Metal-CD-Review: GLORYHAMMER – Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex (2019)

Alben-Titel: Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex
Band: Gloryhammer (mehr)
Veröffentlichung: 31. Mai 2019
Land: Großbritannien / Schottland
Spielart / Stil: Symphonic Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

The Hootsman, Astral Demigod of Unst – Bass
Ralathor, Mysterious Submarine Commander of Cowdenbeath – Drums
Ser Proletius, Grand Master of the Deathknights of Crail – Guitars
Zargothrax, Dark Emperor of Dundee – Keyboards, Vocals (additional)
Angus McFife XIII, Crown Prince of Fife – Vocals

Track-Liste:

1. Into the Terrorvortex of Kor-Virliath (01:18)
2. The Siege of Dunkeld (In Hoots We Trust) (04:46)
3. Masters of the Galaxy (04:25)
4. The Land of Unicorns (04:25)
5. Power of the Laser Dragon Fire (05:06)
6. Legendary Enchanted Jetpack (04:18)
7. Gloryhammer (05:00)
8. Hootsforce (03:50)
9. Battle for Eternity (03:52)
10. The Fires of Ancient Cosmic Destiny (12:33)

In boobs hoots we trust.

Ja, es ist wieder soweit – die Recken von GLORYHAMMER schwingen erneut ihre mächtigen Hämmer. Auf ihrem mittlerweile dritten Studioalbum mit dem dezent sperrigen Titel LEGENDS FROM BEYOND THE GLACTIC TERRORVORTEX inszenieren Frontmann Angus McFife (Thomas Laszlo Winkler) und sein Gefolge erneut einen feucht-fröhlichen Power Metal, der bei keinem zünftigen Elfenwald-Gelage fehlen sollte. Zumindest nicht, wenn man einer explizit augenzwinkernden Herangehensweise, wie sie Bandgründer Zargothrax (besser bekannt als Christopher Bowes) unter anderem auch bei seiner ursprünglichen Band ALESTORM geradezu zelebriert; nicht abgeneigt ist. Anders gesagt: allein die puren Titelbezeichnungen – wie etwa POWER OF THE LASER DRAGON FIRE oder LEGENDARY ENCHANTED JETPACK – lassen keinen Zweifel daran, dass es sich hier um eine nicht in jeder Hinsicht ernstzunehmende Power Metal-Combo handelt. Nicht in jeder Hinsicht, aber selbstverständlich – und glücklicherweise – in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk, die allgemeine Spielfreude und den aus einem Album wie diesem resultierenden Spaßfaktor. Nicht umsonst handelt es sich bei den bisherigen GLORYHAMMER-Alben TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE (siehe Review) und SPACE 1992 – RISE OF THE CHAOS WIZARDS (Review) um zwei durchaus bemerkenswerte Genre-Werke, die in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollten.

Wenn man sich dabei auch noch als Nerd bezeichnen würde, ist es umso besser – schließlich scheuen sich GLORYHAMMER nicht davor, eine eher heroisch angehauchte Fantasy-Sparte (wozu auch die dahingehend stilisierten Musikvideos passen) zu bedienen. Dass sie dabei natürlich auch mit allerlei gängigen Genre-Klischees um sich werfen, gehört quasi zum guten Ton – und erweist sich in einem Fall wie diesem nicht zwingend als störend. Wenn es um die immer wieder von Raubein Cristopher Bowes eingeworfenen (und ebenfalls zum Konzept gehörenden) Erzählparts als fieser Imperator Zargothrax geht, sieht das allerdings schon etwas anders aus. Immerhin, zusätzliche Interludes gibt es keine – doch dass die Passagen dafür direkt in den einzelnen Titeln Platz finden, macht es nicht unbedingt angenehmer. Abgesehen davon ist den Schotten aber auch dieses Mal ein insgesamt betrachtet recht wohlklingendes, sich harmonisch anfühlendes Album gelungen – dass trotz der potentiellen Gefahr nicht wirklich in zu verspielte Gefilde abdriftet, mit satt klingenden Metal-Elementen inklusive eines gut inszenierten Bass (genial: LEGENDARY ENCHANTED JETPACK) und netten Soli aufwartet; und dank der enormen Eingängigkeit schnell Freunde finden sollte. Musikalisch zu vernachlässigen ist LEGENDS FROM BEYOND THE GALACTIC TERRORVORTEX also keineswegs – auch wenn speziell die gefühlt zu sehr auf Nummer sicher gehenden Refrains ruhig etwas mehr Pepp hätten vertragen können.

