Coming Soon: FAR CRY 5 (2018)

Releasetermin Deutschland: 27. Februar 2018

PC-Spieletest / Game-Review: FAR CRY 4 (2014)

Originaltitel: Far Cry 4
Veröffentlichungsdatum: 18. November 2014 (PC)
Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
USK: Ab 18 freigegeben
Genre: Ego-Shooter / Action
Tags: Far Cry, Kyrat, Pagan Min, Ajay Ghale, Goldener Pfad, Bürgerkrieg

Ganz so weit war der Weg dann doch nicht.

Inhalt: Auch wenn es zunächst verdächtig danach aussieht, ist der junge Ajay Ghale nicht in die gleichermaßen idyllische wie ursprünglich anmutende Berglandschaft von Kyrat gereist um Urlaub zu machen. Der eigentliche Grund seiner Reise besteht vielmehr darin, den letzten von seiner sterbenden Mutter geäußerten Wunsch zu erfüllen – die sich nichts anderes vorstellen konnte, als dass ihre Asche einmal in ihrem Heimatland verstreut werden würde. Was Ajay indes kaum ahnen konnte ist, dass Kyrat mittlerweile zu einer schieren Bürgerkriegs-Hochburg avanciert ist. Einer, in der sich nicht nur zwei große Fraktionen gegenüberstehen und bis auf das äußerste bekämpfen – sondern auch einer, in der sich ein grausamer Diktator namens Pagan Min an die Spitze der hiesigen Hierarchie gesetzt hat. Und gerade der scheint ein besonderes Auge auf Ajay geworfen zu haben, der nach seiner Ankunft kaum weiß wie ihm geschieht… aber sich bald mit der nötigen Wort- und Waffengewalt zu wehren weiß.

Mit FAR CRY 4 setzt Ubisoft das beliebte, bereits Anfang 2004 gestartete Ego-Shooter-Franchise um ein besonderes Spielgefühl in eher tropischen Insel- und Dschungelwelten fort. Im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger FAR CRY 3 (siehe Review) aber spielt FAR CRY 4 nun in Kyrat, einem fiktiven Land im Hochgebirge des Himalaja – welches mit entsprechenden Berg- und Gletscheransichten im Hintergrund, wilden Straßen- und Wegverläufen, teilweise erklimmbaren Hügeln sowie einer geschickt inszenierten Flora und Fauna auftrumpft. Eines ist dabei schnell festzustellen, und das galt auch schon für den Vorgänger: die Macher haben sich wieder einmal reichlich Mühe gegeben, möglichst viel Abwechslung auf die zunächst riesig anmutende Weltkarte zu bringen. Und tatsächlich: abseits der größeren, auf der Karte deutlich hervorgehobenen Straßen und Feldwege gibt es auch in FAR CRY 4 immer wieder einiges zu entdecken. Das gute dabei ist, dass viele der auftauchenden Elemente nicht einfach nur aufgrund ihres Designs einen Platz im Spiel gefunden haben – der Spieler darf und soll die Landschaft durch ein direktes Ausprobieren erforschen. Der entsprechenden Möglichkeiten gibt es immerhin einige, und dass selbst wenn man die Hauptmissionen erst einmal beiseite schiebt. So kann man direkt losziehen – und beispielsweise in einem der kleinen Seen auf Tauchstation gehen, eine dunkle Höhle erkunden, einen Wachturm erklimmen und übernehmen, wilde Tiere jagen (und im besten Fall auch deren Fell aufnehmen); oder schlicht versuchen in bester Bergsteiger-Manier mit Kletterhaken und Sprungeinlagen an einer Felswand voranzukommen. Das allein macht schon Spaß, und sorgt stellenweise sogar für ein echtes Entdeckergefühl a’la ASSASSINS CREED – die zahlreichen versteckten Kisten, sammelbaren Objekte und Achievements sorgen hier für alles übrige.

