Metal-CD-Review: HEAVENLY – Virus (2006)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: AFM

Lineup:

Ben Sotto – Gesang
Charly Corbiaux – Gitarre
Olivier Lapauze – Gitarre
Matthieu Plana – Bass
Thomas Das Neves – Schlagzeug

01. The Dark Memories
02. Spill Blood On Fire
03. Virus
04. The Power & Fury
05. Wasted Time
06. Bravery In The Field
07. Liberty
08. When The Rain Begins To Fall
09. The Prince Of The World

Auf, auf zum vierten Streich.

Vorwort: Nach einem vielversprechenden Debütalbum (Review) und zwei schieren Meisterwerken, die bis heute ihresgleichen suchen (SIGN OF THE WINNER, DUST TO DUST) schickte sich die französische Combo HEAVENLY 2006 an, das nächste Meisterstück zu kredenzen. Doch dieses Mal waren einige Änderungen zu verzeichnen: nicht nur das Label wurde gewechselt, sondern teilweise auch die Besetzung. Olivier Lapauze sprang für Frédéric Leclercq an der Gitarre ein, Thomas Das Neves übernahm Maxence Pilo’s Rolle als Drummer, und Pierre-Emmanuel Pélisson wurde durch Matthieu Plana am Bass ersetzt. Demnach blieben der Band also nur zwei der alten Bandmitglieder: Ben Sotto (gewiss, ohne ihn wäre HEAVENLY nicht mehr HEAVENLY) und Charly Corbiaux an der Gitarre. Wie aber würden sich diese Tatsachen auf den Sound von HEAVENLY auswirken, der im Laufe der Jahre immer mehr an Bekanntheit und Beliebtheit zugenommen hat ? Würden sie es vollbringen, den meisterlichen Vorgänger (bis heute eines der besten Power Metal-Alben überhaupt) nochmals zu toppen und Fans aller Herren Länder zufriedenzustellen ? Die Antwort liegt im folgenden verborgen.

Kritik: Dieses Mal investiert man keine Zeit in ein Intro – sodass HEAVENLY mit dem Opener THE DARK MEMORIES sofort voll durchstarten können. Eines fällt im Vergleich zum Vorgänger sofort auf: die fulminante Kraft, die enorm antreibende Wirkung der Band hat es auch auf den Nachfolger geschafft – wenn auch in einer etwas anderen Form als gedacht. So ist der Sound nunmehr als deutlich härter und vielleicht auch gradliniger zu bezeichnen – während man nach wie vor ein großes Augenmerk auf die schon immer vorhandenen Stärken der Band legt. Diese liegen, und das ist kein Geheimnis; eindeutig im markanten Leadesang und dem fulminanten Gitarrenspiel im Rhythmus- und Solibereich. Analog zum abermals etwas erwachseneren, teils auch düsteren und getrageneren Sound der Band zünden einige der Titel nicht mehr sofort – sondern erst nach mehreren Durchlaufen. SPILL BLOOD ON FIRE etwa markiert ein eben solches Beispiel – braucht es durchaus etwas Zeit, sich in den Gehörgängen festzusetzen. Das macht allerdings nichts – zeigt es einmal mehr auf, dass der Sound respektive die Entwicklung des Sounds von HEAVENLY niemals stillzustehen scheint, und man als Hörer mit jedem neuen Album auch eine neue Reise beginnt. Eine Reise mit alten Weggefährten, versteht sich – aber zu jeweils neuen Orten.

Es folgt der Titeltrack VIRUS, der abermals HEAVENLY’s musikalische Entwicklung deutlich macht. Ein zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftiger Auftakt mündet in einem enorm wandelbaren musikalischen Stück voller Kraft und Ausdruck – bei dem alles vorherrscht, nur keine Langeweile. Im Gegenteil, gerade dadurch dass Leadsänger Ben Sotto nun auch öfter in tieferen Lagen unterwegs ist; kommt man nicht umher eine gewisse emotionale Bindung aufzubauen, ja regelrecht jedes seiner gesungenen Worte mitzufühlen – und sich so noch mehr in die Kompositionen der Band zu verlieben. Auch die teils etwas weniger spektakulären Passagen stören hier nicht, oder anders gesagt: das Gesamtbild stimmt noch immer, auch wenn es sich leicht verändert hat. Aber auch Freunde des früheren HEAVENLY-Sounds sollen auf diesem Album zufriedengestellt werden – etwa mit dem markanten THE POWER AND FURY, welches hinsichtlich der an den Tag gelegten Kraft und Spielfreude kaum zu überbieten ist. Und wie sieht es mit WASTED TIME aus ? In der Tat erinnern bereits die ersten Töne an vorangegangene musikalische Taten – genauer gesagt wird hier am ehesten das legendäre Debütalbum heraufbeschworen. Danach, und sobald die volle Instrumentation einsetzt und auch noch ein gewisser Toni Kakko hinzustößt um einige gut gelaunte Gast-Vocals abzuliefern; steht es alsbald fest: HEAVENLY haben sich wieder einmal selbst übertroffen. Hier stimmt wirklich alles, ein etwas gemäßigterer Anspruch wird mit kraftvollen Elementen und einer großen Portion Melodie vermengt.

