Metal-CD-Review: FALCONER – From A Dying Ember (2020)

Alben-Titel: From A Dying Ember
Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichung: 26. Juni 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Metal Blade Records

Lineup:

Stefan Weinerhall – Guitars
Karsten Larsson – Drums
Mathias Blad – Vocals
Magnus Linhardt – Bass
Jimmy Hedlund – Guitars

Track-Liste:

1. Kings and Queens (04:40)
2. Desert Dreams (03:58)
3. Redeem and Repent (04:21)
4. Bland sump och dy (03:13)
5. Fool’s Crusade (05:25)
6. Garnets and a Gilded Rose (02:32)
7. In Regal Attire (03:53)
8. Rejoice the Adorned (03:41)
9. Testify (04:18)
10. Thrust the Dagger Deep (03:39)
11. Rapture (06:37)

Von einer Glut, die niemals vollständig verglimmt.

Fans der bekannten schwedischen Power Metal-Formation FALCONER werden es bereits gehört haben, für alle anderen sei es an dieser Stelle noch einmal erwähnt: ja, es ist leider wahr. FALCONER werden nach nunmehr 21 Jahren ihre musikalische Laufbahn respektive Karriere beenden – und mit dem heute zu Rezensionszwecken vorliegenden neunten Studioalbum FROM A DYING EMBER ihr letztes Studiowerk vorlegen. Zweifelsohne kommt diese Mitteilung ebenso unerwartet wie schockierend – und sollte die meisten Kenner der Band mit einem weinenden, aber eben auch einem lachenden Auge zurücklassen. Weinend deshalb, da FALCONER einen alles andere als unerheblichen Beitrag zum Power Metal-Genre geleistet haben – und man fortan auf weitere wahrhaft exzellente Werke wie das Debütalbum FALCONER (2001, siehe Review), CHAPTERS FROM A VALE FORLORN (2002, Review) oder NORTHWIND (2006, Review) verzichten muss. Lachend zurückgelassen wird man dagegen deshalb, da die Schweden eben nicht sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden wie so viele andere – und gegenüber ihren Fans eine klare Linie fahren. Und vielleicht ja auch, da sie im berühmt-berüchtigten schönsten Moment aufhören ? Dafür müsste FROM A DYING EMBER allerdings nochmal richtig einen raushauen – zumindest mehr, als das zuletzt erschienene BLACK MOON RISING (2014, Review) oder der komplett in der Landessprache der Schweden eingesungene Vorgänger ARMOD (2011, Review).

Die Chancen dafür sollten grundsätzlich gut stehen – denn wo sonst findet man schon eine derart erfahrene Band wie FALCONER, die selbst eine ihrer wohl größten Bewährungsproben (das war der Moment, in dem Leadsänger Mathias Blad die Band kurzzeitig respektive für immerhin 2 Alben verließ) doch noch mit Bravour bestand ? Fraglich ist demnach wohl nur, ob und wie sich das Wissen um den Status von FROM A DYING EMBER als letztes FALCONER-Album auf den Schöpfungsprozess ausgewirkt hat. Oder anders gefragt: haben FALCONER wirklich noch einmal alles gegeben, und ihrer Hörerschaft ein allerletztes Meisterwerk kredenzt ? Oder haben sie sich doch eher auf vergangene Erfolge besonnen, und es eher ruhig angehen lassen ? Um diese Frage möglichst treffend zu beantworten, könnte es ausnahmsweise einmal hilfreich sein sie eben nicht allzu angestrengt zu forcieren – sondern FROM A DYING EMBER stattdessen möglichst vorurteilsfrei und so gesehen auch als weiteres handelsübliches FALCONER-Album zu betrachten.

Das Album wird von KINGS AND QUEENS eröffnet – einer nicht besonders schnellen, aber gewissermaßen typischen FALCONER-Nummer mit prägnanten Riffs, interessanten Breaks und selbstverständlich auch dem – man kann es ruhig sagen – traumhaften Leadgesang von Mathias Blad. Entsprechend schnell ist man auch drin im Kosmos von FROM A DYING EMBER, das eindeutig als FALCONER-Album – und damit jener Band, die viele im Laufe der Jahre und Jahrzehnte kennen und lieben gelernt haben – zu identifizieren ist. Streiten könnte man sich wohl nur darüber, ob es sich bei dieser Nummer wirklich um einen treffenden Opener handelt – und ob nicht das folgende DESERT DREAMS besser geeignet gewesen wäre. Hier ziehen FALCONER schließlich noch einmal deutlich an, nicht nur was das Tempo betrifft – auch der geniale Refrain lässt Erinnerungen an die ganz großen Band-Momente wach werden. Hier ist eben überall ein wenig mehr drin, auch in den Strophen und dem Soli-Part – es handelt sich klar um das erste waschechte Highlight des Albums. Doch es geht weiter – auch mit REDEEM AND REPENT gibt man sich nicht die Blöße, und serviert dem Hörer viele der typischen (und eben auch: typisch-genialen) FALCONER-Trademarks. Denn seien es das hervorragende Songwriting, die Vielfalt und Wandelbarkeit innerhalb einzelner Titel, der allgemeine lyrische Tiefgang oder die perfekte Symbiose aus schön knackig klingenden Gitarren und dem weichen Leadgesang von Mathias Blad – so, und nicht anders macht ein FALCONER-Album wirklich Spaß.

Kleinere Abzüge in der B-Note gibt es auch, doch die sind je nach persönlicher Facón zu verschmerzen. So ist festzustellen – und wenn auch nur in einem höchst dezenten Maße – dass Mathias Blad möglicherweise nicht die beste Leistung seiner Karriere abruft. Sicher, grundsätzlich klingt er so markant und einzigartig wie eh und je, und damit auch gewissermaßen erhaben – doch ein kleiner Randeindruck, dass er auf früheren Alben für einen möglicherweise noch runderen Gesamteindruck gesorgt hat, lässt sich nicht gänzlich verdrängen. Ein Beispiel dafür findet sich etwa in FOOL’S CRUSADE – einer Nummer, bei der man das Gefühl bekommen könnte dass Blad der (wirklich starken) Instrumental-Front weniger entgegenzusetzen hat als zuvor. Das gilt natürlich nicht für die (gut platzierten) Momente, bei der sich die Instrumente auch mal etwas weiter zurückziehen – und Blad zu größeren gesanglichen Rundumschlägen ausholen kann – davon hätten es gerne noch etwas mehr sein dürfen. Ebenfalls fraglich respektive eine Geschmacksfrage ist, ob ein erneut auf schwedisch eingesungener Titel wie BLAND SUMP OCH DY etwas in der relativen Mitte des Albums zu suchen hat – und nicht besser am Ende oder als Bonustrack aufgehoben gewesen wäre.

