Filmkritik: „Das Leben Ist Schön“ (1998)

Originaltitel: La Vita E Bella
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Roberto Benigni
Mit: Roberto Benigni, Horst Buchholz, Marisa Paredes u.a.
Land: Italien
Laufzeit: ca. 117 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Tragikomödie, Drama
Tags: Zweiter Weltkrieg | Nazis | Konzentrationslager | Kind | Junge | Spiel

Eine These geboren aus der Schnittmenge eines frommen Wunsches und der Wahrheit.

Inhalt: Eigentlich könnte es nicht viel besser laufen im Leben des jüdischen Guido (Roberto Benigni): nachdem er all seinen Charme eingesetzt hat um die Liebe seiner angebeteten Dora (Nicoletta Braschi) zu gewinnen, bekommen die beiden alsbald ihr erstes Kind und verbringen einige schöne Jahre im idyllischen Italien. Doch als sich der Schrecken des Faschismus immer weiter ausbreitet, kann sich auch Guido nicht mehr vor den Nazis verstecken – und wird gemeinsam mit seinem Sohn Giosué (Giorgio Cantarini) in ein Konzentrationslager gebracht. Aus Liebe zu ihrer Familie entscheidet sich daraufhin auch Dora, den beiden zu folgen – woraufhin eine lebensgefährliche Odyssee durch ein von den Nazis kontrolliertes System beginnt. Ein System, aus dem es offenbar kein Entkommen gibt. Aufgeben will Guido dennoch nicht, im Gegenteil: für seinen Sohn erfindet er ständig neue Geschichten, die ihn vom harten KZ-Alltag ablenken. So legt er ihm auch nahe, dass sie ihre Gefangenschaft nur bis zum Ende durchhalten müssten – gäbe es doch einen sagenhaften Preis für den vermeintlichen Gewinner…

Kritik: Filme, die in irgendeiner Art und Weise den Zweiten Weltkrieg und insbesondere die Gräueltaten der Nazis aufgreifen; waren schon immer wichtig und sind über die seit der Befreiung vergangenen Film-Jahrzehnte entsprechend zahlreich vertreten. Umso schwieriger erscheint es, sich einige besondere Juwelen herauszupicken. Juwelen oder auch besonders herausragende Kriegs- respektive Anti-Kriegsfilme, die im besten Fall nicht nur die nötige Aufarbeitung vorantreiben und dabei sowohl den Tätern als auch den Opfern gerecht werden – sondern auch eine gewisse Form der Alternative aufzeigen. Eine Alternative, die an den einstweilen fragwürdig erscheinenden Verstand der menschlichen Spezies appelliert – und eine, die keine Staatsangehörigkeit, Religionszugehörigkeit oder anderweitige Ideologien voraussetzt.

Fest steht: das, und noch einiges mehr hat der italienische Schauspieler und Filmemacher Roberto Benigni mit seinem Meister- und vielleicht auch Lebenswerk DAS LEBEN IST SCHÖN anstandslos geschafft. Vielleicht auch, und das ist das besondere; da der Film weitaus weniger von einer typischerweise einem Kriegsdrama zuzuordnen Erzählstruktur und Dramaturgie hat als man es erwarten würde – und die Mixtur aus einer zu Beginn noch gefühlten Alltags-Komödie, der oftmals nur implizierten (dabei aber dennoch alles aussagenden) Darstellung der darauf folgenden Schrecken des Krieges sowie der trotz allem hochgehaltenen und dabei extrem anrührenden Vater-Sohn-Beziehung im Sinne eines ebenso innovativen wie unterhaltsamen und lehrreichen Films aufgeht. Anders gesagt: selten, oder vielleicht auch noch niemals zuvor hat es ein Kriegsdrama mit einer alles andere als gängigen Auslegung einer Opferrolle geschafft einen derart emotional mitreißenden – und entgegen der Weltkriegs-Thematik auch explizit lebensbejahenden – Eindruck zu erzeugen.

Dass der Film dabei nicht nur mit seinem mutigen Konzept überzeugt – sondern beispielsweise auch in Bezug auf die hervorragenden Kostüme, Kulissen und die grundsätzliche optische Gestaltungsarbeit – rundet die Sache ab. Natürlich gilt das auch für die Leistung der beteiligten Darsteller – auch, oder vielleicht auch gerade wenn Roberto Benigni eigentlich nicht viel mehr macht als sich selbst zu spielen. Zwar wird das LEBEN IST SCHÖN nicht jedermann direkt zusagen, woran die stellenweise gewöhnungsbedürftige (in diesem Fall aber natürlich absolut gewollte) Albernheit nicht ganz unschuldig ist – und dennoch wird sich spätestens gegen Ende niemand mehr der schier ungeheuren emotionalen Wirkungskraft dieser Tragikomödie erwehren können. Und schon damit sollte Roberto Benigni  genau das erreicht haben, was er wollte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © D.R.

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„Eine etwas andere (und vor allem anders erzählte) Tragikomödie, die im Gedächtnis bleibt.“

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Filmkritik: „Star Wars Episode 8: Die Letzten Jedi“ (2017)

Originaltitel: Star Wars: The Last Jedi
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Rian Johnson
Mit: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 152 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Star Wars | Episode 8 | Jedi-Ritter | Luke Skywalker | Imperium | Erste Ordnung | Rebellen

Spiele nicht mit der Macht, sonst setzt es eine Tracht.

