Metal-CD-Review: CARDIANT – Mirrors (2017)

Alben-Titel: Mirrors
Künstler / Band: Cardiant (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. November 2017
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Inverse Records

Alben-Lineup:

Mikko Mänttäri – Bass, Vocals
Lauri Hänninen – Drums
Antti Hänninen – Guitars
Marko Lindroos – Keyboards
Erik Karhatsu – Vocals
Outi Jokinen – Vocals

Track-Liste:

1. Mirrors and Me (04:00)
2. Riot Rising (05:04)
3. Soul (03:27)
4. A Quiet One (02:22)
5. Blank Star (04:09)
6. His Supremacy (03:44)
7. Shooting Star (04:18)
8. Absolute Power (04:40)
9. My Delusion (06:50)
10. Life Has Just Begun (06:42)
11. Another Time Another Place (05:02)

Vorsicht, ein Cover kann täuschen.

Ja, es ist schon wieder soweit – ein weiteres (Power) Metal-Jahr neigt sich dem Ende zu. Ein weiteres Jahr der versierten Rückkehrer und hoffnungsvollen Newcomer, wobei sich fast alle – und das muss man ihnen allemal zugute halten – gleichermaßen ins Zeug gelegt haben. Noch ist das Jahr aber nicht ganz um – sodass sich noch einige weitere Genre-Werke im Sinne der langsam aber sicher von einer vorweihnachtlichen Stimmung geprägten Wertungsurteile profilieren müssen. Und tatsächlich: auch die Finnen von CARDIANT schicken einen diesbezüglich mehr als nur interessanten Kandidaten ins Rennen. Selbiger horcht auf den Titel MIRRORS, ist das vierte offizielle Studioalbum der bereits im Jahre 2000 gegründeten Band – und sollte für die meisten eher überraschend daherkommen. Und das trotz oder gerade wegen der bereits Ende 2015 veröffentlichten Single ABSOLUTE POWER. Schließlich konnte die zwar allemal als wichtiges Lebenszeichen interpretiert werden – doch wirklich sicher erschien im weiteren Verlauf nur wenig, erst Recht in Bezug auf ein potentielles neues Album. Und so sollten ganze weitere 2 Jahre vergehen, bis endlich die zweite Single LIFE HAS JUST BEGUN präsentiert wurde. Dann aber – und glücklicherweise – schon mit dem Wissen im Gepäck, dass das dazugehörige Album MIRRORS bald über Inverse Records folgen würde.

Dabei rückt MIRROS nicht nur deswegen in einen vergleichsweise expliziten Fokus, da es als vielversprechendes Power Metal-Werk offenbar einige Zeit hatte reifen müssen bis es endlich das Licht der Welt erblickt. Auch die Tatsache, dass CARDIANT eine vergleichsweise interessante Diskografie in Petto haben; spricht hier grundsätzlich eher für die Finnen. Sicher, dass die Band nur 4 Studioalben in satten 17 Jahren veröffentlicht hat; wirkt auf den ersten Blick etwas ernüchternd – doch immerhin kredenzten sie der Power Metal-Welt einst eines der vielleicht hochkarätigsten Alben aller Zeiten, das 2005’er MIDDAY MOON (Review). Und auch die vielen kleineren Veröffentlichungen, die Mitgliederwechsel und so gesehen auch das Fehlen einer wirklich klaren Linie sorgten stets für eine gewisse Form der Spannung, die den geneigten Genre-Konsumenten ein jedes einzelnes Release der Finnen geradezu verschlingen ließ. Wobei speziell das letztaktuelle, etwas düsterere VERGE die Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte (siehe Review) – und das trotz der ebenso einmaligen wie genial umgesetzten Single HEAVEN’S CALLING. Im besten Fall also geht MIRROS nun den umgekehrten Weg – indem es neben seinen beiden guten, aber eben auch nicht hervorragenden Vorab-Singles ABSOLUTE POWER und LIFE HAS JUST BEGUN noch eine echte Breitseite erstklassiger Nummern bereithält.

Allzu lange muss man dann auch gar nicht erst auf eine entsprechende Möglichkeit zur Meinungsbildung warten, denn: schon der Opener MIRRORS AND ME offenbart grundsätzlich freudiges. Offenbar haben sich CARDIANT die hie und da geäußerten Meinungen zu Herzen genommen, und sich wieder mehr an ihrer eigenen musikalischen Vergangenheit orientiert. Die Folge ist ein Sound, der direkt als typisch CARDIANT wahrgenommen werden kann – und der stellenweise wohlig an den einst auf MIDDAY MOON etablierten Sound inklusive einiger für Band so wichtiger Alleinstellungsmerkmale (wie etwa einen ganz speziellen Keyboardsound) erinnert. Doch natürlich wiederholen sich die Finnen nicht bloß nur, auch wenn sich das so mancher unter Umständen sogar explizit gewünscht hätte. Vielmehr scheinen sie langsam aber sicher die perfekte Symbiose aus alten und neuen Soundelementen gefunden zu haben. Anders gesagt: der wunderbar griffige und einzigartige Eindruck eines MIDDAY MOON wird hier mit einigen der für die Band vergleichsweise neuen, schon auf VERGE hoch gehaltenen Elementen vermengt – wie einer recht bombastischen Soundkulisse mit vielen symphonischen Einschüben, stimmigen Frauen- und Männerchören sowie dem Bestreben, möglichst viel Abwechslung zu bieten.

Dabei sieht es vor allem in gesanglicher Hinsicht extrem gut aus für MIRRORS. Sicher, die Zeiten in denen ein gewisser Janne Saksa das Gesangszepter komplett übernahm sind Geschichte – und doch ist es angenehm zu sehen, dass er hier gleich zwei Gastauftritte hat. HIS SUPREMACY wird durch ihn sogar zu einer regelrechten One-Man-Show, wobei es ebenso interessant wie dezent Gänsehautauslösend ist, ihn nach so vielen Jahren endlich einmal wieder bei CARDIANT zu hören. Sein Nachfolger, der mittlerweile angestammte Band-Frontmann Erik Karhatsu indes scheint in der Zwischenzeit ebenfalls zu einer neuen Höchstform aufgelaufen zu sein – man kann sich jedenfalls kaum an seiner Performance satthören. So gesehen war es eigentlich gar nicht erst nötig, dass man noch einige weitere Gastsänger wie Pasi Rantanen (u.a. THUNDERSTONE) oder Nitte Valo (BURNING POINT) ins Boot holte. Doch da auch die ihre Sache gut machen und das Album zusätzlich vielfältig gestalten, so nimmt man auch das gerne an – wie auch die allgemeine Abmischungs- und Produktionsqualität des Albums, die schier perfekt ausgefallen ist. So harmonisch, ausgewogen und doch einzigartig-prägnant klang vermutlich noch kein CARDIANT-Album – wobei man dafür erneut Janne Saksa danken muss, der sich mittlerweile hauptsächlich als Mann hinter den Kulissen verdingt.

