Metal-CD-Review: AVANTASIA – Moonglow (2019)

Alben-Titel: Moonglow
Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichung: 22. Februar 2019
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Symphonic Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass, Keyboards, Piano, Orchestrations
Sascha Paeth – Guitars, Keyboards, Piano, Orchestrations
Michael Rodenberg – Keyboards, Orchestrations

Track-Liste:

1. Ghost in the Moon (09:51)
2. Book of Shallows (05:00)
3. Moonglow (03:56)
4. The Raven Child (11:14)
5. Starlight (03:38)
6. Invincible (03:07)
7. Alchemy (07:28)
8. The Piper at the Gates of Dawn (07:20)
9. Lavender (04:30)
10. Requiem for a Dream (06:08)
11. Maniac (Michael Sembello cover) (04:31)

Und es ward wieder zur großen Power Metal-Tafelrunde gerufen.

Spätestens seit er im Rahmen des letztaktuellen AVANTASIA-Albums GHOSTLIGHTS (siehe Review) respektive der Singleauskopplung MYSTERY OF A BLOOD RED ROSE am prestigeträchtigen Eurovision Song Contest teilnahm, dürfte er auch einigen nicht unbedingt direkt mit dem hauptsächlich angepeilten Genre in Verbindung zu bringenden Musikfans bekannt sein: Tobias Sammet, das Mastermind hinter dem deutschen Power Metal-Schwergewicht AVANTASIA. Ein Schwergewicht ist die Band deshalb, da sie zu Zeiten der Jahrtausendwende maßgeblich mit beteiligt war an der Entstehung einer neuen, man nenne es Blütezeit des europäischen Power Metals – und natürlich, da sie wie keine zweite für das seinerzeit quasi neu erschaffene Genre der Metal Opera gilt. Um festzustellen was genau man sich darunter vorzustellen hat, könnte man bei eben jenen Ursprüngen – das heißt der METAL OPERA PART I (siehe Review) und PART II (siehe Review) beginnen – oder vielleicht auch, und das ist das schöne; mit dem vorliegenden MOONGLOW. Denn, und auch wenn man verständlicherweise nicht mehr von einem mit damals deckungsgleichen Sound sprechen kann: das eigentliche Konzept von AVANTASIA hat sich bis heute nicht großartig verändert.

Das bedeutet vornehmlich, dass MOOGLOW – wie im übrigen auch alle anderen zwischenzeitlich veröffentlichten AVANTASIA-Alben – mit einer vergleichsweise einzigartigen inhaltlichen Ausrichtung und Atmosphäre, einem hohen Grad an musikalischer Qualität und Vielfalt sowie natürlich auch zahlreichen Gastauftritten daherkommt. Und tatsächlich: wirklich alle Beteiligten zu nennen würde an dieser Stelle vermutlich den Rahmen sprengen. Es sei aber zumindest soviel gesagt: insbesondere eingefleischte AVANTASIA-Fans sollten zufrieden sein, da erneut einige sich mittlerweile bei der Band zuhause fühlenden Metal-Größen mit von der Partie sind. Seien es Jørn Lande, Ronnie Atkins, Bob Catley, Hansi Kürsch (der seit jeher das Gesangszepter von BLIND GUARDIAN in der Hand hält) sowie der in vielerlei Hinsicht legendäre Michael Kiske, der bekanntlich schon auf dem allerersten AVANTASIA-Album gastierte – Abwechslung ist wahrlich reichlich geboten. Dass alle beteiligten Musiker ihr Handwerk tadellos beherrschen, die angestammte AVANTASIA-Hauptband selbst keine Fehler zulässt und auch das Album selbst über jegliche Zweifel hinsichtlich der Aufnahmequalität, Abmischung und Produktion über jeden Zweifel erhaben ist; versteht sich da fast schon von selbst – und ist eines der besonderen Qualitätsmerkmale von AVANTASIA.

Das Album möglichst treffend zu bewerten, gelingt daher vornehmlich nur über eine Herangehensweise – und zwar indem man das enthaltene (und dabei nicht selten ausführliche, das heißt mit Spielzeiten jenseits von 5 Minuten ausgestattete) Liedgut möglichst einzeln betrachtet, und anhand der schieren musikalischen Wirkungskraft beurteilt. Andere Optionen, wie etwa MOONGLOW direkt mit früheren AVANTASIA-Werken zu vergleichen; könnte man ebenfalls anberaumen – doch vermutlich wäre eine Gegenüberstellung gerade mit den ersten Alben der Band dezent schwierig. Es waren einfach andere Zeiten – und die Ausrichtung der Band eine andere respektive eindeutiger einem klassischen europäischen Power Metal zugewandte. Will heißen: in all den Jahren haben sich AVANTASIA – auch wenn sie ihren Wurzeln grundsätzlich treu geblieben sind – natürlich weiterentwickelt, was sich unter anderem auch in einem insgesamt etwas breit gefächerteren musikalischen Repertoire bemerkbar macht.

Das heißt indes nicht, dass man nicht genau darüber streiten könnte. Denn: wie schon zuvor lassen AVANTASIA auf MOONGLOW des öfteren ihre eher weiche; man will nicht sagen angepasste Seite durchklingen. Die auserkorene Single-Auskopplung des Titeltracks MOONGLOW beispielsweise macht darauf bereits hinlänglich aufmerksam – und das nicht nur aufgrund des lieblichen Gastgesangs von Candice Night. Teilweise – und wenn man so will – lässt das Erinnerungen an die heftig umstrittenen damaligen AVANTASIA-Singles LOST IN SPACE und SLEEPWALKING wach werden – wobei man schlussendlich selbst entscheiden muss, in wie weit man sich dieser Facette des musikalischen Schaffens der Band öffnen möchte. Denn, und immerhin: es handelt sich nur um eine Facette. Das gilt wohl auch für die seit MYSTERY OF A BLOOD RED ROSE relativ hoch gehaltene, man nenne sie einmal eingängig-beschwingte Seite von AVANTASIA – die auf MOONGLOW mit Titeln wie dem Opener GHOST IN THE MOON (der sogar direkt Bezug auf eben jenen eben genannten Titel nimmt) oder dem späteren LAVENDER zelebriert wird.

