Nachwort: You’re Man In The World

Herzlich willkommen zu einem meiner vielleicht epischeren Beiträge der letzten Zeit. Ich betitelte ihn wie bereits kryptisch in der Überschrift angegeben, ebenso gut könnte ich aber auch in die Welt hinausrufen: was ist nur los mit mir, was ist nur los mit der Welt ? Nein, besser noch: was ist nur los mit mir und meiner Selbstreflexion in Bezug auf die Welt, meine ganz persönliche (Um-)Welt ? Nichts anderes tue ich hiermit, doch ich erwarte keine Antwort. Aber, an der Zeit für ein kleines Zeichen wäre es allemal…

Zufriedenheit – eine Illusion, nur ein physisches Produkt ?
Zufriedenheit – unerreichbar, wenn man sie anders definiert ?
Zufriedenheit ist, nicht darüber nachdenken zu müssen
sondern sie zu erleben.

Diese Fragen über Fragen die jeder kennt, die einen zermürben können wenn man die Antwort auch nach langer Zeit nicht findet; mehr oder minder aus freiwilligem Anlass. All diese Gedankengänge könnten auch unmittelbar mit meinem erneuten, vorzeitigen Ausscheiden aus dem Berufsalltag zu tun haben. Sicherlich, es gab keinen großen Knall, keinen Big Bang welcher zu gewissen innerbetrieblichen und verwaltungstechnischen Differenzen geführt hat. Einerseits ist das gut, da zwischenmenschliche Kataklysmen gerade in sozialen Arbeitsbereichen eine enorme Detonationskraft (mit entsprechenden Nachwirkungen) haben können. Andererseits ist das schlecht, da mir nun und wieder einmal ein gewisses Maß an Klarheit fehlt. Jedoch; vielleicht hat es irgendwann tatsächlich einmal einen Big Bang gegeben, in meinem Leben, zu irgendeinem Zeitpunkt. Wobei man sicherlich festhalten muss, dass solche Ereignisse erst einmal einiges auf- und durcheinanderrütteln; aber auch gewisse Vorteile nach sich ziehen. Blicken wir doch auf einige Milliarden Jahre Historie zurück – das ist doch besser als nichts, oder ?  Bei meinem ganz persönlichen Big Bang, der zur letztendlichen Entfaltung meines (Frei-)Geistes geführt hat, bin ich mir aber nicht ganz so sicher. Was tun mit diesem rastlosen, ständig suchenden und eigensinnigen Geist ? Immerhin, es ist auch ein friedlicher, ein gütiger, ein einzigartiger. Vielleicht hat er trotz dieser allzu menschlichen Attributierung also eine Existenzberechtigung. Doch leicht war es noch nie, und wird es auch nie werden.

Was hat all dies mit meinem (bisherigen) Berufsalltag zu tun ? Auf den ersten Blick nicht viel – bei genauerem Hinsehen jedoch gar nicht mal so wenig. Wie meiner bisherigen Historie zu entnehmen ist, habe ich bisher einige Berufsfelderprobungen hinter mir. Alle endeten mehr oder weniger unrühmlich – bis auf einige Ausnahmen im sozialen Bereich. Denn auch hier gab es Stationen, auf die das Wort unrühmlich recht gut zutrifft. Sei es drum – allein die Tatsache, dass bei meinen zahlreichen Stationen im sozialen Bereich bisher die meisten positiven Ergebnisse auftraten, bestätigt meine Thesen. Warum es gerade die Arbeit mit Kindern / Jugendlichen sein soll, ist leicht herzuleiten; wobei das mit dem leicht bei mir so eine Sache sein kann. Versuchen wir es wie folgt:

Kindern wissen noch, was es heisst zu leben; weil sie es eben nicht wissen.

Vielleicht ist es also doch nicht so einfach. Eine genaue Erörterung würde den Rahmen an dieser Stelle vermutlich sprengen. Doch die Entwicklungsgeschichte der Menschheit selbst, sowie auch die Entwicklung des Menschen im einzelnen, von der Wiege bis zur Bahre; gibt viele Rätsel auf. Rätsel, mit denen sich manche mehr, manche weniger beschäftigen. Ich brauche nicht mehr zu erwähnen, zu welcher Gruppe ich gehöre – jedenfalls fasziniert mich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. So manch einer wird es kaum glauben; gerade die, die denken, ich sei nur irgendein dahergelaufener Spinner (verkannter Freigeist): Die Kinder kennen diese Seite von mir, so wie ich sie hier präsentiere, nicht. Ganz im Gegenteil, sobald ich in den sozialen Arbeitsprozessen und der Betreuung eingebunden bin, scheint sich dieses abstrakte Denken ein wenig in den Hintergrund zu bewegen. Ein Aspekt, der sehr interessant ist: vielleicht lerne ich (mit der Arbeit mit Kindern) selbst wieder, was es heisst, zu leben. Als Erwachsener tendiert man eben dazu, es so manches Mal zu vergessen. Und auch folgende Aussage ist vielleicht ungewöhnlich, für mich als (noch) Nicht-Vater: Kinder entkomplizieren das Leben, sie sind ein Geschenk. Eine Aussage, von der ich hoffe, dass dies ein Großteil der Eltern dieser Welt ebenso sieht. Ich selbst habe noch keine eigenen Kinder, Zeit lassen ist eines der obersten Gebote: schließlich muss (m)ein Leben erst in absolut geregelten Bahnen verlaufen, damit ich selbige Bahnen auch für meinen Nachwuchs garantieren kann. Alles andere wäre voreilig, und ein klein wenig verantwortungslos. Doch wenn die Zeit reif ist (und die Umstände), dann steht dem nichts mehr im Wege. Ich denke, ich wäre ein guter Vater – zumal ich des öfteren bereits so behandelt wurde. Alles, was man dazu braucht, ist ein gewisses Maß an Menschlichkeit, Wärme, erzieherische Kompetenz auf der einen Seite – aber auf der anderen, und das ist enorm wichtig: Ehrlichkeit – man darf den Kindern nicht immer nur das Gefühl vermitteln, dass man hier lediglich einen Job zu erledigen hat. Diese Herausforderung besteht vor allem für männliche Erzieher, wenn man sich die heutige Lage der Aufteilung weiblicher und männlicher Einflusspersonen im Leben der Kinder ansieht. So einfach, so gut ? Nicht ganz, denn gerade dieser Gedanke bringt automatisch einige Probleme mit sich.

Denn: die Emanzipation der Frau hat dazu geführt, dass das geschlechtsspezifische Gleichgewicht im sozialen Bereich in jeder Hinsicht gekippt ist. Und das nicht erst seit einigen Jahren – doch bestenfalls stellt man eine solche Tatsache erst einmal am eigenen Leib fest, bevor man sich polemisch dazu äussert. Nun, (um-)gekippt ist das Ganze in mehrerlei Hinsicht: zum einen ist es die Zahl der männlichen Beschäftigten, die gerade im Bereich der Kinderbetreuung (Paradebeispiel Kindergarten) konstant niedrig ist. Auch in Grundschulen und Freizeiteinrichtungen finden sich zum Großteil Frauen – zu den Gründen gleich mehr. Aber es ist auch das hierarchisch gekippte Verhältnis, welches es den Männern schwer macht, sich gleichberechtigt zu fühlen. Früher war es genau umgekehrt- und das ist es heute teilweise auch noch, aber in anderen Bereichen. Da ist es auch nur verständlich, als Frau mehr Rechte einzufordern – doch irgendwann hätte es einfach heissen müssen: Stop. Doch man hat die Waagschale im sozialen Bereich viel zu einseitig gefüllt. Hinzu kommen noch die offensichtlichen Gründe, die es Männern von vornherein erschweren, sich für den sozialen Bereich bzw. für eine Arbeit mit Kindern zu entscheiden. Diese wären eben schon genannte Stellungsfragen (viele Männer sind noch eher konservativ eingestellt, nein; ich gewiss nicht), aber in erster Linie ein nicht zu unterschätzender Grund über den niemand gerne spricht. Denn: Männer sind allesamt potentielle Kinderschänder und Vergewaltiger.

Ein gesellschaftliches Stigma, welches durch die einseitige Berichterstattung der Medien genährt und konsequent ausgeweitet wird. Im allgemeinen ist die Hetze gegen vermeintliche Verbrecher (gerade wenn sie im Fernsehen stattfindet) schon schlimm genug – egal um was für Verbrechen es sich dabei handelt. Diese anprangernde Darstellung dient lediglich der Befriedigung des immer dümmlicher werdenden Konsumvolkes; sie ermöglicht es, mit dem Finger auf andere zu zeigen obwohl man selbst eigentlich genügend Dreck vor der eigenen Haustür zu kehren hätte. Oder besser noch drinnen: so zeigen perfide Sendungen wie „Tatort Internet“ (RTL 2) auf, wie gefährlich der virtuelle Raum des Internets im wirklichen Leben von Kindern werden kann. An und für sich ein ehrenwertes Konzept – wenn dem Zuschauer aber weisgemacht werden soll, dass dies die einzige Gefahr für unsere Kinder sein soll, und häusliche Gewalt und familiärer sexueller Missbrauch nicht einmal ansatzweise erwähnt werden – dann kann irgendetwas nicht stimmen. Denn die Statistiken besagen etwas ganz anderes – eine Wahrheit, die der geneigte RTL2-Zuschauer nicht wahrhaben kann und will. Wie einfach ist es da, sich die am besten zu bekämpfenden Formen des Missbrauchs herauszupicken und zu thematisieren – während der Vater (die Mutter) den Sohn (die Tochter) weiterhin quält. Entschuldigen Sie meine Direktheit.

Ja, auch Eltern können ihren Kindern gegenüber echte Monster sein – und nicht nur der unbekannte Mann im Busch, den es Statistiken zufolge ohnehin nur sehr selten gibt. Doch genug der allgemeinen Denkweise – hin zum sozialen Bereich. Hier wird natürlich auch pauschalisiert und verallgemeinert – als Mann wird man nun einmal kritischer beäugt als eine Frau. Warum das so ist, ist eventuell noch verständlich. Schließlich fühlen sich weitaus mehr Männer als Frauen zu Kindern in einem unnatürlichen Maße hingezogen (entschuldigen Sie meine Indirektheit), und die Medien würden niemals eingestehen, dass es so etwas wie missbrauchende Frauen gibt. Doch warum bei Männern der Grundsatz gilt: erst einmal sind alle potentiell schuldig; das bleibt fraglich. Vielmehr sollte man von einer Unschuld ausgehen, gerade bei (eventuell noch zögernden) Männern die sich für den Beruf entscheiden. Und, dass es dennoch einige schwarze Schafe darunter geben könnte.

So einfältig wie es klingen mag, aber wenn man nicht von dieser Unschuld der Männer ausgeht, gerät man an ein Problem, welches auch heute schon deutlich spürbar ist: kein Mann wird mehr im sozialen Bereich arbeiten, die Zahl nimmt mehr und mehr ab je jünger die Kinder werden. Und das, obwohl viele vielleicht gern mit Kindern arbeiten würden, sich irgendwann einmal eigene Kinder wünschen. Meist ist es ja andersherum, und Kinder / Jugendliche bekommen selbst erstmal eigene Kinder – aber das ist ein anderes Thema. Sicherlich ist die miserable Ausbildungssituation im sozialen Bereich ein weiterer Aspekt, doch im Grunde ist diese wohl an zweiter Stelle der Problem-Rangliste aufzuführen. Denn neben der gesellschaftlichen Vorurteile sind es auch noch die, die in einem kleineren Rahmen stattfinden: in Form der eigenen Familie (Eltern, Geschwister), in Form des sozialen Umfeldes, der Freunde.

Das wird schon nichts ausmachen, wenn es keine Männer mehr in Kindergärten gibt, sagt jetzt so mancher ? Falsch, und diesem „falsch“ muss nicht einmal zwingend eine Gegenargumentation folgen. Denn eigentlich sollte es offensichtlich sein, dass es einfach nicht geht, Kinder (sowohl Jungen als auch Mädchen) geschlechtsspezifisch einseitig aufwachsen zu lassen. Nicht anderes hat die zunehmende soziale Feminisierung bewirkt. Wenn man dann noch die Zahl der alleinerziehenden Mütter nimmt, ist es in manchen Fällen endgültig aus mit der Existenz der Männlichkeit – besonders fatal natürlich für die Jungen, die (realistische) männliche Vorbilder zwecks einer Identifikation so dringend brauchen. Gerade diese Kinder „schnappen“ sich dann natürlich jeden männlichen Erzieher, den sie kriegen können (sofern denn überhaupt einer in der jeweiligen Institution arbeitet), und sehen in ihm vielleicht auch so etwas wie eine Vaterfigur. Und so schließt sich der Kreis: weil man dieser Tatsache als männlicher Erzieher kaum ausweichen kann, wird man umso kritischer beäugt. Diese Balance zwischen der Berufsausübung und dem Dasein als männliche Bezugsperson gerät oftmals zu einer echten Herausforderung. Ja, nur Männer sind davon betroffen. Ja, auch Neid spielt eine Rolle: der männliche Erzieher muss schließlich kaum noch etwas tun, um bei den Kindern beliebt zu sein. Wenn er dazu auch noch ein generell umgänglicher Mensch ist (beispielsweise: eher wenig streng, warmherzig, kontaktfreudig, wirklich interessiert am Wohlergehen der Kinder), dann könnte man einen ähnlichen Berufsausstieg erleben wie meine Wenigkeit; ohne je böse Absichten gehabt zu haben. Mein Resümee ? Fraglich… sagen Sie es mir. Ich schließe heute eher mit folgenden (bebilderten) Worten:

EVANGELION FAQ # 1: Von Den (Vier) Adam(s) Und Den (Zahlreichen) Impacts

In diesem Text behandelte / beantwortete EVANGELION-Fragen:

  • Wer sind die ENGEL, und was wollen sie ?
  • Wer oder was sind ADAM und LILITH; was hat es mit ihren Monden, den Lanzen und den Impacts auf sich ?
  • Wie passen die nunmehr 4 ADAMS der REBUILD-Reihe zum ADAM der TV-Serie ?

