Filmkritik: „Passagier 23 – Verschwunden Auf Hoher See“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Romanvorlage
Regie: Alexander Dierbach
Mit: Lucas Gregorowicz, Picco von Groote, Oliver Mommsen u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 100 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Kreuzfahrt | Schiffsreise | Verschwunden | Entführung | Kidnapping

Wehe dem, der hier als dreiundzwanzigster eincheckt.

Inhalt: Eigentlich hat der Polizeipsychologe Martin Schwarz (Lucas Gregorowicz) schon die Hoffnung aufgegeben, jemals mehr über das Ableben seiner Frau und seines Sohns in Erfahrung bringen zu können. Vor gut 5 Jahren war die Familie gemeinsam auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs, wobei die beiden unter mysteriösen Umständen verschwanden – offenbar gingen sie bei voller Fahrt von Bord. Doch warum seine Frau einen erweiterten Suizid hätte begehen soll, erscheint Martin nach wie vor schleierhaft. Jetzt aber, und nach all den Jahren erhält er die Nachricht; dass es neue Informationen geben könnte – wofür er sich erneut auf das besagte Kreuzfahrtschiff, die Sirius begeben muss. Hier erfährt er außerdem von einem weiteren Fall, bei dem ein zunächst verschwunden geglaubtes Mädchen plötzlich wieder aufgetaucht ist –  und das auch noch mit dem Teddybär seines Sohnes im Arm. Angetrieben vom Drang, endlich Licht in die dunklen Ereignisse bringen zu können; begibt sich Martin erneut auf Spurensuche…

Kritik: Dass man nicht allzu viel von einem Film erwarten sollte, bei dem es sich wie im Fall von PASSAGIER 23 um eine Eigenproduktion eines privaten TV-Senders handelt; liegt auf der Hand. Dennoch, und das ist die eigentliche Überraschung; macht die Verfilmung von Sebastian Fitzeks gleichnamiger Romanvorlage einen recht ordentlichen Eindruck – erst Recht natürlich, wenn man ihn mit anderen Eigenproduktionen der jüngeren Zeit oder einer ähnlichen Machart vergleicht.

Vornehmlich liegt das daran, dass es den verantwortlichen durchaus gelungen ist ein möglichst großes Maß an Spannung zu generieren: die dezent klaustrophobisch angehauchte Atmosphäre auf dem Kreuzfahrtschiff mit all seinen Korridoren und mehr oder weniger versteckten Räumen wurde gut umgesetzt, und der Zugang zu eigentlich abgeschotteten und somit eine gewisse Faszination ausstrahlenden Sperrbereichen erlaubt dem Zuschauer, selbst ein gutes Gefühl für die geheimnisvolle Spurensuche auf dem Schiff zu entwickeln. In jedem Fall hochzuhalten ist in diesem Zusammenhang die Arbeit an der Kamera inklusive der stimmigen Ausleuchtung und Inszenierung der Schauplätze, der sich angenehm einfügende Soundtrack, und ja: auch die Darsteller machen einen akzeptablen bis guten Job, auch wenn man es hier – und hinsichtlich der sowohl den Roman als auch den Film begleitenden atmosphärischen Kühle – etwas übertrieben hat.

Weitere Schwächen offenbart das Werk erst in der näheren Betrachtung, respektive bei einem intensiveren Einsteigen und Fragen-stellen: während auf manche Detail durchaus geachtet wurde (wie etwa die Migräne-Attacken des Hauptcharakters), hat der Film dann doch an zu vielen Ecken und Enden Probleme hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit. Hier hätte man noch mehr Ideen investieren beziehungsweise sich weitaus nachvollziehbarere Erklärungen aus dem Ärmel schütteln müssen, um die Spannung schlicht und ergreifend nicht mit zu vielen eher hanebüchen erscheinenden Elementen in eine Waagschale zu werfen. Dennoch handelt es sich um einen soliden Thriller, den man sich nicht anschauen muss – aber anschauen kann, und das ohne größere Probleme.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: MG RTL D / Wolfgang Ennenbach

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„Kein spektakulärer, aber doch solider Thriller – erst Recht für eine TV-Produktion.“

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Filmkritik: „Schattengrund – Ein Harz-Thriller“ (2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Romanvorlage
Regie: Dror Zahavi
Mit: Josefine Preuß, Steve Windolf, Oliver Stokowski u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Drama, Thriller
Tags: Harz | Hexen | Haus | Mädchen | Kult | Verschwinden

Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Inhalt: Eigentlich hat Nico (Josefine Preuß) kaum damit gerechnet, dass ihre Tante ihr etwas vererben würde – erst recht natürlich, da die beiden über viele Jahre keinerlei Kontakt hatten. Und doch sieht sie sich eines Tages damit konfrontiert, das eher ungewöhnliche Vermächtnis in Form eines Schlüssels, eines Besens und einer Streichholzschachtel anzunehmen. Es stellt sich heraus, dass der Schlüssel zu einem Haus im Harz gehört – dem Ort, an dem Nico zumindest als Kind viel Zeit verbracht hat. Einmal dort angekommen muss sie jedoch schnell feststellen, dass ihr die Bewohner mit Argwohn begegnen – und auch sie beginnt sich an ein schreckliches Ereignis aus der Vergangenheit zu erinnern. Denn, und das haben die Leute keineswegs vergessen; damals ist sie zusammen mit ihrer besten Freundin Fili aus dem Dorf weggelaufen. Das Problem ist, dass aber nur Nico lebendig zurückkehrte – und bis heute unklar ist, was genau mit ihrer Freundin geschehen ist. Nach all den Jahren setzt Nico nun endlich alles daran, die Schatten der Vergangenheit zu lüften…

Kritik: Nein, wirklich originell ist die Geschichte von SCHATTENGRUND nicht. Und das trotz oder gerade wegen der Romanvorlage von Elisabeth Herrmann mit ihrem vermeintlich okkulten Handlungshintergrund, der sich im Endeffekt nur als Aufmacher für eine überraschend brachiale Missbrauchsgeschichte entpuppt – die man so eigentlich schon des Öfteren bei diversen Eigenproduktionen der öffentlichen und privaten TV-Sender gesehen hat.

