Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Starbourne Traveler (2019)

Alben-Titel: Starbourne Traveler
Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichung: 06. Dezember 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Massacre Records

Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Jonatan Hallberg – Guitars
Claes Wikander – Bass
Henrik Birgersson – Drums

Track-Liste:

1. Gods of Disorder (03:44)
2. Side by Side (04:12)
3. Extreme Paranoia (re-recorded) (03:41)
4. Starbourne Traveler (04:33)
5. Corridors of Time (04:02)
6. Paradise Powerlord (03:35)
7. Into the Fire (04:09)
8. In the Empire of Saints (05:15)
9. Midnight Radio (04:03)
10. Rage on the Sea (re-recorded) (07:06)

Wer wäre da nicht gerne mitgereist.

Wenn es um die Nennung von ebenso hochkarätigen wie möglichst langjährig aktiven Genre-Combos aus dem hohen Norden geht, kann man die Rechnung wohl kaum ohne die CRYSTAL EYES machen. Dabei hat die 1992 gegründete Band, die mit ihrem 1999’er Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (siehe Review) ein echtes Meisterstück ablieferte und unter anderem Mitglieder von Bands wie FRETERNIA beherbergte; schon einiges durchgemacht – wie etwa den Weggang des Band-Oberhauptes Mikael Dahl im Jahre 2005. Und auch wenn es nicht verkehrt war, dass sich seinerzeit der für ihn eingesprungene Søren Nico Adamsen (Ex-ARTILLERY, Ex-DIGNITY und viele mehr) weiter in der Szene hat profilieren können; war die plötzliche Rückkehr Dahl’s im Jahre 2009 doch eine Erleichterung. Eine, die man auf dem wesentlich später veröffentlichten KILLER (2014, siehe Review) noch einmal deutlich spüren konnte. Letztendlich hatten es die CRYSTAL EYES so geschafft, mit einer wohl dosierten Anzahl von guten bis sehr guten Studioalben (von 1999 bis 2014 waren es insgesamt 7) eine ansehnliche Fanbase zu etablieren. Wie genau der Weg für die Schweden weitergehen sollte, war dann für einige Zeit unklar – bis zum heute glücklicherweise vorliegenden, achten offiziellen Studioalbum STARBOURNE TRAVELER.

Nach guten 5 Jahren Pause ist es also wieder soweit – wobei die Schweden erst gar keine weitere Zeit vergehen lassen, sondern den Hörer direkt mit einem flotten Opener wie GODS OF DISORDER beglücken. Mit eben diesem, aber auch der rhythmischen Folgenummer SIDE BY SIDE wird eines tatsächlich relativ schnell klar: die CRYSTAL EYES sind nicht gealtert, oder wenn dann nur in Würde. Denn so frisch und unverbraucht sie auf STARBOURNE TRAVELER auch klingen, die Bezüge zu ihrer eigenen musikalischen Vergangenheit kommen nicht zu kurz – was vor allem eingefleischte Fans der Band erfreuen sollte. Anders gesagt: mit den CRYSTAL EYES bekommt man eine der wenigen Power Metal-Bands serviert, die schon seit Jahren ihre ureigenen Trademarks hat. Trademarks, anhand derer man sofort genau weiß wer oder was hier durch die Boxen rauscht. Dass sich die Schweden dabei nicht bloß wiederholen, macht es umso besser – wobei einige gerade diesbezüglich und in Anbetracht der Titel EXTREME PARANOIA und RAGE ON THE SEA stutzig werden könnten. Zu Recht, denn tatsächlich gab es diese Nummern schon – und zwar auf dem Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER. Die Tatsache, dass man 2 bloße Neuaufnahmen quasi mitten ins neue Album wirft – wohlgemerkt ein Album, das ohnehin nur 10 Titel beinhaltet – lässt zugegebenermaßen vieles vermuten, nur nichts gutes.

Doch dann das. Kurz gesagt vermögen die CRYSTAL EYES auch diesen Kniff perfekt umzusetzen, und dabei sowohl alte als auch neue Fans zufriedenzustellen. Wer, ja wer hätte gedacht; dass EXTREME PARANOIA noch immer so gut klingt – oder sollte man eher sagen, schon wieder ? Schließlich kann man der Nummer durch die Neuaufbereitung tatsächlich etwas neues abgewinnen, vornehmlich natürlich durch die kaum mehr miteinander zu vergleichende Herangehensweise im Blick auf den Leadgesang Dahl’s – sodass man nunmehr zwei nicht zu verachtende Versionen eines hervorragenden Titels hat. Während andere also ganze Alben mit sich kaum voneinander unterscheidenden – oder im schlimmsten Fall gleich durch und durch negativ auffallenden – Neuaufnahmen veröffentlichen, machen die CRYSTAL EYES wieder einmal vor wie es geht, gehen sollte. In diesem Fall ist es demnach absolut zu verschmerzen, dass es sich nicht wirklich um neue Titel handelt. Und überhaupt – es bleiben ja noch acht Titel, an die man sich zwecks einer Befriedigung der Lust nach wirklich neuem Material wenden kann.

Und die haben es dann auch tatsächlich – und ausnahmslos – in sich. Wie etwa wäre es denn mit dem Titeltrack STARBOURNE TRAVELER, der insgesamt eher ruhig gehalten ist – mit dem prägnanten, an frühere Platten der Band erinnernden Riffing (hier ist es vor allem VENGEANCE DESCENDING) und seinem hymnischen Anspruch im Refrain aber dennoch so manche Hütte abzureissen vermag ? Wie steht es mit CORRIDORS OF TIME, das wie schon der Opener als eine Art Rückschau der CRYSTAL EYES auf ihr eigenes Schaffen fungiert – und dabei in jedem Moment (hier ist es vor allem der Soli-Part und alles, was noch darauf folgt) brilliert ? Und was ist mit dem luftig-rockenden MIDNIGHT RADIO, das weitaus mehr Spaß macht als gedacht ? Gut, das balladeske IN THE EMPIRE OF SAINTS fällt vielleicht etwas aus dem Rahmen, nicht aufgrund der Gangart – aber doch des in den Strophen kaum wiederzuerkennenden Gesangs von Mikael Dahl. Doch wenn das wirklich die schwächste Nummer des Albums sein soll, so kann man sich auch an diese gewöhnen.

Alles in allem ist den CRYSTAL EYES ein kleiner Geniestreich gelungen – auch oder vielleicht gerade aufgrund dessen, dass das letzte Studioalbum KILLER mittlerweile 5 Jahre zurückliegt. Mit ihrer Mixtur aus bekannten, guten alten und teilweise auch erfrischend neuen Elementen bleibt jedenfalls kein Auge trocken, oder anders gesagt: ein ungetrübter Hörgenuss irgendwo zwischen einem flotten schwedischen Power Metal und einem auch mal etwas hymnischeren Hardrock ist garantiert. Und das sowohl für alteingesessene, als auch für Neueinsteiger. Eine unbedingte Empfehlung !

