Filmkritik: „Operation Walküre“ (2008)

Originaltitel: Valkyrie
Regisseur:
Brian Singer
Mit:
Tom Cruise
Laufzeit:
115 Minuten
Herkunftsland:
USA
Genre:
Drama

Inhalt: Viele werden die Geschichte um das sogenannte „Stauffenberg-Attentat“ kennen. Wenn nicht, dann ist Operation Walkküre eine gute Möglichkeit, etwaige Wissenslücken um den wohl berühmtesten Attentatsversuch der Geschichte aufzufrischen. Der Film orientiert sich dabei möglichst nah an den tatsächlichen damaligen Ereignissen, und stellt nochmals eindringlich klar, dass nicht nur eine einzelne Person hinter dem großen Komplott steckte, und auch nicht bloss eine handvoll Regime-Gegner. Stauffenberg ist hierbei die Galionsfigur des Widerstandes in einer der letzten Phasen des Dritten Reiches. Auch wenn die zahlreichen Bemühungen des Widerstandes nicht immer in großen Erfolgsgeschichten mündeten, sondern zumeist in tragischen – bleibt ein Widerstand niemals ungehört oder geht in den Wirren der Geschichte unter; und hat dementsprechend eine große Bedeutung; auch für die Nachwelt.

Der Film startet bereits temporeich, und zwar in Afrika...

Kritik: Eine große Bedeutung, trotz des offensichtlichen Fehlschlages ? In der Tat, und genau das zeigt Operation Walküre auch recht deutlich auf. Eine Bewegung oder ein Widerstand gegen eine „Obrigkeit“ muss nicht immer eine Revolution zur Folge haben. Anders herum müssen die Beteiligten einer Volksrevolte auch nicht unbedingt gleich zu Märtyrern werden, wenn ihre Mission scheitert. Es gibt auch eine „goldene Mitte“: ein Widerstand bleibt niemals ungehört oder unbemerkt, auch wenn oft versucht wird, dergleichen zu vertuschen – so auch in diesem Fall. Vielmehr vermag er in ein Bewusstsein eines Volkes überzugehen, so wie ich einmal unterstelle, auch die Stauffenberg-Geschichte. Eine Gruppe Regimegegner steht nun folglich für das gesamte unterdrückte deutsche Volk, das zu Beginn der 40’er Jahre ohnehin nicht mehr gefragt wurde was es wollte. Und es ist gut, dass sich jemand erhob – auch wenn die Mission letztendlich scheiterte.

Ja, nun gibt es allerdings ein Problem: solche Filme gab es schon. Mehrmals sogar. Was also macht Operation Walküre anders oder entsprechend speziell ? Mit Sicherheit ist es die Wahl des Schauspielers Tom Cruise als Stauffenberg. Es ist ein Segen und ein Fluch zugleich – da eine solche prominente Besetzung dazu führt, dass den Film weitaus mehr Menschen sehen werden als ohne sein Mitwirken. Zum anderen wirkt es auch etwas befremdlich, einen so polarisierenden Amerikaner in die Rolle eines Deutschen („Helden“) zu stecken. Stauffenberg war deutscher, warum nicht also auch einen deutschen Schauspieler nehmen ? Das wäre authentischer und nachvollziehbarer gewesen – sei es drum. Tom Cruise spielt gar nicht mal so schlecht, auch wenn er in vielen Szenen eine Art „amerikanisches Pokerface“ aufgesetzt zu haben scheint.

Die Geschichte hinter Operation Walküre im Gesamten ist recht spannend und gar „treibend“ inszeniert, man kann als Zuschauer richtig mitfiebern – dies wiederum ist ein amerikanischer Verdienst, da man sich hier nicht davor scheut, auch eine gewisse „Action“ in ein Historiendrama zu packen. Aber es gab nun einmal Dinge wie Explosionen oder Schießereien – warum sollte man diese also nicht auch entsprechend inszenieren ? Da sind viele deutsche Filme einfach noch zu zaghaft (Stichwort: Kammerspiel-Drama). Die Schauplätze sind gut gewählt und ordentlich in Szene gesetzt, die Kamerafahrten und Schnitte absolut verträglich. Der Soundtrack hält sich größtenteils bedeckt im Hintergrund, etwas anderes wäre einfach nicht passend. Schauspielerisch ist das Ganze in Ordnung, wenngleich gerade die Besetzung der Hitler-Rolle ein absoluter Fehlgriff gewesen war. Das haben schon ganz andere Darsteller weitaus besser hinbekommen (schon rein optisch, auch wenn man da kaum etwas tun kann).

