Metal-CD-Review: KELDIAN – The Bloodwater Rebellion (2022)

Alben-Titel: The Bloodwater Rebellion
Band: Keldian (mehr)
Veröffentlichung: 10. Juni 2022
Land: Norwegen
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Galactic Butterfly Music

Lineup:

Christer Andresen – Bass, Guitars, Vocals
Arild Aardalen – Keyboards, Vocals (additional)

Track-Liste:

1. The Million Dollar Mile (05:10)
2. I Am The Taker (04:17)
3. Tundra (04:08)
4. The Lighthouse Burden (05:24)
5. Voices of the Dead (04:16)
6. A Ghost And A Promise (04:44)
7. We Are Rebellion (06:10)
8. The Legacy Lament (05:34)
9. Thunderstorm Of The Century (06:49)

Von Rebellionen und solchen, auf die man hätte verzichten können.

Ein jeder, der dem glücklicherweise recht breit gefächerten Genre des Power Metals auch nur ansatzweise zugetan ist; wird es neidlos zugestehen müssen: Momente, in denen die Jungs von KELDIAN etwas neues von sich hören lassen; sind generell wunderbare Momente. Nicht von ungefähr gilt die aus Norwegen stammenden 2-Mann-Combo als waschechter Geheimtipp – und das schon seit vielen Jahren. Wobei gerade das auch schon wieder relativ verwunderlich erscheint – müsste die Band doch schon längst über diesen Status hinausgekommen sein; nicht zuletzt in Anbetracht ihrer ureigenen musikalischen Qualitäten. Entsprechend handfeste Belege für das, wozu KELDIAN imstande sind; gibt es schließlich zuhauf: Alben wie HEAVEN’S GATE (Review), JOURNEY OF SOULS (Review) oder OUTBOUND (Review) stellten und stellen sich als wahre Leuchtfeuer in der hauseigenen Diskografie der Norweger heraus. Und das nicht nur, weil es sich im Hinblick auf das Handwerk relativ zweifelsfrei um sehr gute Power Metal-Alben handelt – sondern auch und vornehmlich, da KELDIAN seit jeher ihren ganz eigenen Stil an den Tag gelegt haben. Einen Stil, der mit keiner anderen damals oder derzeit aktiven Band vergleichbar ist – und der mitunter als sphärisch, mindestens aber angenehm abenteuerlich bezeichnet werden kann.

Auch das letztaktuelle Studiowerk DARKNESS AND LIGHT (Review) konnte, obwohl es insgesamt betrachtet dezent hinter den Vorgängern anstehen musste, meist selbst sonst eher kritische Hörer überzeugen – indem es einige für die Band eher frische und ungewohnte, dabei aber stets außerordentlich gut durchdachte und schier perfekt in Szene gesetzte Inhalte anzubieten wusste. Überhaupt erscheint es gerade in Anbetracht eines Albums wie DARKNESS AND LIGHT – und nun auch THE BLOODWATER REBELLION – äußerst schwierig zu sein, KELDIAN ausschließlich im Bereich eines eher klassischen Power Metals verorten zu wollen. Natürlich bedienen sie dieses Genre – und das mitunter so packend, emotional und meisterlich; dass einem die Tränen kommen könnten – doch sind ihre musikalischen Einflüsse weitaus zahlreicher. Seien es diverse Einflüsse aus der Popmusik-Kultur der 80er Jahre, Anleihen aus elektronischen Musik-Genres oder generell ein Handwerk, welches auch Genres wie die des Rocks und Hardrocks ausmacht – zusammen mit den meist etwas höher greifenden thematischen Inhalten haben KELDIAN seit jeher dafür gesorgt, dass ihr musikalischer Output zu etwas ganz besonderem wird.

Das erste relative Problem, welches speziell das neueste Album BLOODWATER REBELLION diesbezüglich offenbart; liegt indes schnell auf der Hand: KELDIAN haben dieses Mal weitestgehend darauf verzichtet, sich unter dem Banner ihres ursprünglich angepeilten Genres auszutoben. Anders gesagt: die Anteile des Power Metals (wie man in per Definition oder aber von der Vergangenheit KELDIANs kennt) wurden stark zurückgefahren, das Album fällt oberflächlich betrachtet deutlich weniger temporeich, unspektakulärer und zusätzlich in Richtung eines melodischen Elektro-Rocks getrimmten Stils aus. Sicher muss dies noch nichts schlechtes bedeuten, da sich eine jede Band im Laufe ihrer Karriere musikalisch weiterentwickelt, vielleicht auch weiterentwickeln sollte – doch gerade in diesem Fall handelt es sich dann doch um eine relativ schmerzvolle Erkenntnis. Denn, und das fällt insbesondere jetzt auf: KELDIAN waren immer dann besonders herausragend, wenn sie die Grenzen des Power Metals für sich ausgelotet haben. Also etwa, indem sie einige grundlegende Basis-Zutaten wie ein schnelles Tempo, prägnante Riffs und mitreißende Refrains mit ihren ganz persönlichen Soundmerkmalen garniert und zu einem ebenso komplexen wie zufriedenstellenden Ganzen verwoben haben.

Diese Ära in der Historie KELDIANs scheint nun allerdings – und leider – vorüber. Wobei die Probleme gar nicht erst mit der neuen stilistischen Ausrichtung beginnen, sondern bereits mit dem schier unsäglichen, sich im Sinne eines Alptraums in die Synapsen brennenden Cover-Artworks (gut, kann man so machen) sowie dem direkt auffallenden inhaltlich-thematischen Konzept. Es scheint offensichtlich, dass KELDIAN die Corona-Krise „genutzt“ haben – und sich aus den augenscheinlichen, mit ihr einhergehenden Problemen eine entsprechend düstere, dystopische Version einer Zukunft erdacht haben. Eine, die eigentlich gar nicht so erschreckend erscheint in Anbetracht der verstörenden Zeiten, in denen wir aktuell leben – was doch einiges an der eventuell beabsichtigten Wirkungskraft verpuffen lässt. Anders gesagt: die angesprochenen Probleme und Song-Ideen erscheinen, auch wenn sie durchaus einen aktuellen Bezug haben (wie es bereits anhand der Single-Auskopplung WE ARE REBELLION zu sehen war), eher merkwürdig gewichtet und mäandrierend, ohne auf einen wirklichen Punkt zu kommen. So kommt vor allem ein Gedanke auf: vielleicht hätten KELDIAN bei ihren bisherigen Themenfelder bleiben sollen; mit klaren Anti-Politik-Nummern wie SNAKES OF THE EARTH (der war auf DARKNESS AND LIGHT) als Ausnahme respektive besondere Beigabe. Themen, die den Zuhörer gefühlt in andere Sphären „entführt“ haben, auf dass man (im besten Fall) einen ganz anderen Blick auf die Welt erhält – anstatt sich nun relativ lehrerhaft und plakativ aufzeigen lassen zu müssen, was der Meinung KELDIANs nach alles schief läuft. Ob nun in unserer oder der Welt von BLOODWATER REBELLION, das spielt nicht wirklich eine Rolle.

Doch selbstverständlich handelt es sich bei derartigen inhaltlichen Interpretationen und Gedanken um höchst subjektive Gedanken, und es wird noch immer einige geben die diese neue Herangehensweise von KELDIAN umso mehr zu schätzen wissen. Ob das allerdings auch für die Musik selbst gelten kann, sei einmal dahingestellt. Denn: BLOODWATER REBELLION klingt schlicht verdammt; nun, heruntergeputzt. Heruntergeputzt oder heruntergeschraubt auf ein Minimum, mit vielen Passagen und Klängen die eher beschaulich vor sich dahinplätschern als wirklich mitzureißen. Schlimmer noch, manchmal gerät der Sound von KELDIAN sogar absolut banal, wie etwa im Opener THE MILLION DOLLAR MILE mit seiner spätestens seit STRATOVARIUS‘ HUNTING AND LOW allseits bekannten Anti-Gier-These und den unsäglichen „Yummy-Yummy“-Einwürfen. Das tut richtig weh, erst Recht in Anbetracht dessen dass KELDIAN noch immer ihr Handwerk verstehen – in Bezug auf die Instrumente und den Leadgesang gibt es (fast) nichts zu mäkeln, wobei der spätere Soli-Part sogar Erinnerungen an alte, glanzvolle Zeiten wach werden lässt. Aber was soll man machen, wenn die Ideen, der zündende Funke und vor allem die Energie fehlen ?

So gesellt sich eine eher schwergängige Nummer an die nächste. Schwergängig deshalb, weil nicht nur das Tempo und der gewohnte Druck fehlen – sondern auch, da KELDIAN weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Und tatsächlich: unspektakulär-säuselnde Postrock-Nummern wie I AM THE TAKER oder TUNDRA hätten es früher vielleicht auf irgendeine B-Seite geschafft, als Ergänzung – nun aber sollen sie ein ganzes Album stemmen, was einfach nicht funktioniert. Wo ist das Feuer, wo die Inspiration ? Einzig einige Instrumental-Strecken wissen zu überzeugen – aber auch gilt: früher hätte man daraus ein stimmiges Interlude, und keine(n) vollwertigen Titel gemacht. Wer meint, dass es nicht viel schlimmer geht; sollte sich allerdings erst Nummern wie A GHOST AND A PROMISE widmen. Hier werden ganz, ganz böse Parallelen zu den Kollegen von SONATA ARCTICA ersichtlich, die sich auf ihren neueren Alben ebenfalls in so manche Richtung ausprobiert haben. Ja, selbst eine Nummer wie THE LEGACY LAMENT klingt trotz des eigentlich von der Band bekannten sphärischen Anstrichs merkwürdig aufgesetzt. Zumal der (hörbar angestrengte) Leadgesang von Christer Andresen hier wahrlich nicht glänzt. Selbst die spätere Instrumentalpassage wird durch einen viel zu lauten Synthesizer zerstört – solche Abmischungs-Probleme sind bei KELDIAN bisher noch nicht vorgekommen.