Anspieltipps: GODS OF DISORDER, SIDE BY SIDE, EXTREME PARANOIA, STARBOURNE TRAVELER


„Die CRYSTAL EYES waren 5 Jahre weg ? Mag sein, aber es fühlt sich nicht so an.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Gallery Of Demos (Compilation, 1998)

Alben-Titel: Gallery Of Demos
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. Oktober 1998
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Christian Gunnarsson, Mikael Blohm, Kim Koivo, Marko Nicolaidis, Claes Wikander – Bass
Fredrik Gröndahl, Kujtim Gashi, Martin Tilander – Drums
Jukka Kaupaamaa, Jonathan Nyberg – Guitars

Track-Liste:

1. The Dragon’s Lair (05:01)
2. Victims of the Frozen Hate (05:29)
3. Interstellar War (04:47)
4. Another Race (04:20)
5. Rage on the Sea (06:35)
6. The Final Sign (03:59)
7. Twilight Dreams (05:15)
8. Extreme Paranoia (03:37)
9. Winds of the Free (04:40)
10. A Tale of Forgotten Realms (05:44)
11. The Shadowed Path (04:42)
12. Strange Dimension (05:52)
13. Queen of the Night (05:58)
14. Crystal Eyes (03:27)
15. We Are the Future (03:27)

Einladung zu einer ganz besonderen Werkschau.

Nicht wenige Bands haben sie noch – oder eher schon immer – in ihrer offiziellen Diskografie: gute alte Demos, die einst die Aufgabe hatten einen hoffentlich positiven Ersteindruck zu hinterlassen. Auch die schwedischen Power Metaller von CRYSTAL EYES bilden da keine Ausnahme – wobei man könnte sogar sagen könnte, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Schließlich wurden im Zeitraum von der eigentlichen Bandgründung im Jahre 1992 bis hin zum kongenialen Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (siehe Review) gleich 4 Demos veröffentlicht – damals noch im längst vergessenen Kassetten-Format, und mit nicht mehr als jeweils 3 oder 4 Titeln. Glücklicherweise aber, und das wiederum ist eher selten; haben sich die Schweden irgendwann dazu entschlossen auch diese frühen Band-Ergüsse für die Nachwelt zu erhalten. So erschien 1998 die Compilation GALLERY OF DEMOS, auf CD und ohne die Hilfe eines Labels – die neben allen auf den vorherigen Demos enthaltenen Nummern auch einen Bonus in Form des bis dato unveröffentlichten STRANGE DIMENSION enthält.

Viel wichtiger als das ist wohl aber die Tatsache, dass man dank jener Veröffentlichung auch heute noch die Chance erhalten kann einen Blick auf das frühere Schaffen der Band zu werfen. Früher, das bedeutet in diesem Fall früher als das Debütalbum aus dem Jahre 1999 – welches an sich schon einen recht klassischen, zeitlosen und auch mal dezent an RIOT und ihr 1988’er Meisterwerk THUNDERSTEEL (Review) erinnernden Sound an den Tag legte. Umso interessanter ist es, fast alle der auf eben jenem Debüt enthaltenen Nummern in einer wenn man so will noch raueren, ursprünglicheren, grundsätzlicheren Fassung zu erleben. Auch – und das ist der wohl einzige nötige Einschub – wenn man sicher nicht umsonst behaupten konnte, dass die CRYSTAL EYES ihren Sound für WORLD OF BLACK AND SILVER erstmals in einem bemerkenswerten Ausmaße perfektioniert hatten. Der hier vor allem in gesanglicher Hinsicht noch etwas ungeschliffene Eindruck von Nummern wie THE DRAGON’S LAIR, INTERSTELLAR WAR, EXTREME PARANOIA oder RAGE ON THE SEA führt so in jedem Fall dazu, dass die Demo-Compilation keinesfalls dem Debütalbum vorzuziehen ist.

Dennoch, gerade aus der Sicht eines Sammlers oder eingefleischter CRYSTAL EYES-Fans ist eine Compilation wie diese natürlich Gold wert – nicht zuletzt dank der zahlreichen Nummern, die es nicht auf das Debütalbum oder spätere Werke geschafft hatten. Zumindest nicht in kompletter Form – schließlich hat Band-Mastermind Mikael Dahl  selbst darauf hingewiesen, dass er sich für spätere Alben auch einiger älterer und nach den Demos nicht mehr veröffentlichter Song-Elemente bedient hat. So eignet sich die GALLERY OF DEMOS auch perfekt dazu, noch einmal genau hinzuhören und nachzuforschen – was durchaus zu einer waschechten Herausforderung werden kann. A TALE OF FORGOTTEN REALMS beispielsweise wurde später doch noch für das letztaktuelle CRYSTAL EYES-Album KILLER (siehe Review, hier schlicht FORGOTTEN REALMS betitelt) wiederverwendet – ist aber kaum noch mit der ursprünglichen Fassung zu vergleichen.

Absolute Anspieltipps: THE FINAL SIGN, THE SHADOWED PATH, CRYSTAL EYES, WE ARE THE FUTURE


„Ein durch und durch lohnenswertes Stück Metal-Geschichte.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Killer (2014)

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Alben-Titel: Killer
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. Juli 2014
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Stefan Svantesson – Drums
Claes Wikander – Bass, Vocals (backing)
Niclas Karlsson – Guitars

Track-Liste:

1. Killer (04:08)
2. Warrior (04:18)
3. Hail the Fallen (04:21)
4. Solar Mariner (04:28)
5. Forgotten Realms (05:53)
6. Spotlight Rebel (03:44)
7. The Lord of Chaos (03:19)
8. Dreamers on Trial (04:26)
9. Dogs on Holy Ground (03:52)

Wer wird denn gleich zum Killer werden…

Die schwedische Power Metal-Combo CRYSTAL EYES war schon immer eine, mit der man rechnen musste. Und eine, die als eine der wenigsten Genre-Bands überhaupt auf eine rundum gelungene Gesamt-Diskografie zurückblicken kann. Schließlich gab es bei den immerhin sechs Studio-Alben vor dem aktuellsten Werk KILLER keinen expliziten Ausfall – sondern bestenfalls Schwankungen, die die Alben mal sehr nah an den Genre-Thron brachten (WORLD OF BLACK AND SILVER), und mal etwas weiter davon entfernten (CONFESSIONS OF THE MAKER). Ein Problem aber hatte die Band; eines, das eventuell auch mit den eben genannten Schwankungen verbunden ist: sie musste mit einigen markanten Lineup-Wechseln zurechtkommen. Vornehmlich beziehen sich diese auf einen der wichtigsten Posten, den Leadgesang – der einst von Gründungsmitglied Mikael Dahl (3 Alben), danach von Session-Vocalist Daniel Heiman (1 Album) und dem späteren Neuzugang Søren Nico Adamsen (2 Alben) besetzt wurde. Umso spannender war die Frage, wer nun auf KILLER das Gesangszepter in der Hand halten würde.

