Filmkritik: „Kampf Der Titanen / Clash Of The Titans“ (2010)

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Originaltitel: Clash Of The Titans
Regie: Louis Leterrier
Mit: Sam Worthington, Liam Neeson, Ralph Fiennes u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 106 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Fantasy, Action, Abenteuer
Tags: Vergangenheit | Historie | Götter | Halbgott | Held | Epos

Die Götter würden sicher erzürnt sein.

Inhalt: Eigentlich will Göttervater Zeus (Liam Neeson) den unter ihm lebenden Menschen des antiken Griechenlands nur eine Lektion erteilen: die Menschen sollen endlich wieder gottesfürchtiger werden und dankbarer sein für das, was sie bereits haben. Doch ist Zeus kein Tyrann, und niemand der den Menschen direkt Schaden zufügen könnte. Genau da kommt sein eigentlich verdammter Bruder Hades (Ralph Fiennes) ins Spiel, der eine klare Aufgabe erhält: er soll den Menschen eine Lektion erteilen. Doch offenbar hat Hades nur auf eine solche Gelegenheit gewartet – er würde sicher dafür sorgen, dass die Gebete der Menschen wieder zunehmen und somit die begehrte Unsterblichkeit der Götter sichern würden. Allerdings hat er die Rechnung ohne Perseus (Sam Worthington) gemacht, der eigentlich ein ganz normaler Fischersohn ist – aber nicht ausschließlich, wie sich herausstellt. Schließlich soll er der sagenumwobene Auserwählte sein der den riesigen Kraken besiegen kann – eine Kreatur, die selbst die Götter fürchten.

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Kritik: Zugegeben; der KAMPF DER TITANEN startet bereits zäh, und präsentiert sich schnell als relativ typische Helden-Mär aus Hollywood welche vor so gut wie nichts halt macht – und schon gar nicht vor gängigen Klischees. Es scheint also ganz egal was man sich von diesem Film verspricht, denn es wird vermutlich und automatisch zu viel sein. Was dem Zuschauer dabei zunächst auffallen sollte, ist indes gar nicht mal die dünn ausgearbeitete Story – sondern der gesamte technische und handwerkliche Aspekt. Das ist in Anbetracht eines modernen Hollywood-Blockbusters eher selten, gerade da deren einzige Stärke oftmals darin liegt zumindest noch gut auszusehen – doch KAMPF DER TITANEN offenbart auch in diesem Bereich einige Probleme. So ist dem Film deutlich anzusehen, dass er scheinbar im letzten Moment doch noch in ein neumodisches 3D-Format gepresst wurde. Allerdings nicht um dadurch einen Vorteil für den Zuschauer herauszuarbeiten, sondern lediglich um ein noch höheres Einspielergebnis zu erzielen. Sicher, Geld spielt immer eine Rolle – doch nur selten wurde dies so offensichtlich wie im Falle der dreisten Vermarktung von KAMPF DER TITANEN.

Doch nicht nur der omnipräsente Pixel-Brei oder die allgemeine Dunkelheit vermögen es, den Zuschauer in den häufigen CGI-Sequenzen (wie etwa bei dem Kampf mit der Medusa oder dem Kraken) zu enttäuschen – sondern auch die Arbeit der Kostüm- und Maskenbildner. Markant: die Gestaltung der Welt der Götter entpuppt sich als regelrechte Peinlichkeit, indem sie vielmehr nach einem Freudenhaus denn dem Zuhause höher gestellter Wesen anmutet. Analog zur faden Story und den stets einfach gehaltenen Charakterporträts entsteht so der unausweichliche Eindruck einer schnellen Hollywood-Bombastproduktion ohne viel Sinn und Verstand. Es gibt keinerlei Wendungen, wirkliche Überraschungen – alles bleibt vorhersehbar, und zu allem Überfluss entwickelt sich keinerlei Empathie für die Charaktere. Es werden einfach diverse Stationen abgeklappert, bis hin zum Finale; dessen Ausgang man vorher natürlich auch schon kennt. Dieses ist an Lächerlichkeit auch kaum zu übertreffen: Perseus ruft urplötzlich einen Blitz vom Himmel, der Hades in den Allerwertesten trifft und zurück in die Unterwelt befördert – woraufhin Zeus aus Dank von oben herabsteigt und den jungen Mann kräftig lobt. Mehr noch, zur Belohnung wird sogar seine bereits verstorbene Ehefrau wiederbelebt… Ende gut, alles gut.

