Metal-CD-Review: EDGUY – Age Of The Joker (2011)

Alben-Titel: Age Of The Joker
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. August 2011
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Sammet – Vocals
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Robin Hood (08:26)
2. Nobody’s Hero (04:33)
3. Rock of Cashel (06:20)
4. Pandora’s Box (06:47)
5. Breathe (05:05)
6. Two Out of Seven (04:29)
7. Faces in the Darkness (05:24)
8. The Arcane Guild (05:00)
9. Fire on the Downline (05:48)
10. Behind the Gates to Midnight World (08:58)
11. Every Night Without You (04:52)

Manchmal muss man tief fallen, um wieder aufzustehen.

Was, ja was sollte noch von einer Band wie EDGUY kommen – einer Band, die sich einst für ebenso klassische wie legendäre Power Metal-Genrealben vom Schlage eines VAIN GLORY OPERA (siehe Review), THEATER OF SALVATION (Review) oder THE SAVAGE POETRY (Review) verantwortlich zeichnete; sich im Laufe der Jahre aber eher gegen die ursprünglich eingeschlagene Marschrichtung entschied und plötzlich nur noch höchst umstrittene Werke wie etwa HELLFIRE CLUB (Review) oder TINNITUS SANCTUS (Review) auf den Markt brachte ? Nun, und wie man heute weiß; haben EDGUY mit ihrem 2014 erschienen SPACE POLICE – DEFENDERS OF THE CROWN (Review) doch noch die Kurve gekriegt – zwar ebenfalls ohne an ihre alten Glanzzeiten anzuknüpfen, aber dafür mit einer feucht-fröhlichen und auch spaßigen Genre-Interpretation die man ohne größere Schmerzen verköstigen kann. Bis es soweit war, sollte der Hörerschaft allerdings noch ein weiteres EDGUY-Album der eher durchwachsenen Sorte serviert werden – das vorliegende AGE OF THE JOKER, dessen titelgebender Hofnarr nicht von ungefähr leicht wahnsinnig dreinblickt.

Wobei, und das ist das gravierende; jenes Wahnsinnige keineswegs mit dem Anflug einer wie auch immer gearteten Genialität gleichgesetzt werden kann. Zumindest nicht bei EDGUY und in diesem Fall – woran weder die mit 65 Minuten recht gut bestückte reguläre Albenversion von AGE OF THE JOKER, noch die wesentlich umfangreichere Digipack-Edition viel ändern kann. Der Grund dafür ist schnell gefunden: grundsätzlich haben EDGUY hier relativ genau da weitergemacht, wo sie mit dem höchst durchwachsenen TINNITUS SANCTUS aufgehört hatten. Sicher, dass sich EDGUY mittlerweile komplett von der Spielart eines knackigen europäischen Power Metals verabschiedeten hatten war das eine – doch dass sie im Gegenzug dafür fast nur noch auf eher harmlose Rock-Elemente, poppig angehauchte und absolut radiotaugliche Strukturen und eine ordentliche Prise eines zumeist gewöhnungsbedürftigen Blödeltums setzten; das andere. AGE OF THE JOKER fährt diesbezüglich zwar nicht ganz so harte Geschütze auf wie seine Vorgänger, glücklicherweise – ist abgesehen von einer kleinen handvoll besserer Nummern aber auch weit davon entfernt, nennenswertes zu reißen.

Die hier gemeinten besseren Nummern wären vermutlich das melodische und grundsätzlich recht angenehme ROCK OF CASHEL, das doch noch überraschend knackige THE ARCANE GUILD, und mit ein wenig Fantasie eventuell noch das recht Keyboard-lastige BREATHE sowie das überlange BEHIND THE GATES TO MIDNIGHT WORLD. Immerhin sorgen EDGUY hier durchaus für den ein oder anderen markanten Moment – vornehmlich im Zusammenspiel aus verspielten Arrangements und einem gewissen, sonst auf dem Album eher vernachlässigten Druck. Davon abgesehen kann oder muss man sich aussuchen, wohin die Reise auf AGE OF THE JOKER gehen soll. Eine Möglichkeit wäre in eine leidliche komische, im Zusammenspiel mit der dazugehörigen Videosingle sogar explizit peinliche – wie im absolute überflüssigen Opener ROBIN HOOD. Oder aber, man verdingt sich in Richtung etwaiger sich hart an der Schmerzgrenze bewegenden Balladen – wie das schmalzige EVERY NIGHT WITHOUT YOU. Was bleibt, sind nicht wenige Nummern die recht explizit an schwächere Momente aus dem benachbarten AVANTASIA-Projekt erinnern – oder im schlimmsten Fall an eine ebenso x-beliebige wie abgehalfterte Ex-Power Metal-Band. Wenn da nur nicht die unverändert markante Frontstimme von Tobias Sammet wäre, versteht sich – die das Album aber ebenfalls nicht retten kann.

Dabei gilt wie so oft: es sind nicht die handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder, die AGE OF THE JOKER vergleichsweise ernüchternd erscheinen lassen – sondern vielmehr die entstehende Atmosphäre als Endprodukt eines Zusammenspiels zahlreicher Faktoren. Einen nicht ganz unerheblichen Anteil hat diesbezüglich etwas auch die etwas merkwürdige Abmischungs- und Produktionsarbeit; die dem Ganzen einen recht seelenlosen, glatten und zusätzlich unspektakulären Anstrich verpasst – mit einer Nummer wie FACES IN THE DARKNESS als Paradebeispiel. Immerhin werden hier durchaus einige schwerere Riffs anberaumt – womit es umso seltsamer ist, dass der Titel derart kraft-  und harmlos klingt. Letztendlich gibt es auf AGE OF THE JOKER einfach zu wenig zu holen, als dass man es mit Nachdruck empfehlen könnte – sodass man diesen Punkt der EDGUY-Diskografie relativ problemlos überspringen kann.

Absolute Anspieltipps: ROCK OF CASHEL, BREATHE, THE ARCANE GUILD


„Nicht mehr ganz so arg wie der Vorgänger – aber für die Attribuierung als eines der besseren EDGUY-Alben reicht es ebenfalls nicht.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Tinnitus Sanctus (2008)

Alben-Titel: Tinnitus Sanctus
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2008
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias „Eggi“ „Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Ministry of Saints (05:02)
2. Sex Fire Religion (05:57)
3. The Pride of Creation (05:29)
4. Nine Lives (04:27)
5. Wake Up Dreaming Black (04:06)
6. Dragonfly (04:57)
7. Thorn Without a Rose (04:47)
8. 9-2-9 (03:48)
9. Speedhoven (07:43)
10. Dead or Rock (05:00)
11. Aren’t You a Little Pervert Too?! (02:20)

Von stilistischen Verirrungen, Teil 4.

