Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – M.E.T.A.L. (2019)

Alben-Titel: M.E.T.A.L.
Band: Freedom Call (mehr)
Veröffentlichung: 23. August 2019
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Steamhammer

Lineup:

Chris Bay – Vocals, Guitars, Keyboards
Lars Rettkowitz – Guitars
Francesco Ferraro – Bass
Tim Breideband – Drums

Track-Liste:

1. 111 – The Number of the Angels (03:50)
2. Spirit of Daedalus (03:49)
3. M.E.T.A.L. (04:20)
4. Ace of the Unicorn (03:22)
5. Sail Away (03:57)
6. Fly with Us (04:17)
7. One Step into Wonderland (03:38)
8. Days of Glory (03:29)
9. Wheel of Time (04:32)
10. Ronin (03:47)
11. Sole Survivor (04:24)

Alle Jahre wieder… ist Happy-Metal Zeit.

Auch im Bereich des Power Metals gibt es einige Bands, nach denen man so gesehen die Uhr stellen kann. Die seit 1998 aktiven Musiker von FREEDOM CALL bilden da sicher keine Ausnahme – und das vornehmlich, da seit dem Karrierebeginn der Band niemals mehr als zwei oder drei Jahre vergangen sind, bis es zu einem neuen Alben-Release kam. Nach dem 2016 erschienenen, mehr als respektablen MASTER OF LIGHT (siehe Review) scheint es nun also wieder an der Zeit für neues Material aus der berühmt-berüchtigten Nürnberg’schen Happy Metal-Schmiede. Endlich, werden die einen sagen – und leider Gottes die anderen, die wohl auch dieses Mal nicht zu eingeschworenen FREEDOM CALL-Fans bekehrt werden können. Der Grund dafür liegt auf der Hand: auch auf dem vorliegenden, zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig betitelten M.E.T.A.L. macht man gar nicht erst viel anders als auf den bisherigen FREEDOM CALL-Alben. Grundsätzlich könnte man sogar sagen, dass M.E.T.A.L. wie eine Compilation respektive ein buntes Best-Of der Band klingt – mit dem Unterschied, dass es sich bei den insgesamt 11 enthaltenen Nummern tatsächlich (und selbstverständlich) um gänzlich neues Material handelt. Das mag merkwürdig klingen, ist aber gerade im Falle von FREEDOM CALL – die wenn es um einen bestenfalls zu vermeidenden Wiederholungs-Effekt geht schon seit längerem eine recht interessante Gratwanderung begehen – keine allzu große Überraschung.

Anders gesagt: FREEDOM CALL sind sich bis heute über all die Jahre treu geblieben, und haben sich niemals großartig vom ihren ursprünglich angepeilten Spielart eines feucht-fröhlichen Power Metals entfernt. Wobei, und das ist das besondere; es mindestens ebenso viele Gründe dafür gibt diese Tatsache zu bejubeln oder zu verteufeln. Fest steht wohl nur, dass es schwierig ist ein Album wie M.E.T.A.L. vorurteilsfrei zu bewerten – erst Recht natürlich, wenn man die bisherige Diskografie der Band gut kennt oder sogar noch unmittelbar im Ohr hat. Denn, und noch einmal: grundsätzlich könnten die 11 neuen Nummern allesamt auf allen anderen FREEDOM CALL-Alben der letzten 20 Jahre enthalten gewesen sein. Das mag eher ungewöhnlich erscheinen und gewissermaßen auch die Zeitlosigkeit des, man nenne es musikalischen Vermächtnisses der Band unterstreichen – andererseits aber, und damit ist man auch wieder bei der bereits erwähnten Gratwanderung angekommen; könnte sich durchaus ein gewisser Ermüdungseffekt einstellen.

Dafür spräche, dass man viele der auf M.E.T.A.L. anberaumten musikalischen Elemente tatsächlich schon einmal innerhalb der FREEDOM CALL-Diskografie gehört hat – ob nun in einer leicht abgewandelten Form oder einer verdächtig ähnlichen. Als gutes Beispiel dafür ist sicher auch der Titeltrack M.E.T.A.L. anzuberaumen – bei dem es sich um eine für die Band typische Heavy Metal-Hymne inklusive der typischen inhaltlichen Wortfetzen mit allerlei obligatorischen Schlagwörtern handelt. Einerseits ist nichts dagegen einzuwenden – andererseits aber kann man sich kaum des Gefühls erwehren, als hätte die Band selbst schon einmal originelleres vorgelegt. Und das ist schon bezeichnend. Die wunderbar kräftigen Brecher UNION OF THE STRONG (vom Album BEYOND, siehe Review) oder METAL IS FOR EVERYONE (MASTER OF LIGHT), die ebenfalls beide als Videosingles ausgekoppelt wurden; scheinen dem aktuellen Status Quo der Band jedenfalls weit überlegen zu sein. Überhaupt, und da das Album BEYOND nun schon zu Vergleichszwecken herangezogen wurde; scheint es ein schwieriges Unterfangen für FREEDOM CALL zu werden jenes 2014 erschienene Werk noch in irgendeiner Form zu übertreffen. Zumindest nicht in so kurzer Zeit und ohne auch nur eine minimale Veränderung der Zutaten.

So kommt es, wie es kommen muss: M.E.T.A.L. ist in seiner Gesamtheit nicht schlecht, aber eben auch relativ langatmig. Und das in fast allen Belangen. Sicher, rein handwerklich macht den Jungs so schnell niemand etwas vor, und auch hinsichtlich der Abmischung und Produktion des Albums gibt es so gut wie nichts zu mäkeln. Dennoch zeigt sich wieder einmal deutlich, dass dies nur die eine Seite der Medaille ist – und man als zusätzliche Maßnahme unbedingt ein paar neue oder zumindest erfrischend wirkende Ideen hätte einstreuen sollen. Bis zum nächsten Album – und um sicherzugehen – sollten sich FREEDOM CALL also vielleicht doch etwas mehr Zeit lassen. Zumindest mehr als wieder nur zwei oder drei Jahre.

Anspieltipps: 111 – THE NUMBER OF THE ANGELS, THE ACE OF THE UNICORN, FLY WITH US


„Wie es der Alben-Titel bereits impliziert, haben es sich FREEDOM CALL dieses Mal doch etwas zu einfach gemacht. Spaß macht das Album aber trotzdem.“

FREEDOM CALL – Promo-Pics Zum Kommenden Highlight MASTER OF LIGHT (2016)

freedom-call-master-of-light_500

Wie sich die Jungs von FREEDOM CALL für die Promotion ihres neuen, bald erscheinenden Albums MASTER OF LIGHT (siehe Exklusiv-Review) in Schale geworfen haben; soll potentiell interessierten nicht vorenthalten werden – zumal sich die Motive gut als Wallpaper eignen. Es empfiehlt sich, auf das jeweilige Bild zu klicken um eine Großansicht (die Bilder sind 1920 Pixel breit) zu erhalten.

Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – Master Of Light (2016)

freedom-call-master-of-light_500

Alben-Titel: Master Of Light
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. November 2016
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Chris Bay – Vocals, Guitars, Keyboards
Lars Rettkowitz – Guitars
Ilker Ersin – Bass
Ramy Ali – Drums

Track-Liste:

1. Metal Is for Everyone (04:52)
2. Hammer of the Gods (03:11)
3. A World Beyond (05:54)
4. Masters of Light (05:29)
5. Kings Rise and Fall (04:02)
6. Cradle of Angels (05:03)
7. Emerald Skies (03:39)
8. Hail the Legend (03:58)
9. Ghost Ballet (03:07)
10. Rock the Nation (03:11)
11. Riders in the Sky (04:15)
12. High Up (03:03)

Für Fans uns solche, die es warum-auch-immer noch nicht sind.

Ja, auch die alten Hasen von FREEDOM CALL melden sich 2016 mit etwas handfestem im Gepäck zurück. Dabei hatte die schon seit 1998 bestehende Power Metal-Institution aus bayrischen Gefilden erst vor gut 2 Jahren gezeigt, dass noch immer mit ihr zu rechnen ist: das überraschend gute BEYOND (Review) orientierte sich nicht nur deutlicher an den eigentlichen Ursprüngen der Band, sondern überzeugte auch ganz unabhängig als eines der vielleicht besten Genre-Alben des Jahres 2014. Nun sind schon wieder zwei Jahre wie im Flug vergangen, wobei eines mit Sicherheit feststeht: FREEDOM CALL werden einfach nicht älter. Und das ist nicht nur auf die durchweg sympathischen Band-Mitglieder selbst, sondern vor allem auch auf ihre ureigene Spielart und Interpretation eines europäischen Power Metal zu beziehen. FREEDOM CALL präsentieren und inszenieren sich schließlich auch im Jahre 2016 so engagiert, feucht-fröhlich und verspielt wie eh und je – auch wenn es bis zum offiziellen Releasetermin am 11. November 2016 noch etwas hin ist.

Doch glücklicherweise kann hier auf OLIVERDSW schon jetzt ein exklusiver Blick auf das Album geworfen werden. MASTER OF LIGHT kommt mit einem eher unscheinbaren Cover-Artwork im Comic-Look und 12 neuen Titeln daher – und macht gleich von den ersten Takten an klar, dass der geneigte Genre-Hörer hier auf den typischen FREEDOM CALL-Sound in Reinkultur treffen würde. Der packend-schmackige Opener METAL IS FOR EVERYONE ist schließlich eine jener Hymnen, wie sie auch schon auf BEYOND enthalten war. Damals horchte sie auf den Namen UNION OF THE STRONG und wurde als Videosingle ausgekoppelt – sodass es nicht weiter verwunderlich wäre wenn sich FREEDOM CALL dieses Mal für eben jenes, von der etablierten Atmosphäre her relativ deckungsgleiche METAL IS FOR EVERYONE entscheiden würden. Zumindest, wenn es um ein erstes offizielles Musikvideo zum Album geht. Die Titel-Nummer #2 des Albums, HAMMER OF THE GODS wurde indes schon als ofizielle Single und Lyric-Video veröffentlicht.

In der Tat präsentieren sich FREEDOM CALL auch im weiteren Verlauf des Albums genau so, wie man sie kennt und im besten Fall auch lieben gelernt hat. Etwaige Grundsatzdiskussionen über einen generell etwas zu fröhlichen und leichtgängigen Sound der Band sind dabei nichts neues – aber in jedem Falle etwas müßig. FREEDOM CALL stehen schließlich schon seit ihrem Debütalbum STAIRWAY TO FAIRYLAND (Review) für einen enorm hymnischen, eingängigen, alles andere als aggressiven Power Metal – wobei es natürlich dennoch nicht an einer gewissen Portion Kraft, Tempo und Ausdrucksstärke fehlen darf. Und mit dieser Rezeptur sind FREEDOM CALL eigentlich immer gut gefahren, auch wenn ihre Diskografie nicht nur unantastbare Highlights aufweist. Würde man MASTER OF LIGHT ein potentielles Problem ankreiden wollen, so fände sich dies ohnehin nicht in ihrer Spielart begründet – und schon gar nicht in Bezug auf das an den Tag gelegte, in jedem Falle formidable Handwerk oder die wie so oft keine Wünsche offenlassende Produktion.

Und doch gibt es etwas, was den Gesamteindruck des neuen Albums etwas zu schmälern weiß. Wobei es sich zweifelsohne um einen Umstand handelt, der von Hörer zu Hörer mit einer unterschiedliche Gewichtung versehen werden könnte. Vor allem aber wird es eine Rolle spielen, in wie weit und wie intensiv man die bisherige Diskografie der Bayern verinnerlicht hat. Anders gesagt: als regelrechter Dauer-Konsument der Band wird man die selbst auferlegte Treue von FREEDOM CALL ein weiteres Mal feiern und sich womöglich schon auf etwaige Live-Auftritte freuen, denn dafür eignen sich die Titel auf MASTER OF LIGHT mal wieder vorzüglich. Doch könnte man sich gleichzeitig am insgesamt nicht mehr ganz so frischen Soundeindruck des Albums stören, welches im Grunde als inhaltliche und musikalische Fortsetzung von BEYOND fungiert. Viele der von Fans geliebten Trademarks der Band sind dabei natürlich wieder mit von der Partie – aber eventuell ohne, dass diese noch für eine ähnliche Begeisterung sorgen könnten wie dereinst.

Die Befürchtung, dass die Band langsam aber sicher droht sich nur noch zu wiederholen; ist also nicht gänzlich unberechtigt. Gleichzeitig aber ist der allgemeine Spaßfaktor des Albums enorm – und das zumindest aktuell noch derart, dass man geneigt ist über einen sich potentiell anbietenden Déjà-Vu-Effekt hinwegzusehen. Es bleibt demnach nur noch abzuwägen, was man von einem Album wie MASTER OF LIGHT erwartet. Fest steht: wer sich eine musikalische Revolution in Bezug auf die Band oder das Genre im allgemeinen erhofft; ist hier definitiv an der falschen Adresse. In erster Linie können sich Fans und Freunde der alten FREEDOM CALL-Alben angesprochen fühlen – die auch auf dem mittlerweile neunten Album der Band keine gewagten Experimente erleben; sondern nur noch mehr von der typischen FREEDOM CALL-Essenz kredenzt bekommen möchten.

Absolute Anspieltipps: METAL IS FOR EVERYONE, KINGS RISE AND FALL, HAIL THE LEGEND


80button

„Ein Muss für FREEDOM CALL-Fans.“

Neue FREEDOM CALL-Single „Hammer Of The Gods“ OUT NOW (Metal News)

powermetal-bands-logos-freedom-call

Die allseits fleißigen Power Metaller von FREEDOM CALL melden sich nach dem ungewöhnlichen Re-Release von ETERNITY (Review) endlich auch wieder mit gänzlich neuem Material zurück – auch wenn es sich vorerst nur um eine Single handelt. Die horcht auf den Namen HAMMER OF THE GODS, und ist in rein digitaler Form über Steamhammer erschienen. Immerhin hat die Band ein offizielles Lyric-Video veröffentlicht. Ob auch ein Album folgt ? Man weiß es nicht – doch es ist zu hoffen.

Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – 666 Weeks Beyond Eternity (2015)

freedom_call_666_weeks_500

Alben-Titel: 666 Weeks Beyond Eternity
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. April 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Steamhammer / SPV

Alben-Lineup:

Chris Bay – Vocals, Guitars
Lars Rettkowitz – Guitars
Ilker Ersin – Bass
Ramy Ali – Drums

Track-Liste:

1. The Spell (0:55)
2. The Eyes of the World (3:55)
3. Flying High (4:09)
4. Island of Dreams (3:52)
5. Bleeding Heart (4:57)
6. Flame in the Night (4:57)
7. Metal Invasion (6:49)
8. Ages of Power (4:41)
9. Turn back time (5:04)
10. Warriors (4:19)
11. Land of Light (3:52)

1. 666 Weeks Beyond Eternity (4:07)
2. Metal Invasion Live (7:36)
3. Warriors Live (4:57)
4. Land of Light Live (4:10)
5. The Eyes of the World Live (4:24)
6. Metal Invasion Masqueraded (4:16)
7. Warriors Unplugged & Masqueraded (4:30)
8. Flame in the Night (Powerworld) (5:01)
9. Land of Light (Neonfly) (3:51)
10. Warriors (Hannes Braun) (3:21)

Wenn die Ewigkeit genau 666 Wochen währt.

Nicht wenige Power Metal-Bands ergreifen im Laufe ihrer Karriere irgendwann einmal die Möglichkeit, in besonderer Form auf bisher erreichtes zurückzublicken. Zumindest im besten Fall, und nur wenn es sich auch wirklich lohnt – wie etwa bei den alten Hasen von FREEDOM CALL. Die sind schließlich schon seit 1998 im aktiven Geschäft – und präsentieren der Welt seit jeher ihre ganz eigene, unverkennbare Interpretation eines europäischen Power Metal. Mit insgesamt 8 Studioalben und gerade einmal einer Compilation (AGES OF LIGHT, 2013) können es sich die Künstler um die beiden Galionsfiguren Chris Bay (Gesang, Gitarre, Keyboards) und Ilker Ersin (Bass) wohl auch leisten, im Jahre 2015 noch einmal zu einer eher ungewöhnlichen Veröffentlichung zu greifen. Zumindest ergibt das in diesem Falle mehr Sinn als bei einigen Vergleichsbands, und dank des starken Rückenwinds des letztaktuellen Studioalbums BEYOND (Review) sollten ohnehin alle Zeichen auf grün stehen.

Wenn, ja wenn FREEDOM CALL nicht etwa vergleichbare Fehler wie MANOWAR (Re-Release von BATTLE HYMNS und KINGS OF METAL) oder SONATA ARCTICA (Re-Release von ECLIPTICA) machen – und die Neuauflage eines älteren Albums zu einem waschechten Desaster avancieren lassen. Glücklicherweise lassen aber schon die Randdaten von 666 WEEKS BEYOND ETERNITY auf eher gegenteiliges schließen. So ist es gut und beruhigend zu wissen, dass FREEDOM CALL das musikalische Material des originären ETERNITY unangetastet lassen, und es stattdessen nur in einer neuen Form verpacken. Eben ganz getreu des kuriosen Jubiläums-Mottos, welches sich auf die mittlerweile 666 vergangenen Wochen zwischen der ursprünglichen Veröffentlichung und dem jetzigen Release-Datum bezieht. Ob Zufall oder nicht, erscheint dies zusätzlich sinnig; denn: andere Alben aus ihrer Diskografie (wie etwa das sicher etwas bekanntere und mittlerweile kultige Debütalbum STAIRWAY TO FAIRYLAND, Review) oder die im Vergleich nicht ganz so guten Alben wie THE CIRCLE OF LIFE (Review) oder DIMENSIONS (Review) hätten sich möglicherweise nicht so gut für diesen Coup geeignet.

Nun gilt es nur noch feszuhalten, was genau auf dieser besonderen; in einem schmucken Digipack daherkommenden Edition enthalten ist – und ob es sich wirklich lohnt, hier zu investieren. Und das ist wie so oft eine schwierige Frage, die nicht wirklich klar beantwortet kann. Denn: bis auf einen gäbnzlichen neuen, perfekt zum Konzept des Albums passende Titel (der Opener der zweiten CD, 666 WEEKS BEYOND ETERNITY) findet sich auf diesem Re-Release respektive dieser Compilation nichts, was man als Fan nicht schon sein Eigenen nennen würde. Zumindest im gegebenen Fall, und bei entsprechendem Sammelwahn – was zum Beispiel für die Sonderedition von LAND OF THE CRIMSON DAWN oder aber die Live-DVD LIVE IN HELLVETIA gilt. Sicher, das hier noch einmal neu zusammengeraufte Material ist alles andere als von schlechten Eltern und lässt sich hören; doch zumindest einige wenige weitere neue Titel oder aber rare Versionen anderer wären sicher nicht verkehrt gewesen.

Somit gilt, was auch schon für die jeweiligen Originale galt. Die Live-Versionen von METAL INVASION, WARRIORS oder LAND OF LIGHT sind Klassiker der Band, die dank der erstaunlichen hochqualitativen Aufnahmen einen geradezu majestätischen Bühnen-Eindruck vermitteln. Die etwas anders klingende Version zu METAL INVASION ist spaßig und klingt trotz der ungewohnten Töne alles andere als schief, WARRIORS klingt in seiner Unplugged-Version gleichermaßen authentisch wie verschwörerisch. Und auch die Cover-Versionen sind gelungen – in diesem Falle interpretiert von POWERWORLD, NEONFLY und HANNES BRAUN. Sicher mögen die hier erzielten Wirkungen nicht an die der Originale heranreichen, doch wirken sie alles andere als lieblos. Speziell NEONFLY schneiden hier überraschend gut; ja wenn nicht gar überragend ab – und auch die eher klassisch-balladeske Gesangsvariante von Hannes Braun fällt sehr stimmig aus. Schlussendlich bleibt zu sagen: wenn FREEDOM CALL sich in Zukunft nicht dazu verleiten lassen immer mal wieder ein solches; man nenne es Spezial-Album zu veröffentlichen (Schnapszahlen gibt es ja bekanntlich noch viele mehr), dann haben sie alles richtig gemacht. Als einmalige Angelegenheit erscheint 666 WEEKS BEYOND ETERNITY noch sinnig – jedoch muss die Wertung im Vergleich zum Original mit seinen stolzen 8.5 von 10 Punkten entsprechend herabgesetzt werden; trotz aller Feierlaune.