Lediglich Nummern wie THE LIGHTHOUSE BURDEN, VOICES OF THE DEATH und eventuell WE ARE REBELLION lassen ein wenig des guten alten KELDIAN-Flairs durchklingen – allerdings noch immer auf einem deutlich mittelprächtigeren Niveau als zuvor. Insgesamt betrachtet handelt es sich hier also – und leider Gottes – um einen doppelten Reinfall. THE BLOODWATER REBELLION ist einerseits enttäuschend, da sich KELDIAN so weit weg von ihren musikalischen Wurzeln bewegen dass es schmerzt, auch wenn man durchaus Toleranz gegenüber Neuentwicklungen mitbringt – und andererseits, da es als Konzeptalbum nur wenig Aufsehen erregen kann. Viel zu flach und minimalistisch ist die Herangehensweise, viel zu uninspiriert und unemotional der Gesamteindruck. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Album eine Ausnahme ist und bleibt – und KELDIAN wieder zu alten Stärken zurückfinden. Ansonsten könnte es das nämlich gewesen sein mit dem „Geheimtipp“ aus Norwegen – wenngleich die älteren Alben natürlich niemals vergessen werden sollten.

Anspieltipps: THE LIGHTHOUSE BURDEN

„Mit etwas Glück nur ein Ausrutscher, mit etwas Pech der Niedergang einer Legende.“

Diese Wertung sorgt für einen Abstieg von KELDIAN in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: FALCONER – From A Dying Ember (2020)

Alben-Titel: From A Dying Ember
Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichung: 26. Juni 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Metal Blade Records

Lineup:

Stefan Weinerhall – Guitars
Karsten Larsson – Drums
Mathias Blad – Vocals
Magnus Linhardt – Bass
Jimmy Hedlund – Guitars

Track-Liste:

1. Kings and Queens (04:40)
2. Desert Dreams (03:58)
3. Redeem and Repent (04:21)
4. Bland sump och dy (03:13)
5. Fool’s Crusade (05:25)
6. Garnets and a Gilded Rose (02:32)
7. In Regal Attire (03:53)
8. Rejoice the Adorned (03:41)
9. Testify (04:18)
10. Thrust the Dagger Deep (03:39)
11. Rapture (06:37)

Von einer Glut, die niemals vollständig verglimmt.

Fans der bekannten schwedischen Power Metal-Formation FALCONER werden es bereits gehört haben, für alle anderen sei es an dieser Stelle noch einmal erwähnt: ja, es ist leider wahr. FALCONER werden nach nunmehr 21 Jahren ihre musikalische Laufbahn respektive Karriere beenden – und mit dem heute zu Rezensionszwecken vorliegenden neunten Studioalbum FROM A DYING EMBER ihr letztes Studiowerk vorlegen. Zweifelsohne kommt diese Mitteilung ebenso unerwartet wie schockierend – und sollte die meisten Kenner der Band mit einem weinenden, aber eben auch einem lachenden Auge zurücklassen. Weinend deshalb, da FALCONER einen alles andere als unerheblichen Beitrag zum Power Metal-Genre geleistet haben – und man fortan auf weitere wahrhaft exzellente Werke wie das Debütalbum FALCONER (2001, siehe Review), CHAPTERS FROM A VALE FORLORN (2002, Review) oder NORTHWIND (2006, Review) verzichten muss. Lachend zurückgelassen wird man dagegen deshalb, da die Schweden eben nicht sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden wie so viele andere – und gegenüber ihren Fans eine klare Linie fahren. Und vielleicht ja auch, da sie im berühmt-berüchtigten schönsten Moment aufhören ? Dafür müsste FROM A DYING EMBER allerdings nochmal richtig einen raushauen – zumindest mehr, als das zuletzt erschienene BLACK MOON RISING (2014, Review) oder der komplett in der Landessprache der Schweden eingesungene Vorgänger ARMOD (2011, Review).

Die Chancen dafür sollten grundsätzlich gut stehen – denn wo sonst findet man schon eine derart erfahrene Band wie FALCONER, die selbst eine ihrer wohl größten Bewährungsproben (das war der Moment, in dem Leadsänger Mathias Blad die Band kurzzeitig respektive für immerhin 2 Alben verließ) doch noch mit Bravour bestand ? Fraglich ist demnach wohl nur, ob und wie sich das Wissen um den Status von FROM A DYING EMBER als letztes FALCONER-Album auf den Schöpfungsprozess ausgewirkt hat. Oder anders gefragt: haben FALCONER wirklich noch einmal alles gegeben, und ihrer Hörerschaft ein allerletztes Meisterwerk kredenzt ? Oder haben sie sich doch eher auf vergangene Erfolge besonnen, und es eher ruhig angehen lassen ? Um diese Frage möglichst treffend zu beantworten, könnte es ausnahmsweise einmal hilfreich sein sie eben nicht allzu angestrengt zu forcieren – sondern FROM A DYING EMBER stattdessen möglichst vorurteilsfrei und so gesehen auch als weiteres handelsübliches FALCONER-Album zu betrachten.

Das Album wird von KINGS AND QUEENS eröffnet – einer nicht besonders schnellen, aber gewissermaßen typischen FALCONER-Nummer mit prägnanten Riffs, interessanten Breaks und selbstverständlich auch dem – man kann es ruhig sagen – traumhaften Leadgesang von Mathias Blad. Entsprechend schnell ist man auch drin im Kosmos von FROM A DYING EMBER, das eindeutig als FALCONER-Album – und damit jener Band, die viele im Laufe der Jahre und Jahrzehnte kennen und lieben gelernt haben – zu identifizieren ist. Streiten könnte man sich wohl nur darüber, ob es sich bei dieser Nummer wirklich um einen treffenden Opener handelt – und ob nicht das folgende DESERT DREAMS besser geeignet gewesen wäre. Hier ziehen FALCONER schließlich noch einmal deutlich an, nicht nur was das Tempo betrifft – auch der geniale Refrain lässt Erinnerungen an die ganz großen Band-Momente wach werden. Hier ist eben überall ein wenig mehr drin, auch in den Strophen und dem Soli-Part – es handelt sich klar um das erste waschechte Highlight des Albums. Doch es geht weiter – auch mit REDEEM AND REPENT gibt man sich nicht die Blöße, und serviert dem Hörer viele der typischen (und eben auch: typisch-genialen) FALCONER-Trademarks. Denn seien es das hervorragende Songwriting, die Vielfalt und Wandelbarkeit innerhalb einzelner Titel, der allgemeine lyrische Tiefgang oder die perfekte Symbiose aus schön knackig klingenden Gitarren und dem weichen Leadgesang von Mathias Blad – so, und nicht anders macht ein FALCONER-Album wirklich Spaß.

Kleinere Abzüge in der B-Note gibt es auch, doch die sind je nach persönlicher Facón zu verschmerzen. So ist festzustellen – und wenn auch nur in einem höchst dezenten Maße – dass Mathias Blad möglicherweise nicht die beste Leistung seiner Karriere abruft. Sicher, grundsätzlich klingt er so markant und einzigartig wie eh und je, und damit auch gewissermaßen erhaben – doch ein kleiner Randeindruck, dass er auf früheren Alben für einen möglicherweise noch runderen Gesamteindruck gesorgt hat, lässt sich nicht gänzlich verdrängen. Ein Beispiel dafür findet sich etwa in FOOL’S CRUSADE – einer Nummer, bei der man das Gefühl bekommen könnte dass Blad der (wirklich starken) Instrumental-Front weniger entgegenzusetzen hat als zuvor. Das gilt natürlich nicht für die (gut platzierten) Momente, bei der sich die Instrumente auch mal etwas weiter zurückziehen – und Blad zu größeren gesanglichen Rundumschlägen ausholen kann – davon hätten es gerne noch etwas mehr sein dürfen. Ebenfalls fraglich respektive eine Geschmacksfrage ist, ob ein erneut auf schwedisch eingesungener Titel wie BLAND SUMP OCH DY etwas in der relativen Mitte des Albums zu suchen hat – und nicht besser am Ende oder als Bonustrack aufgehoben gewesen wäre.