Und damit herzlich willkommen zum ersten Teil der großen EVANGELION-Interpretationsodyssee bei Oliverdsw. Sicher, eine Odyssee mag ganz grundsätzlich ein eher langwieriges und anstrengendes Unterfangen sein… doch es gilt, sich nicht vorschnell abschrecken zu lassen. Schließlich setzt eine umfangreiche Kultserie wie NEON GENESIS EVANGELION es geradezu voraus, dass man sich ausgiebiger mit ihr beschäftigt – und sich dem Prozess des ausgiebigen Rätselns einfach mal hingibt. Gleichzeitig aber sollte man hervorheben, dass es so etwas wie die eine Wahrheit oder die eine richtige Interpretation einfach nicht geben kann. Dafür ist das NGE-Universum schlicht zu komplex – und sein Schöpfer Hideaki Anno zu genial. Und vielleicht auch etwas zu wahnsinnig – doch bekanntlich liegen die diesbezüglichen Grenzen des öfteren verdächtig nah beieinander.

Wichtig ist: da das Kapitel EVANGELION ist nicht noch nicht abgeschlossen ist, kann dieser Text kaum als vollständig bezeichnet werden. Zumindest nicht, solange der letzte Teil der REBUILD-Reihe noch nicht erschienen ist. Aber selbst, und das wäre wohl nicht untypisch für Hideaki Anno; könnte es nach dem Erscheinen des so heiß erwarteten EVANGELION-Finales noch in der einen oder anderen Form weitergehen. Auch muss vorab erwähnt werden, dass es sich bei dem folgenden Text weniger um ein sortiertes Begriffsglossar handelt, in dem jeder einzelne Begriff aus dem NGE-Universum explizit erläutert wird – sondern eher um einen bunten Interpretationstext, der ein gewisses Grundwissen voraussetzt. Es wird empfohlen, sich einen Becher Tee oder Kaffee parat zu stellen – und dann kann es auch schon losgehen mit der Interpretation zu den „ganz großen“ Themen von NEON GENESIS EVANGELION. Viel Spaß und Kopfzerbrechen – etwaige Kommentare sowie Diskussionsansätze sind natürlich wie immer gern gesehen.

Die Geschichte von NEON GENESIS EVANGELION beginnt mit dem FIRST IMPACT – einem gewaltigen Einschlag, der einen Großteil aller bisherigen Lebensformen auf der Erde ausgelöscht hat und von den Menschheit als simpler Meteor-Aufprall wahrgenommen wird. Ganz im Sinne der großen Verschwörungen des EVA-Universums kann man jedoch annehmen, dass sich in exakt diesem Meteor LILITH befand, die Urmutter allen menschlichen Lebens. Demnach wäre der Meteor nichts anderes als der SCHWARZE MOND, die eigentliche Heimat von LILITH. Das Problem: vermutlich war dieser Einschlag so nicht vorhergesehen. Denn: auf der Erde (genauer: in den Tiefen der Antarktis) befand sich bereits ein anderer Mond welcher Leben hervorbringen solle – der sogenannte WEISSE MOND. Dieser beherbergte aber kein menschliches Leben, sondern einen schlafenden ADAM als Vater der Engel. Dadurch, dass nunmehr zwei Monde auf der Erde vorhanden waren wäre es beinahe zu einem ernsthaften Konflikt zwischen ADAM und LILITH gekommen. Immerhin erscheint der Grund dafür einleuchtend: Wesen, die aus ADAM und LILITH hervorgegangen sind können zwar jeweils für sich existieren – nicht aber zusammen. Anders gesagt: eine Koexistenz der beiden Wesen (und deren Nachkommen) ist nicht möglich, da sie beide die alleinige Herrschaft über einen Planeten für sich beanspruchen.

Glüklicherweise aber wäre dieser Konflikt eben nur beinahe entstanden – denn sowohl zu ADAM als auch zu LILITH gehört eine Lanze, die sogenannte LANZE DES LONGINUS (in den REBUILDS gibt es noch mehr Lanzen, die zudem andere Namen haben). Diese Lanze gilt demnach als eigentlicher Kopf und Steuereinheit aller weiteren Prozesse – sie kontrolliert ADAM beziehungsweise LILITH. Folglich könnte man annehmen, dass die Lanze von LILITH bei der Wucht des Meteors auf die Erde zerstört wurde – und sie sich frei entfalten konnte. Die Folge: die Geburtsstunde der LILIM, also des menschlichen Lebens war besiegelt. ADAM beziehungsweise die Lanze von ADAM „bemerkte“ dies, und versetzte ihn daraufhin in eine Art Tiefschlaf. Das schien auch notwendig, schließlich hatte das menschliche Leben die Vorherrschaft auf dem Planeten Erde übernommen, ob aus Versehen oder nicht – sodass die einzige noch funktionierende Lanze einen großen Konflikt verhinderte. Denn, und erneut: aus ADAM (die Frucht des Lebens) und aus LILITH hervorgehende Wesen (Die Frucht der Weisheit) können schlicht nicht koexistieren. Und so wurden die Lebensformen, die später als ENGEL bekannt werden sollten; unterdrückt.

Vermutlich wäre alles gut gegangen, gäbe es da nicht den Fund der SCHRIFTROLLEN VOM TOTEN MEER sowie alle darauf folgenden Ereignisse – wie etwa die Gründung der Geheimorganisationen SEELE und GEHIRN (später: NERV), und die Expedition in die Antarktis. Bei selbiger sollte eine Art Kontakt-Experiment durchgeführt werden. Anzunehmen ist, dass die Team-Mitglieder den (schlafenden) ADAM entdeckt haben, und die dazugehörige Lanze entfernten. ADAM erwachte, wohl aber nur teilweise – sodass die ENGEL als seine „Kinder“ doch noch entstehen oder herbeigerufen werden konnten. Offenbar wollte man der mächtigen Lanze habhaft werden und sie manipulieren – was indes keine gute Idee war. Denn als man die Lanze wieder in ADAMS Seite stach, ereignete sich eine regelrechte Katastrophe: der sogenannte SECOND IMPACT.

Vermutlich löste ADAM diese Reaktion selbst aus, als Selbstschutz und Abwehrmaßnahme – oder aber auch diese heftige Maßnahme wurde von seiner Lanze gesteuert. Fakt ist, dass ein Großteil der Erdbevölkerung durch den Vorfall umkam, und die Meere seitdem rot gefärbt sind. Vollständig vernichtet wurde ADAM bei der Explosion jedoch nicht – offenbar blieb eine vollständig seelenlose und sich nicht verändernde Embryo-Form zurück, die NERV an sich nahm. Mithilfe dieser wollte man den Kontext zu den Bedingungen aus den Schriftrollen herstellen, die noch immer nicht vollständig offenbart wurden. Wichtig aber scheint, dass ADAM zumindest teilweise kontrollierbar gemacht werden musste. Seine Lanze wurde ebenfalls nicht bei der Explosion zerstört; stattdessen nahm man sie und verwendete sie bei LILITH – sodass ihre Form von nun an konstant blieb. Dies könnte man auch mit der Tatsache gleichsetzen, dass sich das Leben auf der Erde nicht mehr weiterentwickeln würde – und die Menschheit in ihrem jetzigen Zustand bereit ist für die unglaublichen Prophezeiungen der Schriftrollen. Die Seele von ADAM indes ging über auf ein Kind, welches im Moment des SECOND IMPACT geboren wurde – KAWORU. Aus bisher nicht ganz eindeutig geklärten Gründen ging die Seele von LILITH (obwohl sie am SECOND IMPACT nicht direkt beteiligt war) ebenfalls auf ein Kind über – REI AYANAMI. Vielleicht verhält es sich hierbei wie mit den Engeln und Menschen: es herrscht ein ständiger Konkurrenzkampf zwischen ADAM und LILITH, sodass beide ihre Boten aussenden mussten.

Den Schriftrollen konnte SEELE nun entnehmen, dass ungefähr 15 Jahre später die ersten ENGEL erscheinen würden, um sich mit dem ADAM in Embryo-Form zu vereinen. Diese Engel wären demnach während der Phase, in der ADAM erwachte entstanden – wobei sie nun davon beseelt sind, zu ihrem Ursprung zurückzukehren. Laut des Kanons des NGE-Universums hätte dies aber eine weitere Katastrophe zur Folge: dass alle auf LILITH basierenden Lebensformen auf der Erde in einem furiosen THIRD IMPACT vernichtet würden. NERV will dies unter allen Umständen verhindern – sie wollen, dass die Menschheit vorerst überlebt, um später den Plan von SEELE verwirklichen zu können. Es gilt also die entstandenen ENGEL allesamt zu vernichten, aber letztendlich auch KAWORU – der ebenfalls ein Engel ist. Offenbar nicht auf physischer, wohl aber auf psychischer Ebene – da er die Seele von ADAM oder zumindest einen Teil davon zu beherbergen scheint. Denn: wäre er ein ENGEL wie die vorherigen, und würde zusätzlich noch die Seele von ADAM in sich tragen, wäre der WAHRE ADAM wieder vollständig – und es gäbe ein ganz anderes Finale als das was man kennt. Eher vorstellbar ist, dass die Seele von ADAM nach dem Tod von KAWORU an einen anderen Ort gewandert ist, zum Ende von EVANGELION aber wieder in den Prozess des THIRD IMPACT eingebunden ist. Bei dem kommt es schließlich zur finalen Vereinigung so gut wie aller beteiligten Wesen, was auch der Plan von SEELE ist – wobei man niemand geringeren als SHINJI an die Spitze des überirdischen Schöpfungsprozesses gestellt hat.

Alles, was von ADAM stammt, will also zu ADAM zurückkehren – wie es KAWORU auch in einer der letzten Episoden sagt. Denn so negativ die Folgen für die Menschheit wären, so positiv wären sie für ADAM und die ENGEL – die nach der Vereinigung wieder konkurrenzlos auf der Erde vorherrschen würden. So könnte man annehmen, dass SEELE mit der Bekämpfung der ENGEL und der Verhinderung eben jener Fusion nur die Existenz der Menschheit sichern will – doch das reicht natürlich nicht. Stattdessen wollen sie mithilfe der Schriftrollen und der EVANGELIONS ihr ganz eigenes Instrumentalisierungs-Projekt wahr werden lassen – auf dass alle Menschen in einer einzigen, reinen Ursuppe (oder: ursprünglichen Lebensform) weiter existieren. Das besondere: dieser See des Lebens wäre gekennzeichnet durch die nicht-Existenz von AT-FELDERN, die Menschen erst zu Individuen machen. Es gäbe keine Grenzen, keine Barrieren – alles wäre eins. Das wiederum hätte mindestens zwei Folgen: dass es weitaus weniger (oder gar kein) individuelles Leid gibt – aber eben auch kein menschliches Erleben mehr. Und genau das ist das Ziel von SEELE. Der junge SHINJI wird dabei eingesetzt, da er der Vermutung von SEELE nach schon die „richtige“ Entscheidung treffen würde – die Menschheit in ihrer bisherigen Daseinsform auszulöschen.

Aber natürlich geht es immer etwas komplizierter – wie in den REBUILDS, in denen man die Existenz von nicht weniger als 4 Adams voraussetzen muss. Offenbar haben diese eine ähnliche Form wie der wahre ADAM aus der TV-Serie – es sind recht groß erscheinende Gestalten, die aus purer Energie zu bestehen scheinen. Der Grund für diese nicht wirklich klar abgegrenzte Daseinsform könnte ein mangelndes AT-Feld sein, oder zumindest ein weitaus schwächeres als das der Menschen und Engel. So unklar die Rolle der geheimnisvollen 4 ADAMS ist, so stark wird die REBUILD-Reihe diese Spekulationen noch in bisher unbekannte Dimensionen treiben – hoffentlich. In EVANGELION 2.0 und in einer auf MISATO bezogene Erinnerungs-Sequenz gibt es immerhin schon einen deutlicheren Hinweis auf die 4 Lichtgestalten.

Wie gesagt hat sich offenbar nur wenig an deren Form verändert – es sind lediglich einige weitere weiße Linien zu erkennen, die in Bezug auf den Ursprung der ENGEL eventuell Flügel andeuten könnten. Es ist jedoch unklar, ob dies nur ein weiterer Mythologie-Aspekt in EVANGELION ist, oder später noch an (massiver) Bedeutung gewinnen wird. Deutlich zu erkennen sind die dunklen Kreise, die Energiekerne der Wesen – ungefähr an der Stelle, wo auch das menschliche Herz zu finden ist. Interessant sind die kaum zu erkennenden Umrandungen der Kerne, denn sie sind nicht gleich.

  • Ganz links sind es 6 kleinere Kreise, die den Kern umgeben. 2 davon sind etwas dunkler als die anderen, was abgezogen von 6 wieder die mysteriöse Zahl 4 ergibt.
  • Danach ist es eine verschwommene Linie, die sich sehr nah am Kern befindet. In Anbetracht der Symbolik könnte man von einer Art kryptisch dargestellter Zusammenkunft oder Verschmelzung ausgehen.
  • Dann folgt dünne Linie, die sich in einem deutlichen Abstand zum Kern befindet. Es erscheint (noch) schleierhaft, was diese bedeutet.
  • Und als letztes sieht man einen weiteren Kreis (wohl nicht der Kern, da zu klein) über den Augen, oder vorsichtiger: den an Augen erinnernde Rundungen. Durch Linien verbunden würden sie ein Dreieck formen, und so zu weiterer Symbolik führen.