Dann wird das Album aber noch einmal richtig stark: das mittelalterlich anmutende, später von satten Riffs durchzogene Instrumental GARNETS AND A GILDED ROSE bietet eine nette Abwechslung, und bietet den wohl perfekten Auftakt für das folgende IN REGAL ATTIRE. Selbige Nummer hat die wohl am stärksten voranpreschenden Strophen des Albums – schade nur, dass der eher entschleunigende Refrain diesbezüglich kaum mithalten kann und größeres verhindert. REJOICE THE ADORNED dagegen zeigt noch einmal auf, was Mathias Blad wirklich kann – und wirkt damit weniger wie eine typische Power Metal-Ballade, sondern vielmehr wie ein kleines Kunstwerk. Gänsehaut gibt es spätestens beim großen Finale, in dem auch noch ein kleiner Chor einsetzt – der Wahnsinn. Analog dazu ist es nur gut, dass FALCONER eines definitiv nicht können: kitschig klingen. TESTIFY wiederum passt inhaltlich perfekt zum Dasein des Albums als Abschluss-Werk – während TRUST THE DAGGER DEEP mit einigen Sound-Elementen aufwartet, die man so nicht unbedingt erwartet hätte. Auch hier gilt: es handelt sich um eine Geschmacksfrage. Aber: warum setzt man das Ganze nicht einfach an das Ende des Albums ? Immerhin, mit dem eigentlichen Rausschmeißer RAPTURE wartet noch einmal ein kleiner Hochkaräter auf den Hörer, der – gewissermaßen passend zu etwaigen Gedankenspielen über das Ende von FALCONER – ein kleines Gefühlschaos auszulösen vermag. Die Instrumentalstrecken und heftigen Tempoausbrüche gegen Ende, mit der FALCONER genialerweise sogar den Kreis zu ihrer Vergangenheit als MITHOTYN (das war lange her) schließen; sind jedenfalls höchst interessant.

Schlussendlich: FROM A DYING EMBER ist ein sehr gutes FALCONER-Album geworden. Vermutlich nicht ihr bestes – aber das war in Anbetracht der ruhmreichen Historie der Band auch nicht unbedingt zu erwarten. Fest steht nur, dass es ihr letztes ist – und in Anbetracht dessen ist den Schweden der Abschluss doch mehr als zufriedenstellend gelungen. Fans sollten ihre Sammlung also dringend vervollständigen – und fortan in (hoffentlich schönen) Erinnerungen über eine der besten Power Metal-Bands aller Zeiten schwelgen. Danke, FALCONER.

Anspieltipps: DESERT DREAMS, REDEEM AND REPENT, IN REGAL ATTIRE, REJOICE THE ADORNED, TESTIFY


„Ein würdiger Abschied einer großartigen Band.“

Diese Wertung sorgt für einen Aufstieg von FALCONER in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: FALCONER – Among Beggars And Thieves (2008)

falconer-among-beggars-and-thieves_500

Alben-Titel: Among Beggars And Thieves
Künstler / Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. September 2008
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal w/ Folk
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Mathias Blad – Vocals
Stefan Weinerhall – Guitars, Keyboards
Jimmy Hedlund – Guitars (lead)
Magnus Linhardt – Bass
Karsten Larsson – Drums

Track-Liste:

1. Field of Sorrow (05:35)
2. Man of the Hour (03:56)
3. A Beggar Hero (02:08)
4. Vargaskall (04:19)
5. Carnival of Disgust (04:04)
6. Mountain Men (04:39)
7. Viddernas man (03:43)
8. Pale Light of Silver Moon (04:05)
9. Boiling Led (04:58)
10. Skula, skorpa, skalk 0(3:51)
11. Dreams and Pyres (07:48)

Schnell das bereits erledigte untermauern.

Bis zum Jahre 2008 war die Bandgeschichte von FALCONER bereits eine durchaus bewegte. Erst lieferten sie mit ihrem Debütalbum (Review) und dessen Nachfolger CHAPTERS FROM A VALE FORLORN (Review) noch absolut erstklassiges, frisches und vergleichsweise anspruchsvoll-intensives Power Metal-Material mit Folk-Elementen ab – woraufhin sich Mathias Blad plötzlich entschloss, nur noch sporadisch als Sänger aufzutreten. Die Folge waren ein eher unausgegorenes THE SCEPTRE OF DECEPTION (Review) sowie ein gänzlich neue Wege einschlagendes GRIME VS. GRANDEUR (Review). Doch erst die mit NORTHWIND (Review) an den Tag gelegten Ambitionen sollten dazu führen, dass die Band wieder als das fungieren sollte was eigentlich geplant war – der spontanen Rückkehr von Mathias Blad sei Dank. Das mittlerweile sechste Studioalbum der Schweden hätte demnach das Potential – oder aber die wichtige Funktion – die Rückkehr der Band zu ihrer alten Stärken noch einmal zu zelebrieren und zu untermauern. Ob ihnen das gelingt wird man sich indes nur fragen, bis man das Album einmal vollständig hat durchlaufen lassen. AMONG BEGGARS AND THIEVES macht wie schon NORTHWIND vieles richtig; und kann daher auch ohne Probleme als eines der besseren FALCONER-Alben bezeichnet werden.