Ob es sich lohnt, speziell SCHATTENGRUND als ebenso spannenden wie verstörenden und im besten Fall auch noch aufklärenden Genre-Film zu empfehlen; steht demnach in den Sternen – zumal es die verantwortlichen dem Zuschauer auch nicht immer leicht machen. Etwa, indem man eine hier absichtlich um einige Jahre gealterte Josefine Preuß in der Hauptrolle vorgesehen hat – die nicht wirklich in ihrem Charakter aufzugehen scheint und Probleme hat, wirkliche Sympathiepunkte zu sammeln. Und ja, auch hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit sowohl in Bezug auf die wichtigsten Eckpunkte der Erzählung als auch die Motivation der einzelnen Charaktere offenbaren sich allerhand Probleme.

Immerhin: wenn es um die reine Kamera-Arbeit sowie das Einfangen der durchaus stimmig inszenierten Schauplätze geht, hat das Filmteam eine gute Arbeit gemacht – und auch der eher klassisch angehauchte Soundtrack kann sich grundsätzlich hören lassen. Technisch-handwerklich geht das Projekt, zumindest wenn man die dann doch etwas zu hölzernen darstellerischen Leistungen sowie die ungünstigen Traum- beziehungsweise Geister-Sequenzen (die, in denen die toten Kinder auftauchen) außen vor lässt – also allemal in Ordnung. Leider ist das aber – und wenn überhaupt – nur die halbe Miete, sodass man im Falle von SCHATTENGRUND nur bei einer höchst eingeschränkten Empfehlung bleiben kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: ZDF und Reiner Bajo

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„Schattengrund, oder: diese Film wird (und das vermutlich zu Recht) ein Schattendasein fristen.“

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Filmkritik: „Wunder Einer Winternacht – Die Weihnachtsgeschichte“ (OT: Joulutarina, 2007)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Juha Wuolijoki
Mit: Hannu-Pekka Björkman, Ville Virtanen, Otto Gustavsson u.a.
Land: Finnland
Laufzeit: ca. 83 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Drama, Abenteuer
Tags: Weihnachten | Weihnachtsmann | Weihnachtsfest | Santa Claus

Es könnte sich so zugetragen haben – so, oder so ähnlich…

Inhalt: Der in einem kleinen Dorf in Lappland aufwachsende Nikolas hat wahrlich kein leichtes Schicksal. Nachdem seine Eltern und seine Schwester auf tragische Weise ums Leben gekommen waren, streiten sich die Dorfbewohner darum, wer fortan die Fürsorge für den kleinen Jungen übernehmen würde. Oder eher könnte – schließlich leben die Bewohner in einfachen Verhältnissen und haben teilweise schon Schwierigkeiten, ihre eigenen Familien durchzubringen. So einigt man sich kurzerhand darauf, Nikolas nur für jeweils ein Jahr bei einer Gastfamilie leben zu lassen – wobei er alle Dorfbewohner näher kennenlernt und viele Freunde findet. Zum Dank schnitzt er den Kindern der jeweiligen Familie am Ende eines jeden Jahres opulente Holzfiguren, die er ihnen aber nicht direkt übergibt – sondern heimlich vor die Tür legt. Doch als bald darauf der kauzige Händler Iisakki Interesse an Nikolas und seiner Arbeitskraft anmeldet, gerät Nikolas‘ jährliches Vorhaben in Gefahr. Und tatsächlich: als er in der Werkstatt des offensichtlich verbitterten Mannes ankommt, scheint ihn dieser nur als Handlanger für niedere Aufgaben zu benötigen – wobei er ihm außerdem verbietet, weiter an seinen geliebten Holzfiguren zu arbeiten…