Mit dem brachialen BRAVERY IN THE FIELD folgt dann abermals eine der Nummern, die direkt ins Ohr geht und dort für eine lange Zeit verweilt. Und das nicht zuletzt durch den kongenialen Refrain und die immer wieder markante Wechselwirkung aus eingängigen und etwas technischeren Passagen. LIBERTY ist ein weiterer Anwärter auf eine der potentiellen Alben-Hymnen – doch kann dieses Ziel nicht wirklich erreicht werden, dafür bleibt es dann doch etwas zu unspektakulär. Als recht diskutabel erweist sich dann auch die Cover-Version zu WHEN THE RAIN BEGINS THE FALL. Hier muss man selbst entscheiden, wie man zu den erstmals spürbar überzogenen Keyboardklängen, dem zusätzlichen weiblichen Gastgesang (mit relativem, man muss es leider sagen; Schnulzencharakter) und dem nicht unbedingt grandios klingenden Refrain steht. Auf der regulären Version des Albums bleibt Fans der Combo damit nur noch der Rausschmeißer THE PRINCE OF THE WORLD – in dem Ben Sotto erneut seine mannigfaltige Stimmkraft unter Beweis stellen kann. Ist man in Japan zuhause oder hat sich die entsprechende Version gesichert, kommt man noch in den Genuss von zwei weiteren Titeln: THE JOKER und SPILL BLOOD ON FIRE in einer japanischen Fassung. Ersterer Titel überzeugt als enorm Metal-lastige Nummer mit einem starken Gastgesang und dominanten Riffs, zweiterer dagegen kann relativ einwandfrei als überflüssig abgestempelt werden. HEAVENLY auf japanisch klingen eben nicht mehr ganz so gut – und ganz so sehr muss man es den Fans im Osten nun auch nicht wieder Recht machen.

Fazit: Mit VIRUS haben HEAVENLY zweifelsohne ein weiteres Meisterstück in ihrer Diskografie abgeliefert. Vielleicht kein gänzlich unantastbares und zeitloses wie der Vorgänger – aber dennoch. Die gesteigerten progressiven Anleihen, die noch technischeren Soli und die teils etwas düstereren Stimmungen gesellen sich perfekt zu den alten Stärken der Band; und münden in einem abermals enorm abenteuerlichen, überraschenden, musikalisch absolut überzeugenden Album mit einem der außergewöhnlichsten Leadsänger nicht nur des Genres – sondern überhaupt. Was, ja was soll aus dieser Band noch werden – wenn nicht eine der besten Power Metal-Combos aller Zeiten ? Man darf gespannt sein.

Anspieltipps: THE POWER AND FURY, WASTED TIME, BRAVERY IN THE FIELD, THE PRINCE OF THE WORLD

Metal-CD-Review: HEAVENLY – Dust To Dust (2004)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: Sanctuary

Lineup:

Charley Corbiaux (Gitarre)
Frédéric Leclercq (Gitarre)
Maxence Pilo (Drums)
Pierre-Emmanuel Pélisson (Bass)
Ben Sotto (Gesang, Keyboard)

01. Ashes To Ashes…
02. Evil
03. Lust For Life
04. Victory (Creatures Of The Night)
05. Illusion part I
06. Illusion part II (The Call Of The Wild)
07. The Ritual
08. Keepers Of The Earth
09. Miracle
10. Fight For Deliverance
11. Hands Of Darkness
12. Kingdom Come
13. … Dust To Dust

Kann man Perfektion noch steigern ?

Vorwort: Gute zweieinhalb Jahre nach dem fulminanten zweiten Album der Franzosen von HEAVENLY, SIGN OF THE WINNER (Review) erschien 2003 der Nachfolger DUST TO DUST. Nachdem die Band bereits einen weiten Fankreis um sich scharen und bereits viele positive Kritiken einfahren konnte, sollte mit dem dritten Album noch einmal alles getoppt werden. Die Chancen dafür standen zweifellos gut – konnten die Franzosen zuvor schlagkräftig beweisen, dass sie weit mehr sind als eine Imitation anderer Bands. Ein Cover-Artwork der hochqualitativen Art weist auf den potentiell enthaltenen Inhalt hin, es wird sich wieder um die ‚ganz großen‘ Themen drehen – ein Fest für Power Metaller und solche, die es gerne werden wollen. Nun, ist eine gewisse Affinität bereits vorhanden, sollte man dem jeweiligen Aspiranten vielleicht einen Silberling wie diesen in die Hand drücken – es wird sich bezahlt machen.

Kritik: Begonnen wird mit dem Intro ASHES TO ASHES, welches zunächst etwas merkwürdig anmutet. Zu hören sind mit Hall-Effekten versehene Trittgeräusche, entferntes Gemurmel… Ungewissheit macht sich breit. Später steigt eine ganz und gar dämonische Stimme mit ein, und verkündet dem Hörer das drohende Unheil – ein überraschendes Intro, welches zumindest seine Wirkung nicht verfehlt und eine bedrohliche Stimmung etabliert. Doch dann geht es über in den Opener EVIL – und man kann nicht anders, als sprach- und bewegungslos dazusitzen. Was für eine mannigfaltige Kraft, was für ein Ausdruck. Die äußerst lebendigen Drums rattern nur so durch die Szenerie, die Gitarren sind noch präsenter und spritziger als auf dem ohnehin schon guten Vorgäner, Leadsänger Ben Sotto begrüßt die Fangemeinde / die musikalischen Neueinsteiger erneut mit seinem außergewöhnlichen Organ. Und tatsächlich wird schnell offenbart, dass HEAVENLY es bereits mit diesem Opener geschafft haben: sie gehen noch einen bemerkenswerten Schritt weiter, und verbessern sich abermals. Und das, obwohl das Vorgängeralbum schon ein solches allererster Güteklasse war. Nun aber wirken HEAVENLY noch ein stückweit erwachsener und scheinen die symphonischen Elemente durch einen etwas progressiveren Anspruch zu ersetzen – was tadellos funktioniert, und in einer beeindruckenden Soundkulisse mündet. Denn noch immer ist eine markante Eingängigkeit vorhanden, die 6 Minuten vergehen wie im Flug und lassen den Hörer in einem positiven Sinne verdutzt zurück.

