Metal-CD-Review: EMERALD SUN – Escape From Twilight (2007)

Alben-Titel: Escape From Twilight
Künstler / Band: Emerald Sun (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. März 2007
Land: Griechenland
Stil / Genre: Power Metal
Label: LMP

Alben-Lineup:

Bill Kanakis – Drums
Johnnie Athanasiadis – Guitars
Teo Savage – Guitars
Jim Tsakirides – Keyboards
Jimmy Santrazami – Vocals
Spyros Babatzanides – Bass

Track-Liste:

1. Sunrise (01:30)
2. Scream Out Loud (05:08)
3. High in the Sky (06:49)
4. The Traveller (00:58)
5. Sword of Light (05:59)
6. Eyes of Prophecy (04:40)
7. Escape from Twilight (05:49)
8. Emerald Sun (06:45)
9. H.M. (04:33)
10. The Story Begins (04:36)
11. Not Alone (05:38)

Ein Déjà-vu der nicht ganz unproblematischen Art.

Nein, ein absolut hervorragendes oder gar kultverdächtiges Debüt hatten die griechischen Power Metaller von EMERALD SUN mit ihrem Erstwerk THE STORY BEGINS (2005, siehe Review) nicht hingelegt – und doch handelte es sich um ein recht spielfreudiges und grundsätzlich angenehmes Genre-Album, auf das man hätte aufbauen können. Gut, letztendlich haben die Griechen auch genau das getan – wenn auch in einer eher unerwarteten Art und Weise. Mit dem vorliegenden ESCAPE FROM TWILIGHT haben sie respektive Limb Music schließlich eine beinahe deckungsgleiche zweite Variante ihres Debütalbums an den Start gebracht. Beinahe deckungsgleich war und ist sie deshalb, da man das Album zwar nicht komplett neu aufgenommen hatte – dafür aber einen neuen Mastering-Prozess vorsah. Einen, der letztendlich weniger am betroffenen Liedgut veränderte – zumal sich weitere Veränderungen an den einzelnen Titeln auf ein absolutes Minimum beschränken. Als ein Beispiel sei hier gennant, dass das Instrumental EMERALD SUN nun nicht mehr mit einem ärgerlichen Fadeout endet – was nicht viel ist, aber immerhin. Dem sicherlich löblichen Grundgedanken zum Trotz ergibt eine Vorgehensweise wie diese aber natürlich auch Schwierigkeiten – die sich hier in mindestens zweierlei Richtungen offenbarten.

Ein Problem liegt beispielsweise schlicht darin begründet, dass die Entscheidung bezüglich der Neuveröffentlichung für einen dezenten Anflug von Verwirrung sorgte – und auch heute noch bei nicht jedermann auf Verständnis stoßen wird. Dass THE STORY BEGINS und ESCAPE FROM TWILIGHT letztendlich ein und dasselbe Album sind ist dabei nur der (glücklicherweise schnell zu bemerkende) Anfang – die Frage nach dem besseren, wertigeren; und vielleicht auch von der Band am ehesten abgesegneten Release eine ganz andere. Schließlich brachte der Prozess des Remasterings nicht nur Vorteile mit sich, oder anders gesagt: während der insgesamt ausgewogenere und auch druckvollere Soundeindruck im Vergleich zur Urfassung grundsätzlich überzeugt, scheint die Neufassung auch die ein oder andere instrumentale Schwäche zu offenbaren. Vornehmlich solche, die in der etwas raueren Urfassung nicht ganz so deutlich aufgefallen waren – und ESCAPE FROM TWILIGHT somit erst Recht zu einem eher streitbaren und im schlimmsten Fall sogar fast schon klinisch oder generisch wirkenden Genre-Album avancieren lassen. Denn, und daran ändert auch die Neufassung nichts: einen wie auch immer gearteten Innovationspreis haben EMERALD SUN für ihren Karriere-Auftakt nicht verdient, wobei es eine fragliche Veröffentlichungsstrategie wie die vorliegende natürlich nicht gerade besser macht.

