Filmkritik: „Mom & Dad“ (OT: MOM AND DAD, 2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Brian Taylor
Mit: Nicolas Cage, Selma Blair, Anne Winters u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 86 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Komödie, Horror
Tags: Familie | Eltern | Chaos | Kinder | Makaber

Apokalypse mal anders.

Inhalt: Eigentlich sind Brent Ryan (Nicolas Cage) und seine Frau Kendall (Selma Blair) ganz normale Eltern, die den Traum einer typisch amerikanischen Wohlstandsfamilie leben. Sie verdienen gut, leben in einem schmucken Einfamilienhaus in einer beschaulichen Vorstadt – und lieben sie ihre beiden Kinder Josh (Zackary Arthur) und Carly (Anne Winters). Dennoch sind sie hie und da geneigt, etwas kritischer über sich und ihr bisheriges Leben nachzudenken – was normal ist, im Zusammenhang mit einer seltsamen Epidemie aber völlig aus dem Ruder läuft. Schließlich scheinen plötzlich alle Eltern in der Stadt durchzudrehen, und Jagd auf ihre eigenen Kinder zu machen… und das auf Leben und Tod.

Kritik: Mal ganz unabhängig davon, ob man darauf gewartet hat oder nicht: was dabei herauskommen würde, wenn sich einer der beiden hauptsächlich verantwortlichen Drehbuchautoren und Regisseure der CRANK-Reihe plötzlich allein aufmacht um einen dem potentiellen Vorbild nicht ganz unähnlichen neuen Film mit dem vergleichsweise schlichten Titel MOM & DAD zu machen; ist nicht länger ein Geheimnis. Die eigentliche Überraschung der direkt auf dem Heimkinomarkt veröffentlichten Chaos-Komödie ist dabei wohl die Tatsache, dass man erst gar keinen großen Hehl aus der Nähe zum potentiellen Vorbild macht – und sich dementsprechend auch an der quasi selbst auferlegten inszenatorischen Messlatte orientiert, die CRANK eine allemal ansehnliche Fanbase bescherte.

Das bedeutet auch, dass man eigentlich nicht viel mehr macht als den abgebrühten Jason Statham durch einen dezent überdrehten Nicolas Cage zu ersetzen – und, das sollte man vielleicht ebenfalls noch erwähnen; dass die zu eröffnende Jagd dieses Mal nicht gegen skrupellose Gangsterbosse geht. In MOM & DAD sind es immerhin ausschließlich Kinder, die zum Opfer werden. Allerdings, und der Film erklärt dies auf eine sicherlich gewagte Art und Weise: es geht nur um die jeweils eigenen Kinder, völlig unabhängig vom bereits erreichten Alter.

Das mag sich zunächst einmal schockierend anhören, ist letztendlich aber auch nicht weiter überraschend und so gesehen reines Kalkül. Denn warum sollte eine ohnehin schon vergleichsweise abgedrehte Action-Komödie nicht auch noch mit einer Prise makaberer Elemente, die man am ehesten in einem nervenaufreibenden Slasher erwarten würde; gewürzt werden ? Sicher führt das dazu, dass das grundlegende Konzept als offensichtlich überspitzte Darstellung eines in sich zusammenbrechenden oder eher umkehrenden American Dream keiner näheren inhaltlichen geschweige denn qualitativen Überprüfung standhält. Aber vielleicht muss es das ja auch gar nicht – schließlich kann man von einem Film in nur leicht abgewandelter CRANK-Manier ohnehin nicht mehr erwarten, als gut unterhalten zu werden.

Wem das reicht – und wer zudem mit einem ebenso abrupten wie schlicht ärgerlich platten und einfallslosen Ende umgehen kann – den erwartet hier immerhin eine vor allem in handwerklicher respektive optischer Hinsicht erfrischende Horrorkomödie mit rasant-bunten Bildern, überraschend abrupten Schnitten inklusive plötzlichen Zeitsprüngen und Rückblenden, einer abenteuerlichen (aber verträglichen) Kameraarbeit, einem den Bildern entsprechenden wilden Soundtrack mit allerlei Abwechslung und einigen Remineszenzen an die Filmkunst der 80er; sowie nicht zuletzt ein gut aufgelegter (das heißt: dezent überdrehter) Nicholas Cage.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © KSM GmbH

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„Sinn macht das Ganze nicht – und selbst in Anbetracht einer Nonsene-Actionkomödie ist für MOM & DAD nicht mehr als der Durchschnitt drin.“

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Filmkritik: „Ödipussi“ (1988)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Vicco von Bülow
Mit: Eberhard Fechner, Dario D’ambrosi, Piero Gerlini u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Loriot | Vico von Bülow | Evelyn Hamann | Mutterkomplex | Klamauk | Slapstick

Mütter und Söhne auf Abwegen.

Inhalt: Eigentlich waren Paul Winkelmann (Vico von Bülow) und seine Mutter Louise (Katharina Brauren) schon immer ein eingespieltes Team. Als der Inhaber eines familieneigenen Möbel- und Dekorationsgeschäftes aber mehr oder weniger plötzlich beschließt, sich doch noch von seiner Mutter abzunabeln hängt der Haussegen schief. Die Tatsache, dass sich Paul zum ersten Mal eine eigene Wohnung nimmt hätte die Mutter vielleicht noch verkraften können – doch dass er sich ausgerechnet mit der Psychologin Margarethe Tietze (Evelyn Hamann) anfreundet, weckt in ihr einige Zweifel. Dennoch planen die beiden frisch verliebten einen Trip nach Italien, wo sie sich immer näher kommen. Dass die Mutter von Margarethe ebenfalls nicht wirklich mit der Beziehung einverstanden scheint, macht das Chaos perfekt – und eine Familienzusammenführung beinahe unmöglich…

Kritik: So oder so steht fest: wenn man nicht mindestens einen Sketch oder Film von und mit Vico von Bülow alias Loriot gesehen hat, hat man etwas verpasst. Ob es dabei ausgerechnet der 1987 abgedrehte und ein Jahr später erstveröffentlichte ÖDIPUSSI sein muss, ist eine andere Frage – denn ein wahres Meisterwerk hat der berühmt-berüchtigte Filmschaffende mit seiner aberwitzigen Mär um ein besonderes Mutter-Sohn-Gespann nicht erschaffen. Dennoch kann man kaum verhehlen, dass ÖDIPUSSI sein Prädikat als ebenso zeitloser wie zutiefst amüsanter Film verdient hat – und die im Minutentakt servierte Alltagskomik, die teils herrlich absurden Gespräche und die auch mal etwas flacheren Slapstick-Einlagen ihre Wirkung kaum verfehlen. Das gilt insbesondere dann, wenn man den Film aus der Warte einer eher familiären Zuschauergemeinschaft heraus betrachtet – schließlich bieten die hier gezeigten Geschehnisse Unterhaltung für jung und alt, wobei der Film auch niemals unter die Gürtellinie geht. Neben den abwechslungsreichen und gut inszenierten Schauplätzen liegt es dabei wie so oft am wunderbar harmonierenden, klassischen Darsteller-Duo aus Loriot und Evelyn Hamann, auch ÖPIPUSSI eine unverwechselbare Atmosphäre einzuverleiben – was ihnen auch tadellos gelingt. Einzig und allein der letztendlich recht überschaubare Inhalt, die guten aber eben auch recht einseitigen Figuren; sowie das Fehlen komödiantischer Inhalte die deutlicher über den simplen Handlungsrahmen hinausgehen verhindern hier weiteres. Dennoch, viel falschen machen kann man mit einem Film und sicher auch Komödien-Klassiker wie ÖDIPUSSI nicht.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Bavaria Film / Rialto GmbH

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„Kein besonders herausragender, aber eben doch ein äußerst unterhaltsamer Loriot.“

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Filmkritik: „Dog Gone / Diamond Dog Caper“ (2008)

Filmtyp: Spielfilm
Regie: Mark Stouffer
Mit: Luke Benward, French Stewart, Brittany Curran u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 108 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Komödie
Tags: Kleinstadt | Kinder | Familie | Hund | Verbrecher

Ich glaub‘ mich tritt ein Hund.