Es folgt das ebenfalls leicht progressiv angehauchte LUST FOR LIFE, welches abermals perfekt arrangiert ist und beweist, dass HEAVENLY auf der allerhöchsten Metal-Wolke schweben. Solche Kompositionen können nur aus höheren Gefilden kommen, sollte man meinen – tatsächlich legen sie so endgültig jegliche Vergleiche mit anderen Bands ad acta und preschen zielstrebig voran, hin zur umkämpften Spitze des Power-Metal-Genres. Schließlich sollten nunmehr selbst jene, die sich mit dem etwas ‚verträumten‘ Sound des Vorgängers nicht immer anfreunden konnten, endgültig überzeugt werden können. Die schmermetallischen Anteile sind deutlich gestiegen, beziehungsweise stehen deutlicher im Fokus – die Folge ist ein Headbang-Potential welches seinesgleichen sucht. Ben Sotto singt nun auch vermehrt im tiefen und aggressiven Bereich, sodass seine Darbietung noch vielfältiger erscheint – gepaart mit seinem enormen Talent und der einzigartigen Stimme ergibt sich ein außerordentliches Alleinstellungsmerkmal, ein weiterer Garant für Qualität. Doch auch seine Vorliebe für (ganz) hohe, ‚liebliche‘ Lagen bekommt man serviert, wie im folgenden VICTORY – CREATURE OF THE NIGHT. Hierbei handelt es sich um eine wunderbare Halb-Ballade – zu Beginn, doch was danach abgefackelt wird ist an Kraft nicht zu überbieten. ILLUSION PART I fungiert mit seinen 2 Minuten Laufzeit als stimmiges Interlude, welches eine gewisse Aufbruchstimmung etabliert; sich danach aber auch als eigenständiger Track beweist. Wo soll das noch enden…

Nun, erst einmal im folgenden Stück, ILLUSION PART II – CALL OF THE WILD. Eine Tatsache, die beinahe ohne Worte auskommt, ist verständlicherweise schwer zu beschreiben. Man sollte sich zurücklehnen und die feilgebotene Kost genießen – etwas besseres wird man aus dem Jahre 2004 nicht finden, auch darüber hinaus erscheinen Vergleiche fraglich. Antreibende Strophen, ein fesselnder Text und… ein Refrain, der diese Bezeichnung mehr als verdient hat lassen den Titel zu einem weiteren absoluten Highlight des Albums avancieren. Wohlgemerkt, hier handelt es sich um eine der eingängigeren Nummern – der progressive Anspruch schimmert nur noch ganz leicht durch, es wird vermehrt auf eine mitreißende Wirkung gesetzt. THE RITUAL ist ein weiteres Interlude, dieses Mal nur aus symphonisch-akustischen Klängen und einer Art Chorgesang im Hintergrund. So entsteht Atmosphäre – die als Überleitung zum ebenfalls verdammt grandiosen KEEPERS OF THE EARTH fungiert. Was auf dem Vorgängeralbum mit THE WORLD WILL BE BETTER begann, wird nun in vollendeter Perfektion fortgeführt – der munter galoppierende Drumming-Part und der angenehme Gesang führen den Hörer schnell zum Refrain, bei man sich gedanklich auf einem Hügel wiederfinden wird, die Arme ausgestreckt. MIRACLE lebt vor allem von seinen versierten Gitarren-Arrangements und einem vermehrt progressiven Anspruch, ständige Tempo- und Stimmungswechsel garantieren einen hohen Unterhaltungswert. Der Refrain könnte gar einer Ballade entsprungen sein – doch hier handelt es sich um zutiefst ehrliche, ungekünstelte, perfekt transportierte Gefühle und Aussagen; und somit um alles andere als Kitsch oder Schmalz.

Bis hierhin ist das Album bereits über jeden Zweifel erhaben – doch unglaublicherweise schleichen sich auch zum Ende hin keine Lückenfüller oder Längen ein. Im Gegenteil, FIGHT FOR DELIVERANCE ist eine weitere schöne Hymne, gekennzeichnet durch eine sehr energetische Herangehensweise und eine perfekte Ausführung. HANDS OF DARKNESS dagegen ist der erste und einzige reine Instrumental-Track, der nun erheblicher düsterer wirkt als alles zuvor gehörte. Doch auch hier bleiben die ein oder anderen epischen Aha-Momente nicht aus, sodass man selbst im Falle einer reinen Instrumentalnummer von einer Hymne sprechen kann – sofern sie von HEAVENLY kommt. KINGDOM COME ist ein epischer Brecher mit einer Spielzeit von 8 Minuten, der erneut alle Stärken der Band kombiniert; dabei aber immer noch verdammt frisch wirkt. Bleibt nur noch das Outro DUST TO DUST – welches ein weniger ruhiger daherkommt, um dem Hörer ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Was auch bitter nötig ist nach den vorangegangenen Stücken, die brachialer und wirkungsvoller nicht hätten ausfallen können. Doch auch hier kann man einfach nicht anders, als gegen Mitte / Ende doch noch einmal die Gitarren hinzuzuholen und das ganze wunderbar festlich enden zu lassen.