Eben das ist dann wohl auch das Stichwort, wenn es um die Gesamtbeurteilung des Albums, sowie sicher auch einer Einordnung in die ureigene GLORYHAMMER-Diskografie geht. Eines lässt sich schließlich einfach nicht verhehlen: betrachtet man das vorliegende Album (und das vor allem im direkten Vergleich mit seinen Vorgängern), fühlt es sich schlicht etwas… man nenne es müde an. Natürlich kann man von einer Trademark-Band wie dieser keinen Quantensprung erwarten – aber andere Maßnahmen, wie einen thematischen Schwerpunkt in einem gänzlich anderen Handlungs-Universum oder zumindest etwas anspruchsvollere (oder schlicht: spannendere) Lyrics hätten dem Album sicher einiges an zusätzlicher Frische spendiert. So aber, und Dank des erneuten Weltraum-Sujets; stellt sich dann doch etwas zu schnell das Gefühl einer bloßen Wiederholung ein. In Bezug auf das große Ganze, versteht sich – aber auch hinsichtlich einzelner Titel wie THE SIEGE OF DUNKELD (ein gefühltes Pendant zum besseren RISE OF THE CHAOS WIZARDS vom Vorgänger) oder HOOTSFORCE (als dezent elektronisch angehauchtes Pendant zum ebenfalls besseren UNIVERSE ON FIRE vom Vorgänger).

Letztendlich kann dieser Eindruck – gepaart mit den wahrlich alles andere als komplexen Song-Strukturen – doch überraschend schnell dazu führen, dass man fertig ist mit einem Album LEGENDS FROM BEYOND THE GALACTIC TERRORVORTEX. Zumal GLORYHAMMER eher nicht dafür bekannt sind, Kompositionen zu kreieren an die man sich erst gewöhnen muss – oder die analog zur Anzahl der Durchläufe noch markant wachsen. Für ihr nächstes Werk sollten sich die Schotten also gerne etwas mehr Zeit nehmen, sich nicht allein auf ihr Handwerk verlassen – und sich ruhig mal wieder etwas weiter aus dem Fenster lehnen.

Anspieltipps: IN HOOTS WE TRUST, POWER OF THE LASER DRAGON FIRE, LEGENDARY ENCHANTED JETPACK, HOOTSFORCE, THE FIRES OF ANCIENT COSMIC DESTINY


„Noch immer alles andere als schlecht – trotz der Gefahr sich vorschnell sattzuhören.“

Metal-CD-Review: GLORYHAMMER – Space 1992: Rise Of The Chaos Wizards (2015)

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Alben-Titel: Space 1992: Rise Of The Chaos Wizards
Künstler / Band: Gloryhammer (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. September 2015
Land: Schottland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

James Cartwright – Bass
Ben Turk – Drums
Paul Templing – Guitars
Christopher Bowes – Keyboards
Thomas Winkler – Vocals

Track-Liste:

1. Infernus ad Astra (01:24)
2. Rise of the Chaos Wizards (03:57)
3. Legend of the Astral Hammer (05:13)
4. Goblin King of the Darkstorm Galaxy (03:38)
5. The Hollywood Hootsman (03:54)
6. Victorious Eagle Warfare (04:59)
7. Questlords of Inverness, Ride to the Galactic Fortress! (05:22)
8. Universe on Fire (04:06)
9. Heroes (of Dundee) (05:49)
10. Apocalypse 1992 (09:53)

Ein bisschen Spaß muss sein… ?

Wenn sich der legendäre burschikose Held mit seinem grünen Brustpanzer und seiner Sonnenbrille erhebt, auf dass er den außerirdischen Invasoren auf einem sich der Erde nähernden Asteroiden entgegentritt und sie mit seinem Gefolge dem Erdboden gleichmacht… dann schreiben wir das weit in der Zukunft liegende Jahr 1992. Zumindest, wenn es nach GLORYHAMMER und ihrem neuen Studioalbum SPACE 1992: RISE OF THE CHAOS WIZARDS geht. In der Tat waren die illustren Schotten um Band-Mastermind Christopher Bowes (ALESTORM) schon immer für ein Späßchen gut – sodass bereits ihr Debütalbum TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE (Review) für Furore sorgte. Ob berechtigte oder nicht, muss wohl ein jeder für sich selbst entscheiden…