Fazit: KAMPF DER TITATEN präsentiert sich nicht wirklich als sehenswertes Action-Abenteuer – sondern vielmehr als negatives Anschauungsbeispiel für den fragwürdigen Nutzen der neu entdeckten 3D-Technik. Aber auch davon abgesehen gibt es hier verdächtig wenig zu entdecken. Das große Abenteuer und Götter-Spektakel entpuppt sich als bloßes Abklappern von verschiedenen Situationen, ähnlich einem Computerspiel mit eindimensionalen Figuren – bei dem auch noch der Ausgang bereits bekannt ist. Dafür, dass sich auch in technischer und handwerklicher Hinsicht einige Schnitzer erlaubt wurden, gibt es zusätzliche Abzüge.

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„Erschreckend abgedroschenes Helden-Spektakel der Marke Hollywood.“

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Filmkritik: „Iron Man 2“ (2010)

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Originaltitel: Iron Man 2
Regie: Jon Favreau
Mit: Robert Downey Jr., Don Cheadle, Scarlett Johansson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 117 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Action
Tags: Tony Stark | Erfinder | Technologie | Jarvis | Marvel | Held

Der Mann im Blechanzug, Akt 2.

Inhalt: Der exzentrische Tony Stark (Robert Downey Jr.) steckt unter dem Helm des IRON MAN-Kostüms – und ist dabei alles andere als ein typischer Superheld. Schließlich weiß er ganz genau, welche gesundheitlichen Risiken das Tragen des Anzuges für ihn birgt. Aber wer wenn nicht er sollte in die Bresche springen, wenn es darum geht wieder einmal die Welt zu retten ? Doch nun beginnt auch das Militär, mehr und mehr Interesse an den Technologien hinter dem IRON MAN anzumelden – und geht bei der Informationsbeschaffung wenig zimperlich vor. Dann taucht auch noch ein gewisser Ivan Vanko (Mickey Rourke) auf, der die Frage nach dem wichtigsten Mann der Stadt zu seinen Gunsten beeinflussen will. Er hat sich einen eigenen Anzug gebastelt, mit einer noch gefährlicheren Waffe – und versucht nun, Tony mithilfe dessen sowie der Mitarbeit von Justin Hammerer (Sam Rockwell) umzubringen. Schließlich haben ihre beiden Väter einmal zusammengearbeitet, bis zu einem einschneidenden Ereignis welches beide trennte… und das die Rachegelüste in Ivan erst so richtig weckte.

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Kritik: Irgendwie ist das mit Sequels ja immer so eine Sache. Meist sind sie längst nicht so gut wie die zugrunde liegenden Vorlagen respektive die früheren Teile. Auch IRON MAN bildet da gewiss keine Ausnahme, und kommt damit alles andere als überraschend daher. Der erste Teil (Review) war noch nett – zumal der ungewöhnliche Superheld Tony Stark aka IRON MAN tatsächlich einer der ansprechenderen aus dem Marvel-Universum ist. Ein Superheld, der quasi frei nach Schnauze redet und handelt, sich dabei nicht gerne von anderen reinreden lässt, der auf das Militär pfeift und lieber ganz allein an seinem Anzug und allerlei technischen Raffinessen werkelt ? Allein diese eher Charakter-bezogene Prämisse führte zu Recht zu einem gewissen Erfolg des ersten Teils, der mit einer handvoll abgebrühter Sprüche und markanten Action-Einlagen glänzte. Warum es unbedingt einen zweiten Teil geben musste, wird indes nicht ganz klar – es sei denn natürlich, man betrachtet das Ganze aus der Sicht der entsprechenden Marketing-Abteilungen. Hier gilt schließlich oft: solange ein Franchise noch Feuer hat, wird das Publikum etwaigen Sequels wohlgesonnen gegenüberstehen; zumindest in Bezug auf die effektiven Zuschauerzahlen. Das Gefühl, dass die Verantwortlichen hinter IRON MAN 2 allein aus dem dringenden Bedürfnis heraus handelten die Geschichte um Tony Stark unbedingt weiterzuerzählen; kommt jedenfalls nicht auf.