Im Gegenzug dazu gibt es aber eben auch einige höchst interessante, vergleichsweise komplexe und kaum in ein einzelnes Schema passende Nummern – wie etwa der mannigfaltige, äußerst gesangsstarke und wandelbare Brecher THE RAVEN CHILD oder das ordentlich stampfende THE PIPER AT THE GATES OF DAWN. Ein waschechtes Highlight ist dann natürlich auch das durchaus passend betitelte REQUIEM FOR A DREAM – das mit seiner klassisch-antreibenden Gangart, dem Gastgesangspart von Michael Kiske, dem netten Solo-Part und letztendlich auch dem perfekten Zusammenspiel aus Gesang und Instrumenten (ja, auch der Bass bekommt die nötige Aufmerksamkeit) ordentlich punktet. Etwaige Kleinigkeiten – wie etwa die Feststellung, dass man den deutlich zu harsch vorgehenden Mille Petrozza von KREATOR vielleicht doch nicht für ein weiteres AVANTASIA-Album buchen sollte – fallen so nicht wirklich ins Gewicht.

Insgesamt betrachtet kann man nicht viel falsch machen mit einem Album wie MOONGLOW – dass neben einer schier atemberaubenden musikalischen Qualität und Vielfalt und den bemerkenswerten Leistungen aller Beteiligten Musiker auch die ein oder andere Überraschung bereithält. Und genau so soll es ja auch sein.

Anspieltipps: THE RAVEN CHILD, STARLIGHT, ALCHEMY, THE PIPER AT THE GATES OF DAWN, REQUIEM FOR A DREAM


„Ein AVANTASIA-Album, am dem man kaum vorbeikommt.“

AVANTASIA – Vote For Metal (Official Promo)

Metal-CD-Review: AVANTASIA – Ghostlights (2016)

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Alben-Titel: Ghostlights
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Januar 2016
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Keyboards, Vocals, Bass
Sascha Paeth – Guitars, Keyboards, Bass
Michael „Miro“ Rodenberg – Keyboards, Orchestration
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Mystery of a Blood Red Rose (03:51)
2. Let the Storm Descend upon You (12:09)
3. The Haunting (04:42)
4. Seduction of Decay (07:18)
5. Ghostlights (05:43)
6. Draconian Love (04:58)
7. Master of the Pendulum (05:01)
8. Isle of Evermore (04:28)
9. Babylon Vampyres (07:09)
10. Lucifer (03:48)
11. Unchain the Light (05:03)
12. A Restless Heart and Obsidian Skies (05:53)

Ob sich die Arbeit auch dieses Mal ausgezahlt hat ?

Nach drei Jahren ist es wieder soweit: EDGUY-Frontmann Tobias Sammet und sein Gefolge melden sich mit einem neuen AVANTASIA-Album zurück. Dieses horcht auf den Namen GHOSTLIGHTS, beinhaltet 12 Titel bei einer Spielzeit von guten 70 Minuten – und könnte wie einige AVANTASIA-Alben zuvor erneut die Geister scheiden. Vornehmlich, da die Band nach den beiden legendären METAL OPERA-Alben dezent von den Pfaden ihres ursprünglich angepeilten Genres abgewichen ist – und einen markanten Spagat zwischen ihren Wurzeln und dem; was man gemeinhin als Kommerzialisierung bezeichnen würde, hinlegte (Stichwort: LOST IN SPACE, siehe Review). Oder anders, und etwas positiver ausgedrückt: die Definition dessen, was einen guten Power Metal ausmacht hatte sich aus der Sicht von AVANTASIA schon früh verändert. Doch wie man es auch dreht und wendet oder in welche imaginäre Schublade man GHOSTLIGHTS auch geneigt ist einzuordnen – beinahe außer Frage steht, dass dem geneigten Hörer auch dieses Mal eine enorm hochwertige, ausgefeilte und extrem unterhaltsame Metal-Feinkost geboten wird. Eine, die vor allem in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk, die Produktion und Präsentation keine Wünsche offen lässt – und zudem ein weiteres Mal mit zahlreichen hochkarätigen Gastauftritten daherkommt.

Und tatsächlich ist der erwähnte Unterhaltungsfaktor auch einer der stärksten Argumente für GHOSTLIGHTS. Auch wenn AVANTASIA nur noch vergleichsweise selten Tempo-Ausbrüche (wie überraschenderweise im Titeltrack) wagen, stimmt das Verhältnis von eher sanften und leichtgängigen, sowie gerne auch mal deutlich schmackigeren Momenten a’la dem dezent NIGHTWISHoesken MASTER OF THE PENDULUM. In diesem Zusammenhang ist die Single-Auskopplung MYSTEERY OF A BLOOD RED ROSE fast schon typisch für AVANTASIA – schließlich hat es wieder einmal den wohl unkompliziertesten und wenn man so will auch massentauglichsten Titel getroffen – aber nicht unbedingt einen repräsentativen. Man sollte sich also kein vorschnelles Urteil bilden, sondern erst tiefer in den deutlich breiter gefächerten Alben-Kosmos einsteigen. GHOSTLIGHTS wirkt dabei am ehesten wie eine abenteuerliche Mixtur einer Metal-Oper (womit man den Ursprüngen eben doch sehr nahe kommt) und eines Musicals. Eines emotional ansprechenden, einprägsamen und damit überaus gelungenen – im Gegensatz zu den neuerlichen Ambitionen einer Band wie DARK MOOR (PROJECT X, Review). AVANTASIA aber wissen um ihre wahren Stärken und inszenieren nicht nur sich selbst, sondern auch die zahlreichen Gast-Künstler stets in einem überaus vorteilhaften Licht.