Kritik: Weihnachtsfilme, die ausnahmsweise mal nicht aus den Untiefen Hollywoods stammen; sieht man im allgemeinen viel zu selten. So muss man schon etwas Glück haben, um über einen Film wie WUNDER EINER WINTERNACHT zu stolpern – der eigentlich auf den Namen JOULUTARINA horcht und vom finnischen Regisseur und Produzenten Juha Wuolijoki stammt. Belohnt wird man dabei gleich in mehrerlei Hinsicht: die Geschichte wird insgesamt eher ruhig und vergleichsweise ungekünstelt erzählt, es gibt ausreichend Platz für allerlei interessante zwischenmenschliche Untertöne; und die technisch-handwerkliche Komponente macht mit dem netten Setdesign, der stimmigen Schauplatzwahl sowie nicht zuletzt den wunderbar atmosphärischen Landschaftsaufnahmen ordentlich was her. Die größte Stärke von JOULUTARINA aber ist die anberaumte Erzählstrategie, die ihre Wirkung keinesfalls verfehlt – und das auch ohne einer Zuhilfenahme des schon eher als typisch zu bezeichnenden Soundtracks, der aber glücklicherweise nicht flächendeckend eingesetzt wird. So ist der Film zum einen als relativ zeitloses Porträt zu verstehen, wobei sich stets nur erahnen lässt wann und wo genau sich das Ganze zugetragen haben könnte – und zum anderen erweist sich die Entscheidung, die Geschichte als ein ganzes Leben abdeckende Erzählung zu inszenieren; als äußerst glückliche Entscheidung. Das Gefühl einer (emotionalen) Bedeutung wird also weniger aus einer Ansammlung potentiell kitschiger Bilder oder anderen zielführenden, zumeist aber eben reichlich prätentiösen Stilmitteln generiert – sondern schlicht und ergreifend aus dem sich durchaus auf den Zuschauer übertragenden Gefühls heraus, dass es sich um die Darstellung eines Lebenswerks handelt. Ob um ein mehr oder weniger bedeutsames, dass muss ein jeder für sich selbst entscheiden – aber das durch und durch annehmbare Angebot ist gemacht. Wäre man mit dem pompösen Ende nicht doch noch ein wenig über das Ziel hinausgeschossen, wäre sogar noch mehr drin gewesen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © KSM GmbH

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„Ein gut gemachter, angenehm anrührender Weihnachtsfilm.“

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Filmkritik: „Die Rote Schildkröte“ (OT: La Tortue Rouge, 2016)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Michael Dudok De Wit
Mit: Tom Hudson, Barbara Beretta u.a.
Land: Frankreich, Belgien, Japan
Laufzeit: ca. 81 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Animation, Drama, Abenteuer, Fantasy
Tags: Schildkröte | Einsame Insel | Familie | Natur | Einklang | Schicksal

Seenot mal anders.

Inhalt: Als sich ein Schiffbrüchiger mit Ach und Krach auf eine einsame Insel irgendwo in den Weltmeeren retten kann, versucht er bald daraufhin alles um seiner misslichen Lage zu entgehen. Doch was er auch anstellt, es gelingt ihm einfach nicht die Insel zu verlassen – wobei es lange unklar bleibt, wer oder was dafür verantwortlich sein könnte. Eines Tages jedoch kann er einen Blick auf jene Kreatur erhaschen, die mit seinem Scheitern direkt in Verbindung zu stehen scheint – eine riesige rote Schildkröte. Auch wenn er nicht genau weiß wie sie seine Flucht hat verhindern können, dreht er das Tier kurz darauf wutentbrannt auf den Rücken – und lässt es zum Sterben in der prallen Sonne liegen. In der darauf folgenden Nacht plagen ihn jedoch Alpträume, und er setzt alles daran die Schildkröte doch noch zu retten. Ob es dafür bereits zu spät ist oder nicht, wird sich erst noch zeigen…

Kritik: Nein – man braucht nicht viel, um einen anständigen Animationsfilm auf die Beine zu stellen. Zumindest nicht, wenn man eine entsprechende inhaltliche Vision vor sich hat und die Gelegenheit erhält, sich in Bezug auf die technische und vor allem visuelle Komponente auf die Mitarbeit bereits erfahrener Veteranen verlassen zu können. Ungefähr hat es sich auch im Falle von LA TORTUE ROUGE ereignet, einem vom niederländischen Drehbuchautor und Trickfilmregisseur Michael Dudok De Wit erdachten; letztendlich auf multinationaler Ebene umgesetzten Projekt – das von niemand geringerem als ToshioSuzuki, dem Vorsitzenden des japanischen Studio GHIBLI (unter anderem verantwortlich für Anime-Meileinsteine wie PRINZESSIN MONONOKE, siehe Review) produziert wurde. Gesetzt dem Fall dass man hat schon einmal einen Blick auf die liebevollen zeichnerischen Welten des berühmten Studios hat werfen können, sieht man das auch direkt – wofür es nicht erst die spezielle Darstellung der kleinen Krabben braucht, die dezent an die sogenannten Rußmännchen aus MEIN NACHBAR TOTORO (Review) oder CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND (Review) erinnern.

Dementsprechend fällt es einem Film wie LA TORTUE ROUGE auch entsprechend leicht, den Zuschauer schnell mit seinen in sich stimmigen, trotz der relativen Kargheit des Inselschauplatzes detailreichen Bildern für sich zu gewinnen – wobei man sich speziell an die extrem minimalistisch gestalteten Gesichter und Animationen der Charaktere erst noch gewöhnen muss. Insgesamt aber sieht der Film recht gut bis stellenweise sogar atemberaubend aus – und der gefühlvolle Soundtrack fügt sich perfekt in die Abfolge der alles andere als hektisch aneinandergereihten Naturaufnahmen der Insel samt Umgebung ein. Was bleibt, ist die Frage nach der inhaltlichen Komponente – der im Falle von LA TORTUE ROUGE durchaus auch einige Besonderheiten innewohnen. So hat sich Michael Dudok De Wit etwa dazu entschlossen, für die gesamten 80 Minuten des Films auf jegliche Dialoge zu verzichten – was allemal ungewohnt ist, sich durch die dennoch vorhandenen Gesten, Laute und Interaktionen der Charaktere aber nicht negativ oder gar auf das Verständnis auswirkt.

