Filmkritik: „The Cloverfield Paradox“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Julius Onah
Mit: Gugu Mbatha-Raw, David Oyelowo, Daniel Brühl u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 102 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Cloverfield | Paradox | Paradoxon | Weltall | Weltraum | Sci-Fi

So oder so – der Mensch bleibt sein eigener größer Feind…

Inhalt: In einigen Jahren scheinen sich die Energie-Ressourcen der Erde langsam aber sicher dem Ende zuzuneigen. Um doch noch eine patente Lösung zu finden und die sich bereits anbahnenden größeren Kriege zu verhindern, trommelt man eine international aufgestellte Crew zusammen – die sich auf eine hochmoderne Raumstation im Erdorbit begibt, um eine Art Teilchenbeschleuniger in Betrieb zu nehmen. Die auf den Namen Shepard getaufte Konstruktion soll es der Menschheit ermöglichen, an die so dringend benötigte Energie zu gelangen – auf welchem Weg genau, das wissen aber nicht einmal die Crewmitglieder selbst. Und genau das ist ein berechtigter Grund zur Sorge, denn als der Teilchenbeschleuniger erstmals hochgefahren wird gibt es einen Zwischenfall – der zunächst auf einen normalen Defekt schließen lässt. Bald darauf stellt sich allerdings heraus, dass das Problem der Crew aus weit mehr als nur ein paar losen Schrauben besteht…

Kritik: THE CLOVERFIELD PARADOX ist der mittlerweile dritte Titel aus dem unter anderem von J.J. Abrams produzierten CLOVERFIELD-Universum – das erstmals im eigentlichen Spielfilm aus dem Jahre 2008 (siehe Review) vorgestellt wurde. Und auch wenn die Filme zweifelsohne nicht zum besten (und vor allem nicht innovativsten) gehören was das Genre der Science Fiction jemals hervorgebracht hat, so geht die Veröffentlichung der Filme doch stets mit einer gewissen Spannung einher – hauptsächlich wohl durch die recht geschickte Marketing-Kampagne inklusive einer Form der Geheimniskrämerei, aufgrund derer man erst recht hellhörig wird. Was genau dann aber in den CLOVERFIELD-Filmen drinsteckt ist eine andere Sache, und kann zumeist nicht wirklich mit den zuvor geäußerten Versprechungen mithalten – wie auch im Falle von THE CLOVERFIELD PARADOX.

Eines muss man der Produktion, die interessanterweise kurz vor dem Start an den Streaming-Anbieter Netflix verkauft wurde; aber durchaus lassen: sie macht in Bezug auf ihre handwerkliche Komponente eine überraschend gute Figur. Insbesondere die Innen- und Aussenansichten der im Orbit der Erde schwebenden Raumstation, die teilweise anberaumten Zerstörungs-Effekte und auch die Kostüme und Ausstattung hinterlassen (wenngleich sie insgesamt doch sehr dunkel gehalten sind) einen angenehm professionellen und keineswegs dahingeschluderten Eindruck. Und auch die weitestgehend unbekannten Darsteller; von denen dem geneigten deutschen Kinopublikum immerhin Daniel Brühl bekannt sein sollte (der sich interessanterweise nicht als Fehlbesetzung herausstellt) geben ihr sichtlich bestes, um das Maximum aus den letztendlich doch eher ernüchternden Charakterporträts herauszuholen.

Bereits die recht gut inszenierten Weltraum-Bilder (die dabei nicht von ungefähr an INTERSTELLAR erinnern) weisen dabei aber schon unterschwellig auf eines der hauptsächlichen Probleme von THE CLOVERFIELD PARADOX hin. Schließlich mag der Film mit vielem glänzen – nur nicht mit einem Übermaß an guten oder gänzlich neuen Ideen, was sich vor allem auf die inhaltliche Komponente auswirkt. Seien es Elemente aus Filmen wie ALIEN, zahlreichen anderen neueren Sci-fi-Produktionen oder ganze Stimmungs-Brocken aus einem Spiele-Universum wie DEAD SPACE – ein wirklicher frischer Wind weht nicht in THE CLOVERFIELD PARADOX. Hinzu kommt, dass auch die eigens erdachten Ideen nicht wirklich zünden – das gesamte Gehabe um den Teilchen-Beschleuniger und vor allem seine Funktion etwa wirkt nicht selten etwas konfus und zu wenig durchdacht. Das gilt mitunter auch – und leider – für die potentiell interessanteren Szenen. Wie etwa die, in der ein ganzer Crew-Arm ein merkwürdiges Eigenleben entwickelt – oder die, in denen die einzelnen Crewmitglieder auf höchst unterschiedliche Art und Weise aus dem Leben scheiden. Zumindest aus dem einen

Schließlich schneidet THE CLOVERFIELD PARADOX auch eher komplizierte, in der Sci-Fi aber stets gerne gesehene Themengebiete wie die eines sogenannten Multiversums und paralleler Welten an. Immerhin, und auch wenn hier nicht immer alles stimmig wirkt – für eine gewisse Stimmungsmache, oder eher die Lust andere und möglicherweise bessere Werke mit einer ähnlichen Thematik zu entdecken; eignet sich das Ganze allemal. Ob nun als weiterer Teil einer Filmreihe oder als eigenständiges Werk (das war der Film ursprünglich), letztendlich gilt: wenn man nicht zu viel erwartet und sich des hie und da doch noch aufkeimenden Gefühls der, man nenne es einmal interstellaren Beklommenheit hingibt; verfehlt THE CLOVERFIELD PARADOX sein Ziel nicht.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Paramount Pictures Germany

border_01

„Eine nicht vor Schwächen gefeite, aber doch überraschend stimmige und spannend inszenierte Weltraum-Mär.“

filmkritikborder

Filmkritik: „A.I. – Künstliche Intelligenz“ (2001)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Supertoys Last All Summer Long von Brian Aldiss
Regie: Steven Spielberg
Mit: Haley Joel Osment, Jude Law, Frances O’Connor u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 140 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Drama
Tags: AI | Künstliche Intelligenz | Roboter | Haley Joel Osment | Kinderstar

Wenn Dein Roboter-Nachbar menschlicher ist als Du.