Nun gilt es natürlich, die Frage nach dem wahren Sinn beziehungsweise der wahren Bedeutung hinter diesen 4 ADAMS zu stellen. Bisher konnte man am ehesten davon ausgehen, dass diese 4 Wesen aus dem wahren ADAM geboren wurden – und demnach ENGEL sind. ENGEL, die vielleicht noch kein stabiles AT-Feld etablieren konnten und so in einem Zustand aus reiner Energie verharren. Doch gerade durch die nunmehr angebotene Symbolik (Symbole um die Kerne, Ähnlichkeit mit dem WAHREN ADAM) könnte man tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass es tatsächlich ADAMS (im Plural) und keine formlosen ENGEL sind. Und diese kühne Vermutung wäre gar nicht mal so schlecht mit den Ereignissen in der REBUILD-Reihe zu vereinbaren, im Gegenteil – selbst in Bezug auf die Serie ergäbe dies einen Sinn. Dazu muss man sich nur folgendes vorstellen: der Second Impact gestaltete sich zwar so wie oben bereits beschrieben – doch außerhalb der menschlichen Wahrnehmung geschahen weitere Dinge. So wäre zu vermuten; dass der eine, WAHRE ADAM tatsächlich durch das Kontakt-Experiment von NERV getötet oder vernichtet wurde. Und nun zu der Zahl 4:

  • Die in der Serie gezeigte Embryo-Form könnte eine der Reinkarnationen ADAM sein, von denen es noch drei weitere (aber nicht ganz so mächtige) gibt. Wichtig: es wären nur körperliche Reinkarnationen, von der Energie-Signatur her zwar mit einer ähnlichen Relevanz wie der WAHRE ADAM – aber im Grunde nur seelenlose Hüllen. Ebenfalls anzunehmen: es wurden, mit der physischen Aufspaltung ADAMS auch 4 LANZEN Lanzen geschaffen, die die neuen Existenzformen unter Kontrolle halten. Die erste Lanze (die der Embryo-Form) hat man folglich bei LILITH angewendet – vielleicht, weil der Embryo bereits für andere Zwecke verplant war.
  • Eine zweite Reinkarnation von ADAM könnte (aus noch unerfindlichen Gründen) auf dem Mond gelandet sein. Dort wurde aus der Hülle der sogenannte göttliche EVANGELION geschaffen. Dies würde die wohl später noch gezeigte Macht des EVANGELIONS erklären, und auch warum KAWORU bei seiner Ankunft auf der Erde eine Lanze dabei hat – die er auf EVA EINHEIT 01 wirft um den THIRD IMPACT zu verhindern.
  • Die dritte Reinkarnation von ADAM wäre ein noch unbekannter EVANGELION.
  • Ebenso wie die vierte Reinkarnation. Der Verbleib der beiden dazugehörigen Lanzen bliebe ebenfalls noch schleierhaft.

Da dies jedoch nur die körperlichen, die physischen Reinkarnationen sind; so müsste man auch nach dem Verbleib der Seele von ADAM schauen. Diese könnte weiterhin und wie bisher angenommen, in KAWORU stecken – während sich die von LILITH in REI befindet. Oder aber, auch die Seele von ADAM hat sich in irgendeiner Art und Weise in 4 Teile aufgespalten. KAWORU hätte einen, und die anderen 3 wären auf die EVA-Piloten verteilt (mit Ausnahme von REI, die ja bereits „besetzt“ ist). All diese Vermutung würden aber schnell zum Evangelion-Embargo aus der REBUILD-Reihe führen: wenn 4 EVANGELIONS gleichzeitig in Aktion treten, besteht die Gefahr den WAHREN ADAM wiederzuerschaffen. Noch unklar ist, welche EVANGELIONS es genau sein müssten; da man bereits in END OF EVANGELION sah dass ein Zusammenspiel von mehreren Einheiten durchaus (und gefahrlos) möglich ist.

Doch damit bliebe noch ein weiteres Problem bestehen: es ist unklar was es bedeuten würde, wenn es 4 Lanzen gäbe. In Anbetracht von END OF EVANGELION reichte bereits eine (die wahre), um den finalen Instrumentalisierungsprozess abzuschließen – doch vielleicht haben sich die 4 Lanzen auch schon vorher wieder zu einer (dann: der einzig wahren) vereint, vom Zuschauer unbemerkt. Eine andere Theorie in Bezug auf die 4 Lichtgestalten führt schnell wieder zum Beginn dieses Artikels und damit der Frage, woher genau der SCHWARZE und der WEISSE MOND als Wiege allen Lebens stammen könnten. Wer oder was hat sie erschaffen, wer oder was entsendete sie auf die Erde (und vermutlich zahlreiche andere Planeten) ? Vielleicht war es tatsächlich eine höhere Lebensform, und damit eine ganz und gar göttliche. Diese ursprünglichen Wesen hatten es vermutlich nicht beabsichtigt, dass sowohl ADAM als auch LILITH gleichzeitig auf einem Planeten landen. Oder aber sie wollten es – als eine Art göttliches Experiment.

Damit könnten die 4 Wesen auch Abbilder dieser höheren Wesen sein – wobei es fraglich bliebe, warum sie beim SECOND IMPACT selbst auftauchten. Vielleicht waren sie einfach nur alarmiert ob der verbotenen Zusammenführung von ADAM und LILITH ? In EVANGELION 2.0 aber scheint der Second Impact ohnehin eingefroren – man sieht es, als GENDO und FUYUTSUKI einen Ausflug zum Mond machen. Hier sieht man zwar keine 4 ADAMS, aber immerhin 4 Kreuzsymbole welche diese repräsentieren könnten. Es wird sich zeigen, was genau es mit der mysteriösen Zahl 4 im EVANGELION-Kontext auf sich hat. Denn nicht zuletzt sind es exakt 4 Kinder als Piloten der EVANGELIONS (in der Serie: Shinji, Rei, Asuka, Toji). Doch in Bezug auf den SECOND und den THRID IMPACT wird es ohnehin noch viel zu rätseln geben. Und das nicht zuletzt, da die entsprechenden Darstellungen in der REBUILD-Reihe merklich von der denen der Originalserie abweichen.

In dieser Ansicht sieht man einen „eingefrorenen“ SECOND IMPACT, der sich aus irgendeinem Grund seit exakt 15 Jahren in diesem Zustand befindet. Man kann dazu wohl nicht viel sagen, außer dass es mit der nicht „vollständigen“ Präsenz von ADAM zu tun haben könnte (siehe Tiefschlaf), oder mit dem Kontaktexperiment selbst. Oder aber, es war wiederum das mysteriöse Werk der LANZE DES LONGINUS (bevor sie letztlich bei LILITH eingesetzt wurde). Dies würde bedeuten, dass man beim Second Impact bereits 3 Mal einen Einsatz der Lanze zu verzeichnen hätte:

  • Zuerst wurde sie von ADAM entfernt, woraufhin es zu einem (teilweisen) Erwachen kam.
  • Dann wurde sie (in einerverunreinigten Form) wieder ADAM zugeführt. Die Folge: der SECOND IMPACT.
  • Zuletzt wurde sie (von wem oder was auch immer) erneut eingesetzt, um den vollständigen SCOND IMPACT zu verhindern und stattdessen einen „milderen“ Ausgang zu erreichen (ADAM in Embryoform, „eingefrorener“ SECOND IMPACT als göttliches Mahnmal).

So könnte es auch sein, dass die an das Spektrum eines Regenbogens erinnernden Farben um das schwarze Loch (anstelle dessen sich zuerst vermutlich der WEISSE MOND befand) eine Art „Ergebnis“ des SECOND IMPACTS darstellen könnten – eine Art Paradies also, in dem es keine AT-Felder mehr gibt. Doch da der Vorgang unterbrochen wurde, droht vorerst keine weitere Gefahr für die restliche Menschheit in ihrer bisherigen Form. Dazu ein Bibelzitat (Genesis 9:15, 9:16) in Bezug auf den Regenbogen und die erwähnte Woge der Komplementarität:

Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allen lebendigen Seelen in allerlei Fleisch, daß nicht mehr hinfort eine Sintflut komme, die alles Fleisch verderbe. Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, daß ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allen lebendigen Seelen in allem Fleisch, das auf Erden ist.

Dies führt direkt wieder zum THIRD IMPACT, der in EVANGELION 2.0 bereits angedeutet worden ist:

Auch hier ist die markante Kreisform über dem eigentlichen Ereignis zu sehen, dieses Mal jedoch in den Farben Schwarz und Rot – eventuell, da der THIRD IMPACT hier noch nicht weit genug fortgeschritten ist. Wäre er nicht unterbrochen worden, hätte sich diese „Woge“ der Energie sicher über den ganzen Planeten ausgebreitet – und alles Leben vernichtet. Lediglich SHINJI und REI hätten zusammen mit EVA EINHEIT 1 die neue Lebensform gegründet, offenbar sogar unbeeindruckt von ADAM und LILITH – die kurz während jener Szenen eingeblendet werden. Demnach wäre ein THIRD IMPACT auch unter anderen Umständen möglich, wie es FUYUTSUKI auch noch einmal betont. Das Fehlen des wahren ADAMS wird in dieser Darstellung offenbar durch den intensiven Wunsch eines einzelnen Menschen ausgeglichen. Oder aber, es hat sich (siehe eine Vermutung weiter oben) einfach eine eher „zufällige“ Konstellation aus Versatzstücken gebildet, die den THIRD IMPACT ermöglicht – doch nicht in der ursprünglich von SEELE angestrebten Version. REI hätte demnach die Seele von LILITH in sich, Shinji einen Teil von ADAM – und dazu hätte man noch je einen physischen Teil von ADAM (aus dem Engel) und von Lilith (aus EVA EINHEIT 1). In jedem Fall würde SEELE nicht sehr erfreut darüber sein – sodass KAWORU den THIRD IMPACT mit (s)einer Lanze stoppt. Dies hat offenbar noch mehr Gründe:

  • Zum einen scheint dieses Vorgehen in den SCHRIFTROLLEN VOM TOTEN MEER festgehalten zu sein – denn warum sonst sollten GENDO und alle anderen so ruhig bleiben, selbst in Anbetracht des schier apokalyptischen Geschehens ?
  • Zum anderen ist es KAWORU selbst der sagt, dass er dieses Mal zumindest SHINJI glücklich machen will. Will er also verhindern, dass SHINJI hier möglicherweise eine Art Affekt-Handlung begeht, und den THIRD IMPACT nur auslöst weil er REI retten will ? Auch sagt SHINJI vorher, dass ihm egal ist was mit der Welt passiert. Will ihm KAWORU also erst zeigen, dass die Welt auch ganz anders aussehen könnte – sodass SHINJI am Ende in der Lage wäre eine „objektivere“ Entscheidung zu treffen ?

Zum Abschluss gilt es noch einige letzte Thesen festzuhalten. So scheint es nunmehr fast bestätigt, dass die REBUILD-Reihe eine Fortsetzung der Serie beziehungsweise von END OF EVANGELION ist – und kein Remake oder eine Nacherzählung. Anders gesagt: das EVANGELION-REBUILD hievt das Ganze auf das nächstes Level, und beginnt da wo END OF EVANGELION aufgehört hatte – beziehungsweise einige Äonen danach. Alles ist stimmig in Bezug auf diese Vermutung – einzig das Problem um das Allwissen von Kaworu ist nicht eindeutig geklärt. Schließlich wird allein aus den von ihm ausgesprochenen Worten deutlich, dass er das andere Mal (oder weitere Male) bereits miterlebt hat. Vielleicht hängt dies aber mit der Seele von ADAM zusammen, die ihm innewohnt – und einer Art genetischem Grundwissen, dass vielleicht in jedem ADAM oder jeder ihn begleitenden Lanze gespeichert ist und über Generationen weitergegeben wird. Fakt ist: EVANGELION war und ist ein willkommener, eindeutiger Hammerschlag in die sich bis 1995 normal entwickelnde Anime-Traditionsgeschichte – indem die Serie das Genre vollkommen neu definierte. Für alles weitere sollte man aber den noch kommenden REBUILD-Film abwarten, der über vieles entscheiden wird. Ob im positiven oder im negativen Sinne, sollte man wohl sagen – schließlich hat man in EVANGELION 3.0 nichts von dem gesehen, was zuvor im entsprechenden Trailer angedeutet wurde.

Welche „verstörenden Schicksalsschläge“ werden noch auf die EVA-Fans warten ? Man wird es sehen, beziehungsweise eher: erleben – und zwar mit allen Sinnen.

Link: Weiter zum zweiten offiziellen Teil der EVANGELION-Fragenodyssee

Es Lebe (Und Sterbe) Die Neue Weltreligion

In der Tat… ! Schließlich und letztendlich lassen meine vorangegangenen Texte zum Thema „Religion“ hauptsächlich eine bedeutsame Konklusion zu. Gesetzt den Fall, dass ich höchstselbst (dennoch bescheiden) die Möglichkeit hätte, auf der Stelle (m)eine eigene, kleine Gesellschaftsform zu gründen, so wäre meine vielleicht wundersame und doch reell funktionelle Utopie irgendwann einmal wieder dahin. Vielleicht nicht in allen Belangen, jedoch aber in einem Aspekt: denn mit dem unabwendbaren Gedanken nach dem „warum“ und „weshalb“ fällt eine jede Weltanschauung, so fest sie einst auch stand. Sei es, dass die ausschlaggebenden Gedanken hierbei wissenschaftlich-eruierbarer, oder aber geistiger Natur (Glaube, oder einfach eine Frage des Verstandes) sein werden. Und deshalb spreche ich von Bescheidenheit, die bei allen Überlegungen eine nicht minder zu bewertende Rolle spielen sollte; schließlich können wir Menschen nichts schaffen, dass der Vergänglichkeit in einem eindrucksvollen Maße zu trotzen vermag. Einige Jahrhunderte (Schriften – danke für all die großartige Literatur), gar Jahrtausende (Erzählungen und Sagen – danke für all die spannenden Neu-Interpretationen) beschreiben hierbei bereits das Höchstmaß aller Gefühle. Noch… doch was ist erst „eine Ewigkeit“ ?

