Metal-CD-Review: KAMELOT – The Shadow Theory (2018)

Alben-Titel: The Shadow Theory
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. April 2018
Land: USA
Stil / Genre: Progressive Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Sean Tibbetts – Bass
Thomas Youngblood – Guitars
Oliver Palotai – Keyboards, Orchestrations
Tommy Karevik – Vocals
Johan Nunez – Drums

Track-Liste:

1. The Mission (01:30)
2. Phantom Divine (Shadow Empire) (04:05)
3. Ravenlight (03:37)
4. Amnesiac (03:40)
5. Burns to Embrace (05:53)
6. In Twilight Hours (04:15)
7. Kevlar Skin (04:05)
8. Static (03:58)
9. Mind Fall Remedy (03:22)
10. Stories Unheard (04:24)
11. Vespertine (My Crimson Bride) (03:58)
12. The Proud and the Broken (06:24)
13. Ministrium (Shadow Key) (03:02)

Gut, dass diese Theorie doch noch ans Tageslicht gekommen ist.

Wir schreiben den April 2018 – und es ist mal wieder KAMELOT-Zeit. Immerhin steht der geneigten Hörerschaft mit THE SHADOW THEORY das mittlerweile zwölfte offizielle Studioalbum der US-Power Metaller ins Haus. Das zwölfte – oder so gesehen auch das dritte, auf dem der im Jahre 2012 von der Band akquirierte neue Leadsänger Tommy Karevik zu hören ist. Sicher sind dabei auch heute noch nicht alle mit dem Weggang des einstigen Frontmanns Roy Sætre Khantatat einverstanden – und doch muss man Tommy Karevik und dem Rest der KAMELOT-Truppe eines in jedem Fall zugute halten: grundsätzlich gab sowohl am 2012’er Album SILVERTHORN (siehe Review) sowie dem 2015 nachgeschobenen HAVEN (Review) nur wenig auszusetzen. Und das vornehmlich auch, da KAMELOT wenn es um ihre Musik geht vergleichsweise konsequent agieren – und sich offensichtlich selbst von einem potentiell einschneidenden Mitgliederwechsel wenig beirren lassen. Für den neuesten, in der Standard-Version 13 Titel enthaltenen Langspieler THE SHADOW THEORY bedeutet das mindestens zweierlei: zum einen, dass KAMELOT weder das Rad neu erfinden noch nennenswert von ihrer bisherigen Spielart abweichen – und zum anderen, dass sie dennoch oder gerade deshalb einen gewohnt qualitativen Genre-Beitrag abliefern, der durchaus als Lichtblick in Bezug auf das zweite Quartal des Power Metal-Jahres 2018 betrachtet werden kann.

Oder vielleicht auch betrachtet werden muss – schließlich geben sich KAMELOT auch dieses Mal nicht die Blöße und begeistern die Hörerschaft mit einem vergleichsweise düsteren und emotionalen Power Metal, der typischerweise von einem nicht unerheblichen Maß an Progressivität geprägt ist und mit vielen gelungenen symphonischen Einschüben daherkommt. Tatsächlich fällt diesbezüglich schon der gesamte Alben-Auftakt überaus vorteilhaft aus: sei es das rein instrumentale Intro THE MISSION, der als Videosingle ausgekoppelte und das Album so gesehen vertretende Opener PHANTOM DIVINE oder das etwas ruhigere aber nicht weniger dramatische RAVENLIGHT – KAMELOT machen schnell klar, wohin die Reise auf und mit ihrem THE SHADOW THEORY gehen würde. Neben dem gekonnt in Szene gesetzten und in dieser Form problemlos als Alleinstellungsmerkmal der Band zu bezeichnenden musikalischen Anspruch – der im besten Fall zu einem entsprechend intensiveren Hörvergnügen führt als bei einigen anderen progressiv angehauchten Power Metal-Combos – ist es vor allem auch das keinerlei Schwächen offenbarende Handwerk der Amerikaner welches durchweg überzeugt, und im Zusammenspiel mit der perfekten Abmischungs- und Produktionsarbeit für ein rundum angenehmes und wohlklingendes Hörvergnügen sorgt.

Sicher, in wie weit man sich von einem Album wie THE SHAODW THEORY in emotionaler Hinsicht – und das speziell in Anbetracht von gefühlvollen Balladen wie IN TWILIGHT HOURS oder STORIES UNHEARD – gefangenehmen lassen kann; wird wie so oft stark vom jeweiligen persönlichen Geschmack und der Bereitschaft, sich zumindest hie und da mit einer etwas weicheren Seite des Power Metals auseinanderzusetzen abhängen. Und doch muss man einfach festhalten dass das damit verbundene, von Band gemachte Angebot schlicht etwas reizvoller ist als anderswo – und so gesehen auch in einem effektiveren Ergebnis mündet. Jedoch – und davor sind auch erfahrene Recken wie die von KAMELOT nicht gefeit – ist THE SHADOW THEORY nicht gänzlich frei von Schwächen. Oder eher schwächeren Momenten, die sich nicht allzu markant auf die Gesamtbetrachtung des Albums auswirken – es wohl aber doch verhindern, dass KAMELOT ein wirklich kultverdächtiges Werk abliefern. Anders gesagt: während der gesamte Auftakt sowie das Finale des Albums immer wieder mit hervorragenden Momenten glänzen, sieht es in Bezug auf den Mittelteil des Albums nicht immer ganz so gut aus. Ausgerechnet die wohl härteste, klanglich aber etwas konfus ausfallende Nummer MINDFALL REMEDY etwa stört den Fluss des Albums doch erheblich – auch wenn der Gedanke für etwas Abwechslung zu sorgen nicht verkehrt ist. Doch hätte man eben das auch in anderer Form machen können oder sollen.