Und genau das führt dann mitunter – und glücklicherweise – zu einem Wahnsinns-Titel wie LET THE STORM DESCENT UPON YOU. Mit seiner satten Spieldauer von 12 Minuten, dem gelungenen Spannungsbogen und der anberaumten Emotionalität punktet er in allen Belangen; von den kongenialen und dezent symphonisch angehauchten Instrumental-Passagen gar nicht erst zu sprechen. Aber auch selbst zunächst eher unscheinbare Titel wie THE HAUNTING haben das gewisse Etwas – wie in diesem Fall einen etwas anderen Hintergrund- respektive Chorgesang. Der Titeltrack GHOSTLIGHTS ist interessanterweise kein überlanges Epos – sondern eine eher kompakte Uptempo-Nummer mit höchst gelungenen Auftritten von Tobias Sammet und seinem Kollegen Michael Kiske. Die sehr bassigen und tiefen Gast-Vocals von Herbie Langhans (SINBREED) auf DRACONIAN LOVE sind dann schlimmstenfalls leicht gewöhnungsbedürftig – wie eventuell auch das sehr balladeske, aber zweifelsohne perfekt von Sharon den Adel eingesungene ISLE OF EVERMORE. Zum Ende hin ziehen AVANTASIA ohnehin noch einmal ordentlich an: BABYLON VAMPIRES strotzt nur so vor Kraft und Originalität, LUCIFER ist die Power-Ballade mit dem nötigen Pepp in Form eines wahrlich herausragenden Gesangs von Jorn Lande. Schlussendlich: es scheint, als seien AVANTASIA da angekommen; wo sie schon immer hingehörten. einen Grund zum Nörgeln oder den alten Zeiten hinterherzutrauern gibt es jedenfalls nicht mehr.

Absolute Anspieltipps: LET THE STORM DESCENT UPON YOU, THE HAUNTING, GHOSTLIGHTS, MASTER OF THE PENDULUM, BABYLON VAMPIRES, LUCIFER


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„GHOSTLIGHTS, oder: eines der besten AVANTASIA-Alben überhaupt.“

Metal-CD-Review: AVANTASIA – Angel Of Babylon (2010)

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Alben-Titel: Angel Of Babylon
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. April 2010
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass
Sascha Paeth – Guitars
Miro – Keyboards
Eric Singer – Drums

Track-Liste:

1. Stargazers (09:33)
2. Angel of Babylon (05:29)
3. Your Love Is Evil (03:53)
4. Death Is Just a Feeling (05:21)
5. Rat Race (04:07)
6. Down in the Dark (04:23)
7. Blowing Out the Flame (04:51)
8. Symphony of Life (04:30)
9. Alone I Remember (04:48)
10. Promised Land (04:47)
11. Journey to Arcadia (07:12)

Mach’s mir noch ein letztes Mal.

ANGEL OF BABYLON gehört als Teil einer Trilogie untrennbar zu den beiden vorherigen AVANTASIA-Alben THE SCARECROW (Review) und THE WICKED SYMPHONY (Review). Doch muss es sich auch als alleinstehendes Werk behaupten, dafür sorgte die entsprechende Releasepolitik – wobei speziell THE SCARECROW nicht sonderlich gut abschnitt und reichlich Luft nach oben ließ. Offenbar aber hatte sich in der Zwischenzeit tatsächlich etwas getan. THE WICKED SYMPHONY konnte wieder als eines der besseren AVANTASIA-Alben bezeichnet werden – und mit dem zeitgleich erschienenen ANGEL OF BABYLON wollte man diesen Eindruck festigen. Doch wie schon zuvor gilt: so unantastbar und zeitlos wie dereinst auf THE METAL OPERA agierten AVANTASIA schon lange nicht mehr. Zwar beginnt auch ANGEL OF BABYLON mit einem vergleichsweise starken Auftakt, der an noch am ehesten an die Glanzzeiten der Band erinnert – mit einer großen Portion Power Metal, Kraft (auch dank der wie immer starken Gastgesangsparts) und einer anständigen Produktion.

Doch wie zuvor liegt die Crux im deutlich zu schwachen, inkonsequenten Mittelteil des Albums begraben. Das in negativer Hinsicht denkwürdige DEATH IS JUST FEELING markiert schon früh einen absoluten Tiefpunkt des Albums; während auch RAT RACE, das langatmige DOWN IN THE DARK oder die kraft- und emotionslose Ballade BLOWING OUT THE FLAME wenig überzeugen. SYMPHONY OF LIFE klingt mit seinem heftigen Keyboardeinsatz, Gothic-Touch und rein weiblichen Leadgesang ebenfalls stark gewöhnungsbedürftig – es werden böse Erinnerungen an LUCA TURILLIS Nebenprojekt DREAMQUEST wach. Gegen Ende kann eigentlich nur noch PROMISED LAND etwas reißen – unter Mitwirkung von Jørn Lande (der zu einem echten Dauergast auf diesem Album avanciert ist) und auch Henjo Richter von GAMMA RAY an der Gitarre. Gerade von diesem Sound hätte es ruhig noch etwas mehr sein dürfen… und deutlich weniger von merkwürdig Musical-angehauchten und beinahe Radio-tauglichen Eskapaden a’la JOURNEY TO ARCADIA – der Refrain geht schlicht auf keine Kuhhaut.

