Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Beyond The Red Mirror (2015)

Alben-Titel: Beyond The Red Mirror
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Januar 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. The Ninth Wave (09:28)
2. Twilight of the Gods (04:50)
3. Prophecies (05:26)
4. At the Edge of Time (06:54)
5. Ashes of Eternity (05:39)
6. The Holy Grail (05:59)
7. The Throne (07:54)
8. Sacred Mind (06:22)
9. Miracle Machine (03:03)
10. Grand Parade (09:28)

Vom Wunderland hinter dem Spiegel.

Gute 5 Jahre nach ihrem neunten Studioalbum AT THE EDGE OF TIME (siehe Review) erschien 2015 das bis heute letztaktuelle BLIND GUARDIAN-Album BEYOND THE RED MIRROR. Und damit auch ein Album, welches die Tradition der Band in vielerlei Hinsicht fortsetzte – und das nicht nur in Bezug auf das fantastische Artwork oder die Anzahl von exakt 10 vollwertigen Alben-Titeln. Mindestens einen Unterschied zum Vorgänger gibt es dann aber doch, und der spielt (wie nicht selten in der hiesigen Diskografie) auf das durchaus ehrenwerte Bestreben der Band an, sich mit ihrem jeweils neuesten Album nicht bloß wiederholen zu wollen. Ehrenwert ist das vor allem deshalb, da man so erst die Chance erhält näher zwischen den Alben der Genre-Pioniere differenzieren zu können – die sich seit dem früh vollzogenen Wandel der Band von einer Speed Metal-Combo in eine auf eine gewisse Epik ausgerichtete Power Metal-Formation allesamt in einem stilistisch gut zueinander passenden Fahrwasser bewegen. Dennoch, und wie sich zeigt birgt diese Form des minimalen, sich aber doch hörbar auswirkenden Neu-Erfindens auch eine gewisse Gefahr. Im größeren Kontext und in Bezug auf die gesamte Diskografie der Band bedeutet dies, dass BLIND GUARDIAN eine der; man nenne es qualitativ abwechslungsreichsten Diskografien überhaupt vorweisen können – und im kleinen Kontext, das heißt in Bezug auf das vorliegende BEYOND THE RED MIRROR; dass sich die Band abermals einen Schritt in eine so nicht unbedingt wünschenswerte Richtung erlaubt hat.

Sicher handelt es sich hierbei um eine etwas zugespitzte Formulierung, aber dennoch: gerade im Vergleich mit dem direkten Vorgänger AT THE EDGE OF TIME macht BEYOND THE RED MIRROR eine wesentlich schlechtere Figur als erwartet. Zwar legen es BLIND GUARDIAN hörbar darauf an, gerade das zu vermeiden – beispielsweise in Form ihrer dieses Mal doch recht üppig inszenierten symphonischen Facette inklusive eines echten Orchesters und Chors. Doch trotz der somit eigentlich zu erwartenden klanglichen Reichhaltigkeit ist das Album kurioserweise alles andere als spannend oder nennenswert facettenreich ausgefallen; oder mehr noch: über weite Strecken klingt es einfach nur ärgerlich langatmig. Woran genau das liegen könnte, ist schwer zu sagen – Fakt ist nur, dass es nicht auf die Leistungen der einzelnen (und der Band schon seit unzähligen Jahren die Treue haltenden) Mitglieder oder aber die zahlreichen anderen am Album beteiligten und dabei ebenfalls ihr Handwerk verstehenden Musikern zurückgeführt werden kann. Wobei, ganz stimmt das nicht – denn letztendlich muss sich ja irgendjemand für das Songwriting und das Konzept als vermutlich einzigen und wahren Knackpunkt von BEYOND THE RED MIRROR verantwortlich zeichnen. Wer genau hier welche Entscheidung zu welchem Zeitpunkt herbeigeführt hat, spielt dabei allerdings keine allzu große Rolle – nur, dass sie sich eher schlecht als recht auf das Album auswirken.

Vielleicht wollten BLIND GUARDIAN aber auch einfach zu viel – worauf bereits der überlange, mit wuchtigen Chor-Passagen ausgestatteter Opener THE NINTH WAVE hinweist. Aber auch wenn insbesondere der Orchester-Auftakt einen für BLIND GUARDIAN eher ungewöhnlichen Eindruck hinterlässt, ist der gar nicht erst das eigentliche Problem. Dieses findet sich schließlich erst im weiteren Verlauf, und folglich auch mit der Entwicklung der Nummer – der dabei ganz offensichtlich einige Stolpersteine in den weg gelegt wurden. Anders sind die stellenweise auftretenden, in Anbetracht des bisherigen Werdegangs der Band überraschend langatmigen und unspektakulären Momente wohl kaum zu erklären – wobei es sich um eine Form der Gleichförmigkeit handelt, die sich unglücklicherweise auch durch den Rest des Albums zieht. Viel zu oft hat man das Gefühl, als würden sich BLIND GUARDIAN aus unbestimmten gründen zurückhalten – was sich hier insbesondere durch die sich stark ähnelnden Strukturen und Stimmungen, das Ausbleiben von nennenswert andersartigen und die Atmosphäre befeuernden Titeln (MIRACLE MACHINE ist eine Ausnahme, aber leider keine besonders gute), das Fehlen von klaren Highlights sowie die relative klanglichen Dissonanzen in Bezug auf die nicht ganz glückliche Abmischungs- und Produktionsarbeit beziehen.

Ein in diesem Fall ebenfalls nicht zu verachtender Kritikpunkt (mit dem die Band im übrigen schon des öfteren zu kämpfen hatte) bezieht sich auf die überlagerten Gesänge sowie die Inszenierung der Chöre, die auf BEYOND THE RED MIRROR einen alles andre als wuchtigen oder ausgewogenen Eindruck hinterlassen – und so dazu führen, dass sich die Nummern noch gleichförmiger anfühlen als ohnehin schon. Aber auch Leadsänger Hansi Kürsch hat schon einmal eine bessere Figur gemacht – was den insgesamt doch eher enttäuschenden Eindruck des Albums unterstreicht. Momentan mag es zwar ein schwacher Trost sein, aber: wenn man so will und der bisher eigentlich immer bei der Betrachtung von BLIND GUARDIAN aufgegangen Rechnung traut, sollte das nächste Album wieder ein Highlight werden…

Absolute Anspieltipps: AT THE EDGE OF TIME, THE HOLY GRAIL


„Das erste deutlicher enttäuschende BLIND GUARDIAN-Album als hoffentlich nur einmaliger Ausrutscher.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – At The Edge Of Time (2010)

Alben-Titel: At The Edge Of Time
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Juli 2010
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. Sacred Worlds (09:17)
2. Tanelorn (Into the Void) (05:58)
3. Road of No Release (06:30)
4. Ride into Obsession (04:46)
5. Curse My Name (05:52)
6. Valkyries (06:38)
7. Control the Divine (05:26)
8. War of the Thrones (04:55)
9. A Voice in the Dark (05:41)
10. Wheel of Time (08:55)

Je knapper die Zeit, umso größer der Schöpfungsdrang ?