Die Antwort ist relativ überraschend: es ist wieder Mikael Dahl, der der Band seit den ersten Stunden respektive dem Gründungsjahr 1992 die Treue hält (Gitarre, Keyboards) und nun seine Mitarbeit wieder deutlich ausweitet. Ob man Entscheidungen wie diese nachvollziehen kann oder will sei einmal dahingestellt – doch kann man mit dem Ergebnis (welches nun hoffentlich von endgültiger Dauer ist) allemal zufrieden sein. Schließlich schien es schon immer so, als sei Mikael Dahl der richtige Mann für diesen Posten. Das ist das eine – das andere ist, dass er hinsichtlich seiner Leistung und vor allem stimmlichen Bandbreite einen riesigen Sprung gemacht hat. Vergleicht man den Gesang des Debüt-Albums mit dem des vorliegenden KILLER, müsste man meinen es handelte sich um zwei verschiedene Personen. Zwei Personen respektive Sänger mit unterschiedlichen Stärken – die nun auf KILLER erstmals zusammenkommen und einen harmonischen Gesamteindruck erzeugen.

KILLER, das ist das mittlerweile siebte Studio-Albun der Schweden – welches mit 9 vollwertigen Titeln und einem eher streitbaren Cover-Artwork daherkommt. Davon sollte man sich indes nicht täuschen lassen; denn die hier präsentierten Titel sind noch immer einwandfrei als Werke der CRYSTAL EYES zu erkennen. Das heißt de facto: auch auf dem siebten Album gehen die Schweden vergleichsweise klassisch, dabei aber immer angenehm zielgerichtet und effektiv vor. Die Symbiose aus stampfenden Heavy Metal-Klängen, beschwingten Power Metal-Nuancen und einer melodischen Hardrock-Attitüde geht eben noch immer auf – zumal die CRYSTAL EYES auch nach 5 Jahren Pause das Talent für ein außergewöhnlich gutes Songwriting nicht verloren haben. Das ist nur gut und richtig – sodass sich auch bei KILLER schnell herauskristallisiert dass es sich um alles, nur keinen Reinfall (das wäre dann auch der erste in der Diskografie) handeln würde.

So fällt bereits der Alben-Auftakt enorm stark aus: der Titeltrack KILLER ist die antreibende Hymne des Albums, die vor Kraft nur so strotzt und einen wenn man so will deutlich gereiften Mikael Dahl ins Rampenlicht rückt. Neben allen anderen zumeist vorzüglichen Sound-Elemente der Band, versteht sich – auch das schon immer prägnante, stilsichere und angenehm variable Riffing sowie die auf den Punkt getroffenen Soli sind wieder mit von der Partie. Die Folgenummer WARRIOR inszeniert sich dann ebenfalls als nach vorn preschende Hymne a’la IRON MAIDEN – die wiederum einen stärkeren Bezug zu den größtenteils klassischen Vorgängern etabliert und durch einen entsprechend zeitlosen Refrain punktet. Und es geht munter weiter: in HAIL THE FALLEN darf Mikael Dahl dann auch mal einen Ausflug in höhere Gesangslagen wagen; während die gesamte Aufmachung und speziell der Refrain der Nummer mit einem schön Power Metal-lastigen Anstrich daherkommt. Und dabei ein wenig nach HAMMERFALL klingt – nur in besser.

Und es geht munter weiter. SOLAR MARINER lässt erst gar keine Wünsche offen, während FORGOTTEN REALMS mit seinen balladesken Einschüben für die nötige Abwechslung sorgt und dabei ebenfalls eine recht gute Figur macht. Auch das rockige SPOTLIGHT REBEL, das angenehm kräftige THE LORD OF CHAOS, das deutlich ruhigere DREAMERS ON TRIAL und der Bass-lastige Rausschmeißer DOGS ON HOLY GROUND machen hauptsächlich aufgrund der markanten Gesangsleistung und der knackigen Instrumentierung Spaß. Zwar ist KILLER mit seinen knapp 38 Minuten recht kurz ausgefallen – dafür aber serviert es vor allem in der ersten Alben-Hälfte ausschließlich gelungenes Genre-Material. Danach wird es etwas weniger spektakulär – aber dennoch. KILLER ist letztendlich wieder schneller, härter und treffsicherer als das vorherige CHAINED ausgefallen; bei dem es sich tatsächlich so anfühlte, als würden sich die CRYSTAL EYES aus irgendeinem Grund zurückhalten. Sofern das Lineup nun bleibt wie es ist, kann der Zukunft wohl getrost entgegenblicken und auf weitere starke Metal-Werke der Marke CRYSTAL EYES hoffen.

Absolute Anspieltipps: KILLER, WARRIOR, HAIL THE FALLEN, SOLAR MARINER


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„Mikael Dahl ist wieder zuhause angekommen – und das wirkt sich auch auf das Album aus.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Chained (2008)

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Alben-Titel: Dead City Dreaming
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. November 2008
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metal Heaven

Alben-Lineup:

Mikael Dahl – Guitars, Keyboards
Søren Nico Adamsen – Vocals
Paul Petterson – Guitars
Stefan Svantesson – Drums
Claes Wikander – Bass

Track-Liste:

1. Ride the Rainbow (04:48)
2. The Fire of Hades (05:53)
3. The Devil Inside (03:32)
4. Waves of War (05:05)
5. Dying in the Rain (04:33)
6. Fighting (04:22)
7. Shadow Rider (05:47)
8. Lonely Ball of Fate (04:28)
9. Guardian (03:45)

Sprenger der Ketten ?

CHAINED ist das sechste Studioalbum der schwedischen Power Metal-Combo CRYSTAL EYES – und das zweite in der seit 1992 stetig wachsenden Diskografie, auf dem der 2005 verpflichtete Leadsänger Søren Nico Adamsen zu hören ist. Der hatte auf dem Vorgänger DEAD CITY DREAMING (Review) seinen Einstand gegeben, und damit den Session-Vocalist Daniel Heiman (ex LOST HORIZON) sowie dessen Vorgänger Mikael Dahl abgelöst. Der wiederum hatte die Band niemals gänzlich verlassen, sondern war weiterhin als eigentliches Mastermind der CRYSTAL EYES tätig – wenn auch eher hintergründig. Und so bildet auch CHAINED diesbezüglich keine Ausnahme; das beinahe mit einem deckungsgleichen Lineup zu DEAD CITY DREAMING daherkommt – mit dem Neuzugang Paul Petterson an der Gitarre als einzigem Unterschied. Fakt ist jedenfalls eines: sofern man die teils sehr guten, mindestens aber überdurchschnittlich soliden Vorgänger gehört hat; wird einem auch bei den ersten Tönen dieses Albums klar, dass hier die CRYSTAL EYES am Werk waren. Die hier dargebotene Symbiose aus flotten Power Metal-Klängen, klassischen Heavy Metal-Bezügen und Einschüben aus dem melodischen Hardrock oder auch AOR stehen nach wie vor unmissverständlich für den vergleichsweise einzigartigen Sound der Band.

