Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – The 8th Sin (2007)

Alben-Titel: The 8th Sin
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Mai 2007
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. Call Out to the World (03:48)
2. Never Again (03:19)
3. Not the Only (05:16)
4. Tell Me (04:13)
5. Not like You (04:25)
6. Leave Me Alone (03:00)
7. Till I Come Alive (03:45)
8. Strong Enough (03:13)
9. Me (04:13)
10. Pain & Pleasure (03:53)
11. Fools Parade (02:37)

Eine kleine Sünde hat doch wohl jeder frei.

Ja, die 2000er Jahre markierten eine recht aktive Zeit für die schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES – auch oder gerade aufgrund des markanten Lineup-Wechsels zu Beginn des neuen Jahrtausends, bei dem der auch heute noch in der Band aktive Jonny Lindqvist für den einstigen Frontmann Anders Zackrisson kam. Gleichzeitig aber handelte es sich auch um eine Zeit, in der nicht immer alles rund lief für die Schweden – die sich mit Alben wie THE SACRED TALISMAN (siehe Review) oder dem hervorragenden Alben-Duo aus dem 2000’er AFTERLIFE (Review) sowie dem 2002 erschienenen SHADOWLAND (Review) die Messlatte selbst ziemlich hoch gelegt hatten. Eine der somit fast schon abzusehenden Folgen war, dass bereits das 2005 veröffentlichte NEW WORLD MESSIAH (Review) dezente Probleme hatte die hohen Erwartungen zu erfüllen – woraufhin sich die Band abermals zusammensetzte und beschloss, etwas neues auszuprobieren.

Denn, und das muss man den Schweden zumindest in der Theorie hoch anrechnen: sich nur wiederholen, das wollten sie nicht – vielmehr ward der Blick stets explizit nach vorn gerichtet, was auch die teils neuerlichen stilistischen Ausrichtungen auf dem 2005 erschienenen GRAND ILLUSION (Review) erklärt. Eben diese Einstellung oder auch Vorgehensweise geriet den NOCTURNAL RITES aber spätestens auf dem vorliegenden THE 8TH SIN zu einem echten Nachteil. Einen, der die Band sogar in relative Existenznöte brachte – und dafür sorgte, dass bis zu einem neuen NOCTURNAL RITES-Release (namentlich das 2017 veröffentlichte PHOENIX, Review) ganze 10 weitere Jahre vergehen sollten. Aber wie es eben so ist: manchmal muss man tief fallen, um zu erkennen was man möglicherweise falsch gemacht oder zumindest anders hätte lösen können – wofür THE 8TH SIN wie fast kein zweites Genre-Album Pate steht. Sicher, unter gewissen Gesichtspunkten kann das Album durchaus bestehen; aber – und das ist das Problem – eher nicht unter jenen, die die NOCTURNAL RITES einst definierten.

Anders gesagt: wenn die Band schon auf GRAND ILLUSION gewisse Andeutungen machte sich immer weiter von ihren Power Metal-Wurzeln ezu entfernen, so beschreibt das vorliegende THE 8TH SIN die endgültige Umwandlung oder auch Konvertierung der NOCTURNAL RITES. Und die wird beileibe nicht bei jedermann Anklang finden, erst Recht natürlich im Hinblick auf und im Vergleich mit den früheren Alben der Band. Und sei es, dass man sich doch noch mit der auf THE 8TH SIN postulierten musikalischen Atmosphäre anfreunden kann (was mindestens eine enorme Eingewöhnungszeit erfordert) – ein wenig nachdenklich sollte einem eine Entwicklung wie diese in jedem Fall stimmen. Sicher, gegen etwaige Weiterentwicklungen oder Erprobungen in anderen Genres hat wohl niemand etwas einzuwenden – doch wenn eine vollständige Abkehr von alten Tugenden plötzlich zum Programm wird – und genau ist das somit auch gewissermaßen passend betitelte THE 8TH SIN – dann sollten vielleicht doch eher die Alarmglocken läuten.

Immerhin, und dafür braucht man gar nicht erst die Geschichte der Band oder ihre andern Alben zu kennen; weiß das Album auch von allen Umständen abgesehen nicht gerade aufregendes oder besonders gutes anzubieten. Eher absolut standardisierte AOR-Kost mit einem – und das wiegt wesentlich schlimmer – teils ärgerlichen und im Metal eher zu vermeidenden modernen Einschlag. Einen; der im Zusammenspiel mit der teils auffällig zurückgefahrenen Härte, dem wenig aufregenden Tempo, den recht generisch klingenden Gitarren und den absolut austauschbaren Refrains dafür sorgt; dass im direkten Vergleich selbst etwaige spätere AVANTASIA-Alben wie steinharte musikalische Bretter klingen. Oder die von KAMELOT. Immerhin könnte der Rausschmießer PAIN & PLEASURE genauso gut von eben jenen Amerikanern stammen – mit dem Unterschied, dass sie sicher etwas geschickter mit der hier anberaumten symphonischen Komponente umgegangen wären. All das wäre unter Umständen absolut fatal – wenn, ja wenn da nicht doch noch die ebenso markante wie angenehme Stimme von Jonny Lindqvist wäre. Die kann das Album gerade noch vor der absoluten qualitativen Versenkung retten und immerhin einen Grund dafür liefern, warum man sich ein Album wie THE 8TH SIN überhaupt zu Gemüte führen sollte. Ob das in einem Fall wie diesem ausreicht, muss ein jeder aber für sich selbst herausfinden.

Absolute Anspieltipps: NOT THE ONLY, NOT LIKE YOU, LEAVE ME ALONE


„Bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet – aber hoffentlich trotzdem nur eine einmalige Angelegenheit.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Grand Illusion (2005)

Alben-Titel: Grand Illusion
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. September 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Owe Lingvall – Drums
Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass

Track-Liste:

1. Fools Never Die (03:54)
2. Never Trust (04:44)
3. Still Alive (04:02)
4. Something Undefined (04:09)
5. Our Wasted Days (05:17)
6. Cuts like a Knife (05:11)
7. End of Our Rope (05:27)
8. Never Ending (04:29)
9. One by One (04:24)
10. Deliverance (05:01)

Das Leben ist… hoffentlich mehr als nur eine große Illusion.

