Filmkritik: „Turbo Kid“ (2015)

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Originaltitel: Turbo Kid
Regie: François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell
Mit: Munro Chambers, Michael Ironside, Laurence Leboeuf u.a.
Land: Kanada, Neuseeland
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action
Tags: Vergangenheit | Zukunft | Retro | Trash | Splatter

Superhelden-Tagträume mal anders.

Kurzinhalt: In der post-apokalyptischen Zukunft des Jahres 1997 lebt ein Jugendlicher (Munro Chambers), der von den meisten einfach nur The Kid gennant wird irgendwo im hiesigen Ödland – und verbringt die Zeit mit Plünderungen, während er stets auf der Hut vor einer gefährlichen Bande sein muss. Eines Tages begegnet er der merkwürdigen Apple (Laurence Leboeuf), die prompt beschließt sich dem notorischen Einzelgänger anzuschließen – ganz egal was der davon halten würde. Doch nach und nach entwickelt sich tatsächlich eine Freundschaft zwischen den beiden – und vielleicht sogar noch etwas mehr. Dumm nur, dass die beiden dann aber doch noch ins Kreuzfeuer des tyrannischen Herrschers Zeus (Michael Ironside) geraten, der ihnen das Leben fortan zur Hölle macht. Erst ein Wink des Schicksals führt dazu, dass TURBO KID geboren wird – ein etwas anderer Superheld mit einer spektakulären Waffe und dem Willen, der Ungerechtigkeit endlich ein Ende zu setzen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wer schon immer eine gewisse Vorliebe für die Post-Apokalypse und speziell Endzeit-Filme mitbrachte – der wird vermutlich nicht an TURBO KID vorbeigekommen sein. Das ehrgeizige Multi-Genre-Projekt der Regisseure François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell versprach bereits im Trailer, reichlich fulminante Unterhaltung mit Atmosphäre, Spaß und einer gehörigen Portion Splatter zu offerieren. Etwaige Parallelen zum durch Crowdfunding finanzierten KUNG FURY (Link) kommen dabei nicht von ungefähr: offenbar ist es wieder angesagt, Filme mit einem gewissen Retro-Charme auszustatten. Ein Charme, der sich nicht nur auf die relative Einfachheit der Story, sondern auch explizit im Detail niederschlägt. Während es in KUNG FURY noch riesige Mobiltelefone und eine merklich gealterte Computertechnologie waren, finden sich in TURBO KID nun allerlei Gegenstände, Spielzeuge und Kleidungsstücke die sich eindeutig den späten 80er und frühen 90er Jahren zuordnen lassen – und bei einigen wohlige Erinnerung wecken könnten.

Allerdings huldigt TURBO KID nicht nur der Ära der Superhelden und Plasmalampen – sondern erzählt auch eine eigene Geschichte. Die ist typischerweise sehr simpel gestrickt, was in gewisser Weise auch zu erwarten war – doch tröstet das kaum über den letztendlich doch markant vorhandenen Enttäuschungsfaktor hinweg. Sicher: der Film macht über weite Strecken Spaß, wurde optisch ansprechend inszeniert und besitzt einen kultverdächtigen Soundtrack – doch reicht das nicht aus, um ihn über die gesamte Spielzeit von knapp 92 Minuten zu tragen. Offenbar waren es der an den Tag gelegten Ideen doch etwas zu wenige. Während sich TURBO KID speziell in den wenigen, dafür aber umso heftigeren Splatter-Szenen gnadenlos austobt und die gesamte Liebesgeschichte der beiden Hauptprotagonisten auch dank des ausgelassenen Spiels der Darsteller eine herrlich überdrehte und überzeichnete ist; sieht es in Bezug auf das allgemeine Filmtempo und die Dramaturgie schon deutlicher mauer aus. Doch nicht nur, dass immer wieder ein gefühlter Leerlauf entsteht und weder die Charaktere noch die kaum vorhandene Geschichte vorankommen – TURBO KID wirkt in den entscheidenden Momenten schlicht zu halbherzig.

Denn: eine gefühlte Explosion der (abgedrehten) Ideen, des Spaßes und in irgendeiner merkwürdigen Form der Atmosphäre ist tatsächlich nur in den wohl dosierten Action-Momenten des Films zu spüren. Die Story selbst ist zu unspektakulär um zu fesseln, geschweige denn überraschen zu  können – und die Charaktere zu blass. Entsprechend markante Dialoge sind daher ebenso wenig vorgesehen wie nachhaltig wirkende Szenenbilder: oft hat man das Gefühl, TURBO KID wäre auf einem einzigen kleinen Gebiet irgendwo zwischen Wald und Feldweg gedreht worden. Dass sich auch noch eine größere Industrie-Halle finden ließ, ist schon das höchste der Gefühle – wobei sicher auch das geringe Budget eine Rolle spielt. Doch auch mit geschickten Tricks hätte man den Eindruck vermitteln können, dass das was hier geschieht zumindest ansatzweise von Bedeutung ist. So aber fühlt sich TURBO KID verdächtig belanglos an: über das vor und nach der tatsächlichen Leinwandgeschichte (die sich gefühlt nur über einen einzelnen Tag erstreckt) gibt es ebenso wenig Informationen wie über die Hintergründe der Katastrophe, die Umstände die zu einer fast schon peinlich übersichtlichen Schreckensherrschaft wie der gezeigten geführt haben – oder generell das Leben in der Post-Apokalypse.

Fazit: Trotz der spürbaren Ambitionen schöpft TURBO KID sein Potential leider nur bedingt aus – und kann lediglich mit seinem oberflächlichen Retro-Charme, den furiosen Splatter-Szenen und einer ansprechenden Handwerksarbeit überzeugen. Alle inhaltlichen, charakterlichen und Dramaturgischen Ideen reduzieren sich dagegen auf ein Minimum, was dazu führt dass der Film bei weitem nicht so atmosphärisch ausgefallen ist wie er es hätte werden können. Nicht einmal der Titel-gebende Hauptcharakter schneidet dabei sonderlich gut ab, auch wenn Darsteller Munro Chambers die eigentliche Entdeckung des Films ist: es reicht, dass man etwas über einen bestimmten Schicksalsschlag erfährt – der dann in der hier gezeigten Rächer- und quasi-Superheldenstory mündet. Die pendelt immer wieder zwischen leidlich bekannten Vorgehensweisen und nur einer handvoll frischer Elemente – TURBO KID hätte hier wesentlich rebellischer, unkonventioneller und ideenreicher ausfallen müssen. Die ständigen Bezüge auf den Lebensstil einer längst vergangenen Zeit, auf typische Kindheitsträume und die Querverweise auf andere Genre-Werke (wie nicht selten BRAINDEAD) lockern das Ganze zwar angenehm auf – doch wirklich rund wirkt das Endzeit-Spektakel dennoch nicht.

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„Als Kurzfilm sicherlich effektiver – so nur etwas für beinharte Genre-Fans.“

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Filmkritik: „Mad Max: Fury Road“ (2015)

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Originaltitel: Mad Max: Fury Road
Regie: George Miller
Mit: Tom Hardy, Charlize Theron, Zoë Kravitz u.a.
Land: Australien, USA
Laufzeit: ca. 120 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Sci-Fi
Tags: Endzeit | Apokalypse | Wüste | Ödland | Wasser | Benzin

Irgendwann erwischt es jeden.

Kurzinhalt: In der nahen Zukunft steht es schlecht um die Menschheit bestellt. Nach einer Apokalypse unbekannten Ausmaßes gleicht die Erdoberfläche einer einzigen Wüste, Nahrungsmittel und vor allem Wasser sind knapp; die wenigen anzutreffenden Menschen leben in schlimmsten Verhältnissen. Doch hat es der gleichermaßen unerschrockene wie vom Leben gezeichnete Warlord Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) geschafft, sich ein kleines Imperium auszubauen. Er verfügt nicht nur über einen ansehnlichen Stützpunkt, massive Wasservorräte und zahlreiche Untertanen die ihm hörig sind – auch hält er sich einen kleinen Harem aus besonders hübschen Frauen; die er als Brutmaschinen missbraucht. Eines Tages gerät auch der Außenseiter Max (Tom Hardy) in die Gefangenschaft des Gangsters, und wird prompt auf die Haube eines der Wüstenfahrzeuge geschnallt. Als menschlicher Stoßdämpfer erfährt er von der Jagd auf Furiosa (Charlize Theron), die mit den Frauen vor ihrem Peiniger Immortan Joe geflüchtet ist und mit einem Truck das Weite sucht. Mit Ach und Krach kann sich Max befreien, und schafft es sogar an Bord des Fluchtfahrzeuges – doch zunächst scheint es, als würde ihn und die flüchtende Furiosa nichts verbinden. Mit Ausnahme dessen, dass nun beide als Hauptziele des vor Wut rasenden Immortan Joe fungieren…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Dass der Remake- und Sequelwahn der Marke Hollywood auch weiterhin kein Ende nimmt, ist keine allzu große Überraschung. Dass man nun aber ausgerechnet eine mittlerweile legendäre Kult-Trilogie auserkoren hat, wie ein Phoenix der Asche (oder eher: dem Wüstensand) zu entsteigen, schon eher: MAD MAX – FURY ROAD erweckt die Geschichte um einen Ex-Polizisten und seine abenteuerlichen Erfahrungen in einer postapokalyptischen Wüstenwelt wieder zum Leben. Ob sich die Neuauflage in diesem Fall schlicht angeboten hat, ob wie so oft Profitgier dahinter steckt oder man aufgrund einer gewissen Ideenlosigkeit einen Aufhänger brauchte, sei einmal dahingestellt – Fakt ist jedoch, dass potentiell gehegte Hoffnungen auf einen würdigen neuen MAD MAX nicht allzu lange aufrechterhalten werden können. Größtenteils, da sich der zunächst noch positive Überraschungseffekt schnell wieder relativiert – aber auch, da das Remake / der vierte Teil wie so oft einige markante Unterschiede im Vergleich zu den drei Originalteilen aufweist.

Das allein mag noch kein Beinbruch sein; handelt es sich im besten Fall um entsprechende Alleinstellungsmerkmale einer Neuverfilmung. Doch auch bei diesen gilt: die getroffenen Entscheidungen sollten zumindest ansatzweise nachvollziehbar ausfallen. Auf den ersten (und zweiten) Blick aber scheint eher das Gegenteil der Fall: Mel Gibson, die eigentliche Galionsfigur des Franchise; ist einem auffällig unauffälligem Tom Hardy gewichen – und die einst stimmige Zeichnung der Endzeit-Welt zahlreichen furiosen Action-Intermezzi in einer (immerhin angerauten) Hochglanzoptik. Eine greifbare Geschichte erzählt George Miller dabei nicht – und die angestrebte hoffnungslose Atmosphäre wird ausschließlich durch eine sich über den gesamten Film ziehende Verfolgungsjagd sowie den Todeskämpfen zahlreicher beteiligter (Neben-)Protagonisten generiert. Zwar erzählte auch das Original nicht explizit, wie es zur Katastrophe kam und wie der ein oder andere Überlebende seinen Unterhalt bestreitet – lieferte aber immerhin gewisse charakterliche Anhaltspunkte. Beispielsweise wenn es darum ging, Motivationen nachvollziehen zu können und sich mit der Situation im neuerlichen Ödland (FALLOUT lässt grüßen) zu identifizieren.