Auch STATIC offenbart als eher balladesk angehauchter Titel nicht viel neues oder spektakuläres, während zumindest das druckvolle KEVLAR SKIN für einen deutlich knackigeren Moment sorgt. Eben davon hätten es insgesamt betrachtet ruhig noch etwas mehr sein können – und das auch, da KAMELOT aufpassen müssen sich nicht allzu sehr auf ihre weich-balladeseke Seite zu versteifen. Und sicher auch darauf, nicht noch einmal zu Maßnahmen wie im eigentlich recht unspektakulären BURNS TO EMBRACE zu setzen – dessen Finale von einem recht unpassend wirkenden und klingenden Kinderchor begleitet wird. Immerhin: gegen Ende wird das Ganze wieder wesentlich überzeugende rund reizvoller – etwa in Form des erhabenen VESPERTINE, des kleine Opus THE PROUD AND THE BROKEN mit seinen aggressiven und choralen Einschüben sowie auch des instrumentalen Rausschmei´ßers MINISTRIUM. Die Chance, gegen Ende des Albums noch einmal alles abzufackeln was geht haben KAMELOT jedenfalls nicht ungenutzt verstreichen lassen – was THE SHADOW THEORY noch einmal positiv abrundet, und mit dem tadellosen Auftakt für eine Gesamtwertung in einem entsprechend gehobenen Bereich sorgt. Sollte in absehbarer Zeit ein weiteres Album folgen, könnte es allerdings von Vorteil sein wenn sich die Amerikaner mal wieder etwas kräftiger, experimentierfreudiger; ja schlicht aufregender inszenieren.

Absolute Anspieltipps: PHANTOM DIVINE, RAVENLIGHT, KEVLAR SKIN, STORIES UNHEARD, VESPERTINE


„Der Highlights hätten es gern noch ein paar mehr sein dürfen – doch insgesamt betrachtet ist THE SHADOW THEORY einfach typisch KAMELOT.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Poetry For The Poisoned (2010)

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Alben-Titel: Poetry For The Poisoned
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. September 2010
Land: USA
Stil / Genre: Prog Power Metal
Label: KMG Recordings

Alben-Lineup:

Khan – Vocals
Sean Tibbetts – Bass
Thomas Youngblood – Guitars
Oliver Palotai – Keyboards
Casey Grillo – Drums

Track-Liste:

1. The Great Pandemonium (04:22)
2. If Tomorrow Came (03:55)
3. Dear Editor (01:18)
4. The Zodiac (04:00)
5. Hunter’s Season (05:33)
6. House on a Hill (04:15)
7. Necropolis (04:17)
8. My Train of Thoughts (04:07)
9. Seal of Woven Years (05:11)
10. Poetry for the Poisoned, Pt. I – Incubus (02:56)
11. Poetry for the Poisoned, Pt. II – So Long (03:23)
12. Poetry for the Poisoned, Pt. III – All Is Over (01:03)
13. Poetry for the Poisoned, Pt. IV – Dissection (01:57)
14. Once upon a Time (03:47)

Die Langeweile als größter Feind.

Die gut bestückte KAMELOT-Diskografie ist spannend – aber sicher auch eine der streitbareren. So scheiden sich nach wie vor die Geister über den Status der Band als wichtige Genre-Pioniere aus Übersee; noch mehr aber über einzelne Urteile in Bezug auf die veröffentlichten Alben. Tatsächlich hätten diese nicht unterschiedlicher ausfallen können: während THE FOURTH LEGACY (Review) ein eher typisches, zweifelsohne hochkarätiges Power Metal-Album war welches genauso gut aus Europa hätte kommen können; wandelten KAMELOT im weiteren Verlauf ihrer Historie immer mehr auf progressiven Pfaden, fügten ihrem Sound symphonische Elemente hinzu und bedienten sich wenn man so will auch einer gewissen Gothic-Attitüde. Im Ergebnis erhielt man so vergleichsweise schwer zugängliche, düstere Alben mit Tiefgang – aber auch einer teils überbordernden Theatralik, mit der nicht jeder zurechtkommen sollte. Immerhin: wirklich langweilig war das, was KAMELOT bis dato auf die Beine gestellt hatten nie. Bis, ja bis das neunte Studioalbum POETRY FOR THE POISONED erscheinen sollte. Auch wenn es sich musikalisch gesehen im Fahrwasser des düsteren, schwergewcithigen GHOST OPERA (Review) bewegt; hatte man einen Vorteil des Vorgängers schlicht nicht übernommen: seinen hohen Unterhaltungswert. Anders gesagt: wer sich schon zuvor am vergleichsweise dramatischen, sehr emotionalen – aber auch mal etwas gleichförmigen – Sound von KAMELOT gestört hat; der wird mit POETRY FOR THE POISONED erst Recht nicht glücklich werden.

Einer der Hauptgründe hierfür ist nicht nur die erschwerte Zugänglichkeit, die man nach mehreren Durchläufen noch hätte überwinden können – sondern der über weite Teile des Albums exakt gleich bleibende Soundeindruck. Ein eher gemäßigtes Tempo trifft hier auf schwere Riffs, massiv eingestreute Backgroundgesänge, nicht wirklich hängenbleibende Refrains – und einen sich überraschend monoton inszenierenden Roy Khan. Analog dazu bietet POETRY FOR THE POISONED den wohl größten Anteil an Stimmverzerreffekten aller bisherigen KAMELOT-Alben – was etwas merkwürdig ist und schnell einfach nur noch nervt. Das klingt alles andere als gut, ist letztendlich aber die Quintessenz des Albums – das den Hörer zu keinem Zeitpunkt wirklich zu packen vermag und dezent düster, aber eben auch recht langatmig vor sich hinplätschert. Auf der Haben-Seite verbucht das Album eigentlich nur seine handwerkliche Kompetenz (mit Ausnahme der bereits erwähnten, übertriebenen Effekte), sowie die wenigen Momente in denen KAMELOT doch noch einen Funken Atmosphäre und Emotionalität versprühen können. Für Fans ist wohl auch dieses Album ein Muss – alle anderen sollten den klar besseren Vorgängern wie KARMA, EPICA oder GHOST OPERA Gehör schenken.