In Bezug auf das mittlerweile sechste Studioalbum ist dabei zunächst interessant, in welche Richtung die CRYSTAL EYES dieses Mal gehen würden. Sicher, die Zeiten des verspielten und explizit feucht-fröhlichen Power Metals wie er noch auf dem Debüt WORLD OF BLACK AND SILVER (Review) zu hören war, sind vorbei – doch wer wenn nicht die CRYSTAL EYES wären heutzutage noch für eine Überraschung gut ? Und die kommt dann auch tatsächlich, wenn auch nicht in einer ganz so prägnanten Form: CHAINED etabliert eine ganz ähnliche, klassisch-rockige Atmosphäre wie der Vorgänger DEAD CITY DREAMING – doch haben sich die Schweden dieses Mal wieder eine zusätzliche Portion Schwermetall gegönnt. So stampft CHAINED wieder etwas markanter daher; und überzeugt gleichzeitig wieder mit den altbekannten und definitiv hochzuhaltenden Stärken der Band. Das schmackige Riffing respektive der generell stark Gitarren-bezogene Sound, das gelungene Songwriting, die satte Produktion und eine gewisse; bereits mit dem Debütalbum etablierte Hymnen-Tauglichkeit sind auch auf CHAINED nicht zu knapp vertreten. Die Folge ist ein starkes Genre-Album, welches eben jene Genre-Grenzen nicht ganz so ernst nimmt und den Hörer immer wieder mit verschiedenen Eindrücken konfrontiert.

Doch so effektiv und gradlinig das Album erscheint, es hat mitunter ein Problem – zumindest wenn man so will. Trotz der vergleichsweise geringen Spielzeit von knapp über 40 Minuten und gerade einmal 9 enthaltener Titel hat man nicht das Gefühl, als würden wirkliche Ausnahme-Nummern präsentiert. Und wieder wird eine Parallele zum Vorgänger wach; schließlich könnte auch bei diesem das Gefühl entstanden sein, als würden die CRYSTAL EYES vielleicht ein wenig zu sehr auf Nummer sicher gehen. CHAINED wirkt zwar absolut ausgegoren und durchdacht; doch den einen ausschlaggebenden Effekt sucht man vergebens. Dabei sind gerade Titel wie RIDE THE RAINBOW oder WAVES OF WAR verdammt nah dran – es fehlt lediglich der zündende Funke. Vielleicht liegt es aber auch am Leadsänger Søren Nico Adamsen – der seine Sache zwar gut macht, auf diesem Album aber erstmals auch deutlich schwächere Momente zeigt. THE FIRE OF HADES, THE DEVIL INSIDE, DYING IN THE RAIN, SHADOW RIDER und LONELY BALL OF FATE sind außerdem allesamt Nummern im Midtempo mit ganz ähnlichen Strukturen – hier hätte es gerade in Anbetracht der knappen Spielzeit ruhig etwas mehr Abwechslung sein dürfen. Aber bitte nicht in Form einer abschließenden Ballade wie GUARDIAN – die den wohl schwächsten Moment das Albums markiert. Und das trotz dessen (oder gerade ?) da Mikael Dahl ausnahmsweise mal wieder das Gesangsszepter übernahm.

Schlussendlich: die Diskografie der CRYSTAL EYES hält so manches Schmuckstück bereit – ob CHAINED auch dazugehört, muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass es trotz der wieder angezogenen schwermetallischen Elemente und der gleichermaßen klassichen wie kräftigen Wirkung eher wenig Aufsehen erregen wird. Schklicht, da es insgesamt etwas zu unspektakulär daherkommt – und gerade im Vergleich mit den starken Vorgängern hintenan stehen muss. Neueisnteigern indes kann das reichlich egal sein – sie, und auch alle anderen die auf eine eher klassisch-gemäßigte Seite des Power Metal setzen; werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

Absolute Anspieltipps: RIDE THE RAINBOW, WAVES OF WAR, FIGHTING


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„Gut, aber: vielleicht wäre es wieder mal wieder an der Zeit für eine Sound-technische Revolution.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Dead City Dreaming (2006)

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Alben-Titel: Dead City Dreaming
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 3. November 2006
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Heavy Fidelity

Alben-Lineup:

Søren Nico Adamsen – Vocals
Stefan Svantesson – Drums
Claes Wikander – Bass
Mikael Dahl – Guitars, Keyboards, Vocals (on „The Halls of Valhalla“)

Track-Liste:

1. Dead City Dreaming (04:42)
2. Into the Light (03:41)
3. The Narrow Mind (04:03)
4. Wall of Stars (04:56)
5. Battlefield (04:12)
6. The Quest Remains (03:26)
7. Dawn Dancer (04:25)
8. Roads of Loneliness (03:52)
9. Temple of Immortal Shame (04:21)
10. The Halls of Valhalla (07:18)

Geschichten aus der toten Stadt.

DEAD CITY DREAMING ist das fünfte Studioalbum aus dem Hause CRYSTAL EYES, einer schwedischen Band die seit 1992 besteht – aber erst um die Jahrtausendwende und mit dem Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (Review) so richtig durchstartete. Bereits auf dem 2003’er CRYSTAL EYES-Album VENGEANCE DESCENDING (Review) zeichnete sich dann ab, was mit CONFESSIONS OF THE MAKER (Review) endgültig Realität wurde: Leadsänger Mikael Dahl gab seinen hauptsächlichen Posten ab, zunächst noch an seinen Kollegen Daniel Heiman. Die Folge war ein noch immer gutes, allerdings längst nicht mehr so aussagekräftiges Album – woraufhin das Leadgesangszepter erneut herumging. In Bezug auf DEAD CITY DREAMING landete es dann überraschenderweise bei Søren Nico Adamsen, einem (zumindest bis dato) recht unbeschriebenen Blatt. Mikeal Dahl bleibt der Band aber weiterhin treu und sorgte auch in diesem Fall dafür, dass das Album zweifelsfrei als eines der CRYSTAL EYES zu erkennen ist. Wie schon beim Vorgänger sollten es 10 vollwertige Titel ohne Zwischenspiele sein, die den nötigen Ausschlag geben.

Und die ersten Eindrücke könnten beileibe nicht besser sein, haben sich die CRYSTAL EYES erneut auf ihre Stärken berufen. Die liegen vornehmlich in einem schön schroffen und abwechslungsreichen Riffing – dass sich durch alle Titel zieht und dafür sorgt, dass man das so gut wie überhaupt nicht eingesetzte Keyboard nicht vermissen wird. Demnach herrscht wie schon bei VENGEANCE DESCENDING wieder ein eher klassischer Gesamteindruck vor, der aus vergleichsweise schnörkellosen und angenehm melodischen Heavy Metal-Nummern generiert wird. Und auch der gewisse hymnische Faktor ist DEAD CITY DREAMING nicht abhanden gekommen – viele der Nummern gehen schnell ins Ohr, drängen sich dabei aber keinesfalls durch einen wie auch immer gearteten Kitsch auf. Søren Nico Adamsen macht seine Sache ebenfalls sehr gut – was dennoch nicht gänzlich davor ablenkt, dass man mit Mikael Dahl (der spätestens auf VENGEANCE DESCENDING zeigte, was er kann) eigentlich schon immer den perfekten Frontmann hatte. Sei es drum, viele Bands haben den ein oder anderen Lineup-Wechsel zu verkraften; wobei die Auswirkungen bei den CRYSTAL EYES glücklicherweise vergleichsweise marginal waren. Hauptsächlich da Mikael Dahl der Band weiterhin erhalten blieb und dafür sorgte, dass man sich rein Sound-technisch immer treu blieb; komme was wolle.