Da das Album aber im Kern dasselbe geblieben ist und sich so gesehen auch nichts an der Qualität des offerierten Materials geändert hat (mit Ausnahme des hier seltsamerweise schlechter als im Original klingenden H.M.) – könnte man zumindest theoretisch die Endpunktzahl des Vorgängers übernehmen. Da es sich aber doch um eine eher fragliche Strategie handelt, die Neuveröffentlichung etwas mehr Schwächen innerhalb des EMERALD SUN-Handwerks offenbart und ein Recycling-Produkt niemals die gleiche Bedeutung haben sollte wie das jeweilige Orginal; gibt es einen dezenten Abzug. Man entscheide selbst…

Absolute Anspieltipps: SCREAM OUT LOUD, HIGH IN THE SKY, ESCAPE, AND THE STORY BEGINS


„Kein zweites Album – sondern eine grundsätzlich diskutable Neuveröffentlichung, die die Urfassung kaum verbessert.“

Metal-CD-Review: EMERALD SUN – The Story Begins (2005)

Alben-Titel: The Story Begins
Künstler / Band: Emerald Sun (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. November 2005
Land: Griechenland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Encore Records

Alben-Lineup:

Johnnie Athanasiadi – Guitars
Bill Kanakis – Drums
Teo Savage – Guitars
Jim Tsakirides – Keyboards
Jimmy Santrazami – Vocals
Spyros Babatzanides – Bass

Track-Liste:

1. Sunrise (01:00)
2. Scream Out Loud (05:22)
3. Sword of Light (06:54)
4. High on the Sky (06:43)
5. Eyes of Prophecy (04:51)
6. Emerald Sun (05:56)
7. Not Alone (05:18)
8. Escape (05:38)
9. And the Story Begins (04:48)
10. H/M (04:44)

Jede Geschichte hat einen Anfang.

Auch wenn sich die aus Griechenland stammenden Power Metaller von EMERALD SUN bereits im Jahre 1998 zusammengefunden hatten, sollte es bis zu ihrem ersten offiziellen Studioalbum noch etwas dauern. Nach zwei kleineren Demos und einigen frühen Mitgliederwechseln war es dann aber endlich soweit – und THE STORY BEGINS erblickte 2005 über das Label Encore Records das Licht der Welt. Enthalten sind insgesamt 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 51 Minuten – was im Zusammenspiel mit dem zugegebenermaßen eher schlichten Cover-Artwork und dem seinerzeit noch nicht wirklich vorhandenen Bekanntheitsgrad der Band auf nicht allzu viel schließen ließ. In Anbetracht des relativen Überraschungseffektes (der teilweise auch daraus resultierte, dass die Band als eine der wenigen nennenswerten aus Griechenland stammt) war und ist das, was EMERALD SUN hier in einem ihrer frühesten Stadien auf die Beine gestellt hatten; aber durchaus überzeugend – auch wenn das Genre-Rad beileibe nicht neu erfunden wurde und THE STORY BEGINS letztendlich nicht sonderlich anders klingt als so viele andere Power Metal-Alben der frühen 2000er Jahre.

Dennoch lässt sich einfach nicht verhehlen, dass dem Album sowohl eine auffallende und sich auf den Hörer übertragende Spielfreude, als auch einen relativ hohen Spaßfaktor mitbringt – wofür sich vornehmlich die recht hymnische, aber auch abwechslungsreiche Aufmachung der einzelnen Titel verantwortlich zeichnet. Anders gesagt: wer nichts gegen einen eher klassisch aufgemachten Power Metal mit einem typisch hohen Leadgesang, antreibenden Drums inklusive zahlreicher Doublebass-Einlagen, energetische Riffs sowohl im Rhythmus- als auch Solibereich sowie einen nicht immer knapp bemessenen, insgesamt aber noch angenehm zurückhaltenden Einsatz eines Keyboards einzuwenden hat; der sollte mit einem Album wie THE STORY BEGINS relativ problemlos warm werden können. Und das auch oder gerade weil die meisten Nummern absolut problemlos zünden – wie der schlagkräftige Opener SCREAM OUT LOUD, das einige Herausforderungen an den damaligen Leadsänger Jimmy Santrazami stellende aber ebenfalls recht gut funktionierende SWORD OF LIGHT oder das offenbar stark an BLIND GUARDIAN angelehnte AND THE STORY BEGINS.