Absolute Anspieltipps: HUNTER’S SEASON, HOUSE ON THE HILL


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„Weniger Ideen, weniger Kraft, weniger KAMELOT.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Ghost Opera (2007)

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Alben-Titel: Ghost Opera
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Juni 2007
Land: USA
Stil / Genre: Prog Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Khan – Vocals
Thomas Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
Casey Grillo – Drums
Oliver Palotai – Keyboards

Track-Liste:

1. Solitaire (01:00)
2. Rule the World (03:40)
3. Ghost Opera (04:06)
4. The Human Stain (04:01)
5. Blücher (04:03)
6. Love You to Death (05:13)
7. Up Through the Ashes (04:59)
8. Mourning Star (04:37)
9. Silence of the Darkness (03:43)
10. Anthem (04:24)
11. EdenEcho (04:13)

Geistergeschichten aus der KAMELOT-Oper.

Eine markante Diskografie wie die von KAMELOT rückwirkend zu entdecken und zu erforschen, ist schon eine spannende Angelegenheit. Wie es sich in den bisherigen Reviews (siehe Link) zeigte, war und ist aber selbst eine Pionier-Band wie diese nicht vor kleineren Fehlschlägen gefeit. Damit ist nicht nur der verdächtig verhaltene Band-Auftakt in der Mitte der 90er Jahre gemeint, in der noch ein gewisser Mark Vanderbilt den Leadgesangsposten übernahm (1991-1997) – sondern auch ein durchaus polarisierendes, persönliches und dezent experimentelles Werk wie THE BLACK HALO (Review). Dessen Nachfolger ist das 11 Titel starke GHOST OPERA aus dem Jahre 2007 – ein Album; welches wie die vorherigen auf einige der typischen, nicht mehr wirklich überraschenden KAMELOT-Trademarks setzt. Trademarks, die aber in jedem Fall funktionieren und der Band weiterhin einen enorm eigenständigen, unverkennbaren Sound verleihen. So inszenieren KAMELOT auch ihre neuerliche GHOST OPERA explizit theatralisch und mit einem starken Fokus auf den Leadgesang sowie die vergleichsweise schwer verdaulichen Textinhalte – wobei immer wieder Elemente des Symphonic und auch Gothic Metal zu entdecken sind.

Vor allem der Auftakt des Albums fällt hierbei überraschends stark aus: RULE THE WORLD und der titeltrack GHOST OPERA lassen keine Wünsche offen, und legen die Messlatte für die noch folgenden Titel entsprechend hoch. Vielleicht sogar so hoch, dass die Erwartungen im weiteren Verlauf nicht mehr wirklich erfüllt werden können. Zwar ist das hier präsetneirte Material vor allem handwerklich und von seiner Präsetnation her über viele Zweifel erhaben, und Leadsänger Roy Khan verleiht dem ganzen tatsächlich den Anstrich einer düsteren, für Genre-Verhältnisse anspruchsvollen Oper. Doch kann man sich auch nicht des einrucks erwehren, als hätte sich speziell im mittelteil eine gewisse Gleichfärmigkeit eingeschlichen. Viele der hier präsetnieren Titel sind schließlich recht ähnlich gestrickt – mit dramatisch inszenierten, symphonisch aufgeladenen Strophen auf der einen; und auflockernden, gerne mal von weiblichen Gesängen unterstützten Refrains. Im schlimmsten Fall könnte man gar der theatralischen Inszenierung überdrüssig werden – wenn statt der ein oder anderen knackigen Hymne Titel wie das fast schon übertrieben wirkende LOVE YOU TO DEATH, das extrem schwergängige MOURNING STAR oder der relativ nichtssagende, mit ärgerlichen Stimmverzerreffekten gespickte ANTHEM folgen. Letztendlich bleibt GHOST OPERA der herausragendste der 11 präsentierten Titel – alle anderen sind nicht schlecht, aber eben auch nicht herausragend.

Absolute Anspieltipps: RULE THE WORLD, GHOST OPERA, UP THROUGH THE ASHES, SILENCE OF THE DARKNESS

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„Handwerklich und gesanglich überragend – aber insgesamt fast schon zu theatralisch.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – The Black Halo (2005)

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Alben-Titel: The Black Halo
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. März 2005
Land: USA
Stil / Genre: Prog Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Khan – Vocals
Thomas Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
Casey Grillo – Drums

Track-Liste:

1. March of Mephisto (05:28)
2. When the Lights Are Down (03:41)
3. The Haunting (Somewhere in Time) (05:40)
4. Soul Society (04:17)
5. Interlude I: Dei Gratia (00:57)
6. Abandoned (04:07)
7. This Pain (03:59)
8. Moonlight (05:10)
9. Interlude II: Un assassinio molto silenzioso (00:40)
10. The Black Halo (03:43)
11. Nothing Ever Dies (04:45)
12. Memento Mori (08:54)
13. Interlude III: Midnight – Twelve Tolls for a New Day (01:21)
14. Serenade (04:33)

Wenn ein kleiner Stilbruch großes verändert.

