch während der 16 Episoden langen sechsten Staffel bei Laune halten.

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Daryl und Rick aka die knallharten Jungs auf Besorgungstour.

Dabei ist THE WALKING DEAD keine großartige TV-Serie per se – sondern eher eine, die nach der starken ersten und eventuell auch zweiten Staffel (Review) starke qualitative Einbußen verzeichnete und die Zuschauergemeinde seit jeher spaltet. Gründe dafür gibt es bekanntlich einige – wie es unter anderem auch im ausführlichen Beitrag zur fünften Staffel der Serie (Review) ausgeführt wurde. In Bezug auf die sechste Staffel kamen und kommen aber nun sogar jene ins Wanken, die geneigt waren über viele kleinere Schwächen des Franchise hinwegzusehen und der Serie seit jeher die Treue halten. Einer der aktuelleren Gründe hierfür ist vor allem in der großen (und etwas längeren) Final-Episode zu finden, die nicht wenige als Enttäuschung ansehen. Dies ist aber nicht der einzige Grund, ganz ähnliche Anwandlungen der Macher gab es auch schon vorher – doch dieses Mal könnten sie das Fass schlicht zum überlaufen gebracht haben. Und tatsächlich: das lange versprochene Highlight, auf das man so lange hingearbeitet hatte; entpuppt als regelrechte Farce. Und das ganz unabhängig von der Comicbuch-Vorlage oder in Bezug auf das Franchise selbst. Kurzum: so etwas macht man einfach nicht.

Es gehört sich für keine TV-Serie, derart ausführlich auf ein versprochenes Highlight hinzuarbeiten – nur, um die Ausführung in einem weiteren, ärgerlichen Cliffhanger enden zu lassen. Wobei es das noch nicht einmal genau trifft, denn wenn man so will besteht die gesamte finale Episode aus nichts anderem als diesem Cliffhanger. Und das ist für ein groß angekündigtes, pompös umworbenes Staffel-Finale schon etwas mau – ob es sich dabei nun um THE WALKING DEAD handelt oder ein anderes, imaginäres. So wurden und werden alteingesessene Fans aufgrund der Gestaltung der sechsten Staffel durchaus auf eine neuerliche Probe gestellt werden – das Hinwegsehen über die ständigen Entgleisungen der Verantwortliche fällt schwerer und schwerer. Schließlich ist jener besagte Cliffhanger längst nicht das einzige Problem.

Carl
Auch Carl findet neue Freunde… und Feinde.

So finden sich – neben den schon in den früheren Reviews zur Serie behandelten Negativ-Aspekten wie einer gewissen Eintönigkeit, nicht immer durchdachten Ideen und einiges mehr – besonders in der sechsten Staffel weitere Hinhaltungs-Taktiken und andere Ärgernisse. In Bezug auf die ständigen Cliffhanger und Vertröstungen auf später scheinen die Macher erst gar keinen Hehl daraus zu machen, dass sie damit auf eine zusätzliche Bindung der Zuschauer abzielen – was offenbar sehr gut funktioniert. Die Frage ist allerdings, wie lange. Denn selbst wenn man für satte fünf Staffeln geneigt war, über derlei (und dabei sicherlich vergleichsweise plumpen) Maßnahmen hinwegzusehen, verliert irgendwann jeder die Geduld. Vielleicht wäre das auch gar nicht so schlecht – eine Art Denkzettel könnten die Verantwortlichen schließlich in jedem Fall gebrauchen.

Besonders ärgerlich ist dabei nach wie vor, dass THE WALKING DEAD schlicht so viel besser sein könnte. Das Setting mit seiner regelrechten Zombie-Apokalypse ist zeitlos und zumindest in Verbindung mit einer groß angelegten TV-Serie einzigartig; die Charaktere sind gut besetzt, die Darsteller geben ihr bestes, der Unterhaltungswert ist theoretisch enorm. Doch während schon die vorangegangenen Staffeln an vielen kleineren Unstimmigkeiten zu leiden hatten, summieren sie diese nun auf ein gänzlich neues Niveau. Anders, und frei heraus gesagt: THE WALKING DEAD wirkt vor allem in der sechsten Staffel nicht selten hirnlos. Das mag zwar irgendwie zum Thema passen, doch vermutlich wäre jeder beliebige Hobby-Autor auf bessere Ideen gekommen als die Verantwortlichen. Es scheint dabei fast ein Gesetz geworden zu sein, dass irgendetwas besonders negativ auffällt. Mal sind es die Ideen selbst, ein anders Mal die Inszenierung eben dieser. So gibt es auch dieses Mal wieder einige zwar überraschende (und wie immer auf eine gewisse Schock-Wirkung abzielende) Charakter-Tode – doch wie es dazu kommt, ist in vielen Fällen einfach nur hanebüchen und spottet einer jeden Beschreibung.

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Carol hat dieses Mal nicht nur mit Morgan, sondern auch ihren eigenen Dämonen zu kämpfen…

Das gleiche gilt auch für einzelne Situationen, in denen sich die Charaktere befinden – man kann sich des öfteren einfach nur an den Kopf fassen und fragen, was genau bloß in den Köpfen der Macher vorgegangen ist. Infolge dessen hat die Serie auch stark in Bezug auf eine ehemalige Stärke zu knabbern: die der Glaubwürdigkeit. Sicher, allzu realistisch war die Serie noch nie; wobei es sich bei einem Begriff wie diesem immer um eine Auslegungssache handelt. Doch nun schlagen einige Anwandlungen der Charaktere dem Fass schlicht den Boden aus. Da hilft es leider auch nicht mehr viel, wenn die Zombie-Scharen weiterhin stimmig inszeniert werden (die Arbeit der Kostüm- und Maskenbildner beispielsweise ist nach wie vor exzellent) und man allerlei theoretisch spannende, bedrohliche Situationen vorstellt. Denn spätestens wenn man geneigt ist sich in die Charaktere hineinzuversetzen, ist es um die Atmosphäre geschehen.

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Die Schauplätze sind abwechslungsreich, die Vielfalt groß… und die Stimmung dennoch getrübt.

Fazit: Neben einigen alten, sicherlich noch immer aktuellen Fragen um den Sinn und Unsinn sowie die Zukunft von THE WALKING DEAD gesellen sich mit der sechsten Staffel noch ganz andere Probleme hinzu – vornehmlich solche, die aus dem augenscheinlich etwas frechen Gebaren der Macher hervorgehen. Man kann sich einstweilen kaum des Gefühls erwehren, als wäre es ihnen relativ egal was mit ihrem Franchise geschieht – solange die Zuschauer nur weiterhin einschalten. Das mag zwar auch auf nicht wenige andere TV-Serien zutreffen, doch in diesem Fall scheint es besonders offensichtlich. Die dafür zu Rate gezogenen Mittel sind entweder plump oder ärgerlich (Stichwort übertriebene Cliffhanger), oder beziehen sich auf eine ungewöhnliche Nachlässigkeit der Drehbuchautoren und Verantwortlichen am Set. Was und wie es genau erzählt wird scheint langsam aber sicher egal zu sein. Doch was müssen die Macher der Serie über ihre Zuschauer denken, wenn ihnen inhaltliche und erzählerische Qualitäten egal sind ? Fakt ist: es bleibt nicht mehr viel über. An den soliden handwerklichen Aspekten, d.h. vor allem den Zombies hat man sich schon lange satt gesehen, die gelegentlichen Splatter-Einlagen locken keinen mehr hinter dem Ofen hervor, die Probleme der einzelnen Charaktere wiederholen sich. Das Potential von THE WALKING DEAD scheint mit der sechsten Staffel jedenfalls endgültig brachzuliegen. Doch es wird weitergehen – vielleicht ja mit der ein oder anderen Überraschung (was zu hoffen wäre), doch vermutlich ohne Rücksicht auf qualitative Verluste. Schade…

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„Auf eine überdurchschnittliche fünfte Staffel folgt die bisher ärgerlichste – eine, die eher den Charme einer verkappten Comedy offenbart als eine ansprechende Survival-Atmosphäre zu erschaffen.“

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TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 5) + Zukunftsgedanken Zur Serie

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Originaltitel: The Walking Dead Season 5
Relation: Fortsetzung der vierten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Gefängnis | Zombies | Kampf

Staffel 5 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

1 – No Sanctuary | Keine Zuflucht
2 – Strangers | Gabriel
3 – Four Walls and a Roof | Vier Wände und ein Dach
4 – Slabtown | Slabtown
5 – Self Help | Selbsthilfe
6 – Consumed | Verschwunden
7 – Crossed | Zug um Zug
8 – Coda | Coda
9 – What Happened and What’s Going On | Der hohe Preis fürs Leben
10 – Them | Lebende Tote
11 – The Distance | Akrasia
12 – Remember | Erinnerung
13 – Forget | Vergessen
14 – Spend | Falsches Licht
15 – Try | Helfer
16 – Conquer | Herrsche

Wer sind die Lebenden, wer die Toten ?

Vorwort: Es bleibt spannend im WALKING DEAD-Universum – zumindest für alle jene, die der Serie nach wie vor die Treue halten. Gründe, dies auch weiterhin zu tun gibt es mindestens ebenso viele wie für Gegenteiliges – Gründe, die wie so oft zum streiten einladen. Dennoch gilt es speziell einen Aspekt zu bedenken – nämlich den, dass vielen irgendwann einmal die Lust am großen WALKING DEAD-Projekt vergehen könnte. Erst Recht, wenn die Serie im wahrsten Sinne des Wortes kein Ende nimmt und sie; respektive die dahinterstehende Idee noch expliziter als zuvor für das TV-Format ausgeschlachtet wird. Das hieße beispielsweise; dass es noch mehr Filler-Episoden und noch mehr Elemente die nicht in den Comics vorkommen geben könnte – und auch eine gewisse, damit einhergehende Form der Ideenlosigkeit sollte man grundsätzlich nicht verschweigen. Doch wie immer gilt es, erst einmal gemächlich abzuwarten. Vielleicht wäre es aber tatsächlich ein gelungener Kniff, die Serie relativ bald enden zu lassen. Ähnlich wie im Falle von FALLING SKIES – auf dass man die potentiell noch vorhandenen guten Ideen schnell ausspielen kann und alles auf ein furioses Finale hinauslaufen lässt. Momentan sieht es aber noch nicht danach aus – mit der abgeschlossenen fünften Staffel gibt es bereits 80 Episoden der Zombie-Hatz. 80 Episoden, die mitunter starken qualitativen Schwankungen ausgesetzt sind – in erster Linie inhaltlichen, denn handwerklich und rein inszenatorisch bleibt das bereits mit der ersten Staffel etablierte Niveau weiterhin konstant.