Inhalt: Auch wenn der von Generalin Leias (Carrie Fisher) geführte Widerstand die furchteinflößende Starkiller-Basis der Ersten Ordnung zerstört hat, ist noch immer kein Frieden in Sicht. Mit verantwortlich dafür ist der eigentliche Strippenzieher der dunklen Seite der Macht, Snoke (Andy Serkis) – der weiterhin große Hoffnungen in seinen Schüler Kylo Ren (Adam Driver) setzt. Dennoch setzen der tollkühne Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac), der desertierte Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega) und die offenbar von der Macht profitierende Rey (Daisy Ridley) alles daran, den finsteren Mächten die Stirn zu bieten. Da sie selbst wissen dass die Lage beinahe aussichtslos ist, planen sie den legendären Luke Skywalker (Mark Hamill) mit in die Kämpfe einzubeziehen. Das Problem ist nur, dass sich der mittlerweile zu einem waschechten Einsiedler gemausert hat, der augenscheinlich nur noch wenig Interesse daran hat das Gute zu verteidigen…

Kritik: Ob man will oder nicht – die STAR WARS-Maschinerie läuft immer weiter. Erst Recht natürlich seit der umstrittenen Übernahme des ursprünglichen Produktionsstudios Lucasfilm durch den Disney-Konzern im Jahre 2012, der längst nicht mehr nur an der eigentlichen Filmreihe arbeitet. Während manche Franchise-Fans eben diesen – und dabei mittlerweile zahlreichen – Prequels und Spin-Offs von vorne herein aus dem Weg gehen, steht zumindest die bereits im Jahre 1977 mit dem legendären KRIEG DER STERNE losgetretene STAR WARS-Hauptreihe weiterhin im Fokus vieler Anhänger der Sternensaga – die damit umso mehr Aufmerksamkeit erhält. Und stellenweise auch deutlich mehr Kritik; wie es das noch nicht allzu lang zurückliegende, groß angekündigten Franchise-Revival in Form von EPISODE VII – DAS ERWACHEN DER MACHT (siehe Review) mit Nachdruck aufzeigte. Die Behauptung, dass die Verantwortlichen nicht viel mehr gemacht haben als eine vergleichsweise seelenlose Kopie des Materials der Originalfilmreihe aus den Jahren 1977 bis 1983 abgeliefert zu haben; ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen – sodass es eine umso spannendere Angelegenheit war und ist zu sehen, wie man im neuesten Teil der Reihe verfahren würde.

Und tatsächlich: der hier gemeinte achte STAR WARS-Teil DIE LETZTEN JEDI ist wieder etwas mehr geworden als eine gefühlte Neu- oder Nacherzählung der intergalaktischen Abenteuer der Vergangenheit. Und beileibe auch mehr als das, was George Lucas mit den viel diskutierten ersten Episoden aus den Jahren 1999 bis 2005 an (hier: reichlich buntem) STAR WAR-Material nachgelegt hatte. Anders gesagt: DIE LETZTEN JEDI ist als zweiter Teil der dritten Trilogie etwa kaum mit dem ebenso oberflächlich-klinischen wie schlicht fürchterlichen zweiten Teil der ersten (ANGRIFF DER KLONKRIEGER, siehe Review) zu vergleichen – und profitiert letztendlich sogar von der neuerlichen Disney-Ägide. Und das beispielsweise, indem man den Wünschen der Fans ganz offensichtlich wieder mehr Gehör schenkt. So ist DIE LETZTEN JEDI eine recht ansehnlicher STAR WARS-Teil geworden, der eine grundsätzlich angenehme Mixtur aus typischen Franchise-Elementen (wie etwa dem düster-dystopischen Setting, das man dennoch immer wieder mit einem gewissen Witz und Charme auflockert) und einer eher modernen Herangehensweise in Form von neuen Geschichten, Charakteren und Effekten.

Gerade die sehen im neusten Ableger übrigens ganz und gar hervorragend aus – auch wenn dies weniger auf potentiell hochkarätige Lichtschwert-Auseinandersetzungen zu beziehen ist, als vielmehr auf die Gestaltung der Weltraum-Szenen, die Kulissen und die Kostüme. Gerade in Anbetracht der schmackigen Kämpfe, die sogar den ein oder anderen Gänsehaut-Moment bereithalten (wie etwa den, als der Hypersprung eines Rebellenschiffes als Waffe eingesetzt wird); muss sich DIE LETZTEN JEDI also keineswegs hinter seinen Vorgängern verstecken – und das auch oder gerade weil hier augenscheinlich noch immer viel Wert auf ein geschicktes Handwerk gelegt wurde, und man nicht von einer Sound- und Effektflut der Marke TRANSFORMERS erschlagen wird. Dass J.J. Abrams (u.a. CLOVERFIELD) seine Finger mit im Spiel gehabt hat, merkt man übrigens auch – wobei die Überraschung umso größer ist, dass seine visuellen Konzepte gut in das STAR WARS-Universum zu passen scheinen.

Der größte Vorteil an EPISODE 8 aber ist und bleibt die Tatsache, dass man nach dem Wiederholungs-Effekt von EPISODE 7 endlich wieder eine neue (und dabei recht spannende) Geschichte erzählt – es dabei aber nicht verpasst, das gute alte STAR WARS-Gefühl inklusive der entsprechend unverwechselbaren Atmosphäre wieder aufleben zu lassen. Dass dafür auch oder sogar hauptsächlich die zahlreichen Auftritte wichtiger STAR WARS-Charaktere verantwortlich sind, versteht sich von selbst – wobei es sich unerwartet gut und stimmig anfühlt, im Sinne des Werdegangs von Meister Yoda, Luke Skywalker, Chewbacca oder Leia Organa auf den neuesten Stand gebracht zu werden. DIE LETZTEN JEDI kann damit getrost allen Franchise-Fans (und solchen, die es werden wollen) empfohlen werden – auch wenn man verständlicherweise nicht erwarten kann, dass es die achte Episode im Sinne der Qualität und des Flairs mit den altehrwürdigen Originalfilmen aufnehmen kann.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Lucasfilm / Disney

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„DIE LETZTEN JEDI ist ein unerwartet stimmiger STAR WARS-Teil geworden, der der neuen Trilogie durchaus zu neuem Glanz verhilft. Es gilt jedoch weiterhin – und speziell in Anbetracht der quantitativen Auswüchse des Franchise – Vorsicht walten zu lassen.“

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Filmkritik: „Hinter Den Mauern“ (Mini-Serie, 2016)

Originaltitel: Au-Delà Des Murs
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Hervé Hadmar
Mit: Veerle Baetens, Geraldine Chaplin, François Deblock u.a.
Land: Frankreich, Belgien
Laufzeit: 3 Episoden á 45 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Thriller, Horror, Mystery, Drama
Tags: Haus | Abenteuer | Erfahrung | Parallelwelt | Zeitreise | Paradoxon