Inhalt: Auch wenn man meinen müsste, dass man mit dem jungen David (Haley Joel Osment) einen ganz normalen kleinen Jungen vor sich hat; trügt der äußere Schein. Tatsächlich handelt es sich um ein neues und extrem fortschrittliches Roboter-Modell – das im Gegensatz zu seinen vielen Vorgänger-Modellen erstmals dazu in der Lage ist, echte Liebe zu empfinden. Für seinen ersten größeren Feldversuch hat sich der Erschaffer des Roboters, Dr. Hobby (William Hurt) die Familie der Swintons (Sam Robards, Frances O’Connor) ausgesucht. Schließlich liegt deren Sohn Martin (Jake Thomas) schon seit längerem im Koma – und David könnte den Eltern helfen, die schwere Zeit der Ungewissheit zu überstehen. Offenbar klappt das auch recht gut – bis Martin eines Tages wie durch ein Wunder erwacht, und es zu ersten handfesten Spannungen zwischen ihm und seinem neuen mechanischen Bruder kommt. Einige unglückliche Umstände führen dazu, dass David in einem verlassenen Waldstück ausgesetzt wird – und sich nach dem Zusammenschluss mit einem anderen, erwachsenen Roboter (Jude Law) auf die Suche nach einer Möglichkeit macht zu einem echten Jungen zu werden. Schließlich glaubt er, nur so die Liebe seiner Mutter zurückgewinnen zu können…

Kritik: Wann, wo und von wem das erste Mal stichhaltigere Gedanken zum Thema der Robotik und der künstlichen Intelligenz geäußert wurden, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Fakt ist nur, dass die Theorie einer Deus Ex Machina eine relativ zeitlose ist und dabei nicht unbedingt einer tatsächlichen Umsetzung (oder der Möglichkeit zu einer Umsetzung, der man sich mittlerweile immer weiter nähert) bedarf – und durch berühmtere literarische Abrisse immer wieder befeuert wird. Einer davon findet sich etwa in Form der Kurzgeschichte SUPERTOYS LAST ALL SUMMER LONG des britischen Schriftstellers Brian Aldiss – die im Sinne einer filmischen Aufarbeitung ursprünglich das Interesse des legendären Regisseurs Stanley Kubrick geweckt hatte, nach seinem Tod aber in die Hände von Steven Spielberg übergeben wurde. Letztendlich dabei herausgekommen ist der 2001’er Spielfilm A.I. – KÜNSTLICHE INTELLIGENZ – und das einerseits als recht typisches und vielleicht auch genau so erwartetes rundum-sorglos-Paket der Marke Hollywood; andererseits aber auch als überraschend tief schürfendes und emotional anspruchsvolles, im Sinne der eigenen Spielberg-Vorlage E.T. – DER AUSSERIRDISCHE (siehe Review) magisches Leinwandspektakel für jung und alt.

Ob man das Ganze dabei nun aus der Sicht der entsprechenden Vorlage, der Spielberg-Filmografie oder gar der einige Parallelen aufweisenden PINOCCHIO-Geschichte betrachtet, spielt dabei keine allzu große Rolle – schließlich ermöglicht Spielberg seinen Zuschauern hier einen möglichst unkomplizierten, unmittelbaren Einstieg in die Geschichte. Kurioserweise mündet diese alles andere als spezifische Vorgehensweise hier aber nicht in einem oberflächlichen Durcheinander – vielmehr untersützt sie den Eindruck, dass Spielberg seine Stärken als vergleichsweise universeller, aber eben auch nicht gänzlich substanzloser Hollywood-Unterhalter ausspielen konnte. Dazu passt auch die Feststellung, dass A.I. weder in inhaltlicher noch gestalterischer Hinsicht nennenswerte Probleme offenbart – und selbst potentielle Schwächen (wie eben auch die alles andere als auf Konfrontation gebürstete, eher in Richtugn eines modernen Märchens driftende Machart) ins positive verklehrt werden können.

Letztendlich ist A.I. damit ein Film geworden, der sich trotz seines gerne auch mal hochmodern dargestellten Technologie-Bezugs und der eingeschobenen Kubrick-Hommage an der absoluten Basis orientiert – und den Zuschauer weniger mit kopflastigem Dystopie-Gebrabbel als mit vielen zu Herzen gehenden Momenten ködert, gut unterhält und mit Sicherheit auch über den Film-Kontext hinaus beschäftigen wird. Große bonuspunkte gibt es dementsprechend auch für den atmospährischen Score von John Williams, sowie die Liestung des damals hochkarätigsten Kinderdarstellers überhaupt – Haley Joel Osment. Sofern es hier bei einer einmaligen Ambition bleibt – und sich Spielberg nicht etwa doch noch zu einem potentiell kruden Sequel hinreissen lässt – geht diese Form der prinzipiell etwas seichter aufgemachten Science Fiction speziell auch für ein jüngeres Publikum absolut in Ordnung. Im besten Fall wirkt sie sogar leicht kukltverdächtig – sodass man hier durchaus von Spielberg’s zweiten E.T. sprechen könnte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros Film GmbH

border_01

„Ein rundum stimmiges, brillant gespieltes und angenehm zeitloses Meisterwerk der Science Fiction.“

filmkritikborder

Filmkritik: „Ödipussi“ (1988)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Vicco von Bülow
Mit: Eberhard Fechner, Dario D’ambrosi, Piero Gerlini u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Loriot | Vico von Bülow | Evelyn Hamann | Mutterkomplex | Klamauk | Slapstick

Mütter und Söhne auf Abwegen.

Inhalt: Eigentlich waren Paul Winkelmann (Vico von Bülow) und seine Mutter Louise (Katharina Brauren) schon immer ein eingespieltes Team. Als der Inhaber eines familieneigenen Möbel- und Dekorationsgeschäftes aber mehr oder weniger plötzlich beschließt, sich doch noch von seiner Mutter abzunabeln hängt der Haussegen schief. Die Tatsache, dass sich Paul zum ersten Mal eine eigene Wohnung nimmt hätte die Mutter vielleicht noch verkraften können – doch dass er sich ausgerechnet mit der Psychologin Margarethe Tietze (Evelyn Hamann) anfreundet, weckt in ihr einige Zweifel. Dennoch planen die beiden frisch verliebten einen Trip nach Italien, wo sie sich immer näher kommen. Dass die Mutter von Margarethe ebenfalls nicht wirklich mit der Beziehung einverstanden scheint, macht das Chaos perfekt – und eine Familienzusammenführung beinahe unmöglich…