Dann wird das Album aber noch einmal richtig stark: das mittelalterlich anmutende, später von satten Riffs durchzogene Instrumental GARNETS AND A GILDED ROSE bietet eine nette Abwechslung, und bietet den wohl perfekten Auftakt für das folgende IN REGAL ATTIRE. Selbige Nummer hat die wohl am stärksten voranpreschenden Strophen des Albums – schade nur, dass der eher entschleunigende Refrain diesbezüglich kaum mithalten kann und größeres verhindert. REJOICE THE ADORNED dagegen zeigt noch einmal auf, was Mathias Blad wirklich kann – und wirkt damit weniger wie eine typische Power Metal-Ballade, sondern vielmehr wie ein kleines Kunstwerk. Gänsehaut gibt es spätestens beim großen Finale, in dem auch noch ein kleiner Chor einsetzt – der Wahnsinn. Analog dazu ist es nur gut, dass FALCONER eines definitiv nicht können: kitschig klingen. TESTIFY wiederum passt inhaltlich perfekt zum Dasein des Albums als Abschluss-Werk – während TRUST THE DAGGER DEEP mit einigen Sound-Elementen aufwartet, die man so nicht unbedingt erwartet hätte. Auch hier gilt: es handelt sich um eine Geschmacksfrage. Aber: warum setzt man das Ganze nicht einfach an das Ende des Albums ? Immerhin, mit dem eigentlichen Rausschmeißer RAPTURE wartet noch einmal ein kleiner Hochkaräter auf den Hörer, der – gewissermaßen passend zu etwaigen Gedankenspielen über das Ende von FALCONER – ein kleines Gefühlschaos auszulösen vermag. Die Instrumentalstrecken und heftigen Tempoausbrüche gegen Ende, mit der FALCONER genialerweise sogar den Kreis zu ihrer Vergangenheit als MITHOTYN (das war lange her) schließen; sind jedenfalls höchst interessant.

Schlussendlich: FROM A DYING EMBER ist ein sehr gutes FALCONER-Album geworden. Vermutlich nicht ihr bestes – aber das war in Anbetracht der ruhmreichen Historie der Band auch nicht unbedingt zu erwarten. Fest steht nur, dass es ihr letztes ist – und in Anbetracht dessen ist den Schweden der Abschluss doch mehr als zufriedenstellend gelungen. Fans sollten ihre Sammlung also dringend vervollständigen – und fortan in (hoffentlich schönen) Erinnerungen über eine der besten Power Metal-Bands aller Zeiten schwelgen. Danke, FALCONER.

Anspieltipps: DESERT DREAMS, REDEEM AND REPENT, IN REGAL ATTIRE, REJOICE THE ADORNED, TESTIFY


„Ein würdiger Abschied einer großartigen Band.“

Diese Wertung sorgt für einen Aufstieg von FALCONER in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: ALESTORM – Curse Of The Crystal Coconut (2020)

Alben-Titel: Curse Of The Crystal Coconut
Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichung: 29. Mai 2020
Land: Schottland / USA
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Christopher Bowes – Keyboards, Vocals
Gareth Murdock – Bass
Peter Alcorn – Drums
Elliot Vernon – Keyboards, Vocals
Máté Bodor – Guitars

Track-Liste:

1. Treasure Chest Party Quest (04:16)
2. Fannybaws (04:14)
3. Chomp Chomp (03:32)
4. Tortuga (03:22)
5. Zombies Ate My Pirate Ship (05:04)
6. Call of the Waves (05:05)
7. Pirate’s Scorn (Donkey Kong Country cover) (02:47)
8. Shit Boat (No Fans) (01:14)
9. Pirate Metal Drinking Crew (03:45)
10. Wooden Leg Part 2 (The Woodening) (08:06)
11. Henry Martin (02:29)

Irgendwer hat mir da doch schon wieder was ins Getränk gemischt.

Ja, es ist mal wieder so weit – ALESTORM sind zurück. Im Gepäck haben die Schotten (die sich mittlerweile gerne in den USA aufhalten und sicher auch den ein oder anderen Trip gen Mexiko wagen) ihr sechstes offizielles Studioalbum mit dem prächtigen Titel CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT. Der Silberling erscheint wie schon die Vorgänger über Napalm Records, beinhaltet 11 brandneue Tracks und wird – das kann man ruhig schon einmal im voraus festhalten – den typischen Spaßfaktor der Marke ALESTORM auch dieses Mal nicht zu kurz kommen lassen. Einen raubeinigen Spaßfaktor der – und das muss man der eigentlich schon seit 2004 aktiven Band in jedem Fall zugute halten – sich seit jeher auf ein höchst solides Handwerks-Fundament stützt. Die alles entscheidende Frage ist also – und das heute wie damals – in wie weit man generell geneigt ist, sich den illustren Seeräuber-Abenteuern rund um Kapitän Christopher Bowes hinzugeben. Denn eines steht mit Sicherheit fest: die Musik von ALESTORM, oder eher ihre ebenso eigentümliche wie spaßige Interpretation des Genres wird beileibe nicht jedermann gefallen. Aber vielleicht ist das ja auch ganz gut so.

In Richtung der langjährigen Fans kann man zumindest – und nach dem ersten tieferen Einstieg in die Welt von CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT – Entwarnung geben. Schließlich sind ALESTORM weder gealtert noch haben sie großartig an ihrer angepeilten Spielart geschraubt – womit sie ab den ersten Klängen des Openers TREASURE CHEST PARTY QUEST direkt als jene einzigartigen Schotten erkannt werden können, die sie nun einmal sind. Nur eine Sache könnte unter Umständen als dezent problematisch angesehen werden, auch wenn man die Musik von ALESTORM noch nie als anspruchsvoll bezeichnen konnte: im Vergleich mit den Vorgängern scheint CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT in Sachen Eingängigkeit, genereller Oberflächlichkeit und vor allem lyrischer Einfachheit noch einmal ein Portiönchen draufzusetzen. Das kann man mögen, wobei es in erster Linie dem raubeinig-authentischen Leadgesang von Christopher Bowes zu verdanken ist, dass das Konzept dennoch gut aufgeht – man muss es aber nicht. Anders gesagt: wem eine Nummer wie MEXIKO vom Vorgänger NO GRAVE BUT THE SEA (siehe Review) zwar spaßig, aber schlicht und ergreifend einfach deutlich zu platt daherkam; der wird vermutlich auch an CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT verzweifeln.

Immerhin, ALESTORM sind immer wieder bemüht für neue Eindrücke oder zumindest etwas Abwechslung zu sorgen – wobei man darüber streiten kann, ob ihnen das wirklich gelingt. Klar, an der Instrumental-Front gibt es wieder mal einiges zu entdecken – von der gelungenen Keyboard-Arbeit inklusive vieler kleiner Sound-Überraschungen über die recht stark im Fokus stehenden Folk-Elemente inklusive der von Ally Storch (SUBWAY TO SALLY) gespielten Violine bis hin zu den weit mehr als standardisierten Gitarren-Frickeleien gibt es diesbezüglich erst gar keine Verschnaufpause. Die neuen, hie und da eingeworfenen harschen Gesangspassagen dagegen sind Geschmackssache – wie sicher auch das insgesamt merkwürdige, passenderweise als Video-Single ausgekoppelte TORTUGA mit seinem quasi-Rap-Part von Kollege Luke Philp aka Captain Yarrface (RUMAHOY). Wirkliche Aha-Momente, die tatsächlich auch das Zeug dazu haben nachhaltig zu fesseln sucht man dagegen – und leider – vergebens.

Wobei, eine Ausnahme gibt es dann doch – und die heißt WOODEN LEG PART 2. Selbige Nummer ist nicht nur merklich anders als alle anderen Titel des Albums, sie weiß auch in vielerlei Hinsicht zu gefallen – etwa durch die insgesamt etwas epischer angelegte Herangehensweise. Hier fahren ALESTORM dann auch wirklich alles auf, was geht – wobei das verheißungsvolle Intro und der an diverse Folk Metal-Bands erinnernde Aufakt erst der Anfang sind. Ja, selbst die elektronischen Spielereien fügen sich nahtlos ein – und lyrisch geht es endlich mal etwas packender zu.  Davon abgesehen handelt es sich bei CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT aber eher um eine Aneinanderreihung weder besonders schlechter noch besonders herausragender; also schlicht solider ALESTORM-Nummern – die hinsichtlich ihres Tempos und Spaßfaktors mal mehr (FANNYBAWS, CALL OF THE WAVES, PIRATE’S SCORN), mal weniger (ZOMBIES ATE MY PIRATE SHIP, SHIT BOAT NO FANS) anziehen.

Eines gilt es aber in jedem Fall festzuhalten: wer die Band, und selbstverständlich auch ihre ebenso raubeinige wie ureigene Interpretation eines europäischen Power Metals noch nicht kennt; der sollte dringend mal einen Blick riskieren – ob nun in Bezug auf das vorliegende neueste Album, oder aber einen früheren Zeitpunkt innerhalb der Diskografie. Schließlich steht so gut wie fest dass man etwas verpasst hat, wenn man ALESTORM nicht kennt. Ob diese Festellung aber auch immer mehr neue Alben rechtfertigt, vor allem im Blick auf die nächsten Jahre; ist eine ganz andere Frage – denn wenn sich eine Band zum vorschnellen satthören eignet, ist das ALESTORM. 

Anspieltipps: FANNYBAWS, CALL OF THE WAVES, WOODEN LEG PART 2


„Insgesamt hält sich der Spaß in Grenzen, für zwischendurch ist das Ganze aber allemal empfehlenswert – und eine Über-Nummer gibt es gratis dazu.“

Diese Wertung sorgt für einen Aufstieg von ALESTORM in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Space Ninjas From Hell (2020)

Alben-Titel: Space Ninjas From Hell
Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichung: 17. Januar 2020
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Frank Koppe – Drums
Florian Zack – Guitars
Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals

Track-Liste:

1. Tale of the Sunbladers (04:18)
2. Ninjas Unite (04:35)
3. Super Sonic Samurai (04:02)
4. Evil Wizard WuShu Master (03:51)
5. Nippon Knights (03:28)
6. Shuriken Showdown (03:34)
7. Wasabi Warmachine (04:34)
8. Wrath of the Dragongod (03:32)
9. Astral Assassin Shark Attack (03:46)
10. Space Ninjas from Hell (03:15)
11. Cosmic Space Commando Base (04:19)
12. Shinobi Strike 3000 (02:23)

Wenn man zum lachen wirklich in den Keller gehen muss – oder sollte.