Damit bleibt eigentlich nur eine Frage – die nach dem Abschneiden und der Qualität der einzelnen Nummern. Hier gilt es dann auch, die einzigen nötigen Abstriche zu machen. Das Konzept von RIOT RISING beispielsweise erscheint mindestens gewöhnungsbedürftig – vor allem zu Beginn und dank der überraschenderweise mal etwas härteren Gangart bezüglich des Gesangs und der geradezu schmetternden Chöre. Andererseits aber verfügt die Nummer über einen geradezu kongenialen Spannungsbogen, der seine Höhepunkte klar in den späteren Instrumentalpassagen findet. Auch für das ungewohnt akustische A QUIET ONE sieht es eher zwiespältig aus – schließlich wirkt es trotz der respektablen weiblichen Gesangsdarbietung eher deplatziert. Zumal es mit Nummern wie dem wesentlich interessanteren SHOOTING STAR oder dem ebenfalls eher ruhig aufgemachten SOUL bereits entsprechende balladesk angehauchte Momente gibt. Die sind zwar nicht schlecht oder uninteressant, vor allem dank der jeweiligen Darbietungen der Gastsänger – aber eben recht kurz, knackig und so gesehen typisch für das Genre.

Die verbleibenden Nummern haben es dann aber allesamt in sich, und das reichlich. Sei es der schier perfekte Opener MIRRORS AND ME, das vor allem im Refrain gnadenlos starke BLANK STAR (das lediglich mit etwas zu viel Verzerreffekten im Gesang daherkommt), das von Janne Saksa dominierte HIS SUPREMACY, das für die weibliche CARDIANT-Fraktion reichlich Raum bietende ABSOLUTE POWER, das variable LIFE HAS JUST BEGUN, der Rausschmeißer und Allstar-Track ANOTHER TIME ANOTHER PLACE; oder eben das etwas bedächtigere MY DELUSION – CARDIANT fakeln hier einiges ab, und lassen einen die etwas schwächeren Momente des Albums getrost vergessen. Fest steht: so darf es gerne weitergehen mit der Band. Vielleicht ja auch mit der Entscheidung Janne Saksa, Erik Karhatsu und in Zukunft als gleichberechtigte Frontsänger zu etablieren ? Sicher hätte das was… doch auch so sieht es recht gut aus für CARDIANT.

Absolute Anspieltipps: MIRRORS AND ME, BLANK STAR, HIS SUPREMACY, MY DELUSION


„Ein rundum gelungenes Release und eine weitere positive Überraschung zum Ende des Metal-Jahres 2017.“

Metal-CD-Review: CARDIANT – Tomorrow’s Daylight (2009)

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Alben-Titel: Tomorrow’s Daylight
Künstler / Band: Cardiant (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. November 2009
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Avalon Online

Alben-Lineup:

Mikko Mänttäri – Bass
Erik Karhatsu – Vocals
Marko Lindroos – Keyboards
Antti Hänninen – Guitars
Lauri Hänninen – Drums

Track-Liste:

1. Tomorrow’s Daylight (04:10)
2. Stars Upon Your Life (03:48)
3. Illusion Game (04:08)
4. Diamondstar (03:31)
5. Yesterday to Come (04:00)
6. Shine (03:42)
7. Fire on Ice (03:38)
8. Somehow (03:47)
9. Morning Here No More (04:05)
10. Broken Lifeline (03:53)
11. Pledge (03:55)
12. Gone Tomorrow (02:08)

Das Licht von morgen, oder nur ein Schatten der Vergangenheit ?

Und es ward ein weiteres Mal zur berühmt-berüchtigten CARDIANT-Diskografie gegriffen – jener finnischen Band, die nicht nur eine bunte Riege an Veröffentlichungen vorzuweisen hat (einiges wurde hier rezensiert); sondern auch eine bewegte Geschichte mit zahlreichen Besetzungsschwierigkeiten. Das 2009’er Werk TOMORROW’S DAYLIGHT ist dabei insofern eine Besonderheit, als dass es sich um das zweite Studioalbum der im Jahre 2000 gegründeten Band handelt – und somit um eines der greifbareren, bekannteren Releases; dass sich am ehesten einer breiteren Kritik stellen musste und muss. Dass CARDIANT nur zwei Alben innerhalb eines langen Zeitraums von 8 oder 9 Jahren veröffentlicht haben, klingt dabei zunächst etwas mau – tatsächlich aber handelt es sich um das bereits zehnte offizielle Release; rechnet mit alle bisherigen Demos und Promos mit ein. Und so könnte TOMORROW’S DAYLIGHT einen im besten Fall alle bisherigen Schwierigkeiten vergessen lassen, den Posten des erst kurz zuvor angeheuerten neuen Leadsängers Erik Karhatsu festigen – und schlicht alle Genre-Fans begeistern. Im besten Fall.

Unglücklicherweise gelingt das CARDIANT hier aber nicht wirklich – denn TOMORROW’S DALIGHT wirkt trotz der guten Randdaten eher etwas halbgar und abermals unentschlossen. Bereits die vorangegangenen Kleinveröffentlichungen (Promos und EP’s) zeigten auf, dass sich CARDIANT in einer Art experimentellen Phase befanden – und ihre Spielart auch hinsichtlich der etwas weicheren Bereiche des Power Metal ausloteten. Ein Experiment, mit dem man offenbar noch immer nicht vollständig abgeschlossen hat – sodass viele der auf dem Album enthaltenen Titel kaum noch mit den Vorstellungen vereinbar sind, die man möglicherweise von einem guten Power Metal-Act aus dem hohen Norden oder explizit Finnland hat. Vor allem aber kann es kaum mit dem sensationellen Vorgänger MIDDAY MOON mithalten – ein Album das auch heute noch einschlägt wie eine Bombe, und zu dem sich kaum Vergleichsmöglichkeiten anberaumen lassen. Ganz anders sieht es dann schon mit TOMORROW’S DAYLIGHT aus – viele Kompositionen wirken weichgespült, generisch und einstweilen sogar komplett verwechsel- oder austauschbar.

Analog zum herausgenommenen Tempo haben CARDIANT aber auch einige ihrer Trademarks fallengelassen, oder zumindest explizit in den Hintergrund gerückt. Die absolut unverkennbaren Gitarren und das mächtig variable Drumming von einst sind passé – man gibt sich eher angepasst und mit deutlich weniger Alleinstellungsmerkmalen. Es scheint sogar, als orientierte man sich einstweilen in den Gefilden des Pop – so harmlos und unspektakulär klingen manche Nummern. Denkt man an die alten, irgendwie ehrlicher wirkenden Anfangszeiten der Band (und insbesondere MIDDAY MOON) zurück; verkommen viele der immerhin 12 enthaltenen Titel so zu recht glattgeschliffen wirkenden Nummern ohne großartige Ecken oder Kanten. Besonders arg hat es dann ausgerechnet die Single-Auskopplung STARS UPON YOUR LIFE getroffen. Da können selbst die hintergründigen; wenn sie lauter wären sicher an CELESTY erinnernden Chor-Elemente nicht viel reißen – die Nummer bleibt ein Langweiler mit einem flachen, emotional überhaupt nicht wirksamen Refrain.