Kritik: So oder so steht fest: wenn man nicht mindestens einen Sketch oder Film von und mit Vico von Bülow alias Loriot gesehen hat, hat man etwas verpasst. Ob es dabei ausgerechnet der 1987 abgedrehte und ein Jahr später erstveröffentlichte ÖDIPUSSI sein muss, ist eine andere Frage – denn ein wahres Meisterwerk hat der berühmt-berüchtigte Filmschaffende mit seiner aberwitzigen Mär um ein besonderes Mutter-Sohn-Gespann nicht erschaffen. Dennoch kann man kaum verhehlen, dass ÖDIPUSSI sein Prädikat als ebenso zeitloser wie zutiefst amüsanter Film verdient hat – und die im Minutentakt servierte Alltagskomik, die teils herrlich absurden Gespräche und die auch mal etwas flacheren Slapstick-Einlagen ihre Wirkung kaum verfehlen. Das gilt insbesondere dann, wenn man den Film aus der Warte einer eher familiären Zuschauergemeinschaft heraus betrachtet – schließlich bieten die hier gezeigten Geschehnisse Unterhaltung für jung und alt, wobei der Film auch niemals unter die Gürtellinie geht. Neben den abwechslungsreichen und gut inszenierten Schauplätzen liegt es dabei wie so oft am wunderbar harmonierenden, klassischen Darsteller-Duo aus Loriot und Evelyn Hamann, auch ÖPIPUSSI eine unverwechselbare Atmosphäre einzuverleiben – was ihnen auch tadellos gelingt. Einzig und allein der letztendlich recht überschaubare Inhalt, die guten aber eben auch recht einseitigen Figuren; sowie das Fehlen komödiantischer Inhalte die deutlicher über den simplen Handlungsrahmen hinausgehen verhindern hier weiteres. Dennoch, viel falschen machen kann man mit einem Film und sicher auch Komödien-Klassiker wie ÖDIPUSSI nicht.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Bavaria Film / Rialto GmbH

border_01

„Kein besonders herausragender, aber eben doch ein äußerst unterhaltsamer Loriot.“

filmkritikborder

Filmkritik: „Das Belko Experiment“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Greg McLean
Mit: John Gallagher Jr., Tony Goldwyn, Adria Arjona u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller / Action
Tags: Experiment | Ausnahmesituation | Kein Entkommen | Big Brother

Es melde sich, wer mal wieder aus seinem tristen Büroalltag ausbrechen möchte.

Inhalt: Morgenstund hat Gold im Mund – und wohl auch die gute alte Routine, die die Mitarbeiter der Non-Profit-Organisation Belko Corp. tagtäglich in das hochmoderne Bürogebäude irgendwo in einem Randbezirk der Kolumbianischen Hauptstadt Bogotá treibt. Dementsprechend hat wohl auch niemand damit gerechnet, dass es doch einmal ganz anders laufen könnte. Während man bei der urplötzlich stattfindenden hermetischen Abriegelung des Gebäudes noch an einen technischen Defekt oder ein Versehen denkt, sich dazu noch auf ein wenig zusätzliche Freizeit am Arbeitsplatz freut – weicht die allgemeine Unsicherheit alsbald einer waschechten Panik. Schließlich wird den Mitarbeiten über die Lautsprecheranlage mitgeteilt, dass es sich eben nicht um ein Versehen handelt – sondern dass sie für ein ganz besonders perfides Experiment auserkoren wurden. Ein Experiment, welches sie nicht ablehnen können – und dessen erste Aufgabe bereits unmöglich zu lösen scheint, zumindest bei klarem Verstand. So werden die Mitarbeiter aufgefordert, 30 beliebige Angestellte zu töten. Weigern sie sich, so droht ihnen noch schlimmeres – das behauptet zumindest die mysteriöse Stimme. Trotz dessen, dass sie im schlimmsten Fall nicht mehr allzu viel Zeit haben; setzten die Mitarbeiter alles daran aus dem Gebäude zu entkommen – und herauszufinden, wer für das tödliche Spiel verantwortlich ist.

Kritik: Nein, und auch wenn es im ersten Moment danach klingt – das Wörtchen Belko im Film DAS BELKO EXPERIMENT bezieht sich weder auf einen putzigen Hundenamen, noch zitiert es den Namen eines so tatsächlich stattgefundenen Experiments oder Wissenschaftlers. Vielmehr handelt es sich um einen geschickt gewählten Titel des für das Drehbuch und die Produktion des Films hauptverantwortlichen Multitalents James Gunn, der sich trotz seines Erfolges mit groß angelegten Holywood-Blockbustern (GUARDIANS OF THE GALAXY) hie und da noch an kleinere Projekte wagt. Und damit auch Projekte wie DAS BELKO EXPERIMENT – die auf den ersten Blick eher unscheinbar wirken, und sich dabei weder durch ein schwindelerregendes Budget noch den Auftritt zahlreicher möglichst bekannter Top-Stars auszeichnen. Als den Zuschauer zusätzlich herausfordernde Maßnahme kommt hinzu, dass sich der Titel-gebende Schauplatz des Films innerhalb eines fiktiven Büro-Gebäudes als recht übersichtlich erweist – und DAS BELKO EXPERIMENT so von vorne herein mehr von einem kammerspielartigen Psycho-Thriller als von einem typischen Schauermärchen der Marke Hollywood hat. Ein Psycho-Thriller, dessen Grundgedanke zwar alles andere als neu ist und so auch schon in Genre-Filmen wie BATTLE ROYALE oder etwa der CUBE-Reihe behandelt wurde – der aber dennoch mit einem vergleichsweise starken Fokus auf die Charaktere sowie der Darstellung einer sich jenseits von gut und böse bewegenden Ausnahmesituation überzeugt.

Eine Situation, die durch die vorliegende Art der Inszenierung mindestens zweierlei Blickwinkel zulässt. Wobei, und das ist das besondere; es gar keine allzu große Rolle spielt ob man den Film nun eher oberflächlich betrachtet oder sich auf sein nicht zu knappes Interpretationsangebot stürzt. Beiden Varianten gemein ist schließlich, dass DAS BELKO EXPERIMENT dem Zuschauer einige durchaus markante Charaktere präsentiert – die von ihrem Wesen her nicht unterschiedlicher hätten sein könnten, und sich in der Interaktion entsprechend interessant verhalten. Gut ist auch, dass deren Gebaren nur selten allzu übertrieben wirkt – zumindest nicht so übertrieben oder weltfremd wie in etwaigen vergleichbaren Filmen, welche eine ähnliche Ausnahmesituation in den Fokus rücken. Analog zu den entstehenden Möglichkeiten einer Identifikation gesellt sich so auch ein nicht zu verachtender Spannungsbogen, der sich bis kurz vor das große und leider nicht mehr ganz so überzeugende Finale erstreckt. Selbst die teils heftigen Gewaltszenen verfehlen ihre Wirkung nicht, auch wenn man sie absichtlich mit einer gewissen Form der Überzeichnung versehen hat – was auch für den hie und da zwischengeschobenen, recht makaberen Witz gilt. Stellenweise könnte man so meinen, man müsste sich in einem x-beliebigen Splatter- respektive Trashfilm befinden – doch glücklicherweise ist DAS BELKO EXPERIMENT weit mehr als das.