Diese Zeiten sind jedoch passé. Heute genügt es schon, einen besonders perfiden Bösewicht vorzuführen – auf dessen Gebaren man schlicht alle anderen Anwandlungen folgen lassen kann. Einen Bösewicht, der mitsamt seiner indoktrinierten und merkwürdig geschminkten Gefolgschaft einem seichten Comic-Buch entsprungen scheint – doch auch die Gegenspieler auf der guten Seite machen es nicht viel besser. FURY ROAD verzichtet neben des Ansatzes einer Story schließlich auch auf eine glaubhafte Figurenzeichnung – und sorgt so dafür, dass auch jegliche Sympathien im Keim erstickt werden. Es sei denn natürlich, man zählt die oberflächlich-dreisten hinzu; die auf die Schönheit und Unschuld der mitgeführten Frauen zurückzuführen sind und den ein oder anderen Beschützerinstinkt wecken. Das Problem: warum genau die Frauen fliehen, spielt letztendlich keine große Rolle. Vielmehr geht es darum festzustellen, ob sie die folgenden Auseinandersetzungen überleben werden – wie auch die beiden Hauptcharaktere. Immerhin treffen diese gegen Ende sogar eine Entscheidung, die im Kontrast zur ziellosen Verfolgungsjagd ohne Ende steht. Nur, dass diese ebenfalls wenig Sinn zu ergeben scheint – oder eher die gesamten vorherigen 2 Stunden Laufzeit relativiert. Enttäuschend ist das Finale allemal, zudem es nur unter Einbeziehung einer der gravierendsten Logik-Lücken funktioniert: die Haupt-Basis ist quasi unbewacht, sobald der Oberbösewicht sie mitsamt seiner engsten Gefolgschaft verlässt. Ob das in Zeiten der Post-Apokalypse und sicher auch rivalisierender / marodierender Banden ein ratsamer Schachzug ist, bleibt fraglich.

Was bleibt ist ein überraschend tösender, Effekt-gewaltiger und einstweilen sogar recht hektischer Actioner – der selbst in vermeintlich Charakter-intensiven Momenten die ein oder andere optische Spielerei bereithält (beispielsweise bei Max‘ Visionen), um den Blutdruck des Zuschauers konstant hoch zu halten. Ob das Ganze also gerade noch für Adrenalin-Junkies zu empfehlen ist oder den Bogen bereits hinsichtlich einer markanten Nervigkeit überspannt (Stichwort Hochgeschwindigkeitseffektgewitter a’la TRANSFORMERS), muss ein jeder selbst entscheiden respektive am eigenen Leib erfahren. Viel zu selten gibt es Momente, in denen man tatsächlich kurz innehält und die Szenerie bestaunt – wie bei einigen anfänglichen Landschaftsansichten oder der Fahrt in einen opulenten Wüstensturm. Sobald man den sandigen Rand eben jenes Sturms aber erst einmal durchquert hat und in seinem inneren landet, ist es schon wieder vorbei mit den stimmigen optischen Schauwerten: was hier geschieht sieht am ehesten nach einem übernatürlichen Effektsturm der Marke MARVEL – und damit entsprechend Comic-haft – aus. Die darstellerischen Leistungen sind durchwachsen, respektive fallen sie aufgrund der kaum vorhandenen Dialoge ohnehin kaum ins Gewicht – und der Soundtrack ist bestenfalls zweckdienlich.

Fazit: FURY ROAD hat hauptsächlich ein Problem: als wie auch immer geartetes Remake der Kult-Trologie enttäuscht er auf ganzer Linie. Lediglich als unabhängiger, düsterer Actioner vor einem Post-apokalyptischen Hintergrund entwickelt er eine gewisse Dynamik – und überzeugt dabei vornehmlich mit variantenreichen Actionszenen (die dann allerdings doch ein wenig zu ausgiebig zelebriert werden) sowie einer insgesamt ansprechenden Optik. Leider entschied man sich dennoch, auf ein bereits bestehendes Franchise zu bauen – was zu entsprechenden Abzügen und zu einer sich hoffentlich nicht bestätigenden Vermutung führt. Denn: FURY ROAD könnte theoretisch locker als erster Teil einer neuen Trilogie durchgehen. Wenn dem so wäre, könnte man dies kaum verhindern – doch wären sicherlich ganz ähnliche Anwandlungen wie eventuell schon bei der TERMINATOR-Reihe zu erwarten. Und die eignen sich dann nicht einmal mehr für reine Unterhaltungszwecke – sondern letztendlich nur noch zum Fremdschämen. Hinzu kommt, dass der Kosten-Nutzen-Faktor in keinerlei nachvollziehbarem Verhältnis mehr steht: während der erste Original-Teil gerade einmal 200.000 Dollar gekostet hat, verschlang FURY ROAD sage und schreibe 100 Millionen Dollar.

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„Ein miserabler MAD MAX – aber ein passabler Actionfilm, sofern man auf Story und Charaktere verzichten kann.“

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Filmkritik: „Children Of Men“ (2006)

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Originaltitel: Children Of Men
Regie: Alfonso Cuarón
Mit: Clive Owen, Julianne Moore, Michael Caine u.a.
Land: USA, Großbritannien
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Sci-Fi, Thriller, Drama
Tags: Apokalypse | Endzeit | Kinderlosigkeit | Kampf | Hoffnung

Ein Leben ohne Kinder ist… verdammt übersichtlich.

Kurzinhalt: Im Jahre 2027 scheint es eher schlecht um den allgemeinen Zustand der Menschheit bestellt – seit nunmehr 18 Jahren wurde kein Kind mehr geboren, die Gründe dafür sind umstritten. Analog zur somit ausbleibenden Zukunft laufen die Menschen teilweise Amok, und die politische Lage ist weltweit angespannt. In London versucht man noch, eine gewisse Ordnung aufrechtzuerhalten – unter anderem mit einer strengen Einwanderungspolitik und scharfen Kontrollen. Hier lebt auch Theo (Clive Owen), der die letzten Jahre eher bescheiden verbracht hat – bis er seine ehemalige Geliebte Julian (Julianne Moore) wieder trifft und sie ihn um einen Gefallen bittet. Es geht um nicht weniger, als äußerst schwierig zu bekommende Transit-Papiere für ein junges Mädchen (Clare-Hope Ashitey) zu organisieren. Ein Mädchen, das sich auch noch illegal im Land aufhält und ein großes Geheimnis in sich trägt. Eines, dass nicht nur den sonst hart gesottenen Theo aus der Fassung bringt – sondern sich möglicherweise nutzen ließe, um die Welt zu verändern.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Das, was Regisseur Alfonso Cuarón in CHILDREN OF MEN auftischt ist alles andere als leichte Kost: angesiedelt in einer gleichermaßen nahen wie düsteren Zukunft ist die Geburtenrate längst komplett verebbt. Die Folge: die Welt wurde in ein Chaos gestürzt, überall herrschen Krieg und Verzweiflung; Hoffnung auf bessere Zeiten gibt es nicht. Bis, ja bis doch noch ein Kind geboren wird – unter vergleichsweise tragischen, in vielerlei Hinsicht aber auch komplizierten Umständen. Dem Regisseur gelingt dabei vor allem eines: die Zeichnung eines starken Charakter-Ensembles, dass sowohl im engeren (das heißt, der Gruppe um die schwangere Frau) als auch im weiteren Kreis (allen, die mehr oder weniger kurze Auftritte haben) überzeugen kann. Überhaupt überrascht insbesondere Clive Owen als Hauptdarsteller, der hier eine gleichermaßen sympathisch-kernige wie glaubwürdige Leistung abliefert – wie auch Julianne Moore in ihrem eher kurzen Auftritt. Nun nehme man nur noch eine Prise einer glaubwürdig gezeichneten, dystopischen Zukunftsvision hinzu – und fertig ist das gelungene Thriller-Drama vor apokalyptischen Hintergrund.

So einfach es auch erscheint – in diesem Fall geht das Konzept über weite Strecken auf. Die in CHILDREN OF MEN porträtierte Welt ist schließlich nicht nur reichlich düster – sondern auch erschreckende glaubwürdig; und geizt nicht mit allerlei prekären Seitenhieben. Vor allem solche, in denen politische Interessen eine nicht unerhebliche Rolle spielen – und bei denen es oftmals darum geht, dass Menschenrechte auch heute noch mit Füßen getreten werden. Aber auch völlig unabhängig von etwaigen weltgeschichtlichen Parallelen und der beileibe nicht vollständig erörterten Kinderlosigkeit der gesamten Weltbevölkerung schafft es CHILDREN OF MEN, zu faszinieren – und sei es in einem eher tristen, nachdenklich stimmenden Zusammenhang. Man kann kaum anders als sich von der bedrohlichen Stimmung des Films gefangennehmen zu lassen, dabei den Blick auch immer wieder auf das hintergründige Geschehen zu werfen – ohne, dass dabei qualitative Abstriche gemacht werden müssten. Besonders die hervorragend eingefangenen, im wahrsten Sinne des Wortes dreckig inszenierten Szenen im späteren Gefangenenlager hinterlassen hier einen nachhaltigen Eindruck und sprechen für den investierten Aufwand.

Sicher, hier und da scheint der Film vor allem inhaltlich etwas spärlich ausgestattet; und speziell der vergleichsweise abrupte Auftakt vermag es den Zuschauer dezent zu überrumpeln. Doch ist man erst einmal drin im Geschehen und hat sich mit den Charakteren vertraut gemacht, geht die Formel doch noch auf. Man sollte sich lediglich klarmachen, dass Regisseur Alfonso Cuarón den Fokus klar auf die Personen um das ungeborene respektive neugeborene Kind und deren Interaktionen mit der Umwelt legt – anstatt weiterführende Informationen zur hier gezeichneten Welt zu liefern. Das wäre in Anbetracht der stimmigen Bilder und der eben nicht allzu spektakulären, wenig effekthascherischen Erzählart zwar ebenfalls denkbar gewesen – hätte aber vermutlich den Rahmen gesprengt. So sollte man nehmen, was man bekommt – eine gleichermaßen bodenständige wie drastische Schilderung über eine handvoll Menschen, die im Chaos und durch den Wink des Schicksals neue Hoffnung schöpfen – und so gesehen eigentlich nur für ihre Grundrechte einstehen.

Fazit: CHILDREN OF MEN ist ein gleichermaßen emotionales wie spannendes Drama über eine Dystopie die erschreckend erscheint – wenn sie so eintreten sollte aber immerhin nur eine eher kurzlebige wäre. Neben der Tatsache, dass das Szenario trotz der nicht vollständig überdachten respektive explizit dargelegten Prämisse überraschend glaubwürdig und vor allem wirkungsvoll ist; gelingt es den Machern vor allem das Empathie entsteht – für die hauptsächlich beteiligten Charaktere, und das Neugeborene Kind als Hoffnungsträger der gesamten Menschheit. Die stets enorm Detail-verliebte und einen gewissen Aufwand nicht verhehlende optische Gestaltung, der passig-dezente Soundtrack und das hervorragende Schauspiel runden die Sache nach oben hin ab. CHILDREN OF MEN ist ein Muss für alle, die wie auch immer geartete Endzeit-Filme mögen – dabei aber nur allzu gern auf einen oftmals gängigen, eher oberflächlichen Hollywood-Bombast verzichten können.