Doch glücklicherweise trifft das nicht auf alle Titel zu, zumindest nicht in einer vergleichbaren Schwere. Doch selbst im Falle des Titeltracks oder ILLUSION GAME will trotz des schon angezogenen Tempos und der lebendigen Instrumentalkulisse keine so rechte Stimmung aufkommen.Viel eher werden Erinnerungen an die nunmehr aufgelöste Combo DYONISUS wach – mit einer im vorliegenden Fall etwas schwächeren Gesangsleistung. Überhaupt scheint Erik Karhatsu nicht wirklich in seinem Element; beziehungsweise scheint er zumindest meilenweit hinter seinem quasi-Vorgänger Janne Saksa zurückzubleiben, dem man viel lieber lauschte als dieser etwas zu gleichförmigen Darbietung. Sicher kann er singen, das hat er das ein ums andere Mal bewiesen – doch was hilft ein guter Sänger, wenn man genauso gut einen außergewöhnlich guten hätte verpflichten können ? Einen, den man auch zweifelsfrei wiedererkennt. Immerhin kommen die gesanglichen Aspekte so auf eine Ebene mit den instrumentalen – einer verdächtig mittelprächtigen, unspektakulären.

Überhaupt erscheint es unverständlich, wieso CARDIANT nicht doch noch die ein oder andere kräftigere Nummer eingeschoben haben – der gesamte Alben-Auftakt gerät so recht fad. Erst mit YESTERDAY TO COME wird es wieder interessanter, zumal hier einige der früheren CARDIANT-Erkennungsmerkmale in Form der schroffen Riffs und stimmiger Keyboard-Elemente zurückkommen. Danach überwiegt dann wieder die pure Mittelmäßigkeit – wirklich herausstehende Nummern tauchen nicht auf. Selbst das bereits auf der vorherigen EP enthaltene Stück SOMEHOW wirkt in der fertigen Fassung noch ein stückweit geschliffener und kitschiger als ohnehin schon – insbesondere der Refrain mit seinem stampfenden Elektro-Beat sollte hier nicht jedermann bekommen. Selbst einer potentiell hochkarätigen, da etwas kräftigeren Nummer wie MORNING HERE NO MORE kommt irgendetwas abhanden – und sei es aufgrund des künstlich aufgeblasenen Refrains.

Der ganz große Wurf ist CARDIANT also nicht gelungen – das zweite Studioalbum der Finnen hinterlässt einen zwiegespaltenen Gesamteindruck. Einerseits ist es schön, nach MIDDAY MOON endlich wieder ein komplettes Studioalbum der offensichtlich talentierten und ideenreichen Band in der Hand halten zu können, den Leadgesangsposten endlich fest besetzt zu wissen – andererseits aber scheint es, als sich CARDIANT hier aus irgendeinem Grund zurück. Das Album ist schließlich nicht nur weitaus schwerfälliger und langatmiger, als alles was die Band zuvor veröffentlicht hatte – es klingt auch generischer und typischer; erst Recht wenn man sich im allgemeinen nicht nur dem Power- sondern auch mal dem Melodic Metal widmet. Das erleichtert dann zwar den allgemeinen Zugang – garantiert aber kein unverbrauchtes und intensives Hörerlebnis wie einst MIDDAY MOON. Auf der Haben-Seite bleiben so die noch immer schmackigen Riffs und eine potentiell angenehme Singstimme, aus der man noch so viel mehr hätte herausholen können – leider Gottes überwiegen aber die negativen Faktoren, so dass keine durchschnittliche Wertung mehr drin ist.

Absolute Anspieltipps: YESTERDAY TO COME, SHINE, BROKEN LIFELINE


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„Das offensichtlich vorhandene Potential wurde aus irgendeinem Grund nicht oder zumindest nicht ausreichend ausgenutzt.“

Metal-CD-Review: CARDIANT – Man Behind The Smile (EP, 2008)

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Alben-Titel: Man Behind The Smile (EP)
Künstler / Band: Cardiant (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 4. september 2008
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Mikko Mänttäri – Bass, Vocals (backing)
Jarkko Mikkola – Vocals
Marko Lindroos – Keyboards, Vocals (backing)
Antti Hänninen – Guitars
Lauri Hänninen – Drums

Track-Liste:

1. Man Behind the Smile (03:55)
2. Frozen Fire (04:17)
3. Somehow (04:01)
4. Tools and Weapons (05:06)

Schon der zweite Anlauf innerhalb eines Jahres.

In der bunten Diskografie der finnischen Power Metaller von CARDIANT gibt es neben einigen Highlights vor allem immer wieder eines zu entdecken: Aktivität. Selbst da, wo sie rückblickend nicht zu vermuten gewesen wäre – wie im Falle der zweiten Band-EP des Jahres 2008, MAN BEHIND THE SMILE. Ungewöhnlich ist das Release nicht nur, da es die zweite und beinahe ebenso kurze EP der Band innerhalb eines Veröffentlichungsjahres ist; sondern auch, da plötzlich nun doch nicht der kurz zuvor angeheuerte neue Leadsänger Erik Karhatsu am Mikrofon stand, sondern ein gewisser Jarkko Mikkola. Der war zuvor nur marginal in der Band eingebunden, und feiert hier sozusagen sein Gesangs-Debüt – nach seinen nicht immer leicht überschaubaren Vorgängern sollte er zu diesem Zeitpunkt also schon der vierte CARDIANT-Leadsänger gewesen sein. Wenn auch nur ein temporärer, der später wieder von Erik Karhatsu abgelöst werden sollte. Zum Glück, sollte man sagen – irgendwann war es wohl auch der Band zu viel; ein fester Leadsänger musste definitiv her.