Manchmal sind es eben die kleinen Entscheidungen, die den Unterschied ausmachen – wie in Bezug darauf, dass die Ballade A BEGGAR HERO nur 2 Minuten veranschlagt und somit als funktionierender Atmosphäreschub bezeichnet werden kann. Oder, dass mit VARGASKALL, VIDDERNAS MAN und SKULPA SKORPA SKALK gleich drei Nummern enthalten sind, die FALCONER in ihrer Landessprache eingesungen haben. Das sorgt für Abwechslung und neue frische Eindrücke – analog zu einem Gesamteindruck, der wie bei allen besseren FALCONER-Alben als enorm fesselnd und hypnotisch bezeichnet werden kann. Bis auf zwei oder drei schon eher zu vernachlässigende oder zumindest nicht ganz so spektakuläre Ausnahmen lohnt sich so ein jeder Titel des Albums. Selbst der Rausschmeißer DREAMS AND PYRES weiß vollends zu überzeugen. Trotz der Gast- und Backgroundgesänge, die bei FALCONER bisher eher wenig reißen konnten – sich nun aber perfekt in die durchaus epische Klangkulisse einfügen. AMONG BEGGARS AND THIEVES bietet alles, was der geneigte FALCONER-Fans schon immer an der Band zu schätzen wusste: eine gekonnte Symbiose aus Elementen des Power- und Folk-Metal, einen hervorragenden Leadgesang, handwerklich perfekte Instrumentalparts, eine solide Produktion – sowie darüber hinaus eine vergleichsweise bemerkenswerte Emotionalität und Ernsthaftigkeit, die vorrangig aus dem Gefühl entsteht hier höchst bedeutsamen Geschichten zu lauschen.

Absolute Anspieltipps: FIELD OF SORROW, MOUNTAIN MEN, PALE LIGHT OF SILVER MOON, DREAMS AND PYRES


90button

„Die Erfolgsgeschichte geht weiter.“

Metal-CD-Review: FALCONER – Grime Vs. Grandeur (2005)

falconer-grime-vs-grandeur_500

Alben-Titel: Grime Vs. Grandeur
Künstler / Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Mai 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal w/ Folk
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Stefan Weinerhall – Guitars
Kristoffer Göbel – Vocals
Karsten Larsson – Drums
Jimmy Hedlund – Guitars
Magnus Linhardt – Bass

Track-Liste:

1. Emotional Skies (05:11)
2. Purgatory Time (04:44)
3. I Refuse (04:35)
4. Humanity Overdose (06:16)
5. The Assailant (03:43)
6. Power (06:05)
7. No Tears for Strangers (05:48)
8. The Return (05:09)
9. Jack the Knife (04:23)
10. Child of the Wild (06:55)

FALCONER mal dezent anders.

GRIME VS. GRANDEUR (zu deutsch etwa: das minderwertige gegen das erhabene) ist das vierte Studioalbum aus der außergewöhnlichen schwedischen Folk- und Power Metal-Schmiede FALCONER. Wenn man so frei und frech ist, könnte man es allerdings auch als das zweite Album einer neuen Band-Ära bezeichnen – die 2003 dadurch begründet wurde, dass Leadsänger Mathiad Blad plötzlich seinen Posten räumte. Nachdem er auf dem direkten Vorgänger THE SCEPTRE OF DECEPTICON (Review) immerhin noch teilweise zu hören war, liegt es in Bezug auf GRIME VS. GRANDEUR allein an Neuzugang Kristoffer Göbel, die FALCONER-Botschaft zu verbreiten. Wobei das nicht ganz stimmt – schließlich erfährt auch GRIME VS. GRANDEUR die Unterstützung zahlreicher Background-Sänger. Doch auch wenn die ersten beiden sehr guten FALCONER-Alben (Wertungen: 100 und 95 Prozentpunkte) noch gänzlich ohne derartige Unterstützungen funktionierten, ist das neue gesangliche Konzept der Band nicht das eigentliche Problem. Sicher, über die Vor- und Nachteile des Neuzugangs Kristoffer Göbel könnte man gerade im Vergleich mit seinem ehrwürdigen Vorgänger Mathias Blad nicht zu knapp streiten – doch wenn Lineup-Wechsel unvermeidlich sind, muss man sich eben mit ihnen arrangieren um im besten Fall irgendwann an sie gewöhnen.

GRIME VS. GRANDEUR hat aber ohnehin eher mit seiner instrumentalen Auslegung und seinem vermittelten Gesamteindruck zu kämpfen. Einem Eindruck, der nun vollständig mit dem alten FALCONER-Sound bricht und nicht nur die schon knappen Folk-Elemente des Vorgängers komplett streicht – sondern teilweise auch am eigentlichen Power Metal-Grundgerüst zerrt und als Ausgleich immer wieder Elemente des AOR einsetzt. Das führt einstweilen dazu, dass einige der auf GRIME VS. GRANDEUR enthaltenen Nummern eine eher lockere und spaßig-rockige Atmosphäre heraufbeschwören – an die man sich erst gewöhnen muss. Das funktioniert nach einigen Durchläufen auch ganz gut, beispielsweise in I REFUSE oder THE ASSAILANT – aber eben auch nur, wenn die Vergangenheit der Band weitestgehend ausblendet und sich nicht darin erinnert, wie gut FALCONER einst in ihrem ehemaligen Genre waren. Was man GRIME VS. GRANDEUR allemal zugute halten kann, ist eigentlich nur die für FALCONER-Verhältnisse traditionelle, angenehm schroffe Gitarrenarbeit – während sich der Schlagzeuger fitter als jemals zuvor bombastischen Blastbeats und Double-Bass-Einlagen hingibt, analog zu einer nicht immer sicher klingenden Produktion und den manchmal störenden Chor-Einlagen. So steht bereits der Opener EMOTIONAL SKIES relativ schlecht da – und auch rasante, von der Warte des Riffings aus gesehen höchst solide Nummern wie PURGATORY TIME oder POWER schneiden aufgrund des mäßigen Gesangs und einer überraschend plumpen Gesamtwirkung alles andere als herausragend ab.

Zumal es gerade in diesen und anderen Nummern auch immer wieder die Refrains erwischt – das, was man beispielsweise in HUMANITY OVERDOSE auf die Lauscher bekommt, geht schlicht auf keine Kuhhaut. Im späteren Verlauf stellt sich dann auch noch ein gewisses Wiederholungs-Gefühl ein – viele der enthaltenen Nummern sind recht ähnlich gestrickt, vor allem in Bezug auf das Riffing. Erst der Rausschmeißer CHILD OF THE WILD sorgt dann doch noch für eine angenehme Überraschung: hier klingen FALCONER plötzlich wieder stark wie dereinst, und fügen auch ihren neuen Leadsänger perfekt ein. Ein wenig runder als der unentschlossene und unausgegorene Vorgänger klingt GRIME VS. GRANDEUR somit allemal – sodass man eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen sollte. Eines steht aber fest: es wäre unglaublich viel mehr drin gewesen.