Schließlich sollte das, was dem Zuschauer nach einem zugegebenermaßen noch etwas zähen Auftakt als Geschichte präsentiert wird; für jedermann verständlich sein – bedient sich Michael Dudok De Wit doch eigentlich nur an der absoluten Basis. In diesem Zusammenhang – und dies verbindet LA TORTUE ROUGE wiederum mit vielen anderen GHIBLi-Filmen – steht nicht weniger als die Natur selbst im Mittelpunkt der Erzählung, und das auf eine ebenso beruhigende wie spannende und inspirierende Art und Weise. Der Mensch selbst spielt hier nur eine eher untergeordnete Rolle, ebenso wie die mystisch-fantastische Komponente in Form der titelgebenden Schildkröte – die ihre Wirkung dennoch nicht verfehlt und einen großen Teil zur bemerkenswerten emotionalen Ebene des Films beiträgt. Die eigentliche Überraschung des Films ist demnach, dass er es trotz seiner relativen Zurückhaltung in Bezug auf die inhaltlichen und optischen Ausstaffierungen schafft; für eine vergleichsweise große und intensive Form der Unterhaltung zu sorgen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Wild Bunch Distribution

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„Minimalistisch, aber eindringlich – eine etwas andere Hommage an die Kraft der Natur.“

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Filmkritik: „Mom & Dad“ (OT: MOM AND DAD, 2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Brian Taylor
Mit: Nicolas Cage, Selma Blair, Anne Winters u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 86 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Komödie, Horror
Tags: Familie | Eltern | Chaos | Kinder | Makaber

Apokalypse mal anders.

Inhalt: Eigentlich sind Brent Ryan (Nicolas Cage) und seine Frau Kendall (Selma Blair) ganz normale Eltern, die den Traum einer typisch amerikanischen Wohlstandsfamilie leben. Sie verdienen gut, leben in einem schmucken Einfamilienhaus in einer beschaulichen Vorstadt – und lieben sie ihre beiden Kinder Josh (Zackary Arthur) und Carly (Anne Winters). Dennoch sind sie hie und da geneigt, etwas kritischer über sich und ihr bisheriges Leben nachzudenken – was normal ist, im Zusammenhang mit einer seltsamen Epidemie aber völlig aus dem Ruder läuft. Schließlich scheinen plötzlich alle Eltern in der Stadt durchzudrehen, und Jagd auf ihre eigenen Kinder zu machen… und das auf Leben und Tod.

Kritik: Mal ganz unabhängig davon, ob man darauf gewartet hat oder nicht: was dabei herauskommen würde, wenn sich einer der beiden hauptsächlich verantwortlichen Drehbuchautoren und Regisseure der CRANK-Reihe plötzlich allein aufmacht um einen dem potentiellen Vorbild nicht ganz unähnlichen neuen Film mit dem vergleichsweise schlichten Titel MOM & DAD zu machen; ist nicht länger ein Geheimnis. Die eigentliche Überraschung der direkt auf dem Heimkinomarkt veröffentlichten Chaos-Komödie ist dabei wohl die Tatsache, dass man erst gar keinen großen Hehl aus der Nähe zum potentiellen Vorbild macht – und sich dementsprechend auch an der quasi selbst auferlegten inszenatorischen Messlatte orientiert, die CRANK eine allemal ansehnliche Fanbase bescherte.

Das bedeutet auch, dass man eigentlich nicht viel mehr macht als den abgebrühten Jason Statham durch einen dezent überdrehten Nicolas Cage zu ersetzen – und, das sollte man vielleicht ebenfalls noch erwähnen; dass die zu eröffnende Jagd dieses Mal nicht gegen skrupellose Gangsterbosse geht. In MOM & DAD sind es immerhin ausschließlich Kinder, die zum Opfer werden. Allerdings, und der Film erklärt dies auf eine sicherlich gewagte Art und Weise: es geht nur um die jeweils eigenen Kinder, völlig unabhängig vom bereits erreichten Alter.

Das mag sich zunächst einmal schockierend anhören, ist letztendlich aber auch nicht weiter überraschend und so gesehen reines Kalkül. Denn warum sollte eine ohnehin schon vergleichsweise abgedrehte Action-Komödie nicht auch noch mit einer Prise makaberer Elemente, die man am ehesten in einem nervenaufreibenden Slasher erwarten würde; gewürzt werden ? Sicher führt das dazu, dass das grundlegende Konzept als offensichtlich überspitzte Darstellung eines in sich zusammenbrechenden oder eher umkehrenden American Dream keiner näheren inhaltlichen geschweige denn qualitativen Überprüfung standhält. Aber vielleicht muss es das ja auch gar nicht – schließlich kann man von einem Film in nur leicht abgewandelter CRANK-Manier ohnehin nicht mehr erwarten, als gut unterhalten zu werden.