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Inhalt: Nachdem die Gruppe der Überlebenden um den ehemaligen Sheriff Rick Grimes an einen vielversprechenden, potentiell sicheren Ort namens Terminus gelangt ist; zerplatzen ihre Träume wie Seifenblasen. So müssen Rick und seine Gefolgsleute feststellen; dass es sich einige selbst in dieser schwierigen Zeit zur Aufgabe gemacht haben die Schwäche von anderen auszunutzen – und dabei nicht nur das einst gültige Gesetz, sondern auch mit den bisherigen Werte- und Moralvorstellungen zu brechen. Und so lassen sie einen weiteren Ort hinter sich, der ihnen Sicherheit versprochen hatte – die Suche nach einer Zuflucht wird fortgesetzt. Auch dieses Mal begegnet die Gruppe dabei immer wieder anderen Überlebenden, die sich mehr oder weniger gut mit der regelrechten Apokalypse arrangiert haben. Doch welcher Ort bringt ihnen tatsächlich die lang ersehnte Erlösung in Form einer beständigen Sicherheit ? Liegt die Lösung weiterhin in der langwierigen und hürdenreichen Reise nach Washington D.C. begründet ? Oder könnte ein altes Krankenhaus Sicherheit bieten – immerhin wird es von einer größeren Truppe von Polizisten kontrolliert ? Ist eine mit großen Mauern geschützte Kleinstadt, deren Bewohner ein offenbar recht friedliches Leben führen tatsächlich eine Option – oder sollte die Truppe weiterhin durch die menschenleeren, aber von Zombies gepflasterten Straßen ziehen ?

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„Die Grenze zwischen den Lebenden und den Toten verschwimmt immer mehr“ (Quelle foxchannel.de)

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Kritik: Es ist schon so eine Sache mit THE WALKING DEAD. Sicher bietet das Franchise theoretisch unendliche Möglichkeiten – die Frage ist nur, in wie weit sich das Ganze auch in einem erträglichen Maße nutzen lässt. Schließlich würde sich niemand eine Serie wünschen die entweder auf eine unbestimmt lange Laufzeit ausgelegt ist, sich immer wieder wiederholt – oder schlicht eines Tages abgesetzt wird. Ein rundes Ende könnte der Serie also durchaus gut tun. Eben so, wie es schon beim kürzlich abgeschlossenen SPARTACUS-Franchise der Fall gewesen ist oder demnächst auch bei FALLING SKIES eintreten wird. In Bezug auf THE WALKING DEAD würde dies zwar längst nicht mehr dazu führen, dass die Serie als eine der herausragendsten, vor Schwächen komplett gefeiten zu bezeichnen wäre (im Gesamten versteht sich) – aber immerhin würde man noch schlimmeres verhindern. Es gilt folgender Denkanstoß: welche derjenigen Zuschauer, die die Serie aktuell nicht sehen können oder wollen; würden später noch einmal auf sie zurückkommen wenn sie nicht 50, nicht 100; sondern vielleicht 500 Episoden umfassen würde ?

Natürlich ist das alles noch Zukunftsmusik und so lange nicht entschieden, bis die Showrunner ein offizielles Ende verkünden. Momentan, und mit der kompletten fünften Staffel; scheint man indes wieder vermehrt in die richtige Richtung zu gehen. Das bedeutet zwar nicht, dass das Rad neu erfunden wird; geschweige denn die einstige zum Schneiden dichte Atmosphäre der ersten und eventuell noch zweiten Staffel erneut aufgegriffen wird – dennoch weiß es zu gefallen, dass sich die Macher wieder vermehrt an den Ursprüngen orientiert haben. Hauptsächlich ist das darauf zurückzuführen, dass die Gruppe um Rick Grimes wieder öfter in Bewegung ist, die Umgebung erkundet, zwischen verschiedenen Reisezielen abwägt – und auch, dass eher grundlegende Elemente wie in Bezug auf die Nahrungssuche wieder vermehrt in den Fokus gerückt werden. Auch hier sind natürlich nach wie vor Abstriche zu machen, beispielsweise wenn es darum geht die Nahrungsbeschaffung für den Säugling der Gruppe glaubhaft darzustellen, oder aber bei der Handhabung der Versorgung bei längeren Wegstrecken. Trotzdem fühlt es sich einfach besser und sinniger an, die Gruppe auf einem im wahrsten Sinne des Wortes bewegten Trip zu begleiten – anstatt sie in einer Situation zu beobachten, von der man ohnehin weiß dass sie nur temporärer Natur wären (siehe Woodbury, Das Gefängnis).

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Gerade diesbezüglich sorgt die fünfte Staffel auch wieder für einen frischen Wind. Die Gruppe der Überlebenden entdeckt nun häufiger potentielle Zufluchtsorte, kehrt ihnen aber mindestens ebenso schnell wieder den Rücken – aus unterschiedlichen Gründen. Wobei, ganz so sehr unterscheiden sie sich vielleicht doch nicht; womit auch der Bogen zu einem aktuellen Werbetext vom Fox-Channel geschlagen wird: die Grenzen zwischen den Lebenden und Toten drohen immer mehr zu verschwimmen. Das heißt, dass die wenigen Überlebenden oftmals eine größere Gefahr für sich und ihre Mitmenschen sind – größer als die eigentliche Bedrohung durch die Untoten. Aber so erfrischend die neue Stimmung auch ist, so spannend die immer häufigeren Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Überlebenden anmuten – hat THE WALKING DEAD in Bezug auf die fünfte Staffel mit anderen Schwächen zu kämpfen. Diese waren mitunter auch schon Teil der vorherigen Staffeln, doch erreichen sie nun einen neuen Höhepunkt. Die Rede ist von einzelnen, kleinen Fehlentscheidungen; die zwar keine allzu große Auswirkung auf die Gesamt-Atmosphäre haben, alleinstehend betrachtet aber umso ärgerlicher sind. Dabei geht es ausnahmsweise einmal nicht um etwaige Charakter-Fragen oder dargestellte Verhaltensweisen, die dem Zuschauer aus verschiedenen Gründen merkwürdig vorkommen könnten (und sei es, dass er denkt er würde sich in dieser oder jener Situation anders verhalten) – sondern um einzelne Ereignisse.

Das können mal eher nebensächliche sein, oder aber solche die den weiteren Handlungsablauf markant beeinflussen – doch haben sie alle eines gemeinsam. Sie wirken schlicht unglaubwürdig, oder besser gesagt im Sinne der Kontinuität des Drehbuchs konstruiert. Beispiele dafür finden sich dann sogar zuhauf. Bereits in der ersten Folge der fünften Staffel sieht man, wie Carol dafür sorgt dass die Umzäunung von Terminus auf eine eher abstruse Art und Weise zerstört wird – zu jenem hier durchaus angebrachte Kopfschütteln wird auch im weiteren Verlauf der späteren Episoden des öfteren animiert. Sei es, dass sich ein von einer Brücke stürzendes Fahrzeug (nachweislich) falsch bewegt respektive fällt, sei es dass die Gruppe einen völlig unnötigen Unfall hat während sie in einem Bus unterwegs ist, sei es dass die Gruppe trotz bester Vorbereitungen in einem Lagerhaus eingekesselt wird und dabei manche ihr Leben lassen müssen – während zwei andere fast zeitgleich in einem Wagen sitzen, der von Zombies umzingelt ist und es dennoch schaffen, dieser Misere zu entkommen. Sicher soll hier das kleine Fünkchen Glück (oder eben auch Pech) eine Rolle spielen – doch sieht es danach nicht aus, sondern vielmehr nach einer reinen Willkür seitens der Drehbuchautoren. Das gleiche gilt selbstverständlich für die immer wieder ablebenden (Haupt-)Charaktere, ein Umstand der auch schon die zugrunde liegenden Comics beschrieb – doch wenn einer der erfahrensten Mitglieder der Gruppe in einem noch nicht vollständig gesicherten Haus von einem sich anschleichenden Zombie (Achtung, das ist ein Widerspruch in sich) attackiert und infiziert wird; dann ist das durchaus ärgerlich. Und vor allem unglaubwürdig – es sei denn, der betroffene Charakter hätte eine Hörschwäche gehabt.

Das mag etwas platt klingen, und ist auch nicht wirklich ein ausschlaggebendes Element der Kritik – und doch sei es erwähnt. Schlicht, um auf eine mögliche; man nenne es Ungeschicklichkeit der Verantwortlichen hinzuweisen, die eigentlich darauf bedacht sein müssten eine jede einzelne Szene so glaubwürdig und nachvollziehbar wie möglich zu gestalten. Glücklicherweise gelingt ihnen das in Bezug auf die Anwandlungen der verschiedenen Charaktere schon wesentlich besser – vor allem in jenen finalen Momenten der Staffel, die zu den spannendsten seit der ersten gehören. Was hier in Alexandria geschieht und sich anbahnt, wird dann doch überraschend stilsicher inszeniert – denn hier spürt man es wieder; jenes Engagement und Fingerspitzengefühl der Macher, die offenbar und ausgerechnet besonders für all jene Szenen ein Gespür haben, in denen keine Untoten vorkommen. Was nur gut und richtig ist, und die Serie so gesehen vor einem weiteren qualitativen Abfall rettet. Denn an den immer wieder auftauchenden Zombie-Horden (oder eher: den kleineren Grüppchen) hat man sich trotz der nach wie vor gelungen Arbeit der Maskenbildner nunmehr satt gesehen, selbst die hie und da noch anberaumten, expliziteren Splatter-Szenen schocken längst nicht mehr. Was es diesbezüglich dringend bräuchte, um es in THE WALKING DEAD auch Zombie-technisch wieder ordentlich knistern zu lassen wäre entweder eine bedeutend größere Zombie-Horde, die rund um Alexandria ihr Unwesen treibt – oder gar eine Art Evolution der Untoten, die dann markantere Mutationen aufweisen, andere Verhaltensweisen an den Tag legen et cetera. Doch wahrscheinlicher ist, dass hier alles beim alten bleibt – sodass der Fokus klar auf die überlebenden Menschen gerichtet werden wird um überhaupt noch jemanden hinter dem Ofen hervorzulocken. Dann eben nicht mit einer reißerischen Zombie-Action – sondern aus einer eher soziologisch-analytischen Sicht heraus.