Betrachtet man die schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES und ihre Schaffensperiode in den späten 90ern und frühen 2000er Jahren, stellen sich einem unweigerlich mehrere Fragen. Zum einen natürlich, wie es die Band nur schaffen konnte sich stetig in die absolut richtige Richtung weiterzuentwickeln – und sich entsprechend effektiv hochzuarbeiten, noch dazu ohne sich einen größeren qualitativen Schnitzer geleistet zu haben. Daran könnte bekanntlich auch der potentiell einschneidende Wechsel des Leadsängers im Jahre 2000 nichts ändern – manche behaupten sogar im Gegenteil. Zum anderen aber, und dafür sorgte spätestens das 2004 erschienene NEW WORLD MESSIAH (siehe Review); hatte man sich früher oder später wohl doch die Frage stellen müssen, wie genau es mit der Band weitergehen sollte. Lange überlegen brauchten die NOCTURNAL RITES aber offenbar nicht – schließlich lieferten sie mit dem vorliegenden GRAND ILLUSION ihre ganz eigene Antwort ab, die das mit NEW WORLD MESSIAH zumindest leicht rissig gewordene musikalische Konstrukt der Power Metal-Pioniere ganz schnell wieder kitten sollte. Das ist an und für sich eine gute Sache, und unterstreicht das von der Bands stets nach außen getragene Engagement niemals wirklich stillstehen zu wollen – wenn, ja wenn das kleine Wörtchen wenn nicht wäre. Denn, und dafür reicht eventuell schon ein Blick auf den extrem knapp bemessenen Zeitraum in dem all diese Entwicklungen stattfanden: so stilsicher und im positiven Sinne überraschend wie dereinst konnten die Schweden nicht mehr auftreten.

Eben das merkt und hört man THE GRAND ILLUSION auch relativ zweifelsfrei an. Und das vornehmlich, da die NOCTURNAL RITES hier abermals einen für sie großen Schritt gegangen sind. Nicht unbedingt in die gänzlich falsche Richtung – aber doch in eine, die sich unter Umständen nicht vollständig mit der bis dato eingeschlagenen Marschrichtung der Band vereinbaren lässt. Ein gewisser Anflug von Wehmütigkeit wäre jedenfalls verständlich – insbesondere natürlich in Anbetracht der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht allzu lange zurückliegenden hervorragenden Band-Alben THE SACRED TALISMAN (Review) , AFTERLIFE (Review) und SHADOWLAND (Review). Fakt ist: mit dem nicht sicher nicht tadellosen, aber noch immer höchst soliden NEW WORLD MESSIAH als Bindeglied präsentierten die NOCTURNAL RITES auf GRAND ILLUSION eine gewisse Form der Verwandlung – hin zu einer nicht mehr allein dem europäischen Power Metal zuzuordnenden Combo. Einer, die es zwar weiterhin relativ einwandfrei im Bereich des melodischen Heavy Metals zu veroreten galt – neben der potentiellen Vergrätzung alter Fans aber Gefahr lief, es etwas zu bunt zu treiben. So könnte man der Band durchaus die Abkehr von ihrer alten, augenscheinlich besser funktionierenden Spielart ankreiden – sowie auch die Absicht, plötzlich vermehrt auf vergleichsweise unkompliziertere, freundliche und stellenweise gar problemlos als radiotauglich zu bezeichnende Momente zu setzen.

In Bezug auf eben diese Feststellung ändert dann auch ein Experiment wie das in CUTS LIKE A KNIFE anberaumte wenig. Eben weil es sich nur um ein Experiment handelt – welches zudem wenig mit der allgemeinen Gangart des Albums korrespondiert – und im schlimmsten Fall komplett zu überspringen ist. Erst lange nach dem schwachen Alben-Auftakt können sich die NOCTURNAL RITES noch einmal aufrappeln, und mit Nummern wie dem schon etwas prägnanter stampfenden NEVER ENDING, dem überraschend mächtig daherkommenden DELIVERANCE, dem knackigen FADE AWAY oder dem rassigen Power Metal-Rausschmeißer UNDER THE ICE punkten. Insgesamt aber reicht es in diesem Fall einfach nicht, zumindest nicht im Sinne um mit den früheren Releases der Band mithalten zu können – wofür man sich nicht erst als großer Gegner von stilistischen Veränderungen innerhalb einer langjährig aktiven Genre-Combo bezeichnen muss. Nein, vielmehr ist es der relative Überschwang von sich letztendlich recht deckungsgleich anfühlenden Midtempo-Nummern mit etwas zu viel auflockernden Elementen seitens des Keyboards – und das stellenweise drastisch zurückgefahrene Tempo inklusive einer mit der Produktion einhergehenden, hier eher ärgerlichen Form der Sanftheit. Wenn das Album eine klare Stärke hat, dann ist das die gesangliche Darbietung von Jonny Lindqvist – die im Zusammenspiel mit dem soliden Handwerk der anderen Mitglieder und des glücklicherweise doch noch einigen Raum einnehmenden schroffen Riffings schlimmeres verhindert.

Absolute Anspieltipps: STILL ALIVE,  DELIVERANCE, FADE AWAY, UNDER THE ICE


„Aufgrund einiger einfach nicht zündender Momente eines der schwächeren NOCTURNAL RITES-Alben, leider. Dennoch kann man von einem soliden Genre-Release ausgehen, erst Recht wenn man die Vergangenheit der Band einmal dezent ausblendet.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – New World Messiah (2004)

Alben-Titel: New World Messiah
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. März 2004
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Nils Norberg – Guitars
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. New World Messiah (04:08)
2. Against the World (04:19)
3. Avalon (04:20)
4. Awakening (05:28)
5. Egyptica (05:53)
6. Break Away (04:34)
7. End of Days (04:47)
8. The Flame Will Never Die (04:21)
9. One Nation (04:30)
10. Nightmare (04:37)

Siehe, ich verkünde euch eine neue Welt.

