Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Empire Of The Undead (2014)

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Alben-Titel: Empire Of The Undead
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. März 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: earMUSIC

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Guitars, Vocals
Dirk Schlächter – Bass
Henjo Richter – Guitars
Michael Ehré – Drums

Track-Liste:

1. Avalon (09:21)
2. Hellbent (05:22)
3. Pale Rider (04:23)
4. Born to Fly (04:31)
5. Master of Confusion (04:54)
6. Empire of the Undead (04:25)
7. Time for Deliverance (05:10)
8. Demonseed (06:38)
9. Seven (05:07)
10. I Will Return (06:55)

Hellbend For Leather… And Metal.

Sich mit der Diskografie von einer Band wie GAMMA RAY zu befassen, ist eine spannende Angelegenheit – und das nicht nur, da die Hamburger Combo schon seit unzähligen Jahren als absolute Kult- und Vorreiterband in Bezug auf das Genre des Power Metal gilt. Und das sicher zu Recht (Reviews zu allen Studioalben findet man über die hier verlinkte Tag-Suche), wobei man bestenfalls ein kleines aber einstreuen könnte. Das bezieht sich indes nicht auf das insgesamt großartige und wichtige Schaffen der Band, sondern vielmehr auf einzelne Momente in der illustren Diskografie. Dabei hat es insbesondere die letztaktuellen Werke LAND OF THE FREE II oder TO THE METAL erwischt, die zwar allemal als solide bezeichnet; aber eben auch nicht zu den besten Outputs der Band gezählt werden können. Aber was soll man auch machen, wenn man immer wieder an seinen eigentlichen Erfolgsalben gemessen wird, die nun schon einige Jahre zurückliegen ? Im Falle von GAMMA RAY könnte man sagen, dass sie entweder etwas völlig neues versuchen müssten – oder aber doch noch einmal den Versuch starten könnten, an die Blütezeit von 1995 bis 2001 (oder eventuell auch 2005) anzuknüpfen.

Doch wer würde sich schon etwaige und potentiell befremdliche Experimente wünschen, wenn er genau weiß wo die Stärken von GAMMA RAY seit jeher liegen ? Glücklicherweise dachten sich das wohl auch die Bandmitglieder um Frontmann Kai Hansen selbst – was für den Hörer ein mehr als nur zufriedenstellendes Ergebnis zur Folge hat. anders gesagt: nach den beiden weniger starken Vorgängern ist EMPIRE OF THE UNDEAD endlich wieder eines jener GAMMA RAY-Alben, welches sofort zündet – und dabei schnell einen ganz und gar kultverdächtigen Charme versprüht. Mit ein Grund dafür ist, dass die Band das exakt richtige Dosierungsverhältnis von neuen und erfrischenden Eindrücken auf der einen, sowie den klassischen GAMMA RAY-Trademarks auf der anderen Seite gefunden hat. Das hat zur Folge, dass die Nummern überraschend unverbraucht klingen – andererseits aber auch klar als Material aus der in Hamburg heimischen GAMMA RAY-Musikschmiede zu erkennen sind. Zwei der vielleicht wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen von EMPIRE OF THE UNDEAD haben GAMMA RAY also schon einmal abgeliefert.

Umso schöner ist es, dass es nicht nur bei eben jenen Vorzügen bleibt – denn das Album hat noch wesentlich mehr zu bieten. Sicher, in Bezug auf etwaige Produktions-relevanten Fragen, die handwerklichen Leistungen an den Instrumenten und das Geschick von Kai Hansen gibt es seit jeher keinen Anlass zur Kritik – doch dieses Mal scheinen alle Beteiligten noch einmal eine Schippe draufgelegt zu haben. Zwar geht es generell etwas gemäßigter, wenn man so will erwachsener zu – doch gleichzeitig gewinnen die Kompositionen auch an Variabilität und Größe. Stichwort Variabilität: gerade Kai Hansen inszeniert sich auf EMPIRE OF THE UNDEAD so erfrischend und vielseitig wie lange nicht mehr – wofür bereits der Auftakt zu AVALON ein hervorragender Anhaltspunkt ist. Überhaupt wirkt das Album wesentlich eigenständiger und atmosphärischer als noch ein TO THE METAL, wo man eher geneigt war nach vereinzelten Highlights Ausschau zu halten. EMPIRE OF THE UNDEAD macht es endlich wieder genau andersherum: ein Großteil der Titel ist enorm stark, viele Möglichkeiten einen Titel zu skippen offenbaren sich nicht.

Sei es der mächtige und überaus gesangsstarke Opener AVALON, das kultig anmutende HELLBENT mit seiner angenehm schroffen Gangart, das klassisch-rockige PALE RIDER oder das flott-hymnische BORN TO FLY mit seinen Referenzen hinsichtlich der frühen Blütezeit des Genres in Deutschland (siehe HELLOWEEN) – das Album macht Laune, und brennt sich schnell in die Gehörgänge. Stichwort Referenzen: auch dieses Mal machen GAMMA RAY nicht davor Halt, an diverse Genre-Größen zu erinnern – allerdings völlig unverschleiert und als Form der Tributzollung. Das kann man werten wie man will, beispielsweise indem man der Band unterstellt hie und da Material von Bands wie BLACK SABBATH, DIO, ACCEPT, JUDAS PRIEST oder gar QUEEN (TIME FOR DELIVERANCE) zu kopieren. Doch vermutlich wäre es besser, hier von einer Inspiration zu sprechen – mit einem völlig neuen und absolut eigenständigen Ergebnis. GAMMA RAY lieben das Genre, in dem sie sich bewegen; inklusive all seiner Ursprünge – dass man das hört, ist ein grundsätzlich positiver Faktor.

Schlussendlich: es ist schon zu hören, dass GAMMA RAY wieder zu ihrer alten Stärke gefunden haben – und das ohne sich bloß zu wiederholen. EMPIRE OF THE UNDEAD klingt angenehm frisch, knackig, kräftig; und bietet überdies eine perfekte Symbiose aus zutiefst klassischen, dezenten modern und ganz und gar zeitlosen Klangeindrücken.

Absolute Anspieltipps: AVALON, HELLBENT, BORN TO FLY, EMPIRE OF THE UNDEAD, SEVEN, I WILL RETURN


„Das beste GAMMA RAY-Album seit Jahren.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – To The Metal! (2010)

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Alben-Titel: To The Metal !
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Januar 2010
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: earMUSIC

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Guitars, Vocals
Henjo Richter – Guitars, Keyboards
Dirk Schlächter – Bass, Vocals (Track 10)
Dan Zimmermann – Drums

Track-Liste:

1. Empathy (05:04)
2. All You Need to Know (04:00)
3. Time to Live (04:48)
4. To the Metal (05:29)
5. Rise (05:05)
6. Mother Angel (05:20)
7. Shine Forever (03:53)
8. Deadlands (04:23)
9. Chasing Shadows (04:23)
10. No Need to Cry (05:56)

Die alten Hasen können es immer noch.