Dieses Mal hält es lange (das heisst, kurz), nächstes Mal kurz (das heisst, es ist nicht nennenswert) – ein Fakt, dem auch ich mich als Spielball einiger wohl un(be)greifbaren Mächte nur unterzuordnen weiss. Und; vielleicht ist das auch nur recht so. Was bleibt… ? Richtig, der ungestüme Kampf gegen die Zeit, welche vielleicht auch nur eine Dimension ist, die existiert, weil irgendjemand oder irgendetwas Maß an ihr nimmt, sie misst. Es ist zum Verzweifeln: man könnte selbst das Universum selbst auf das simple Existenz-um-zu-existieren Prinzip herunterbrechen, wenn man wollte. Dies jedoch behalte ich mir vor, sondern projiziere diesen Gedanken höchstens auf unsere Existenz, die allzu menschliche nämlich. So wie es aussieht, werde ich aber selbst mit diesem Prinzip brechen (nein, nicht mit mir selbst) – wohlan denn, freier Denker… !

Glauben Lehren Und Vermitteln

Nach einem ansehnlichen „Hauptwerk“ sollte immer ein sinngemäßer Epilog folgen. Doch selbst damit ist das jeweilige Thema oft noch nicht abgeschlossen; in diesem (meinem) Fall folgt noch ein weiterer Schluss-Teil, zu einem späteren Zeitpunkt. Es geht – noch immer – um das Thema „Religion“. Dieses Mal werde ich mich jedoch vergleichsweise kurz fassen.

Nun, wenn wir einige der aufgestellten Theorien und Gedankengänge aus den Religionsgeschichten #2 (Link) zusammenfassend betrachten, so könnte man folglich zu einer weiteren interessanten Feststellung (Stichwort: Epilog…!) kommen: es ist schlichtweg ein Unding, dass es auch heutzutage noch so etwas wie einen Religionsunterricht an Schulen gibt. Bei Kindergärten nimmt dieser Aspekt noch ganz andere Ausmaße an (man vergleiche die sich oftmals gleichenden Träger), doch speziell in Schulen sollte es nur eines geben: einen Glaubensunterricht ! Was das hiesse ? Nun, dieser Unterricht stünde zumindest nicht mehr unter dem Scheffel der ein oder anderen Konfession beziehungsweise Glaubensgemeinschaft. Jeder könnte beziehungsweise sollte (Unterricht bleibt etwas, was mit einem gewissen Hierarchie- und Erfahrungsgefälle zu tun hat) daran teilnehmen – egal ob Christ, Moslem oder Jude; oder ganz und gar konfessionslos (sympathisch !).

Auch unter dem inhaltlichen Gesichtspunkt wäre sich der Unterricht bestens vorzustellen. Nein, es sollten keine möglicherweise zu hinterfragenden Lehren gepredigt und vermittelt werden; es sollen alle alten Dogmen und falsch-fatalen Lehren endlich dahin verschwinden wo sie hingehören – zu denjenigen, die sich wirklich dafür interessieren; aber bitte aus freien Stücken. Es sollen verschiedene Ansichten zusammengetragen werden, es soll gefragt werden was Glaube eigentlich für den Einzelnen bedeutet, wie Kinder sich einen Gott überhaupt vorstellen. Unverschämt, dass solche Dinge kaum stattfinden – ein weiterer Grund, warum wir weit davon entfernt sind, so etwas wie eine deutlich offenere Weltreligion (und damit einen Frieden, zumindest in religiöser Hinsicht) zu formen.

Es soll (wissenschaftlich) eruiert werden, was der Glaube (nicht zuletzt als chemischer Prozess) für Vor- und Nachteile mit sich bringt. Es soll über verschiedene Meditationspraktiken, Buchstoffe, Filme und weiteres diskutiert werden – sodass sich ein jedes Individuum das für sich herausholen kann, was er für wichtig erachtet. Glauben Sie mir, alles wäre sinnvoller als einige Passagen aus der Bibel zu zitieren, auf dass der Inhalt ja nicht angezweifelt oder hinterfragt werden darf (überspitzt gesagt). Es gäbe also weitaus genug Stoff für einen Glaubensunterricht. Vielleicht in meiner (noch vorzustellenden !), oder irgendeiner Utopie

(Un-)Heiliger Synkretismus Als Konzept

Oder auch: warum für mich persönlich nur der Synkretismus (Link) ein wichtiges Teilstück in Richtung einer Lösung der vielschichtigen Religionsproblematik (Erläuterung folgt später) und der damit einhergehenden, oftmals verzweifelten „Suche nach dem Sinn“ sein kann. Was sich im ersten Moment vielleicht etwas missverständlich anhört, ist für mich selbst nur ein logischer Schritt: als Querdenker, der sich ungern einer bestimmten Fraktion anzuschließen vermag (weder gedanklich noch tatsächlich), habe ich mir quasi selbst auferlegt ein passendes, selbstgemachtes und eigenständiges Pendant zu kreieren. Vielleicht bin ich damit nicht besser oder origineller als viele kreative Köpfe vor mir, doch dieser Gefahr des Scheiterns sollte sich ein jeder freier Geist bewusst sein. Nichts desto trotz möchte auch ich einige Worte zu dieser, uns alle angehenden Thematik formulieren, auf dass sich bestenfalls der ein oder andere findet, der sich in oder wenigstens zwischen diesen Zeilen wiederfindet. Ob ich nun eine neue Weltreligion forme (zumindest gedanklich und in Ansätzen) ist mir dabei im Grunde relativ gleich; im Endeffekt wird sich eines niemals ändern: solange es keine wie auch immer geartete Offenbarung gibt, werden weiterhin unzählige (ähnliche oder komplett differente) Theorien, Denkweisen und Religions-Ansichten in unseren Köpfen schwirren. Die Zeit, als alle Menschen noch an den gleichen Gott glaubten, sind längst vorbei; spätestens seit unserem schrittweisen Rückzug aus der Natur. Eben dies führt uns zu oben erwähnter Religionsproblematik – es gibt so viele Ansichten und (Eigen-)Interpretationen, wie es Menschen gibt. Trotzdem wird beispielsweise Kindern eine vorgegebene Konfession direkt mit in die Wiege gelegt; eine von so vielen unsinnigen Relikten aus vergangenen (Kirchen-)Jahrhunderten. Doch selbige Vorgehensweise findet sich fast in jeder Kultur; eine Selbstfindung und religiöse Selbstreflexion findet dabei selten oder kaum statt. Die Folge: fehlende Toleranz aufgrund der Annahme, dem einzigen und „richtigen“ Glaubensgemeinschaft anzugehören, fehlende Akzeptanz von „religiösen Nebenbuhlern“ und vielleicht auch die unterschwellige Bereitschaft zu Glaubenskriegen (im gesellschaftlichen Kontext).

Ist es also verkehrt, mit Traditionen brechen zu wollen; wenn man sich beispielsweise fragt: möchte ich überhaupt religiös sein – oder reicht mir das objektive, das was ich mit meinen 6 Sinnen direkt imstande bin zu begreifen ? Ist es verkehrt, dennoch subjektive Hoffnungen zu hegen; sich Gedanken in Richtung einer verbesserten, humaneren und vielleicht wissenschaftlich fundierten Religion zu machen ? Eben mit dieser „Religion 2.0“ werde ich in diesem zweiten Teil meiner „Religionsgeschichten“ (Teil #1 ist hier zu finden) meine Aufmerksamkeit schenken. Während ich mich im ersten Teil hauptsächlich mit allgemeinen Ansichten zum Thema „Religion“ und vor allem der Fragwürdigkeit einiger religiöser Aspekte beschäftigte, möchte ich nun weitere Möglichkeiten einer sogenannten „Patchwork“-Religion vorstellen. Diese setzt sich, wie sich schon vermuten lässt, aus verschiedenen Bruchstücken der Weltreligionen, aber auch kleineren Abspaltungen und wissenschaftlich-philosophischen Einflüssen zusammen. Schließlich soll(te) jeder an das glauben, was er möchte; an das glauben dürfen, was er für in einer Art und Weise für richtig hält – bar einer jeglichen Kontrolle oder Instrumentalisierung. Fast schon eine automatisch einhergehende Eigenschaft vieler von Menschen praktizierten oder zumindest gedachten Patchwork-Religionen ist die Abschwächung von eigentlich omnipräsenten religiösen Dogmen, da man durch das Zusammentragen und Neu-Interpretieren von religiösen Gedanken nicht an eine bestimmte Konfession (und damit an kein eventuell zu hinterfragendes, fixes Regelwerk) gebunden ist. Jedoch; andererseits wage ich es kaum so weit zu gehen und zu behaupten, dass all diese Gedanken zwingend etwas mit dem Begriff der (gedanklichen) Freiheit zu tun haben müssen. Mit relativer Sicherheit ist die vollkommene Freiheit etwas ganz und gar unschönes. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Schließlich soll es an dieser Stelle um etwas anderes gehen – und damit nun auch endlich zu einer direkten Bezugnahme auf die von mir gerne verwendeten Begriffe Sephira, und im speziellen Kether. In der Tat stammen diese Terminologien aus der jüdischen Kabbala. Wer hätte dies gedacht – gerade da das Judentum generell alle nur erdenklichen Seitenhiebe eines jedes anderen Volkes abbekommt. Aber es wage bloss niemand, die Frage nach dem warum zu stellen; schließlich impliziert allein das Aufwerfen einer solchen Frage zumeist einen Anflug von (eventuell als anstrengend empfundener) geistiger Aktivität. Wie dem auch sei – eine Tatsache ist, dass das Befassen mit der Geschichte des Judentums und den verschiedenen religiösen Symbolen etwas besonderes zu Tage fördern kann. So bergen vor allem die Sephirot und der Lebensbaum geradezu fantastische Möglichkeiten der Interpretation für jeden, der es wagt, auch mal über seine eigenen Konfessions- beziehungsweise Religionsgrenzen hinauszuschauen. Im folgenden wähle ich bewusst eine Darstellung des Lebensbaumes aus der Anime-Serie „Neon Genesis Evangelion“:

Besagte Serie befasst sich im übrigen in einer ausserordentlichen Art und Weise mit religiöser Symbolik, und der damit verbunden mystischen und geheimnisvollen Wirkung. Nicht nur deshalb (über)nahm ich auch einen nicht unerheblichen Teil der enthaltenen Philosophie und projizierte sie auf meine eigene – wie sie auch immer wieder im Kontext meines Blogs auftauchen wird. Die 10 Sephirot (Singular: Sephira), die grundsätzlich in allen Darstellungen des Lebensbaumes nach Isaak Luria (Link) enthalten sind, beschreiben die sogenannten 10 göttlichen Emanationen; das heisst 10 spezielle Aspekte, die nach dieser (längst nicht mehr nur streng jüdischen !) Auffassung eines höheren, vielleicht göttlichen Ursprungs sind. Diese Aspekte können durchaus auch als Eigenschaften bezeichnet werden, die unmittelbar etwas mit den Menschen; dem menschlichen Königreich auf Erden zu tun haben. Beginnen wir „unten“, wobei der Lebensbaum eine gewisse richtungs-auflösende Symmetrie besitzt, die ihn von allen Seiten beobachtbar und wechselseitig wirksam macht. Mit der Sephira Malchut (Herrschaft, Königreich) ist die Grundlage für Jesod geschaffen, die wiederum selbst als Grundlage zu bezeichnen ist; die alle anderen (menschen-bezogenen) Sephira überhaupt erst entstehen lässt. Und dies sind folgende:

  • Hod (Glanz)
  • Nezach (Sieg, Beständigkeit)
  • Tipheret (Pracht)
  • Gewurah (Stärke, Macht, Gerechtigkeit)
  • Chesed (Güte, Treue)
  • Binah (Einsicht, Verstand)
  • Chochmah (Weisheit, Klugheit)

Und ganz oben: Kether, die „Krone“; die wiederum den Kreis zu Malchut schließt (das wie auch immer geartete Königreich; die Krone als Symbol einer höheren Herrschaft). Das besondere: dieser stets nach 10 Ziffern strukturierte Darstellung kann grundsätzlich jede irdische und überirdische (göttliche) Eigenschaft zugeordnet werden. Als Ganzes gesehen beschreibt sie folglich einen idealen Menschen, den Adam Kadmon (Link) – bei dem sich theoretisch alle gegensätzlichen Gefühle und Eigenschaften in einer gedanklichen goldenen Mitte (dargestellt durch einen Balken im Lebensbaum) gegenseitig aufheben würden. Die – theoretische – Folge: es entsteht Harmonie und Einklang. Es erscheint nur offensichtlich, wieso sich eine vergleichsweise tiefgründige Anime-Serie wie „Neon Genesis Evangelion“ dieser (und weiterer, auch christlicher) Symbolik bedient. Es ist scheinbar ein Fluch und ein Segen zugleich: die Menschen streben stets nach einer höheren Vollkommenheit, die unter normalen Umständen jedoch wohl kaum erreicht werden kann. Doch allein die Tatsache oder die Vermutung, dass es irgendwann möglich wäre, eine wie auch immer geartete höhere Evolutionsstufe (oder höhere Bewusstseins-Ebene) zu erreichen, beschäftigt die Menschen. So spielt besagte Serie mit der fiktiven Situation, dass das Erreichen einer solchen höheren Ebene durch gewisse Umstände bald erreichbar sein könnte. Die Grenzen zwischen dem, was wir (als Menschen) für richtig und erstrebenswert halten, und dem, was möglicherweise wichtig in Bezug auf eine höhere Ordnung sein könnte, verschwimmen. Eben diese Tatsache macht das Thema so interessant und beachtenswert.