Schließlich – und wenn man so will – könnte man den Film problemlos als ebenso zwischenmenschliches wie auf die Gesellschaft übertragbares Drama betrachten. Ein Drama über die Natur des vermeintlich zivilisierten Menschen – was hier auch als Metapher bestens funktioniert, sogar im Hinblick auf einen größeren Zusammenhang. Offenbar war dies auch genau so von den Machern beabsichtigt – denn sonst hätte man sich wohl kaum eines recht offensichtlichen Gesellschafts-Querschnitts bedient, welcher direkt auf die beteiligte Charakter-Riege übertragen wurde. Doch wie man es auch dreht und wendet und betrachtet: DAS BELKO EXPERIMENT bleibt ein überzeugender Psycho-Thriller mit dem gewissen Etwas, der nicht nur mit seinem überraschend effektiven Schauspiel und der handwerklich ansprechenden Inszenierung punkten kann – sondern auch mit seinen ungeschönt dargestellten Inhalten. James Gunn holt hier klar das Maximum aus der bereits bekannten Grundidee und dem vergleichsweise eingeschränkten Setting heraus – und vermag es dabei tatsächlich, den Zuschauer in der ein oder anderen Form aufzurütteln.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Kinostar Filmverleih GmbH

border_01

„Die Idee ist nicht neu und das Setting auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig – umso überraschender ist, was letztendlich aus DAS BELKO EXPERIMENT geworden ist.“

filmkritikborder

Filmkritik: „Das Kalte Herz“ (2014)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Basierend Auf: Märchen von Wilhelm Hauff
Regie: Marc-Andreas Bochert
Mit: Rafael Gareisen, Laura Louisa Garde, Marie Gruber u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 85 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Fantasy / Drama
Tags: Peter Munk | Köhler | Arbeit | Armut | Ansehen | Reichtum | Wandlung

Umso stärker die Liebe, umso größer die Versuchung…

Inhalt: Der fleißige aber arme Peter Munk (Rafael Gareisen) war schon immer ein guter Junge. So sorgt er für sich und seine Mutter, indem er tagtäglich in den Wald geht und sich mit der langwierigen Herstellung von Holzkohle abmüht – auch wenn er dafür von den meisten nur hämisch belächelt wird. Doch als er auf die hübsche Lisbeth (Laura Louisa Garde) trifft, der von einem anderen und weitaus wohlhabenderen Konkurrenten Avancen gemacht werden; wird es des angestauten Frustes doch noch zu viel. Und so macht sich Peter erneut auf zu dem einzigen Ort, an dem er sich wirklich sicher fühlt – dem hiesigen Wald. Dieses Mal, und mit dem tieferen Vordringen in das Gehölz aber trifft er auf gleich zwei seltsame Gestalten: den Holländer-Michel (Thomas Thieme), der Peter sogleich aus der Patsche hilft und auch sonst ein offenes Ohr für den jungen Mann zu haben scheint – und das Glasmännlein (Tilo Prückner), welches ihm drei Wünsche zugesteht. Natürlich nimmt Peter an, und entscheidet sich zunächst einmal für den nötigen Reichtum um endlich das ihm zustehende Ansehen zu genießen – und nicht zuletzt, um bei seinem Schwarm Lisbeth zu landen. Doch letztendlich läuft alles doch nicht so wie geplant…

Kritik: Um die wievielte direkte oder zumindest entsprechend beeinflusste filmische Aufarbeitung es sich bei der für das ZDF produzierten Version von DAS KALTE HERZ tatsächlich handelt, ist schwer zu sagen. Fest steht nur, dass die von Marc-Andreas Bochert verwirklichte und im Rahmen des ZDF-Specials Märchenperlen gezeigte Variante nicht viel anders macht als die bisherigen Veröffentlichungen – von der die im Jahre 1950 erschienene DEFA-Version eine der bekannteren markiert. Neu sind nur die Special Effects, die wider Erwarten recht dezent eingesetzt wurden – sowie natürlich die Besetzung mit einigen mehr oder weniger bekannten deutschen Darstellern. Die allerdings machen ihre Sache recht ordentlich, und auch die optisch-handwerkliche Gestaltungsarbeit weiß zu überzeugen – vor allem im Sinne einer TV-Produktion. Dass dann auch noch die Moral der Geschichte treffend eingefangen wurde – und das ohne etwaigen Blödeleien zu verfallen oder allzu sehr ins kitschige abzudriften – rundet die Sache ab. Sicher, DAS KALTE HERZ mag keine inhaltlich neue oder gar weltbewegende Märchenverfilmung sein – doch die angenehme Art der Erzählung, die für ein Märchen vergleichsweise ungekünstelt wirkende Emotionalität sowie die gleichermaßen universellen wie zeitlosen Botschaften machen die 2014’er ZDF-Version durchaus zu einem Hingucker; gerade für einen gemeinsamen Familien-Filmabend.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Justbridge Entertainment

border_01

„Eine absolut annehmbare, angenehm bodenständige Märchenverfilmung.“

filmkritikborder

Filmkritik: „Death Note“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Death Note (Manga)
Regie: Adam Wingard
Mit: Nat Wolff, Margaret Qualley, Lakeith Stanfield u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 101 Minuten
FSK: nicht geprüft / keine Angabe
Genre: Thriller / Horror / Fantasy
Tags: Death Note | Light Yagami | Ryuk | Shinigami | Japan | Manga | Anime-Serie

Einmal das Totenbuch, bitte… gut durch und auf Amerikansich.