Irgendwie spielen die Deutschen die Deutschen einfach besser...

Fazit: Das Thema bleibt wichtig, die Botschaft zeitlos – und die Ereignisse relevant. Der Film ist handwerklich sehr gut gemacht und spannend inszeniert, sodass auch ein jüngeres Publikum nicht gelangweilt sein wird. Die Schauplätze, Kostüme et cetera wirken absolut originalgetreu und aufwendig in Szene gesetzt. Die Schauspieler machen einen guten Job, besonders die wichtigsten Rollen hätten aber komplett anders besetzt werden sollen. Operation Walküre erfindet das Rad der WK2-Filme zwar nicht neu, kann aber durchaus als „wertvoller“ und gut recherchierter Historienfilm (für ein breiteres Publikum, Vor- und Nachteil zugleich) bezeichnet werden.

Filmkritik: „Gabriel“ (2007)

Filmtitel: Gabriel
Regie:
Shane Abbess
Mit:
Andy Whitfield
Laufzeit:
109 Minuten
Herkunftsland:
Australien
Genre:
Science Fiction / Action

Inhalt: Dieser in Deutschland vielleicht nicht ganz so bekannte Film beschäftigt sich mit dem Leben und Schicksal von Erzengel Gabriel (Andy Whitfield) und natürlich auch dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Das besondere: Schauplatz ist eine Art Zwischenwelt, in die die menschlichen Seelen nach ihrem Ableben auf der Erde gelangen und sehnsüchtig auf eine „endgültige Entscheidung“ warten. Nun werden 7 Erzengel ausgesandt, um endlich wieder Licht in das Dunkel dieser recht verkommenen Stadt zu bringen – doch die „dunkle Seite“ schläft ebenfalls nicht. Angeführt von Samael (Dwaine Stevenson), gewinnen sie mehr und mehr Macht und beanspruchen diese Stadt allein für sich. Mit Gabriel’s Erscheinen aber könnte die Hoffnung nun endlich wieder aufkeimen – da er der einzige und letzte der 7 Erzengel ist, der noch nicht auf dieser Mission scheiterte.

Kritik: Nun, viel neues vermag die Handlung von Gabriel – trotz des theoretisch interessanten Schauplatzes – nicht zu bieten. Im Gegenteil, der in der Filmgeschichte schon abertausende Male verfilmte Kampf zwischen „gut“ und den „böse“ wirkt hier einstweilen etwas dröge und viel zu düster inszeniert. Die „Guten“ (Gott) senden also wieder einmal ihre Truppen aus, die „Bösen“ (der Teufel) die seinen, und so sollen diese Untertanen den Kampf entscheiden ohne das die obersten Herrscher selbst einschreiten. Selbst das gab es schon zu oft – zumal in diesem Fall besonders auffällt, dass die Charakterporträts etwas vereinfacht daherkommen. Etwaige emotionale Gratwanderungen gibt es keine, entweder man befindet sich überzeugt auf der einen oder anderen Seite – sieht also schwarz oder weiss. Aber immerhin, ein klein wenig anders ist Gabriel dann doch.

Zum einen ist es die gesamte stilistische und optische Aufmachung des Films, die Highlight und filmische Schrecklichkeit zugleich ist. Es ist zwar irgendwie erfrischend und stimmungsvoll, den gesamten Film in einen sehr düsteren Look zu hüllen – wenn dies aber soweit geht, dass man händeringend nach abwechslungsreichen Kontrasten oder helleren „Fixpunkten“ sucht, geht der Schuss nach hinten los. Die allgemeine Unschärfe tut ihr übriges, die Stadt scheint manchmal in den Schatten zu verschwinden (nicht nur sinnbildlich-poetisch). Sinngemäß würde das auch zutreffen, aber ein wenig mehr Helligkeit, andere klar beleuchtete Schauplätze als Eyecatcher oder weitere durchaus vorstellbare optische Maßnahmen hätten dem Film beziehungsweise dem Zuschauer gut getan. Düster beziehungsweise erstaunlich „schmutzig“ ist auch die (leider nur angerissene, siehe oben) Darstellung der Charaktere und der Gewalt, die in dieser Zwischenwelt vorherrscht. Dies wirkt stellenweise mutig, stellenweise aber auch irgendwie verstörend und unpassend.