Man mag über sie denken was man will, aber: trotz dessen, dass sie schon seit unzähligen Jahren im Geschäft sind, mindestens einen markanten Stilwechsel vollzogen und dabei auch das ein oder andere Experiment gewagt haben; standen die deutschen Power Metaller von BLIND GUARDIAN noch zu keinem Zeitpunkt vor der Gefahr, sich in irgendeiner Form die Blöße zu geben. Dementsprechend – und mal abgesehen von ihrer ohnehin vorhandenen Wegbereiter-Funktion – sind sie mit ihren bis dato veröffentlichten, allesamt rundum zufriedenstellenden Studioalben auch nicht mehr aus der allgemeinen Power Metal-Szene wegzudenken. Dennoch, und das gilt längst nicht nur für BLIND GUARDIAN; ist es nur selten ratsam sich auf seinen bisherigen Erfolgen auszuruhen – weshalb das Bestreben immer neue Höhen zu Erreichen auch noch nach vielen Jahren vorhanden sein kann oder sollte. Zumindest im besten Fall – und glücklicherweise auch in Anbetracht eines Albums wie AT THE EDGE OF TIME, dem mittlerweile neunten offiziellen Langspieler der niemals ruhenden Power Metaller.

Anders gesagt: auch wenn bisher kein einziges BLIND GUARDIAN-Album Schwächen aufwies die den Hörgenuss in einer wirklich nachhaltigen Art und Weise hätten trüben können, ließen die Krefelder hie und da doch etwas Luft nach oben. Was nur verständlich ist, auf die auch bei einer großen Band wie dieser vorhandenen (menschlichen) Makel hinweist – und eine spezifischere Differenzierung zwischen den einzelnen Alben überhaupt erst möglich macht. Während der Vorgänger A TWIST IN THE MYTH (siehe Review) also möglicherweise nicht zum besten gehörte, was die Band der geneigten Hörerschaft jemals präsentiert hatte; schien die Band auf dem 2010 nachgeschobenen AT THE EDGE OF TIME noch einmal deutlich zugelegt zu haben. Und das in mehrerlei Hinsicht – vor allem aber was die an den Tag gelegte Härte, den spürbaren Druck und auch die Ausgewogenheit zwischen antreibend-rassigen Momenten und den für die Band typischen folkloristischen oder balladesken Einschüben betrifft. Betrachtet man den überraschend gut funktionierenden Opener SACRED WORLDS, sicher auch den symphonischen – die bei BLIND GUARDIAN eher selten Verwendung finden, hier aber schon einmal für einen vergleichsweise erfrischenden Alben-Auftakt sorgen.

Schon kurz darauf, und mit Titeln wie TANELORN oder RIDE INTO OBSESSION macht sich die im Gegensatz zum noch etwas luftigeren Vorgänger neu entdeckte Härte und Griffigkeit von BLIND GUARDIAN bemerkbar – die dem Album einen ebenso interessanten wie antreibenden Charakter einverleibt, und die dazwischenliegenden Titel wie etwa das stampfende ROAD OF NO RELEASE oder das für die Band typische Folk-Intermezzo CURSE MY NAME zu wunderbar aufgehenden atmosphärischen Einschüben macht. Was darauf folgt, ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern – läuft dann aber zugegebenermaßen auch mal Gefahr, etwas zu eintönig zu klingen. Während das recht ansprechende VALKYRIES dabei eigentlich nur – und leider – im Refrain schwächelt, wirkt sich das insbesondere bei einer sich nicht wirklich für eine Marschrichtung entscheidenden Nummer wie CONTROL THE DIVINE eher negativ aus. Glücklicherweise haben BLIND GUARDIAN aber noch etwas in Petto – und das ist das höchst geniale Trio aus der fast schon magischen Ballade WAR OF THE THRONES, dem Gassenhauer A VOICE IN THE DARK (der richtigerweise auch als Videosingle ausgekoppelt wurde) sowie dem episch aufgemachten und überlangen Rausschmeißer WHEEL OF TIME; der noch einmal alles abreißt was geht.

Letztendlich handelt es sich damit um ein BLIND GUARDIAN-Album, dass wieder mal einen dezenten Vorsprung gegenüber seinem direkten Vorgänger aufzuweisen vermag – und demnach auch in keiner gut sortierten Power Metal-Sammlung fehlen sollte.

Absolute Anspieltipps: SACRED WORLDS, TANELORN, RIDE INTO OBSESSION, VALKYRIES, A VOICE IN THE DARK, WHEEL OF TIME


„Ein vor allem zum Auftakt und zum Ende immens starkes BLIND GUARDIAN-Album.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – A Twist In The Myth (2006)

Alben-Titel: A Twist In The Myth
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. September 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. This Will Never End (05:07)
2. Otherland (05:14)
3. Turn the Page (04:16)
4. Fly (05:43)
5. Carry the Blessed Home (04:03)
6. Another Stranger Me (04:36)
7. Straight Through the Mirror (05:48)
8. Lionheart (04:15)
9. Skalds and Shadows (03:13)
10. The Edge (04:27)
11. The New Order (04:49)

Ganz so groß ist die Überraschung dann doch nicht.

Gute 4 Jahre nach dem ebenso überraschenden wie überraschend guten A NIGHT AT THE OPERA (2002, siehe Review) legten die angestammten Genre-Pioniere von BLIND GUARDIAN ihr zum Zeitpunkt der Veröffentlichung achtes Studioalbum A TWIST IN THE MYTH nach. Selbiges beinhaltet 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 51 Minuten, kommt mit einem für die Band typisch-fantastischen Artwork daher – und schickte sich an, die ebenso wahnwitzige wie unvergleichliche Erfolgsgeschichte der bereits seit 1984 aktiven Kult-Band fortzusetzen. Ob dies den stets in vielerlei Hinsicht engagierten Recken um Frontmann Hansi Kürsch aber auch tatsächlich gelungen ist, ist eine andere Frage. Denn wie so oft – und speziell in Anbetracht der doch recht turbulenten (und teilweise umstrittenen) Diskografie der Band – zeigte sich, dass auch hinter einer legendären Combo wie BLIND GUARDIAN nur Menschen stecken. Menschen, die sich glücklicherweise als waschechte Vollblut-Musiker profilierten – und der Metal-Welt dabei das ein oder andere hochkarätige, im besten Fall auch bis heute nachhallende Geschenk bereiteten. Gleichzeitig sollte man aber auch von Musikern ausgehen, die in ihrem Geschäft – und im Hinblick auf die nicht selten über viele Jahre (oder Jahrzehnte) aktive Konkurrenz – nicht gänzlich davor gefeit sind, Fehler zu begehen.

Und auch wenn es sich hierbei um eine absichtlich etwas zugespitzte Formulierung handelt – und A TWIST IN THE MYTH folglich weit davon entfernt ist, um als Fehler durchgehen zu können – schienen sich BLIND GUARDIAN nach ihren bis dato an den Tag gelegten Erfolgen erst einmal dezent zurückgelehnt zu haben. Sicher taten sie das nicht wirklich, zumal auch A TWIST IN THE MYTH ein rundum spannendes, vielschichtiges und alles andere als dahingeschludertes Genre-Album ist – doch im Vergleich mit einigen der Vorgänger-Alben konnte sich schlicht kein ähnlich intensiver Eindruck einstellen. In wie weit das zwischenzeitliche Ausscheiden des Gründungsmitgliedes Thomen „The Omen“ Stauch mit einer Feststellung wie dieser korrespondiert oder korrespondieren kann, ist ohne eine intensivere Nachforschung kaum zu belegen – doch vermutlich lag es nicht allein an seinem Weggang. Weitaus wahrscheinlicher ist, dass BLIND GUARDIAN nach seinem Weggang schlicht und ergreifend nicht in ihrer besten Form waren – und das Album so etwas weniger an Kraft, Ausdruck und Variabilität mitbringt, als man es eigentlich von der Band gewöhnt ist.