Inhalt: Irgendwo in einer amerikanischen Vorstadt hat ein kleiner Junge schwer mit dem Verlust seines geliebten Hundes zu kämpfen. Dennoch lässt sich Owen (Luke Benward) nicht unterkriegen: er behauptet sich gegen seine ältere Schwester, trägt die Zeitung aus – und verbringt viel Zeit in seinem Baumhaus, dass sich in einem nahe gelegenen Waldstück befindet. Eines Tages, und während er sich dort wieder einmal seinen zahlreichen Erfindungen widmet; beobachtet er ein gleichermaßen seltsames wie verdächtiges Trio. Tatsächlich handelt es sich bei Blackie (French Steward), Arty (Kelly Perine) und Bud (Kevin P. Farley) um bekannte Kleinkriminelle, die planen eine wertvolle Fracht zu schmuggeln – und das ausgerechnet mit der Hilfe eines Hundes. Nach seinen Beobachtungen entschließt sich Owen schnell dazu, das Tier aus seiner misslichen Lage zu befreien – und im besten Falle auch noch die Gauner zu stoppen.

Kritik: Von Filmen, die explizit auf ein jüngeres Zielpublikum zugeschnitten sind; gibt es solche und solche. Oft – und glücklicherweise – bleibt es dabei nicht allzu lange ein Geheimnis, von wessen Geistes Kind bestimmte Werke sind. Eben so ist es auch im Fall der erstaunlicherweise ganze 107 Minuten langen US-Slapstick-Komödie DOG GONE von Mark Stouffer – die schlicht mit soviel Blödsinn um sich wirft, dass sie selbst in Anbetracht ihres Daseins als Kinderfilm auffällig plump und vorhersehbar wirkt. Anders gesagt: DOG GONE präsentiert nicht nur die vermutlich dümmlichsten Kinderfilm-Bösewichter aller Zeiten, und lehrt jungen Zuschauern so eher das Fremdschämen anstatt das dezente Fürchten – auch blödelt er eine gefühlte Ewigkeit ärgerlich plan- und ziellos vor sich her, ohne nennenswert voranzukommen. Abgerundet wird das Ganze durch eine ordentliche Portion eines auf den Hund gekommenen KEVIN ALLEIN ZU HAUS, garniert mit einer Prise Fäkalhumor – und vielen weiteren Elementen, die die Welt nicht braucht. Wenig überraschend ist, dass schlussendlich auch die Machart inklusive der technischen und handwerklichen Aspekte eher mau ausfällt – insbesondere natürlich, was alle Aspekte des an den Tag gelegten Schauspiels betrifft. Somit wird schnell klar, dass sich der Film für vieles eignet – nur nicht für einen unterhaltsamen oder gar pädagogisch wertvollen Filmabend im Kreise der Familie.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Diamond Dog LLC

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„Es gibt sie noch – gute oder gar magische Kinderfilme. DOG GONE dagegen ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es lieber nicht machen sollte.“

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Filmkritik: „Baby Bump“ (2015)

Auch bekannt als: Guziukas
Regie: Kuba Czekaj
Mit: Kacper Olszewski, Agnieszka Podsiadlik, Caryl Swift u.a.
Land: Polen
Laufzeit: ca. 89 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Drama, Komödie
Tags: Junge | Kind | Mutter | Familie | Pubertät | Sexualität | Erwachen

Ein etwas anderer Kindheits- und Jugendtribut.

Vorsicht – in BABY BUMP wird scharf geschossen.

Kurzinhalt: Mit dem Eintritt in die Pubertät beginnt sich das Leben des jungen Mickey (Kacper Olszewski) markant zu verändern. Doch nicht nur, dass er Probleme mit seinem eigenen Körper entwickelt und sein sexuelles Erwachen unmittelbar bevorsteht; auch das Verhältnis zu seiner Mutter (Agnieszka Podsiadlik) und seinen Schulkameraden wird das eine ums andere Mal komplett auf den Kopf gestellt. Klar scheint: Mickey ist gefangen zwischen seinem bisherigen Dasein als kleiner Junge, der sich nach mütterliche Fürsorge sehnt – und dem von nicht immer überzeugenden männlichen Vorbildern geformten Bild des Mannes, zu welchem er sich möglicherweise entwickeln wird. Um sein Gefühlschaos besser verarbeiten zu können, bedient er sich einfach seiner ohnehin recht ausgeprägten Fantasie…

Kritik: Wie viele Filmemacher sich insgesamt schon an einer filmischen Umsetzung respektive cineastisch aufbereiteten Interpretation zum Thema des Erwachsenwerdens versucht haben, steht in den Sternen. Fest steht nur, dass es zahlreiche waren – und das Genre des Coming Of Age-Films ein gleichermaßen spannendes wie zeitloses ist. Während ein Großteil der entsprechenden Werke am ehesten innerhalb der Bereiche des Dramas und der Komödie zu verorten ist, gibt es jedoch auch einige Ausreißer – wie ein vergleichsweise kuriose Genre-Erguss mit dem Titel BABY BUMP. Der extravagante polnische Film von Kuba Czekaj hatte seinen ersten internationalen Auftritt im Rahmen des Filmfestival Cottbus – und ist gleich in mehrerlei Hinsicht dafür geeignet, für Aufsehen zu sorgen.

Denn auch wenn sich selbst ein BABY BUMP die unspektakuläre Zuordnung zum Genre des Dramas, oder eher der Drämödie gefallen lassen muss; bietet der Film ausreichend Anhaltspunkte um nicht mit anderen verwechselt werden zu können. Anders gesagt: BABY BUMP ist auffällig wild, anarchistisch; und wenn man so will sogar verstörend. Mit dafür verantwortlich ist hier die explizite Vermengung von Traum und Realität, durch die er immer wieder dezent surrealistische Züge annimmt – die man sonst eigentlich von ganz anderen Werken gewohnt ist. Sicher, von der ganz großen Filmkunst ist das Werk von Kuba Czekaj noch weit entfernt. Vornehmlich, da sich der Film stark auf seine durchtriebene symbolische Ebene verlässt – selbige insgesamt betrachtet aber eher ernüchternd ausfällt. Und: die es schlicht nicht vermag, den mit handfestem Inhalt geizenden Film sinngemäß über seine lange Laufzeit zu füllen. Der Gedanke, dass sich das Ganze auch oder vielleicht sogar besser als Kurzfilm geeignet hätte; ist jedenfalls nicht gänzlich von der Hand zu weisen.