Fazit: DUST TO DUST ist nicht nur HEAVENLY’s bisher bestes Album, sondern auch eines der besten Power Metal-Alben aller Zeiten. Ja, so hoch kann und sollte man greifen – wer sich das Album (als absolutes Pflichtprogramm) erst einmal zugelegt hat, wird derartige Freudentänze nachvollziehen können. Jeder, der sich als Fan der Spielart des Power Metals bezeichnet, muss hier einfach zugreifen, sofern noch nicht geschehen. Man verneige sich vor den Franzosen – und danke ihnen für dieses großartige musikalische Geschenk.

Anspieltipps: EVIL, LUST FOR LIFE, VICTORY, ILLUSION PART II, KEEPERS OF THE EARTH, MIRACLE, FIGHT FOR DELIVERANCE

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Metal-CD-Review: HEAVENLY – Sign Of The Winner (2001)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: Sanctuary/Noise/T&T

Lineup:

Charley Corbiaux (Gitarre)
Frédéric Leclercq (gitarre)
Maxence Pilo (Drums)
Pierre-Emmanuel Pélisson (Bass)
Ben Sotto (Gesang, Keyboard)

1. Break The Silence
2. Destiny
3. Sign Of The Winner
4. The World Will Be Better
5. Condemned To Die
6. The Angel
7. Still Believe
8. The Sandman
9. Words Of Change
10. Until The End

Heavenly ganz im Zeichen des Siegers.

Vorwort: Nach dem im Jahre 2000 erschienen Debütalbum der Franzosen von HEAVENLY dauerte es nicht allzu lange, bis man einen Nachfolger an den Start brachte. SIGN OF THE WINNER erschien 2001, und sollte relativ nahtlos an den Überraschungseffekt des Vorgängers anknüpfen. Doch sollten dieses Mal auch vermehrt eigene Wege gegangen werden – schließlich brachte der Vorgänger zahlreiche aufkommende Vergleiche zu legendären deutschen Combos wie HELLOWEEN oder GAMMA RAY mit sich. Was im übrigen auch kein großes Wunder ist – wirkten doch ausgerechnet ein gewisser Piet Silk sowie Kai Hansen auf der Platte mit. In jedem Fall hallen fulminant-zeitlose Titel wie TIME MACHINE bis heute nach – wobei auch das vorliegende SIGN OF THE WINNER einiges an Qualität zu bieten hat.

Kritik: SIGN OF THE WINNER beinhaltet insgesamt 10 Tracks – den Auftakt markiert dabei das wandlungsfähige, knapp 4 Minuten lange Intro BREAK THE SILENCE. Begonnen wird mit einer dezenten, leicht apokalyptisch wirkenden Geräuschkulisse; die sinngemäß die Ankunft der Band aus höheren Gefilden verlautbaren lässt. Jedoch erfährt der Track noch zwei Wandlungen: die erste mündet in einem atmosphärischen Intermezzo aus symphonischen Elementen und einer Akustikgitarre, die zweite fügt die markanten Gitarren und letztendlich auch die unterstützenden Drums mit in das stimmige Gesamtbild ein. Gut ist, dass man in diesem Fall noch auf den Gesang verzichtet, sodass der langsame Aufbau und die spannende Entwicklung bis hin zum Finale umso effektiver gelingt. Dann folgt auch schon der Opener DESTINY, der erst einmal einen kleinen Bremsklotz in Richtung der anfangs etablierten Stimmung wirft. Schwere Riffs dominieren das Klangbild, erst nach etwa einer Minute setzt die brachiale Uptempo-Instrumentation ein – und HEAVENLY zelebrieren erneut eine Art Musik, die perfekt auf ihren Bandnamen zugeschnitten zu sein scheint. Wieder einmal als verdammt auffällig und als wahrer Meister der hohen Stimmlagen stellt sich Ben Sotto heraus, der Leadsänger von HEAVENLY – der sich im Vergleich zum Debütalbum noch ein gutes Stück weiterentwickelt hat. Nun stören auch keine übertriebenen Hall-Effekte mehr, der Sound wirkt insgesamt deutlich runder und natürlicher.

Ganz gewiss haben sich die Franzosen auch sonst enorm weiterentwickelt – der Charme des Debütalbums weicht nun endgültig einer fulminant-brachialen Soundkulisse, die allerlei Stärken aufweist und sofort ins Ohr geht. Die statten Gitarren, der markante Gesang, der druckvolle Bass, die exzellenten Drums, die perfekte Abmischung – HEAVENLY hieven ihr Konzept klar auf die nächste Ebene. Fans von gutem alten Oldschool-Power Metal der Marke HELLOWEEN (um diesen Vergleich trotz allem doch noch einmal anzuberaumen) werden begeistert sein – und in Titeln wie dem folgenden SING OF THE WINNER eine Über-Hymne der besonderen Art vorfinden. Ein toller Gesang, stimmige Backing-Vocals, fette Melodien und rassige Metal-Elemente – hier werden Fanherzen höher schlagen, und das nicht nur aufgrund der Frequenz des Drumming-Parts. Noch epischer respektive erhabener wird es in THE WORLD WILL BE BETTER, einer weiteren Hymne der Extraklasse. HEAVENLY gehen wunderbar gut gelaunt und voller Spielfreude zu Werke – die Arrangements der Gitarren und die energetischen Strophen, die gekonnt Lead- und Backgroundgesang kombinieren, überzeugen auf Anhieb. Ohne Zweifel erschaffen HEAVENLY hier ganz große, zeitlose Hymnen – die Spaß machen, aber eine gewisse Ernsthaftigkeit ebenfalls nicht vermissen lassen. Der kompositorische Anspruch, die textlichen Inhalte und das Gespür für ganz große, unverbrauchte Melodien sprechen hier für sich. Es folgt CONDEMNED TO DIE, eine Nummer, bei der ebenfalls von der ersten Sekunde an die Fetzen fliegen. Das Gitarrenspiel ist außergewöhnlich, und auch im Soli-Part über jeden Zweifel erhaben. Das ist Power Metal, wie er im Buche steht.