Wem das reicht – und wer zudem mit einem ebenso abrupten wie schlicht ärgerlich platten und einfallslosen Ende umgehen kann – den erwartet hier immerhin eine vor allem in handwerklicher respektive optischer Hinsicht erfrischende Horrorkomödie mit rasant-bunten Bildern, überraschend abrupten Schnitten inklusive plötzlichen Zeitsprüngen und Rückblenden, einer abenteuerlichen (aber verträglichen) Kameraarbeit, einem den Bildern entsprechenden wilden Soundtrack mit allerlei Abwechslung und einigen Remineszenzen an die Filmkunst der 80er; sowie nicht zuletzt ein gut aufgelegter (das heißt: dezent überdrehter) Nicholas Cage.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © KSM GmbH

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„Sinn macht das Ganze nicht – und selbst in Anbetracht einer Nonsene-Actionkomödie ist für MOM & DAD nicht mehr als der Durchschnitt drin.“

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Filmkritik: „Das Geheimnis Von Marrowbone“ (OT: MARROWBONE, 2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Sergio G. Sánchez
Mit: Anya Taylor-Joy, George MacKay, Mia Goth u.a.
Land: Spanien, Großbritannien
Laufzeit: ca. 111 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Drama, Horror
Tags: Familie | Flucht | Umzug | Verfolgung | Fluch

Spieglein Spieglein an der Wand…

Inhalt: Um den Fängen ihres ihrer Familie offenbar aggressiv nachstellenden (noch-)Ehemannes  zu entkommen, trifft die verzweifelte Rose (Nicola Harrison) eine schwerwiegende Entscheidung: gemeinsam mit ihren insgesamt vier Kindern flieht sie Ende der 60er Jahre von Großbritannien in die Vereinigten Staaten von Amerika. Einmal in ihrem neuen Heim an einer ebenso idyllischen wie verlassenen Küste angekommen, nimmt die Familie einen neuen Namen an und versucht, möglichst wenig Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen. Doch schon kurz bevor sich die Kinder Jack (George MacKay), Jane (Mia Goth), Billy (Charlie Heaton) und der junge Sam (Matthew Stagg) richtig einleben können, erliegt ihrer Mutter ihrer schweren Krankheit – und hinterlässt ihren ältesten Sohn Jack mit einer wichtigen Aufgabe. Fortan soll er die Geschicke der Familie lenken und auf sie aufpassen – zumindest bis er 21 ist, und die Familie nicht mehr von den Behörden auseinandergerissen werden könnte. Tatsächlich scheint ihm das auch ganz gut zu gelingen – zumal er von seiner Liebe zur Bibliothekarin Allie (Anya Taylor-Joy) beflügelt wird. Problematisch ist indes, dass sich im großen Anwesen der Familie selbst einige höchst unheimliche Dinge ereignen… was insbesondere den jüngeren Geschwistern reichlich Sorge, ja wenn nicht gar panische Angst bereitet.

Kritik: Auch wenn der Filmtitel nicht sperriger hätte ausfallen können und die Geschichte von DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nach nicht viel klingt – oder eher nur nach einer weiteren von so vielen, in denen eine vom Schicksal gebeutelte Familie in ein gruseliges Anwesen zieht und somit erst Recht Probleme bekommt – erweist es sich als ratsam, der von Sergio G. Sánchez (unter anderem der Ideengeber für DAS WAISENHAUS, siehe Review) erdachten Schauermär eine Chance zu geben. Und das vornehmlich, da es sich entgegen den ersten Vermutungen weniger um einen klassischen Horrorfilm als vielmehr um einen überraschend intensiven Thriller handelt – dem anstelle des plakativen Horrors weitaus mehr Elemente des Dramas inklusive einer vergleichsweise starken Charakterzeichnung innewohnen. Und um einen Thriller der – der mittlerweile vorhandenen Erfahrung des spanischen Schauspielers, Drehbuchautors und Regisseurs Sánchez sei Dank – schnell eine ähnlich klaustrophobische und in sich stimmige Atmosphäre etablieren kann wie einst DAS WAISENHAUS.

Die wohl aber größte Überraschung des Films ist, dass er im späteren Verlauf mit einem so nicht unbedingt erwarteten Twist daherkommt – und damit vielleicht sogar einen ähnlichen Effekt zu hinterlassen vermag wie der Genre-Klassiker THE SIXTH SENSE. Damit steht fest, dass sich DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE am ehesten in die Riege der eher ebenso mysteriös wie psychologisch angehauchten Thriller im Stile der bereits erwähnten Titel, sowie eventuell auch ICH SEH, ICH SEH (Review), SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT (Review) oder DER BABADOOK (Review) einreiht – und dabei eine alles andere als schlechte Figur macht. So kann nicht nur die Schauplatzwahl inklusive eines überraschenden Settings in den späten 60er Jahren überzeugen – auch das Setdesign, die Kostüme, der gesamte handwerkliche Part und die darstellerischen Leistungen der teils bekannten, hier recht erfrischend agierenden Nachwuchs-Akteure stimmen. Lediglich die sich dann doch etwas länglich anfühlende Auftaktphase mit einigen verzichtbaren Momenten sowie der doch noch vorhandene Impuls, sich den gängigen Konventionen des Horrorfilms zu näheren (Stichwort Jumpscares) verhindert hier größeres – was aber nichts daran ändert, dass man DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE problemlos empfehlen kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Metropolitan FilmExport, Universal Pictures

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„Das Rad mag mit DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nicht neu erfunden werden – und doch handelt es sich um einen ebenso gut gemachten wie spannenden Film mit dem gewissen Etwas und einem überraschenden Ende.“

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Filmkritik: „Spion Zwischen Zwei Fronten“ (OT: Triple Cross, 1966)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Terence Young
Mit: Christopher Plummer, Romy Schneider, Trevor Howard u.a.
Land: Frankreich, Großbritannien
Laufzeit: ca. 140 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama
Tags: Zweiter Weltkrieg | Spionage | Alliierte | Achsenmächte