Vielleicht könnte man auch behaupten, dass A TWIST IN THE MYTH ziemlich genau da weitermacht wo A NIGHT AT THE OPERA aufgehört hatte – nur in einer gefühlt etwas abgespeckteren Version, und folglich auch mit weitaus weniger Überraschungen. Besonders markant ist in diesem Zusammenhang die auf A TWIST ON THE MYTH zusätzlich hervorgehobene Komponente in Richtung einer Rock-Oper – was den insgesamt eher weichen und zugänglich wirkenden Eindruck des Albums auch recht gut beschreibt. Doch das ist nicht das Hauptproblem – wobei es generell schwerfällt wirklich den einen Knackpunkt auszumachen, der so nur auf A TWIST IN THE MYTH vorkommt. Vielmehr steckt der Teufel im Detail, und offenbart sich stets häppchenweise – etwa in Bezug auf die vielen eher harmlos-rockigen Stampfer a’la TURN THE PAGE, CARRY THE BLESSED HOME, ANOTHER STRANGER ME, THE NEW ORDER oder DEAD SOUND OF MISERY. Selbstverständlich gilt auch hier, dass BLIND GUARDIAN ihr Handwerk nicht verlernt haben und selbst in Nummern wie diesen immer wieder auf das ein oder andere Highlight aus sind – beispielsweise in Form von schmackigen Soli. Doch das Gefühl, als würde die Band hier um ihr Leben spielen respektive wirklich alles geben; stellt sich eher nicht ein.

Titel wie der Opener THIS WILL NEVER END, OTHERLAND oder auch das sich erst im weiteren Verlauf entwickelnde FLY schneiden da schon wesentlich besser respektive interessanter ab – wobei es schade ist, dass BLIND GUARDIAN nicht auch hier noch etwas öfter auf das Gaspedal gedrückt haben, und insbesondere die Refrains eher schlecht als recht abschneiden. Mit verantwortlich dafür ist die; man nenne sie einmal dezent ertränkende Klang-Komponente – die durch den recht großzügigen Sound der überlagerten Gesänge dazu führt, dass die Refrains alles andere als differenziert oder einzigartig klingen. Selbstverständlich gilt, dass es sich trotz allem um ein super-solides Genre-Album handelt (und vielleicht sogar eines, dass so manche Konkurrenzband vor Neid erblassen lassen sollte) – doch im Sinne der jeweils herauszupickenden absoluten Highlights der BLIND GUARDIAN-Diskografie sollte man die Rechnung vielleicht doch lieber ohne A TWIST IN THE MYTH machen.

Absolute Anspieltipps: THIS WILL NEVER END, OTHERLAND, SKALDS AND SHADOWS


„Ein nicht gänzlich vor Schwächen gefeites Album aus der BLIND GUARDIAN-Diskografie.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – A Night At The Opera (2002)

Alben-Titel: A Night At The Opera
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. März 2002
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
Marcus Siepen – Guitars
André Olbrich – Guitars
Thomas Stauch – Drums, Percussion

Track-Liste:

1. Precious Jerusalem (06:22)
2. Battlefield (05:37)
3. Under the Ice (05:45)
4. Sadly Sings Destiny (06:05)
5. The Maiden and the Minstrel Knight (05:30)
6. Wait for an Answer (06:30)
7. The Soulforged (05:18)
8. Age of False Innocence (06:06)
9. Punishment Divine (05:45)
10. And Then There Was Silence (14:06)

Geschichten einer verwunschenen Nacht.

Gute 4 Jahre nachdem die deutschen Power Metal-Pioniere von BLIND GUARDIAN ihre Hörer auf eine fantastische Reise in Richtung der Gefilde von Mittelerde eingeladen hatten (NIGHTFALL AT MIDDLE-EARTH, siehe Review) erschien 2002 auch schon das nächste vielversprechende Werk aus der engagierten und allseits bekannten Metal-Schmiede. Selbiges horcht auf den Titel A NIGHT AT THE OPERA, beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 67 Minuten – und bewegte sich im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger etwas weiter weg vom zuvor noch recht üppig behandelten TOLKIEN-Universum. Da die Band aber bereits unter Beweis gestellt hatte, dass die in der Lage wäre so gut wie jede Geschichte in ihrem musikalischen Sinne perfekt aufzubereiten – und dementsprechend auch für ein breiteres Publikum schmackhaft zu machen – war dies auch kein großes Problem. Zumal, und das markiert eine der inhaltlichen Besonderheiten von A NIGHT AT THE OPERA; die gefundene Alternative in Richtung einiger interessanter Begebenheiten aus den Bereichen der Religion sowie der Philosophie bestens zur bis dato an den Tag gelegten Marschrichtung von BLIND GUARDIAN zu passen schien. Nimmt man nun noch die Tatsache hinzu, dass der Alben-Titel selbst eine Hommage an das frühere Schaffen von QUEEN darstellt (die 1975 ein gleichnamiges Album veröffentlichten) – so sollte man von A NIGHT AT THE OPERA alles erwarten können. Nur kein Dasein als allzu engstirniges Album, welches bis auf einige eingefleischte Power Metal- und TOLKIEN-Nerds keine Abnehmer finden würde.

Und doch muss sich auf ein Album wie A NIGHT AT THE OPERA eine gewisse Form der Kritik gefallen lassen. Und das sowohl als Album einer Band, die sich in ihren Anfangsjahren noch als recht zünftig agierenden Speed Metal-Combo inszenierte – als auch als unabhängiges Werk, dass sich in den frühen 2000er Jahren auch mit dem Schaffen der immer weiter gedeihenden Konkurrenz messen lassen musste. Immerhin: BLIND GUARDIAN sind sich auch auf ihrem siebten Studiowerk treu geblieben, und das trotz oder gerade wegen der ab einem Album wie TALES FROM THE TWILIGHT WORLD (Review) vollzogenen Entwicklung hin zu einer der populärsten Power Metal-Bands aus Europa. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger NIGHTFALL ON MIDDLE-EARTH klingt A NIGHT AT THE OPERA auch wieder etwas zugänglicher, was in diesem Falle keinesfalls negativ zu verstehen ist – woran vor allem die recht gut in Szene gesetzten Chöre und harmonischen Gesangsstrukturen einen nicht unerheblichen Anteil haben. Aber auch die allgemein recht; man nenne es reichhaltige Herangehensweise in Bezug auf die vorgesehenen Instrumente und Strukturen weiß schnell zu gefallen. So gibt es hier an so gut wie jeder Ecke etwas zu entdecken – und ein jeder einzelne Titel avanciert zu einem kleinen Festmahl im Hinblick auf die potentielle Bandbreite und die Vielfalt des europäischen Power Metals, den BLIND GUARDIAN hier mit einem recht überzeugenden Engagement und auch der nötigen Glaubwürdigkeit inszenieren.

Anders gesagt: Gefühle wie Langeweile oder Eintönigkeit werden auf einem Album wie diesem vermutlich eher nicht aufkommen – und selbst der Vorwurf, dass einem Album wie A NIGHT AT THE OPERA die nötige Härte und Griffigkeit fehlt; scheint nicht wirklich zu ziehen. Zumindest nicht dieses Mal, und im Gegensatz zu den eventuell etwas schwächeren und noch etwas stärker mäandrierenden Vorgängern. A NIGHT AT THE OPERA wirkt insgesamt stimmig, in sich geschlossen – und schöpft sowohl in Bezug auf die kompositorische Komponente als auch die Leistungen der einzelnen Bandmitglieder aus dem Vollen. Zumindest fast, denn einen potentiellen Nachteil offenbart das Ganze dann doch: durch die Ausstaffierung fast aller Nummern und Momente mit dem jeweils größtmöglichen Aufkommen an schwermetallischen Spielereien, variablen Strukturen und atmosphärischen Einschüben könnte einstweilen der Eindruck entstehen, dass A NIGHT AT THE OPERA Gefahr läuft dezent überladen zu klingen. Vielleicht hätten der ein oder andere in diesem Sinne nicht ganz so ausufernde, den Hörer von allen Seiten mit verschiedenen Eindrücken bombardierende Moment dem Album tatsächlich ganz gut getan – doch da es nun einmal nur das eine A NIGHT AT THE OPERA gibt, muss man auch mit diesem Vorlieb nehmen.

