Dalriada: Betyár-Altató (Official Music Video) | Hammer Music Hungary 2021


Metal-CD-Review: DALRIADA – Nyárutó (2018)

Alben-Titel: Nyárutó
Künstler / Band: Dalriada (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. Januar 2018
Land: Ungarn
Stil / Genre: Folk Metal w/ Power
Label: Nail Records

Alben-Lineup:

András Ficzek – Vocals, Guitars
Tadeusz Rieckmann – Drums, Vocals
Laura Binder – Vocals, Flute, Violin
Mátyás Németh Szabó – Guitars
István Molnár – Bass
Ádám Csete – Bagpipes, Flutes, Guitars
Gergely „Szög“ Szabó – Keyboards

Track-Liste:

1. Megöltek egy legényt (05:27)
2. Hollórege (05:04)
3. Táltosok álma (07:31)
4. Nyárutó (08:02)
5. Búsirató (05:31)
6. Thury György Balladája 1. rész (05:43)
7. Laus Deo (00:28)
8. Thury György Balladája 2. rész (05:32)
9. Komámasszon (04:41)
10. Áldja meg az Isten (06:46)
11. Hajnali (01:43)

A magyar nem lehet olyan jó, de…

Nein, leicht fällt sie wahrlich nicht aus – die Suche nach möglichst hochkarätigen Genre-Releases im noch jungen Metal-Jahr 2018. Und das auch oder gerade weil nicht wenige namhafte Power Metal-Combos ihr Pulver bereits im turbulenten letzten Jahr verschossen haben – und es nicht weiter verwunderlich wäre, wenn sich die ein oder andere Band erst einmal eine Auszeit gönnt. Und doch wird auch dieses Jahr so manche Überraschung bereithalten – wobei ausgerechnet die aus Ungarn stammenden Folk Metaller von DALRIADA den diesbezüglichen Auftakt bilden. Ausgerechnet, da die Combo streng genommen gar nicht erst im Hauptbereich dieses Blogs erscheinen dürfte – und man in einem Fall wie diesem schon genauer hinschauen muss, um etwaige inhaltliche und musikalische Parallelen zwischen dem von DALRIADA angepeilten Folk Metal und einem auf den ersten Blick nicht wirklich dazu passenden Power Metal der europäischen Spielart aufzuspüren. Wagt man aber genau dies – wobei es sich um eine Möglichkeit handelt, die schon mit den vorherigen Alben der Band gegeben war – kann man mit den Ungarn schlicht eine der inhaltlich interessantesten, musikalisch vielseitigsten und vielleicht auch ganz allgemein wohlklingendsten Combos überhaupt entdecken. Wenn man nur entsprechend offen ist, keinerlei Sprachbarrieren scheut – und sich nicht mit irgendwo festgeschriebenen Genre-Grenzen aufhält, versteht sich.

Schließlich kann es auf einem Album wie dem vorliegenden NYÁRUTÓ auch mal etwas bunter zugehen. Und das vornehmlich, indem DALRIADA eine ganz eigene Interpretation eines knackigen Folk Metals mit teils entsprechend harschen Vocals (wie in TÁLTOSOK ÁLMA) an den Tag legen – oder eher eine so nicht gerade häufig anberaumte Symbiose aus Elementen des Folk Metal, des Power Metal und der sogenannten ungarischen Zigeunermusik respektive des Gypsy-Jazz vertreten. Doch so wild sich das in der Theorie anhören mag, im Ergebnis konnten die Ungarn damit bisher meist uneingeschränkt überzeugen – und das trotz der Gefahr etwaiger Sprachbarrieren. Immerhin haben die nicht nur den potentiellen Nachteil, dass einem die meisten inhaltlichen Zusammenhänge vorerst verschlossen bleiben – sondern mitunter auch den Vorteil, dass die Musik umso glaubwürdiger wirkt und klingt je weniger man sich einem eher gleichgeschalteten internationalen Markt angebiedert hat. DALRIADA markieren damit eine der wenigen Combos, die sich über die langen Jahre ihrer bisherigen Karriere stets treu geblieben sind – mit dem vorteilhaften Effekt, dass die auch auf internationaler Ebene gut ankommenden Musikvideos der Band (wie etwa das recht markante zu A DUDÁS vom 2012er Album NAPISTEN HAVA, siehe Review) in einem vergleichsweise exotischen Erlebnis münden.

Gut ist auch, dass DALRIADA nicht weiter auf nicht ganz so gelungene Experimente wie das 2016 erschienene Akustik-Album FORRÁS (Review) gesetzt haben – und mit NYÁRUTÓ endlich wieder auf die richtige Bahn der regulären und eindeutig stärkeren Releases vollwertiger Studioalben zurückkommen. Dabei hat das neue DALRIADA-Album mindestens ebenso viel zu bieten wie sein eigentlicher Vorgänger ÁLDÁS (Review) aus dem Jahre 2015 – wenn nicht sogar noch ein wenig mehr. Schließlich scheint dieses Mal vor allem das dargebotene Maß der Vielfalt und Abwechslung noch etwas prägnanter auszufallen, mit Ausnahme der dann doch eventuell zu überspringenden instrumentalen Interludes LAUS DEO und HAJNALI. Anders gesagt: seien es der lebendige und sich zum ersten Mal gleichberechtigt aufteilende Leadgesang von András Ficzek und Laura Binder, der stete Wechsel zwischen kraftvoll-stampfenden und feuchtfröhlich-voranpreschenden Momenten (wobei spätestens mit dem extrem munteren KOMÁMASSZON niemand mehr still respektive teilnahmslos auf seinem Stuhl sitzen wird), der ausgewogene und äußerst effektive Einsatz von traditionellen Instrumenten wie speziell der Flöte und der Violine – schon innerhalb der ersten Momente präsentiert NYÁRUTÓ eine volle musikalische Breitseite. Und das selbstverständlich stets, ohne die so wichtigen Metal-Elemente ausser Acht zu lassen – die sich wie bereits erwähnt auch mal etwas deutlicher in den Gefilden des Power Metals bewegen können (wie etwa im flotten und dezent Keyboard-unterstützten HOLLÓREGE inklusive seines Gänsehaut-erzeugenden Solos).