Nein, viel falsch machen konnten die NOCTUNRAL RITES wahrlich nicht. Zumindest nicht zum Auftakt des neuen Jahrtausends, und mit ihren bis dato veröffentlichten hervorragenden Alben im Gepäck – von denen sowohl die aus der früheren Ära mit Anders Zackrisson, als auch die mit dem später für ihn eingesprungen neuen Leadsänger Jonny Lindqvist einen zumeist tadellosen Eindruck hinterlassen konnten. Nach den beiden vergleichsweise schweren; man will nicht sagen düsteren Vorgängern AFTERLIFE (siehe Review) und SHADOWLAND (Review) aber wollten die Schweden offenbar wieder ein etwas verspielteres Album an den Start bringen – das vorliegende NEW WORLD MESSIAH, das aus dem Jahre 2004 stammt und im besten Fall einen weiteren markanten Meilenstein innerhalb der hiesigen Diskografie markiert.

Tatsächlich muss man den NOCTURNAL RITES eines in jedem Fall zugute halten, neben ihrem Talent sich bis dato absolut keinen Ausfall geleistet zu haben versteht sich. Und das ist die Tatsache, dass sich Band scheinbar niemals Gefahr läuft sich bloß zu wiederholen. So wohnt einem jedem NOCTURNAL RITES-Album eine spezielle Atmosphäre inne, die es gewissermaßen unverwechselbar macht – wobei auch NEW WORLD MESSIAH keine Ausnahme bildet. Sicher, etwas gänzlich neues hatten die Schweden auch dieses Mal nicht erschaffen – doch dafür überzeugte die hier an den Tag gelegte, so noch nicht dagewesene Zusammenführung und Harmonie der verschiedenen Band-internen Spielarten. Anders gesagt: das Album offenbart eine angenehme Mixtur aus den griffigen Elementen des Vorgängers SHADOWLAND, sowie einigen etwas verspielteren Zügen – die genauso gut vom früheren THE SACRED TALISMAN hätten stammen können. Nicht zuletzt dank ihres ebenso klassischen wie hymnischen Anspruchs.

Ein oder zwei kleinere Mankos gibt es dann aber doch – wobei man mit beiden nicht unbedingt hätte rechnen können. So fällt insbesondere zum Auftakt des Albums auf, dass die NOCTURNAL RITES durch ihre hier abermals etwas aufgelockerte Spielart und des noch geradlinigeren Sounds einstweilen stark an andere Genre-Vertreter wie etwa HAMMERFALL erinnern. Natürlich nur in einer eher oberflächlichen Betrachtung, und ohne die noch immer vorhandenen; so gesehen typischen NOCTURNAL RITES-Merkmale außer acht zu lassen. Aber dennoch, für NEW WORLD MESSIAH schien sich die Band durchaus in die ein oder andere Richtung angepasst zu haben. Das zweite, eventuell noch schwerwiegendere Manko bezieht sich dann auf eine so erstmals auf NEW WORLD MESSIAH anberaumte Komponente – den Backgroundgesang, inklusive einiger damit verbundener Faktoren in der Abmischung und Produktion.

Besonders auffällig wird das spätestens bei einer stark Refrain-lastigen Nummer wie AVALON – die sich zwar als recht angenehme Hymne präsentiert, durch den hier aber fast schon aufdringlichen Sound der Backgroundvocals und -Chöre einen leicht zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Das ist schon ein wenig kurios, erst Recht wenn betrachtet dass ein beinahe jedes NOCTURNAL RITES-Album irgendeine kleinere; letztendlich absolut vermeidbare Schwäche offenbarte. Waren es zuvor etwa der nicht gänzlich optimale Sound der Drums, ist es dieses Mal schlicht alles was mit den Refrains und etwaigen überlagerten Gesängen korrespondiert – was bei einem eher hymnisch aufgemachten Album wie diesem natürlich nachteilig ins Gewicht fällt. Davon abgesehen stimmt aber, was der markant tönende Frontmann Jonny Lindqvist und seine Kollegen hier abliefern – vor allem in Bezug auf den wie immer schmackig-schroffen Gitarrensound und die insgesamt angenehm wuchtige Präsentation.

Wenn das Album also scheitert, dann auf einem recht hohen Niveau – und vornehmlich in Bezug auf die dieses Mal deutlich schwächeren i-Tüpfelchen in den Backgroundgesängen, Refrains und einzelnen merkwürdig kraftlos anmutenden Passagen in sonst guten Titeln wie END OF DAYS. Wen das nicht weiter stört, den erwartet noch immer ein äußerst anständiges Genre-Album – und ein weiteres Werk der hiesigen NOCTURNAL RITES-Diskografie, mit welchem man nicht allzu viele Fehler machen kann.

Absolute Anspieltipps: NEW WORLD MESSIAH, AVALON, NIGHTMARE, ANOTHER STORM


„Das erste NOCTURNAL RITES-Album bis 2004, das deutlichere Schwächen aufweist. Insgesamt betrachtet kann es aber noch immer überzeugen.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Shadowland (2002)

Alben-Titel: Shadowland
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Mai 2002
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums
Mattias Bernhardsson – Keyboards

Track-Liste:

1. Eyes of the Dead (04:52)
2. Shadowland (04:32)
3. Invincible (04:57)
4. Revelation (04:44)
5. Never Die (04:23)
6. Underworld (04:27)
7. Vengeance (05:19)
8. Faceless God (05:14)
9. Birth of Chaos (04:15)
10. The Watcher (04:00)

Wo Schatten ist, ist immer auch Licht.

Gute 2 Jahre nachdem sich die schwedischen Recken der NOCTURNAL RITES analog zu einem markanten Lineup-Wechsel (den einstigen Leadsänger Anders Zackrisson ersetzte ab dem Jahre 2000 der auch heute noch in der Band aktive Jonny Lindqvist) auf ihrem Ende 2000 erschienenen vierten Studioalbum AFTERLIFE (siehe Review) quasi neu erfunden hatten, folgte mit SHADOWLAND der nächste Rundumschlag in Form eines knackigen Genre-Albums aus der hiesigen Metal-Schmiede. Und damit auch eines Albums, welches die mit der Neubesetzung von Jonny Lindqvist einhergehende; etwas rauere Marschrichtung der Band nochmals explizit unterstrich – auch wenn SHADOWLAND durchaus einige Parallelen zu den früheren Werken der NOCTURNAL RITES aufweist. Demnach trifft man es vielleicht am besten, wenn man hier von den neuen alten NOCTURNAL RITES spricht – die ihre ab 2000 gewonnene Kraft vor allem in Bezug auf das Riffing und den kräftigeren Leadgesang mit ihrem ursprünglichen Gefühl für großartige Melodien und eine gewisse Verspieltheit auf SHADOWLAND zu einem überraschend gut funktionierenden Ganzen verweben.