Nachdem die US-Amerikanischen Progressive Power Metaller von KAMELOT mit ihrem Alben-Trio aus THE FOURTH LEGACY (Review), KARMA (Review) und EPICA (Review) drei mehr als bemerkenswerte Genre-Beiträge abgeliefert hatten, sollte es 2005 an der Zeit sein für das siebte Studioalbum THE BLACK HALO. Sicher war es nicht ganz leicht, mit eben diesem an das bereits erreichte anzuknüpfen – im besten Falle sinnig, und dass auch noch ohne sich bloß zu wiederholen. Hierbei handelt es sich um eine Feststellung, die wohl auch KAMELOT machten und sich folglich für einige mehr oder weniger dezente Veränderungen entschieden. Veränderungen; die bereits an der bloßen Oberfläche – das heißt beispielsweise dem deutlich different gehaltenen Artwork ohne den einst lieb gewonnenen Farbton Lila – festzumachen sind, sich aber natürlich auch bis in den eigentlichen musikalischen Bereich ausweiten. Dabei fällt eines ganz besonders schnell auf: KAMELOT entfernten sich mit THE BLACK HALO schon deutlicher von ihrem ehemaligen Konzept, markant-poetische und auch mal explizit beschwingte Stimmungen in abwechslungsreichen und stilistisch ausgefeilten Kompositionen zu verbauen. Vor allem der Alben-Auftakt mit den gradlinigen Titeln MARCH OF MEPHISTO (inklusive einiger nicht wirklich guter Hintergrundgesänge) und WHEN THE LIGHTS ARE DOWN (inklusive einer ungewohnt elektronischen Komponente) klingt so anders als alles, was man bisher von KAMELOT gewöhnt war. Zwar setzten KAMELOT auch hier noch auf typische Markenzeichen wie eine eher düstere Stimmung und den Einsatz von ganz bestimmten Elementen und Untertönen – doch fallen gerade die nicht mehr so stimmig aus wie dereinst.

Relativ gleichförmige und Highlight-arme Titel wie THE HAUNTING, THIS PAIN oder MOONLIGHT stellen dann noch einmal klar, dass die hier eher ernüchternde Wirkung nicht aus den Leistungen der einzelnen Mitglieder resultiert (was sicher noch unverständlicher wäre) – sondern vielmehr aus einem erstmals verdächtig langatmigen Songwriting und dem Ausbleiben eines jeglichen Aha-Effekts. Dementsprechend machen auch die drei vorgesehenen Interludien nicht viel Sinn, die in Bezug auf den Vorgänger EPICA noch als echter Zugewinn bezeichnet werden konnten. Stichwort EPICA: wo vom zuvor noch davon absehen sollte, sich einzelne Titel herauszupicken und das Album eher als Ganzes auf sich wirken lassen konnte; ist bei THE BLACK HALO das absolute Gegenteil der Fall. Das Album ist schlicht zu unspektakulär und gleichförmig, als dass man es in einem Zug genießen könnte – und letztendlich auch zu wenig emotional. So bleibt es bei einer handvoll gelungener Nummern, die es sich herauszupicken gilt – wie das symphonisch angehauchte SOUL SOCIETY, der Titeltrack THE BLACK HALO oder auch NOTHING EVER DIES. Analog zu den noch immer hervorragenden handwerklichen Leistungen vor allem in Bezug auf den Leadgesang (und die einstweilen zu Rate gezogene weibliche Unterstützung) sowie die schmackige Produktion kann so schlimmeres verhindert werden. Doch im Vergleich zu THE FOURTH LEGACY, KARMA oder EPICA muss THE BLACK HALO deutlich hintenan stehen.

Absolute Anspieltipps: SOUL SOCIETY, THE BLACK HALO, NOTHING EVER DIES

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„Alles, was EPICA und dessen Vorgänger ausmachte; sucht man in Bezug auf THE BLACK HALO vergebens.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Epica (2003)

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Alben-Titel: Epica
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. Januar 2003
Land: USA
Stil / Genre: Prog Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Khan – Vocals
Thomas Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
Casey Grillo – Drums

Track-Liste:

1. Prologue (01:07)
2. Center of the Universe (05:27)
3. Farewell (03:41)
4. Interlude I (Opiate Soul) (01:10)
5. The Edge of Paradise (04:09)
6. Wander (04:24)
7. Interlude II (Omen) (00:40)
8. Descent of the Archangel (04:35)
9. Interlude III (At the Banquet) (00:30)
10. A Feast for the Vain (03:57)
11. On the Coldest Winter Night (04:03)
12. Lost & Damned (04:55)
13. Helena’s Theme (01:51)
14. Interlude IV (Dawn) (00:27)
15. The Mourning After (Carry On) (04:59)
16. III Ways to Epica (06:14)

EPICA, oder: die Definition des Power Metal ?

Die US-Amerikanischen Power Metaller der bereits 1991 gegründeten Genre-Combo KAMELOT haben durchaus etwas Zeit gebraucht, um ihre Position zu festigen – für sich selbst und ihre eigene Identität, aber auch im Hinblick auf die niemals schlafende internationale Konkurrenz. Spätestens ab 2001 und mit den beiden hervorragenden Alben THE FOURTH LEGACY (Review) sowie dessen Nachfolger KARMA (Review) schien es dann aber endgültig besiegelt: KAMELOT waren zu einer wichtigen Genre-Größe aufgestiegen, und zu Recht in aller Munde. Aus dieser markanten Blütezeit der Band stammt auch das sechste Studioalbum EPICA – ein Werk, welches mit satten 16 Titeln bestückt ist und den wuchtigen musikalischen Eindruck des direkten Vorgängers KARMA kontinuierlich fortgesetzt hat. Offenbar in einer derart aussagekräftigen Art und Weise, dass sich eine bis dato als SAHARA DUST bekannte Band kurzerhand umbenannt hat – in die heute ebenfalls sehr bekannte Symphonic Power Metal-Combo EPICA aus den Niederlanden. Noch schöner und bemerkenswerter ist indes, dass sich daraufhin eine gewisse Freundschaft zwischen den beiden Bands entwickelte und sie in Zukunft des öfteren zusammenarbeiten sollten.