Aber auch die meisten der anderen Titel machen eine gute Figur – wobei es eigentlich nur Kleinigkeiten sind, die man hätte vermeiden oder anders lösen können. Sei es ein deutlich zu vordergründiges und auf elektronisch getrimmtes Keyboard hier (HIGH IN THE SKY, das eine überaus gelungenen Mittelteil vorzuweisen hat), ein absolut unpassender Fadeout dort (EMERALD SUN, das als instrumentales Zwischenspiel grundsätzlich stimmig inszeniert ist) – oder die sich auf so gut wie alle Titel beziehende Tatsache, dass die Griechen hier noch nicht wirklich aus dem Vollen zu schöpfen schienen. Der grundsätzlich annehme aber eben doch relativ austauschbare und alles andere als spektakuläre Leadgesang sowie die für ein Independent-Release überzeugende aber noch stark ausbaufähigen Abmischungs- und Produktionsfaktoren jedenfalls ließen hier noch reichlich Luft nach oben – von der ganz und gar unsäglich schnulzigen Ballade NOT ALONE sowie dem etwas besseren (aber letztendlich auch nicht viel erreichenden) THE EYES OF PROPHECY gar nicht erst zu sprechen.

Insgesamt aber kann THE STORY BEGINS als Erstwerk einer bis dato unbekannten Combo aus Griechenland relativ konsequent überzeugen – wobei man lediglich abwägen muss ob man mit der hier behandelten ersten Fassung, oder aber der Remastered-Version ESCAPE FROM TWILIGHT (siehe Review) Vorlieb nimmt – die kurioserweise 2 Jahre später veröffentlicht wurde und dabei nicht nur Verbesserungen bereithält.

Absolute Anspieltipps: SCREAM OUT LOUD, HIGH IN THE SKY, ESCAPE, AND THE STORY BEGINS


„Ein ebenso klassisches wie überzeugendes Debüt-Werk einer heutzutage nicht mehr ganz so attraktiven Power Metal-Combo.“

Metal-CD-Review: EMERALD SUN – Under The Curse Of Silence (2018)

Alben-Titel: Under The Curse Of Silence
Künstler / Band: Emerald Sun (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. April 2018
Land: Griechenland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Fastball Music

Alben-Lineup:

Fotis „Sheriff“ Toumanides – Bass
Vasilis Stavrianidis – Drums
Paul Georgiadis – Guitars
Johnnie Athanasiadi – Guitars
Sefis Gioldasis – Keyboards
Stelios „Theo“ Tsakirides – Vocals

Track-Liste:

1. Kill or Be Killed (04:32)
2. All as One (03:53)
3. Carry On (03:56)
4. Blast (04:48)
5. Weakness and Shame (04:15)
6. Journey of Life (05:42)
7. Rebel Soul (05:13)
8. Land of Light (05:29)
9. Slaves to Addiction (04:26)
10. Fame (Irene Cara cover) (04:33)
11. World on Fire (05:49)
12. La Fuerza Del Ser (Spanish Version of Journey of Life) (05:41)

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Gute 3 Jahre nachdem die griechischen Power Metaller von EMERALD SUN die Hörerschaft mit ihrem letztaktuellen Studiowerk METAL DOME (siehe Review) beglückten, folgt mit THE CURSE OF SILENCE der bereits fünfte offizielle Langspieler der Recken um Frontmann Stelios „Theo“ Tsakirides. EMERALD SUN, das sind jene Griechen die im Jahre 2011 das ebenso energiegeladene wie kunterbunte REGENERATION (Review) veröffentlicht hatten – und mit ihrem ebenfalls nicht zu verachtenden Vorgänger THE STORY BEGINS (oder wahlweise auch der Remastered-Version ESCAPE FROM TWILIGHT, Review) im Gepäck eigentlich auf dem besten Wege waren, sich eine entsprechende Fangemeinde aufzubauen. Sicher, gänzlich unumstritten waren EMERALD SUN noch nie – und doch war es für Hörer und Kritiker gleichermaßen spannend, sich mit den vielversprechenden Anfängen der eigentlich schon 1998 gegründeten Band zu befassen. Und das auch oder gerade weil sich die Griechen zunächst wie so viele andere Genre-Combos gaben, schlussendlich aber doch noch für die ein oder andere schlagkräftige Überraschung sorgten.