Absolute Anspieltipps: 666 WEEKS BEYOND ETERNITY


65button

„Für eingefleischte Fans und Sammler der Band eher überflüssig, was jedoch nichts an der Qualität des enthaltenen Materials ändert.“

Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – Legend Of The Shadowking (2010)

freedom-call_legend-of-the-shadowking_500

Alben-Titel: Legend Of The Shadowking
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Chris Bay – Vocals, Guitars, Keyboards
Dan Zimmermann – Drums, Vocals (backing)
Samy Saemann – Bass, Vocals (backing)
Lars Rettkowitz – Guitars, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Out of the Ruins 04:21
2. Thunder God 03:31
3. Tears of Babylon 03:38
4. Merlin – Legend of the Past 04:17
5. Resurrection Day 03:34
6. Under the Spell of the Moon 05:08
7. Dark Obsession 04:45
8. The Darkness 05:06
9. Remember! 04:21
10. Ludwig II – Prologue 02:19
11. The Shadowking 05:13
12. Merlin – Requiem 02:34
13. Kingdom of Madness 03:59
14. A Perfect Day 03:58

Hat da jemand doch noch die Kurve gekriegt ?

Wahrlich, mit den beiden vor LEGEND OF THE SHADOWKING veröffentlichten Alben konnten die Nürnberger Jungs von FREEDOM CALL nicht gerade Großes bewegen. THE CIRCLE OF LIFE (2005, Review) erschien ob seiner merkwürdigen Art der Tributzollung mindestens gewöhnungsbedürftig, während man mit DIMENSIONS (2007, Review) sogar einen eigentlich kaum denkbaren Tiefpunkt erreichte. Auch wenn unklar ist, in wie weit die zahlreichen negativen Kritiken das weitere Schaffen der Band beeinflussten; man hat sich erneut zusammengesetzt und einem Album gewerkelt. Herausgekommen ist LEGEND OF THE SHADOWKING – ein Album, mit welchem man offenbar nicht nur von der Covergestaltung her neue Wege zu gehen scheint. Was FREEDOM CALL hier in 14 Titeln verpacken, wirkt nicht nur wesentlich ausgefeilter, strukturierter und anspruchsvoller als das gesamte Material der zwei oder drei vorherigen Alben zusammen – in Bezug auf den Faktor der Spielfreude und den Grad der Innovation orientieren sich die Nürnberger eindeutig an ihrem Debütalbum, welches nicht zu Unrecht für einen großen Überraschungseffekt sorgte.

Das beutetet vor allem, dass das auf LEGEND OF THE SHADOWKING dargebotene Material eines ist: abwechslungsreich. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen sich ein und dieselbe Stimmung durch ein gesamtes Album zog – es darf eben auch gerne mal etwas vielfältiger zugehen. Dabei hört man dennoch sofort, dass es sich um FREEDOM CALL handelt – die eng mit der Band verbundenen (und durch sie geprägten) Begriffe der Unbeschwertheit und vielleicht auch ausgelebten Fröhlichkeit im Bereich des Power Metal bilden auch hier die eigentliche Essenz und Identität der Band. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass man sich nicht mehr allein auf etwaige beschwingte, mitreißende Elemente verlässt – sondern auch die Kompositionen im Gesamten wesentlich stimmungsvoller ausschmückte. Vor allem aber agieren FREEDOM CALL nach dem geradezu parodistisch anmutendem DIMENSIONS wieder vollständig glaubwürdig. Allzu simple Genre-Hymnen mit reichlich Kitsch und Pathos bleiben aus – stattdessen erwartet den Hörer eine halbwegs erlesene Auswahl von Titeln einer jeweils ganz unterschiedlichen Natur.

Das lässt sich bereits dem durchaus gelungenen Auftakt entnehmen: während OUT OF THE RUINS eine typische Power Metal-Nummer im Uptempo und allen dazugehörigen Elementen (reichlich Doublebass, Mitsing-Refrain) ist, bewegt man sich mit dem darauf folgenden THUNDER GOD schon in deutlich rockigeren, AOR-lastigen Bereichen. TEARS OF BABYLON schlägt dann eine Brücke zwischen beiden Stimmungen, uns präsentiert sich als erstes Highlight des Albums – mit einem pompösen, aber keinesfalls überladenen Refrain, der einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wird. Überhaupt fällt bereits zu diesem Zeitpunkt auf, dass FREEDOM CALL ganz allgemein an ihrem Sound geschraubt haben. Die hintergründigen (Männer-)Chöre klingen nun wesentlich markanter, das Keyboard erhält eine nicht mehr ganz so weitläufige Spielwiese, die Gitarren wirken knackiger. Nicht zuletzt das Songwriting profitiert von der offensichtlichen Weiterentwicklung der Band. Sicher, etwaige Klischees werden noch immer bedient – doch in einem weitaus angenehmeren Maße. LEGEND OF THE SHADOWKNG ist zudem weder vorhersehbar noch langatmig, die Band sorgt immer wieder für Überraschungen und markante Aha-Momente.

Tatsächlich scheinen FREEDOM CALL mit ihrem 2010’er Album erwachsener geworden zu sein, ohne dass etwaige musikalische Wurzeln verleugnet werden. Im Gegenteil. Der Sound wirkt ganz allgemein wesentlich griffiger, die Kompositionen nachhaltiger, die Stimmungen sind abwechslungsreicher und werden intensiver transportiert. Zumindest gilt das insbesondere für den ersten Alben-Teil – der zweite kann diesbezüglich nicht mehr wirklich mithalten. Zu gezwungen und schlicht merkwürdig wirken neue musikalische Experimente a’la UNDER THE SPELL OF THE MOON, das düstere aber wenig atmosphärisch vorgetragene DARK OBSESSION. Dass FREEDOM CALL aber auch in den etwas düstereren Momenten überzeugen können, zeigt sich durch Titel wie THE DARKNESS – einer jener Momente, in denen man die Band erst kaum wiedererkennen wird. Überaus interessant ist auch das Interlude LUDWIG II, in welchem erstmals eine deutschsprachige Gesangspassage Einzug hält. Die entspricht ebenfalls nicht gerade dem, was man von FREEDOM CALL erwarten würde – und macht das Album noch etwas vielfältiger. Das große Finale, welches mit dem eher peinlichen A PERFECT DAY zelebriert wird, hätte man dagegen lieber streichen sollen. Auch wenn man offenbar Spaß bei der Aufnahme hatte, hätte jener plumpe Poser-Track viel eher zum letzten Album der Band gepasst.

Sicher ist LEGEND OF THE SHADOWKING nicht das Beste Album der Nürnberger, doch nach den letzten eher enttäuschenden Outputs gleicht es einem wahren Segen. Man hat sich hörbar weiterentwickelt, und somit auch einige der besonders auffälligen Schwächen der letzten Alben relativiert. Fans der Band, die besonders mit den ersten zwei oder drei Alben der Band zufriedengestellt werden konnten, werden sich auch an LEGEND OF THE SHADOWKING erfreuen. Nicht zuletzt, da man offenbar wieder über ausreichend Ideen verfügt und zur (unverbrauchten) Spielfreude von dereinst zurückgekehrt ist, ohne sich zu wiederholen. Denn auch die neuen Einflüsse, die die Band-typischen Hymnen mit kultverdächtigen Mitsing-Refrains um eine zusätzliche Komponente ergänzen, machen eine mehr als gute Figur. Bei 14 Titeln stehen lediglich drei oder vier schwächere (aus der zweiten Albenhälfte) einem ganzen Arsenal aus empfehlenswerten, äußerst abwechslungsreichen und schlicht durch-und-durch schmackigen Nummern entgegen – eine absolute Empfehlung, nicht nur für beinharte FREEDOM CALL-Fans.