Absolute Anspieltipps: I REFUSE, THE ASSAILANT, CHILD OF THE WILD


65button

„Weniger anspruchsvoller Folk- und Power Metal, mehr unkompliziertes aus allen anderen Genre-Bereichen.“

Metal-CD-Review: FALCONER – The Sceptre Of Deception (2003)

falconer-sceptre_500

Alben-Titel: The Sceptre Of Deception
Künstler / Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Oktober 2003
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal w/ Folk
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Stefan Weinerhall – Guitars
Peder Johansson – Bass
Anders Johansson – Guitars
Karsten Larsson – Drums
Kristoffer Göbel – Vocals

Track-Liste:

1. The Coronation (04:38)
2. The Trail of Flames (05:22)
3. Under the Sword (03:44)
4. Night of Infamy (06:00)
5. Hooves over Northland (04:09)
6. Pledge for Freedom (03:50)
7. Ravenhair (05:04)
8. The Sceptre of Deception (07:59)
9. Hear Me Pray (04:23)
10. Child of Innocence (00:57)

Bitte noch einmal neu entscheiden.

Im Jahre 2003 dürften die Schweden von FALCONER bereits einigen ein Begriff gewesen sein. Schlicht, weil es sich um eine gerade erst durchgestartete, mehr als ambitionierte Genre-Combo handelte – und, da sowohl das Debütalbum FALCONER (Review) und dessen Nachfolger CHAPTERS FROM A VALE FORLORN (Review) als gleichermaßen überraschende wie schier perfekte Alben bezeichnet werden konnten. In Bezug auf das dritte Album, welches wieder nur ein Jahr nach dem vorherigen erschien; ereignete sich aber etwas durchaus unerwartetes. Ausgerechnet Mathias Blad hatte den Leadgesangsposten zwischenzeitlich geräumt – für ihn sprang der ebenfalls aus Schweden stammende Kristoffer Göbel ein. Auch wenn viele Bands nicht vor etwaige Lineup-Wechseln gefeit sind, musste man in diesem Fall tatsächlich von einer mittelprächtigen Katastrophe ausgehen. Einer, die sich auch auf das Soundgewand des dritten FALCONER-Albums auswirkt – selbst wenn Mathias Blad noch als Gastsänger vertreten ist, merkwürdigerweise. Doch fallen seine sporadischen Darbietungen eher weniger ins Gewicht – sodass es nun am neuen Frontmann war, den ureigenen FALCONER-Sound zu repräsentieren.

Doch auch wenn er sich bemühte, reichte es nicht wirklich – allein in Bezug auf die einst so großartigen Gesangsdarbietungen schneidet THE SCEPTRE OF DECEPTION bei weitem nicht so gut ab wie die Vorgänger. Wenngleich das nicht einmal das eigentliche Problem ist. Denn offenbar hatten sich auch alle anderen Mitglieder der neuen Stimme angepasst oder dies zumindest versucht – mit einem überraschend unspektakulären Ergebnis. Nicht nur, dass die Produktion im allgemeinen deutlich dumpfer und die Soundkulissen weniger vielschichtig klingen; auch etwaige Folk-Elemente wurden beinahe komplett gestrichen und stattdessen durch für das Genre schon eher typischen Alternativen (wie den Background-Shouts in THE CORONATION oder einem penetranten Double-Bass in NIGHT OF INFAMY oder HOOVES OVER NORTHLAND) ersetzt. Kurios: THE TRAIL OF FLAMES klingt einstweilen stark nach dem auf dem Debüt enthaltenen MINDTRAVELLER – nur in einer schwächeren Version.

Im großen und ganzen wurden die instrumentalen Arrangements aber schlicht zu simpel gehalten; während der Leadgesang und speziell die Darbietungen der Gastsänger (z.B. in PLEDGE FOR FREEDOM) über weite Strecken enttäuschen. Das einzige, was einen hier bei Laune hält ist das schroffe Riffing; welches schon auf den Vorgängern gern mit von der Partie war. Vielleicht lag es nur am Lineup-Wechsel, vielleicht an der relativ schnellen Aufeinanderfolge der veröffentlichten Alben – was es auch war, das dritte FALCONER-Album ist eine herbe Enttäuschung. Und das nicht nur, da man mit den beiden Vorgängern das perfekte Anschauungsbeispiel dafür hat, wie groß das Potential der Band eigentlich war und ist.

Absolute Anspieltipps: NIGHT OF INFAMY, THE SCEPTRE OF DECEPTION


40button

„Kein Vergleich mit den grandiosen Vorgängern.“

Metal-CD-Review: FALCONER – Chapters From A Vale Forlorn (2002)

falconer-chapters-from-a-vale-forlorn_500

Alben-Titel: Chapters From A Vale Forlorn
Künstler / Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 12. März 2002
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal w/ Folk
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Mathias Blad – Vocals, Keyboards
Stefan Weinerhall – Guitars, Bass
Karsten Larsson – Drums

Track-Liste:

1. Decadence of Dignity (04:22)
2. Enter the Glade (03:48)
3. Lament of a Minstrel (04:13)
4. For Life and Liberty (06:23)
5. We Sold Our Homesteads (04:11)
6. The Clarion Call (05:47)
7. Portals of Light (04:07)
8. Stand in Veneration (03:34)
9. Busted to the Floor (04:16)

Ungeahnte erzählerische Qualitäten.

Gerade einmal ein gutes Jahr nach ihrem überraschenden Debütalbum (Review) gaben sich die Ex-Viking Metaller von FALCONER erneut die Ehre – wobei bereits der Albentitel CHAPTERS FROM A VALE FORLORN impliziert, dass auch dieses Mal allerlei interessantes auf den Hörer warten würde. Tatsächlich hatten FALCONER schon früh ihren ganz eigenen Genre-Sound etabliert; der zweifelsohne als europäischer Power Metal der allerbesten Güteklasse zu deklarieren, aber eben auch mit geschickt platzierten Folk-elementen versehen ist. Dann braucht es eigentlich nur noch die markant-sonore Stimme des Leadsänger Mathias Blad, um den etwas anderen und dementsprechend erfrischenden Gesamteindruck perfekt zu machen.