Wenn man schon ein Problem an DEAD CITY DREAMING ausmachen möchte, läge dies ohnehin in einem gänzlich anderen Bereich begründet. Und der bezieht sich vornehmlich auf die gefühlte Ausdruckskraft und vielleicht auch Härte des Albums. Wenn schon mit CONFESSIONS OF THE MAKER in eine, man nenne es einmal etwas seichtere Richtung driftete; vollendet man dieses Wagnis spätestens mit DEAD CITY DREAMING. Vergleicht man die hier etablierte Stimmung mit den ersten Alben, so ist noch immer eine enorme Spielfreude zu spüren – doch wirkt das Ganze nun deutlich harmloser und unspektakulärer. Will heißen: wirkliche Tempo- oder Kraftausbrüche sind kaum vorgesehen, das Ganze ist nun vermehrt als melodischer Hardrock denn als energetischer Power Metal einzustufen. Das ist indes noch kein Urteil, sondern lediglich eine Feststellung – die man speziell wenn man gewisse Erwartungen an das Album hegt beachten sollte.

Doch ob nun frech und variantenreich wie damals, oder etwas mehr auf Nummer sicher wie auf DEAD CITY DREAMING – die CRYSTAL EYES gaben und geben sich vor allem in Bezug auf das Songwriting keine Blöße. Die Nummern sind wenn man so will äußerst effektiv geschrieben – und lassen nur allzu selten den Wunsch nach einer dringend benötigten Veränderung aufkommen. Die starke Präsenz der Gitarren erledigt beinahe alles übrige – sodass auch eher getragene Titel wie INTO THE LIGHT oder WALL OF STARS mit den nötigen Ecken und Kanten versehen werden. Und auch wenn das Album insgesamt nicht unbedingt vor einer explosionsartigen Kraft strotzt hat man dennoch eine handvoll Nummern einkalkuliert, mit denen man deutlicher vorprescht – wie beim starken BATTLEFIELD oder der überraschend flotten Genre-Hymne DAWN DANCER.

Anders gesagt: DEAD CITY DREAMING nähert sich als erstes CRYSTAL EYES-Album expliziter an die Gefilde des Hardrock und AOR an – und macht dabei noch immer eine verdammt gute Figur. Eine insgesamt deutlich weniger bissige zwar, das sollte erwähnt werden – und doch entfaltet das Ganze eine respektable Wirkung. Vor allem natürlich dann wenn man die interessante Diskografie der Band im gesamten, und den Werdegang der CRYSTAL EYES als einen eher wechselhaften und lebendigen betrachtet. Manchmal sind es der Veränderungen zu viele, manchmal fährt man sich im Laufe einer Bandgeschichte Sound-technisch fest – die CRYSTAL EYES scheinen zumindest in Bezug auf DEAD CITY DREAMING das exakte Mittelmaß gefunden zu haben.

Absolute Anspieltipps: INTO THE LIGHT, BATTLEFIELD, THE QUEST REMAINS, DAWN DANCER


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„Etwas glattgeschliffener und unspektakulärer als die Vorgänger – aber dennoch verdammt stark; wenn auch auf eine andere Art und Weise.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Vengeance Descending (2003)

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Alben-Titel: Vengeance Descending
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 12. Mai 2003
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Heavy Fidelity

Alben-Lineup:

Jonathan Nyberg – Guitars
Stefan Svantesson – Drums
Claes Wikander – Bass
Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Vengeance Descending (05:51)
2. Highland Revenge (05:01)
3. Child of Rock (06:17)
4. Mr. Failure (05:32)
5. Dream Chaser (06:43)
6. The Wizard’s Apprentice (07:10)
7. Metal Crusade (05:12)
8. The Beast in Velvet (05:28)
9. Heart of the Mountain (05:41)
10. Oblivion in the Visionary World (08:48)

Vergeltungsmaßnahmen in schön.

CRYSTAL EYES ist eine jener Bands, die zwar schon in den frühen 90ern gegründet wurden – ihre ersten greifbaren Erfolge aber erst um die Jahrtausendwende herum feiern konnten. Dafür aber gleich richtig – das Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (Review) ist ein zeitloser Klassiker mit einem unverwechselbaren Sound, der Nachfolger IN SILENCE THEY MARCH (Review) hat ebenfalls einiges in Petto. Auch auf ihrem dritten Langspieler VENGEANCE DESCENDING schickten sich die Schweden erneut an, eine möglichst authentische Symbiose aus Strömungen der New Wave Of British Heavy Metal, dem amerikanischen True Metal und einem etwas verspielteren europäischen Power Metal zu zelebrieren. Gleichzeitig handelte es sich um das vorerst letzte Album, in dem Multitalent Mikael Dahl als Leadsänger auftrat – nach VENGEANCE DESCENDING nahm er eine Art kreative Auszeit. Zwar blieb er der Band auch auf dem Nachfolger CONFESSIONS OF THE MAKER (Review) erhalten, doch überließ er das Gesangszepter seinem Kollegen Daniel Heiman. Umso spannender ist es, seinem vorerst letzten Auftritt auf VENGEANCE DESCENDING beizuwohnen – zumal es von einer wie auch immer gearteten Müdigkeit weder bei ihm noch dem Rest der Band keine Spur gab und das Album mit seinen beiden mehr als nur soliden Vorgängern eigentlich nur zünden konnte.

Tatsächlich war und ist auch genau das der Fall – erst Recht, wenn man die beiden Vorgänger noch im Ohr hat und die durchaus markante Entwicklung der Band innerhalb einer Zeitspanne von gerade einmal 4 Jahren beobachtet. Das Debüt hatte seine Stärken in einer spielfreudigen Auslegung des europäischen Power Metal und seiner einzigartigen Produktion, der Nachfolger beeindruckte durch etwas epischere Stimmungen und einem etwas härteren Gesamteindruck – und VENGEANCE DESCENDING setzte die Tradition der Überraschungen a’la CRYSTAL EYES konsequent fort. Denn: auch wenn bereits die Vorgänger einen gewissen Hang zur Retrospektive zur Schau stellten, aufgrund der schroffen Produktion und der schnörkellosen Spielart ein klassisches Heavy Metal-Gefühl entstehen ließen – setzte das dritte Album dem Ganzen nun die Krone auf. VENGEANCE DESCENDING klingt, als stammte es aus einer gänzlich anderen Dekade als der augenscheinlichen. Freunde etwaiger klassischer Bands, Wegbereiter des Genres und generell musikalischer Ergüsse der 80er-Jahre werden schnell aufhorchen und ihre wahre Freude an den 10 präsentierten Titeln haben.