Was ist es doch schön – und vor allem abwechslungsreich – eine Diskografie wie die von EDGUY aufzuarbeiten. Erst Recht wenn man bedenkt, dass die Fulderaner im Laufe ihrer bereits in den frühen 90ern begonnnen Karriere die ein oder andere einschneidende Entscheidung getroffen haben. Entscheidungen, die sich selbstverständlich auch auf den Sound und die letztendlich etablierte Wirkung der Band ausgewirkt haben – und stellenweise auch dazu führten, dass sich die hiesige Fangemeinde regelrecht spaltete. Tatsächlich könnte man durchaus einige gute Gründe dafür finden, der ebenso klassischen wie prächtigen Anfangszeit der Band – die vor allem Ende der 90er einige äußerst hochkarätige Genre-Werke ablieferte – nachzutrauern.

Andererseits, und stellvertretend für so manch andere Band möchte man etwaigen Weiterentwicklungen oder Neuausrichtungen aber auch nicht im Wege stehen – und Bands, die sich gerade innerhalb ihrer zweiten Blütephase zu befinden scheinen; trotz allem eine weitere Chance geben. Eben das fiel im Falle von EDGUY nicht gerade leicht – die sich mit ihren beiden bis dato mittelprächtigsten Alben HELLFIRE CLUB (siehe Review) und ROCKET RIDE (Review) beileibe nicht nur Freunde gemacht haben. Dennoch, und bei aller Liebe hatten diese beiden Alben aber noch einen entscheidenden Vorteil: man konnte sich über sie streiten, und dementsprechend sowohl einige gute als auch eher zu vernachlässigende Aspekte an ihnen benennen.

Etwas anders sah und sieht es dagegen im Fall von TINNITUS SANCTUS aus – und damit auch einem EDGUY-Album, welches den Begriff eines Hörschadens offenbar nicht von ungefähr in seinem Titel stecken hat. Fest steht: auch wenn bereits das Antlitz eines Albums wie MANDRAKE von einem leicht irre dreinblickenden Clown geschmückt wurde, hatten EDGUY ihre in eben diese Richtung gehende Wandlung spätestens mit dem vorliegenden TINNITUS SANCTUS vollzogen. Eine Wandlung in eine nicht unbedingt direkt nachvollziehbare, mitunter gar verstörende Richtung – die einen kaum glauben lässt, dass die Band einst für maßgebliche Genre-Werke vom Schlage eines THATER OF SALVATION verantwortlich war.

Sicher, ein wenig Spaß muss sein – und der darf gerne auch mal in den Gefilden des Power Metals Einzug halten. Aber wenn dann bitte stilsicher und pointiert – oder so, dass er auf irgendeine andere Art und Weise durchdacht wirkt und ohne größere Schmerzen transportiert werden kann. TINNITUS SANCTUS indes versagt an genau diesem Punkt, und präsentiert sich nicht nur wie ein schlechter Genre-Witz der so gut wie überhaupt nichts mehr mit der einst von EDGUY eingeschlagenen Marschrichtung in Bezug auf einen klassischen europäischen Power Metal am Hut hat – sondern auch wie ein Album, dem man selbst aus der Sichtweise eines harmlos-radiotauglichen Gedudels nicht viel abgewinnen kann.

Anders gesagt: Nummern wie das langatmige MINISTRY OF SAINTS, das relativ peinliche SEX FIRE RELIGION oder das alberne NINE LIVES machen einfach keinen Spaß – trotz der grundsätzlich annehmbaren Leistung von Tobias Sammet und den restlichen Bandmitgliedern. Nummern wie das etwas bessere THE PRIDE OF CREATION oder eventuell noch das merkwürdige betitelte SPEEDHOVEN zeigen auf, dass es EDGUY zumindest in der Theorie noch immer draufgehabt hätten – doch alles andere rangiert grundsätzlich unter ferner Liefen. Der absolut belanglos erscheinende Gitarrensound, die weichgespülte Produktion, die teils unsäglichen Lyrics, die radiotauglich-poppigen Refrains und eine riesengroße Portion Langeweile – hier ging wahrlich einiges daneben. Umso leichter erscheint es, TINNITUS SANCTUS als bis dato belanglosestes EDGUY-Album überhaupt zu bezeichnen.

Absolute Anspieltipps: THE PRIDE OF CREATION, SPEEDHOVEN, DEAD OR ROCK


„Hart an der Schmerzgrenze des gerade noch so erträglichen.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Rocket Ride (2006)

Alben-Titel: Rocket Ride
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Januar 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias „Eggi“ „Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Sacrifice (08:03)
2. Rocket Ride (04:49)
3. Wasted Time (05:48)
4. Matrix (04:10)
5. Return to the Tribe (06:07)
6. The Asylum (07:39)
7. Save Me (03:47)
8. Catch of the Century (04:03)
9. Out of Vogue (04:36)
10. Superheroes (03:20)
11. Trinidad (03:29)
12. Fucking with Fire (Hair Force One) (04:22)

Und ab geht die Post Rakete.

ROCKET RIDE ist das siebte offizielle Studioalbum von EDGUY – jener legendären und allseits bekannten Power Metal-Formation aus deutschen Landen, deren schillernde Galionsfigur Tobias Sammet grundsätzlich vieles richtig gemacht hat. Vor mindestens eine größere Bewährungsprobe wurde die hiesige Fangemeinde aber durchaus gestellt – wobei die hierbei gemeinte Entwicklung nicht wirklich an einem eindeutigen Zeitpunkt festzumachen ist. Fest steht indes, dass sich EDGUY ab ihrem 2001 erschienenen MANDRAKE (siehe Review), sowie speziell dem nachgeschobenen HELLFIRE CLUB (Review) von einer etwas anderen Seite zeigten als bis dato gewohnt – und nicht jeder mit der nunmehr deutlich ausgelasseneren, mitunter dezent blödelnden Stimmung innerhalb der Musik der Fulderaner warm werden konnte. Erst Recht natürlich, wenn man bedenkt dass EDGUY vor nicht allzu langer Zeit Alben wie VAIN GLORY OPERA (Review), THEATER OF SALVATION (Review) oder THE SAVAGE POETRY (Review) veröffentlicht hatten – Alben, die man relativ problemlos als Meilensteine in Bezug auf die damalige Power Metal-Szene bezeichnen könnte.