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„Ein äußerst düsterer, intensiver, starker Endzeit-Film mit markanten Figuren.“

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Filmkritik: „Chappie“ (2015)

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Originaltitel: Chappie
Regie: Neill Blomkamp
Mit: Sharlto Copley, Dev Patel, Hugh Jackman u.a.
Land: USA, Mexiko
Laufzeit: ca. 114 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Zukunft | Dystopie | Intelligenz | Roboter | Menschheit

Pass auf, dass Du nicht Schlafi-Schlafi geschickt wirst…

Kurzinhalt: Im südafrikanischen Kapstadt der nahen Zukunft hat die Polizeiarbeit eine völlig neue Dimension erreicht. Längst machen Menschen nur noch einen Bruchteil der operativen Kräfte aus – während es vor allem äußerst widerstandsfähige und mit einer gewissen Intelligenz ausgestattete Roboter sind, die das Straßenbild prägen. Doch natürlich rauchen die verantwortlichen Köpfe hinter der kongenialen Erfindung trotz der bisherigen Erfolge munter weiter; wenn auch in gänzlich unterschiedliche Richtungen. Wenn es nach der Konzern-Chefin Michelle Bradley (Sigourney Weaver) geht, müssen nur die Verkaufszahlen weiter angekurbelt werden – während vor allem die Spezialisten Deon (Dev Patel) und Vincent (Hugh Jackman) an Weiterentwicklungen der Modelle arbeiten. Gerade Vincent scheint dabei wenig angetan von der Idee, die Roboter mit zu viel künstlicher Intelligenz auszustatten – sein neues, alternatives Modell ist weitaus brachialer; und wird von einem menschlichen Operator aus sicherer Entfernung gesteuert. Deon dagegen ist fasziniert von der Idee, einem Roboter so etwas wie eine menschliche Seele einzuverleiben – was ihm eines Tages auch tatsächlich gelingt. Der Androide CHAPPIE ist geboren. Dumm nur, dass er zum Zeitpunkt von dessen Fertigstellung in der Gewalt eines Gangster-Duos ist, die den neuen Roboter für einen Raubzug missbrauchen wollen. Doch noch ein weiteres Problem offenbart sich: da der Verstand von CHAPPIE dem des Menschen nahekommt, ist er im Grunde nicht viel mehr als ein kleines, hilfloses Baby – das immerhin mit der Fähigkeit ausgestattet ist, weitaus schneller als jeder Mensch zu lernen. Und so versuchen die Gangster, ihn möglichst schnell zu einem der ihren zu machen… was Deon natürlich alles andere als gutheißen kann, vorerst aber geschehen lassen muss.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Vor einigen Jahren noch nicht allzu bekannt, ist er spätestens seit DISTRICT 9 (Review) und ELYSIUM (Review) in aller Munde – Neill Blomkamp ist der vielversprechende Nachwuchs-Regisseur aus Südafrika. Vornehmlich, da seine Werke trotz einer gewissen Eigenständigkeit und des ein oder anderen Quäntchens Gesellschaftskritik eine breite Masse ansprechen; und sich zudem durch eine hervorragende visuelle Komponente für die große Leinwand qualifizieren. Da mit CHAPPIE nun schon der dritte Film eines speziellen übergeordneten Sujets daherkommt, fällt es auch nicht schwer zu sagen worin die inhaltlichen Vorlieben des 1979 geborenen und damit vergleichsweise jungen Regisseurs liegen: es ist die immer wiederkehrende Zeichnung einer Dystopie. Einer, die von der Vermengung aktuell gesellschaftlich relevanter Hintergründe auf der einen; und fantasievoll umgesetzten Elementen der Science Fiction auf der anderen Seite lebt. Ganz im Sinne des Regisseurs spielen dabei vor allem Themen wie Gleichberechtigung eine wichtige Rolle – wobei sich die Kernaussagen der bisherigen drei Filme speziell in Bezug auf eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ganz ähnlich lesen, nur dass die Bühne eine jeweils andere ist. In DISTRICT 9 stellte man denjenigen Bürgern der Erde, die man am ehesten als gewöhnlich bezeichnen würde Außerirdischen gegenüber, in ELYSIUM einer zutiefst menschlichen Elite – und in CHAPPIE einer neuen Generation von Robotern.

Dabei spielt Blomkamp immer wieder mit dem Gefälle zwischen den jeweiligen Parteien – und stellt dem Zuschauer nicht von ungefähr die Frage, in wie weit die speziellen Unterschiede vor allem aus einem moralischen Standpunkt heraus gerechtfertigt erscheinen. So stellt auch CHAPPIE eine grundsätzlich interessante Frage, angelehnt an eine sicherlich gar nicht mal so abwegige Zukunftsvision: was wäre, wenn es eines Tages tatsächlich eine künstliche Intelligenz geben würde, die mit allem was den Menschen nach gängigen Definitionen ausmacht durchaus konkurrieren könnte ? Das klingt spannend – aber dennoch sollte man sich nicht allzu früh auf ein rundum durchdachtes, kritisches oder in dieser Hinsicht gar offenbarendes Machwerk einstellen. Wie schon in DISTRICT 9 und ELYSIUM handelt es sich bei derlei Gedankenspielen nur um ein eher hintergründiges, durch die Prämisse beinahe automatisch entstehendes Element. Eines, auf das im weiteren Verlauf des Films nicht näher eingegangen wird – weshalb man dem Zuschauer einen gänzlich neuen Blickwinkel auf die Thematik verwehrt, und stattdessen eher altbekanntes serviert. Seien es potentielle Vorgänger wie NUMMER 5 LEBT, I ROBOT oder A.I. – KÜNSTLICHE INTELLIGENZ – allein dadurch, dass sich die Technologie und das Aussehen von CHAPPIE etwas von der Masse abheben, generiert man noch lange keinen frischen Wind im Mecha-Genre. Doch eventuell war dies auch gar nicht die Absicht von Blomkamp – anders lassen sich die überdeutlichen, eventuell als Hommage zu verstehenden ROBOCOP-Parallelen speziell in Bezug auf CHAPPIE’s quasi-Gegenspieler wohl auch nicht erklären.

Hinsichtlich der aufgefahrenen Charaktere und den dazugehörigen Interaktionen wird Blomkamp die Zuschauerschaft wohl ebenfalls spalten. Vor allem, da die angebotene Konstellation eine eher ungewöhnliche ist. Die Charaktere agieren typischerweise recht stereotyp, werden arg oberflächlich dargestellt – und dennoch entsprechen sie nicht gerade der Vorstellung, die man von ähnlichen Genrefilmen haben wird. Dieser spezielle Eindruck resultiert vornehmlich daraus, dass Neill Blomkamp Ninja und Yo-Landi Visser verpflichtet hat. Hier handelt es sich um zwei südafrikanische Künstler oder auch Kunstfiguren, die sich nicht nur für zwei der markanteren Rollen des Films verantwortlich zeichnen – sondern auch einen Teil zum ansonsten recht typischen Soundtrack von Hans Zimmer beigetragen haben. Auch wenn ihre Charaktere nicht gerade tief blicken lassen, interagieren sie nicht nur mit CHAPPIE – sondern machen tatsächlich auch so etwas wie eine Wandlung durch; womit sie allen anderen (entsprechend schwächer gezeichneten) Charakteren schonmal eine Nasenlänge voraus haben. Aber auch sonst ziehen die beiden schrillen Gestalten einen Großteil der Aufmerksamkeit auf sich – eigentlich sogar so sehr, dass alle anderen zu Randfiguren verkommen. Mit Ausnahme von CHAPPIE selbst versteht sich, sowie eventuell noch Deon (Dev Patel, u.a. SLUMDOG MILLIONÄR) als dessen Schöpfer.

Die weitere Besetzung führt dann auch rasch zu einem der markantesten Kritikpunkte an CHAPPIE – der sich auf den Status und die Atmosphäre des Films als solches bezieht. Schließlich wird man hie und da angehalten zu entscheiden, ob der Film nun tatsächlich für Voll zu nehmen ist oder nicht – mit einem mehr als schwammigen Ergebnis. Über weite Strecken fühlt es sich schließlich tatsächlich so an, als würde es Blomkamp durchaus ernst meinen mit seiner hier gezeichneten Dystopie – dem gegenüber stehen aber allerlei Faktoren, die man bestenfalls in der hintersten Ecke der Trashfilm-Sparte erwarten würde. Dabei geht es nicht einmal um die durchaus vorhandene, sich etwas makaber anfühlende Situationskomik – sondern vielmehr um die Auswüchse der aufgefahrenen Technologie und den damit einhergehenden, etwas zu einfachen Lösungswegen. Und natürlich dem alles andere als ernst wirkenden Unterton, den man den Film mit Gastauftritten von bekannten Stars wie Hugh Jackman und Sigourney Weaver verpasst – die hier eher wie Karikaturen ihrer selbst wirken und davon abgesehen kaum Bedeutung für den Filmverlauf haben.

So erscheint es mehr als schwierig, CHAPPIE in eine vorgefertigte Kategorie zu stecken. Sowohl in Bezug auf das vordergründigste Genre – als auch die etablierte Wirkung und Atmosphäre. Im schlimmsten Fall könnte man dies als als Schwäche hinsichtlich einer Unentschlossenheit und Inkonsistenz ansehen, im besten als weiteren rebellischen Aspekt der immer wieder mit der Atmosphäre des Films spielt – dafür aber einen vergleichsweise hohen Unterhaltungsfaktor mit sich bringt. Die größten, deutlicheren Stärken des Films sind aber ohnehin im gestalterischen Bereich zu suchen – und auch zu finden. Vom gelungenen und nicht zu hektischen Schnitt über die herausragende Kameraführung bis hin zur atmosphärischen Ausleuchtung stimmt hier alles. Der ganz spezielle Look, den Blomkamp dabei etabliert liegt irgendwo zwischen angenehm rauen Cyberpunk-Einflüssen a’la MAD MAX und einer typischen Hollywood-Machart der Marke Hochglanz – und vereint dabei die Stärken beider Seiten. Gut ist auch, dass die Actionszenen eher wohl dosiert daherkommen und der Zuschauer nicht zusätzlich mit sinnentleerten Effekt-Gewittern bombardiert wird.

Fazit: Sowohl von der Idee als auch von der inhaltlichen Ausarbeitung ist CHAPPIE alles andere als ein großer Wurf geworden. Dafür punktet der Film zumindest hie und da mit einem gewissen Hang zum unkonventionellen – und einem hohen Unterhaltungsfaktor, der vor allem durch allerlei innovative Elemente auf Seiten der optischen Gestaltungsarbeit und der akustischen Untermalung generiert wird. Schade ist nur, dass diese Eindrücke durch andere Fehlschläge wieder zunichte gemacht werden – wie etwa in Bezug auf die mehr als plumpe Charakterdarstellung und -Entwicklung, die allgemeine Oberflächlichkeit oder das zutiefst misslungene Finale. Letztendlich ist CHAPPIE weder Fisch noch Fleisch – und bleibt meilenweit hinter dem vermuteten Potential zurück. Am ehesten funktioniert er als reiner Spaßfilm; oder auch als Karikatur anderer bekannter Werke die sich mit dem Thema der künstlichen Intelligenz auseinandersetzten.

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„Chappie, oder: ein unentschlossenes Werk irgendwo zwischen stilvoller Indie-Produktion und ärgerlichem Hollywood-Einheitsbrei.“

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Filmkritik: „Snowpiercer“ (2014)

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Originaltitel: Snowpiercer
Regie: Joon-ho Bong
Mit: Chris Evans, Jamie Bell, Tilda Swinton u.a.
Land: Südkorea, Frankreich, USA, Tschechische Republik
Laufzeit: ca. 126 Munuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Drama, Sci-Fi
Tags: Klimawandel | Menschheit | Zug | Überleben | Klassenkampf

Eine Zugfahrt, die ist… nicht wirklich lustig.