Mittlerweile gibt es sie immer zahlreicher: Power Metal-Bands, die nicht einfach nur Musik machen – sondern dabei auch auf ein ganz bestimmtes Image setzen. Und damit im besten Fall auch auf einen besonderen Wiedererkennungswert, der damit längst nicht mehr nur aus dem letztendlich an den Tag gelegten Handwerk resultiert. Oftmals mit im Gepäck dieser Band ist auch ein gewisser Spaßfaktor – der ebenfalls nicht allein aus der Musik resultiert, sondern mitunter abenteuerliche Ausmaße annehmen kann. Seien es also die Jungs von GLORYHAMMER mit ihrem gleich mehrere Jahrhunderte abdeckenden (und sich bis in kosmische Gefilde erstreckenden) Helden-Epos, die Recken von ALESTORM mit ihrem unwiderstehlichen Piraten-Flair oder die tollkühnen BROTHERS OF METAL mit ihren Gesangsgeschichten über den kriegerischen Odin und den Konsum von reichlich Met – von einer direkt wiederzuerkennenden Spielart über herrlich abstruse Musikvideos und Kostüme bis hin zu fulminanten Live-Auftritten haben sich diese Bands jeweils einiges aufgebaut, geht es um ihre (ur-)eigenen Identitäten. Wie VICTORIUS nun diesbezüglich ins Bild passen, ist noch nicht vollends geklärt – fest steht nur, dass die 2004 gegründete und von Leadsänger David Baßin geführte Band sich mittlerweile ebenfalls einer eher spaßigen Auslegung des übergeordneten Power Metal-Genres verschrieben hat. Die 2008 erschienene, dezent an den Stil des Indie-Kurzstreifens KUNG FURY erinnernde EP DINOSAUR WARFARE (siehe Review) jedenfalls sprach entsprechende Bände – und auch mit dem vorliegenden SPACE NINJAS FROM HELL schreitet man in eine ganz ähnliche Richtung.

Das bedeutet vornehmlich eines: dass die insgesamt 12 Titel des Albums mit einem immensen Spaßfaktor einhergehen. Zumindest in der Theorie, und wenn man so will – schließlich gibt es auch einige Anhaltspunkte, die eher gegen den neuerlichen Werdegang von VICTORIUS sprechen. Da wäre zum einen die Tatsache, dass SPACE NINJAS FROM HELL vieles ist – nur kein anspruchsvolles Album. Und das fällt selbst dann auf, wenn man sich im voraus auf ein eher seichtes und Spaß-orientiertes Album eingestellt hat – sowie hie und da ein gewisses, hier unbedingt nötiges Augenzwinkern walten lässt. Eines, dass bei den meisten anderen Bands einer ähnlichen Spielart kleinere Schwächen oder einfach zu kitschige Elemente und Momente verzeihen lässt – nicht aber bei VICTORIUS, die es im Hinblick auf ihr neues Album vielleicht doch etwas übertrieben haben. Denn: derart einfach gestrickt ging es schon lange nicht mehr auf einem Power Metal-Album zu – ganz unabhängig davon, wie groß der Spaßfaktor auch war. Das betrifft vor allem die Struktur des Albums und der einzelnen Titel – die letztendlich so leicht und eingängig daherkommen, dass man sie gar nicht mehr auseinanderhalten kann. Von den besungenen Inhalten, der Gestaltung der einzelnen Textzeilen sowie der entsprechend unbekümmerten Herangehensweise von Leadsänger David Baßin gar nicht erst zu sprechen. Es mag kurios erscheinen, aber: das hier gebotene ist selbst für ein wie auch immer geartetes Spaßalbum zu viel, oder eben zu wenig. Und das in einem solchen Maße, dass einem das Lachen – im schlimmsten Fall – im Halse stecken bleiben könnte.

Sicher, grundsätzlich verstehen VICTORIUS ihr Handwerk. Das haben sie bereits mit ihren früheren Alben bewiesen, und auch SPACE NINJAS FROM HELL hat – speziell bezüglich der Instrumenten-Front – einiges anzubieten. Theoretisch könnte die Band damit also durchaus mit ihren potentiellen Konkurrenten a’la GLORYHAMMER oder vielleicht auch DRAGONY mithalten. Theoretisch – doch wenn sich eine Band tatsächlich dafür entscheidet einen Titel wie das zwar gut gemeinte, letztendlich aber nur noch zum Fremdschämen einladende NIPPON KNIGHTS zu produzieren; hört es ganz schnell wieder auf. Und das gilt – leider – für einen Großteil der auf dem Album enthaltenen Titel, die meist genau das bieten was die kruden Bezeichnungen (noch nie eine ASTRAL ASSASSSIN SHARK ATTACK gehört ?) versprechen. Und das geht schlicht auf keine Kuhhaut – zumindest keine nüchterne. Während die letzte EP – die unter anderem mit Laser-schießenden Dinosauriern aufwartete – also noch als nette Abwechslung oder Gimmick verstanden werden konnte, sieht es in Bezug auf SPACE NINJAS FROM HELL (und damit gleich ein komplettes Album im peinlich-einfachen Spaßgewand) schon deutlich anders aus. Es ist schade – doch in dieser Form sollten VICTORIUS keinen Erfolg haben. Zumindest keinen, auf den man auch im hohen Alter noch stolz sein kann…

Anspieltipps: TALE OF THE SUNBLADERS


„Hoffentlich war das nur ein Ausrutscher.“

Diese Wertung sorgt für einen Abstieg von VICTORIUS in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: HALÉN – Idleness (2020)

Alben-Titel: Idleness
Band: Halén (mehr)
Veröffentlichung: 03. April 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Ola Halén – Gesang, Alle Instrumente

Track-Liste:

1. There’s no Use (04:48)
2. Daydream (03:39)
3. Tears (04:49)
4. Empire (05:19)
5. Labyrinth (05:02)
6. Dreams (04:44)
7. AnyMore (02:47)
8. Wonders (04:19)
9. Blown Away (04:28)

Da war aber jemand ganz und gar nicht faul.

Nein, das Bandprojekt HALÉN hat noch keine allzu weitreichende Geschichte – und man muss es vielleicht auch nicht unbedingt kennen. Dem geneigten Power Metal-Fan sollte ein Name wie Ola Halén – seines Zeichens das einzige offizielle Mitglied der Band – aber dennoch ein Begriff sein. Speziell natürlich in Bezug auf die ebenfalls aus Schweden stammende (und schon seit längerem vermisste) Genre-Combo INSANIA, die um die Jahrtausendwende herum mit einigen hochkarätigen Alben durchstartete. Zwar tat sie dies zunächst noch ohne Ola Halén – doch, ob Zufall oder nicht; liefen sie erst mit der Verpflichtung des markanten Gesangstalents zu ihrer absoluten Höchstform auf. Das erste Ergebnis der fruchtbaren Zusammenarbeit (FANTASY – A NEW DIMENSION, siehe Review) kann auch heute noch als eines der besten Power Metal-Alben überhaupt bezeichnet werden, je nach Perspektive – und auch danach sah es eigentlich rundum gut aus für die Band, trotz des bereits wesentlich schwächeren AGONY – GIFT OF LIFE (Review). Was daraufhin – und nach dem Jahr 2007 – passierte, weiß indes niemand so genau – schließlich zogen sich nicht nur INSANIA, sondern auch deren Frontmann Ola Halén zurück. Immerhin, mit seinem Nebenprojekt SHADOWS PAST konnte er 2013 wieder einen Erfolg feiern (PERFECT CHAPTER, siehe Review) – doch wirklich angekommen schien er nicht.

Ob er dies heute ist, darüber kann man ebenfalls nur munkeln – fest steht nur, dass er mit HALÈN ein weiteres Soloprojekt an den Start gebracht hat, und nach dem eher kruden NACKSKOTT (Review) nun IDLENESS vorlegt, das zweite offizielle Album der Ein-Mann-Band. Interessant, und sicher nicht jedem bekannt ist dabei; dass das auf IDLENESS enthaltene Material aber nicht grundsätzlich neu ist – sondern teilweise schon auf den frühen SHADOWS PAST-Demos enthalten war. Sei es drum – offenbar befand der Schwede das Material für so gut, dass es an der Zeit wäre für eine Aufarbeitung. Wobei, und das ist durchaus bemerkenswert; er wirklich alle anfallenden Arbeiten am Alben selbst übernahm. Gut, bis auf das Mastering – von einem wahren Multitalent (das nicht nur singen, sondern auch alle entsprechenden Instrumente handhaben kann) ist aber in jedem Fall zu sprechen. In wie weit das Album dabei wirklich punkten kann, ist natürlich eine andere Frage. Immerhin hatte HALÉN bereits mit und auf NACKSKOTT gezeigt, dass er durchaus ein Faible für etwas; man nenne sie ungewöhnlichere Töne zu haben scheint – zumindest im Sinne der eigentlichen Stil-Verortung im Bereich des Power Metals.