Ebenso interessant sind auch die weiteren Theorien von Isaak Luria, beschrieben in der sogenannten lurianischen Lichtmystik: es wird davon ausgegangen, dass die Schöpfung erst durch ein Tzimtzum, einer göttlichen angeleiteten Selbstbeschränkung eines unendlichen Raumes (En Sof) möglich ist. Die eher schlecht als Recht vorstellbare gedankliche Folge, die selbst bei der Fragestellung nach dem entstehen unseres Universums eine Rolle spielen sollte (was sie aber selten tut): die Unendlichkeit bestand schon immer, doch durch ein spezielles Ereignis wird diese Unendlichkeit beschränkt (und mit gewissen Gesetzmäßigkeiten versehen), sodass die Dinge, wie wir sie heute beschreiben, entstehen konnten. So auch der Adam Kadmon – direkt verbunden mit den 10 Sephirot – aus dessen brechenden Körperöffnungen Licht in die Welt emaniert (Schwirat Ha-Kelim) und so einen chaotischen Schöpfungsprozess entstehen lässt, in dem der Faktor Licht eine entscheidende Rolle spielt. Es wird beschrieben, dass in den ersten Phasen ausschließlich dämonisches Leben entsteht, welches erst später, in der Phase einer Restitution (Reinigung) vollkommen wird – und dass auch der einfache Mensch an diesem Prozess teilhaben kann wenn er nur imstande ist, genügend gegenteilige Kräfte (wie die der Liebe oder der Güte) entgegenzusetzen.

Wie aber lässt sich nun der Bezug zum Gnostizismus herstellen ? Nein, nicht zum Agnostizismus, obwohl ich mich selbst auch dem Leitgedanken hinter dieser Lehre nur anzuschließen vermag. Der Gnostizismus (oder auch: die Gnosis) geht von der Annahme aus, dass in allen Menschen eine Art göttlicher Funken schlummert, der aber nur von den wenigstens (oder bisher keinem) Menschen erkannt wurde. Doch die Entdeckung eines solchen Funkens wäre folglich die Voraussetzung, um die Ebene eines höheren Seins zu erreichen, und der „materiellen Welt“ zu entkommen. So glaubte offensichtlich auch Simon Magus (Link) als einer der Personen, die mit definiert haben was die Gnosis beschreibt (und betreibt), diesen Funken in sich entdeckt zu haben. Die Folgen (vor allem auf ihn und seinen Seelenzustand selbst) dürften weitestgehend unbekannt sein; doch immerhin war ist er heute als einer der ersten Häretiker bekannt – jemand, der sich nicht den gegebenen Lehren und Religions-Ansichten (vor allem die der christlichen Kirche) anschloss; sondern die „Wahrheit“ in anderen Gefilden suchte. Wie beispielsweise auch die Anhänger des Manichäismus (Link) oder die des Montanismus (Link). Bei all diesen (teilweise antiken) Bewegungen und verschiedenen Gedanken kommt man leicht zu dem Schluss, dass es seit jeher Querdenker und freie Geister gab, die sich Gedanken – fernab der vorherrschenden religiösen Dogmen – machten; und so neue Lehren und Ansichten formten. Doch man sollte sich bewusst werden: aus den Gedanken eben solcher Querdenker entstand auch das Christentum, und mit hoher Wahrscheinlichkeit aus nichts anderem. Es musste schließlich irgendwann und mit irgendetwas beginnen – in diesem Falle muss es ein besonders ausgeklügelter Prozess von (theoretisch beeinflussbaren) Ereignissen und Interpretationen gewesen sein. Es wäre also falsch zu sagen; all diese Abspaltungen und Neu-Gruppierungen wären vollständig sinnlos gewesen; nein – der Unterschied ist nur, dass das Christentum heute eine Weltreligion ist. Warum auch immer, in Sachen „Wahrheitsgehalt“ (schwieriger Begriff, sprechen wir besser von wissenschaftlicher Nachweisbarkeit) dürfte sich diese Religion nicht deutlich von anderen unterscheiden. Einen gedanklichen Spagat beziehungsweise die Ausreizung unseres Vorstellungsvermögens fordern nämlich so gut wie alle religiösen Gedanken.

Nach diesem kurzen Anriss einiger interessanter religiöser Gedanken möchte ich nun zu den größeren (Welt-)Religionen überleiten. Stichwort Christentum: natürlich gibt es auch in dieser Religion zahlreiche, meiner Meinung nach positive Aspekte, die im oftmals heftigen Gegensatz zu den negativen stehen (alleiniger Wahrheitsanspruch > Kreuzzüge). Das wäre in erster Linie das Symbol der Christen, das Kreuz. Weniger in Bezug auf die (vielleicht stattgefundene, aber fraglich interpretierte) Opfergeschichte und das Leiden von Jesus, sondern eher auf den rein symbolischen Gehalt der Form: die waagerechte Linie als Symbol für die Verbundenheit aller Menschen auf der Erde (Brüderlichkeit, Schicksal) und die horizontale Linie als Symbol für die Verbindung von Himmel (geistig) und Erde (materiell). Oder auch der generelle Bezug zur proklamierten Barmherzigkeit und Wärme, symbolisch oder reell – all diese Aspekte finden sich ebenfalls in Hideaki Anno‘s (Link) Werk „Neon Genesis Evangelion“ wieder. Das Problem, welches ich mit dem Christentum (gerade als alleinige und „einzig wahre“ Religion habe), lässt sich schnell erfassen. Wobei ich durchaus froh bin, in der heutigen Zeit zu leben, und für derartige Aussagen nicht mehr verurteilt zu werden. Wobei, gegen eine Verurteilung hätte ich wohl nichts, wenn die Christen aber schon in ihres Gottes Namen urteilen, dann sollte mich doch dieser Gott aber zumindest selbst richten. Schade, dass dies kein Grundsatz gewesen ist, so hätten unzählige Menschenleben (beim ewigen Warten auf einen Blitzschlag der den Scheiterhaufen entfacht) gerettet werden können.

Es ist dieser merkwürdige Anspruch, die Wahrheit aus einem historisch zu hinterfragenden Märtyrertum abzuleiten, und sie für alle Zeit als allgemein gültig zu erklären. Und; es ist die Tatsache, dass sich der Gott der Christen seitdem nicht mehr offenbart hat, weder vorher noch nachher. Es bleibt bei einer einmaligen Emanation, die ebenso theoretisch und nicht (wissenschaftlich oder mithilfe des Verstandes) zu überprüfen ist wie viele Gedanken um die Schöpfungsgeschichte. Warum in dieser Zeit, warum an diesem Ort; warum in dieser Form – alles erscheint von vorne herein allzu dogmatisch festgelegt („wir warten auf einen Erlöser“), und danach entsprechend zu einer allgemeingültigen Lehre proklamiert worden zu sein. Einer Lehre, die die Jahrhunderte überdauert hat, und deren Anzweifelung man interessanterweise oftmals immer noch als Blasphemie bezeichnet. Wenn ich diese Zeilen hier hinterlasse, lästerte ich gewiss keinen Gott – allerhöchstens einigen Menschen, die als Vertreter dieses Glaubens fungieren und fungierten.

Als Agnostiker muss man sich ohnehin die eher wissenschaftlich-eruierende Frage stellen: gab es Jesus Christus wirklich (in anderen Breitengraden dem jeweiligen Erlöser / Propheten / Heilsbringer entsprechend) ? Und wenn ja, war er tatsächlich so, wie wir ihn uns damals wie heute vorstellen; nicht zuletzt auf der Grundlage der Erzählungen aus der Bibel (des Korans / anderer „heiliger Schriften“) ? Denn ein stets mit-einzukalkulierender Faktor ist der der Sprache, die gerade bei einem jahrhundertelangem Übersetzungs- und Interpretations-Prozess nur allzu schnell gar Verwirrungen babylonischen Ausmaßes durchlaufen kann. Eines bleibt in jedem Fall, und das ist Faktum: selbst, wenn es sich bei alledem in der Tat nur um eine Art physisches existierendes, ehemals lebendiges Placebo für die (nach Wahrheit, oder zumindest nach religiöser Nahrung gierende) menschliche Psyche handeln sollte, die Auswirkungen sind enorm. Und das, obwohl das Christentum als gültige (Norm-)Religion im Grunde nur einen kleinen Teil der Weltbevölkerung abzudecken vermag. Doch diese Zeilen gelten stellvertretend für alle anderen Religionen, die sich lediglich von den (Glaubens-)Inhalten her unterscheiden, im Prinzip aber alle eines gemeinsam haben: wissenschaftlich kaum eruierbare Ereignisse werden auf eine höhere Ebene gestellt und mit einer entsprechenden Bedeutsamkeit versehen. Und genau daraus entsteht die Saat, die wir Hoffnung nennen („ist es nicht doch genau so geschehen ?“). Im besten Fall gedeiht sie zu einer (mehr oder minder) prachtvollen Blüte, indem sich zahlreiche Gläubige vereinen und so eine neue Weltreligion formen. Doch selbst die schönste und friedlichste Blume duldet keinen Nebenbuhler neben sich, der mit einer vielleicht ebenso prachtvollen Blüte die Gunst des (in diesem Falle theoretischen !) Betrachters erlangen möchte. Schließlich  geht es doch immer um die Frage nach der Existenzberechtigung, und wer will schon zweiter sein ?

Und jetzt wird es (ein letztes kurzes Mal, die exsolutio naht !) knifflig, selbst wenn die Ereignisse so stattgefunden haben wie in der Bibel beschrieben, so spielen sie kaum noch eine Rolle auf das heutige Leben. Eben nur eine solche, wie wir sie selbst und nach unserer Meinung oder Situation attribuieren. Doch es handelt sich eben nicht um Dinge, die wir an uns selbst entdecken können; die auch wir heute noch erfahren oder miterleben können. Es handelt sich um historische Ereignisse, die wir so wie wir sie überliefert bekommen haben annehmen können – oder, die wir mithilfe unseres (kritischen) Verstandes hinterfragen können, hinterfragen sollten. Das Christentum, der Islam; ja selbst die Gnosis oder der Lebensbaum: alles läuft Gefahr, von des Menschen Hand (beziehungsweise Verstand) geformt worden zu sein, und zwar ausschließlich. Dies ist ein Gedanke, dem ich mich anschließe, und folglich alle Religionen und religiösen Gedanken theoretisch niemals als „gültig“ anzusehen wären – schon gar nicht, wenn die religiöse Lebensweise das Leben der jeweiligen Anhänger einschränkt oder das anders-Gläubiger irgendwie behindert. Schließlich liesse dies nur einen Schluss zu: es sind wir selbst, die uns einschränken; und gerade damit vielleicht sogar das Erreichen einer höheren Bewusstseins-Ebene verhindern.

Religion Ist Gleich Moral

Liebe Leser;

zum Einstieg in das mir sehr wichtige Thema „Religion“ und „Götzendämmerung“ beginne ich mit diesem etwas ausführlicheren Text, der Sie mit auf eine kleine Reise nehmen wird. Weniger durch die Geschichte und die verschiedenen positiven und / oder negativen Auswüchse der Religion, sondern vielmehr durch die unabhängigen Gedankengänge eines – grundsätzlich konfessionslosen – Wanderpredigers. Beginnen wir mit einer kurzen Einführung, die sowohl auf die Theorie als auch auf die Praxis der allgemeinen Religionsausübung abzielt.

Was sind schon Dogmen, althergebrachte; spirituelle Rituale oder eine mehr oder weniger instrumentalisierte Hoffnung auf ein höheres Wesen und damit einen höheren Sinn ? All dies sind höchst religiöse Themen, an die sich die Menschen klammern um von Ihnen zu zehren. Und das seit Jahrhunderten – sei es, dass die jeweils korrespondierenden Glaubensgemeinschaften und Konfessionen sich stets im Wandel befanden. Im Prinzip bleibt Religion stets dasselbe, egal in welchem noch so abgelegenen Teil der Welt und unter welcher Bezeichnung. Und das hat hauptsächlich zwei Gründe, deren Erläuterung sowohl der physische und der psychische Aspekt des Menschen als Grundlage dienen.

Zum einen scheint es beinahe eine Art evolutionärer Instinkt (wenn auch nicht zwingend lebensnotwendiger) zu sein, sich Zeit seines Lebens auf den Pilgerpfad einer allgemeinen (Sinn-)Suche zu begeben, oder besser: die stille Hoffnung nach etwas höherem zu entwickeln. Und selbst wenn man einem wie auch immer gearteten Ergebnis nicht so nahe kommt wie man es sich vielleicht vorstellt, fühlt es sich einfach gut an, dieser Art von Religion zu frönen. Selbiges scheint nicht nur im allgemeinen Gen-Pool der Menschheit verankert zu sein, sondern ist schlicht gesagt auch Teil eines komplexen chemischen Prozesses im menschlichen Gehirn.

Damit wäre bereits eine Erklärung gefunden, die Abstraktion mithilfe einer pysisch-orientierten Herangehensweise. Eine andere Herangehensweise bedient sich dem menschlichen Verstand, und dem Bedürfnis nicht alleine zu sein; selbst wenn man den anderen oder das andere nicht mit den uns gegebenen Sinnen erfassen und wahrnehmen kann. Oftmals reicht es, wenn unser Herz; der siebte Sinn, uns sagt: das hat einen Sinn, da ist jemand oder etwas bei mir und schaut auf mich; hilft mir. So sind viele Menschen durchaus der Ansicht, dass sie dieses Höhere bereits für sich gefunden haben, und sind deshalb zufrieden mit sich und ihrem Glauben. Manch andere sind wiederum der Ansicht, dass dieses Höhere bereits direkt und unmittelbar mit ihnen Kontakt aufgenommen hat; auf welche Art und Weise auch immer, und sie vielleicht sogar eine Art Mission aufgetragen bekommen haben. Ein höchst diffiziles Thema; nicht umsonst gab es zahlreiche historische Auseinandersetzungen und sogenannte heilige Krieger, die weder Moral noch Menschlichkeit kannten; beziehungsweise sich diese exklusiv auslegten und anwendeten.