Kurzinhalt: Nach dem Versuch, die Erderwärmung ein für allemal aufzuhalten kommt es zu einer neuen Eiszeit – die dafür sorgt, dass die gesamte Menschheit im Laufe der Jahre ausstirbt. Als einziger Zufluchtsort in Form einer regelrechte Arche dient nur ein moderner Zug – der auf einem eigens gebauten Streckensystem quer um die Welt fährt ohne dabei jemals anzuhalten. Doch hat ein Großteil der Menschen im Zug dennoch nicht das Gefühl, wirklich gerettet worden zu sein – ein seltsames Klassensystem sieht vor, dass die Menschen auch hier in soziale Schichten aufgegliedert werden. Jene, die im hintersten Abteil leben haben dabei die schlechtesten Karten – neben der reinen Verwahrlosung sind hier auch Hungersnöte und Gewalt der Aufseher an der Tagesordnung. Je weiter man aber im Zug voranschreitet, desto wohnlicher werden die Abteile – und desto dekadenter die unaufhörlich Reisenden. Klar ist aber auch, dass sich die Gefangenen in den hintersten Abteilen die Ungerechtigkeiten nicht ewig gefallen lassen würden – und tatsächlich, ein groß angelegter Aufstand steht bevor.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Das, was sich Regisseur Joon-ho Bong in und mit SNOWPIERCER vorgenommen hat, klingt erst einmal gewagt – und nach einem Projekt, welches in anderen Händen womöglich schnell zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. Schließlich sieht die lose Adaption einer Grafik-Novel von Jacques Lob und Jean-Marc Rochette vor, dass sich die gesamte Handlung (die auf der Leinwand immerhin gute zwei Stunden beansprucht) innerhalb eines fahrenden Zuges abspielt – und allein aus der stark eingeschränkten Sicht der Protagonisten geschildert wird. Hinzu kommt die zunächst noch unbewertete Tatsache, dass es sich um ein multi-nationales Filmprojekt handelt – und nicht nur das Team hinter der Kamera, sondern auch die Darsteller einem breiten Querschnitt von Künstlern aus den USA, Südkorea, Frankreich und der Tschechischen Republik entsprechen. Wobei in letztgenannter Region auch hauptsächlich gedreht wurde – mit einem Budget von immerhin knapp 40 Millionen US-Dollar.

Aber: jenen, die an dieser Stelle bereits an ein verkapptes Kammerspiel und vielleicht auch eine große Portion Langatmigkeit denken, kann und sollte schnell Entwarnung gegeben werden. SNOWPIERCER ist vielmehr ein Film der Überraschungen, die bereits mit der spannenden Endzeit-Prämisse beginnen. Diese sieht vor, dass die Menschheit aus kurz angerissenen Gründen vor der vollständigen Vernichtung steht – und sich nur einige wenige in einen hochtechnisierten Zug retten konnten, der seit dem Tag X immer in Bewegung ist und wenn man so will über ein eigenes Ökosystem verfügt. Auch wenn die Story recht explizit mit dem Gedanken der Klimaerwärmung spielt respektive diesen sogar voraussetzt, wird zu keinem Zeitpunkt ein moralischer Zeigefinger erhoben. Das heißt, dass SNOWPIERCER kein anprangernder Öko-Thriller ist – sondern sich schlicht auf ein nach wie vor aktuelles Thema bezieht und dabei wesentlich glaubwürdiger abschneidet als so manch anderer Endzeit-Film.

Dies ist die erste der vereinfachten, aber durchaus guten Ideen – und die zweite, schon nicht mehr ganz so simpel zu lösende folgt sogleich. Denn: die eher minimalistische Herangehensweise des Regisseurs (der beispielsweise auf eine längere Einführung verzichtet und dessen Schauplätze aus verständlichen Gründen stets übersichtlich bleiben) bildet das eigentliche Geheimnis dafür, dass SNOWPIERCER so gut funktioniert. Man teilt den eher dürftigen Wissensstand der Charaktere und nimmt unmittelbar an deren Prozess des schieren Vorankommens teil – ein Prozess, der sich folgerichtig sowohl auf einer für den Film charakteristischen räumlichen Ebene als auch in Bezug auf den Zugewinn an Informationen abspielt. Anders gesagt: SNOWPIERCER fungiert oberflächlich betrachtet als handfester, inhaltlich solide gestützter Actioner mit erschreckend realistischen Auseinandersetzungen ohne viel Effekthascherei und mit einem dramatischen Spannungsbogen – was an und für sich schon eine angenehme Seltenheit ist. Doch schon von Beginn an ist die Atmosphäre eines düster-dystopischen Gesellschaftsdramas, welches sich durch einen beinharten Klassenkampf auszeichnet; omnipräsent. Eine Atmosphäre, der man sich nur schwerlich entziehen kann – auch wenn man es hie und da hinsichtlich des erzählerischen Tons dezent übertreibt und einstweilen die ein oder andere unpassend erscheinende Charakter-Spitze einbaut. Dass die Situation im Zug eine verkleinerte Version dessen ist, was sich tatsächlich auf der Erde abspielt (oder in diesem Fall abspielte) ist eine weitere gute Idee – doch während vor allem die sogenannte Unterschicht ein recht glaubwürdiges Porträt spendiert bekommt, übertreibt man es hinsichtlich der Dekadenz der Reichen und Schönen.

Davon abgesehen sind das an den Tag gelegte Fingerspitzengefühl der Inszenierung schon beinahe kultverdächtig – und die eingeworfenen, teils überraschenden Twists verfehlen kaum ihren Zweck. Die Menschen des hintersten Waggons dabei zu begleiten, wie sie sich langsam aber sich einen Weg nach vorne bahnen ist schlicht unheimlich spannend – woran auch die bunte Darsteller-Riege einen nicht unerheblichen Anteil hat. Zwar gibt es eine quasi-Galionsfigur, doch im Gegensatz zu anderen Werken einer ähnlichen Machart wird diese nicht zum Helden durch und durch erhoben. Vielmehr scheint es, als spielten alle Beteiligten eine Rolle – die kämpfenden, aber auch die schwachen, die alten und die Kinder. Eine stimmige Kameraführung, die perfekte Szenen-Gestaltung (die wahrlich das Maximum an Atmosphäre aus den begrenzten Räumen herausholt) und viele weitere Eigenarten oder auch Markenzeichen des Regisseurs Joon-ho Bong sorgen dafür, dass SNOWPIERCER eigentlich nicht nur ein Kandidat auf den Thron der Film-Geheimtipps des Jahres 2014 sein sollte – sondern der klare Gewinner.

Es sollte so sein – doch letztendlich wurde das Ziel doch noch verfehlt, ob knapp oder nicht muss man dabei selbst entscheiden. Die vorhandenen Schwächen sind dabei vornehmlich in drei gefühlte Kategorien zu unterteilen – von eher zu vernachlässigenden bis hin zu gravierenden. Nicht unbedingt explizit störend ist beispielsweise die Tatsache, dass die CGI-Effekte erschreckend plump wirken – besonders dann, wenn die Beteiligten einen Blick aus dem Fenster und auf die eisigen Weiten der neuen Welt werfen. Das Ganze hat bestenfalls Serien-Niveau und eigentlich nichts in einem Film wie diesem zu suchen. Etwas markanter wird es dann, wenn man in den inhaltlichen Bereich hinübergeht und sich die Frage stellt, warum es unbedingt ein fahrender Zug als Schauplatz hat sein müssen. Die Gründe dafür liegen zwar auf der Hand, und die Idee ist an und für sich gut – warum sich diese Tatsache aber so gut wie nie zunutze macht (und beispielsweise öfter mit der Umwelt interagiert, und sei es um Ressourcen zu gewinnen) bleibt ein Geheimnis. Eine reichlich perverse Art der Gefangenen-Bestrafung, ein kurzer Blick auf ein abgestürztes Flugzeug und eine Gruppe erfolglos Geflüchteter bilden hier bereits das höchste der Gefühle. Ebenfalls unbefriedigend erscheint die Darstellung der Tatsache, dass es ausgerechnet Kinder sein müssen die im inneren der Maschine werkeln; allein aufgrund ihrer Größe. Hat eine derart fortgeschrittene Technik wirklich ein so altertümliches Element (das man am ehesten mit dem früheren Bergbau verbindet) nötig ? Es steigert die Brisanz und die emotionale Verbindung zu den Gefangenen, wirkt aber etwas unschlüssig – nicht zuletzt in Bezug darauf, dass die beiden hier gezeigten Kinder geradezu hypnotisiert wirken und scheinbar nichts gegen eine Tätigkeit wie diese einzuwenden haben.

Das ärgerlichste in und an SNOWPIERCER aber bleibt das Ende – beziehungsweise bereits der gesamte vorherige Aufbau. Es beginnt bereits mit den zwei recht ausführlichen Selbstreflexionen oder auch Monologen, die zwei wichtige Charaktere plötzlich abhalten – direkt vor der alles entscheidenden Barriere und so, als wären sie längst in Sicherheit. Zwar erfährt man hier durchaus wichtiges, gegen einen früheren Zeitpunkt hätte aber sicher nichts gesprochen. Alles, was dann nach der Öffnung der besagten Tür geschieht ist dann überraschend hanebüchen – und hat nur noch wenig mit dem kongenialen Fingerspitzengefühl zu tun, welches man zuvor und über gute vier Fünftel des Films an den Tag legte. Vielmehr scheint es, als würde nun plötzlich doch das Prinzip der Einfachheit siegen – ohne Rücksicht auf die Glaubwürdigkeit trotz oder gerade wegen der immer wieder auftretenden Spitzen. So scheinen den Verantwortlichen schlicht die Ideen ausgegangen zu sein. Das Porträt der Maschine, dessen Erbauers; ein gesuchter Ausweg mithilfe einer Selbstbau-Bombe – und die finale Szene, in der ausgerechnet ein Eisbär stellvertretend für das neuerliche Bild der Hoffnung Pate stehen muss. All das wirkt nicht nur reichlich uninspiriert, sondern sogar überraschend plump und schlichtweg doof. Man kann also kaum anders, als in Anbetracht dieses Endes verärgert aus der sonst mehr als überdurchschnittlichen Filmerfahrung SNOWPIERCER hervorzugehen.

Fazit: Wäre das Ende von SNOWPIERCER der zuvor etablierten Atmosphäre treu geblieben und hätte auch hier die ein oder andere gute Idee eingestreut (und sei es, dass man das Ganze in eine eher fantastische Richtung geleitet hätte) – dann stünde der uneingeschränkten Empfehlung nichts mehr im Wege. Doch es ist, wie es ist – man hat sich einen Fauxpas geleistet, der kaum in Worte zu fassen ist. Einen unnötigen, die gesamte Wirkungskraft des vorherigen Films schmälernden; der somit nur noch ärgerlicher und unverständlicher ist. Was auch immer hier geschehen ist; es ist schade und verhindert, dass der sonst bemerkenswerte Film eine überraschend gute – wenn nicht gar legendäre – Wertung einfährt.