Wer kann dem schon widerstehen…

Inhalt: Nachdem der britische Dieb Eddie Chapman (Christopher Plummer) nach einem weiteren seiner vielen genialen Raubzüge auf der Kanalinsel Jersey geschnappt wurde und sich mit einer 15 Jahre währenden Haft konfrontiert sieht; kommt ihm die von der deutschen Wehrmacht ausgehende, zweifelsohne überraschende Besetzung der Insel gerade gelegen. Mit einigen Tricks schafft er es, die Aufmerksamkeit der Deutschen zu erlangen – und kommt frei, um bald darauf als Spion für das Dritte Reich zu arbeiten. Als Franz Graumann macht er Bekanntschafft mit Oberst Baron von Grunen (Yul Brynner), der großes mit seinem neuen Schützling vorhat – und plant, ihn weiteren Bewährungsproben zu einem wichtigen Einsatz nach Englang zu schicken. Einmal am eigentlichen Zielort angekommen, wendet er sich jedoch dem brtischen Geheimdienst MI5 zu – und bietet selbigem ebenfalls seine Dienste als Spion und wichtiger Informant an. Als gewiefter Doppelagent muss er fortan jeden seiner schritte genau überdenken – und aufpassen, dass ihm keine der beiden Seiten auf die Schliche kommt.

Kritik: Nein, einen Preis für die größtmögliche Authenzität wird Terence Young’s Agentenfilm SPION ZWISCHEN 2 FRONTEN, der sich lose an der Lebensgeschichte des berühmt-berüchtigten kriminellen und Spions Edward Arnold Chapman orientiert; vermutlich nicht. Eines muss man dem Fim aber in jedem Fall zugute halten, und das selbst in Anbetracht der ebenso ungewönlichen wie sicherlich auch geagten Vermengung des ernsten Kriegshintergrunds mit einer überraschenden Portion Komik: er ist gut gemacht. Und das liegt nicht nur an der durch und durch hochkarätigen Besetzung, der man in ihrem Spiel einfach gerne zusieht – sondern vor allem auch an der hervorragenden optischen Gestaltungsarbeit in Form der aufwendig in Szene gesetzten Kulissen und Kostüme. Unter der Zunahme der äußerst unterhaltsamen Dialoge sowie des vermutlich absichtlich etwas überakzentuierte Porträts des sich augenscheinlich auf Seiten jeder beteiligten Kriegspartei wohlfühlenden Spions Eddie Chapman avanciert SPION ZWISCHEN 2 FRONTEN zwar noch immer nicht zu einem der wichtigeren oder direkt kultverdächtigen Kriegsfilme – doch in seinem Dasein als luftig-lockerer Spionagethriller mit reichlich Charisma macht er vieles richtig. Wem genau das reicht respektive auch nicht mehr erwartet, sollte mit dem 1966 erschienenen Film – der auch heute noch nicht allzu altbacken wirkt – allemal zufrieden sein.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Poseidon Home Entertainment

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„Der Inhalt und die Art der Inszenierung mögen diskutabel sein – das hervorragende Handwerk, die Leistungen der Darsteller und der immense Unterhaltungsfaktor inklusive einiger doch noch vorhandener kritischer Untertöne sprechen allerdings für sich.“

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Filmkritik: „The Boy“ (2016)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: William Brent Bell
Mit: Lauren Cohan, Rupert Evans, Ben Robson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Horror / Thriller
Tags: Kind | Junge | Puppe | Lebensecht | Gruselig | Anwesen

Da hat mich doch gerade jemand angezwinkert…

Inhalt: Um ihre Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können, nimmt die junge Amerikanerin Greta (Lauren Cohan) einen Job als Kindermädchen bei einem älteren, in einem abgelegenen englischen Dorf lebenden Ehepaar an. Wie sich bald darauf herausstellt, muss sich Greta aber nicht wirklich einer für das Berufsfeld typischen Aufgabe stellen. In Wahrheit ist der 8-jährige Brahms schließlich kein wirklicher Junge – sondern lediglich eine lebensgroße Puppe aus Porzellan. Auch wenn Greta der Angelegenheit verständlicherweise mehr als skeptisch gegenübersteht, nimmt sie die Aufgabe der Betreuung an – und gibt sich alle Mühe, die Heelshires (Jim Norton, Diana Hardcastle) – die kurz darauf verreisen und das neue Kindermädchen allein mit Brahms zurücklassen – zufriedenzustellen. Als sie jedoch beginnt, die Liste mit den ihr gestellten Aufgaben zu hinterfragen und einigen Punkten nicht nachzukommen, ereignen sich plötzlich mehrere seltsame bis absolut furchteinflössende Dinge. Um nicht völlig auf sich allein gestellt zu sein, bittet sie den charismatischen Lebensmittel-Lieferanten Malcolm (Rupert Evans) um Hilfe…

Kritik: Wer kennt sie nicht – jene guten alten Horrorfilme, in denen größere Anwesen und allerlei damit verbundene übernatürliche Phänomene die Hauptrolle spielen… und das im Grunde noch weit vor den eigentlichen Darstellern ? Tatsächlich sollte jeder, der sich schon einmal in den Gefilden des Horrorfilms ausgetobt hat; bereits eine Vielzahl eben solcher Machwerke gesehen haben – und das vermutlich ohne größere Überraschungseffekte. Entsprechend schwierig hat es auch William Brent Bell’s (u.a. WER – DAS BIEST IN DIR) THE BOY, der zunächst wie ein absolut typisches Genre-Werk mit den allseits bekannten Formeln daherkommt: eine junge Frau wird von einem kauzig-mysteriösen Ehepaar als Babysitterin eingestellt, die in einem ebenso prunkvollen wie verwinkelten Anwesen hausen und einige merkwürdige Angewohnheiten pflegen. Immerhin: mit der Prämisse, dass niemals wirklich von Geistern oder Dämonen gesprochen wird und stattdessen eine gleichermaßen hübsch gestaltete wie furchteinflößende Porzellanfigur eines Kindes Dreh- und Angelpunkt der Gesichte ist; kann sich THE BOY durchaus von der Masse abheben – was auch für die glücklicherweise schnell abgelegten Verhaltensmuster nach dem typischen (Angst-)Schema F gilt.