Schließlich trägt bei FALCONER gerade der Gesang zu einem unverkennbaren Eindruck bei – man hört der angenehm gemäßigten Stimme einfach gern zu, erst Recht natürlich wenn dazu noch relativ untypische Themen besungen werden. Und das ist auf CHAPTERS FROM A VALE FORLORN definitiv der Fall. Analog dazu gesellt sich eine rundum schmackige Instrumentalkulisse, die eher weniger Folk-Elemente enthält – doch wenn dann zumeist zur rechten Zeit. Am bemerkenswertesten aber erscheint wohl die Tatsache, dass FALCONER es hier problemlos schaffen eine Hymne nach der anderen zu präsentieren. Hymnen, die überaus energisch dargeboten werden – aber eben doch nicht so Recht dem entsprechen, was man allgemein vom Genre gewöhnt ist. So wird man auf allzu plumpe Mitsing-Passagen verzichten müssen, was nur gut ist – und sich stattdessen einem dezent philosophisch-verträumten Unterton hingeben. Der sorgt auch dafür, dass die einzelnen Nummern alle eine gewisse Tiefe entwickeln.

Dank der Glaubwürdigkeit, der Reife und des stets sicheren Eindrucks von Mathias Blad können sich FALCONER auch die ein oder anderen balladeske Stimmung erlauben und dabei verdammt gut abschneiden – wie etwa in PORTALS OF LIGHT. Doch am meisten Spaß macht CHAPTERS FROM A VALE FORLORN, wenn FALCONER all ihre Stärken in einzelnen Nummern kombinieren – und das ein oder andere rhythmische, fast schon hypnotisch gute Power Metal-Feuerwerk abliefern. Ausfälle gibt es keine – denn selbst wenn man meint es würde mal etwas langatmiger werden, wird man schnell eines besseren belehrt. Selbst die auf den ersten Blick unspektakulären Nummern entwickeln einen enormen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. FALCONER haben also alles richtig gemacht – und einen mehr als würdigen Nachfolger zu ihrem grandiosen Debütalbum abgeliefert.

Absolute Anspieltipps: Alle


100button

„Besser geht es einfach nicht.“

 

Metal-CD-Review: FALCONER – Black Moon Rising (2014)

falconer-black-moon-rising_500

Alben-Titel: Black Moon Rising
Künstler / Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Juni 2014
Land: Schweden
Stil / Genre: Folk- / Power Metal
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Stefan Weinerhall – Guitars
Karsten Larsson – Drums
Mathias Blad – Vocals
Magnus Linhardt – Bass
Jimmy Hedlund – Guitars

Track-Liste:

1. Locust Swarm (05:36)
2. Halls and Chambers (05:01)
3. Black Moon Rising (05:10)
4. Scoundrel and the Squire (03:00)
5. Wasteland (05:12)
6. In Ruins (05:25)
7. At the Jester’s Ball (04:20)
8. There’s a Crow on the Barrow (04:05)
9. Dawning of a Sombre Age (03:39)
10. Age of Runes (05:32)
11. The Priory (03:59)

Da ist aber jemand angriffslustig…

Neben der Rückkehr von EQUILIBRIUM hält das Metal-Jahr 2014 noch eine weitere potentielle Offenbarung für Fans und Freunde des Folk Metal bereit. In diesem Fall aber wird das Ganze nicht mit einer zusätzlichen Priese Viking Metal garniert – FALCONER sind vielmehr das fleischgewordene Aushängeschild der Fusion aus Folk- und Power Metal. Seit jeher interessant war auch die Stellung der Schwedischen Band – die man gleichermaßen als wohl bekannte und erfolgreiche Combo kannte, doch die auch immer wieder als waschechter Genre-Geheimtipp genannt wurde. Im Gegensatz zu EQUILIBRIUM liegen zwischen BLACK MOON RISING und dem letzten FALCONER-Album ARMOD zwar nur 3 Jahre, doch war es in diesem Fall ohnehin ein anderer Faktor, der die Spannung in die Höhe trieb. Schließlich war ARMOD eine Art Konzeptalbum, welches erstmals in der Bandgeschichte komplett in der Landessprache der Schweden eingesungen wurde. Nun, und mit dem heiß erwarteten Nachfolger BLACK MOON RISING wollen FALCONER wieder zu ihren Ursprüngen zurückkehren – was viele Fans der Band freuen sollte. Wird BLACK MOON RISING tatsächlich einen ähnlich einschlagenden Eindruck hinterlassen können wie einst das Debütalbum FALCONER (mit einer Mega-Nummer wie MINDTRAVELLER) oder dessen Nachfolger CHAPTERS FROM A VALE FORLORN ? Oder aber, denn auch dieses Album sollte man nennen; NORTHWIND ? Denn auch jenes überragende FALCONER-Album wird gerne zu Vergleichszwecken genannt, wenn es um das neueste Werk der Schweden geht.

Zumindest im direkten Vergleich zu ARMOD wird eines recht schnell klar: FALCONER haben nicht nur so daher geredet als sie verlauten ließen, sich mit diesem Album wieder ihren Ursprüngen zu nähern. Das Album ist nicht nur deutlich temporeicher und druckvoller als der Vorgänger; es finden sich viele Parallelen auf die früheren, meist ausnahmslos guten Werke der Band. So ist nicht nur ein ordentlich stampfender, oftmals den Ton angebender Doublebass des öfteren mit von der Partie, auch die Gitarren spielen wieder eine übergeordnete Rolle, Elemente des Folk sind präsent – aber oftmals nur dezent und hintergründig. Und so ist BLACK MOON RISING vor allem eines geworden: vergleichsweise hart und einwandfrei schwermetallisch. Sicher finden sich noch immer allerlei melodische Raffinessen, und nicht zuletzt der charmant-weiche Leadgesang von Mathias Blad sorgt für eine angenehme Auflockerung – doch die eigentliche Hauptrollen des Albums werden den Gitarren und dem Schlagzeug zuteil. Interessanterweise – schließlich waren FALCONER in der Vergangenheit nicht abgeneigt, auch mal ihre eher softe Seite in Form von Balladen oder eben traditionellen schwedischen Stücken zu inszenieren.