Als eigentlicher Dreh- und Angelpunkt des Spiels fungieren aber die Story-Missionen – die überraschend gut in Szene gesetzt wurden, durch Abwechslung glänzen, nicht zuletzt auch spielerisch überzeugen – und sogar mit einigen kleineren Entscheidungen beeinflusst werden können. Der einzige Wermutstropfen: orientiert man sich ausschließlich an selbigen, ist das Spiel auch relativ schnell abgehandelt – sodass man unbedingt auch einigen der anderen, ja wenn nicht gar den meisten der zahlreichen anderen Beschäftigungen nachgehen sollte. Und wenn schon nicht allen, dann doch mindestens den im Sinne des Spiels wichtigeren – wie etwa den Erkundungstouren in das mystische Shangri-La, die ein dezent vom Hauptspiel abweichendes Spielgefühl vermitteln. Aber auch die Aufträge für einige eher schrullige bis zutiefst makabere Charaktere sollte man sich einmal ansehen – wobei sich insbesondere die Spielmomente mit den beiden ständig zugedröhnten und für Kenner des Franchise bereits bekannten Kumpanen Yogie und Reggie lohnen. Gerade im Sinne des besonderen FAR CRY-Humors ist auch ein Besuch bei dem ebenso gottesfürchtigen wie leicht durchgedrehten Longinus empfehlenswert – oder aber die Stippvisite bei einem exzentrischen Modedesigner, der für seine Kreationen immer wieder ganz besondere Tierfelle benötigt. Immerhin winken hier (wie grundsätzlich auch überall sonst) zusätzliche Belohnungen, die sich nicht nur in XP und Gegenständen niederschlagen – sondern unter anderem auch in exklusiven Waffen. Wem das immer noch nicht reicht, der kann aus reiner Vervollständigungs-Wut alle Wachtürme und alle Außenposten übernehmen. Da sich hier kaum einer dem anderen gleicht, macht auch das einen großen Spaß – und wird durch zusätzliche Bonusziele (wie etwa keinen Alarm auszulösen) auch so manches mal zu einer echten Herausforderung.

Selbst danach gibt es noch immer hinreichend Möglichkeiten, sich in der Spielwelt auszutoben – auch wenn die meisten der restlichen Beschäftigungen absolut unabhängig von den Hauptmissionen stattfinden. Immerhin, sie können durchaus für einige weitere Stunden Spielspaß sorgen – zumindest wenn man geneigt ist, über einen dezenten Nachteil hinwegzusehen. Schließlich ist es kaum zu verhehlen, dass sich die Geiselrettungen, Bombenentschärfungen, Attentate, Eskorten oder aber auch die wilden Zeitrennen stark ähneln – bis auf die jeweils unterschiedlichen Orte gibt es hier eher weniger Aha-Effekte. Diesbezüglich muss der Spieler schlicht selbst entscheiden, ob er FAR CRY 4 im Sinne der Vollständigkeit wirklich zu 100% meistern möchte – was folglich weniger eine Frage des Könnens, als vielmehr eine Frage der Geduld ist. Immerhin kommen einem die zahlreichen Fortbewegungsmöglichkeiten zu Land, zu Wasser aber eben auch in der Luft zugute – die neben den nicht unbedingt großzügig verteilten Schnellreise-Orten für das nötige Gefühl eines halbwegs schnellen Vorankommens sorgen. Und tatsächlich: gerade das stilvolle Gleiten mit dem Wingsuit, oder aber der Flug mit dem klapprigen Gyrocopter (der leider eine nicht immer nachvollziehbare Höhenbeschränkung hat) verfehlen ihre Wirkung nicht.

In Bezug auf das Handwerk und die Technik erlaubt sich FAR CRY 4 ebenfalls keine nennenswerten Patzer – doch das sollte man von einem erprobten und vergleichsweise finanzstarken Studio wie Ubisoft auch erwarten können. Und überhaupt: da viele der Mechaniken direkt aus dem Vorgänger übernommen wurden, musste man erst gar keine größeren Wagnisse ergehen. Das mag zwar für weniger Überraschungen sorgen, aber immerhin garantiert man dem Spieler so ein bestmöglich funktionierendes Spiel. Oder anders gesagt: ein Spiel, das in Bezug auf die Grafik oder den Sound alles andere als neue Maßstäbe setzt – sich aber absolut problemlos spielen lässt, und dabei immer noch nett aussieht.