Aber, und wie man weiß legte Tobias Sammet etwaige in diese Richtung gehenden Ambitionen nicht gänzlich ab – sondern verwirklichte sie fortan eher in seinem AVANTASIA-Projekt. EDGUY indes liefen durchaus Gefahr, sich nicht für eine klare Marschrichtung entscheiden zu können – oder im schlimmsten Fall gar als abgehalfterte Comedy-Band zu enden. Dezent problematisch ist, dass man mit dem 2006 erschienenen ROCKET RIDE nicht allzu viel unternommen hat um eben diese Entwicklung aufzuhalten – und den Hörer abermals der ein oder anderen Talfahrt ausgesetzt hat. Nummern wie das sich dezent überflüssig anfühlende MATRIX oder die kitschig-harmlose und in jeder Hinsicht Chart-taugliche Ballade SAVE ME markieren dabei aber erst den Anfang der relativen Misere – und das nach dem rundum gelungenen Auftakt des Albums. Mit dem überraschend mächtigen, nach einer typischen EDGUY- und AVANTASIA-Manier aufgepeppten Opener SACRIFICE, dem recht griffigen Titeltrack ROCKET RIDE oder dem angenehm Riff-orientierten WASTED TIME macht der schließlich noch eine recht überzeugende Figur – und lässt zunächst kaum vermuten, dass sich EDGUY doch noch derart verhaspeln respektive stilistisch verirren würden.

Doch es kommt, wie es kommen musste: mit den in CATCH OF THE CENTURY inszenierten, recht großkotzigen (und nicht wirklich pointiert wirkenden) Peinlichkeiten, der auffällig platten Videosingle SUPERHEROES sowie den letztendlich relativ unmöglichen Rausschmeißern TRINIDAD und FUCKING WITH FIRE setzten EDGUY zu einem absoluten Tiefflug an, der selbst noch die ärgsten Momente des Vorgängers HELLFIRE CLUB zu unterbieten vermag. Einem grundsätzlich unnötigen Tiefflug noch dazu, der ROCKET RIDE am ehesten für Freunde eines eher retrospektiv orientierten Hardrocks mit einer ordentlichen Priese Glam-Metal interessant machen sollte. Alle anderen – und vor allem jene, die einen Narren an den früheren Alben der Band gefressen haben – sei indes nur der solide Alben-Auftakt ans Herz gelegt. Anders gesagt: in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk (insbesondere von Frontmann Tobias Sammet), die Produktion und einen nicht unwesentlichen Unterhaltungswert mag das Ganze noch ganz gut funktionieren – doch insgesamt klingt und fühlt sich ROCKET RIDE einfach deutlich zu unrund an.

Absolute Anspieltipps: SACRIFICE, WASTED TIME, RETURN TO THE TRIBE


„Auf eine gute erste Alben-Hälfte folgt eine zum Vergessen.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Hellfire Club (2004)

Alben-Titel: Hellfire Club
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. März 2004
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Mysteria (05:45)
2. The Piper Never Dies (10:07)
3. We Don’t Need a Hero (05:31)
4. Down to the Devil (05:28)
5. King of Fools (04:22)
6. Forever (05:41)
7. Under the Moon (05:05)
8. Lavatory Love Machine (04:26)
9. Rise of the Morning Glory (04:40)
10. Lucifer in Love (00:32)
11. Navigator (05:23)
12. The Spirit Will Remain (04:13)

Es gilt, den Bogen nicht zu überspannen.

Wenn man schon nicht das 2001 erschienene MANDRAKE (siehe Review) als Wendepunkt oder zumindest den Auftakt einer neuen Gangart innerhalb der Diskografie von EDGUY bezeichnen würde, dann doch das 2004 nachgeschobene siebte Studioalbum HELLFIRE CLUB – das erstmals wesentlich deutlicher aus dem damals für die Band neuen Repertoire eines komödiantischen Slapsticks schöpfte. Damit markiert das Album automatisch einen der markanteren Gründe, weshalb sich die hiesige Fangemeinde nicht immer einig war und ist – und vielleicht auch, weshalb Frontmann Tobias Sammet das Projekt AVANTASIA ins Leben rief. Schließlich konnte er hier ziemlich genau da weitermachen, wo er auf früheren EDGUY-Alben wie VAIN GLORY OPERA (Review) oder THEATER OF SALVATION (Review) aufgehört hatte – während seine Arbeit bei EDGUY eine immer wildere und spaßigere Angelegenheit wurde. Eine, die in Titeln wie LAVATORY LOVE MACHINE ihren vorläufigen Höhepunkt fand – und die Band von einer bis dato noch nicht bekannten Seite zeigte. Immerhin: ihre handwerklichen Fähigkeiten hatten EDGUY auch auf HELLFIRE CLUB nicht vernachlässigt.

Ob das allerdings ausreicht, um die einstweilen merkwürdige bis ganz und gar krude Atmosphäre des äußerst wechselhaften Albums zu retten, ist eine andere Frage. Tatsächlich erscheinen in diesem Zusammenhang nicht nur stellvertretende Nummern wie eben LAVATORY LOVE MACHINE als kurzweilige gute-Laune-Nummern gewöhnungsbedürftig – auch der Einzug einiger Elemente, die man am ehesten im Bereich des Rock oder gar Pop verorten würde; sowie eine relative beliebig wirkende Aneinanderreihung einiger höchst unterschiedlicher und nicht wirklich miteinander harmonierender Nummern erweist sich als dezent problematisch. Bis es soweit kommt, steht der Hörerschaft allerdings erst einmal ein überraschend solider Alben-Auftakt ins Haus: der knackige Opener MYSTERIA, das klassisch-minimalistische THE PIPER NEVER DIES, das flotte WE DONT NEED A HERO und eventuell auch noch das stampfende DOWN TO THE DEVIL machen eine gute bis ganz und gar hervorragende Figur. So gesehen wäre es also durchaus von Vorteil gewesen, hätte das Album nach eben jenen vier Nummern geendet – und ein Dasein als EP gefristet.