So ist man geneigt, wie die Hauptdarstellerin selbst immer mehr über das vermeintliche Kind herausfinden zu wollen – wobei THE BOY in Sachen Atmosphäre und einer überraschenderweise wenig reißerischen Phantomspannung (etwa bei den längeren Einstellungen auf das Gesicht der Puppe) reichlich Pluspunkte sammelt. Problematisch ist nur der letzte Akt sowie sicher auch die finale Auflösung des Films, bei der man wieder zur guten alten Brechstange greift (und das im wahrsten Sinne des Wortes) – sowie sicher auch das verschenkte Potential in Bezug auf die psychologische Komponente des Films, der sich noch etwas mehr auf seine Stärken als Psycho-Thriller hätte fokussieren sollen. Und eben nicht als Horrorfilm, dafür ist THE BOY mit seiner FSK 12 ohnehin nicht gruselig genug – aber sei es drum. Im Sinne einer schnellen Unterhaltung für zwischendurch kann man hier wohl nicht viel falsch machen. Wer es noch intensiver respektive intelligenter möchte, sollte vielleicht mal einen Blick auf ICH SEH, ICH SEH (siehe Review) werfen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Capelight Pictures

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„Trotz zwei oder drei größerer Schwächen ist THE BOY eine nette kleine Erfrischung im mittlerweile völlig vorhersehbaren Horrorfilm-Genre.“

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Filmkritik: „Matrix: Revolutions“ (2003)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Mit: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 128 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction, Action
Tags: Matrix | Trilogie | Finale | Abschluss | Zion | Maschinenwelt

Eine Revolution beginnt mit einem Gedanken.

Inhalt: Während sich sowohl die Soldaten als auch die Zivilisten der Menschenstadt Zion auf die finale Auseinandersetzung mit den Maschinen vorbereiten und alsbald die ersten Gegner vor das Visier bekommen, setzt Neo (Keanu Reeves) noch immer alles daran, seine Rolle als Auserwählter und potentieller Retter der Menschheit endgültig zu verstehen. Wieder zur Seite steht ihm dabei das Orakel (Mary Alice) – aber unglücklicherweise auch der abtrünnige Agent Smith (Hugo Weaving), der sich ebenfalls auf einen letzten Kampf vorzubereiten scheint. Von seiner Liebe zu Trinity (Carrie-Anne Moss) beflügelt, wagt Neo das schier unmögliche: er begibt sich auf den Weg in das Herz der Maschinenwelt – und damit an einen Ort, den noch nie zuvor ein Mensch betreten hat.

Kritik: In der Tat – und analog zu den beiden vorherigen Rezensionen zu THE MATRIX (siehe Review) und MATRIX: RELOADED (siehe Review) – gilt es in Bezug auf das 1999 von den Wachowski-Brüdern ins Leben gerufene MATRIX-Franchise mindestens zweierlei Überraschungen festzuhalten. Zum einen natürlich den ursprünglichen ersten Teil selbst, der hinsichtlich seiner erzählerischen Innovation und der Effekte Maßstäbe setzte – und zum anderen die Feststellung, dass die Ideengeber sich auch im Hinblick auf die beiden Fortsetzungen nicht nennenswert verhaspelten. Oder auch: sich nicht nennenswert bei einem potentiellen Massenpublikum anbiederten, trotz der im zweiten Teil stärker betonten (und teilweise dezent kitschig inszenierten, glücklicherweise aber immer noch als Beiwerk fungierenden) Liebensgeschichte zwischen Neo und Trinity. Anders gesagt: trotz des gewaltigen Budgets und der hohen Erwartungen sind die Wachowski’s sich selbst respektive ihrer Idee treu geblieben, woraufhin sich die abgeschlossene MATRIX-Trilogie schnell einen enormen Kultstatus erarbeiten konnte.

Zwar muss man dabei speziell in Bezug auf den dritten Teil einige Abstriche machen – wie etwa hinsichtlich der einstweilen doch etwas strapazierenden Effekt-Flut während der Kämpfe in und rund um Zion, den durch die heftige Überzeichnung etwas unglücklich gestalteten Endkampf zwischen Neo und Agent Smith oder die nicht gänzlich zufriedenstellende Auflösung gegen Ende. Eine Auflösung, die glücklicherweise nicht wirklich eine ist respektive noch immer ausreichend Fragen unbeantwortet lässt – aber dennoch nicht ganz mit der eventuell erwarteten Wirkung von Statten geht. An den Überraschungseffekt (oder auch: das den Kultfaktor der Reihe rechtfertigende Aha-Erlebnis) des ersten Teils etwa reicht das Finale nicht mehr heran. Vielleicht, und auch wenn das ebenfalls kein wirklicher Trost ist; hatten sich die Wachowski’s hier schlicht selbst eine Messlatte angelegt, die kaum noch zu erreichen war.