Gabriel (Andy Whitfield) versucht, das Böse zu besiegen.

Was fehlt, ist mit Sicherheit eine zusätzliche Portion Tiefgang oder Charakterentwicklung. Eigentlich taucht dieses kurze „Aha“-Gefühl nur einmal gegen Ende auf, als Gabriel und sein schicksalhafter Erzfeind Samael miteinander sprechen, beziehungsweise kämpfen. Der Großteil der Szenen erscheint aber eher zusammenhangslos und einstweilen einfach zu platt – wilde, etwas merkwürdig anmutende Schießereien zwischen dieser oder jenen Partei inklusive. Überhaupt wirkt die „Stadt“ oder die Zwischenwelt eher klein und begrenzt, und vermittelt nicht wirklich das Gefühl, als sei das was hier geschieht von großer Bedeutung – schlechtes Zeichen für einen Film, der sich offensichtlich an einer gewissen (auch religiösen) Symbolik bedient. Man hat eher das Gefühl, als spielte sich das Ganze in irgendeiner dunklen Gasse einer x-beliebigen Großstadt ab – mit Nachtclubs, Zuhältern, Kriminellen und einigen wenigen, „glorreichen Rettern“ (die irgendwie nicht stimmig porträtiert werden) mittendrin. So offeriert auch das Ende nicht wirklich ein Gefühl der (filmischen) Erlösung, sondern wirkt eher simpel konstruiert. Interpretationsmöglichkeiten oder weitere beschäftigende Gedanken nach dem Film ? Nicht wirklich. Es sei denn, man interessiert sich generell für das Thema „Zwischenwelten“ oder Ansichten auf die sogenannten „Erzengel“.

Schauspielerisch erscheint das Ganze grundsolide, da gibt es nichts zu meckern. Ebenso in Sachen Kameraführung und Schnitt – alles im grünen Bereich. Nur eben nicht die zu dunkle Optik und die wenigen optischen Abwechslungen, die allgemeine Unschärfe, die viel zu begrenzt dargestellte Welt. Der Soundtrack ? Es scheint, als sei nicht wirklich einer vorhanden; da bleibt nichts hängen.

Doch auch Samael (Dwaine Stevenson) schläft nicht und hat großes vor...

Fazit: Gabriel ist mit Sicherheit kein Meisterwerk, und auch kein überdurchschnittlicher Film. So wird die allgemein übermäßig düstere Erscheinung viele Zuschauer abschrecken – die, die in Anbetracht des Filmtitels eine Art „Film über oder mit Engeln“ (+ entsprechende Botschaften) erwarten, ganz besonders. Aber wer wird sich dann dieses Film ansehen ? Vermutlich ausschließlich Zuschauer, die sich nicht an etwas gewagten Genremischungen stören, und auch mal eine Portion „dreckige Hinterhofballerei“ im Rahmen eines gar göttlich-teuflischen Machtkampfes (v)ertragen können. Das gab es zwar ansatzweise auch schon in Filmen wie Spawn (ebenfalls sehr düster), aber in Gabriel wirkt das Gesamtergebnis weitaus weniger stimmig. Es wird schlicht und einfach kein eigenes Universum, keine eigene Welt erschaffen; für die sich der Zuschauer wirklich interessieren könnte. Dennoch, in mancherlei Hinsicht erscheint der Film gewagt und ein klein wenig mutig. Wären noch etwas mehr philosophische Aspekte verarbeitet beziehungsweise präsentiert worden, hätte er eine höhere Wertung erzielt.

