Metal-CD-Review: POWERWOLF – The Sacrement Of Sin (2018)

Alben-Titel: The Sacrament Of Sin
Künstler / Band: Powerwolf (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Juli 2018
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Charles Greywolf – Bass, Guitars
Matthew Greywolf – Guitars
Falk Maria Schlegel – Keyboards
Attila Dorn – Vocals
Roel van Helden – Drums

Track-Liste:

1. Fire & Forgive (04:30)
2. Demons Are a Girl’s Best Friend (03:38)
3. Killers with the Cross (04:09)
4. Incense and Iron (03:57)
5. Where the Wild Wolves Have Gone (04:13)
6. Stossgebet (03:53)
7. Nightside of Siberia (03:53)
8. The Sacrament of Sin (03:26)
9. Venom of Venus (03:28)
10. Nighttime Rebel (04:03)
11. Fist by Fist (Sacralize or Strike) (03:32)

Und ab mit Dir ins Stossgebet.

Ja, sie heulen wieder – die Wölfe oder eher die nicht minder blutrünstigen Musiker von POWERWOLF, die mit THE SACRAMENT OF SIN ihr mittlerweile siebtes offizielles Studioalbum vorlegen. Ein Album, das einer zugegebenermaßen ebenso hochkarätigen wie höchst interessanten Diskografie entspringt – die mit RETURN IN BLOODRED (siehe Review) vor gut 13 Jahren ihren vielversprechenden Anfang nahm. Eines muss man POWERWOLF dabei in jedem Falle zugute halten, und das ganz unabhängig davon ob man sie respektive ihre Musik schätzt oder nicht: die Jungs um den stimmgewaltigen Frontmann Attila Dorn sind sich selbst beziehungsweise ihrer Musik stets treu geblieben, und haben sich dementsprechend auch noch nie großartig von anderen in ihr Schaffen hineinreden lassen. Dass POWERWOLF seit ihrem PREACHERS OF THE NIGHT (Review) beim großen Label Napalm Records unter Vertrag stehen, tat dem ebenso qualitativen wie unverkennbaren Soundoutput der Band ebenfalls keinen Abbruch – vielmehr führte es zu einer noch größeren Fangemeinde, die die Wölfe auch bei ihren ebenfalls nicht zu verachtenden Live-Auftritten stets tatkräftig unterstützen.

Natürlich stellt sich gerade bei einer Band wie POWERWOLF – oder auch einer verdammt starken, aber eben auch nicht allzu variablen Diskografie wie der vorliegenden – die Frage, inwiefern die Band das bisher erreichte beziehungsweise das in Tonträgern gemeißelte Material noch toppen könnte. Wie sich wieder einmal zeigt, fällt die Antwort in Form des vorliegenden THE SACRAMENT OF SIN eher simpel aus: POWERWOLF brauchen nicht viel, und schon gar nicht viel neues um die hiesige Gemeinde zu überzeugen respektive zum wiederholten Male ein echtes Brett vorzulegen. Es genügt das hauptsächliche musikalische Konzept, dass offenbar noch lange davor gefeit ist sich abzunutzen – und selbstverständlich auch die erschreckenderweise immer weiter wachsende Fähigkeit der Band, durch ein möglichst effektives Songwriting Massen zu bewegen. Dass das Ganze dabei noch immer so gut klingt – und THE SACRAMENT OF SIN eben keine bloße Wiederholung der vorangegangenen Stimmungen der bisherigen POWERWOLF-Alben ist  – markiert eine der größeren Überraschungen an und auf dem neuen Album, dass sich von seiner Atmosphäre und Wirkungskraft nicht vor dem bereits großartigen BLESSED & POSSESSED (Review) aus dem Jahre 2015 verstecken muss. Eher im Gegenteil…

Anders gesagt: wie man es auch dreht und wendet, POWERWOLF sind stets für eine Überraschung gut. Und das weniger in Bezug auf die Gestaltung und Inhalte der einzelnen Titel – als vielmehr die Tatsache, dass sie so verdammt gut funktionieren. Denn: sei es ein Brecher wie FIRE & FORGIVE (der als Opener die Marschrichtung vorgibt und passenderweise auch als Videosingle ausgekoppelt wurde), eine melodische und fast schon automatisch kultige Hymne wie KILLERS WITH THE CROSS, ein sich ganz in der Tradition von Titeln wie KREUZFEUER bewegender deutschsprachiger Einschub in Form des mächtigen und wie nicht selten zweideutigen STOSSGEBET oder ein Paukenschlag von der Kraft eines VENOM OF VENUS – langweilig wird es auf einem Album wie diesem wahrlich nicht. Und das auch oder gerade weil sich POWERWOLF gefühlt niemals zurückhalten und stets aus dem absoluten (musikalischen) Vollen schöpfen, auch oder gerade in Bezug auf die Soli – was dank der enorm ausgewogenen und druckvollen Produktion für einen perfekten Klangtransport in die in diesem Falle verwöhnten Gehörgänge sorgt.

Neben dem für die Band typischen, man könnte ihn als kirchlich-sakral angehauchten Sound mit einer etwas anderen inhaltlichen Auslegung und einer großzügigen orchestralen Komponente bezeichnen; steht dabei natürlich insbesondere Leadsänger Attila Dorn an der vordersten Front im Sinne des großen Wiedererkennungswertes der Band – wobei gerade der einen derart überzeugenden (und vor allem prägnanten) Job macht, dass es eine wahre Freude ist. Tatsächlich fällt es schwer, dem Album überhaupt irgendetwas anzulasten – denn selbst die bei den ersten Durchgängen noch nicht ganz so unmittelbar zündenden Nummern wie DEMONS ARE A GIRL’S BEST FRIEND oder die explizite Ballade WHERE THE WILD WOLVES HAVE GONE erweisen sich als überaus angenehm. Vor allem natürlich, wenn es um die (vielleicht nicht ganz unwichtigen) Ruhepole des Albums geht. Die Tatsache oder zumindest die nicht gänzlich von der Hand zu weisende Feststellung, dass sich auf THE SACRAMENT OF SIN einige Parallelen zu den Kollegen von SABATON ergeben (Beispiel: INCENSE AND IRON), ist indes kaum als Negativkriterium zu werten – zumal es sich im Rahmen hält, und rein gar nichts an der immensen Wirkungskraft des Albums ändert. Es bleibt zu sagen: mit ihrem neuen Album haben POWERWOLF wieder einmal für einen absoluten Pflichtkauf gesorgt, und nebenbei einen der heißesten Anwärter auf den Genre-Thron des Jahres 2018 abgeliefert. Wer hier nicht zuschlägt, ist selber Schuld.