Hat man erst einmal einen Blick riskiert…

Inhalt: Die als Logopädin arbeitende Lisa führt trotz ihrem Tagesgeschäft in einer Kinderklinik ein eher zurückgezogenes Leben. Umso seltsamer erscheint es ihr, als sie eines Tages ein altes Anwesen erbt – und das unter höchst mysteriösen Umständen. Und tatsächlich, wie sich bald darauf zeigt sollte sie mit ihren Vermutungen Recht behalten. Als sie im Haus Geräusche wahrnimmt und sich ein Stück der Tapete zu lösen beginnt, schlägt sie entschlossen ein Loch in die Wand – und entdeckt dahinter einen weiteren Korridor des Hauses. Mit dem was sie dort erwarten sollte, hätte sie indes kaum rechnen können – schließlich scheint sich ihr hier eine ganz eigene, surreal anmutende Parallelwelt zu offenbaren. Eine, in der es offenbar auch Gefahren gibt; sodass Lisa nach der Begegnung mit einem merkwürdig gekleideten Mann panisch flieht. Allerdings nicht in Richtung Ausgang, denn der ist plötzlich nicht mehr zu finden…

Kritik: Ja, doppelt hält oft besser – was insbesondere auf Filmschaffende zutrifft, die sich sowohl als Drehbuchautoren als auch Regisseure verdingen. Und, die im besten Fall gleich beide Betätigungsfelder in einem einzigen Projekt ausleben dürfen – wie im Falle von HINTER DEN MAUERN (im Original AU-DELÀ DES MURS). Dabei spielt es grundsätzlich keine große Rolle, ob man das auch von Marc Herpoux mit erdachte Werk nun als dreiteilige Mini-Serie betrachtet wie offiziell vorgeschlagen – oder aber als zusammenhängenden Spielfilm mit einer dezenten (sich aber nicht negativ auswirkenden) Überlänge. Beiden Varianten oder auch Betrachtungsweisen gemein ist in jedem Fall eine Einladung, die man nicht vorschnell abschlagen sollte – bedienen die Verantwortlichen doch längst nicht nur alteingefahrene oder gar ausgelutschte Tugenden des Horrorfilms. Nein, HINTER DEN MAUERN geht hier und da noch ein paar Schritte weiter. Und das beispielsweise, indem die Macher eine ebenso interessante wie spannend inszenierte Mystery-Komponente vorsehen – was ihr Werk eher in Richtung eines übernatürlich angehauchten Thrillers driften lässt. Und überhaupt: das gute alte Zeitreise-Paradoxon lässt – hier allerdings eher unerwartet – Grüßen…

Tatsächlich ist HINTER DEN MAUERN damit etwas gänzlich anderes geworden als eine typische, in eine einzelne Genre-Schublade zu steckende Fernsehproduktion – woraufhin aber nicht nur die ungewöhnliche und letztendlich überraschende Story hinweist. Schließlich sieht man dem Projekt auch jederzeit problemlos an, dass ihm etwas mitunter besonderes innewohnt. Derart stimmig anmutende, den Zuschauer schon allein durch ihren optischen Eindruck in den Bann ziehende Kulissen hat man so jedenfalls selten gesehen – und das weder in einer entsprechenden Serie, noch einem ähnlich aufgemachten Spielfilm. Anders gesagt: HINTER DEN MAUERN strahlt ganz offensichtlich aus, dass einiges an Arbeit und Herzblut in das Projekt investiert wurde – was sich nur positiv auf den Zuschauer auswirken kann. Das gilt im übrigen auch für die tadellosen Leistungen der beiden Hauptdarsteller, und das der hie und da auftretenden Nebenfiguren – die HINTER DEN MAUERN zu einem Grusel-Kabinett der einstweilen etwas prätentiösen, dabei aber doch angenehm extravaganten Art avancieren lassen. Allzu plumpe Jumpscares, nicht nachvollziehbare Handlungen der Charaktere oder auch ein unnötige wilde Zuarbeit seitens der Kamera oder des Soundtracks bleiben dem Zuschauer jedenfalls erspart.

Eines sollte damit schon jetzt feststehen: HINTER DEN MAUERN ist nicht nur eine auffällig gut gemachte Mini-Serie, sondern auch eine fast uneingeschränkt empfehlenswerte. Insbesondere natürlich für all jene, die sich von den typischen Horror-Szenarien der Marke es spukt in einem verlassenen, sonst aber stinknormalen Haus gelangweilt sehen. Der einzige Wermutstropfen ist, dass es am Ende doch alles etwas zu schnell geht – und die Geschichte durch ein so nicht gerade innovatives geschweige denn einleuchtendes Zeitreise-Paradoxon abgerundet wird. Sei es drum – einmal gesehen haben sollte man HINTER DEN MAUERN allemal. Und das allein aufgrund seiner surreal angehauchten, dabei aber dennoch stets greifbar erscheinenden Szenerie innerhalb einer makaberen Traumwelt, die die (einstweilen harte) Realität doch irgendwann einholt. Es sei denn natürlich, Lisa hätte sich doch anders entschieden… was das bei Fernsehproduktionen sonst eher seltene Gefühl aufkommen lässt, noch mehr Geschichten von der Welt HINTER DEN MAUERN hören zu wollen. Hervé Hadmar macht aber – und da ist es wieder, das Paradoxon – absolut alles richtig, wenn er die Miniserie genau so stehen lässt wie sie ist.

Bilder / Promofotos / Screenshots: ARTE

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„Eine qualitativ extrem überraschende Mini-Serie mit traumhaft-hypnotischen Kullissen und einer einzigartigen Atmosphäre.“

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Filmkritik: „Bronson“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Biografie / Originaldrehbuch
Regie: Nicolas Winding Refn
Mit: Tom Hardy, Matt King, James Lance u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Biografie, Drama, Thriller
Tags: Charles Bronson | Verbrecher | Krimineller | Schläger | Gefängnis | Gewalt

Entdecke Deine künstlerische Ader.