Solche Stücke sucht man auf BLACK MOON RISING vergebens – zumeist wird da Tempo durchgehend gehalten, die Gitarren räumen niemals das Feld um beispielsweise dem Keyboard mehr Spielraum zu geben. Lediglich SCOUNDREL AND THE SQUIRE sticht mit seiner Gangart im Midtempo und dem folkloristischen Ansatz etwas aus dem Alben-Kontext hervor; während alle anderen 10 Titel nur so vor Kraft und Tempo strotzen – und neben eindrucksvollen Gitarren-Intermezzi auch den ein oder anderen gelungenen Refrain vorzuweisen haben. Vermutlich ist eben jene Herangehensweise auch das, was FALCONER mit einer Rückkehr zu alten Stärken meinen. Das Konzept scheint aufzugehen, die Reduzierung des FALCONER-Sounds auf die Basis-Elemente, die schon zu Zeiten des Debütalbums ausreichten um ein nachhaltiges Hörerlebnis zu garantieren; geht im Falle von BLACK MOON RISING vollends auf. Herausgekommen sind viele klar überdurchschnittliche, sowie einige besonders gelungene Nummern – wie etwa das extrem voranpreschende, hie und da fast schon trashig anmutende WASTELAND.

Einige kleinere Faktoren führen dann aber doch dazu, dass BLACK MOON RISING nicht als unanfechtbares Ausnahme-Album fungieren kann. Zum einen scheint der allgemein sehr stilsichere und unverkennbare Leadsänger Mathias Blad nicht immer in Bestform gewesen zu sein – was besonders beim Refrain des Titeltracks oder aber in AT THE JESTER’S BALL zur Geltung kommt. Und zum anderen scheint einigen Nummern – neben der stets gelungenen Grund-Instrumentierungen inklusive der sagenhaften und variablen Riffs – das gewisse Etwas zu fehlen. Ein etwas schmackigerer Refrain hier, ein Drosseln des Tempos dort, ein stimmigerer Einstieg und Ausklang (es ist eine Geschmacksfrage, aber man kann in diesem Falle nicht wirklich von einem Intro und Outro sprechen)  – und das Album wäre insgesamt vielleicht etwas runder ausgefallen.

Die Rückkehr zu alten Glanzzeiten, die FALCONER mit BLACK MOON RISING zweifelsohne vollzogen haben; hat damit eindeutige Vorteile – aber auch einen dezenten Nachteil. Schließlich weiß man insbesondere als alteingesessener FALCONER-Fan recht genau, was einen hier erwarten wird oder könnte – einen Innovationspreis verdient das Album beileibe nicht. Andererseits, und hier handelt es sich klar um die überwiegenden Faktoren; klingen FALCONER so energetisch, kräftig und ausdrucksstark wie schon lange nicht mehr. Fans der Band werden also doch in gewisser Weise überrascht – haben es die Schweden geschafft, sich ihrem ursprünglichen Sound zu nähern ohne sich dabei allzu deutlich zu wiederholen. Wer die Band schon immer schätzte, es aber verschmerzen kann wenn die Elemente des Folk zugunsten eines allgemein präsenten höheren Tempos und einem wahnsinnigen Schlagabtausch zwischen dem Schlagzeug und den Gitarren zurückgefahren werden; wird mit BLACK MOON RISING seine wahre Freude haben.

Absolute Anspieltipps: HALL AND CHAMBERS, WASTELAND


75button

„Nicht mehr so gut wie früher, aber noch immer FALCONER.“

FALCONER – Black Moon Rising (Metal News)

falconer-black-moon-rising_500

Alben-Titel: Black Moon Rising
Künstler / Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Juni 2014
Land: Schweden
Stil / Genre: Power / Folk Metal
Label: Metal Blade Records

„Auf dieses Comeback haben Tausende gewartet.“

Metal-CD-Review: FALCONER – Falconer (2001)

falconer_falconer_500

Alben-Titel: Falconer
Künstler / Band: Falconer (mehr)
Land: Schweden
Stil / Genre: Folk / Power Metal
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Matthias Blad – Gesang
Stefan Weinerhall – Gitarre, Bass
Karsten Larsson – Schlagzeug

Track-Liste:

01. Upon the Grave of Guilt
02. Heresy in Disguise
03. Wings of Serenity
04. A Quest for the Crown
05. Mindtraveller
06. Entering Eternity
07. Royal Gallery
08. Substitutional World
09. Lord Of The Blacksmiths
10. The Past Still Lives On
11. Per Tyrssons Döttrar I Vänge (Bonustrack)

Wie ein Falke aus der Asche.

Es gibt sie noch; die schwierigen aber im Nachhinein glücklichen Entscheidungen im Metal-Geschäft. Die schwedische Power Metal-Combo FALCONER ist quasi aus einer solchen heraus entstanden: einst als (sehr angesehene) Viking Metal-Band namens MITHOTYN unterwegs, entschloss sich Band-Mastermind Stefan Weinerhall eines Tages dazu, einen Richtungswechsel einzuschlagen. So wurde aus MITHOTYN im Jahre 1999 FALCONER – wobei lediglich Stefan Weinerhall (Gitarre) und Karsten Larsson (Schlagzeug) dem neuen Projekt erhalten blieben. Ein neuer Sänger, der der neuen Stilausrichtung (statt Viking Metal nun ein folkiger Power Metal) entsprechen würde, musste her. Glücklicherweise fand man schnell den geeigneten Mann – Mathias Blad, einen bis dato recht unbekannter Sänger. Zumindest in Metal-Gefilden – denn eigentlich steht der gute auf den großen (Opern-)Bühnen der Welt. Kurz darauf sollte es dann soweit sein: das Debütalbum FALCONER erschien 2001, und schlug  berechtigterweise ein wie eine Bombe.