Absolute Anspieltipps: STARGAZERS, ANGEL OF BABYLON, YOUR LOVE IS EVIL, PROMISED LAND


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„Nicht herausragend, kein Reinfall – sondern irgendwo dazwischen.“

Metal-CD-Review: AVANTASIA – Wicked Symphony (2010)

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Alben-Titel: The Wicked Symphony
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. April 2010
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass
Sascha Paeth – Guitars
Miro – Keyboards
Eric Singer – Drums

Track-Liste:

1. The Wicked Symphony (09:28)
2. Wastelands (04:44)
3. Scales of Justice (05:04)
4. Dying for an Angel (04:32)
5. Blizzard on a Broken Mirror (06:07)
6. Runaway Train (08:42)
7. Crestfallen (04:02)
8. Forever Is a Long Time (05:05)
9. Black Wings (04:37)
10. States of Matter (03:57)
11. The Edge (04:12)

Endlich nicht mehr LOST IN SPACE.

Nach der großen AVANTASIA-Reunion im Jahre 2006 führte Band-Mastermind Tobias Sammet die neue, mit THE SCARECROW (Review) begonnene Alben-Trilogie fort. Das besondere: nachdem THE SCARECROW bereits 2008 erschienen war, folgten Teil 2 und 3 zwar erst 2010 – dafür aber gleich auf einen Schlag, nämlich am 03. April 2010. Das wiederum konnte nicht wirklich als gutes Zeichen interpretiert werden, schließlich veröffentlichte man schon die beiden LOST IN SPACE-EP’s zeitgleich – und legte eine bemerkenswerte Bruchlandung hin, allerdings nicht nur aufgrund der fragwürdigen Release-Politik. Viel wichtiger aber war die Frage, ob sich AVANTASIA wieder näher an ihren Ursprüngen orientieren und endlich einen würdigen Nachfolger zu den beiden hervorragenden THE METAL OPERA-Alben abliefern würden. Und tatsächlich: Sammet schien mit WICKED SYMPHONY vermehrt zu alten Stärken zurückgefunden zu haben. Dies gelang ihm vor allem, indem er den zahlreichen Gastmusikern wieder etwas mehr Raum zugestand; und speziell mit Genre-Größen wie Russell Allen, Jørn Lande, Michael Kiske oder Tim „Ripper“ Owens abermals reichlich talentierte Musiker mit der nötigen Passion um sich sammelte.

Die lieferten auch alle entsprechend ab – und sorgten für einen angenehm abwechslungsreichen Eindruck; vor allem in Bezug auf den durch und durch starken Alben-Auftakt mit THE WICKED SYMPHONY, WASTELANDS und SCALES OF JUSTICE. Dem entgegen steht wohl nur der Eindruck, dass die Hardrock- und eher experimentellen Anteile einstweilen das Ruder übernehmen – und der Faktor Power Metal auch mal dezent in den Hintergrund rücken kann. Stellvertretend dafür steht grundsätzlich der gesamte Mittelteil des Albums – der mal mit explizit rockigen (DYING FOR AN ANGEL mit SCORPIONS-Sänger Klaus Meine), mal mit eher schlecht abgemischten und gesanglich ärgerlichen (BLIZZARD ON A BROKEN MIRROR, trotz der Mitwirkung von Andre Matos), mal mit merkwürdig Musical-angehauchten (RUNAWAY TRAIN) oder gar gänzlich fehlgeleiteten Nummern (CRESTFALLEN) an den Start geht. Gegen Ende hin wird es wieder etwas besser, doch grundsätzlich gilt: THE WICKED SYMPHONY ist so abwechslungsreich wie es qualitativ durchwachsen ist. Sicher spielt die Geschmacksfrage und der persönliche Bezug zu Tobias Sammet eine nicht unerhebliche Rolle – doch ein wenig mehr Konsequenz, Schnelligkeit und Härte hätten dem Album sicherlich gut getan; was auch für den einstweilen deutlich zu soften Gesang von Sammet und den nicht immer effizienten Gitarrensound gilt.

Absolute Anspieltipps: THE WICKED SYMPHONY, WASTELANDS, SCALES OF JUSTICE


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„Kein Meisterwerk, aber speziell im Vergleich zu ANGEL OF BABYLON ein Schritt in die richtige Richtung.“

Metal-CD-Review: AVANTASIA – Lost In Space Part 2 (EP, 2007)

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Alben-Titel: Lost In Space Part 2
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. November 2007
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass
Eric Singer – Drums
Sascha Paeth – Guitars

Track-Liste:

1. Lost in Space (03:52)
2. Promised Land (04:51)
3. Dancing with Tears in My Eyes (Ultravox cover) (03:53)
4. Scary Eyes (03:32)
5. In My Defence (Freddie Mercury cover) (03:58)
6. Lost in Space (Alive at Gatestudio) (04:36)

Lost in Space… zum zweiten ?

Über die Gründe für die damalige Entscheidung von AVANTASIA, das Material zum Thema LOST IN SPACE auf gleich zwei Silberlinge aufzuteilen; kann man auch heute nur munkeln – vielleicht spielte das Marketing tatsächlich eine nicht unerhebliche Rolle. Doch wie man es auch betrachtet, ein Eindruck lässt sich dabei gewiss nicht verhehlen: die EP’s sind schwach und schnitten nicht von ungefähr schlecht ab, sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtheit betrachtet. Vielleicht hätte die Sache dezent anders ausgehen, hätte man drei oder vier der eindeutig schwächeren Nummern (speziell mit Blick auf die Cover-Versionen) weggelassen, und das Programm zur großen Band-Reunion auf nur einer knappen EP kumuliert. Doch so war die Enttäuschung eigentlich vorprogrammiert. Nicht nur, dass der erste Teil der EP (Review) bereits schwach war und man auf dem zweiten schon wieder mit dem fragwürdigen Opener LOST IN SPACE begrüßt wird; lediglich PROMISED LAND und SCARY EYES können hier überhaupt als eigenständige neue Nummern bezeichnet werden. Die sind dabei auch gar nicht mal schlecht, und wurden interessanterweise nicht mit auf das spätere THE SCARECROW (Review) übernommen. Dies wäre dann auch der einzige Anhaltspunkt sich LOST IN SPACE PART 2 zuzulegen, auch wenn das Cover zu IN MY DEFENSE rein handwerklich eine überzeugende Figur macht. Wie schon bei ersten EP lohnen sich schlussendlich aber nur zwei der insgesamt 6 präsentierten Titel. Dass das zu wenig ist, braucht man wohl nicht extra zu betonen.

