Metal-CD-Review: ARTHEMIS – Blood Fury Domination (2017)

Alben-Titel: Blood – Fury – Domination
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. April 2017
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Andrea Martongelli – Guitars
Fabio Dessi – Vocals
Francesco Tresca – Drums
Giorgio Terenziani – Bass

Track-Liste:

1. Undead (03:51)
2. Black Sun (03:37)
3. Blood Red Sky (04:33)
4. Blistering Eyes (03:31)
5. If I Fall (04:14)
6. Warcry (04:49)
7. Into the Arena (03:58)
8. Dark Fire (04:06)
9. Firetribe (04:13)
10. Inner-Fury Unleashed (03:34)
11. Rituals (03:15)

Mehr auf und ab geht nicht.

Spätestens seit sich die italienischen Power Metaller von ARTHEMIS nach einer Phase der Ungewissheit fast komplett neu formiert hatten, ist die einst dem Genre des progressive Power Metal zugetane Band für die ein oder andere Überraschung gut. Über die Jahre rekrutierte man so nicht nur einige neue Mitglieder, die den Sound der Combo maßgeblich veränderten – auch ganz allgemein wurde mit verschiedenen Gangarten und Marschrichtungen experimentiert. Doch bei aller Liebe zu notwendigen Veränderungen und im besten Fall auch Fortschritten – das jeweilige Ergebnis fiel im Falle der neu aufgestellten ARTHEMIS nicht immer zufriedenstellend aus. Speziell das 2010 veröffentlichte HEROES eignete sich mit seinen modernen Anleihen und vielen merkwürdigen Momenten perfekt dazu, für verdutzte Gesichter zu sorgen (siehe Review) – während man mit dem 2012’er Nachfolger WE FIGHT (Review) plötzlich wieder in eine deutlich angenehmere Richtung driftete. Eine, die der neuen musikalischen Härte von ARTHEMIS recht gelegen kam – und die im Gegensatz zum Vorgänger wieder deutlich mehr Bumms hatte. Mit verantwortlich dafür war auch, dass der neue Leadsänger Fabio D. erstmals zu einem überzeugenden Rundumschlag ausholen konnte – und dass es die Band nicht scheute, mit einem Bein in den Gefilden des Trash Metal zu stehen.

Aber nun steht der geneigten Hörerschaft das kämpferisch betitelte BLOOD – FURY – DOMINATION ins Haus – und damit das mittlerweile achte Studiowerk der fleißigen Schwermetaller von ARTHEMIS. Wie schon bei HEROES gibt der Titel allein allerdings noch lange nicht vor, was die Band dieses Mal in Petto hat – man sollte also kein allzu kräftig ausgesprochenes Machtwort im Stile des 5 Jahre zurückliegenden WE FIGHT erwarten. Vielmehr scheint das neue Album den turbulenten Werdegang der Band abermals zu unterstreichen, oder anders gesagt: gefühlt machen ARTHEMIS wieder einen dezenten Schritt zurück. Und damit nähern sie sich stilistisch wieder an ihren zu Recht umstrittenen 2010’er Output HEROES an – was so eher nicht zu erwarten war. Sicher, bei ARTHEMIS von einer wie auch immer gearteten Chart-Tauglichkeit zu sprechen war und ist lediglich eine überspitzte Herangehensweise in Bezug auf eben solche Formulierungen – doch ein wenig Wahrheit ist durchaus dran. Zwar können sich ARTHEMIS noch immer damit brüsten, dass sie einen einwandfreien Power Metal kreieren – und dabei sogar einen der alles andere als typischen oder kitschigen Art – doch wirklich überzeugend respektive ehrlich klingen sie dabei trtozdem nicht.

Und das liegt vor allem daran, dass ARTHEMIS zum x-ten Male von ihrer vorherigen Marschrichtung abweichen – und sich auf BLOOD – FURY – DOMINATION erneut in mehrere Richtungen ausprobieren. Wirklich zahm klingt das Album mit Ausnahme der Ballade IF I FALL zwar nicht, zumal die Band mit WARCRY und DARK FIRE zwei echte Brecher (und zugleich zwei der besten ARTHEMIS-Nummern der letzten Jahre) im Gepäck hat – doch der stets im Hintergrund mitschwebende, eher auf modern getrimmte Soundanstrich sowie die relativ glattgebügelt wirkende Produktion verhindern hier klar, dass ARTHEMIS wirklich aus dem Vollen schöpfen können. Der gerade im Vergleich zum Vorgänger WE FIGHT entschärft klingende Leadgesang von Fabio D. (in Bezug auf seine Kraft, Härte und Schroffheit) und die schmerzlich an HEROES erinnernden Refrains, die ARTHEMIS des öfteren in die Nähe von eher nicht explizit im klassischen Heavy Metal zu verortenden Combos (daher der Chart- respektive Radiovergleich) driften lassen machen jedenfalls nicht wirklich Laune. Punkten können ARTHEMIS dagegen mit ihrem schroffen Gitarrensound, den variablen Drums und den noch immer knackigen Soli. Zwar können diese Elemente gerade den eher schwachen Auftakt des Albums nicht mehr retten – doch immerhin offenbaren einzelne Momente sowie generell die bessere zweite Albenhälfte, dass in Bezug auf nennenswerte Genre-Combos aus Italien noch immer mit ARTHEMIS zu rechnen ist.