Interessant wird es mit dem nun folgenden THE ANGEL, welches eigentlich kein eigenständiger Titel ist – sondern vielmehr als Anschauungsmaterial fungiert, wenn es um die Fähigkeiten des Leadsängers Ben Sotto geht. Es ist der pure Wahnsinn, was der Mann hier abliefert – ständig variiert er zwischen den Höhen, erreicht dabei extreme Lagen und serviert stilsichere Screams am laufenden Band. Das unglaubliche: HEAVENLY erschaffen mit beinahe jedem Titel eine weitere Hymne, ohne sich dabei in bemerkenswertem Maße zu wiederholen. So ist auch STILL BELIEVE ein solches Teil voller brachialer Urgewalt und einer verdammt melodieverliebten Struktur – gleichzeitig wird man hier die wohl eindrucksvollsten Strophen des gesamten Albums vorfinden, sowohl inhaltlich als auch musikalisch. Der Refrain setzt einen weiteren Akzent, Ben Sotto und die Gitarren mischen ordentlich mit und verleihen dem Titel die typische HEAVENLY-Note. Es folgt THE SANDMAN – wobei die hier dargebotene Melodie stark an das vorangegangen THE ANGEL erinnert, welches nun in  einem vollwertigen Titel fortgesetzt wird. Doch wer hier an eine Ballade denkt (das böte sich nach der ersten Minute an), wird überrascht sein. Auch hier schöpfen HEAVENLY erneut aus dem Vollen und bieten hochqualitative Kost, die sich einfach nicht abnutzt. WORDS OF CHANGE und UNTIL THE END runden das Album nach oben hin ab, auch wenn der ganz große Überraschungsmoment hier längst verflogen ist. Gerade zum Ende hin steigern sich HEAVENLY noch einmal deutlich hinsichtlich ihrer Wandlungsfähigkeit, und kredenzen in knapp 9 Minuten alles, was das Genre zu bieten hat.

Fazit: HEAVENLY sind auf SIGN OF THE WINNER auf dem (bisherigen) Höhepunkt ihrer Karriere. Das Album wird von einer extravaganten Spielfreude dominiert, die Ideen scheinen nur so zu sprudeln – und dennoch kommt der metallische Anspruch nicht zu kurz. Extrem melodische Gitarren, ein sich über alle Maßen verausgabender Ben Sotto und zutiefst überzeugende Songstrukturen – das sind HEAVENLY aus Frankreich, die viel mehr können als als bloße ‚Kopie‘ zu fungieren. Das haben sie spätestens mit diesem Album bewiesen – welches besser nicht hätte ausfallen können. Sicher, eine gewisse Vorliebe sollte man schon mitbringen; beispielsweise eine für einen außergewöhnlichen Gesang – doch dafür gibt es Hörproben. Wer in der Stimme von Ben Sotto kein Hindernis sieht, wird auf SIGN OF THE WINNER genau das bekommen, was der gemeine Power Metaller erwartet. Markante Melodiebögen, symphonische Elemente, fette Blastbeats und einen generell up to the sky gehenden Songanspruch. Wie man es auch dreht und wendet: HEAVENLY are epic beyond your wildest dreams, und bieten gewiss keine Musik für ‚Weicheier‘. Wer sich nicht zu fein ist, schüttelt auch hier ordentlich seinen Kopf – oder träumt einfach nur vor sich hin. The world will be better… und dies ist der Soundtrack dazu.

Anspieltipps: SIGN OF THE WINNER,  THE WORLD WILL BE BETTER, STILL BELIEVE, UNTIL THE END

Metal-CD-Review: HEAVENLY – Coming From The Sky (2000)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: Noise Records

Lineup:

Ben – Gesang
Max – Drums
Laurent – Bass
Chris – Gitarre

1. Coming from the Sky
2. Carry your Heart
3. Riding through Hell
4. Time Machine
5. Number One
6. Our only Chance
7. Fairytale
8. My Turn will come
9. Until I Die
10. Million Ways

Zeitloser Oldschool Power Metal aus Frankreich.

Vorwort: HEAVENLY – das ist eine Band, mit der man rechnen muss wenn es um gut gemachten Power Metal der traditionellen Spielart geht. Nach einer Demo (1998) und einer Single (2000) war es für die bereits 1994 gegründete Band alsbald soweit, das erste Studioalbum auf den internationalen Markt zu werfen. COMING FROM THE SKY heißt das gute Stück, welches zumindest in der Standard-Version 10 Titel beinhaltet – und mit einem ungewöhnlichen, nicht unbedingt direkt ansprechenden Cover-Artwork ausgestattet ist. Zumindest lässt selbiges sowie natürlich auch der Bandname an sich eine Frage entstehen: würde die Musik von HEAVENLY tatsächlich so himmlisch sein wie angedeutet ? Heute (2012) und nach insgesamt 5 Studioalben weiß man: in der Tat handelte sich nicht bloß um ein leeres Versprechen. So könnte man durchaus behaupten, dass die Kompositionen von HEAVENLY tatsächlich aus höheren Sphären stammen – was auch immer das bedeuten mag. Fest steht: wer nichts gegen eine gehörige Portion Kitsch (je nach Standpunkt und Geschmack) und einen Leadsänger der eher besonderen Art einzuwenden hat; sollte mindestens mal in eine HEAVENLY-CD reinhören. Schließlich singt Benjamin ‚Ben‘ Sotto in einer außergewöhnlichen hohen Stimmlage, und entwickelt gerade dadurch einen enorm hohen Wiedererkennungswert.