Immerhin führte dies zu jener mehr als interessanten Diskografie wie sie heute vorliegt; mit zahlreichen unterschiedlichen Veröffentlichungen und unterschiedlichen Gesangseindrücken. Wo genau man die Leistung des auf der MAN BEHIND THE SMILE auftretenden Jarkko Mikkola einordnen sollte, ist dann allerdings auch recht schnell klar: keinesfalls unter einer imaginären Qualitätsgrenze, aber doch dezent hinter Janne Saksa und Erik Karhatsu. Vielmehr scheint sich Jarkko Mikkola auf einer Ebene mit dem früheren Leadsänger Tuomas Helander zu befinden; zumindest was die Wirkungskraft ihrer Performances angeht. Beide sind keine schlechten Sänger, doch fehlt ihnen eventuell das gewisse Etwas – das, was Janne Saksa und Erik Karhatsu definitiv mitbringen. Und so wirkt auch das bereits auf der RADIANT-EP enthaltene FROZEN FIRE hier nicht mehr ganz so stark, auch wenn es in instrumenteller Hinsicht identisch ausfällt – doch der nunmehr leicht angestrengte, manchmal zu aggressive Leadgesang kann kaum mit der Wirkung der vorherigen EP mithalten. Leicht kurios ist auch, dass Jarkko Mikkola ausnahmsweise mal keine Probleme in den höheren Lagen hat (wie viele andere) – sondern eher in den tiefen und gemäßigten. Hie und da entsteht so ein etwas unsicher anmutender, austauschbarer Eindruck.

Ein stückweit interessanter sollten aber ohnehin die drei anderen, erstmals veröffentlichten Nummern sein – die gut sind, aber auch nicht wirklich mit den wenigen Tracks der Vorgänger-EP mithalten können. Das liegt schlicht am nun noch etwas weichgespülteren Eindruck und den einstweilen übertriebenen Keyboard-Spielereien. Die Riffs sind nach wie vor knackig, die Komposition im Gesamten ansprechend; selbst Jarkko Mikkola liefert vor allem im Titeltrack eine vergleichsweise gute Performance ab – aber so richtig will der Funke nicht überspringen. Zumindest nicht auf jener Ebene, die man bisher von CARDIANT gewohnt war. Anders gesagt: auf der MAN BEHIND THE SMILE-EP bringt man keine wirklichen Innovationen mehr, sondern probiert etwas neues aus. Etwas, dass für die Band neu ist; aber nicht unbedingt für den im besten Fall auch über den Rand des Power Metal-Genres hinausschauenden Hörer. Die Folge sind etwas zu generische Kompositionen und ein nicht mehr ganz so prägnanter Wiedererkennungswert. Da das Ganze aber ohnehin eher als Experiment zu sehen war und ist; sollte man darüber hinwegsehen können. Vielleicht auch über den mit SOMEHOW etablierten, nicht wirklich starken Eindruck in Form diverser elektronischer Klänge und einem Refrain, der stark an den von RADIANT erinnert – nur in einer deutlich schwächeren Form.

Auf der MAN BEHIND THE SMILE-EP weicht der typische, unverwechselbare CARDAINT-Sound damit einem anderen Eindruck – einem rockigeren, etwas weniger kantigen. Das ist in erster Linie interessant, und zeigt eine weitere potentiell unbekannte Seite der Band auf – doch im direkten Vergleich mit starken Releases wie MIDDAY MOON oder auch der RADIANT-EP muss dieses ebenfalls nur sehr kurze Werk klar hintenan stehen. Vor allem aufgrund des Leadgesangs, der nur noch als solide bezeichnet werden kann – und aufgrund der weichgespülteren, merkwürdig elektronisch angehauchten Kompositionen a’la SOMEHOW. Die lassen das Ganze eher in Richtung eines eingängigen Melodic Metal ohne große Schnörkel (aber dafür mit starken Instrumental-Parts) driften – was nach einer kurzen Eingewöhnungszeit sogar recht gut funktioniert. Dennoch… ein wenig mehr Feuer und Eigenständigkeit steht der Band einfach besser zu Gesicht.

Absolute Anspieltipps: MAN BEHIND THE SMILE


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„Mehr Melodic Metal, mehr Retro. Eine weitere zwar nicht mehr ganz so unverwechselbare; aber gerade noch solide musikalische Seite von CARDIANT.“

Metal-CD-Review: CARDIANT – Radiant (EP, 2008)

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Alben-Titel: Radiant (EP)
Künstler / Band: Cardiant (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Februar 2008
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Mikko Mänttäri – Bass
Erik Karhatsu – Vocals
Marko Lindroos – Keyboards
Antti Hänninen – Guitars
Lauri Hänninen – Drums

Track-Liste:

1. Frozen Fire (04:20)
2. While the Ice Is Cold (03:31)
3. Radiant (03:54)

Verdammt kurz, aber dennoch ein Kracher.

Weiter geht es mit einer der turbulentesten Power Metal-Diskografien überhaupt – der der finnischen Bandcbombo CARDIANT. Turbulent ist sie nicht nur aufgrund der zahlreichen Besetzungswechsel vor allem im Bezug auf des Leadgesangsposten; sondern auch da CARDIANT im Laufe der Jahre allerlei Material veröffentlicht haben. Material an das nicht immer leicht heranzukommen ist – sich aber potenitell dennoch lohnt, es zu entdecken. Die heute vorliegende EP RADIANT stammt aus dem Jahre 2008 und ist neben den mysteriösen Promos (aus den Jahren 2002, 2003, 2006 und 2007) schon etwas verbreiteter. Wohl auch, da man auf dieser EP zum ersten Mal Erik Karhatsu zu hören bekommt – jenen CARDAINT-Leadsänger, auf den die Band zumindest gefühlt eine Ewigkeit gewartet hat. Denn wie man weiß wechselten sich zuvor der einstige Leadsänger Tuomas Helander, Janne Saksa und Tommi Salmela in einem recht wilden Durcheinander ab.

Und wie klingen jene neu geordneten CARDIANT, die auf RADIANT immerhin 3 neue Titel zum Besten geben ? Nun, sie klingen noch immer nach dem starken, durch MIDDAY MOON etablierten Eindruck – was sich vor allem auf die Songstruktur, die zusätzlichen Keyboardelemente und die Arrangements der hintergründigen Chöre bezieht. Dennoch lässt RADIANT auch einen etwas anderen, frischen Eindruck entstehen – der den durch MIDDAY MOON entstandenen zwar nicht überbieten kann (was beileibe eine schwierige Aufgabe ist), aber doch eine Form einer angenehmen Alternative offeriert. Die Riffs sind schön schmackig und schlicht ungalublich stark, auch in Anebtracht der zahlreichen Konkurrenz (siehe FROZEN FIRE), die Refrains werden eingängig aber nicht zu pompös inszeniert; und Erik Karhatsu schafft es tatsächlich in die Fußstapfen von Janne Saksa zu treten. Zwar kann man die beiden kaum miteinadner vergleichen; doch haben beide ihre klaren Vorzüge. Was Janne Saksa hinsichtlich einer absoluten Unverwechselbarkeit und einem erstaunlichen Balanceakt zwischen einer gewissen Rauhheit und einer stark nach vorn preschenden Ausdruckskraft mitbrachte, ersetzt Erik Karhatsu nun durch eine nicht ganz so unverkennbare; aber doch sehr angenehme Stimme. Eine Stimme, dieangenehm sanft auf der einen, und dennoch kräftig und bestimmt auf der anderen Seite klingt – und wie für das Power Metal-Gerne gemacht zu sein scheint.