Absolute Anspieltipps: BLOOD RED SKY, WARCRY, DARK FIRE


„Solide bis interessant – aber kein Meilenstein.“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – We Fight (2012)

Alben-Titel: We Fight
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. Juni 2012
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Helvete & Hate Records

Alben-Lineup:

Andrea Martongelli – Guitars
Damian Perazzini – Bass
Fabio D. – Vocals
Paolo Caridi – Drums

Track-Liste:

1. Apocalyptic Nightmare (01:05)
2. Empire (05:40)
3. We Fight (04:46)
4. Blood of Generations (04:10)
5. Burning Star (04:08)
6. Cry for Freedom (03:51)
7. Alone (03:55)
8. Reign of Terror (04:26)
9. Still Awake (04:47)
10. The Man Who Killed the Sun (05:30)
11. Metal Hammer (03:48)

Manche Wünschen gehen eben doch noch in Erfüllung.

Allzu lange ist sie noch gar nicht her – jene heiße Phase in der turbulenten Bandgeschichte von ARTHEMIS, in der die einst vielversprechende Combo kurz vor dem Aus stand. Doch bekanntlich hatte die Band, oder eher der hiesige Gitarrist und Hauptverantwortliche Andrea Martongelli doch noch die Kurve gekriegt – und ab 2008 ein komplett neues Lineup um sich geschart. Allemal beeindruckend ist, dass das erste musikalische Erzeugnis der so gesehen neu auferstandenen ARTHEMIS schon im Jahre 2010 folgte – und aufgrund der kurzen Eingewöhnungszeit erst gar keine Lücke zum noch von Alessio Garavello geführten Vorgänger BLACK SOCIETY (siehe Review) entstand. Eine Kehrseite aber hatte das Ganze, wobei nicht gänzlich klar ist ob sie tatsächlich auf die relativ schnelle Abfolge der Veröffentlichungen zurückzuführen ist: das 2010 erschienene HEROES konnte die Erwartungen schlicht nicht erfüllen. Sicher auch, da es die einst angenehm progressiv angehauchten ARTHEMIS erstmals von einer eher ungewohnten Seite zeigte – und der Sound der Italiener zunehmend moderner erschien (Review).

Die nächste Gelegenheit für eine Punktlandung der Italiener ließ indes nicht lange auf sich warten: 2012 erschien das mittlerweile siebte ARTHEMIS-Album WE FIGHT, welches 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 46 Minuten beinhaltet. Dabei kann die erste frohe Botschaft recht schnell erfolgen: den gleichen Fehler wie mit und auf HEROES machten ARTHEMIS hier keinesfalls. Vielmehr wirkt und klingt es so, als wäre WE FIGHT das geworden was schon der Vorgänger hätte sein sollen – ein dezent von der früheren Spielart der Band abweichendes, in Hinblick auf die neue und etwas aggressivere Gangart aber durchaus überzeugendes Endprodukt. So erhielt der 2008 zur Band hinzugestoßene, deutlich rauer als sein Vorgänger Garavello agierende Leadsänger Fabio D. hier endlich den nötigen Raum – und auch die instrumentale Komponente von WE FIGHT klingt schlicht deutlich griffiger als die von HEROES.

Eine mitunter noch wichtigere, dieses Mal absolut zugunsten von ARTHEMIS ausfallende Feststellung gibt es gleich obenauf: die noch auf HEROES vorhandenen, fast schon Chart-tauglichen Poprock-Anleihen inklusive nicht weniger peinlich-schlechter Refrains und allerlei merkwürdigen Gesangsstrukturen sind komplett verschwunden. WE FIGHT gibt schon von den ersten Takten an eine wesentlich besser zu ARTHEMIS passende Marschrichtung vor. Eine, die mit einem Bein im Genre des Trash Metal steht – doch bekanntlich wünschte sich die Band Veränderungen. Und wenn die so überzeugend ausfallen wie in diesem Fall, stimmt es einen schon nicht mehr ganz so wehmütig dass ARTHEMIS eigentlich mal einen gleichermaßen klassischen wie hymnischen progressiven Power Metal gespielt haben.

Und so kann sich grundsätzlich alles, was nach dem noch am ehesten zu vernachlässigen Intro APOCALYPTIC NIGHTMARE folgt; absolut hören lassen. Sei es der energetische und Riff-gelandene Opener EMPIRE, der schmackige Titeltrack WE FIGHT, das allein durch den erstklassigen Gesang überzeugende BLOOD OF GENERATIONS, das rhythmisch zugängliche aber alles andere als weichgespült klingende BURNING STAR – WE FIGHT zeigt ARTHEMIS endlich wieder von ihrer besten Seite. Gut, die Genre-Hymne METAL HAMMER ist dezent nervig; und die Ballade ALONE hätte so nicht unbedingt sein müssen – aber selbst die geht im Vergleich zu obligatorischen Erzeugnissen anderer Bands absolut in Ordnung. In Bezug auf die handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder gibt es nicht zu meckern, wobei insbesondere das variable Drumming sowie der gut in Szene gesetzte Bass zu überzeugen wissen – das seit jeher erstklassige Gitarrenspiel inklusive einiger markanter Soli-Momente rundet das Ganze ab. Ob man das Album nun als entschädigenden Ausgleich für das schwache HEROES betrachten sollte oder nicht, sei einmal dahingestellt – doch fest steht, dass WE FIGHT (fast) auf ganzer Linie überzeugt.