EPICA als sechstes KAMELOT-Album in seine Einzelteile zu zerlegen, fällt indes nicht ganz leicht. Aber vielleicht ist das auch die falsche Herangehensweise, will man in den durchaus speziellen Kosmos des Albums einsteigen. Ein Kosmos, der sich nicht nur durch die markante Qualität des enthaltenen Materials definiert – sondern auch durch die spezielle, eng mit der Philosophie der Band vernetzten Art der Präsentation. Der hier vorgelegte Spagat zwischen auch mal deutlich düstereren, getragenen Stimmungen und typisch-antreibenden Power Metal-Elementen war zwar auch schon auf den Vorgängern auszumachen; sucht in Bezug auf die Qualität von EPICA aber vergebens seinesgleichen. Die somit generierte, bemerkenswert poetische Gesamtwirkung kann somit auch im breit gefächerten internationalen Vergleich als einzigartig bezeichnet werden – und gilt seit jeher als eines der herausragendsten Alleinstellungsmerkmale der Band. Davon abgesehen schienen auch alle einzelnen Mitglieder für EPICA noch einmal zu ihrer Höchstform aufgelaufen zu sein. Das Riffing klang beispielsweise noch nie so knackig und variabel, der Gesang von Roy Khan noch nie so emotional und treffsicher. Dieser handfeste Eindruck bestätigt, dass KAMELOT den direkten Vorgänger KARMA sogar noch einmal großzügigen toppen konnten.

Verantwortlich dafür ist zu großen Teilen auch die spannende Aufgliederung des Albums, und wenn man so will auch das Timing: KAMELOT streuen hier immer wieder sehr gute oder gar herausragende (OPIATE SOUL) Interludien ein, die für Stimmung sorgen und den ein oder anderen Titel perfekt einleiten. Dementsprechend sollte man auch weitestgehend davon absehen, sich einzelne Nummern herauzupicken – am besten funktioniert EPICA noch als Gesamtwerk, oder auch Gesamtkunstwerk. Dabei ist beileibe nicht zu verhehlen, dass auch Einzelbetrachtungen kaum negatives hervorbringen würden. CENTER OF THE UNIVERSE beispielsweise bietet eine so noch nie dagewesene Symbiose aus balladesken, metallischen und hymnischen Elementen; FAREWELL überzeugt als wuchtiger Stampfer mit einem starken Instrumental, ON THE EDGE OF PARADISE als dezent mystisch angehauchtes Opus mit starken Hintergrundgesängen. Im weiteren Verlauf kann das Album auch mal deutlich progressivere oder balladeskere (WANDER, ON THE COLDEST WINTER NIGHT) Stimmungen anberaumen; schneidet aber auch dabei stets höchst zufriedenstellend ab. Schlussendlich kann man nur folgendes festhalten: EPICA ist eines der vielleicht besten KAMELOT-Alben überhaupt, in jedem Fall aber das beste bis zum Jahre 2003 – schlicht, da es in so gut wie jedem Moment überzeugt und es die gefühlte Quintessenz der Band repräsentiert.

Absolute Anspieltipps: CENTER OF THE UNIVERSE, FAREWELL, A FEAST FOR THE VAIN, LOST AND DAMNED


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„KAMELOT auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Karma (2001)

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Alben-Titel: Karma
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. Juli 2001
Land: USA
Stil / Genre: Prog Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Khan – Vocals
Thomas Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
Casey Grillo – Drums

Track-Liste:

1. Regalis Apertura (01:57)
2. Forever (04:06)
3. Wings of Despair (04:30)
4. The Spell (04:18)
5. Don’t You Cry (04:14)
6. Karma (05:11)
7. The Light I Shine on You (04:13)
8. Temples of Gold (04:09)
9. Across the Highlands (03:44)
10. Elizabeth Part I: Mirror Mirror (04:20)
11. Elizabeth Part II: Requiem for the Innocent (03:44)
12. Elizabeth Part III: Fall from Grace (04:20)

Der fünfte Anlauf festigt das lang geahnte.

Sicher möchte ihn ein jeder gerne beschreiten, den Weg zum heiß umkämpften Genre-Thron im Bereich des Power Metal. Doch während er sich so manch talentierter Band atemberaubend schnell eröffnet, brauchen andere eine gewisse Vorlaufzeit. In welche Kategorie die aus den USA stammenden, Mitglieder-technisch aber eigentlich international zusammengesetzten Power Metaller von KAMELOT gehören; ist dabei kaum ein Geheimnis. Denn: letztendlich qualifizierte sich die zunächst eher unscheinbare Combo erst nach einem markanten Lineup-Wechsel und nach 3 vielversprechenden, aber noch lange nicht in jeder Hinsicht herausragenden Alben. Erst THE FOURTH LEGACY (Review) zeigte als viertes Studiowerk der illustren KAMELOT-Diskografie erstmals kompromisslos auf, dass die Band auch all das umsetzen konnte was schon immer in ihr schlummerte. Mit diesem wichtigen Meileinstein festigten KAMELOT auch ihre aufstrebende Position – schließlich sollten die nun folgenden Alben an den recht fulminanten Eindruck von THE FOURTH LEGACY anschließen.

Daher könnte man das 2001 erschienene KARMA nicht nur als das fünfte Album der Band bezeichnen, sondern auch als die zweite hervorragende Veröffentlichugn einer entgültig erstarkten Power Metal-Combo. Tatsächlich gaben sich KAMELOT innerhalb der hier präsentierten, satten 12 Titel keine Blöße – und zelebrierten ein stilistisch ausgefeiltes, vergleichsweise anspruchsvolles und untypisches Power Metal-Feuerwerk der Extraklasse. Untypisch war und ist es deshalb, da sich KAMELOT nur noch mehr auf die Herausarbeitung eines recht individuellen Sounds fokussiert hatten – der zwar viele typische Genre-Elemente (wie etwa den Faktor der Eingängigkeit oder hochtrabende Refrains) beinhaltet, aber doch hörbar anders klingt als ein Großteil des im Jahre 2001 veröffentlcihten Genre-Materials. Gründe dafür gibt es viele, wobei die überaus angenehme Leadstimme von Roy Khan (der hier zweifelsohne zu seiner Höchstform aufgelaufen ist) eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Auch die Tatsache, dass sich KAMELOT auf KARMA vergleichsweise düster inszenieren und auch in inhaltlicher Hinsicht so manches Schwergewicht auffahren, sorgt für die mitunter einzigartige, wenn man so will poetische Gesamtwirkung des Albums.