Für manche gestaltet sich das alles weniger kompliziert – die, die sich nicht an Konfessionsgrenzen aufhalten, und schon gar nicht anderen ihre Ansichten aufdrängen. Ein wenig Vernunft wäre gewiss nicht verkehrt; eine Vernunft, die vielleicht sogar mit den jeweiligen religiösen Traditionen brechen kann. Oftmals ist dies jedoch leider nicht der Fall, und der Mensch macht Gebrauch von üblen Dogmen, veralteten Praktiken und Denkweisen. Diese können nur dazu führen, dass das, was scheinheilig von vielen Weltreligionen gefordert wird, nämlich Frieden – nicht erreicht werden kann. Es ist durchaus etwas merkwürdig und gibt zu denken, denn in beinahe jeder Weltreligion (und auch den kleineren Vertretern) finden sich Glaubensaspekte, die mit den der anderen nicht immer harmonieren; gelinde ausgedrückt.

Und es war mit ziemlicher Sicherheit kein Moses, der einen ursprünglichen Kodex auf Steintafeln gemeißelt hat und sie den Menschen überreichte. Es war auch kein Gott, der eine fertige Bibel oder einen Koran vom Himmel fallen ließ, auf dass sich alle Menschen nach diesem unfehlbaren Werk richten. Ein wenig bedauernswert ist das durchaus, denn dann wäre alles so viel einfacher; doch andererseits bleibt uns so zumindest die Freiheit erhalten.

Natürlich sind es wieder einmal wir selbst, die wir uns die Dinge öfter mal ein wenig geraderichten um sie zu vereinfachen. Oder sie unseren Ansichten anpassen, wenn auch jedes Mal nur ein klein wenig mehr. Ein schönes Beispiel dafür ist mit Sicherheit die heutige Bibel der Christen, die wohl kaum noch etwas vom (sinngemäßen) Inhalt der damaligen Zeit in sich trägt. Und dennoch gilt dieses Werk als beinahe unfehlbar. Und damit gelangen wir zu einem der deutlichsten Widersprüche aller Religionskonzepte: eigentlich müsste es tatsächlich eine Art unfehlbares Gesetzbuch geben, nach dem sich alle Welt richtet – dementsprechend so angelegt, dass es zeitlos bleibt und nicht aufgrund einer gesellschaftlichen oder technologischen Entwicklung wieder relativiert werden müsste. Enthalten wären also nur höchst grundsätzliche Dinge, ähnlich den 10 Geboten, oder aber es müsste (nach der Annahme einer sich niemals offenbarenden Gottheit) schlicht gar keinen fixen Regelsatz geben. Aber was bliebe dann noch ? Nun, der Glaube an sich bliebe bestehen, wie auch viele Traditionen und Rituale, die nach Meinungen der Gläubigen so vernünftig und richtig sind, so von Gott gewollt sind.

Was wir aber in der Realität haben ist oftmals eine krude Mischung aus tausenden Versatzstücken, bei denen niemand eigentlich so genau weiss, wie das alles einmal angefangen haben könnte; und wer nicht einer der besagten Menschen war, der hier und da vielleicht ein klein wenig abgeändert hat. Es scheint unmöglich zu sagen, ob überlieferte Geschichten aus der Vergangenheit tatsächlich so stattgefunden haben, oder aber ob sich nicht auch ganz andere (vielleicht absurde) Dinge zugetragen haben. Wer weiss – genau das ist das Problem. Ich bin mir aber beinahe sicher, ob wir nun nach einem religiösen Werk leben und handeln, oder aber unsere Vernunft als Leitmotiv für selbiges platzieren; wäre einem jeglichen „Gott“ relativ gleich. Denn nichts anderes steht in Werken wie der Bibel geschrieben: was damals Sitte und Unsitte war, findet Erwähnung in diesem Buch.

Andersherum müsste sich jeder streng Gläubige bewusst sein (aufgrund seiner Dogmen-unabhängigen Vernunft), dass es recht verkehrt wäre, schlecht über seinen „Gott“ zu reden. Das Geschenk des Lebens selbst würde alles andere aufwiegen; schätzungsweise. Auch wird der Gläubige wissen und spüren, dass es irgendwie unrichtig erscheint, Leben zu nehmen anstatt es zu geben. Dafür brauchen wir kein Buch oder keine neuen Prediger, dafür hat die Natur, und damit vielleicht der Schöpfer selbst, längst gesorgt. Tatsächlich – diese gemeinsamen Eigenschaften einer Ur-Moral (wenn man so will) verbindet uns im innersten, wenn schon nicht die verschiedenen Religionen dazu imstande sind. Wäre es anders, hätten wir wohl kaum den Weg aus der Steinzeit meistern können.

  • Es ist nur natürlich (und damit fast automatisch gut), dass es so etwas wie Religion als erlebbare Eigenschaft innerhalb unseres (relativ kurzen) menschlichen Daseins gibt. Selbst wenn sich am Ende doch nur herausstellen sollte, dass all dies nur in unseren eigenen Köpfen stattgefunden hat. Wie die Moral, die wohl (leider !) auch nicht die Menschheit überdauern wird; aber Religion kann Trost spenden, Hoffnung geben; ja sogar Spaß machen.
  • Man sollte niemals überbewerten – Religion (Blüte) ist im Grunde nichts weiter als eine kleine Erweiterung eines geistigen Zustandes (Saat); und daher ein Produkt der Natur / des Menschen selbst. Auch wenn die Möglichkeit besteht, dass noch mehr dahintersteckt.
  • Es ist weniger gut, sich streng nach allzu dogmatischen Regelwerken oder einer (durchaus zweifelhaften) Historie zu richten. Nicht die Religionen an sich sind es, die Feindseligkeiten auslösen, sondern die Auslegung derselben. Eine gute Hilfe für die Rechtfertigungen kriegerischer oder hasserfüllter Handlungen sind – leider Gottes – nuneinmal Werke wie die Bibel; oder das Wort eines einzelnen, besonders mächtigen Mannes der glaubt ein neuer Messias zu sein.
  • Niemals sollte sich ein Mensch auf etwas Höheres berufen (was ihn unantastbar machen würde, doch dies ist oft genug geschehen) oder sein Leben etwas widmen, von dem wir gar nichts wissen. Ein Klosterschüler ist nicht auf der Suche nach Gott (selbst wenn, finden wird er ihn nicht), sondern auf der Suche nach sich selbst. Auch wenn gerne anderes behauptet wird.
  • Religion sollte erlebbar werden. Und das fängt mit der Entzerrung zahlreicher Begrifflichkeiten an, wie der Definition von Religion selbst. Überhaupt, warum gibt es so etwas wie Religionsunterricht. Ein weiterer, von Menschen gemachter Unsinn, der eher aufzwingt anstatt zu lehren vermag. Mein Gegenentwurf: der Glaubens-Unterricht !

Man sollte darauf gefasst sein, dass „Mensch sein“ am Ende eine bedauernswertere Angelegenheit ist als wir alle hoffen. Aber zumindest eines ist ganz gewiss: die Hoffnung stirbt zuletzt; das heißt mit dem letzten Menschen.

Kinder In Talentshows Und Der Fernsehwelt

Verzeihung, doch bei diesem (heutzutage leider sehr „angesagten“) Thema muss auch ich einmal meinen Sarkasmus beiseite lassen und sagen: wer tatsächlich der Meinung ist, dass Castingshows im Fernsehen eine Art „Chance“ für Kinder sein können – der sollte mindestens noch einmal darüber nachdenken. Oder diesen Beitrag hier komplett durchlesen. Vielleicht hilft es ja.

Wichtig ist allerdings, dass der Begriff „Casting“ durch die Medien enorm verzerrt wurde und entsprechend negativ behaftet ist. Natürlich gibt es auch ganz „normale“ Castings, bei denen sich Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit ihrem Talent vorstellen können – beispielsweise beim Film, beim Theater, beim Fotoshooting für einen Katalog oder bei was-auch-immer. Der markante Unterschied: bei wirklich seriösen Castingagenturen werden kaum Kameras dabeisein. Gut, sie sind natürlich dabei (Stichwort Film) – doch wird das entstehende Material nicht an RTL oder ähnliche „Institutionen“ verramscht, und überhaupt werden die netten privaten TV-Sender (beziehungsweise der Repräsentant mit dem Bündel an Verträgen in der Hand) gar nicht erst mit ihren Kameras zur Tür hineingelassen – meistens. Zum Glück !

Und, es gibt einen weiteren Unterschied: während sich Leute bei „echten“ Castings kaum blamieren können – und dementsprechend von „echten“ Fachleuten beäugt und beurteilt werden – werden für die Fernsehformate exakt solche… „Kandidaten“ gesucht, die irgendetwas bemitleidenswertes oder (unfreiwillig) komisches an sich haben. Das ist im Allgemeinen natürlich äußert kritisch zu betrachten; aber es ist gut, dass RTL und Konsorten dies (noch !) nicht explizit mit sehr jungen Teilnehmern machen, sondern ausschließlich bei solchen die eigentlich wissen sollten was sie tun (und können). Dennoch kann es vorkommen, dass auch Minderjährige oder gar jüngere Kinder zu diesen Castings kommen (sofern sie nicht ab 16 oder 18 sind, davon gibt es auch einige), wo man sich einfach die Frage stellen muss: wer hatte jetzt die Idee dazu, oder besser: wer schleift den jungen Mann / das junge Mädchen zum entsprechenden Casting, vor ein Millionenpublikum – der Ehrgeiz der Kinder oder die „talentfördernden“ Eltern, die eventuell mit Dollarsymbolen in den Augen am Bühnenrand stehen ?

Gut, es gibt Kinder die schon genau wissen, was sie wollen – dass muss man festhalten. Unter anderem solche wären aber viel besser bei oben erwähnten, „richtigen“ Castings (seriöse Agenturen !) beraten. Und nicht unter dem Damoklesschwert der drohenden „Verheizungsstrategie“ der Medien beziehungsweise der Knebelvertragslast von RTL und Konsorten. Aber kommt Ihnen – als kritischer Fernsehzuschauer – nicht ohnehin auch der Gedanke, dass vieles von dem was wir von Kindern in den Medien sehen nicht ins entsprechende Kinderzimmer gehört ? Denn nicht alle Kinder haben ein ausreichendes Talent, um tatsächlich ernstzunehmende Musiker oder Schauspieler zu werden – entgegen der heuchelnden Aussagen in der Werbung. Was aber, wenn diese Kinder nun vor ein Millionenpublikum treten ? Das ist beispielsweise geschehen bei einem gewissen Leon, der einen Song von Peter Fox interpretierte. Oder es zumindest versuchte. Seinen Auftritt sollte man nun gewiss nicht belächeln, ebensowenig wie seine musikalischen Fähigkeiten beurteilen – man sollte einfach nur hinterfragen ! Hinterfragen, ob dies nicht eine Performance von uns selbst hätte sein können, als wir noch im Kinderzimmer mit Mikrofon und Kassettenaufnahmegerät spielten (Kind der 80’er ?). Ja, hätten wir die heute gerne nochmal gehört ? Vielleicht, aber sicherlich aus nostalgischen Gründen. Aber hätten wir heute gewollt, dass sie damals 5 Millionen Menschen direkt im Fernsehen hören und sehen konnten, und sie danach für immer und ewig über die Weiten des Internets verfügbar wäre ? Ich wage nicht daran zu denken. Es wäre vielleicht gar keinn so großes Problem, wenn sich später niemand mehr dafür interessieren würde. Aber wenn ich bei einem zukünftigen Arbeitgeber sitze, und der vielleicht mal meinen Namen in eine Suchmaske eingibt… ich behaupte mal: lieber nicht.

Nun, ich denke kein Beispiel ist so treffend, dass es bereits alleine dastehenden eine genügende Aussagekraft besitzt. Deshalb hier nun das Nächste Beispiel eines jungen Mannes, dessen Name ich hier nicht (auch noch) erwähne – der steht gewiss schon auf unzähligen Seiten. Bereits vor seinem Auftritt beim „Supertalent“ war ersichtlich, dass ihn irgendetwas belastete, er den ganzen Trubel kaum verkraften würde – ja, warum nur; ist er einfach „nicht Manns genug“ oder wie… ? Nein, er ist schlicht und einfach erst 7 Jahre alt (!), und weiss eigentlich gar nicht worauf er sich hier eingelassen hat. Der brave RTL-Zuschauer denkt natürlich sofort: „och, der ist aber niedlich, und soo tapfer ! Komm schon Junge, Du packst das !“ – während RTL alles perfekt in Szene setzt. Zoom auf das von Tränen unterlaufene Gesicht; Schnitte zu den scheinbar mitleidenden Eltern… ganz großes Kino. Oder: ganz große Sche***e. Pardon, ich bin es nicht gewohnt solch ordinäre Schimpfwörter zu benutzen. Jedoch… jetzt hat der junge Mann etwas am Hals. Nämlich eine Vorgeschichte in den Medien, und dann auch noch eine bei einem Sender wie RTL. Tja, was werden wohl seine Klassenkameraden gesagt haben ? Und was sagt sein zukünftiger Chef ? Und: was sagt er selbst, in ein paar Jahren… ?