Und das gelingt in Anbetracht der schieren Wucht und Präsenz des Albums auch recht gut, wobei die Highlights hier für sich sprechen: das vermutlich am wenigsten Metal-lastige, von Hansi Kürsch aber vortrefflich dargebotene und auch sonst enorm atmosphärische THE MAIDEN AND THE MINSTREL, das überlange und mit vielen klassischen Bezügen gespickte AND THEN THERE WAY SILENCE inklusive seiner fast schon hypnotischen, mit der Größe einer Band wie QUEEN zweifelsohne vereinbarenden Wirkung; das hier vergleichsweise gradlinig abschneidende THE SOULFORGED mit seiner starken Gitarren-Komponente oder PUNISHMENT DIVINE als wohl aggressivste Nummer des Albums. Letztendlich kann A NIGHT AT THE OPERA damit relativ kompromißlos überzeugen – wobei man vielleicht sogar von der endgültigen Untermauerung eben jenes Konzeptes sprechen könnte, für das sich BLIND GUARDIAN auf ihren in den 90er Jahren veröffentlichten Alben entschieden hatten. Der Kreis zu den sehr guten frühen Alben BATTALIONS OF FEAR (Review), FOLLOW THE BLIND (Review) und TALES FROM THE TWILIGHT WORLD (Review) scheint sich jedenfalls langsam aber sicher zu schließen.

Absolute Anspieltipps: BATTLEFIELD, THE MAIDEN AND THE MINSTREL KNIGHT, THE SOULFORGED


„Ein vielfältiges und äußerst unterhaltsames BLIND GUARDIAN-Album.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Nightfall In Middle-Earth (1998)

Alben-Titel: Nightfall In Middle-Earth
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. April 1998
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. War of Wrath (01:50)
2. Into the Storm (04:24)
3. Lammoth (00:28)
4. Nightfall (05:34)
5. The Minstrel (00:32)
6. The Curse of Feanor (05:41)
7. Captured (00:26)
8. Blood Tears (05:23)
9. Mirror Mirror (05:06)
10. Face the Truth (00:24)
11. Noldor (Dead Winter Reigns) (06:51)
12. Battle of Sudden Flame (00:43)
13. Time Stands Still (At the Iron Hill) (04:53)
14. The Dark Elf (00:23)
15. Thorn (06:18)
16. The Eldar (03:39)
17. Nom the Wise (00:33)
18. When Sorrow Sang (04:25)
19. Out on the Water (00:44)
20. The Steadfast (00:21)
21. A Dark Passage (06:01)
22. Final Chapter (Thus Ends…) (00:48)

Man nehme sich mal wieder Zeit für ein gutes Buch, oder…

Die Tätigkeit etwaige Power Metal-Diskografien im Sinne eines Blogs wie dem gerade gelesenen aufzuarbeiten kann schon mal zu einer etwas ermüdenden Angelegenheit werden. Und das trotz des potentiell hochkarätigen Materials welches – natürlich nur im besten Fall – einer entsprechenden Entdeckung harrt. Bei den Kollegen von BLIND GUARDIAN sieht die Sache aber etwas anders aus – schließlich lieferte die bereits 1984 als LUCIFERS HERITAGE gegründete Metal-Combo nicht nur relativ kontinuierlich gute bis herausragende Genre-Alben ab – sondern sorgte im Laufe der Jahre auch für die ein oder andere, unter Umständen sogar bis heute streitbare Überraschung. Die erste größere war dabei sicherlich die Entwicklung, die die Band von den ersten beiden Alben BATTALIONS OF FEAR (siehe Review) und FOLLOW THE BLIND (Review) hin zu ihren schon deutlicher einem fantastisch angehauchten europäischen Power Metal zuzuordnenden Werken TALES FROM THE TWILIGHT WORLD (Review) und SOMEWHERE FAR BEYOND (Review) an den Tag legte. Eines aber hatten BLIND GUARDIAN bis dato noch nicht gewagt, und das trotz des engagierten Ausprobierens ins viele erdenkliche Richtungen: ein Konzeptalbum abzuliefern, dass gleich in mehrerlei Hinsicht mit den bisherigen Releases brechen und den Status der Band mit einer noch markanteren Einzigartigkeit versehen würde. Vorausgesetzt natürlich, man würde die angestammten Fans nicht allzu sehr vergrätzen.

Interessanterweise neigen manche dazu, genau das vom 1998 veröffentlichten NIGHTFALL IN MIDDLE-EARTH zu behaupten. Und das vornehmlich, da BLIND GUARDIAN hier auf ein explizit ausgeführtes Fantasy-Konzept mit einer großen, durch zahlreiche Interludes vorangetriebenen Geschichte setzten – und andererseits, da sie sich in den eigentlichen Haupt-Titeln nicht immer von ihrer schlagkräftigsten Seite inszenierten. Tatsächlich sind diese beiden Kritikpunkte auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen – insbesondere natürlich, was die mit recht beliebig erscheinenden Sprechpassagen und Hörspielelementen versehenen Interludes angeht. Nicht nur dass selbige ein gewisses Grundwissen voraussetzen und den Fluss des Albums teils merklich stören können – auch besitzen sie für sich betrachtet keine wie auch immer geartete musikalische Wertigkeit. Letztendlich wird einem also kaum etwas anderes übrig bleiben, als das Album auf das absolut Wesentliche zu reduzieren – was hier noch immer in einem potentiellen Genuss von 11 vollwertigen BLIND GUARDIAN-Titel mündet. Das Problem: wenngleich sich BLIND GUARDIAN spürbar bemühten, sowohl eine möglichst dichte Atmosphäre zu generieren als auch für einen größtmöglichen musikalischen Abwechslungsreichtum zu sorgen; scheint das Konzept hier einfach nicht wirklich aufzugehen. Zumindest nicht so wie erwartet und wie von der Band erhofft – woran auch die alles andere als spärlich gesäten Durststrecken (und das nicht nur in Form der Interludes) einen nicht unerheblichen Anteil haben.

So ist es einerseits schön zu sehen (und zu hören), dass sich die Band nach ihrem deutlich raueren und im schlimmsten Fall auch als dezent orientierungslos zu bezeichnenden Vorgänger IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE (Review) aufmachte, ein neues musikalisches Kapitel zu schreiben und ihrer Diskografie eine weitere interessante Facette hinzuzufügen – doch andererseits kann man im Fall von NIGHTFALL ON MIDDLE-EARTH einfach nicht von einem nennenswert mitreißenden Genre-Album sprechen. Sicher, die Pionierarbeit die BLIND GUARDIAN im Sinne des gegen Ende der 90er Jahre in Europa aufkommenden Symphonic Power Metal-Genres leisteten; ist ihnen keinesfalls abzusprechen. Manchmal ist das Leben aber einfach etwas ungerecht – was in diesem Fall bedeutet, dass es etwaige spätere Nachahmer (oder jene, die sich in einem positiven Sinne von einem Werk wie NIGHTFALL ON MIDDLE-EARTH inspirieren ließen) möglicherweise doch etwas besser gemacht haben als BLIND GUARDIAN mit ihrer frühen Vorlage. Auch wenn das Album durchaus seine Stärken besitzt – und das vornehmlich im Bereich des Handwerks, des Leadgesangs und der soliden Ausführung der auf den ersten Blick deutlich unscheinbareren oder explizit balladesken Momente (wie in THE ELDAR), fehlt NIGHTFALL ON MIDDLE-EARTH schlicht der letzte Schliff – oder vielleicht auch einfach nur eine Extraportion Kraft, wie sie auf dem Album viel zu selten zu spüren ist. Mit Ausnahme einer relativen Über-Hymne vom Schlage eines MIRROR MIRROR. Wobei aber auch hier gilt, dass nicht alles Gold ist was glänzt – und die typisch-überlagerten und gewissermaßen einen Chor imitierenden Gesänge von Hansi Kürsch (die überdies in nicht gerade wenigen Titeln Verwendung finden) nicht jedermann gefallen werden.