Eine, die zudem noch verdammt gut unterhält und vor allem handwerklich über alle Zweifel erhaben ist. Sobald die ersten riffs des flotten Openers FOREVER erklingen, wird man geradezu gefangengenommen von der durchaus mystischen, schweren und emotional geladenen Atmosphäre des Albums. Eine Atmosphäre, die auch dadurch generiert wird; dass KAMELOT immer wieder progressive Elemente einsetzen und das Album so an vielfalt und Komplexität gewinnt. Reine Balladen wie DONT YOU CRY werden wie so fot nicht jedem gefallen, doch immerhin kann man behaupten dass Roy Khan auch hier überaus glaubwürdig auftritt. Das einzige, was KARMA vorhalten könnte wäre wohl; dass das Album im Mittelteil und mit dem dreiteiligen ELIZABETH des öfteren vergleichsweise getragene Stimmungen transportiert – und ein echter Kracher mit Hymmen-Potential (wie eben das starke FOREVER) auslbeibt. KARMA bietet somit vor allem ein extrem ausgefeiltes, gleichzeitig aber auch nicht zu schwer zu verköstigendes Futter für Freunde eines progressiv angehauchten Power Metals.

Absolute Anspieltipps: FOREVER, WINGS OF DESPAIR, THE SPELL


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„Ein hochqualitatives, progressives Schwergewicht.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – The Fourth Legacy (1999)

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Alben-Titel: The Fourth Legacy
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Juli 2008
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Khan – Vocals
Thomas Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
Casey Grillo – Drums

Track-Liste:

1. New Allegiance (00:54)
2. The Fourth Legacy (04:55)
3. Silent Goddess (04:13)
4. Desert Reign (01:39)
5. Nights of Arabia (05:24)
6. The Shadow of Uther (04:45)
7. A Sailorman’s Hymn (04:05)
8. Alexandria (03:53)
9. The Inquisitor (04:35)
10. Glory (03:42)
11. Until Kingdom Come (04:11)
12. Lunar Sanctum (05:57)

Angekommen und abgeliefert.

Wie es der Alben-Titel sowie die markante Farbgebung des Artworks bereits dezent implizieren, handelt es sich bei FOURTH LEGACY um das vierte Studioalbum der US-Amerikanischen Power Metaller von KAMELOT. Viel wichtiger als das erscheint aber die Tatsache, dass es das zweite Album unter der Führung des erst kurz zuvor verpflichteten neuen Leadsängers Roy S. Khan ist – der auf dem Vorgänger SIEGE PERILOUS (Review) sein noch stark ausbaufähiges Debüt inszenierte. Und tatsächlich: trotz dessen, dass gerade einmal etwas mehr als ein Jahr ins Land gegangen war; steigerten sich KAMELOT um ein vielfaches. Und das in so gut wie allen Belangen: von der Produktionsqualität und Präsentation über das musikalische Handwerk bis hin zu den Inhalten und zur letztendlich erzielten Wirkung stimmte nun endlich alles. Mit ein Grund für die stimmige Gesamtwirkung des Albums ergibt sich auch aus dem typischen KAMELOT-Sound, für den die Band später berühmt und berüchtigt werden sollte. Typisch bedeutet in diesem Fall aber eher gegenteiliges – denn schließlich waren KAMELOT eine der ersten Combos, die es geschafft haben explizit düstere und getragene Elemente geschickt in antreibenden Power Metal-Kompositionen zu verbauen.

THE FOURTH LEGACY ist so gesehen der erste Meilenstein auf diesem Weg. Ein Meilenstein, dem so gesehen eigentlich nur positives anhaftet – bis auf die Tatsache, dass er die ersten drei Alben der Band konsequent in den Schatten stellt; ja wenn nicht gar verzichtbar erscheinen lässt. Schließlich lässt es sich erst hier entdecken, das voll ausgenutzte Potential der Band – welches zuvor nur angedeutet, aber eben noch nicht sinnig ausgeschöpft wurde. Ein sehr gutes Beispiel dafür liefert bereits der Opener und Titeltrack THE FOURTH LEGACY – bei dem vom markanten Riffing über die nunmehr hervorragende Gesangsdarbietung bis hin zu einem kongenialen Refrain alles richtig gemacht wurde. Den weiteren Verlauf zeichnet dann vor allem eine gewisse Vielfalt aus: das instrumentale Zwischenspiel DESERT REIGN sowie NIGHTS OF ARABIA versetzen den Hörer in ganz und gar abenteuerliche Gefilde, THE SHADOW OF UTHER fungiert als feucht-fröhliche Genre-Hymne, A SAILORMAN’S HYMN und GLORY als überzeugende Balladen. Schade ist nur, dass einige wenige der hier präsentierten Titel leicht aus dem Rahmen fallen – aber nicht weil sie wie etwa LUNAR SANCTUM anders klingen, sondern eher da ihnen der nötige Feinschliff, das gewisse Etwas fehlt. Beispielsweise liefern SILENT GODDESS oder THE INQUISITOR nur wenige Gründe, sie nicht doch zu skippen – doch insgesamt bleibt es bei einem Tropfen auf dem heißen Stein. KAMELOT lieferten hier plötzlich nicht mehr nur zufriedenstellend ab – sondern sorgten für ihr erstes handfestes Kult-Album, welches dementsprechend auch bis heute nachhallt.