Warum das so ist, liegt dabei quasi auf der Hand: FALCONER klingen mal so gar nicht nach einer typischen, x-beliebigen Power Metal-Combo; von denen es bekanntlich reichlich gibt. Sie bringen einen verdächtig frischen Sound an den Start – kein Wunder, wohnt der frisch gegründeten Band noch die Erfahrung aus MITHOTYN-Zeiten inne. Und damit auch die Fähigkeit eines außergewöhnlich guten Songwritings und einem bestmöglichen Einsatz der Instrumente. Dies allein mündet schon einmal in einem vergleichsweise innovativen, sagenhaft knackigen Sound; wie er in den ersten drei Nummern UPON THE GRAVE OF GUILT, HERESY IN DISGUISE und WINGS OF SERENETY zu bestaunen ist. Markant: die tollen, prägnanten Riffs (HERESY IN DISGUISE !) und der Verzicht auf allzu große Spielereien (Keyboard-Passagen, klassische Instrumente). Und dennoch, oder gerade deswegen klingt das Debütalbum nicht nach typischem Power Metal – sondern vielmehr nach einem nordisch-epischen, leicht folkigen Epos. Den mitunter größten Anteil daran hat letztendlich auch Leadsänger Mathias Blad – der ein verdammt ausdrucksstarkes Organ besitzt. Doch scheint er seine Darbietung immer mit einer gewissen Leichtigkeit zu inszenieren – gezwungen, aufdringlich oder künstlich wirkt hier nichts. Seine markante, irgendwo zwischen einer angenehmen Rauheit und einer poetischen Süße pendelnden Stimme geht sofort ins Ohr, und wirkt über viele Maßen erhaben.

So erhälten FALCONER ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: den Gesang, der vergleichsweise gemäßigt (Stimmlage) daherkommt und dennoch enorm ausdrucksstark und kräftig, wenn nicht gar majestätisch wirkt. Auch für Abwechslung ist gesorgt: in A QUEST FOR THE CROWN wird es erstmals deutlich folkiger. Zumindest zum Beginn und Ende – dazwischen eingebettet ist ein super-solider Midtempo-Stampfer. Das eigentliche Highlight des Albums steht derweil schon in den Startlöchern: MINDTRAVELLER ist eine jener Über-Hymnen, für die es eigentlich kaum Worte bedarf. Sollte man es dennoch versuchen, so sollten vor allem das äusserst gelungene Riffing, die epische Gesangsdarbietung und die markanten Wechsel von bedächtigen hin zu schmetternden Uptempo-Passagen nicht unerwähnt bleiben. Der Wahnsinn ! Mit ENTERING ETERNITY wird es dann wieder etwas ruhiger – schön, dass der Bass nun auch eine größere Bühne erhält. Ein eingängiger, aber sich keinesfalls schnell abnutzender Refrain rundet das ganze ab. In ROYAL GALLEY wird dann wieder etwas aufs Gaspedal getreten – das Ergebnis ist zünftig, wenngleich sich hier kein Highlight abzeichnet. Das findet man dafür im folgenden SUBSTITUTIONAL WORLD – einer wunderbaren Midtempo-Hymne mit einem abermals verdammt starken Refrain und einer Riesenportion Melodie.

Fazit: Ja, was soll man an einem Debütalbum wie diesem schon groß ankreiden ? Auf den ersten Blick bietet sich nichts an, die Wandlung von MITHOTYN zu FALCONER ist eine wahrlich glorreiche, sicherlich in die (Musik-)Geschichte eingehende. Zwar werden einige alteingesessene Fans in Anbetracht des Endes von MITHOTYN wehmütig gestimmt sein – doch in FALCONER könnten auch sie die gesuchte Erlösung finden; trotz der stilistischen Neuausrichtung. Überhaupt: sollte man nicht aufhören, wenn es am schönsten ist ? FALCONER stehen aber glücklicherweise erst am Anfang ihrer Karriere, sodass in Zukunft noch einige hochkarätige Werke der Schweden zu erwarten sind. Einziger Wermutstropfen: die letzten 2-3 Titel sind nicht mehr ganz so stark wie die Vorgängernummern, und die Produktionsqualität könnte besser (erdiger, druckvoller) sein. Davon abgesehen steht dem folkigen Power Metal-Genuss nichts im Weg – definitiv ein Album, welches man besitzen sollte.

Anspieltipps: MINDTRAVELLER, ENTERING ETERNITY, SUBSTITUTIONAL WORLD

Vergleichsbands: ELVENKING | TYR


100button

„Die perfekte Symbiose aus Folk und Power Metal“

Metal-CD-Review: FALCONER – Northwind (2006)

falconer_northwind_500

Alben-Titel: Northwind
Künstler / Band: Falconer (mehr)
Land: Schweden
Stil / Genre: Folk / Power Metal
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Mathias Blad – Gesang
Stefan Weinerhall – Gitarre
Jimmy Hedlund – Gitarre
Magnus Linhardt – Bass
Karsten Larsson – Schlagzeug

Track-Liste:

01. Northwind
02. Waltz With The Dead
03. Spirit Of The Hawk
04. Legend And The Lore
05. Catch The Shadows
06. Tower Of The Queen
07. Long Gone By
08. Perjury And Sactity
09. Fairyland Fanfare
10. Himmel Så Trind
11. Blinded
12. Delusion
13. Home Of The Knave
14. Black Tarn

Mehr FALCONER geht nicht.

Viele werden, oder sollten es zumindest wissen: FALCONER sind seit jeher dafür bekannt, verdammt starke Power Metal-Alben zu produzieren. Die talentierten Schweden begannen ihren erfolgreichen Feldzug mit dem überraschenden Debütalbum FALCONER (2001), doch schon zuvor agierten sie unter dem Bandnamen MITHOTYN. Ebenso besonders wie die bisherige Diskografie ist dabei auch die Entwicklung des Lineups: auf den Alben Nummer 3 (THE SCEPTRE OF DECEPTICON) und 4 (GRIME VS GRANDEUR) sang nicht der eigentliche FALCONER-Frontmann Mathias Blad, sondern der neu engagierte Kristoffer Göbel. Das führte dazu, dass FALCONER sich leicht von ihrem ursprünglichen Stil entfernten, und zahlreiche Fans der Neuausrichtung eher kritisch gegenüberstanden. Doch dann das: für NORTHWIND holte man Mathias Blad, der zuvor aus zeitlichen Gründen seinen Dienst bei FALCONER quittieren musste, zurück ins Boot. Damit stellte man nicht nur die Fans zufrieden – sondern konzentrierte sich auch wieder vermehrt auf den ursprünglichen FALCONER-Sound. Und der ist nun in 14 neuen Titeln zu bewundern – die sowohl Erinnerungen an das starke Debütalbum hervorrufen, als auch den zahlreichen Genre-Kollegen den Kampf ansagen.

