Filmkritik: „Vacation – Wir Sind Die Griswolds“ (2015)

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Originaltitel: Vacation
Regie: John Francis Daley, Jonathan M. Goldstein
Mit: Ed Helms, Christina Applegate, Skyler Gisondo u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 99 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Griswolds | Wally World | Urlaub | Ausflug | Trip | Familie

Wenn der Weg zum Ziel wird…

Kurzinhalt: Eigentlich hat der Familienvater Rusty Griswold (Ed Helm) alles was er braucht. Dennoch hängt der Haussegen manchmal schief, speziell wenn es darum geht das eingeschlafene Eheleben mit seiner Frau Debbie (Christina Applegate) und die Erziehungsprobleme seiner beiden Söhne Jack (Skyler Gisondo) und Kevin (Steele Stebbins) in den Griff zu bekommen. Was könnte also besser helfen als ein gemeinsamer Familienausflug ? Genau den nimmt sich Rusty vor – und handelt damit nach dem Vorbild seines Vaters (Chevy Chase), mit dem er damals ebenfalls eine unvergessliche Reise unternommen hat. Doch schon bald stellt sich heraus, dass es vielleicht doch nicht die beste Idee war… der Familientrip gerät zunehmend chaotischer. Ein Besuch bei Rustys Schwester Audrey (Leslie Mann) und ihrem athletischen Mann Stone (Chris Hemsworth) setzt dem Ganzen dann die Krone auf…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Das Genre der Komödie ist ein zeitloses – aber auch ein schwieriges; speziell wenn es darum geht auch heute noch originelle neue Ansätze zu liefern. Mutig ist, wer es dennoch versucht – oder aber einen gänzlich anderen Weg geht. Vielleicht ja, indem man ein altehrwürdiges und von vielen lieb gewonnenes Franchise kurzerhand wiederbelebt ? Wie auch immer man zu etwaigen Remakes, Reboots oder Sequels stehen mag – einen Kandidaten, der eigentlich in alle drei Kategorien passt; findet sich nun auch mit VACATION – WIR SIND DIE GRISWOLDS.

Einigen werden die alten Griswold-Filme mit Chevy Chase in der Hauptrolle noch in Erinnerung sein: schon damals versuchte jenes grundsympatische, aber in so manches Fettnäpfchen tretendes Familienoberhaupt den unsteten Familiensegen aufrecht zu erhalten. Und dass sogar so erfolgreich respektive erfolglos, dass es zu insgesamt 4 Filmteilen gereicht hat – und nun, einige Jahre später; zu einem Sequel. Interessanterweise sogar einem chronologischen – was den Bezug zu den eigentlichen Filmen unterstreicht. Großartig hinzudichten oder zurechtbiegen musste man jedenfalls nichts: das einstige Familienoberhaupt hat das Zepter schlicht an seinen Sohn weitergegeben, der nun ebenfalls eine eigene Familie zu versorgen hat.

Die eigentliche Überraschung ist, dass VACATION trotz – oder gerade wegen – seines Entstehungshintergrundes sehr gut funktioniert. Und das sowohl als typische Feel-Good-Familienkomödie mit entsprechenden Querverweisen auf die alte Filmreihe, als auch als alleinstehendes Werk. Schließlich schneidet er in vielerlei Hinsicht gut ab, speziell im Vergleich mit zahlreichen anderen Komödien einer ähnlichen Machart. Der Grundton des Films ist auch ohne allzu übertriebene Blödeleien angenehm makaber, die Charaktere und Darsteller sind sympathisch, Witze und potentielle Lacher gibt es zuhauf. Und die sind gar nicht mal so infantil oder geschmacklos, wie man es vielleicht erwartet hätte – selbst hinsichtlich einer sonst gängigen Prüderie gibt man sich eher locker. Überhaupt: was sonst schnell allerlei Grenzen des guten Geschmacks gesprengt hätte (Stichwort Sexismus, Fäkalhumor), passt in VACATION stets recht gut zum Kontext – beispielsweise wenn es um ganz bestimmte Themengebiete geht, für die man sich insbesondere als Heranwachsender interessiert.

Natürlich sind die Witze insgesamt betrachtet nicht sonderlich originell und teilweise arg vorhersehbar – doch gibt es noch immer viele Stellen, an denen man eines besseren belehrt wird. In Bezug auf einige der bereits in den originalen Griswold-Filmen genutzten Elemente hat man sich ebenfalls nicht die Blöße gegeben: das klassische Griswold-Gefühl kommt durchaus auf, während einige Aspekte etwas aufgepeppt und in die heutige Zeit geholt wurden; und das überraschend unverkrampft.

Neben der Anzahl und Qualität der Witze kommt es im Falle von VACATION nur noch auf zwei weitere, wichtige Merkmale an; von denen einer die Art und Qualität der Inszenierung ist. Diesbezüglich macht man grundsätzlich nichts falsch – erobert andererseits aber auch kein Neuland oder erzielt eine besondere Wirkung. Immerhin ist der gesamte optische Part des Films über alle Maßen angenehm: er ist farbenfroh, stets hell ausgeleuchtet und mit vielen Schauplatzwechseln verbunden. Lediglich die hie und da eingesetzten Spezialeffekte stören den sonst eher bodenständig wirkenden Film – die entsprechenden Szenen hätte man sicher auch anders lösen können. Das gilt im übrigen auch für das Finale des Films, das eher unglücklich gelöst ist und intensivere Fremdschäm-Momente beinhaltet als die gesamten vorangegangenen Minuten (Stichwort Singen und Steckenbleiben in der Achterbahn). Wenn man schon darauf aus ist solche festzumachen, versteht sich.

Was bleibt ist die Darstellung der Charaktere und die damit verbundene Besetzung. Hier sammelt VACATION dann auch die wohl größten Pluspunkte. Zwar sind so gut wie alle Charaktere auf besondere Merkmale respektive Persönlichkeitsaspekte zurechtgestutzt, nicht zuletzt um das Chaos perfekt zu machen – doch gleichen die Darsteller vieles wieder aus und verleihen den eher stereotypen Charakteren doch noch so etwas wie eine Identität.

Fazit: VACATION ist ein insgesamt positiv überraschendes, spätes Sequel zu einem altehrwürdigen Franchise. Eines, das sowohl den zeitlosen Charme der Originale beibehält, als auch hie und da neue Akzente zu setzen – größtenteils unter der engagierten Mitwirkung des gesamten, offenbar überaus gut gelaunten Casts. Die hier präsentierte Spielfreude wird so im besten Fall auch auf den Zuschauer überspringen – der sicher nicht die gesamten 99 Minuten pausenlos lachen, sich aber doch zu keinem Zeitpunkt langweilen wird. Ein keineswegs spektakulärer, aber doch solider und stilistisch konsequenter technischer Part rundet das Ganze ab.

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„Keine makellose, aber doch angenehm turbulente Familienkomödie für Zwischendurch.“

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Filmkritik: „Project: Babysitting – #EPICFAIL“ (2013)

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Originaltitel: Babysitting
Regie: Philippe Lacheau, Nicolas Benamou
Mit: Philippe Lacheau, Alice David, Vincent Desagnat u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 84 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Geburtstag | Feier | Party | Fete | Babysitter | Erziehung

Project X mit Babysitter.

Kurzinhalt: Der am Empfang eines großen Verlages arbeitende Franck (Philippe Lacheau) hat so manch verborgene Talente, wie etwa das Comic-Zeichnen – was er auch seinem Chef Marc Schaudel (Gérad Jugnot) näherbringen möchte. Doch bevor er dazu kommt, hat der eine ganz andere Aufgabe für ihn parat: Franck soll während einer Geschäftsreise auf seinen Sohn Remy (Enzo Tomasini) aufpassen. Da sich Franck mögliche Chancen nicht verbauen möchte, willigt er ein – und stellt bald darauf fest, dass Remy nicht unbedingt eines der zugänglichsten und liebenswertesten Kinder ist. Doch das ist noch nicht einmal das eigentliche Problem… denn Franck hat Geburtstag, und wird von seinen besten Freunden mit einer großen Party überrascht. Dass diese aber ausgerechnet im Haus seines Chefs stattfinden soll, dafür kann sich Franck nicht gerade begeistern. So versucht er mit Ach und Krach, alles unter einen Hut zu bekommen: die Party, seinen neuerlichen Erziehungsauftrag – und die Anbändelungsversuche mit der hübschen Sonia (Alice David).

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Kritik: Achtung, Spoiler ! PROJECT BABYSITTING ist eine französische Komödie aus dem Jahre 2013, die erst jetzt einen Weg in die deutschen Verkaufsstände gefunden hat. Im vom jungen Regie-Duo Philippe Lacheau und Nicolas Benamou inszenierten Original horchte das spaßige Chaos-Projekt noch auf den schlichten Namen BABYSITTING – was mit einigen ohnehin vorhandenen inhaltlichen Parallelen zur ausufernden Party-Komödie PROJECT X (Review) zu einer entsprechenden Titelvergabe für den deutschen Markt führte. Einer durchaus geschickten, sollte man meinen – schließlich kann so die gesamte Zuschauerschaft, die bereits PROJECT X für gut befunden hat; direkt geködert werden. Und das sogar ohne allzu enttäuscht aus dem Nachfolger aus Frankreich hervorzugehen: der Film ist ganz ähnlich aufgemacht wie sein potentielles Vorbild aus Übersee; und stellt dem Zuschauer ein dementsprechend bekanntes Szenario vor. Das besteht vornehmlich aus einer völlig aus dem Ruder laufenden Privat-Party für ein erwachsenes Geburtstagskind – das an diesem Tag eigentlich etwas ganz anderes vorhatte und entsprechend verhalten reagiert.