Absolute Anspieltipps: THE FOURTH LEGACY, NIGHTS OF ARABIA, THE SHADOW OF UTHER, GLORY


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„Das klingt nach Kult.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Siege Perilous (1998)

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Alben-Titel: Siege Perilous
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Juli 2008
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Roy S. Khan – Vocals
Thomas Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
David Pavlicko – Keyboards
Casey Grillo – Drums

Track-Liste:

1. Providence (05:35)
2. Millennium (05:15)
3. King’s Eyes (06:14)
4. Expedition (05:41)
5. Where I Reign (05:58)
6. Rhydin (05:03)
7. Parting Visions (03:34)
8. Once a Dream (04:24)
9. Irea (04:32)
10. Siege (04:19)

Wenn Veränderungen Großes verheißen.

SIEGE PERILOUS ist nicht nur das dritte Album aus der zweifelsohne spannenden Diskografie der US-Power Metaller von KAMELOT – sondern auch ein wichtiger Meilenstein in der hiesigen Bandhistorie. Schließlich trat hier im Gegensatz zu den beiden zeitnahen Vorgängern ETERNITY (Review) und DOMINION (Review) erstmals ein gewisser Roy S. Khan als Leadsänger auf. Wie man heute weiß, führte wohl erst diese Neubesetzung zu jenem Erfolg; den KAMELOT später für sich verbuchen sollten. Dabei ist später auch eines der wichtigen allgemeinen Stichwörter für die frühe Phase der Band –  denn auch SIEGE PERILOUS konnte und kann trotz der wichtigen Neubesetzung nicht vollständig überzeugen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: zwar bewegten sich KAMELOT langsam aber sich weg vom unspektakulären Mittelmaß, hin zu einer immer ambitionierteren Genre-Band – doch ein waschechter Power Metal-Klassiker klingt noch immer deutlich anders als das, was KAMELOT hier im Rahmen von 10 Titeln präsentierten. Mit ein Grund für die eher zurückhaltende Gesamtwirkung ist die alles anderes als glanzvolle Produktion. Denn allein vom akustischen Ersteindruck her klingt SIEGE PERILOUS eher wie die Demo einer beliebigen Independent-Band – und nicht wie von einer Band, die zu diesem Zeitpunkt schon 7 Jahre existierte, bei einem namhaften Label unter Vertrag war und schon zwei Vorgängeralben präsentierte. Dieser – wenn man es einmal böse ausdrücken wollte – leicht schludrige Eindruck zieht sich auch bis in die Darbietungen der einzelnen Mitglieder. Vor allem Roy Kahn war hier als Leadsänger noch weit davon entfernt, seine eigentliche Klasse zu erreichen. Immerhin: der Grundstein war gelegt, und er passte schon wesentlich besser zum allgemeinen Soundoutfit der Band als sein Vorgänger Mark Vanderbilt.

Doch auch wenn einige der hier präsentierten Titel durchaus Potential haben, kann man sich kaum des Gefühls erwehren als wirke das Ganze noch recht unausgegoren. SIEGE PERILOUS fehlt es schlicht an einem Spannungsbogen, einem markanten Aufhänger oder einem besonderen Konzept – ein Großteil des Albums plätschert eher lieblos vor sich her und lässt dabei weder nennenswerte Emotionen noch ein gewisses Wow-Gefühl entstehen. Beispielhaft dafür stehen Nummern wie PARTING VISIONS – das nach viel mehr hätte klingen können, durch den eher dumpfen Soundeindruck, das mechanisch klingende Drumming und einen unvorteilhaften Refrain aber geradezu verpuffen. Überhaupt hat sich die Band keinen Gefallen mit dem auf dem gesamten Album oft arg künstlich klingenden Keyboard getan – welches Nummern wie den Titeltrack SIEGE PERILOUS sogar dezent lächerlich dastehen lässt. Am ehesten und insgesamt greift hier wohl das STRATOVARIUS-Prinzip: Bands wie KAMELOT hatten schon früh ein außerordentliches Potential, konnten dieses aber noch nicht wirklich zufriedenstellend umsetzen. Später aber dafür umso mehr – sodass Alben wie SIEGE PERILOUS nur beinharten Fans, die wirklich jedes Release ihr eigen nennen wollen; empfohlen werden kann.

Absolute Anspieltipps: IREA


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„Man hatte sich den richtigen Weg gemacht – aber das Ziel noch großzügig verfehlt.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Dominion (1997)

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Alben-Titel: Dominion
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1996
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Mark Vanderbilt – Vocals
Thom Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
David Pavlicko – Keyboards
Richard Warner – Drums

Track-Liste:

1. Ascension (01:25)
2. Heaven (03:39)
3. Rise Again (04:07)
4. One Day I’ll Win (05:39)
5. We Are Not Separate (03:46)
6. Birth of a Hero (05:17)
7. Creation (05:07)
8. Sin (03:36)
9. Song of Roland (04:54)
10. Crossing Two Rivers (04:29)
11. Troubled Mind (04:39)

Von glorreichen und anderen Vergangenheiten.

Nachdem die US-Amerikanischen Power Metaller von KAMELOT mit ihrem Debütalbum ETERNITY (Review) einen überraschend durchschnittlichen, mit Sicherheit noch viel Platz nach oben lassenden Genre-Einstand feierten; sollte gute 2 Jahre später ein erneuter Versuch gestartet werden für Furore zu sorgen. Das schon etwas bekanntere zweite Studiowerk horcht dabei auf den Namen DOMINION, bewegt sich stilistisch klar im ausbaufähigen Fahrwasser des Vorgängers – und übernimmt leider nicht nur dessen Stärken. Abermals wird ein sehr klassischer, wenn man so will bodenständiger Power Metal ohne großartige Schnörkel präsentiert – wobei man die Gefahr, allzu eintönig und emotionslos zu klingen leider nicht vollständig ausgeräumt hat. Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall: viele der hier dargebotenen Nummern sind enorm spannungsarm, kommen ohne nennenswerte Höhen und Tiefen daher – und zeugen noch kaum von den späteren Ruhmestaten der Band.