Betrachtet man nun noch dass alle einzelnen DALRIADA-Mitglider ihr Handwerk ausnahmslos gut verstehen, die gesamte Abmischungs- und Produktionsarbeit einen schier exzellenten Eindruck hinterlässt und sich das Album gerade im nicht-ungarischen Raum wie eine leicht exotische, einem aber irgendwie doch vertraut vorkommende Perle anfühlt – dann erhält man nicht nur ein verdammt gutes DALRIADA-Album, sondern letztendlich auch eines der besten Metal-Alben des Jahres 2018. Gut, selbiges hat gerade erst begonnen – doch mit NYÁRUTÓ haben DALRIADA schon einmal mehr als ordentlich vorgelegt. Még sokéves jó zenét – auf viele weitere Jahre DALRIADA.

Absolute Anspieltipps: Megöltek Egy Legényt, HOLLÓREGE


„Nicht jeder schafft es, über all die Jahre immer wieder gute Genre-Alben auf den Markt zu bringen – für DALRIADA scheint aber genau das kein Problem zu sein.“

Metal-CD-Review: DALRIADA – FORRÁS (2016)

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Alben-Titel: FORRÁS
Künstler / Band: Dalriada (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. Mai 2016
Land: Ungarn
Stil / Genre: Folk Metal w/ Power
Label: Nail Records

Alben-Lineup:

András Ficzek – Vocals, Guitars
Tadeusz Rieckmann – Drums
Laura Binder – Vocals, Flute, Violin
Mátyás Németh Szabó – Guitars
István Molnár – Bass
Ádám Csete – Bagpipes, Flutes, Guitars
Gergely „Szög“ Szabó – Keyboards

Track-Liste:

1. Hej, virágom 04:07
2. Bor vitéz (részlet) 04:47
3. Ígéret 04:18
4. Hírhozó 06:32
5. Vérző ima 04:27
6. Hazatérés 04:42
7. A Galagonya 04:03
8. Úri toborzó 05:42
9. Szent László (részlet) 05:12
10. A dudás 05:13
11. Középeurópai Hobo Blues III (Deák Bill Gyula cover) 05:34
12. Hajdútánc 04:33
13. Téli ének 04:11
14. Bukott diák (Jimmy Zámbó cover) 03:22

Mach’s mir noch einmal… aber doch nicht so.

Je länger eine Band existiert – und folglich auch je größer ihr musikalisches Repertoire wird – desto höher ist die Chance, dass die geneigte Hörerschaft irgendwann mit einer Art Best-Of oder anderen Compilations respektive Re-Releases zu rechnen hat. Eine der wichtigsten Fragen dabei ist allerdings des öfteren, ob sich derartige Veröffentlichungen für eben jene und damit quasi zum zweiten Male zugreifenden Fans wirklich lohnen. Oftmals ist das gerade dann nicht der Fall, wenn es sich um grundsätzlich nicht veränderte und lediglich neu zusammengestellte Titel handelt – eine Maßnahme, die am ehesten als typisches Best Of durchgeht und von vielen Bands genutzt wird; im besten Fall auch mit dem ein oder anderen neuen Bonustrack. Die zweite Möglichkeit besteht dagegen oft darin, das jeweilige alte Material in irgendein einer Form neu aufleben zu lassen – sei es schlicht durch einen neuen Masteringprozess, oder aber gleich eine komplette Neuaufnahme (z.B. mit der aktuellen Besetzung der Band). Ein hierbei gerne auftretendes Problem ist indes, dass die Neuaufnahmen den Originalen in vielerlei Hinsicht nachstehen.

Was genau nun die aus Ungarn stammende Folk Metal-Combo DALRIADA mit all diesen Dingen am Hut hat ? So einiges, schließlich veröffentlichten sie jüngst ihr mittlerweile neuntes Studiowerk ARRÁS – das auf den ersten Blick wie ein handelsübliches Album wirkt, und sich damit als Nachfolger zu den beiden sehr guten Werken NAPISTEN HAVA (Review) und ÁLDÁS (Review) präsentiert. Doch ist dem nicht wirklich so: nachdem DALRAIDA schon im Jahre 2015 eine Best Of-Compilation mit dem Titel MESÉK, ÁLMOK, REGÉK veröffentlicht hatten, fährt man mit ARRÁS eine ganz ähnliche Schiene – und serviert der geneigten Hörerschaft nun ein Album mit neuen Akustik-Versionen bekannter DALRIADA-Nummern. Immerhin entspricht das nicht ganz dem typischen Vorgehen anderer Bands, und könnte die Band zumindest theoretisch von einer weiteren interessanten musikalischen Seite zeigen. Auch die Tatsache, dass die Titel wirklich bunt gemischt sind und aus allen Ecken und Enden der DALRIADA-Diskografie zusammengetragen wurden; spricht grundsätzlich für das Funktionieren von ARRÁS. Mit A GALAGONYA, KÖZÉPEURÓPAI HOBO BLUES III und BUKOTT DIÁK finden sich sogar doch noch drei gänzlich neue Nummern auf dem Album (von denen allerdings zwei Cover-Versionen sind).