Inhalt: Eigentlich ist der junge Light Turner (Nat Wolff) nur ein ganz normaler Schüler, der sich ab und an etwas mit den Hausaufgaben anderer dazuverdient. Eines Tages aber fällt ihm ein seltsames schwarzes Notizbuch in die Hände, welches die Aufschrift DEATH NOTE trägt. Schnell stellt er fest, dass das Buch außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt: stellt man sich das Gesicht einer Person vor und trägt den dazugehörigen Namen auf einer der Seiten ein, stirbt der betroffene. Als wäre das noch nicht unglaublich genug, taucht auch ein Todesgott namens Ryuk auf – der offenbar der eigentliche Besitzer des Buches ist, und Light dazu ermutigt seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Light’s Entschluss, die Welt mithilfe des DEATH NOTE zu einem besseren Ort zu machen; ist daraufhin schnell gefasst – sodass er schlicht einige der gefährlichsten Verbrecher tötet, deren Gesichter und Namen er in den Medien aufgeschnappt hat. Dabei kommt ihm eigentlich nur einer in die Quere, und dass ist der hiesige Chefermittler L (Lakeith Stanfield)…

Kritik: Ob Fans des originären DEATH NOTE-Mangas (2003-2006) oder der seinerzeit direkt im Anschluss verwirklichten, längst mit einem enormen Kult-Status geadelten Anime-Serie (siehe Rezension) explizit darauf gewartet haben oder nicht – mit DEATH NOTE erfährt die düstere, sich um ein mysteriöses Buch aus einer Art Zwischenwelt drehende Geschichte von Tsugumi Ōba eine weitere Realverfilmung. Dieses Mal, und im Gegensatz zu den bisherigen vier Realfilmen aus Japan (siehe unter anderem hier); haben sich mit den Warner Studios erstmals die nicht unbedingt für gute Anime-Adaptionen bekannten Amerikaner an den Stoff gewagt. Eben das sieht und merkt man dem von Adam Wingard (der durch die Neuverfilmung zu BLAIR WITCH bekannt geworden ist) gedrehten Film auch direkt an – was noch nicht zwingend als Qualitätsmerkmal interpretiert werden muss, aber doch schon die ungefähre Marschrichtung vorgibt.

Anders gesagt: es sei den Amerikanern durchaus gegönnt, dass sie hier ihre ganz eigene Version von DEATH NOTE auf die Beine gestellt haben – und schon der Auftakt des Films respektive die ausführlichen Intro-Szenen mit Ansichten einer Highschool, des hiesigen Football- sowie Cheerleading-Teams und allerlei amerikanischen Gesichtern auch mit Nachdruck darauf aufmerksam machen. Selbst die zugegebenermaßen recht unglückliche Besetzung des wichtigen Charakters L durch den farbigen und auch sonst eher unpassend wirkenden Darsteller Lakeith Stanfield markiert so gesehen keines der Hauptprobleme des neuen, durch und durch amerikanischen DEATH NOTE-Films – der sich seine größten Fehlgriffe vielmehr in der letztendlich doch auffallend unstimmigen inhaltlichen und atmosphärischen Portierung leistet.

Das besondere, und gewissermaßen auch fatale dabei ist; dass es zur Feststellung dieser Mängel erst gar keines intensiveren DEATH NOTE-Vorwissens bedarf – mit einem kleinen aber feinen Unterschied. So werden komplette Franchise-Neueinsteiger vielleicht nicht genau wissen oder benennen können, was dem neuen DEATH NOTE-Film fehlt – während Kenner der Vorlagen immer wieder darauf hingewiesen werden, wie viel Potential hier letztendlich verschenkt wurde. Sei es der plötzlich eher weichgespülte Charakter der eigentlich ebenso hoch intelligenten wie skrupellosen Hauptfigur Light, die perfiden Katz- und Mausspiele zwischen ihm und der durch den weltfremd agierenden Chefermittler L verkörperten Gegenseite; oder der schier unglaubliche Spannungsbogen hinsichtlich des geschickt hinausgezögerten Finales, welches man zumindest im Anime kaum vorhersehen kann – die Amerikanische Realverfilmung von DEATH NOTE lässt hinsichtlich der Darstellung dieser Kernkompetenzen einiges vermissen, oder stellt sie lediglich äußert vereinfacht und in einem regelrechten Schnelldurchlauf dar.

Sicher, es mag nicht leicht gewesen sein den doch recht ansehnlichen Umfang der Vorlagen in ein handelsübliches Filmformat zu verfrachten – doch ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte man dabei schon an den Tag legen können. Oder aber, und um es einmal gewagt auszudrücken: den Mut, zumindest die unvorbereiteten Zuschauer im schlimmsten Fall dezent zu überfordern. Dieses Wagnis sind die Verantwortlichen allerdings nicht eingegangen. Im Gegenteil: trotz der guten und spannenden Grundidee kommt die amerikanische DEATH NOTE-Verfilmung wie ein relativ typischer Teeniefilm oder auch Highschool-Thriller mit entsprechend bekannten Elementen daher, bei dem selbst die überraschend heftigen Splatter-Szenen nicht für viel Aufsehen sorgen können. Und schon gar nicht die Inhalte oder Charaktere, die hier auf das absolut nötigste reduziert wurden – und so erst gar keinen Vergleich zur Vielschichtigkeit und Intensität der Anime-Serie zulassen.

Auch in Bezug auf die handwerklichen und technischen Aspekte kann das Urteil eigentlich nur zwiespältig ausfallen, wofür schon die allgemein schwierige Darstellung des Todesgottes oder auch Shinigamis Ryuk spricht. Tatsächlich muten dessen Rückansicht und Silhouette ordentlich gruselig an – aber eben nicht die gerne mal direkt gezeigte Front respektive Gesichtspartie mit ihrem arg künstlichen Anstrich. Immerhin, und so gesehen: im Gegensatz zu den billig-plump wirkenden CGI-Eskapaden der japanischen Realfilme ist hier schon eine kleine Qualitätssteigerung erkennbar. In Bezug auf die Darsteller gilt es, ähnlich schwankendes festzuhalten. Der einst durch eine Kinderband (THE NAKED BROTHERS BAND) bekannt gewordene Nat Wolff beispielsweise ist grundsätzlich eine positive Überraschung – auch wenn er die Aufgabe, den Charakter von Light sinngemäß darzustellen; auch aufgrund des Drehbuchs schlicht unmöglich stemmen kann. Während die Kameraführung, die Wahl der Schauplätze und das das Setdesign inklusive der durchdachten Beleuchtung weitestgehend stimmig ausfallen; haben sich die Macher aber spätestens mit dem Soundtrack einen echten Fauxpas geleistet. Schließlich hätte man kaum noch unpassendere und noch aufdringlicher inszenierte Poprock-Titel wählen können als beispielsweise in Bezug auf die spätere Riesenrad-Szene.