Immerhin, mit dem vorliegenden IDLENESS kann diesbezüglich schon einmal Entwarnung gegeben werden. Das 9 Titel enthaltene Werk ist weit davon entfernt, wie ein krudes musikalisches Experiment oder ein zusammengewürfeltes Sammelsurium an ausrangierten Nummern zu klingen, oder anders gesagt: IDLENESS klingt eindeutig nach dem Ola Halén, der man kennt und liebt. Mit einer Nummer wie BLOWN AWAY liefert er sogar ganz explizit ein Fest für all jene, die die früheren INSANIA feierten – was nur gut und richtig ist, und einstweilen tatsächlich Erinnerungen an das großartige FANTASY – A NEW DIMENSION wach werden lässt. Aber auch davon abgesehen sieht es gut aus für IDLENESS – das mit Titeln wie THERE’S NO USE, EMPIRE oder DREAMS einige waschechte Power Metal-Kracher an den Start bringt. Kracher, die all das haben was INSANIA ausgezeichnet hatte – und womöglich noch mehr. Schließlich muss man bedenken, dass hier tatsächlich nur ein einziger Mann am Werk ist. Das wiederum fällt nicht auf, was allemal positiv zu verstehen ist: seien es die schmackigen Gitarren inklusive vieler genialer Riff- und Solistrecken, der prägnante und gut hörbare Bass, das variable Drumming oder die unterstützende Keyboard-Elemente – hier gibt es wahrlich einiges höchst interessantes, und vor allem perfekt vorgetragenes auf die Lauscher. Gut, die Ballade ANYMORE und vielleicht auch das allgemein eher zurückhaltende WONDERS gehören nicht zu den besten Momenten des Albums – doch das ist insgesamt eher zu verschmerzen.

IDLENESS avanciert so zu einem kleinen Geheimtipp für alle Power Metal-Enthusiasten, die gerne auch mal hinter die Kulissen schauen – und nichts gegen eine Priese Eigenwilligkeit und dem für HALÉN typischen Mäandern zwischen verschiedenen Stimmungen einzuwenden haben. Und überhaupt: wenn selbst eine sonst obligatorische Ballade wie TEARS zündet – und das vor allem in Bezug auf den ebenso glaubwürdigen wie schlicht packenden Leadgesang – will das schon etwas heißen. Im handwerklichen Sinne ist HALÉN jedenfalls nichts vorzuwerfen, selbst der allgemeine Soundeindruck ist in Anbetracht einer Independent-Produktion höchst solide. Man kann damit eigentlich nur hoffen, dass Ola Halén in Zukunft auch wieder ein paar größere Releases an den Start bringen wird oder sonst irgendwie Aufmerksamkeit erlangt – denn verdient hätte er es allemal.

Anspieltipps: THERE’S NO USE, EMPIRE, DREAMS, BLOWN AWAY


„Gut, und vor allem: einzigartig.“

Metal-CD-Review: BROTHERS OF METAL – Emblas Saga (2020)

Alben-Titel: Emblas Saga
Band: Brothers Of Metal (mehr)
Veröffentlichung: 10. Januar 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: AFM Records

Lineup:

Emil Wärmedal – Bass
Dawid Grahn – Guitars
Pähr Nilsson – Guitars
Mikael Fehrm – Guitars
Ylva Eriksson – Vocals
Joakim Lindbäck Eriksson – Vocals
Johan Johansson – Drums
Mats Nilsson – Vocals

Track-Liste:

1. Brood of the Trickster (01:56)
2. Powersnake (03:43)
3. Hel (04:40)
4. Chain Breaker (03:53)
5. Kaunaz Dagaz (04:13)
6. Theft of the Hammer (04:10)
7. Weaver of Fate (04:45)
8. Njord (03:50)
9. Emblas Saga (07:14)
10. Brothers Unite (04:06)
11. One (04:17)
12. Ride of the Valkyries (03:26)
13. To the Skies and Beyond (04:53)

Und los geht die wilde Fahrt.

Nachdem sie mit ihrem 2017 erschienenen Studioalbum PROPHECY OF RAGNARÖK (siehe Review) erstmals erfolgreich in Erscheinung getreten sind, gehen die sagenumwobenen Geschichten der aus Schweden stammenden Power Metaller rund um die BROTHERS OF METAL weiter. Und das offenbar recht munter: nach einigen Singles und einer handvoll feucht-fröhlicher Musikvideos (siehe hier) veröffentlichen die Recken mit dem vorliegenden EMBLAS SAGA ihr vielversprechendes zweites Studioalbum. Und das selbstverständlich nicht mehr als Independent-Release – sondern mit der vollen Unterstützung und Reichweite von AFM Records als glückliches Label, welches die Schweden gewissermaßen entdeckt respektive direkt nach ihrem Debüt aufgenommen hat. Zu Recht, muss man wohl sagen – zumindest in Anbetracht des rundum gelungenen Debütalbums, das neben seinen mehr als respektablen handwerklichen Aspekten vor allem eines hochgehalten hat: einen immensen Spaßfaktor. Wie sich der Nachfolger schlägt, wird sich zeigen – doch grundsätzlich sollten die Chancen gut stehen für die Schwertbrüder und -Schwestern.

Bevor es so richtig losgeht, sollte man eines aber in jedem Fall wissen; womit sich der Kreis zum erwähnten Spaßfaktor schließt: auch in Anbetracht des schier epischen Auftretens der Band (oder eben: gerade deswegen) sollte man sich dem Schaffen der BROTHERS OF METAL besser nicht bierernst, sondern stattdessen mit dem ein oder anderen Augenzwinkern nähern. Schließlich, und auch wenn die jeweils angepeilten Spielarten nicht wirklich miteinander zu vergleichen sind; springen die Brüder und Schwestern des (Power) Metals in eine ganz ähnliche Nische wie etwa die Kollegen von ALESTORM, GLORYHAMMER oder TWILIGHT FORCE. Und damit zweifelsohne Bands, bei denen weniger mehr manchmal einfach mehr ist. Anders gesagt: wer auf eine wie auch immer geartete Originalität verzichten kann und nichts gegen die ein oder andere – auch mal parodistische – Überspitzung im Sinne diverser Genre-Klischees einzuwenden hat, sollte mit einer Band wie den BROTHERS OF METAL bestens beraten sein.

Denn, und daran besteht kein Zweifel: rein handwerklich und soundtechnisch macht den BROTHERS OF METAL keiner so schnell etwas vor. Gerade damit haben die Schweden eine der vielleicht wichtigsten Hürden in Bezug auf, man nenne sie einmal Spaßprojekte wie diese (ohne, das damit eine Abwertung vorgenommen werden soll) relativ problemlos genommen. EMBLAS SAGA klingt rundum satt, ist schier perfekt produziert und abgemischt – und wartet mit einigen höchst interessanten Darbietungen der einzelnen Mitglieder auf. Mitgliedern wie etwa Ylva Eriksson – die gemeinsam mit ihrem Gesangspartner Joakim Lindbäck Eriksson für das mitunter prägnantestes Alleinstellungsmerkmal der Band sorgt, den zweistimmigen Leadgesang. Nicht nur, dass es im Bereich des Power Metals an sich schon selten ist zwei Frontmänner respektive -Frauen an den Start zu bringen – im Falle der BROTHERS OF METAL ist es klar das markante Wechselspiel aus den offensichtlichen Gegensätzen der beiden, die das Ganze so interessant macht.

So kann man sich eigentlich nur noch darüber streiten, in wie weit man die diversen Kuriositäten der Band nun gutheißen kann oder nicht. Warum die Band etwa über gleich drei Gitarristen verfügt, steht (in anbetracht dessen, dass es einfach kaum nötig erscheint) in den Sternen. Eben so, wie ihre Vorliebe für die nordische Mythologie gnadenlos ist – sodass es nicht weiter verwunderlich sein sollte, wenn der anberaumte Bombast dem ein oder anderen doch vorschnell auf den Nerv gehen könnte. Das gilt im übrigen auch – und sei es nur dezent – für die Darbietung von Joakim Lindbäck Eriksson, von dem man sich langsam auch mal ein paar andere (Gesangs-)Töne wünscht. Doch es hilft alles nichts – erklingen Titel KAUNAZ DAGAZ oder THEFT OF THE HAMMER, hält einen einfach nichts mehr auf den Sitzen. Das durchaus geniale Riffing, der wuchtige Bass und der ebenso voranpreschende wie im Sinne eines symphonischen Power Metals sehnsüchtig-verträumte Eindruck lassen hier jedenfalls keine Wünsche offen.

Schlussendlich: EMBLAS SAGA ist vielleicht kein Anwärter auf den Genre-Thron des Jahres 2020 – aber doch ein extrem aufheiterndes Genre-Intermezzo für so manch triste Stunde. Vor allem natürlich, da die BROTHERS OF METAL das was sie hier zum Besten geben wirklich zu leben scheinen – Augenzwinkern hin oder her.

Anspieltipps: KAUNAZ DAGAZ, THEFT OF THE HAMMER, RIDE OF THE VALKYRIES


„Hier wird einiges groß geschrieben – vor allem der Spaßfaktor.“

Metal-CD-Review: WATERLAND – Darklight In Riverwood (2019)

 

Alben-Titel: Darklight In Riverwood
Band: Waterland (mehr)
Veröffentlichung: 20. September 2019
Land: Portugal
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Miguel Gomes – Guitars
Tó Silva – Keyboards
Tiago Moreira – Drums
Ivan Batista – Bass
Patricia Loureiro – Vocals

Track-Liste:

1. Destiny V (04:21)
2. Darklight (04:47)
3. Follow Me (04:02)
4. For All Eternity (04:10)
5. Iceland (04:34)
6. Winter Days (03:59)
7. The Rules We Made (05:20)
8. The Union of Freedom (05:02)
9. The Path for the Hidden Valley (06:08)
10. The Golden Mountain (05:55)
11. This Night (04:06)
12. We Are the One Master (05:38)

Gut, dass einer das Licht angelassen hat.