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„Haarscharf am Status eines Meisterwerks vorbeigeschrammt. Nach dem enttäuschenden Ausklang möchte man sogar fast sagen: meilenweit.“

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Filmkritik: „M.A.R.K. 13 – Hardware“ (1990)

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Originaltitel: Hardware
Regie: Richard Stanley
Mit: Dylan McDermott, Stacey Travis, John Lynch u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Altersfreigabe: ab 18
Genre: Science Fiction / Horror
Tags: Mark 13 | Roboter | Künstliche Intelligenz | Endzeit | Ödland | Wüste

Das Leben in der Post-Apokalypse ist doch auch so schon schwer genug…

Kurzinhalt: In einer post-apokalyptischen Welt der Zukunft haben die wenigen überlebenden Menschen mit katastrophalen Lebensbedingungen zu kämpfen. Nicht nur, dass die Temperatur durch die zerstörte Ozonschicht enorm angestiegen ist, eine erhöhte Radioaktivität macht es enorm gefährlich selbst harmlos erscheinende Spaziergänge zu unternehmen. Doch es gibt sie dennoch, Sammler die durch das Ödland streifen um den ein oder anderen Schatz zu erbeuten – wie ein namenloser Nomade, der auf einer seiner Touren seltsame Teile eines Roboters findet. Diese verkauft er an einen Händler, von wo aus sie zu Moses gelangen – einem Soldaten, der seiner Freundin ein Geschenk machen möchte. Schließlich verdingt sich diese als Hobby-Künstlerin, und kann jedes noch so kurios erscheinende Teil für eine ihrer größeren Skulpturen gebrauchen. Als der Händler jedoch Nachforschungen anstellt und herausfindet, dass es sich bei dem Roboterkopf um ein Überbleibsel eines Projektes der Regierung handelt, schlägt er Alarm – und warnt Moses vor möglichen Gefahren. Doch scheint es bereits zu spät – die Maschine entwickelt ein Eigenleben, zapft etliche Energiequellen des Hauses an – und baut sich einen neuen Körper. Daraufhin scheint sie nur ein Ziel zu verfolgen: alle Menschen, die sich in seiner Nähe zu befinden, zu töten…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! M.A.R.K. 13, oder im englischen Original schlicht HARDWARE ist einer jener relativ unbekannten Nischen-Filme aus Großbritannien, die sich explizit auf ein postapokalyptisches Setting beziehen und relativ eindeutig unter dem Oberbegriff des Endzeitfilms rangieren. Doch nicht nur die relative Nähe zu früheren – und insgesamt betrachtet eher seltenen – Werken, die sich eine weltumfassende Katastrophe (wie in diesem Fall einen Atomkrieg) zur Prämisse machen, lässt das Projekt des Drehbuchautors und Regisseurs Richard Stanley interessant erscheinen. Auch die Tatsache, dass der Film auf der überaus bekannten Comicserie 2000 AD basiert und zudem mit Gastauftritten von Lemmy Kilmister von MOTÖRHEAD (musikalisch, aber auch in einer kleinen Rolle) oder Iggy Pop (als Stimme des Radiosprechers) geschmückt wird; lässt schnell den Gedanken an einen potentiellen Kultfilm aufkommen. Einen Kultfilm, der insofern besonders wäre als dass er weniger Wert auf die Darstellung einer typischen Endzeitfilm-Dystopie legt – als vielmehr auf ein fremdes, hochtechnisiertes Objekt inmitten eines apokalyptischen Szenarios. Und jenes Objekt ist der Titel-gebende MARK 13 – eine Art Superroboter, der von der Regierung mit einem ganz bestimmten Ziel entwickelt wird.

Doch so spannend das Ganze klingt, die sich damit anbietenden Möglichkeiten werden in HARDWARE kaum ausgenutzt – was nicht zuletzt an der eigentlichen Genre-Ausrichtung liegt. Denn nicht nur dass die Macher ihren Blick nur allzu selten oder überhaupt nicht auf das wie und warum der neuen Welt legen – grundsätzlich weichen alle potentiell interessanten inhaltlichen Aspekte der allgegenwärtigen Atmosphäre eines Horrorfilms. Eines etwas anderen zwar, dafür sorgt allein das Setting – doch erscheint es etwas ärgerlich, dass die Macher so wenig aus den gegebenen Möglichkeiten gemacht haben und den Film letztendlich auf ein einzelnes Element reduzieren. Auch, wenn der Titel des Films dies bereits dezent andeutet. Neben der einstweilen doch bemerkenswerten Grusel-Atmosphäre (die ein wenig an die Wirkung von ALIEN erinnert) ist eine der unausweichlichen Folgen für HARDWARE somit, dass man als Zuschauer kaum mit den hier angebotenen Porträts der Welt und den darin lebenden Charakteren warm werden wird – trotz des relativ langen Einführungsteils. Die Darstellung des furchterregenden Kampfroboters (der immerhin schick aussieht) verkommt somit beinahe zu einem reinen Selbstzweck – wäre da nicht der Grund für die Existenz desselben, der eng mit der vorherrschenden Endzeit-Situation zu tun hat. Allerdings wird der erst gegen Ende des Films offenbar – und wirkt durch die fehlende inhaltlichen Bezüge etwas aus der Luft gegriffen.

Doch nicht nur in Bezug auf seinen Inhalt wird HARDWARE zu einer knallharten Geschmacksfrage werden – und sich somit immer weiter vom Status eines unanfechtbaren Kult-Titels entfernen. Eine mitunter erhebliche Rolle spielt die gesamte audiovisuelle Gestaltungsarbeit des Films – die alles andere als gewöhnlich ist, und mit ihrer merkwürdigen Dosierung sowohl für Aufsehen, als auch für dezente Anflüge von Frust sorgen kann. Es beginnt bereits mit der eigentlichen Farbgestaltung, schließlich passt sich HARDWARE auch optisch der atomar verseuchten Endzeitwelt an. So hat das Bild über die gesamte Laufzeit des Films einen markanten Rotstich, der nur hie und da von noch düstereren Eindrücken abgewechselt wird – wie etwa in der Wohnung, in der ein Großteil des Geschehens spielt. Auch wenn es scheint, dass die Macher durchaus Wert auf einen gewissen Detailreichtum und die Ausarbeitung der Kulissen gelegt haben wird es einstweilen schwer, den Überblick zu behalten und einen genaueren Eindruck der Wohnsituation der Endzeit-Protagonisten zu erhalten. Analog dazu sorgt der reichlich durchtriebene Soundtrack für den ein oder anderen kuriosen, leider nur allzu selten wirklich stimmigen Moment. Und wenn beides exzessiv kombiniert wird – denn auch das geschieht in HARDWARE, wenn auch nur in einer einzelnen, dafür umso prägnanteren Szene – entsteht eine merkwürdige Symbiose, die dem Ganzen einen Hauch von Surrealismus verleiht. Das ist gleichermaßen mutig wie gewöhnungsbedürftig, zweifelsohne – doch will all das nicht wirklich mit den vorhergegangenen, eher auf Realismus getrimmten Eindrücken zusammenpassen.

Ein letzter Wermutstropfen ist dann die Tatsache, dass die Gastauftritte nicht wirklich solche sind – wenn man einmal davon absieht, dass tatsächlich hier und da MOTÖRHEAD-Klänge ertönen. Lemmi Kilmister selbst hat nur eine absolut unbedeutende, kurze Rolle als Taxifahrer inne; während Iggy Pop ein unspektakuläres Charakter-Dasein als niemals tatsächlich auftretender Radiosprecher fristet. Das wiederum lässt den anderen, eigentlichen Hauptdarstellern mehr Raum – der allerdings nur bedingt ausgenutzt wird; denn eine Glanzleistung liefert keiner der Beteiligten ab.

Fazit: HARDWARE ist einer jener weder-noch Filme, die sich durch die Vermengung verschiedener Genres auszeichnen, respektive selbst ins Abseits befördern. Denn wirklich harmonisch wirkt die Kombination aus Elementen der Science Fiction, des Horrors und teilweise sogar Surrealismus in diesem Fall nicht. Besonders schade ist, dass man offenbar keinen Wert auf eine vernünftige, nachvollziehbare Zeichnung der Endzeitwelt gelegt hat in der das Setting nun einmal angesiedelt ist – und sich stattdessen dem hier nur teilweise aufgehenden Konzept eines Creature- respektive Cyborg-Horrorfilms widmet. Immerhin gerät die zweite Filmhälfte so merklich spannender – die langatmige Einführung, die aufgrund der fraglichen Schwerpunktsetzung ohnehin überflüssig wird, verlangt einiges vom Zuschauer ab. Nach wie vor fraglich ist, ob es sich tatsächlich lohnt das Ganze bis zum Ende auszuhalten – bis auf ein oder zwei markantere Splatterszenen und den etwas abstrus und befremdlich wirkenden Kampf Super-Roboter gegen Mensch gibt es auch hier nicht mehr viel zu holen.

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„Langatmiger, visuell gewöhnungsbedürftiger Horrorfilm in ungenutztem Endzeitgewand.“

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Filmkritik: „The Book Of Eli“ (2010)

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Originaltitel: The Book Of Eli
Regie: Albert Hughes, Allen Hughes
MitDenzel Washington, Mila Kunis, Gary Oldman u.a.
Land: USA
Laufzeit: 118 Minuten
FSK: Ab 16 Jahren freigegeben
Genre: Action / Drama
Tags: Überleben | Buch | Bibel | Ödland | Apokalypse | Rettung

Ungewöhnlich, andersartig… aber gut ?

Kurzinhalt: In der nahen Zukunft ist die Welt nicht mehr so beschaffen, wie wir sie kennen. Vielmehr ist die Erde zu einem leblosen Wüstenplanten geworden – auf dem es nur noch wenig Leben und noch weniger Ressourcen gibt. Die überlebenden haben sich entweder in größeren Siedlungen zusammengeschlossen, sich brutalen Straßenbanden angeschlossen – oder verfolgen ganz andere Ziele. Wie auch der Einzelkämfer Eli (Denzel Washington), der auf seinem Weg durch die Vereinigten Staaten auf allerlei Widersacher trifft. Doch lässt er sich kaum von seiner selbst auferlegten Mission abbringen: ein spezielle Buch in den Westen des Landes zu bringen, wo es angeblich einen Ort geben soll der noch sicher ist. Kurz vor dem ziel jedoch trifft er auf den selbsternnanten Kleinstadt-Herrscher Carneggie (Gary Oldman, der sich nicht nur für Eli, sondern vor allem auch für sein Buch interessiert. 

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Kritik: Achtung, Spoiler ! BOOK OF ELI ist zweifelsohne einer jener Filme, die man in einem eher problematischen Zusammenhang sehen könnte. Denn was in erster Linie nach einem typischen Endzeit-Streifen mit genretypischen Inhalten (Überlebenskampf, Nahrungssuche, Straßenbanden, Kannibalismus) aussieht, entpuppt sich im weiteren Verlauf als Propaganda-Feldzug der etwas anderen Art. Ob dies nun explizit so gewollt war oder nicht, sei einmal dahingestellt – hierzu müsste man sich ausführlicher mit dem Film und seinen Hintergründen beschäftigen; vor allem aber die Biografien der Verantwortlichen lesen. Das ist aber nicht unbedingt ein Muss, denn es kommt schließlich ganz auf die vermittelte Wirkung des Films selbst an, die in diesem Falle vom Titel-gebenden Buch des Hauptcharakters Eli ausgeht. Und damit jenem Werk, welches in Zeiten der Apokalypse als potentieller Heilsbringer fungieren könnte – oder als gegenteiliges, würde es in die falschen Hände geraten.

Es geht also – und natürlich – nicht nur um ein Buch, sondern um das Buch der Bücher. Dass eine Idee wie diese als Ausgangspunkt für eine Endzeit-Geschichte dient, erscheint dabei erst einmal mutig – und hätte mit einer etwas neutraleren Herangehensweise vielleicht auch ganz gut funktioniert. Doch nicht nur, dass sich der Film in seinen postulierten Lebens- und Religionsphilosophien ständig selbst ständig widerspricht, er beinhaltet neben einer äußerst simplen Charakterzeichnung auch zahlreiche Logiklöcher. Eben solche, die sich womöglich nur durch ein Wunder erklären ließen, was in gewisser Weise zu THE BOOK OF ELI passen würde. Doch ist dies beileibe keine Entschuldigung für die Macher, die in vielerlei Hinsicht schlicht zu nachlässig und im wahrsten Sinne auf gut Glück an die Sache herangingen – und gleichzeitig auch eine der wohl unglaubwürdigsten Charakter-Enthüllungen aller Zeiten präsentieren.