Absolute Anspieltipps: FIRE & FORGIVE, KILLERS WITH THE CROSS, STOSSGEBET, VENOM OF VENUS, FIST BY FIST


„Das grenzt doch glatt an Hexerei.“

Metal-CD-Review: POWERWOLF – Lupus Dei (2007)

powerwolf-lupus-dei_500

Alben-Titel: Lupus Dei
Künstler / Band: Powerwolf (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Mai 2007
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Attila Dorn – Vocals
Matthew Greywolf – Guitars
Charles Greywolf – Bass, Guitars
Falk Maria Schlegel – Organ
Stéfane Funèbre – Drums

Track-Liste:

1. Lupus Daemonis (Intro) (01:17)
2. We Take It from the Living (04:04)
3. Prayer in the Dark (04:20)
4. Saturday Satan (05:18)
5. In Blood We Trust (03:03)
6. Behind the Leathermask (04:35)
7. Vampires Don’t Die (03:09)
8. When the Moon Shines Red (04:25)
9. Mother Mary Is a Bird of Prey (03:16)
10. Tiger of Sabrod (03:53)
11. Lupus Dei (06:08)

Eindeutig auf dem Weg nach oben.

Während das POWERWOLF-Debütalbum RETURN IN BLOODRED (Review) noch ein ungewöhnlich lockeres, beschwingt-rockiges und immerhin ansatzweise aus der Genre-Masse herausragendes war; ist der wahre Grundstein für das spätere Werk der Wölfe vornehmlich auf LUPUS DEI zu suchen und zu finden. Der Grund dafür könnte schlichter nicht ausfallen: es scheint, als hätten POWREWOLF vehement weiter an den schon auf dem Debütalbum gebotenen Ansätzen gefeilt, sie gewissermaßen perfektioniert – und so einen höchst eigenständigen, frischen Genre-Sound kreiert. Einen, dem man die markante Gegenüberstellung von eher düster-diabolischen Elementen auf der einen; sowie einem launigen Hymnen-FAktor auf der anderen Seite erstmals deutlich anhört. Doch nicht nur das eigentliche  musikalsiche und lyrische Konzept scheint hier vollends aufzugehen – auch in Bezug auf die Darbietungen der einzelnen Mitglieder hatte sich einiges getan. So agiert hier speziell Leadsänger Attila Dorn weitaus kräftiger, variabler und einladender als zuvor respektive auf RETURN IN BLOODRED – wofür ein Titel wie WHEN THE MOON SHINES RED eindrucksvoll Pate steht.

Auch der Sound der Gitarren ist schroffer und markanter geworden, analog zu einem allgemein energetischeren Eindruck. Als besonderes Schmankerl stellen sich dann die neuen Raffinessen hinsichtlich der Keyboard-Unterstüzung und der Chor-Elemente heraus: Nummern wie das mächtige IN BLOOD WE TRUST, das epische BEHIND THE LEATHERMASK oder das extrem flotte VAMPIRES DONT DIE sind schlicht ein musikalischer Hochgenuss. Spätetens im Rausschmeißer und titeltrack LUPUS DEI zieht Attila Dorn noch einmal alle Register, und überzeugt mit einer ganz und gar hypnotischen Performance. Diese eingängige, gar verschwörerische Gesamtwirkung sorgt dafür dass viele der Titel direkt ins Ohr gehen – wobei es sich POWERWOLF aber auch nicht zu einfach machen und immer wieder für die nötige Abwechslung sorgen. Einige Nummern erinnern noch dezent an das Vorgängeralbum, wirken aber weitaus prägnanter isnzeniert und stellen sich gerade deshalb als sinnige Weiterentwicklung dar. Dass das tempo im allgemeinen wesentlich flotter und mitreißender erscheint, ist dann ebenfalls nur gutzuheißen – dank der guten Produktion entfaltenen aber so gut wie alle Nummern ihr volles Potential.

Absolute Anspieltipps: IN BLOOD WE TRUST, BEHIND THE LEATHERMASK, WHEN THE MOON SHINES RED, LUPUS DEI


95button

„Ein Meilenstein der Metal-Geschichte.“

Metal-CD-Review: POWERWOLF – Return In Bloodred (2005)

powerwolf-return-in-bloodred_500

Alben-Titel: Return In Bloodred
Künstler / Band: Powerwolf (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. April 2005
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Attila Dorn – Vocals
Matthew Greywolf – Guitars
Charles Greywolf – Bass, Guitars
Falk Maria Schlegel – Organ

Track-Liste:

1. Mr. Sinister (04:39)
2. We Came to Take Your Souls (04:01)
3. Kiss of the Cobra King (04:32)
4. Black Mass Hysteria (04:12)
5. Demons & Diamonds (03:39)
6. Montecore (05:19)
7. The Evil Made Me Do It (03:39)
8. Lucifer in Starlight (04:50)
9. Son of the Morning Star (05:12)

Wehret den Anfängen.

Auch die nunmehr überaus bekannten und erfolgreichen deutschen Power Metaller von POWERWOLF haben einmal klein angefangen. Ihr Debütalbum RETURN IN BLOODRED erschien relativ bald nach der eigentlichen Bandgründung, nämlich 2005 – und gewährte den Hörern erstmals einen Einblick in die musikalischen Welten der Wölfe aus Saarbrücken. Interessant ist, dass das Lineup exakt dasselbe war wie heutzutage – mit einer einzigen Ausnahme in Bezug auf den Drummer-Posten. Dabei haben POWERWOLF schon früh begonnen, ihren ganz eigenen Sound zu kreieren respektive sich auf ein besonderes Konzept festzulegen: einer Mischung aus auf den ersten Blick eher düsteren Elementen und einem vergleichsweise hohen Spaßfaktor. Das ist bereits dem Debütalbum RETURN IN BLOODRED anzumerken, dass sich wie alle POWERWOLF-Alben mit Themen aus dem Bereich der Religion, dunklen Mythen und selbstverständlich auch Werwölfen auseinandersetzt.

Doch wirklich düster oder gar diabolisch ist das Album keineswegs – stattdessen entfaltet es einen eher luftig-lockeren, rockigen Charme mit einem deutlich hörbaren Hang zur NWOBHM-Szene der 80er Jahre. Entsprechend eingängig sind auch die Refrains, entsprechend Party-tauglich ein Großteil der Nummern – die lediglich ein Problem haben. Letztendlich ist dieses wohl darauf zurückzuführen, dass sich POWERWOLF zunächst finden mussten und erst auf ihren späteren Alben explizit an ihren Alleinstellungsmerkmalen gearbeitet haben. RETURN IN BLOODRED dagegen klingt vergleichsweise ursprünglich und kommt gänzlich ohne markante Höhen und Tiefen aus – präsentiert aber immerhin schon erfrischende Ansätze bezüglich des durchaus originellen Keyboard-Sounds und der stimmlichen Bandbreite von Leadsänger respektive POWERWOLF-Galionsfigur Attila Dorn. Schade ist nur, dass man hie und da das Gefühl hat als würde es am nötigen Extra-Quäntchen Power fehlen – sodass sich speziell Nummern wie KISS OF THE COBRA in die Länge ziehen können.