Kritik: Los geht es mit einem Intro, der gleichzeitig als Titeltrack fungiert – COMING FROM THE SKY. Bereits hier muss man sagen: nicht schlecht, Herr Specht; beziehungsweise nicht übel, HEAVENLY. Ein symphonisches Intermezzo, perfekt mit einigen Gitarren abgemischt; sorgt für einen geradezu filmreifen Auftakt und eine riesige Portion Atmosphäre. Ein Knall markiert den Übergang zum eigentlichen Opener CARRY YOUR HEART – in dem sich der Sound der Franzosen erstmals vollständig offenbart. HEAVENLY spielen einen Power Metal der guten alten Schule, also etwa im Stile der früheren HELLOWEEN-Scheiben – doch agieren sie keinesfalls als bloße Kopie. Man braucht dem Sound schließlich nicht allzu lange lauschen um festzustellen, dass sie definitiv einen ganz eigenen Stil an den Tag legen – einen wenn man so ureigenen Stil und einen Sound, der sofort ins Ohr geht. Markant ist die zutiefst melodische Struktur, der versierte Gitarreneinsatz, der angenehme Gesang – und der absolute gute-Laune-Refrain, der Kritikern mit Leichtigkeit klar macht: Metal muss nicht immer ‚böse‘ klingen. RIDING THROUGH HELL ist die nächste Nummer, die abermals vom starken Leadgesang lebt, sonst aber dezent hinter dem Opener anstehen muss. Die Chorgesänge wirken nett, doch ein richtiger Drive mag trotz der flotten Instrumentation nicht entstehen. Immerhin fällt der Soli-Part gelungen aus, wie auch die markante Zwischenpassage gegen Mitte respektive Ende. 

Doch nun ist es an der Zeit für einen Titel, der prägnanter nicht hätte ausfallen können. TIME MACHINE ist das absolute Aushängeschild des Debütalbums – und in jeder Hinsicht ein starkes Stück. Es kommt nicht von ungefähr, dass Piet Sielck und Kai Hansen als Gäste auftreten – doch auch ohne sie wäre dieses Teil eine zeitlose Hymne von enormen Wert und enormer Qualität geworden. Ein flott-antreibender Drumming-Part, fetzige Riffs und der perfekt arrangierte Gesang lassen schnell eine regelrechte Gänsehaut-Atmosphäre entstehen, die nur noch vom schmetternden Refrain getoppt werden kann. Aber auch das folgende NUMBER ONE ist alles andere als ein Aus- oder Reinfall. Sofort wird man von den treibenden Beats in den Bann gezogen, es braucht gar keine weiteren Spielereien – auch wenn die dezenten Keyboard-Elemente durchaus zünden. Der erneut epische Refrain mit dem markanten Chorgesang der Marke HEAVENLY, sowie ein herausragender Benjamin Sotto als Leadstimme lassen nur einen Schluss zu: das ist Power Metal in seiner Perfektion. Auffällig auch, dass die einzelnen Titel eine jeweils recht lange Spieldauer aufweisen – das folgende OUR ONLY CHANCE bringt es ebenfalls auf gute 7 Minuten. Hier werden deutlichere Parallelen zu Bands wie HELLOWEEN offensichtlich – doch bei einem derart unverwechselbaren Gesang kann man nur von einem neuen, inspirierenden Werk sprechen. Ein weiterer Mitsing-Refrain und geradezu surreal anmutende Gesangspassagen in den höchsten Tönen machen Laune, lediglich die Instrumentation der Strophen wirkt etwas langatmig. Dafür gibt es zum Ausgleich aber einen deutlich schnelleren Uptempo-Part gegen Mitte serviert, der – wieder einmal – zeitloser nicht hätte ausfallen können.

Eine kleine Überraschung bietet das nun folgende FAIRYTALE – es handelt sich lediglich um ein kurzes Interlude von gerade einmal 32 Sekunden Dauer. Viel lässt sich darüber nicht sagen – teilweise wirkt es etwas fehl am Platze beziehungsweise fügt sich nicht perfekt in den Kontext der Titel ein – andererseits lädt es zum kurzweiligen Träumen ein und erzeugt eine bemerkenswerte Stimmung. MY TURN WILL COME bietet dann einen weiteren kultverdächtigen Refrain als Highlight an, und ist auch sonst ausnahmslos gut gestrickt. Langeweile kommt keine auf – HEAVENLY halten die Flagge des Power Metals hoch, und marschieren  munter voran, auch gegen Ende des Albums. So ist auch UNTIL I DIE eine gelungene Nummer mit typischen HELLOWEEN-Qualitäten, doch die äußerst gefühlvollen Refrains und geradezu festlichen Passagen machen aus diesem Titel noch viel, viel mehr. Es lohnt sich, auf Entdeckungsreise zu gehen. Das abschließende MILLION WAYS bietet zwar nicht mehr viel neues, trägt aber doch einiges zu einem knackigen Finale bei. Dieses findet indes noch nicht statt, ist man in Besitz der Bonus-Edition des Albums, welches noch mit 2 zusätzlichen Titeln ausgestattet ist – das witzig-unterhaltsame / absichtlich übertriebene DEFENDER und die wunderschöne Halb-Ballade PROMISED LAND. Welcher von beiden nun gelungener ausgefallen ist, ist schwer zu sagen – eher sind es beide. Sieht man sie als Teil des Albums, fungieren sie gar als die stärksten, direkt nach Brechern wie TIME MACHINE.