Fazit: Die große Frage, um die sich die Zukunft von THE WALKING DEAD drehen wird; ist die nach der maximal herauszuholenden, oder auch maximal erträglichen Länge des Franchise. Entweder, das Ganze wird eine Art Endlos-Serie mit sich ständig wiederholenden Elementen, bei denen die Untoten nur noch eine absolut untergeordnete Rolle spielen – oder aber man entscheidet sich doch noch für ein rundes (nicht unbedingt sofortiges, aber doch baldiges) Ende. Eines, dass sich noch einmal explizit mit der Zombie-Apokalypse selbst befasst – ganz unabhängig davon, ob es nun offen, hoffnungsvolles oder emotional niederschmetternd ausfällt. Die fünfte Staffel jedenfalls lässt auf gutes hoffen und ist im direkten Vergleich mit der dritten und vierten (die besser zu einer hätten zusammengefasst werden müssen) ein geradezu im Flug vergehender Genuss.

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„Mit THE WALKING DEAD geht es wieder bergauf. Es stellen sich nur zwei Fragen. Wie lange noch, und: reicht  das aus, um die bisherige Flaute auszugleichen ?“

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TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 4)

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Originaltitel: The Walking Dead Season 4
Relation: Fortsetzung der dritten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Gefängnis | Zombies | Kampf

Staffel 4 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

Episode 1 | Kein Tag ohne Unglück (30 Days Without An Accident)
Episode 2 | Tod, überall Tod (Infected)
Episode 3 | Quarantäne (Isolation)
Episode 4 | Im Zweifel (Indifference)
Episode 5 | Die Krankheit zum Tode (Internment)
Episode 6 | Lebendköder (Live Bait)
Episode 7 | Handicap (Dead Weight)
Episode 8 | Kein Zurück (Too Far Gone)
Episode 9 | Für Dich (After)
Episode 10 | Neben dem Gleis (Inmates)
Episode 11 | Besetzt (Claimed)
Episode 12 | Alkohol (Still)
Episode 13 | Allein (Alone)
Episode 14 | Schonung (The Grove)
Episode 15 | Vereint (Us)
Episode 16 | Terminus (A)

Die vierte Staffel der seit 2010 auch in Serienform verfügbaren Zombie-Hatz.

Vorwort: Nach dem wahrlich wenig ruhmreichen Ende der dritten Staffel des populären Zombie-Franchise (hier nachzulesen) geht es nun also weiter. Die nunmehr vierte Staffel der Comicbuch-Umsetzung THE WALKING DEAD umfasst wie auch schon die vorherige 16 Episoden, die – inklusive der obligatorischen Halbzeit-Pause – vom 18. Oktober 2013 bis zum 31. März 2014 im deutschen Pay-TV ausgestrahlt wurden. Weitere Wiederholungen werden vermutlich folgen, wie auch eine spätere Veröffentlichung auf DVD und Blu-Ray sowie die Ausstrahlung im Free-TV. Wer die bisherigen 3 Staffeln bereits komplett gesehen hat wird – sofern noch nicht geschehen – auch dieses Mal wieder einschalten; keine Frage. Doch ob sich die Macher dieses Mal wieder näher an der Vorlage orientierten oder der Serie zumindest einen neuen Aufschwung verpassen konnten; kurzum: ob es sich wirklich lohnt – das soll im Folgenden ergründet werden.

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Inhalt: Die Gruppe der Überlebenden um Sheriff Rick Grimes (Andrew Lincoln) hält sich noch immer innerhalb der vorerst sicheren Mauern des Gefängnisses auf. Nach dem Konflikt mit der vom Governor (David Morrissey) geführten Gemeinde Woodbury jedoch haben sich zahlreiche Neuankömmlinge eingefunden – die sich mehr oder weniger gut in die Gemeinschaft integrieren. Der Governor selbst bleibt dagegen verschwunden, wobei niemand daran glaubt dass er eines Tages nicht doch zurückkehren und auf Rache sinnen würde. Bis es soweit ist, haben die Menschen im Gefängnis allerdings mit ganz anderen, sich aus dem Alltag ergebenden Problemen zu kämpfen. Durch die gestiegene Anzahl der untergebrachten Personen steigen sowohl der Nahrungs- als auch Trinkwasserbedarf, Krankheiten drohen auszubrechen und sich durch die räumliche Nähe schnell zu übertragen. Auch die Beisser, die sich nach wie vor an die Zäune des Gefängnisses pressen; bereiten Rick und seinen Freunden Sorgen – doch versucht man größtenteils, unnötigen Konflikten aus dem Weg zu gehen. Man beginnt damit, auch die jüngsten Mitglieder der Gemeinschaft im Überlebenskampf zu schulen, und das Gefängnis als sicheres Refugium weiter auszubauen.

„Vor der neuen Staffel, bei der erstmals Scott Gimple als Showrunner fungiert, stellen sich Fragen wie: Wie geht es nach dem Tod einiger Schlüsselfiguren am Ende der dritten Staffel in der Gruppe weiter? Wie entwickelt sich der Konflikt zwischen der Gruppe um Rick (Andrew Lincoln) und der Gruppe des Governors (David Morrissey)?“ (Quelle foxchannel.de)

Kritik: Wenn man bereits alle bisherigen Staffeln von THE WALKING DEAD verfolgt hat, war in Bezug auf die vierte zumindest eines klar abzusehen – dass sie einen eher schwierigen, oder zumindest behäbigen Start haben würde. Warum, liegt auf der Hand. Denn auch wenn man sich noch nie mit einer notorischen Strenge an die Comic-Vorlagen gehalten hat, hat sich die groß angelegte – aber nicht durchgängig spannende – Gefängnis-Arc doch merklich in die Länge gezogen. Und das mehr als es ihr zuträglich gewesen wäre, selbst wenn man dabei nur die inhaltlich fragwürdige dritte Staffel betrachtet. Jener Fakt führt sogleich zum ersten unübersehbaren Problem der vierten Staffel – die letztendlich genau da weitermacht, wo die dritte eigentlich hätte enden sollen.

Das heißt, dass dem Zuschauer – zumindest in der ersten Staffelhälfte – weitere der dramaturgisch nur schwerlich zündenden Geschichten aus dem Gefängnis nahegebracht werden. Vielleicht wäre das noch gar nicht so schlimm, gäben sie tatsächlich ausreichend Erzählstoff her – um zumindest auf der inhaltlich-emotionalen Ebene zu fesseln. Doch wo die dritte Staffel bereits merklich kränkelte, scheint die vierte diesbezüglich schon längst über dem Verfallsdatum zu sein. Jenes Wortspiel beschreibt schließlich recht genau, was genau sich in Sachen Handlung und Charakterentwicklung während der ersten 8 Episoden abspielt. Neue Charaktere kommen hinzu, nur um wenig später aus verschiedenen Gründen dahingerafft zu werden; der Fokus rückt erneut weg von der Zombie-Apokalypse hin zu ganz alltäglichen Problematiken der Überlebenden.

So groß die Faszination für das Franchise auch sein mag, so hoffnungsvoll man der Entwicklung der Serie auch entgegensieht – was dem Zuschauer hier präsentiert wird, bewegt sich fernab einer intelligenten, geschweige denn inspirierenden Serienkunst. Bis auf einige ganz grundsätzliche Situationen, die entsprechend der Szenerie ein klaustrophobisches Gefühl auslösen; bleiben so gut wie alle Emotionen auf der Strecke – ein Stillstand, mit dem sowohl die Zuschauer als auch die Charaktere überfordert zu sein scheinen. Wie sonst ließen sich die große übertragene Langeweile auf der einen, und die immer fragwürdiger erscheinenden Handlungen der Charaktere auf der anderen Seite erklären ?

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Dabei scheinen sich insbesondere die Drehbuchautoren immer mehr zu verhaspeln, respektive keinen großen Wert mehr auf eine stimmige Fortführung des Franchise zu legen. Vieles von dem, was zu Beginn der vierten Staffel passiert; wirkt entweder an den Haaren herbeigezogen, wird unglaubwürdig inszeniert oder ergibt – außer in Bezug auf die erzwungene Kontinuität der Geschichte – schlicht keinen Sinn. Dies bezieht sich allerdings nicht nur auf die großen, einschneidenden Ereignisse der Serie (von denen es ohnehin nur wenige gibt) – sondern vor allem auch auf den charakterbildenden Mikrokosmos. Wahrlich, wer auch immer einige der in Staffel 4 präsentierten Dialoge geschrieben hat, wäre überall gut aufgehoben – nur nicht in der Produktion einer Zombie-Endzeitserie. Selten hat man eine derart leblose, stupide und unglaubwürdige Form der Kommunikation erlebt – hier von einem gewollten Stilmittel (im Sinne einer Ausnahme-Situation) auszugehen, wäre mehr als lächerlich. Hinzu kommt eine alles umfassende Ideenarmut, die sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar macht. Es sind die wenig abwechslungsreichen Schauplätze, die fehlenden Interaktionen mit der Umwelt, der schnöde Zombie-Alltag – der einem das Gefühl gibt, dass es gut ist kein Teil dieses fiktionalen Szenarios zu sein. Nicht aufgrund der vermeintlichen (Lebens-)Gefahr, sondern vielmehr in Bezug auf den unerträglichen Stillstand aller beteiligten Charaktere.

Somit kann man die erste Staffel-Hälfte, die tatsächlich relativ eindeutig mit der Halbzeitpause endet; grundsätzlich komplett ausblenden. Umso interessanter wird es dann, nachdem das hoffnungsvoll erwartete, finale Aufeinandertreffen von Rick und dem Governor abgehandelt ist – und die zweite Staffelhälfte beginnt. Dann ist er kurzzeitig wieder da – jener Hauch von Abenteuer, der vor allem auch die erste Staffel auszeichnete. Die Protagonisten befinden sich nicht mehr in einem räumlich begrenzten Areal, sondern erkunden gezwungenermaßen die Umgebung – und greifen dabei auch mal auf rohe Gewalt zurück, um ein weiteres Vorankommen zu ermöglichen. Analog zur räumlichen Befreiung erfolgt dann auch ein unerwarteter Befreiungsschlag für die festgefahrenen Charakterporträts – was durch die Ambition, einzelne Episoden nur bestimmten Charakteren oder Charakter-Gruppen zu widmen, unterstützt wird. Endlich ist man wieder näher an den Charakteren und ihren Sorgen, endlich entstehen brauchbare Identifikationsfiguren – und zumindest teilweise interessante bis spannende Ausgangssituationen, die sich einmal mehr mit dem eigentlichen Kern der Reihe – dass heißt, nicht dem Abschotten von der Außenwelt; sondern dem Überlebenskampf in der Außenwelt – befassen.