Geben sich POWERWOLF dann etwas kräftiger, steigt auch der Unterhaltungsfaktor: THE EVIL MADE ME DO IT oder LUCIFER IN STARLIGHT glänzen im späteren Alben-Verlauf, während der Rausschmeißer SON OF THE MORNING STAR als etwas anderes, experimentelles und zutiefst atmosphärisches Outro brilliert. Hinsichtlich der Produktion gab man sich dann ebenfalls keine Blöße – das Album klingt schön druckvoll und rund, wobei speziell das schroffe Riffing perfekt zur Geltung kommt. Letztendlich hätten POWERWOLF schon auf ihrem Debüt mehr Mut zum neuen, zum ungewöhnlichen und wie ihre späteren Releases zeigen fast schon kultigen beweisen können – doch man kann eben nicht alles haben. Es bleibt bei einem höchst soliden Metal-Album mit dezentem Retro-Touch, einer hervorragenden Produktion, noch nicht ganz ausgeprägten Alleinstellungsmerkmalen und einer handvoll ausgezeichneter Titel.

Absolute Anspieltipps: WE CAME TO TAKE YOUR SOULS, THE EVIL MADE ME DO IT, LUCIFER IN STARLIGHT, SON OF THE MORNING STAR


60button

„Ein rundum solides, aufregendes; aber eben auch dezent gleichförmiges Debütalbum – welches massig Potential aufzeigt, dieses aber nicht vollständig ausnutzt.“

Metal-CD-Review: POWERWOLF – Blessed & Possessed (2015)

powerwolf_blessed_possessed_500

Alben-Titel: Blessed & Possessed
Künstler / Band: Powerwolf (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. Juli 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Charles Greywolf – Bass, Guitars
Matthew Greywolf – Guitars
Falk Maria Schlegel – Keyboards
Attila Dorn – Vocals
Roel van Helden – Drums

Track-Liste:

1. Blessed & Possessed (04:42)
2. Dead Until Dark (03:50)
3. Army of the Night (03:23)
4. Armata Strigoi (03:59)
5. We Are the Wild (03:41)
6. Higher than Heaven (03:31)
7. Christ & Combat (03:40)
8. Sanctus Dominus (03:23)
9. Sacramental Sister (04:37)
10. All You Can Bleed (03:44)
11. Let There Be Night (07:20)

Die Wölfe heulen wieder.

Gut 2 Jahre nach dem schmackigen PREACHERS OF THE NIGHT (Review) geht erneut ein markantes Wolfsgeheul durchs Land – und sicherlich auch die Charts. POWERWOLF sind zurück, und haben mit ihrem neuen Langspieler BLESSED & POSSESSED wieder einiges hinsichtlich eines unverwechselbaren, enorm Hymnen-lastigen Power Metals zu bieten.

Dabei berufen sich POWERWOLF vor allem auf ihre bereits reichlich zur Schau gestellten Fertigkeiten – die sich natürlich auch musikalisch greifen lassen; wohl aber am besten an der einzigartigen Position der Band festzumachen sind. Denn was ALESTORM für den sogenannten Pirate Metal sind, sind POWERWOLF als regelrechte Wolfsjünger für die internationale Power Metal-Szene – die mit ihrer speziellen Spielart zunächst nur eine Nische bedient haben; dann aber plötzlich senkrecht durchgestartet sind. Wohl auch, da die einzelnen Bandmitglieder das was sie machen geradezu zu leben scheinen, ihren Fans stets treu geblieben sind – und das Marketing es auf den Punkt trifft. So werden POWERWOLF auch in Zukunft keine Probleme haben, eine gewisse Hörerschaft zu erreichen – momentan scheint die Breite derselben sogar jeden bisher erdenklichen Rahmen zu sprengen. Die Band ist in aller Munde – und auch das neue Album BLESSED & POSSESSED hat beste Voraussetzungen zu einem Kassenschlager zu werden. Allerdings ganz ohne, und das ist das besondere; dass man einen wie auch immer gearteten Ausverkauf oder eine fehlgeleitete Kommerzialisierung vermuten müsste. POWERWOLF sind eben POWERWOLF – und machen schlicht das, was sie lieben. Dass sich das auch noch gut verkauft, ist natürlich ein netter Effekt.

Im Vordergrund sollte aber weiterhin die Musik selbst stehen – über die sich bekanntlich wie immer streiten lässt. Und wenn einige tatsächlich den Verdacht haben, dass sich POWERWOLF etwas zu glattgeschliffen und prätentiös geben, dann ist das so hinzunehmen. Teilweise mag es sogar stimmen, denn BLESSED & POSSESSED ist alles – nur kein aufregendes Überraschungspaket. Speziell, wenn man bereits einige der Vorgängeralben besitzt; kann einen das hier präsentierte Material zumindest nicht mehr hinsichtlich des Überraschungseffekts vom Hocker reißen. Die typischen POWERWOLF-Trademarks sind schließlich nach wie vor vertreten, und das nicht zu knapp. Seien es die immer wieder zum Einsatz kommenden Orgel-Klänge, die gleichermaßen sakral wie dämonisch angehauchten Texte inklusive einiger hervorstechender Schlagwörter (wie oft ein Sanctus oder Christus in den Texten vorkommt, ist gar nicht mehr zu zählen), die typisch flotte Instrumentierung oder der gesangsstarke Frontmann Attila Dorn als Prediger dem man nur allzu gerne lauscht – BLESSED & POSSESSED ist einwandfrei als POWERWOLF-Album durch und durch zu identifizieren.

Das macht indes nichts, beziehungsweise ist von vielen auch genau so gewollt – wobei der ausschlaggebende Effekt ohnehin nicht mehr im Überraschungsfaktor oder der Erwartung besonders innovativer Elemente zu suchen ist. Wobei das Stichwort der Überraschung doch nicht ganz außen vor zu lassen ist – nur, dass die Aufregung auf einer anderen Ebenen entsteht. So weiß man als Hörer zwar in etwa, was einen auf BLESSED & POSSESSED erwarten wird – nicht jedoch, dass die einzelnen Titel trotz ganz ähnlicher Zutaten wie bei den Vorgängeralben noch einmal ein stückweit aussagekräftiger geworden sind. Wie POWERWOLF das schaffen, ist die wirklich große Frage. Anderen Bands gelingt es schließlich nicht oder zumindest nicht so lange, ein Konzept auf einem derart hohen Niveau umzusetzen, ohne groß von der einst eingeschlagenen Route abzuweichen.