Doch für ein markantes und vor allem alles andere als alltägliches Aha-Erlebnis reicht es allemal. Dabei ist das Gelingen des Films in erster Linie auf den durchaus unterhaltsamen Faktor der handwerklichen Aspekte zu beziehen. Die außergewöhnliche Kameraführung, die geschickten Schnitte, die Einbeziehung der Umgebung und diverser zweckentfremdeter Objekte; die bunten eingeworfenen Text- und Gedankenfetzen, der unkonventionelle Soundtrack – BABY BUMP macht technisch einen angenehm unkonventionellen, gleichzeitig aber niemals zu forciert wirkenden Eindruck. Nicht ganz unbeteiligt daran sind sicher auch die beiden Hauptdarsteller, das ungewöhnliche Duo aus den polnischen Talenten Kacper Olszewski (als Sohn) und Agnieszka Podsiadlik (als Mutter) – die in ihren Rollen mit weniger Eigenregie, dafür aber mit der perfekten Umsetzung der Anleitungen des Regisseurs glänzen können.

Selbiger sollte schließlich genau wissen, was er hier von seinen beiden Figuren verlangt – wobei man zumindest einstweilen das Gefühl entwickelt, als gehe das Konzept auf. Schließlich entstehen im Verlauf des Films durchaus Momente, in denen die anberaumte Themen-bezogene Symbolik tatsächlich greifbar wird. Ein riesiges Ei – welches als Kokon und als zweite Geburtsstätte eines Heranwachsenden dient – zählt hier noch zu den harmlosen Varianten. Die (täuschend echt wirkende) Enthauptung eines Huhns fällt dagegen schon in die Kategorie einer deutlich krasseren, sich im Kontext des Films aber fast schon selbsterklärenden Bildersprache. Trotz der auffällig starr agierenden, oder eher den absichtlich mit einer weniger vielfältigen Mimik ausgestatteten Darstellern kann man sich jedenfalls sehr gut vorstellen, dass beim Dreh einige kuriose Momente entstanden sind.

Im Film selbst hält sich der Spaß allerdings in klaren Grenzen – explizite komödiantische Einschübe oder gar solche, die lauthalse Lacher erzeugen gibt es höchst selten. Analog zu einigen teils recht verstörenden Szenen – die sich indes weniger auf eine explizit dargestellte Sexualität, als vielmehr die Amputation etwaiger Körperteile beziehen – kommt der unterschwellige Leitspruch von BABY BUMP also genau richtig. Aufwachsen, das ist nun wirklich nichts für Kinder. Zumindest nicht in Bezug auf die ureigene Atmosphäre dieses Films – der hierzulande auch mit einer entsprechenden Altersfreigabe ab 16 eingestuft wurde. Unterhalten kann er aber, und dass auf eine höchst rebellische Art und Weise. Nicht allzu zart besaitete, sowie generelle Freunde des kuriosen sollten demnach ruhig mal einen Blick riskieren.


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„Weder für Kinder noch den typischen Kinogänger – und gerade deshalb eine vergleichsweise erfrischende Erfahrung.“

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Filmkritik: „Is Anbody There ?“ (2008)

Originaltitel: Is Anybody There ?
Regie: John Crowley
Mit: Michael Caine, Bill Milner, Anne-Marie Duff u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 94 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Tragikomödie
Tags: Altenheim | Pflegefamilie | Großvater | Magie | Kind | Junge

Wenn Freundschaften auch generationsübergreifend funktionieren.

Kurzinhalt: Der junge Edward (Bill Milner) lebt mit seinen Eltern (Anne-Marie Duff, David Morrissey) in einem großen Einfamilienhaus in England, das trotz seines offenbar recht maroden Zustands vollständig in ein privates Altersheim umfunktioniert wurde. Hier pflegt die Familie alte und gebrechliche Menschen als regelrechte Lebensaufgabe – wobei sie insbesondere jenen helfen möchten, die aufgrund verschiedenster Umstände nicht mehr allzu lange zu leben haben. Eines Tages taucht mit dem kauzigen Clarence (Michael Caine) aber jemand auf, der mit seinem Leben noch ganz und gar nicht abgeschlossen hat – und das Leben der Familie folglich ordentlich durcheinander wirbelt. Überdies scheint der früher als erfolgreicher Zauberkünstler umherziehende Clarence einen besonderen Draht zum jungen Edward zu entwickeln. Wohl auch, da der allein aufgrund der ungewöhnlichen Wohnsituation seiner Familie ein Dasein als Außenseiter fristet – und aufgrund der angedeuteten Vernachlässigung seiner Eltern somit erst Recht an den Geschichten und dem Geheimnis des alten Mannes interessiert ist.

Kritik: Ganz im Stil von großen Filmklassikern wie DER ALTE MANN UND DAS KIND erzählt die von Regisseur John Crowley auf die Leinwand gebrachte Tragikomödie IS ANYBODY THERE ? die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem gebrechlichen Ex-Zauberkünstler und einem kindlichen Außenseiter, die aufgrund spezieller Umstände zusammenfinden. Trotz der alles andere als neuen Idee spricht dabei einiges für den Erfolg oder eher das Gelingen des Films, welcher seine beiden Hauptprotagonisten von Altstar Michael Caine sowie dem vielversprechenden Nachwuchstalent Bill Millner (unter anderem SON OF RAMBOW) verkörpern lässt. Der krude Charme des anberaumten Schauplatzes, die grundsätzliche Thematik über den Sinn des Lebens (und dem, was darauf noch folgen könnte) sowie der ausgeprägte Erzählfokus auf den jungen Edward und seine besondere Familienkonstellation machen jedenfalls Lust auf mehr. Überdies entfaltet die Mischung aus Witz und Emotionalität schnell einen gewissen Reiz – ebenso sehr wie die behandelten oder potentiell seitens des Zuschauers entstehenden Fragen in Bezug auf die Meta-Ebene des Films. Was bedeutet es, wenn man tagtäglich nicht nur von alten Menschen; sondern gar vom Tod umgeben ist – und das schon als Kind ? Und andersherum: kann das Leben selbst im hohen Alter noch Spaß machen, welche Dinge gilt es eventuell noch aufzuarbeiten ? Sicher sind Fragen wie diese höchst interessant, zumal sie nicht nur innerhalb einer Generation kursieren – womit sich der Kreis zum Protagonisten-Paar des Films schließt, das ebenfalls schnell einen gemeinsamen Nenner findet.

Und doch ist IS ANYBODY THERE ? – oder auch der fragende Ruf nach dem, was möglicherweise auf das Leben selbst folgen könnte – nicht gänzlich frei von inszenatorischen Schwächen. Auffällig und offensichtlich dabei ist speziell, dass den Machern gute Ideen nicht gerade auf der Hand lagen – und der Film so einige (auch längere) Durststrecken aufweist. Etwas problematisch, aber nicht zwingend negativ auszulegen ist auch das völlige Fehlen einer Form der filmischen Magie; wie man sie eventuell von und in einem Film wie diesem vermutet hätte. Sicher ist es angenehm  Dramen zu erleben, die ausnahmsweise mal nicht allzu kitschig inszeniert werden und analog dazu mit offensichtlichen Mitteln auf die Tränendrüse drücken – doch im Falle des regelrechten Gegenentwurfs von IS ANYBODY THERE ? könnte sich schlicht ein etwas zu gleichförmiger Eindruck einstellen. Aus dem emotionalen Vollen schöpft der Film jedenfalls nicht – und die wenigen interessanteren Zwischentöne, die vornehmlich aus der Interaktion der beiden kauzigen Hauptprotagonisten entstehen; reichen nicht aus um den Film über seine volle Laufzeit zu tragen. Jene fehlende Geschicklichkeit ist es auch, die IS ANYBODY THERE ? relativ vorhersehbar ausfallen lässt – sodass es kaum verwunderlich ist, dass auch das große Finale eher enttäuscht als eine nachhaltige Wirkung zu etablieren.