Glücklicherweise kommt die erst kurz vor dem Abspann, sodass man diese Problematik erst einmal ausklammern kann, ausklammern sollte – ist der allgemeine Frustfaktor auch so noch hoch genug. Das liegt in erster Linie daran, dass THE BOOK OF ELI nicht wirklich das ist, was er vorgibt zu sein – ein Endzeitfilm, der das Überleben von einigen Auserwählten Charakteren in allen Facetten zeigt. Stattdessen beschränkt man sich – zumindest weitestgehend – auf einen einzelnen Charakter, über den man zudem so gut wie nichts erfährt. Wichtig scheint nur, dass er eine Mission hat – und diese um jeden Preis durchführen würde, selbst wenn es ihn sein Leben kosten würde. Sicher ist das eine anständige Sache, ist der Grund ein entsprechenden ehrenwerter. Das fatale: wo es in anderen Genrefilmen um ganz essentielle Dinge geht, die wirklich von jedermann nachvollzogen werden können, hält BOOK OF ELI seinen Zuschauerkreis eher klein, beabsichtigterweise. Es geht hier ’nur‘ um ein verlorengeglaubtes Artefakt einer Weltreligion – wieso also sollte man entsprechend mitfiebern, ist man Angehöriger einer anderen Glaubensrichtung ?

Denn, und das ist ein weiterer Knackpunkt; THE BOOK OF ELI schert sich erst gar nicht groß um andere Inhalte oder Empathie-tragende Elemente. Hie und da präsentiert man ein wenig Ödland-Alltag, der entsprechend grausam ausfällt (willkürliche Morde oder Vergewaltigungen), doch bis auf die Tatsache dass es sich hier um grausame Taten handelt erhält man nur wenig Bezug zu der Welt, in denen sich all das ereignen soll. Es gibt ein paar marodierende Straßenbanden, einen egozentrischen Kleinstadt-Herrscher der sich alles und jeden Untertan machen will; und wenn es hochkommt noch ein einzelnes Häuschen mit einem verqueren älteren Paar. Das ist schon etwas wenig für einen Endzeitfilm, der vor allem eines vermissen lässt: ein Porträt dessen, wie sich die Überlebenden organisieren, wie sie miteinander interagieren; kurzum: wie sie überleben. Selbst die eigentlich herausragendste Gegenüberstellung, die von Eli (Denzel Washington) und seinem Widersacher Carnegie (Gary Oldman) bleibt geradezu handzahm und oberflächlich, von einem wie auch immer gearteten Glaubenskrieg offenbart sich hier nur ein klitzekleines Fünkchen. Wenn es heiß hergeht, dann werden ohnehin eher Kugeln als Worte ausgetauscht – sodass THE BOOK OF ELI über weite Strecken wie ein simpler Actioner wirkt. Nur eben mit keinem gewöhnlichen Hauptcharakter – sondern einem, der hie und da wie eine moderne Reinkarnation eines Jesus Christus wirkt, respektive dargestellt wird.

Immerhin hat THE BOOK OF ELI auch Stärken, die ihn gerade noch vor dem endgültigen Verfall retten können – auch wenn diese eher oberflächlicher Natur sind. Zum einen wäre da die insgesamt gelungene Optik. Hier und da hält man zwar einige besonders artifiziell wirkende CGI-Elemente bereit – doch die Farben, die Kameraführung und die Gestaltung der (extrem kleingehaltenen) Ödland-Welt wissen zu gefallen; erinnern sie nicht von ungefähr an Genreklassiker wie MAD MAX. Auch die Leistungen der Darsteller bewegen sich auf einem anständigen Niveau; dass der Charakter von Eli selbst etwas starr und konstruiert wirkt liegt nicht an Denzel Washington – sondern am Drehbuch. Am glaubwürdigsten aber bleibt Gary Oldman als post-apokalyptischer Tyrann mit einem seltsamen Hang zu Büchern, beziehungsweise dem einen Buch. In einem anderen Film vielleicht… ?

Fazit: THE BOOK OF ELI präsentiert sich als moderner Endzeitfilm, der mit einigen Konventionen bricht – nur um daraufhin in noch moralinsaurere Bereiche abzudriften und den moralischen Zeigefinger bis zum geht-nicht-mehr zu erheben. Wer bisher der Meinung war, dass überschwänglicher Patriotismus in Hollywood-Filmen eine Begleiterscheinung ist auf die man gut und gerne verzichten könnte, der sollte sich erst einmal den hier präsentierten Beitrag ansehen. Denn der trieft nicht nur so vor Patriotismus und Aufopferung für den guten (aber selten nachvollziehbaren) Zweck, sondern macht auch nicht davor Halt eine ganz spezielle Religion auf den höchsten Thron zu heben. Kurzum: eine bessere, hippere Werbung für das Christentum hätte man einfach nicht auf die Beine stellen können. Vor allem dann nicht, wenn man sich (s)eine Moral immer so hinbiegt, wie man sie gerade haben möchte. Ist wirklich alles erlaubt, geht es um eine ‚gute‘ Sache ? Geradezu witzig (und ein weiteres Merkmal der Widersinnigkeit des Films) ist, dass in einem Nebensatz der Grund für die hier stattgefundene Apokalypse erwähnt wurde – man könnte es so verstehen, als hätte es einen Glaubenskrieg gegeben. Was kann da also sinniger sein, als vehement ein Artefakt jener alten Zeit zu bewahren, um das Ganze von vorne beginnen zu lassen ? Danke, Eli.

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„Was ist schlimmer: amerikanischen Patriotismus und die Rolle des Christentums überhaupt gemeinsam in einem Film zu behandeln, oder das Ganze als Welt-rettende Wahrheit abzustempeln ? Zieht man jene Elemente ab, bleibt ein handelsüblicher; im Vergleich sogar verdächtig schwacher Endzeitfilm zurück.“

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Filmkritik: „A Boy And His Dog – In Der Gewalt Der Unterirdischen“ (1975)

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Originaltitel: A Boy And His Dog
Regie: L.Q. Jones
Mit: Don Johnson, Susanne Benton, Jason Robards u.a.
Land: USA
Laufzeit: 91 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Science-Fiction / Fantasy / Action / Thriller
Tags: Atomkrieg | Weltkrieg | Apokalypse | Wüstenlandschaft | Desolat

Nur nicht die Nerven verlieren.

Inhalt: Im Jahre 2024 ist die Welt durch einen schwerwiegenden Atomkrieg beinahe völlig zerstört. Die Errungenschaften der Zivilisation sind verblasst, es gibt nur wenige Überlebende – die aufgrund der erhöhten Strahlungswerte teils unterirdisch leben. Doch auch auf der nunmehr wüstenartigen Erdoberfläche trifft man noch Menschen – wie den Einzelgänger Vic (Don Johnson) und seinen Hund Blood. Die beiden, die aus irgendeinem Grund einen besonderen Weg gefunden miteinander zu kommunizieren, müssen sich nicht nur den erhöhten Gefahren des Alltags stellen – sondern sich tagtäglich auf Nahrungssuche begeben um zu überleben. Eines Tages treffen Vic und Blood auf eine junge Frau; Quilla June (Susanne Benton). Vic, der eigentlich nur an die Befriedigung seiner Fleischeslüste denkt, sieht sich daraufhin in einem weiteren Kampf verwickelt. Nach einem gerade noch siegreichen Ausgang kann er seine Lust endlich befriedigen – doch offenbar hat Quilla ein größeres Interesse an ihm entwickelt. Sie möchte Vic mit in den Untergrund nehmen, wo eine größere Gruppe von Menschen lebt. Der zögert jedoch, auch seinem treuen Begleiter zuliebe. Doch eine Reihe unglücklicher Umstände sorgt doch noch dafür, dass Vic den Untergrund betritt – ein fataler Fehler, wie sich herausstellt.

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Kritik: Eine Inhaltsangabe sollte stets möglichst neutral gehalten werden und Lust auf das zu erwartende Werk machen – ein Umstand, der im Falle des vorliegenden 1975’er Films A BOY AND HIS DOG nicht ganz leicht umzusetzen ist. Grundsätzlich, und ganz nüchtern betrachtet handelt es sich um einen Survial-Thriller vor einem postapokalyptischen Hintergrund. Doch bei näherer Betrachtung offenbart sich recht schnell, dass das ungewöhnliche Projekt des Regisseurs L. Q. Jones nicht zweifelsfrei einem einzigen Genre zuzuordnen ist. A BOY AND HIS DOG basiert auf einer gleichnamigen Kurzgeschichte (1969) von Harlan Ellison – und vermag es, die Aufmerksamkeit des Zuschauers in mehrerlei Hinsicht schnell auf sich zu ziehen. So plump die Prämisse der beiden fiktiven Weltkriege auch scheint (schließlich wird sie lediglich in einem kurzen Vorstellungssatz abgehandelt) – sie erfüllt ihren Zweck; und erklärt die hier vorgestellte, desolate Wüsten-Welt. Doch nicht nur an die plötzlich heraufbeschworene Nachkriegsstimmung muss man sich (sehr schnell) gewöhnen. Gerade in Bezug auf die inhaltlichen Zusatzelemente, die den Film mitunter so einzigartig machen; sollte man als Zuschauer schon eine gewisse Offenheit mitbringen.

So begegnen einem schon in einer der ersten Szenen das ungewöhnliche Duo aus dem Einzelgänger Vic und Blood, seinem Hund. Hier bekommt die Umschreibung als treuer Begleiter eine gänzlich neue Bedeutung, zumindest in Survival-Filmen wie diesen: Blood kann sprechen, und mit seinem ausgeprägten Spürsinn allerlei Wesen aufspüren; vor allem weibliche. Was auf in den ersten Momenten anmutet wie ein schlechter Scherz, stellt sich im weiteren Verlauf als das mitunter interessanteste Element des Films heraus. Auch eines, das tatsächlich einen inhaltlichen Sinn ergibt – wenn man sich auf das Setting einlässt und seine Fantasie spielen lässt. Schade nur, dass nicht näher auf mögliche Mutationen (und Story-Hintergründe im allgemeinen) eingegangen wird – und der Film so arg groteske Züge annimmt. Man weiss als Zuschauer schließlich nur selten, woran man ist. Gerade die erste Hälfte bietet einen kruden, teils etwas zähen Mix aus etwas ausgelutscht wirkenden Survival-Szenen und unbeholfen-komödiantischen Momenten – die grundsätzlich als halb ernstgemeint, halb irrwitzig auszulegen sind. Zahlreiche Witzeleien, und vor allem auch Streitgespräche zwischen Vic und seinem Hund eingeschlossen. Gerade diese wirken oftmals übertrieben komisch, aber gewissermaßen auch einzigartig und originell.

Der eigentliche Clou des Films ist aber seine plötzliche Wandlung, die in etwa gegen Mitte der Spielzeit forciert wird. Hier betritt Vic den Untergrund – und das alles andere als zufällig. Was sich spannend anhört (das ist es durchaus), ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn: was sich hier unter der Erde abspielt, ist mitunter noch grotesker als die vorangegangen Ereignisse der erste Hälfte. Starke Zuschauer-Nerven sind hier ebenso gefragt wie ein lebendiges Interesse an extravagant verpackten filmischen Botschaften. Wer will, kann aus diesen Szenen schließlich weit mehr holen als das, was das Kratzen an der bloßen Oberfläche hervorbringt. Eine Oberfläche die, zugegebenermaßen stark gewöhnungsbedürftig ausfällt – allein in optischer und gestalterischer Hinsicht. Letztendlich werden in A BOY AND HIS DOG aber doch weit mehr ernstzunehmende inhaltliche Aspekte feilgeboten, als es den Anschein hat. Während andere Werke sich zumeist völlig auf den moralischen Verfall fokussieren, macht man in A BOY AND HIS DOG genau das – aber geht noch einen Schritt weiter, und beleuchtet eine überspitzt dargestellte neue Gesellschaftsform, geboren aus der Asche eines atomaren Weltkrieges.