Fakt ist, dass BLESSED  & POSSESSED vor Hymnen strotzt, die sofort ins Ohr gehen – sich aber dennoch nicht allzu plump anhören und tatsächlich eine gewisse Tiefe entwickeln. Und das sogar noch ein stückweit mehr als auf den Vorgängeralben. Sei es aufgrund des Gesamtkonzeptes, der Mischung aus absolut Party-tauglichen, dabei aber stets etwas düsteren und mysteriösen Atmosphäre oder schlicht aufgrund der perfekten handwerklichen Umsetzung – was es auch ist, POWERWOLF haben wieder einmal ins schwarze getroffen. Demnach wird man auf dem Album auch keinen Lücken-Füller finden, sondern nur aneinandergereihte Gassenhauer – die eigentlich immer Laune machen.

An sich entspräche das in etwa dem Urteil, das auch das Vorgängeralbum erhielt – mit zwei kleinen aber feinen Unterschieden. Denn wie gesagt klingen die Nummern auf BLESSED & POSSESSED noch etwas ausgefeilter als auf den Vorgängern – und, dass ist nicht zu verhehlen; es finden sich auch noch eine handvoll Über-Titel. Während der Alben-Auftakt also gleichermaßen POWERWOLF-typisch wie stark ausfällt, gewinnt das Album gegen Mitte noch einmal ordentlich an Durchschlagskraft – mit Nummern wie dem wuchtigen HIGHER THAN HEAVEN und dem furiosen CHRIST AND COMBAT.

Wie man es auch dreht und wendet, am neuen POWERWOLF-Album gibt es kaum etwas auszusetzen. Der einzige Grund das Album zu vernachlässigen könnte schlicht darin zu finden sein, dass man des allgemeinen POWERWOLF-Sounds überdrüssig ist – denn etwas gänzlich neues wird einem gerade mit einem Blick auf die Vorgänger nicht geboten. Wer aber genau das ohnehin nicht will, und weiterhin erleben möchte wie POWERWOLF voller Herzblut eine ganz spezielle Power Metal-Sparte bedienen – der sollte respektive muss bei BLESSED & POSSESSED einfach zugreifen. Ob nun in der Standard-Edition oder der erweiterten – die auf einer zweiten CD noch eine großzügige handvoll Cover-Versionen markanter Klassiker von JUDAS PRIEST, SAVATAGE, RUNNING WILD und einigen mehr beinhaltet. Bleibt zu fragen: alles was in den Charts ist, ist belanglose Massenware ? Wohl kaum, POWERWOLF sei Dank.

Absolute Anspieltipps: ARMY OF THE NIGHT, ARMATA STRIGOI, HIGHER THAN HEAVEN, CHRIST AND COMBAT


90button

„Die Wölfe sind so wild wie eh und je – mindestens.“

Metal-CD-Review: POWERWOLF – Preachers Of The Night (2013)

powerwolf_preachers_500

Alben-Titel: Preachers Of The Night
Künstler / Band: Powerwolf (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Charles Greywolf – Bass
Matthew Greywolf – Gitarre
Falk-Maria Schlegel – Keyboard
Attila Dorn – Gesang
Roel van Helden – Schlagzeug

Track-Liste:

01. Amen & Attack
02. Secrets Of The Sacristy
03. Coleus Sanctus
04. Sacred & Wild
05. Kreuzfeuer
06. Cardinal Sin
07. In The Name Of God [Deus Vult]
08. Nochnoi Dozor
09. Lust For Blood
10. Extatum Et Oratum
11. Last Of The Living Dead


Power Metal als Religionsersatz.

POWERWOLF sind wohl eine der aufstrebendsten Metal-Combos aus deutschen Landen. Seit der Bandgründung im Jahre 2003 ging es für die Wölfe steil nach oben – die gut besuchten Konzerte und die immer größer werdende Fanbase sprechen für sich. Bisher brachte es die Band auf vier allgemein gut angenommene Studioalben, zwei kleinere EP’s und ein Live-Album – die allesamt dafür sorgten, dass POWERWOLF zum markanten Aushängeschild einer ganz bestimmten Unterart des Power Metal-Genres avancierten. Wie auch immer man die stets etwas mystisch angehauchte, von kirchlich-sakralen Klängen durchzogene Musik auch bezeichnen mag, sie geht schnell ins Ohr – und sorgt dafür, dass POWERWOLF hierzulande quasi ausser Konkurrenz werkeln können und sich markant von der Masse abheben. Nun, und im Jahre 2013; soll das Ganze mit dem mittlerweile fünften Silberling gekrönt werden – PREACHERS OF THE NIGHT.

Die Musik von POWERWOLF bleibt dabei auch auf dem neuen Album gleichermaßen speziell wie leicht zugänglich – was ebenfalls als Markenzeichen der Band zu betrachten ist. Das heißt im Detail, dass man so schnell keine geeignete Vergleichsband zur Hand haben wird – andererseits aber nicht befürchten muss, auf etwas zu ungewöhnliches / musikalisch sperriges zu treffen. Ganz im Gegenteil: POWERWOLF liefern seit jeher eingängige Mitsing-Hymnen ab, die bereits beim ersten Durchlauf zünden und schlicht wunderbar funktionieren. Bringt man eine gewisse Vorliebe für den Power Metal mit, hat man mit einem Album wie PREACHERS OF THE NIGHT daher schon so gut wie gewonnen. Das Album ist temporeich, energetisch, melodisch – und serviert als besondere Zugabe die seit jeher bei der Band etablierte kirchlich-mystische Stimmung, die hauptsächlich durch den markanten Keyboardeinsatz (der nicht selten an eine Orgel erinnert) und die lateinischen Textpassagen geschaffen wird. Zusätzlich steht mit Attila Dorn ein äußerst fähiger und ausdrucksstarker Mann am Mikrofon, dem seine klassische Gesangsausbildung absolut zugute kommt. Gerade durch seinen unverwechselbaren Gesang bekommen POWERWOLF eine weitere einzigartige Komponente, die perfekt mit den Instrumentalparts harmoniert. So wirken viele der POWERWOLF-Stücke wie bessere Predigten, deren Ausdrucksstärke man sich kaum entziehen kann – und die zudem noch verdammt unterhaltsam ausfallen.