Davon abgesehen bleibt das Album aber viel zu handzahm, wofür man nicht erst einen Vergleich mit der früheren Schlagkraft der Band anberaumen muss. Sicher ist grundsätzlich nichts falsch daran, als Band auch mal eine etwas behutsamere; hier eher in Richtung pointierter balladesker und folkloristischer Elemente zielende Herangehensweise auszuprobieren. Doch wenn dabei fast schon kläglich langwierig erscheinende Momente wie etwa in NOLDOR herauskommen, sieht die Sache schon etwas anders aus. Zumal es sich hierbei längst nicht um den einzigen Moment handelt, in dem sich BLIND GUARDIAN gefühlt etwas zurückgehalten hatten – und zwar durchaus mit einer gewissen musikalischen Raffinesse und Qualität, aber eben weniger mit einem ihnen so wirklich abzunehmenden Gefühl agierten. Natürlich handelt es sich hierbei um eine Kritik auf einem vergleichsweise hohen Niveau, und Fans der Band werden auch dieses Release kaum missen möchten; Gründe dafür gibt es noch immer genug – doch für andere Gelegenheiten (wie etwa Nicht-Kennern der Band ein möglichst aussagekräftiges Werk vorzustellen) eignet sich NIGHTFALL ON MIDDLE-EARTH vermutlich eher weniger.

Absolute Anspieltipps: MIRROR MIRROR, THORN


„Ein durchwachsenes BLIND GUARDIAN-Album, welches bei weitem nicht so spektakulär ist wie sein Ruf.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Imaginations From The Other Side (1995)

Alben-Titel: Imaginations From The Other Side
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 05. April 1995
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Imaginations from the Other Side (07:19)
2. I’m Alive (05:31)
3. A Past and Future Secret (03:48)
4. The Script for My Requiem (06:09)
5. Mordred’s Song (05:28)
6. Born in a Mourning Hall (05:14)
7. Bright Eyes (05:16)
8. Another Holy War (04:32)
9. And the Story Ends (06:00)

Vom grünen Gras und der anderen Seite.

IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE ist das fünfte offizielle Studioalbum aus der illustren Diskografie von BLIND GUARDIAN – einer bereits im Jahre 1984 als LUCIFER’S HERITAGE gegründeten Speed- und Power Metal-Combo, die im Laufe der Jahre eine immer größere Fanbase gewann und sich dabei nicht von ungefähr einen gewissen Kultstatus sichern konnte. Neben der für den Sound von BLIND GUARDIAN maßgeblichen Entwicklung, die die Band insbesondere zu Beginn der 90er Jahre durchmachte; sollte es in Bezug auf den weiteren Werdegang der Power Metal-Pioniere aber weit mehr als nur einmal spannend werden. Einer der diesbezüglich interessanteren – und unter Umständen auch kritischen – Momente bezieht sich dabei auf die von der Band an den Tag gelegte Kontinuität oder auch Stilsicherheit, die zur Mitte der 90er Jahre und speziell in Anbetracht eines Release wie IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE noch gewissen Schwankungen ausgesetzt war.

Im Falle dieses Albums von einer genau so erwarteten, den bisherigen Werdegang der Band gewissermaßen sinnig fortführenden Maßnahme zu sprechen trifft es schließlich nicht wirklich. Anders gesagt: so zielstrebig und entschlossen wie der direkte Vorgänger SOMEWHERE FAR BEYOND klingt das Album nicht. Vielmehr scheint es, als wären BLIND GUARDIAN inmitten einer für sie maßgeblichen Experimentierphase gewesen – eben jener, die sich für den weiteren Werdegang der Band als geradezu essentiell herausstellen sollte. Der zweifelsohne interessante, aber eben auch alles andere als vollständig überzeugende Opener und Titeltrack IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE gibt hier einen ersten Hinweis: am ehesten scheint es, als hätten BLIND GUARDIAN hier versucht die Vorzüge des Vorgängers mit der unbändigen Kraft und Härte ihrer noch früheren Alben zu verbinden. Im Endergebnis aber entsteht ein so nicht unbedingt erwartetes Durcheinander – und ein Gefühl, dass Blind GUARDIAN hier noch weit hinter ihren eigentlichen Möglichkeiten (oder auch ihrer Effektivität) zurückgeblieben sind.

Eben dieses Gefühl ist es dann auch, welches einige der noch folgenden Nummern begleitet. Mit ein Grund dafür könnte auch das Zusammenspiel der instrumentalen Strukturen und der Stimme von Hansi Kürsch sein – die man zweifelsfrei als unverkennbar bezeichnen kann, sich im Falle von IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE aber durchaus den ein oder anderen Ausrutscher in eine zu forcierte, zu aggressive und zu überspitzte Richtung leistet. Das Problem ist hier aber weniger die raue und letztendlich eher wenig Feingefühl zulassende Herangehensweise selbst – sondern vielmehr die Tatsache, dass die Nummern dennoch nicht kräftiger oder antreibender klingen als beispielsweise das auf FOLLOW THE BLIND enthaltene Material. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat auch die Abmischungs- und Produktionsarbeit, die insgesamt eher auf den Gesang ausgerichtet zu sein scheint – und die Kompositionen weit weniger spektakulär und druckvoll dastehen lässt, als es potentiell möglich gewesen wäre.

Doch sind dies noch nicht alle der eventuell aufkommenden Probleme – schließlich zeigen sich insbesondere in Bezug auf die überlagerten Gesänge und Hintergrundchöre kleinere Mankos oder eher Wiederholungs-Effekte. So offenbart IMAGINATIONS FROM THE SIDE als erstes BLIND GUARDIAN-Album bis 1995 expliziter, dass einige von der Band inszenierten Soundelemente dazu neigen, sich zu wiederholen. Das gilt insbesondere für die sich oft recht ähnlich anfühlende Gangart der Refrains, aber eben auch in Bezug auf die wenig Spielraum offenbarende Darbietung von Hansi Kürsch. Die Sache nicht gerade besser macht dann ausgerechnet das vielversprechende MORDRED’S SONG als Zwitter-Wesen irgendwo zwischen atmosphärischer Ballade und knackigem Stampfer – die Gesangsstrukturen klingen ärgerlich unvorteilhaft, und auch an den Instrumenten gibt es bis auf den Soli-Part wenig zu holen.

Immerhin; und zur Beschwichtigung haben BLIND GUARDIAN spätestens mit der herausragenden Ballade A PAST AND FUTURE SECRET aufgezeigt, dass sie auch bestens mit eher ruhigen Stimmungen umgehen und dabei auch ohne das Bedienen von gängigen Klischees echte Emotionen entstehen lassen können – zumal die durch ihre harsche Gangart in den Strophen sowie den eingängigeren Momenten in den Refrains doch noch relativ problemlos zündenden Hymnen THE SCRIPT FOR MY REQUIEM, BORN IN A MOURNING HALL und ANOTHER HOLY WAR doch noch für sich sprechen. Dennoch, und wenn es nur eine Tendenz ist: die zuvor veröffentlichten Alben schienen noch ein stückweit stärker zu sein als IMAGINATIONS FROM THE THE OTHER SIDE.