Anders gesagt: SHADOWLAND kommt nicht mehr ganz so düster daher wie sein Vorgänger, legt die zuvor anberaumten Elemente aus dem Trash- und Speed Metal fast vollständig ad acta – und bringt stattdessen wieder eine zünftige Portion eines europäischen Power Metals an den Start, die auch in Bezug auf ihre Hymnentauglichkeit überzeugen kann. Und das vornehmlich, da die NOCTURNAL RITES hier zu keinem Zeitpunkt Gefahr laufen ins kitschige abzudriften – und den insgesamt 10 Titeln eine angenehme Grund-Härte innewohnt, die die Nummern trotz der teils extrem eingängigen Mitsing-Refrains (wie in REVELATION) angenehm knackig klingen lässt. Entsprechend schwer könnte es einem auch fallen, die Highlights des Albums herauszupicken – das bereits im Auftakt einige absolute Hochkaräter serviert. Sei es der Opener EYES OF THE DEAD, der ganz und gar kultverdächtige Titeltrack SHADOWLAND oder das atmosphärisch stampfende INVINCIBLE -die NOCTURNAL RITES geben sich hier wahrlich nicht die Blöße, und überzeugen analog zu ihren schon immer aussagekräftigen handwerklichen Fähigkeiten auch mit einem guten Gespür für ein möglichst effektives Songwriting.

Nimmt man nun noch die äußerst druckvolle Produktion, die schier perfekte Abmischung (die weder den Leadgesang noch die brachialen Instrumentalkulissen benachteiligt), das grundsätzliche Auskommen oder zumindest eine äußerst minimalistische Herangehensweise in Bezug auf das Keyboard sowie das Ausbleiben eine sonst gerne obligatorischen Genre-Ballade hinzu; erhält man nicht weniger als eines der besten Power Metal-Alben des Jahres 2002. Eines, das wenn überhaupt nur kleinere Schwächen offenbart; deren Gewichtung je nach persönlicher Facón unterschiedlich ausfallen wird. So könnte etwa der schon auf dem Vorgänger etwas gewöhnungsbedürftige Sound des Drummings auch dieses Mal für einen (wenn dann aber minimalen) Anflug von Verdruss sorgen, und auch der Faktor der offerierten Abwechslung hätte ruhig noch markanter ausfallen können oder sollen. Zwar nicht unbedingt in Form einer Ballade, aber dennoch. Schließlich kommen gerade im späteren Verlauf nicht mehr viele neue Eindrücke oder solche hinzu, die den gelungenen Alben-Auftakt noch toppen könnten. Dennoch, und bei aller Liebe handelt es sich zweifelsfrei um eines der absoluten TOP-Alben der NOCTURNAL RITES.

Absolute Anspieltipps: EYES OF THE DEAD, SHADOWLAND, REVELATION, VENGEANCE


„Eine höchst interessante Symbiose aus kräftig-bissigen und melodisch-hymnischen Elementen.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Afterlife (2000)

Alben-Titel: Afterlife
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. November 2000
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums
Mattias Bernhardsson – Keyboards

Track-Liste:

1. Afterlife (05:26)
2. Wake Up Dead (03:49)
3. The Sinner’s Cross (03:48)
4. Hell and Back (03:40)
5. The Sign (03:50)
6. The Devil’s Child (03:18)
7. Genetic Distortion Sequence (04:01)
8. Sacrifice (03:21)
9. Temple of the Dead (04:48)
10. Hellenium (04:47)

Huldige der aufziehenden Dunkelheit.

Wenn es eine Band gibt, die sich mit dem Marsch auf die Jahrtausendwende stetig verbessert und so gesehen auch musikalisch herausgeputzt hatte; dann waren das die NOCTURNAL RITES. Mit der Entscheidung, sich von ihren eher im Death Metal zu verortenden Wurzeln wegzubewegen und einen klassischen Power Metal der europäischen Spielart anzusteuern; unternahmen die Schweden schließlich das einzig richtige – wofür schon das Debütalbum IN A TIME OF BLOOD AND FIRE (siehe Review) sowie der Nachfolger TALES OF MYSTERY AND IMAGINATION (Review) hinreichende Anhaltspunkte gaben. Richtig rund ging es dann aber erst auf dem 1999 erschienenen THE SACRED TALISMAN (Review), trotz des wenig verheißungsvoll erscheinenden Alben-Titels. Hier liefen die NOCTURNAL RITES erstmals zu einer so nicht gekannten Höchstform auf – und präsentierten der Hörerschaft ein ebenso klassisches wie zeitloses Power Metal-Album der allerersten Güteklasse. Eines, das zwar ein wenig mit der zuvor eingeschlagenen Marschrichtung von auch mal etwas düsterer angehauchten Erzählungen frei nach den überschwänglichen Fantasy-Ambitionen von BLIND GUARDIAN brach – dafür aber mit einem ebenso überraschenden wie zutiefst wirksamen und sympathischen Charme der 80er-Metaljahre, grandiosen Melodien und schlicht unglaublich packenden Hymnen punkten konnte.

Umso kurioser erscheint es, dass ausgerechnet der hiesige Leadsänger Anders Zackrisson die Band kurz nach dem Release des Albums verließ – und durch den auch heute noch bei den NOCTURNAL RITES aktiven Jonny Lindqvist ersetzt wurde. Sicher war und ist der kein schlechter Sänger – doch führte seine Verpflichtung unweigerlich dazu, dass sich der allgemeine Sound der Band maßgeblich veränderte. So markiert schon das heute behandelte AFTERLIFE einen weiteren Umbruch innerhalb der Historie der Band – wobei man für sich selbst herausfinden muss, ob in eine wünschenswerte oder in eine doch etwas wehmütig stimmende Richtung. Fest steht nur, dass AFTERLIFE wesentlich düsterer und schwerer daherkommt als seine Vorgänger – und sich gerade im Zusammenspiel mit dem wesentlich harscheren Eindruck des neuen Leadsängers deutlichere Parallelen zu verwandten Genres wie dem des Thrash- und Speed Metals ergeben. Immerhin: das äußerst variable, lebendige und antreibende Gitarrenspiel sowie einige eher hymnisch anmutende Elemente (wie schon der Refrain zum Alben-Auftakt im Titeltrack AFTERLIFE) sind der Band erhalten geblieben – wobei gerade das dafür sorgt, dass man sich als Konsument und Liebhaber der alten NOCTURNAL RITES-Scheiben nicht allzu sehr vor den Kopf gestoßen fühlt.