Die drei Nummern selbst kann man dann wohl auch nur eines vorhalten – dass sie viel zu kurz sind. Gerade das führt indes auch dazu, dass wahrlich jede Minute der kurzen EP ausgenutzt wird, und es keine zu vernachlässigenden Momente gibt. FROZEN FIRE gefällt als flott-kräftige, gesanglich enorm stark vorgetragene Genre-Hymne; WHILE THE ICE IS COLD als einer der wohl besten Power Balladen überhaupt; und der Titeltrack RADIANT als typische CARDIANT-Hymne wie sie so ähnlich schon auf MIDDAY MOON zelebriert wurde. Eventuell hat man es hier leicht in Bezug auf das Keyboard und den dezent soften Touch übertrieben – aber der wunderbar stampfende, melodiöse Refrain macht vieles wieder wett.

Zwar stimmt es einen dezent wehmütig, dass ab der RADIANT-EP nicht mehr Janne Saksa am Mikrofon stehen sollte – doch was der neue Frontmann Erik Karhatsu hier ablieferte, ist ebenfalls kultverdächtig. Es bleibt schade, dass nur drei relativ kurze Titel enthalten sind – doch wenn man die EP als erstes Paradebeispiel dafür betrachtet, zu was CARDIANT mit dem neuen Frontmann alles imstande wären; hat sie ihren Zweck definitiv erfüllt.

Absolute Anspieltipps: FROZEN FIRE, WHILE THE ICE IS COLD, RADIANT


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„War das schon alles ? Verdammt.“

Metal-CD-Review: CARDIANT – Tales From The Crapylon (Demo, 2001)

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Alben-Titel: Tales From The Crapylon
Künstler / Band: Cardiant (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Andy – Guitars
Vesa – Bass
Tuomas – Vocals
Valtteri – Keyboards
Dave – Drums

Track-Liste:

1. Angel Eyes (04:05)
2. Burnt Rose (03:36)
3. Beloved Death (03:50)
4. Crapylon (04:13)

CARDIANT, oder: die Suche nach dem richtigen Leadsänger.

TALES FROM THE CRAPYLON ist der Name der ersten heute noch verfügbaren CARDIANT-Demo aus dem Jahre 2001 – jener Power Metal-Combo aus Finnland, die trotz ihres noch recht frischen Gründungsjahres im Jahre 2000 schon einiges durchgemacht hat. Diese Feststellung bezieht dabei vornehmlich auf die ständigen Wechsel in Bezug auf den Leadgesangsposten – der neben vier ehemaligen Mitgliedern auch schon mal von einem Gastsänger namens Janne Saksa besetzt wurde. Ausgerechnet unter seiner Mitwirkung gelang CARDIANT dann auch endlich ein wahrer Geniestreich – das erste offizielle Studioalbum MIDDAY MOON (Review). Danach ging das muntere Wechselspiel weiter, bis zur heutigen Konstellation mit Erik Karhatsu und Outi Jokinen – doch bereits vor dem ersten Album (und in den frühen Demo-Zeiten) zeigten sich CARDIANT recht experimentierfreudig. Oder sollte man eher sagen, unsicher ? Selbst wenn dem so ist, trifft das wohl kaum auf die Art der Musik zu; die bereits auf dem vorliegenden TALES FROM THE CRAPYLON eine eindeutige Marschrichtung erkennen ließ.

Eine, die hier mit gerade einmal 4 kurzen Titeln erstmals ausgelotet wurde – und dabei grundsätzlich das auf MIDDAY MOON enthaltene Material in einer Rohfassung enthält. Besonders auffällig ist das in Bezug auf den Opener ANGEL EYES, der zwar nicht direkt auf das Debütalbum übernommen wurde – doch die Parallelen zum späteren ROYAL STRANGER sind einfach unverkennbar. Das Problem ist lediglich, und speziell aus einer heutigen Sicht; dass CARDIANT auf dieser frühen Demo einfach noch lange nicht so ausdrucksstark und versiert klangen wie später. Dabei ist jene Versiertheit gar nicht mal allzu sehr auf die technischen Komponente zu beziehen – denn für eine Demo klingt das hier dargebotene Material schon überaus ordentlich.

Auch in Bezug auf die Instrumentierungen gibt es grundsätzlich wenig auszusetzen, mit Ausnahme der hier noch etwas zu omnipräsenten und dezent künstlich wirkenden Keyboardspielereien – die Crux liegt schlicht im Leadgesang begraben. Der stammt von Tuomas Helander, der auch auf dem späteren MIDDAY MOON singen sollte – dies aber aus gesundheitlichen Gründen nicht bewerkstelligen konnte. Zwar sollte man wahrlich keinem eine Krankheit ans Bein wünschen, doch in diesem Falle hatte der Ausfall von Tuomas Helander einen positiven Nebeneffekt: den bereits oben erwähnten, schnell in die Bresche gesprungenen Janne Saksa. Zumindest in Bezug auf MIDDAY MOON – das im Vergleich mit dieser von Tuomas Helander eingesungenen Demo um ein vielfaches prägnanter, stilsicherer, emotionaler und auch einzigartiger abschnitt wenn man die reine Gesangsleistung betrachtet.

Schlussendlich: neben einer noch früheren Demo und einigen späteren Promos (an die man kaum herankommen kann) ist TALES FROM THE CRAPYLON der wohl einzige bis heute erhalten geblieben Grundstein der Karriere von CARDIANT. Entsprechend faszinierend ist es, den zwar noch stark ausbaufähigen aber schon recht zielgerichteten Kompositionen in ihrer Ursprungsform zu lauschen. Viel mehr aber auch nicht – es obsiegt die reine Kuriosität; hinsichtlich seiner Qualität und Ausdrucksstärke kann man diese Demo getrost vernachlässigen. Stattdessen sollte man unbedingt zum späteren Debüt MIDDAY MOON greifen. Vielleicht aber auch doch zu beiden Werken – schließlich ist es geradezu unglaublich, wie weit sich CARDIANT innerhalb von gerade einmal drei oder vier Jahren weiterentwickelt haben.