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Doch gehen die Macher auch diesen Weg nicht konsequent. Besonders einzelne Charaktere kommen, selbst wenn sie als eigentliche Hauptfiguren fungieren, verdächtig kurz. Potentielle Highlights, wie etwa der Charakter von Carl Grimes; befinden sich weiterhin in einer gefühlten Stase. Nicht nur, dass jener Charakter nach dem anfänglichen Aufbegehren (Carl widersetzt sich seinem Vater, erschießt einen unbewaffneten) immer mehr an Bedeutung verliert; es sind ausgerechnet wieder die dazugehörigen, äußerst kruden Dialoge die den geneigten Zuschauer an der Kompetenz der Verantwortlichen zweifeln lassen werden. Wie, ja wie kann man ein offensichtliches darstellerisches Talent nur derart missachten ? Dass man diesbezüglich noch die Kurve kriegt, ist eher nicht zu befürchten – allerhöchstes wird Carl als älterer Teenager / Erwachsener eine übergeordnete Rolle spielen. Schön und gut – doch hätte man sich im gegebenen Fall schon viel eher mit seinem Charakter befassen müssen. Die Möglichkeiten, die sich aus dem interessanten jugendlichen Alter – irgendwo angesiedelt zwischen einer kindlichen Unschuld und dem Werdegang eines selbstbestimmten jungen Mannes – ergeben hätten, wurden in jedem Fall verschenkt. Die mitunter einzige Ausnahme markiert eine der stärkeren Folgen der zweiten Staffelhälfte, in der Carl nicht nur Opfer eines beinahe durchgeführten Gewaltverbrechens wird – sondern auch Rick als Vater- und Beschützerfigur nachvollziehbar agiert; womit der Bruch zu seinem ehemalig-auferlegten Farmer-Dasein im Gefängnis vollzogen wird. Von solchen einfachen aber wirksamen Momenten hätte es mehr gebraucht – solchen, die eine gewisse emotionale Kraft haben und die auch nachhaltig in Erinnerung bleiben.

Doch im Hinblick auf die verbleibenden Charaktere sieht es diesbezüglich nicht wirklich gut aus, zumal der Erzählfokus ein reichlich diffuser ist. Den markanten Hauptcharakter, die markante Leitfigur gibt es nicht mehr – was verständlicherweise auch die daraus resultierende Gruppendynamik zerstört. So liegt der Fokus mal auf jener Figur, mal auf jener kleinen Splittergruppe – sicher noch kein allzu prägnanten Negativ-Argument, würde man dieser Erzählweise auch konsequent folgen und sich die daraus ergebenen Vorteile zunutze machen. Doch dann das: geradezu urplötzlich stehen dann doch wieder Person X oder Y im absoluten Vordergrund, sodass andere gleich über mehrere Episoden gar nicht mehr auf der Bildfläche erscheinen. Das ist merkwürdig, und zeigt nicht gerade von einem großen Masterplan hinter der Produktion – den man aber eigentlich haben sollte, liegen die entsprechenden Comic-Vorlagen schon lange vor. Durch eine Herangehensweise wie diese aber verpuffen selbst emotional hochkarätige Abschnitte, wie etwa die in Episode 14 behandelte Geschichte von Carol, Lizzie, Mika, Judith und Tyreese. Was man als durchaus intensives, verstörendes Kammerspiel hätte inszenieren können, zeugt in der finalen Ausführung nicht gerade von Geschick und Fingerspitzengefühl. Überhaupt schien es den Machern nicht allzu wichtig gewesen zu sein wie und warum es zu etwaigen Ausschreitungen kommen konnte – sondern nur, wie das letztendliche Ergebnis aussehen würde.

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Am ehesten scheint es, als wollte man innerhalb des WALKING DEAD-TV-Kosmos vieles ausprobieren – und sich zumindest teilweise auch auf die Wünsche der Fans einstellen. So interessant dieses Konzept anmutet, es lässt eines vermissen: einen künstlerischen Anspruch. THE WALKING DEAD wird immer mehr zu einer Serie der Beliebigkeiten und Experimente; die von einer entsprechend bunten Riege von Regisseuren und Drehbuchautoren verwirklicht werden. Handelt es sich überhaupt noch um eine Zombie- oder Endzeitserie, oder vielleicht schon eine merkwürdige Abart einer Seifenoper ? Einer solchen, die allem Anschein nach eine ist – dies aber einfach nicht wahrhaben will und gerade deshalb immer wieder völlig unvermittelt recht brutale Splatter-Szenen einstreut ? Selbst diese können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das; was dort zu großen Teilen auf der Leinwand geschieht, absolut belanglos ist oder zumindest so wirkt. Auch sind sie überaus rar gesät und kaum noch nervlich aufrüttelnd – selbst etwaige Zombie-Klassiker aus den 80er Jahren gingen hier mutiger, vor allem aber auch stilvoller ans Werk.

In Bezug auf die hervorstechenden positiven Aspekte der vierten Staffel gelangt man – wie schon bei der dritten – relativ schnell zum THE WALKING DEAD-Standardrepertoire. Vor allem die Arbeit der Maskenbildner weiß nach wie vor zu überzeugen, doch auch die Kostüme werden stets stimmig in Szene gesetzt. Kleinere, authentisch wirkende Elemente (wie Schmutz, Blutflecken oder schlicht reichlich Schweiss) sowie die Kameraführung führen oft zu stimmigen Gesamtkompositionen – vornehmlich in optischer Hinsicht, inhaltlich findet man nur selten das passende Pendant. Allerdings hat sich dann doch noch ein fragwürdiges Element in den technisch-dramaturgischen Part eingeschlichen. Ein Element, welches weitaus schwerer wiegt als die optische Gleichförmigkeit oder die wenig aufwendigen Szenenaufbauten. In der Tat ist die Rede vom Soundtrack, der im großen und Ganzen weiterhin einige wenig aufdringliche, dezente Klangkulissen vorsieht – doch zusätzlich zu den bekannten Klängen nun auch eine Reihe von Popmusik-Stücken eintreut. Das ist aus mehreren Gründen unerträglich, vor allem aber da dem Zuschauer so eine der letzten Aufgaben abgenommen wird – sich emotional in so manch vorherrschende Situation einzufinden. Sobald ein lautstarke Popnummer, am besten noch mit leidig vorgetragenem Gesangspart ertönt, ist dies kaum noch möglich. Entweder man wird in eine entsprechende Richtung gedrängt – oder man sperrt sich völlig gegen jenes künstliche Element – beides geht nicht gut aus. Dass sich manche Arten von TV-Serien, oder vielleicht sogar ganze Genres beißen sich mit derlei künstlerischen Ideen – das zeigte nicht erst die bessere Weltraum-Soap-Opera STARGATE UNIVERSE.

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Fazit: Eigentlich gibt es nur drei Gründe, sich auch die nunmehr vierte Staffel von THE WALKING DEAD anzusehen. Für Fans der ersten Stunde wäre hier schlicht das nur natürliche Verlangen zu nennen, die Serie bis zu einem möglichen Finale hin weiter zu verfolgen – ganz unabhängig davon, welche inhaltlichen oder qualitativen Offenbarung das Franchise noch bereithalten würde. Für alle anderen, vielleicht nicht ganz so eingespannten Interessenten sind es der Gründe immerhin noch zwei. Zum einen wäre da das halbwegs furiose Halbzeit-Finale, welches man im besten Fall bereits an das Ende der dritten Staffel gepackt hätte; und zum anderen vereinzelte, aber wirklich nachhaltige Charakter-Momente aus der zweiten Staffelhälfte. Davon abgesehen gibt es auch dieses Mal verdammt wenig zu holen – während die grundsätzlich, spätestens mit der dritten Staffel etablierten Schwächen weiter exponentiell zunehmen. Im großen beziehen sich diese vor allem auf das eigentliche Voranschreiten der Handlung – welches so gut wie überhaupt nicht stattfindet. Im kleinen dagegen, das heißt den zwischenmenschlichen Interaktionen, dem Einführen neuer oder dem Ableben alter Charaktere und den zahlreichen Dialogen gelingt den Machern ebenfalls kein großer Wurf. Zahlreiche Elemente wiederholen sich ständig (Beispiel: Charaktere verschwinden, auf dass sie gesucht und gefunden werden müssen), die wenigen verbleibenden Überlebenden scheinen sich mehr und mehr mit den tumben Zombie-Horden gleichzuschalten – was beim Zuschauer desöfteren dazu führt, dass er die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. THE WALKING DEAD hat sich – bis auf die Ausnahme der hie und da stattfindenden Kämpfe – endgültig vom Survial- und Abenteuergenre distanziert, und sucht sein Heil nun im großen (Charakter-)Drama. Ein Drama mit Charakteren, die zu bemerkenswerten Teilen unsympathisch inszeniert werden, die kaum nennenswerte Gedankengänge z haben scheinen und sich auch sonst wenig zu sagen haben. Wahrlich, unerträglicher als in dieser Form lässt sich eine Geschichte nicht strecken – doch da sich die Serie weiterhin gut an den Mann bringen lässt, wird man wohl auch in den noch kommenden Staffeln nichts überhasten und den Zuschauer möglichst lange hinhalten. Doch wie heisst es so schön: man sollte die Hoffnung niemals aufgeben. Sollte die fünfte Staffel überraschenderweise doch alles anders (und vor allem besser) machen, so fungiert diese Rezension zumindest als Mahnmal und als Vergleichsmöglichkeit.

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„Wahrscheinlich wäre es interessanter, 16 Episoden lang das Leben eines Beissers zu porträtieren. Mit dem richtigen Drehbuchautor, versteht sich.“

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Kurz Reingeschaut: THE WALKING DEAD Staffel 4 (TV-Serie, 2013)

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Der Niedergang einer großartigen Zombie-Serie ?

Sie ist derzeit in aller Munde – die vierte Staffel von THE WALKING DEAD, der erfolgreichen Zombie-TV-Serie aus den USA. Auch dieses Mal scheinen wieder Millionen von Zuschauern einzuschalten, wenn es darum geht wie Rick und seine Gefolgschaft die Zombie-Apokalyspe überleben. Wie schon die dritte Staffel (Review hier) wird auch die vierte großzügige 16 Episoden umfassen, eine weitere Verlängerung um eine fünfte Staffel ist bereits bestellt. Eigentlich sollte das ein Grund zur Freude sein, zeigte besonders die erste Staffel auf, wie gut und vor allem spannend man grundsätzlich altbekannte Geschichten um Zombie-Invasionen und den damit verbundenen Überlebenskampf einiger Auserwählter auch heute noch erzählen kann. Doch gibt es ein Problem, welches aller Wahrscheinlichkeit nach auch mit eben jener schieren Episodenzahl zu tun hat: THE WALKING DEAD büßt immer mehr von der Anfangs etablierten Faszination ein.