Doch dem ist bekanntlich nicht so – womit es kein großes Geheimnis ist, dass grundsätzlich keine der noch auf HELLFIRE CLUB folgenden Nummern mit dem früh auf dem Album etablierten Qualitätsstandard mithalten kann. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein: schon KING OF FOOLS erweist sich als relativer Langweiler ohne viel Biss, und das eigentlich recht annehmbare UNDER THE MOON kann dem Album ebenfalls nicht mehr viel neues hinzufügen. Richtig arg wird es aber erst mit RISE OF THE MORNING GLORY als Höhepunkt des nicht unbedingt niveauvollen komödiantischen Schwerpunkts des Albums, LUCIFER IN LOVE als nervigstem Interlude das je auf einem Genre-Album veröffentlicht wurde; sowie weiteren relativ nichtssagenden und vergleichsweise uninspirierten Titeln wie NAVIGATOR. Dass sich dann auch die auf dem Album enthaltenen Balladen FOREVER und THE SPIRIT WILL REMAIN als dezent problematisch herausstellen, mindestens aber ungünstiger wirken und klingen als die bis dato von EDGUY und AVANTASIA präsentierten; rundet die Sache ab.

Schlussendlich haben sich EDGUY mit ihrem HELLFIRE CLUB nicht den größten Gefallen getan. Und das, obwohl der enorm starke Alben-Auftakt und der hier und da anberaumte Spaßfaktor eigentlich für das Album sprechen sollten. Doch es gilt eben, den Bogen nicht zu überspannen – was bei HELLFIRE CLUB dann doch etwas zu oft vorkommt.

Absolute Anspieltipps: MYSTERIA, THE PIPER NEVER DIES, WE DONT NEED A HERO, DOWN TO THE DEVIL


„Weder Fisch noch Fleisch, leider.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Mandrake (2001)

Alben-Titel: Mandrake
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. September 2001
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Tears of a Mandrake (07:11)
2. Golden Dawn (06:08)
3. Jerusalem (05:27)
4. All the Clowns (04:49)
5. Nailed to the Wheel (05:41)
6. The Pharaoh (10:37)
7. Wash Away the Poison (04:40)
8. Fallen Angels (05:15)
9. Painting on the Wall (04:38)
10. Save Us Now (04:37)

Ein bisschen Spaß muss sein ?

Man erinnert sich: um die Jahrtausendwende herum hat es nicht nur in Bezug auf etwaige Feuerwerksspektakel gekracht. Denn auch und gerade in den musikalischen Gefilden des europäischen Power Metals ging es verdammt heiß her. Im Kampf um die potentielle Genre-Krone der aus Deutschland stammenden Combos war die Rechnung in jedem Fall nicht ohne die Jungs von EDGUY zu machen – die mit ihrem auffällig starken Alben-Trio aus VAIN GLORY OPERA (siehe Review), THATER OF SALVATION (Review) und THE SAVAGE POETRY (Review) sicher einen der markanteren Soundtracks zum Millenniums-Übergang ablieferten. Darauf ruhten sich die Fulderaner indes nicht aus – schließlich stand der hiesigen Power Metal-Welt schon 2001 das nächste EDGUY-Album ins Haus. Selbiges horcht auf den Namen MANDRAKE, beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von einer guten Stunde – und markierte eventuell einen dezenten Umbruch in der stilistischen Ausrichtung der Band, der mit dem 2004 erschienenen HELLFIRE CLUB noch expliziter ausgeführt wurde.

Ein Umbruch, der sich indes weniger auf die feucht-fröhliche und für das Genre typische Spielart, das nach wie vor perfekte Handwerk oder potentiell einschneidende Besetzungswechsel bezog. Nein, vielmehr spielte der hier gemeinte frische Wind auf die von EDGUY angestrebte inhaltliche und damit auch atmosphärische Komponente an – schließlich sollte die auf MANDRAKE erstmals auftauchende Frage nach etwaigen musikalischen Clowns nicht von ungefähr gestellt werden. Wenn man so will, markierte das auch als Videosingle ausgekoppelte ALL THE CLOWNS (und selbstverständlich auch Titel wie SAVE US NOW) so den Auftakt einer neuen EDGUY-Ära – einer Ära, in der sich die Band etwas weniger ernst nehmen und mit einer entsprechenden Lockerheit auftreten würde. Allerdings immer, und das gilt es in jedem Fall hochzuhalten; ohne dabei ihre tatsächlichen musikalischen Fähigkeiten zu vernachlässigen. Von einer wie-auch-immer gearteten Blödelei war und ist das hier vertretene Material jedenfalls weit entfernt – sodass MANDRAKE grundsätzlich alle ansprechen sollte, die auch schon mit den vorherigen EDGUY-Releases warm werden konnten.

Immerhin gibt es mit Titeln wie NAILED TO THE WHEEL auch auf diesem EDGUY-Album den ein oder anderen deutlich zünftigeren Moment, während aussagekräftige Brecher vom Schlage eines FALLEN ANGELS auch genauso gut auf dem seinerzeit erschienenen AVANTASIA-Debütalbum (Review) hätten erscheinen können. Dies gepaart mit einigen für die Band neuen Eindrücken – wie etwa dem bereits erwähnten ALL THE CLOWNS oder auch dem alles andere als alltäglichen, aber doch angenehm hymnischen PAINTING ON THE WALL – macht MANDRAKE erst perfekt, oder zumindest zu einer höchst zufriedenstellenden Angelegenheit. Einer, die durch wunderbar funktionierende Uptempo-Hymnen wie GOLDEN DAWN oder kräftigen Stampfern a’la JERUSALEM abgerundet wird – und lediglich einige wenige Momente bereithält, die sich als etwas zäher erweisen. In diesem Zusammenhang wären wohl am ehesten das gute, aber eben nicht nur in Bezug auf seine Spieldauer vergleichsweise überlange THE PHARAOH zu nennen – oder aber die Ballade WASH AWAY THE POISON, die gefühlt doch etwas zu sehr über das Ziel hinausschießt. Und auch der Rausschmeißer THE DEVIL & THE SERVANT schneidet nicht unbedingt gut ab, trotz des guten Handwerks und des ausnahmsweise mal stärker hervorgehobenen Basses – vor allem, da EDGUY hier ein wenig zu sehr nach einer Kopie der DESTINY-Ära von STRATOVARIUS klingen.