Absolute Anspieltipps: A PAST AND FUTURE SECRET, THE SCRIPT FOR MY REQUIEM, BORN IN A MOURNING HALL


„Der letzte Schliff fehlt – es bleibt aber bei einem guten BLIND GUARDIAN-Album.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Somewhere Far Beyond (1992)

Alben-Titel: Somewhere Far Beyond
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Juni 1992
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Armin Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Time What Is Time (05:46)
2. Journey Through the Dark (04:48)
3. Black Chamber (00:58)
4. Theatre of Pain (04:17)
5. The Quest for Tanelorn (05:57)
6. Ashes to Ashes (06:00)
7. The Bard’s Song – In the Forest (03:10)
8. The Bard’s Song – The Hobbit (03:54)
9. The Piper’s Calling (00:59)
10. Somewhere Far Beyond (07:30)
11. Spread Your Wings (Queen cover) (04:15)
12. Trial by Fire (Satan cover) (03:45)
13. Theatre of Pain (Classic Version) (04:15)

Was ist schon Zeit…

Ja, die späten 80er und frühen 90er waren eine gute Zeit für den europäischen Power Metal. Und das nicht zuletzt dank der frühen Ambitionen der drei vielleicht größten und für das Genre maßgeblichsten Bands, die glücklicherweise auch heute noch aktiv sind – und ihr musikalisches Erbe so gesehen mit vielen anderen, neueren Combos teilen. Dass die Rede hier hauptsächlich von HELLOWEEN, GAMMA RAY und BLIND GUARDIAN ist sollte eigentlich keine allzu große Überraschung sein – zumal insbesondere die jeweils frühesten Alben der Bands einen bis heute nachhallenden Eindruck hinterlassen haben. Im Falle von BLIND GUARDIAN wären das etwa das Debütalbum BATTALIONS OF FEAR (siehe Review), der Nachfolger FOLLOW THE BLIND (Review) und sicher auch das 1990 erschienene TALES FROM THE TWILIGHT WORLD (Review) – das als erstes Album dezent mit den bis dato von der Band an den Tag gelegten Gewohnheiten gebrochen hatte. Und das vornehmlich, indem es die deutschen Genre-Urgesteine nicht mehr nur von einer relativ explizit dem Speed Metal zuzuordnenden Seite zeigte – und Platz bot für jene Strömungen, mit der sich die Band wenig später endgültig profilieren sollte. Auf einem sowohl stilistisch als auch qualitativ mit dem Werk von HELLOWEEN und GAMMA RAY gleichzusetzenden Niveau, versteht sich.

Auch das 1992 veröffentlichte, vierte BLIND GUARDIAN-Studioalbum SOMEWHERE FAR BEYOND war ein wichtiger Meilenstein auf eben diesem Weg – schließlich hatten die Power Metal-Recken hörbar an ihrer Symbiose aus kräftigen Elementen des Speed Metal, dem mit mehr als nur einem Auge in Richtung TOLKIEN schielenden Fantasy-Kontext sowie der ebenso melodischen wie antreibenden Spielart des Power Metal gearbeitet. In der Folge entstanden Nummern wie der hier vertretene Opener TIME WHAT IS TIME oder das darauf folgende JOURNEY THROUGH THE DARK – die grundsätzlich alles beinhalten, was der geneigte Genre-Konsument als angenehm empfinden sollte. Seien es die knackig und alles andere als spannungsarm inszenierten Strophen, die melodisch-hymnischen Refrains, die extravaganten Soli-Parts oder die alles abrundenden handwerklichen Leistungen der Mitglieder – viel auszusetzen gab und gibt es hier nicht.

Neben den gewissermaßen zu erwartenden, typischen BLIND GUARDIAN-Brechern enthält SOMEWHERE FAR BEYOND dann aber auch eine größere Portion jener Elemente; die die Band schon auf dem Vorgänger TALES FROM THE TWILIGHT WORLD angedeutet hatte. Interessant ist, dass man ausgerechnet in Bezug auf eben diese von einer gewissen Zweischneidigkeit sprechen könnte; denn: einerseits schlossen sie die Verwandlung von BLIND GUARDIAN zu einer der bekanntesten, beliebtesten und unverkennbarsten Genre-Combos überhaupt ab – andererseits aber hatten sie das musikalische Konstrukt der Barden teils hörbar aufgeweicht. Zumindest wenn man so will, und in einem direkten Vergleich mit den insgesamt doch etwas zünftiger voranpreschenden Vorgängern. Das ist generell nichts schlechtes, ändert nichts an der letztendlich offenbarten musikalischen Qualität und spielt hier vornehmlich auf die doch recht großzügig in Szene gesetzte akustische Seite der Band an – sollte aber gerade in Bezug auf jene Erwähnung finden, die die alten BLIND GUARDIAN lieb gewonnen hatten und Veränderungen generell kritisch gegenüberstehen.

So muss letztendlich ein jeder für sich selbst entscheiden, ob er sanftere Zwischenspiele wie BLACK CHAMBER, den längst als kultig geltenden sanften ersten Teil von THE BARD’S SONG oder das zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftige Dudelsack-Intermezzo in THE PIPER’S CALLING nun als atmosphärische Aufwertungen oder Maßnahmen im blick auf einen noch variantenreicheren Sound der Band betrachtet – oder doch nur als eigentlich unnötiges Füllwerk. Immerhin: bei einer Nummer wie THEATRE OF PAIN, das die Band ebenfalls von einer bis dato unbekannten Seite zeigt; sollte die Entscheidung schon wesentlich leichter fallen. Die recht klassische, angenehm stampfende und gesanglich herausragende Darbietung passt einfach zu BLIND GUARDIAN – ob nun in der regulären Version oder die symphonischen Anteile noch mehr hervo4hebenden Bonus-Variante. Das wirkliche Highlight des Albums ist dann aber vermutlich erst der Titeltrack SOMEWHERE FAR BEYOND – der noch einmal alles abräumt was geht.

Absolute Anspieltipps: TIME WHAT IS TIME, SOMEWHERE FAR BEYOND


„Ein weiteres nicht zu verachtendes Werk aus einer der spannendsten Genre-Diskografien überhaupt.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Tales From The Twilight World (1990)

Alben-Titel: Tales From The Twilight World
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. Oktober 1990
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power / Speed Metal
Label: No Remorse Records

Alben-Lineup:

Thomen Stauch – Drums
Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars

Track-Liste:

1. Traveler in Time (06:02)
2. Welcome to Dying (04:50)
3. Weird Dreams (01:22)
4. Lord of the Rings (03:18)
5. Goodbye My Friend (05:36)
6. Lost in the Twilight Hall (06:02)
7. Tommyknockers (05:13)
8. Altair 4 (02:27)
9. The Last Candle (06:02)

Geschichten aus der Zwischenwelt.