Wir alle wissen doch ohnehin, wie ach-so-toll es ist, einen Wettbewerb wie „Das Supertalent“ zu gewinnen. Oder… ? Anders liesse sich der Ansturm bei den Castings wohl kaum erklären, darunter natürlich auch Eltern die ihre Kinder ein wenig… „pushen“ wollen. Ja, das ist so toll diesen (oder einen ähnlichen) Wettbewerb zu gewinnen, „schaff es oder Du gehörst zu den Verlierern“ ! Eine fatale Ansicht. Die Wahrheit ist: viel mehr als der berüchtigte 5-Minuten-Ruhm ist oftmals nicht drin. Viele sogenannte „Gewinner“ tauchen nur allzu schnell wieder unter, aber dann in der tiefsten Versenkung. Allerdings meist unfreiwillig, das Problem ist einfach dass diese… „Künstler“ nach dem Abklingen des Hypes irgendwie niemand mehr sehen, hören oder erleben will. Und dann beginnt – erst Recht – die große Verzweifelung. Es ist erwiesen, dass sich solch ein Vorgang (der enorme Karrierepush von 0 auf 100) nicht wiederholen lässt. Jegliche spätere Versuche, im entsprechenden Bereich (zum Beispiel Musik) Fuss zu fassen, scheitern oft kläglich. „Der war doch schon Superstar, was will der noch… ?“ Exakt hier wird die unglaubliche Dimension der Volksveräppelung deutlich. Man schafft eben keinen Superstar, wenn man ihn ein paar Tage im Fernsehen zeigt und die Zuschauer für ihn anrufen lässt – unabhängig davon, wie gut er eigentlich in seinem Metier ist. Mit dieser Vorgeschichte wird der „Star“ nämlich ganz schnell wieder zum Hartz-4 Empfänger; weil sein Weg quasi erkauft wurde und nicht ehrlich verdient. Und durch die ganzen Verträge (über die man als Außenstehender meist nur munkeln kann) wird der weitere Weg ohnehin erschwert, vermutlich… RTL hat dich „großgezogen als Star“ (und dann fallengelassen, aber pssst !) – aber sei ja dankbar dafür und versuche es erst gar nicht mehr ohne sie. Oder tue es doch, und realisiere, dass Dich nun noch weniger Leute sehen wollen als vorher.

Die wahrlich einzige Ausnahme, die mir hierzu einfällt, wäre eventuell ein gewisser Paul Potts. Denn der hat es wirklich zu etwas gebracht, und hat eine beständige Fangemeinde. Aber das ist ein Einzelfall, ich tippe auf 1% der Castingteilnehmer die es wie er – auch nachhaltig – zu etwas bringen (im angepeilten Tätigkeitssegment, hier: der Operngesang). Selbst die „No Angels“, die sich hierzulande noch unglaubliche lange gehalten haben – dürfte so langsam keiner mehr hören wollen, erst Recht nicht nach einem gewissen Skandal… doch, niemals zuviel beeinflussen lassen von den Medien. Oder möchte man vielleicht wie ein gewisser Ross Anthony in einem anderen Bereich der Unterhaltungsindustrie arbeiten ? Hm, als Sänger in einer Band wurde es wohl nichts… als Solosänger auch nicht… na dann eben als Hampelmann für die privaten und Witzfigur für die Welt. Oder, möchten Sie heute vielleicht nochmal eine neu aufgelegte CD von Michael Hirte in den CD-Player schieben (zu Weihnachten vielleicht wieder)… ? Sie sehen, was ich meine. Es wird nicht besser, sondern schlimmer.

Wenn es schon absurde Formate wie Castingshows sein müssen an denen sich die Leute ergötzen (ich tippe mal dass dies auch ein Großteil der Bildzeitungsleser sein wird), dann bitte ich nur um zwei Dinge: um eine vernünftige Aufklärung und ein Spiel mit offenen Karten (Verträge und Verpflichtungen, Erfolgschance, was danach), und: lasst die Kinder da raus – und zwar komplett ! Dies geht in erster Linie nicht an die Sender (ausnahmsweise !), sondern an die lieben Erziehungsberechtigten.

Distanz Und Nähe In Der Pädagogik | Der Mensch Bleibt Mensch

Was ist überhaupt eine pädagogische Distanz ? Und was die pädagogische Nähe ? Nun, der „perfekte“ Erzieher trägt bestenfalls eine möglichst ausgewogene Mischung beider Unterrichtskonzepte in sich, und lebt sie entsprechend im Alltag – das heißt, in seiner Interaktion mit den Kindern / seinen Schutzbefohlenen.

Merkmale der pädagogischen Distanz können beispielsweise sein:

  • Deutliche Stellung als Autoritätsperson (z.B. Durchsetzungsvermögen gegenüber den Kindern)
  • Fähigkeit zum Aussprechen eines klaren „Neins“ (situationsbedingt)
  • Rundum-Blick für das Ganze (z.B. während einer Phase der Aufsichtspflicht)
  • Keine Bevorteilung oder Benachteiligung einzelner Kinder
  • Schaffen einer stimmigen Lernatmosphäre, Vermitteln von Lerninhalten oder Allgemeinwissen
  • Ernstnehmen der Kinder als individuelle Persönlichkeiten
  • Der Kontakt bzw. der Umgang mit den Kindern ist Teil des Arbeitslebens

Merkmale der pädagogischen Nähe können dagegen sein:

  • Ein Kind ist nicht nur „Klient“, sondern auch ein einzigartiges Individuum
  • Wirkliches Interesse am Wohlergehen des Kindes
  • Deutliches Einfühlungsvermögen
  • Fähigkeit zu Trösten, zu Unterstützen, emotional zu begleiten
  • Gespräche mit Kindern auf gleicher Ebene (z.B. auf Diskussionen einlassen)
  • Verbote oder Anweisung immer erklären und begründen
  • Freundschaftliche Umarmungen, spielerische Rangeleien mit den Kindern
  • Altersgerechte Späße und Scherze mit den Kindern
  • Der Kontakt bzw. der Umgang mit den Kindern bereitet Freude und ist nicht „nur ein Job“

Dabei gilt es jedoch einen wichtigen Grundsatz zu beachten, der sich mitunter aus folgenden Fragestellungen zusammensetzt:

Ist es wirklich nötig, ständig zwischen Mann und Frau zu differenzieren ?

Ist es wirklich nötig, ständig zwischen Erwachsenen, Alten und Kindern zu unterscheiden ?

Ist es wirklich nötig, Menschen ständig zu kategorisieren und in gedankliche Schubladen einzuordnen ?

Ja; ist all das wirklich wichtig, oder reicht es manchmal nicht auch, wenn man einfach nur Mensch ist und Mensch bleibt ?

Bevor ich noch weiter aushole, möchte ich sogleich auch wieder ein wenig zurückrudern. Natürlich gibt es zahlreiche fixe Unterschiede in allerlei bunten Variationen. Biologische, physische, psychische, gesetzliche, offensichtliche, versteckte. Doch darum geht es mir nicht. Es geht mir allein um die Tatsache, dass es in manchen Situationen einfach nur unpassend erscheint, nach den gängigen Normen zu kategorisieren, vorschnell zu bewerten und dementsprechend zu handeln. Die Folge kann sein, dass man den jeweiligen Menschen (ob Mann, Frau, Kind oder Rentner) und seine einzigartigen, für ihn essenziellen Bedürfnisse aus den Augen verliert. Das Problem, welches hierfür verantwortlich ist, ist in erster Linie unser auf Gedankenstraßen fahrendes Gehirn – welches ein trainiertes automatisches Bewerten und folglich auch ein entsprechendes Handeln wie auf Abruf abspielt („es ist eingefahren„). Und, es sind von Menschen gemachte und definierte Positionen und Hierarchien, die dazu führen dass wir unser Gegenüber auf das reduzieren, was wir in diesen Momenten von ihm glauben wahrzunehmen – eine „niedriger“ oder „höher gestellte“ Person. Es ist unser Platz in der Gesellschaft, der uns glauben lässt mögliche Ungerechtigkeiten oder Bevorteilungen anderer wahrzunehmen.

Doch oft lohnt es sich auch, diesen Prozess aus Gedanken und fast schon automatisierter Folge-Handlungen zu unterbrechen. Dies steht in jedermanns Macht, doch in den seltensten Fällen findet eine Nutzung dieser Fähigkeit statt. Die Folge: nie enden wollende Diskussionen um Unterschiede zwischen Mann und Frau in den Medien, eine ständige Bevormundung von Kindern in der Praxis; ein räumliches und gedankliches Abschieben von älteren Mitmenschen. Diese zählen zu den vermeidbaren Kategorisierungen – hierarchische (hauptsächlich Arbeits-Situationen) oder sozialgesellschaftliche (Gesellschaftsschichten) dagegen sind kaum zu verhindern. Was kann man also tun ? Man könnte damit beginnen, bei unsäglichen Mann-Frau „Vergleichssendungen“ im TV abzuschalten. Man könnte seine Kinder einmal als das wahrnehmen, was sie eben auch sind: als Menschen. Das heisst in der Praxis: man sollte zuhören können, und mögliche angesprochene Thematiken und Probleme absolut ernst nehmen. Man könnte einen alten Menschen einmal nach dem fragen, was er wirklich möchte – und ihn nicht möglichst schnell „loswerden“ wollen. Denn: der Mensch bleibt Mensch – hoffentlich…</span

Aus aktuellem Anlass und dem Bezug dieses Textes auf das Feld der Pädagogik muss ich noch folgende Zeilen loswerden: Auch ein Kind ist ein Mensch, ein Mensch wie Du und ich. Mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen, die es zu respektieren gilt. Warum also werden Kinder oftmals eben nicht respektiert, und deren Bedürfnisse und Interessen hintenan gestellt ? Natürlich gibt es ein (nicht nur „hierarchisches“ !) Gefälle, aber ich möchte es erneut betonen: es kann sich lohnen, dieses zu durchbrechen. Es einmal testweise komplett umzudrehen, zu kippen, zu vergessen – wenigstens für einen Moment. Nun, auch ein Erwachsener kann sich – vielleicht aus Freude oder Spaß am Leben – manchmal wie ein Kind verhalten, muss deshalb aber nicht gleich von anderen Erwachsenen wie eines behandelt oder kritisch „beäugt“ werden. Auch Du hast noch das Recht, manchmal „störrisch“ und „nörgelnd“ wie ein Kind Deine Meinung zu vertreten. Und Kinder sagen zwar nicht immer, aber dennoch am häufigsten die Wahrheit. Man höre zu, und lerne…

Entmaskulinisierung Und Feminismus In Der Pädagogik

In Bezug auf das Bild, welches man heutzutage immer wieder aus dem sozialen Bereich erhält, und auf die tagtägliche (negative) Berichterstattung in den Medien sollte ein jeder durchaus die Muße haben (sofern man der Gesellschaft noch nicht den Rücken gekehrt hat), sich ruhig einmal des öfteren mit einem höchst interessanten und essentiellen Thema zu befassen: der Pädagogik. Wenn man aber im Stile der Neuzeit beginnen möchte, sollte man dann mögliche Leser nicht viel eher mit einer etwas… reißerischen Formulierung ködern ? Sollte man nicht direkt von einer angewandten Pädagogik sprechen, welche unsere Kinder (möglicherweise) zu Gewalttätern werden lässt ? Vielleicht sollte man es genau so formulieren, steigern derlei Methoden doch immer wieder die Aufmerksamkeit – was eine Tatsache (und zugleich ein trauriges Spiegelbild der Gesellschaft) ist. Vielleicht aber auch nicht, findet man solcherlei plumpe Meinungsmache doch zuhauf in anderen, tagtäglich erscheinenden Printmedien mit 4 großen Druckbuchstaben. Nur eines ist ganz sicher: selbst in dieser überzogenen Aussage findet sich mehr als nur ein kleines Fünkchen Wahrheit.

Doch wie lässt sich bei einem derart komplexen Themenfeld ein gerechter Einstieg finden ? Es gilt wohl die alte Regel: bevor man mit dem Finger auf andere oder anderes zeigt, betrachtet man bestenfalls sich selbst; stellt sich selbst als Ausgangspunkt in das Zentrum etwaiger Überlegungen. Schließlich ist eine persönliche (Be-)Wertung und ein entsprechender Werte-Abgleich (ob unbewusst oder nicht) ohnehin kaum zu vermeiden, weshalb auch ich mich als Betrachter von gesellschaftlichen Phänomen gar nicht erst auf eine neutrale oder nicht beeinflussbare Ebene stelle. Sei es – der Mensch bleibt Mensch. Doch in Bezug auf die Pädagogik ist selbst jüngeren Generationen oftmals gewahr, dass vor 10 oder 20 Jahren alles noch ein wenig anders war, anders gewesen sein muss. Man braucht gar nicht erst auf Unterrichtsmethoden, gesellschaftliche oder gar politisch motivierte Hintergründe einzugehen, das Problem ist viel simpler. Denn während man aus einer stark vereinfachten Sichtweise sagen könnte, dass die Pädagogik lange relativ unbeeindruckt von äusseren Einflüssen blieb, wurde Ende der 80er Jahre bereits ein inoffizieller Startschuss für das Zeitalter der (Unterhaltungs- und Informations-)Medien gegeben. Was damals noch eher beiläufig und als Freizeitvergnügen begann, mauserte sich im Laufe der Jahre immer mehr zu einem echten Problem; schließlich verschoben sich dementsprechend auch etwaige Prioritäten. Kurzum: der Einfluss der Medien war längst nicht so allgegenwärtig, es gab nicht so… differenziert zu betrachtende Vorbilder wie heute.

Fast im gleichen Atemzug wurde ein ganz anderer Kamp auf einer ganz anderen Ebene weitergeführt, der Kampf für die Rechte der Frauen. Was jedoch vor einigen Jahrzehnten als berechtigter und nachvollziehbare Einforderung von mehr Rechten für das ehemals schwache Geschlecht galt, ist unlängst gekippt; und das in einem äusserst kritisch zu betrachtenden Ausmaß. Fakt ist, dass man nunmehr so weit ist, Wertminderungen des männlichen ohne mit der Wimper zu zucken zu begehen, oder (je nach Fraktion) hinzunehmen. Zweifelsohne ist hier nicht von Frauen oder Männern in Führungspositionen zu sprechen – hier haben Männer noch immer offensichtliche Vorteile gegenüber Frauen. Warum das so ist, und warum das vielleicht auch zu Recht so ist, ist ein anderes Thema – doch man sollte viel eher von der eigentlichen Phase der Grundlagenbildung sprechen, der Schulzeit – und damit direkt von der Pädagogik. Es ist klar: mit den heutigen Methoden wird man abermals keine gleichberechtigte Zukunftsgesellschaft erschaffen, im Gegenteil. Stattdessen geht das Experiment mal in eine andere, so noch nie dagewesene Richtung: lassen wir doch mal die Frauen das Sagen haben, eben dort wo es ohne Probleme geht; es wird schon gerecht sein. So gibt es eben kaum noch männliche Lehrer an Grund- oder Ganztagsschulen; die Gründe hierfür sind vielfältig – die Folgen allerdings auch. Während die Männer lange Zeit als das „stärkere“ Geschlecht kategorisiert wurden, so musste man unlängst feststellen, dass dies eine etwas antiquierte Sichtweise ist. Ganz besonders, wenn es sich um das Kindesalter handelt.