Absolute Anspieltipps: PROMISED LAND, SCARY EYES


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„Die Strategie der Doppel-Veröffentlichung war eindeutig eine Fehlentscheidung.“

Metal-CD-Review: AVANTASIA – Lost In Space Part 1 (EP 2007)

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Alben-Titel: Lost In Space Part 1
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. November 2007
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass
Eric Singer – Drums
Sascha Paeth – Guitars

Track-Liste:

1. Lost in Space (03:50)
2. Lay All Your Love on Me (ABBA cover) (04:23)
3. Another Angel Down (05:42)
4. The Story Ain’t Over (04:59)
5. Return to Avantasia (00:47)
6. Ride the Sky (Lucifer’s Friend cover) (02:55)

Lost in Space ? Mindestens.

Man kann von Tobias Sammet und seinem Ziehkind AVANTASIA halten was man will – doch viele sind sich zumindest darüber einig, dass LOST IN SPACE als eine der; man nenne sie einmal weniger gelungenen Veröffentlichungen fungiert. Und das scheint noch untertrieben formuliert, speziell in Anbetracht des Titeltracks der unnötigerweise auf zwei Silberlinge aufgeteilten EP. LOST IN SPACE hat tatsächlich rein gar nichts mehr mit den alten AVANTASIA am Hut, und klingt am ehesten wie eine absolut Radio-taugliche Mainstream-Nummer ohne nennenswerte Leistungen der beteiligten Musiker. Doch immerhin ist die überraschende Rückkehr von AVANTASIA nicht nur von zu vernachlässigenden Momenten gekennzeichnet. Während man das Cover des ABBA-Klassikers LAY ALL YOUR LOVE ON ME ebenfalls getrost überspringen kann, offeriert zumindest ANOTHER ANGEL DOWN erstklassiges AVANTASIA-Material der schmackigen Sorte. Mit THE STORY AINT OVER gibt man sich abermals markant, und sogar in einer wirksamen Form emotional – während RETURN TO AVANTASIA leider nicht der erhoffte Brecher ist, welcher die Rückkehr zu alten Zeiten markiert. Der Rausschmeißer RIDE THE SKY ist dann leider auch kein HELLOWEEN-Cover – sondern ein merkwürdig fremdartig klingendes einer Band Namens LUCIFERS FRIEND. Schlussendlich: mit dem ersten Teil der LOST IN SPACE-EP haben sich AVANTASIA wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert – eigentlich überzeugen nur zwei der insgesamt 6 Titel. Und das ist bei einer vermeintlich handverlesenen Auswahl wie dieser einfach zu wenig.

Absolute Anspieltipps: ANOTHER ANGEL DOWN, THE STORY AINT OVER


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„Die erste EP aus dem Hause AVANTASIA – aber eine alles andere als gute.“

Metal-CD-Review: AVANTASIA – The Scarecrow (2008)

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Alben-Titel: The Scarecrow
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. Januar 2008
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass, Keyboards
Sascha Paeth – Guitars
Eric Singer – Drums

Track-Liste:

1. Twisted Mind (06:12)
2. The Scarecrow (11:11)
3. Shelter from the Rain (06:06)
4. Carry Me Over (03:51)
5. What Kind of Love (04:53)
6. Another Angel Down (05:40)
7. The Toy Master (06:18)
8. Devil in the Belfry (04:39)
9. Cry Just a Little (05:13)
10. I Don’t Believe in Your Love (05:30)
11. Lost in Space (03:52)

Doch noch zurück aus der Versenkung.

Man erinnert sich: eigentlich hatte der angestammte EDGUY-Frontmann Tobias Sammet sein Nebenprojekt und Ziehkind AVANTASIA nur gegründet, um ein ihm wichtiges zweiteiliges Konzeptalbum zu verwirklichen. Das ist ihm und allen beteiligten Musikern auch zweifelsohne gelungenen – THE METAL OPERA (Review) und THE METAL OPERA PART II (Review) sind bis heute in aller Munde, und werden von einigen gar als Genre-Maßstab angesehen. Doch obwohl danach Schluss sein sollte und sich die Band 2002 tatsächlich auflöste, folgte im Jahre 2006 die überraschende Re-Union: AVANTASIA waren zurück, wenn auch mit einer etwas anderen Stamm-Besetzung. Doch auch wenn die Freude in Anbetracht der großartigen Erstwerke hätte groß sein müssen, stellte sich alsbald Ärger ein: nicht wenige witterten einen knallharten Ausverkauf, als sie den Output der neuen AVANTASIA-Formation hörten. Vornehmlich ging es dabei um alles, was mit dem Namen LOST IN SPACE in Verbindung gebracht werden konnte – veröffentlicht wurden eine Single, zwei EP’s und eine Compilation. Doch erst nachdem mit CARRY ME OVER eine weitere diskutable Single erschien, kumulierten AVANTASIA das Ergebnis ihrer jüngsten Schaffensperiode auf dem dritten offiziellen Album – THE SCARECROW.