Schon mit ihrem letztaktuellen Album METAL DOME erfolgte allerdings eine so nicht unbedingt erwartete Kehrtwende. Eine, die die Band in teils merklich ruhigere und leider auch deutlich unspektakulärere Gefilde des Power Metal rücken ließ – auch wenn das an den Tag gelegte Handwerk nach wie vor über viele Zweifel erhaben war. UNDER THE CURSE OF SILENCE könnte oder sollte daher nun die Rolle eines erneuten Befreiungsschlages einnehmen und EMERALD SUN wieder auf den richtigen Weg befördern – im besten und zunächst nur theoretischen Fall, versteht sich. Der erste Eindruck, der allein aufgrund der Betrachtung eines der vielleicht hässlichsten und prätentiösesten Cover-Artworks der letzten Jahre entsteht; verheißt dabei allerdings weniger gutes – was sich unglücklicherweise auch auf den eigentlichen musikalischen Kern von UNDER THE CURSE OF SILENCE übertragen lässt. Schließlich gibt der, und dazu muss man nicht erst die früheren Alben der Band gehört haben; bei weitem nicht das her zu was EMERALD SUN eigentlich imstande wären. Lauscht man dem bestenfalls mittelprächtigen Opener KILL OR BE KILLED sowie einigen der sogar noch deutlich schwächeren Folgenummern, scheint das sogar noch eine gekonnte Untertreibung zu sein: so blass, austauschbar und fast schon merkwürdig kraftlos hat schon lange kein heiß erwartetes Genre-Album mehr geklungen.

Selbstverständlich kann man der Band weiterhin zugute halten, dass die einzelnen Mitglieder ihr Handwerk verstehen – und insbesondere Leadsänger Stelios „Theo“ Tsakirides für eines der wenigen (und damit umso wichtigeren) Alleinstellungsmerkmale der Band sorgt. Tatsächlich ist seine stimmliche Darbietung recht einzigartig und angenehm – zumal ihr ein wenn man so will leicht exotischer (dabei aber völlig akzentfreier) Faktor innewohnt, der im Genre eher selten ist und so nur bei Kollegen wie etwa Chity Somapala (RED CIRCUIT, Ex- POWER QUEST, Ex-MOONLIGHT AGONY) zu hören ist. Im Zusammenspiel mit der grundsätzlich ausgewogenen und in den richtigen Momenten druckvollen Produktion, die ein eher ein Augenmerk auf die klassischen Metal-Anteile denn auf zusätzliche Spielereien legt; hätte so eigentlich ein mindestens grundsolides Power Metal-Album entstehen müssen. Warum genau EMERALD SUN nicht einmal das geschafft haben – und so ihre handwerklichen Kompetenzen erst Recht verschenken – bleibt wohl ein kleines Mysterium. Fest steht nur, dass ein Großteil der Nummern einfach nicht zündet – und die Griechen dieses Mal weder als feucht-fröhliche Spaßcombo noch als ernsthafte Metal-Recken mit einem eher retrospektiv orientierten musikalischen Anspruch überzeugen können. Eben danach klingt UNDER THE CURSE OF SILENCE übrigens einstweilen – nach einem eher klassischen, dabei aber in vielerlei Hinsicht abgespeckten Metal-Album ohne einen nennenswerten Biss.