Dass das Konzept der Serie etwas anders aussehen würde als bei manch anderen, wurde indes bereits mit der zweiten Staffel klar. Hier entdeckte die Gruppe um Rick einen abgelegenen Hof, welcher von einem alten Mann und seiner Familie bewohnt wurde. Die nahmen die verzweifelt umherziehenden kurzerhand auf – und gewährten ihnen einen vorerst sicheren Unterschlupf, wenn sie sich nur entsprechend an der allgemein anfallenden Arbeit beteiligen würden. Die Folge: ein Großteil der zweiten Staffel spielte sich allein auf besagtem Hof ab, was für manchen Fan der vergleichsweise bewegteren (im wahrsten Sinne des Wortes) ersten Staffel bereits eine kleine Herausforderung darstellte. Doch THE WALKING DEAD besann sich kurzerhand auf andere Stärken, und erzählte die Zombie-Apokalypse aus einer anderen, inszenatorisch eher ruhigen Sicht – während es im  inneren der Charaktere weiterhin brodelte. Anders gesagt: der allgemeine Fokus bewegte sich langsam weg von den allgemeinen Folgen der apokalyptischen Ereignisse, und beschränkte sich auf eine vergleichsweise kleine Anzahl von Personen. Doch auch das funktionierte hier überraschend gut, schließlich erhielt man als Zuschauer erstmals explizite Einblicke in die Seelenwelten der Charaktere, und konnte miterleben wie sich zwei Gruppen in Zeiten des vermeintlichen Friedens organisieren und miteinander interagieren. Bereits hier war jedoch Vorsicht geboten: die Serie drohte, etwaige Inhalte allzu sehr zu strecken und immer weniger frische Ideen zu liefern.

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Der Zaun… eines der vielen ’spannenden‘ Probleme in der vierten Staffel von THE WALKING DEAD. Seriously ?

Eben jene Befürchtungen wurden dann spätestens mit der umfangreichen dritten Staffel wahr, die kaum noch etwas von einstigen Flair der Serie erhalten konnte; und sich stattdessen andauernd wiederholte. Die Zombie-Bedrohung wurde zum Alltag – so festgefahren die Charaktere waren, so festgefahren schien die Entwicklung der Zombie-Problematik im allgemeinen. Allein die Tatsache, dass sich die eigentlichen Protagonisten über die gesamte dritte Staffel in einem Gefängnis aufhalten würden, konnte man nicht gerade als spannungsförderndes Element betrachten. Dieses, und noch viele andere (ausführlich begründete) Unannehmlichkeiten der dritten Staffel führten im Review dazu, dass sie nur noch eine Wertung von 40 Prozentpunkten erreichen konnte – eine echte Enttäuschung nach den doch überraschend guten 85 Punkten für die erste und zweite Staffel.

Und dann das: auch die vierte Staffel scheint (nach 6 bisher gesichteten Episoden) kaum Veränderungen vorzusehen. Im Gegenteil, man scheint sich geradezu in den Schwächen der dritten Staffel verstrickt zu haben, und sie immer weiter auszuführen. Man kommt einfach nicht voran – das Erzähltempo wird immer behäbiger, wirklich einschlägige Ereignisse bleiben aus. Stattdessen nimmt die Anzahl der sogenannten Lückenfüller-Episoden zu; und etwaige neue Ideen wirken enorm gezwungen. Als ein Beispiel sei hier die Epidemie zu Beginn der vierten Staffel genannt – die einerseits dazu führt, dass man die immer gleichen Gefängnismauern abermals nur von innen zu sehen bekommt; andererseits und kurioserweise nur jene dahinrafft, die gerade erst am Ende der dritten Staffel (als ‚Überlebende aus Woodbury) eingeführt wurden. Das ist geradezu peinlich, und sollte dem nunmehr eingespielten Team der Mitwirkenden (Stichwort Drehbuchautoren) an THE WALKING DEAD eigentlich nicht passieren. Alles, was noch darüber hinaus passiert (seltene Erkundungstouren oder Besorgungen) ist ebenfalls nicht unter der Kategorie erzählerisch oder inszenatorisch einfallsreich einzuordnen.

Irgendetwas muss geschehen – ansonsten droht THE WALKING DEAD ein (qualitativer) Fall ins absolut bodenlose. Eine kleine Kuriosität, da man dies in Anbetracht der guten ersten Staffel alles andere als absehen konnte. Warten wir die restlichen Folgen der vierten Staffel ab – doch wenn es so weitergeht wie bisher, dann sollte selbst die bereits klägliche Wertung für die dritte Staffel noch unterboten werden können. Leider…

„Der Hype war anfangs berechtigt – nun ist er nur noch peinlich.“

TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 3)

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Originaltitel: The Walking Dead Season 3
Relation: Fortsetzung der zweiten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Gefängnis | Zombies | Kampf

Staffel 3 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

Episode 1 | Die Saat (Seed)
Episode 2 | Rosskur (Sick)
Episode 3 | Zeit der Ernte (Walk with Me)
Episode 4 | Leben und Tod (Killer Within)
Episode 5 | Anruf (Say the Word))
Episode 6 | Auf der Jagd (Hounded)
Episode 7 | Tod vor der Tür (When the Dead Come Knocking)
Episode 8 | Siehe, dein Bruder (Made to Suffer)
Episode | Kriegsrecht (The Suicide King)
Episode 10 | Zuflucht (Home)
Episode 11 | Judas (I Ain’t a Judas)
Episode 12 | Gesichter der Toten (Clear)
Episode 13 | Das Ultimatum (Arrow on the Doorpost)
Episode 14 | Der Fang (Prey)
Episode 15 | Der Strick des Jägers (This Sorrowful Life)
Episode 16 | Stirb und töte (Welcome to the Tombs)

Die Zombie-Hatz wird immer unmunterer

Vorwort: Nun also ist es geschafft – alle 16 Episoden der dritten Staffel von THE WALKING DEAD, der heiß diskutierten und geschätzten Zombie-Endzeitserie, wurden im deutschen Pay-TV ausgestrahlt. Endlich, muss man sagen – schließlich wurde die erste Folge (DIE SAAT) bereits am 19. Oktober 2012 auf FOX gezeigt. Eine nach 7 weiteren Episoden folgende ‚Winterpause‘ sorgte dann für eine entsprechende Verzögerung – erst am 05. April 2013, das heisst vor ein paar Tagen;  schloss man die Staffel mit der 16.ten Episode (STIRB UND TÖTE) ab. So sollte es nun auch nicht mehr lange dauern, bis die Staffel im Free-TV zu sehen sein wird, beziehungsweise das DVD- und BLU-RAY Release erfolgt. Ob es sich allerdings noch wirklich lohnt, einzuschalten – das soll an dieser Stelle versucht werden, zu erörtern. Bevor es jedoch mit der Rezension der neuen Staffel losgeht, empfiehlt es sich; das Review zu den ersten beiden Staffeln anzusehen. Die hier verwendeten Bilder sind (c) by AMC.

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Inhalt: Die Gruppe der Überlebenden um Sheriff Rick Grimes (Andrew Lincoln) steht vor einem dringend erforderlichen Neuanfang. Nicht nur, das Rick mit dem Mord an seinem ehemaligen besten Freund Shane abschließen muss, um weiterhin für das Überleben der Gruppe sorgen zu können – auch eine neue, möglichst sichere Bleibe muss her. Eine Chance ergibt sich, als die umherziehende Gruppe auf ein scheinbar verlassenes Gefängnis stößt – und dort Posten bezieht. Doch tatsächlich treffen sie auf eine kleine Gruppe von Gefangenen, die sich ebenfalls hier verbarrikadiert halten – es kommt zu einem Streit. Letztendlich können Rick und seine Gefolgschaft das Gefängnis für sich beanspruchen – und richten sich entsprechend ein. Doch gibt es mindestens zweierlei sich aufdrängende Probleme: so müssen die Überlebenden auch weiterhin die Umgebung erkunden, um mögliche Bedrohungen auszuschalten, vor allem aber um sich mit Nahrung und dringend benötigtem Zubehör zu versorgen. Doch gibt es ganz in der Nähe noch eine kleine, gesicherte Stadt – die von einem selbsternannten Governor geführt wird, und Überlebenden Zuflucht gewährt. Jener Governor scheint dies aber nicht allein aus Nächstenliebe zu tun – insgeheim schmiedet er dunkle Pläne, und stellt sich letztendlich auch gegen Rick und seine Gefolgschaft, die sich selbst in ihrem neuen Zuhause nicht mehr sicher fühlen können.

„THE WALKING DEAD basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman, die seit ihrem Start im Jahr 2003 eine stetig wachsende Fangemeinde erobert hat. Für Buch und Regie der dritten Staffel zeichnet erneut Glen Mazzara verantwortlich, der zuvor unter anderem als Executive Producer für Serien wie „L.A. Crash“ und „Hawthorne“ engagiert wurde“ (Quelle foxchannel.de)

Kritik: Es geht also weiter im THE WALKING DEAD-Kosmos. Nachdem insbesondere die erste, und größtenteils auch noch die zweite Staffel für berechtigte Furore – gleichermaßen unter Fans (des Comics) und Neueinsteigern – sorgen konnte, versucht die dritte Staffel an die vorangegangene Erfolgsgeschichte anzuknüpfen. Eine sicher nicht ganz leichte Aufgabe – schließlich laufen viele Serien Gefahr, sich im Laufe mehrere Staffeln regelrecht abzunutzen; ganz gleich wie originell und genial der jeweilige Auftakt (die erste, oder die ersten paar Staffeln) auch ausgefallen ist. Trotz aller Serien-Treue und Liebe zum Zombie-Genre mussten nun auch viele der eingefleischten THE WALKING DEAD-Fans eben dies feststellen – was in Anbetracht eines mittlerweile derart beliebt gewordenen Franchises mehr als nur schade ist. Bei vielen bleibt indes die Hoffnung, dass sich die aufgetretenen Missstände im Zuge der nächsten, bereits angekündigten vierten Staffel wieder relativieren. Sollte man einer Serie wie dieser also diese großzügige Chance geben, und über die teils gravierenden Schwächen schlicht hinwegsehen ? Eine Frage, die ein jeder TV-Zuschauer mit sich selbst ausmachen muss, zweifelsohne – doch die Argumente, die dagegen sprechen, sind überraschend vernichtend.