Soviel vorab: dieser Kampf ist wohl ein aussichtsloser. Zumindest für die anderen – denn FALCONER sprühen auf NORTHWIND vor Energie und Spielfreude. Mathias Blad gibt sich stark wie eh und je – und veredelt die ohnehin schon sagenhaften instrumentellen Kompositionen mit seiner professionell ausgebildeten Stimme. In der Tat steht der Mann eigentlich auf ganz anderen Bühnen – FALCONER war und ist das erste Metal-Projekt, in das er involviert ist. Was für ein Glücksgriff für Bandgründer Stefan Weinerhall – einen besseren Sänger hätte er nicht verpflichten (und daraufhin zurückholen) können. Denn: die besondere Stimme von Blad, die sich fernab von genretypischen Klischees bewegt; ergänzt die mitunter auch aus deutlichen Folk-Anleihen bestehenden Power Metal-Kompositionen perfekt. Stets trifft er die richtigen Töne; und begeistert mit seiner weichen, aber doch bestimmten Stimme. In den schnelleren, nach vorn preschenden Momenten ebenso wie in den eher ruhig-bedächtigen. Bei einem derart starken Gesangspart haben es die anderen Mitglieder natürlich nicht leicht, entsprechend mitzuhalten – doch gelingt ihnen das größtenteils mit Bravour. Besonders Stefan Weinerhall und Jimmy Hedlund an den Gitarren überzeugen durch und durch. Ein so aussagekräftiges, mitunter einzigartiges Riffing hört man selten – gerade im direkten Vergleich zum Debütalbum hört man die diesbezüglichen Weiterentwicklungen einfach überdeutlich heraus.

Und auch die Bandbreite der Kompositionen weiss zu gefallen: NORTHWIND bietet ein überraschend abwechslungsreiches Gesamtpaket feil, welches sowohl gradlinige Uptempo-Brecher, folkige Balladen und poetische Midtemponummern bereithält. Bereits der Opener NORTHWIND, der – selbstverständlich – von einigen Windgeräuschen eingeleitet wird, bildet einen überaus starken Auftakt. Das war es dann aber schon gewesen mit der Vorhersehbarkeit – alles weitere sollte man entsprechend gespannt (das wird man sein) auf sich wirken lassen. Das FALCONER-Credo lautet schließlich nicht, einen möglichst gradlinigen Power Metal zu produzieren. Ihre Interpretation des Genres klingt nicht nur eine zutiefst melodisch; sondern eben auch traditionell-folkig, poetisch, und vor allem stimmlich majestätisch. Wirklich markante Kritikpunkte auszumachen, fällt schwer – und schon gar nicht sind sie im Songwriting zu suchen. Am ehesten könnte man einen Hauch an Verbesserungsbedarf hinsichtlich des Sounds anmelden – die Gitarren und die Drums klingen vielleicht nicht ganz so kräftig und rundum satt wie sie es hätten können. Auch fällt das Album gegen Mitte leicht ab, am Anfang und Ende haben FALCONER eindeutig die stärksten Momente.

Fazit: NORTHWIND ist ein sehr, sehr gutes FALCONER-Album geworden. Vorsichtig gesagt: es könnte sogar das bisher beste sein. Schließlich war Mathias Blad noch nie so stark wie hier, der Abwechslungsreichtum noch nie so groß, die Folk-Anteile noch nie so angenehm, die Produktionsqualität noch nie so klar und ausdrucksstark. Es wären der den fulminanten Gesamteindruck potentiell abschwächenden Elemente lediglich zwei: die Tatsache, dass der Überraschungseffekt nicht mehr ganz so groß ist (schließlich handelt es sich um das nunmehr fünfte Studioalbum), und das eine wirkliche Über-Nummer a’la MINDTRAVELLER fehlt. Den ersten Punkt kann man eigentlich sogleich wieder streichen – schließlich ist es Überraschung (und Offenbarung) genug, das Mathias Blad wieder zurück bei FALCONER ist. Es bleibt ein insgesamt verdammt starker Gesamteindruck, der lediglich noch von der ein oder anderen Über-Hymne (auch wenn HOME OF THE KNAVE dem schon ziemlich nahe kommt) hätte gekrönt werden können. Andererseits: sucht man nach Ausfällen, so steht man auf einem verlorenen Posten. Es gibt keine – mit Ausnahme des eigentlich überflüssigen Outros. Die verbleibenden 13 Titel sind alle stark und verfehlen kaum ihren Zweck. Musikalisch, und vor allem gesanglich sind FALCONER nicht nur in der ersten Liga des folkigen Power Metals anzusiedeln – sie haben die Spitze längst erobert. Eine solche Leistung wie die auf NORTHWIND dargebotene muss einfach – möglichst nachhaltig – honoriert werden. Und genau das spiegelt sich auch in der folgenden Wertungsvergabe wider. Eine Empfehlung für alle, die auch nur ansatzweise Interesse am Power Metal haben – hier wartet etwas ganz großes.

Anspieltipps: NORTHWIND, SPIRIT OF THE HAWK, HOME OF THE KNAVE

Vergleichsbands: TYR | ELVENKING


95oo10

„Vielleicht eines der besten Metal-Alben des Jahres 2006“

FALCONER – Rosornas Grav (Official Video)

Tatsache – Falconer beschenkten die Metal-Fans weltweit dieser Tage mit einem offiziellen Video zum Song Rosornas Grav. Gut, sicherlich ist dies allein nichts allzu besonderes – doch wenn ein derart stimmiges (und ganz gewiss nicht „billig“ wirkendes) Musikvideo dabei entsteht, dann gehört es fast automatisch zu den besseren Video-Vertretern des Genres. Denn die sind nach wie vor viel zu selten… bereits auf dem Album überraschten die Schweden mit dem Fakt, dass es größtenteils auf Schwedisch eingesungen wurde – ledigliche einige englische Bonustracks finden sich auf manchen Cd-Versionen. So ist auch das vorliegende Rosornas Grav ein stark traditionell anmutendes, komplett in Schwedisch vorgetragenes Stück, welches zusätzlich noch mit typisch Schwedischen Videoszenen daherkommt. Ungewöhnlich ist auch die Länge des Clips – die Gesamtspieldauer beträgt knapp über 6 Minuten. Das ist schon recht ordentlich ! Aber es ist eben wie es ist… Falconer ist und bleibt eine Ausnahmeband. Ob nun im positiven oder negativen Sinne, das muss ein jeder für sich selbst entscheiden…