Viel wichtiger als das Gefühl der Nicht-Exklusivität im Vergleich mit dem noch gar nicht so lange zurückliegenden dritten Teil sind aber ohnehin die anderen kleinen und davon unabhängigen Fehler, die sich trotz allem in das Spiel geschlichen haben. Und wenn es keine Fehler sind, dann doch zumindest kleinere Ärgernisse oder Auffälligkeiten die man hätte besser lösen können. Diesbezüglich macht sich FAR CRY 4 vor allem in drei Punkten einen Namen: der Spielwelt, der mit ihr verbundenen künstlichen Intelligenz und der Präsentation. Hinsichtlich der Welt von Kyrat fällt beispielsweise auf, dass es trotz der enormen Sichtweite und der hügelig-abwechslungsreich anmutenden Landschaft doch nicht so viel Abwechslung gibt wie eventuell erwartet. Anders gesagt: nicht gerade wenige Elemente wiederholen sich immer wieder – was vor allem in Bezug auf die sich nur allzu oft ähnelnden Bergkämme, die Gebäudestrukturen oder die eigentlich nur recht sporadisch vorhandene Vegetation auffällt. Der Welt von Kyrat fehlt es somit insgesamt noch an markanten Fixpunkten oder in irgendeiner Form besonderen Abschnitten – trotz der durchaus lebendigen Tierwelt und der größeren religiösen Monumente. Warum hat man nicht zumindest hie und da einen explizit verödeten Landstrich, eine Schlammwüste oder einen dichten Wald eingesetzt ? In der vorliegenden Form aber bildet eigentlich nur der Flughafen von Kyrat eine willkommene Alternative, oder aber die Abschnitte in einer Eislandschaft – zu der man allerdings nicht beliebig reisen kann.

Der zweite potentielle Kritikpunkt bezieht sich auf die künstliche Intelligenz der Gegner, aber auch die der befreundeten oder neutralen NPC’s. Auch wenn das Ganze insgesamt betrachtet recht gut funktioniert, gibt es immer wieder teils heftige Aussetzer – und das inbesondere in heiklen Kampfsituationen. Sei es dass Gegner in das eigene Artellerie-Bombardement laufen, in der direkten Konfrontation plötzlich regungslos verharren oder sich gerade als vorgeschickte Verbündete abenteuerlustig bis einfach nur lebensmüde verhalten –  mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl wäre hier sicherlich noch viel mehr drin gewesen. Der dritte und letzte wirkliche Kritikpunkt bezieht sich schlicht auf die Präsentation des Spiels selbst, oder vielmehr der deutschen Version – bei der stellenweise einfach zu offensichtlich geschludert wurde, als dass man darüber hinwegsehen könnte. Diverse Übersetzungsfehler in Menüs, teils unpassende Untertitel; oder aber schlicht die stets zu Beginn des Spiels aufploppende Information, dass man die Konsole nicht ausschalten sollte um Speicherverluste zu verhindern – so etwas darf es einfach nicht in ein fertiges PC-Spiel schaffen. Alle weiteren Kritikpunkte lassen sich aus der folgenden, möglichst kompletten Aufstellung aller Positiv- und Negativaspekte des Spiels ablesen:

Handlung und Präsentation
  • Familiendrama trifft auf Schreckensherrschaft trifft auf Bürgerkriegssituation
  • Grundsätzlich sympathische, sich öfter mal zu Wort meldende Hauptfigur
  • Interessante bis dezent verrückte Nebencharaktere
  • Ein markanter Hauptwidersacher…
  • … der allerdings etwas zu selten auf den Plan tritt und vor allem gegen Ende kaum noch eine Rolle spielt
  • Beeinflussbarkeit der Geschichte ist eher gering, und…
  • … beide Varianten hinterlassen einen eher faden Beigeschmack