Schlussendlich kann, sollte oder muss man in diesem Fall aber von einem der gelungeneren EDGUY-Alben sprechen. MANDRAKE mag nicht perfekt sein und seine schwächeren Momente haben – doch die für das Album passend erscheinende klare Produktion, das von Band an den Tag gelegte Handwerk; das gut aufgehende Songwriting und der der teils enorme Hymnen-Faktor im Wechselspiel mit mal getrageneren, mal deutlich zupackenderen Elementen lassen einfach keinen Zweifel daran, dass EDGUY hier mehr als ordentlich abgeliefert haben.

Absolute Anspieltipps: JERUSALEM, NAILED TO THE WHEEL, FALLEN ANGELS, SAVE US NOW


„Ein höchst solides Album aus der bunten EDGUY-Diskografie.“

Metal-CD-Review: EDGUY – The Savage Poetry (2000)

Alben-Titel: The Savage Poetry
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 125. Juni 2000
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Hallowed (06:14)
2. Misguiding Your Life (04:05)
3. Key to My Fate (04:34)
4. Sands of Time (04:40)
5. Sacred Hell (05:38)
6. Eyes of the Tyrant (10:01)
7. Frozen Candle (07:15)
8. Roses to No One (05:43)
9. Power and Majesty (04:53)

Aus alt mach neu.

Je nachdem, ob man das bereits 1995 erschienene SAVAGE POETRY von EDGUY (siehe Review) nun als vollwertiges Debütalbum oder aber als Demo betrachtet; handelt es sich im Falle des im Jahre 2000 nachgeschobenen Werks THE SAVAGE POETRY entweder um eine Neuaufnahme oder um endlich in eine reguläre Albenform gebrachtes Material. Beiden Varianten gemein ist, dass EDGUY hier nicht weniger anstrebten als die größtmögliche Perfektion zu erreichen – und den einst doch recht ungeschliffenen Sound ihres ersten Langspielers entgültig der Vergangenheit angehören zu lassen. Die Frage die sich dabei stellt ist nur, ob es die Fulderaner auch wirklich geschafft haben; und das in einer möglichst nachvollziehbaren Art und Weise – oder ob THE SAVAGE POETRY als potentiell überproduzierte, moderne Neuaufnahme sogar hinter dem Original zurückstecken muss.

Lange dauert es dann auch nicht, bis das Pendel in die entsprechende Richtung ausschlägt; denn: schon damals konnte das der geneigten Hörerschaft auf SAVAGE POETRY zur Verfügung gestellt Material weitestgehend überzeugen. Nur, und das konnte man unter Umständen als problematisch erachten; haperte es innerhalb der damals noch (sehr) jungen Band klar in Bezug auf das nötige Feingefühl, die Erfahrung und viele den Klangeindruck im Gesamten betreffende Faktoren. Umso treffender erscheint es, dass EDGUY die Neufassung THE SAVAGE POETRY ausgerechnet nach ihrem bis dato kräftigsten Studioalbum überhaupt auf den Markt brachten (dem kongenialen THEATER OF SALVATION, siehe Review) – und damit auch zu ihrem vermutlichen Höhepunkt ihrer Karriere. Und tatsächlich: THE SAVAGE POETRY kann wie schon das Original mit einigen guten Ideen und einem angenehmen Songwriting punkten, und – was neu ist – auch mit einem rundum satten Sound.

Das fällt natürlich schon beim einst recht flach präsentierten Opener HALLOWED auf: die Gitarren nehmen endlich den ihnen zugedachten Raum ein, der Bass geht (auch wenn er nicht mehr ganz so vordergründig agiert wie ursprünglich) nicht in der nunmehr wesentlich pompöseren; aber eben auch nicht übertrieben inszenierten Klangkulisse unter – und speziell der Refrain entfaltet in der finalen Version eine wesentlich beeindruckendere Wirkung. Das wichtigste Element, oder vielleicht auch der wichtigste Grund für eine Neuaufnahme wurde dabei aber noch gar nicht genannt: Frontmann Tobias Sammet, den man entweder lieben oder hassen wird – hier aber in jedem Fall eine prägnantere, (stil-)sicherere und kultverdächtigere Performance abliefert als auf dem 1995’er SAVAGE POETRY. Anders gesagt: gerade wenn man bedenkt, dass das originale SVAGE POETRY zum Erscheinen der Neufassung gerade einmal 5 Jahre zurücklag; ist EDGUY in vielerlei Hinsicht eine Hausnummer gelungen.

Und das so sehr, dass man eventuell doch noch geneigt ist das Original in der Versenkung verschwinden zu lassen – auch wenn es immer interessant ist, auch die potentiell raueren und weitaus ungeschliffeneren Ursprünge diverser europäischer Genre-Combos zu entdecken. Zumindest in diesem Fall überwiegt aber klar die schiere, pünktlich zur Jahrtausendwende neu entdeckte EDGUY-Urkraft – analog zum allgemein perfektionierten Soundeindruck versteht sich – die die Band entgültig auf einen gleichwertigen Rang mit anderen Genre-Pionieren wie HAMMERFALL, HELLOWEEN oder GAMMA RAY hievte. Die einzigen bei THE SAVAGE POETRY einzukalkulierenden Abstriche beziehen sich daher auch auf Nummern und Momente, die schon auf dem Original weniger hergaben – wie etwa die recht spannungsarme Ballade SANDS OF TIME, oder das ebenfalls eher langatmige ROSES TO NO ONE. Glücklicherweise überwiegt aber der gute Rest – sodass man endlich mal wieder von einer Alben-Neufassung sprechen kann; die sich auch wirklich gelohnt hat.

Absolute Anspieltipps: HALLOWED, MISGUIDING YOUR LIFE, SACRED HELL, EYES OF THE TYRANT, FROZEN CANDLE, POWER AND MAJESTY


„Erst im zweiten Anlauf kracht’s so richtig.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Theater Of Salvation (1999)

Alben-Titel: Theater Of Salvation
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. Februar 1999
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. The Healing Vision (01:11)
2. Babylon (06:10)
3. The Headless Game (05:31)
4. Land of the Miracle (06:32)
5. Wake Up the King (05:43)
6. Falling Down (04:36)
7. Arrows Fly (05:03)
8. Holy Shadows (04:31)
9. Another Time (04:07)
10. The Unbeliever (05:47)
11. Theater of Salvation (12:25)

Kommt Zeit, kommt Rat… und vielleicht auch endlich mal ein Meisterwerk.