Absolute Anspieltipps: OUT OF THE RUINS, TEARS OF BABYLON, RESURRECTION DAY, DARKNESS


„So stark klangen FREEDOM CALL schon lange nicht mehr.“

Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – Dimensions (2007)

freedom-call_dimensions_500

Alben-Titel: Dimensions
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Chris Bay – Vocals, Guitars, Keyboards
Lars Rettkowitz – Guitars, Vocals (backing)
Armin Donderer – Bass, Vocals (backing)
Dan Zimmermann – Drums, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Demons Dance 02:03
2. Innocent World 04:27
3. United Alliance 04:10
4. Mr. Evil 03:43
5. Queen of My World 04:27
6. Light Up the Sky 05:25
7. Words of Endeavour 03:52
8. Blackened Sun 04:40
9. Dimensions 03:58
10. My Dying Paradise 04:47
11. Magic Moments 04:34
12. Far Away 03:19

Auf den Abstieg folgt der… Abstieg ?

Es geht also weiter mit der mehr als spannenden Diskografie der Nürnberger Happy Metal-Recken von FREEDOM CALL. Gar nicht mal allzu lange nach dem vergleichsweise desaströsen vierten Album der Band (THE CIRCLE OF LIFE, Review) erschien 2007 DIMENSIONS – ein Album, welches im besten Fall die aus dem Vorgänger resultierende Enttäuschung wieder wettgemacht hat. Schließlich bewiesen FREEDOM CALL schon zur Genüge, dass sie einen anständigen Power Metal kreieren können – wenn sie es nur wollen, und einige bisher unbekannte Umstände entsprechend zugunsten der Band und deren Material ausfallen. Wird DIMENSIONS die Tradtion des auf-und-ab in der FREEDOM CALL-Diskografie fortsetzen und sich wieder den Status eines hochkarätigen Genrealbums sichern – oder wird auf ein eher schlechtes erneut (und somit erstmals) ein zu vernachlässigendes Album folgen ?

Eine spannende Frage, an der man jedoch nicht lange zu knabbern hat. Denn: auf DIMENSIONS machen die Nürnberger etwas klar, mit dem man eher nicht gerechnet hätte: dass ihnen die Ideen ausgehen. Und beileibe nicht nur die, sondern gleichzeitig auch die einstige Spielfreude, die irgendwo zwischen einer angenehmen Eingängigkeit und dezenten Innovation (man nenne es eine Innovation der Fröhlichkeit) hin- und herpendelte. Was auch immer nach ETERNITY (2002) passiert sein mag – es wirkt sich auf die Band und das präsentierte Material aus, und das nicht zu knapp. Bereits das eher künstlich anmutende, mit einer miesen Erzählstimme gespickte Intro lässt nichts gutes vermuten – und tatsächlich, schon der Opener INNOCENT WORLD ist eine herbe Enttäuschung. Nicht unbedingt, da es sich um eine verdammt fröhliche, kitschige Nummer handelt – dafür hatten FREEDOM CALL schon immer ein Händchen. Hatten – doch das, was hier präsentiert wird, ist selbst für jene Genreverhältnisse zuviel. Oder eben zu wenig, je nachdem wie man es betrachtet. Klar ist nur: wo man sich zuvor noch von einer entsprechenden Stimmung hat mitreissen lassen, ist aktuell nicht viel mehr als Fremdschämen angesagt. Einen peinlicheren Refrain als den in INNOCENT WORLD inszenierten hat man schlicht – selbst als erfahrener Power Metal-Konsument – wohl noch nicht gehört. Da reißt selbst der immerhin ansprechende Soli-Parts nichts mehr.

Und es wird nicht besser, im Gegenteil. Somit kann auch die Hoffnung, die auf THE CIRCLE OF LIFE hzumindest teilweise erfüllt wurde, nicht gehalten werden. DIMENSIONS überzeugt weder in der ersten, noch der zweiten Albenhälfte; oder anders gesagt: zu keinem Zeitpunkt. Es ist merkwürdig aber: das Album wirkt am ehesten so, als hätte man sich selbst parodiert. Ander sind die extrem flachen Lyrics (selbst für FREEDOM CALL-Verhältnisse) nicht zu erklären, ebensowenig wie die eindeutigen musikalischen Fehlgriffe a’la MR. EVIL. Selbst die im Anhang präsentierten Cover-Versionen und Bonus-Tracks wissen alles andere als zu glänzen, als ein besonders markantes Beispiel sei hier der Klassiker DANCING WITH TEARS IN MY EYES gennant. Da klingt das Original – selbst ohne schwermetallischen Einfluss – wesentlich besser, selbst FREEDOM CALL hatten schonmal entsprechend hochkarätig vorgelegt, und zwar mit der ähnlichen Nummern TEARS ARE FALLINg vom Debütalbum. Die einzige Ausnahme mag hier das flotte, hymnische WARRIORS OF LIGHT als quasi-Ergänzung zu früheren Nummern der Band bilden, die doch recht gut funktioniert und weitaus weniger plump klingt als alles andere auf dem Album angebotene.

Bleibt alles, was zwischen dem platten Opener und dem Bonus-Finale angesiedelt ist. Doch auch hier regiert die pure Belanglosigkeit: THE QUEEN OF MY WORLD hat bis auf den flotten Soli-Part und einen recht passablen Refrain nicht viel zu bieten, LIGHT UP THE SKY klingt über weite Strecken verdächtig künstlich und unstrukturiert, und auch die Balladen a’la WORDS OF ENDEAVOUR haben schon einmal weitaus besser funktioniert. Und was ist in BLACKENED SUN los ? Hier versuchen FREEDOM CALL ausnahmsweise mal etwas düsterer zu klingen, was an sich und in Bezug auf die Abwechslung keine schlechte Sache wäre – doch schlägt die Nummer mit ihrem absolut gezwungen wirkenden Eindruck komplett fehl. Wie wohl auch der arg kraftlose, uninspirierte Titeltrack mit seinem stumpfen Refrain – wahrlich, man kann hier von allem sprechen, nur nicht von einer Glanzleistung. MY DYING PARADISE besitzt zumindest das Zeug zu einer Hymne – schade nur, dass die eher unvorteilhafte Abmischung auch dieser Nummer zusätzlich Kraft raubt. Den aktuellen Zwiespalt von FREEDOM CALL kann man dann noch einmal besonders gut in einer Nummer wie FAR AWAY bestaunen. Eigentliche eine recht anständige, durch eine dezent hardrockige Note angenehm erfrischende Nummer; hätte man schlicht keinen schlechteren Refrain (inklusive platter Lyrics und künstlicher Dudelsack-Klänge) schreiben können.