Absolute Anspieltipps: EMPIRE, BLOOD OF GENERATIONS, CRY FOR FREEDOM, REIGN OF TERROR


„Was für ein Comeback – ARTHEMIS sind wieder auf Kurs.“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – Heroes (2010)

Alben-Titel: Heroes
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Juni 2010
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Helvete & Hate Records

Alben-Lineup:

Fabio D. – Vocals
Damian Perazzini – Bass
Conrad Rontani – Drums
Andrea Martongelli – Guitars

Track-Liste:

1. Scars on Scars (04:38)
2. Vortex (04:52)
3. 7Days (04:36)
4. This Is Revolution (03:45)
5. Home (05:51)
6. Crossfire (02:47)
7. Heroes (06:26)
8. Until the End (04:36)
9. Resurrection (04:34)
10. Road to Nowhere (02:06)

Helden ? Das war einmal…

Ob es abzusehen war oder nicht sei einmal dahingestellt – doch nachdem die italienischen Power Metaller von ARTHEMIS ihr leider nur mäßiges 2008’er Studiowerk BLACK SOCIETY (siehe Review) veröffentlicht hatten, begann für alle beteiligten Musiker eine ganz und gar heiße Phase. So gesehen stand man sogar kurz davor, die Band komplett aufzugeben – doch der hiesige Gitarrist Andrea Martongelli (Ex-POWER QUEST) hatte offenbar doch noch andere Pläne. So verblieb er als einziges Gründungsmitglied in der Band, ließ alle anderen Mitglieder (wie eben auch seinen POWER QUEST-Kollegen Alessio Garavello) von Dannen ziehen – und scharte ein komplett neues Lineup um sich. Leicht überraschend dabei ist, dass es trotzdem recht zügig weiterging für die neu aufgestellten ARTHEMIS – und das sechste Studioalbum HEROES nicht einmal 2 Jahre nach seinem Vorgänger erschien. Selbiges beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 44 Minuten, und legt – wie es sicherlich auch zu vermuten war – eine etwas andere Marschrichtung vor als die bisherigen ARTHEMIS-Alben.

Anders gesagt: nachdem sich die Italiener schon relativ früh von ihrem einst enorm progressiv angehauchten Power Metal der europäischen Spielart verabschiedet hatten, folgte mit HEROES ein weiterer recht fragwürdiger; mindestens aber gewöhnungsbedürftiger Schritt in der Entwicklung der Band. Denn: mit dem ursprünglich von der Band bedienten Genre hat das auf HEROES vertretene Material nur noch verdächtig wenig am Hut. Sicher, die grundsätzlichen Zutaten sind noch immer präsent – doch offenbar ging die Neubesetzung der Band auch mit einer Modernisierung des Sounds einher. HEROES besitzt zwar eine grundsätzlich angenehme, schön schroffe und druckvolle Gitarren-Komponente; sowie einen höchst soliden und angenehm variablen Drum-Part – doch scheinen die Songstrukturen selbst eher in Richtung einer Mainstream-orientierten Gesamtwirkung ausgelegt zu sein. So finden sich immer wieder Momente die nach vielem klingen – nur nicht nach dem Output einer einst großartigen Power Metal-Combo.

Vielleicht wäre all das nicht so schlimm, hätte man eine wirklich sinnige Alternative gefunden. Beispielsweise, indem man einen stärkeren Fokus auf die härtere Gangart respektive die neuerdings vorhandenen Trash-Elemente gelegt hätte – und eben nicht auf die Methoden einer x-beliebigen modernen Metal-Chartband. Immerhin hätte sich der neue Leadsänger Fabio D. perfekt dafür geeignet. Denn: auch wenn er nicht so variabel agiert wie sein Vorgänger Alessio Garavello, macht er seine sache recht anständig – zumal er eine für das Genre durchaus enorm kräftige, voluminöse und raue Stimme hat. Entsprechend schnell sorgt er für ein markantes Aufhorchen – was letztendlich aber verpufft, taucht man erst einmal näher in die leider nur oberflächlich rau erscheinenden; schlussendlich aber eben doch enorm glattgebügelten Strukturen des Albums ein. Schließlich geht das Konzept der neuen ARTHEMIS hier nicht wirklich auf. Anhaltspunkte dafür gibt es reichlich – wie etwa allerlei merkwürdige und forciert klingende Gesangsstrukturen in den Strophen, die relativ stumpfen Lyrics und die Abgedroschenheit der instrumentalen Komponente. Am ärgerlichsten fallen aber klar die mehr als nur ungünstigen Refrains aus.

Der wenig geistreiche und dezent nervige von SCARS ON SCARS ist da sogar noch recht harmlos – erst mit einem wie dem von 7DAYS schießt man den Vogel endgültig in Richtung einer unbedingt zu vermeidenden Mainstream-Attitüde ab. In jedem Fall wird schnell klar, dass ARTHEMIS definitiv die ein oder andere falsche Entscheidung getroffen haben. Sicher, man sollte Veränderungen gegenüber immer offen sein; erst Recht wenn sie durch einen grundsätzlichen Besetzungswechsel gar unabdinglich erscheinen. Doch in Anbetracht der Qualität und Wirkung von HEROES macht sich eben doch ein nicht unbedingt für ARTHEMIS sprechender Gedanke breit: nachdem sich 2008 ohnehin fast alle Mitglieder von der Combo verabschiedeten, hätte man für ein Output wie HEROES auch gleich eine gänzlich neue Band gründen können. Sicher – allein damit wäre es noch immer kein gutes Album geworden. Doch zumindest hätte man so vermeiden können, dass die neuen ARTHEMIS mit den alten verglichen werden – wobei der Sieger eindeutig feststeht.