Inhalt: Nachdem der junge Michael Peterson (William Darke) schon im Kindesalter mit einer recht offenen Einstellung zum Thema Gewalt auffällig geworden ist, scheint sich auch im weiteren Werdegang des jungen Mannes (dann: Tom Hardy) wenig zu ändern. Eher ist das Gegenteil der Fall – sodass es keine allzu große Überraschung ist, dass er bei dem Versuch eine Postfiliale auszurauben geschnappt wird. Daraufhin landet er für satte sieben Jahre im Gefängnis, zumindest wenn es nach den Richtern geht – doch für den exzentrischen Michael scheint das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. So beginnt er auch hinter Gittern, sich den Regeln zu widersetzen und inbesondere heftige Prügeleien anzufangen – was ihm sogar einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Gefängnis-Abteilung einbringt. Doch selbst hier scheint man nicht so recht zu wissen, wie man am ehesten mit einem Mann wie Michael umgehen sollte – der sich, nachdem er eines Tages doch noch unerwartet freikommt; kurzerhand den Künstlernamen Charles Bronson zulegt und eine Karriere als beinharter Straßenboxer beginnt. Der nächste Gefängnisbesuch soll indes weniger lange auf sich warten lassen als gedacht…

Kritik: In der Tat, und darauf weist längst nicht nur die Inhaltsbeschreibung des 2009 erschienenen Spielfilms BRONSON hin – ein wenig wahnsinnig ist das, was der dänische Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Winding Refn in Form seiner quasi-Hommage an das Leben des tatsächlich existierenden Schwerverbrechers Charles Arthur Salvador auf die Beine gestellt hat; durchaus. Mindestens aber ist es gewagt, wie nicht wenige Projekte des nach eigenen Angaben farbenblinden Multitalents Refn – der sich für BRONSON offenbar explizit von Stanley Kubrick’s Meisterwerk A CLOCKWORK ORANGE (siehe Filmkritik) inspirieren ließ. So sollte auch BRONSON so manchem Zuschauer einen gehörigen Schlag in die Magengrube verpassen – erst Recht natürlich, wenn man völlig unvoreingenommen ans Werk geht und sich entsprechend überraschen; ja wenn nicht gar von der schier hypnotischen Bilderflut überwältigen lässt.

Sicher kann und sollte man dabei nicht behaupten, dass BRONSON Filme wie A CLOCKWORK ORANGE übertrifft – zumal er das auch gar nicht will, und eher eine alternative (unter Umständen sogar eine greifbarere) Ansicht auf das von Gewalt gezeichnete Leben einer gesellschaftlichen Randfigur darstellt. Anders gesagt: Refn’s BRONSON ist am Ende nicht ganz so substanziell und kultverdächtig wie Kubrick’s Vorlage, vermag es aber dennoch für einen nachhaltigen Eindruck zu sorgen. Und das – womit sich die beiden Werke doch wieder näher kommen als gedacht – eher als ein auf die Leinwand gebanntes Kunstwerk denn als typischer Spielfilm. Das wilde und freigeistig inszenierte Aufeinandertreffen von schonungslos dargestellten Elementen der Gewalt, der stellenweise surreal anmutenden Bilder und Innenansichten des Hauptcharakters, des zugegebenermaßen großartigen Schauspiels des Hauptdarstellers Tom Hardy und nicht zuletzt des aussergewöhnlichen Soundtracks sollte jedenfalls niemanden gänzlich kalt lassen.

Streiten könnte man sich demnach am ehesten über den Sinn oder Unsinn von BRONSON als filmisches Kunstwerk und quasi-Biografie eines notorischen Schlägers, dem es völlig egal war und ist was mit ihm geschieht – wobei man den diesbezüglich auch im Film zitierten Begriff des Nihilismus leider nicht gänzlich von der Hand weisen kann, geht es um ein möglichst treffendes Gesamturteil. Das beste ist noch, man macht sich selbst ein Bild – denn einmal gesehen haben sollte man einen unkonventionellen Film wie BRONSON allemal. Natürlich nur, und dafür braucht es eigentlich keine Vorwarnung; wenn man die entsprechenden Nerven mitbringt…

Bilder / Promofotos / Screenshots: © STUDIOCANAL

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„Ein bemerkenswerter Spagat zwischen einem fleischgewordenen Prügel-Alptraum und einer ebenso makaberen wie überraschend faszinierenden Erzählart inklusive einiger gut gemeinter Kubrick-Analogien.“

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Filmkritik: „Matrix“ (1999)

Originaltitel: The Matrix
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Mit: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss, Hugo Weaving u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 131 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction, Action
Tags: Matrix | Fiktion | Paralellwelt | Roboter | Maschinen | Künstliche Intelligenz

Was ist schlimmer – irgendwo gefangen zu sein, oder gar nicht erst zu wissen dass man es ist ?

Inhalt: Thomas A. Anderson (Keanu Reeves) führt ein waschechtes Doppelleben: während er sich in seinem Alltag als unscheinbarer Programmierer für eine große Softwarefirma verdingt, nimmt er im privaten auch mal etwas zwielichtigere Aufräge an – sofern die Bezahlung für seine Dienste als professioneller Hacker stimmt. Und auch wenn er recht gut mit seinem Lebensstil zurechtzukommen scheint, beschleicht ihn des öfteren das Gefühl als würde etwas nicht stimmen – wobei er Schwierigkeiten hat zu definieren, was genau es sein könnte. Dementsprechend hätte er wohl mit allem rechnen können – nur nicht mit der These die ihm ein gewisser Morpheus (Laurence Fishburne) nahelegt. Der behauptet schlicht, dass die Welt wie Thomas und all die anderen Menschen sie kennen; nichts weiter ist als eine computergesteuerte Simulation. Kurz darauf stellt Morpheus Thomas vor die Wahl: entweder, er würde sein Leben wie bisher weiterleben – oder aber die Chance wahrnehmen, die Wahrheit zu ergründen. Dafür müsste Thomas allerdings sein altes Leben komplett hinter sich lassen…