Seien es die so schon zigmal gehörten Texte mit ihrem hier nicht ganz aufgehenden rebellischen Anspruch (schwach: SLAVES TO ADDICTION), die im Rahmen eines eher klassischen Soundkonstruktes dezent unpassend erscheinende Leadstimme von Stelios „Theo“ Tsakirides (markant: LAND OF LIGHT), die auffallend schwachbrüstigen Refrains oder ein ebenso balladesker wie schrecklich-schnulziger Einschub in Form von JOURNEY OF LIFE (und das gleich zweimal, schließlich gibt es noch eine spanische Version) – so richtig rund klingt hier nur wenig. Hört man Titel wie das wahrlich miserable Cover zu FAME oder aber die Videosingle BLAST (die eigentlich nur nennenswert ist, da man Peavy Wagner als Gastsänger geladen hat) ist man sogar geneigt zu sagen: gar nichts. Die hie und da durchschimmernden Soli, oder aber Titel wie das überraschenderweise doch noch etwas kraftvollere REBEL SOUL sorgen noch am ehesten für ein Aufhorchen – dass das nicht reicht, versteht sich von selbst. Der Rest ist schließlich vornehmlich eines: absolut austauschbar oder wahlweise auch erschreckend belanglos. So jedenfalls sollten EMERALD SUN keine großartige Zukunft vor sich haben – was schade ist.

Absolute Anspieltipps: KILL OR BE KILLED, REBEL SOUL


„In zu vieler Hinsicht enttäuschend.“

Metal-CD-Review: EMERALD SUN – Metal Dome (2015)

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Alben-Titel: Metal Dome
Künstler / Band: Emerald Sun (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 22. Mai 2015
Land: Griechenland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Fastball Music

Alben-Lineup:

Fotis „Sheriff“ Toumanides – Bass
George Baltas – Drums
Paul Georgiadis – Guitars
Johnnie Athanasiadi – Guitars
Sefis Gioldasis – Keyboards
Stelios „Theo“ Tsakirides – Vocals

Track-Liste:

1. Screamers in the Storm (05:16)
2. Metal Dome (05:52)
3. Black Pearl (05:29)
4. Freedom Call (06:14)
5. Racing with Destiny (05:11)
6. No More Fear (04:28)
7. Mere Reflection (04:40)
8. Dust and Bones (03:46)
9. Blood on Your Name (05:02)
10. Legacy of Night (04:24)
11. You Won’t Break Me Down (05:10)
12. Call of Nature (04:45)

Gefangen in der Zeitschleife.

Irgendwie ist es ja schon angenehm, alle Jahre wieder ein neues Album von EMERALD SUN in den Händen halten zu können. Auf ihrem mittlerweile vierten Langspieler (oder streng genommen dritten, wertet man THE STORY BEGINS als Demo) geben sich die Griechen spielfreudig wie eh und je – und inszenieren auch dieses Mal wieder einen flotten Power Metal der eher klassischen Sorte. Klassisch, das bedeutet in diesem Fall dass vor allem ein gewisser Hymnen-Charakter bedient wird, und die Gitarren weitaus mehr zu sagen haben als beispielsweise das nur hie und da eingesetzte Keyboard.

Trotz allem aber scheint es, als hätten sich EMERALD SUN zwischen all den Jahren und den nur verdächtig überschaubaren Outputs dezent verrannt. Ihre Alben gehörten noch nie zur Meisterklasse des Power Metal, und auch METAL DOME wird daran nichts ändern. Dafür ist der Leadgesang von Stelios „Theo“ Tsakirides einfach zu kraftlos und gewöhnungsbedürftig, der Hymnen-Charakter trotz eingängiger Refrains und eines allgemein erhöhten Tempos beileibe nicht so hoch wie bei etwaigen Vergleichsbands a’la DRAKKAR, DOMINE oder den längst aufgelösten IRONWARE. Zudem hat METAL DOME an einem ganz anderen Problem zu knabbern, das man so nicht unbedingt hätte erwarten können: der Drum-Sound von George Baltas klingt gelinde gesagt mäßig; und in vor Doublebass-Attacken gespickten Stücken wie BLACK PEARL gar völlig fehl am Platze. Die Gitarren schneiden schon wesentlich besser ab, aber auch hier gilt: man kann sich nicht des Gefühls erwehren, dass andere es deutlich besser machen.

Doch auch vor einem weiteren Problem ist METAL DOME keinesfalls gefeit: die 12 enthaltenen Titel präsentieren sich relativ gleichförmig und unspektakulär; was nicht nur mit der eigentlichen Struktur (weder Intro noch Outro oder Zwischenspiele) oder der jeweiligen Spielzeit (5 Minuten als Schnittmenge, Ausbrüche gibt es keine) zusammenhängt. So sind zwar grundsätzlich alle Elemente vorhanden, die man für ein schmackiges Power Metal-Album dieser Genre-Ausrichtung braucht – doch irgendwie scheinen EMERALD SUN Probleme mit dem zündenden Funken als alles entscheidende Zutat zu haben. Die Nummern sind größtenteils flott, stampfend und laden zum Mitwippen ein – doch überwiegt die gefühlte Belanglosigkeit, das letzte Quäntchen (Ausdrucks-)Stärke.