Eines zeigt sich aber recht schnell: Theorie und Praxis gehen wie so oft weit auseinander. Der Grund dafür mag relativ platt erscheinen, ´lässt sich letztendlich aber einfach nicht von der Hand weisen: ARRÁS klingt einfach nicht gut. Eine Feststellung, die leider nicht nur auf einzelne Klangmomente zu beziehen ist – sondern vielmehr auf die gesamte Spielzeit von immerhin knapp 70 Minuten. Sicher, rein handwerklich ist den Ungarn nichts vorzuwerfen – zumal sie auf ihren bisherigen Studioalben hinreichend zur Schau gestellt haben was alles in ihnen steckt. Doch die Idee, die alten und allgemein gut funktionierenden Nummern nun in ein akustisches Gewand zu hüllen, geht für DALRIADA einfach nicht auf. Und das beileibe nicht nur, da es ungewohnt ist die Ungarn nun plötzlich ohne die sonst so maßgebenden Gitarren und die gerne auch mal etwas schroffen Ansätze von Frontfrau Laura Binder zu hören. Nein, es liegt sicher auch mit daran; dass DALRIADAS Vorstellung von akustischen Versionen dezent von der allgemein vorherrschenden abweicht. So klingt das Album zu keinem Zeitpunkt nach einer guten alten Lagerfeuer-Romantik oder so, als würden DALRIADA tatsächlich unmittelbar in der Nähe sein um ihre Hits in einer etwas intimeren Klangform darzubieten.

Ausschlaggebend dafür ist unter anderem auch die Tatsache, dass das Ganze noch immer viel zu poliert und nach Studio klingt; gerade wenn es um das Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente oder den mehrstimmigen Gesang geht. Dabei lässt sich indes auch nicht verhehlen, dass es den akustischen Varianten schlicht an etwas fehlt – und das ist vornehmlich die Härte und der Druck, der sonst eigentlich den perfekten Gegenpol zu den eingängigen Melodiebögen und der ungarischen Volkstümlichkeit der Band bildet. Dieses Zusammenspiel geht der Band hier verständlicherweise völlig flöten, so dass man fast geneigt ist von einer besseren Form des Gedudels zu sprechen – was der Schaffenskraft der Band eigentlich nicht gebührt. Die letzte, und wenn man so will endgültig vernichtende Feststellung wird man vermutlich aber erst treffen, wenn man sich die neuen Versionen von wahrlich herausragenden DALRIADA-Titeln wie ÌGÈRET, A DUDÀS oder ganz besonders HAJDÚTÁNC zu Gemüte führt. Und damit relativ kläglich eingespielten Neufassungen, die überhaupt nicht mit dem Eindruck ihrer eigentlichen Eleganz und Größe korrespondieren. Es bleibt demnach nur zu hoffen, dass es sich hier um ein einmaliges Experiment einer grundsätzlich sehr guten und interessanten ungarischen Band handelt – denn dann kann man das Ganze noch am ehesten übersehen, was definitiv zu empfehlen ist.

Absolute Anspieltipps: /


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„Das hätte weder sein müssen noch sein dürfen.“

Metal-CD-Review: DALRIADA – ÁLDÁS (2015)

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Alben-Titel: ÁLDÁS
Künstler / Band: Dalriada (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. September 2015
Land: Ungarn
Stil / Genre: Folk Metal w/ Power
Label: Nail Records

Alben-Lineup:

András Ficzek – Vocals, Guitars
Tadeusz Rieckmann – Drums, Vocals (harsh), Vocals (backing)
Laura Binder – Vocals, Flute, Violin
Mátyás Németh Szabó – Guitars
István Molnár – Bass
Ádám Csete – Bagpipes, Flutes, Guitars (acoustic), Vocals (backing)
Gergely „Szög“ Szabó – Keyboards, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Intro (01:43)
2. Amit ad az ég (Álmos búcsúja) (04:41)
3. Dózsa rongyosa (06:08)
4. Úri toborzó (07:10)
5. Áldás (04:52)
6. Világfa (04:43)
7. Zivatar (04:45)
8. Moldvageddon (03:33)
9. Hamu és gyász (05:51)
10. Futóbetyár (05:50)
11. Fele zivatar (04:20)

Eine Sensation irgendwo zwischen Folk und Power Metal.

Wer bereits einmal das Vergnügen hatte, ein Album der aus Ungarn stammenden Folk Metal-Combo DALRIADA auf die Lauscher zu bekommen; der weiß um den durchaus speziellen und unverkennbaren Sound der aktuell 7-köpfigen Band. Schließlich fungiert der Begriff des Folk Metal in diesem Fall nur als übergeordneter Begriff – und gibt die ungefähre Marschrichtung der aus vielen Einflüssen bestehenden Musik vor. Letztendlich geht es DALRIADA aber auch gar nicht um das treffsichere Bedienen von einzelnen Fangruppen – sondern vielmehr um eine möglichst stimmige, atmosphärische und unterhaltsame Inszenierung von Inhalten; die eng mit dem Begriff der ungarischen Volkstümlichkeit korrespondieren. Diesen markanten Einblick in die Ungarische Geschichte, und darüber hinaus in allerlei Mythen und Sagen gewähren DALRIADA dabei in erster Linie jenen, die der hiesigen Landessprache mächtig sind. Das mag zunächst etwas schade sein, zumal die Sprachbarrieren selbst mit Mühe wahrlich nicht leicht zu durchbrechen sind. Andererseits aber wird man auch in Anbetracht des neuen Albums ÁLDÁS zu keinem Zeitpunkt den Wunsch äußern, dass DALRIADA ihre Musik auch international zugänglicher gestalten sollten. Dass, was die Band hier auf ihrem mittlerweile achten Studio-Album präsentiert; wirkt schließlich auch so – und das nicht zu knapp.