Absolute Anspieltipps: ANGEL EYES


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„Eine noch stark ausbaufähige Grundsteinlegung, die erst mit MIDDAY MOON perfektioniert wurde.““

Metal-CD-Review: CARDIANT – Verge (2013)

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Alben-Titel: Verge
Künstler / Band: Cardiant (mehr)
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Inverse Records

Alben-Lineup:

Erik Karhatsu – Vocals
Outi Jokinen – Vocals
Antti Hänninen – Guitar
Mikko Mänttäri – Bass & vocals
Marko Lindroos – Keyboards
Lauri Hänninen – Drums

Track-Liste:

1. Justice Turns into Revenge
2. Thought’s Inception
3. Heaven’s Calling
4. Ever Since
5. Believe
6. Beat of Heart
7. Love’s Not on My Way
8. Stranger in Me
9. Break Your Mind
10. While the Ice Is Cold

Viel, viel ruhiger als gedacht…

Aber auch unspektakulärer ? Doch beginnen wir vorne. Vorne heisst in diesem Falle in der früheren Bandgeschichte der Finnen – die ihre Bandgründung im Jahre 2000 zelebrierten. Der Grundstein ward gelegt – was folgte, waren 4 Demos; die die Fähigkeiten der talentierten Musiker erstmals aufzeigten. Erst 2005 folgte dann das erste offizielle Studioalbum der Band, MIDDAY MOON (Review) – jedoch nicht wie geplant mit Tuomas Helander als Sänger. Der hatte die Band zwischenzeitlich aus gesundheitlichen Gründen verlassen – sodass ein Session-Vocalist namens Janne Saksa für ihn übernahm. Die große Überraschung: das Album avancierte gerade dadurch zu einem echten Geheimtipp. Dann ging es weiter mit den etwas undurchsichtigen Besetzungswechseln: für die Promo 2006 holte man sich Sänger Tommi Salmela ins Boot, der sich auch mit der nächsten Promo aus dem Jahre 2007 quasi Hand in Hand mit Janne Saksa abwechselte. Das Problem: noch immer hatte man keinen festen Sänger – bei einer grundsätzlich starken und hoffnungsvollen Band wie CARDIANT ein echtes Problem. Selbiges löste sich erst 2008, als man den aufstrebenden Sänger Erik Karhatsu engagierte – der zuvor bei einer finnischen Version von American Idol mitmischte. Endlich hatten CARDIANT einen festen Sänger – der kurz darauf das zweite Studioalbum TOMORROW’S DAYLIGHT mit dem Rest der Band eingesungen hat. Nur: das Album war um Längen nicht so gut wie sein Vorgänger; ausgerechnet jenem Album, welches mit einem (temporären) Session-Musiker entstand.

Es vergingen wiederum 2 Jahre, bis sich CARDIANT mit der Single RAPTURE IN TIME zurückmeldeten – das war 2011. Die Nummer war nicht schlecht, auch wenn sie instrumentell stark an das Schaffen der ebenfalls aus Finnland stammenden CELESTY erinnerte. Gut also, dass man zusätzlich ein halbwegs gelungenes Musikvideo (Link) dazu drehte und etwas Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Es sollten wieder knapp 2 Jahre vergehen, bis VERGE erschien – das aktuelle, heiß erwartete und nunmehr dritte Studioalbum von CARDIANT. Dieses beinhaltet übersichtliche 10 Titel mit einer Gesamtspielzeit von knapp 47 Minuten – auf ein klassisches Intro und Outro wurde verzichtet. Dass die Finnen das unausgegorene Vorgängeralbum TOMORROW’S DAYLIGHT toppen könnten, war allemal abzusehen – doch mit der vor kurzem veröffentlichten Videosingle zu HEAVEN’S CALLING (Link) wurden die Erwartungen noch einmal um ein vielfaches hochgeschraubt. Eine derartige… Hymne hat es im Power-Metal-Jahr 2013 wahrlich gebraucht. Wenn auch nicht gänzlich neu, ist die Mischung aus klassischen Piano-Klängen und der voranpreschenden Kraft des Power Metal hier über viele Maßen beeindruckend ausgefallen. Überaus markant ist auch die Gegenüberstellung des dezenten weiblichen Gastgesangs und der schieren Urkraft von einem zu Höchstformen auflaufenden Erik Karhatsu – im Zusammenspiel mit der abwechslungsreichen Instrumentierung (mal etwas düsterer und a’la SHADOWS PAST, mal luftig-locker) entsteht so eine der poetisch gewaltigsten, aussagekräftigsten Power Metal-Titel des Jahres 2013.

HEAVEN’S CALLING ist daher auch nicht ohne Grund die erste markante Anlaufstelle des neuen Albums. Doch kommt die Nummer erst an dritter Stelle – zuvor soll der Hörer mit dem Opener JUSTICE TURNS INTO REVENGE und THOUGHT’S INCEPTION auf das Album vorbereitet werden. Das gelingt auch recht gut – wenngleich man sich gerade im Opener in vielerlei Hinsicht zurückhält. Bis auf die kurze, atmosphärische Instrumentalpassage und das grundsätzlich gelungene Riffing gibt es hier nicht wirklich etwas zu holen. Dieser etwas verhaltene Eindruck zieht sich auch durch den zweiten Titel – auch wenn das, was CARDIANT da machen, technisch längst perfekt ist. Aber eben auch etwas glattgeschliffen und – böse ausgedrückt – weichgespült. Eben jene Feststellung stellt sich im Endeffekt auch als Haupt-Knackpunkt des Albums heraus: auf ein bissiges Uptempo setzt man nur selten, oder genauer gesagt nur ein einziges Mal. Richtig, bei HEAVEN’S CALLING, der Videosingle. Aber: sollte eine Videosingle nicht immer auch ein wenig ‚Teaser‘ sein, und einen Eindruck vom zu erwartenden Alben-Inhalt geben ? Genau das ist HEAVEN’S CALLING aber nicht, wie manche zu ihrem Leidwesen feststellen werden. Alle anderen auf VERGE enthaltenen Nummern sind nicht nur deutlich langsamer, sondern auch wortwörtlich langatmiger und mit einem nicht immer erträglichen Herzschmerz ausgestattet. Die Kraft, die man sich von oder auf VERGE wünscht, gibt es nicht in Form von ausschweifendem Gesang, Tempo oder Druck serviert – sondern in Form einer verstärkten Emotionalität und Poesie.

Diese ist teilweise auch ergreifend und wirksam – doch wenn sich der eine wehleidige Titel an den nächsten reiht, kann das zu einem echten Problem werden. Seien es EVER SINCE, BELIVE oder BEAT OF HEART – stets wird ein reichlich balladesker Ton angeschlagen, der sich vor allem in den gesanglichen Darbietungen niederschlägt. Für ein wenig Härte sorgen lediglich die Gitarren – während ein allgemein anspruchsvoller, aber viel zu gleichförmiger Gesamteindruck vorherrscht. Richtig nervig wird es aber erst, wenn auf etwaige Halb-Balladen richtige Balladen folgen – wie LOVE’S NOT ON MY WAY. So glaubwürdig all der Herzschmerz auch klingen mag, so ergreifend er dargeboten wird – er ist nicht unterhaltsam und vielseitig genug, um über die Länge eines komplettes Album wirksam zu sein. Potentiell interessantere Nummern wie STRANGER IN ME zeigen auf, dass CARDIANT ruhig etwas vielseitiger agieren könnten – andererseits werden gerade hier Erinnerungen an das ebenfalls kürzlich erschienene DREAMTALE-Album wach, das qualitativ in einer ganz anderen Liga spielt. BREAK YOUR MIND ist dann glücklicherweise wieder deutlich eigenständiger, frischer; und sogar etwas beherzter in seiner Grundstimmung. Warum nicht gleich so ? Der Ausklang erfolgt dann mithilfe einer weiteren Ballade, WHILE THE ICE IS COLD – die insofern punktet, als dass eine weibliche Gastsängerin erstmals komplett übernimmt und alles andere als schlecht performt. Dennoch: bis auf den recht gelungenen Refrain ist das einfach zu wenig.