Nachdem die Hamburger Power Metaller von GAMMA RAY mit ihrem 2007’er Sequel-Album LAND OF THE FREE II (Review) für eher gemischte Gefühle gesorgt hatten, sollte es 2010 endlich wieder ein komplett eigenständiges Werk richten. Wobei das nicht ganz richtig ist, schließlich handelt es sich bei TO THE METAL! durchaus um ein Tribut-Album – aber glücklicherweise eines, dass an das gesamte Genre gerichtet ist und somit auch keinerlei Cover-Versionen enthält. Stattdessen servieren GAMMA RAY der geneigten Hörerschaft 10 neue Titel aus der heimischen Musikschmiede, wobei sie sich mit einer Gesamtspielzeit von knapp unter 50 Minuten recht kompakt inszenieren.

Wie so oft fällt dabei eines schnell auf: auch TO THE METAL! ist ein alles andere als schlechtes oder zu vernachlässigendes Genre-Album geworden. Das ist angenehm und spricht für das insgesamt großartige Schaffen der kultigen Band – und damit auch einer, die sich die Messlatte speziell um den Zeitraum der Jahrtausendwende selbst recht hoch gelegt hat. Dementsprechend muss wie schon bei LAND OF THE FREE II auch dieses Mal das kleine Wörtchen aber folgen, analog zu allen (und durchaus berechtigten) Lobhudeleien. Anders gesagt: TO THE METAL! ist kein schlechtes Album, aber mit den ganz großen Erfolgsalben a’la SOMEWHERE OUT IN SPACE (Review) oder NO WORLD ORDER (Review) kann es nicht mithalten.

Und das hat mehrere Gründe – von denen allerdings keiner im handwerklichen Geschick der Bandmitglieder, etwaigen Produktionsfragen oder der Gesamtpräsentation des Albums zu suchen ist. Doch auch bei derart guten Voraussetzungen oder einer wenn man so will höchst soliden Basis kann man sich schlicht nicht komplett gegen den Eindruck sperren, dass TO THE METAL! in einigen Momenten etwas uninspiriert oder auch ausgelaugt klingt. Das Gefühl eines vielschichtigen, großen und bombastischen Ganzen entsteht hier nicht mehr – vielmehr präsentiert das Album 10 Nummern, die in ihrer Aussage- und Wirkungskraft höchst unterschiedlich abschneiden.

Und das ist eine Entwicklung, die man bereits zum Auftakt des Albums gut nachvollziehen kann. So markiert der Opener EMPATHY ein grundsätzlich perfekt vorgetragenes, schwungvolles und rockiges Eröffnungsstück inklusive eines hervorragenden Riffings und eines grandiosen Soli-Parts – doch das gewisse Etwas fehlt. Das folgende ALL YOU NEED TO KNOW dagegen ist vermutlich einer der besten Titel des gesamten Albums – und einer, der sich dank seines Tempos und seiner Energie kaum aufhalten lässt. Und: ausnahmsweise sind es hier einmal die Strophen, die deutlich flotter daherkommen – während der Refrain eher den ruhigen Gegenpol bildet, und zudem mit einem Gastauftritt von Bandkumpel Michael Kiske brilliert. TIME TO LIVE und TO THE METAL aber schneiden als deutlich leichtgängigere Rocknummern mit einem gewissen Retro-Touch schon wieder deutlich schlechter ab – nicht nur die auffallend schwachen Refrains betreffend.

Dieses Wechselspiel zieht sich dann auch durch die restliche Spieldauer: während RISE, DEADLANDS oder CHASING SHADOWS noch recht hymnisch und GAMMA RAY-typisch durch die Boxen rauschen – wenn auch etwas schwächer als sonst und mit vergleichsweise schwachen Refrains und Hintergrundchören – erreicht die Band in MOTHER ANGEL oder NO NEED TO CRY eine so noch nicht gekannte Behäbigkeit. Bleibt eigentlich nur noch das wilde SHINE FOREVER mit seinen teils aggressiven Gesangsfetzen, das trotz der eher platten Lyrics und des FREEDOM CALL-angehauchten Refrains Spaß macht. Ein ganz und gar kultverdächtiges Album oder einen bemerkenswerten Genre-Tribut haben GAMMA RAY mit TO THE METAL schlussendlich nicht abgeliefert – aber von schlechten Eltern ist das Material insgesamt betrachtet auch nicht. Dennoch: für nächstes Mal wären etwas mehr Energie und Innovation sichern nicht verkehrt.

Absolute Anspieltipps: ALL YOU NEED TO KNOW, RISE, SHINE FOREVER, CHASING SHADOWS


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„TO THE METAL ist kein schlechtes Genre-Album – ist aber weniger kräftig und nicht ganz so kultverdächtig wie einige der anderen GAMMA RAY-Alben.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Land Of The Free II (2007)

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Alben-Titel: Land Of The Free II
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. November 2007
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Guitars, Vocals
Henjo Richter – Guitars, Keyboards
Dirk Schlächter – Bass
Dan Zimmermann – Drums

Track-Liste:

1. Into the Storm (03:47)
2. From the Ashes (05:26)
3. Rising Again (00:27)
4. To Mother Earth (05:11)
5. Rain (05:16)
6. Leaving Hell (04:20)
7. Empress (06:22)
8. When the World (05:44)
9. Opportunity (07:14)
10. Real World (05:42)
11. Hear Me Calling (04:14)
12. Insurrection (11:33)

Frei wie ein Vogel, Teil 2.

Wer GAMMA RAY nicht kennt, hält diesen Status entweder aus Absicht aufrecht – oder hat sich schlicht noch nicht intensiver mit der Geschichte des Power Metal auseinandergesetzt. Nicht umsonst gilt die aus Hamburg stammende Combo als absolutes Genre-Urgestein, welches zusammen mit HELLOWEEN den ein oder anderen Weg bereitet hat – und die dabei auch heute noch aktiv ist. Außer Frage steht dabei, dass GAMMA RAY während ihrer mittlerweile 27-jährigen Karriere viele Höhen und Tiefen erlebt haben – was sich auch in der illustren Diskografie niederschlägt. Einer allgemein sehr hochkarätigen, die mit vielen kleineren Veröffentlichungen daherkommt – doch letztendlich geben eben doch die Studioalben den Ausschlag. Nach einer immensen Welle des Erfolges und beinahe gänzlich unantastbaren Werken wie SOMEWHERE OUT IN SPACE (Review), NO WORLD ORDER (Review) oder MAJESTIC (Review) sollte 2007 LAND OF THE FREE II erscheinen – was leicht überraschend war, da wohl kaum jemand mit einem zweiten Teil des schon 1995 veröffentlichten LAND OF THE FREE (Review) gerechnet hat. Vor allem aber drängte sich eine Frage auf: würden GAMMA RAY das qualitative Niveau des Originals halten können, und das im besten Fall ohne es bloß zu kopieren ?

Und tatsächlich: nach den zahlreichen vorangegangenen Erfolgsalben kann man in diesem Fall erstmals nicht gänzlich verhehlen, dass die Antwort auf diese Fragen von einer merklichen Ambivalenz geprägt ist. Zwar hat LAND OF THE FREE II locker das Zeug dazu, als eigenständiges Werk zu fungieren – und ist so gesehen eine durchaus sinnige Fortsetzung ohne den berühmt-berüchtigten Wiederholungseffekt. Doch zum besten, was sich die Band jemals geleistet hat; gehört das hier präsentierte Material eben auch nicht. Anders gesagt: auch wenn sich GAMMA RAY mit LAND OF THE FREE II noch immer über dem Genre-Durchschnitt bewegen, ist stellenweise ein deutlich Rückschritt zu spüren und zu hören. Einer, der sich sowohl im Detail; aber auch im Großen und Ganzen widerspiegelt. Generell ist festzustellen, dass man es in nicht wenigen der insgesamt 12 enthaltenen Nummern eher ruhig respektive simpel angehen lässt – und das betrifft nicht nur die Textinhalte wie etwa in TO MOTHER EARTH, sondern auch die musikalischen Kompositionen.