Vielleicht wäre das Ganze tatsächlich nur ein müder Abklatsch geworden, würde PROJECT: BABYSITTING nicht doch noch eine neue Komponente einstreuen, die dem Titel auch gerecht wird: der von der Überraschungsparty völlig überrumpelte Frank muss an jenem besagten Tag auf den 10-jährigen Sohn seines Chefs aufpassen. Allein die Zusammenführung dieser beiden gegensätzlichen Elemente sorgt dann auch dafür, dass der Film größtenteils hält was er verspricht: die Veranschaulichung eines mehr als turbulenten Abends, bei dem nichts als Chaos herrscht. Inhaltlich sind demnach keine allzu großen Sprünge zu erwarten – dafür aber im Hinblick auf die allgemeine, dezent anarchistische Heiterkeit, die Charakterporträts und die Situationskomik. Dass diese Aspekte von den Machern gut umgesetzt wurden, liegt wohl auch daran dass Regisseur Philippe Lacheau zusätzlich die Hauptrolle als Franck innehat – und das Geschehen so von beiden Seiten der Kamera beeinflussen kann. Ein Gespür für eine alles andere als bahnbrechende, aber doch spaßige und leicht rebellische Form der Unterhaltung scheint er jedenfalls zu haben – PROJECT: BABYSITTING ist ein temporeich-turbulenter Film geworden, der hie und da sogar mit echten Highlights punkten kann.

Diese finden sich zunächst in Bezug auf die Art der Erzählung wieder: schließlich wird das Geschehen ab Beginn der Party-Nacht aus einer Rückblende erzählt, respektive von den beiden entsetzten Eltern (und einigen Polizisten) anhand einer Videokamera-Aufzeichnung begutachtet. So kommt es auch, dass die Aufnahmen einstweilen unterbrochen werden und man die Reaktionen der Eltern beobachten kann – die natürlich entsprechend kurios ausfallen. Nicht jedoch so kurios wie die der anwesenden Polizisten; vor allem die eines besonders eifrigen Ermittlers – der der Mutter mit einigen alles andere als hilfreichen Anekdoten aus seinem Berufsalltag daherkommt. In diesen Momenten ist PROJECT: BABYSITTING auch am witzigsten und gleichzeitig kritischsten – schließlich mildern sich die allzu empörten Reaktionen der Eltern mehr und mehr, als nicht mehr von einer Entführung auszugehen ist und sie sich immer mehr eigene Fehler eingestehen müssen. Eine ausufernde Party als erzieherischer Zeigefinger – das ist ungewöhnlich und mag nicht immer Sinn ergeben, doch die Botschaft; die gute Moral von der Geschicht‘ wird auch so transportiert.

Speziell zu Beginn verpasst man es allerdings, die Rolle des Kindes sinnig in den Film zu integrieren. Nicht nur, dass sie inhaltlich kaum eine Rolle spielt und es keine besonderen Szenen zu sehen gibt, die sich aus einer Konstellation wie dieser ergeben hätten – auch der junge Darsteller von Remi, Enzo Tomasini hat hier nicht viel mehr zu tun als die unsympatisch-verzogene Göre zu spielen. Erst im weitaus späteren Verlauf wird der Film dem Titel endlich wieder gerechter – und rückt auch die Kinderrolle wieder expliziter in den Fokus, macht sie sympathischer. So gehören speziell die Szenen auf dem Jahrmarkt nicht unbedingt zu den furiosesten des Films (mit Ausnahme der Spritztour auf den Go-Karts), doch bieten sie eine willkommene Alternative zum ansonsten recht sinnfreien Party-Gegröle. Schließlich machten sowohl Franck als auch Remi eine entscheidende Wandlung durch – während alle anderen Charaktere größtenteils auf dem Status reiner Sidekicks sitzenbleiben. Aber auch das ist nicht schlimm – schließlich hat man auch hier und trotz der Bedienung gewisser Klischees das Gefühl, als könnte es diese Protagonisten tatsächlich geben. In wie weit sich die entsprechenden Schauspieler also aus dem Fenster lehnen mussten bleibt ungewiss – sicher ist wohl nur, dass alle eine gehörige Portion Spaß hatten. Und die überträgt sich auch auf den Zuschauer, zumindest über weite Strecken.

Was bleibt, sind die technischen Aspekte des Films – die sich vor allem durch die größtenteils verwendeten Aufnahmen einer Handkamera definieren. Glücklicherweise ist das Bild aber nicht ganz so wackelig wie in manch anderen Found-Footage-Produktionen und damit recht angenehm. Eher negativ zu beurteilen ist dagegen die etwas; man nenne sie beklemmende Gesamtwirkung des Films – die offenbar aus einem vergleichsweise geringen Budget resultiert und mit dem Prinzip der Handkamera-Aufnahmen kaschiert werden soll. So spielt sich das Geschehen beinahe nur in einem einzelnen Haus ab, auf den (größtenteils menschenleeren) Jahrmarkt geht es in tiefster Nacht – und die kurzen Ausflüge auf den Straßen (zunächst im Auto, später auf Go-Karts) wirken auch nicht so, als würde PROJECT: BABYSITTING neue inszenatorische Maßstäbe setzen. Bei den Darstellern setzt sich vor allem einer durch, und das ist Regisseur Philippe Lacheau – man kann einfach nicht anders, als mit dem aufstrebenden Comic-Zeichner und plötzlich-Babysitter mitzufühlen; beispielsweise auch was seine deeskalierenden Versuche angeht, die Party noch recht zeitig zu stoppen. Während alle anderen eine nicht ganz so prägnante, aber doch ordentliche Vorstellung abliefern bleibt speziell der Kinderdarsteller Enzo Tomasini hinter seinen Möglichkeiten zurück – und sei es nur gefühlt. Immerhin: der Auftritt von Gérard Jugnot als diesmal nicht ganz so vorbildlicher Vater entschädigt vieles. Ob er nun einen Gutmenschen spielt oder einen erfolgshungrigen Geschäftsmann wie hier – er kann wohl alles, nur nicht unsympathisch wirken.

Fazit: PROJECT: BABYSITTING bietet eine große Portion Spaß und veranschaulicht die regelrechte Anarchie einer ausufernden Party-Nacht – spielt mit seinen Zwischentönen aber durchaus auf ein eher gehaltvolles Thema wie das der Vernachlässigung an. Das mag alles nicht neu sein, und ist auch nicht aufregend anders inszeniert – und doch kann man sich getrost auf dieses größtenteils angenehm komische Werk einlassen. Wenn man nicht zuviel erwartet, das Ganze an den entscheidenden Stellen nicht hinterfragt und es eher als ein Feel-Good-Movie der turbulenten Art betrachtet, versteht sich. Angenehmer und stilvoller als ein PROJECT X ist PROJECT: BABYSITTING allemal.

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„Macht definitiv mehr Spaß als PROJECT X.“

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Filmkritik: „St. Vincent“ (2014)

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Originaltitel: St. Vincent
Regie: Theodore Melfi
Mit: Bill Murray, Melissa McCarthy, Jaeden Lieberher u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 103 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Tragik-Komödie
Tags: Erziehung | Familie | Einsamkeit | Alter | Freundschaft

Wenn auch DEIN Nachbar ein Heiliger sein könnte.

Kurzinhalt: Gerade erst ziehen die alleinerziehende Mutter Maggie (Melissa McCarthy) und ihr Sohn Oliver (Jaeden Lieberher) in ihr neues Zuhause ein – da machen sie auch schon Bekanntschaft mit ihrem neuen Nachbar Vincent (Billy Murray). Der scheint sich nicht sonderlich für die neu hinzugezogenen zu interessieren, und beschäftigt sich wann immer es geht und er das nötige Kleingeld hat mit der Stripperin Daka (Naomi Watts). Bald darauf aber sitzt Oliver vor seiner verschlossenen Haustür – seine Mutter arbeitet und sein Schlüssel wurde ihm gestohlen. So bittet er seinen mürrischen Nachbarn um Hilfe. Der lässt ihn tatsächlich herein und auch telefonieren, und macht kurzerhand einen Deal mit seiner Mutter: würde sie ihm ein angemessenes Entgelt zahlen, so würde er ab und zu auf ihren Sohn aufpassen. Auch wenn sie lieber einen anderen Babysitter für ihren Sohn auserkoren hätte, lässt sie sich darauf ein – und tritt damit etwas los, mit dem wohl keiner der Beteiligten gerechnet hätte. Denn zwischen all den Eskapaden von Vincent und seinem wenig geordneten Leben scheint sich noch etwas anders zu verbergen… ein überraschend großes Herz.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Eigentlich ließen die ersten Trailer zu ST. VINCENT, der neuen Tragik-Komödie von Theodore Melfi (der hier als Regisseur und Drehbuchautor fungiert) auf vieles schließen – nur nicht auf ein Projekt, bei dem man sich besonders weit aus dem Fenster lehnen würde. Und tatsächlich betritt man mit der Geschichte um einen alten Kauz und eine eher ungewöhnliche Freundschaft kein cineastisches Neuland – sondern inszeniert eine typische Feel-Good-Komödie mit dezent dramatischen Untertönen, die sowohl in Bezug auf die altbekannte Story, die eher konventionelle Machart und die bereits zum x-ten Male anberaumte Leichtigkeit einer US-Vorstadt-Atmosphäre wenig atemberaubendes zu Tage fördert. Das klingt grundsätzlich nach einem Totalausfall, oder zumindest einem Werk das man getrost vernachlässigen könnte – wenn, ja wenn der Film nicht doch noch für eine Überraschung gesorgt hätte. Eine vergleichsweise wirkungsvolle noch dazu – die in Form des bemerkenswerten Charakterensembles respektive der hochkarätigen, durch und durch sympathischen Besetzung daherkommt.