In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt dann auch der technische Part. Immerhin, man war sichtlich bemüht möglichst authentische Bilder zu liefern – der absichtlich auf altbacken getrimmte Look, die entsprechenden Kostüme und eine insgesamt unaufgeregte Atmosphäre hätten aus IS ANYBODY THERE ? zumindest theoretisch etwas viel größeres machen können. Doch die absolut unspektakuläre Kameraführung, der eher nichtssagende Soundtrack, die fehlende künstlerische Raffinesse; und nicht zuletzt die gefühlte Lustlosigkeit der beteiligten Verantwortlichen verhindern in diesem Falle vieles.


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„Eine etwas andere, gleichzeitig aber auch etwas anstrengende und langatmige Tragikomödie.“

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Filmkritik: „Dobermann“ (1996)

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Originaltitel: Dobermann
Regie: Jan Kounen
Mit: Vincent Cassel, Tchéky Karyo, Monica Bellucci u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 103 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Action, Thriller, Komödie
Tags: Bankraub | Verbrecher | Bande | Feldzug | Massaker

Vorsicht, der könnte beißen.

Kurzinhalt: Geschenke zum feierlichen Anlass einer Geburt sind sicher nichts ungewöhnliches. Doch dass ein neugeborenes französisches Baby ausgerechnet einen Revolver in die Wiege gelegt bekommt, schon eher. Eben das ist Yann Lepentrenc (Vincent Cassel) in jungen Jahren passiert, offenbar in weiser Voraussicht – denn Jahre später wird er zum berühmt-berüchtigten DOBERMANN, einem furchtlosen Killer und keine Gelegenheit auslassenden Gangster. Gemeinsam mit seiner gehörlosen Freundin Nathalie (Monica Belucci) plant er so manchen Diebeszug – und spannt dabei des öfteren einige seiner ebenfalls fähigen, dabei aber stets etwas unberechenbaren Kumpanen ein. Dass das auch die hiesige Polizei auf den Plan ruft, ist kein allzu großes Wunder – doch bisher haben es der DOBERMANN und seine Leute noch immer geschafft, einer Festnahme aus dem Weg zu gehen. Eines Tages jedoch wittert ein gewisser Inspektor Christini (Tchéky Karyo) seine große Chance. Würde er den DOBERMANN allein festmachen, würde er vermutlich nicht nur befördert werden – man würde vielleicht auch eher geneigt sein, über seine einstweilen recht ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden hinwegzusehen…

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Kritik: Wenn man einen Film im Verlaufe des kreativen Entstehungsprozesses auf den schlichten Namen DOBERMANN tauft, hat man eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder, man plant eine harmlose Dokumentation über die hiesige Flora und Fauna – oder inszeniert sogleich eine fleischgewordene Kampfansage. Zu welcher Alternative der bis dato unbekannte Regisseur Jan Kounen in Bezug auf seine erste größere Regie-Arbeit tendierte, bleibt indes nicht lange ein Geheimnis. Glücklicherweise, sollte man meinen – denn ganz offensichtlich verstand sich der Franzose schon früh auf fachmännische Kunstgriffe, trotz der Ermanglung vorheriger Erfahrungen. So fand die Titel-gebende Hunderasse in DOBERMANN gleich als doppelte Metapher Verwendung: zum einen als lautes Gebell in Richtung anderer Regisseure und Filmemacher, die vielleicht nicht den Mut hatten und haben etwas vergleichbares auf die Beine zu stellen – und zum anderen in Richtung des Zuschauers, der mit der hier dargestellten Charakter-Riege tatsächlich ein Rudel wild gewordener, dezent irrer Hauptprotagonisten vorgesetzt bekommt.  Dass im Verlaufe des Films dann auch noch ein echter Hund eine Rolle spielt (allerdings kein Dobermann), ist damit schon wieder eine der weniger spannenden Angelegenheiten. Auch wenn der Abgang des Tieres so sicher nicht zu erwarten war – und lediglich zu einer der unzähligen Kuriositäten des Films zu zählen ist.

Denn: mit DOBERMANN legt es Kounen im wahrsten Sinne des Wortes darauf an, öffentlich seine Zähne zu fletschen. Und das ganz ohne Rücksicht auf potentielle Verluste. Dass der Film nicht gerade dem entspricht, was man im allgemeinen von einem handelsüblichen Actioner (oder noch spezifischer: einem Film über einen Bankraub) erwarten würde; ist dabei noch die kleinste Auffälligkeit. Analog zur unkonventionellen, dabei fast schon gleichermaßen gewöhnungsbedürftigen wie auch erfrischenden Machart gesellen sich schließlich auch noch eine mitunter schmerzliche Portion Brutalität; sowie allerlei Überschreitungen der Grenzen des guten Geschmacks hinzu. Unter anderem deshalb stand er hierzulande auch für viele Jahre auf dem Index für jugendgefährdende Medien – bis er 2011 wieder freigegeben wurde. Das mag noch lange kein Qualitätsmerkmal sein, gibt aber schon einmal die grobe Marschrichtung von DOBERMANN vor. Um einen allzu tumben, nur auf heftigste Gewaltausschreitungen ausgelegten Film oder einen puren Slasher handelt es sich aber auch nicht – sondern vielmehr um ein zumindest von seiner Struktur her an andere Actioner erinnerndes Machwerk, noch dazu mit einer echten Story und äußerst lebendigen Charakteren. Fest steht aber: eher zart besaitete sollten einen großen Bogen um DOBERMANN machen. Andererseits sollten die, die ihn dennoch oder gerade deshalb sehen möchten; unbedingt nach der ungeschnittenen Fassung Ausschau halten.