Die sind zwar noch immer recht knackig und einwandfrei als GAMMA RAY-Material zu identifizieren, doch hinsichtlich der noch auf MAJESTIC gezeigten Genialität und Vielschichtigkeit muss LAND OF THE FREE II glasklar hintenan stehen. Überhaupt wirkt das Album in vielerlei Hinsicht zahmer und damit auch etwas weniger wirksam – auch wenn viele Nummern rein Tempo-technisch aus dem Vollen schöpfen und mit einigen knackigen Riffs und furiosen Soli daherkommen. Doch sei es, dass hie und da mal ein eher ungünstiger Refrain (FROM THE ASHES), ein überflüssiges und störendes Interlude (RISING AGAIN), fast schon penetrant wirkende Doublebass-Attacken ohne wirkliche Variation (schon wieder trifft es MOTHER EARTH), ein eher plump wirkendes RAIN oder ein desillusionierendes REAL WORLD auftauchen – wirklich rund klingt das Album nicht. Damit ist es zwar eine eher seltene Ausnahme, zumal es seit dem 1993 erschienen INSANITY AND GENIUS-Album so gut wie nichts mehr an GAMMA RAY zu bemängeln gab – doch etwas schade ist es natürlich trotzdem.

Hinzu kommt, dass das Album mehr Querverweise auf andere Bands enthält als jedes andere GAMMA RAY-Album zuvor. Sicher wollte Kai Hansen nur seine Faszination für andere Pioniere wie etwa IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST ausdrücken, was nett ist – aber ebenfalls kein gutes Argument für die ohnehin wackelige Originalität von LAND OF THE FREE II markiert. Andererseits ist es aber eben auch Kai Hansen, der für die Haben-Seite des Albums verantwortlich ist – sein beinahe unveränderter, gleichermaßen markante wie qualitative Leadgesang ist ebenso fulminant wie sein versiertes Gitarrenspiel. Auch gilt anzuführen, dass das Album durchaus mehre Durchläufe braucht; und dabei noch etwas wachsen kann. Dennoch: eine Differenzierung vorzunehmen schadet nicht. LAND OF THE FREE II ist schlussendlich keines der besseren GAMMA RAY-Alben, und sollte vor allem Fans ansprechen die ihre Sammlung vervollständigen möchten.

Absolute Anspieltipps: INTO THE STORM, LEAVING HELL, WHEN THE WORLD, INSURRECTION


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„Ein solides Album, aber ein dezenter Rückschritt für GAMMA RAY-Verhältnisse.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Majestic (2005)

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Alben-Titel: Majestic
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Oktober 2005
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Mayan Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Guitars, Vocals
Henjo Richter – Guitars, Keyboards
Dirk Schlächter – Bass
Dan Zimmermann – Drums

Track-Liste:

1. My Temple (04:57)
2. Fight (03:24)
3. Strange World (05:03)
4. Hell Is Thy Home (04:46)
5. Blood Religion (06:53)
6. Condemned to Hell (04:56)
7. Spiritual Dictator (05:38)
8. Majesty (06:23)
9. How Long (04:06)
10. Revelation (08:30)

Auch wenn man den Thron schon innehat, kann es nie schaden ihn zu verteidigen…

… ob nun gegen die Illuminaten oder andere potentielle Widersacher. In der Tat handelt es sich hier nur um eine der Kampfansagen von MAJESTIC, dem achten offiziellen Studioalbum von GAMMA RAY – und damit einer gut und gerne legendären Power Metal-Formation, die zuvor mit Alben wie LAND OF THE FREE (Review), SOMEWHERE OUT IN SPACE (Review) oder NO WORLD ORDER (Review) Geschichte geschrieben hatte. Doch auch wenn die Blütezeit von GAMMA RAY gerne im entsprechenden Zeitraum von 1995 bis 2001 verortet wird, büßte die Band auch im weiteren Karriere-Verlauf nichts von ihrer vorherigen Genialität ein. Wohl auch, da man sich eher nicht auf den vorangegangenen Lorbeeren ausruhte – sondern stattdessen weiterhin an äußerst hochkarätigen Genre-Alben feilte.

Das 2005 erschienene MAJESTIC beispielsweise beschrieb den auch weiterhin höchst interessanten Werdegang der Band, und knüpfte mit seiner vergleichsweise düsteren inhaltlichen Komponente sowie den hervorragenden Leistungen aller Beteiligten Musiker direkt an das legendäre NO WORLD ORDER an. Gleichzeitig handelt es sich um eines jener selten Genre-Alben, die als Paradebeispiel angesehen werden können. Als Paradebeispiel für das hervorragende Schaffen einer Band, die es wie kaum eine zweite versteht; vergleichsweise anspruchsvolle und in jedem Fall interessante Inhalte mit einer exzellenten musikalischen Verpackung zu versehen. Viele Bands schaffen eben doch nur das eine oder das andere.

Und so prescht MAJESTIC von der ersten Sekunde an markant nach vorn. Schon mit dem mächtigen Opener MY TEMPLE sowie dem kurzen aber knackigen FIGHT legen GAMMA RAY ordentlich vor – und das mit den für die Band längst typischen, deswegen aber nicht minder effektiven Alleinstellungsmerkmalen. Solchen, zu denen sicher auch der markant-kräftige Leadgesang von Kai Hansen gehört; oder die grundsätzlich unvergleichlich antreibenden, herrlich stampfenden Power Metal-Kompositionen. Und die sind gerade im Falle von GAMMA RAY alles andere als vorhersehbar oder simpel – MAJESTIC stapelt oftmals mehrere Schichten aus zünftigen Power Metal-Elementen übereinander, und das auch gänzlich ohne dabei überladen zu klingen.

So lohnt es sich nicht nur, die Titel auf eine durchaus vorhandene Hymnen-Tauglichkeit zu untersuchen – denn auch in unzähligen Einzel-Momenten gibt es einiges zu entdecken. Gerade die Gitarren klingen äußerst lebendig, angenehm schroff und variabel. Im Zusammenspiel mit den zahlreichen, stets gut durchdacht und perfekt aufeinander abgestimmten Spielereien auch seitens des hervorragenden Drumming-Parts entsteht so ein überraschend vielschichtiger Klangteppich – der Laune macht und den Hörer auch nach mehreren Durchläufen noch perfekt unterhalten wird. Zumal der wirksame Gegensatz aus direkten und antreibenden Brechern a’la HELL IS THY HOME, nicht nur inhaltlich höchst interessanten Stampfern a’la BLOOD RELIGION oder auch mal deutlich düstereren Momenten wie im Titeltrack MAJESTIC für sich spricht.

Demnach ist es keine große Überraschung, dass MAJESTIC locker mit den bis dato besten Veröffentlichungen von GAMMA RAY mithalten kann. Gründe dafür gibt es einige: das an den Tag gelegte Handwerk ist geradezu phänomenal, das Songwriting bemerkenswert, der Faktor der Abwechslung enorm – und auch die perfekte Abmischung und die druckvolle Produktion lassen keine Wünsche offen.