Kritik: Ja, es wurde bereits viel über ihn gesagt – wobei sich so gut wie alle Kritiker und Zuschauer zumindest in einer Hinsicht einig sind. THE MATRIX, der 1999 erschienene Kultfilm der beiden Wachowksi-Brüder (oder mittlerweile auch Schwestern) war und ist nicht weniger als ein Meilenstein der Science Fiction- und Action-Filmgeschichte. Einer, bis heute nichts von seiner ursprünglichen Faszinationskraft verloren hat – was auch oder vielleicht sogar erst Recht für die beiden etwas später veröffentlichten Nachfolger MATRIX RELOADED und MATRIX REVOLUTIONS gilt. Der Gründe dafür gibt es gleich eine ganze handvoll: seien es die hervorraganden und in jeder Hinsicht innovativen Spezialeffekte inklusive der für die Filmreihe typischen Zeitlupen-Sequenzen, die gut choreographierten Kampfszenen, die hochkarätige und in einem angenehmen Maß in ihren Rollen aufgehende Besetzung oder nicht zuletzt die vergleichsweise wenig ausgelutschte (und für eine Hollywood-Produktion recht freigeistig umgesetzte) Grundidee – der turbulente Action- und Sci-Fi-Mix geht in vielerlei Hinsicht auf, und sorgt in Anbetracht seiner sowohl in handwerklich-technischer als auch inhaltlicher Hinsicht äußerst zufriedenstellender Elemente für einen immensen Unterhaltungswert.

Wenn man dem ersten Teil der Reihe dennoch etwas ankreiden wollte, wären dies vornehmlich zwei Dinge. Zum einen, dass es die Macher mit ihrer an den Tag gelegten (oder eher auf die Leinwand gebannten) Coolness stellenweise dezent übertrieben haben, was einige Szenen eher unfreiwillig komisch denn wirklich beeindruckend wirken lässt – und zum anderen, dass der erste Teil der Reihe schlicht noch nicht ganz die Intensität und den Ideenreichtum der späteren Nachfolger erreicht. Davon abgesehen – und in Anbetracht der Tatsache, dass THE MATRIX ohnehin nur als vollständige Trilogie funktioniert – gab und gibt es aber kaum etwas zu mäkeln. Anders gesagt: auch wenn der erste Teil nicht perfekt ist, gehört er zu einer absoluten Pflichtreihe des ausgehenden 20.sten und beginnenden 21.sten (Kino)Jahrhunderts.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros. GmbH

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„THE MATRIX ist zu Recht einer der einflussreichsten und kultigsten Filme der späten 90er Jahre. Weitaus überraschender ist allerdings die Tatsache, dass die beiden Nachfolger dem Original in fast nichts nachstanden.“

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Filmkritik: „Darkman“ (1989)

Auch bekannt als: Darkman – Der Mann mit der Gesichtsmaske
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Sam Raimi
Mit: Liam Neeson, Frances McDormand, Colin Friels u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 91 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Action
Tags: Unfall | Entstellt | Gesichtsmaske | Rachefeldzug | Trash

Mit dem DARKMAN ist nicht zu spaßen.

Inhalt: Gerade, als der ehrgeizige Wissenschaftler Peyton Westlake kurz davor steht erstmals synthetische Haut für Verbrennungsopfer herstellen zu können; wird sein Labor von einer skrupellosen Verbrecherbande überfallen und dem Erdboden gleichgemacht. Peyton, der nur mit schwersten Verletzungen davonkommt und in einem Krankenhaus erwacht; schwört daraufhin Rache an seinen Peinigern. Dabei versucht er, seine Forschungen wieder aufzunehmen und auf sich selbst anzuwenden – und das nicht zuletzt, um seiner geliebten Frau nicht völlig entstellt gegenübertreten zu müssen. Problematisch dabei ist nur, dass die von ihm gefertigten Masken noch immer nur 99 Minuten in Form bleiben – was ihm sein altes Ich unmöglich zurückbringen, aber immerhin den ein oder anderen Überraschungsangriff ermöglichen sollte. Das seine Frau dabei irgendwann selbst in der Schusslinie steht, macht es ihm nicht gerade leichter…

Kritik: Auch wenn sich der US-Amerikanische Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Schauspieler Sam Raimi schon in den frühen 80er Jahren – und das nicht zuletzt durch auch heute noch gegenwärtige Filme wie die 1982 begonnene TANZ DER TEUFEL-Reihe – einen Namen machte, ist die nunmehr satte 40 Jahre umfassende Filmografie des nicht gänzlich unumstrittenen Multitalents eher übersichtlich geblieben. Dennoch, oder vielleicht auch gerade deshalb war und ist sie nicht vor diversen Kuriositäten gefeit, die sich nicht erst durch seine überraschende Mitwirkung bei den relativ blutleeren SPIDER MAN-Filmen der Jahre 2002 bis 2007 äußerten – sondern schon viel früher. Ein gutes Beispiel dafür ist sicherlich auch der 1990 erschienene Spielfilm DARKMAN – der trotz seiner grundsätzlich gruseligen Story um Gesichtsmasken, der durch die TANZ DER TEUFEL-Reihe maßgeblich trainierten Regie-Fähigkeiten von Raimi und nicht zuletzt seines damaligen Einspielergebnisses nicht so recht zünden will.

Einer der hauptsächlichen Gründe dafür ist indes weniger die respektable Leistung des Hauptdarstellers Liam Neeson, der dem Titel-gebenden DARKMAN Peyton Westlake allemal ein gewisses Maß an Leben (und selbstverständlich auch Wahnsinn) einhaucht – und auch nicht die Arbeit der Maskenbildner, die sich ebenfalls sehen lässt. Vielmehr ist es die krude Mixtur aus einer nicht allzu originellen Idee und einer vergleichsweise lachhaften, gefühlt aber dennoch absolut ernstgemeinten Umsetzung – der die zahlreichen hanebüchen Actionszenen klar konterkarierend gegenüberstehen. Dass der von Raimi bekannte Slapstick hie und da dennoch Einzug hält, macht es nicht viel besser. Eher ist das Gegenteil der Fall, zumal das Timing einfach nicht stimmt – was den ohnehin reichlich unentschlossenen Film auf noch wackligeren Beinen stehen lässt. Anders gesagt: da er wahlweise zu viele oder auch zu wenige der jeweils typischen Genre-Elemente an den Start bringt, ist DARKMAN weder Fisch noch Fleisch – und eignet sich daher weder für einen zünftigen Grusel-Abend noch für eine unterhaltsame Trashfilmnacht.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Universal Studios

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„Alles – nur kein guter Raimi.“

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Filmkritik: „Die Tribute Von Panem 2 – Catching Fire“ (2013)

Originaltitel: The Hunger Games – Catching Fire
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Buchvorlage
Regie: Francis Lawrence
Mit: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 146 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Action, Drama, Science Fiction
Tags: Zukunft | Regime | Militär | Gewalt | Totalitär | Dezimierung

Eine Rebellion wird zum Lauffeuer.