Schließlich sorgt erst die offenbar mehr als stimmige Chemie zwischen den Hauptdarstellern dafür, dass ST. VINCENT eine Seele eingehaucht wird – und damit etwas, was den Film doch noch markant von anderen, mittlerweile unzähligen Genrefilmen mit einer ähnlichen Intention abhebt. Speziell Billy Murray, der Newcomer Jaeden Lieberher und Melissa McCarthy spielen als unkonventionelles Kern-Trio des Films derart charmant und glaubwürdig, dass man meint diese Geschichte könnte sich genau so in der Nachbarschaft zutragen. Gut gelungen ist Theodore Melfi auch die Ausarbeitung seiner Charaktere – auch wenn er nicht gänzlich umherkommt, sich in so manchen Klischees oder Stereotypen zu vertiefen. Auch hier gilt: die allgemein charmante, auch mal zu Herzen gehende Art der Porträts tröstet über vieles hinweg – und lädt den Zuschauer sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken ein. Ohnehin scheint die Mixtur aus den nicht wenigen urig-unterhaltsamen und den behutsam eingeschobenen tragischen Elementen vollkommen aufgegangen zu sein – ST. VINCENT ist ein auf vielerlei Ebenen emotionaler Film für das Herz geworden, bei dem Lachen und Weinen nah beieinander liegen.

So spielt es auch nur noch eine bedingte Rolle, dass man viele der behandelten Nebengeschichten so oder in ähnlicher Form bereits kennt – was nicht nur auf die Rolle von Oliver als Außenseiter in der neuen Schule zu beziehen ist; sondern vor allem auch auf die Wandlung des alternden Vincent. Der erlernt erst durch einen Sprung ins kalte Wasser, seine mürrische Art dann und wann zurückzustellen und wieder menschliche Nähe zuzulassen. Dennoch sorgen gerade die Szenen, in denen diese beiden ungleichen Charaktere zunächst gezwungenermaßen aneinander geraten für die besten, unterhaltsamsten und eindringlichsten Szenen des Films. Das etwas kitschige, aber dennoch rührende Finale untermauert die neu gewonnene Freundschaft, und weist so gesehen doch noch auf eine recht erfrischende Art und Weise auf das durchaus sinnvolle Prinzip der sogenannten Patchwork-Familien hin. Eine Idee, die viel mehr als eine Notlösung sein kann – und eine Botschaft, die weitaus mehr Gehalt hat als eine sonst gängige, vereinfachte Darstellung von Nächstenliebe.

In technischer und inszenatorischer Hinsicht macht ST. VINCENT ebenfalls eine gute Figur – wenn auch längst keine ähnlich überraschende. Der allgemeinen Hochglanzoptik stehen einige Stillleben gegenüber (wie etwa die Wohnungseinrichtung von Vincent), die als in der Zeit eingefrorene Elemente für einige nette Kontraste sorgen, der oftmals rasante Wechsel zwischen den abwechslungsreichen Schauplätzen macht Spaß, lässt aber auch eine gewisse Intensität vermissen. Beispielsweise hätte man allein über zusätzliche optische Kniffe für eine noch bessere Veranschaulichung der Charaktere und deren Situation sorgen können, doch bleibt der Fokus diesbezüglich eher oberflächlich. Viele Szenen scheinen zudem dem Standard-Repertoire diverser Filmemacher entsprungen zu sein – in rein optischer und handwerklicher Hinsicht ist ST. VINCENT leicht mit anderen Filmen zu verwechseln. Hier hätte ihm eine etwas persönlichere Note definitiv gut getan – was so auch auf den Soundtrack zu übertragen ist, der zwar hier und da ein passendes Stück bereithält; insgesamt aber eher zu vernachlässigen ist. Das größte Lob bleibt aber ohnehin den Darstellern vorbehalten, die den Film so gesehen vor dem bloßen Mittelmaß retten.

Fazit: Was ST. VINCENT hinsichtlich seiner Prämisse, Story und doch eher handelsüblichen Machart der Marke Hollywood vermissen lässt, macht er durch die besondere Konstellation der Charaktere und speziell den Leistungen von Billy Murray und Jaeden Lieberher wieder wett. Und das in einem solchen Maße, dass man geneigt ist über die Schwächen des Films hinwegzusehen, ihn als unkompliziertes Feel-Good-Movie der unterhaltsamen Art zu betrachten – und vielleicht sogar zu genießen, sowohl in seinen witzigen als auch anrührenden Momenten. Die Botschaften (oder eher: Lösungsvorschläge), die man in Bezug auf Themen wie Vernachlässigung oder Vereinsamung im Alter anklingen lässt mögen hier zwar etwas utopisch wirken – was einen nicht davon abhalten sollte, sie als Ansporn zu verstehen.

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„Tolle Darsteller und starke Charaktere, inhaltlich eher konventionell – ein Film über und für ein besseres Miteinander.“

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Filmkritik: „Mostly Ghostly – Die GeisterMeister“ (2008)

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Originaltitel: Mostly Ghostly
Regie: Richard Correll
Mit: Madison Pettis, Sterling Beaumon, Luke Benward u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 94 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Familie, Fantasy
Tags: Kinder | Geister | Kontakt | Dämonen | Kampf

Die Geister, die ich niemals rief.

Kurzinhalt: Der junge Max (Sterling Beaumon) hat sich schon seit längerem dem Hobby der Zauberkunst verschrieben – was seinem sportbegeisterten Vater und speziell seinem älteren Bruder Colin (Adam Hicks) eher auf die Nerven geht. Eines Tages, und zur Überraschung aller erscheinen Max aber tatsächlich zwei Geister – die Geschwister Nicky (Luke Benward) und Tara (Madison Pettis). Diese beiden wissen selbst nicht so Recht wie ihnen geschieht – und bitten den zunächst reichlich verdutzten Max um Hilfe. Nach und nach stellt sich heraus, dass das Schicksal der beiden Geschwister eng mit einer möglichen Rückkehr einer Horde besonders mächtiger, böser Geister zusammenhängt. Schließlich waren ihre Eltern einst Verfechter des Guten – und hatten alle bisherigen Ambitionen der bösen Mächte im Keim erstickt; indem die bösen Geister in einer Art magischen Kammer festgehalten wurden. Das Problem: der Anführer der Geisterschergen tüftelt bereits an einem Plan um wieder freizukommen – und um endlich wieder Angst und Schrecken auf der Erde verbreiten zu können.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wie es der bereits vor dem eigentlichen Filmtitel angeführte Name R.L. Stine vermuten lässt; basiert MOSTLY GHOSTLY auf einer recht erfolgreichen Kinder- und Jugendbuchreihe, welche sich mit in kindgerechter Form mit gleichermaßen außergewöhnlichen wie spannenden Phänomen befasst. Zumindest, wenn man zur entsprechenden Zielgruppe gehört – was bei einem Kauf der Bücher schon fast automatisch der Fall sein sollte. In Bezug auf die Verfilmung von Richard Correll aber könnte es durchaus sein, dass auch andere zugreifen – ob nun aus Zufall oder mit der Absicht, der Familie einen möglichst unterhaltsamen Filmabend zu bescheren. Davon sollte man allerdings dringend abraten – denn MOSTLY GHOSTLY präsentiert sich in vielerlei Hinsicht als zutiefst misslungener Kinderfilm mit einem oberflächlich-bunten Fantasyanstrich.

Dabei spielt es auch kaum eine Rolle, welche gedachten Boni man dem Film auch zugute kommen lässt – denn selbstverständlich verdienen auch reine Kinderfilme für ein deutlich jüngeres Publikum, dass sie sowohl mit einem nennenswerten Inhalt als auch handwerklich ansprechenden Aspekten versehen werden. Zwar ist es beileibe kein Muss, dass die Filme auch immer etwaige pädagogisch wertvolle Ansätze offerieren – denn auch Kinder wollen einstweilen einfach nur unterhalten werden. Doch wenn ein Film nicht nur erschreckend belanglos; sondern vor allem auch hinsichtlich seiner Inszenierung geradezu stümperhaft wirkt – dann sollte man es sich schon genau überlegen, ob man seinen Kindern tatsächlich einen Film wie MOSTLY GHOSTLY vorsetzen möchte. Vorsetzen ist hier schließlich auch ein passendes Stichwort: erwachsenen Zuschauern dürfte das hier dargebotene schnell etwas zu bunt werden; womit der gelungene Filmabend im Kreise der Familie schon einmal gehörig ins Wasser fällt.