Denn nur dann kann DOBERMANN eine mitunter ureigene und dezent verstörende, aber dennoch unterhaltsame Atmosphäre etablieren. Eine, die gerade deshalb entsteht; da der Film respektive das Gezeigte niemals zu abwegig erscheint – entgegen der teils enormen Eskapaden, die sich speziell im Blick auf die Charakterporträts ergeben. Trotz der gegenwärtigen Anarchie steckt so auch immer ein potentielles Fünkchen Wahrheit in DOBERMANN und seinen absichtlich überzeichneten Figuren – was auch die hie und da auftretenden Seitenhiebe unterstreichen, die in erster Linie die französische Polizei (oder eher die Polizeiarbeit im gesamten) betreffen. Wie geschickt der Film dabei vorgeht, oder ob man in einem Film wie diesem überhaupt erst nach Botschaften suchen sollte ist eine ganz andere Frage. Fakt ist nur, dass Kounen bei keiner Gelegenheit Samthandschuhe anzieht – und der Film auch ohne weiterführende oder gar politische Bezüge das Zeug dazu hat, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Mit verantwortlich ist hier allerdings nicht die Story, die im Vergleich sogar als das schwächste Glied in der Kette der DOBERMANN-Anarchie daherkommt. Sicher, es gibt einen roten Faden – doch eine allzu außergewöhnliche Idee, nachvollziehbare Ambitionen der Protagonisten oder überraschende Wendungen werden nicht präsentiert. Und doch schafft es DOBERMANN, selbst diesen potentiellen Nachteil auszunutzen. Denn: wo kein wirklicher Einstieg in ein Handlungsuniversum stattfindet und wo ganz absichtlich in einem übertriebenen Comic-Stil erzählt wird; entstehen auch keine Probleme hinsichtlich einer wie auch immer gearteten Glaubwürdigkeit. Anders gesagt: man braucht erst gar keine Fragen zu stellen, sondern kann sich stattdessen voll ganz auf die Figuren und ihre wenn man so will spontan wirkenden Aktionen einlassen. Die sind dann auch das eigentliche Highlight von DOBERMANN – auch wenn Kounen hier nicht wirklich Kultpotential erreicht, und gerade die Dialoge noch etwas prägnanter hätten ausfallen können. Immerhin biedert er sich so nicht allzu auffällig bei Kollegen wie Tarantino an, und sorgt mit hie und da eingestreuten Sprüchen (wie etwa seitens des Polizisten, der immer mal wieder ein englisches Statement von sich gibt) für die nötigen Aha-Momente.

Ein besonderes Augenmerk sollte aber auch der visuellen Umsetzung gelten – denn hier ist Kounen gar zu einer absoluten Höchstform aufgelaufen. Von den rasanten, aber niemals zu hektischen Schnitten über die teils ungewöhnlichen Nahaufnahmen bis hin zur Szenenwahl und der Farbgebung stimmt einfach alles. Und das so sehr, dass selbst eine eher simple Choreografie – wie die einer Gruppe Polizisten, die eine Treppe Richtung Bank hinunterpirscht – zu einem kleinen Highlight avanciert. Ein sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffender, letztendlich aber ebenfalls äußerst passiger Soundtrack und die bezeichnende Auftritte von Vincent Cassel als DOBERMANN und Tchéky Karyo als sein Widersacher Christini runden das Ganze nach oben hin ab.

Schlussendlich: DOBERMANN ist ein höchst unterhaltsames, wenn man so will einfach gestricktes aber schlicht herrlich durchtriebenes Machwerk für Freunde des etwas anderen Actionkinos. Vornehmlich eines solchen, in dem gerne Regeln gebrochen und Grenzen neu ausgelotet werden – etwa die des guten Geschmacks. Das DOBERMANN dennoch einen verdächtig stilvollen Eindruck hinterlässt, liegt wiederum nicht an etwaigen einzelnen Aspekten – sondern vielmehr am rundum stimmigen Gesamtpaket.


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„Ein mehr als ordentlicher und ordentlich anarchistischer Indie-Film-Happen aus Frankreich.“

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Filmkritik: „Schnitzel Geht Immer“ (2017)

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Regie: Wolfgang Murnberger
Mit: Armin Rohde, Ludger Pistor, Therese Hämer u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Arbeitslos | Alltag | Gameshow | Gewinn | Spende

Vielleicht nicht immer, aber immer öfter.

Kurzinhalt: Irgendwann muss jeder einmal Glück haben. Das gilt sicher auch für die beiden langjährigen Freunde Günther Kuballa (Armin Rohde) und Wolfgang Krettek (Ludger Pistor), die schon seit längerer Zeit arbeitslos sind. Nach einem weiteren obligatorischen Besuch beim hiesigen Jobcenter jedoch geschieht es: gerade als die beiden ihrer Arbeitsberaterin einen Streich spielen, kommt diese herbeigeeilt – und wird dabei fast von einem nahenden Fahrzeug erfasst. Das kann Wolfgang gerade noch abwenden, schiebt die Rettung aber seinem Kumpel Günther zu – der daraufhin als Held gefeiert wird. Doch nicht nur das. Die Dame vom Arbeitsamt will den beiden Schwerenötern nun doch helfen, wenn auch nur ein wenig – und verrät ihnen höchst geheime Details zu einer kommenden Quizsendung. So gewappnet wollen die beiden wenigstens ein paar Tausend Euro erspielen, um sich wieder selbstständig machen zu können. Doch es kommt alles ganz anders als erwartet, oder eher anders als geplant

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Kritik: Weniger ist manchmal mehr – und das gilt nicht nur für den Plan der beiden Hauptprotagonisten von und in SCHNITZEL GEHT IMMER. So hält sich der mittlerweile dritte Film der sogenannten SCHNITZEL-Trilogie von Wolfgang Murnberger eher zurück – und präsentiert eine nicht sonderlich spektakuläre, dafür aber recht unterhaltsame und kurzweilige Geschichte zweier befreundeter Arbeitsloser. Dabei ist gewiss kein Vorwissen aus den beiden Vorgängern EIN SCHNITZEL FÜR DREI und EIN SCHNITZEL FÜR ALLE notwendig – man kommt auch so in den Genuss des sowohl von einer angenehmen Situationskomik als auch einer gewissen Tragik gekennzeichneten Porträts der beiden kauzigen Hauptfiguren.

Dass der Film gerade diesbezüglich hervorragend funktioniert, liegt vor allem an den rundum sympathischen Auftritten von Armin Rhode und Ludger Pistor – zwischen denen die Chemie einfach stimmt. Und die sich sicher auch selbst in ihren Rollen wiederfinden – und sei es nur teilweise. Dass kommt dem ohnehin schon vorhandenen Realitätsbezug und der Aktualität des Films nur zugute: allzu übertrieben, wild oder platt gerät SCHNITZEL GEHT IMMER zu keinem Zeitpunkt. Stattdessen gibt es immer wieder amüsante Seitenhiebe auf das Leben und Erleben aus der Sicht von Menschen ohne Beschäftigung, die sich dennoch nicht den Spaß am Leben verbieten lassen wollen – und die trotz ihrer eigenen Misere durchaus bereit sind, anderen aus der Patsche zu helfen.

Werte wie Freundschaft und Treue werden in SCHNITZEL GEHT IMMER demnach großgeschrieben – wobei sich die einstweilen anberaumte Herzlichkeit stellenweise auch auf den Zuschauer zu übertragen vermag. Das gilt insbesondere für das eingeschobene Porträt einer alleinerziehenden Mutter, die ihrem Fußball-spielenden Sohn gerne mehr Wünsche erfüllen würde – dazu finanziell aber einfach nicht in der Lage ist. Eine solide Kamera-Arbeit und greifbare Schauplätze, die so gesehen aus der Nachbarschaft stammen; runden das Ganze ab. Schlussendlich: SCHNITZEL GEHT IMMER bietet einige vergleichsweise unkomplizierte, dabei aber nicht gänzlich substanzlose Minuten Unterhaltung zwischen Spaß und Tragik – und wirkt dabei in jeder Hinsicht ausbalanciert.


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„Leichte, aber nicht unsympathische Kost für Zwischendurch – hier kann man nicht viel falsch machen.“

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Statt eines Trailers gibt es an dieser Stelle den Link zur ARD-Mediathek, in der der Film bis zum 17.02.2017 kostenlos anschaubar ist.