Fazit: Wenngleich die ersten drei FREEDOM CALL-Alben sicherlich nicht bei jedermann angekommen sind, hatten sie zumindest das Potential eingefleischte Genre-Fans zu begeistern. Davon fehlt hier – bis auf ein oder zwei Einzeltitel als überzeugendes Argument – aber jede Spur. Selbst THE CIRCLE OF LIFE, eines der weniger guten Alben der Band, entwickelte einen größeren Reiz als das maue DIMENSIONS. Trotz aller Übertreibungen konnte man FREEDOM CALL – und sei es mit einem gewissen Augenzwinkern – stets abnehmen, was sie da machen. Diese Zeiten scheinen endgültig vorüber, beschäftigt man sich mit einem Album wie DIMENSIONS. So simpel, stumpf; aber eben auch unsicher und ideenlos klang die Band noch nie. Die wenigen Ideen, die man doch noch einbrachte; wirken dagegen komplett fehlgeleitet – wie etwa die Mischung aus alten und neuen Elementen in FAR AWAY, dem HELLOWEEN-Tribut MR. EVIL oder dem merkwürdigen BLACKENED SUN. Es ist schade, aber: man sollte die Hoffnung bekanntlich niemals aufgeben. Vielleicht wird es mit dem nächsten Inspirationsschub wieder angenehmer.

Anspieltipps: UNITED ALLIANCE, WARRIORS OF LIGHT

Vergleichsbands: GAMMA RAY | DREAMTALE | STRATOVARIUS | POWER QUEST


40oo10

„Der Tiefpunkt der Freedom Call-Diskografie“

Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – The Circle Of Life (2005)

freedom-call_the-circle-of-life_500

Alben-Titel: The Circle Of Life
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Chris Bay – Vocals, Guitars
Nils Neumann – Keyboards
Cédric „Cede“ Dupont – Guitars, Vocals (backing)
Ilker Ersin – Bass, Vocals (backing)
Dan Zimmermann – Drums, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Mother Earth 04:31
2. Carry On 03:30
3. The Rhythm of Life 03:41
4. Hunting High and Low 04:00
5. Starlight 03:41
6. The Gathering 01:24
7. Kings & Queens 03:48
8. Hero Nation 04:55
9. High Enough 05:48
10. Starchild 05:11
11. The Eternal Flame 04:25
12. The Circle of Life 05:56

Jeder macht mal schlechte Zeiten durch.

Mit FREEDOM CALL war das schon immer so eine Sache. Manche waren seit den Anfangszeiten der Band dabei und feiern sie entsprechend, andere dagegen wagen gar nicht erst einen expliziteren Blick auf das Schaffen der feucht-fröhlichen Power Metal-Combo aus Nürnberg. Schließlich kann ein musikalischer Anspruch wie der von FREEDOM CALL nur polarisieren – interpretierten sie den Begriff der Zugänglichkeit grundsätzlich neu, und setzten seit jeher auf eine vergleichsweise freundliche Spielart des Power Metal. Das ging vor allem beim überraschenden Debütalbum gut (Review), beim Nachfolger CRYSTAL EMPIRE verschätze man sich leicht – nur um auf dem dritten Album ETERNITY wieder zu alten Stärken zurückzufinden. Es ist ein ständiges auf und ab mit den Jungs von FREEDOM CALL – wie passend also, dass ein Album wie CIRCLE OF LIFE diese Tradition gnadenlos fortsetzt.

Denn: nach ETERNITY, dem guten letzten Studioalbum der friedliebenden Metal-Streiter; enttäuscht das nunmehr vierte Album auf der ganzen Linie. Das ist zwar schade, aber einfach nicht zu überhören – vielleicht auch, da die ersten Stutzer bereits beim Lesen der Tracklist und damit vor dem eigentlichen Hörvergnügen aufkommen. Einige, wenn nicht gar viele der hier genannten Titel werden zumindest alteingesessenen Power Metal-Fans verdächtig bekannt vorkommen – wie etwa HUNTING HIGH AND LOW (ein bekannter STRATOVARIUS-Titel), STARLIGHT (HELLOWEEN) oder HERO NATION (METALIUM); um nur drei zu nennen. Da es sich aber keinesfalls um Cover-Versionen der bekannten Titel handelt, sollte man sich die Frage stellen warum FREEDOM CALL diese Parallelen überhaupt entstehen ließen – eine Band, die ohnehin des öfteren unter dem Verdacht stand und steht, hie und da nicht besonders eigenständig zu agieren.

Handelt es sich etwa um eine Art Tributzollung, einen dezenten Hinweis auf potentielle, frühere Vorbilder der Band ? Das mag vielleicht sogar sein – doch vielleicht wären FREEDOM CALL besser beraten gewesen, hätten sie einen solchen Tribut dezenter verpackt. Und vor allem musikalisch hochwertiger: mit der einst auf dem Debütalbum und insbesondere ETERNITY etablierten Qualität hat das auf THE CIRCLE OF LIFE dargebotene Material rein gar nichts mehr zu tun. Es ist kurios, aber: FREEDOM CALL flachen hier in allen Belangen mehr als deutlich ab; und dass obwohl sie bereits gezeigt haben dass sie über genügend eigene, gute Ideen verfügen sollten.

Doch das, was man hier im Rahmen von 12 Titeln (oder 11, abzüglich eines Interludes) zusammengewürfelt hat, spottet einfach jeder Beschreibung. Sicher, etwas simpler und eingängiger ging es schon immer zu bei den Nürnberger Frohnaturen – doch zumindest immer dezent bis explizit hymnisch und mit dem ein oder anderen knackigen Überraschungseffekt. Nun aber kommt eine Ansammlung von Titeln daher, die nicht nur verdächtig simpel klingen – sondern schlicht unerträglich plump und gleichförmig. Es fällt daher schwer, auf einem Album wie diesem wirkliche Highlights auszumachen – selbst die Nummer, die dem bisherigen Werk von FREEDOM CALL vielleicht am nächsten kommt (CARRY ON) verpufft schnell in den unendlichen Sphären der Belanglosigkeit.

Besonders schlecht ist es dagegen um den Opener (MOTHER EARTH), das langatmige RHYTHYM OF LIFE oder das abgekupfterte HUNTING HIGH AND LOW bestellt. Hier zeigen sich FREEDOM CALL von ihrer bisher einfallslosesten, uninspiriertesten Seite – indem sie so gut wie keine Emotionen vermitteln, sondern schlicht langweilen. Da hilft es auch nichts, dass man noch mehr als zuvor auf Keyboardklänge und Synth-Einschübe setzt (während man die Gitarren eher zurückfährt) – jener erzwungen wirkende 80er-Jahre-Anstrich wertet das Album auch nicht auf, im Gegenteil. Überhaupt, was ist aus dem einst so ansprechenden (simplen, aber wirksamen) Songwriting geworden ? Hört man eine Nummer wie STARLIGHT, so müsste man am ehesten davon ausgehen eine ganz andere Band zu hören.