Doch selbst wenn man es schafft das Ganze aus einer eher kindlichen Perspektive zu betrachten, einen Großteil der sonst geltenden Ansprüche zurückzuschrauben und nicht zwingend an alternative (und zumeist ungleich bessere und für alle Generationen geeignete) Kinderfilme denkt – fällt MOSTLY GHOSTLY durch alle nur erdenklichen Qualitäts-Raster. Und damit ist beileibe nicht nur die inhaltliche Ebene gemeint, die mit ihrer Geschichte um einen Magie-begeisterten Außenseiter zumindest ansatzweise Potential erkennen lässt. Stärker als alles andere betroffen sind beispielsweise die Dialoge – die nicht nur durch das enttäuschen was gesagt wird; sondern hauptsächlich dadurch wie es gesagt wird. Jede gängige Soap-Opera oder ein selbst inszeniertes Laientheater schafft es, sinnigeres von sich geben – und das vor allem glaubwürdiger. Einen Hinweis darauf liefern auch die ständigen Pausen zwischen den Sätzen – höflicherweise lässt man einander stets großzügig ausreden; was zur Folge hat dass die wortkargen Dialoge nur noch hölzerner wirken.

Ebenso gravierend hat es dann auch jene Elemente getroffen, die den eigentlichen Kern des Films ausmachen: gemeint ist das allgemeine Witz- und Unterhaltungspotential. Zwar kann man sich nicht darüber beklagen, dass dieser nicht für ein deutlich jüngeres Publikum geeignet wäre – doch wirken viele der Ideen erschreckend ausgelutscht und plump dargeboten. So gibt es auch einen immer wiederkehrenden Doppelwitz, der die ein oder andere amüsante Angelegenheit innerhalb eines kurzen Zeitraums wiederholt. Das bedeutet folglich, dass selbst ein alles andere als neuer, aber zweckdienlicher Grusel-Moment in Form eines Zurückschreckens vor einem Schul-Skelett zweimal hintereinander präsentiert wird – was recht einfallslos erscheint und die ohnehin enorm problematischen Charakterporträts negativ unterstreicht. Die aus dem Geister-Dasein der Charaktere hervorgehenden Spielereien braucht man dann ebenfalls kaum erwähnen.

Stichwort Charaktere und etwaige Grusel-Faktoren: kurioserweise scheint sich das hier dargebotene doch ein wenig mit der eigentlich angepeilten Zielgruppe zu beißen; denn speziell die deutlich düstereren Szenen in einer Gruft, sich aufspaltende Hunde und Ratten denen jeweils Geister entspringen, eine zu Eis erstarrte Frau oder abgetrennte Köpfe gehören dann wohl doch nicht zum guten Ton eines für alle Altersklassen geeigneten Kinderfilms.

Fazit: Ob nun als Buchverfilmung oder vollkommen unabhängig betrachtet – MOSTLY GHOSTLY macht alles falsch, was in Bezug auf einen Kinderfilm nur falsch machen kann; und kann somit als Paradebeispiel für alle angehenden Regisseure, Drehbuchautoren und andere Filmschaffende betrachtet werden. Dies ist dann leider Gottes auch der einzige positive Aspekt, den man aus der kruden Geister-Geschichte ziehen kann – für alles andere sorgen die miese, unoriginelle Story samt ihrer hanebüchenen Umsetzung, die peinlichen Dialoge, die unterirdischen Gags, die schlechten Effekte (Stichwort Traumsequenzen) und die verheizten (Kinder-)Darsteller.

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„Der Tiefpunkt des modernen Kinderfilms.“

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Filmkritik: „Warm Bodies“ (2013)

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Originaltitel: Warm Bodies
Regie: Jonathan Levine
Mit: Nicholas Hoult, Teresa Palmer, Analeigh Tipton u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Romanze, Horror
Tags: Zombies | Untote | Liebe | Verwandlung

Ein frischer Wind im Zombie-Genre – oder war’s doch nur das Fenster ?

Kurzinhalt: In einer nahen Zukunft ist die gesamte amerikanische Bevölkerung einer Art Zombie-Seuche zum Opfer gefallen. Die infizierten wandeln fortan als Fleisch-fressende Untote durch die Straßen – und machen Jagd auf die wenigen menschlichen Überlebenden, die sich mit Ach und Krach in Sicherheit brachten konnten. Einer der Zombies (Nicholas Hoult) aber scheint noch immer etwas menschliches in sich zu tragen. Alsbald begegnet er einem Mädchen namens Julie (Teresa Palmer), welches von einer Horde Untoter angegriffen wird – und beschließt sie zu retten. Doch damit nicht genug, er nimmt sie sogar mit in sein Versteck und nimmt sich vor sie auch weiterhin zu beschützen. Die völlig verdutzte Julie kann nicht so Recht glauben wie ihr geschieht – und doch freundet sie sich langsam mit ihrem ungewöhnlichen Retter an und gibt ihm den Namen R. Speziell Julie’s Vater würde seiner Tochter aber kaum glauben, dass ausgerechnet einer der ihn ständig bedrohenden Zombies seine Tochter gerettet haben soll…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Es ist sicher nicht leicht, dem allseits beliebten Genre des Zombie-Films auch heute noch etwas neues abzugewinnen. Diejenigen, die es dennoch versuchen gehen oftmals nur noch groteskere Wege – beispielsweise in Form diverser Kreuzungsfilme, in denen die Zombie-Thematik mit einer anderen, bisher noch nicht verwendeten verknüpft wird. Doch gibt es auch einen bodenständigeren Weg – wie den, den man nun in WARM BODIES geht. Einen bodenständigeren, aber dennoch ungewöhnlichen – und zunächst sogar merklich erfrischend erscheinenden. Schließlich sieht die Idee des Films vor, dass längst infizierte noch immer menschliches in sich tragen – und daher auch mithilfe einer entsprechenden Stimulierung auch wieder in die Welt der lebenden zurückgeholt werden können. Die andere Seite der Medaille, das heißt die der absoluten Unumkehrbarkeit des Vorgangs findet sich ebenfalls im Film – und zwar in Form von schon weitaus länger infizierten, nunmehr nur noch an Skelette erinnernde Wesen.

Mit dieser Prämisse startet WARM BODIES dann auch recht unkonventionell durch; und lässt den Zuschauer einen gerade erst infizierten begleiten, der der gängigen Vorstellung eines Zombies absolut widerspricht – beispielsweise in Form ständiger reflektierender Monologe. Gerade die sorgen dann auch für einen gewissen Anflug von Heiterkeit und allerlei schwarzen Humor – bis hierhin sieht es demnach verdächtig gut aus für WARM BODIES. Doch aufgepasst – denn das, was noch folgt ist kaum noch mit dem frischen Auftakt des Films zu vergleichen. Der eine Knackpunkt ist sicherlich die hohe Gewichtung der für das Konzept des Films essentiellen Liebe – einer Liebe, die den eigentlich Untoten wieder neues Leben einhauchen kann. So sinnig das zunächst klingt, so ernüchternd und vor allem Genre-fremd ist die letztendliche Lösung: WARM BODIES ist demnach vor allem deshalb ein so andersartiger und erfrischend wirkender Zombiefilm, da er schlicht weniger von einem Zombiefilm hat als von einer handelsüblichen Hollywood-Romanze.

Etwaige Parallelen zur TWILIGHT-Saga oder anderen explizit an ein in dieser Hinsicht besonders liquides Zielpublikum ausgerichtete Teenie-Horrorfilme kommen also nicht von ungefähr. genau das werden sich auch Jonathan Levine und die hinter ihm stehenden Produzenten gedacht haben, als sie beschlossen den Roman MEIN FAHLER FREUND von Isaac Martin in Filmform zu verpacken. Leider ist dann auch hauptsächlich diese eher verkaufsorientierte und möglichst massenkonforme Stimmung, die sich im gesamten weiteren Verlauf dies Films niederschlägt – der dem Zuschauer eigentlich doch nur Popcorn-taugliches Mainstreamkino mit einer besonderen Lovestory offeriert. Dass das Ganze vor dem Hintergrund einer Zombie-Apokalypse spielt, fällt da kaum noch ins Gewicht – im Gegenteil, wird dieser Hintergrund sogar frech für die dreist-oberflächliche Moral des Films genutzt. Wer sich schon intensiver mit diversen Zombie-Filmen und speziell den Ursprüngen des Genres beschäftigt hat wird wissen, dass nicht wenige Filme dieser Machart zumeist auf zwei Ebenen funktionieren: einer tatsächlichen, handlungsorientierten – und einer eher unterschwelligen, dezent gesellschaftskritischen a’la George Romero. Und nun kommt ein Film wie WARM BODIES daher – und erdreistet sich, jene einst kunstvoll und intelligent verpackten Untertöne vollständig zu entmystifizieren.