Absolute Anspieltipps: MY TEMPLE, FIGHT, HELL IS THY HOME, BLOOD RELIGION


„Ein erstklassiges und zutiefst unterhaltsames Genre-Album.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Insanity And Genius (1993)

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Alben-Titel: Insanity And Genius
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. September 1993
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Jan Rubach – Bass
Thomas Nack – Drums
Kai Hansen – Guitars
Ralf Scheepers – Vocals
Dirk Schlächter – Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Tribute to the Past (05:04)
2. No Return (04:06)
3. Last Before the Storm (04:28)
4. The Cave Principle (06:51)
5. Future Madhouse (04:07)
6. Gamma Ray (Birth Control cover) (05:20)
7. Insanity & Genius (04:30)
8. 18 Years (05:23)
9. Your Tørn Is Over (03:52)
10. Heal Me (07:32)
11. Brothers (05:14)

Die letzte Stufe vor dem Erreichen des Gipfels.

INSANITY AND GENIUS ist nicht nur das dritte offizielle GAMMA RAY-Album der Hamburger Kult-Combo – sondern so gesehen auch das letzte ihrer ersten Schaffensperiode von 1990 bis 1993. Das besondere ist, dass Ralf Scheepers hier letztmalig den Leadgesangsposten übernahm – bevor er das Zepter an Gitarrist Kai Hansen weiterreichte. Wie man heute weiß, hat erst dieser markanter Lineup-Wechsel zum eigentlichen Aufstieg der Band in den Power Metal-Olymp geführt – sodass man die Entscheidung zweifelsohne begrüßen kann. Zumal Ralf Sheepers später bei PRIMAL FEAR ebenfalls sehr gut aufgehoben war – und auch er weiterhin das machen konnte, was er schon immer liebte. INSANITY AND GENIUS wohnt also durchaus ein Gefühl des besonderen inne – aber vielleicht interpretiert man diese gefühlte Aufbruchstimmung auch retrospektiv in das Hörerlebnis hinein.

Fakt ist dagegen, dass die ersten drei GAMMA RAY-Alben eher weniger mit dem späteren Sound-Outfit der Band am Hut haben – sondern grundsätzlich eher entspannt, rockig und entsprechend feucht-fröhlich daherkommen. Doch im Gegensatz zum lauen Vorgänger SIGH NO MORE (Review) hat INSANITY AND GENIUS schon wesentlich mehr von der eigentlichen GAMMA RAY-Essenz zu bieten. Zumindest strotzt schon der Opener TRIBUTE TO THE PAST vor einer ungeahnten Kraft, überzeugt mit einem hymnisch-eingäniggen Refrain – was auch für LAST BEFORE THE STORM gilt. Doch zwischen den flotten und angenehm erhabenen Hymnen finden sich interessanterweise auch eher experimentelle Ansätze – wie etwa in THE CAVE PRINCIPLE, das einen markanten Spannungsbogen vorzuweisen hat und speziell in instrumentaler Hinsicht brilliert. Jene auf dem Album häufiger vorkommenden Experimente fallen aber nicht immer derart zufriedenstellend aus – auch das Gegenteil kann der Fall sein. Vornehmlich dann, wenn sich GAMMA RAY etwas zu sehr dem eigentlichen Alben-Titel angepassten respektive dem dahinterstehenden Konzept widmen. Schlussendlich klingt die wahnsinnige Seite der Band hier etwas zu aufgedreht, und Nummern wie FUTURE MADHOUSE oder INSANITY GENIUS folglich höchst gewöhnungsbedürftig.

Etwas unglücklich ist auch der für die Band eigentlich stellvertretende Titel GAMMA RAY ausgefallen, was vor allem an den eher platt inszenierten Strophen liegt. Gegen Ende des Albums wird es dann allerdings noch einmal interessant: im Party-tauglichen YOUR TURN IS OVER übernimmt plötzlich Gitarrist Dirk Schlächter den Leadgesang, und im darauf folgenden HEAL ME Kai Hansen – bei dem es zumindest in diesem Fall aber gesanglich eher drunter und drüber geht. Letztendlich entsteht so vor allem ein Eindruck: ein recht variabler. Wenn man so will, könnte man allerdings auch als relativ unentschlossen bezeichnen – wirklich rund klingt das Album in seiner Gesamtheit nicht, eher wie eine bunt gemischte und teils skurrile Ansammlung von überdurchschnittlichen, aber keineswegs ausgezeichneten GAMMA RAY-Nummern. Handwerklich, gesanglich und in Bezug auf die Produktion gibt es dagegen nichts zu mäkeln.

Absolute Anspieltipps: TRIBUTE TO THE PAST, LAST BEFORE THE STORM, THE CAVE PRINCIPLE


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„GAMMA RAY haben es selbst festgestellt: Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Sigh No More (1991)

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Alben-Titel: Sigh No More
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. September 1991
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Guitars
Ralf Scheepers – Vocals
Uwe Wessel – Bass
Dirk Schlächter – Guitars
Uli Kusch – Drums

Track-Liste:

1. Changes (05:42)
2. Rich & Famous (04:39)
3. As Time Goes By (04:43)
4. (We Won’t) Stop the War (03:48)
5. Father and Son (04:26)
6. One with the World (04:47)
7. Start Running (03:58)
8. Countdown (04:20)
9. Dream Healer (06:21)
10. The Spirit (04:18)

Das Durchatmen nach der ersten Aufregung.

SIGH NO MORE ist das zweite offizielle Studioalbum einer damals noch sehr jungen Metal-Combo aus dem Hamburger Raum. Die Rede ist natürlich von GAMMA RAY, die neben den Kollegen von HELLOWEEN als eine der vielleicht wichtigsten deutschen Pionier-Bands bezeichnet werden können. Denn wo würde der europäische Power Metal heute stehen, hätte es niemals ein HEADING FOR TOMORROW (Review) oder zwei ganz bestimmte KEEPER-Alben (Review hier und hier) gegeben ? Doch bei aller Liebe zur Nostalgie und etwaigen Bestrebungen, geschichtsträchtige Ursprünge zu erforschen – es scheint, als hätten sich GAMMA RAY nach ihrem fulminant-frechen Debütalbum dezent zurückgelehnt. Denn anders ist der vergleichsweise lockere, oberflächlich-rockige und fast schon harmlose Sound des schon nicht mehr ganz so spektakulären Zweitwerks wohl nicht zu erklären. Sicher spielen hier auch andere Faktoren hinein, wie etwa die Tatsache dass GAMMA RAY unter Ralf Scheepers bei weitem nicht so angesehen waren wie zu ihrer Blütezeit ab 1995, in der Kai Hansen neben seiner Arbeit an den Leadgitarren auch den wichtigen Leadgesangsposten übernahm. Doch kann es nicht wirklich allein daran liegen – denn auch bezüglich des allgemeinen Konzeptes respektive der lockeren Präsentation steht SIGH NO MORE eher auf einem verlorenen Posten. So wurde der noch kurz zuvor dem deutschen Publikum schmackhaft gemachte Speed- und Power Metal gegen eine Reihe anderer Genre-Anleihen ausgetauscht – vornehmlich aus dem Bereich des Hardrocks. Doch nicht nur die instrumentell eher gemäßigte Aufmachung und die spürbare Zurückhaltung in Bezug auf die zuvor präsentierte Energie eines HEADING FOR TOMORROW schneidet hier schlecht ab, insbesondere scheint es das Songwriting erwischt zu haben.