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Dabei hat alles so schön (das heisst, stilecht und halbwegs originell) angefangen. Die von THE WALKING DEAD gezeichnete Vision einer endzeitlichen Welt, die durch den inszenatorischen Realismus stets greifbar erschien und den Zuschauer quasi selbst mit auf eine Reise um Leben und Tod mitnahm, entfaltete besonders in der ersten Staffel einen enormen Reiz. Dabei konnte man den Charakteren nicht nur beiwohnen, wie sie mit Erschrecken die sie nunmehr umgebende Welt begutachteten, immer auf der Suche nach einer Zuflucht – sondern auch, wie sie etwaige Streitigkeiten unter sich ausmachten und inmitten des Zombie-Wahnsinns versuchten, ihre Menschlichkeit zu bewahren. Etwaige Bewährungsproben, Schicksalsschläge und Charakter-Entwicklungen inklusive – die sich vor allem in der zweiten Staffel, so gesehen dem Ruhepol von THE WALKING DEAD, bemerkbar machten. Die Idee einer halbwegs sicheren Bleibe (einer Farm), auf der die Protagonisten erstmals zur Ruhe kommen konnten, um sich ihren schon bedrohlich schwelenden persönlichen Problemen zu widmen, wurde sehr gut und spannend umgesetzt. Ein Problem war sicherlich auch hier, dass die allgemeine Bedrohung (das heisst, das Phänomen der Zombie-Apokalypse an sich) bereits leicht außen vorgeschoben wurde – und THE WALKING DEAD bereits hier eher stille, dramaturgisch tiefgehende Züge fernab eines emotionsgeladenen Überlebenskampfes annahm. Für Auflockerungen sorgten indes die Ausflüge und die Konfrontation mit anderen Überlebenden, sowie auch die Serien-typischen, harten Action- und Splatterszenen, die vor allem aufgrund des brillanten Kostümdesigns und den Fähigkeiten der Maskenbildner lebten. Was also sollte den Zuschauer in der dritten Staffel erwarten, wenn nicht ein sinngemäßer Aufschwung, eine Fortsetzung der abenteuerlichen Reise auf der Suche nach dringend benötigten Antworten – und möglicherweise sogar einer Lösung ?

Nun ist es kein Geheimnis mehr – leider nicht das eben genannte. Ob es tatsächlich an der Comicbuch-Vorlage liegt, oder schlicht am Bestreben der Macher, das Franchise möglichst lange am Leben zu erhalten (und weitere TV-Staffeln zu rechtfertigen), sei einmal dahingestellt – doch die dritte Staffel von THE WALKING DEAD beinhaltet selbst mit Wohlwollen nur noch ein Fünkchen des ehemals etablierten wortwörtlichen Bisses; der einstigen Originalität, der ehemals so treibenden Spannung und des atemberaubenden Überlebenskampfes. Wenn man schon der zweiten Staffel anlasten konnte, dass der Alltag der Protagonisten einen zu großen Raum einnimmt, und dem Zuschauer so potentiell spannendere Inhalte vorenthalten wurden; so spitzt sich die Lage nun immer drastischer zu. Sicher, eine Serie wie diese lebt auch oder gerade von ihren Charakteren, die eine entsprechende Bühne erhalten müssen – doch keinesfalls sollte man dabei das große Ganze, die eigentliche Idee ausser acht lassen. Die gesamte dritte Staffel beinhaltet nun aber lediglich Charakterporträts und -Interaktionen, noch und nöcher – sowie einige kleinere, meist schnell abgehandelte Action-Elemente. Statt weiter auf das eigentliche Grundgerüst der Story aufzubauen, garnierte man die dritte Staffel stattdessen mit einem zwiespältig zu betrachtenden Element: der Interaktion zwischen zwei Gruppen von Überlebenden, die auch räumlich in zwei Lager aufgespalten sind. Dem Gefängnis mit Rick als Anführer – und der kleinen Stadt Woodbury mit dem Governor Philipp als heimtückischen Charmeur, der erst nach und nach sein wahres Gesicht offenbart.

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Vielleicht ist das gar keine schlechte Idee – doch Bedenken erscheinen berechtigt, wenn sich tatsächlich die gesamte dritte Staffel an jenem Konstrukt hochzieht. Und – überraschenderweise – nicht nur das: selbst das Finale in der 16.ten Episode lässt vermuten, dass diesbezüglich noch kein Ende in Sicht ist. Gehen den Machern etwa die guten Ideen aus ? Anders lässt sich eine Maßnahme wie diese kaum erklären – ausser anhand einer marketingtechnischen Straffungsmaßnahme, die die Handlung auf möglichst viele Folgen ausdehnen soll. Die Folgen sind allerdings absehbar: das Franchise verliert mehr und mehr von seinem Reiz, wird immer uninteressanter – schlicht, da keine treibenden Elemente mehr vorhanden sind, die Gruppe der Hauptprotagonisten nicht mehr vorankommt; und keine Fragen mehr stellt. Es geht nach wie vor ums Überleben, gewiss – doch ist die Luft längst raus, die Zombie-Hatz gerät zu einem reinen Alltagsgeschäft mit den ewig gleichen Mechanismen (Zombies im Vorbeigehen töten, Nahrung organisieren, Schlafplatz sichern). Einem, in dem selbst jene Elemente, die den Zuschauer bei Laune halten sollten, eher nerven. Ein Beispiel ist die gesamte Riege der Charaktere, die immer unsympathischer; und vor allem in ihrem Verhalten unglaubwürdiger wirkt. Die Entscheidungen die getroffen werden, das Ausbleiben von markanten Entwicklungen, die wenigen streitbaren Höhepunkte (Carl ‚erlöst‘ seine Mutter, Rick erlebt merkwürdige Visionen) sorgen für einen zum Serien-Finale hin stetig wachsenden Unmut.

Um aber doch etwas Bewegung in die Angelegenheit zu bringen, setzt man auf einerseits funktionierende, andererseits den Zuschauer verärgernde Methoden. Die sind zumeist im Bereich der Vertröstung zu finden (etwa, wenn Milton kurzzeitig versucht hinter die Geheimnisse der Zombie-Epidemie zu kommen), oder schlicht im launigen Charakter-Sterben. Sollte man also eine Staffel wie diese hier zusammenfassen, hat man immerhin schnell zur Hand, dass gewisse Hauptpersonen unter mehr oder weniger makaberen Umständen (der treffsichere Merle im Rambo-Wahn, der leider nur an der eigentlichen Zielperson scheitert; oder Andrea in einer misslichen Lage, die nach all den Monaten in der Wildnis plötzlich an einem einzelnen Zombie scheitert) das zeitliche gesegnet hat. Doch davon angesehen sieht es wahrlich mau aus – die Tatsache, dass sich zwei Fraktionen im Krieg befinden (und die Bedrohung der Zombies dabei völlig aussen vor lassen) reicht einfach nicht aus, um 16 Episoden sinnig und vor allem spannend zu füllen. Immer, wenn man sich einen Schritt vorbewegt, macht man zwei zurück – das ist ärgerlich, und nimmt der Serie ihren Reiz. Zumal etwaige Fragen, mit denen sich die Charaktere beschäftigen, erst gar nicht hätten aufkommen sollen. So überlegen Rick und seine Truppe doch ernsthaft, ob sie das Gefängnis gegen den Governor verteidigen sollten – realistisch betrachtet (und aufgrund der allen bekannten, gegebenen Umstände) ein unmögliches Unterfangen. Dass sie es dann tatsächlich versuchen, und damit sogar noch erfolgreich sind gleicht einer kleinen Frechheit – die sich fernab einer jeglichen Nachvollziehbarkeit bewegt. Immerhin können sie so auch noch in der vierten Staffel selbiges Gefängnis verteidigen, und weiterhin keine Fragen stellen – wie abenteuerlich und spannend.

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Doch es gibt mehr. Viel mehr, als dass es einer ehemals guten Serie wie dieser hier zuträglich wäre. Ärgerlich ist, dass Carl als vielversprechender (pubertierender) Charakter nicht ausgenutzt wird – und sich seine Rolle auf die eines in sich gekehrten, nörgelnden Kindes beschränkt wird. Obwohl er in einer der folgen anmerkt, dass sein Vater (Rick) als Anführer möglicherweise nicht mehr geeignet wäre, hüllt man seinen Charakter weiterhin in Schweigen – und in eine geradezu unauflösliche Starre, die ihn als Sympathieträger vollends disqualifiziert. Gar nicht erst zu sprechen von den anderen Charakteren, von denen lediglich Merle und sein Bruder Daryl eine gewisse Glaubwürdigkeit versprühen. Alle anderen verkommen zu regelrecht unnützen Randfiguren, die sich geradezu blamieren (und entsprechend nerven) wenn sie dann doch einmal ins Rampenlicht gerückt werden. Das Porträt des Governors als ’neuer Bösewicht‘ ufert einstweilen auch immer weiter aus – und driftet nicht nur ins kaum nachvollziehbare, sondern auch ins kaum erträgliche. Etwaige Logik-Fehler, merkwürdige Zufälle und selten sinnige Handlungen runden das Ganze entsprechend ab. Selbst Michon, die einstige Rebellin mit den Zombie-Haustieren verkommt zu einer willenlosen Marionette – Pfeffer haben die Charaktere also längst nicht mehr, und auch hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit und Sympathie haben sie massiv eingebüßt. Hinzu kommen ärgerliche Logik-Löcher und Unstimmigkeiten, ein Ausbleiben von dringend benötigten Szenen in denen man sich einfach mal ‚Luft‘ macht (sind die Überlebenden im Gefängnis wirklich so zufrieden ?) und ein Finale, das in Sachen Schlechtigkeit seinesgleichen sucht. Wozu hat man denn derart lange auf die Übernahme-Szene (des Gefängnisses) hin gearbeitet – um sie in einer geradezu lächerlichen Darstellung (der schwer bewaffnete, clevere Governor lässt sich in eine Falle locken und wird von 2 oder 3 Bewaffneten verscheucht) verpuffen zu lassen ? Nur, um darauf eine weitere vermeintlich schockierende, reichlich fragwürdige Szene (der Governor rastet aus, und streckt ein paar – das heisst alle, auch wenn es nicht gezeigt wird – seiner Gefolgsleute nieder) folgen zu lassen ? Also bitte.

Versucht man dagegen, die positiven Aspekte der dritten Staffel auszuleuchten; steht man auf einem relativ verlorenen Posten. Lediglich in technischer Hinsicht weiss das Projekt weiterhin zu überzeugen – wenn auch nicht konsequent. Natürlich sehen die Zombies weiterhin beängstigend aus, die Kostüme sind gut gewählt, die Arbeit der Maskenbildner ist beeindruckend; und auch auf Details (wie Schmutz, Schweiss, etwaige Flüssigkeiten und Körper-Innenansichten) wird geachtet. Doch wohin genau ein Großteil des Budgets geflossen ist, bleibt fraglich – schließlich wurden die Schauplätze auf ein absolutes Minimum reduziert, wirklich aufwendige Szenen (wie noch zu Beginn, in der Stadt) gibt es nicht. Es bleiben eine gute Kamera-Arbeit, angenehme Schnitte, eine insgesamt stimmige Optik, gute aber hoffnungslos unterforderte Darsteller, ein akzeptabler Soundtrack. Doch auch hier gilt: der einstige Überraschungs-Effekt ist längst verpufft, eine dringend benötigte Steigerung (z.B. neue, interessante Schauplätze, atemberaubende Sets) ist nicht in Sicht. Ein mit Fallen gespickter Straßenzug, in dem ein alter Bekannter aller Eindringlinge abwehrt; bildet hier die vergleichsweise unspektakuläre Ausnahme. Ansonsten: im Wald und auf verlassenen Straßen muss man wahrlich nicht viel ändern oder abstimmen, um das Ganze hinsichtlich einer Zombie-Tauglichkeit zu trimmen.