Schlussendlich: mit der 2017’er Version von DEATH NOTE sind die Verantwortlichen ein Wagnis eingegangen. Ein Wagnis, dass es so allerdings schön öfter gab – und in nur selten wirklich zufriedenstellenden Fernost-Portierungen mündete, sei es in Bezug auf Manga-, Anime- oder Realfilmadaptionen. Daran ändert auch der neue DEATH NOTE-Film nichts – der alles andere als ein Meilenstein geworden ist, andererseits aber auch noch viel ärger hätte ausfallen können. Dennoch, selbst im besten Fall reicht es hier nur für eine eher besondere respektive indirekte Daseinsberechtigung – die darin besteht, zufällig geköderte Franchise-Neueinsteiger für die zugrundeliegenden Vorlagen zu sensibilisieren.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Netflix / James Dittiger

border_01

„DEATH NOTE Minus DEATH NOTE, oder: es ging schief, was schief gehen musste.“

filmkritikborder

Filmkritik: „A Monster Calls / 7 Minuten Nach Mitternacht“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: A Monster Calls (Roman)
Regie: Juan Antonio Bayona
Mit: Lewis MacDougall, Sigourney Weaver, Felicity Jones u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama / Fantasy
Tags: Monster | Kind | Junge | Familie | Schicksal | Coming Of Age

Ein Monster, mit dem man rechnen muss.

Inhalt: Die mittlerweile von ihrem Mann getrennt lebende Elizabeth (Felicity Jones) hat es als alleinerziehende wahrlich nicht leicht. Dabei ist ihr im Ausland lebender und somit nur noch sporadisch auftauchender Ex-Mann, der sich offenbar nur selten um ihren gemeinsamen Sohn Conor (Lewis MacDougall) kümmern kann; noch das geringste Problem. Schließlich leidet Elizabeth an einer schweren Krebserkrankung, die es ihr zusehends unmöglich macht ausreichend für ihren heranwachsenden Sohn zu sorgen. Davon wissen natürlich auch die anderen Bewohner der Gegend – etwa die Mitschüler aus Conor’s Klasse. Anstatt jedoch Unterstützung zu erfahren, wird er ständig nur gehänselt – sodass sich Conor am liebsten in sein Zimmer zurückzieht, und mithilfe seiner Zeichnungen in seine eigene Gedankenwelt abtaucht. Eines Tages wird er dann zeuge eines denkwürdigen Ereignisses: die alte Eibe in der Nähe seines Hauses wird plötzlich lebendig, schreitet auf den verdutzten Conor zu – und nimmt Kontakt mit ihm auf. Gleichzeitig mischt sich Conor’s strenge Großmutter (Sigourney Weaver) in die Familienangelegenheiten ein, und beschließt Conor erst einmal bei sich aufzunehmen – und das so lange, bis es seine Mutter endlich wieder besser gehen würde.

Kritik: Mit A MONSTER CALLS wagt sich der aus Spanien stammende und vornehmlich durch seine Arbeiten an DAS WAISENHAUS (siehe Filmkritik) sowie dem Tsunami-Drama THE IMPOSSIBLE bekannt gewordene Regisseur Juan Antonio Bayona erstmals an die Verfilmung einer gleichnamigen Jugendbuch-Vorlage von Patrick Ness. Die ist in Anbetracht ihres Erscheinens im Jahre 2011 noch relativ frisch, basiert eigentlich auf einer Idee der an Krebs verstorbenen irisch-britischen Schriftstellerin Siobhan Dowd – und hat trotz des offensichtlichen Monster-Sujets weniger mit einem fantastischen Märchen am Hut als eventuell erwartet. Vielmehr wird dem Zuschauer überraschend schnell nahegelegt, dass es sich bei der aus einer alten Eibe herausformenden Baum-Kreatur um ein rein imaginäres Konstrukt des jungen Hauptprotagonisten Conor handelt – der als Heranwachsender früh lernen muss, mit der schweren und aller Wahrscheinlichkeit nach tödlichen Krebserkrankung seiner Mutter umzugehen.

Dass A MONSTER CALLS somit alles andere als ein typischer Fantasy- oder auch Monsterfilm geworden ist, ist jedoch keine Enttäuschung – sondern seine eigentliche Stärke. Zumindest wenn es weiß und man sich entsprechend darauf einlässt, darauf einlassen kann. Anders gesagt: die spezifischen Darstellungen der behandelten kindlichen Gedankenwelt sind das markanteste (und eventuell auch das gewöhnungsbedürftige) Alleinstellungsmerkmal des Films – im Kern und davon unabhängig aber bleibt er ein unerwartet aufwühlendes und Charakter-intensives Drama mit starken Coming Of Age-Elementen. Ein Drama; dass wie so viele andere von seinen Charakteren und einer möglichst nachvollziehbaren Schilderung der Ereignissen lebt – was Juan Antonio Bayona in seiner Ausführung auch gelingt, trotz oder gerade wegen der ungewöhnlichen Darstellung mit dem hier gezeigten Monster als versinnbildlichtem inneren Dämon.

Trotz einiger guter Ansätze und der in diesem Falle ausnahmsweise mal positiv zu attribuierenden Mogelpackung hat A MONSTER CALLS aber auch mit einigen Schwächen zu kämpfen. Beispielsweise ist festzustellen, dass sich der Film gerade in Bezug auf seinen Auftakt und den ersten Begegnungen mit dem Monster teils deutlich in die Länge zieht und erst gegen Ende wieder aus dem (emotionalen) Vollen schöpft. Auch die analog dazu immer wieder eingeschobenen Erzähl-Sequenzen in einem speziellen Comic-Look stören – auch wenn sie inhaltlich Gewicht haben – den allgemeinen Filmfluss. Und überhaupt: allzu großartig sehen sie erst gar nicht aus, sodass hier durchaus der Wunsch nach einem anderen Stilmittel laut werden könnte. Für das Monster selbst gilt dann eigentlich nur eines: vor allem aus der Ferne sowie in den nett gemachten Verwurzelungs-Szenen macht es ordentlich was her, in den Nahaufnahmen macht es einen eher befremdlichen bis unschönen Eindruck.

Gut also, dass hier eher die Musik respektive die Sprache den Ton angibt – und sowohl Liam Neeson (in der Originalfassung) als auch der Synchronsprecher Bernd Rumpf stimmig durch die Gegend grummeln, stets unterstützt vom mystisch-atmosphärischen Soundtrack aus der Feder von Fernando Velázquez. Noch wichtiger als das ist aber die erbrachte Leistung der Darsteller, die in einem Drama wie diesem über vieles entscheidet – woran auch noch so viele Effekte und Traumsequenzen nichts ändern. Mit einem starken Lewis MacDougall (u.a. PAN, siehe Filmkritik>7span>) in der Hauptrolle haben die Verantwortlichen aber alles richtig gemacht – seine Darbietung überzeugt auf ganzer Linie. In Anbetracht der kindlichen Besetzung sollte man indes nicht von einem für alle Altersklassen geeigneten Kinderfilm ausgehen: die offizielle Altersfreigabe ab 12 erweist sich als annehmbare Orientierung, zumal der Film einige düstere Elemente bereithält und inhaltlich vergleichsweise tief greift.