Wenn man eine der markanteren Power Metal-Combos nennen müsste, die sich in den frühen 90er Jahren aufgemacht hat um die hiesige Genre-Welt im Sturm zu erobern; sollte man die Rechnung keineswegs ohne die Jungs von EDGUY machen. Immerhin hatten sich die Musiker um Frontmann Tobias Sammet ab dem 1995 veröffentlichten Debütalbum SAVAGE POETRY (siehe Review) kontinuierlich gesteigert, und mit dem überraschenden VAIN GLORY OPERA (Review) ihr bis dato maßgeblichstes Werk abgeliefert. Ebenfalls noch in diese frühe Schaffensperiode der Band einzuordnen ist das 1999 erschienene THEATER OF SALVATION – mit welchem EDGUY abermals etwas neues wagten, oder sich zumindest wieder etwas weiter vom vergleichsweise düsteren und symphonisch angehauchten Sound des Vorgängers wegbewegten. Doch ganz unabhängig davon, ob man THEATER OF SALVATION nun als Neueinsteiger entdeckt oder im Vergleich mit den grundsätzlich ganz ähnlich aufgemachten früheren EDGUY-Alben betrachtet – von einem rundum gelungenen Album konnte und kann man hier in jedem Fall sprechen.

Und das sicher auch, da EDGUY mit THEATER OF SALVATION ihr bis dato temporeichstes, spielfreudigstes und vielleicht auch mit den meisten direkt wirksamen Hymnen versehenes Album kreierten – und die Gesamtwirkung der 11 Titel im Sinne der übergeordneten Power Metal-Definition kaum klassischer hätte ausfallen können. So sind es vor allem die vergleichsweise schnörkellosen, wunderbar Gitarren-orientierten und in den Refrains starken Brecher BABYLON, WAKE UP THE KING oder ARROWS FLY welche angenehm unvermittelt ins Ohr gehen – und dank ihrer Eingängigkeit wohl auch eine Weile im Gedächtnis bleiben werden. Eine Eingängigkeit, die hier aber nicht zwingend mit dem Begriff der Einfachheit gleichgesetzt werden muss – zumal THEATER OF SALVATION sowohl im kompositorischen, als auch im handwerklichen und produktionsbezogenen Sinne so gut wie nichts vorzuwerfen ist. Überhaupt sorgen Nummern wie das herrlich stampfende THE HEADLESS GAME, das gewissermaßen die Atmosphäre des ebenfalls im Jahre 1999 gegründeten AVANTASIA-Projektes vorwegnehmende LAND OF THE MIRACLE oder das dezent an STRATOVARIUS erinnernde FALLING DOWN durchaus für die nötige Abwechslung und Vielfalt.

Wenn auch nicht immer mit dem nötigen Effekt – denn zumindest das recht explizit auf die Tränendrüse drückende ANOTHER TIME schie´ßt eventuell doch noch dezent übers Ziel hinaus. Dennoch sollte man hier – und insgesamt betrachtet – relativ problemlos vom bis dato besten und wirksamsten EDGUY-Album überhaupt sprechen können. Sowohl die Bandmitglieder an den Instrumenten als auch Frontmann Tobias Sammet befanden sich auf einem qualitativen Höhepunkt, das Aufkommen absolut kultverdächtigter Hymnen ist hoch, bloße Lückenfüller gibt es keine. Als gewissermaßen abrundende Faktoren fungieren dann etwa das kurze aber recht atmosphärische Intro THE HEALING VISION, sowie der überlange Titeltrack THEATER OF SALVATION – bei dem sich EDGUY ebenfalls nicht die Blöße gaben und aus dem musikalischen Vollen schöpften. Wenn man schon nichts mit dem späteren Werk von EDGUY anfangen kann – THEATER OF SALVATION war und ist ein absolutes Muss, geht es um einen perfekt in Szene gesetzten und wunderbar klassischen europäischen Power Metal.

Absolute Anspieltipps: BABYLON, THE HEADLESS GAME, WAKE UP THE KING, FALLING DOWN, ARROWS FLY, THEATER OF SALVATION


„EDGUY auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Vain Glory Opera (1998)

Alben-Titel: Vain Glory Opera
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. Januar 1998
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars

Track-Liste:

1. Overture (01:31)
2. Until We Rise Again (04:28)
3. How Many Miles (05:39)
4. Scarlet Rose (05:10)
5. Out of Control (05:04)
6. Vain Glory Opera (06:08)
7. Fairytale (05:11)
8. Walk On Fighting (04:46)
9. Tomorrow (03:53)
10. No More Foolin‘ (04:55)
11. Hymn (Ultravox cover) (04:53)

Reifer hätte die Zeit wahrlich nicht werden können.

Die Liste der in den frühen 90ern gegründeten Power Metal-Combos, die neben ihrer maßgeblichen Mitgestaltung des noch jungen Genres zielstrebig auf das neue Millennium zusteuerten und sich früher oder später den verdienten Status als waschechte Legenden sicherten; ist gar nicht mal so kurz. Beschränkt man das Ganze allerdings auf den deutschen Raum und klammert die noch frühere Vorarbeit von großen Pionieren wie HELLOWEEN oder GAMMA RAY einmal dezent aus, so müsste einem insbesondere eine Combo ins Auge stechen: die bereits seit 1992 aktiven EDGUY. Mit ein Grund dafür ist, dass sich die Band seit ihrem überraschenden Debütalbum SAVAGE POETRY (1995, siehe Review) oder dem ebenfalls gern als Debüt bezeichneten Nachfolger KINGDOM OF MADNESS (1997, Review) als äußerst vielversprechende Nachwuchs-Band heraustellte – und es lediglich kleinere (SAVAGE POETRY) bis explizit auf den allgemeinen Soundeindruck bezogene Probleme (KINGDOM OF MADNESS) waren, die es für die junge Band noch zu bewältigen galt.

Wie man heute weiß hat sich das (Ab)Warten auch definitiv ausgezahlt, denn: mit dem gerade einmal ein Jahr nach KINGDOM OF MADNESS veröffentlichten dritten EDGUY-Studioalbum VAIN GLORY OPERA konnten die Hessen das Ruder entgültig zu ihren Gunsten herumreißen. Und das mit einem solchen Nachdruck, dass das Album bis heute kräftig nachhallt – und auf eine Entdeckung von Seiten aller Genre-Hörer wartet, die sich aus welchen Gründen auch immer noch nicht allzu intensiv mit dem kreativen Schaffen von EDGUY befasst haben. Anders gesagt: wer beispielsweise nur die jüngeren Ambitionen der Band kennt und sich nicht so recht mit ihnen anfreunden kann, der sollte unbedingt mal einen Blick in die Vergangenheit wagen – und das insgesamt 11 Titel starke VAIN GLORY OPERA auf sich wirken lassen.