Das liegt mitunter auch an einem der größten Schwachpunkte des zweiten Albums: auch dieses Mal schafft es Leadsänger Mark Vanderbilt nicht, dem Projekt KAMELOT mit einer ansprechenden Gesangsleistung beizukommen. Auch wenn er insgesamt schon etwas stilsicherer auftitt und sich selbst bestimmte Grenzen auferlegt, entsteht schlicht kein besonders markanter oder zur Band passender Eindruck. Im Zusammenspiel mit der ebenfalls nicht optimalen, im schlimmsten Fall als lustlos zu bezeichnenden Produktion ergibt sich so ein stark an den Vorgänger erinnernder Eindruck. Oder anders gesagt: einer, der alles andere als perfekt ist. Auf der Haben-Seite verbucht das Album indes eine größere Vielfalt an markanten Riffs (wie etwa in WE ARE NOT SEPERATE), einen stärken Fokus auf den Bass und einen treffsicheren Einsatz des Schlagzeugs. Und auch das Gefühl, als wären KAMELOT schon zu diesem Zeitpunkt zu so viel mehr imstande gewesen; lässt sich nicht verhehlen. Das leicht progressiv angehauchte RISE AGAIN hat diesbezüglich extrem gute Ansätze, ebenso wie das unterhaltsame Instrumental CREATION. Schlussendlich haben sich KAMELOT mit ihrem zweiten Album aber nur – oder immerhin – sehr dezent gesteigert.

Absolute Anspieltipps: HEAVEN, RISE AGAIN, CREATION


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„Etwas ausgewogener und stilsicherer als der Vorgänger – aber noch weit vom eigentlichen Potential entfernt.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Eternity (1995)

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Alben-Titel: Eternity
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. August 1995
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Mark Vanderbilt – Vocals
Thom Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
David Pavlicko – Keyboards
Richard Warner – Drums

Track-Liste:

1. Eternity (05:42)
2. Black Tower (04:06)
3. Call of the Sea (05:15)
4. Proud Nomad (04:53)
5. Red Sands (04:09)
6. One of the Hunted (05:27)
7. Fire Within (04:55)
8. Warbird (05:23)
9. What About Me (04:20)
10. Etude Jongleur (00:51)
11. The Gleeman (06:23)

Frühe Geschichten von König Arthur & Co.

Heutzutage gibt es wohl kaum jemanden, der sie nicht kennt – die US-Amerikanischen Power Metaller von KAMELOT. Spätestens unter der Führung von Roy Khan, der ab 1998 für den Leadgesang zuständig war und den Stil der Band entscheidend mitprägte; preschte die Band langsam aber sicher in den Genre-Olymp vor. Eben weil KAMELOT schon immer etwas anders klangen als viele ihrer internationalen Genre-Kollegen – sowohl auf der musikalischen als auch der inhaltlichen Ebene. Doch gab es auch eine Zeit davor, respektive eine Zeit in der sich die Band erst noch finden sollte – immerhin wurde sie bereits 1991 gegründet. Das erste handfeste Lebenszeichen; oder positiv ausgedrückt der erste wichtige Meilenstein aus jener Zeit ist dabei das Studioalbum ETERNITY aus dem Jahre 1995. Wenngleich man nun jedoch annehmen könnte oder müsste, das KAMELOT bereits derart früh aus dem Vollen schöpften; liegt man dezent falsch – ETERNITY klingt zwar nicht unbedingt Genre-typisch, aber insgesamt doch alles andere als ausgefeilt.

Das hat mehrere Gründe – von denen einer im frühen, damals längst nicht perfekten Lineup der Band zu finden ist. Vor allem Leadsänger Mark Vanderbilt hat auf dem Debütalbum nicht gerade eine Glanzleistung abgeliefert – sodass ausgerechnet der für eine Band wie KAMELOT so wichtige Gesang samt der transportierten Inhalte und Botschaften das schwächste Element von ETERNITY markiert. Aber auch sonst, und selbst für Band-Mastermind Thomas Youngblood galt hier noch eher: gute Ansätze wurden präsentiert, doch die theoretische (und später glücklicherweise verwirklichte) Ausbaufähigkeit überstrahlte vieles. Titel wie der Rausschmeißer THE GLEEMAN fungieren hier als Paradebeispiele: grundsätzlich wuchtig und mit einer leicht progressiven Note inklusive eines markanten tempo-Wechsels versehen; gleiten KAMELOT hier letztendlich ins musikalische Nirgendwo. Das gilt sicher auch für eine Ballade wie WHAT ABOUT ME – die aufgrund des hier noch im Vordergrund stehenden Leadgesangs erst Recht nicht zünden will.

Immerhin: der eher schroffe, wenn man so will gar düstere Soundeindruck sowie die gediegene Spielart ohne großartige Schnörkel (und einem dezenten, stets wohlklingenden Einsatz des Keyboards) klingt selbst auf dem Debüt anders als vieles, was man sonst vom Genre gewöhnt ist. Für Alleinstellungsmerkmale haben KAMELOT also schon früh gesorgt. Problematisch ist dabei nur, dass ETERNITY den Hörer kaum zu packen vermag. Die 11 Titel fühlen sich letztendlich sogar verdächtig gleichförmig an, der eher schwache Leadgesang und das solide aber doch harmlose Spiel der Instrumente kann einfach nicht für Aufsehen sorgen. Speziell das doch sehr repetitiv erscheinende Riffing und die generell fehlende Variabilität könnten früher oder später für Verdruss sorgen. Denn: keiner der hier präsentierten Titel will auch nur ansatzweise aus der Masse der 11 (oder 10, abzüglich des Interludes) hervorstechen.

Absolute Anspieltipps: /


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„Ein eher lauwarmer Auftakt.“