Absolute Anspieltipps: VORTEX


„Eine ärgerliche Verschwendung von Talent und Potential.“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – Black Society (2008)

Alben-Titel: Black Society
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. Juli 2008
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Andrea Martongelli – Guitars
Alessio Garavello – Vocals, Guitars
Matteo Galbier – Bass
Paolo Perazzani – Drums

Track-Liste:

1. Fright Train (04:28)
2. Angels in Black (04:09)
3. Electri-Fire (04:37)
4. Medal of Honor (04:13)
5. Escape (03:43)
6. Black Society (07:36)
7. Mechanical Plague (03:54)
8. Let It Roll (04:06)
9. Zombie Eater (05:23)
10. Mr. Evil (03:55)

Entdecke die dunkle Seite der Gesellschaft – auch wenn sie beileibe nicht so klingt.

BLACK SOCIETY ist das fünfte offizielle Studioalbum der italienischen Power Metaller von ARTHEMIS – und das immerhin vierte unter der Führung des Leadsängers Allessio Garavello, der direkt nach dem Debütalbum CHURCH OF THE HOLY GHOST (siehe Review) zur Band stieß. Dabei hatte Garavello, der ab 2001 auch als Leadsänger für die britische Genre-Combo POWER QUEST verpflichtet wurde; einen nicht unerheblichen Anteil am Funktionieren von großartigen ARTHEMIS-Alben a’la THE DAMNED SHIP (Review). Gleichzeitig aber – und das ist das kuriose – schien er auf den späteren Alben teilweise markant zu schwächeln. So ist gerade das 2005 erschienene Album BACK FROM THE HEAT mit Vorsicht zu genießen – wobei nicht gänzlich klar ist, ob dieser Umstand allein aus der Zweigleisigkeit Garavello’s hervorgegangen ist. Sicher hatten die anderen Mitglieder von ARTHEMIS auch noch ein Wörtchen mitzureden – die eingeführte neue Marschrichtung der Band hin zu einem deutlich rockigeren und moderneren Sound erledigte wohl alles übrige. Anders gesagt: auch eine Band wie ARTHEMIS ist sicher nicht unfehlbar, und hat im Laufe der Jahre sowohl einige sehr gute, als auch einige deutlich schlechtere Genre-Alben hervorgebracht.

Wo genau sich diesbezüglich nun das 2008 erschienene BLACK SOCIETY einordnen lässt, bleibt nicht lange ein Geheimnis. Fakt ist, dass sich ARTHEMIS auch in diesem Fall nicht nennenswert an ihre einstigen Glanzzeiten angenähert hatten – und sich demnach immer weiter von ihrer ehemaligen Rauhheit und der an den Tag gelegten Progressivität entfernten. Immerhin machten sie hier nicht den gleichen Fehler wie auf BACK FROM THE HEAT, sodass von den ersten Takten von FRIGHT TRAIN klar wird worauf man sich mit diesem Album einlassen wird: auf ein recht beschwingtes, vergleichsweise einfach gestricktes und eher klassisch-rockig aufgemachtes Genre-Album. Eines, dass in seinen besten Momenten dezent an diverse kultige Combos aus den 80ern erinnert – wofür sich unter anderem das markante Riffing und die netten Melodien verantwortlich zeichnen. Eines hatten ARTHEMIS jedenfalls noch immer nicht verlernt, auch wenn sie es wie auf BLACK SOCIETY immer weniger zur Schau stellten: mit ihren Instrumenten umzugehen. Schade ist in diesem Zusammhang nur, dass der Bass so gut wie überhaupt nicht zu hören ist – und diverse Effekte (markant: ZOMBIE EATER) das Ganze eher in Richtung eines moderneren Anstrichs driften lassen.

Im weiteren Verlauf des Albums zeigt sich dann vor allem eines: dass ARTHEMIS nicht nur innerhalb ihrer Diskografie höchst verschiedene Eindrücke hinterlassen können, sondern auch innerhalb eines einzelnen Alben-Kontextes. Während ein Großteil der Nummern recht energetisch daherkommt, mit interessanten Soli-Parts gespickt und mit guten Refrains versehen sind; gibt es leider auch gänzlich andere – wie etwa das regelrecht klägliche ANGELS IN BLACK mit seinem übermäßigen Keyboardeinsatz und einigen ärgerlichen Pop-Anleihen. Einige andere sind dagegen vielleicht nicht direkt als Schwachpunkte auszumachen, doch können im Endeffekt auch nicht wirklich überzeugen – wie etwa das eher langatmige und mit ungünstigen Background-Shouts versehene MEDAL OF HONOUR. eben jene Nummer macht auch auf einen weiteren markanten Knackpunkt aufmerksam, der bereits im Eingang dieser Rezension angedeutet wurde: Alessio Garavello hatte stimmlich auch auf BLACK SOCIETY reichlich zu kämpfen. Und wenn schon nicht er selbst, dann doch der geneigte Genre-Hörer – der sich irgendwann schlicht an seiner wenig variablen Gesangslage im hohen Bereich sattgehört hat. In jedem Fall entsteht nach wie vor der Eindruck, dass sein Gesang wesentlich besser zum musikalischen Schaffen von POWER QUEST gepasst hatte – und nicht wirklich zum immer rockiger, sich dezent vom ursprünglichen angepeilten Genre des klassischen europäischen Power Metal entfernenden ARTHEMIS-Sound der Post-THE DAMNED SHIP-Ära.

Letztendlich macht BLACK SOCIETY noch immer eine dezent bessere Figur als der Vorgänger BACK FROM THE HEAT – doch die wenigen wirklich überzeugenden Momente reichen nicht aus, um das Album im Sinne einer absoluten Kaufempfehlung zu retten. Dafür wirft allein der Leadgesangspart zu viele Geschmacksfragen auf (Stichwort LET IT ROLL) – und eventuell auch die wehmütige Erinnerung daran, wie grandios ARTHEMIS einst geklungen haben. Spätestens ab BACK FROM THE HEAT schien aber eher eine gewisse Massentauglichkeit zu grüßen… leider.