Schließlich werden die Zombies hier in jeder Hinsicht zu von der Gesellschaft ausgegrenzten Geschöpfen, die noch nicht einmal wirklich – und  das ist der Punkt – Zombies sind. Bringt man (das heißt, die Gesellschaft) ihnen nur die nötige Akzeptanz und (Nächsten-)Liebe entgegen, würden sie ihre Andersartigkeit und ihr so gesehen verzweifeltes, fehlgeleitetes Verhalten schneller wieder ablegen als es den nicht mehr zu rettenden (den Skeletten, die beliebig durch etwaige fanatische Bevölkerungsgruppen zu ersetzen sind) lieb ist. Und wenn in WARM BODIES selbst die reine Bildsprache nicht mehr ausreicht, und die Herzen der noch-nicht-ganz Untoten wieder zu schlagen beginnen –  dann weiß man, dass der Zuschauer hier nicht ganz für voll genommen werden kann. Vielleicht wäre all das noch gar nicht so schlimm, hätte WARM BODIES zumindest mit der ein oder anderen weiteren Idee aufgetrumpft – doch abgesehen von der halbwegs interessanten Prämisse erstickt man vieles im alles umfassenden Kitsch und Liebesschnulz. Selbstverständlich spielt es in diesem Zusammenhang auch keine Rolle mehr, dass der Hauptprotagonist den Freund seiner nunmehr geliebten verspeist hat – was soll’s, wenn es doch einen viel besseren Ersatz gibt. Dass die Macher erst gar nicht auf Idee gekommen sind sich weitere Gedanken zur Zombie-Apokalypse zu machen ist dann auch nicht sonderlich überraschend. Wozu sich die Mühe machen, wenn sich der Film auch so verkauft ?

Sicher könnte man über den Sinn oder Unsinn des Hintergedankens der Originalvorlage, und noch expliziter über dem Film und seine merkwürdige inhaltliche Ausrichtung streiten – doch gibt es wie so oft auch einige Aspekte, die sich einer wie-auch-immer gearteten Objektivität nicht gänzlich entziehen. Hauptsächlich geht es dabei um die technischen Aspekte des Films – der vor allem optisch und vom Soundtrack her eine gar nicht mal so schlechte Figur macht; mit Ausnahme der eher plump animierten Skelette. Die Optik ist generell angenehm düster und sieht nur hier und da einige Highlights und Eyecatcher vor, der Schnitt ist angenehm und niemals zu hektisch, die Schauplätze werden stimmig in Szene gesetzt, die Arbeit der Masken- und Kostümbildner ist nicht überragend aber doch zweckdienlich. Hinsichtlich seines Darsteller-Ensembles setzt man in WARM BODIES sogar noch einen obendrauf: speziell Nicholas Hoult scheint in seiner Rolle geradezu aufzugehen, selbst kleinere Details (wie in Bezug auf Bewegungsabläufe oder das Sprechen) werden glaubhaft von ihm transportiert. Sein weiblicher Gegenpart in Form von Teresa Palmer muss dagegen nicht viel mehr machen als gut auszusehen und hie und da etwas Überzeugungsarbeit zu leisten – da wäre mehr drin gewesen. Ebenso wie in Bezug auf den regelrechten Gast-Auftritt von John Malkovich; dessen Sinn sich leider überhaupt nicht erschließt.

Fazit: Sollten die verantwortlichen Ideengeber hinter der Filmumsetzung von WARM BODIES tatsächlich gedacht haben, das Genre beleben oder gar umkrempeln zu können; so ist ihnen dieser Versuch misslungen. Schlicht, da WARM BODIES zusammenfassend betrachtet eigentlich gar kein Zombiefilm ist – sondern sich diesen allseits beliebten Story-Hintergrund auf eine besonders perfide Art und Weise zunutze macht. Letztendlich geht es eben doch nur um die Liebe – und, dass sie alle Schranken zu durchbrechen vermag. Wer auf die neuerdings angesagte Vermischung von sonst eher dem Horror zuzuschreibenden Inhalten mit satten Love-Stories mit Teenie-Identifikationsfiguren steht; könnte allerdings seine Freude an WARM BODIES haben. Die TWILIGHT-Vampire und -Werwölfe lassen grüßen…

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„Handwerklich in Ordnung – inhaltlich eine Katastrophe.“

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Filmkritik: „Der Kleine Nick“ (2010)

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Originaltitel: Le Petit Nicolas
Regie: Laurent Tirard
Mit: Maxime Godart, Valérie Lemercier, Kad Merad u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Familie | Kinder | Kindheit | Streiche | Abenteuer | Trubel

Das Spiel mit dem französischem Charme.

Kurzinhalt: Wie so viele Kinder seines Alters soll DER KLEINE NICK (Maxime Godart) im Frankreich der 60er Jahre einen Aufsatz darüber schreiben, was er später einmal werden möchte. Doch eigentlich will er darüber gar nicht erst nachdenken – er ist glücklich und findet, dass alles so bleiben sollte wie es ist. Plötzlich beginnen aber ausgerechnet seine Eltern (Kad Merad, Valérie Lemercier) sich anders als sonst zu verhalten. Die beiden notorischen Streithähne sind plötzlich handzahm – was Nick zu der Vermutung führt, dass er einen kleinen Bruder bekommen könnte. Darüber ist er als eifrig umsorgtes Einzelkind allerdings nicht sonderlich begeistert. Nicht nur, dass sich dadurch einiges ändern würde – er befürchtet sogar, von seinen Eltern als nunmehr ungeliebtes Kind im Wald ausgesetzt zu werden. Gemeinsam mit seinen Schulfreunden diskutiert er über das Für und Wider eines kleinen Geschwisterchens – auf das eines Tages möglicherweise Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Was für die meisten deutschen Zuschauer nach einer weiteren beliebigen Familienkomödie klingt, ist zumindest in Frankreich ein großer Hit: Laurent Tirard’s DER KLEINE NICK basiert auf einem sehr erfolgreichen Kinderbuch-Franchise, das bis heute nichts von seiner Popularität und Beliebtheit eingebüßt hat. Umso weniger verwunderlich ist es, dass irgendwann auch eine Leinwand-Adaption der Geschichten um den liebenswerten Lausbuben Nick erscheinen sollte – eine, die überraschenderweise angenehm zeitlos ist und ausnahmsweise mal nicht hinsichtlich eines modernen Mainstream-Publikums angepasst wurde. Dafür spricht schließlich nicht nur das kunterbunte, in den 60er Jahren angesiedelte Setting mit all seinem Detailreichtum – sondern auch die Tatsache dass Laurent Tirard auf stumpfe Blödeleien, allzu spektakuläre technische Kniffe und eine falsche Gewichtung des Charaktere verzichtet. DER KLEINE NICK ist ein eher bodenständiger, warmherziger Film, der von einer gewissen Situationskomik durchzogen ist – und wie kein zweiter von seinen Charakteren lebt.

Dabei, und das ist keine Selbstverständlichkeit; sind es dann auch tatsächlich die Kinder denen die größte Aufmerksamkeit gebührt. So fungiert der Titel-gebende NICK nicht nur als Hauptdarsteller und perfekte Identifikationsfigur, sondern auch als Erzähler der Geschichte – der durch sein charmantes Porträt sowohl Kinder als auch Erwachsene (und sei es aufgrund eines gewissen Nostalgie-Faktors) an die Hand nimmt und als Zuschauer begleitet. Im Mittelpunkt der Geschichte steht dabei vordergründig die Angst, dass die von Eltern entgegengebrachte Liebe irgendwann einmal schwinden könnte – erst Recht, wenn sich Nachwuchs ankündigt, der einen Großteil der elterlichen Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Laurent Tirard geht dabei nicht wirklich mit der Holzhammer-Methode vor – sondern verpackt seine für jedermann verständlichen Botschaften stets in einem abenteuerlich-unterhaltsamen Gesamtpaket, das auch die allerkleinsten ansprechen sollte.

Schließlich bekommen sie mit NICK respektive Nicolas (wie er im Original heißt) eine vergleichsweise gut ausgearbeitete und glaubwürdig dargestellte Figur präsentiert, mit der sie entsprechend mitfühlen können – um am Ende trotz all der makaberen Ansätze (die Kinder planen sogar, einen Auftragskiller für das ungeborene Kind zu engagieren) vielleicht zu einem ganz ähnlichen; eher konservativen aber doch durch und durch vernünftigen Schluss zu kommen. Eingebettet ist das Ganze in gut eingefangene, malerische Bilder – die zwar immer in den 60er Jahren zu verorten sind, durch die satten Farben und den immensen Detailreichtum aber dennoch eine zeitlose Wirkung entfalten. Ein guter und nicht zu reißerischer Soundtrack sowie die Leistungen aller beteiligten Darsteller (auch die des charmanten Eltern-Paares aus Kad Merad und Valérie Lemercier) runden das Ganze hinsichtlich eines charmanten Kinder- respektive Familienfilms nach oben hin ab.

Fazit: Die entsprechende Kinderbuchvorlage hin oder her – DER KLEINE NICK ist einer der charmanteren Genre-Filme, die einen Großteil ihrer Aufmerksamkeit auf eine gleichermaßen absurde wie glaubwürdige Familiensituation mit einem kleinen Jungen als Hauptfigur und Erzähler legen. Der Unterschied zu vielen vergleichbaren deutschen Produktionen ist schließlich der, dass man stets das Gefühl hat als würden die Verantwortlichen wirklich wissen, was sie da tun. In Anbetracht dessen, dass entsprechende Erwartungen an Laurent Tirard gestellt wurden kann man also nur von einer respektablen Leistung ausgehen. DER KLEINE NICK ist witzig; aber nicht blödelnd oder gänzlich substanzlos, glänzt mit einer liebevoll gestalteten Optik, einem sympathischen Darsteller-Ensemble und einer Hingabe, die sich selbst in einer Nebensache wie dem charmanten Intro bemerkbar macht.