Fest steht: EDGUY haben hier ein Album erschaffen, die wie kein zweites aus der hiesigen Diskografie von seiner ebenso dichten wie unverwechselbaren Atmosphäre lebt. So beschwören schon das Intro OVERTURE, der flotte Opener UNTIL WE RISE AGAIN und das stampfende HOW MANY MILES ein höchst interessantes Wechselspiel der Emotionen herauf, das sich irgendwo zwischen einer typisch-verspielten europäischen Eingängigkeit und einer ordentlichen Portion Dramatik bewegt. Der sich hieraus ergebenden, schon einmal dezent in Richtung des späteren AVANTASIA-Projekt weisenden Kraft und Wirkung kann man sich jedenfalls kaum entziehen – was einerseits am großartigen Songwriting liegt, und andererseits am damaligen EDGUY-Quantensprung in Bezug auf den allgemeinen Soundeindruck. Im Vergleich mit den Vorgängern konnte VAIN GLORY OPERA so nicht nur hinsichtlich der an den Tag gelegten Ideen, des ausgeführten Handwerks und der klanglichen Vielfalt die Oberhand gewinnen – sondern schlicht und ergreifend auch aufgrund der hier wesentlich ausgereifteren technisch-akustischen Komponente.

Eine; die VAIN GLORY OPERA sowohl den nötigen Druck und Bombast (wie in UNTIL WE RISE AGAIN oder FAIRYTALE) verleiht, als auch das nötige Fingerspitzengefühl in den getrageneren Momenten (wie in SCARLET ROSE) nicht vermissen lässt. Einen kleinen Nachteil aber offenbart das Ganze dann doch. Schließlich klingen die einzelnen Tonspuren in diesem Fall nicht besonders differenziert, oder anders gesagt: einstweilen drohen EDGUY hier, einige Elemente in ihren hauptsächlich von dröhnenden Gitarren okkupierten Klangkulissen untergehen zu lassen – wie etwa den Bass. Davon abgesehen aber bietet das Album ein wenig von allem, und das in gut – wie etwa im knackigen Titeltrack VAIN GLORY OPERA, der mit einem markanten Keyboard und einem unterhaltsamen Charme der 80er-Metaljahre punktet. Ja, selbst das auf den ersten Blick eher unscheinbare WALK ON FIGHTING macht eine bessere Figur als zunächst erwartet – und das nicht nur, da der Bassist und Schlagzeuger der Band endlich auch mal voll auf ihre Kosten kommen respektive die nötige Aufmerksamkeit ergattern. Der Schlagabtausch von weiteren balladesken (TOMORROW) und ungewöhnlich zünftigen Momenten (NO MORE FOOLIN, die Backgroundshouts wirken allerdings etwas plump) macht das Ganze schier perfekt.

Schlussendlich gilt es damit vor allem eines festzuhalten: mit VAIN GLORY OPERA haben EDGUY seinerzeit mehr als ordentlich abgeliefert – und ein Album erschaffen, das auch heute noch in keiner gut sortierten Power Metal-Sammlung fehlen darf.

Absolute Anspieltipps: UNTIL WE RISE AGAIN, HOW MANY MILES, VAIN GLORY OPERA, FAIRYTALE


„Der erste Meilenstein innerhalb einer interessanten Metal-Karriere.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Kingdom Of Madness (1997)

Alben-Titel: Kingdom Of Madness
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 8. Februar 1997
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Dominik Storch – Drums

Track-Liste:

1. Paradise (06:24)
2. Wings of a Dream (05:24)
3. Heart of Twilight (05:32)
4. Dark Symphony (01:05)
5. Deadmaker (05:15)
6. Angel Rebellion (06:44)
7. When a Hero Cries (03:59)
8. Steel Church (06:29)
9. The Kingdom (18:23)

Eine Erfolgsgeschichte, die erst noch eine werden sollte.

Nachdem die deutschen Power Metaller von EDGUY mit ihrem Debütalbum SAVAGE POETRY (siehe Review) Fuß gefasst hatten und innerhalb der Szene immer bekannter wurden, legten die noch jugendlichen Recken um Frontmann Tobias Sammet 1997 ihr 9 Titel starkes KINGDOM OF MADNESS nach. Hierbei handelt es sich um das zweite, seinerzeit über AFM Records erschienene Album der Band – welches kurioserweise auch gerne mal als das eigentliche Debütalbum von EDGUY bezeichnet wird. Doch ganz egal ob es nun um das erste oder zweite Album der Band handelt (womit der Vorgänger SAVAGE POETRY als reine Demo abgestempelt werden müsste) – KINGDOM OF MADNESS stellt wie schon sein Vorgänger zur Schau, auf welche musikalische Basis sich die frühen EDGUY (und damit auch die damals noch jugendlichen Bandmitglieder) verständigt hatten. Und das noch weitestgehend ohne, dass sich die eigentliche Größe der Band sowie der gleichermaßen markante wie dezent exzentrische Eindruck des Frontmanns Tobias Sammett schon maßgeblich offenbart hätte.

Dennoch – und natürlich – handelt es sich bei KINGDOM OF MADNESS um alles andere als ein schlechtes Release. Eher um ein für das damalige Genre recht typisches, welches mit einigen Vor- als auch Nachteilen versehen war und ist. So ist es angenehm zu hören, dass sich vor allem Tobias Sammet immer mehr von seinem jugendlich-ungestühmen Ambitionen wegbewegte – und langsam aber sicher zu einem einzigartigen Genre-Sänger avancierte (beispielsweise in Bezug auf die Ansätze in WHEN A HERO CRIES). Und auch das ebenso abwechslungsreiche wie qualitative Songwriting macht im Zusammenspiel mit der effektiven Mixtur aus griffigen und balladesken Elementen eine gute Figur. Andererseits, und um auf den schon für SAVAGE POETRY dezent problematischen Faktor des klanglichen Gesamteindrucks zu kommen; fehlt es auch KINGDOM OF MADNESS an jener handwerklichen und inszenatorischen Perfektion, die das Album in die heutige Zeit retten könnte. Zumindest im Ganzen und ohne Abstriche – wobei insbesondere der extrem flache Klang der Drums, der in den Gesamtkompositionen relativ untergehende Bass, die leicht unvorteilhafte Gesangsabmischung sowie der hier (noch) nicht immer absolut stilsicher agierende Tobias Sammet verantwortlich sind.