7.0/10

Grafik und Design
  • Riesige, hübsche Spielwelt mit Möglichkeiten zum Erkunden und Austoben
  • Hübsche Feuer-, Wasser- und Explosionseffekte
  • Stimmiges Charakter-Design
  • Tag- und Nachtwechsel
  • Viele Design-Elemente wiederholen sich
  • Insgesamt noch etwas zu wenig Abwechslung
  • Keine wirklich zerstörbare Umgebung
  • Keine markanten Wettereffekte

7.5/10

Sound
  • Hervorragend vertonte Figuren
  • Lebendige Umgebungsgeräusche
  • Viele kleinere, stimmige Soundelemente
  • Knackiger Waffensound
  • Kaum aufdringlicher, passig erscheinender Soundtrack
  • Im (Auto-)Radio viel zu wenig Abwechslung, einzelne Passagen wiederholen sich schnell

9.5/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Spannende und gut inszenierte Hauptmissionen
  • Nicht immer abwechslungsreiche, aber doch unterhaltsame Nebenmissionen und -Aufgaben
  • Fordernde Sammelaktionen und Achievements
  • Reichlich Möglichkeiten die Welt genauer zu erkunden
  • Spaßige Fortbewegungsmittel…
  • … wobei es gerne noch ein schnelleres hätte sein dürfen – oder aber ein Zweirad
  • Landschaften teils noch etwas zu öde
  • Eher schlicht gehaltenes XP- und Skillpunktesystem
  • Extrem minimalistisches Crafting
  • Belohnungen sind nur selten imposant
  • Eher geringer Wiederspielwert

7.0/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Einstellbarer Schwierigkeitsgrad
  • Komfortables automatisches Fahren zum Wegpunkt
  • Intuitive, unkomplizierte Steuerung
  • Gut gelöstes Inventar-System
  • Faires Speicher- und Rücksetzungssystem…
  • … mit gelegentlichen Aussetzern
  • Teils fummelige Karte (die nicht immer anzeigt was man gerade sucht)
  • Teils hakelige Steuerung (Wingsuit aktiviert sich nicht)
  • Teils fragwürdige Gegner-KI
  • Fahrzeuggefühl eher schwammig
  • Für den vollen Spielgenuss besteht Online-Pflicht
  • Stupide und manipulierte Online-Bestenlisten
  • Teils deutliche Übersetzungsfehler (Schludrigkeit deutsche Version)

4.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 20-40


„Allzu viel neues gibt es nicht, und auch sonst fühlt sich FAR CRY 4 über weite Strecken exakt so an wie der Vorgänger. Einen Heidenspaß macht das Spiel trotzdem, oder anders gesagt: wer auf großartige Innovationen verzichten kann und stattdessen immer nur mehr Franchise-Futter der Marke FAR CRY genießen will, kann oder sollte auch hier zugreifen.“

PC-Spieletest / Game-Review: FAR CRY 3 (2012)

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Originaltitel: Far Cry 3
Entwickler: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft
Land: Kanada
USK: Ab 18
Genre: Ego-Shooter
Tags: Far Cry | Sequel | Vaas | Tropen | Rook Islands

In den Tropen holt man sich so manches Fieber.