Wohl auch, da der zweite Teil insgesamt weitaus unspektakulärer und vorhersehbarer ausfällt. Schlicht, da man mit vielen Details des IRON MAN-Universums bereits durch den ersten Teil warm geworden ist, und wie so oft ein besonders spektakulärer Bösewicht für die nötige Franchise-Frische sorgen muss. Das Ergebnis ist in diesem Fall der Charakter des Russen Ivan Vanko, der von einem sichtlich bemühten Mickey Rourke gespielt wird – und um den sich der gesamte zweite Teil von IRON MAN letztendlich auch dreht. Irgendwie kann man sich nicht des Gefühls erwehren, gar keine Angst vor jenem eher perplex wirkendem Bösewicht zu haben – eher ist man geneigt, ihn zu bemitleiden und die herrlich peinlich-oberflächliche Planung seines selbst auferlegten Endziels (IRON MAN zur Strecke zu bringen) dezent amüsiert zu verfolgen. Analog dazu vermag es vor allem das vermeintlich große Finale, auf ganzer Linie zu enttäuschen. Selbst Nebenauftritte wie die von Samuel L. Jackson als Nick Fury wirken erschreckend aufgesetzt und verkrampft, ebenso wie die fehlgeschlagenen Versuche der platten Handlung doch noch so etwas wie Bedeutungsschwere einzuverleiben.

Fazit: Auch IRON MAN 2 schafft es wie sein deutlich besserer Vorgänger zu unterhalten – muss dabei aber markante Einbußen in Bezug auf den Überraschungseffekt und den an den Tag gelegten Ideenreichtum in Kauf nehmen. Hinzu kommt, dass der berühmt-berüchtigte Wiederholungs- oder auch Abnutzungseffekt in Bezug auf einzelne Filmreihen schon jetzt deutlich an Relevanz gewinnt – sollten noch weitere IRON MAN-Teile folgen, dürfte ein weiteres MARVEL-Franchise zu Grabe getragen werden. Selbst oder gerade wenn die Zuschauerzahlen weiterhin stimmig bleiben…

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„Bei weitem nicht so frisch wie der erste Teil.“

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Filmkritik: „Alice Im Wunderland / Alice In Wonderland“ (2010)

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Originaltitel: Alice In Wonderland
Regie: Tim Burton
Mit: Johnny Depp, Mia Wasikowska , Michael Sheen u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Fantasy, Abenteuer
Tags: Mädchen | Magie | Verwunschen | Zauber | Wald | Krieg

Ein ganz und gar wunderliches Wunderland.

Inhalt: Alice (Mia Wasikowska) ist ein 19-jähriges Mädchen auf dem Weg zu einem Dasein als angesehene Dame – zumindest wenn es nach der Meinung ihres engsten familiären Umfeldes geht. So wird sie unter Druck gesetzt einen etwas merkwürdigen Lord und Edelherren zu heiraten, um nicht als einer der berüchtigten hoffnungslosen Fälle zu enden. Aber seit ihrer Kindheit hat sie einen bestimmten Traum von einer fremden Welt, die offenbar weit weg liegt und kaum greifbar erscheint. Einer Welt, die trotz ihres fantastischen Antlitz vielleicht doch gar nicht so abwegig ist. Denn: als Alice völlig verzweifelt von ihrer eigenen Hochzeitsfeier stürmt, findet sie sich kurz darauf in einer recht unüblichen Eingangshalle wieder – woraufhin sich die Tür zu jenem sagenhaften Wunderland tatsächlich öffnet. Schnell wird das verdutzte Mädchen mit den merkwürdigen Kreaturen und der gefährlichen Situation in dieser Welt konfrontiert – und erfährt von einem niemals endenden Kampf zweier ungleicher Schwestern im Streit um die Vorherrschaft im hiesigen Königreich.

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Kritik: Die fantasievolle Geschichte um ein junges Mädchen namens Alice, welches in eine geheimnisvolle Welt unter einem Kaninchenbau reist; sollten nur die wenigsten nicht kennen. Entweder, da sie der Titelfigur Alice schon im ein oder anderen Filmformat begegnet sind – oder aber eines der Bücher gelesen haben, die alle auf die Originalfassung von Lewis Caroll zurückgehen. Die stammt aus dem altehrwürdigen Jahr 1865, verarbeitet einen Teil seiner persönlichen Biografie – und spielt wie keine zweite mit gängigen Genre-Zuordnungen und der sich oftmals anbietenden Frage nach der eigentlichen Zielgruppe. Denn: im Grunde handelt es sich bei ALICE IM WUNDERLAND nicht wirklich um eine Kindergeschichte, auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht. Diese spezielle Ambivalenz transportiert nun auch Tim Burton mit seiner ab 12 freigegebenen 2010’er Verfilmung des gleichermaßen bekannten wie vielschichtigen Stoffes – wobei abermals nicht ganz klar wird, welches Publikum erreicht werden soll. Doch auch wenn sich das im Falle von ALICE IM WUNDERLAND offensichtlich anbietet, offeriert die neueste Verfilmung auch ein gänzlich neues, damit einhergehendes Problem: sie sieht so aus wie Tim Burton es beabsichtige, und fühlt sich auch so an – und entfernt sich damit deutlicher von der eigentlichen Vorlage, bei der man sich einen Großteil der entsprechenden Bilder noch selbst hat ausmalen müssen.