Filmkritik: „The Road“ (2009)

Filmtitel: The Road
Regie:
John Hillcoat
Mit:
Viggo MortensenKodi Smit-McPhee
Laufzeit:
111 Minuten
Land:
USA
Genre:
Drama

Inhalt: Es war einmal in den Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Vater ( Viggo Mortensen) und sein Sohn (Kodi Smit-McPhee) wandeln scheinbar ziellos durch die von Ascheregen ergraute Landschaft und suchen Schutz. Nur noch vereinzelt tauchen andere Menschen auf, häufiger jedoch hört man bedrohlich wirkende Geräusche wie Explosionen oder Schüsse. Es muss sich eine große Katastrophe ereignet haben – und die wenigen überlebenden sind nun sich selbst der nächste. Gewalt oder sogar Kannibalismus scheinen an der Tagesordnung in diesem erbarmungslosen Kampf ums Überleben zu sein. So macht sich das familiäre Duo auf, um in den Süden zu gelangen. Irgendwo dort soll es möglicherweise noch einen Ort geben, der noch nicht derart verwildert ist, und in dem Menschen in Frieden miteinander leben. Werden die beiden es schaffen; und was ist wenn sich das Ganze doch nur als Mythos herausstellt ? Doch erst einmal gilt es, zu überleben – eine schwierige Aufgabe, ein unberechenbarer Instinkt in einer offenbar hoffnungslosen Welt.

Kritik: Klingt das etwas zu düster ? In der Tat, The Road ist nicht gerade ein Film, der dem Zuschauer gute Laune vermittelt. Aber das soll er ja auch gar nicht, es handelt sich vielmehr um einen weiteren Film, der das Thema „Apokalypse“ behandelt. Das Genre bewegt sich hierbei irgendwo zwischen Abenteuer, Drama und Thriller. Tatsächlich basiert auch dieser Film auf einer Buchvorlage, und zwar der des US-Authors Cormac McCarthy , welche bereits im Jahre 2006 veröffentlicht wurde. Und: The Road ist ein Film, der eher mit Stimmungen und Emotionen anstatt actiongeladener Haudrauf-Szenen arbeitet – was ihm sehr zugute kommt. Schließlich geht es in erster Linie auch um die Frage, wie so ein Leben in einer recht apokalyptischen Welt wohl aussehen könnte. Warum überhaupt apokalyptisch, mövhte man jetzt fragen ? In der Tat ist dies ein weiterer Clou des Films: es wird nie wirklich verraten, warum genau die Welt nun quasi auf Messers Schneide steht. Oder besser gesagt, das Schicksal der Menschheit. Als Zuschauer sieht man lediglich das Ergebnis einer fiktiven Katastrophe, und wie die Menschen damit umgehen, oder umgegangen sind. So sind auch einige schwerer verdauliche Szenen enthalten, in denen beispielsweise Menschen zu sehen sind die Suizid begangen haben. Besagter „Clou“ des Films ist allerdings gleichzeitig Lob- und Kritikpunkt…

Denn zum einen führt das Verwenden eines unbekannten Elements zu einer erhöhten Spannung beim Zuschauer, es lädt ein; sich selbst ein eigenes Bild oder eine eigene Vorstellung zu formen. Andererseits aber verzichtet man so gänzlich auf Erklärungen jeglicher Art – und macht sich damit angreifbarer für Kritik hinsichtlich einiger Storyschwächen oder -Lücken. Schließlich „startet“ man so bereits in einer Welt, in der viele Dinge vorgegeben sind – man hat also deutlich weniger Arbeit, als müsste man erst ein Grundgerüst schaffen. Auch wird nicht erwähnt, wo all die anderen Menschen abgeblieben sind – man sieht kaum überlebende, aber auch keine Leichen oder Gräber. Doch, was soll man tun; wenn die Buchvorlage auch nicht mehr Erklärungen liefert ? Empathie ist mit Sicherheit ein weiteres Stichwort in Bezug auf The Road. Denn als Zuschauer wird man intensiv mitgerissen von den Ereignissen in dieser post-apokalyptischen Welt. Selbst wenn der Film das Hauptaugenmerk fast ausschließlich auf eine Vater-Sohn Beziehung legt – und diese beiden nicht wirklich oft auf andere überlebende Treffen. So aber gelingt dieses Porträt so intensiv und glaubhaft, dass es nachhaltig beeindruckt.