Eines ist jedoch klar: lässt man sich auf die durchaus besondere Art der Selbst-Inszenierung der Band ein, gibt es durchaus etwas zu entdecken im GLORYHAMMER-Universum. Und das wäre in erster Linie ein zünftiger Power Metal irgendwo zwischen den eher ernst gemeinten epischen Heldensagen a’la RHAPSODY OF FIRE und dem Spaßfaktor einer Band wie ALESTORM – wobei sich die Geschmäcker beim Betrachten der reinen handwerklichen Leistungen schon nicht mehr ganz so markant scheiden sollten. Schließlich verstehen GLROYHAMMER ihr musikalisches Handwerk. Und das sogar so sehr, dass sie selbst bei einer Betrachtung als reine Spaßband oder als fleischgewordene Genre-Parodie eine knackigere Interpretation des Power Metal abliefern als viele ihrer vergleichsweise engstirnigen Kollegen.

Am markantesten sticht dabei indes nicht Christopher Bowes (Keyboard) hervor, der einen Großteil des feucht-fröhlichen Spaßfaktors a’la ALESTORM mit in das Projekt GLORYHAMMER einbringt – sondern der eigentliche Frontmann Thomas Winkler. Der 29-jährige Schweizer hat schlicht eine äußerst angenehme Stimmfarbe und vermag es trotz seiner weitestgehend gemäßigten Stimmlage den Hörer stets bei Laune zu halten. Das scheint auch nötig, haben GLORYHAMMER nicht allzu viele Alleinstellungsmerkmale in ihrem Sound – mit Ausnahme des bereits erwähnten Leadgesangs und der inhaltlichen Auslegung ihres Projektes, versteht sich. Hinsichtlich der Gitarren, des Basses und der Drums gibt es zwar ebenfalls nichts zu mäkeln – doch schleicht sich hier schnell der berühmt-berüchtigte Gewöhnungseffekt ein; aus dem Soundgewand hervorstechende Elemente gibt es nicht wirklich.

So ist SPACE 1992 vor allem ein instrumental stilsicheres, aber keinesfalls allzu abenteuerliches Genre-Album geworden – dass lediglich aufgrund seiner teils makaberen Präsentation, den anberaumten Textinhalten und der Leistung von Thomas Winkler doch noch ein gutes Stückchen anders ist als viele der diesjährigen Veröffentlichungen. Stellvertretend für den Sound des Albums steht dabei die bereits veröffentlichte Videosingle zu RISE OF THE CHAOS WIZARDS, die hier als Opener fungiert – und dabei durchaus so manche Hütte abreißt. Ein wenig fühlt sich das Ganze an wie eine nicht ganz so ernstgemeinte Version eines kosmischen Epos a’la LUCA TURILLI – die dennoch eine fulminante Wirkung entfaltet und rundum gelungen erscheint.

Nebem dem eher zu vernachlässigenden Intro mäandern die folgende Nummern dann irgendwo zwischen der mit diesem Titel etablierten Wirkung, und dem minimal bodenständigeren Eindruck des Vorgängeralbums. Problematisch ist eventuell, dass man sich offenbar sehr stark auf das anberaumte Konzept stützt und nur wenige Ausbrüche erlaubt sind. Seien es die durchaus amüsant zu lesenden Titel wie LEGEND OF THE ASTRAL HAMMER, GOBLIN KING OF THE DARKSTORM GALAXY, THE HOLLYWOOD HOOTSMAN oder das dezent elektronisch angehauchte, stampfende VICTORIOUS EAGLE WARFARE – man kann sich nicht des Gefühls erwehren, dass der GLORYHAMMER-Sound selbst innerhalb eines knappen Alben-Kontext wie diesem schnell repetitiv wirkt. Sicher, die Refrains sind größtenteils stark und haben ein enormes Ohrwurm-Potential, doch den einzig wahren Ausnahme-Titel sucht man vergebens. Zumindest noch.

Denn mit dem kaum auszuschreibenden Titel QUESTLORDS OF INVERNESS, RIDE TO THE GLACTIC FORTRESS wird es doch noch einmal wesentlich interessanter – und auch das ebenfalls im Vorfeld veröffentlichte UNIVERSE ON FIRE kann ebenfalls mit der Darstellung einer etwas anderen musikalischen Seite von GLORYHAMMER punkten. HEROES OF DUNDEE stellt sich dann sogar als eigentliche Hymne des Albums heraus – die dezenten symphonischen Komponente und die hier weitaus markanteren Gitarren könnten diesen Titel schnell auf die imaginäre Spitzenposition der enthaltenen 10 Nummern hieven. APOCALYPSE 1992 rundet das Ganze dann noch mit einer gewissen Überlänge ab – wobei die Sprachpassagen allerdings eher nerven.