Es scheint gar, als hätten sich DALRIADA im Vergleich zu ihrem schon sehr guten Vorgänger NAPISTEN HAVA (Review) noch einmal gesteigert – und das ganz ohne ein jegliches Wiederholungs-Gefühl. Im Gegenteil: ob nun als Neueinsteiger oder Kenner der älteren Alben, ÁLDÁS klingt angenehm frisch – und spielt die typischen Stärken der Band vollends aus. Seien es die markant klingenden Folk-Elemente, sei es die knackige aber niemals zu schroffe oder abgedroschene Metal-Instrumentierung, seien es der starke und dieses Mal öfter zweistimmige Leadgesang oder die hervorragend inszenierten Chöre – musikalisch stimmt hier von vorne bis hinten alles. Gerade die Tatsache, dass DALRIADA ihren Folk Metal deutlich weniger aggressiv inszenieren als so manch andere Genre-Combo (und man manche Instrumental-Passagen auch locker im Bereich des Power Metal verorten könnte), hebt sie von der Konkurrenz ab – und macht die Musik auch jenen schmackhaft, die sich vielleicht nicht direkt als Anhänger der Metal-Gemeinde bezeichnen würden. Für diese anderen, mit ÁLDÁS zweifelsohne auch leicht zu ködernden Hörergruppen wird schließlich auch einiges geboten; gerade im Bereich der klassisch-traditionellen Instrumente und der beschwingten Rhythmen.

Trotz allem bleibt die Band in allem was sie macht glaubwürdig – wobei das in diesem Fall sogar noch eine untertriebene Formulierung ist. Viel eher sollte man sagen, dass DALRIADA in ihrer Musik aufgehen, sie im wahrsten Sinne des Wortes leben – und vielseitig Musik-interessierte netterweise an dieser außergewöhnlichen Reise teilhaben lassen. Eine Reise, die nur selten etwas langatmiger ausfällt – wie beispielsweise in ZIVATAR oder dem doch etwas überdrehten und gewöhnungsbedürftigen MOLDVAGEDDON. Davon abgesehen gibt es aber nichts bemängeln – ÁLDÁS ist ein fast perfektes Album geworden.

Absolute Anspieltipps: AMIT AD AZ EG, DOZSA RONGYOSA, ALDAS, FUTOBETYAR


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„Ein weiterer Höhepunkt in einer außergewöhnlichen Band-Diskografie.“

DALRIADA – Áldás (Official Video)

Metal-CD-Review: DALRIADA – Igeret (2011)

Album: Igeret | Band: Dalriada (weitere Band-Inhalte)

Land: Ungarn – Stil: Epic Folk Metal – Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tadeusz Rieckmann –  Schlagzeug, Gesang (Growls)
Barnabás Ungár – Keyboard, Gesang (Background)
István Molnár – Bass
András Ficzek – Gitarre, Gesang (Second Lead)
Laura Binder – Gesang (Lead)
Mátyás Németh Szabó – Gitarre

01 Intro 02.43
02 Hajdútánc
04.59
03 Hozd El, Isten 04.33
04 Mennyei Harang 06.17
05 Ígéret 04.37
06 Igazi Tûz 04.42
07 Kinizsi Mulatsága 04.19
08 A Hadak Útja 06.41
09 Leszek A Csillag 05.50
10 Leszek A Hold 06.14
11 Outro 00.50

Auf, auf zu unbekannten musikalischen Ufern.

Vorwort: DALRIADA, ehemals unter dem Namen ECHO OF DALRIADA bekannt, ist eine seit 1998 aktive Folk Metal-Band aus dem Herzen Ungarns. Die Band definiert sich vor allem dadurch; dass sowohl die Alben- und Liedtitel, als auch die Songtexte ausschließlich auf ungarisch verfasst sind. Doch nicht nur das, DALRIADA sind seit jeher darauf bedacht, die ungarische Tradition und Geschichte (und somit auch ihre eigene) fest in ihren Alben-Konzepten zu verankern. Dies äussert sich durch die behandelten Themen und Inhalte (wenn man es denn einmal wagt, sie als Nicht-Ungar zu übersetzen), aber auch durch den volkstümlich-traditionell anmutenden Sound. So kann man mit einem DALRAIDA-Album nicht nur eine ordentliche Portion Schwermetall erwarten – sondern auch einen massiven Anteil an vergleichsweise exotischen Instrumenten und traditionellem Singsang. Eine Band-Philosophie wie diese, noch dazu gepaart mit den kaum umgänglichen Sprachbarrieren; könnte vorab für Abschreckung sorgen – allerdings sind Vorbehalte wie diese unbegründet, wie sich noch herausstellen soll.