Absolute Anspieltipps: FRIGHT TRAIN, ELECTRI-FIRE, MECHANICAL PLAGUE


„Weder wirklich gut noch schlecht, und damit fast schon ärgerlich belanglos.“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – Back From The Heat (2005)

Alben-Titel: Back From The Heat
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: September 2005
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Paolo Perazzani – Drums
Matteo Galbier – Bass
Alessio Garavello – Vocals
Andrea Martongelli – Guitars
Matteo Ballottari – Guitars

Track-Liste:

1. Rise Up from the Ashes (03:51)
2. Only Your Heart Can Save Us (04:01)
3. Free Spirit (03:56)
4. Desert Storm (03:52)
5. Star Wars (04:34)
6. Touch the Sky (03:46)
7. Here Comes the Fury (04:14)
8. Ocean’s Call (03:01)
9. The Vampire Strikes Back (05:06)
10. Thunder Wrath (04:12)

Eine Rückkehr – aber nicht ohne Blessuren.

Nachdem die italienischen Power Metaller von ARTHEMIS mit CHURCH OF THE HOLY GHOST (siehe Review), THE DAMNED SHIP (Review) und GOLDEN DAWN (Review) gleich zu Beginn ihrer Karriere drei respektable Studioalben abgeliefert hatten; folgte 2005 das vierte Werk aus der hiesigen und offenbar recht fleißigen Genre-Schmiede. BACK FROM THE HEAT beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtlaufzeit von übersichtlichen 40 Minuten – und könnte durchaus als eines der bis dato umstrittensten Alben der Band bezeichnet werden. Der Grund dafür liegt nicht unbedingt auf der Hand, wobei selbst ein Blick auf das doch eher dezent peinliche Artwork (merkwürdig, dass es sich hier nicht um ein SKYLARK-Album handelt) noch nicht den ausschlaggebenden Hinweis liefert. Erst ein tatsächliches Einsteigen in die einzelnen Titel bringt den geneigten Power Metal-Konsumenten näher an die potentielle Crux, denn: ARTHEMIS klingen auf ihrem BACK FROM THE HEAT schlicht deutlich weniger interessant und / oder einzigartig als noch zuvor.

Anders gesagt: was einst durch ein druckvolles Grundtempo, eine ansprechende Progressivität und zahlreiche Alleinstellungsmerkmale beschrieben werden konnte; mündet dieses Mal in einem vergleichsweise massentauglich wirkenden Erzeugnis. Einem, das in Bezug auf die handwerklichen Leistungen zwar noch immer eine gute Figur macht – doch allein aufgrund der spürbar weicher und schnörkelloser gewordenen Kompositionen sowie des häufiger eingestreuten Keyboards deutlich weniger griffig und beeindruckend daherkommt. Immerhin: man war offenbar bemüht, diesem Eindruck mit dem noch immer recht schroffen Sound der Gitarren und der Drums entgegenzuwirken, etwas längere und aufwendigere Soli-Passagen gibt es ebenfalls – doch wird der ARTHEMIS-Sound auf BACK FROM THE HEAT viel zu oft von balladesken und harmlos-rockigen Strömungen konterkariert. Die nehmen dem Album viel von seinem potentiellen Biss, sodass die ehemalige Band-Formel bezüglich einer gelungenen Verquickung verschiedener Elemente und Emotionen nicht mehr wirklich aufgeht. Denn: die Instrumentalstücke und der Leadgesang werden hier eher eins, als dass sie als stimmige und sich ergänzende Gegenpole fungieren.

Eben jener Leadgesang von Allesio Garavello ist es auch, der einen weiteren diskutablen Aspekt von BACK FROM THE HEAT offenbart. Garavello – der zur Zeit der Veröffentlichung von BACK FROM THE HEAT bereits maßgeblich bei den Jungs von POWER QUEST eingespannt war – klingt hier erstmals so, als wäre er nicht wirklich bei der Sache gewesen. Fakt ist, dass seine Auftritte auf den beiden vorherigen Alben wesentlich überzeugender wirkten – auch da sie insgesamt variabler erschienen. Auf BACK FROM THE HEAT bewegt er sich oftmals ausschließlich in sehr hohen Gefilden (DESERT STORM, HERE COMES THE FURY) oder steuert eine gewisse Form der Emotionalität bei, die hier nicht wirklich zum allgemeinen Soundeindruck der Band zu passen scheint – wie etwa bei STAR WARS. Wohl aber zu POWER QUEST und deren Blütezeit mit Alben wie NEVERWORLD (Review) und MAGIC NEVER DIES (Review), an die man bei der Verköstigung dieses Albums unweigerlich denken wird.

Doch auch ganz unabhängig von etwaigen Geschmacksfragen bezüglich des Leadgesangs wird man spätestens mit Nummern wie OCEAN’S CALL feststellen, dass ARTHEMIS hier einfach nicht mehr wirklich nach den einstigen ARTHEMIS klingen. Sicher, Veränderungen oder ein wie-auch-immer gearteter frischer Wind sind grundsätzlich nicht schlechtes – doch wenn anstatt wirklicher Innovationen schlicht eine ordentliche Portion Kitsch, Schmalz und Herzschmerz Einzug halten; läuft man verständlicherweise Gefahr alteingesessene Hörer zu vergrätzen. Etwas interessanter ist da schon die wenn man so will aggressivste Nummer des Albums, THE VAMPIRE STRIKES BACK – doch auch hier sind die Ähnlichkeiten zum quasi gleichzeitigen POWER QUEST-Output frappierend. Und überhaupt: wirklich authentisch wirkt die auf BACK FROM THE HEAT dargebotene Ansammlung an Titeln und behandelten Themen nur selten. Ob das Album dennoch Spaß machen kann, muss ein jeder für sich selbst ausprobieren – doch die früheren Releases von ARTHEMIS scheinen sich allgemein besser für einen Einstieg in die hiesigen musikalischen Welten zu eignen.