Natürlich handelt es sich hier um ein Dilemma, welches kaum zu umgehen war bei einer modernen Verfilmung wie dieser. Tatsächlich hätte Burton aber etwas dezenter vorgehen, und das Ganze nicht in einem relativen cineastischen Tollhaus an der Grenze zum kreativen Wahnsinn münden lassen sollen. In der vorliegenden Fassung etabliert ALICE IM WUNDERLAND schließlich eine bisher noch kaum dagewesene, durchtriebene und zutiefst wechselhafte Atmosphäre irgendwo zwischen einer lautmalerischen Phantasterei, einem spannenden Abenteuer und einem waschechten Alptraum mit kleineren Witzeleien – die einem im Halse stecken bleiben. Die Folge ist ein als durchaus einzigartig, mindestens aber als speziell zu bezeichnender Film – sowie die Tatsache, dass ein Großteil des Mainstream-Publikums eher weniger mit ihm anfangen können wird. Das mag noch nichts heißen – doch auch davon unabhängig vermögen es speziell die optischen Spielereien des Films für ein relatives Unbehagen zu sorgen. ALICE IM WUNDERLAND wirkt schlicht etwas zu bunt und außerdem enorm artifiziell, was vor allem aus dem überschwänglichen Einsatz von Computereffekten und gewöhnungsbedürftigen Hintergründen hervorgeht. Hinzu kommt die inhaltliche Schwierigkeit, überhaupt etwas mit den gebotenen Charakterporträts anfangen zu können. ALICE IM WUNDERLAND zeichnet seine Figuren schließlich nur schwarz und weiß – und lässt kaum Raum für ein dezentes grau. Das mag in Anbetracht eines Märchens angemessen erscheinen, doch letztendlich macht man es sich gefühlt doch etwas zu einfach.

Fazit: ALICE IM WUNDERLAND ist beileibe kein zeitloser Meilenstein der Filmgeschichte, sondern vielmehr ein ungewöhnlich sperriges Produkt der Fantasie zweier Männer respektive Künstler: Lewis Caroll als Urgestein, und nun auch Tim Burton als kreativer Kopf hinter einer gewöhnungsbedürftigen, dem Zuschauer nicht mehr viele Möglichkeiten offen lassenden optischen Interpretation. Das an den Tag gelegte Handwerk hinterlässt einen gemischten Eindruck: die Masken und Kulissen entfalten teils einen gewissen Charme, während alles andere schlicht zu künstlich und unecht wirkt, um überhaupt einen Bezug dazu entwickeln zu können. Für den Soundtrack zeichnet sich niemand geringerer als Danny Elfman verantwortlich, und auch die Darsteller lassen sich sehen – wenngleich die Hauptfigur mit einer jüngeren und nicht ganz so hölzern agierenden Schauspielerin eventuell besser besetzt gewesen wäre. Fans von Johnny Depp werden ihren Liebling dagegen wieder in einer der etwas kurioseren, perfekt zu ihm passenden Rollen vorfinden. Man sollte selbst einen Versuch unternehmen um zu sehen, ob man sich in der hier präsentierten Welt zurechtfindet, sich mit der relativen Fremdartigkeit auf allen Ebenen arrangieren kann – oder ob man im gegebenen Fall doch lieber zur Buchvorlage greift und sich seine eigene Fantasiewelt ausmalt.

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„Eine handwerklich einzigartige, aber eben auch nicht wirklich gute Umsetzung führen zu einem recht wechselhaften Eindruck – analog zum Ausbleiben eines wirklichen Schwerpunkts der Geschichte.“

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Filmkritik: „Und Dann Kam Polly / Along Came Polly“ (2004)

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Originaltitel: Along Came Polly
Regie: John Hamburg
Mit: Ben Stiller, Jennifer Aniston, Philip Seymour Hoffman u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Komödie, Romanze
Tags: Eheschließung | Flitterwochen | Scheidung | Liebe | Seitensprung

Sie kommt unverhofft, aber sie kommt.