POWERWOLF sind mit ihrem sakral angehauchten Power Metal also das, was SABATON für den sogenannten War-Metal sind – ein Aushängeschild, eine Genre-bezogene Galionsfigur. Eine, die vor allem auch handwerklich und produktionstechnisch längst über alle Zweifel erhaben ist, und sich wenn überhaupt andere Kritik gefallen lassen muss. Eben solche, die gleichzeitig auch genau das beschreibt; was die Band im Kern ausmacht. Will heißen: das Konzept ist gut und unterhaltsam, doch irgendwann einmal läuft alles Gefahr, überstrapaziert zu werden. Tatsächlich ist der Band mit PREACHERS OF THE NIGHT so gesehen kein wirklich großer Wurf gelungen – wer BIBLE OF THE BEAST und BLOOD OF THE SAINTS kennt, weiss exakt was ihn auf dem neuen Album erwarten wird. Innovationen gibt es keine, man hält am altbewährten Konzept fest – was zumindest momentan noch bestens funktioniert. Und so sollte man nicht zuviel (oder zuviel neues) erwarten – sondern sich schlicht von den äußerst mitreißenden Kompositionen berauschen lassen, und einfach mal wieder so richtig abfeiern. Denn eines ist wohl klar: PREACHERS OF THE NIGHT vermittelt alles andere als schlechte Laune.

Spezifischer auf die einzelnen Titel des Albums einzugehen, erübrigt sich daher fast. Alle sind POWERWOLF-typisch, und beinhalten die markanten Band-Elemente. Unterscheidungen, respektive Abwechslung wird in Form von Tempiwechseln geboten – viele der Stücke sind im schmetternden Uptempo angesiedelt, andere dagegen im stampfenden Midtempo; wobei der Hymnen-Faktor alle gleichsam durchzieht. Mit KREUZFEUER sorgen die Wölfe dann aber doch noch für eine eher außergewöhnliche Nummer – schließlich sang man bisher nur hie und da (das heisst, einzelne Passagen oder Wortfetzen) auf deutsch. Nun hat es ein komplett in Deutsch und Latein eingesungener Titel auf ein Album geschafft – eine verdammt gute Idee, wie sich herausstellt. Wie auch bezogen auf den zweiten Titel des Albums, SECRETS OF THE SACRISTY – hier haben POWERWOLF eine wahre Hymne geschaffen, die stets kurz vor der Explosion zu stehen scheint. Ein ungewöhnlich fröhlich wirkender Refrain, das mitreissende Tempo und die Fusion aus eher Power Metal-typischen Elementen und den markanten kirchlichen Einwürfen sorgen für eine bestmögliche Stimmung und ganz großes Kopfkino. Der Rausschmeißer LAST OF THE LIVING DEAD serviert dann sogar noch einmal soetwas wie eine Ballade, und zeigt auf; dass POWERWOLF auch in den eher ruhigen Momenten absolut brillant sind.

Fazit: Besieht man SECRETS OF THE SACRISTY und die anderen 10 Titel (ein Intro, Outro oder Interludes gibt es nicht), so kann man vor allem eines feststellen: POWERWOLF liefern auf PREACHERS OF THE NIGHT letztendlich 11 starke Power Metal-Nummern ab, die alle für sich alleinstehend funktionieren und als Single ausgekoppelt werden könnten. Das heißt allerdings auch, dass Fans von epischen Geschichten oder einem wirklich zusammenhängenden Album (bei welchen die Titel beispielsweise aufeinander aufbauen, eine Entwicklung stattfindet) eher nicht auf ihre Kosten kommen werden. Genau das wäre vielleicht auch eine Idee für ein zukünftiges Album: man nehme eine historische Begebenheit (vielleicht eine, die mit der Geschichte der Kirche verbunden ist) und erstelle ein schönes Konzept-Album, welches eine große Geschichte erzählt. Denn so schön und eingängig die POWERWOLF-Nummern auch sind – sie laufen Gefahr, sich allzu schnell abzunutzen. Momentan kann man aber noch getrost behaupten: sei es drum, ein Album wie dieses gehört in jede vernünftige Power Metal-Sammlung. Die technische Perfektion, die satte Produktion und das gelungene Songwriting werden so schnell keine Langeweile aufkommen lassen.

Anspieltipps: AMEN & ATTACK, SECRETS OF THE SACRISTY, KREUZFEUER, LAST OF THE LIVING DEAD

Vergleichsbands: SABATON

85button

„Auch mit diesem Anlauf nutzt sich das altbewährte Prinzip kaum bis gar nicht ab.“

POWERWOLF – Amen & Attack (Official Video)

powerwolf_amenattack

Sprich Dein letztes Gebet… !

Das neue POWERWOLF-Album PREACHERS OF THE NIGHT steht kurz vor der Veröffentlichung (siehe hier) – passenderweise haben die Wölfe nun das erste dazugehörige offizielle Musikvideo online gestellt. Als Single auserkoren wurde der Titel AMEN & ATTACK – eine sofort ins Ohr gehende, typisch-rasante und wie immer kirchlich-orchestralisch angehauchte POWERWOLF-Nummer. Da stimmt man doch nur allzu gerne mit ein… zumal das Video den voranpreschenden Eindruck des Liedguts bestens unterstützt, so simpel (relativ) es auch ausgefallen ist. Ob nun vor zwei Jahren mit WE DRINK YOUR BLOOD (Link) oder aktuell mit AMEN & ATTACK – POWERWOLF haben nach wie vor nichts von ihrer Stärke eingebüßt, und werden wohl auch dieses Jahr wieder zahlreiche Bühnen rocken. Wie es sich mit der Band in Zukunft verhalten wird, bleibt indes abzuwarten – schließlich könnte sich ein Konzept wie das nun schon seit 3 (oder mehr) Alben dargebotene irgendwann einmal abnutzen. Warten wir auf das baldige Album – und lassen uns wenn möglich zum Guten bekehren.

POWERWOLF – Preachers Of The Night + ALTARBOX Special (Metal News)

powerwolf_preachers_500

Ein himmlisch-höllisches Fest für alle Fans.

Einige werden es bereits mitbekommen haben – POWERWOLF sind zurück. Nachdem die deutschen Power Metaller ihr letztes Studioalbum BLOOD OF THE SAINTS (Review) 2011 veröffentlichten, folgte ein gutes Jahr später noch eine spezielle Live-CD (ALIVE IN THE NIGHT, Review) – nun soll auch das Jahr 2013 wieder ganz im Zeichen der Wölfe stehen. Dem kongenialen Cover-Artwork nach zu urteilen wird es ein erneutes Fest werden – zumindest für all jene, die der recht eigenen Spielart von POWERWOLF etwas abgewinnen können. Unterhaltsam sind die Jungs nämlich seit eh und jeh – und vor allem Live ein wahrer Party-Genuss. Was also sind schon Begriffe wie gut oder böse… POWERWOLF bewegen sich jenseits von derlei Attribuierungen, und verpacken in ihrer Musik einfach mehr als den handelsüblichen Power Metal. Wer’s nicht glaubt, sollte sich dringend die älteren Alben zu Gemüte führen – oder aber das neue, sobald es gegen Mitte Juli erscheint. Doch auch eine Single wird vorab veröffentlicht werden – AMEN AND ATTACK, Erscheinungsdatum ist der 28. Juni. Diese wird auch einen nicht auf dem Album enthaltenen Titel beinhalten, LIVING ON A NIGHTMARE.