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„Ein rundum gelungener Kinderfilm für die ganze Familie.“

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Filmkritik: „Bob Der Baggerführer“ (2014)

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Originaltitel: Bob Der Baggerführer
Regie: Jochen Taubert
Mit: Ralf Richter, Tom Barcal, Kelly Trump u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 74 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Nazis | Baggerfahrer | Bauarbeiter | Zeitreise | Trash | Klamauk

Auch einem Baggerführer spielt das Schicksal manchmal übel mit.

Kurzinhalt: Bob ist ein Bauarbeiter der übelsten Sorte. Weder ist er besonders fleißig, noch scheint er auf seine Gesundheit und sein Äußeres zu achten. Auch hat er ständig nur Frauen im Kopf; zumeist aber nur solche die er aus diversen Schmuddelheftchen kennt. Eines Tages aber kommt es zu einem spektakulären Fund an einer Baugrube: Bob und seine Kollegen entdecken eine offenbar intakte Bombe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Kurz darauf gibt es eine Explosion – und Bob findet sich inmitten eines Außenpostens des Dritten Reiches wieder. Er scheint in der Zeit zurückgereist zu sein – doch all das kümmert ihn wenig. Viel mehr interessieren ihn die Frauen, denen er auf seinem merkwürdigen Trip in die Vergangenheit begegnet – und dass ihm ein besonders skrupelloser Nazi-Scherge eine seiner Angebeteten streitig macht.

Kritik: Achtung, Spoiler ! Das Genre des Trashfilms ist längst zu einem Teil der heutigen Filmkultur geworden. Sicherlich auch, da es ein vielfältigeres Genre ist als eventuell gedacht – wobei die verschiedenen Ausrichtungen jeweils völlig unterschiedliche Zielgruppen haben. Seien es eher kuriose Auswüchse in Form des eher seltener gewordenen unfreiwilligen Trashs mit bezeichnenden Horror-Werken wie TROLL 2 als Vorreiter; dreist-kommerziell orientierte Billig-Werke frei nach der berühmt-berüchtigten THE ASYLUM-Studiophilosophie – oder der kunstvolle Trashfilm, der seinerzeit Perlen wie BRAINDEAD hervorgebracht hat. Der Möglichkeiten etwas zutiefst polarisierendes aus einem vergleichsweise geringen Budget und wenigen Mitteln zu erschaffen, gibt es wahrlich viele. Doch auch wenn sich viele Filme, die man grob in die Sparte der Trashfilme einordnen könnte ohnehin fernab des Mainstreams bewegen und sich so gesehen auch einer breiteren Kritik entziehen; gibt es Regeln die man beachten sollte – zumindest dann wenn ein guter, im besten Fall sogar stilvoller Trashfilm entstehen soll. Macht man das nicht, läuft wie im Falle von BOB DER BAGGERFAHRER Gefahr, das Ziel trotz eines entsprechend anvisierten Zielpublikums gewaltig zu verfehlen.

Warum das Unterfangen in diesem Fall grob misslingt, bleibt damit auch nicht lange ein Geheimnis: Regisseur Jochen Taubert scheint eine etwas andere, selbst mit einem Großteil des eingefleischten Trash-Publikums kaum zu vereinbarende Vorstellung des Genres zu haben – und zelebriert diese auch in aller Konsequenz. Sein Werk BOB DER BAGGERFAHRER steht somit nicht nur unter einem schlechten Stern, weil es allzu offensichtlich auf den vermeintlichen Lehrfilm STAPLERFAHRER KLAUS Bezug nimmt – sondern auch, da der Regisseur und das gesamte hier auftretende Filmteam nicht unbedingt für ein wie auch immer geartetes Fingerspitzengefühl bekannt sind. Die Vorstellung, alles gängigen Filmkonventionen gehörig auf den Kopf zu stellen mag zwar eine rebellische sein – doch wenn man dabei über keinerlei gute oder unverbrauchte Ideen verfügt, ist das Ergebnis ein entsprechend ernüchterndes. BOB DER BAGGERFAHRER trumpft dementsprechend mit vielen Aspekten auf, die Trashfilme einstweilen auszeichnen – doch lässt dabei einen jeglichen künstlerischen Kontext vermissen.

So gerät der hier präsentierte Trash tatsächlich zu einem Produkt für die Mülltonne – und zu etwas, dass selbst unter den abenteuerlichsten Bedingungen kaum für Aufsehen, geschweige denn einen Anflug guter Unterhaltung sorgen könnte. Die Story ist hanebüchen und stützt sich plump auf das gängige Konzept der Nazisploitation, die Attribuierung der Darsteller als Laien wäre noch ein zu großes Lob, Dialoge sind so gut wie keine vorhanden (und dennoch hatten die Darsteller teilweise zu kämpfen, wie man es den Outtakes entnehmen kann), Figurenzeichnung gibt es nicht; und die handwerklichen Aspekte lassen selbst einen jeden privat erstellen Youtube-Clip zu einem Blockbuster für die große Leinwand avancieren. All das wäre vielleicht noch gar kein Todesurteil, würde man zumindest ansatzweise eine wie auch immer geartete Ambition der Verantwortlichen dahinter spüren – doch die einzige, die sich hier entdecken ließe wäre eine die darauf ausgerichtet ist den Zuschauer zu verärgern; und eben nicht gut zu unterhalten.

Als Sahnehäubchen, und weil der Film so etwas blutleer und unspektakulär gewirkt hätte; setzen Jochen Taubert und sein Team noch am ehesten auf eine große Portion Billig-Sex und Kunstblut, dass diese Bezeichnung auch wahrlich verdient. Selten waren selbst hanebüchene Splatter-Szenen so schlecht in Szene gesetzt – mit unglaubwürdigen Darstellungen, peinlichen Schnitten; und natürlich auch allerlei künstlichen Soundeffekten aus dem Off. Über die dazu passenden Spezialeffekte der Marke Farbmalkasten für Grundschulkinder, oder aber den nervtötenden Soundtrack (der besonders dann eine Frechheit ist, wenn Popmusikstücke in voller Länge gespielt werden) braucht man dann auch gar nicht erst zu reden. Anders gesagt: was man falsch machen kann wurde falsch gemacht.

Fazit: Auch wenn sie wahrlich meilenweit davon entfernt sind einen guten Ruf zu haben; haben sich selbst Ralf Richter oder Kelly Trump mit der Mitwirkung an einem Projekt wie BOB DER BAGGERFAHRER wohl keinen großen Gefallen getan. Der Film ist schlichtweg peinlich, und offeriert dem verdutzten Zuschauer eine Form der Trashkost, die selbst das Niveau von dreisten Filmplagiaten aus der Produktionsschmiede THE ASYLUM zu unterminieren vermag. Denn auch wenn die Ambitionen jener Plagiatsfirma alles andere als ehrenwert sein mögen, so haben sie zumindest ein klar erkennbares Ziel: Mist zu Geld zu machen. Was Jochen Taubert und sein Team erreichen wollten, bleibt dagegen schleierhaft. Vielleicht wollten sie ja einfach nur Spaß haben – doch dann hätten sie besser davon abgesehen, andere daran teilhaben zu lassen.

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„Ein zielloses Durchforsten von Youtube fördert mehr zutage als dieses in jeder Hinsicht unterirdische Filmprojekt.“

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Filmkritik: „Im Dutzend Billiger“ (2003)

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Originaltitel: Cheaper By The Dozen
Regie: Shawn Levy
Mit: Steve Martin, Bonnie Hunt, Tom Welling u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 99 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Familienvater | Familie | Chaos | Organisation | Kinder | Hausmann

Auch ein Dutzend Mal Trubel macht es nicht besser.

Kurzinhalt: Das Leben der Familie Baker ist ein turbulentes – was hauptsächlich daran liegt, dass Tom (Steve Martin) und Kate (Bonnie Hunt) Eltern von gleich zwölf Kindern sind. Das allein ist schon eine Herausforderung – und dennoch steht Familienvater Tom nicht nur fest zu seinen Kindern; sondern auch zu seinem Beruf als Football-Trainer. Dieser erfordert es dann eines Tages auch, dass die Familie umziehen müsste – von einem eher beschaulichen Landleben hinein in eine Großstadt. Hier fühlt sich jedoch keines der Kinder so recht wohl – zumal sie alle ihre gewohnte Umgebung und ihre Freunde zurücklassen mussten. Noch chaotischer wird es, als Kate auf eine Promo-Tour für ihr neues Buch geht – und Steve sowohl den Haushalt als auch die Kinder und seine Footballmannschaft betreuen muss. doch wann immer sich seine Ehefrau telefonisch erkundigt, macht er gute Miene zum bösen Spiel… und gibt weiterhin sein bestes, alles unter einen Hut zu bekommen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! IM DUTZEND BILLIGER ist eine jener Familienkomödien, die grundsätzlich das Zeug dazu hätte den Zuschauer sowohl köstlich zu amüsieren als auch mit einigen eher ernsteren Gedankengängen zu konfrontieren. Eben so, wie man es auch im zugrunde liegenden, altehrwürdigen Original aus dem Jahre 1950 handhabte. Doch durch die Anpassung des Drehbuchs an die Moderne, dem nur wenige Freiheiten zugestanden Hauptdarsteller Steve Martin und dem Ausbleiben potentiell kritischer Ansätze gerät die Neuverfilmung weitestgehend zu einem handzahmen Projekt – einem, dass hie und da mit ein paar für alle Altersklassen geeigneten Blödeleien unterhält, aber weitestgehend substanzlos bleibt.