Ein wenig sollte man sich also schon mit dem ureigenen, aus diversen Blickwinkeln sicher übertrieben erscheinenden Konzept von GLORYHAMMER anfreunden können – sonst wird es nichts mit dem intergalaktischen Hörgenuss der Marke SPACE 1992. Lässt man sich auf das Experiment ein, wird aller Wahrscheinlichkeit nach aber kein Auge trocken bleiben – ob man das Ganze nun als Parodie auffasst oder auch nicht. Wer sich voll und ganz auf GLORYHAMMER einlassen möchte, der sollte unbedingt zur 2-CD-Edition greifen – die eine überaus gelungene symphonische Instrumentalversion des Albums bereithält. Eine, die es sogar vermag das eigentliche Album in den Schatten zu stellen – natürlich nur wenn man so will.

Absolute Anspieltipps: RISE OF THE CHAOS WIZARDS, QUESTLORDS OF INVERNESS, UNIVERSE ON FIRE, HEROES OF DUNDEE


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„Ein grundsolides bis starkes GLORYHAMMER-Album – das eigentliche Highlight ist aber die zweite CD der Digipak-Edition.“

GLORYHAMMER: Rise Of The Chaos Wizards (Official Video)

Analog zum bald erscheinenden neuen GLORYHAMMER-Album SPACE 1992: RISE OF THE CHAOS WIZARDS (VÖ: 25. September 2015) haben es sich die Schotten nicht nehmen lassen, ein zünftiges Musikvideo zu veröffentlichen. Der auserkorene Titel ist der Titeltrack des Albums, RISE OF THE CHAOS WIZARDS – und das Ergebnis eines, dass sich durchaus sehen lässt. Man darf von einem ganz und gar kosmischen Vergnügen ausgehen…

GLORYHAMMER – Universe On Fire (Official Track)

Eines ist klar: die neue GLORYHAMMER-Single UNIVERSE ON FIRE geht schnell ins Ohr. Dennoch bleibt abzuwarten, was das neue Album mit dem etwas sperrigen Titel SPACE 1992: RISE OF THE CHAOS WIZARDS (VÖ: 25. September 2015) bereithalten wird. Denn es scheint, als würde speziell Leadsänger Thomas Winkler nicht wirklich aus dem Vollen schöpfen… und die Elektro-Elemente sowie der stampfende Beat sorgen hier eher für einen dezent poppigen Eindruck.

Metal-CD-Review: GLORYHAMMER – Tales From The Kingdom Of Fife (2013)

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Alben-Titel: Tales From The Kingdom Of Fife
Künstler / Band: Gloryhammer (mehr)
Land: Schottland
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Thomas Winkler – Vocals
Paul Templing – Guitar
Christopher Bowes – Keyboards
James Cartwright – Bass
Ben Turk – Drums

Track-Liste:

01. Anstruther’s Dark Prophecy
02. The Unicorn Invasion Of Dundee
03. Angus McFife
04. Quest For The Hammer Of Glory
05. Magic Dragon
06. Silent Tears Of Frozen Princess
07. Amulet Of Justice
08. Hail To Grail
09. Beneath Cowdenbeath
10. The Epic Rage Of Furious Thunder

So oder so betrachtet – GLORYHAMMER dominieren das Metal-Frühjahr 2013.