Insgesamt, und trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Unterschiede zum Vorgänger ist AFTERLIFE damit ein höchst solides Genre-Album geworden. Insbesondere natürlich für all jene, die eine Vorliebe für einen etwas düstereren Sound mit einem ordentlichen Fokus auf die entsprechend dröhnenden Gitarren hegen – und dafür auf den ein oder anderen feucht-fröhlichen oder explizit verspielten Moment wie noch auf THE SACRED TALISMAN verzichten können. Abwechslungsreich und vielschichtig genug ist das dargebotene Material schließlich dennoch – und die melodiösen Kompositionen wissen; auch wenn sie eine etwas andere Atmosphäre heraufbeschwören als bis dato für die Band üblich, den geneigten Genre-Hörer eben doch schnell zu begeistern. Wenn man einen Schwachpunkt des Albums benennen möchte oder müsste, dann würde sich der vermutlich und am ehesten auf den Klang der Drums beziehen – die stellenweise doch etwas ungünstig klingen und einen eher artifiziellen Eindruck hinterlässt, gerade in den nicht selten aufkommenden Doublebass-Passagen. Davon abgesehen kann aber auch die Abmischung und Produktion des Albums überzeugen. Sicher, sich auf etwaige und auch mal etwas schwerer wiegende musikalische Veränderungen einzustellen ist nicht immer leicht – in diesem Fall aber sollte es einem erstaunlich gut gelingen.

Absolute Anspieltipps:AFTERLIFE, WAKE UP DEAD, THE DEVIL’S CHILD, SACRIFICE


„So oder so – mit den NOCTURNAL RITES war und ist zu rechnen.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – The Sacred Talisman (1999)

Alben-Titel: The Sacred Talisman
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Mai 1999
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Anders Zackrisson – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums
Mattias Bernhardsson – Keyboards

Track-Liste:

1. Destiny Calls (03:58)
2. The Iron Force (04:20)
3. Ride On (03:16)
4. Free at Last (03:50)
5. Hold On to the Flame (04:08)
6. Eternity Holds (04:00)
7. When Fire Comes to Ice (03:49)
8. The Legend Lives On (05:47)
9. The King’s Command (03:25)
10. Unholy Powers (Night of the Witch) (03:12)
11. Glorious (03:24)

And my death will be glorious.

Nachdem die Schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES bereits mit ihrem zweiten Studioalbum TALES OF MYSTERY AND IMAGINATION (Siehe Review) gezeigt hatten, dass der europäische Genre-Markt in jeder Hinsicht mit einer aufstrebenden Combo wie der ihren rechnen musste; schickte man gerade einmal ein gutes Jahr später THE SACRED TALISMAN ins Rennen – das dritte Album der Band, das die zuvor eingeschlagene Fantasy-Schiene fortführte und dabei zunächst durch eine eher unspektakuläre Aufmachung auffiel. Immerhin schienen sowohl das Cover als auch der Alben-Titel selbst nicht gerade großes zu versprechen – eher etwas typisches oder etwas, das zu einem späteren Zeitpunkt als zigmal gehörter Kitsch abgetan worden wäre. Dennoch – und wie so oft – zeigt sich, dass sich ein näheres Hinhören und im besten Falle auch Eintauchen in den hiesigen musikalischen Alben-Kosmos lohnt. Und das sogar so sehr, dass man hier relativ problemlos vom bis dato besten, atmosphärischsten und wirkungsvollsten NOCTURNAL RITES-Album überhaupt sprechen kann.

Anzeichen dafür gibt es schließlich einige – wobei schon die im Gegensatz zu den Vorgängern erhebliche verbesserte oder eher im Sinne der Marschrichtung der Band angepasste Abmischungs- und Produktionsarbeit als potentiell ausschlaggebendes Merkmal zu nennen ist. Schließlich klangen die NOCTURNAL RITES erst auf THE SACRED TALISMAN so, als wären sie tatsächlich eine sich irgendwo zwischen den Zeiten wohlfühlende Combo. Eine, die sich dem Schaffen anderer Bands nicht unterordnet, einen höchst eigenständigen Sound an den Tag legt – und diesen auch mit einem entsprechenden Nachdruck zu untermauern weiß. Die für den damaligen Frontmann Anders Zackrisson wesentlich vorteilhaftere Abmischung des Leadgesangs, die nicht mehr ganz so dröhnenden Gitarren, die bessere Hervorhebung der Drums und des Bass sowie der sich insgesamt organischer und lebendiger anfühlende Soundeindruck sprechen hier jedenfalls für sich.

Doch nicht nur in Bezug auf die Inszenierung und Vermittlungen ihres Sounds hatten die NOCTURNAL RITES abermals einen großen Sprung nach vorne gemacht – auch im Hinblick auf das Songwriting und das offerierte Maß der Abwechslung ging es erstmals so heiß her, dass man geneigt war von einem ganz und gar kultig anmutenden Endprodukt zu sprechen. Sei es der direkt wirksame, über allen Maßen hymnische Opener DESTINY CALLS; das angenehm klassisch stampfende THE IRON FORCE, das die Stimmung von RIOT’S THUNDERSTEEL heraufbeschwörende RIDE ON, das gewissermaßen leicht wehmütig stimmende und perfekt ausgeführte FREE AT LAST oder das variantenreiche HOLD ON TO THE FLAME – bereits der gesamte Alben-Auftakt von THE SACRED TALISMAN hätte mächtiger nicht ausfallen können. Umso schöner ist, dass das Album diesen Qualitätsstandard auch locker zu halten vermag – und man kaum eine andere Wahl hat als Nummern wie WHEN FIRE COMES TO ICE oder GLORIOUS direkt mit dem Prädikat wertvoll zu versehen. Zumindest im Sinne der Geschichte des europäischen Power Metals, für den sich die NOCTURNALES RITES nach ihrem Karriere-technischen Death Metal-Auftakt doch noch entschieden hatten.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass THE SACRED TALISMAN selbst mit einer für die Band eher untypischen Ballde wie THE LEGEND LIVES ON punkten kann – auch oder gerade weil sich der damalige Leadsänger Anders Zackrisson hier hörbar ins Zeug legte und der Hörerschaft eine so noch nicht bekannte Gesangs-Facette offenbarte. Die daraus folgende, letztendlich kaum vermeidbare Feststellung ist vergleichsweise selten, aber: das einzig schlechte an THE SACRED TALISMAN ist, dass es irgendwann einmal endet. Das will schon etwas heißen – und sorgt dafür, dass sich das Album einen der höheren Plätze in der hiesigen Liste der besten Power Metal-Alben des Blogs sichern kann. Danke, NOCTURNAL RITES !