Wo die Band zuvor mit Nummern wie HEAVEN CAN WAIT einen echten Klassiker abgeliefert hatte, stellte sich nun eine breite Ernüchterung; wenn nicht gar eine enorme Langeweile ein. Bereits der Opener CHANGES und dessen Nachfolger RICH AND FAMOUS dudeln relativ belanglos vor sich her, bis AS TIME GOES BY plötzlich an Fahrt aufnimmt und aufzeigt, zu was GAMMA RAY hier eigentlich imstande gewesen wären – nur um dann mit WE WONT STOP THE WAR und FATHER AND SON zwei weitere absolut zu vernachlässigende Nummern ohne das gewisse Etwas zu präsentieren. Richtig übel wird es dann aber erst in Anbetracht einer potentiellen Hymne wie ONE WITH THE WORLD, die gute Ansätze hat – aber dank des abgedroschenen Drumming-Parts ebenfalls schnell in der Versenkung verschwindet. STAR RUNNING ist dann eine der wenigen Nummern, die man als rundum gelungen bezeichnen könnte – und COUNTDOWN sowie das bemerkenswert schlecht abgemischte DREAM HEALER schon wieder das absolute Gegenteil. Sicher werden die Meinungen auch hier dezent auseinander gehen, doch zumindest eines scheint festzustehen: SIGH NO MORE ist weit davon entfernt, eines der besseren GAMMA RAY-Alben zu sein.

Absolute Anspieltipps: AS TIME GOES BY, STAR RUNNING, THE SPIRIT


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„Noch akzeptabel, aber gerade nach dem sehr guten Debüt eine herbe Enttäuschung.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – No World Order (2001)

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Alben-Titel: No World Order !
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. September 2001
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metal-Is Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Vocals, Guitars
Henjo Richter – Guitars, Keyboards
Dan Zimmermann – Drums
Dirk Schlächter – Bass

Track-Liste:

1. Induction (00:59)
2. Dethrone Tyranny (04:15)
3. The Heart of the Unicorn (04:46)
4. Heaven or Hell (04:17)
5. New World Order (05:00)
6. Damn the Machine (05:04)
7. Solid (04:24)
8. Fire Below (05:34)
9. Follow Me (04:43)
10. Eagle (06:06)
11. Lake of Tears (06:48)

Sag NO zur New World Order.

GAMMA RAY sind nicht nur eine der bekanntesten Power Metal-Formationen aus deutschen Landen, sondern auch eine Art Institution von der man lernen kann – und mit der man rechnen muss. Entweder seit dem kultigen Debüt HEADING FOR TOMORROW (1990, Review), oder aber seit dem nunmehr legendären LAND OF THE FREE (1995, Review). Denn nach der nicht ganz so durchschlagenden Ära von Ralf Scheepers hatte Kai Hansen hier seinen ersten Auftritt als Leadsänger und künftige Galionsfigur der Band – eine Tradition, die bis heute fortgesetzt werden sollte. Mit jener neuen Besetzung entstanden einige weitere hochkarätige Genrealben, wie etwa das mächtige SOMEWHERE OUT IN SPACE oder POWER PLANT – aber auch das heute behandelte NO WORLD ORDER.

Und auch wenn die Hamburger Jungens entsprechend vorgelegt haben, gelang ihnen mit jenem 2001 erschienen Werk noch einmal ein großer Paukenschlag. Zwar hat man wohl ungefähr erahnen können, dass das was hier präsentierte Material ein markanter europäischer Power Metal der allerersten Güteklasse werden würde – doch dass sich GAMMA RAY noch einmal (und um ein vielfaches) selbst übertreffen würden, wohl eher nicht. NO WORLD ORDER ist das bisher bezeichnendste, herausragendste, schlicht brillanteste Album der Band – da hier von vorne bis hinten einfach alles stimmt. Zwar traf dies unter Umständen auch schon auf das grandiose SOMEWHERE OUT IN SPACE zu, doch dieses Mal ist der Eindruck noch ein stückweit prägnanter. Vielleicht auch, da man sich erstmals explizit auf die Fahne schrieb, was man inhaltlich auf einem GAMMA RAY-Release am ehesten erwarten könnte – rebellische, wenn man so will enthüllende und bittere Wahrheiten verkündende Botschaften; die einmal mehr in ein perfektes musikalisches Gewand gepackt wurden.

Jener NO WORLD ORDER zu lauschen, ist also gleich in mehrerlei Hinsicht ein Genuss – da man sowohl auf der inhaltlichen, als auch der musikalischen Ebene schnell einen Zugang erhält und zahlreiche Bezüge herstellen kann. Ebenfalls schön ist, dass sich GAMMA RAY hier nicht mehr ganz so ausufernd inszenieren – sondern eher bodenständig, stets rhythmisch und eher klassisch rockend (SOLID, FIRE BELOW, FOLLOW ME) – ohne allzu große Schnörkel oder ablenkende Elemente. Die haben GAMMA RAY ohnehin nicht nötig – allein die wohlklingende Instrumentalkulisse aus den organischen Drums, dem wummernden Bass und den antreibenden Gitarren reichen hier aus, um den Hörer über weite Strecken verdammt gut zu unterhalten. Dass dann noch ein Leadgesang wie der von Kai Hansen hinzukommt, ist dann quasi das Tüpfelchen auf dem i – seine Stimme ist nach wie vor unverkennbar, absolut stilsicher und sorgt im Zusammenspiel mit der gewaltigen Instrumentalkulisse für ein äußerst harmonisches Gesamtbild.

Glücklicherweise erübrigt es sich, bei einem Album wie diesem über etwaige Produktionsfaktoren zu sprechen – da es diesbezüglich keine Wünsche offen lässt; ebenso wenig wie die Leistung der einzelnen Mitglieder. Viel eher lohnt es sich da schon, einen Blick auf die einzelnen Titel und die transportierte Vielfalt zu werfen – auf dass ersichtlich wird, warum es sich hierbei um ein absolutes Kult-Album handelt. Bereits das Intro und der Opener DETHRONE TYRANNY passen perfekt zusammen, und eröffnen das Album mit einer geradezu apokalyptischen, aber dennoch hymnischen Atmosphäre – der man sich schwerlich entziehen kann. Zweifelsohne werden hier Erinnerung an das ebenfalls geniale MAN ON A MISSIONS als Uptempo-Vergleichstrack wach – doch DETHRONE TYRANNY legt mit seinem geradezu überirdischen Refrain noch eine ordentliche Schippe drauf. Was dann folgt, ist eine trotz der geringen Titelzahl recht abwechslungsreiche Ansammlung von weiteren Hymnen – die sich jedoch nicht wiederholen, sondern stets etwas andere Grundzüge besitzen. THE HEART OF THE UNICORN kommt eher düster und mit einer wahnwitzigen Performance von Kai Hansen daher, HEAVEN OR HELL ist ein klassischer GAMMA RAY Midtempo-Stampfer mit tollem Refrain, der Titeltrack besitzt wie alle anderen schier atemberaubende Riffs.