Geradezu übernatürlich kommt auch das nun von NUCLEAR BLAST vermarktete Boxset der neuen Scheibe daher – in einer auf 500 Exemplare limitierten Edition, versteht sich. Das Teil wird insgesamt um die 6 Kilo (!) wiegen und so einiges beinhalten, was das Fan-Herz begehrt. Dafür muss man allerdings auch etwas tiefer in die Tasche greifen – satte 130 Euro soll es kosten. Unter dem Bild des Produkts ist der Shop-Link, dort findet sich auch eine Auflistung aller enthaltenen Gimmicks. Hier muss ein jeder selbst entscheiden, ob es sich lohnt zu investieren… schick, und vor allem angenehm makber sieht das Ganze aber allemal aus.

powerwolf_altarbox
Link zum Nuclear Blast-Shop

Noch wichtiger ist indes, dass eben jener gerade verlinkte Shop nun auch eine erste Hörprobe bereithält – direkt unter dem Pre-Order-Button findet sich eine Soundcloud-Einbettung mit dem ersten veräffentlcihten Titel AMEN AND ATTACK als Vorgeschmack. Was soll man noch groß dazu sagen… das sind POWERWOLF wie man sie kennt, schätzt und vielleicht auch liebt. Oder lieben wird – denn selten war eine Unterart des Power Metal so ansteckend wie diese hier.

Metal-CD-Review: POWERWOLF – Alive In The Night (2012)

Land: Deutschland – Stil: Epic Melodic Heavy Metal

Die Trackliste:

1. Lupus Daemonis
2. Sanctified With Dynamite
3. Prayer In The Dark
4. Raise Your Fist, Evangelist
5. We Drink Your Blood
6. Werewolves Of Armenia
7. Dead Boys Don’t Cry
8. Resurrection By Erection
9. Saturday Satan
10. Lupus Dei

Dass man soetwas noch erleben darf… !

Vorwort: Worauf mit der fettgedruckten Unterschrift hingewiesen werden soll ? Nun, in erster Linie darauf, dass das hier behandelte Live-Album nicht für jedermann und auf Bestellung erhältlich sein wird – sondern grundsätzlich nur Lesern des Deutschen Heavy Metal-Magazines METAL HAMMER ganz nah ans (Wolfs-)Herz gelegt wird. Wie, das darf doch nicht wahr sein… ? Es darf, und zwar nur allzu gerne – schließlich ist das Album so im Endeffekt kostenlos. Einem geschenkten Gaul schaut man auch so nicht ins Maul – doch wenn es gerade POWERWOLF sind, die sich hier für eine exklusive Dreingabe verantwortlich zeichnen, greift man umso lieber zu. Das mit 10 Stücken gespickte Album hat eine Gesamtlaufzeit von etwa 40 Minuten, und beinhaltet Live gespielte Klassiker der Band – von allen bisherigen Alben. So kann es ganz nebenbei auch noch als inoffizielles ‚Best-Of‘ bezeichnet werden – denn die hier vertretenden Titel haben es wahrlich in sich !

Kritik: Die Scheibe flux entkleidet und eingelegt – das kurze Intro LUPUS DAEMONIS erklingt, welches wunderbar episch anmutet und durch die – glücklicherweise lebhafte und nach POWERWOLF gierende – Fanmeute passend von allerlei Gesängen untermalt wird. Viel Zeit vergeht nicht, bis der Opener SANCTIFIED WITH DYNAMITE über den Hörer hinwegrollt – ein Song des aktuellsten Albums BLOOD OF THE SAINTS (Review hier). So genial das Ganze bereits in der Studioaufnahme daherkommt, in dieser (zusätzlich energetischen) Form entfaltet es noch ein stückweit mehr Atmosphäre und Stimmung. Leadsänger Attila Dorn beweist, dass er auch Live eine mehr als nur solide Performance abliefert – mehr noch, sie ist perfekt und lässt keine Wünsche offen. Auch die restlichen Bandmitglieder holen das Maximum aus ihren Instrumenten, der Sound ist enorm kräftig, druckvoll und stets auf dem höchsten Niveau inszeniert. Der eigentliche Clou aber ist, dass die Fans offenbar in den genau richtigen Momenten zu hören sind beziehungsweise mitmachen – mal mit, mal ohne direkte Aufforderung von Herrn Dorn. Der kommt vor allem zwischen den Titeln zu Wort – und spricht mit einem aussergewöhnlichen Dialekt den man einfach nur lieben kann zu den zahlreichen POWERWOLF-Anhängern. Vielen Dankeschön meine Freunde… !

Es geht über zu PRAYER IN THE DARK – bei dem die Meute nun nicht mehr zu halten ist, und wie die Band selbst endgültig aus sich herausgeht. Und einfach nur genießt – den typischen POWERWOLF-Sound, der sich irgendwo zwischen Kirchengesang, Orgelklängen und der Mischung aus religiösen und geradezu ‚dämonischen‘ Inhalten bewegt. Immer mit dabei: die enorme Kraft und Spielfreude der Band, die einfach nur mitzureißen weiss und sprachlos macht. Wie auch der folgende Titel, der mitunter als einer der stärksten des Albums BIBLE OF THE BEAST (Review hier) gilt: RAISE YOUR FIST; EVANGELIST. Erst wird die Meute schön warmgemacht (Freunde, zeigt mir alle Eure Fäuste !), woraufhin das Intermezzo aus Gänsehaut-erregender, musikalischer Wahrhaftigkeit und metallischer Erhabenheit beginnt. Wieder begeistert der druckvolle Sound, der nicht nur die Orgeln und den Leadsänger gnadenlos gut in Szene setzt – sondern auch die schroffen Riffs und den generell starken Metal-Sound der Band. Es folgt eine wahrlich kultige Zwischenansprache, die abermals klar macht, was POWERWOLF gerne machen: WE DRINK YOUR BLOOD bricht über die Meute herein, und fackelt ein weiteres Live-Metal-Feuerwerk der Extraklasse ab. Der Wahnsinn.