Man erinnert sich: in einer Zeit, die für die Entwicklung des europäischen Power Metals kaum spannender hätte sein können; machte sich neben ebenfalls enorm früh aktiv gewordenen Genre-Pionieren wie HELLOWEEN eine zunächst als LUCIFER’S HERITAGE durchgestartete Combo auf, die hiesige musikalische Welt im Sturm zu erobern. Wie man heute weiß, ist ihnen das auch zweifelsohne gelungen: nach der Umbenennung in BLIND GUARDIAN und der Veröffentlichung des Debütalbum BATTALIONS OF FEAR (1988, siehe Review) war die deutsche Band alsbald in aller Munde. Und das auch oder gerade weil BLIND GUARDIAN im Gegensatz zu ihren frühen Mitstreitern auf eine vergleichsweise harsche Gangart mit Anleihen aus dem Speed- und Thrash Metal setzten – und so weniger als Konkurrenzband denn als vielversprechende Alternative betrachtet werden konnten. Nach dem ebenfalls im Geiste des Debütalbums verwirklichten zweiten Album FOLLOW THE BLIND (Review) erschien 1990 das vorliegende TALES FROM THE TWILIGHT WORLD – und damit auch das erste BLIND GUARDIAN-Album, welches die bisher eingeschlagenen Genre-Pfade mehr oder weniger dezent ausgeweitet und den Weg für den späteren Sound der Band geebnet hatte.

Denn, und das fällt nicht erst in Anbetracht eines für die damaligen BLIND GUARDIAN eher ungewöhnlichen Titels wie LORD OF THE RINGS auf: im Gegensatz zu den beiden Vorgängern weist TALES FROM THE TWILIGHT WORLD schon wesentlich mehr jener Anteile auf, die man im allgemeinen dem klassischen oder auch typisch europäischen Power Metal zuordnen würde. Das schöne dabei ist, dass BLIND GUARDIAN ihre Speed Metal-Vergangenheit aber niemals gänzlich abgelegt hatten – und das Album so eine bis dato erstmalige Symbiose aus enorm griffigen Metal-Elementen und einer so noch nicht von der Band gekannten hymnischen Komponente markiert. Eine Komponente, die dabei nicht von jedermann gleich gut aufgenommen wurde – aber offensichtlich ebenso sehr zu BLIND GUARDIAN gehört wie der hiesige Frontmann Hansi Kürsch. Überhaupt scheint es gerade die erstmals auf TALES FROM THE TWILIGHT WORLD anberaumte Kombination aus verschiedenen Soundelementen und Gangarten zu sein, die der noch jungen Band den letzten Schliff verpasste – und ihr ihren bis heute erhalten gebliebenen Status sicherte.

Anders gesagt: es ist nur gut und richtig, dass Nummern wie etwa der Opener TRAVELER IN TIME, das mächtige LOST IN THE TWILIGHT HALL oder der Rausschmeißer THE LAST CANDLE eben so gehalten sind wie sie es sind – also etwa mit extrem eingängigen und hymnischen Refrains versehen sind, die die sonst recht gradlinig und kräftig tönende Angelegenheit in einem positiven Sinne auflockern. Das gilt im übrigen auch für die teils furiosen Soli-Parts, mit denen BLIND GUARDIAN nicht gerade spärlich umgegangen sind – was sich lediglich beim etwas zu wilden WELCOME TO DYING als störend erweisen könnte. Überhaupt scheint die einzige Schwäche des Albums darin begründet zu liegen, dass es BLIND GUARDIAN schlicht verpasst haben ihrem dritten Studiowerk noch etwas mehr Abwechslung einzuverleiben – immerhin weichen selbst das Instrumental WEIRD DREAMS, das quasi-Zwischenspiel ALTAIR 4 oder das frech polternde TOMMYKNOCKERS kaum von der generell auf dem Album veranschlagten Marschrichtung ab. Das bedeutet vornehmlich, dass BLIND GUARDIAN hier so gut wie nie ihren Fuß vom Gaspedal nehmen, innerhalb der einzelnen Titel relativ ähnlich mit den Gitarren umgehen – und sich auch Hansi Kürsch nicht gerade von seiner variabelsten Seite zeigt.

Wen das nicht stört, und wer generell nichts gegen eine kleine Erweiterung oder auch Auflockerung des auf den beiden Vorgängern inszenierten Sounds einzuwenden hat; der wird mit TALES FROM THE TWILIGHT WORLD aber problemlos und im besten Fall auch nachhaltig glücklich werden können.

Absolute Anspieltipps: TRAVELER IN TIME, LORD OF THE RINGS, LOST IN THE TWILIGHT HALL


„Ein im wahrsten Sinne des Wortes umwerfendes Speed- und Power Metal-Album.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Follow The Blind (1989)

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Alben-Titel: Follow The Blind
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. April 1989
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power / Speed Metal
Label: No Remorse Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Bass, Vocals
André Olbrich – Guitars, Vocals (backing)
Marcus Siepen – Guitars, Vocals (backing)
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Inquisition (00:41)
2. Banish from Sanctuary (05:28)
3. Damned for All Time (05:00)
4. Follow the Blind (07:13)
5. Hall of the King (04:17)
6. Fast to Madness (05:59)
7. Beyond the Ice (03:31)
8. Valhalla (04:57)
9. Barbara Ann – The Regents Cover (01:43)

Speed Metal-Gewitter der allerersten Güteklasse ?

Mit ihrem zweiten Langspieler FOLLOW THE BLIND machten BLIND GUARDIAN im Jahr 1989 da weiter, wo sie mit ihrem furiosen Debütalbum BATTALIONS OF FEAR (Review) angefangen hatten. Im Original als Vinyl mit einer A- und B-Seite veröffentlicht beinhaltet es 7 vollwertige Titel, ein Instrumental und ein Cover – mit einer Gesamtspielzeit von knapp 38 Minuten. 38 Minuten, die auch heute noch wie im Fluge vergehen – und die die frühe musikalische Orientierung der Band hinsichtlich eines kräftigen, beinahe schon dem Trash Metal zuzuordnenden Power- respektive Speed Metal geradezu zelebriert. Im Gegensatz zu den Kollegen von HELLOWEEN und ihren früheren Werken – die für das Genre mindestens ebenso wichtig waren wie nun auch das Schaffen von BLIND GUARDIAN – etabliert FOLLOW THE BLIND somit auch eine etwas andere Atmosphäre. Eine etwas düsterere und wuchtigere möchte man sagen (trotz auch hier vorhandener Selbstironie) – die mindestens ebenso enthusiastisch und glaubwürdig transportiert wird wie frühere Werke anderer Pionier-Bands; BLIND GUARDIAN aber noch einmal zusätzlich von der Masse abhebt.

Und so kannte man auf FOLLOW THE BLIND auch nur eine Marschrichtung – es geht stets nach vorn, und das in einer zumeist relativ rauen Manier. Während das etwas fremdartig klingende Intro mit seinen verzerrten klassischen Gesängen noch zu vernachlässigen ist; zeigt bereits der Opener BANISH FROM SACTUARY auf, womit auf diesem Album zu rechnen ist – mit einer Extraportion Tempo, Kraft und wie auch schon auf dem Debüt hervorragenden handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder. Hinzu kommt das gelungene, zielstrebige Songwriting und die von einer gewissen Urkraft gekennzeichnete Performance von Leadsänger Hansi Kürsch. Der bildet eine schiere Einheit mit den Instrumentalkulissen; und wird nur hie und da von schmackigen Männerchören unterstützt – die nicht allzu pompös klingen und sich perfekt in das allgemeine Soundgewand der frühen BLIDN GUARDIAN einfügen. Der einzige Knackpunkt ist, auch wenn es sich zunächst nicht danach anhören mag; dass jene Stärken auf das gesamte Album zu beziehen sind. Das heißt de facto, dass es keine Ausfälle gibt und auch so gut wie nie vom Gaspedal gegangen wird (mit Ausnahme des Titeltracks) – doch gerade das führt einstweilen zu einem etwas gleichförmigen Eindruck. BANISH FROM SANCTUARY, DAMNED FOR ALL TIME, HALL OF THE KING und FAST TO MADNESS sind zwar alles andere als identische Nummern – aber doch solche vom gleichen Schlag.