Schlussendlich: A MONSTER CALLS ist Klagelied und Ode an das Leben zugleich, in dem sich Grausamkeit und Schönheit die Klinke in die Hand geben – und präsentiert ein bewegendes Anschauungsbeispiel dafür, wie ein einzelner diese erstaunliche Berg- und Talfahrt der Gefühle erlebt und interpretiert. Und wer genau das erwartet – nicht mehr und nicht weniger – der wird vermutlich auch nicht enttäuscht aus dieser Erfahrung herausgehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © A Monster Calls A.I.E. / Quim Vives

border_01

„Eine visuell und inszenatorisch ebenso einzigartig wie gewöhnungsbedürftig umgesetzte; unabhängig davon aber überraschend starke, intensive und bewegende Coming Of Age-Geschichte.“

filmkritikborder

Filmkritik: „Golemata Voda / Der Tag, Als Stalins Hose Verschwand“ (2004)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Golemata Voda (Roman)
Regie: Ivo Trajkov
Mit: Saso Kekenovski, Maja Stankovska u.a.
Land: Mazedonien
Laufzeit: ca. 93 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Drama
Tags: Zweiter Weltkrieg | Kinder | Flüchtlinge | Kommunismus

Golemata Voda, oder: A Macedonian Film.

Inhalt: Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wird der junge, vom Krieg gebeutelte Lem (Saso Kekenovski) in ein stalinistisches Erziehungslager in Jugoslawien gebracht. Doch anstatt der dringend benötigten Zuneigung bekommen Lem und die vielen anderen Waisenkinder hier vor allem eines zu spüren: einen unangenehmen Drill, der durch die nicht seltenen Schikanen der Aufseher noch verstärkt wird. Eines Tages kommt mit Isak (Maja Stankovska) ein eher ungewöhnlicher Junge in das Lager, der von den meisten nur als der Sohn des Teufels bezeichnet wird. Doch während ihm viele seiner jüngeren Leidensgenossen eher mit Ehrfurcht gegenüberstehen und es kaum wagen würden sich ihm zu nähern, versucht Lem die Gunst des seltsamen Jungen zu gewinnen. Als er damit Erfolg hat, scheint Lem wieder Hoffnung zu schöpfen – doch die Situation im Lager spitzt sich zu, als mehrere propagandistische Symbole des Lagers gestohlen oder verunstaltet werden. Eines scheint klar: der Schuldige muss gefunden werden, wobei die dabei eingesetzten Methoden kaum eine Rolle spielen.

Kritik: GOLEMATA VODA, THE GREAT WATER – oder um ihn beim etwas sperrigen Deutschen Titel DER TAG ALS STALINS HOSE VERSCHWAND zu nennen – ist ein Nachkriegsdrama des Mazedonischen Regisseurs Ivo Trajkov, der auf der gleichnamigen Romanvorlage des ebenfalls aus Mazedonien stammenden Schriftstellers Živko Čingo basiert. Gleichzeitig handelt es sich um einen Film mit mehreren Besonderheiten – die bei der zugrundeliegenden Erzähl-Perspektive in Form einer Rückblende beginnen, sich über den expliziten Fokus auf das übergeordnete Thema der (Staats-)Erziehung erstrecken; und schlussendlich in einem starken Schwerpunkt auf eine etwas andere Coming Of Age-Geschichte münden. Schließlich rückt Trajkov vor allem seine beiden jungen Hauptprotagonisten in den Fokus, die als Kriegswaisen in das kommunistisch-stalinistische Erziehungslager gebracht werden – und beleuchtet potentielle Folgen der hiesigen Doktrin.

Neben der ungeschönt-intensiven Atmosphäre, einigen gelungenen Stilmitteln gerade in Bezug auf die Darstellung des sublimatorischen Mystizismus und dem generellen Wegfall von allzu plump-pauschalen Aussagen oder direkten Urteilen über die Hintergründe fallen auch die insgesamt gelungenen handwerklich-technischen Aspekte auf. So sind die Bildkompositionen teils wuchtig und opulent, lassen dabei aber stets den unterschwelligen Schrecken erahnen – und die stimmige Filmmusik weiß für eine ansprechende akustische Untermalung zu sorgen, auch ohne dabei allzu forciert auf die Tränendrüse zu drücken. Den größten Respekt aber verdienen die beiden Kinderdarsteller in den Rollen von Lem und Isak – die ihren erwachsenen Kollegen in Nichts nachstehen, erst Recht nicht was ihr höchst authentisches Spiel betrifft. Auch wenn GOLEMATA VODA knapp am Status eines Meisterwerks vorbeischrammt – für eine Attribuierung als besonderes filmisches Kleinod aus Mazedonien reicht es ganz locker.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Medialuna Entertainment

border_01

„Intensiv erzählt, bewegend und gleichermaßen grotesk wie authentisch.“

filmkritikborder

Filmkritik: „Der Sohn“ (2016)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Regie: Urs Egger
Mit: Mina Tander, Nino Böhlau, Muriel Baumeister u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Drama / Thriller
Tags: Kleinstadt | Alleinerziehend | Mutter | Sohn | Mord | Verdacht

Wenn die Mutter mit dem Sohne…

Inhalt: Die alleinerziehende Katharina (Mina Tander) lebt mit ihrem 16-jährigen Sohn Stefan (Nino Böhlau) in einer beschaulichen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt. Schnell wird klar, dass es die von ihrem Mann verlassene Katharina nicht immer leicht hat – erst Recht, da ihr Sohn schon seit seiner Geburt an einem besonders schweren Asthma leidet. Stefan indes scheint dies bestenfalls dann zu stören, wenn er mal wieder eine Hustenattacke bekommt – er scheint langsam aber sicher genug zu haben von seiner überfürsorglichen Mutter und ihren Ratschlägen. Die macht sich währenddessen Vorwürfe, und stellt sich immer wieder die Frage ob sie ihren Sohn überhaupt noch liebt; lieben kann – erst Recht, da ihr eines Tages eine schlimme Vermutung in den Sinn kommt. Denn: kurz nachdem sich der immer mehr von seiner Mutter abgrenzende Stefan mit seinen merkwürdigen nächtlichen Streifzügen begonnen hatte – in denen er unter anderem seiner aufkeimenden Sexualität Luft machte – wurden in der Gegend die Leichen von zwei ermordeten Frauen gefunden. Kann sich der grausame Verdacht der Mutter wirklich bestätigen, oder andersherum: könnte Stefan tatsächlich zu einem Mörder werden, um seine potentiell unkontrollierbaren Gelüste zu befriedigen ?