Fazit: Das war wohl nichts – beziehungsweise nicht das, was man erwartet hätte. Dass VERGE eher ein ruhiges, bedächtiges, auf zwischenmenschliche Herzschmerztöne ausgelegtes Album werden würde, hat man sich zwar vage ausmalen können – doch gerade die Videosingle HEAVEN’S CALLING und die musikalische Vergangenheit der Band ließen allgemein auf mehr hoffen. Sicher sind die Geschmäcker verschieden, und stilistische Weiterentwicklungen im Band-Sinne immer ehrenwert – gefährlich wird es nur, wenn man sich zu sehr in eine einzige Richtung verbeisst. Genau das scheint auch auf VERGE geschehen zu sein – einem Album, dem es vor allem an Abwechslung mangelt. Wer sich musikalisch nach den Anfangszeiten der Band (MIDDAY MOON) zurücksehnt, wird in jedem Fall enttäuscht – auch wenn CARDIANT technisch mittlerweile über alle Zweifel erhaben sind. Doch was hilft das, wenn der Gesamteindruck dadurch nur noch gleichförmiger und unspektakulärer gerät ? Immerhin: man erhält nicht sofort einen Zugang zu VERGE und seinen Inhalten, sodass nach einer gewissen Eingewöhnungszeit und mehreren Durchläufen Besserung in Sicht ist. Aber eben auch nur leichte. Allgemein: ein Album mit einer ganz ähnlichen Thematik, aber einer weitaus markanteren poetischen Durchschlagskraft ist PERFECT CHAPTER von SHADOWS PAST (Review); wer Emotionalität mit einer deutlicheren Hymnenhaftigkeit, Melodiösität und aufregenderen Kompositionen verbunden wissen möchte, der greift zu DREAMTALE’s WORLD CHANGED FOREVER (Review). 

Anspieltipps: HEAVEN’S CALLING, BREAK YOUR MIND

Vergleichsbands: CAINS OFFERING | FALCONER


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„Die Single ist überzeugend, der Rest eher flach“

CARDIANT – Heaven’s Calling (Official Video)

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Der Himmel ruft nach Dir.

Wahrlich – besser hätten es CARDIANT nicht machen können. Die neue Videosingle der Band, HEAVEN’S CALLING, markiert nicht nur das fulminante Comeback der Finnischen Power Metaller – sondern gleichzeitig auch eines der ersten markanten Musikvideo-Highlights des Jahres 2013. Zwar handelt es sich um ein recht minimalistisches, günstig produziertes – doch wurde hier klar das Maximum aus den zur Verfügung gestellten Mitteln geholt. Die Posen sind markant, insbesondere das Zwiegespräch zwischen dem Leadsänger und einer Art Puppe – und die Rauch- und Lichteffekte tun ihr übriges. Noch schöner ist indes der Musiktitel selbst – dem eine treibende Double-Bass und Uptempo-Instrumentierung zugrundeliegt, die im Gegensatz zum eher poppigen, von weiblichem Leadgesang getragenen Refrain steht.

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Heraus aus nebulösen Schwaden…

Und überhaupt: was ist denn mit Leadsänger Erik Karhatsu los ? So kräftig, sauber und ausdrucksstark klang er noch nie. Da ist wohl jemand zu einer neuen Höchstform aufgelaufen… fabelhaft. Man darf wohl gespannt sein auf das neue Album VERGE (siehe hier), eventuell schaffen es die Finnen damit sogar, DREAMTALE vom derzeitigen Power Metal-Thron zu stossen.

CARDIANT – Verge (Metal News)

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Was, die gibt’s auch noch ?

Und wie ! CARDIANT waren schon länger ein kleiner Geheimtipp für alle Freunde eines stimmigen Power Metals made in Finnland. Zumindest wenn es um das erste Album der Combo, MIDDAY MOON (von 2005, Review) geht. Der Nachfolger TOMORROW’S DAYLIGHT kam schon nicht mehr so gut an; doch nun will es die Band noch einmal wissen. Ein Kommentar der Band:

„The material is more versatile and a bit more progressive compared to the previous albums. However, the band still trusts in the power of strong choruses and catchy melodies. Supporting the renewed style, Cardiant recorded real grand piano for the album at Vanajasali, Hämeenlinna. For the first time Cardiant also used an external producer, Janne Saksa. Outi Jokinen joined the band in 2012 as a backing vocalist and along with the backing vocals, she also has lead parts on the new album.“

Na dann… kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Interessant auch, dass ausgerechnet Janne Saksa als Produzent fungiert – der war nämlich als Ersatz-Sänger (für den erkrankten Tuomas Helander) auf dem Debütalbum zu hören, und machte es gerade so zu einem Highlight. Danach kam dann Erik Karhatsu, der zuvor bei einer finnischen Variante von Deutschland sucht den Superstar mitgemacht hatte. Sein Debüt war noch ausbaufähig – gesagt, getan. Denn, und tatsächlich: auch wenn die erste Videosingle HEAVEN’S CALLING zuerst etwas gewöhnungsbedürftig daherkommt (leicht poppig im Refrain), so entfaltet die Nummer schnell einen ganz speziellen, melodischen Charme. Man merkt dem Sound einfach an, dass er aus Finnland kommt… Gänsehaut !

Metal-CD-Review: CARDIANT – Midday Moon (2005)

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Album: Midday Moon | Band: Cardiant (weitere Band-Inhalte)

Land: Finnland – Stil: Power Metal – Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Lauri Hänninen – Schlagzeug
Antti Hänninen – Gitarre
Valtteri Virolainen – Keyboards
Janne Saksa – Gesang (Session – kein Bandmitglied)
Vesa Ahola – Bass

01 Royal Stranger 03.49
02 Falconeye
04.16
03 In Anger 05.00
04 Midday Moon 04.00
05 Light ‚N‘ Smoke 04.03
06 Raining (Part 1) 02.10
07 Already Known 03.16
08 Lost In The Thunder 03.45
09 The Hackneyed Dream 03.28
10 Etyde Light 03.39
11 Chance To Change 06.42
12 To Be 03.35
13 Raining (Part 2) 00.54

Ein O(h)rgasmus durch und durch.