Inhalt: FAR CRY 3 versetzt den Spieler in die Rolle des abenteuerlustigen Jason Brody – der zusammen mit seinen Freunden einen Abenteuerurlaub in Südostasien macht. Zunächst läuft alles genau so, wie es sich die gestressten Großstadt-Geplagten vorgestellt haben: rasante Bootsfahrten durch enge Flüsse, Fallschirmsprünge aus atemberaubender Höhe oder schlicht das Abhängen und Feiern an verlassenen Stränden gehören zum Alltag. Eines Tages aber gerät die Gruppe urplötzlich in Gefangenschaft – von Vaas, einem berühmt-berüchtigten Gangsterboss der Gegend. Der macht den Gefangenen schnell das Leben zur Hölle, und will die Amerikaner trotz erpresstem Lösegeld auch noch als Sklaven verkaufen um so den doppelten Gewinn einzustreichen. Doch dann ergibt sich eine Chance – Jason flieht, und muss dabei mit ansehen wie einer seiner Freunde erschossen wird. Er kommt daraufhin bei einem ortsansässigen Stamm unter, den Rakyat – die in ihm schnell eine Art Wiedergeburt eines legendären Helden wittern. Jason sieht sich fortan berufen, Vaas zu töten, seine Freunde zu retten – und womöglich sogar in die Fußstapfen eines großen traditionellen Kriegers zu treten; ganz wie es ihm die Dorfbewohner nahelegen.

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Kritik: FAR CRY, das erste Spiel des damals noch relativ unbekannten Entwicklerstudios Crytek GmbH, ist bis heute enorm erfolgreich. Und das nicht nur weil man sich quasi zum ersten Male von den sonst für 3D-Shooter üblichen Leveldesigns distanzierte und den Spieler in eine große, tropische Inselwelt schickte – sondern auch, weil alles andere stimmte. Eine herausragende Grafik, ein flüssiges und actionreiches Spielerlebnis und eine solide Story machten den Titel zu einem der erfolgreichsten Shooter aus deutschen Landen. Damit war der Weg für das Studio geebnet, das sich einige Zeit später für immer in den Ruhmeshallen der PC-Spiele verewigte – mit Crysis und dessen Nachfolgern. Doch auch wenn die Crytek GmbH sich auf ein neues Franchise konzentrierte, sollte die Geschichte von FAR CRY ebenfalls noch nicht ad acta gelegt werden. 2008 erschien endlich der Nachfolger FAR CRY 2, dieses Mal entwickelt vom ebenfalls prestigeträchtigen Studio Ubisoft Montreal. Die abermals riesige Spielwelt, die schicke Grafik und die gefühlte Freiheit wurden weiterhin als Markenzeichen etabliert – doch ähnlich überzeugen wie sein Vorgänger konnte das Sequel nicht. Mit einer umso größeren Spannung wurde FAR CRY 3 erwartet, dass sich vornahm, etwaige Fehler des Vorgängers auszubügeln und wieder zum Flair des ersten Teils zurückzukehren.

Und tatsächlich: FAR CRY 3 ist so gesehen nicht nur ein mehr als würdiger Nachfolger geworden, der den zweiten Teil um Längen schlägt – sondern auch eine Reminiszenz an den ersten. Das liegt vor allem daran, dass man den Spieler abermals auf eine tropische Inselgruppe loslässt, die nicht nur grafisch zu überzeugen weiß; sondern sich auch frei erkunden lässt. Einer der interessantesten Aspekte dürfte aber sein, dass FAR CRY 3 seine größten Stärken nicht nur mit der beeindruckenden Grafik, sondern vor allem auch hinsichtlich der Story ausspielt. Endlich lässt man den Spieler in eine Spielfigur schlüpfen, mit der er sich identifizieren und entsprechend mitfiebern kann; endlich bekommen auch die Nebencharaktere ein Höchstmaß an Leben und Glaubwürdigkeit eingehaucht, endlich sind die NPC’s nicht mehr nur billige Statisten die auf den nächsten (Kampf-)Auslöser warten. Allerlei lockere Sprüche, witzige Dialoge und der spannende, stets nachvollziehbare Überlebenskampf vermögen es so, den Spieler direkt zu fesseln und die Entwicklungen auf der Insel mit Spannung zu verfolgen. Vor allem aber auch jene des Hauptakteurs Jason Brody – der mit seinen Freunden auf die Insel kam um ein Abenteuer zu erleben und Spaß zu haben, sich aber plötzlich als Retter seiner entführten Freunde und als aufstrebendes Mitglied im heimischen Inselstamm der Rakyat wiederfindet.