Zwar werden die vorherigen Kleinveröffentlichungen hier nicht bloß wiederholt und es wird einiges neues, einstweilen dezent an die Anfangszeiten von AVANTASIA erinnerndes Material geboten (wie der 11-minütige Titeltrack THE SCARECROW) – doch unglücklicherweise wurden auch die Songs übernommen, die den bis dato größten Streitpunkt um die Band ins Leben gerufen haben. Tatsächlich können insbesondere CARRY ME OVER und LOST IN SPACE als Totalausfälle und Aushängeschilder für die neu eingeschlagene Richtung bezeichnet werden: AVANTASIA klingen zumindest auf THE SCARECROW ärgerlich glatt geschliffen, modern und geradezu poppig. Die einst hochwertige Power Metal-Kost weicht hier einem eher Mainstream-tauglichen Output – sodass weitere super-softe Balladen wie WHAT KIND OF LOVE (das sogar gänzlich ohne die Mitwirkung der beteiligten Musiker auskommt, mit Ausnahme des Keyboarders) oder das ganz und gar merkwürdige THE TOY MASTER nicht sonderlich überraschen. Immerhin: ansatzweise schimmert der alte Glanz durch, unter anderem durch die Mitwirkung von Michael Kiske in Nummern wie dem rasanten SHELTER FROM THE RAIN. Letztendlich bietet THE SCARECROW eine explosive Mischung aus markant-starken AVANTASIA-Nummern und solchen, die man sich eher nicht auf einem Album wie diesem gewünscht hätte. Es bleibt, sich das Beste herauszupicken…

Absolute Anspieltipps: TWISTED MIND, THE SCARECROW, SHELTER FROM THE RAIN, ANOTHER ANGEL DOWN


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„Zum Teil gelungen, zum Teil enttäuschend und unnötig – es hält sich die Waage.“

Metal-CD-Review: AVANTASIA – The Metal Opera Part 2 (2002)

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Alben-Titel: The Metal Opera Pt. II
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Henjo Richter – Guitars
Markus Grosskopf – Bass
Alex Holzwarth – Drums

Track-Liste:

1. The Seven Angels 14:17
2. No Return 04:29
3. The Looking Glass 04:53
4. In Quest For 03:54
5. The Final Sacrifice 05:02
6. Neverland 05:00
7. Anywhere 05:29
8. Chalice of Agony 06:00
9. Memory 05:44
10. Into the Unknown 04:29

Irgendwie anders als der Vorgänger; irgendwie aber auch nicht.

Wahrlich, Tobias Sammett und Co. haben mit dem ersten AVANTASIA-Album THE METAL OPERA PART I (Review) etwas ganz großes losgetreten; und nicht zuletzt ein Album erschaffen, welches bis heute nachhallen und -wirken sollte. Doch in Wahrheit war das Metal-Oper-Projekt von vorne herein als zweiteiliges ausgelegt – sodass man erst mit THE METAL OPERA PART II ein vollständiges Paket erhält. Die Frage ist nur, ob das hier dargebotene Material tatsächlich mit der überraschenden Qualität des Vorgängers mithalten kann – oder ob es sich am ehesten um einen zu vernachlässigenden Nachfolger handelt. Was – ganz nebenbei bemerkt – reichlich fatal wäre, wird die auf dem ersten Album begonnene, groß angelegte  Geschichte hier konsequent weitergesponnen. Und mal will schließlich wissen wie sie ausgeht – wenn auch nicht zu jedem Preis.

Fakt ist, dass Mr. Sammet bei weitem nicht so viel Zeit und Mühe in den zweiten Teil des Projekts gesteckt hat. Auf den ersten potentiellen Schreck aber folgt sogleich die Erleichterung:  man merkt es dem Album kaum an. Sicher wirkt es (vor allem auf Anhieb) nicht mehr ganz so frisch, knackig und innovativ wie der Vorgänger; auch da sich viele Parallelen ergeben – aber das soll ja auch so sein. Somit stellt sich doch relativ schnell heraus, dass es sich bei dem hier dargebotenen Material hier um mehr als nur grundsolide Power Metal-Kost handelt. Vielmehr spürt man, dass noch immer eine riesengroße Portion Herzblut und Gefühl in das Album gesteckt wurde – vielleicht sogar etwas mehr als in Bezug auf den Vorgänger, da man sich nunmehr weniger mit dem eigentlichen Konzept beschäftigen musste.

Und tatsächlich: bereits der Opener THE SEVEN ANGELS weiss mit seiner Laufzeit von knapp 14 Minuten und den zahlreichen Gastsängern durchweg zu begeistern. Hier wird erneut alles aufgefahren, was AVANTASIA im Kern ausmacht, ausmachen sollte – in dem man dem, was man sich generell unter dem Begriff einer Metal-Oper vorstellen würde; entsprechend nahe kommt. Zahlreiche Sänger die ihr Handwerk mehr als verstehen (Auch wenn die Auftritte hie und da etwas forciert wirken), ansprechende Stimmungswechsel, instrumentelle Ruhepausen, energetische Soli und ein ordentlicher DRIVE machen THE SEVEN ANGELS zum ersten absoluten Anspieltipp.

Mit einem leicht faden Beigeschmack, denn: tatsächlich scheint es nicht besonders förderlich, einen Titel wie diesen gleich zum Auftakt des Albums zu präsentieren. Schlicht, da man eventuell schon zu viel vorwegnimmt; und nunmehr kaum noch auf ein großes Finale zusteuern kann. Das hat man auf dem Vorgänger noch weitaus besser gelöst: ein atmosphärisches Intro, ein wuchtiger Opener; und zum großen Finale dann ein in jeder Hinsicht epischer Titel wie THE TOWER – das erschien gelungen und sinnig. Immerhin: wenn man die beiden Alben tatsächlich im Doppelpack konsumiert, erscheint das Konzept nicht mehr ganz so abwegig – doch sollte ein Album wie THE METAL OPERA PART II im besten Fall auch unabhängig funktionieren.