Wenn schon die bisherigen Titel nicht überzeugen konnten, so kann es vermutlich auch nicht das Interlude – was zutrifft. Man schreitet also beherzt voran zur zweiten Albenhälfte, nicht zuletzt in der Hoffnung dass FREEDOM CALLL hier doch noch die Kurve kriegen. Und tatsächlich, es scheint sich eine dezente Steigerung abzuzeichnen. KINGS & QUEENS, HIGH ENOUGH und STARCHILD klingen schon eher nach FREEDOM CALL, wenngleich selbst diese Nummern nicht wirklich mit dem Material der bisherigen drei Alben konkurrieren können. Etwas anders sieht es dann mit THE ETERNAL FLAME aus, eine Nummer in der Tradition von THE WANDERER oder FLAME IN THE NIGHT. Hier könnte man erstmals ein klein wenig Gänsehaut bekommen – und daran erinnert werden, warum FREEDOM CALL bei manchen als wahre Kultband gelten. HERO NATION und der Titeltrack dagegen sind wieder echte, schlecht geschriebene Langweiler, die keinen hinter dem Ofen hervorlocken können.

Fazit: Es ist schon faszinierend, sich mit einer Diskografie wie der von FREEDOM CALL zu beschäftigen. Zum einen, da die Band ohnehin polarisiert – und zum anderen, da die Alben enormen qualitativen Schwankungen ausgesetzt sind. Warum auch immer es so gekommen ist, THE CIRCLE OF LIFE ist zweifellos das bisher schlechteste Album der Band, gegen das selbst das extrem simple CRYSTAL EMPIRE aus dem Jahre 2001 die Nase vorn hat. Das Songwriting ist vergleichsweise miserabel, die Spielfreude ist wie der Grad der Innovation extrem zurückgefahren, selbst Leadsänger Chris Bay scheint hier nicht in bester Form zu sein – und die merkwürdige Art der Tributzollung (Titelklau bei Genrekollegen, aufgesetzter 80’s-Touch) rundet das Ganze stilsicher nach unten hin ab. In der zweiten Albenhälfte wird es dann dezent besser – doch kann dies kaum über die erste hinwegtrösten, die sich am ehesten zum Fremdschämen eignet. Sicher fällt es schwer, bei einer sympathischen Band wie dieser überhaupt von einem schlechten Album zu sprechen – doch scheint es nötig, um Differenzieren zu können. Interessierte sollten viel eher mit den früheren Alben der Band beginnen, und THE CIRCLE OF LIFE bestenfalls überspringen; so schade es auch ist.

Anspieltipps: KINGS & QUEENS, HIGH ENOUGH, STARCHILD, THE TERNAL FLAME

Vergleichsbands: GAMMA RAY | DREAMTALE | STRATOVARIUS | POWER QUEST


50oo10

„Alles andere als eine Glanzleistung.“

Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – Eternity (2002)

freedom_call_eternity_500

Alben-Titel: Eternity
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Dan Zimmermann – Drums
Cédric „Cede“ Dupont – Guitars
Ilker Ersin – Bass
Chris Bay – Vocals, Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Metal Invasion 06:48
2. Flying High 04:09
3. Ages of Power 04:41
4. The Spell 00:54
5. Bleeding Heart 04:58
6. Warriors 04:20
7. The Eyes of the World 03:55
8. Flame in the Night 04:57
9. Land of Light 03:54
10. Island of Dreams 04:16
11. Turn Back Time 05:04

Zurück zu alten Stärken.

Wahrlich, die Nürnberger Power Metaller von FREEDOM CALL waren vor allem um die Jahrtausendwende herum überaus aktiv. Nach dem sensationellen Debüt von 1999 (STAIRWAY TO FAIRYLAND, Review) und dem Nachfolger CRYSTAL EMPIRE (Review) folgte ein gutes Jahr später schon das dritte Studioalbum – ETERNITY. Allerdings hatte die Band zwischenzeitlich einen Lineup-Wechsel zu verzeichnen: für Sascha Gerstner an der Gitarre kam der Schweizer Cédric „Cede“ Dupont, der bis dato vor allem durch seine Mitarbeit bei SYMPHORCE bekannt geworden war. Grundsätzlich aber galt auch für ETERNITY: das typische, auf den ersten beiden FREEDOM CALL-Alben etablierte Konzept sollte auch hier fortgesetzt werden.

Mit dem Unterschied, dass es dieses Mal wieder deutlich spektakulärer zugehen sollte – und ETERNITY somit direkt an den Eindruck des Debütalbums anschließt, indem es gleichzeitig den etwas schwächeren Nachfolger CRYSTAL EMPIRE in Grund und Boden stampft. Das ist nur gut und erlaubt, schließlich stammen alle Alben von ein und derselben Band – ein Fortschritt, eine Weiterentwicklung ist zweifelsohne spürbar. Vor allem, wenn man sich CRYSTAL EMPIRE und ETERNITY in einem (Atem-)Zug anhört – die Unterschiede sind beträchtlich. Zwar nicht unbedingt auf die vermittelten Emotionen und behandelten Inhalte bezogen, aber doch auf die musikalische Qualität und Vielfalt an sich.

Sicher ist auch auf ETERNITY nicht alles Gold was glänzt – etwa die gewöhnungsbedürftige Liebes-Ballade BLEEDING HEART oder das zu vernachlässigende Interludium THE SPELL – doch grundsätzlich ist die Anzahl der hochkarätigen Nummern noch immer Grund genug, das Album zu erstehen. Vor allem in Bezug auf die zweite Alben-Hälfte, die nach dem temporeichen Auftakt noch einmal verschiedene Stimmungen und Eindrücke heraufbeschwört. Besonders markant sind in diesem Zusammenhang das fantastisch-hymnische THE EYES OF THE WORLD und das epische FLAME IN THE NIGHT als Mischung aus quasi-Ballade und Über-Refrain. Selbst die abschließende Ballade TURN BACK TIME kann dann überzeugen, vor allem durch die offensichtliche Wandelbarkeit.

Wie immer mit von der Partie sind natürlich auch alle typischen FREEDOM CALL-Elemente. Wer sich also an einem zu überschwänglichen Keyboardeinsatz, üppigen Synth-Passagen oder explizit kitschigen Inhalten und Themen stört, der sollte eher nicht zugreifen. Freunde des etwas verspielteren, zugänglicheren europäischen Power Metals aber werden mit einem feucht-fröhlichen Album wie ETERNITY gnadenlos gut bedient – nicht zuletzt, da sowohl handwerklich als auch technisch alles stimmt. Selbst der Keyboardeinsatz fällt insgesamt betrachtet eher nüchtern (für FREEDOM CALL-Verhältnisse) aus; der eigentliche Reiz entsteht ohnehin aus den eher bodenständigen Passagen, in den neben Frontmann Chris Bay auch die perfekt abgemischten Hintergrundchöre zu hören sind. Denn gerade die machen FREEDOM CALL zu dem, was sie sind.

Fazit: Auch wenn es für Fans ein Sakrileg wäre, auf das zweite Album (CRYSTAL EMPIRE) zu verzichten beziehungsweise es zu vernachlässigen – ist eben dies zumindest jenen nahegelegt, die die wahre Essenz der bisherigen Diskografie von FREEDOM CALL für sich entdecken wollen. ETERNITY schlägt seinen Vorgänger um Längen, und bildet so zusammen mit dem Debütalbum eine äußerst starke Einheit. Auch wenn das Debüt in Sachen Überraschungseffekt, Ausdrucksstärke und Innovation noch immer die Nase vorn hat.