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Auch für die passenden Gegenspieler wurde gesorgt – ein Aspekt, der im Vorfeld vor allem in Bezug auf den vom kriminellen Inselfieber gepackten Vaas beworben wurde. So anders, erfrischend und beeindruckend sein Porträt und die damit verbundenen Spielerinteraktionen auch ausfallen, ist jener Zweikampf noch nicht einmal das Highlight des Spiels – dieses findet sich erst im (noch) späteren Verlauf. Nämlich dann, wenn es um die Machtspielchen eines noch höheren Bosses geht, Feinde die zu Verbündeten (und umgekehrt) werden, sich Jason seinen inneren Dämonen stellen muss und eine finale Entscheidung zu treffen hat. All das wirkt durchdacht, sinnvoll aufeinander aufbauend; und wird vor allem spannend erzählt. Im Zusammenspiel mit der weitläufigen Insellandschaft, dem dichten Tropen-Dickicht, den vielen Details und markanten Spiel-Elementen (es gibt eine ansehnliche Tierwelt, ein Crafting- und Skillpunktesystem, einen großen Fuhrpark, unterschiedliche Waffentypen und vieles mehr) entsteht so ein Titel, der eigentlich eine TOP-Bewertung verdient hätte. Hätte – wären da nicht auch einige Aspekte, die die Qualität des Spiels; und vor allem die allgemeine Atmosphäre wieder deutlich herunterziehen. Jene lassen sich vor allem feststellen, wenn man sich als Spieler nicht nur mit der eigentlichen Hauptstory, sondern auch allgemein und frei auf der Insel umsieht. Das ist war kein unbedingtes Muss – doch würde man komplett auf derlei Ausflüge verzichten, würde sich die Spielzeit auf ein unannehmbares Minimum von einigen wenigen Stunden reduzieren. Da FAR CRY 3 dem Spieler dementsprechend auch nahelegt die Insel zu erkunden (beispielsweise zwischen Missionen, oder schlicht um eine bessere Ausrüstung zu erhalten), kann und darf man diese Aspekte auch keinesfalls ausklammern, geht es um eine möglichst sinnvolle Gesamtwertung.

Unglücklicherweise scheinen die Entwickler ausgerechnet hier vieles nicht komplett durchdacht, und sich eventuell ein wenig zu sehr auf die Hauptstory verlassen zu haben. Kurios dabei ist, dass eigentlich alles da ist, was man gebraucht hätte um FAR CRY 3 auch mit einer enormen Langzeitmotivation zu versehen. Die letztendlichen Lösungen, oder auch Angebote fallen dann aber doch sehr mau aus. Dies beginnt beim gesamten Quest-, Sammel- und Achievementsystem, welches nichts mit der Hauptstory zu tun hat – den Spieler (je nach Laune) aber bis zu vier- oder fünfmal so lange beschäftigen kann, sofern er sich darauf einlässt. Einige eher negative Beispiele finden sich im folgenden:

  • Gegenstände sind IMMER, Geld MEISTENS in überall herumstehenden, klotzigen Kisten versteckt; die alles andere als dienlich für die allgemeine Atmosphäre sind.
  • Es gibt deutlich zu viele Kisten – und dazu noch merkwürdige Artefakte, verlorene Briefe und mehr. Alles einzusammeln, gleicht einer (frustigen) Endlossuche – trotz erwerbbarer Schatzkarten.
  • Die Tiere, die man für die Erstellung von Ausrüstungsgegenständen benötigt, sind oftmals quer über die Karte verstreut. Und selbst wenn man schnell eine passende Region findet, kann schnell Frust entstehen – beispielsweise im Rahmen der Jäger-Quests, bei denen man eine bestimmte Anzahl an Tieren erlegen muss. Was nicht immer leicht fällt – da oftmals schlicht zu wenig Tiere unterwegs sind. Man hätte stattdessen Herden, Brut- oder markante Lagerstätten integrieren können (beispielsweise am Wasser).
  • Das Jagen hat nicht unbedingt einen bemerkenswerten Effekt (mit Ausnahme der Jäger-Quests) – die Felle benötigt man lediglich für einen Teil der optionalen Ausrüstung, danach kann man komplett darauf verzichten.
  • Das Erklimmen von Sendetürmen scheint direkt aus ASSASSINS CREED 3 übernommen (in dem selbiges, sowie auch das ähnliche Jagdsystem einfach mehr Spaß machen) – und die gezeigten ‚Highlights‘ in der Umgebung sind nicht wirklich welche.
  • Man ertrinkt förmlich in Geld – Geld, dass man einfach nicht sinnvoll ausgeben kann (außer für Waffen oder Munition)