Selten gab es ein Power Metal-Album welches einerseits absolut ‚catchy‘ und leicht zugänglich ist, andererseits aber verdammt durchdacht und sowohl inhaltlich als auch musikalisch verdammt innovativ ausfällt. GAMMA RAY scheinen einen Spagat wie diesen problemlos zu meistern; und begeistern einmal mehr mit einer fleischgewordenen Perfektion, die ihresgleichen sucht. Man könnte nun dahergehen und die Zusammenstellung dessen erörtern, was jene Perfektion ausmacht (sind es die Riffs, der Leadgesang, die tollen Strukturen und Melodien, der unverbrauchte Gesamteindruck ?) – doch am besten gelingt es, wenn man das komplette GAMMA RAY-Paket auf sich wirken lässt. Spätestens mit diesem Album sollte jedem klar werden, warum die Band eine derart führende Position innehat – und das längst nicht nur in Bezug auf die deutsche Metal-Szene. Wer dieses Album noch nicht besitzt, sollte dies dringend ändern… es lohnt sich.

Absolute Anspieltipps: DETHRONE TYRANNY, HEAVEN OR HELL, SOLID, EAGLE


„Ein echter Genre-Schatz, den man immer wieder neu entdecken kann.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Power Plant (1999)

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Alben-Titel: Power Plant
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. März 1999
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Vocals, Guitars
Dan Zimmermann – Drums
Dirk Schlächter – Bass
Henjo Richter – Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Anywhere in the Galaxy (06:37)
2. Razorblade Sigh (05:01)
3. Send Me a Sign (04:07)
4. Strangers in the Night (06:04)
5. Gardens of the Sinner (05:57)
6. Short as Hell (03:57)
7. It’s a Sin – Pet Shop Boys Cover (04:58)
8. Heavy Metal Universe (05:25)
9. Wings of Destiny (06:26)
10. Hand of Fate (06:12)
11. Armageddon (08:48)

Das Teil zündet einfach Anywhere In The Galaxy.

Oha, das wird nicht leicht... so oder so ähnlich müssen die Hamburger Power-Metaller von GAMMA RAY gedacht haben, als sie an ihrem 1999’er Album POWER PLANT arbeiteten – dem Nachfolger zu ihrem 1997’er Output SOMEWHERE OUT IN SPACE (Review). Schließlich war dieses nicht nur ganz allgemein ein sehr gutes Genrealbum geworden, sondern fungierte (und fungiert) bei vielen auch als das vielleicht beste der gesamten bisherigen GAMMA RAY-Diskografie. Wie also sollte man also am besten in diese selbst auferlegten Fußstapfen treten ? Das Ergebnis, dass heißt das 11 Titel starke POWER PLANT; macht dabei schnell zweierlei klar. Einerseits, und das ist ein kleiner Wermutstropfen; können die Hamburger die mit dem Vorgängeralbum etablierte Wirkung mit POWER PLANT nicht toppen – andererseits aber geben sie sich auch keine Blöße. Nach wie vor ist das, was hier auf dem Silberling Platz gefunden hat, ein energetischer Power Metal der besten (europäischen) Güteklasse.

Doch wo auf dem Vorgänger noch diverse musikalische Feuerwerke gezündet wurden, wird es nun eben etwas stiller, bedächtiger – und vielleicht auch unspektakulärer. Das Songwriting ist nach wie vor solide, und auch Kai Hansen macht seine Sache einmal mehr mit Bravour – doch irgendwie hat POWER PLANT leichte Anlaufschwierigkeiten. Eventuell liegt der nicht mehr ganz so schnell und einfach von statten gehende Zugang in der Tatsache begründet, dass das Album nicht mehr ganz so Themen-spezifisch ausgerichtet ist wie der Vorgänger. Bei einem Album wie SOMEWHERE OUT IN SPACE dachte man unweigerlich an… eben; genau das was bereits im Titel steht – und bekam eine entsprechend sphärisch angehauchte musikalische Kost serviert. Bei POWER PLANT muss man – trotz des wieder einmal genialen, geradezu hypnotischen Cover-Artworks – erst einmal genauer hinhören, um in den musikalischen Kosmos des Albums einzusteigen.

Dass man dabei zusätzlich – und erstmals – auch auf eine Cover-Version eines bekannten Titels zurückgegriffen hat, macht es nicht unbedingt besser. Im Gegenteil, GAMMA RAY’s Interpretation des PET SHOP BOYS-Titels IT’S A SIN wirkt etwas zusammenhanglos und leicht befremdlich; während es auch rein musikalisch nicht unbedingt zu den besten Metal-Coverversionen aller Zeiten gehört. Hier hätte es sich einfach eher angeboten, den Titel an das Ende des Albums zu verfrachten; anstatt ihn gleich in der ersten Hälfte zu platzieren. Um noch einen weiteren, potentiell negativen Fakt anzuberaumen sollte man die (übrigens oft erwähnte) Unterstellung hinzuziehen, dass sich GAMMA RAY auf POWER PLANT weitaus weniger eigenständig zeigen als noch zuvor. Tatsächlich werden einem – je nachdem, wie intensiv man sich bisher mit dem Genre befasst hat – die ein oder anderen Elemente und Klang-Momente bekannt vorkommen. Seien es JUDAS PRIEST, BLIND GUARDIAN oder gar MANOWAR – offenbar wurde hier tatsächlich so mancher Tribut vollzogen, ob explizit gewollt oder nicht. Das macht das Album zwar nicht schlechter, aber eben doch ein wenig unorigineller als die bisherigen.

Gerade der MANOWAReske Titel HEAVY METAL UNIVERSE beschreibt dabei einen der deutlich schwächeren Momente des Albums. Nicht nur, dass der hier angepeilte Stil nicht wirklich zum restlichen Eindruck des Albums passen will, GAMMA RAY gehen hier schlicht ein wenig zu plump vor. Dennoch gibt es genügend Gründe, das Album zu mögen. Angefangen beim flotten, leicht düsteren Opener ANYWHERE IN THE GALAXY (der genauso gut vom Vorgängeralbum hätte stammen können) über den absolut kultverdächtigen Melodic-Metal-Stampfer SEND ME A SIGN über das verdammt epische STRANGERS IN THE NIGHT ist vor allem innerhalb der ersten Albenhälfte einiges zu finden. Im späteren Verlauf überrascht dann vor allem die Ballade A WHILE IN DREAMLAND – ein höchst emotionales Stück mit einer minimalistischen Instrumentalkulisse, bei der Kai Hansen einmal mehr zeigen kann, was für ein stimmgewaltiger Sänger er ist. Davon abgesehen findet sich bei vielen Nummern auch ein eher klassischer, rockiger GAMMA RAY-Touch (mit LONG LIVE ROCK’N ROLL als Aushängeschild), der vermehrt an die Anfangszeiten der Band erinnert. So können nicht nur Fans des Vorgängeralbums zufriedengestellt werden, sondern auch jene; die seit den Anfangszeiten der Band dabei sind.