Absolute Anspieltipps: DESTINY CALLS, RIDE ON, WHEN FIRES COMES TO ICE, GLORIOUS


„So oder so ähnlich klingt ein Power Metal-Meisterstück.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Tales Of Mystery And Imagination (1998)

Alben-Titel: Tales Of Mystery And Imagination
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. Februar 1998
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Anders Zackrisson – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Ulf Andersson – Drums

Track-Liste:

1. Ring of Steel (06:42)
2. Dark Secret (05:04)
3. Test of Time (05:01)
4. Lost in Time (03:01)
5. The Vision (04:21)
6. Warrior’s Return (04:43)
7. Change the World (03:46)
8. Pentagram (03:48)
9. Eye of the Demon (04:42)
10. End of the World (03:24)
11. The Curse (04:03)
12. Burn in Hell (03:38)

Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Ja, die 90er waren eine gute Zeit – und das auch oder gerade für den europäischen Power Metal, der mit den fulminanten Werdegängen von auch heute noch aktiven Bands wie RUNNING WILD, GRAVE DIGGER, HELLOWEEN, GAMMA RAY oder EDGUY ein für allemal aus seinen Kinderschuhen herausgewachsen ist. Eine potentiell wichtige Zutat, die nicht zuletzt durch eine Deutsche Band wie BLIND GUARDIAN populär geworden ist und mit den Italienern von RHAPSODY OF FIRE auf eine erfreuliche Spitze getrieben wurde; erfreute sich dabei einer immer größeren Beliebtheit – und die beschreibt nicht weniger als das Bestreben, möglichst umfassende Geschichten zu erzählen oder im besten Fall gleich komplett erdachte Handlungs-Universen zu erschaffen. Und das des öfteren mit einem entsprechenden Fantasy-Einschlag, wobei die eher TOLKIEN-orientierte Herangehensweise von BLIND GUARDIAN nur eine der vielen diesbezüglichen Möglichkeiten war. Eine Band, die sich in den späten 90ern erstmals auf diesem Gebiet ausprobierte – dabei aber eine ganz andere Vergangenheit an den Tag legte als etwa BLIND GUARDIAN, und auch nicht plante in eine ähnlich symphonische Richtung zu gehen wie RHAPSODY OF FIRE – waren die NOCTURNAL RITES.

Und das war so nicht unbedingt zu erwarten, erst Recht nicht nach dem eher rauen Start der aus Schweden stammenden Combo – die sich zunächst im Bereich des Death Metal verdingte, und erst mit dem Debütalbum IN A TIME OF BLOOD AND FIRE (siehe Review) den ersten handfesten Schritt in Richtung eines ebenso griffigen wie melodischen Power Metals unternahm. Wobei, und das steht heute fest – es sich durchaus um eine gute und nachvollziehbare Entscheidung gehandelt hat. Schließlich folgte bereits 1998 das heute vorliegende TALES OF MYSTERY AND IMAGINATION – und das sowohl als Untermauerung der von der Band getroffenen Entscheidung, als auch als erstes NOCTURNAL RITES-Album mit einem deutlicheren Fantasy-Kontext und dem Gefühl einer zusammenhängenden Geschichte. Und tatsächlich: schon der Opener RING OF STEEL beinhaltet grundsätzlich alles, was man sich von einem Konzeptalbum wie diesem gewünscht hätte – was in erster Linie eine zum Schneiden dichte, einzigartige Atmosphäre nach sich zieht.

Fest steht: nachdem die Schweden schon auf ihrem Debütalbum gezeigt hatten, dass sie ihr Handwerk problemlos verstehen; bewiesen sie sich nun auch noch als grandiose Geschichten-Erzähler. Solchen, denen man einfach gerne zuhört – und die durch den stets hörbaren klassischen Genre-Einschlag im Sinne der frühen 80er-Metaljahre auch nicht allzu kitschig oder übertrieben bombastisch klingen. Allerdings zeigt sich, dass selbst ein auf den ersten Blick bestens funktionierendes; ja wenn nicht gar unantastbar klassisches Genre-Album wie dieses die ein oder andere Schwäche offenbart. Ob es sich dabei um kleinere oder größere handelt muss ein jeder für sich selbst entscheiden, aber: gerade der grundsätzlich höchst angenehme, aber eben auch nicht besonders variable Leadgesang von Anders Zackrisson sowie die alles andere als perfekte Abmischung und Produktion verhindern hier noch größeres. Sicher, wenn man so will könnte man diese Nachteile oder auch Nicht-Perfektion zumindest teilweise abschwächen – eben ganz im Sinne eines ebenso klassischen wie zeitlosen Genre-Albums, das noch echte Ecken und Kanten hat.

Und überhaupt: gerade das von der Band an den Tag gelegte Handwerk ist zu so gut wie jeder Zeit ansprechend, und die Mixtur aus schieren Hymnen wie dem Opener RING OF STEEL und wunderbar klassisch-voranpreschenden Stampfern a’la DARK SECRET, TEST OF TIME oder dem flotten CHANGE THE WORLD angenehm. Sieht man über schwächere Momente wie dem in Bezug auf die Gitarren etwas zu mächtig dröhnenden LOST IN TIME oder dem vergleichsweise einfach gehaltenen WARRIOR’S RETURN hinweg, kann man mit TALES OF MYSTERY AND IMAGINATION ein sich in fast jeder Hinsicht lohnenswertes Genre-Album entdecken.