Gut, oder eher eine rettende Notwendigkeit ist; dass sich die offenbaren Schwächen von MATRIX: REVOLUTIONS aber nur auf vereinzelte Momente des Films beziehen – und den rundum gelungenen Eindruck der Trilogie nicht mehr wirklich schmälern können. Gesehen haben sollte man THE MATRIX respektive die vollständige Trilogie allemal – andernfalls verpasst man einen ebenso einzigartigen wie in einem positiven Sinne denkwürdigen Kino-Moment des frühen 21.sten Jahrhunderts.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros. GmbH

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„Ein nicht mehr ganz so starker, zweifelsohne aber dennoch absolut sehenswerter Abschluss einer einmaligen Trilogie.“

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Filmkritik: „Matrix: Reloaded“ (2003)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Mit: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 138 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Matrix | Parallelwelt | Maschinen | Auserwählter | Kampf | Überleben

Noch ist das letzte Geheimnis nicht gelüftet.

Inhalt: Nachdem der Computerspezialist Thomas A. Anderson aka Neo (Keanu Reeves) die Wahrheit über sein Leben erfahren und seine Rolle als Auserwählter angenommen hat, macht er sich gemeinsam mit seinen Mitstreitern Morpheus (Laurence Fishburn) und Trinity (Carrie-Anne Moss) sowie auch der Hilfe des ominösen Orakels (Gloria Foster) auf, endgültig hinter das Geheimnis der MATRIX zu kommen. Dass er dabei auch allen möglichen Widersachern die Stirn bieten würde, ist selbstverständlich – wie etwa dem abtrünnigen Agenten Smith (Hugo Weaving), der sich offenbar allein darauf fokussiert hat Neo zu vernichten. Das Problem: sollte Neo versagen, steht auch das Schicksal der Stadt Zion auf dem Spiel – die bereits von zahlreichen Robotern angesteuert wird. Noch hält die Verteidigung – die Frage ist nur, für wie lange… und ob Neo die Lösung tatsächlich in der trostlosen realen Welt, oder vielleicht doch der MATRIX suchen muss.

Kritik: Spätestens nach dem Überraschungserfolg von THE MATRIX (siehe Review) stand unumstößlich fest, dass man in Zukunft mit dem Schaffen der Wachowski-Brüder Larry und Andi rechnen sollte – und dass man den Geschwistern so gut wie alle Freiheiten in Bezug auf die damals noch ausstehenden Abschluss der geplanten MATRIX-Trilogie gewähren müsste. Entsprechend wenig überraschend war, dass das Budget für die beiden Nachfolger MATRIX: RELOADED und MATRIX: REVOLUTIONS grundsätzlich keine Grenze kannte, trotz der bereits einiges einsparenden Zusammenlegung der Drehtage – und dass die Wachowski’s wieder einmal Grenzen sprengen würden. Vielleicht in einem nicht ganz so innovativen, wegweisenden und spektakulären Ausmaß wie im ursprünglichen ersten Teil mit seiner bis heute kultigen inhaltlichen Offenbarung – aber immerhin ohne, sich in Bezug auf ihr Konzept zu verhaspeln oder sich gar die Blöße zu geben.

Anders gesagt: MATRIX: RELOADED steht dem großartigen Vorgänger in (fast) nichts nach. Sicher; dieses Mal weiß man ungefähr was einen erwartet, und der ganz gro´ße Aha-Effekt bleibt aus – wobei selbst die mangelnde inhaltliche Vertiefung potentiell spannender Elemente nicht verhindern kann, dass MATRIX: RELOADED einen schier ungeheuerlichen Sog entwickelt. Ein Sog, der verständlicherweise aus der Weiterführung der bereits im ersten Teil angeschnittenen Erzählstränge inklusive des Werdegangs der involvierten Charaktere resultiert – aber auch aus den furiosen Actionsequenzen, auf die im Vergleich mit dem Vorgänger noch einmal eine ordentliche Schippe draufgelegt wurde. Neben den schon zuvor beeindruckenden Zeitlupen-Effekten ist es hier vor allem eine längere Verfolgungsszene auf einer Autobahn, die im Gedächtnis bleiben wird – gerade weil es sich hier (und im Gegensatz zu einigen anderen pompös inszenierten Hollywood-Krachern) um alles andere als eine seelenlose Materialschlacht handelt.

Kurzum: die Story respektive die Weiterführung der Erzählung stimmt, wobei insbesondere der Schauplatz Zion sowie das Bestreben von Agent Smith Lust auf mehr machen. Die Effekte sind (wenngleich sie auch nicht mehr ganz so subtil angewandt werden) mindestens ebenso spektakulär wie im Vorgänger, die Leistungen der beteiligten Darsteller passt, der Soundtrack ist mitreißend. MATRIX: RELOADED ist ein wichtiger und qualitativ nicht wirklich abfallender Teil der MATRIX-Trilogie, die nicht von ungefähr als absolutes Pflichtprogramm für Cineasten gilt.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros. GmbH

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„Wie schon der erste Teil ist auch der zweite MATRIX-Film ein absolutes Muss – und ein ebenso wenig zu kritisierendes wie wichtiges Element innerhalb der kultigen Trilogie.“

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