Absolute Anspieltipps: ONLY YOUR HEART CAN SAVE US, THE VAMPIRE STRIKES BACK


„Der Eindruck des Artworks täuscht in diesem Falle nicht, leider: ARTHEMIS klangen schon einmal wesentlich überzeugender.“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – Golden Dawn (2003)

Alben-Titel: Golden Dawn
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2003
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Matteo Galbier – Bass
Alessio Garavello – Vocals
Andrea Martongelli – Guitars
Matteo Ballottari – Guitars
Paolo Perazzani – Drums

Track-Liste:

1. Fire, Set Us Free (04:24)
2. Black Rain (04:04)
3. The End of the World (04:18)
4. The Traveller (04:13)
5. Master of the Souls (04:53)
6. Arthemis (04:14)
7. The Axe Is Coming (04:11)
8. From Hell to Hell (04:00)
9. Golden Dawn (04:21)
10. Might for Right (Heavy Load cover) (03:15)

Ein neuer Tag ist angebrochen, es gilt etwas zu schaffen.

GOLDEN DAWN ist das dritte offizielle Studioalbum der italienischen Power Metal-Combo ARTHEMIS, die seit ihrem Debütalbum CHURCH OF THE HOLY GHOST (siehe Review) und der Rekrutierung des späteren POWER QUEST-Leadsängers Alessio Garavello immer öfter von sich hören ließ. Doch wie sollten ARTHEMIS noch eine Schippe auf den überaus gelungenen Vorgänger THE DAMNED SHIP (Review), auf dem Garavello seinen tadellosen Einstand feierte; drauflegen – und das auch noch in so kurzer Zeit ? Schließlich sind zwischen den beiden Alben gerade einmal 2 Jahre vergangen. Immerhin, ARTHEMIS geben auf ihrem GOLDEN DAWN durchaus eine Antwort auf diese und andere Fragen – das Problem ist nur, dass sie nicht wirklich überzeugend ausfallen.

Das gilt insbesondere dann, wenn man die beiden Vorgänger zwecks eines direkten Vergleichs zu Rate zieht. Denn, und diese Feststellung ist noch völlig unabhängig von der Qualität des jeweils enthaltenen Materials zu treffen: CHURCH OF THE HOLY GHOST und THE DAMNED SHIP waren schlicht ungleich spannender als das insgesamt ebenfalls nicht schlechte, vergleichsweise aber doch eher langatmige GOLDEN DAWN. Sicher, der Leadgesang von Alessio Garavello klingt auch in diesem Fall weitestgehend stilsicher – selbst wenn seine hohen Gesangslagen auch mal dezent anstrengend werden können, wie etwa im Opener FIRE SET US FREE – und ist zusätzlich mit einem hohen Wiedererkennungswert versehen. Auch die Gitarren frickeln recht munter durch die Landschaft, analog zum wieder angenehm präsenten Bass und dem variablen Schlagzeugspiel – die einzelnen Mitglieder haben also schon einmal nichts von ihren Fähigkeiten eingebüßt. Die Präsentation fällt ebenfalls schön wuchtig aus, und überzeugt vor allem mit einem antreibenden Druck in den tieferen Frequenzen.

Die Tatsache, dass die einst herausragenden Soli mit ihrem leicht exzentrischen Anstrich nunmehr deutlich gekürzt wurden, die progressiveren Strukturen weichen mussten und sich ARTHEMIS auch sonst eher angepasst geben weist aber schon auf das eigentliche Problem des Albums hin. Es geht einfach zu sehr auf Nummer sicher, wagt keinerlei nennenswerte Ausbrüche – und fühlt sich im Endeffekt schlicht deutlich zu gleichförmig an. Zwar sind so gut wie alle Nummern als solide zu bezeichnen – wenn man von der wirklich unsäglichen Ballade GOLDEN DAWN absieht – aber mehr auch nicht. Markant herausragende Highlights gibt es keine – auch wenn THE END OF THE WORLD mit seiner außergewöhnlichen Rhythmik verdächtig nah an eben jenem begehrten Status kratzt. Doch seien es das etwas unentschlossene BLACK RAIN mit seinen Rock-Anleihen, das nicht zuletzt durch den verschenkten Refrain etwas holprige THE TRAVELLER, das gesanglich dezent problematische MASTER OF SOULS, das langatmige ARTHEMIS – das hier dargebotene Material bewegt sich weit davon entfernt unterirdisch zu sein, doch wirklich schlagkräftig sind die hiesigen ARTHEMIS-Argumente dieses Mal auch nicht.

Schlussendlich: ARTHEMIS können mit und auf ihrem GOLDEN DAWN selbst in Anbetracht ihres offensichtlich vorhandenen Talentes nicht allzu viel reißen – zumindest wenn darum geht, ihre selbst auferlegte Messlatte zu erreichen. Das ist zwar schade, aber ihre gut bestückte Diskografie hält bekanntlich noch einige andere; teilweise deutlich hochkarätigere Werke bereit. Fans der Combo werden ohnehin zugreifen, und das gewissermaßen auch mit Recht – Neueinsteiger sollten sich aber vielleicht lieber erst mit dem stärkeren THE DAMNED SHIP befassen.