Gerade der letzte Punkt kann einem doch auffällig sauer aufstoßen – die Frage, wozu man sich dann überhaupt all die Mühe machen sollte, wird zweifelsohne aufkommen. Dabei gäbe es so viele Möglichkeiten; beispielsweise einen erweiterten Fuhrpark a’la JUST CAUSE 2. Überhaupt fällt gerade der nicht besonders abwechslungsreich aus. Auch wenn die Steuerung gut von der Hand geht – besondere Fahrzeuge gibt es keine, nicht einmal Zweiräder. Und Flugzeuge oder Hubschrauber schon gar nicht – hier müssen der sich etwas merkwürdig anfühlende Gleitschirm und der nur selten genutzte Wingsuit herhalten. Doch selbst ohne zusätzliche Fahrzeuge hätte man einfach mehr Möglichkeiten einbauen sollen, das erbeutete Geld auszugeben – beispielsweise durch anheuerbare Söldner, durch Bestechungsmöglichkeiten, durch die Errichtung neuer Stützpunkte. So bleibt dem Spieler, sich möglichst alle Waffen samt kleinerem Zubehör zu kaufen – was allerdings auch nicht viel bringt, da man sich schnell auf ’seine‘ ganz speziellen Lieblingswaffen festlegen, und diese nur noch selten austauschen wechseln wird. Stichwort austauschen: das kann auch schon mal unbeabsichtigt passieren, wenn man die erledigten Gegner zu durchsuchen versucht. Das dauert durch die unnötige Animation im übrigen viel zu lange, und fördert selten spannendes zutage.

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Und es gibt weitere Knackpunkte. So wirkt die gesamte Inselwelt insgesamt noch immer viel zu leer – auch wenn im Vergleich zum Vorgänger FAR CRY 2 so gesehen ein Quentensprung gemacht wurde. Bis auf die recht spannenden, sich im Endeffekt aber doch stark ähnelnden Festungsübernahmen gibt es hier einfach nicht viel zu tun – und auch nicht viel zu sehen. Wenn man Glück hat, kann man hie und da sich jagende Tiere oder umherfahrende Patrouillen beobachten – doch das war es dann auch schon gewesen. Wirklich markante Highlights, wie besondere Gegenden mit einem hohen Wiedererkennungswert, gibt es nicht. So ist den meisten – so schade und schmerzlich es erscheint – schlicht zu empfehlen, lediglich den eigentlichen Storypart zu spielen, und die letztendlich doch etwas enttäuschende riesige Spielwelt (weitestgehend) links liegen zu lassen. Denn hier haben selbst die Nebenquests nicht viel zu bieten: über die merkwürdige Voraussetzung, bestimmte gesuchte Zielpersonen nur mit einem Messer eliminieren zu dürfen, bis hin zu arcade-lastigen Wettbewerben mit Bestenlisten gibt es hier dann doch nicht so viel zu holen.