Doch dann geschieht etwas, was so eigentlich kaum zu erwarten war: man startet mit den verbleibenden 9 Titeln noch einmal richtig durch. Das besondere ist, dass die Mischung aus druckvollen Uptempo-Brechern in bester europäischer Power-Metal-Manier (wie NO RETURN und CHALICE OF AGONY) und den eher balladesken Einschüben (IN QUEST FOR, ANYWHERE, INTO THE UNKNOWN) bestens funktioniert. Schlicht, da die jeweiligen Performances durch und durch glaubwürdig wirken; selbst wenn die ein oder anderen kitschigen Momente nicht ausbleiben. Doch auch für eine weiterführende Abwechslung ist gesorgt: mit expliziten Hymnen einer härteren Gangart (MEMORY, THE FINAL SACRIFICE) wird das Album zunehmend fulminanter, mitreißender und perfekter. Überhaut: was Tobias Sammet im Zusammenspiel mit David DeFeis (VIRGIN STEELE) oder Ralf Zdiarstek nicht zuletzt gesanglich abliefert, gleicht einem kleinen Meisterstück. Doch auch in den Balladen trifft er stets den richtigen Ton; verausgabt sich geradezu – wenn er dabei noch von derart stilvollen Instrumentals begleitet wird, kann man getrost darüber hinwegsehen dass es hie und da um die ein oder andere verflossene Liebe geht.

Dabei stört es nicht einmal, dass eben jener AVANTASIA-Chef einen Großteil der gesanglichen Präsenz des Albums ausmacht. Zum einen, da er schlicht der Kopf und die Galionsfigur des Projekts ist, und sich AVANTASIA noch immer genug von EDGUY differenzieren – und zum anderen, da die Gastgesangsparts so zusätzlich an Wertigkeit gewinnen, und sei es aus einem Überraschungseffekt heraus. Technisch ist auch der zweite Teil der Metal-Oper über jeden Zweifel erhaben – die Produktion klingt wunderbar sauber und druckvoll, Instrumente und Gesang sind perfekt aufeinander abgestimmt. Nicht zuletzt die handwerklichen Fähigkeiten aller beteiligten Musiker sorgen hier für den allgemein zufriedenstellenden (oder eher mehr als das) Eindruck, der keine Wünsche offen lässt.

Fazit: Es ist schwer, einem Album wie THE METAL OPERA PART 2 den ein oder anderen Favoriten zu entlocken – da das Album noch immer am besten als Ganzes funktioniert, im besten Fall mit der direkten Verbindung zum Vorgänger. Fest steht nur, dass die Qualität nicht absackt, im Gegenteil – lediglich der Überraschungseffekt ist leicht verpufft, doch wie sollte es bei einem Nachfolger wie diesem anders sein. Auch wenn man sich bis auf den Opener etwas strikter vom Konzept einer Metal-Oper entfernt, gelingt AVANTASIA somit ein wahres musikalisches Kunststück; für alle Genre-Fans und solche die es werden wollen. Mit einem Album wie diesem stehen die Chancen sicher alles andere als schlecht, sich für den Power Metal zu begeistern – der sich hier in all seinen Facetten zeigt und sowohl in den schwermetallischeren als auch balladesken Momenten keine qualitative Blöße gibt. Auf THE METAL OPERA PART II zeigt man keine stilistischen Schwächen, und serviert schon gar keine Lückenfüller – die 60 Minuten werden bestens genutzt; und zwar so intensiv, dass sogar das Vorgängeralbum geschlagen werden kann. Ja – trotz oder gerade wegen der enthaltenen Balladen. Am schönsten ist es doch, wenn für alle etwas dabei ist. So vielfältig (und immer noch glaubwürdig) kann zwar nicht jeder klingen, AVANTASIA aber können es.

Anspieltipps: ALLE

Vergleichsbands: EDGUY | STRATOVARIUS | SONATA ARCTICA | HELLOWEEN | ANGRA


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„So gut wie der erste Teil.“

Metal-CD-Review: AVANTASIA – The Metal Opera Part 1 (2001)

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Alben-Titel: The Metal Opera
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards, Piano, Orchestration
Henjo Richter – Guitars
Markus Grosskopf – Bass
Alex Holzwarth – Drums

Track-Liste:

1. Prelude 01:11
2. Reach Out for the Light 06:33
3. Serpents in Paradise 06:16
4. Malleus Maleficarum 01:43
5. Breaking Away 04:35
6. Farewell 06:33
7. The Glory of Rome 05:29
8. In Nomine Patris 01:04
9. Avantasia 05:32
10. A New Dimension 01:39
11. Inside 02:24
12. Sign of the Cross 06:26
13. The Tower 09:43

Es war einmal im Jahre 2001

Lang, lang ist’s her; dass ein Musiker namens Tobias Sammett einen Ausbruch wagte. Einen Ausbruch in Form eines neuen Bandprojektes, welches ihm neben seiner eigentlichen Hauptband EDGUY entgültig den Weg an die deutsche Power Metal-Spitze ebnen sollte. AVANTASIA war geboren – eine Band, die stilistisch die gleichen Wurzeln vorweisen würde wie auch EDGUY; mit dem kleinen aber feinen Unterschied alles etwas größer und pompöser zu inszenieren. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass THE METAL OPERA PART 1 eine mehr als ansehnliche Aufstellung von Gastmusikern an den Start brachte. Timo Tolkki, Kai Hansen, Rob Rock, Oliver Hartmann, Andre Matos – viele derer, die sich im Genre einen Namen gemacht haben, sollten zur gesanglichen Vielfalt des Albums beitragen. Doch auch die zum festen Lineup der Band gehörenden Musiker brauchten sich nicht hinter den großen Namen verstecken: Markus Großkopf von HELLOWEEN zeichnete sich für den Bass verantwortlich, Henjo Richter von GAMMA RAY für die Gitarren, ein bis dato noch relativ unbekannter Alex Holzwarth (ab 2004 bei RHAPSODY OF FIRE) für das Schlagzeug. Eigentlich war das Ganze als zweiteiliges Metal-Projekt ausgelegt – doch wie man heute weiss, existieren AVANTASIA noch immer; wenn auch mit einer anderen Besetzung. Nur Tobias Sammett ist der Band bis heute erhalten geblieben – und hat ihr so manchen Tief-, aber eben auch Höhenflug verpasst.