Filmkritik: „Sind Wir Schon Da“ (2005)

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Originaltitel: Are We There Yet ?
Regie: Brian Levant
Mit: Ice Cube, Aleisha Allen, Philip Bolden u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 95 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Kinder | Erziehung | Vaterfigur | Reise | Anarchie

Ein Roadtrip, der (nicht) an die Substanz geht.

Kurzinhalt: Während seiner Arbeit in einem Laden für spezielle Sport-Raritäten entdeckt der notorische Playboy und Lebemann Nick (Ice Cube) die wunderhübsche Suzanne (Nia Long). Schnell beschließt er, sie unbedingt für sich gewinnen zu wollen – was seiner Meinung nach auch kein allzu großes Problem darstellen sollte. Wie sich zeigt hat Suzanne aber etwas, mit dem Nick so gar nicht warm werden kann – zwei Kinder (Philip Daniel Bolden, Aleisha Allen) nämlich. Dennoch bleibt er an ihr dran, kommt ins Gespräch und hilft ihr bald in ihrem stressigen Alltag aus – wofür er bei seinen Freunden nur Spott erntet. So richtig eindeutig scheint die Beziehung der beiden nicht, doch es kommt zu einer Bewährungsprobe. So will Suzanne endlich herausfinden, wie ernst es Nick wirklich mit ihr meint – und erteilt ihm daraufhin die Aufgabe, ihre beiden Kinder von Portland nach Vancouver zu bringen. Da es weder per Schnellflug noch per Bahnreise klappt, entschließt sich Nick für eine Fahrt mit dem Auto – und ein turbulentes Chaos beginnt.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Ice Cube, oder bürgerlich auch O’Shea Jackson ist einer der wohl bekanntesten Us-Amerikanischen Rapmusiker welche auch im Filmgeschäft Fuß gefasst haben. Und das schon recht früh respektive parallel zur eigentlichen Karriere als Musiker – wobei der Solo-Karriere eine Mitgliedschaft in der berühmt-berüchtigten Genre-Formation NWA vorausgegangen war. Dass er trotz aller dort an den Tag gelegten Gangster-Attitüden auch einen ganz eigenen Sinn für Humor hat, machte er indes schon relativ früh klar. Neben auf authentisch getrimmten Crime-Dramen a’la BOYZ N THE HOOD folgten schließlich alsbald spezielle Anarcho-Komödien wie FRIDAY. Speziell deshalb, weil sie eher auf ein bestimmtes Zielpublikum zugeschnitten waren – und sich so auch einen gewissen Kultstatus sichern konnten. Im Laufe der Zeit aber weiteten sich die Ambitionen des Multi-Talentes weiter aus – neben seiner Rap-Karriere und kleineren Gastauftritten kamen nun immer mehr Hauptrollen hinzu; sowie auch einige Arbeiten als Produzent und Drehbuchautor. Spätestens mit SIND WIR SCHON DA fand der Künstler dann auch einen Weg in die heimischen Wohnzimmer – die wohl gemerkt längst nicht mehr nur von eingefleischten Fans; sondern vor allem von Familien besetzt waren.

Wie gut oder schlecht ein weitestgehend glattgeschliffener Auftritt wie dieser nun zum einstigen Gesellschafts-Gegner Ice Cube passt; oder ob er damit etwas in Bezug auf seine Glaubwürdigkeit einbüßt sei einmal dahingestellt – Fakt ist nur, dass SIND WIR SCHON DA nicht viel mehr als eine absolut typische Hollywood-Komödie geworden ist. Das ist immerhin etwas, aber viel mehr ist dann auch tatsächlich nicht zu holen. Schließlich gilt es wie so oft, potentielle Film-Qualitäten nicht im Bereich der Hintergrundgeschichte, der durchaus fraglichen Moral oder bemerkenswert hochkarätigen Witzeleien zu suchen – sondern eher in Bezug auf das ausgelassene Spiel der Darsteller und einigen kleineren guten Ideen. So funktioniert die Symbiose aus Hauptdarsteller Ice Cube (der wie so oft etwas zu versteift agiert) und seinen beiden irgendwo zwischen frech und niedlich-naiv auftretenden Film-Schützlingen überraschend gut – und sorgt für den eigentlichen Unterhaltungswert.

Während; und das ist der Knackpunkt – viele der anberaumten Witze und Ideen bestenfalls als zweckdienlich, und schlimmstenfalls als peinlich und infantil bezeichnet werden können. Auch macht SIND WIR SCHON DA weder den Eindruck als sei viel Herzblut investiert worden, noch dass ein nennenswertes Fingerspitzengefühl an Tag gelegt wurde. Vieles wirkt eher grobschlächtig und unausgegoren – und wurde vor allem auch möglichst simpel gefilmt. In Bezug auf die technischen Aspekte hat der Film demnach auch nur wenig auffälliges, geschweige denn sich nachhaltig einprägendes zu bieten. Allerdings, und das ist durchaus positiv anzumerken – bleiben allzu hektische Spielereien und Schnitte aus.

Fazit: SIND WIR SCHON DA ist alles andere als ein großer Wurf geworden – weder als Familien-Komödie mit einer vergleichsweise nichtssagenden Moral, noch als kunterbunter Filmspaß für die Weihnachtszeit oder eher der hier auch gezeigten Feier des Jahreswechsels. Neben der nicht gänzlich stimmigen Besetzung der erwachsenen Rollen sorgt vor allem das doch recht häufige über-das-Ziel-hinausschießen für Verdruss: speziell in Anbetracht des einstweilen ärgerlich-peinlichen Fäkalhumors oder ganz und gar grotesker Einzel-Szenen (Stichwort Kampf gegen ein Reh) hätte man den Ball doch das ein oder andere Mal flach halten sollen. Dennoch entwickelt der Film einen gewissen leichtgängigen Fluss, macht hie und da sogar anarchischen Spaß – was vor allem den frechen Kinderdarstellern und der überspitzten Darstellung von diversen Alltags-Situationen zu verdanken ist.

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„Für den schnellen, harmlosen Filmspaß zwischendurch.“

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Filmkritik: „Pixels“ (2015)

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Originaltitel: Pixels
Regie: Chris Columbus
Mit: Adam Sandler, Michelle Monaghan, Kevin James u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 106 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Komödie, Action
Tags: Retro | Computerspiele | Nerds | Außerirdische | Invasion

So pixelig waren Spezialeffekte noch nie.