In Bezug auf die etablierte Atmosphäre näherte man sich zwar wieder dezent dem Debütalbum an; beispielsweise in Bezug auf die ungezwungene Spielart und die teils Party-taugliche Stimmung – doch die noch stärkere Fokussierung der klassischen Genre-Elemente und vor allem die nun endgültig in Stein gemeißelte Wandlungsfähigkeit von Leadsänger Mikael Dahl sorgen dafür, dass das Album zweifelsfrei als weiterer Meilenstein zu erkennen ist. So entwickelt VENGEANCE DESCENDING ebenfalls recht schnell einen gewissen Drive, eine enorme Anziehungskraft – klingt aber insgesamt deutlich weniger; man nenne es kitschig als das Debüt. Das war damals zwar kein Beinbruch und zeichnete das Album in gewisser Weise aus; doch ist die hier dargebotene Weiterentwicklung und die Enthüllung einer weiteren musikalischen Facette der CRYSTAL EYES mindestens ebenso angenehm. Wenn nicht gar noch mehr: die Riffs sind prägnanter denn je, der Leadgesang kräftiger und akzentuierter als jemals zuvor; und auch hinsichtlich der Produktion hatte man ordentlich angezogen. Die Zeiten des zwar speziellen, interessanten und irgendwie stimmigen Sounds des Debüts (der auf dem Nachfolger gerade noch als charmant durchging) waren nun vorbei – VENGEANCE DESCENDING klingt im Vergleich zu IN SILENCE THEY MARCH wie ein echtes Brett.

Was bleibt, ist vornehmlich das Songwriting – für das die CRYSTAL EYES schon früh ein gewisses Händchen hatten. Und so gibt man sich auch im vorliegenden Fall keinerlei Blöße – und inszeniert die 10 enthaltenen Titel mit einer Glaubwürdigkeit und Wirkungskraft, die ihresgleichen sucht. Sicher, die an das Genre gerichtete Hymne METAL CRUSADE schneidet im Vergleich nicht ganz so gut ab – vielleicht auch einfach nur, da sie etwas zu offensichtlich ist und deshalb etwas platt wirkt. Alle anderen Hymnen-tauglichen Stücke, wie etwa der Refrain-starke Titeltrack, das schön knackige HIGHLAND REVENGE oder das verdammt kultig kligende CHILD OF ROCK kann man dagegen problemlos zur imaginären Alltime-Playlist der besten Power Metal-Titel hinzufügen. Und das sind nur drei der Titel aus dem Alben-Auftakt. MR. FAILURE, DREAMCHASER und THE WIZARD’S APPRENTICE (übrigens mit Daniel Heiman an den Vocals, quasi als Vorbereitung auf kommendes) leben von ihrem energischen Riffing und der generell antreibenden Stimmung – und gehören ebenfalls zum Besten, was das Album zu bieten hat. Etwas merkwürdig erscheint dann nur THE BEAST IN VELVET, bei dem man einen weiteren Gastsänger hinzugeholt hat – Gerd Salewski (CHROMING ROSE). Auch wenn seine Gesangsleistung nicht schlecht ist, erschließt sich diese Maßnahme nicht wirklich. Und was steht am Ende eines jeden CRYSTAL EYES-Albums (zumindest bis dato) ? Richtig, eine Ballade. Auf dem Debüt fiel diese zugegebenermaßen noch recht unerträglich aus, auf dem Nachfolger schon deutlich besser – und nun wird eine gefühlte Schnittmenge erreicht. Wirklich stimmig erscheinen die akustischen Spielereien (sowie die allzu süßen Klänge des Keyboards) nicht, und vor allem passt der hier vermittelte Eindruck nicht so Recht zum vorangegangen, sehr guten Album. Erst Recht nicht, wenn man den Song bis zum Ende hört. Nach einer kurzen Stille folgt noch ein etwas anderer musikalischer Einschub in Form einer Art Spaß-Polka, der nicht viel mehr aufzeigt als dass die Band Humor hat. Das ist nur gut und richtig, doch kommt es eventuell an der falschen Stelle…

VENGEANCE DESCENDING markiert damit das dritte außergewöhnliche Album in einer außergewöhnlichen Diskografie. Einer abwechslungsreichen noch dazu – und das ganz ohne, dass die Glaubwürdigkeit und Ausdrucksstärke der Band geschmälert wurden. Die Anstrengungen haben sich in jedem Fall gelohnt. VENGEANCE DESCENDING ist sogar noch ein stückweit besser und prägnanter geworden als der Vorgänger IN SILENCE THEY MARCH; und kann sich verdient mit dem außergewöhnlichen Debüt auf eine Stufe stellen – gedanklich, und beinahe auch Wertungs-technisch.

Absolute Anspieltipps: VENGEANCE DESCENDING, HIGHLAND REVENGE, CHILD OF ROCK, DREAM CHASER


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„Kultige Riffs, ein starker Leadgesang, sofort ins Ohr gehende Melodien und ein angenehmer Retro-Touch bei minimalem Kitsch.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – In Silence They March (2000)

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Alben-Titel: In Silence They March
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Dezember 2000
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Crazy Life Music

Alben-Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Claes Wikander – Bass
Kujtim Gashi – Drums
Jonathan Nyberg – Guitars

Track-Liste:

1. Time Flight (06:17)
2. Cursed and Damned (04:43)
3. Sons of Odin (06:22)
4. The Grim Reaper’s Fate (05:10)
5. The Undead King (01:31)
6. In Silence They March (05:48)
7. Adrian Blackwood (05:15)
8. Witch Hunter (06:15)
9. The Rising (04:25)
10. Knights of Prey (05:11)
11. Somewhere over the Sun (04:54)
12. Winternight (06:20)

Lass sie marschieren… aber leise.

Gerade mal ein gutes Jahr nach dem sensationellen Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (Review) legten die Schweden von CRYSTAL EYES bereits einen nach. Und das aus offensichtlichen Beweggründen: IN SILENCE THEY MARCH knüpfte gnadenlos an die einzigartige Atmosphäre des Vorgängers an, baute die Trademarks der Band weiter aus – und funktioniert auch heute noch als tadelloses Power Metal-Album mit dem gewissen Etwas und einem immensen Wiedererkennungswert. Dabei kommt es nicht allzu häufig vor, dass Newcomer-Bands (wie auch CRYSTAL EYES einmal eine waren) gleich derart aus dem Vollen schöpfen und zwei Ausnahme-Alben präsentieren. Dazu gehört schon einiges – vom dem die CRYSTAL EYES vor allem zu ihren glorreichen Anfangszeiten offenbar reichlich hatten. Bereits mit dem Opener TIME FLIGHT zaubert man, auch wenn die Melodie recht nah am Opener des Vorgängers orientiert ist; eine sagenhaft-zeitlose Hymne aufs Parkett. Das gelungene Songwriting ist das eine – der prägnante Einsatz speziell des Schlagzeugs und der Gitarren; sowie die einzigartige Produktion mit ihrem dezenten Retro-Touch das andere. Stärker hätte der Alben-Auftakt jedenfalls nicht ausfallen können.