Es gibt auch einen echten, kaum vorhersehbaren Schockmoment im Film. Nur soviel: man stellt sich als Zuschauer die Frage, wie so etwas möglich sein kann, im Hinterkopf das Wissen um die reelle Existenz dieses dort gezeigten Phänomens, beziehungsweise dieser menschlichen Grausamkeit. Die beiden Hauptcharaktere jedoch tragen „das Feuer noch in sich“, wie ein Zitat aus dem Film besagt. So kämpfen sie – scheinbar auf verlorenem Posten – weiterhin um den Erhalt der Menschlichkeit. Und, der Menschheit im gesamten – doch dafür müsste man erst einmal in den Süden gelangen… diese Reise ist schlicht aussergewöhnlich, spannend inszeniert – und einfach nur gruselig – im positiven Sinne. Ein echtes filmisches Erlebnis – das kann man wohl nur von wenigen Filmen behaupten, gerade aus den USA.

Die technischen Aspekte passen zum durchweg positiven Eindruck der Story und der Umsetzung. Die Optik ist im allgemeinen sehr düster und grau gehalten, wirkliche Gegensätze gibt es kaum. Lediglich einige Einzelszenen bieten optische Abwechslung – was aber durchaus als positiv zu bewerten ist. Schließlich bekommt man so einen umso besseren Eindruck von der (grauen) Hoffnungslosigkeit „da draussen“ – wenn es immer noch Rückzugsorte gibt, in denen andere Farben dominieren. Die Kamera-Arbeit und die Schnitte sind gelungen, ganz besonders sind natürlich die Szenenaufbauten und Schauplätze zu erwähnen. Der stimmige Soundtrack unterstützt den Eindruck der „Postapokalypse“. Viggo Mortensen als Familienvater spielt sehr, sehr überzeugend; wenn nicht überragend. Der noch relativ junge Newcomer Kodi Smit-McPhee vermag es, in schauspielerischer Hinsicht absolut, mitzuhalten – es wirkt einfach, als müssten die beiden tatsächlich Vater und Sohn sein.

Fazit: Der gemischter Eindruck ist einer, der nachwirkt. Der Film ist so ausgezeichnet in seiner Machart, doch das Gefühl welches er erzeugt, kann eben nur „übel“ sein. Doch auch diese Tatsache spricht nur für den Film. Ein absoluter Geheimtipp ! Spannend, düster, erschreckend; und am Ende… man wird es sehen. Absolutes, post-apokalyptisches Pflichtprogramm !

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Filmkritik: „Shutter Island“ (2010)

Auch bekannt als: La Isla Siniestra
Regie:
Martin Scorsese
Mit:
Leonardio DiCaprioMark RuffaloEmily MortimerBen Kingsley
Laufzeit:
138 Minuten
Land:
USA
Genre:
Thriller

Inhalt: Die beiden US-Marshals Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) und Chuck Aule (Mark Ruffalo) werden im Jahre 1954 nach Shutter Island beordert, einer mysteriösen und bedrohlich wirkenden Insel, auf der hoch gefährliche Patienten psychisch behandelt werden. Der Grund für ihre Reise: eine gefährliche Patientin ist offensichtlich aus ihrer Zelle geflohen. Das Problem: allem Anschein nach wäre ein Ausbruch unter den gegebenen Umständen einfach nicht möglich gewesen. Und überhaupt, wo sollte sich die Frau jetzt, da ein heftiges Unwetter naht, auf der Insel aufhalten ? Doch die beiden Ermittler bekommen nicht gerade viel Hilfe vom leitenden Arzt Dr. John Cawley (Ben Kingsley), der sich irgendwie merkwürdig verhält. Teddy glaubt immer mehr an eine große Verschwörung, und dass hinter dem vermeintlich guten Prinzip der Therapie auf der Insel ein unglaublich dunkles Geheimnis lauern könnte…

Kritik: Shutter Island ist nicht vorhersehbar, sondern überraschend – und offeriert daher genau das richtige Maß an Spannung, um einen guten Thriller entstehen zu lassen. Einige werden sicherlich schon die zugrundeliegende Buchvorlage gelesen haben. Doch auch für nicht-Kenner der Materie bietet der Film ein enormes Spannungspotential. Und genau darum geht es ja in einem gut gemachten Thriller mit leichtem Mystery-Touch. Dieser wird vor allem in den sehr surreal gehaltenen Traumszenen oder den Wanderungen in den dunklen Gängen deutlich – und durch die ständige Andeutung, dass hier einfach irgendwo grausame Experimente stattfinden müssen. Vielleicht sogar durchgeführt von ehemaligen Nazis… ?