Letztendlich steht POWER PLANT so gar nicht mal so weit hinter dem kongenialen Vorgänger SOMEWHERE OUT IN SPACE zurück. Auch hier erwartet den Hörer ein wahres Fest des europäischen Power Metals – und wer will bei einem solch hochkarätigen Gastgeber wie GAMMA RAY schon nein sagen ? Lediglich zwei oder drei explizit schwächere Nummern, die teils auffälligen Band-Anleihen und / oder Tributzollungen und der nicht ganz so prägnante Gesamteindruck führen dazu, dass sich POWER PLANT doch noch unter dem bisherigen Meilenstein der Band einordnet. In Bezug auf die Gesamtwertung hat das aber keine allzu großen Auswirkungen – das Album hat im Vergleich zu den Outputs unzähliger Genrekollegen einfach noch immer die Nase vorn. Und das überdeutlich…

Absolute Anspieltipps: SEND ME A SIGN, STRANGERS IN THE NIGHT, A WHILE IN DREAMLAND


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„Wunderbar schmackiges, abwechslungsreiches Genrealbum.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Somewhere Out In Space (1997)

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Alben-Titel: Somewhere Out In Space
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. August 1997
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Vocals, Guitars
Dan Zimmermann – Drums
Dirk Schlächter – Bass
Henjo Richter – Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Beyond the Black Hole (06:00)
2. Men, Martians and Machines (03:52)
3. No Stranger (Another Day in Life) (03:36)
4. Somewhere Out in Space (05:27)
5. The Guardians of Mankind (05:02)
6. The Landing (01:17)
7. Valley of the Kings (03:51)
8. Pray (04:45)
9. The Winged Horse (07:02)
10. Cosmic Chaos (00:49)
11. Lost in the Future (03:40)
12. Watcher in the Sky (05:19)
13. Rising Star (00:52)
14. Shine On (06:52)

Don’t wait for me, I won’t come back.

Es war einmal im Jahre 1997, als die deutsche Power Metal-Combo GAMMA RAY einen Auftrag zu erfüllen hatte. Es galt, das überraschend überragende Vorgängeralbum LAND OF THE FREE (1995, Review) noch zu übertreffen – was entsprechend schwierig ausfallen sollte, wurde selbiger Langspieler von vielen als bisheriger Höhepunkt in der GAMMA RAY-Diskografie angesehen. Doch man war gewappnet – nicht zuletzt mit einem markant erstarkten Kai Hansen, der nach der Übernahme des Leadgesangspostens endgültig zur Galionsfigur der Band avanciert ist. Das Ergebnis ist SOMEWHERE OUT IN SPACE, nicht unbedingt ein Konzept- aber doch Themenalbum; welches sich analog zum (grandiosen) Artwork und zur Titelwahl in geradezu sphärischen Gefilden bewegt.

Musikalisch bleibt das, was dem Hörer hier geboten wird; jedoch weitestgehend bodenständig. Bodenständig und geerdet, aber nicht unspektakulär oder belanglos – im absoluten Gegenteil. Die Hamburger haben weiter an ihrem Sound gefeilt, und beglücken die Hörerschaft nun mit einer noch wuchtigeren, abwechslungsreicheren und so gesehen effektiveren Soundkulisse. Die Folge: das, was einen hier innerhalb eines Rahmens von 14 Titeln erwartet, ist ein europäischer Power Metal der allerersten Güteklasse. Schließlich ist es ganz egal, von welcher Seite man die einzelnen Titel nun betrachtet oder auf welchen Aspekt man sie testweise reduziert – das Ergebnis ist immer zufriedenstellend. Wohlklingende, schmetternde Gitarren; grandiose Soli, ein überraschend vielseitiges Drumming, ein satter Bass und nicht zuletzt der absolut einzigartige Leadgesang lassen SOMEWHERE OUT IN SPACE zumindest gefühlt über den Dingen schweben.

Jedoch wären dies nur einzelne Elemente innerhalb des großen, mit dem Album offerierten Gesamtpaketes. Auffällig ist, dass das Album mit vergleichsweise wenigen Mitteln, das heißt den Power- oder auch Speed Metal-Grundzutaten und einem nur dezenten Einsatz des Keyboards auskommt – und dennoch eine bemerkenswerte, vielschichtig-abwechslungsreiche Gesamtwirkung erreicht wird. Den Grund braucht dafür braucht man nicht allzu lange suchen: es ist das geniale Songwriting, dass einem jeden Titel einen mal dezenten, mal explizit epischen Charakter verleiht und den Hörer immer wieder nachhaltig zu fesseln vermag. Ein feines Gespür für unverbrauchte, äußerst wirksame Melodien und der Hang zu einer enorm antreibenden Rhythmik lassen kaum noch Zweifel aufkommen: GAMMA RAY ist mit SOMEWHERE OUT IN SPACE ein wahrer Geniestreich gelungen.

Und das nicht nur, da man das überraschende Vorgängeralbum noch einmal um Längen toppen konnte. Auch ganz unabhängig betrachtet handelt es sich um ein verdammt gutes, zeitloses Power Metal-Album mit einem Hang zum epischen – ohne dabei ins allzu kitschige abzudriften. Man lauscht nur allzu gern den hier präsentierten Geschichten von einem übergeordnet-kosmischen Charakter – oder lässt sich zumindest von der unvergleichlich energetischen Wirkung einzelner Titel wie BEYOND THE BLACK HOLE gefangennehmen. Der vorläufige Höhepunkt der ekstatischen Energie-Kumulationen findet sich dann übrigens im Titeltrack SOMEWHERE OUT IN SPACE – ein solches Riff-Feuerwerk mitsamt einem wahnwitzigen Drumming-Part bekommt man nur selten auf die Lauscher. Doch auch wenn das Tempo mal reduziert wird, tut dies der Begeisterungen keinen Abbruch. Sicher sind GAMMA RAY Pioniere im Uptempo-Bereich; hört man dagegen Titel wie das majestätische VALLEY OF THE KINGS – so müsste man den Pionieranspruch definitiv noch erweitern. Aber selbst in den balladeskeren Momenten (auch die gibt es) klingen GAMMA RAY absolut stilsicher und vor allem glaubwürdig. Als eine Art Querverweis fungiert übrigens die Nummer WATCHER IN THE SKY, die später auch auf dem IRON SAVIOR-Debütalbum zu hören war.

Fest steht: GAMMA RAY waren und sind – zusammen mit HELLOWEEN – die Pioniere des europäischen Power Metals. Auch wenn die früheren Alben der Band einen mitunter essentielleren, für das Genre wichtigeren / wegweisenden Status innehaben, so ist SOMEWHERE OUT IN SPACE zweifelsohne das bisher (bis 1997) beste Werk der Hamburger. Ausreichend Anhaltspunkte für eine solche Attribuierung sind dabei reichlich vorhanden – schlicht, da man sich in allen Bereichen perfektioniert hat. Vom ausgefeilten Songwriting über die gelungenen Leistungen der einzelnen Mitglieder bis hin zum episch-hymnischen Anspruch, der das Album noch einmal zusätzlich aus der Masse hervorstechen lässt; bietet SOMEWHERE OUT IN SPACE alles, was man sich als Genre-Fan erträumt, aber bisher noch nie explizit zu wünschen gewagt hatte. Selbst die eingestreuten Interludes, die auf dem Vorgänger noch relativ zusammenhanglos und unspektakulär daherkamen; fügen sich nun perfekt in den Alben-Kosmos ein. SOMEWHERE OUT IN SPACE ist ein ganzheitliches Erlebnis – eines, welches man unter keinen Umständen missen sollte.