Doch auch alles was folgt, kann dementsprechend mithalten. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass die Nummern zwar noch immer recht schnell ins Ohr gehen; der einst feucht-fröhliche Gesamteindruck aber etwas zurückgefahren wurde. Will heißen: Titel wie CURSED & DAMNED, SONS OF ODIN und THE GRIM REAPER’S FATE haben noch immer einen enorm hymnischen Anspruch, klingen im direkten Vergleich mit dem Vorgänger aber weniger verspielt und schlicht um einiges gradliniger, bodenständiger und vielleicht auch härter. Das könnte man sowohl positiv als auch negativ auffassen – in jedem Fall aber bleiben die markanten Stärken der Band weiterhin präsent, und es ist gut dass man das Debütalbum nicht bloß wiederholt. Auch, wenn viele der hier angewandten Techniken dieselben sind und die beiden Album zumindest bei den ersten Durchläufen beinahe identisch klingen.

Mit THE UNDEAD KING hat sich dann auch erstmals ein Interlude eingeschlichen – eines, dass im Zusammenspiel mit dem Folge- und Titeltrack IN SILENCE THEY MARCH (der etwas epischer ausgelegt ist und erstmals eine wirklich greifbare Geschichte erzählt) auch die ungefähre Marschrichtung des Albums aufzeigt. Während der Vorgänger noch vermehrt mit verschiedenen Genre-Ausrichtungen spielte, schienen sich die CRYSTAL EYES in diesem Fall noch stärker auf die amerikanischen und britischen Strömungen zu fokussieren. Tatsächlich könnte man hie und da sogar Parallelen zu MANOWAR entdecken; wenn auch nur oberflächliche. Schließlich blieb es weiterhin an Mikael Dahl, für die nötigen Alleinstellungsmerkmale zu sorgen. Sein Leadgesang ist auf IN SILENCE THEY MARCH sogar noch ein stückweit prägnanter und variabler als auf dem Vorgänger. Dessen war er sich offenbar bewusst – sodass auch in diesem Fall gilt: das ebenfalls von ihm gehandhabte Keyboard bleibt dezent im Hintergrund; die größte Präsenz beanspruchen die Gitarren und das Drumming. Auch wenn das ausdrücklich zu loben ist, scheint die Abmischung im Vergleich zum Vorgänger nicht ganz so gelungen – oder aber, sie entfaltet keine vergleichbare Wirkung; sodass hier dezente Abstriche zu machen sind. Die Titel die noch folgen, sind allesamt stark und alles andere als Lückenfüller – und sogar die abschließende Ballade WINTERNIGHT geht problemlos als solche durch; was auf dem Vorgänger nicht wirklich der Fall war.

Mit ihrem IN SILENCE THEY MARCH haben die CRYSTAL EYES in jedem Fall etwas sonst nur schwer zu erreichendes geschafft, denn: einerseits klingt das Album noch stark nach dem Vorgänger und Debütalbum; andererseits hat man sich musikalisch durchaus weiterentwickelt und vor allem am Songwriting geschraubt. Dieses fällt hier etwas anspruchsvoller und vielleicht auch atmosphärischer aus; während die bereits auf dem Debüt etablierten Stärken weiterhin hochgehalten werden. Der einzige Wermutstropfen liegt dann wohl darin begründet, dass die enorme auf dem Debüt versprühte Power etwas abhanden gekommen respektive anderen Elementen gewichen ist. Die Folge sind nun vermehrt Titel im stampfenden Midtempo, sowie etwas epischer ausgelegte Titel a’la IN SILENCE THEY MARCH oder WITCH HUNTER. Am besten funktioniert das Ganze also, wenn man sich beide Alben zur Hand nimmt – das erste für einen feucht-fröhlichen Auftakt mit viel Euro-Power; das zweite für einen etwas gesetzteren Eindruck und eine gewisse metallische Schwere aus amerikanischen und britischen Strömungen.

Absolute Anspieltipps: TIME FLIGHT, THE GRIM REAPER’S FATE, THE RISING


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„Ein würdiges Nachfolge-Album mit einem geringeren Spaßfaktor, aber sinnigen Alternativen.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – World Of Black And Silver (1999)

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Alben-Titel: World Of Black And Silver
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. April 1999
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Crazy Life Music

Alben-Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Claes Wikander – Bass, Keyboards
Kujtim Gashi – Drums
Jonathan Nyberg – Guitars

Track-Liste:

1. Interstellar War (04:59)
2. Gods of the World (03:53)
3. Winds of the Free (04:49)
4. The Power Behind the Throne (06:17)
5. The Dragon’s Lair (04:57)
6. Eyes of the Forest Gloom (07:09)
7. Rage on the Sea (07:01)
8. Victims of the Frozen Hate (05:28)
9. Extreme Paranoia (03:29)
10. Glory Ride (05:05)
11. World of Black and Silver (05:22)

Ein Album wie aus einer anderen Dimension.

Man kann von Kitsch halten, was man will. Doch gerade im Bereich des Power Metal gehört er des öfteren einfach dazu – sei es in Form klischeehafter Textinhalte, besonders fröhlicher Melodien oder anderen Faktoren. Auch WORLD OF BLACK AND SILVER, das Debütalbum der schwedischen Combo CRYSTAL EYES weiß mit Begriffen wie diesen zu spielen – und den Hörer mit einer zunächst eher ungewöhnlichen Soundkulisse zu konfrontieren. Eine, die deutlich lockerer und sogar explizit fröhlicher klingt als bei vielen anderen Genre-Kollegen – und einen trotz alledem einladen soll, eine Reise in fremde Gefilde (oder eher die Weiten des Alls) zu unternehmen. Die Frage die sich stellt, ist dabei eigentlich nur noch die nach dem wie – wie präsentiert man die entsprechenden Ansätze und Inhalte, die einen schnell an Alternativ-Bands a’la FREEDOM CALL denken lässt ?

Die Antwort, die CRYSTAL EYES Anno 1999 darauf hatten; stellt sich dann allerdings schnell als zufriedenstellende heraus. Wenn auch eventuell in anderer Form als zunächst gedacht – denn eine zum Schneiden dichte Atmosphäre wird nicht generiert. Eher eine feucht-fröhliche, ausgelassene – die dennoch weit von einem wie auch immer gearteten Blödel-Faktor entfernt ist und eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht vermissen lässt. Der wahre Clou des Sounds von WORLD OF BLACK AND SILVER dürfte aber die Vermengung der beschwingten Melodiebögen und des grundsätzlich gemäßigten Gesangs auf der einen; und der Unterbringung einer ansehnlichen metallischen Komponente auf der anderen Seite sein. Denn so beschwingt speziell ein Großteil der Refrains klingen, so furios ist das sie umgebende Soundgewand aus einem prägnanten Drumming, satten Gitarren und einem minimalen Keyboardeinsatz. Bereits der Alben-Auftakt kann so mit direkt aneinandergereihten Hymnen glänzen – INTERSTELLAR WARS, GODS OF THE WORLD oder WIND OF THE FREE sind perfekte Anschauungsbeispiele dafür, wie anständig auch ein eher heiter gestimmter Power Metal klingen kann. Und sicher auch dafür, wie sich manch spätere Band mehr oder weniger direkt an dem ureigenen, speziellen Sound der CRYSTAL EYES orientiert haben könnten (als ein Beispiel sei hier GALDERIA genannt).