Kurzinhalt: Eigentlich könnte es kaum schlimmer laufen für US-Präsident Will Cooper (Kevin James). Schließlich ist seine Beliebtheit nicht gerade auf ihrem Höhepunkt, als ihm eine weitere Bewährungsprobe bevorsteht. Eine, mit der so sicher niemand gerechnet hätte. Die schlimmsten Befürchtungen scheinen sich jedoch zu bestätigen: die Erde wird von außerirdischen Invasoren angegriffen. Der Präsident und die gesamte Belegschaft des Weißen Hauses staunen allerdings nicht schlecht, als die Außerirdischen eine ganz besondere Waffe einsetzen – riesige, real gewordene Versionen diverser Figuren aus kultigen Videospielen der 80er Jahre. In Anbetracht einer solch ungewöhnlichen Bedrohung kommt Präsident Cooper auf die einzig richtige Idee: wer, wenn nicht sein alter Schulfreund Sam Brenner (Adam Sandler) könnte der Menschheit jetzt noch helfen ? Schließlich war der seinerzeit ein echter Profi, wenn es darum ging alle möglichen Highscores in Pacman und anderen Spielen aufzustellen. Mit zwei weiteren hinzugezogenen Kennern der Videospiel-Szene versucht man, das von den Außerirdischen als großes Spiel aufgezogene Debakel zugunsten der Menschheit zu entscheiden…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Auf eine Prämisse wie die, dass Außerirdische eine Aufzeichnung alter Videospiele a’la PACMAN für eine Kriegserklärung halten und daraufhin eigene Truppen im gleichen Look entsenden; trifft man wahrlich nicht allzu häufig. Doch genau so verhält es sich in PIXELS, dem neuesten Comedy-Streich von Hollywood-Regisseur Chris Columbus (KEVIN ALLEIN ZUHAUS) sowie der langjährigen Filmpartner Adam Sandler und Kevin James (CHUCK & LARRY, KINDSKÖPFE 1 & 2). Wobei, etwas gänzlich neues präsentiert man nicht – schließlich basiert PIXELS auf einer vielversprechenden Kurzfilmvorlage von Patrick Jean, die eine Laufzeit von gerade einmal knappen 2 Minuten hat. Dass zahlreiche neue Ideen hinzugekommen sind und Hollywood vor allem hinsichtlich des Star-Aufgebots und der Effekte zugeschlagen hat, kann man aber wohl kaum abstreiten. PIXELS ist so vor allem eines geworden: ein turbulenter Filmspaß für Freunde der hauptsächlich beteiligten Darsteller, für Nostalgiker respektive Kinder der 80er Jahre – und im besten Fall sogar für die ganze Familie.

Überraschend ist, dass PIXELS diese angesprochenen Zielgruppen tatsächlich gleichberechtigt bedient – und dabei erst gar keinen umständlichen Spagat hinlegen muss. Im Gegenteil: die lockere Gangart des Films und das ausgelassene Spiel aller Beteiligten sorgen analog zu den nur auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftigen Effekten schnell dafür, dass man sich wohl fühlt in der kunterbunten PIXEL-Welt. Man sollte lediglich bedenken, dass es sich hier weniger um einen Meilenstein der Filmgeschichte handelt – als vielmehr um ein großzügig finanziertes Spaßprojekt, in das einige sehr gute – und sicher auch einige durchwachsene – Ideen geflossen sind.

So sollte man auch nicht erwarten, über den Sinn oder Unsinn des Geschehens reflektieren zu können. Im Vordergrund steht der reine, einstweilen durchtriebene Spaßfaktor aus temporeichen Szenenabfolgen, stark Charakter-bezogenen Comedy-Einlagen und in gewisser Weise einzigartigen visuellen Effekten. Die größeren Actionszenen präsentieren schließlich – und ausnahmsweise einmal völlig beabsichtigt – ausschließlich fremdartig wirkende Objekte in einer sonst wenig veränderten Umgebung. Selbst die Interaktion mit der Welt; beispielsweise im Sinne der anberaumten Zerstörung vollzieht sich in einem ganz ähnlichen, im wahrsten Sinne des Wortes verpixelten Stil – was auch dazu geführt hat, dass die Produktionskosten nicht unnötig in die Höhe geschossen sind. Sicher, mit guten 110 Millionen Dollar handelt es sich noch immer um ein vergleichsweise teures Projekt. Doch denkt man dabei an andere, zumeist auf möglichst authentisch getrimmte Filme mit Spezialeffekten – muss man gerade in Hollywood eher von Peanuts sprechen.

PIXELS präsentiert aber nicht nur die ausführlichen, bunt inszenierten Hauptkämpfe die auf der Erde stattfinden – sondern  weiß in einer der beeindruckenderen Szenen auch mit einer erschreckend realen Version des Spiele-Klassikers DONKEY KONG aufzuwarten. Natürlich gilt auch hierbei: man sollte gar nicht erst versuchen in die teils hanebüchenen Zusammenhänge des Films einzusteigen, geschweige denn die doch recht gelassene Atmosphäre selbst in Anbetracht der bevorstehenden Vernichtung der Erde zu hinterfragen. Anders gesagt: PIXELS ist eine Hollywood-Komödie durch und durch. Eine einstweilen etwas platte, harmlose – doch immerhin eine, die visuell begeistert und zudem reichlich Stoff für Nostalgiker bereithält ohne sich allzu ärgerlichen Blödeleien hinzugeben.

Das war in Anbetracht der beteiligten Darsteller nicht unbedingt zu erwarten, oder anders gesagt: es hätte beileibe wesentlich schlimmer kommen können. Richtig und in alle Richtungen austoben darf sich ohnehin nur Josh Gad als Ludlow Lamonsoff, der seinen Partnern Adam Sandler und Kevin James somit des öfteren die Show stiehlt – wenn auch nicht immer im positiven Sinne. Schade ist weiterhin, dass man nicht alle verpflichteten Darsteller gleichermaßen sinnig einsetzte. Speziell die zuletzt mit GAME OF THRONES ins Gespräch gekommenen Schauspieler Peter Dinklage und Sean Bean können in Bezug auf PIXELS zweifelsohne als waschechte Fehlbesetzungen betrachtet werden.

Fazit: PIXELS weiß als abgedrehte Hollywood-Komödie mit einer ungewöhnlichen Prämisse, einem lebhaften Cast und den so noch nicht gesehenen Spezialeffekten zu begeistern – zumindest im Sinne eines lockeren, unkomplizierten und unterhaltsamen Filmabends unter Freunden. Wer erwartet, dass die Geschichte eine nennenswerte Wendung bereithält oder überhaupt ein nachvollziehbarer Grund für das doch recht merkwürdige Verhalten der Außerirdischen präsentiert wird; wird dagegen enttäuscht – aber das war auch genau so zu erwarten. Als Ausgleich werden dem Zuschauer immerhin eine großzügige Portion Retro-Charme, sowie einige nicht ganz so blödelnde Witzeleien von Sandler & Co kredenzt. Schließlich hat sich der, sowie sicher auch seine Produktionsfirma Happy Madison eher zurückgehalten; so zumindest scheint es – im Vordergrund steht die wahnwitzige Pixel-Invasion und die durchaus annehmbare Regie-Arbeit von Chris Columbus. Flach bleibt das Ganze natürlich immer noch – analog zur hier ebenfalls präsentierten, vielleicht oberflächlichsten Liebesgeschichte des Jahres. Aber der Spaßfaktor ist eben auch nicht zu verachten… man sollte sich selbst ein Bild machen.

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„Nicht mehr und nicht weniger als bloßes Popcorn-Kino – aber ein vergleichsweise unterhaltsames und spaßiges.“

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Filmkritik: „Cooties“ (2014)

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Originaltitel: Cooties
Regie: Jonathan Milott, Cary Murnion
Mit: Elijah Wood, Alison Pill, Rainn Wilson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Komödie
Tags: Kinder | Grundschule | Zombies | Pandemie | Seuche

Vorsicht, bissige Kinder.