In der Tat fiebert man als Zuschauer mit Teddy Daniels mit, und irgendwie tut er einem ja auch Leid. Als Kriegsveteran hatte er bereits schlimme Dinge gesehen, dann war da noch das mit seiner Frau und dem Feuer; und die ständigen Alpträume und Kopfschmerzen… vielleicht ein Resultat der Verdrängungsmechanismen ? Doch der Film ist keinesfalls derart einfach gestrickt, nein; Regisseur Scorsese gelingt ein wahrhaft intelligenter und gewitzter Film über das Leben wie es hätte sein können – in einer besonderen Art von Irrenanstalt. Neben den Mystery-Elementen sind es natürlich auch die Drama-artigen Szenen, die alle etwas mit menschlichen Emotionen zu tun haben – jedoch auf mehren Ebenen. So entsteht ein zugleich düsteres und spannendes, aber durchaus auch bewegendes Werk mit einer nachhaltigen Wirkung. Etwas schade mag sein, dass die Story im Endeffekt doch relativ schnell „heruntergebrochen“ wird; und am Ende eigentlich nur noch ein Charakter übrigbleibt. Von einer allgemeinen oder weitreichenden Bedeutung kann man bei Shutter Island also kaum sprechen, es handelt sich eher um ein Einzelporträt. Was aber keinesfalls heisst, dass es nicht dennoch erschütternd wäre.

Was ist eigentlich auf dieser Insel los… ?

Denn der Film weiss durchaus zu begeistern und mitzureissen. Dies lag vor allem an der eher einfachen und rückwärtsbesinnten Erzählweise des Films (trotz der Komplexität der 2 Ebenen / Welten). Das heisst de facto: es gibt eigentlich kaum Special Effects, sowie generell wenig „Effekthascherei“ oder besondere, moderne (das hiesse: billige !) Methoden der Spannungsmache. Nein, alles wirkt ein wenig wie in einem guten Krimi aus vergangenen Jahrzehnten; in denen man die Spannung einfach nur fühlen konnte. Und nicht sehen, wie es in neueren Produktionen CGI-Effekte oder massenhaft Kunstblut erreichen sollen. Auch die Optik ist dahingehend sehr angenehm und angepasst: der Film wirkt insgesamt eher düster und verregnet, man glaubt einstweilen die rauen Verhältnisse auf der Insel am eigenen Leib zu spüren. Die Kamera-Arbeit ist wirklich großartig, seien es die guten Aufnahmen der Aussengelände, Landschaften und Klippen; oder aber die klaustrophobisch anmutenden Gänge und Zellen. Weiterhin wurde ein großer Wert auf markante Kontraste und Spiele mit der Helligkeit gelegt, sodass manche Szenen noch einmal deutlich herausstehen – in den passenden Momenten. Der Soundtrack ist beinahe ebenso gut und stimmig, es stört lediglich eine Kleinigkeit: manchmal (und besonders zu Anfang des Films) wirkt er doch ein wenig zu dick aufgetragen, das heisst einfach zu laut oder zu vordergründig präsentiert. Ansonsten: Lob für den technischen Part, und natürlich die grandiose Schauplatzwahl !

Vielleicht werden sich die Ermittlungen am Ende doch lohnen…

Fazit: Schlussendlich muss man natürlich auch Leonardo DiCaprio (hauptsächlich) und allen anderen Darstellern zu ihren Leistungen gratulieren.Eigentlich hatte ich erwartet, dass Ben Kingsley eine etwas größere Rolle zugestanden bekommt, doch das führt erneut zum einzigen wirklichen Kritikpunkt am Film: am Ende geht vielleicht doch alles etwas zu einfach und zu schnell, und wird auf „nur“ einen Charakter und sein Empfinden heruntergebrochen. Die eigentliche „Arbeit“ in dieser speziellen Einrichtung und mögliche Folgen – gerät dabei womöglich etwas in den Hintergrund. Aber, das sollte wohl auch so sein, schließlich bietet das Porträt von Teddy Daniels weitaus genug Potential, um den Film ganz alleine zu tragen.