Das größte Problem offeriert dabei die Zeichnung der Charaktere. Zwar ist es ohnehin schwierig, einem Ensemble wie dem in IM DUTZEND BILLIGER aufgefahrenen auch nur ansatzweise gerecht zu werden – und doch sind es ausgerechnet die Kinder, die mit arg stereotypen Charakterzügen ausgestattet werden und nur grob ihre jeweils kurzen und anspruchslosen Rollen herunterzuspielen. Mehr Screentime bekommen dann nur die Hauptdarsteller Steve Martin und Bonnie Hunt – die ihre Figuren zwar weitestgehend sympathisch verkörpern, aber doch hinter ihren eigentlichen Möglichkeiten zurückbleiben. Entsprechend platt ist auch der dargebotene Humor – der stets auf das Dasein des Films als eine harmlose, möglichst viele erreichende Familienkomödie zugeschnitten ist und so gut wie überhaupt keine Bissigkeit an den Tag legt. So müssen einige vereinzelte Szenen, wie etwa die in denen das Bemühen der Kinder hinsichtlich des Loswerdens von Familienfreund Hank (Ashton Kutscher) gezeigt wird; über vieles hinwegtrösten.

Sobald Regisseur Shawn Levy dann aber alles auffährt und das Chaos der Familie perfekt macht – beispielsweise, wenn auch noch das gesamte Footballteam ins Haus der Bakers geholt wird – kann man sich nicht des Gefühls erwehren, dass IM DUTZEND BILLIGER eben doch nur eine dezent realitätsferne, übertrieben klamaukige Komödie um eine Großfamilie ist. Eine, die einstweilen bitter an auf modern getrimmte Unterhaltungsformate und hektisch-bunte Kinderserien erinnert – was mit einigen entsprechend klischeehaften Charakteren und einer peppigen, die Nerven aber einstweilen strapazierenden Musikauswahl einhergeht. Analog dazu fallen auch die enthaltenen Botschaften und vermeintlichen Weisheiten verdächtig platt aus – die berühmt-berüchtigte Moral von der Geschicht‘ ist vorhersehbar und extrem simplifiziert.

Fazit: Eine typisch US-Amerikanische Wertevermittlung selbst für die allerkleinsten, nicht wirklich zündende Gags, eine ärgerliche Figurenzeichnung und eine große Portion Konformität. IM DUTZEND BILLIGER bewegt sich meilenweit entfernt von einer stilvoll inszenierten, frechen, anspruchsvollen, möglicherweise sogar gesellschaftskritischen Familienkomödie – und ist auch als reiner, platter Unterhaltungsfilm kein allzu großer Wurf. Ein wenig Familientrubel hier, ein paar Kinderstreiche dort… das geht für ein paar Minuten gut; keinesfalls aber über eine letztendlich etwas anstrengende Spieldauer von knapp 100 Minuten. Die letzte Frechheit des Films folgt übrigens kurz vor Schluss – in jener Szene, in der die Kamera noch einmal kurz auf die wichtigen Charaktere des Films schwenkt. So sollte man meinen, dass zumindest alle zwölf Kinder eine entsprechende Würdigung erfahren – doch weit gefehlt, nach ein paar zufällig ausgewählten Personen folgt der Abspann. Wozu also hat man einen Familienfilm wie diesen gemacht – der letztendlich doch eine Art One-Man-Show von Steve Martin ist; der sich aber paradoxerweise nicht anständig verausgaben darf ?

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„Eine erschreckend platte, ärgerlich akzentuierte und größtenteils belanglose Komödie.“

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Filmkritik: „Die Coopers – Schlimmer Geht Immer“ (2014)

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Originaltitel: Alexander and the Terrible, Horrible, No Good…
Regie: Miguel Arteta
Mit: Steve Carell, Jennifer Garner, Ed Oxenbould u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 81 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Familie | Kinder | Chaos | Alltag | Geburtstag | Zusammenhalt

Wenn die Coopers einladen, sollte man sich schon überlegen zu kommen. Oder ?

Kurzinhalt: Ausgerechnet am Tag vor seinem zwölften Geburtstag ist Alexander (Ed Oxenbould) nicht besonders glücklich. Nicht nur, dass er im allgemeinen eher als Pechvogel gilt; an seinem Ehrentag sind all seine Schulfreunde zur Party eines anderen, beliebteren Jungen eingeladen. Selbst das Mädchen, auf das er ein Auge geworfen hat bestätigt ihm lieber zur Feier des anderen zu gehen – da dort entsprechend spektakuläres geboten wird. Zuhause sieht es dagegen auch nicht wirklich besser aus: während alle anderen Familienglieder ein problemloses Leben zu führen scheinen, trifft es wenn etwas schief geht immer Alexander. Beim Auspusten seiner Geburtstagskerzen wittert er indes eine Chance… er wünscht sich, dass alle anderen auch mal einen Tag wie er erleben sollen. Und so kommt es dann auch: die gesamte Familie scheint mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein, und von einem Fettnäpfchen in das nächste zu treten… die Geschwister in der Schule, die Eltern beruflich.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Aus dem Hause DISNEY kommt die neue Familien-Komödie DIE COOPERS – ein Film für jung und alt, welcher sich mit einem wahren Chaos-Tag im Leben des 11-jährigen Alexander befasst. Und auch wenn es einen speziellen Moment gibt, der dezent auf einen höheren Fantasy-Kontext anspielt – in Form eines Geburtstagswunsches nämlich – bleibt es in diesem Fall bei einer recht bodenständigen Produktion. Das bedeutet, dass man keinesfalls jene spezielle Disney-Magie erwarten sollte, die vor allem die früheren Werke des Studios auszeichnete – stattdessen aber ein realitätsnahes und kindgerechtes Porträt einer Familie serviert bekommt, welches direkt aus dem Leben gegriffen scheint. Eines, das demnach nicht mit allerlei Fabel-Wesen oder unglaublichen Kräften glänzt – sondern vielmehr mit einem lockeren Witz, vergleichsweise charmanten Charakteren und wenn man so will auch einer vereinfachten Form von Gesellschaftskritik. Schließlich sollten besonders Menschen mit Familie und / oder Kindern Probleme wie die auch bei den COOPERS auftretenden bekannt vorkommen: das moderne Leben ist stressig, der Alltag verlangt es sowohl Beruf als auch Familie und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. Dass das nicht immer klappt, beziehungsweise man im besten Fall sogar positives aus einem komplett aus dem Ruder gelaufenen Tag ziehen kann – das zeigt DIE COOPERS relativ ungekünstelt auf.

Ob man letztendlich auch von einem wertvollen Film sprechen kann, ist eine andere Angelegenheit – aber offenbar war das Projekt aus der Feder von Drehbuchautor Rob Lieber (beziehungsweise Judith Viorst, die das Original lieferte) gar nicht explizit darauf ausgelegt. Im Vordergrund steht die Unterhaltung, der Spaß für jung und alt – die sich in so manch absurder Situation des Films wiederfinden könnten und schnell entsprechende Empathien entwickeln. Dass das so gut funktioniert, liegt aber sicher auch an den guten Darstellern – die ihre Rollen allesamt sympathisch verkörpern. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei vornehmlich dem jungen Ed Oxenbould gelten, der die Hauptrolle des Alexander innehat – und diese Position mit einem gewissen Witz und Charme perfekt auszufüllen scheint. Auch wenn sie nicht unbedingt zu den schwierigeren zählt; was er sicher mit seiner Mitwirkung an einem Film wie PAPER PLANES (der auf der diesjährigen Berlinale aufgeführt wurde) wieder ausgleichen kann. Gleichermaßen sympathisch, wenn auch mit einer deutlich geringeren Screentime behaftet sind dann seine Film-Geschwister Dylan Minnette und Kerris Dorsey – die sicherlich noch mehr in Petto gehabt hätten, aber immerhin in den ihnen jeweils zugewiesenen Haupt-Szenen (die Vorbereitungen zum großen Schul-Ball und die Aufführung einer Schultheater-Version von Peter Pan) positiv überraschen. Dann wäre da noch das Elternpaar, welches von den vergleichsweise alten Hasen Steve Carell und Jennifer Garner  verkörpert wird. Auch hier gilt: gerade von Steve Carell hätte man unter Umständen peinlicheres erwarten können – doch in diesem Fall hält er sich entsprechend zurück und macht seine Sache vergleichsweise gut; wenn auch eventuell etwas zu schablonenhaft.

Was bleibt, sind vor allen zwei Elemente die über den Aufstieg oder Fall des Films entscheiden könnten: die gesamte technische Aufmachung und die Qualität der Gags, die immerhin am laufenden Band serviert werden. Und auch wenn man das hier gezeigte nicht als herausragend oder gar kultverdächtig einstufen kann; so kann zumindest eine Entwarnung gegeben werden: weder sind DIE COOPERS von einer allzu bunt-kitschigen Gesamtaufmachung gekennzeichnet, noch von allerlei modernen (das heißt: hektischen) Maßnahmen hinsichtlich der Kameraführung oder des Schnitts. Die Qualität der Gags bleibt auf einem annehmbaren Niveau – wirkliche Überraschungen bleiben aus, doch zumindest eine handvoll Lacher sind garantiert; und das ganz ohne Fremdschämen. Dazu sollte man anmerken, dass der Film eine FSK-Freigabe ab 0 erhielt – und auf eine entsprechend universale Zuschauergruppe ausgerichtet ist. In Anbetracht der Vorstellung einer gelungenen Familienkomödie mit Elementen für alle Altersklassen sind DIE COOPERS also zweifelsohne geeignet. Nur wer ein Herausbrechen aus gängigen Film-Konventionen der Marke Disney oder generell neuartiges erwartet, wird eher enttäuscht werden.