So kommt es, dass ausgerechnet eine Ballade wie MERE REFLECTION für das erste Aufhorchen sorgt – schlicht weil es sich um die einzige Nummer handelt die sich merklich von den anderen abhebt. Doch abgesehen vom etwas anderen Klangeindruck kann man kaum positives über diesen Ausflug berichten: es überwiegt klar das Gefühl, dass die Ballade aus eher obligatorischen Gründen hier platziert wurde; und nicht weil sie besonders wertig wäre. Überhaupt ist das Ganze wenig emotional – der ausnahmsweise mal tiefe Leadgesang klingt plump, die Wirkung ist insgesamt einschläfernd. Da haben unzählige der auf anderen Alben vorhandenen Balladen mehr Bumms – trotz oftmals deutlich höherer Kitsch-Anteile.

Alle Titel, die sich um besagte Ballade herum bewegen offenbaren zumindest nicht ganz so explizite Anhaltspunkte in Bezug auf eine eher vernichtende Kritik. Abgesehen vom Titeltrack vielleicht, der trotz eines gewissen stampfenden Ansatzes verdammt lustlos klingt – speziell im Refrain, der wie eine schwachbrüstige Version früherer MANOWAR-Hymnen klingt. Doch ganz egal wo man auch ansetzt, die Nummern verschwinden ebenso schnell wieder aus den Gehörgängen, wie sie hineingerauscht sind. Auch hat man immer wieder diverse Vergleichsbands vor Augen, was auf zweierlei Faktoren hinweist: zum einen erfinden DRAKKAR das Genre alles andere neu, und zum anderen können sie den jeweiligen Bands einfach nicht das Wasser reichen. Als Beispiel sei hier das stark Keyboard-untermalte, fast schon poppige BLOOD ON YOUR NAME gennant, das gewisse Parallelen zu CARDIANT aufweist. Mit Ausnahme des Leadgesangs versteht sich, dem man in Bezug auf EMERALD SUN nicht viel mehr unterstellen kann als dass er einzigartig ist. Das ist zwar auch schon was, doch leider nur die halbe Miete…

Kurzum: manche Bands entwickeln sich im Laufe ihrer Karriere eher zum schlechten, beziehungsweise lassen die Qualität ihrer Alben markant schwanken. Wo kürzlich erst KALEDON, 4TH DIMENSION und DRAKKAR mit ihren neuesten Outputs scheiterten, liefern nun auch EMERALD SUN erstmals ein Album ab, welches so manchen gängigen Anspruch an das Genre erfüllt – davon abgesehen aber keinerlei Mehrwert besitzt. Die erschreckend langatmige Gesamtwirkung, der einstweilen nervige Drum-Sound, die gefühlte Belanglosigkeit und die expliziten Schwächen im balladesken Bereich runden das Ganze nach unten hin ab. Und das so sehr, dass es schwerfällt auch nur eine handvoll möglicher Anspieltipps zu nennen.

Absolute Anspieltipps: SCREAMERS IN THE STORM


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„Bestenfalls zur musikalischen Hintergrundberieslung geeignet.“

Metal-CD-Review: EMERALD SUN – Regeneration (2011)

Land: Griechenland – Genre: Melodic Power Metal

1. We Won’t Fall
2. Theater of Pain
3. Where Angels Fly
4. Regeneration
5. Starchild
6. Speak of the Devil
7. Planet Metal
8. Chasing the Wind
9. Fantasmagoria
10. Holding out for a Hero (CD Bonus)

Emerald Sun sind zurück… und das mit einer enormen Kraft und Spielfreude. Während ihr vorheriges, 2007er-Album ESCAPE FROM TWILIGHT (Review hier) bereits überzeugen konnte, so strebt dieser Nachfolger es nach beinahe 4 Jahren an, noch besser zu sein.