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In technischer Hinsicht bedient A BOY AND HIS DOG vor allem ein Genre: das des Indie-Films. Offenbar hatte man alles andere als mannigfaltige Mittel zur Verfügung, weshalb man sich auf das absolut notwendigste beschränkte, vielleicht auch beschränken musste. Als Kulisse dienen vor allem karge Wüstenlandschaften, auf die hie und da ein Blickfang gesetzt wurde – und ganz selten auch mal eine kleine Stadt, wie zu Beginn des Films. Gerade von dieser postapokalyptischen Steampunk-Attitüde (mitsamt rauer Typen und stimmigen Kostümen) hätte es vielleicht noch etwas mehr sein können. Daraufhin nutzt man hauptsächlich alte Fabrikhallen (mit langen Korridoren, verwinkelten Räumlichkeiten), die als Schauplatz durchaus funktionieren – aber alles andere als spektakulär oder besonders stimmig in Szene gesetzt zu bezeichnen sind. Die unterirdische Stadt wirkt dann insgesamt am unglaubwürdigsten; und alles in allem wie ein großer böser Traum. Was hier Absicht ist, und was dem niedrigen Budget geschuldet – das muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Optisch ist A BOY AND HIS DOG nicht unbedingt ein Hingucker – aber immerhin ist ihm eine gewisse Einzigartigkeit nicht abzustreiten. Das gleiche gilt auch für den geradezu ulkigen Soundtrack, der den allgemein grotesken Eindruck noch unterstreicht. Ein großes Lob sollte man auch für die rundum gelungenen darstellerischen Leistungen aussprechen.

Fazit: A BOY AND HIS DOG ist ein einzigartig-merkwürdiger Survival-Film mit offensichtlichem Kult-Potential. Die grotesken Einfälle (der telepathisch begabte Hund, die gentechnisch ‚verarmte‘ Untergrund-Gesellschaft mit seltsamer Obrigkeit) sind unterhaltsam, und verpassen dem Film einen unverkennbaren Stempel. Zudem ermöglicht er das Entstehen mindestens zweier inhaltlicher Auffassungen: die einen werden in dem Film das sehen, was gezeigt wird – die anderen mehr als das, das Angebot ist zumindest da. Denn so skurril der Film auch ist: hirnlos ist er nicht. Nur extrem gewagt und unkonventionell; was auch den allgemein offenen Umgang mit Sex und Gewalt erklärt. Das alles andere als vorhersehbare, geradezu dreiste und in jeder Hinsicht ‚unkorrekte‘ Ende setzt A BOY AND HIS DOG dann endgültig die Krone auf. Hätte man etwas besser machen können ? Vielleicht. Ein wenig mehr Informationen zur Welt und den Hintergründen, etwas bessere Kulissen und ein nicht ganz so schroffer Gegensatz der beiden Welten (Über- und Unterirdisch) hätten dem Film das letzte i-Tüpfelchen verpasst. Es bleibt bei einem absolut sehenswerten Klassiker für Freunde des guten (oder war es doch eher schlechten ?) Geschmacks.

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Filmkritik: „Six String Samurai“ (1998)

Filmtitel: Six String Samurai
Regie: Lance Mungia
Mit: Jeffrey Falcon, Justin McGuire u.a.
Laufzeit: 91 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Action / Science Fiction

Manchmal müssen alte Legenden durch neue ersetzt werden.

Inhalt: In einem postapokalyptischen Amerika, welches im Jahre 1957 durch russische Atombomben beinahe vollständig dem Erdboden gleichgemacht wurde, regiert der King des Rock n‘ Roll die jetzige Hauptstadt Lost Vegas. Der King ist niemand geringeres als Elvis selbst – der noch immer von einigen übrig gebliebenen Soldaten der roten Armee belagert wird. Die Stadt scheint sicher – doch eines Tages stirbt der King, und gibt damit einen Anlass für das Ödland, einen neuen Anführer zu erwählen. Auch Buddy (Jeffrey Falcon), ein Mann welcher stets ein Katana und eine Gitarre mit sich führt, scheint sich für diesen Posten zu interessieren – und macht sich auf den langen Weg nach Lost Vegas. Unterwegs trifft er dabei auf einen kleinen Jungen (Justin McGuire), dessen Eltern gerade ermordet wurden – er rettet ihn, und sieht damit eigentlich schon seine Pflicht getan. Doch der Junge, der nicht reden will oder reden kann, folgt Buddy – und so werden die beide zu einem ungewöhnlichen Duo, welches auf dem Weg nach Lost Vegas einige Gefahren meistern muss. Nicht nur, dass ihnen Horden von Wilden, gewalttätige Bowlingspieler und eine kannibalische Vorstadtfamilie ans Leder wollen – auch der Tod höchstselbst ist mit von der Partie. Der will noch vor Buddy Lost Vegas erreichen, um die Herrschaft des Metals anstatt des Rocks einzuläuten – ein spannendes Kopf-an-Kopf Rennen beginnt.

Kritik: Was, ja was bitte ist denn das ? Im Falle von SIX STRING SAMURAI handelt es sich zweifelsohne um einen Film mit einer wunderlichen Story-Beschreibung, die sich wie eine Verunglimpfung einer eben solchen liest. Und auch ein genaueres Hinsehen verheisst alles andere als gutes: der Low-Budget-Film aus dem Jahre 1998 kostete immerhin 2 Millionen Dollar, spielte aber nur schlappe 125.000 wieder ein. Ein Film wie dieser, welcher einen bei Gelegenheit im Niedrigpreis-Segment eines Kaufhauses begegnen könnte, kann doch einfach nur miserabel sein – oder ? In der Tat sollte man dies meinen – doch umso größer ist die Überraschung, die man mit dem Genuss dieses nicht ganz eindeutig zuzuordnendem Werk erlebt. SIX STRING SAMURAI wird als Mischung aus Science Fiction und Action angepriesen – doch es kommt ganz anders als man denkt. Das Setting eines postapokalyptischen Amerikas, das die Russen mit Atombomben zugepflastert haben; sowie der ominöse Zufluchtsort Lost Vegas und die Figur des Tods könnten tatsächlich als Sci-Fi Anleihen bezeichnet werden – doch letztendlich könnte man auch gleich noch weiter ausholen und das Ganze sinnbildlich in einer Art Paralleluniversum stattfinden lassen. Denn: was SIX STRING SAMURAI zeigt, gleicht weniger einem authentischen Porträt einer hoffnungslosen Welt – sondern vielmehr einer kruden Zusammenstellung zutiefst grotesker Szenen und Charaktere.

Allerdings macht der Film dabei recht schnell klar, dass er zumeist nicht allzu ernst genommen werden will. Das merkwürdige Gebaren des Hauptcharakters Buddy, der sich nur widerwillig eines hilflosen Jungen annimmt; das Streben unbedingt die Metropole Lost Vegas zu erreichen um der neue King des Rock n‘ Roll zu werden – viele der enthaltenen Inhalte und Elemente sind nur allzu offensichtlich mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten. Oder aber aus der Sicht des regelmäßigen Filmzuschauers – so werden sich viele Querverweise auf andere Werke finden lassen, wobei die Parallelen zu früheren Werken wie MAD MAX am deutlichsten erscheinen. Doch SIX STRING SAMURAI ist beileibe keine Kopie gewisser Vorbilder oder Verunglimpfungs-Opfer – sondern ohne Zweifel ein komplett eigenständiges Stück Film. Ein absolut verrücktes noch dazu – dessen sollte man sich auf jeden Fall gewahr sein, wagt man sich an ihn heran. Der Film lebt von hoffnungslosen Überzeichnungen und Vereinfachungen: die Charaktere bleiben recht undurchschaubar und werden einseitig porträtiert, sie scheinen wie die vielen Widersacher direkt einem (oberflächlichen) Action-Comicbuch entsprungen. Da bedarf es eben auch nicht vieler Erklärungen: sei es nun die menschenfressende Familie, die stets schick angezogene Rockband, das makabere Bowling-Trio, der personifizierte Tod und seine Bogen-schießenden Begleiter, die unterirdische Kampfarena oder der offensichtlich verdächtig geringe Bedarf an Trinkwasser (in einer Wüste !) – alles hat seinen angestammten, wenn auch recht zusammenhanglos erscheinen Platz.

Die Wirkung die von SIX STRING SAMURAI ausgeht, ist jedoch nicht in einzelnen Szenen, Charakteren oder gar der eigentlich gar nicht vorhandenen Story zu entdecken – sondern einzig und allein in seiner ungewöhnlichen Gesamtwirkung. Diese fällt, wie sollte es anders sein: zutiefst unglaubwürdig, billig, trashig und beinahe willkürlich aus. Doch gerade daraus schöpft der Film einen Großteil seiner Reize: man wird über weitere Strecken schlicht überdurchschnittlich gut unterhalten, bekommt allerlei groteske Lacher serviert – und ein Porträt einer Ödland-Welt, wie man es so noch nie gesehen hat. Dabei ist zu bemerken, dass SIX STRING SAMURAI absichtlich in diese schwer zu definierende Richtung steuert – von einem unfreiwilligen Trash-Charme ist also keinesfalls die Rede. Nein, der Film ist ein Trashfilm durch-und-durch – und spielt mit der bunten Zusammenwürfelung von pittoresken Landschaftsaufnahmen, durchgedrehten Charakteren und vermeintlichen Sinnlos-Szenen. Im Endeffekt könnte man aber tatsächlich weitaus mehr im Film entdecken, als man zuerst vermuten würde – womit Regisseur Lance Mungia das unglaubliche gelingt. Er macht aus einem Film, der auf den ersten Blick zu keinem Zeitpunkt ernstzunehmenden ist, ein überraschend stimmiges B-Movie mit dem Hang zum besonderen. So offenbart vor allem das Ende mehr, als die vorherige Szenenzusammenstellung als plumpes Konstrukt ohne Daseinsberechtigung zu entlarven – es gibt Aufschlussreiche Hinweise auf die  Bedeutung des Charakters des Jungen, der Buddy begleitet hat. Der Rock ist somit gewiss nicht tot – er lebt in Form des kleinen Begleiters als Repräsentant einer neuen Generation weiter. Die alternative Variante wäre gewesen, dass der Metal, personifiziert durch den Tod selbst, obsiegt – wohlgemerkt, man darf diese Elemente und Begrifflichkeiten nicht nur auf der ersten Ebene betrachten. Es geht in SIX STRING SAMURAI schließlich um weitaus mehr als um eine Auseinandersetzung der verschiedenen Musikrichtungen – doch das sollte offensichtlich sein.

So hat SIX STRING SAMURAI durchaus eine gewisse Kontinuität in Bezug auf die nur vermeintlich sinnfreien Inhalte zu bieten. Die ungewöhnliche Aufmachung und die Umkehrung sämtlicher allgemein gültiger Stilmittel dienen also nur als Träger der eigentlichen Informationen und Inhalte. Gewiss, diese Herangehensweise ist diskutabel – und führt mitunter dazu, dass sich viele Zuschauer entgeistert abwenden und den Film als Schund bezeichnen werden. Doch gibt es selbst für derlei Zweifler mindestens drei vergleichsweise handfeste Aspekte, die auf die unterschwellige Qualität (als frei zu interpretierenden Begriff) des Films schließen lassen. Zum einen ist dies die verdammt gute Filmmusik, die aus treibend-rockigen Klängen besteht und eigens von den The Red Elvises und Brian Tyler für den Film komponiert wurde. Allein diese Musik, ob man sie nun im Zusammenhang mit den gezeigten Szenen betrachtet oder nicht, schafft eine bemerkenswert skurrile Atmosphäre. Das zweite, deutlich handfestere Element findet sich in Bezug auf die ungewöhnliche Beziehung des Katana-schwingenden Hauptcharakters und dessen Begleiter wieder. Dieses Porträt fällt, von einigen eher nervigen Elementen einmal abgesehen, ebenfalls tiefer aus als gedacht; bietet stellenweise gar einige Drama-taugliche Komponente (Brechen des Schweigens, Annäherung in der Wüste, Anvertrauen der Gitarre als Sinnbild et cetera). Der dritte Aspekt ist schlicht der Mut und das Wagnis, ein solches Werk auf die Beine zu stellen – ein gänzlich anderes, definitiv nicht massentaugliches und absolut unkonventionelles. Wenn man so will, könnte man also von einer ähnlichen Ambition ausgehen wie sie einst und seinerzeit Werken wie BRAINDEAD zugrundelag. Ein anderes Genre, ein anderer Film – doch ein ähnliches Konzept, welches schnell missverstanden werden könnte.