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Fazit: Die Rezension ist lang, das Ergebnis ernüchternd – THE WALKING DEAD hat sein Verfallsdatum als eine der besten Endzeit-Zombieserien der Neuzeit mit der dritten Staffel überschritten. Die ehemals wohlfeile Mischung aus einem tatsächlichem Voranpreschen auf der Suche nach Antworten (und einer Lösung), sowie intensiv-glaubwürdigen Charakterporträts weicht einem geradezu stupiden Alltagsgeschehen aus unsinnigen Handlungen, ewigen Nörgeleien und einem unerträglichen (charakterlichen, erzählerischen) Stillstand. Worum es eigentlich ging; gehen sollte möchte man ein gute Serie in einem Setting wie diesem produzieren – ist verlorengegangen. Ein anfangs noch spannender, danach stark in die Länge gezogener Zweikampf der unabhängig von der Zombie-Bedrohung stattfindet (und dabei so verdammt trivial wirkt); bildet das vermeintliche Highlight der dritten Staffel. Und, wenn es ganz schlecht aussieht (was zu befürchten ist) – auch noch der vierten. Wo sind die guten, erfrischenden Ideen ? Wo ist die treibende Action, der beinharte Überlebenskampf ? Wo sind die Twists, die Überraschungen ? Wo sind die glaubwürdigen, herzigen Charaktere ? Sie sind fort – es reicht einfach nicht, hie und da ein paar der Hauptpersonen sterben zu lassen, und den Zuschauer immer und immer wieder frech zu vertrösten. In der nächsten Staffel bestimmt… wohl eher nicht. THE WALKING DEAD ist im wahrsten Sinne des Wortes gestorben, so schade das ist.


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„Da schnarchen selbst die Zombies.“

Serien-Highlights 2012: THE WALKING DEAD Season 3

Nach einer verdammt guten ersten und einer etwas langatmigeren zweiten Staffel ist in Bezug auf die dritte wieder alles offen…

Bald schon ist es soweit… und die dritte Staffel von AMC’s Serienhighlight THE WALKING DEAD wird in den USA Premiere feiern. Genauer gesagt wird der kommende Oktober der Zombie-Monat schlechthin – wie lange es dann noch dauern wird, bis man auch hierzulande zur bewährten Zombie-Hatz abfeiern kann, wird sich noch zeigen.

TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 1 & 2)

Land: USA – Idee & Produktion: Frank Darabont (u.a.) – Stil: Endzeit-TV-Serie

Die Liste der bisherigen Episoden (je ca. 42 Minuten):

 Staffel 1
Episode 01 – Gute alte Zeit / Days Gone By
Episode 02 – Gefangene der Toten / Guts
Episode 03 – Tag der Frösche / Tell it to the Frogs
Episode 04 – Vatos / Vatos
Episode 05 – Tag 194 / Wildfire
Episode 06 – TS-19 / TS-19

 Staffel 2
Episode 01 – Zukunft im Rückspiegel / What Lies Ahead
Episode 02 – Blutsbande / Bloodletting
Episode 03 – Die letzte Kugel / Save the Last One
Episode 04 – Cherokee Rose / Cherokee Rose
Episode 05 – Chupacabra / Chupacabra
Episode 06 – Beichten / Secrets
Episode 07 – Tot oder lebendig / Pretty Much Dead Already
Episode 08 – Nebreska / Nebreska
Episode 09 – Am Abzug / Triggerfinger
Episode 10 – Ausgesetzt – 18 Miles Out
Episode 11 – Sorry, Bruder / Judge, Jury, Executioner
Episode 12 – Die Besseren Engel Unserer Natur / Better Angels
Episode 13 – Die Mahd / Beside The Dying Fire

Vorwort: Kaum eine andere TV-Serie der Neuzeit wird derzeit so heiss diskutiert und auch hochgelobt wie THE WALKING DEAD. In den USA erzielte sie teils überirdische Zuschauerzahlen, zumindest für die sonst üblichen Quotenverhältnisse – weshalb auch nach wie vor weiter an der Serie gewerkelt wird. Zur Zeit (Ende Januar 2012) ist nach der 7ten Folge der zweiten Staffel erst einmal Schluss mit der Zombie-Hatz – jedoch wird es nicht lange dauern bis die nächste Folge in den USA und bald darauf auch im deutschen Bezahlfernsehen ausgestrahlt werden wird. Aber, wird der Inhalt überhaupt den für die Macher sicher zufriedenstellenden Quoten gerecht ? Dies ist einer der Gründe, warum man sich nun auch hier auf Oliverdsw.Wordpress an ein Serien-Review wagen wird. Ein anderer liegt in der Hoffnung begründet, dass endlich einmal wieder eine gute TV-Serie (als Vorlage diente übrigens ein Comic) ihren Weg auf die heimischen Flimmerkisten findet – bei all den unsäglichen Comedy-Sitcoms und gescheiterten Sci-Fi Projekten a’la STARGATE UNIVERSE oder V DIE BESUCHER käme ein wenig qualitative Abwechslung gerade richtig.

Inhalt: Die Handlung von THE WALKING DEAD ist eine für Medien aus dem Zombie / ‚Apokalypse‘-Bereich recht typische – es geht darum, wie eine kleinere Gruppe von Überlebenden durch das nunmehr von Untoten bevölkerte Amerikanische Ödland zieht und versucht, eine Erklärung für die Katastrophe zu finden. Oder, im besten Fall: eine Art von Heilmittel, welches die weitere Ausbreitung der gefährlichen Seuche eindämmen könnte. Doch bevor es dazu kommt – oder auch nicht – gilt es in erster Linie darum, überhaupt am Leben zu bleiben. Auf dieser Reise ins Ungewisse bereisen die Überlebenden mehrere kleine Stationen, und versuchen ihren Alltag so erträglich wie möglich zu gestalten. Ihre Aufgaben liegen in der Nahrungs- und Medikamentenbeschaffung, der Instandhaltung des verbleibenden Equipments und der wenigen Waffen, der Abwehr der Horden von Untoten – aber auch in der Bewältigung ganz normaler zwischenmenschlicher Probleme. Der heimliche Anführer der Gruppe ist der ehemalige Polizist Rick Grimes, der noch vor dem tatsächlichen Ausbruch der Seuche in ein Koma gefallen war und somit völlig überraschend auf die neue apokalyptische Situation trifft.

Kritik: Was sich in erster Linie stark nach einem Standard-Storyrepertoire anhört, entpuppt sich alsbald (das heisst, nach etwa 2 bis 3 Folgen) als gut in Szene gesetztes Zombie-Endzeitszenario voller Gefahren und neuer Entdeckungen – sowohl für die Charaktere, als auch für den Zuschauer selbst. In THE WALKING DEAD geht es nämlich nicht nur um das nackte Überleben – sondern sinnbildlich auch um das ‚Vorankommen‘ in der post-apokalyptischen Welt. Der Motor für dieses spezielle Gefühl, als Zuschauer immer ‚mehr‘ wissen zu wollen; liegt in erster Linie in den selbst auferlegten Aufgaben der Charaktere – so haben sie zumeist ein gemeinsames (geografisches) Ziel vor Augen, welches es zu erreichen gilt. Als ‚Belohnung‘ all der Strapazen winkt quasi eine Aufklärung aller Umstände, die zur Zombie-Katastrophe geführt haben – aber möglicherweise auch eine Art Heilmittel. Je weiter die Gruppe der Überlebenden aber vorankommt, desto mehr Verluste gibt es zu verzeichnen – und desto hoffnungsloser erscheinen ihre Chancen. Damit die Gruppe aber nicht ‚zu schnell‘ an ein potentielles Ziel kommt, welches auch das entsprechende Ende der Serie bedeuten könnte – fokussieren sich die Macher im weiteren Verlauf der Episoden auch auf allgemeine, zwischenmenschliche Probleme; und erschaffen den Charakteren temporäre Inseln, auf denen sie sich stets für eine gewisse Zeit in Sicherheit wiegen können. Diese Balance aus reißerischer Zombie-Action und eher ruhigen, dramatischen Momenten gelingt den Machern überaus gut – und ist gleichzeitig eines der besonderen Alleinstellungsmerkmale der Serie.

Allerdings wirkt die jeweilige ‚Dosierung‘ der Elemente nicht immer perfekt ausbalanciert: gerade in der zweiten Staffel schleicht sich einstweilen etwas Leerlauf ein, die zwischenmenschlichen Aspekte der Gruppe stehen oftmals klar im Vordergrund – was an sich nicht negativ zu beurteilen ist. Aber: nachdem man sich bereits an das nunmehr etwas ruhigere Erzähltempo gewöhnt hat, kommt einstweilen zu wahrhaften ‚Ausbrüchen‘: da wird dann schon mal ein Untoter aus einem Brunnen herausgeholt und fachgerecht ‚zerlegt‘ (wenn auch unfreiwillig), dass es die Splatter-Herzen unter den Zuschauern nur so freut – nachdem es für diese Zielgruppe in gefühlten 4 Episoden davor kaum explizites ‚Futter‘ gab. Das ist natürlich eklig anzusehen – aber auch diese Eindrücke gehören zur Essenz von THE WALKING DEAD. Da scheint es nur etwas verwunderlich, warum diese im weiteren Verlauf der Serie immer mehr zurückgefahren, und nur noch vereinzelt präsentiert werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Macher zum Ende der zweiten Staffel / in der dritten Staffel wieder eine ausgewogenere Balance aus zwischenmenschlicher Dramatik und unterhaltsamer (allerdings nicht niveauloser) Action finden werden. Denn in dieser Hinsicht hat die erste Staffel klar die Nase vorn – während die zweite mit einem noch stärkeren Beginn überzeugte (die Autowrack-Szene – eine der bisher spannendsten), planten die Macher eine erhebliche Anzahl von Episoden ein, die sich auf einem stark begrenzten Schauplatz abspielen sollten.