Um einen besseren Überblick über die Positiv- und Negativaspekte des Spiels zu erhalten, im folgenden eine genaue Aufstellung (blau bedeutet positiv, schwarz neutral, rot negativ):

Inhalt / Story
  • Spannende, größtenteils glaubwürdige Hauptstory
  • Lebendiger Hauptcharakter mit einer Identität
  • Interessante, gut ausgearbeitete Nebencharaktere
  • Überraschende Ereignisse und Wendungen
  • Sich langsam abzeichnendes, intensives Finale
  • Spiel mit Begriffen wie Moral, ‚gut‘ oder ‚böse‘
  • Gute Cutscenes und Dialoge
  • Markant-verstörende Folterszene

10/10

Grafik / Design
  • Glaubwürdige, sich ‚echt‘ anfühlende Tropenwelt
  • Teils dichter Bewuchs
  • Schicke Flammeneffekte
  • Tolles Charakterdesign
  • Stimmige Animationen (besonders bei Tieren)
  • Tag- und Nachtwechsel
  • Maue Explosionen
  • Wasser nicht immer treffend animiert
  • Wettereffekte zu spärlich
  • Umgebung nicht effektiv zerstörbar (nicht einmal Palmen)

8/10

Sound
  • Atmosphärische Sprecher
  • Satte Waffensounds
  • NPC’s mit vielen unterschiedlichen Sprachsamples
  • Teils nervige, aufdringliche Musik / Soundtrack

8/10

Spielwelt, Umfang
  • Riesige, frei erkundbare Inselwelt…
  • … die noch immer deutlich zu leer wirkt
  • Abwechslungsreiches Waffenarsenal
  • Erweiterbare Ausrüstung
  • Verschiedene Gegnertypen
  • Sich deutlich auswirkendes Skillsystem…
  • … welches aber zu einfach und beliebig zu meistern ist
  • Festungsübernahmen mit frei wählbarer Methode…
  • … bei denen merkwürdigerweise immer ein Tierkäfig steht
  • … die sich letztendlich doch alle gleich spielen
  • Grandioses Ingame-Pokersystem
  • Markante Szenen und Spielabschnitte unter Drogeneinfluss…
  • … die jedoch gerade bei den Endgegnern kontextlos wirken
  • Zip-Lines zum heruntergleiten
  • KI nicht immer auf der Höhe / der Situation angemessen
  • Automatische Verkaufsautomaten als Atmosphärehemmer
  • Wenig abwechslungsreicher Fuhrpark
  • Jagd-System schnell ausgelutscht
  • Wenig markante Points Of Interest
  • Ärgerliche, wenig spektakuläre Nebenquests
  • Störende Kisten
  • Merkwürdige Gegenstände und Fundorte
  • Zu viel Spielergeld, zu wenig Investitionsmöglichkeiten

5/10

Bedienung, Komfort, Bugs
  • Freischaltbare Schnellreisepunkte
  • Extrem hohe Systemanforderungen
  • Kein freies Speichern innerhalb von Missionen
  • Rücksetzungspunkte teils ärgerlich gewählt
  • Etwas liebloses, fummeliges Menü-System
  • Wenig effektive Grafikoptionen

7/10

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Fazit: Aus FAR CRY 3 hätte locker ein absoluter TOP-Titel werden können, ganz unabhängig vom eigentlichen Genre. So reicht es immerhin noch zu einem sehr guten Shooter – der vieles richtig macht, sich aber gerade in den Elementen der Open-World und der Beschäftigungsmöglichkeiten verhaspelt. Es ist schlicht etwas ärgerlich zu sehen, dass viele Elemente grundsätzlich vorhanden sind – aber nicht zu Ende gedacht wurden. Daraus folgt, dass das Spiel trotz der riesigen, nett anzuschauenden Inselwelt eine äußert geringe Langzeitmotivation hat – und sich die meisten Spieler hauptsächlich an den (sehr guten) Story-Missionen ergötzen werden. Diese fesseln nämlich ungemein, sind mit interessanten Charakteren ausgestattet, und geben der Spielfigur Raum sich zu entwickeln. Anders gesagt: einen besseren oder: effektiveren Story-Part wird man in einem sonst relativ ’simplen‘ Shooter kaum finden.


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„Den Status als TOP-Spiel knapp verpasst.“