Aber, werden die hohen Erwartungen auch erfüllt ? Dazu muss man sich allerdings zunächst die eigentliche Zielgruppe des Albums beziehungsweise der Spielart von EMERALD SUN ansehen. Und das sollten in erster Linie Freunde eines dezent Klischee-behafteten Power Metals sein, wobei man hier auch durchaus vom Subgenre des Happy Metals a’la FREEDOM CALL sprechen könnte. So wirkt auch die Produktion insgesamt recht glattgebügelt – Liebhaber komplexer Arrangements oder explizit ernster musikalischer Themen werden wohl ihre liebe Mühe mit REGENERATION haben. Immerhin, die über 12-minütige Hymne FANTASMAGORIA bietet zumindest ein wenig des guten alten LEGACY OF HATE-Feelings a’la CELESTY; und wartet mit einer großen Portion Abwechslung und weiblichen Gastauftritten auf – sodass vielleicht auch die eben erwähnten Kritiker ihren Gefallen am ein oder anderen Stück des Albums gefallen finden könnten wenn sie es nur riskieren. FANTASMAGORIA ist dabei sicherlich einer der härteren und vom Tempo her gemäßigten Titel des Albums, der hauptsächlich auf die versierten Gesangspassagen aufbaut. Und das gelingt auch bravourös.

Manchmal gehört eine ganz spezielle Art des musikalischen Kitschs wohl auch einfach dazu, gerade im breit gefächerten Genre des Power Metal. Eingängige Refrains, nicht immer für voll zu nehmende Texte, ein satter Double-Bass und melodiöses Gitarrengeplänkel – in dieser Hinsicht könnte REGENERATION sogar als Offenbarung gesehen werden. Bereits der Opener WE WON’T FALL macht es deutlich: ans Aufgeben denkt hier wohl niemand, trotz möglicher Kritik. Im Gegenteil, mit geschickt eingesetzten Synthie-Samples und glasklaren, leicht verspielten Riffs überzeugt der Track; nicht zuletzt durch seine Ehrlichkeit. Ein begründetes Fuck You ist schließlich auch eine Art der Kommunikation. EMERALD SUN scheinen eben gern mit Worten zu spielen, was auch dazu führt dass das Album nicht immer ernstzunehmen ist. Es ist vielmehr ein gute-Laune-Album geworden das unterhält und die Fantasie anregt. Und so bleibt offen, was genau man sich unter dem THEATER OF PAIN vorzustellen hat – so bedrohlich der Titel, und teilweise auch die Lyrics klingen; dieser Track ist einer der energiereichsten des Albums und fasziniert mit einer absurd-melodischen Instrumentalisierung.

WHERE ANGELS FLY und das Instrumental REGENERATION sind dann in erster Linie leicht von der Hand gehende Titel, die die Vision einer besseren Zeit und eines utopischen Ortes heraufbeschwören – was durchaus treffend erscheint in Anbetracht des folgenden STARCHILD. Hier handelt es sich um eine wahre Hymne die Laune macht und durch eine enorme Kraft getragen wird. Es folgt SPEAK OF THE DEVIL, der wiederum einer der härteren Titel des Albums ist – natürlich ohne dabei wirklich düster zu klingen. Wie auch die feucht-fröhliche Heavy-Metal-Hymne PLANET METAL, die bei näherem Hinhören mit mekwürdigen Lyrics daherkommt.

Fazit: Zieht man REGENERATION und das Vorgängeralbum ESCAPE FROM TWILIGHT gleichzeitig zu Rate, so wird man wohl kaum qualitative Unterscheide ausmachen können. Der Vorgänger wirkte insgesamt etwas ernster, der damalige Titeltrack SCREAM OUT LOUD verdammt stark – während es nun eher gradlinige und nicht selten fröhliche Metal-Hymnen sind, die zelebriert werden. Ein kleiner Wermutstropfen ist dann höchstens nur noch die relativ kurze Spieldauer des Albums – nimmt man das kurze Instrumental, den Bonustrack und vielleicht noch FANTASMAGORIA weg, dann bleibt nicht mehr allzuviel.