Wenn ich sage Hu, sagt ihr Ha ! – So oder so gestalten sich die (überaus unterhaltsamen) Interludes zwischen den Titeln, die vor Brechern wie WEREWOLVES OF ARMENIA auftauchen und der CD einen zusätzlichen Reiz verleihen. Genial: die weitere Einbeziehung der Fans und die sagenhafte Ausdruckskraft der Band. Hymne folgt auf Hymne – und so ist auch DEAD BOYS DONT CRY keine Ausnahme. Im Gegenteil, hier handelt es sich um eine weitere überaus mächtige Nummer mit Mitsing-Garantie. Aber auch die Frauen sollen auf POWERWOLF-Konzerten nicht zu kurz kommen, wie eine weitere zwischenzeitliche Gesangsprobe aufzeigt. In der Tat – der Vorspann zu RESURRECTION BY ERECTION ist so ziemlich das kultigste (und witzigste), was diese Live-Scheibe zu bieten hat. Halleluja ! Mit SATURDAY SATAN geht es nun etwas ruhiger, aber ebenfalls enorm energetisch zu (der Hammer: die Gitarrensoli-Passage gegen Mitte), bevor eine weitere Fan-Ansprache der kultigsten Art den Auftakt zu LUPUS DEI markiert, dem Abschlusstitel des Albums. Wozu in die Kirche gehen, wenn man einem POWERWOLF-Konzert beiwohnen kann / darf ? Denn auch hier wird eine große GEMEINDE zusammengeführt, eine liebenswerte Gemeinde von Fans mit einem auffällig guten Musikgeschmack und dem Hang zum Besonderen. Eine tolle Abschlussperformance, die die letzten Kräfte mobilisiert und wahrhaftig glücklich macht.

Fazit: POWERWOLF liefern mit ALIVE IN THE NIGHT eine der besten Metal-Live-Scheiben der letzten Jahre ab. Und das zum quasi-Nulltarif – wer hier nicht zuschlägt, ist selber Schuld. Ob Fan oder nicht – die Musik der Band entfaltet gerade in Live-Form einen zusätzlichen Reiz, einen zusätzlichen Sog wenn man so will; der einen unweigerlich in die Welt der Metal-Propheten zieht und nicht mehr loslässt. Das ist Energie und Fanservice pur – sollte die Band in Zukunft eine weitere, ‚offiziellere‘ Live-Scheibe veröffentlichen, weiss man, wo man bedenkenlos zuschlagen kann. Gerne auch zu einem höheren Preis und ohne Heft-Beigabe – denn das ist diese Musik zweifelsohne wert. Danke an POWERWOLF und OBERHAUSEN !

90oo10

Metal-CD-Review: POWERWOLF – Blood Of The Saints (2011)

Land: Deutschland – Stil: (Epic) Power Metal

  • Agnus dei (Intro)
  • Sanctified With Dynamite
  • We Drink Your Blood
  • Murder At Midnight
  • All We Need Is Blood
  • Dead Boys Don’t Cry
  • Son Of A Wolf
  • Night Of The Werewolves
  • Phantom Of The Funeral
  • Die, Die, Crucified
  • Ira Sancti (When The Saints Are Going Wild)

Infos / Allgemeines: Mit ihrem mittlerweile vierten Studioalbum schicken sich die blutrünstigen Metaller von Powerwolf an, einen weiteren Kracher a’la Bible Of The Beast (Wertung: 9.0/10) an den Start zu bringen. Nachdem die „Werwölfe“ bereits auf dem Vorgängeralbum einen klangvollen Epic Power Metal präsentierten, halten die Jungs an der höchst speziellen Stilrichtung fest, womit sie sich spätestens jetzt ihren festen Platz in den oberen Rängen der wichtigsten / nennenswertesten Power Metal-Bands erkämpft haben. Die Musik von Powerwolf vermag es schlicht aus der unübersichtlichen Masse der Band auszubrechen – was mehrere Gründe hat. Ein typisches Merkmal der Band sind beispielsweise die kirchlich-sakralen Klänge, die einen jeden Titel untermalen und für eine gewisse klangliche Erhabenheit sorgen. Weiterhin scheut sich die Band nicht davor, auf recht eingängige Melodien und vergleichsweise simple Songstrukturen zu setzen, was oftmals für die Entstehung wahrer Hymnen sorgt. Im Grunde ist jeder einzelne Titel eine solche – der Bombast-Sound, die erhabene klassisch-ausgebildete Stimme des Leadsängers und die satte Produktionsqualität tun da ihr übriges. Wer also ein klein wenig Kitsch vertragen kann, der einerseits aus den Songs aber auch aus dem gesamten „Drumherum“ resultiert (Bandnamen, Songtitel, Texte et cetera) – der ist mit dem neuen Werk der Church-Metaller sicherlich bestens beraten. Doch werfen wir einen genaueren Blick auf die einzelnen Titel.

Kritik / Songreviews: Mit Bible Of The Beast haben die Jungs schon ordentlich was vorgelegt – das neue Album ist am ehesten als ein direkter Anschluss an das nunmehr 2 Jahre alte Vorgängeralbum zu sehen. Und das hört man: bereits im kurzen Intro Agnus Dei hört man abermals die Wölfe heulen, die Orgeln erklingen; einen grimmigen Erzähler fabulieren – die perfekte Einstimmung auf das neue Werk. Wenngleich es sich auch sicher nicht um ein aussergewöhnliches, zu Stand-Alone-Zwecken brauchbares Intro handelt, es funktioniert nur im Kontext des Albums und kommt für die kurze Spieldauer ein wenig zu kraftlos / zu wenig innovativ daher  (6/10). Mit Sanctified With Dynamite folgt dann der Opener, der zugleich eine der ersten Mitsing-Hymnen ist. Zweifelsohne – der Refrain geht sofort ins Ohr, die Instrumente legen eine volle Breitseite hin; kurzum: das Ganze macht einfach Laune. Aber, zu einer wahren Über-Hymne (die man noch nie zuvor gehört hat) reicht es noch nicht – das Ganze erinnert noch stark an das Vorgängeralbum (8/10). Doch glücklicherweise folgt mit We Drink Your Blood ein Titel, der zurecht als Video-Single ausgekoppelt wurde – DIE repräsentative, stellvertretende Hymne des Albums. Einfach gestrickt und dennoch voller Bombast und netter Elemente – ob nun der Refrain, die interessanten Gesangspassagen ab Minute 2.30, die eingeworfenen Kirchenlitanei-Zitate a’la Kyrie Eleison; alles wirkt enorm rund und unterhaltsam. Vielleicht aber auch ein wenig zu rund… der letzte besondere Schliff scheint noch auszubleiben (9/10).