Fazit: DIE COOPERS ist kein herausragender oder gar revolutionärer Film – aber immerhin eine annehmbare Familienkomödie mit einem nicht ganz so flachen Witz-Potential und allerlei charmanten Charakteren. Wie so oft stellt sich die Frage, was man hätte besser oder anders machen können – in diesem Fall fällt die Entscheidung schwer, erst Recht wenn man sich an der Freigabe ab 0 Jahren orientiert. In Anbetracht dessen ist sogar verdächtig wenig plumper Klamauk enthalten, die einzelnen Erlebnisse und Sichtweisen der Charaktere sorgen zudem für die nötige Abwechslung und verschiedene Identifikationsfiguren. Somit bleibt wohl nur die Frage, ob man sich nicht doch noch intensiver mit dem eigentlichen Hauptcharakter hätte befassen sollen. Doch da es sich hier um seinen zwölften Geburtstag handelt (er also noch nicht wirklich in einer zündstoffhaltigeren Phase der Pubertät ist) und das Ganze eher als Porträt einer Familie im Gesamten – und nicht als Coming-Of-Age-Komödie – gesehen werden soll; so wurde vermutlich doch vieles richtig gemacht.

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„Kein wirklich aufregender oder andersartiger; aber doch grundsolider Familienfilm für alle Altersklassen.“

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Filmkritik: „Der Kleine Nick Macht Ferien“ (2014)

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Originaltitel: Les Vacances Du Petit Nicolas
Regie: Laurent Tirard
Mit: Valérie Lemercier, Kad Merad, Mathéo Boisselier u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 97 Munuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Ferien | Urlaub | Meer | Strand | Familie | Erste Liebe

Der kleine Nick ist verliebt… und das gleich zweimal.

Kurzinhalt: Alle Jahre wieder sehen sich Nick (Mathéo Boisselier) und seine Eltern mit der Frage konfrontiert, wohin es in den großen Sommerferien gehen würde. Dieses Mal fällt die Wahl auf einen stilechten Strandurlaub, an dem auch die Oma (Dominique Lavanant) teilnimmt – sehr zum Verdruss des Vaters (Kad Merad). Doch die Sorgen scheinen alsbald verflogen, als man in das heimelige Hotel einzieht und zum ersten Mal die herrliche Aussicht und den weiten Sandstrand genießt. Auch Nick scheint sich hier schnell wohl zu fühlen – trotz seines leichten Liebeskummers. Er findet schnell neue Freunde, mit denen er fortan die Gegend unsicher macht. Um die Tochter eines mit seinem Vater befreundeten Kumpels aus der Schulzeit macht er aber einen großen Bogen – sie erscheint ihm regelrecht unheimlich. Bis, ja bis sie doch noch ins Gespräch kommen und sich etwaige anfängliche Befürchtungen in Luft auflösen. Es scheint, als hätte sich Nick in Isabelle (Erja Malatier) verguckt – doch wie sollte er das seiner eigentlichen Angebeteten erklären, mit der er sich schon eine gemeinsame Hochzeit ausgemalt hatte… ?

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Kritik: Achtung, Spoiler ! DER KLEINE NICK MACHT FERIEN ist die quasi-Fortsetzung des 2009’er Films DER KLEINE NICK – und ein weitere Adaption der entsprechenden Textvorlagen von ASTERIX-Erfinder René Goscinny. Diese sind vor allem in Frankreich äußerst beliebt, wenn nicht gar ein allgemeines Kulturgut – sodass es abzusehen war, dass das Franchise in Zukunft weitere Früchte tragen würde. Spätestens nach dem einschlagenden Erfolg des ersten Kinofilms schien der Weg für ein Sequel geebnet, welches erneut unter der Führung des französischen Regisseurs Laurent Tirard verwirklicht wurde – und den kleinen Nick nun erstmals auf einen größeren Abenteuer-Urlaub schickt. Ob man den Film nun als direktes Sequel betrachtet oder nicht, spielt dabei kaum eine Rolle – beide Filme gehören zwar unverkennbar zu einer Reihe, funktionieren aber auch bestens alleinstehend.

Oder eben nicht – denn schließlich kommt es ganz darauf an, mit welcher Erwartungshaltung man an Filme wie diese herangeht. Die größte Aussicht auf ein zufriedenstellendes Film-Erlebnis besteht vornehmlich dann, wenn man die beiden DER KLEINE NICK-Filme zwecks eines unterhaltsamen Filmabends im Kreise der Familie anberaumt – und sowohl die Erwachsenen als auch die jüngeren entsprechende Abstriche machen. Denn: auch wenn das Franchise aus dem Herzen Frankreichs stammt und somit schon einmal vor etwaigen Einflüssen der Pop-Kultur aus den USA gefeit ist, macht sich eine gewisse Anpassung an den Mainstream durchaus bemerkbar. Im Falle von DER KLEINE NICK MACHT FERIEN vielleicht sogar noch ein stückweit mehr als in Bezug auf den Vorgänger – die allgemeine Verträglichkeit der Gags, die Wahl der Schauplätze und die Auswüchse der (überraschend harmlosen) Lausbubenstreiche sprechen jedenfalls eher dafür. Dennoch spielt der Film seine Vorzüge auf dem Bereich der reinen Unterhaltungsebene aus – und sorgt für den ein oder anderen Schmunzler. Etwas schade erscheint dabei nur, dass es vornehmlich die Geschichten und Anwandlungen der Eltern sind, die einen Großteil der gelungenen Szenen ausmachen – und die eigentlich für die Hauptrollen vorgesehenen Kinder auch mal dezent in den Hintergrund gedrängt werden. Dass das Geschehen dabei stets aus der Perspektive des kleinen Nick erzählt wird, vermag diesen Umstand kaum aufzufangen – aber immerhin entsteht so, und durch das Porträt eines reichlich quirligen Ferienlebens der Generation der 60er-Jahre tatsächlich eine Art Urlaubsgefühl.

Besonders interessant erscheint dann vor allem ein weiterer Kniff in Bezug auf die Besetzung: der Darsteller des ersten Kino-Nicks (Maxime Godart) wurde für das Sequel nicht mehr verpflichtet; was am ehesten auf sein mittlerweile fortgeschrittenes Alter zurückzuführen ist. Stattdessen wurde ein gewisser Mathéo Boisselier für die Hauptrolle gecastet – der den Nick zwar ebenfalls recht glaubhaft verkörpert, aber schon nicht mehr ganz so charmant und lausbubenhaft wirkt wie sein Vorgänger. Die anderen Kinderdarsteller haben im Gegensatz zum Vorgänger nur noch kleinere Nebenrollen inne – in denen lediglich ein oder zwei Charakterzüge zwecks eines Porträts herhalten müssen; was etwas schade ist. Noch nachdenklicher stimmt dann wohl nur noch die Tatsache, dass selbst der eigentliche Hauptprotagonist Nick eher zurechtgestutzt wirkt – auf einen kindlichen Charmeur, der bereits über eine Heirat nachdenkt und sich dabei zwischen zwei Mädchen entscheiden muss. Allein aus dieser Tatsache heraus entstehen einige der besten und witzigsten Szenen des Films – aber dennoch, ein wenig mehr Vielseitigkeit wäre hier sicher nicht verkehrt gewesen. Das gilt indes kaum für die erwachsenen Darsteller, die ihre Rollen derart sympathisch verkörpern dass es eine Freude ist: ob Kad Merad als dezent chaotischer Familienvater, Valérie Lemercier als Mutter mit verborgenen Sehnsüchten oder Luca Zingaretti als übereifriger Filmregisseur – sie alle machen ihre Sache gut, und lassen in Anbetracht des Genres und des Daseins des Films als luftig-leichte Komödie keine Wünsche offen.

Fazit: Wie auch schon sein Vorgänger kann DER KLEINE NICK MACHT FERIEN nicht die Position eines uneingeschränkt empfehlenswerten, generationsübergreifend funktionierenden und zeitlosen Kinderfilms einnehmen. Dass er keine magischen Elemente hat oder zumindest eine dezent fantastische Wirkung entfalten kann ist dabei noch am ehesten zu verschmerzen, schließlich muss man sich hier auf eine eher bodenständige Film-Erfahrung einstellen. Eine, die wie direkt aus dem Leben gegriffen scheint und gerade deshalb mit zahlreichen Identifikationsmöglichkeiten punkten kann. Dennoch reichen das aufkommende Nostalgie-Gefühl, der französische Charme und die allgemeine Leichtigkeit nicht aus, um den Film mit einem durch und durch wertvollen Prädikat auszuzeichnen. Es bleibt bei einer seichten, einstweilen etwas zu harmlosen Familienkomödie – die immerhin für einige Lacher sorgen wird und bei der man auch in Anbetracht der FSK 0 keine Sorgen haben muss, dass das Ganze für die kleinsten ungeeignet wäre.

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„Eine qualitativ solide und inhaltlich quirlige Familienkomödie für alle Altersklassen – die das gewisse Etwas aber vermissen lässt.“

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