Kritik: 11 Titel beinhaltet IGERET (steht in diesem Falle für den Monat Mai) – wobei 2 für das Intro und Outro reserviert sind. Bleiben 9 vollwertige Titel – doch beginnen wir von vorn, und mit dem schlicht als INTRO betitelten Auftakt. Die Spieldauer beträgt hier knappe 3 Minuten; zu hören sind noch weniger Metal-lastige, als rein folkig-traditionelle Klänge. Gewiss handelt es sich hier um einen Eindruck, den mal (als internationale Hörer) erst einmal zu verdauen hat – nicht zuletzt aufgrund der offensichtlichen Sprachbarrieren. In instrumentaler Hinsicht gibt es noch nicht allzu viel zu vermelden – ausser, dass bereits hier der typische, von einem gleichsam verspielten wie erhabenen Gefiedel dominierte DALRIADA-Sound auf den Hörer wartet; in einer ruhig-akustischen Manier, versteht sich. Nach diesem ersten traditionellen Element, welches als Nicht-Ungar zugegebenermaßen (und verständlicherweise) etwas schwer zugänglich erscheint, folgt der erste und internationale Aha-Effekt glücklicherweise direkt im Anschluss. Der Opener HAJDUTANC (etwa: Tanz des Hajdú) beinhaltet zwar wie grundsätzlich jedes DALRIADA-Liedgut ungarische Texte; doch schaffen es die Ungarn in diesem Fall problemlos, jedwede Sprachbarrieren einzureissen. Schließlich funktioniert HAJDUTANC noch auf einer anderen als der reinen Verständnis-Ebene. Die flotte Gangart, die beschwingten Melodien, der wunderbar volkstümlich wirkende Refrain (bei dem man sich als internationaler Hörer schon weitaus weniger aussen vor gelassen fühlt) auf der einen, und die markanten Metal-Elemente auf der anderen Seite machen HAJDUTANC zu einem echten Brett für alle Folk Metaller und jene, die es vielleicht einmal werden wollen. Die drei positivsten Elemente dieser Nummer hervorzuheben, fiele nicht ganz leicht – doch in jedem Fall sollten der perfekte (und durch brachiale Growls abwechslungsreiche) weibliche Leadgesang, die genialen Folklore-Instrumentalpassagen sowie das energetische Gitarrensoli genannt werden.

Als nächstes wartet die Nummer HOZD EL, ISTEN (etwa: trage es zu Gott) auf ihre Entdeckung. Was der Opener an Kraft und wohl dosierten Metal-Elementen hatte, wird nun auf einer etwas traditionelleren Ebene ausgetragen. Zwar schrammen die Gitarren noch immer wohlig im Hintergrund, doch im Fokus stehen hier klar die vergleichsweise ungewöhnlichen Instrumente (welche genau, sollte jeder für sich selbst entdecken – es ist jedenfalls spannend), und der beinahe hypnotische Refrain. Hier dürfen dann auch mal die männlichen Bandkollegen zum Mikrofon greifen, um teilweise allein, teils im Duett mit Fronfrau Laura Binder zu singen. Ein starkes Stück – und nach dem fulminanten Opener sogleich der nächste Anspieltipp ! Zu Beginn des Folgetitels MENNYEI HARANG (etwa: himmlische Glocke) könnte man noch meinen, es würde sich um eine Ballade handeln – und tatsächlich geht es vergleichsweise ruhig und bedächtig zu. Vorerst zumindest – denn im weiteren Verlauf sorgen sowohl die Gitarren und der beherzte männliche Gesang, als auch plötzlich auftretende DoubleBass-Attacken für reichlich Abwechslung. Und einen verdammt vielfältigen Eindruck – Titel wie diese lassen sich nicht so leicht in eine einzige Schublade stecken – doch das ist ja auch gut so. Zu jedem DALRIADA-Album gehört aber auch immer ein Titel, der einen in eine Art Feierlaune bringt – wie das nun folgende IGERET, der Titeltrack des Albums. Das besondere: man belässt es nicht allein bei dem reichlich beschwingten Auftakt, den man einfach einmal gehört haben MUSS – schließlich können nicht einmal explizite Pirate Metaller eine derart exotische, abenteuerlustige Atmosphäre in bester Seefahrer-Manier erwecken (ob dies in diesem Fall beabsichtigt war oder nicht). Nein, man geht danach in eine Art Lagerfeuerstimmung über, und lädt mit einem festlichen Refrain abermals zum Träumen ein. Sobald man sich entsprechend erholt hat, geht die Reise sinnbildlich weiter – verdammt temporeiche Instrumentalpassagen aus Gitarren- und Violinensoli, sowie der wiederholte Beginn des Liedes machen dem Hörer ordentlich Feuer unterm Hintern. Das gute dabei ist, dass man an wirklich keiner stelle nach möglichen Schwachpunkten suchen muss – denn neben den jeweils für sich versierten Bandmitgliedern, der vielfältigen Soundkulisse und der mannigfaltigen Atmosphäre ist auch die Produktionsqualität über alle Zweifel erhaben.