Absolute Anspieltipps: FIRE SET US FREE, THE END OF THE WORLD, THE AXE IS COMING


„Noch ganz locker ein überdurchschnittliches Genre-Album – doch von ARTHEMIS hätte man durchaus noch etwas mehr erwarten können.“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – The Damned Ship (2001)

Alben-Titel: The Damned Ship
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: September 2001
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Matteo Ballottari – Guitars
Matteo Galbier – Bass
Alessio Turrini – Drums
Alessio Garavello – Vocals
Andrea Martongelli – Guitars

Track-Liste:

1. Quest for Immortality (07:01)
2. Voice of the God (05:20)
3. Sun’s Temple (06:09)
4. Starchild (05:41)
5. The Wait (01:05)
6. The Night of the Vampire (06:45)
7. Earthquake (04:20)
8. Noble Sword (05:07)
9. The Damned Ship (05:42)

Das Schiff mag verdammt sein, die Besatzung ist es aber noch lange nicht.

Sicher, mit ihrem 1999’er Debütalbum CHURCH OF THE HOLY GHOST hatten die italienischen Power Metaller von ARTHEMIS schon mehr als ordentlich abgeliefert (siehe Review). Doch mit der zwischenzeitlich gewonnenen Erfahrung, dem neuen Leadsänger Alessio Garavello (der im Jahr 2001 ebenfalls als Frontmann von POWER QUEST verpflichtet wurde) und den besseren Möglichkeiten in Bezug auf die Präsentation sollte das Zweitwerk der Italiener vielleicht noch ein wenig mehr einschlagen. Denn: während die bereits auf dem Debütalbum der Band etablierten Trademarks auch auf dem vorliegenden Nachfolger weiterhin hochgehalten wurden, stimmte es nun auch endlich hinsichtlich der Abmischung der einzelnen Elemente – und damit auch dem nunmehr wesentlich wuchtigeren Gesamteindruck. Anders gesagt: der vergleichsweise klassische Sound der Band, der schön vordergründig tönende Bass und die dezent progressiv angehauchten Strukturen inklusive zahlreicher ausgedehnter Instrumentalparts machten schon den Vorgänger großartig – doch erst mit und auf THE DAMNED SHIP konnte man ARTHEMIS erstmals in einem klanglich absolut zufriedenstellenden Gewand erleben.

Im Hinblick auf das Konzept und die angestrebte Wirkung hatte sich indes nicht allzu viel geändert – sodass auch THE DAMNED SHIP als äußerst Riff-geladenes, bassiges, energetisches und zielstrebiges Gesamtpaket daherkommt. Eines, dessen Wirkungskraft man sich kaum entziehen kann – nicht zuletzt dank der hervorragenden Leistungen der einzelnen Mitglieder, die ihr Handwerk zum Zeitpunkt der Aufnahmen perfekt beherrschten. Schon der Opener QUEST FOR IMMORTALITY entfaltet so eine packende Atmosphäre, wobei sich der Leadgesang erst gar nicht allzu sehr von dem des Vorgängers unterscheidet. Doch auch wenn Neuzugang Alessio Garavello und sein Vorgänger Alberto Caria damit klar an der gleichen Basis gearbeitet, und sich für ihre Arbeit am Projekt ARTHEMIS entsprechend angepasst hatten; ist der Gesang des neuen Leadsängers dennoch mit einem nicht unwichtigen Vorteil versehen. Welcher das sein könnte, liegt recht schnell auf der Hand: Alessio Garavello’s Auftritt ist insgesamt deutlich stilsicherer als der seines Vorgängers – und in seiner Gesamtheit auch einzigartiger. Die Folge war, dass der neue ARTHEMIS-Leadgesang mit einem deutlich höheren Wiedererkennungswert versehen war – und die Band endlich die perfekte Ergänzung für ihre raffinierten musikalischen Kompositionen gefunden hatte.

Trotz allem gibt es einige Aspekte, die das Album noch dezent hinter seinen eigentlichen Möglichkeiten zurückbleiben lassen. Da wäre etwa die Tatsache; dass es nicht mehr ganz so verspielt, klassisch-progressiv und abwechslungsreich ist wie seinerzeit der kultige Vorgänger. Sicher klingen ARTHEMIS hier noch immer ausreichend anders als so viele ihrer italienischen Genre-Kollegen, doch gefühlt hatte man sich zumindest ein wenig angepasst. Eine Nummer wie STARCHILD dagegen offenbart, dass auch ein Alessio Garavello nicht immer stilsicher klingt – sondern auch mal eher befremdlich. Trotz der grandiosen Instrumentalstrecke und des beeindruckenden Finales erhält man so nur einen durchschnittlichen Titel. Ebenfalls mit gemischten Gefühlen zu betrachten sind die beiden rein instrumentalen Interludes, die als Aufbau um das starke NIGHT OF THE VAMPIRE fungieren. THE WAIT fällt mit seiner Spielzeit von nur einer Minute sowie seinem recht harmlosen geklimpere sogar völlig aus dem Rahmen, während das längere EARTHQUAKE am ehesten als Zurschaustellung der fähigkeiten der beiden Gitarristen der Band zu verstehen ist – als alleinstehehden Titel aber weniger gut funktioniert.

Dennoch: für alle Fans von eher klassisch ausgelegten italiensichen Power Metal-Combos, bei denen sich die Qualitäten des Gesangs und der Instrumentalstrecken auf einem kontinuierlich hohen Niveau bewegen – und die dazu noch das gewisse Etwas mitbringen, auch ohne die nennenswerte Unterstützung eines Keyboards – ist THE DAMNED SHIP ein absolutes Muss.