Murder At Midnight beginnt mit einer stimmigen Erzählpassage, die bald darauf in schrammige Riffs übergeht. Und auch in eine ansprechende Textpassage, die mit einem besonderen Rhythmus dargeboten wird. Schade nur, dass der Refrain abermals etwas glatt geschliffen wirkt, und der Song auch allgemein mit wenig Höhen oder Tiefen aufwarten kann. Dennoch, mehr als nur solide… (9/10). Nein, es hört nicht auf mit den klischeehaften Songtiteln: All We Need Is Blood ist der nächste Hymnen-Kandidat. Interessant ist, dass der Titel sich offenbar auf Werewolves Of Armenia vom Vorgängeralbum bezieht – die beiden Stücke klingen sehr ähnlich. Lateinische Passagen hie und da sorgen für die nötige „düstere“ Stimmung; ein weiteres Markenzeichen der Band. Zwar klingt das Ganze nun noch professioneller und druckvoller, doch ein Problem bleibt bestehen: wer das Vorgängeralbum kennt, bekommt auch mit diesem Song nicht viel neues geboten (6/10). Auch Dead Boys Don’t Cry beginnt mit einer typischen lateinischen Passage, artet trotz des irgendwie „kultig“ anmutenden Songtitels alsbald in einer weiteren Dudel-Hymne ohne viel Tiefgang aus. Schade – denn simpel strukturierte, eingängige Melodien die einfach nur Spaß machen gibt es auf diesem Album zuhauf, somit stellt dieser Song kein besonderes Highlight dar (6.0/10). Stichwort „Dudelei“ – es fällt zwar schwer dieses Substantiv mit Powerwolf in Verbindung zu bringen, doch irgendetwas ist geschehen. Sicher, es handelt sich um ein weiteres Konzeptalbum mit entsprechend mystischen Textbezügen, doch besonders zur Mitte des Albums driftet das Ganze doch merklich in Richtung Belanglosigkeit. In vielen Stücken sorgen lediglich die melodiös anders gestalteten Übergangspassagen (meist auf Latein) für die nötige Abwechslung, während Refrain und Strophen oftmals die ewig gleichen Elemente aufweisen – Orgelklänge, das schon zum Standard gewordene, ausgerufene „Halleluja“ sowie die sich stark ähnelnden Textinhalte. Das galt berechtigterweise auf Bible Of The Beast als Novum – nun aber scheint man diese Faktoren doch merklich auszureizen. Die Soli’s sind zwar nett, doch schaffen sie es keinesfalls, anderen Genrevertretern Paroli (in Sachen Unterhaltungsfaktor und Virtuosität) zu bieten. So gestaltet sich – leider – auch Son Of A Wolf zu einem sehr eingängigen „Hit“ der kaum von den anderen zu unterscheiden ist, und so schnell in Vergessenheit geraten könnte (6/10).

Night Of The Werewovles ereilt in etwa das gleiche Schicksal – der Titel ist nett, doch wirkt erneut wie schon einmal gehört (zumindest für Powerwolf-Kenner) und rettet sich durch eine kleine, abwechslungsreiche und wirklich „frisch“ wirkenden Passage gegen Minute 3.30 vor dem Untergang in der Masse (7/10). Phantom Of The Funeral ist dagegen schon wieder so bombastisch inszeniert, dass der Titel – endlich – wieder ein hohes Dauerrotations-Potential aufweist. Da stören auch die markanten „Jesus Christ“-Ausrufe nicht, hier spielen endlich wieder alle Stärken der Band zusammen und sorgen so für einen wirklich markantes Hörvergnügen. Die Melodien, der Orgeleinsatz und die Soli’s wirken endlich wieder etwas verspielter und engagierter dargeboten. 3 Minuten Powerwolf pur ! (9/10). Und tatsächlich – auch das folgende Die, Die Crucified macht es richtig und setzt auf eine durchgängig ansprechende Melodie und einen leicht „kitschigen“ Refrain (in welchem Titel gibt es den nicht ?), und sorgt weiterhin durch deutlich ruhigere Passagen für die nötige Abwechslung (9/10). Der finale Track Ira Sancti schließt das Album nicht ganz so episch wie erwartet, aber doch zufriedenstellend ab (8/10).

Fazit: Zweifelsohne bietet die neue Powerwolf-Scheibe für Genre-Neueinsteiger bombastisch inszenierten Power Church Metal (in etwa…) mit stilechten Texten über Vampire, Werwölfe und den roten Lebenssaft – alles garniert mit einer ordentlichen Prise musikalischer Genialität, die sich durch sicher dargebotene lateinische Textpassagen, Orgel-Instrumentaluntermalung und einem allgemein versierten Leadsänger charakterisiert. Für Kenner des Vorgängeralbums Bible Of The Beast aber gestaltet sich das Album dann doch nicht so überraschend oder „frisch“ wie eventuell erwartet, einige Faktoren wirken gar schon merklich aus- beziehungsweise überreizt. Man knüpft eben an der orchestral-kirchlichen Grundstimmung des Vorgängeralbums an – vielleicht aber auch ein wenig zu sehr. Immerhin bietet das Album einige simple, aber doch recht eingängige und Laune-machende Hymnen, vor allem zu Anfang und gegen Ende. In der Mitte ist dann allerdings eine deutliche Durststrecke und ein Hauch einer gefühlten Belanglosigkeit/ Eintönigkeit zu verkraften, das wird man sich selbst als Fan eingestehen müssen. Klare Anspieltipps sind demnach der Opener Sanctifeid With Dynamite, die Videoauskopplung We Drink Your Blood, sowie sicher auch Murder At Midnight, Phantom Of The Funeral oder Die, Die Crucified. Düstere Geschichten aus Transsylvanien die zu wahren Mitsing-Hymnen mutieren, vorgetragen von Leuten die etwas von Musik verstehen – es bleibt wie immer Geschmackssache. Nur eines ist sicher: der absolute Überflieger ist Blood Of The Saints nicht geworden, schon gar nicht im direkten Vergleich mit dem Vorgängeralbum.

POWERWOLF – We Drink Your Blood (Official Video)

Brrr… Endlich darf man sich auch mal visuell von POWERWOLF begruseln lassen !

Die wohl überraschendste Nachricht für mich in diesem Monat: zwar hatte ich das bald erscheinende Ablum Blood Of The Saints von Powerwolf bereits auf dem Schirm (nicht zuletzt nach dem vorherigen Oberkracher-Album Bible Of The Beast), doch dass die Jungs ein Video produzieren würden; das war mir bis vor kurzem neu. Der auserkorene Song lauscht auf den Namen We Drink Your Blood und befasst sich thematisch mit… na, was wohl ? Let the party begin…