So ist es zweifelsohne zu verzeihen, dass gerade die Strophen des Folgetitels IGAZI TUZ (etwa: echtes Feuer) schon weitaus weniger spektakulär anmuten. In den lebendigen Instrumental-Passagen und dem Refrain macht jedoch wieder alles richtig. Zumal die Mischung aus etwas getrageneren und temporeichen Passagen sehr gut aufgeht – wie auch in KINIZSI MULATSAGA (etwa: Ort der Freude). In den Strophen eher mit wunderbaren zupfenden Gitarren und der Laute, im Refrain abermals erhaben und melodisch – und dazwischen mit fetten Metal-Elementen, die sich wahrlich hören lassen. A HADAK UTJA (etwa: der Weg des Kriegers) ist der nächste Stampfer im Gepäck, der nun erstmals etwas düsterer daherkommt als die Vorgänger. Zumindest teilweise – denn die lockeren Riffs erinnern eher an die Grundstimmung des Power Metal, während die harschen männlichen Growls, das exzessive Drumming und einige Keyboard-Elemente für etwas mehr Schwere sorgen. LESZEK A CSILLAG (etwa: ich, der Stern) hört man bereits ab den ersten Piano-Klängen an, dass es eine gute Melodie haben würde – eine nicht ganz so verspielte, dafür aber deutlich emotionalere; was der allgemeinen Abwechslung keinen Abbruch verschafft. Leszek a Hold (etwa: ich, der Mond) ist das sinnige Gegenstück zum etwas schwermütigen Vorgänger: hier darf wieder ordentlich gefiedelt und gefeiert werden. Markant sind hier die Gesangsparts – zuerst die ohne eine jegliche Instrumentale Unterstützung, später dann das regelrechte Brummen einer Männergruppe, und ein Gastauftritt von Jonne Järvelä – ja genau der, von KORPIKLAANI. Folgt nur noch das etwas merkwürdige, da kaum definierbare Outro – doch dieses braucht man gar nicht erst anzuspielen, um zu sagen: der Wahnsinn, was DALRIADA hier in 9 Titeln abliefern.

Fazit: DALRIADA machen seit jeher ungarischen Folk Metal mit ungarischen Liedtexten – doch vermögen sie es allein durch die Kraft und Vielfältigkeit der Musik, auch internationale Hörer zu fesseln. Gesetzt dem Fall man lässt sich auf diese Art Experiment ein; und stört sich weder an den schwer greifbaren Text-Inhalten noch am dominanten weiblichen Leadgesang – so erwartet den Hörer ein abenteuerliches, gut inszeniertes, melodieverliebtes und reichlich beschwingtes Folk Metal-Album. Zwar wird nicht jeder die Refrains wortgetreu mitsingen können – doch ist man geneigt, es zumindest mit einem taktvollen Summen zu versuchen. IGERET, das nunmehr sechste Studioalbum der Ungarn; ist voller guter Ideen, einer spürbaren musikalischen Raffinesse und ganz, ganz viel Melodie. Dennoch braucht niemand zu befürchten, dass die Musik der Ungarn in irgendeiner Form weichgespült daherkommt – sowohl die druckvollen Metal-Elemente, als auch die Variationen im Gesang sorgen für reichlich Headbang-Potential. Und auch die traditionellen Parts wirken alles andere als schmalzig dargeboten oder klischeehaft, auch hier regieren frische, unverbrauchte, inspirierende Klänge. Als mitunter einzigen Schwachpunkt könnte man den Gesang (oder die Growls) der männlichen Gesangskollegen einstufen – die einfach nicht mit denen der Frontfrau Laura Binder mithalten können, und sich zudem auch nicht so stimmig und erhaben in das musikalische Gesamtbild einpflegen. Sei es drum; eine zeitlose Empfehlung für alle Folk-, aber interessanterweise auch Power Metaller – da auch hier eine gewisse, nennen wir es mal vorsichtig Fröhlichkeit und Leichtigkeit eine nicht unwichtige Rolle spielt.

Anspieltipps: HAJDUTANC, HOZD EL ISTEN, IGERET, IGAZI TUZ, KINIZSI MULATSAGA


DALRIADA – Hajdutanc (Official Video)

Welch mannigfaltig dargebotene Geschichts- und Märchenstunde.

Nach der kürzlichen Vorstellung von A DUDÁS, dem neusten Musikvideo der ungarischen Folk Metal-Combo DALRIADA (Link), sowie der Rezension ihres aktuellen Albums NAPISTEN HAVA (Link) geht es nun weiter. Rückwärts orientiert, versteht sich – denn wenn eine Band einen derart bleibenden Eindruck zu hinterlassen vermag, kann es sich eigentlich nur lohnen auch deren Anfänge zu beleuchten. Und tatsächlich: bereits das Vorgängeralbum aus dem Jahre 2011 erweist sich als echte Goldgrube, wenn es um ungarische Mythen, Traditionen und Geschichten geht. Ein Titel des Albums ist HAJDUTANC – eine verdammt eingängige Nummer, zu der ein netter kleiner Videoclip gedreht wurde. Die Mischung aus märchenhaft vorgetragenen Inhalten (die man eher spüren als wortwörtlich verstehen muss), ungarischen Traditionen und einer riesengroßen Portion Folk Metal geht einfach verdammt gut auf. Da darf die Frontfrau auch gerne mal zu etwas harscheren Gesangslagen greifen – so oder so tut dies der Begeisterung keinen Abbruch. Eine tolle Nummer, ein tolles Video – was will man mehr ?  Es darf getanzt werden.

Metal-CD-Review: DALRIADA – Napisten Hava (2012)

Album: Napisten Hava| Band: Dalriada (weitere Band-Inhalte)

Land: Ungarn – Stil: Epic Folk Metal /  – Label: Nail

Alben-Lineup:

Laura Binder – Gesang, Flöte, Geige
András Ficzek – Gitarre, Gesang
Mátyás Németh-Szabó – Gitarre
István Molnár – Bass
Tadeusz Rieckmann – Schlagzeug, Gesang
Barnabás Ungár – Keyboard

01 Intro (Felcsíki Lassú Ssárdás) 01.10
02 A Dudás
05.34
03 Tündérkert 05.42
04 Napom, Fényes Napom 05.04
05 Napisten Hava 06.45
06 Julianus Útja 05.39
07 Puszta Föld 05.45
08 Hunyadi És Kapisztrán Nándorfehérvári Diadaláról (Saltarello) 05.32
09 Hírhozó 06.37
10 Borivók Éneke 04.33
11 A Juhászlegény Balladája 05.55
12 Outro (Gyimesi) 01.07

Welch mannigfaltiger musikalischer Ausflug.