Am Anfang jedoch sah alles noch relativ eindeutig aus. THE METAL OPERA PART I ist eines der legendären Metal-Alben, die nicht nur im Zeitraum ihrer Veröffentlichung für Furore sorgen konnten – sondern bis heute nachhallen. Warum das so ist, scheint kein allzu großer Wunder: das, was dem Hörer hier in Form von 13 Titeln geboten wird, ist schlicht ganz großes Kino. Wenngleich nicht jeder Metal-Künstler imstande ist, ein Projekt wie dieses zu stemmen – Tobias Sammett war es, und das merkt man dem Album auch in jeder Hinsicht an. Auch, wenn es sich im Endeffekt gar nicht als Metal-Oper im eigentlichen Sinne herausstellt.

Zwar gibt es eine Art roten Faden, der den Hörer durch das Album führt; doch alles was man generell mit dem Begriff einer Oper (und sei es einer schwermetallischen) verbinden würde, sucht man hier eher vergebens. Es gibt keine großen Chöre, rar gesäte weibliche Gesangsparts, wenig symphonischen Elemente – ja, nicht einmal das Keyboard wurde bemerkenswert strapaziert. Vielleicht ist auch genau das der Clou – es kommt schließlich ganz drauf an, wie man den Begriff der Oper definiert. Denn: bezöge man sich einmal mehr auf den Inhalt, die (relative) Poesie und die Ausdruckskraft als auf die musikalische Ausrichtung; dann wäre THE METAL OPERA PART 1 eine Oper durch und durch. Eine absolut mitreißende, den Hörer nachhaltig beschäftigende noch dazu.

Ob es sich bei einer allzu strengen Auslegung nun um einen Etikettenschwindel handeln würde oder nicht, es kommt letztendlich darauf an; was in welcher Qualität auf THE METAL OPERA PART I verewigt wurde. Und das sind in erster Linie 8 sehr starke, sowohl zusammenhängend als auch alleinstehend funktionierende Titel, die dem übergeordneten Genre des Power Metals alle Ehre machen. Damit die Rechnung aufgeht, finden sich neben jenen 8 vollwertigen Titeln – die man allesamt und problemlos als Hymnen abstempeln könnte – noch einige Zwischenspiele. Zum Auftakt gibt es ein kurzes Intro – welches nett ist, im Endeffekt aber nur als direktes Vorspiel für den Opener REACH OUT FOR THE LIGHT funktioniert. Mit MALLEUS MALEFICARUM, IN NOMINE PATRIS und A NEW DIMENSION gesellen sich 3 mehr oder weniger stimmige Interludien hinzu, die rein musikalisch eher wenig gehalt- und wertvoll sind – aber zumindest für ein beträchtliches Maß an Atmosphäre sorgen. Ein wenig aus der Reihe fällt dann das knapp 2-minütige INSIDE. Nur von dezenten Pianoklängen untermalt, fallen hier vor allem die gesanglichen Einlagen von Tobias Sammett, Andre Matos und Kai Hansen ins Gewicht. Da diese ihr Handwerk aber hörbar verstehen, kommt auch hier kaum Langeweile auf.

Bleiben die verbleibenden, eigentlichen 8 Titel; auf die es noch einmal zurückzukommen gilt. Zweifelsohne können vor allem die ersten fünf – REACH OUT FOR THE LIGHT (markante Uptempo-Hymne mit leicht düsterem Touch), SERPENTS IN PARADISE (eingängiges, beschwingtes Epos mit zahlreichen Variationen), BREAKING AWAY (stampfende Uptemponummer mit genialem Refrain und einem genialen Michael Kiske), FAREWELL (ungewöhnliche, inspirierende Ballade mit kongenialen Refrain) und THE GLORY OF ROME (wahnwitziges Gastgesangs-Intermezzo bei treibendem Uptempo) – als beinahe unantastbare, durch und durch gelungene Über-Hymnen des Genres bezeichnet werden. Auch, da ein Größtmaß an Abwechslung geboten wird; und man zu keinem Zeitpunkt daran zweifeln wird, dass THE METAL OPERA PART I ein großartiges Release ist.

Auch die verbleibenden 3 Titel machen insgesamt eine ansehnliche Figur – wenn auch mit einer kleinen Abschwächung. Denn: ausgerechnet der quasi-Titeltrack AVANTASIA wirkt etwas zu zahn- und harmlos. Deutlich besser wird es dann wieder mit SIGN OF THE CROSS, welches beinahe allein vom prägnanten Bass-Part und den starken Gesangseinlagen lebt; und mit dem Finale THE TOWER. Hier präsentieren AVANTASIA dem Hörer noch einmal ein knapp 10-minütiges Epos mit zahlreichen Tempi- und Stimmungswechseln und eingeschobenen Erzählparts. Was für ein Titel – spätestens hier sollte jedem Hörer klar werden, was AVANTASIA mit ihrer Interpretation einer Metal-Oper angestrebt haben.

Fazit: THE METAL OPERA PART 1 ist zu Recht ein mit einem Kultstatus versehenes Album, welches sich bis heute einer großen Beliebtheit erfreut. Es wird und wird einfach nicht älter – der hier zelebrierten Zeitlosigkeit der Musik sei Dank. Von der handwerklichen Leistung (Instrumente, so gesehen auch Gesang) über die Produktion bis hin zur inhaltlich spannenden Ausführung mitsamt zahlreicher spektakulärer Gastauftritte stimmt einfach alles. Bleibt zu sagen: wozu noch in die Oper gehen, wenn man THE METAL OPERA PART 1 sein eigen nennen kann ?

Anspieltipps: REACH OUT FOR THE LIGHT, FAREWELL, THE TOWER

Vergleichsbands:  EDGUY | STRATOVARIUS | SONATA ARCTICA | HELLOWEEN | ANGRA


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„Auch mit wenig Oper eine der großartigsten Metal-Opern aller Zeiten.“