Absolute Anspieltipps: RING OF STEEL, TEST OF TIME, CHANGE THE WORLD, PENTAGRAM, EYE OF THE DEMON


„Die NOCTURNAL RITES und ihr Weg zur Krone.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – In A Time Of Blood And Fire (1995)

Alben-Titel: In A Time Of Blood And Fire
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Megarock Records

Alben-Lineup:

Anders Zackrisson – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Mikael Söderström – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Ulf Andersson – Drums

Track-Liste:

1. Sword of Steel (03:21)
2. Skyline Flame (05:30)
3. Black Death (04:08)
4. In a Time of Blood and Fire (05:01)
5. Dawnspell (05:38)
6. Lay of Ennui (05:02)
7. Winds of Death (04:17)
8. Rest in Peace (03:37)
9. Dragonisle (06:53)

Ach ja, da war doch noch was…

In der Tat haben sie sich bisher eher rar gemacht auf diesem Blog und innerhalb der korrespondieren Power Metal-Chronik – und doch wurden die Schweden von NOCTURNAL RITES nie gänzlich ausgeklammert. Und das sollte man wohl auch nicht – schließlich kann die bereits im Jahre 1990 als NECRONOMIC gegründete Combo problemlos als eine der interessanteren klassischen Power Metal-Formationen aus dem hohen Norden bezeichnet werden. Und sicher auch als eine der hochkarätigeren, die im Verlauf ihrer Karriere für reichlich Wirbel gesorgt hat – sodass es an der Zeit ist, endlich einige der dringend überfälligen Rezensionen zu den hiesigen Studioalben nachzuholen. Von denen haben sich im Laufe der Jahre immerhin ganze 9 angesammelt – oder 8, wenn man das bereits rezensierte aktuelle Album PHOENIX (siehe Review) einmal gedanklich abzieht.

Passenderweise scheint es in Anbetracht der vergleichsweise turbulenten Diskografie der Schweden auch keine allzu große Rolle zu spielen, ob man erst kürzlich in die hiesige Werschau eingestiegen oder bereits seit den Anfangstagen dabei ist – denn zu beobachten gab und gibt es in jedem Fall einiges. So haben die Schweden nicht nur einige qualitativen Höhen und Tiefen mitgenommen, auch einige damit verbundenen einschneidenden Mitgliederwechsel und stilistische Neuorientierungen schmücken die Historie der Band. Einer Band, die bis heute eine wichtige Rolle innerhalb des europäischen Power Metals spielt; in ihren Anfangstagen aber eigentlich einer ganz anderen Spielart frönte – dem Death Metal. Dabei ist es nicht weniger als ein pures Mysterium was genau gesehen wäre, hätten sie sich die NOCTURNAL RITES auch weiterhin in Richtung dieser einst angepeilten Spielart verdingt. Von Glück kann man wohl dennoch sprechen – denn mit der Entscheidung, ab dem heute vorliegenden 1995’er Erstwerk IN A TIME OF BLOOD AND FIRE nur noch auf einen klassischen Power Metal zu setzen; sind die Schweden bekanntlich auch sehr gut gefahren.

Wobei das eine noch dezent untertriebene Formulierung zu sein scheint – schließlich konnte und kann schon das vorliegende Debütalbum für einiges an Aufsehen sorgen. Vornehmlich, da es als ebenso klassisch angehauchtes und durch die Metal-Musik der guten alten 80er Jahre inspiriertes Album wie auch als recht eigenständiges und zielstrebiges Werk überzeugt – und die entstehenden Parallelen wenn überhaupt auf eher großartige Vorgänger und Genre-Pioniere wie etwa IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST oder auch RIOT hinweisen. Auch die wohlklingende und gut inszenierte Leadstimme von Anders Zackrisson lässt hier keine nennenswerten Zweifel zu – und die Leistungen an den Instrumenten hätten sowohl in den direkt zündenden Hymnen (SWORD OF STEEL, SKYLINE FLAME, DAWNFLAME, REST IN PEACE) als auch den etwas langsameren und komplexeren Arrangements (wie im Rausschmeißer DRAGONISLE) kaum treffender ausfallen können.

Was dem Album indes und trotz aller frühen Genialität fehlt – und es im Gegensatz zu RIOT’s THUNDERSTEEL (Review) knapp am Status eines zeitlosen Meisterwerks vorbeischrammen lässt – ist eine zu 100% zufriedenstellende Produktion, und eventuell auch ein wirklich durchgängig überzeugendes Songwriting. Schließlich wirken selbst die grundsätzlich schmackigen Hymnen so, als hätten sie ruhig noch etwas mehr Druck vertragen können – was vor allem auf die einstweilen etwas flach klingenden Refrains zu beziehen ist. Auch fühlt es sich hie und da so an, als hätten die NOCTURNAL RITES nicht wirklich jede einzelne der 43 Minuten so intensiv und meisterhaft genutzt wie es eventuell angedacht war – und beispielsweise im starken Titeltrack IN A TIME OF BLOOD AND FIRE bis ins kleinste Detail zelebriert wird. Dennoch, und ohne Zweifel: das Debütalbum der NOCTURNAL RITES ist ein ebenso wichtiges wie rundum ansprechendes Werk – und ein allemal lohnenswertes Stück Power Metal-Geschichte.

Absolute Anspieltipps: SWORD OF STEEL, IN A TIME OF BLOOD AND FIRE, DAWNSPELL, WIND OF DEATH, REST IN PEACE


„Ein gelungener (zweiter) Karriere-Auftakt – und ein Muss für Freunde eines ebenso klassischen wie zeitlosen Heavy- und Power Metals.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Phoenix (2017)

Alben-Titel: Phoenix
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. September 2017
Land: Schweden
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Per Nilsson – Guitars
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. A Heart as Black as Coal (04:21)
2. Before We Waste Away (04:45)
3. The Poisonous Seed (04:30)
4. Repent My Sins (03:48)
5. What’s Killing Me (04:20)
6. A Song for You (03:50)
7. The Ghost Inside Me (05:34)
8. Nothing Can Break Me (04:22)
9. Flames (04:08)
10. Welcome to the End (04:05)

Da fliegt er wieder, der Phönix aus der Asche.