Vorwort: DALRIADA ist nicht nur der Name eines ehemaligen Königreiches keltischer Skoten, welches sich von 300-800 über den Norden Irlands und Teilen Schottlands erstreckte – sondern auch einer hochkarätigen Metal-Band aus Ungarn. DALRIADA, ehemals unter dem Namen ECHOES OF DALRIADA bekannt, sind bereits seit 1998 aktiv und damit alles andere als Neulinge im Geschäft. Nach nunmehr einer Demo und zwei Alben unter dem alten Bandnamen, und gleich 4 Alben unter dem abgekürzten neuen – folgt im Jahr 2012 das fünfte, betitelt NAPISTEN HAVA (VÖ: 28. September 2012). 12 Titel sind auf dem guten Stück enthalten, welches sich bereits durch das schick-mysteriöse Cover-Artwork in ein interessantes Licht rückt. Das besondere: DALRIADA setzen seit jeher auf Tradition sowie den Versuch, den Heavy / Folk Metal sinnig mit alten Volksliedern und ungarischen Erzählungen zu verbinden. Die Texte werden dabei ohne Ausnahmen in der Landessprache der Mitglieder eingesungen – wer vor Sprachbarrieren allgemein zurückschreckt, könnte es also schwer haben. Dass potentielle  Sprachbarrieren aber nicht immer den Genuß eines musikalischen Werkes negativ beeinflussen müssen, könnte sich – im besten Fall – aber noch herausstellen.

Kritik: DALRIADA sind eine der bekanntesten und erfolgreichsten Metal-Combos Ungarns – eine Tatsache, der hierzulande sicher nicht jeder bewusst sein wird; die sich im Zusammenspiel mit dem Faktor der Erfahrung aber zweifelsohne in der Musik wiederspiegelt. So kann man als Hörer getrost auf eine Analyse von möglichen Schwachpunkten hinsichtlich des Instrumentenspiels, des Timings oder der allgemeinen Soundqualität verzichten – NAPISTEN HAVA serviert ab der ersten Sekunde perfekt inszenierte, perfekt abgemischte Klänge ohne einen jeglichen Makel. Bereits das Intro stimmt den Hörer sinnig auf das zu erwartende Material ein: klassisch-volkstümlich anmutende Geigenklänge und eine Art Trommel lassen den Gedanken an ein heiteres Volksfest aufkommen. Dass es aber nicht bei dieser folkig angehauchten Heiterkeit allein bleiben soll, das zeigt der Opener A DUDÁS auf. Zur lockeren Verspielt -und Beschwingtheit der Geigen kommen nun auch die Metal-Elemente, der weibliche Leadgesang und allerlei unterstützende Elemente hinzu – erstmals wird die gesamte Bandbreite der Band offenbar. Und die ist erst einmal verdammt beeindruckend, und gar nicht so leicht zu verdauen (im positiven Sinne). Sie beschäftigt – und fasziniert. Gerade im Zusammenspiel mit dem Video zur Single, welches die Sprachbarrieren noch zusätzlich erweichen kann, entsteht so ein Gesamteindruck wie er zwiespältiger nicht hätte ausfallen können. Und tatsächlich handelt es sich dabei auch um eines der Markenzeichen der Ungarn. 

Sie vermögen es mit ihrem ureigenen Sound, der irgendwo zwischen Tradition, Moderne und vielleicht auch Zukunft anzusiedeln ist; eine Art Band zu knüpfen. Ein Band, welches viele Elemente – eben auch gegensätzliche – miteinander verbindet; und dabei reichlich Erzählstoff gedeiehen lässt. Mal überraschend heiter, geradezu zum Tanzen animierend; mal düster oder dämonisch – der Musik von DALRIADA wohnt zweifelsohne eine Seele inne, die ein jeder für sich zu entdecken hat. Gelegenheit dazu bietet sicher auch das folgende TÜNDÉRKERT. Hier handelt es sich um einen Titel, der abermals eine Symbiose aus folkigen Klängen und hartem Metal-Einsatz entstehen lässt. Ein zum Mitsingen animierender Refrain, die halb föhlichen, halb melancholischen Geigen und der wunderbare Gesang von Leadsängerin Laura Binder lassen reichlich Atmosphäre entstehen – doch das Ganze wäre kein epischer Folk Metal, würden nicht ebensolche Elemente ebenfalls explizit zelebriert werden. So dröhnt ein satter Doublebass ebenso durch die Membranen wie perfekt gespielte Gitarren oder der kraftvoller Bass – im Zusammenspiel mit den volkstümlichen Elementen entsteht ein äusserst farbenfrohes, reiches Gesamt-Klangbild. Gleich darauf geht es schon wieder reichlich verspielt zu – NAPOM, FÉNYES NAPOM serviert eine weitere Breitseite aus musikalischer Vielfalt. Das markante Geigenspiel, gepaart mit dem rhythmischen Schlagzeug und eine Art Duett der Leadsängerin mit einem männlichen Growl-Partner lassen keine Zweifel zu: das ist Folk Metal auf einem verdammt hohen Niveau. Sehr schön ist in diesem Fall, dass sich DALRIADA immer wieder Zeit für kurze Instrumental-Passagen nehmen – die sorgen für zusätzliche Abwechslung und Erfrischung.