Und sie geht weiter – die Geschichte der 2007 gegründeten, quasi aus dem Vermächtnis von ORATORY hervorgetretenen Power Metal-Combo WATERLAND. Zugegeben, auf diesem Blog wurde die Band bisher nicht gerade mit Lobeshymnen überschüttet – wie man es jederzeit in den Reviews zu WATERLAND, VIRTUAL TIME, OUR NATION oder SIGNS OF FREEDOM nachlesen kann. Immerhin, ganz grundlos war und ist die Kritik am Schaffen der Band nicht – doch natürlich gibt es mit jedem neuen Album auch eine neue Chance. Ins diesbezügliche Rennen geht nun also DARKLIGHT IN RIVERWOOD, das mittlerweile fünfte Studioalbum von WATERLAND – die es offenbar endlich geschafft haben, ein halbwegs festes Lineup zu etablieren. Das relative Chaos vor allem in Bezug auf den Leadgesangsposten scheint mit dem erneuten Auftreten von Front-Frau Patricia Loureiro nunmehr vorüber – was gut ist, und der Band hoffentlich eine gewisse Stabilität verleiht. In wie weit sich das Ganze auf die musikalischen Bestrebungen der Band auswirkt, wird sich dagegen erst im folgenden zeigen.

DARKLIGHT IN RIVERWOOD geht mit einer geballten Ladung von immerhin 12 vollwertigen Titeln an den Start. Titel, denen man eines direkt anhört: die einstigen Schwächen der Band sind noch immer hörbar und vorhanden. Speziell natürlich in Bezug auf einige Faktoren hinsichtlich der Produktion und Abmischung, die in ihrer Gesamtheit noch immer nicht vollends professionell wirken respektive klingen – und den potentiellen Hörgenuss des Albums deutlich schmälern können. Aber auch davon abgesehen sollte jedem, der auf der Suche nach etwas neuem oder einer wie auch immer gearteten musikalischen Offenbarung im Bereich des Power Metals ist; von einem Album wie DARKLIGHT IN RIVERWOOD eher abgeraten werden, denn: WATERLAND klingen schlicht alles andere als originell. Einstweilen mag das kein Problem sein, erst Recht nicht für solche die sich erst gar keine allzu wilden Experimente oder Neuerungen in ihrem Power Metal-Alltag wünschen. Problematisch ist dabei nur, dass es so viele andere Bands einfach besser machen als die Kollegen von WATERLAND.

Schließlich könnte auch das mitunter einzige wirkliche Alleinstellungsmerkmal der Band zu einem Problem avancieren. Gemeint sind die eher säuselnden denn schmetternden Chöre, die schon immer aus den Kompositionen der Portugiesen hervor stachen – aber nicht unbedingt in einem positiven Sinne. Sicher, man kann die Band schier perfekt daran erkennen – doch warum man hier nicht mal etwas neues versucht, bleibt ein Rätsel. Analog dazu muss sich DARKLIGHT IN RIVERWOOD natürlich auch den Vorwurf gefallen lassen, deutlich zu weichgespült zu klingen – wobei die erwähnten Chöre nur das berühmte i-Tüpfelchen markieren. Der vergleichsweise zarte Leadgesang von Patricia Loureiro, die nicht gerade kräftig klingenden Gitarren und der ständige und überbordende Einsatz des Keyboards inklusive reichlich Klimm-Bimm sorgen jedenfalls nicht dafür, dass sich ein allzu satter Gesamteindruck einstellt.

Zum anderen aber, und das ist durchaus als Adelung zu verstehen; muss man in Bezug auf DARKLIGHT IN RIVERWOOD auch etwas ganz anderes feststellen. Nämlich, dass sich durchaus auch einiges positives getan hat an der Sound-Front der Marke WATERLAND. Das Drumming von Tiago Moreira etwa klingt nunmehr wesentlich organischer und variabler als zuvor, die hiesige Frontfrau Patricia Loureiro tönt so stilsicher wie nie zuvor, und einige Titel können mit einem gewissen ORATORY-Nostalgiebonus gar zu kleinen Highlights avancieren (FOLLOW ME, FOR ALL ETERNITY). Auch, da die Soli-Parts meist gut getroffen sind und es mit ihrem variablen Bezug auf die Gitarren und das Keyboard sogar vermögen, einen echten Spaßfaktor entstehen lassen.

Fassen wir also zusammen: die letzten Alben der Band wurden teils auffällig schlecht bewertet, auch oder gerade weil kein wirklicher Lerneffekt seitens der Mitglieder von WATERLAND spürbar war. Das ändert sich nun und mit DARKLIGHT IN RIVERWOOD – das nicht perfekt, aber immerhin als Schritt in die richtige Richtung zu werten ist. Wenn sich nun noch etwas in Richtung der Chöre und der allgemeinen Soundqualität ergibt, darf man wohl gespannt sein auf das, was die Portugiesen für die Zukunft planen.

Anspieltipps: FOLLOW ME, FOR ALL ETERNITY


„Ohne Frage: dies ist das bis heute beste WATERLAND-Album.“

Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Talviyö (2019)

Alben-Titel: Talviyö
Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichung: 6. September 2019
Land: Finnland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Tony Kakko – Vocals
Elias Viljanen – Guitars
Henrik Klingenberg – Keyboards
Pasi Kauppinen – Bass
Tommy Portimo – Drums

Track-Liste:

1. Message from the Sun (04:06)
2. Whirlwind (06:32)
3. Cold (04:29)
4. Storm the Armada (05:08)
5. The Last of the Lambs (04:22)
6. Who Failed the Most (04:44)
7. Ismo’s Got Good Reactors (03:43)
8. Demon’s Cage (04:58)
9. A Little Less Understanding (04:16)
10. The Raven Still Flies with You (07:39)
11. The Garden (06:17)

Da fröstelt’s einen ja fast schon im voraus.

Mit den finnischen Jungs von SONATA ARCTICA ist das schon so eine Sache. Einst – und das ist in Anbetracht eines Albums wie dem 1999 erschienenen ECLIPTICA (siehe Review) kein großes Wunder – als Helden und Wegbereiter des europäischen Power Metals gefeiert, entwickelte sich die Band im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte zu einem schon wesentlich; man nenne es angreifbareren musikalischen Konstrukt. Tatsächlich, und das behaupten vor allem langjährige Fans der Band; schienen die letztaktuellen Alben PARIAH’S CHILD (Review) und THE NINTH HOUR (Review) nicht gerade Glücksgriffe gewesen zu sein – erst Recht nicht aus Sicht der nun einmal nicht jeden Stilwechsel gutheißenden Power Metal-Fraktion. Immerhin – und wenn man den fast schon unbestreitbaren Reinfall in Form des 2014 veröffentlichten Revisited-Albums zu ECLIPTICA (Review) einmal außen vor lässt – kann man der Band eines nicht vorwerfen: das sie respektive die musikalischen Ambitionen der Mitglieder stillstehen. Und so markiert auch das jüngst erschienene TALVIYÖ als mittlerweile elftes offizielles Studioalbum der Band ein weiteres abenteuerliches, prinzipiell spannendes neues Kapitel in der Historie von SONATA ARCTICA.

Eines, und das konnten schon die anderen Alben der letzten Jahre nicht gerade als Vorteil für sich verbuchen; bleibt dabei aber natürlich auch dieses Mal nicht aus: man kann einfach nicht anders, als auch das jüngste Album mit früheren Werken der Band zu vergleichen. Vielleicht nicht unbedingt mit einem speziellen, wohl aber doch dem rundum prägnanten Gesamteindruck der ersten 5 bis 6 Alben der Finnen. Diesbezüglich fällt eines relativ direkt auf: wo man bei vielen anderen Bands sagen kann, dass sie – was ihre Fähigkeiten und ihr Auftreten betrifft – eben nicht gealtert sind, scheint der Zahn der Zeit durchaus markant an SONATA ARCTICA (oder eher: ihrer Musik) zu nagen. Und das ist auch eines der gravierenderen Probleme, ob nun aus Sicht eingefleischter Power Metal-Fans oder nicht; denn: SONATA ARCTICA machen mittlerweile nicht nur eine etwas andere Musik als noch zu Zeiten ihres Karrieauftaktes. Vielmehr scheinen sie auch darüber hinaus mit diversen Problem zu kämpfen haben, die im Falle von TALVIYÖ passenderweise mit dem anberaumten Winter-Setting einhergehen, oder anders gesagt: das Album klingt insgesamt auffallend kraftlos, eintönig; ja fast schon trist.

Würde dies nur auf die Atmosphäre zutreffen – und eben nicht die Leistungen der einzelnen Mitglieder – wäre das natürlich nur ein Stil-Element und etwas anderes. Doch so muss man zweifelsfrei feststellen, dass längst nicht mehr alles Gold ist was ehemals glänzte. Der Leadgesang von Tony Kakko etwa klingt längst nicht mehr so kräftig und variabel wie dereinst. Viel eher wirkt er angestrengt und auffallend limitiert – woran auch die nunmehr umso häufiger anberaumten Chöre (eher sind es mehrstimmige Studiogesänge) nicht viel ändern können. Die Folge: gerade die potenziell emotionaleren Momente wirken so kaum. Das Problem: derer sind es auf TALVIYÖ nicht gerade wenige, oder anders gesagt: das Album versucht einen Großteil seiner Wirkungskraft aus eben jenen balladesken, leicht träumerisch angehauchten Passagen zu generieren. In wie weit das dem Album letztendlich – und in seiner Gesamtheit – gelingt, muss nach wie vor ein jeder für sich selbst entscheiden. Es sind aber eben nicht wenige Faktoren, die eher gegen das Album sprechen.