In der Tat – die Rede ist von der gute alten Farm der ‚Fremden‘, leicht christlich angehauchten Gläubigen; die letztendlich zum Aushängeschild Nummer 1 für die zweite Staffel hochstilisiert wird. Dies mag im Sinne der eigens erschaffenen ‚Charakter-Oasen‘ (zur Entstehung zwischenmenschlicher Dramatik) nur gut und dienlich sein, nach all den Strapazen der vorherigen Reise und den oftmals lebensgefährlichen Situationen aber wirkt es stellenweise wie ein kleiner Rückschritt in der Dramaturgie. Ebenfalls in diesem Zusammenhang zu nennen ist das Verschwinden eines kleinen Mädchens aus der Gruppe, welches; gelinde gesagt – ebenfalls enorm überstrapaziert und über mehrere Folgen (tatsächlich sogar 7) behandelt wird – nur, um in einer ohnehin schon voraussehbaren Auflösung zu enden. Auf der anderen Seite gibt es wiederum reichlich starke Momente, wie die Verletzung Carl’s nachdem er versehentlich angeschossen wurde – hier stimmt wieder alles, auch der zeitliche Rahmen (Inanspruchnahme der Gesamtspieldauer) erscheint ausgewogen und nachvollziehbar. Ebenfalls äußerst stark, und in diesem Zusammenhang sehr wichtig: die Entwicklungen der einzelnen Charaktere, sowie die Präsentation ihrer jeweiligen Stärken, Schwächen und Motivationen. Hier gilt es – wie im wahren Leben – unendliche viele Höhen und Tiefen durchzustehen. Oftmals stehen Personen am Rande der Verzweiflung, scheinen plötzlich bereit über Leichen zu gehen (nein, nicht nur Zombie-Leichen) – endlich kann einmal wieder so etwas wie Empathie für Seriencharaktere entstehen, welche sonst oftmals nur Filmcharakteren (leider – dabei hat man viel mehr Zeit) vorbehalten ist.

Stichwort Charakterporträts – hierin liegen auch die ersten klaren Stärken von THE WALKING DEAD. Ein jeder bekommt das größtmögliche Maß an Aufmerksamkeit, die Serie belässt es nicht – wie sonst des öfteren üblich – bei 3-4 Hauptcharakteren. Natürlich gibt es auch solche, von denen der erste und offensichtlichste der Polizist Rick ist – doch gerade im späteren Verlauf hat man als Zuschauer das Gefühl, als ginge es um die Gruppe, die Überlebenden in der Gesamtheit. Das ist, selbst bei einem Endzeit-Szenario wie diesem, keine Selbstverständlichkeit – wie oft hat man in Filmen oder Serien dieser Facón eine Art ‚Retter‘ präsentiert bekommen, dessen Überleben automatisch auf eine höhere Wichtigkeitsstufe gestellt wurde als das der anderen ? So macht THE WALKING DEAD in dieser Hinsicht schon einmal nichts falsch – man bekommt ein gutes Bild von der ‚Gruppe‘ und ihrer Dynamik, erfährt aber auch kontinuierlich unterhaltsame Nebengeschichten der verschiedenen Einzel-Charaktere. So gibt es auch einige Nebencharaktere, die gleich den Reiz einer gesamten Folge ausmachen (wie zum Finale der ersten Staffel) – und den Zuschauer abermals in die Position des nach ‚mehr‘ gierenden TV-Serien-Konsumenten bringen. Zwar bleiben wahre Überraschungen, bis auf ein paar Erklärungen zur Funktionsweise der ‚Seuche‘, aus – doch eventuell hält man sich die noch für einen späteren Zeitpunkt bereit. Zu wünschen wäre es !

Und wie sieht es mit der technischen Inszenierung und dem Aufwand aus ? Glücklicherweise durchweg positiv – für TV-Serien-Verhältnisse sieht THE WALKING DEAD überraschend gut (und stimmig) aus, die allgemeinen Farben und Wahl der Schauplätze sind der Etablierung einer Weltuntergangstimmung mehr als dienlich. Auch scheint es, als hätten die Macher durchaus Wert darauf gelegt, eine insgesamt glaubwürdige Welt zu kreieren – in der es hinter der nächsten Kreuzung nicht schon wieder nach ‚heile Welt‘ aussieht, sondern die durchgängig von der Katastrophe beeinflusst wird. Ebenfalls bemerkenswert ist die Arbeit der Masken- und Kostümbildner, hier wurde an das ‚große Ganze‘, aber auch an jede Kleinigkeit gedacht. Das ‚große Ganze‘ bezieht sich vor allem auf den Look der Untoten – welcher wunderbar schaurig daherkommt und geradezu ‚echt‘ wirkt. Die kleinen aber feinen Details finden sich in Szenen, in denen die Charaktere mal Schweiß auf der Stirn, mal Dreck im Gesicht (oder auf der Kleidung) haben; oder generell zwischen Zuständen der Schwachheit (und Krankheit) und körperlicher Fitness schwanken. Nicht wirklich zu bewerten ist die Leistung der (deutschen) Synchronsprecher, die aber insgesamt als gelungen bezeichnet werden kann. So richtig ‚künstlich‘ wird es hier nur, wenn die (wenigen) Kinderdarsteller zu Wort kommen – ein bekanntes Phänomen bei der Synchronisation von vor-pubertären Jungen oder Mädchen.

Fazit: THE WALKING DEAD beginnt als sehr starke US-Zombie-Endzeitserie, die vor allem durch ihr hoffnungsloses Szenario und die starken, größtenteils glaubwürdigen Charakterporträts begeistern kann. Einen besonderen Reiz macht auch die Tatsache aus, dass die Gruppe der Überlebenden vor allem zu Beginn ständig in Bewegung ist, und sich auf der Suche nach dem ‚rettenden Strohhalm‘ so mancher Herausforderung stellen muss. So wird der Zuschauer geschickt mit in eine Welt voller Gefahren und Grausamkeiten; aber folglich auch Abenteuern und unbekannten Elementen genommen. Und genau das macht eine gute Serie – unter anderem – aus, man sollte niemals in der Lage sein mehr als 1 oder 2 Episoden in die ‚Zukunft‘ blicken zu können. Doch nicht nur die erste Staffel ist stark, auch die zweite vermag das spannungsgeladene und absolut fesselnde Niveau anfangs noch zu halten. Und das trotz eingeschränkter Schauplatzwahl und entsprechend eingeschränkter Handlungsfreiheit – schließlich spielt sich hier ein Großteil der Ereignisse auf einer (relativ sicher gelegenen) Farm ab.

Allerdings ist gegen Mitte / Ende der zweiten Staffel ein mitunter deutlicher Qualitätsabfall festzustellen. Warum sich die Macher derart lange mit den Ereignissen auf der Farm beschäftigen, und damit die Handlung der Serie künstlich strecken, bleibt fraglich. Schließlich verbringt man so satte 10 Folgen der zweiten Staffel (immerhin etwa 400 Minuten Laufzeit) auf der anfangs noch sicheren Farm, um erst in den letzten 3 Episoden der zweiten Staffel wieder etwas frischen Wind in die Szenerie zu bringen. Das kommt auffällig spät, und führt so automatisch zu einigen zwischenzeitlichen Durststrecken – trotz der relativ stilsicheren Inszenierung der Drama-Aspekte. Denn wer hat schon geglaubt, die Gruppe würde auf dieser Farm tatsächlich ‚angekommen‘ sein ? Gerade in der Bewegung / der Dy<Dynamik liegt doch die Stärke von THE WALKING DEAD, so dass es ein wahres Wohlgefühl ist, wenn es gegen Ende der zweiten Staffel wieder etwas temporeicher und inhaltlich aufregender vonstatten geht. Und, selbstverständlich, der ein oder andere sagenhafte Cliffhanger in Bezug auf die dritte Staffel präsentiert wird.

Es ist den Machern daher nur zu wünschen, dass sie zu einer ‚alten Stärke‘ wie zu Beginn der ersten Staffel zurückfinden, und sich nicht in eher uninteressanten Nebenhandlungen verstricken werden. Was THE WALKING DEAD nun braucht sind wirklich greifbare Innovationen (die wird es allem Anschein nach tatsächlich geben), noch mehr spannungsmachende Elemente (Zombie-Hatz, Zombie-Verteidigung, Zombie-Erforschung) und ein mitreissender ‚Drive‘, der den Zuschauer weiterhin bei Laune hält und die Serie nicht zu einem Bollwerk von allerlei ‚Belanglosigkeiten‘ (verhältnismäßig) werden lässt – wie in der Mitte der zweiten Staffel. Wenn die Macher das Anfangs etablierte Niveau halten wollen, ist ihnen also noch ein Fünkchen mehr Kreativität zu wünschen, sodass sich der Zuschauer mit noch mehr wirklichen Überraschungen / Twists / Enthüllungen konfrontiert seht. Noch einmal alle Positiv- und Negativaspekte von WALKING DEAD in der Übersicht:

+ Unterhaltsame, gnadenlos spannende Zombie-Hatz
+ Starke, vielschichtige und abwechslungsreiche Charakterporträts
+ Gute Darstellerleistungen
+ Ansprechende Ausgewogenheit von Action-Anteilen und Drama-Aspekten
+ Wenn, dann wenig zimperliche Gewaltdarstellungen
+ Stilsichere Optik (Intro-Gestaltung, Farben, Kontraste, Schnitte, Kamera)
+ Abwechslungsreiche Schauplätze (menschenleere Stadtteile, Wälder, Höfe, Gebäude)
+ Gute Statisten, gute Kostüme (Zombie-Darsteller, Zombie-Design, Details)

– Nicht durchgängig innovativ / mit Überraschungen gespickt (z.B. gegen Mitte der zweiten Staffel)
– ‚Größerer Kontext‘ fehlt (z.B. Chronik der Epidemie, Bezug auf die Regierung, das Militär, andere Überlebende)
– Gravierende Logikfehler (z.B. in Bezug auf die ‚Zombies‘, die ‚Infizierung‘)
– Vereinzelte Charaktere / Rollen verhältnismäßig bedeutungslos (z.B. T-Dog, teilweise Carl)
– Unglaubwürdiges Verhalten der Charaktere (z.B. in lebensgefährlichen Situationen)

Alles in allem – eine absolute Empfehlung ! THE WALKING DEAD ist eine starke Zombie-Serie mit deutlichem Drama-Touch, die jeden Zuschauer bei Laune halten und an den Fernsehsessel fesseln wird. Einige Schwächen gilt es noch auszumerzen – dann darf die dritte Staffel gerne kommen. Ein Review folgt dann ggf. in einem separaten Beitrag.


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„Ein frischer Wind im Zombie-Genre.“