Anspieltipps: WARRIORS, THE EYES OF THE WORLD, FLAME IN THE NIGHT

Vergleichsbands: GAMMA RAY | DREAMTALE | STRATOVARIUS | POWER QUEST


85oo10

„Im zweiten Anlauf eher schwach, im dritten wieder vollständig rehabilitiert.“

Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – Crystal Empire (2001)

freedom_call_crystal_empire_500

Alben-Titel: Stairway To Fairyland
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Dan Zimmermann – Drums, Vocals (choirs)
Sascha Gerstner – Guitars, Vocals (choirs)
Ilker Ersin – Bass, Vocals (choirs)
Chris Bay – Vocals, Guitars, Keyboards, Vocals (choirs)

Track-Liste:

1. The King of the Crystal Empire 00:32
2. Freedom Call 05:32
3. Rise Up 04:05
4. Farewell 04:06
5. Pharao 04:42
6. Call of Fame 04:14
7. Heart of the Rainbow 04:35
8. The Quest 07:34
9. Ocean 05:09
10. Palace of Fantasy 04:47
11. The Wanderer 03:45

Vow to the Kings of the Crystal Empire.

Es war noch gar nicht allzu lange her, dass FREEDOM CALL so manchen alteingesessenen Power Metaller überraschten – gesetzt dem Fall, man hat sich das Debütalbum der Nürnberger, STAIRWAY TO FAIRYLAND (Review) gesichert. Dieses war nicht nur ganz nüchtern betrachtet ein fulminantes Power Metal-Album, sondern wusste speziell durch einen gewissen Unterton überzeugen. Zweifelsohne vollbrachten es FREEDOM CALL, jene positiven Vibrationen auf den Hörer zu übertragen – und im Wechselspiel mit epischen Klangkulissen ein akustisch vollmundiges Gesamtwerk abzuliefern. Wie aber würde es um den Nachfolger CRYSTAL EMPIRE stehen, der knappe 2 Jahre später erschien ? Auf den ersten Blick lassen sich jedoch noch keine aufschlussreichen Differenzen herausarbeiten: das Cover kommt erneut in einem farbenfrohen Fantasy-Look daher, das Lineup ist (glücklicherweise) unverändert; ja sogar die Titelanzahl ist gleich geblieben. Zumindest sofern man das kurze Intro gedanklich abzieht – was nicht allzu schwerfällt, fällt es mit seinen 30 Sekunden und einer etwas plumpen, dämonischen Erzählstimme ohnehin nicht besonders spektakulär aus.

Somit lohnt es sich schon eher, seinen Blick auf die verbleibenden 10 ‚echten‘ Titel zu richten. Diese bewegen sich alle im Rahmen einer Spieldauer von knappen 4 bis 5 Minuten – mit Ausnahme des etwas epischer aufgemachten THE QUEST und seinen 7 Minuten. Wie zuvor setzen FREEDOM CALL auch auf CRYSTAL EMPIRE insbesondere auf einen Faktor: den der Zugänglichkeit. Es braucht wahrlich keine Vorbereitung oder eine längere Eingewöhnungszeit, um in den Genuss des Albums zu kommen – mit seinem hymnischen Anspruch zündet es sofort, und verweilt daraufhin erst einmal in den Gehörgängen. Meistens jedenfalls. Sicher, ein wenig süß und klebrig ist das hier dargebotene Material durchaus – vielleicht sogar noch ein wenig mehr als auf dem Vorgängeralbum. Aber dennoch nimmt man den Nürnbergern ab, was sie hier machen; und lässt sich nur allzu gerne von ihrer Interpretation des Power Metals berauschen. Handwerklich ist das Ganze nach wie vor über jeden Zweifel erhaben, wenn es schon nicht die überschwänglich positiven Emotionen sind die sich auf den Hörer übertragen, dann doch zumindest die ausufernde Spielfreude bei entsprechend hoher handwerklicher und technischer Qualität.

Etwas schade ist nur, dass einige der Titel dieses Mal etwas zu simpel gestrickt scheinen – und genauso schnell wieder aus dem Gehörgang verschwinden, wie sie hereingekommen sind. Besonders das kitschige FAREWELL schneidet hier eher schlecht ab, auch wenn die Backgroundgesänge erst nett wirken – doch sind sie eben nicht besonders variabel. Ebenfalls etwas halbgar wirkt eine Nummer wie PHARAO – nicht nur wegen der Spielzeit von gerade einmal 2 Minuten. FREEDOM CALL und RISE UP sind jedoch zwei starke Power Metal-Nummern respektive -Hymnen die es zu genießen gilt – bis das Album mit CALL OF FAME seinen ersten Höhepunkt erreicht. Einem Refrain wie diesem kann sich schlicht kein Power Metal-Fan entziehen – da überhört man doch gerne mal den ein oder anderen kitschigen Genre-Begriff. Im hinteren Teil wird das Album dann auch noch etwas abwechslungsreicher, was ihm sehr gut bekommt – das wandelbare HEART OF THE RAINBOW oder das epische THE QUEST geben noch einmal ordentlich Zunder, und dass auch ohne sich im Uptempo zu bewegen. Der Ausklang ist dann wieder etwas weniger spektakulär, doch immerhin findet sich mit THE WANDERER eine weitere Über-Hymne der besonderen Art. Schlicht, da FREEDOM CALL hier nicht mehr nur wie FREEDOM CALL klingen – sondern quasi Genre-Grenzen sprengen und eine besonders kultverdächtige Nummer mit schmackigem Touch abliefern.

Fazit: Nein, auch mit CRYSTAL EMPIRE geben sich die nürnberg’schen Frohnaturen von FREEDOM CALL nicht die Blöße. Ganz im Gegenteil, das auf dem Debütalbum begonnene Konzept wird grundsätzlich sinnig weitergeführt. Jedoch, und diese Lanze sollte man brechen; stellt sich im direkten Vergleich ein nicht ganz so befriedigendes Gefühl ein. Das mag unterschiedliche Gründe haben, in erster Linie aber scheint es als hätten FREEDOM CALL eher Elemente weggelassen als neue hinzugefügt. Anders gesagt: sie haben sich gefühlt nicht weiterentwickelt, sondern sind eher einen Schritt zurückgegangen. Das bedeutet in Bezug auf die Musik, dass sie noch deutlich simpler und eingängiger ausgefallen ist als auf dem Debüt, was noch nicht unbedingt ein Negativkriterium ist – aber wirkliche Highlights bleiben eher aus, das Album erscheint nicht mehr ganz so innovativ und knackig wie das Debüt. Zweifelsohne handelt es sich noch immer um eine angenehme Interpretation des europäischen Power Metals, doch im Gegensatz zum Vorgänger muss man ein Album wie dieses nicht zwingend im gut sortierten Metal-Regal stehen haben.

Anspieltipps: CALL OF FAME, HEART OF THE RAINBOW, THE QUEST, THE WANDERER

Vergleichsbands: GAMMA RAY | DREAMTALE | STRATOVARIUS | POWER QUEST


75oo10

„Etwas abflauender, aber immer noch guter Nachfolger.“