Wie wäre es etwa mit dem kruden THE LAST OF THE LAMBS, das theoretisch – und auch wenn er nichts mit dem Oberbegriff des Power Metals am Hut hat – ein verdammt guter Titel hätte werden können ? Der schwache, emotionlose und einstweilen fast schon komische Leadgesang von Tony Kakko, der merkwürdig-matschige Mix inklusive einer hörbaren Stimmbearbeitung und das schlussendlich recht repetitive Instrumentenspiel zeigen jedenfalls auf, dass man für derlei Experimente doch eher zu Bands wie AYREON greifen sollte. Doch auch wenn es mal etwas kräftiger zugeht (wie im Opener MESSAGE FROM THE SUN oder WHO FAILED THE MOST) stehen nicht alle Zeichen auf grün – insbesondere was die unnötig weichgespülten Refrains angeht. Da ändert auch das vergleichsweise kräftige Riffing nichts, im Gegenteil. Im schlimmsten Fall klingt es gar wie ein relativer Fremdkörper im ohnehin unausgegorenen Mix – was das klangliche Chaos beinahe perfekt macht.

Natürlich, es finden sich auch einige bessere respektive hörbare Passagen (wie etwa in WHIRLWIND oder DEMON’S GATE) – doch kommen diese eher vereinzelt vor, und fungieren dabei bestenfalls als Reminiszenz an frühere, goldene Zeiten. Insgesamt betrachtet hat TALVIYÖ damit wahrlich nichts zu bieten, was Fans der früheren SONATA ARCTICA ansprechen sollte – und auch Neueinsteiger werden ob der zweifelhaften musikalischen Genialität nicht gerade vor Freunde aufspringen. Positiv hervorzuheben sind demnach nur noch der von Pasi Kauppinen gehandhabte Bass, sowie immerhin einige der Ambitionen seitens Henrik Klingenberg (Keyboards, Backing Vocals). Eine Kaufempfehlung rechtfertigt das nicht – und so bleibt den meisten nur abzuwarten, wie SONATA ARCTICA in Zukunft in Erscheinung treten werden.

Anspieltipps: /


„Dieses Ruder wird wohl nicht mehr herum gerissen werden.“

Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Extreme Power Metal (2019)

Alben-Titel: Extreme Power Metal
Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichung: 27. September 2019
Land: England
Spielart / Stil: Power Metal
Label: earMusic

Lineup:

Herman Li – Guitars
Sam Totman – Guitars
Frédéric Leclercq – Bass
Marc Hudson – Vocals
Gee Anzalone – Drums

Track-Liste:

1. Highway to Oblivion (06:48)
2. Cosmic Power of the Infinite Shred Machine (06:36)
3. The Last Dragonborn (06:12)
4. Heart Demolition (05:39)
5. Troopers of the Stars (05:03)
6. Razorblade Meltdown (04:45)
7. Strangers (04:29)
8. In a Skyforged Dream (04:45)
9. Remembrance Day (05:10)
10. My Heart Will Go On (Céline Dion cover) (03:24)

Wo extrem drauf steht, ist sicher auch extrem drin.

Manche, ja manche werden einfach niemals müde. So auch nicht die Jungs von DRAGONFORCE, die schon seit seit 1999 (damals noch als DRAGONHEART) unterwegs sind. Eine nennenswerte Alben-Pause gab es dabei bis heute nicht, und auch von ihrer ursprünglichen Energie scheinen sie nichts eingebüßt zu haben. In wie weit das auf das für die Band typische, gewissermaßen als Katalysator der Band fungierende Gitarren-Gefrickel von Herman Li und Sam Totman zurückzuführen ist, sei einmal dahingestellt. Wenig verwunderlich ist damit in jedem Fall, dass auch EXTREME POWER METAL als mittlerweile achtes offizielles Studioalbum der Band aus dem musikalischen Vollen schöpft – und selbstverständlich auch mit ordentlich Tempo voranprescht. In wie weit das Ganze tatsächlich eine extreme Erfahrung oder eben doch nur eine bloße Selbst-Beschreibung der Spielart der Band ist, wird sich zeigen – nur langweilig werden, das wird es wohl nicht.

So verschwenden die Engländer nicht viel Zeit, und läuten das Album sogleich mit dem Opener HIGHWAY TO OBLIVION ein – jener Nummer, die bereits vorab als (durchaus nett gestaltete) Video-Single veröffentlicht wurde. Und tatsächlich: was man hier zu hören bekommt, ist zweifelsfrei als DRAGONFORCE-Material einzustufen. Man ist geneigt zu sagen: als neues, aber eben auch recht typisches – wobei eingeschworene Fans der Combo kein Problem damit haben werden, ganz im Gegenteil. Schließlich sind alle der bisher hoch gehaltenen Trademarks der Band erneut mit von der Partie: vom recht wuchtigen Gesamteindruck über allerlei Instrumenten-Gequäle (was hier durchaus positiv gemeint ist) bis hin zum perfekt aufgehenden Wechselspiel aus getragenen und überaus flotten Momenten gibt es all das auf die Ohren, was man von der Band auch genau so erwartet hätte.

Eben auch, weil sie es einfach können. So sollte es selbst notorischen Nörglern und DRAGONFORCE-Verneinern entsprechend schwer fallen, EXTREME POWER METAL etwas vorzuwerfen – speziell in Bezug auf das an den Tag gelegte, rundum tadellose Handwerk. Seien es die schier perfekte Produktion und Abmischung (die jedes einzelne Instrument zur Geltung kommen lässt und den Gesang harmonisch einbindet), die Leistung an den Gitarren, die tollen Chöre oder der äußerst angenehme Leadgesang von Marc Hudson – EXTREME POWER METAL ist ein akustischer Genuss. Wenn, ja wenn man sich mit der Spielart der Engländer auch nur ansatzweise anfreunden kann. Doch auch diesbezüglich, und mit dem Stichwort des extremen kann – glücklicherweise – eine Entwarnung stattfinden. Denn: allzu wilde Experimente (wie etwa auf INHUMAN RAMPAGE, siehe Review) bleiben aus. Mehr noch, mit Nummern wie THE LAST DRAGONBORN, STRANGERS oder REMEMBRANCE DAY (trotz der Schmalz-Gefahr einfach nur wow) setzen DRAGONFORCE nunmehr vermehrt auf ebenso rhythmische wie hymnische Midtempo-Stampfer. Hier handelt es sich zweifelsohne um ausgewogene Nummern mit dem gewissen Etwas – was der Band allemal gut zu Gesicht steht und für Abwechslung sorgt.

Nicht zwingend neu für DRAGONFORCE, aber allemal interessant ist auch die mit Titeln wie HEART DEMOLITION offerierte musikalische Komponente irgendwo zwischen einem 80er-Hair-Metal, einem anspruchsvolleren Synth-Rock und einem griffigen Power Metal. Doch auch davon abgesehen gibt es immer wieder Highlights zu entdecken. Sei es ein überraschendes elektronisches Element hier (COSMIC POWER OF THE INFINITE SHRED MACHINE), eine folkig-traditionell anmutende Instrumentalpassage (THE LAST DRAGONBORN) dort – der weiter oben bereits eingeworfene Begriff der Langeweile hat auf einem Album wie EXTREME POWER METAL wahrlich nichts zu suchen. Glücklicherweise – schließlich hätte man genauso gut erwarten können, dass es die Engländer eher gleichförmig angehen; und schlicht eine Uptempo-Nummer nach der anderen präsentieren. Das ist hier definitiv nicht der Fall.

Doch natürlich gibt es sie auch dieses Mal, die deutlich schnelleren Nummern – die nicht selten dezent ausufernde (aber eben auch nicht wirklich übertriebene) Soli-Parts an den Start bringen und insbesondere DRAGONFORCE-Fans der ersten Stunde die Freudentränen in die Augen schnellen lassen sollten. Einzig beim flotten TROOPERS OF THE STARS kann man sich nicht des Gefühl erwehren, dass man die Nummer irgendwo schon einmal gehört hat – natürlich nicht eins zu eins, aber die quasi-Konkurrenten RAZORBLADE MELTDOWN und IN A SKYFORGED DREAM klingen einfach deutlich frischer. Und ja, zum Ende gibt es dann tatsächlich noch eine Cover-Version von CELINE DION’s MY HEART WILL GO ON zu hören – doch auch hier geben sich DRAGONFORCE nicht die Blöße. Im Gegenteil, man kann relativ eindeutig von einer der besseren Cover-Versionen des Titels sprechen.

DRAGONFORCE haben damit alles richtig gemacht – auch, oder gerade weil sie das Rad nicht neu erfinden und sich und ihrer Spielart konsequent treu bleiben. Von Müdigkeit oder gar Lustlosigkeit gibt es jedenfalls keine Spur – sodass EXTREME POWER METAL selbst das bereits gute, aber nicht ganz so kultverdächtige REACHING INTO INFINITY (siehe Review) toppen kann.