Absolute Anspieltipps: QUEST FOR IMMORTALITY, VOICE OF THE GODS, SUN’S TEMPLE, THE NIGHT OF THE VAMPIRE, THE DAMNED SHIP


„Etwas angepasster und weniger progressiv als der Vorgänger – der neue Leadsänger und die perfektionierten Präsentationsaspekte sorgen aber für den ein oder anderen Boni.“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – Church Of The Holy Ghost (1999)

Alben-Titel: Church Of The Holy Ghost
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Dezember 1999
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Andrea Martongelli – Guitars
Matteo Galbier – Bass
Alessio Turrini – Drums
Matteo Ballottari – Guitars
Alberto Caria – Vocals

Track-Liste:

1. War (07:09)
2. Tyrants‘ Time (07:12)
3. Time to React (04:06)
4. Tomorrow’s World (05:16)
5. Claws of the Devil (05:46)
6. The Storm (08:46)
7. Twilight in the Dark (07:06)
8. Church of the Holy Ghost (07:55)

Ist der Geist erst einmal aus der Flasche…

CHURCH OF THE HOLY GHOST ist das 1999 erschienene Debütalbum der italienischen Power Metal-Combo ARTHEMIS, die bereits seit 1994 (damals noch unter dem Namen NEMHESIS) ihr Unwesen treibt. Aus dieser Zeit scheint aber nicht mehr allzu viel übrig zu sein – zumal die Band ohnehin erst bekannter und erfolgreicher wurde, als ein gewisser und später als POWER QUEST-Frontmann bekannt gewordener Alessio Garavello den Posten des Leadsängers übernahm. Interessanterweise geschah das aber erst kurz nach dem vorliegenden CHURCH OF THE HOLY GHOST – sodass man hier das wohl mit Abstand ursprünglichste und raueste heute noch verfügbare ARTHEMIS-Material auf die Lauscher bekommt. Und eben darauf sollte man sich auch einstellen respektive nicht mit einem allzu ausgefeilt klingenden musikalischen Erguss rechnen. Immerhin erschien das Album seinerzeit als reine Independent-Produktion, und den Mitgliedern standen offenbar nicht die besten Möglichkeiten in Bezug auf die Aufnahme, das Mixing und die Produktion zur Verfügung.

Wenn man darüber hinwegsehen kann – und eventuell noch über den zunächst gewöhnungsbedürftigen Leadgesang von Alberto Caria – lässt sich aber dennoch ein recht interessantes Genre-Album entdecken. Und das ist vielleicht sogar noch untertrieben formuliert, denn: die hier offerierten Kompositionen tönen mal so gar nicht nach typischen Power-Klischees der Marke Italien. Vielmehr legt CHURCH OF THE HOLY GHOST einen erstaunlich klassischen Genre-Sound vor, der mit seinem hervorgehobenen Bass und den enorm progressiven Strukturen angenehm an eine längst vergangene Ära des Heavy Metal erinnert. Und eben dieser überraschend klassische Genre-Sound ist es auch, der das Album trotz der klaren Schwächen im Hinblick auf die Präsentation locker zu Tragen vermag. Anders gesagt: hat man sich erst einmal im Kontext des Albums eingefunden und sich an den Sound gewöhnt, steht dem klassischen Metal-Vergnügen eigentlich nichts mehr im Weg.

Das liegt auch an der insgesamt als vorzüglich zu bezeichnenden Gitarrenarbeit inklusive zahlreicher ansprechender Instrumentalstrecken und Soli, dem im Verlauf des Albums gefühlt immer sicherer werdenden Leadsänger Alberto Caria; sowie der generell recht energetischen bis furiosen Gesamtwirkung von Brechern a’la WAR oder TYRANTS TIME. Doch der allgemeine Unterhaltungswert wird daraufhin sogar noch gesteigert. Sei es der kürzeste Titel des Albums (TIME TO REACT) mit seinen überzeugenden Tempiwechseln, das lockere aber kultverdächtige TOMORROW’S WORLD, das leicht verrückte CLAWS OF THE DEVIL – ARTHEMIS haben hier einiges abgeliefert, wobei jedes einzelne Instrument schier hervorragend abschneidet und mit einer größtmöglichen Flexibilität agiert.

Respekt verdienen jedenfalls alle Beteiligten: das äußerst variable, lebendige Drumming von Alessio Turrini begeistert, der Bass von Matteo Galbier geht niemals unter, das inszenierte Spektakel der Gitarristen Andrea Martongelli und Matteo Ballottari ist ein Highlight für sich – und Leadsänger Alberto Caria überzeugt letztendlich doch, nicht zuletzt dank seiner Sicherheit in den hohen Lagen. Schade bleibt natürlich, dass das Album seine potentiell enorm hochkarätige Wirkung niemals gänzlich entfalten kann. Oder anders gesagt: der eher an eine plumpe Garagenproduktion erinnernde Klangeindruck wird der eigentlichen Größe von CHURCH OF THE HOLY GHOST kaum gerecht – und verhindert im Zusammenspiel mit dem nicht immer optimalen Leadgesang, dass das Album in den absoluten Wertungs-Olymp aufsteigt. Bei einer Empfehlung und einem der interessanteren Italien-Releases bleibt es aber dennoch.

Absolute Anspieltipps: TYRANT’S TIME, TIME TO REACT, TOMORROW’S WORLD, CLAWS OF THE DEVIL


„Ein Album, dass es trotz der schwächelnden Präsentation in sich hat.“