So sind es vor allem die am ehesten Power Metal-Puristen ansprechende Uptempo-Nummern wie WINGS OF A DREAM oder STEEL CHURCH die sich als wirksam herausstellen – während nicht wenige der anderen Titel mit diversen Längen, klanglichen Problemen und auch teils deutlichen Schwächen in Bezug auf die Inhalte zu kämpfen haben. Einstweilen schleicht sich auch das Gefühl ein, als hätte man die ein oder andere Nummer doch lieber einer Band wie STRATOVARIUS überlassen sollen – die es schon früh verstanden, auch ihre längeren Nummern mit gehaltvollen Elementen zu garnieren. Und: was genau sich EDGUY bei ihrem ebenso länglichen wie teils unfreiwillig komischen Rausschmeißer THE KINGDOM gedacht haben, bleibt wohl besser unter Verschluss. Nach dem wunderbar klassischen, auch heute noch reizvollen und schlichtweg überzeugenderen SAVAGE POETRY ist EDGUY hier jedenfalls noch nicht der ganz große Sprung nach vorne gelungen – eher im Gegenteil. Glücklicherweise sah das später doch noch ganz anders aus.

Absolute Anspieltipps: WINGS OF A DREAM, STEEL CHURCH


„Eindeutig – und leider – keines der besseren EDGUY-Alben.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Savage Poetry (1995)

Alben-Titel: Savage Poetry
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Dominik Storch – Drums

Track-Liste:

1. Key to My Fate (04:36)
2. Hallowed (06:30)
3. Misguiding Your Life (04:11)
4. Sands of Time (05:07)
5. Sacred Hell (06:09)
6. Eyes of the Tyrant (08:32)
7. Frozen Candle (07:57)
8. Roses to No One (05:48)
9. Power and Majesty (05:10)

Ob mit oder ohne Narrenkappe – wo EDGUY draufsteht, ist auch EDGUY drin.

Irgendwann hat alles einmal angefangen. Wie auch die Erfolgsgeschichte von EDGUY – einer heutzutage allseits bekannten Power Metal-Combo aus Hessen, die von einem noch bekannteren Frontmann angeführt wird. Schließlich schrieb Tobias Sammett nicht nur mit dieser, das heißt seiner eigentlichen und ursprünglichen Band Geschichte – sondern auch mit dem um die Jahrtausendwende entstandenen Allstar-Projekt AVANTASIA. Vor etwas mehr als 20 Jahren aber sah die Sache noch ein wenig anders aus: die damals allesamt gerade mal 18-jährigen Bandmitglieder hatten ihre Combo EDGUY gerade erst gegründet, 2 Demos veröffentlicht – und mit THE SAVAGE POETRY ihr erstes offizielles Studioalbum vorgelegt. Als reines Independent-Release, versteht sich – und mit immerhin 9 vollwertigen Titeln.

Und auch wenn man diesem ersten EDGUY-Album sicher noch keine wie auch immer geartete Wegbereiter-Funktion unterstellen kann – ausser natürlich für die Band selbst – ist es überaus interessant, einen Blick auf dieses frühe Schaffen der Band zu werfen. Und damit auch einem Album, das von einer ebenso ungestümen wie jugendlichen Performance des Leadsängers Tobias Sammett (markant: der Rausschmeißer POWER & MAJESTY), einem insgesamt eher an eine Demo-Produktion erinnernden Sound sowie einer am ehesten als klassisch zu bezeichnenden Auslegung des Genres lebt. So wartet THE SAVAGE PEOTRY mit hörbar weniger Schnörkeln, Bombast oder anderen Spielereien auf als etwaige spätere EDGUY-Alben – und serviert dem Hörer schon vom Opener HALLOWED an ein vergleichsweise schroffes, Riff-orientiertes und höchst authentisch klingendes Brett.

Eines, das trotz des nicht optimal inszenierten Sounds über eine gewisse Hymnentauglichkeit verfügt – und das zuletzt dank der guten, aber nicht übertrieben eingängigen Refrains – und in grundsätzlich tadellosen Genre-Nummern wie MISGUIDING YOUR LIFE oder KEY TO MY FATE angenehm an die Anfangszeiten von anderen deutschen Combos wie HELLOWEEN oder IRON SAVIOR erinnert. Für das hier abgelieferte Material schämen müssen sich EDGUY jedenfalls nicht, erst Recht nicht für das an Tag gelegte Handwerk – wie es bei manchen anderen Bands dann und wann doch mal der Fall ist, gerade nach vielen vergangenen Jahren und in der retrospektiven Betrachtung. Anders gesagt: THE SAVAGE POETRY markiert einen ebenso wichtigen wie auch heute noch problemlos zu genießenden ersten Meileinstein in Bezug auf die hiesige, über die Jahre markant gewachsene EDGUY-Diskografie.

Ein Meilenstein, der lediglich mit seiner eher schwachen Präsentation (von der immerhin der Bass profitiert), dem letzten fehlenden I-Tüpfelchen sowie der kläglich-seicht klimpernden Ballade SANDS OF TIME zu kämpfen hat. Davon abgesehen, und gerade in Anbetracht der weitaus wirksameren balladesken Ambition in Form von ROSES TO NOONE sowie eines puren Genre-Feuerwerks a’la SACRED HELL oder EYES OF THE TYRANT (diese 8 Minuten vergehen wie im Flug) gibt es aber kaum etwas zu mäkeln. Fest steht: dieses Stück Geschichte sollte ein jeder Genre-Enthusiast auf jeden Fall in seiner Sammlung haben, ob explizitzer EDGUY-Fan oder nicht.

Absolute Anspieltipps: HALLOWED, KEY TO MY FATE, SACRED HELL, EYES OF THE TYRANT


„Die klangliche Inszenierung ist nicht perfekt, die Stimme von Tobias Sammett noch rau und ungeschliffen – und doch zeugt schon dieses frühe EDGUY-Material von einem später glücklicherweise noch ausgeschöpften Potential.“