Kritik: Nein, ein Filmtitel wie DER SOHN zeugt nicht gerade von einem großen Erfindungsreichtum – und lässt auch nicht die Vermutung entstehen, dass hier mit ganz und gar spektakulären Inhalten zu rechnen wäre. Tatsächlich aber legt es der für die ARD produzierte und von Urs Egger umgesetzte Spielfilm durchaus darauf an, die Gemüter der Zuschauer zu erhitzen. Vornehmlich, in dem ein sonst üblicher Familien- und Generationskonflikt zwischen einer alleinerziehenden Mutter und ihrem jugendlichen Sohn gleich auf mehrerlei Art und Weise auf die Spitze getrieben wird – mit dem letztendlichen Ergebnis, dass sich beide Parteien nicht gerade mit Ruhm bekleckern und des Öfteren mehr als fragwürdige Verhaltensweisen an den Tag legen. Die dabei angeschnittenen oder teils auch etwas expliziter beleuchteten inhaltlichen Kernelemente des Films zielen dabei klar auf den Bereich der zwischenmenschlichen Interaktion im Kreise der Familie: Themen wie Überbehütung, Bevormundung, Misstrauen sowie eine daraus resultierende Aggression und Hilflosigkeit geben sich in DER SOHN die Klinke in die Hand.

Paart man diese heikle Mischung auch noch mit einer gehörigen Portion pubertären Wahnsinns und diversen die Situation nicht gerade erleichternden Umständen, scheint das Chaos perfekt – und ein Film wie DER SOHN voll in seinem Element. Leicht problematisch wird es nur, wenn Urs Egger respektive die verantwortlichen Drehbuchautoren Dagmar Gabler und Peter Andersson dann doch mal gehörig über die Stränge schlagen und den Film so fast schon unfreiwillig komisch, mindestens aber dezent überzogen wirken lassen – inklusive einiger Szenen die man komplett hätte streichen müssen (wie den Wachmann, der seine potentiellen Opfer offenbar im Flutlicht ausmacht). Immerhin bezieht der Film selbst keine klare Stellung zu den meisten der angeschnittenen Themen – und überlasst es in weitestem Sinne dem Zuschauer, über die Charaktere und ihre verfahrene Situation zu urteilen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © BR | DasErste.de

border_01

„Etwas weniger Hysterie und etwas mehr Glaubwürdigkeit wären dem Film sicherlich gut bekommen. Unterhaltsam und ausreichend heikel um für den nötigen Gesprächsstoff zu sorgen ist DER SOHN aber allemal.“

filmkritikborder

Der Trailer:

http://www.daserste.de/embed/index~standalone.jsp?id=der-sohn-trailer-video-100&share=1&extern=1

Filmkritik: „Dog Gone / Diamond Dog Caper“ (2008)

Filmtyp: Spielfilm
Regie: Mark Stouffer
Mit: Luke Benward, French Stewart, Brittany Curran u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 108 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Komödie
Tags: Kleinstadt | Kinder | Familie | Hund | Verbrecher

Ich glaub‘ mich tritt ein Hund.

Inhalt: Irgendwo in einer amerikanischen Vorstadt hat ein kleiner Junge schwer mit dem Verlust seines geliebten Hundes zu kämpfen. Dennoch lässt sich Owen (Luke Benward) nicht unterkriegen: er behauptet sich gegen seine ältere Schwester, trägt die Zeitung aus – und verbringt viel Zeit in seinem Baumhaus, dass sich in einem nahe gelegenen Waldstück befindet. Eines Tages, und während er sich dort wieder einmal seinen zahlreichen Erfindungen widmet; beobachtet er ein gleichermaßen seltsames wie verdächtiges Trio. Tatsächlich handelt es sich bei Blackie (French Steward), Arty (Kelly Perine) und Bud (Kevin P. Farley) um bekannte Kleinkriminelle, die planen eine wertvolle Fracht zu schmuggeln – und das ausgerechnet mit der Hilfe eines Hundes. Nach seinen Beobachtungen entschließt sich Owen schnell dazu, das Tier aus seiner misslichen Lage zu befreien – und im besten Falle auch noch die Gauner zu stoppen.

Kritik: Von Filmen, die explizit auf ein jüngeres Zielpublikum zugeschnitten sind; gibt es solche und solche. Oft – und glücklicherweise – bleibt es dabei nicht allzu lange ein Geheimnis, von wessen Geistes Kind bestimmte Werke sind. Eben so ist es auch im Fall der erstaunlicherweise ganze 107 Minuten langen US-Slapstick-Komödie DOG GONE von Mark Stouffer – die schlicht mit soviel Blödsinn um sich wirft, dass sie selbst in Anbetracht ihres Daseins als Kinderfilm auffällig plump und vorhersehbar wirkt. Anders gesagt: DOG GONE präsentiert nicht nur die vermutlich dümmlichsten Kinderfilm-Bösewichter aller Zeiten, und lehrt jungen Zuschauern so eher das Fremdschämen anstatt das dezente Fürchten – auch blödelt er eine gefühlte Ewigkeit ärgerlich plan- und ziellos vor sich her, ohne nennenswert voranzukommen. Abgerundet wird das Ganze durch eine ordentliche Portion eines auf den Hund gekommenen KEVIN ALLEIN ZU HAUS, garniert mit einer Prise Fäkalhumor – und vielen weiteren Elementen, die die Welt nicht braucht. Wenig überraschend ist, dass schlussendlich auch die Machart inklusive der technischen und handwerklichen Aspekte eher mau ausfällt – insbesondere natürlich, was alle Aspekte des an den Tag gelegten Schauspiels betrifft. Somit wird schnell klar, dass sich der Film für vieles eignet – nur nicht für einen unterhaltsamen oder gar pädagogisch wertvollen Filmabend im Kreise der Familie.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Diamond Dog LLC

border_01

„Es gibt sie noch – gute oder gar magische Kinderfilme. DOG GONE dagegen ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es lieber nicht machen sollte.“

filmkritikborder