Wer sagt, dass die verträumten Power Metal-Alben die besten (und wirkungsvollsten) sind, der… hat zweifelsohne Recht. Doch wie definiert man jenes verträumte, welches auch der 2005’er Produktion MIDDAY MOON von CARDIANT innewohnt ? Vielleicht sollte man es um einige Adjektive erweitern, wie etwa: poetisch, reflektierend, atmosphärisch; erhaben. Genau so klingt das vorliegende, 13 Titel starke Album – und zwar von der ersten bis zur letzten Minute. 

Dabei haben CARDIANT beileibe keine gewöhnliche Bandentwicklung und -Historie vorzuweisen. Es ging doch ein wenig drunter und drüber – angefangen bei Label- und Veröffentlichungsproblemen, über zahlreiche Demos und Promo-Scheiben (dessen Sinn sich nicht immer erschließt) bis hin zu merkwürdigen Besetzungswechseln ist so gut wie alles vertreten. In Bezug auf das Debütalbum MIDDAY MOON hat das gleich mehrere Auswirkungen: tatsächlich wurde es nur in Japan offiziell veröffentlicht – in Europa blieb das Release aufgrund von Label-Schwierigkeiten aus. Und: da man zum Zeitpunkt der Aufnahmen über keinen festen Sänger im Line-Up verfügte (zuvor war es Tuomas Helander), engagierte man kurzerhand einen Session-Sänger namens Janne Saksa. Interessanterweise hat eben das aber keine nachteiligen Folgen in Bezug auf MIDDAY MOON als Gesamtwerk – eher im absoluten Gegenteil.

Denn: hört man einmal die früheren (vor 2005) Promos, oder aber das spätere Album TOMORROW’S DAYLIGHT mit dem heutigen Sänger Erik Karhatsu, so lassen sich ganz und gar gewaltige Unterschiede einfach nicht verhehlen. Während Erik Karhatsu zwar ein versierter und talentierter Sänger ist, verfügt er nicht gerade über besondere Stimm-Merkmale oder einen hohen Wiedererkennungswert – ganz anders als Session-Sänger Janne Saksa, der auf MIDDAY MOON als wahrer Glücksgriff brilliert. Absolut unverständlich also, warum in der offiziellen Band-Biografie von CARDIANT (Link) folgendes zu lesen ist: „Cardiant didn’t have a permanent singer and was forced to have Janne Saksa as a session singer on the album“. Nun, das klingt nicht nur abwertend, das ist es auch. Dabei waren CARDIANT wesentlich stärker, als eben jener Session-Sänger ins Mikro röhrte; beziehungsweise gefühlvoll bis angeraut hineinhauchte. In der Tat gibt es eine derartige Stimme nicht oft im Power Metal – die Mischung aus einer gewissen Rauheit in tieferen Lagen, gepaart mit einem unglaublichen Rhythmusgefühl und einem auffälligen Groove macht’s.

Doch nicht nur der gesangliche Part scheint auf MIDDAY MOON zu funktionieren – auch die ausschweifenden, geradezu magischen Arrangements klingen auf Anhieb ansprechend-faszinierend. Und dabei gleichsam vertraut wie erfrischend anders – man fühlt sich sofort auf dem Album zuhause, doch hat man nicht das Gefühl nur lauwarm aufgebrühte Kost serviert zu bekommen. Bereits der Opener ROYAL STRANGER zeugt von dieser Qualität, wobei es sich hier um eine der weniger verspielten, etwas gradlinigen Nummern handelt. Doch das geniale Riffing und vor allem der Aufbau des Refrains (mit dezenten Chorgesängen, Keyboardeinsatz und einer großen Portion Melodie) fesseln, und werden im weiteren Verlauf dann doch noch von einer allerfeinsten Instrumental- und Soli-Kostprobe der Band abgewechselt. Wohlan – FALCONER kommen zwar nicht aus Finnland, doch könnte man diese Genre-Kollegen am ehesten als Vergleichsband anberaumen. Schön ist, dass man sich nicht auf einem absoluten Ohrwurm-Opener ausruht – sondern mit dem brachialen FALCONEYE (da ist er wieder, der FALKE) noch ein oder zwei Lagen obendraufsetzt. Eine Entwicklung, die sich munter fortsetzt – zum Beispiel in der Folgenummer IN ANGER, die erst wie eine Ballade anmutet – sich danach aber zu einer weiteren Hymne mit wunderbaren Chorgesang im Refrain mausert.

Wem all das noch nicht hymnisch (oder himmlisch) genug ist, der darf sich gern an Nummern wie LIGHT N SMOKE (fantastische Uptempo-Instrumentierung bei kultverdächtiger Melodie), ETYDE LIGHT oder TO BE versuchen. Das besondere: die Titel werden nicht (möglicherweise unnötig) ausstaffiert, sie werden so kurz und knackig präsentiert wie sie eben ausgefallen sind. Da dürfen es dann gerne auch mal ’nur‘ 3 bis 4 Minuten Laufzeit sein – die Wirkung ist noch immer (oder gerade deswegen) verdammt intensiv. Auch wenn es schwer ist, ein absolutes Alben-Highlight herauszupicken, könnte die Wahl schnell auf ALREADY KNOWN fallen. Mit einer Spielzeit von gerade einmal 3 Minuten serviert dieser Titel das volle CARDIANT-Brett, und gerät durch den grandiosen Soli-Part und den kräftigen Refrain (wie immer: tolle Melodien, guter Chorgesang) besonders schmackhaft. Es stimmt einfach alles: die knackigen Riffs, die netten Zugaben in Form von Keyboard-Elementen, der Bass- und Drumpart; der Lead- und Chorgesang. Und: die Textinhalte und die Präsentation.

Fazit: Was könnte man besser machen auf einem Album wie MIDDAY MOON, das dem geneigten Hörer satte Power Metal-Kost der allerersten Güteklasse serviert ? Wahrlich, nicht viel. Die Länge des Albums ist genau richtig, es gibt ausreichend Abwechslung, gleich mehrere Titel könnten als eigenständige, repräsentative Hymnen fungieren. Als einzigen Kritikpunkt, und das ist schon etwas schade; könnte man die noch etwas durchwachsene Produktionsqualität anführen. So ganz glasklar und druckvoll wie es diesen Titeln gebühren sollte, kommen sie nicht rüber. Etwas unglücklich in diesem Zusammenhang ist auch, dass CARDIANT ihre Kompositionen wahrlich voll ausschmücken, sodass es einstweilen etwas schwerfällt die einzelnen Elemente (die auch mal etwas ’schepprig‘ klingen können) auseinanderzuhalten. Würde dieser Fakt den Hörgenuss nicht doch etwas schmälern, wäre eine volle Wertung absolut drin gewesen. So reicht es immer noch zu einer Empfehlung – vielleicht sogar als eines der ambitioniertesten und besten Power Metal-Alben aller Zeiten. Ein absoluter Geheimtipp !

Anspieltipps: ROYAL STRANGER, FALCONEYE, IN ANGER, LIGHT N SMOKE, ALREADY KNOWN, ETYDE LIGHT


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