Warum hat man von jeher und in den Schulen überhaupt so stark zwischen Mädchen und Jungen differenziert – zumindest wenn es um mögliche Qualitäten oder mögliche Emotionen geht ? Warum wurden die Probleme der Jungs oftmals als nicht so schlimm eingestuft, etwa weil man davon ausging das Mädchen weitaus mehr Zuwendung benötigen, vielleicht die ernsteren Probleme haben – weil sie von geschlechtsspezifischen Aspekten her weitaus sensibler sind ? Heute weiss man, dass dies keinesfalls richtig ist. Im Gegenteil, inzwischen sind es die Jungen, die mehr und mehr emotionalisiert sind für eine große Bandbreite an Aspekten. Und eben auch emotionalisiert sind dafür, wie sie behandelt werden, wie sie von anderen verstanden werden. Sie sind „auf der Suche“, wenn man so will – und finden sie keinen entsprechenden Gegenpol, eine Quelle; kann diese Suche (später) auch in Frustration enden. Das alles wäre nicht passiert, hätte man – zumindest auf dieser Ebene – für mehr Gleichheit und Gleichberechtigung gesorgt. Damals – wo es oftmals die Mädchen waren die benachteiligt wurden – und heute, wo es genau andersherum ist.

Andererseits muss man feststellen, dass eine völlige Gleichsetzung der Geschlechter im Schulalter ebenfalls schädlich ist. Nicht bezogen auf oben genannte Aspekte wie Akzeptanz, Toleranz oder einfach nur das Zuhören und Ernstnehmen – was eine der wichtigsten Basis-Grundlagen für alles weitere ist – sondern bezogen auf geschlechtsspezifische Angebote und Beziehungen innerhalb der Schulen. Davon gibt es heutzutage – es ist kein Wunder – einfach viel zu wenige. Da es kaum männliche Erzieher gibt, fehlen vor allem Jungen mögliche Vorbilder zu denen sie aufschauen, mit denen sie sich austauschen können. Die Mädchen ihrerseits sind da vielleicht gar nicht so empfindlich wie immer gedacht, für sie ist es zwar ebenfalls wichtig auch weibliche Erzieherinnen als Bezugspersonen zu haben – aber keinesfalls so wichtig wie das entsprechende Pendant für die Jungen. Diesen Eindruck zu unterstützen vermag die Tatsache, dass es heutzutage immer mehr alleinerziehende Mütter gibt – bei deren Kindern dann kaum oder keine männliche Bezugspersonen vorhanden sind. Weder Zuhause, noch in der Schule. Was macht man in einem solchen Fall, als Kind und Junge ? Wenn man Glück hat, hat man einen gewissen Freundeskreis, der einem „typische Jungsaktivitäten“ zumindest noch in der Freizeit ermöglicht. Wenn man aber Pech hat, und das ist immer häufiger der Fall – findet man die Vorbilder dann dort, wo man sie quasi auf dem Präsentierteller angeboten bekommt. Nicht mehr in der Schule, die nun oft auch bis in den späten Nachmittag hineinreicht, sondern… richtig, in den Medien.

Nur leider ist diese Informationsflut, die von den Medien ausgeht, nur sehr schwer kontrollierbar oder nachvollziehbar. Es ist ein einseitiger Informationsaustausch – man nimmt ausschließlich auf, und stellt keine Fragen. Dies führt unweigerlich zu einer Desensibilisierung hinsichtlich einer Kritikfähigkeit, und macht Kinder / Jugendliche anfällig für problematische Gruppierungen, oder aber ganz allgemein für Gewalt oder Sucht. Klar, irgendwo hat man auch mal gehört dass sich so etwas nicht gehört – aber die Masse an Botschaften wie es darf eigentlich nicht sein, aber wenn es doch sein muss, ist es in Ordnung überwiegt. Was sollte man auch sonst machen ? Und wer sagt mir überhaupt, dass ich das nicht darf ? Genau diese Frage ist wieder zurückzuführen auf das Fehlen von männlichen Erziehern und Mitarbeitern, oder auch ganz generell „männlichen Aspekten“ in der heutigen Pädagogik.

Ja, warum gibt es denn nun eigentlich so wenig männliche Erzieher ? Es hat zwei einfache Gründe – und die haben interessanterweise kaum etwas mit finanziellen Aspekten zu tun, wie immer gerne gesagt wird. Das ist Unsinn – auch in anderen Berufen verdient man heutzutage vergleichsweise wenig, doch wenn einen eine Arbeit wirklich erfüllt rutscht dieses Faktum auf der persönlichen „Rangliste der wichtigsten Berufs-Aspekte“ oftmals nach hinten. Die richtige Frage sollte also lauten: warum ist die Arbeit als männlicher Erzieher nicht so erfüllend wie für weibliche ? Die Beantwortung fällt relativ leicht, eine Lösung dagegen unendlich schwer zu finden. Es ist ganz einfach ein Problem der, nennen wir es Gesellschaftsakzeptanz – einmal auf persönlicher, einmal auf beruflicher Ebene. Die persönliche Ebene ist hierbei oft nicht so gravierend wie die berufliche, denn schließlich kann man mit diesen Problemen gegebenenfalls weitaus leichter fertigwerden. Das können dann Dinge sein wie: schiefe Blicke seitens der Freunde, der Familie, der Mitmenschen. Warum willst du als Mann mit Kindern arbeiten ? Oder in Bezug auf Jugendliche, die sich möglicherweise noch orientieren wollen: ist das nicht uncool / komisch, mit diesen nervigen Kindern zu arbeiten ? Völlig ausser Acht wird hierbei oft gelassen, dass es tatsächlich Männer (und Frauen) gibt – denen eine Arbeit mit Kindern oder Jugendlichen einfach im Blut liegt, ungleich viel Freude bereitet. Und, denen es zwar wichtig ist ihren Lebensunterhalt zu verdienen – in dem Wissen, es damit allein wohl niemals zum Millionär bringen zu können. Wozu auch, wenn man eine wichtige Aufgabe hat ? Eine Aufgabe, die sich damit befasst Kinder oder Jugendliche verantwortungsvoll anzuleiten, zu schulen, vorzubereiten auf ihren weiteren Lebensweg. Und natürlich auch: auf menschlicher und psychologischer Ebene zu helfen.

Auf beruflicher Ebene sehen die Probleme natürlich schon ungleich gravierender aus. Durch eine allgemeine Stigmatisierung hinsichtlich Männern als „grob“, „böse“ oder die Anprangerung als „schlechte Menschen“ ist der Beruf des Erziehers kaum noch attraktiv für junge Menschen mit einem sozialen Interesse. Diese Form der Stigmatisierung findet man besonders häufig in Kindergärten oder generell Einrichtungen, die sich mit jüngeren Kindern beschäftigen. Natürlich trägt man selbst auch immer (s)einen gewissen Teil bei – es gibt immer zwei Seiten. Doch wenn die eine wirklich so offensichtlich Männer benachteiligt, fällt es solchen eben auch ungleich schwerer als Frauen, in diesem Beruf Fuß zu fassen. Und dies tut Männern einfach weh – in doppeltem Sinne. Denn wir wissen: auch Männer können emotional sein. Mindestens ebenso emotional wie Frauen. Es kann also durchaus eine schmerzhafte Erfahrung sein, als einziger Mann in einem weiblichen Team zu arbeiten. Wohlgemerkt, es kann – es muss nicht. Schließlich könnte man sich selbst auch auf verlorenem Posten stehen sehen, in denen ein jeglicher Kampf um Anerkennung meist komplett niedergeschlagen wird. Vorausgesetzt natürlich, man befindet sich in der Hierarchie unter den anderen weiblichen Mitarbeiterinnen. Das ist beispielsweise bei Praktikanten oder Berufs-Einsteigern der Fall, denen es also nicht wirklich leicht und schmackhaft gemacht wird, in diesem Bereich zu arbeiten. Denn: wie sollte man als Mann vernünftig arbeiten können – im sozialen Bereich hat man schließlich nicht nur für sich selbst Verantwortung – wenn die Chemie im Team einfach nicht stimmt ? Bei Verantwortlichen Leitern und Vorsitzenden sieht das plötzlich wieder ganz anders aus: ja, da gibt es sehr häufig auch Männer. Was gut ist, doch längst nicht mit den Problemen aus dem Pädagogik-Alltag in Verbindung zu stellen: da geht es hauptsächlich um die „direkte“ und unmittelbare Pädagogik – die immer noch fast ausschließlich von Frauen praktiziert wird.

Interessant ist sicherlich auch, dass besonders Frauen, die schon länger im sozialen Bereich tätig sind, vergleichsweise weniger Wert auf Emotionalität oder einen allgemein netten Umgang (in Bezug auf die „Klienten“ = Kinder) legen als Männer. Das entspricht zumindest dem, was man immer wieder beobachten kann (allerdings selten direkt und weniger während der Abholzeit), und was sich durch Gespräche mit anderen Männern immer wieder bestätigt. Da wird die neue Generation eben schön drauf vorbereitet, ein gut funktionierendes Glied der Gesellschaft zu werden. Tue dieses, tue jenes aber nicht – weil die Frau es sagt, während es früher hiess: weil Man(n) es sagt. Sicher auch nicht zwingend besser, aber der extreme Wandel wird an diesem Beispiel nur allzu deutlich. Und somit schließt sich auch der Kreis zum repräsentativen Erziehermangel: wenn Kinder ausschließlich in einer solchen, von Frauen dominierten Umgebung aufwachsen, kann dies nicht in Problemen resultieren – es wird in Problemen resultieren. Gerade bei Jungen – das ist ein beweisbares und wissenschaftlich anerkanntes Faktum.

Denn: ein jeder Junge braucht Idole, oder anders gesagt: Personen zu denen er aufschauen kann. Und, das müssen eben keine besonders erfolgreichen Männer oder gar Berühmtheiten sein ! Nein, es müssen Männer sein, die sie selbst sind und bleiben – und die irgendwo auch greifbar sind. Normale Menschen, mit normalen Problemen – was sie zu realistischen Direkt-Vorbildern macht. Männer, bei denen vielleicht auch nicht immer alles glattgeht – die aber schon viele Erfahrungen gesammelt und allerlei Probleme bewältigt haben. Die selbstsicher sind, und die wissen was sie wollen. Die ihrerseits somit auch die Jungen verstehen, die sie ja selbst einmal waren. Die wissen, was Jungen interessiert; wissen, was sie für Sorgen haben – und wissen, wie man mit ihnen umgeht. Und ganz wichtig: die zuhören können. Das funktioniert nun einmal immer noch am besten in der Konstellation Mädchen – Frau, Junge – Mann. Das ist nur natürlich, und hat mit dem geschlechtsspezifischen Erfahrungsniveau und weiteren psychologischen Aspekten zu tun. Ein Junge wird mal ein Mann, ein Mann war mal ein Junge – ein Mädchen wird einmal eine Frau werden und umgekehrt. So sollten unbedingt immer gleichgeschlechtliche Ansprechpartner und Bezugspersonen im Leben eines Kindes vorhanden sein – sowohl Zuhause (was leider keinesfalls mehr üblich ist) als auch in den Schulen (was möglich ist – aber leider nicht an der Tagesordnung).

Wie sähe es also in einer entsprechenden Utopie aus ? Mädchen und Jungen gehen in jeweils gleichen Teilen in eine altersgemischte Klasse (1-4). Sie verleben 4 Jahre ihres Lebens hier – entsprechend geschult einerseits, entsprechend emotionsfähig sollte das pädagogische Personal sein. Und: es sollte zu gleichen Teilen aus Frauen und Männern bestehen. Frauen und Männer, aber auch junge Frauen und junge Männer (20-30), die vielleicht noch etwas näher am unsteten Zeitgeist leben und wissen und verstehen können was Kinder und Jugendliche bewegt. Auch ältere Lehrkräften sollten ihren Teil – anhand ihrer großen Lebenserfahrung – beitragen dürfen. Und der wichtigste pädagogische Ansatz: es sollte nicht bloß stumpf nach Lehrplan unterrichtet werden. Es sollte Gruppenarbeiten geben, die soziale Kompetenzen fördern. Es sollte AG’s für Jungen und Mädchen geben, die jeweilige Vorlieben und Interessen aufgreifen und neue Aufgaben geben, an denen die Kinder – ob Junge oder Mädchen – wachsen können. Es sollte ausschließlich Lehrer und Lehrerinnen geben, die immer auch menschlich sind – und keine bloßen Marionetten der fragwürdigen Bildungs- und Erziehungspolitik. Es sollte weniger ausgesprochene Verbote geben – vielmehr sollte ein Gefühl von richtig oder falsch auf unmittelbarer Ebene gelehrt, und Emotionalität und Akzeptanz gefördert werden. Wenn jemand ein Problem hat, dann hört man gewissenhaft zu – erscheint es auch noch so klein und oberflächlich. Alle Kinder sollten ernst genommen werden, mit all ihren persönlichen Belangen – und ihnen sollte nach bestem Wissen und Gewissen geholfen werden sofern es einmal nötig ist. Auch wenn man selbst dabei Gefahr läuft, auch einmal „hintenan“ zu stehen. Denn der Dank, den man direkt oder indirekt zurückbekommt, bleibt der größte Lohn – und den kann man im Gegensatz zu den (eventuell zu wenigen) Euros im Monat – nicht anfassen.