Absolute Anspieltipps: BEYOND THE BLACK HOLE, SOMEHWERE OUT IN SPACE, VALLEY OF THE KINGS


„Die Definition der POWER im Power Metal.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Land Of The Free (1995)

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Alben-Titel: Land Of The Free
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Vocals, Guitars
Thomas Nack – Drums, Vocals (backing)
Jan Rubach – Bass
Dirk Schlächter – Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Rebellion in Dreamland 08:44
2. Man on a Mission 05:49
3. Fairytale 00:50
4. All of the Damned 05:01
5. Rising of the Damned 00:43
6. Gods of Deliverance 05:01
7. Farewell 05:11
8. Salvation’s Calling 04:36
9. Land of the Free 04:38
10. The Saviour 00:40
11. Abyss of the Void 06:04
12. Time to Break Free 04:40
13. Afterlife 04:46 Show lyrics

Land Of The Free, oder: ein Stück Metal-Geschichte.

Es war einmal im Jahre 1995, als ein alteingesessener GAMMA RAY-Gitarrist aufbegehrte und zusätzlich zu seiner markanten Gitarrenarbeit den Leadgesangsposten der 1989 gegründeten Band übernahm. In der Tat – die Rede ist von niemand geringeren als Kai Hansen, der den für 3 Studioalben verpflichteten Ralf Scheepers ablöste und fortan noch intensiver Einfluss auf den ureigenen, wegweisenden Sound der Band nehmen konnte. Die unausweichliche Folge war ein GAMMA RAY-Album, welches bis heute nachhallt – und gleichzeitig eines der interessanten der gesamten bisherigen Diskografie der deutschen Power Metaller ist. Neben jenen früheren, ebenfalls wegweisenden Alben der sehr eng mit GAMMA RAY verbundenen Band HELLOWEEN, versteht sich.

Zwar ist es irgendwie auch schade, dass Ralf Scheepers (bis 1994 bei GAMMA RAY) nie so anerkannt wurde wie Kai Hansen; zumindest nicht in Bezug auf seine Leistungen als Leadsänger. Andererseits sollte der ohnehin später PRIMAL FEAR (s)einen eigenen Weg gehen, der ihm vielleicht auch besser zu Gesicht stand. Klar ist nur: ab 1995 wurden GAMMA RAY zu dem, was sie auch heute noch sind – eine unverkennbare, in allen Belangen starke Pionierband des Power Metals. Und das nicht nur, da sie zusammen mit HELLOWEEN den Weg für den Erfolg des in Europa noch relativ frischen Subgenres ebneten und damit eine der ersten nennenswerten Bands jener Spielart waren – sondern auch, da ihre Kompositionen stets zeitlos waren und noch immer sind. Wie viele Bands sich an potentiellen musikalischen Vorbildern wie eben HELLOWEEN oder GAMMA RAY orientier(t)en, steht in den Sternen – doch ist es immer wieder eine Erfahrung wert, zurück zu den Ursprüngen zu gehen und ein Album wie LAND OF THE FREE zu genießen.

Die Frage ist nur, ob dies auch uneingeschränkt möglich ist. Fakt ist, dass LAND OF THE FREE das wohl bekannteste, am höcshten gelobte Album der Band ist – und tatsächlich, vieles von dem hier dargebotenen klingt verdächtig nach Kult. Dennoch könnten die Meinungen auseinandergehen, wenn es darum geht den Kultstatus des Albums zu verteidigen oder eben anzufechten. Das dies überhaupt möglich ist, liegt dabei weder an den Leistungen der einzelnen Mitglieder, der Produktion (obwohl sie hie und da etwas kraftlos und leise wirkt) oder dem offensichltich vorhandenen Ideenreichtum – sondern schlicht an ein oder zwei kleineren Fehlgriffen. Zum einen äußern sich diese in Form der immerhin drei auf dem Album vertretenen Interludes, deren Sinn sich nicht wirklich erschließt (auch, da sie her schlecht als Recht in den Albenkontext passen) – und zum anderen an den nicht immer prägnant ausgeführten Ideen. Bereits der Opener REBELLION IN DREAMLAND verspricht großes, besitzt eine interessante progressive Note – doch so richtig Stimmung will bei einem eher sperrigen Titel wie diesem noch nicht aufkommen. Titel Nummer zwei, MAN ON A MISSION dagegen vertreibt dann plötzlich alle Sorgen – und glänzt mit seiner Wirkung als zeitlose, unverbrauchte, spielfreudige Hymne eines Power Metals der europäischen Spielart. Hier geben sich GAMMA RAY nicht nur äußerst flott, kräftig und hymnisch – sondern klingen vor allem auch verdammt atmosphärisch. 

Danach folgt dann allerdings der eher schwächere Teil des Albums, der zum einen aus den besagten Interludes, und zum anderen aus bestenfalls mittelprächtigen Titeln wie ALL OF THE DAMNED oder GODS OF DELIVERANCE besteht. Sicher klingen GAMMA RAY auch hier mehr als nur solide, doch kann man sich kaum des Gefühls erwehren, dass hier jeweils weitaus mehr dringewesen wäre. Die Ballade FAREWELL, die mit einem dezenten Gastgesangspart von Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) aufwartet fungiert dann quasi als Vermittler zwischen der eher schwachen Entwicklung nach MAN ON A MISSION und den noch verbleibenden Nummern. Zu Beginn noch etwas behäbig, entwickelt sich der Titel mehr und mehr zu einem echten emotionalen Feuerwerk – und vielleicht auch zu einem Dauerbrenner für die etwas ruhigeren Stunden. Mit SALVATION’S CALLING gehen GAMMA RAY dann auch wieder in die Vollen, und präsentieren den zweiten markant-starken Titel des Albums, der vermehrt an die Ära der HELLOWEEN KEEPERS-Sage erinnert.

Den Vogel endgültig abschießen aber können GAMMA RAY dann aber erst mit dem Titeltrack. LAND OF THE FREE ist damit einer der wenigen Titeltracks auf einem Power Metal-Album, die diese Bezeichnung auch redlich verdient haben. Nach einem weiteren Interlude folgen dann noch drei Nummern, die das Album prägnant abschließen. Der ABYSS OF THE VOID kommt wunderbar stampfend und atmosphärisch daher, TIME TO BREAK FREE glänzt mit einer überraschenden Komplettperformance von Kollege Michael Kiske, und AFTERLIFE ist durch den Selbstmord des HELLOWEEN-Drummers Ingo Schwichtenberg 1995 (dem dieser Titel gewidmet ist) zusätzlich emotional aufgeladen.

Fazit: LAND OF THE FREE ist ein sehr gutes GAMMA RAY-Album – aber nicht unbedingt das beste. Das markante Abflauen nach einer Hymne wie MAN ON A MISSION spricht hier – ebenso wie die eher überflüssigen Interludes – Bände. Glücklicherweise geht es ab dem achten Titel wieder rund, sodass man spätestens mit der zweiten Albenhälfte gnadenlos gut bedient wird. Doch Luft nach oben, die ist noch reichlich da.

Anspieltipps: MAN ON A MISSION, SALVATION’S CALLING, LAND OF THE FREE, ABYSS OF THE VOID

Vergleichsbands: HELLOWEEN | BLIND GUARDIAN | IRON SAVIOR | PRIMAL FEAR


„Allein aufgrund des Band-internen Gesangsdebüts von Kai Hansen kultverdächtig.“