Kurzinhalt: Clint (Elijah Wood) ist ein junger Mann, der sich eigentlich als Schriftsteller verdingen möchte – den großen Durchbruch aber noch nicht geschafft hat und sich seither mit einem Job als Vertretungslehrer über Wasser hält. Als er seinem alten Zuhause einen Besuch abstattet um in Ruhe an seinem Buch feilen zu können, nimmt er daher auch eine temporäre Stelle an seiner alten Schule an. Doch bevor er sich den normalerweise entstehenden Schwierigkeiten und dem etwas eigentümlichen Lehrer-Kollegium stellen kann, ergibt sich etwas unerwartetes: eine Schülerin zeigt plötzlich Anzeichen einer Erkrankung. Was genau es ist, darüber ist man sich im unklaren – doch spätestens als auch andere angesteckt werden und die Kinder wie wild gewordene Bestien über die Lehrerschaft herfallen, bricht Panik aus. So versuchen der verdutzte Clint, seine alte Schulfreundin Lucy (Alison Pill), ihr Freund Wade (Rainn Wilson) und andere Überlebende, den Kindern die Stirn zu bieten – was ihnen sichtlich schwerfällt. Immerhin scheinen zumindest die Erwachsenen davor gefeit, ebenfalls angesteckt werden zu können…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wie auch immer geartete Zombie-Filme gibt es mittlerweile reichlich – ob nun mit einer eher typischen Besetzung, oder zumindest einer eher ungewöhnlichen Gruppe auf Seiten der Aggressoren oder potentiellen Opfer. Allzu viel neues gibt es aber selbst hier nicht mehr zu holen, so gut wie alles wurde bereits durchgekaut – mit einer Ausnahme. Denn: wo Kindergruppen sonst bestenfalls von dämonischen Präsenzen kontrolliert werden, wandeln sie in COOTIES tatsächlich als lebende Tote über den Bildschirm. Glücklicherweise ist das unter anderem von Elijah Wood ins Leben gerufene Film- und Spaßprojekt aber ein eben solches – sodass etwaige Befürchtungen einer Grenz-Überschreitung schnell ad acta gelegt werden können. Die Zombie-Hatz ist grundsätzlich als rasantes und grelles Spektakel ausgelegt, in dem der ein oder andere trockene Spruch den nächsten jagt – und in dem man die neuerlichen Zombie-Kids gar als bloßes Beiwerk betrachten könnte. Als solches, dass die vielen absurden Dialoge und Charakter-Situationen an einer Grundschule erst ermöglicht; sicher – theoretisch wäre hier aber auch eine gänzliche andere Form der Bedrohung denkbar gewesen.

Doch was soll man machen – Zombie-Filme erfreuen sich nach wie vor einer großen Beliebtheit, und sie lassen sich zudem mehr als gut verkaufen. Dies wiederum führt dazu, dass es entsprechende Genre-Filme nur noch selten schaffen, potentiell gehegte Erwartungen zu übertreffen; geschweige denn sich als eigenständig-frische Werke zu profilieren. Auch im Falle der COOTIES sieht es diesbezüglich eher düster aus – doch immerhin hat man sich auch nicht gänzlich die Blöße gegeben. Der Film funktioniert am ehesten als recht unterhaltsame, abgedrehte Komödie – die sowohl typische Anleihen aus dem Bereich des Horror-Trashs als auch diverser schon eher alltagstauglicher Komödien heraufbeschwört. Im Ergebnis bedeutet dies vor allem, dass es weniger von der typischen Zombie-Splatter-Kost zu sehen gibt als eventuell erwartet (was in diesem Fall aber weitestgehend positive Folgen hat; vor allem in Bezug auf die größtenteils minderjährige Besetzung) – dafür aber umso mehr Wert auf möglichst hanebüchene Dialoge und absurde Situationen gelegt wurde. So zumindest lautet die Theorie, der man nicht immer gerecht wird – denn trotz der relativ ausschweifenden Gag-Dichte und der vor allem im späteren Verlauf angezogenen düsteren Stimmung mit dem Spannungs-Potential eines ‚echten‘ Horrorfilms bleiben etwaige Durststrecken auch in COOTIES nicht gänzlich aus.

Schließlich hat man sich deutlich weniger um die Handlung respektive Ideen über die merkwürdige, ausschließlich vorpubertäre Kinder betreffende Pandemie (die im übrigen aus verseuchtem Hühnerfleisch entstanden ist) bemüht – und vieles den viel Raum einnehmenden Charakteren überlassen. Die wurden dann allerdings auch tatsächlich gut getroffen: sei es Elijah Wood als schüchtern-naiver Schriftsteller der auf eine alte Schulfreundin trifft; sei es ein Lehrer-Kumpane der schlecht mit anderen ins Gespräch kommt, dafür aber ein Experte auf so manchem Gebiet ist – oder aber der von Rainn Wilson gespielte Wade, der sich als feuriger Anführer der Gruppe herauskristallisiert und rein Sprüche-technisch viele Lacher auf seiner Seite hat. Hie entsteht viel makaberes, wenn auch nicht immer auf dem höchsten denkbaren Niveau – doch ein überdurchschnittliches Unterhaltungs-Potential ohne explizite Fremdschäm-Momente ist in jedem Fall gegeben. Schade ist nur, dass sich der aus LOST bekannte Jorge García als Fehlbesetzung herausstellt, wobei sein Charakter ohnehin nicht viel zu melden hat. Das gleiche gilt indes auch für die beiden nicht-infizierten Kinder, aus deren Rollen man noch so viel mehr hätte machen können.

Rein technisch und handwerklich macht COOTIES eine gute, allerdings auch weitestgehend unspektakuläre Figur. Anders gesagt: man sieht dem Film an dass es sich um ein Spaßprojekt ohne größeres Budget handelt, was sicher auch Vorteile hat – doch in Bezug auf die Kostüme, die Maske, Schauplätze und vor allem die Interaktionen mit der Umwelt macht man es sich stellenweise sichtlich einfach. Etwaige andere Aspekte, wie in Bezug auf die Kamera-Arbeit, den Soundtrack oder die Qualität der darstellerischen Leistungen gehen analog dazu auch mal dezent unter – im allgemeinen Trubel und dem nicht immer, aber doch vergleichsweise häufig zündenden Gag-Feuerwerk.

Fazit: COOTIES ist einer jener Filme, der auf der schon seit Jahren anhaltenden Welle der Zombie-Filme mitsurft – aber immerhin auch einige neue Ideen, einen gewissen Charme und einen erhöhten Fun-Faktor mitbringt. Als abendfüllendes oder gar kultverdächtiges Genre-Meisterwerk taugt er aber weder als Komödie noch als Zombie-Trash-Verschnitt – dazu wirkt er schlicht zu beliebig, und vielleicht auch zu halbherzig. Zudem kommt er absolut unnötigerweise mit einem der enttäuschendsten Film-Enden aller Zeiten daher – sodass auch die versteckte Szene nach dem Abspann nur noch wenig Sinn macht. Dennoch: im Sinne eines launigen Filmabends unter Freunden, die im besten Fall eine Vorliebe für schwarzen Humor haben; könnte COOTIES seinen Zweck erfüllen.

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„Kein Muss für Zombie-Fans – als etwas andere Komödie aber durchaus annehmbar.“

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