Inhalt: Auch wenn es die 17-jährige Katniss Everdeen (Jenniger Lawrence) und ihr Freund Peeta (Josh Hutcherson) geschafft haben die letzte Ausgabe der sogenannten Hungerspiele zu überleben, kehrt noch lange keine Ruhe in das Leben der jungen Helden. Und das vornehmlich, da die hiesige Regierung unter dem diktatorischen Präsidenten Snow (Donald Sutherland) den Sieg der beiden für ihre ganz eigenen Zwecke nutzen will – und nicht aufhört, die Bevölkerung zu drangsalieren. Da Katniss dabei langsam aber sicher zu Art Galionsfigur für eine aufkeimende Rebellion avanciert, planen die Verantwortlichen eine besondere Jubiläumsausgabe der Hungerspiele – in der nicht nur Katniss und Peter erneut antreten müssen, sondern auch die bisherigen Gewinner aller vergangenen Spiele. Ob dieser Plan und die menschenverachtenden Machtdemonstrationen des Regimes allerdings ausreichen um den vermeintlichen Frieden wiederherzustellen, ist eine ganz andere Frage…

Kritik: Nein, und das wissen offenbar auch die Verantwortlichen: einen Blumentopf (geschweige denn einen nennenswerten Filmpreis) kann oder sollte auch der sich auf die gleichnamige Fantasy-Buchtrilogie von Suzanne Collins beziehende zweite Teil der TRIBUTE VON PANEM-Reihe nicht gewinnen. Schuld daran ist allerdings weniger die zugrundeliegende Grundidee an sich – oder aber die sich aus der Verfilmung ergebende Nähe zu weitaus anspruchsvolleren Genre-Filmen wie etwa BATTLE ROYALE – sondern vielmehr die Art und Weise, wie und vor allem auch mit welchen Schwerpunkten das Ganze umgesetzt wurde. Fest steht: auch die im zweiten PANEM-Teil anberaumte Mixtur der Darstellung eines in dieser Form mindestens unglaubwürdig (oder ersatzweise auch unfreiwillig komisch) erscheinenden totalitären Regimes und der trotz allem postulierten Ernsthaftigkeit respektive Zeigerfingermoral geht nicht wirklich auf – woran auch die Titel-gebenden, dabei aber nicht minder hanebüchen erscheinenden Hungerspiele als potentiell streitbares Kernelement nicht viel ändern. Die nach wie vor fragliche Zielgruppe (die in Bezug auf die Hauptdarstellerin sowie die inkludierte Love-Story auch ganz explizit ein jüngeres weibliches Publikum ansprechen soll) macht es ebenfalls nicht gerade besser – nur noch prätentiöser; zumindest in Bezug auf den tiefen Griff in die Trickkiste jener Elemente, die so schon in (zu) vielen Hollywood-Spektakeln verwendet wurden. Neben einer handvoll guter Setdesigns und Effekte sowie gerade noch passablen Leistungen der beteiligten Darsteller im Teenager-Alter bleibt so nicht viel übrig für und an CATCHING FIRE – der dennoch oder gerade deshalb seine Zuschauer finden wird.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © StudioCanal Deutschland

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„Überzeichnet, aber nicht satirisch. Gewaltsam, aber nicht verstörend. Spannend, aber nicht packend. Emotional, aber nicht wirklich gefühlvoll. CATCHING FIRE orientiert sich klar am Mainstream, und bugsiert sich nicht zuletzt dadurch auf einen bestenfalls mittelmäßigen Posten.“

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Filmkritik: „Undisputed III: Redemption“ (2010)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Isaac Florentine
Mit: Scott Adkins, Mykel Shannon Jenkins, Mark Ivanir u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: keine Jugendfreigabe (uncut) / ab 16 freigegeben (cut)
Genre: Action, Drama
Tags: Knast | Gefängnis | Korruption | Alltag | Kämpfe | Brutal

Sind sie zu hart, bist Du zu weich.

Inhalt: Nachdem sich der gefürchtete Gefängniskämpfer Yuri Boyka (Scott Adkins) eine schwere Knieverletzung zugezogen hat, fristet der ehemalige Champion ein ebenso verwahrlostes wie hoffnungsloses Dasein als Toilettenputzer. Gänzlich verschwunden scheint sein Kampfgeist allerdings nicht, ebenso wenig wie die Erfahrungen aus seinem jahrelangen Training. Und tatsächlich: als er zufällig einen Kampf beobachtet, wittert er seine Chance in den Ring zurückzukehren. Als dann auch noch ein größeres internationales Gefängnisturnier ausgetragen werden soll, ist Boyka sofort Feuer und Flamme – und das nicht nur, da dem Sieger die Freiheit winkt. Viel wichtiger ist es ihm schließlich zu beweisen, dass er noch immer einer der besten Kämpfer aller Zeiten ist… wobei es höchst unklug wäre, nicht auch ein Auge auf die skrupellosen Hintermänner und Strippenzieher des in vielerlei Hinsicht nicht ganz unproblematischen Duells zu werfen.