Anspieltipps: HIGHWAY TO OBLIVION, HEART DEMOLITION, RAZORBLADE MELTDOWN, REMEMBRANCE DAY


„Ein Album das Spaß macht – und dabei auch noch verdammt gut ist.“

Metal-CD-Review: FAIRYLAND – Osyrhianta (2020)

Alben-Titel: Osyrhianta
Band: Fairyland (mehr)
Veröffentlichung: 22. Mai 2020
Land: Frankreich
Spielart / Stil: Symphonic Power Metal
Label: Massacre Records

Lineup:

Willdric Lievin – Bass
Philippe Giordana – Keyboards
JB Pol – Drums
Sylvain Cohen – Guitars
Francesco Cavalieri – Vocals

Track-Liste:

1. The Age of Birth (02:57)
2. Across the Snow (05:15)
3. The Hidden Kingdom of Eloran (06:13)
4. Eleandra (04:12)
5. Heralds of the Green Lands (04:36)
6. Alone We Stand (04:40)
7. Hubris et Orbis (05:54)
8. Mount Mirenor (07:15)
9. Of Hope and Despair in Osyrhia (12:02)
10. The Age of Light (04:02)

Es ist viel Zeit vergangen in Osyrhia.

Nein, im Hause FAIRYLAND ist man nicht unbedingt dafür bekannt, mit Alben um sich zu schmeißen. Vielmehr ließen es die Franzosen respektive das angestammte Band-Oberhaupt Philippe Giordana immer etwas ruhiger angehen – vor allem nach dem noch etwas lebhafteren Karriereauftakt Anfang der 2000er Jahre. Fans wussten dennoch, wo sie ihre Dosis der gewissermaßen typischen Giordana-Soundelemente her bekommen konnten – immerhin ist der Franzose zu großen Teilen mitverantwortlich für den Sound der quasi-Partnerband KERION. Was ihn beziehungsweise seine Arbeit so speziell macht, sind ohne Zweifel die Chöre – die man so bei keiner anderen Band zu hören bekommt, und bereits das FAIRYLAND-Debütalbum OF WARS IN OSYRHIA (siehe Review) zu etwas ganz besonderem machten. Nun aber, und nach immerhin 11 Jahren FAIRYLAND-Pause ist das Mastermind doch noch mit einem neuen Album zurückgekehrt – dem vielversprechend anmutenden OSYRHIANTA. In wie weit das ganze eine Reminiszenz in Bezug auf das 17 Jahre alte Erstwerk der Franzosen ist, und ob die seinerzeit begonnene Geschichte weitererzählt wird; wird sich noch zeigen.

Immerhin spricht schon im Vorfeld einiges für das Album: nach der bereits einige Jahre zurückliegenden Verpflichtung dreier neuer Mitglieder hat man sich noch einmal ordentlich Zeit genommen, bis OSYRHIANTA endlich in den Startlöchern stehen konnte. Und das hört man dem Album auch an, zumindest respektive vor allem dem Auftakt: sowohl das von einer wuchtigen Erzählstimme (Dan Wilberg) begleitete Intro THE AGE OF BIRTH als auch der Opener ACROSS THE SNOW schöpfen ausdrücklich aus dem musikalischen Vollen. Fest stehen damit schon einmal zwei Dinge: zum einen, dass OSYRHIANTA kein allzu luftiges respektive direkt zugängliches Werk ist – und zum anderen, dass man auch davon unabhängig unbedingt auf ein gutes Soundsystem oder noch besser vernünftige Kopfhörer setzen sollte, um in den vollen Genuss wirklich aller Facetten der Musik von FAIRYLAND zu kommen. Sicher, mit OSYRHIANTA bekommt man einiges an Pomp und Bombast auf die Ohren, womit die Band gewissermaßen auch den langjährig gehegten Erwartungen der Hörerschaft entspricht – doch sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Bei der – sich zugegebenermaßen nicht sonderlich zurückhaltenden – Keyboard-Arbeit von Philippe Giordana handelt es sich eben nur um einen Aspekt innerhalb der musikalischen Welten von FAIRYLAND.

Darüber hinaus, und das macht OSYRHIANTA noch einmal mit Nachrdruck deutlich; gibt es eben auch noch einiges anderes zu hören – wie selbstverständlich einige schmackige Metal-Instrumentierungen, die – um mal einen Vergleich anzuberaumen – wesentlich kräftiger daherkommen als etwa bei den Kollegen von TWILIGHT FORCE. Dies lässt sich beispielsweise gut am von Willdric Lievin gehandhabten Bass festmachen – der innerhalb der Titel stets gut zu hören ist, und auch mal einige besondere Einzelmomente erhält. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die wirklich alles andere als langatmige Struktur und Gestaltung des Albums, oder anders gesagt: es gibt an so gut wie jeder Ecke etwas zu entdecken, simpel von Refrain zu Refrain gehangelt wird sich nie.

Und doch muss sich auch ein Album wie OSYRHIANTA Kritik gefallen lassen. Vielleicht sogar mehr, als zunächst angenommen. Ob man dabei die wesentlich älteren Alben der Band zwecks eines Vergleiches zu Rate zieht oder nicht, spielt dabei keine Rolle – was eigentlich zu einem Vorteil für FAIRYLAND hätte avancieren sollen. Doch selbst wenn man OSYRHIANTA einmal völlig unvoreingenommen als neues Album einer neuen Band betrachtet, ergeben sich einige Auffälligkeiten – wobei diese mit einem eher allgemeinen Eindrücke hinsichtlich der Qualität der Abmischung beginnen. Viel zu oft hat man das Gefühl, als wären einige Elemente zu laut respektive vordergründig platziert, während andere eher untergehen – den Bass einmal ausgenommen. Das können man die oftmals zu leisen und / oder kraftlos inszenierten Chöre sein (was bitte ist denn in ELEANDRA passiert), oder mal die doch deutlich zu dick aufgetragene Keyboard-Front – während es allerlei eher merkwürdige Experimente wie das Sound-Wirrwarr in HERALDS OF THE GREEN LANDS (dort, wo über die Chöre auch noch eine Erzählstimme gelegt wird) nicht besser machen. Damit steht eines schon einmal unumstößlich fest: ein rundum ausgewogenes, in allen Einzelmomenten perfekt abgestimmtes Album klingt anders. Mit den weiter oben erwähnten guten Kopfhörern hat sich das also auch schon wieder erledigt – zumindest nach den ersten Titeln oder eben dem Zeitpunkt, an dem einen der Sound von OSYRHIANTA doch lieber den Buckel runter als in die Ohren rauschen kann.

Aber noch etwas fällt eher negativ auf. Und das ist – man muss wohl sagen, leider – der Leadgesang des neuen FAIRYLAND-Sängers Francesco Cavalieri. Der bringt schließlich nicht nur eine einstweilen etwas zu raue Gangart mit an den Start, die wenig mit einer von FAIRYLAND irgendwie auch erwarteten Virtuosität am Hut hat – sondern scheint auch auch etwas mehr vom Sound seiner eigentlichen Band WIND ROSE mit in den neuen FAIRYLAND-Soundtopf zu werfen, als es möglicherweise beabsichtigt war. Fakt ist: eine Band wie FAIRYLAND braucht einen besonderen, einzigartigen, unverwechselbaren Leadsänger – und keinen der zwar sein Handwerk versteht, sich aber vornehmlich durch einen Wechsel von sanfteren zu deutlich harscheren Tönen auszeichnet. Sicher, man bekommt keine zweite Elisa C. Martin – die übrigens einen Gastauftritt auf dem Album hat, ausgerechnet im schwachen ELEANDRA – aber etwas außergewöhnlicheres, für einen deutlicheren Aha-Effekt sorgendes hätte einfach drin sein sollen. So aber klingt OSYRHIANTA teils äußerst merkwürdig, oder auch: verdreht. Wie sollte es auch anders sein wenn die Refrains (wie in HUBRIS ET ORBIS) eher kraft- und lustlos klingen, die Darbietungen in den Strophen aber gegenteilig; man will nicht sagen angestrengt ?

Im schlimmsten Fall könnte man FAIRYLAND so unterstellen, einige falsche Entscheidung bezüglich ihrer Soundausrichtung getroffen zu haben. Wer hierfür noch ein weiteres, möglichst treffendes Beispiel braucht sollte sich einmal den Rausschmeißer THE AGE OF LIGHT zu Gemüte führen – der nicht viel weniger als alles falsch macht, was möglich ist. Die Gesangsdarbietungen an sich sind schon gewöhnungsbedürftig, doch die wahre Crux liegt auch hier im Mix – so matschig und ziellos hat schon lange keine Darbietung im Bereich des symphonischen Power Metals mehr geklungen. Wobei natürlich auch hier gilt: die Chöre machen es nicht besser, im Gegenteil. Was hier passiert ist, beziehungsweise warum sich Philippe Giordana plötzlich derart die Blöße gibt, bleibt ein Rätsel. Sicher, einerseits muss ein jeder für sich selbst entscheiden in wie weit er oder sie den neuen Sound der Band gutheißen kann oder auch nicht – aber andererseits hätte man von FAIRYLAND schlicht etwas aussagekräftigere, allgemein weniger angreifbares erwartet. OSYRHIANTA sollte damit gerade für FAIRYLAND-Fans der ersten Stunde – ob Elisa-Anbeter oder nicht – eine Enttäuschung sein, oder anders gesagt: gegen OSYRHIANTA klingt ein jedes einzelnes KERION-Album (die ja ebenfalls nicht unumstritten sind) wie eine echte Offenbarung.

Anspieltipps: ACROSS THE SNOW, HUBRIS ET ORBIS


„Das war vor allem eines: viel Lärm um nichts. Leider.“