Wenn gerade jemand für Furore im Power Metal-Genre sorgt, dann sind das wohl die schottischen Power Metal-Recken von GLORYHAMMER (erstmals hier vorgestellt). Ihr Debütalbum TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE ist gerade erst erschienen (VÖ 29. März 2013), und kommt dabei offenbar durch die Bank gut an. Was die Band auszeichnet ? In erster Linie die Tatsache, dass sie von ALESTORM-Mastermind Christopher Bowes ins Leben gerufen wurde, der nach all den erfolgreichen, rauen Kaperfahrten nun eher seinen symphonischen Vorlieben freien Lauf lässt. Hinzu kommen ein recht eigenwilliger Stil und eine (absichtlich) übertriebene Inszenierung mit ordentlich Kitsch und Pathos – wie sie bereits im ersten offiziellen Video der Band, AGNUS MCFIFE, erlebbar gemacht wurde (Link). In der Tat – GLORYHAMMER lieben das Genre, in dem sie sich bewegen – und zelebrieren es mit entsprechend großer Freude. Das Ergebnis ist ein symphonisch angehauchter Power Metal, der grundsätzlich auch aus Italien (siehe RHAPSODY OF FIRE) stammen könnte – wäre da nicht das große Portiönchen Selbstironie. GLORYHAMMER geben sich teilweise so ernst und pompös (auch in Bezug auf die inhaltliche Gewichtung um schottische Legenden), dass das Fass der schwermetallischen Lust mit Leichtigkeit überläuft, und in einem merkwürdigen, aber doch reichlich Laune machenden Ergebnis mündet.

Denn: ein Album wie TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE erlaubt mindestens zweierlei Herangehensweisen. Entweder, man stuft das Ganze als reines Spaß- und Tributprojekt ein, bei dem das Genre – vor allem durch die ständigen Übertreibungen – leicht auf die Schippe genommen wird; oder aber man betrachtet es aus einer erwatungsvolleren, anspruchsvolleren Perspektive heraus. Das dies überhaupt möglich ist, ist allein der Musik zu verdanken – denn diese ist nicht nur handwerklich makellos, sondern begeistert auch durch ein großes Ideenreichtum, markante erhabene Momente und ein Gespür für wirksame Arrangements. So entsteht eine teils merkwürdige, gerade zu Beginn gewöhnungsbedürftige Symbiose aus Spaß und jener Ernsthaftigkeit, wie sie in anderen Symphonic Metal-Bands seit jeher zelebriert wird. Epische Sagen, mutige Krieger und ein allgemein fantasievolles Geschehen treffen hier auf eine feucht-fröhliche Schunkellaune a’la FREEDOM CALL – dass das funktioniert, zeigen GLORYHAMMER insbesondere auch im direkten Vergleich mit zahlreichen anderen, schon länger bestehenden Genre-Formationen. Während diese ihren Überrachungseffekt in Weiterentwicklungen und Stil-Variationen suchen (wie etwa STRATOVARIUS auf ihrem neuesten Album NEMESIS), brauchen sich GLORYHAMMER diesbezüglich gar nicht weiter anstrengen. Sie kommen aus dem Nichts, begeistern sofort – ob sie indes genauso schnell wieder verschwinden, wird sich noch zeigen.

So ist TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE vor allem eines: extrem kurzweilig. Die vergleichsweise kurze Spieldauer von 48 Minuten und der enorm leichte Zugang ermöglicht es dem Hörer, sich ohne weitere Anstrengungen oder Vorbereitungen einem überschwänglichem Fantasy-Epos hinzugeben – und dabei ordentlich abzufeiern. Wie lange derlei Wirkungen nachhallen, ist in diesem Fall und wie bereits gesagt noch nicht erforscht – doch stehen die Chancen gar nicht schlecht. Dass mit Christopher Bowes ein erfahrener Musiker mit an Bord ist, merkt man dem Album zweifelsohne an – denn gerade das Endprodukt überzeugt in Sachen Feinschliff, Klang- und auch Produktionsqualität. Für den markantesten Effekt sorgen indes gar nicht mal die pompösen symphonischen Elemente, das virtuose Gitarrrengefrickel oder das unterstützende Keyboard – sondern vor allem Leadsänger Thomas Winkler. Der 27-jährige Schweizer sang bisher bei EMERALD und THE BARQUE OF DANTE, womit es sich ebenfalls um einen nicht unvorbereiteten Musiker handelt – doch auf dem vorliegenden TALES FROM THE KINGDOM AUF FIFE scheint er zu einer neuen Höchstform aufzulaufen. Derart kraftvolle, ausdrucksstarke, klare, und vergleichsweise tiefe Gesangseinlagen findet man nur selten auf einem Symphonic Power Metal-Album. Seine Stimme transportiert eine angenehme Rauheit, vielleicht auch Männlichkeit – die man bei manch anderen Kollegen einstweilen vermissen könnte.