Inhalt: Nach einem längeren hin- und her heiratet Lebemann Reuben Feffer (Ben Stiller) endlich seine große Liebe, und fährt mit ihr in die Flitterwochen. Dumm ist nur, dass seine Frau ausgerechnet diese ausnutzt um mit einem muskulösen Franzosen anzubandeln. Zwar handelt es sich hierbei nur um einen kurzen Seitensprung, doch reicht der Reuben als Grund für eine Trennung. Bald darauf trifft er eher zufällig eine alte Bekannte und Schulfreundin namens Polly Prince (Jennifer Aniston). In erster Linie stellt sich vor allem eines heraus: die beiden sind absolut grundverschieden. Doch wie es das Schicksal so will, kommen sie sich dennoch näher – und beginnen sogar, sich ineinander zu verlieben. Und das trotz aller Widrigkeiten, schließlich stellt die plötzliche Rückkehr von Reuben’s noch-Ehefrau die frische Beziehung auf die bisher härteste Probe. Wie wird sich Reuben entscheiden – kehrt er doch noch zu seiner eigentlichen Ehefrau zurück, die sich plötzlich wehleidig bei ihm entschuldigt… oder siegt am Ende die neue, frische Liebe ?

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Kritik: Was passiert, wenn man zwei bekannte und in Anbetracht bestimmter Zielgruppen allemal beliebte Hollywood-Stars gemeinsam Pate für eine tragisch-romantische Filmkomödie stehen lässt ? Im besten Fall ergibt sich ein frisches neues Produkt; im am ehesten zu erwartenden eines, welches zumindest die hiesige Fangemeinde zufriedenstellt – und im schlimmsten ein bemühtes Mainstream-Kino ohne eine jegliche Relevanz. Wo genau sich die vergleichsweise seichte und schnelllebige Hollywood-Komödie UND DANN KAM POLLY von John Hamburg (u.a. Drehbuch zu MEINE BRAUT, IHR VATER UND ICH) einordnet, bleibt indes nicht lange ein Geheimnis. Zwar sorgen die Verpflichtungen von Comedy-Allroundtalent Ben Stiller und IT-Girl Jennifer Aniston an vorderster Front; sowie auch kleinere Auftritte von Altstars wie Philip Seymour Hoffman oder Alec Baldwin für ein großes Staraufgebot – doch verkriecht sich das Gefühl mit UND DANN KAM POLLY eine gelungene Liebeskomödie zu sehen, schnell in weiter Ferne. Und das nicht nur, da die vermeintlichen Stars des Films deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben und recht unglaubwürdig auftreten – sondern vor allem, da sich das Drehbuch als mittelprächtige Katastrophe herausstellt.

So gerät die gesamte Hintergrundgeschichte sowie der eigentliche Plot von UND DANN KAM POLLY zu einer regelrechten Farce – zu einer, die einem zudem relativ bekannt vorkommen sollte. Typische, und daher auch nicht wirklich tragisch wirkende Beziehungskisten der Marke Hollywood treffen hier auf eine generelle Ideen-Armut – die immerhin dazu führt, dass zumindest die Besetzung ihr bestes gibt und versucht, das Projekt noch halbwegs zu retten. Doch da sich die Stars kaum am kruden Drehbuch orientieren konnten, spielen sie vielmehr sich selbst – und zeigen sich dabei nicht einmal von ihrer Schokoladenseite. Die Folge: eine nennenswerte Sympathie wird für keinen der Charaktere aufkommen, mit Ausnahme der dezent tollpatschigen Anwandlungen des Hauptcharakters. Die sorgen dann auch für die rar gesäten Lacher oder zumindest Schmunzler – die es indes kaum vermögen, den Film über seine gesamte Laufzeit von knapp 90 Minuten zu tragen. Zudem scheint es, als wäre ein Großteil des Engagements bereits im ersten Drittel des Films verpulvert worden – je weiter er voranschreitet desto vorhersehbarer, verkrampfter und schlichtweg unerträglicher wird UND DANN KAM POLLY.

Fazit: Verständlich erscheint, dass schon auf dem Cover zu UND DANN KAM POLLY mit dem offensichtlichen Bezug zur erfolgreichen Komödie MEINE BRAUT, IHR VATER UND ICH geworben wird. Doch geht dieser Schuss im Endeffekt nach hinten los – der Film erreicht bei weiten nicht den Charme sowie den Originalitäts- und Spaßfaktor des Drehbuch-Vorgängers. Zwar bewegen sich die technischen Aspekte auf einem akzeptablen Niveau, doch ändert das nichts daran dass UND DANN KAM POLLY erschreckend lieblos; ja wenn nicht gar stumpf herunterproduziert wirkt und für ein möglichst breites Zielpublikum zurechtgestutzt wurde. In der fertigen Fassung überzeugt er jedenfalls weder als gelungene Komödie noch als aufregende Romanze.

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„Auf einen halbwegs vielversprechenden Auftakt folgen zwei zähe Drittel einer eher langatmigen und explizit kitschigen Hollywood-Schonkost mit Staraufgebot.“

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