Fazit: Ein Klassiker – HEAVENLY’s COMING FROM THE SKY sollte in keiner gut geordneten Metal-Sammlung fehlen. Minimal störend ist die noch nicht perfekt ausgereifte Produktionsqualität, die sich einerseits in einem etwas schwachbrüstigen Sound und stellenweise übertriebene Halleffekten im Gesang widerspiegelt – andererseits aber für einen gewissen Retro-Charme sorgt. Ansonsten gilt: hier stimmt einfach alles, von den Instrumenten über die Inhalte bis hin zum Gesang. Wenn man schon ein Album mit dem Prädikat zeitlos attribuieren wollte, dann doch dieses – gleich nach den früheren Kult-Klassikern von HELLOWEEN oder GAMMA RAY. Denn genau in diesen Pfaden bewegen sich auch HEAVENLY – doch erfinden sie dabei das Rad tatsächlich neu (!) und bieten alles andere als schon tausendmal gehörte Kost. Große Emotionen treffen auf perfekte Arrangements und eine außergewöhnliche Singstimme – HEAVENLY machen einfach alles richtig. Dass sie dabei ‚Vorbilder‘ wie Kai Hansen unterstützen,  macht die Sache nur noch spannender. Das absolute Highlight TIME MACHINE wird so auf ewig von diesen guten alten Metal-Zeiten berichten und (hoffentlich) lange nachwirken. Und auch wenn Subjektivität oftmals wehtut: wer sagt, dass dieses Album zu weichgespült daherkommt oder der Sound von HEAVENLY nur für Weicheier bestimmt sei – der sollte sich besser in einem anderen Genre umsehen.

Anspieltipps: CARRY YOUR HEART, TIME MACHINE, MY TURN WILL COME, UNTIL I DIE, DEFENDER

Metal-CD-Review: HEAVENLY – Carpe Diem (2009)

Land: Frankreich – Genre: Power Metal

1.    Carpe Diem
2.    Lost In Your Eyes
3.    Farewell
4.    Fullmoon
5.    A Better Me
6.    Ashen Paradise
7.    The Face Of The Truth
8.    Ode To Joy
9.    Save Our Souls

„Trust in me my brother… and hear the Ode To Joy !“

HEAVENLY – was ist nur geschehen ? Wer die bisherigen Alben der Franzosen kennt, dem wird auf Carpe Diem so einiges bekannt; vieles aber auch wieder gänzlich… anders vorkommen. Glücklicherweise wird man aber feststellen können, dass es sich bei derlei Entwicklungen um einen musikalischen Reifeprozess handelt, der hier auf eine rundum gelungene neue HEAVENLY-CD gepresst und verewigt wurde. Zumal, und dies erscheint wichtig; die Jungs weder ihre Wurzeln verleugnen noch plötzlich käsige Popmusik fabrizieren würden. Wobei, vielleicht könnten manche genau das behaupten; speziell nachdem sie diese CD hier verköstigt haben. Mit einer Sache muss man sich schließlich arrangieren: die Zeit der „alten“ HEAVENLY ist vorüber – es leben die neuen, beziehungsweise eine gänzlich neue musikalische Schaffensperiode. Eine, die ihre Anleihen nicht mehr nur im Bereich des klassischen Power Metals findet – sondern eher im Repertoire von Künstlern wie QUEEN sowie im Klassik-Bereich. Was genau allerdings beim merkwürdigen Cover-Artwork der Scheibe geschehen ist, das vermag wohl niemand so genau zu sagen. Ist die abgebildete Szene im Sinne einer Emanzipationsaufforderung im Zusammenhang mit dem Leitspruch ‚Lebe den Tag‘ (jeder sollte den Tag genießen, unabhängig davon wer er ist und wie er fühlt) zu verstehen ? Oder ist des Rätsels Lösung doch eine reichlich plumpere, frei nach dem Motto: wir brauchen endlich mal einen echten ‚Scharfmacher‘ für die Hauptzielgruppe, die aller Wahrscheinlichkeit nach männlichen Geschlechts ist… ? Nur eines ist dabei offensichtlich: dass das Cover dem musikalischen Inhalt kaum gerecht wird. Es gilt also die Devise: nicht abschrecken lassen, denn spätestens jetzt treten HEAVENLY langsam aber sicher in die Fußstapfen der Altmeister von QUEEN – auch wenn dieser Prozess noch ein paar weitere Tracks (und Tage) in Anspruch nehmen könnte.