Fazit: Was wohl passiert wäre, hätte der (todbringende) Heavy Metal gewonnen ? Man weiss es nicht. Mit SIX STRING SAMURAI darf man sich in jedem Fall auf etwas gefasst machen. Auf nichts anderes als ein so noch nie erlebtes, zutiefst ungewöhnliches und verdammt unterhaltsames Werk im überzeichneten Comic-Stil. Dann doch lieber einen Film wie diesen – als die typisch glattgeschliffenen, überteuerten und möglichst allen gefallenden Hollywood-Verfilmungen bekannterer Comic-Franchises. Einige Abzüge in der B-Note gibt es dann allerdings doch: der Film hätte aufgrund einiger Längen glatt 10 Minuten kürzer sein dürfen, außerdem hätte man einige Stilmittel nicht derart überstrapazieren sollen. So ist vor allem der akustische Part (nicht der Soundtrack) von einer gewissen Eintönigkeit durchzogen – seien es die generelle Asynchronität, die übertriebenen Echo-Effekte oder unpassende Geräuscheffekte, hier gilt es Durchhaltevermögen zu zeigen. Und auch die ‚Schlacht‘ zwischen Buddy und den verbliebenen Truppen der Roten Armee hätte man sich beinahe komplett schenken können. Filmische Fehler und Unstimmigkeiten gibt es zuhauf – aber das ist bei einem Werk wie diesem auch gar nicht zu vermeiden. Eine absolute Empfehlung – für einen Filmabend unter Freunden, an dem man sich gut (und mal ganz anders) unterhalten wissen will.

Filmkritik: „Phase 7“ (2011)

Originaltitel:  Fase 7
Regie: Nicolas Goldbart
Mit: Daniel Hendler, Jazmín Stuart, Yayo Guridi u.a.
Laufzeit: 93 Minuten
Land: Argentinien
FSK: Ab 16
Genre: Thriller / Horror

Wenn der Dritte Weltkrieg zweimal klopft…

Inhalt: Eine Epidemie ist ausgebrochen ! Die Medien hören nicht auf, von der Katastrophe zu berichten und ermahnt alle Bürger, sich in ihre Häuser und Wohnungen zurückzuziehen. Was genau geschehen ist, lässt sich indes kaum sagen. Handelt es sich um die Folgen einer Umweltkatastrophe, um ein Austreten hochgiftiger Stoffe; oder hat vielleicht sogar die Regierung die Finger im Spiel, wie einige Verschwörungstheoretiker behaupten ? Doch ein junges Paar, bestehend aus Coco (Daniel Hendler) und der schwangeren Pipi, hat momentan ganz andere Probleme. Sie müssen dafür sorgen, dass sie genug Lebensmittel kaufen und sich selbige gut einteilen – es scheint, als müssten auch sie für eine längere Zeit in ihrer Wohnung bleiben. Die Lage spitzt sich alsbald zu, als Wissenschaftler das Gebäude von aussen hermetisch abriegeln – und niemanden hinein oder hinaus lassen. Die wenigen im Haus verbliebenen Nachbarn stellen sich auf eine lange Wartezeit ein – doch schon bald kommt es zu ersten gegenseitigen Anfeindungen. Wie gut also, dass Cocos Nachbar ein heimlicher Waffenfanatiker zu sein scheint – und die beiden von nun an gemeinsame Wege gehen.

In Zeiten wie diesen ist sich jeder selbst der nächste…

Kritik: PHASE 7 – ein Filmtitel, der wie die Beschreibung einer der letztmöglichen Eskalationsstufen eines globalen Problems klingt. Und damit ist es tatsächlich gar nicht mal so weit her: im 2011 erschienenen, argentinischen Film geht vordergründig um die Folgen einer Pandemie ungewissen Ursprungs, die die Menschen dazu zwingt, sich hinter verschlossenen Türen und Fenstern aufzuhalten. Trotz dieser relativ klaren Prämissen lässt er sich allerdings nicht ganz eindeutig zuordnen – da er verschiedene Genre-Ansätze miteinander kombiniert. Zwar schwebt über allem der mächtige und prestigeträchtige Begriff des Endzeitfilms – doch im Detail verwebt Regisseur Nicolas Goldbart zu gleichen Anteilen Elemente des Horrorfilms, des Thrillers und des Dramas. Selbst dezente Elemente der Comedy hat er in sein ungewöhnliches Werk eingeflochten – sodass den Zuschauer gerade in den ersten Minuten ein äusserst stimmiges, im Film-Sinne erfrischendes und vielversprechendes Szenario erwartet. Es ist jedoch wichtig, PHASE 7 immer als das zu nehmen, was er ist: ein Film, der die Folgen einer Seuche / Epidemie aus einem stark eingeschränkten Sichtfeld porträtiert – einem Haus-internen Mikrokosmos gleich. Involviert sind also gerade einmal eine handvoll von Personen – wobei sich selbige den absoluten Großteil des Films im nunmehr hermetisch versiegelten Haus aufhalten. Wie genau es zur Epidemie gekommen ist, was sie für die Menschheit im gesamten bedeuten könnte, wer etwas dagegen unternimmt oder nicht – kurz: der gesamte Makrokosmos – rückt dagegen kaum in den Fokus. Erst gegen Ende wagt man sich – als absolute Ausnahme – auf die Straße, und sieht sich mit einer umfassenderen Situation konfrontiert.

Somit wird das Filmprojekt PHASE 7 zu einem sehr personenbezogenen Drama-Thriller – der auf mögliche Massenunruhen, ausufernde Kämpfe und potentielles Zombie-Gemetzel gar nicht erst eingeht. Dass das generell eine gute Idee ist, liegt auf der Hand. Zu überlaufen scheint der Markt von Genreproduktionen, die sich typischer Schemata wie Überlebende-treffen-auf-Infizierte bedienen und immer weniger neues bieten können. Dass aber auch ein ambitionierter, vieles anders machender Film wie PHASE 7 deshalb nicht automatisch zu einem Genrehighlight avancieren muss, gehört leider zur bitteren Wahrheit. Nicolas Goldbart verschenkt schlicht zu viel Potential, als dass er es in einer stimmigen, potentiell kultverdächtigen Art und Weise ausgenutzt hätte. Einiges an Stoff und Geschichten gäbe es in der dargestellten Wohnsituation sicherlich zu erzählen – doch letztendlich wirkt das Porträt der eingeschlossenen überraschend unglaubwürdig und der allgemeinen Spannung kaum förderlich. Wenn ein erheblicher Teil der zu erzielenden Filmwirkung als Last auf den Schultern der Charaktere liegt – dann sollte man sich in jedem Fall auch darum kümmern, genügend Ideen parat zu haben. Das besondere: in PHASE 7 sind die Charaktere nicht einmal besonders stereotyp ausgefallen, im Gegenteil – gerade mit dem ungewöhnlichen Paar (welches keinen besonders netten Umgangston pflegt) hat man eigentlich eine gute Wahl getroffen. Wenn sich aber gerade diese Hauptcharaktere im weiteren Verlauf immer unglaubwürdiger verhalten und sich schlicht und einfach dämlich anstellen – dann führt das zu vor Wut und Ärger qualmenden Köpfen.

Der Kniff: in PHASE 7 bietet man die offensichtlichen Drehbuchschwächen nicht direkt feil, sodass man sich als Zuschauer oftmals fragen wird, ob diese oder jene Handlung nun absichtlich so dargestellt wurde – oder vielleicht sogar eine Daseinsberechtigung im Sinne anderer Genres (wie der dezenten Comedy / Satire) hat. Doch wenn zu viele dieser merkwürdigen Elemente in einem grundernsten Film (wie PHASE 7 einer ist) zusammenkommen, hört es auch mit der Bereitwilligkeit zur Interpretation auf. So hat die hochschwangere Frau kaum andere Sorgen, als sich mit ihrem Mann zu streiten. Sie scheint sich nicht um die Epidemie zu kümmern, verschwendet keinen einzigen Gedanken an ihr bald zur Welt kommendes Kind – und bekommt zu allem Überfluss nichts von den Ereignissen ausserhalb der Wohnung mit. Auch nicht, wenn Schussgeräusche fallen, es Explosionen im Treppenhaus gibt, ihr Mann verletzt in die Wohnung zurückkehrt. Will sie es nicht wahrhaben, greifen hier psychologische Aspekte (wie Verdrängungsmechanismen) oder ist sie schlicht minderbemittelt ? Der Film gibt nicht einmal einen kleinen Hinweis darauf. Ihr Mann hingegen wird als schüchtern und verkappt dargestellt – was noch in Ordnung wäre. Allerdings sammeln sich auch hier allerlei Merkwürdigkeiten: Waffen sind ihm unangenehm – Leichen aber nicht. Er rennt gleich zwei Mal in eine Art Sprengfalle – was beim ersten Male und aufgrund der Panik nachvollziehbar ist. Wenn er beim zweiten Mal aber kurz erschrocken stehenbleibt, nur um sein Gesicht dann genau zur Sprengladung hin auszurichten, dann ist das hirnrissig. Überhaupt kann dieser Charakter schnell zu einer Art Nerv-Faktor werden – spätestens als er gegen Ende seinem ohnehin schon paranoiden Nachbarn versucht, gut zuzureden – und daraufhin, oh Überraschung – ein Messer ins Bein kriegt.

Fazit: Nach unzähligen Merkwürdigkeiten ist es am Ende dann aber die Ideenlosigkeit, die überwiegt. Eine Familie, die man Abwesend glaubte, taucht plötzlich auf – und rettet den Hauptcharakter. Man entscheidet sich, doch einen Versuch zu unternehmen die ‚Welt dort draussen‘ zu erkunden – doch wenn es bereits im Haus derartige Probleme gab, wie würden sich diese Charaktere dann anderswo anstellen ? Man verbitte sich an dieser Stelle Rufe nach einem zweiten Teil. Was als etwas andersartige Charakterstudie geplant war, entpuppt sich im Endeffekt als (unfreiwillige) Lachnummer, die zu reichlich Kopfschütteln und Langeweile führt – der saloppe Spruch nach dem Film ist vor dem Film bekommt eine gänzlich neue Bedeutung. Was will PHASE 7 eigentlich ? Will er ein glaubwürdiges Endzeitporträt mit glaubwürdigen Charakteren zeichnen ? Versucht er es über die (schwarz-)humorige Schiene, und lässt die Charaktere absichtlich in allerlei Fettnäpfchen treten ? Was auch immer die Intention war – das Ergebnis verschwimmt zu einem merkwürdigen Wirrwarr aus verschiedenen Ansätzen, die letztlich kein stimmiges Bild ergeben. Einzig in technischer Hinsicht kann der Film überzeugen – auch wenn er mit einem vergleichsweise geringen Aufwand produziert werden konnte. Die Darstellerriege hat Potential, ebenso die Arbeit des Kamerateams – und auch der nur stellenweise etwas zu aufdringliche Soundtrack entwickelt einen gewissen Charme. Alles in allem: ein eher ärgerlicher Film, der massenhaft Potential verschenkt.