Letztendlich ergeben die 10 Titel auf TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE ein großes, stimmiges Ganzes – bei dem es schwerfällt, einzelne Titel besonders hervorzuheben. Natürlich sollte insbesondere der verdammt starke Auftakt eine Erwähnung verdienen – das enorm druckvolle, düster-symphonische Intro ANSTRUTHER’S DARK PROPHECY steht den Genrekollegen von RHAPSODY OF FIRE oder DRAGONLAND in nichts nach, woraufhin es mit dem eigentlichen Opener THE UNICORN INVASION OF DUNDEE gleich ordentlich zur Sache geht. Ja, nicht nur die Titel selbst weisen  auf den bereits genannten Spaß- und Ironiefaktor der Band hin – doch wie auch immer derlei Ansätze gemeint sind, es kommt im Endergebnis einfach verdammt gut an. Für Abwechslung ist durch den steten Wechsel von flotten Uptemo-Krachern und stampfenden Midtempo-Hymnen gesorgt, Ausfälle gibt es keine (obwohl die Ballade SILENT TEARS OF ROZEN PRINCESS nah daran kratzt) – es sieht gut aus für GLORYHAMMER. Auch wenn einige vielleicht eher mit den Schultern zucken oder die Nase rümpfen werden – vielleicht darf man gar nicht so bierernst an eine Sache herangehen, will man eines der besten Symphonischen Power Metal-Alben aller Zeiten – oder zumindest des Jahres 2013 – abliefern. Das ist GLORYHAMMER nun gelungen. TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE kommt ganz, ganz nah an die Höhenluft des Genre-Thrones heran. Eine absolute Empfehlung !

Anspieltipps: THE UNICORN INVASION OF DUNDEE, ANGUS MCFIFE, MAGIC DRAGON

Vergleichsbands: ALESTORM | RHAPSODY OF FIRE | DREAMTALE


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„Ein Album das nur gut oder lachhaft werden konnte – ersteres ist der Fall“

GLORYHAMMER – Tales From The Kingdom Of Fife (Metal News)

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Wunderbar episch oder einfach nur wunderlich ?

Die Verantwortlichen von NAPALM RECORDS haben mal wieder zugeschlagen – und eine bis dato unbekannte, aber durchaus vielversprechende Band  aus schottischen Gefilden unter Vertrag genommen. Ihr (nicht unbedingt origineller) Name: GLORYHAMMER. Besagte Band hat sich einer musikalischen Stilrichtung verschrieben, die hier als Heroic Fantasy Power Metal bezeichnet wird – und was auch immer damit gemeint ist, in Anbetracht des Covers und der extravaganten Outfits der Mitglieder kann man sich wohl auf etwas gefasst machen. Entweder, es wird verdammt episch und Fantasy-lastig (a’la RHAPSODY OF FIRE) – oder schlicht besonders witzig und unterhaltsam. Die Tatsache, dass einer der fünf Bandmitglieder niemand geringeres als das ALESTORM-Mastermind Chris Bowes ist, lässt nämlich beide Möglichkeiten offen. Man lasse sich überraschen… die offizielle Seite (Link) bietet weitere Informationen an, die erste Single-Auskoppllung in Videoform gibt es auch schon – ausgewählt wurde Titel Nummer 3, ANGUS MCFIFE (Link zum Videobeitrag).

GLORYHAMMER – Angus McFife (Official Video)

GLORYHAMMER - Angus McFife _ Napalm Records.mp4_thumbs_[2013.03.08_21.52.08]

Herzlich willkommen zum Power Metal-Kostümball.

GLORYHAMMER sind gerade erst ganz frisch auf der Bildfläche erschienen (obwohl, bereits früher; siehe hier) – und bieten mit dem offiziellen Videoclip zu ANGUS MCFIFE einen ersten Einblick in ihr musikalisches Schaffen. Das trifft sich nur allzu gut – denn Ende März soll das Dabütalbum TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE erscheinen (Link zur Ankündigung). Was die Recken um ALESTORM-Mastermind Chris Bowes in ihrer Freizeit machen, weiss man nicht – doch offenbar widmet man sich gerne epischen Sagen; und vielleicht auch der ein oder anderen fantastischen TV-Serie. Denn anders ist der leicht gewöhnugnsbedürftige Kleidungstil (plus Frisuren) der Herren wohl nicht zu erklären. Sei es drum – es ist immer wieder schön zu sehen, wenn jemand seine Musik wirklich lebt; und nicht im Studio / auf der Bühne allein einen Schalter umlegt. Ganz so spektakulär ist der ausgewählte Titel zwar noch nicht – aber wer weiss, was das kommende Album noch alles zu bieten hat. Man überzeuge sich selbst…