Fans der Band werden schon bei den ersten Klängen des neuen Albums die unverwechselbare Stimme von Leadsänger Benjamin „Ben“ Sotto wiedererkennen, und sich im gleichen Atemzug bestätigt wissen: das hier ist ein Album von HEAVENLY, und von niemandem sonst. Schließlich gibt es bis dato so gut wie keine Vergleichsband. Sicher, es gibt Referenzen in Bezug auf die Spielart – aber die hier dargebrachte, äusserst variable Gesangsstimme ist schlicht einzigartig. Und das führt im Zusammenspiel mit einigen speziellen Samples, dem Klang der Instrumente und der beschworenen Melodien dazu, dass der typisch-markante Sound von HEAVENLY im Gesamtbild entsteht. Doch der Opener vermag es – leider – noch nicht wirklich, die Zuhörerschaft nachhaltig vom Hocker zu reißen. Und das trotz des Daseins als vermeintlich wuchtiger Titeltrack – Carpe Diem ist in jederlei Hinsicht dem gehobenen Mittelmaß, aber eben (noch) nicht der Spitzenklasse zuzuordnen. Ein paar nette Gesangseinlagen, ein paar nette Soli, ein wenig Abwechslung in Bezug auf die Instrumentalisierung… doch um eine Hymne handelt es sich zweifelsohne nicht. Und auch die Alleinstellungsmerkmale der Band treten hier noch nicht so gut in den Vordergrund – mit Ausnahme der Leadstimme natürlich (6/10). Das folgende Lost In Your Eyes beginnt da schon etwas fetziger und eingängiger, und vermag es fortan; ein nettes Zusammenspiel von Stimme und Metal-Elementen (vorrangig Drums und Gitarren, aber auch eine Art Synthie-Sound) zu gewährleisten. Mister Sotto darf hier schon ein wenig mehr aus dem Vollen schöpfen, und der Soli-Part gegen Mitte macht erst so richtig Laune. Und dennoch, ein wenig scheint auch dieser zweite Titel hinter den Erwartungen zurückzubleiben, wenn auch nur dezent (7/10).

Also gut, die Eingewöhnungszeit für die Hörerschaft, aber eben auch für die Band ist vorüber; und das ist auch gut so. Denn das was HEAVENLY da mit ihrem Farewell abliefern, grenzt schon fast an ein musikalisches Wunder. Und das nach dem vergleichsweise wenig spektakulären Start. Erstmals zeigt Mr. Sotto vollends, was in ihm steckt – und was für ein faszinierendes Organ er sein Eigen nennt. Von gemäßigten Tiefen bis in die unendlichsten Höhen, sein Spektrum ist wahrlich beeindruckend – und doch sind seine ‚Screams‘ keine wirklichen in dem Sinne. Vielmehr gehört dieser Extremgesang als Kunstform bei HEAVENLY einfach dazu. Aber nicht nur das – der gesamte Titel wirkt, als sei endlich ein würdiger Nachfolger für eine Band wie QUEEN gefunden. Hier findet sich einfach alles: verspielte Keyboard- und Gitarrenpassagen, leicht orchestral angehauchte Elemente, ein stimmiger Backgroundchor; unglaublich viele Variationen und Stimmungswechsel; und nicht zuletzt – ein gehörige Portion Emotionalität und Erhabenheit. Der Wahnsinn – man sollte sich unbedingt selbst Gehör verschaffen was das betrifft, auch wenn es sich sicher nicht um ein ‚konventionelles‘ Heavy Metal-Stück handelt (10/10). Fullmoon beginnt mit ein wenig Babygequake und daher leicht makaber, danach aber ‚rollt‘ sich der fluffige HEAVENLY-Instrumentalklang wieder großzügig aus und begeistert nachhaltig. Highlights bei diesem Titel sind der Refrain, sowie die darauf folgenden Passagen; während die Strophen im Vergleich schon beinahe ‚minimalistisch‘ gehalten sind (8/10). A Better Me ist dann wieder einer der ’neueren‘ HEAVENLY-Tracks, die einfach direkt zu Gefallen wissen. Ähnlich wie schon beim QUEEN-orientierten Farewell wird hier eine ähnliche Richtung eingeschlagen, doch das Tempo wird stellenweise noch etwas mehr angezogen. Ein satter Refrain, ansprechende Lyrics, eine Riesenportion Power und Innovation, ein wenig Verträumtheit hie und da – und ein sich verausgabender Sänger. Was will man mehr… (10/10).

Und wer denkt, dass die ‚alten Zeiten‘ generell vorbei sind, der hat sich ohnehin geschnitten. Denn das folgende Ashen Paradise ist ein waschechtes HEAVENLY-Brett, wie es im Buche steht. Für Fans und Neueinsteiger ist dieser Titel gleichermaßen empfehlenswert, denn dem unglaublichen Drive kann sich wohl so schnell niemand entziehen. Ein genialer Refrain und an das Vorgängeralbum Virus anschließende Klänge runden den Gesamteindruck perfekt ab (10/10). The Face Of Truth ist dann wieder einer der etwas bodenständigeren Titel, der mehr Kost für reine Metal-Heads bietet die mit den QUEEN-Passagen eventuell weniger anfangen können. Auch hier klingt die Band mehr als reif, versiert und stets auf dem Siedepunkt der Spielfreude (8/10). Und: muss man zum folgenden Ode To Joy tatsächlich noch etwas sagen ? Endlich einmal hat sich eine ernstzunehmende Power Metal-Band an diesem Beethoven-Stück versucht, und man muss doch wirklich sagen… das lässt sich hören. Mit einer großen Portion… genau, ‚Freude‘ sprengen HEAVENLY endgültig alle Genregrenzen und vergrätzen alle, die behaupten das Metal nicht ‚fröhlich‘ klingen darf. Pech gehabt, natürlich darf er das (10/10). Als Abschluss des relativ kurzen Albums dient dann nur noch Save Our Souls, ein Titel, der den anderen in nichts nachsteht (8/10).

HEAVENLY entwickeln sich weiter – ob das nun mit oder ohne expliziten Anleihen geschieht, es kann nur förderlich sein. Denn wer möchte schon auf der Stelle treten und ewig gleich klingen ? Exakt. Wer auf der Suche nach einem Power Metal der nicht nur außergewöhnlich guten, sondern auch außergewöhnlich avantgardistischen Art ist; der dürfte spätestens mit dem fünften Album der Franzosen von HEAVENLY fündig werden.