Kritik: Korrupte Beamte und schmierige Bonzen investieren in muskelbepackte Sträflinge, die sich in einem Kampf um Leben und Tod gegenüberstehen – und dabei nur vermeintlich die Freiheit gewinnen können. So oder so ähnlich muss man den sich auf den vergleichsweise hochkarätig besetzten ersten Teil (2002) der Reihe beziehenden dritten UNDISPUTED-Film des seit dem zweiten Teil verantwortlichen Regisseurs Isaac Florentine vorstellen – wobei es tatsächlich nicht allzu viel hinzuzufügen gibt. Anders gesagt: so oberflächlich, unglaubwürdig und im Sinne einer fraglichen Männerunterhaltung zusätzlich vereinfacht der Film erscheint, so ist er auch im Kern – woran auch die hier und da geäußerten flotten Sprüche nicht viel ändern. Und das schon gar nicht in Bezug auf die äußerst fragwürdige Moral des Films (die noch am ehesten als so sicher nicht beabsichtigte Metapher funktioniert) – oder aber die Tatsache, dass man selbst aus einer durchwachsenen Vorlage wie UNDISPUTED gleich mehrere Teile macht oder machen muss. Zugute halten kann man UNDISPUTED III also nur, dass man dem Hauptdarsteller Scott Adkins seine Rolle als knallharte und lediglich zum Kampf bestimmte Maschine durchaus abnimmt (und das etwa im Gegensatz zu so manchem Möchtgern-Badboy der Marke Hollywood) – und dass es auch dieses Mal einige herrlich abstruse Überzeichnungen sowie eine handvoll ungeschönt inszenierter und recht gut choreographierte Kampfszenen zu sehen gibt. Die können den Film zwar auch nicht retten oder origineller machen, aber immerhin für einen – wenn auch diskutablen – Unterhaltungswert sorgen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Millennium Films

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„Raubeiniges, aber eben auch reichlich luftiges Gefängniskampf-Futter für Zwischendurch.“

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Filmkritik: „Thor 3: Tag Der Entscheidung“ (2017)

Auch Bekannt Als: Thor: Ragnarok
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Taika Waititi
Mit: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 131 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Action / Science Fiction
Tags: Thor | Asgard | Mjölnir | Odin | Loki | Midgard | Marvel | Comic

Donnerbuddys für immer.

Inhalt: Nachdem Donnergott Thor (Chris Hemsworth) und sein Bruder Loki (Tom Hiddleston) ihren Vater Odin (Anthony Hopkins) auf der Erde ausfindig gemacht haben, müssen die sich nicht immer gut verstehenden Geschwister gleich mit mehreren Hiobsbotschaften zurechtkommen. Dass ihrer Heimatwelt Asgard eine Katastrophe in Form des sogenannten Ragnarök bevorsteht und sich ihr Vater vor ihren Augen in die Gefilde von Walhalla aufmacht ist dabei nur der Anfang – schließlich erfahren sie auch von einer ihnen bisher unbekannten Schwester namens Hela (Cate Blanchett). Die ist jedoch nicht gekommen, um den beiden Brüdern in dieser schweren Zeit beizustehen – sie will selbst nach Asgard, um sich an den mächtigen Kräften der Stadt zu laben und das Universum zu unterjochen. Und genau das wollen Thor und sogar Loki verhindern. Dumm nur, dass sie bei ihrer Reise nach Asgard auf einem seltsamen Müllplaneten namens Sakaar landen, der von einem noch seltsameren Herrscher kontrolliert wird – und auf dem selbst ein mächtiger Gott wie Thor dazu gezwungen werden kann, an blutrünstigen Turnieren teilzunehmen.

Kritik: Nach der ebenso überraschenden wie guten ersten THOR-Verfilmung (2011, siehe Review) sowie dem deutlich düstereren Nachfolger THE DARK KINGDOM (2013, Review) wagt sich der beliebte Marvel-Held mit dem TAG DER ENTSCHEIDUNG bereits zum dritten Male auf die große Kinoleinwand. Wobei, und diesen Einschub sollte man in Anbetracht der aktuellen Marvel-Filmflut durchaus vornehmen; sich diese Zahl natürlich nur auf die Auftritte in seinem eigenen Franchise bezieht – und er dementsprechend auch in zahlreichen anderen Partner-Werken wie etwa der AVENGERS-Reihe ein Wörtchen mitzureden hat. Fakt ist: Comic-Verfilmungen sind in der aktuellen Kinolandschaft beliebter denn je, und gerade die Helden und Geschichten aus dem Hause MARVEL scheinen dabei den ein oder anderen Zuschauer-Nerv zu treffen. Das bedeutet indes nicht, dass sich die Geschichten nicht doch irgendwann abnutzen könnten – wofür gewissermaßen auch der neueste THOR-Teil Pate steht.

Interessanterweise ist es in diesem Fall aber nicht die zugrundeliegende Idee, die den ebenso apokalyptischen wie teils fast schon albernen Filmgenuss der Marke THOR markant trüben würde. Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall, denn die eher einen Schritt zurückgreifende Geschichte macht mit ihren mythischen Bezügen durchaus Spaß – und markiert eine willkommene Abwechslung zum inhaltlich deutlich schwächeren Vorgänger. Anders gesagt: THOR 3 erzählt nichts wirklich neues; greift dafür aber einige grundsätzlich spannende, bis dato aber vernachlässigte Themen und Personen aus dem entsprechenden Handlungskosmos auf. Sicher, eine allzu große Erzählkunst sollte man auch dieses Mal nicht erwarten; zumal das THOR-Franchise ein vergleichsweise triviales ist und weiterhin auf einen bestmöglichen Unterhaltungsfaktor abzielt – und doch ist die eigentliche Crux des Films nicht in der Geschichte zu suchen. Und auch nicht unbedingt in Bezug auf die auftretenden Charaktere sowie ihre auffallend flachen, nur selten glaubwürdigen und auf einer wie auch immer gearteten emotionalen Ebene überhaupt nicht mehr funktionierenden Porträts. THOR ist und bleibt eben ein Werk auf dem Hause Marvel – und damit auch eines, von dem man nicht unbedingt allzu tiefgründige Inhalte erwarten sollte.