Hier hätten etwas mehr Variationen sicherlich gut getan – einstweilen scheinen sich die Drumming-Parts und auch die Riffs stark zu ähneln. Umso angenehmer ist es dann auch, eine Nummer wie BEYOND THE ICE zu erreichen – wobei es sich um das einzige Instrumentalstück des Albums handelt. Hier stehen die Leadgitarren klar im Fokus, was sich äußerst gut macht – und einmal mehr aufzeigt, was BLIND GUARDIAN alles auf dem Kasten hatten respektive haben. Mindestens ebenso schön und überraschend ist dann auch VALHALLA – da es sich hier um eine Nummer handelt, bei der der Fokus einmal mehr auf den Refrain gelegt wird. Der fällt entsprechend eingängig und melodisch aus – der Gastauftritt von Kai Hansen rundet die Sache eindeutig in Richtung einer zeitlosen Genre-Hymne ab. Auch DON’T BREAK THE CIRCLE vermag es dann noch einmal für einen frischen Eindruck zu sorgen; ebenso wie das unterhaltsame Cover zu BARBARA ANN.

FOLLOW THE BLIND kann insgesamt zwar nicht mehr mit dem Überraschungs-Bonus des ersten BLIND GUARDIAN-Albums punkten, steckt hinsichtlich seiner Qualität aber kaum etwas hinter dem legendären Debüt zurück. Das einzige Problem könnte der etwas zu gleichförmige Eindruck sein, der sich vor allem durch die erste Alben-Hälfte zieht – wirkliche Highlights sind bis auf den vieles vorwegnehmenden Opner nicht auszumachen. Bis, ja bis es dann hinüber in die zweite Albenhälfte geht – wo sich mit dem Instrumental BEYOND THE ICE und der außergewöhnlichen Hymne VALHALLA mindestens zwei Nummern finden, die man hinsichtlich ihrer zeitlosen Wirkungskraft kaum überbieten kann. Im Endergebnis führt das noch immer zu einem reichlich soliden Album – aber eventuell keinem unantastbaren Meisterwerk. Sicher, die BLIND GUARDIAN-Diskografie ist eine besondere – aber auch hier sollte man zumindest leicht differenzieren.

Absolute Anspieltipps: BANISH FROM SANCTUARY, BEYOND THE ICE, VALHALLA


„Nicht mehr ganz so einschlagend wie das Debüt, aber noch immer verdammt stark. „

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Battalions Of Fear (1988)

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Alben-Titel: Battalions Of Fear
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. Februar 1988
Land: Deutschland
Stil / Genre: Speed Metal
Label: No Remorse Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Bass, Vocals
André Olbrich – Guitars, Vocals (backing)
Marcus Siepen – Guitars, Vocals (backing)
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Majesty (07:31)
2. Guardian of the Blind (05:12)
3. Trial by the Archon (01:45)
4. Wizard’s Crown (03:50)
5. Run for the Night (03:36)
6. The Martyr (06:18)
7. Battalions of Fear (06:09)
8. By the Gates of Moria (02:53)

Die Geburt einer Legende.

Kurz nachdem eine neuartige Spielart des Metal erstmals über den deutschen Musikmarkt fegte und mit HELLOWEEN’s ersten Studiowerken salonfähig gemacht wurde, folgten zahlreiche Bands die auf den Zug der immer größeren Power Metal-Bewegung aufgesprungen sind. Die ersten wichtigen Kandidaten, die den deutschen Urgesteinen dabei in nichts nachstanden waren BLIND GUARDIAN – die auf eine ganz ähnliche Spielart im Bereich des Speed Metals setzten. Und, die ihre Fähigkeiten erstmals mit BATTALIONS OF FEAR unter Beweis stellen konnten. Das bereits zu Beginn des Jahres 1988 veröffentlichte Album genießt dabei bei vielen Hörern einen legendären Status – was leicht dahergesagt erscheint; sich aber spätestens dann bestätigt wenn man den Silberling einmal einlegt und komplett durchhört. Dass fällt nicht nur in Anbetracht der kurzen Spieldauer von knapp unter 40 Minuten leicht – sondern auch, da BLIND GUARDIAN hier eine besondere Form der Energie versprühen, die es so gut wie unmöglich macht sich der Wirkungskraft dieses Release zu entziehen.

Das mag mitunter auch daran liegen, dass das Album auf mindestens zweierlei Art und Weise charmant erscheint: zum einen klingt BATTALIONS OF FEAR schlicht nach einem besonders zeitlosen, aber eben doch in den 80er-Jahren zu verortenden Musikwerk; und zum anderen sorgen das allgemeine Tempo und die alles andere als glatt geschliffene Produktion für einen schön rauen und ungekünstelten Eindruck. Wie auch die Tatsache, dass mit André Olbrich und Marcus Siepen zwar enorm starke Gitarristen am werkeln sind – und man erst gar keine anderen Spielereien braucht, um das Album schön gehaltvoll (in Bezug auf die Instrumentalkulisse) klingen zu lassen. Das selbe gilt dann wohl auch für den eigentlichen Inhalt und die Aussagekraft des Albums; wobei es letztendlich gar keine so große Rolle spielt was hier besungen wird. Wenn ein Album derart ehrlich und, man nenne es straightforward klingt; so hat es zu Recht die Geschichte des Power Metals beeinflusst respektive gar maßgeblich geprägt.

Entsprechend schwer wird es auch, sich einzelne Nummern herauszupicken – man kann und sollte sie alle genießen; selbst das Interludium TRIAL BY ARCHON – welches ebenfalls und trotz seiner Kürze kongenial ausfällt. Die volle Ladung ungekünstelter und sich direkt in das Gedächtnis brennender Riffs, Soli und einen Leadgesang der sich gewaschen hat; findet sich dann an allen anderen Stellen – mit dem wahrlich heftigen MAJESTY als Vorbote. Überhaupt verdient die Leistung von Hansi Kürsch alle nur erdenklichen Lobpreisungen – er scheint geradezu vor Kraft zu explodieren, bleibt aber dennoch stets im Rhythmus und klingt trotz der anberaumten Aggressivität auf seine ganz eigene Art und Weise emotional. Gänsehaut ist dann auch bei einem Refrain wie GUARDIAN OF THE BLIND garantiert – einer zweifelsohne sehr gut zur passenden Hymne. Refrain ist überhaupt ein gutes Stichwort – wer auf besonders eingängige (aber eben nicht zu süßlich klingende) aus ist, kommt um eine Scheibe wie diese kaum herum. Lediglich der einstweilen noch etwas ungestüme Eindruck des Albums und die fehlende Diversität (tatsächlich sind die Nummern alle recht ähnlich aufgemacht) könnten den ein oder anderen stören.

Aber: BATTALIONS OF FEAR ist ein absolutes Muss für alle, die sich auch nur ansatzweise für den Power Metal und seine Geschichte interessieren – und sicherlich auch all jene, die einfach nur einen rundum gelungenen Silberling in den Händen halten wollen. Ob damals oder heute, das Debütalbum von BLIND GUARDIAN verfehlt kaum seinen Zweck und beweist, dass die Jungs heute zu Recht als eine der erfolgreichsten deutschen Metal-Combos das Antlitz unzähliger Bestenlisten zieren. Später klangen sie natürlich noch professioneller und vielleicht auch majestätischer; doch auch dieser energetische und raue Beginn der Karriere lässt sich sehr gut zelebrieren. Vielleicht; und wenn man so will sogar noch ein stückweit mehr…

Absolute Anspieltipps: MAJESTY, GUARDIAN OF THE BLIND, BATTALIONS OF FEAR


„Ein Klassiker für (fast) alle Fälle.“