Wenn eine schwedische Power Metal-Combo von sich behaupten kann zu den absoluten Genre-Urgesteinen zu gehören; sind die NOCTURNAL RITES wohl ganz vorn mit dabei – auch wenn die bereits 1990 gegründete Band ursprünglich auf eine etwas härtere Spielart aus war. Irgendwann kam dann aber doch der Zug hin zu einem deutlich melodischeren Sound – und dem, was man vor allem um die Jahrtausendwende herum erstarkten Schweden hat hören können. In jener von 1995 bis 2005 währenden Blütezeit veröffentlichten die Schweden immerhin ganze 7 Studioalben – die allesamt gut von der Metal-Gemeinde aufgenommen wurden. Selbst ein potentiell einschneidender Lineup-Wechsel (für den einstigen Leadsänger Anders Zackrisson kam im Jahre 2000 der auch heute noch aktive Jonny Lindqvist) konnte der Band kaum etwas anhaben – wohl aber das, von nach dem von vielen als enttäuschend betrachteten 2007’er Album THE 8TH SIN folgte. Hierauf wurde es schließlich verdächtig still um die Band – die erst jetzt und im Jahre 2017 zürückkehrt, um ihre einstige Herrschaft mit einem neuen Studioalbum  wiederzubeleben. Im besten Fall, versteht sich.

Dabei ist es durchaus etwas ungewöhnlich, dass die Band ganze 4 Vorabsingles veröffentlichte – wohl um die Spannung zu erhöhen und den Fans immer neue Appetithäppchen zu servieren. Ob sich diese Vorgehensweise nun – und mit dem Blick auf das vorliegende Album – auch negativ auswirken könnte, muss dabei ein jeder für sich selbst entscheiden. Fest steht nur, dass es mit 43 Minuten Material ohnehin recht knapp bestückt ist – und man abzüglich der bereits bekannten Titel BEFORE WE WASTE AWAY, A HEART AS BLACK AS COAL, REPENT MY SINS und WHAT’S KILLING ME sogar nur auf knappe 27 Minuten an wirklich neuem NOCTURNAL RITES-Material kommt. Immerhin, an der letztendlich offerierten Qualität des Liedguts ändert das nichts – denn auch im Jahre 2017 gehören die NOCTURNAL RITES noch lange nicht zum alten Eisen. Das gilt vornehmlich für den handwerklichen Eindruck aller beteiligten Musiker, denen man vieles vorwerfen kann – nur nicht, dass sie keine Erfahrung hätten. Auch die Qualität der Abmischung, Produktion und letztendlichen Präsentation überzeugt auf ganzer Linie – sicher auch da man entsprechend lange im Geschäft ist und weiß, worauf es bei einem Album wie diesem ankommt.

Und doch muss oder sollte man sich die Frage stellen, ob ein Album wie PHOENIX tatsächlich das Zeug dazu hat in bisher unerdenkliche Höhen aufzusteigen – oder ob es doch nur einen ebenso konsequenten wie erwarteten, so gesehen auch überfälligen Schritt weg vom deutlich zu schwachen THE 8TH SIN markiert. Sicher wäre auch das schon die halbe Miete – doch in Anbetracht eines derart lang erwarteten Albums lassen sich gewisse zusätzliche Erwartungen wohl kaum vermeiden. Anders gesagt: auch wenn die Band und insbesondere Leadsänger Jonny Lindqvist mit  ihre Sache mehr als ordentlich machen, hat man nicht wirklich das Gefühl als würden die Schweden hier wirklich alles auf eine Karte setzen, um ihr Leben spielen – oder wie auch immer man eine wirklich zu jedem Zeitpunkt in der Musik spürbare Überzeugung benennen würde. Viel eher scheint als, als würden die NOCTURNAL RITES des öfteren auf Nummer sicher gehen – und wenn sie dann doch für Überraschungen sorgen, sind es nicht immer positive.

Freunde eines typischen europäischen Power Metals sollten jedenfalls Vorsicht walten lassen – schließlich verweben die Schweden allerhand Einflüsse in ihrer Musik, angefangen bei etwas weicheren Klängen des AOR über Elemente des Groove und Trash Metals bis hin zu dem Metalcore entliehenen Einschüben und etwas zu gleichförmigen Momenten speziell in Form der alles andere als knackigen Refrains. Dabei kann man sich kaum des Eindrucks erwehren, dass die NOCTURNAL RITES so zu einem regelrechten Zwitterwesen mutieren: einerseits sind sie ehrliche Metal-Musiker und legen einiges an entsprechender Kraft vor – wobei es kaum eine Rolle spielt, ob sie nun etwas düsterer (wie im genialen POISONOUS SEED), bombastischer (wie in THE GHOST INSIDE ME) oder schlicht gradlinig-hymnischer (wie im Rausschmeißer WELCOME TO THE END) agieren. Andererseits aber schleichen sich immer wieder Momente oder ganze Nummern ein, die entweder zu sehr auf eigentlich unnötige Sound-Experimente aus sind (Djent-Gitarren im Opener A HEART AS BLACK AS COAL, das Keyboard in NOTHING CAN BREAK ME) sind oder aber eine merkwürdig massenkompatible bis unangenehm radiofreundliche Komponente haben.

Dementsprechend kann es sich als hilfreich erweisen, wenn man im allgemeinen kein Problem mit dem Bestreben von Bands wie AVANTASIA, JORN oder MASTERPLAN hat; man neben einigen direkt mitreißenden Momenten auch mit der ein oder anderen ruhigeren bis unspektakuläreren Einlage zurechtkommt – und genrell nichts gegen eine ordentliche Mischung verschiedenster Genre-Anleihen hat.

Absolute Anspieltipps: BEFORE WE WASTE AWAY, THE POISONOUS SEED, THE GHOST INSIDE ME


„Man könnte oder sollte durchaus über den von NOCTURNAL RITES an Tag gelegten Stil diskutieren. In handwerklicher Hinsicht sowie in seinen starken Momenten ist PHOENIX aber eine wahre Wucht.“