Erst beim vierten Titel im Bunde wird die Marschrichtung dann dezent geändert – THE POWER BEHIND THE THRONE vermittelt zumindest zunächst den Eindruck, als hätte man hier eine obligatorische Ballade zu erwarten. Umso überraschender ist die darauf folgende Wandlung zu einem Midtempo-Stampfer mit einer ansprechenden, abwechslungsreichen Struktur und dem ein oder anderen Ausbruch des Leadsängers Mikael Dahl. Der singt über weite Strecken eher angenehm gemäßigt, und glücklicherweise mit einem gewissen Wiedererkennungswert – doch immer wenn er zu dem ein oder anderen Scream ansetzt, kann man sich einer wohligen Gänsehaut kaum erwehren. Die herausragenden Soli-Parts runden das Ganze dann wunderbar ab – bevor es mit THE DRAGON’S LAIR weitergeht. Hier wird erneut die Stimmung der ersten Titel aufgegriffen, respektive eine weitere Hymne kredenzt. Eine, die wieder sofort in die Gehörgänge geht und mit ihrer merkwürdigen Mischung aus heiteren und atmosphärischen Versatzstücken einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Der Rest des Albums steht dem starken Auftakt dann glücklicherweise in nichts nach – es gibt sogar noch einmal deutlich mehr Abwechslung. Leider Gottes ist dann nur der Rausschmeißer und Titeltrack WORLD OF BLACK AND SILVER ein kleiner Fehlgriff – hier geht es vor allem gesanglich verdächtig schief zu, und die hier präsentierte akustische Seite der Band will nicht so recht zum vorangegangenen Eindruck passen.

Kurzum: das, was die CRYSTAL EYES hier im Jahre 1999 abgeliefert haben; gleicht einem wahren Meisterstück. WORLD OF BLACK AND SILVER steht stellvertretend für jene seltenen Genre-Alben, die sich merkbar von der Masse abheben, ihre ganz eigene Atmosphäre entwickeln – und dabei auch noch handwerklich über jeden Zweifel erhaben sind. Die Mixtur aus hymnisch-heiteren und atmosphärisch-schroffen Elementen geht hier wie sonst nirgendwo auf – und vermag es so schnell den Hörer für sich zu gewinnen. Hinzu kommt, dass sich das Album nur schwer in eine Schublade stecken lässt – irgendwo zwischen einem europäischen Power Metal der Marke HELLOWEEN und der New Wave Of British Heavy Metal der Marke IRON MAIDEN; irgendwo zwischen einer retrospektiven und dezent die 80er-Jahre heraufbeschwörende Produktion und einem Gesamteindruck, der den eigenen Blick eher gen Himmel denn in Richtung etwaiger Herkunftsländer oder bestimmter Heavy Metal-Epochen schielen lässt ist WORLD OF BLACK AND SILVER zuhause. Wer dieses Album nicht besitzt, verpasst etwas.

Absolute Anspieltipps: INTERSTELLAR WARS, GODS OF THE WORLD, EXTREME PARANOIA, GLORY RIDE


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„Ein einzigartiges Album mit einem ureigenen Sound.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Confessions Of The Maker (2005)

Land: Schweden – Genre: Progressive Power Metal

  1. The Charioteer
  2. Confessions Of The Maker
  3. Northern Rage
  4. The Fool’s Ballet
  5. The Terror
  6. Panic
  7. White Wolves
  8. The Burning Visions
  9. Revolution In The Shadowland
  10. Terminal Voyage
  11. Silent Angel

Auf der neverending quest for good Power Metal begegnet einem schon der ein oder andere Titel. Und eben auch mal die ein oder andere CD, die ansonsten wohl nie den Weg in den heimischen CD-Player gefunden hätte. So ist es auch in diesem Fall, denn die nunmehr vierte Crystal Eyes-Scheibe firmiert eher unter der Genrebezeichnung Heavy Metal. Gut, ein entsprechendes Melodic- könnte man durchaus noch davorsetzen – aber richtig flott und druckvoll würde es wohl eher nicht ausfallen, dieses Confessions Of The Maker.

Und das tut es tatsächlich nicht – aber dennoch klingt es durchweg angenehm. Dies liegt vor allem an den höchst melodiösen Refrains die Schunkel- oder aber zumindest Mitsinglaune verbreiten. Die ersten beiden Titel The Charioteer und Confessions Of The Maker sind die besten Beispiele dafür – es geht insgesamt relativ unspektakulär und gemäßigt zur Sache, aber dennoch machen die Songs Laune. Und auch Northern Rage ist ein echter Stimmungsgarant: hier geht es, der Titelbezeichnung entsprechend, sogar etwas flotter voran. The Fool’s Ballet ist wieder einer dieser Chill-Out-Tracks, die zwar recht gradlinig, aber dennoch niemals langatmig daherkommen.

Da ist Terror schon eher so ein Fall für zweiteres: ab diesem Zeitpunkt (Track 5) könnte sich zum ersten Mal ein klein wenig Langeweile auftun. Glücklicherweise nur kurz – der High-Pitched-Scream zum Beginn von Panic markiert diesen Wendepunkt treffend. Hier regieren endlich wieder ein flotterer Einsatz des Drummers, eine „catchy“ Melodie, nette Gitarrenparts und generell eine gute Stimmung. White Wolves kommt dann schon wieder weitaus gemäßigter, gar schwer-getragen daher: die harten Gitarrenriffs dominieren das Gesamtbild, ein paar kleinere Melodie-Spielelerein frischen das Ganze noch etwas auf. The Burning Visions, oh ja – es geht doch. eine ansprechende Mischung aus Härte und Melodie, und ein dicker Refrain.

Revolution In The Shadowland setzt dieses Gefühl fort: wieder ist es dieser druckvolle Refrain, und die Mixtur aus etwas langsameren und Doublebass-Passagen. Die klare Spielart der Band fällt auf – alles wirkt schnörkellos, und einfach glatt präsentiert. Dies bedeutet sowohl positives, als auch negatives – doch in meinen Ohren dominiert ersteres. Terminal Voyage sticht vor allem durch den hervorgehobenen Gitarrenpart hervor, sowie durch die Ausflüge in etwas höhere Gesangslagen. Passt schon – ist aber insgesamt nicht sonderlich spektakulär. Immerhin schließt Silent Angel das Album relativ rund ab – hier handelt es sich eher um eine Ballade. Aber eine recht gute und stimmungsvolle, zusätzlich mit einem recht genialen Refrain und einem beinahe epischen Finale (Chorgesang).

Natürlich, es handelt sich nicht um streng verschachtelte, gewagte Arrangements voller Raffinessen – doch im gehobenen Mittelmaß eines melodischen Heavy Metal sollte sich diese Band wohlfühlen. Für alle Fans des Power Metal, die zwischendurch auch mal etwas ruhigere Klänge genießen wollen, sei diese Scheibe definitiv ans Herz gelegt.

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