Dass es dieses Mal ausgerechnet hinsichtlich des sich durch die Charaktere und die Szenerie fast schon automatisch ergebenden Unterhaltungsfaktors hapert, ist demnach umso fataler. Denn auch wenn THOR 3 gut aussieht, einige atemberaubende Schauplätze (die sich zumeist nicht auf der Erde befinden) bereithält, mit größtenteils nett gemachten Spezialeffekten gespickt ist und vor Situationskomik nur so trieft; scheinen es die Verantwortlichen vor allem im letztgenannten Sinne dezent übertrieben zu haben. Anders gesagt: die Atmosphäre, die der neueste THOR-Ableger etabliert; steht auf höchst wackeligen Beinen – und die anberaumte Komik, die sich über weite Strecken eher in einer ausgelassenen Albernheit offenbart; taugt eher für einen Anflug von Scham denn lauthalse Lacher. Ein auf einen einzelnen Filmabschnitt bezogenes Paradebeispiel dafür findet sich etwa mit den Ereignissen auf dem Müll-Planeten, die sich nicht so recht in das THOR-Universum fügen wollen – und im großen und Ganzen wie eine (allzu) wilde Mixtur aus verschiedenen Elementen der STAR WARS-Saga, TRON und DAS FÜNFTE ELELEMT wirken.

Aber irgendwie musste man die Geschehnisse aus den beiden Vorgängern ja noch toppen – mit einem einerseits konsequenten, sich andererseits aber auch dezent fehlgeleitet anfühlendem Ergebnis. Schlussendlich bleibt somit zu hoffen, dass THOR 3 der letzte Film aus dem Franchise ist und es bei einer insgesamt betrachtet akzeptablen Trilogie mit einem verhältnismäßig überqualifizierten ersten Teil bleibt – und derart turbulent-bunte wie in TAG DER ENTSCHEIDUNG Geschichten wenn überhaupt einen Platz in der GUARDIANS OF THE GALAXY-Reihe (die im besten Fall ebenfalls endlich ist) finden.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Marvel Studios 2017

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„Ein etwas zu rasantes und atmosphärisch krudes Sequel mit einem hohen Unterhaltungswert.“

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Filmkritik: „Dschungelkind“ (2010)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Autobiografie von Sabine Kuegler
Regie: Roland Suso Richter
Mit: Thomas Kretschmann, Nadja Uhl, Isolde Barth u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Abenteuer / Drama
Tags: Dschungel | Urwald | Familie | Kinder | Reise | Rückkehr

Fluch und Segen des Dschungelkinds.

Inhalt: Als der Linguist Klaus Kuegler (Thomas Kretschmann) im Jahre 1980 gemeinsam mit der Familie in den Dschungel von West-Guinea reist, eröffnet sich insbesondere für die beiden jungen Kinder Sabine (Stella Kunkat) und Christian (Tom Hoßbach) ein magisches Natur-Paradies. Gemeinsam erkunden sie die Umgebung, finden schnell neue Freunde – und können sich alsbald schon kein Leben ausserhalb des Dschungels mehr vorstellen. Ihre Mutter Doris (Nadja Uhl) und ihre ältere Schwester Judith (Milena Tscharntke) jedoch scheinen zunächst noch Probleme zu haben, sich mit der neuen Situation zurechtzufinden – vor allem was die ungewöhnlichen Bräuche und Ansichten der hiesigen Einheimischen angeht. Letztendlich scheint man sich zu arrangieren – was aber nicht heißt, dass es nicht dennoch zu Problem kommen würde. Neben potentiellen Krankheiten, persönlichen Konflikten und Zukunftsängsten scheint sich schließlich auch noch ein größeres Stammeskrieg anzubahnen…

Kritik: Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, der Hektik des modernen Alltags zu entfliehen – und das Experiment zu wagen, ein eher ursprüngliches Leben inmitten im nirgendwo zu beginnen ? Zunächst noch aufgrund ihrer Eltern und ohne überhaupt die Wahl zu haben, kam die junge Sabine Kuegler in eine eben solche Situation – und das sowohl in ihrem tatsächlichen Leben als auch im Film DSCHUNGELKIND, der sich als autobiografisch inszenierte Werk von Roland Suso Richter mehr oder weniger direkt auf das Leben der in Nepal geborenen Autorin bezieht. Tatsächlich stellt sich der dabei auch der Film als recht spannende Angelegenheit heraus – und das nicht nur aufgrund der stimmig eingefangenen und gleichzeitig eine gewisse Form der Magie heraufbeschwörenden Bilder. Die recht geschickt in Szene gesetzte kindliche Erzählperspektive, die sich auf einem schmalen Grat zwischen einer Romantisierung und der Darstellung des nicht selten problematischen Alltags der Auswanderer bewegende inhaltliche Schwerpunktsetzung sowie die doppelt generationsübergreifende Leistung der beteiligten Darsteller auf Seiten der Familie und der Ureinwohner sprechen schließlich grundsätzlich für das Filmprojekt DSCHUNGELKIND – das vor allem in seiner ersten Hälfte sowie in Bezug auf seine vergleichsweise tiefgreifende und ungekünstelte Darstellung der Auseinandersetzung zwischen zwei grundverschiedenen Völkern (sowie allen beteiligten Personen) punkten kann.

Im weiteren Verlauf indes, und mit der Zunahme der seitens des Hauptcharakters und des Regisseurs getroffenen Reflexionen droht die DSCHUNGELKIND-Filmfassade dann doch noch dezent zu bröckeln – was zum Teil auch an den schwächer geratenen Leistungen der vermehrt für sich spielenden Darsteller liegt, die dem vorangegangenen Spiel ihrer weitaus jüngeren Nachwuchs-Kollegen nunmehr kaum noch etwas entgegenzusetzen haben. Dennoch, und gerade in Anbetracht der anberaumten Komplexität der Erzählung und jeweiligen Innenansichten kann eine bedenkenlose Empfehlung für DSCHUNGELKIND ausgesprochen werden. Zum einen, da der Film weitaus weniger kitschig oder prätentiös daherkommen sollte als von manchen vermutet und klar die Charaktere in den Mittelpunkt stellt – und zum anderen, da er mit seiner gewissermaßen sonderbaren Mixtur aus einer vermittelten Abenteuerlust, einer angeschnittenen Familien-Historie und dem Porträt zweier höchst unterschiedlicher Lebensarten wunderbar unterhält.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © UFA Cinema

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„Abenteuerlich, substanziell und weitestgehend wertungsfrei – eine echte Überraschung.“

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