Der Titeltrack NAPISTEN HAVA ist mit einer Spielzeit von knapp 7 Minuten der längste des Albums – hier wird nun weniger auf allerlei mitreissende Elemente, als vielmehr auf ein andächtiges Storytelling gesetzt. Genau so wirkt der Titel auch, es geht leicht schwermütig, emotional und bedacht zur Sache. Für Auflockerung sorgen der Refrain, wie auch die Instrumentalpassagen; die mal aus der Vergangenheit (klassische Instrumente), mal aus der Zukunft (Keyboard) zu stammen scheinen. Genau dieser Titel ist es auch, der einen etwas ruhigeren Teil des Albums einstimmt. Denn auch JULIANUS ÚTJA setzt wieder auf eine volkstümliche Melodie, und stellt sich dabei als ebenfalls eher gefühlsbetonte, grundsolide Nummer heraus. PUSZTA FÖLD hingegen spielt mit verschiedenen Stimmungen und Tempi, wobei sich auch hier schnell ein eindringlich-folkiger Eindruck einstellt. Markant ist in diesem Fall der männliche Gesangspart im Klargesang – der in diesem Fall den Auftritt von Leadsängerin Laura komplett ersetzt und so abermals für (qualitative) Abwechslung sorgt. Im Refrain folgt dann doch noch ein Gesangsduett zwischen den beiden, garniert durch spätere Instrumental-Einlagen entsteht erneut ein reichhaltiges Gesamtbild. Mit HUNYADI ÉS KAPISZTRÁN NÁNDORFEHÉRVÁRI DIADALÁRÓL (SALTARELLO) folgt ein Titel, der gewiss nicht so leicht niederzuschreiben ist – doch handelt es sich um einen der grundsätzlih einfacher gestrickten Nummern, hier zusätzlich mit leicht balladesken Einschlag.

Gelangt man langsam aber sicher zum Ende des Albums, bietet eine Nummer wie HÍRHOZÓ leider nicht mehr allzu viel neues. Erst das aberwitzige BORIVÓK ÈNEKE kann nun überraschwnder- und notwendigerweise wieder für Schunkellaune sorgen. Andererseits erinnert es etwas an NAPOM, FÉNYES NAPOM – nur, dass es eine nicht mehr ganz so gelungene Melodie besitzt. Mit A JUHÁSZLEGÉNY BALLADÁJA findet sich das letzte vollwertige Stück des Albums – eine Nummer, die ähnlich gehalten ist wie PUSZTA FÖLD. Erneut erklingt der männliche Gesangspart im Klargesang. Das Outro GYIMESI orientiert sich dagegen am Intro, und shließt das Album absolut rund; wenn auch etwas unspektakulär ab.

Fazit: NAPISTEN HAVA ist ein Genuss für Fans und Freunde eines guten, ‚handgemachten‘ (und dabei immer ehrlich wirkenden) Folk Metals, der den Hörer auf eine abenteuerliche Reise in die Vergangenheit, respektive ein fantastisches Land voller Mysterien schickt. Die klassisch-traditionellen Elemente sind allgegenwärtig, und verleihen dem Album einen enorm tiefgreifenden, volkstümlichen Touch – während die Anleihen des Heavy Metals für den nötigen Zunder sorgen – auch wenn man diesbezüglich ruhig noch etwas mehr hätte auftischen können. Diese Symbiose aus Harmonie und Härte ist beinahe einmalig, und weiss nicht nur in atmosphärischen, sondern eben auch in qualitativen Belangen zu überzeugen. Und das ist zweifelsohne eine Leistung, die nicht jede Band imstande ist zu erbringen. Lediglich im späteren Verlauf kann sich ein mitunter etwas gleichförmiger Eindruck einschleichen – die Nummern im Mittel -und Endteil bieten absolut grundsolide Folk Metal-Kost, aber eben auch kein wirkliches Highlight. Bleibt der fulminante Start mit einer handvoll zeitloser, lange nachhallender Top-Titel – und eine Empfehlung für alle Fans des Genres, aber auch Neueinsteiger.

Anspieltipps: A DUDÁS, TÜNDÉRKERT, NAPOM FÉNYES NAPOM, JULIANUS ÙTJA


DALRIADA – A Dudás (Official Video)

Verschiedene Eindrücke vermengen sich zu einem epischen… Etwas.

Wahrlich, besser könnte man keine Werbung für ein Album machen. Erst Recht nicht, wenn es sich um NAPISTEN HAVA handelt, das neueste Werk der ungarischen Folk Metaller von DALRIADA (erschienen am 28. September unter Nail Records). Schließlich können in einem Fall wie diesem Sprachbarrieren hinderlich erscheinen – das Album ist zu 100% auf ungarisch eingesungen worden – und das Interesse möglicherweise vorab schmälern. Was käme da gelegener als ein gut produziertes, zeitloses und Grenzen-überschreitendes Musikvideo ? Genau das haben DALRIADA mit A DUDÁS zweifelsohne abgeliefert. Selten trafen zwei Gegensätzlichkeiten so markant aufeinander – ein beschwingter Folk-Metal mit Mitsing-Refrain, munteren Geigen-Gefiedel und traditionellem Touch steht hier markanten, episch-düsteren Aspekten in Videoform gegenüber. Der Gesamteindruck ? Nicht ganz eindeutig definierbar, aber dennoch (oder gerade deswegen) beeindruckend. Video und Track verdienen jeweils eine 10/10 – Ohrwurm-Gefahr !