Metal-CD-Review: 7 SEALS – Mooncurse (Demo, 2005)

Alben-Titel: Mooncurse (Demo)
Künstler / Band: 7 Seals (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 22. Oktober 2005
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Thomas Luther – Bass
Götz Von Selle – Guitars
Dominik Fiekens – Guitars
Markus Wagner – Vocals
Hilke Saathoff – Vocals
Torben Schmidt – Drums

Track-Liste:

1. Illuminate the Darkness (01:20)
2. My Own Secret (05:20)
3. Mooncurse (04:46)
4. Dawn of Winter (04:55)
5. The Necromancer (03:42)
6. Prophecies of Nostradamus (05:48)

Mit dem Mann im Mond ist nicht zu scherzen.

MOONCURSE ist die erste offiziell erschienene Demo-EP aus dem Hause 7 SEALS, einer bereits im Jahre 2003 gegründeten Power Metal-Formation aus Deutschland. Einer seit geraumer Zeit nicht mehr wirklich aktiven, wie es scheint – schließlich ließ die Band nach ihrem zuletzt erschienenen Studioalbum MORIBUND – EVERY KINGDOM HAS TO PASS (2008, siehe Review) nicht mehr viel von sich hören. Da im Laufe der Jahre schon so manche einst vielversprechende Genre-Combo mehr oder weniger urplötzlich von der Bildfläche verschwunden ist, mag es sich dabei um keine allzu seltene Angelegenheit handeln – und doch erscheint es gerade im Falle der 7 SEALS ungünstig, erst Recht in Anbetracht des teils immensen und schon früh von der Band offenbarten Potentials. Immerhin zeigten die Musiker schon auf der vorliegenden Demo respektive Erst-EP MOONCURSE auf, was in ihnen steckt – wobei sie vor allem durch den zweistimmigen Leadgesang im Stile der späteren VISIONS OF ATLANTIS sowie einem letztendlich doch überraschend reichhaltigen Sound auffallen konnten.

Zwar wurde diese Elemente erst auf dem späteren MORIBUND zu einem noch ausgewogeneren Ganzen verwoben und mit einer noch wirkungsvolleren Abmischungs- und Produktionsarbeit garniert – doch schon hier und in ihrer relativen Rauheit konnten und können Nummern wie das abwechslungsreiche MY OWN SECRET, das ebenso flotte wie hymnische MOONCURSE oder die kraftvolle Ballade DAWN OF WINTER recht kompromißlos überzeugen. Und wenn es schon nicht diese Titel sind die für den nötigen Ausschlag sorgen können, dann doch spätestens ein Riff-geladenes und angenehm melodisch-stampfendes Kraftpaket vom Schlage eines THE NECROMANCER – oder der episch angelegte Rausschmeißer PROPHECIES OF NOSTRADAMUS, der die 7 SEALS ein wenig wie eine härtere Version der frühen ORATORY klingen lässt. So oder so handelt es sich hier um eine starke EP, die als Vorprogramm zum noch ausgefeilteren MORIBUND bestens funktionierte – und diesen Zweck bis heute nicht verfehlt. Schade bleibt natürlich, dass das hier enthaltene Material nie wiederverwendet und nochmals vernünftig (das heißt in einer aufpolierteren Version und unter einem Label) veröffentlicht wurde.

Absolute Anspieltipps: MY OWN SECRET, MOONCURSE, THE NECROMANCER


„Eine grundsätzlich hervorragende erste Werkschau einer einst aufstrebenden Band.“

Metal-CD-Review: 7 SEALS – Moribund – Every Kingdom Has To Pass (2008)

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Alben-Titel: Moribund – Every Kingdom Has To Pass
Künstler / Band: 7 Seals (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Juni 2008
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Thomas Luther – Bass
Götz Von Selle – Guitars
Dominik Fiekens – Guitars
Markus Wagner – Vocals
Daniel Kleemann – Drums

Track-Liste:

1. Prologue – Birth of a Legend (01:27)
2. To Forests Wild and Free – Leaving Hearth and Home Behind (06:36)
3. Treasure of the Elder – How Balmung Was Achieved (06:32)
4. Unforeseen Alliance – United Against the Danes (05:59)
5. The Isle of Fire and Ice – Taming of the Valkyrie (09:11)
6. Fortune and Deceit – Twain Marriages and the Betrayal (03:36)
7. Prelude to Perdition – Wie Sifrit Verraten Wart (00:53)
8. A Fateful Conspiracy – As Fate Decends on Sifrit (05:11)
9. Farewell – Kriemhilt’s Elegy (02:30)
10. A Gift to the Nymph – How Hagen Seized the Hoard (06:58)
11. The Fierce King of the Huns – Twelve Realms Bestowed (05:21)
12. Moribund – Every Kingdom Has to Pass (04:31)
13. Epilogue – Withering of a Dynasty (01:47)

Helden der Welt, aufgepasst.

Manchmal muss man sich doch sehr wundern. Und zwar darüber, dass etwaigen Metal-Alben der Vergangenheit möglicherweise nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wurde, die sie verdient hätten. Auch das Debütalbum der deutschen Bandcombo 7 SEALS beschreibt einen solchen Fall – dabei ist MORIBUND ein rundum gelungenes, wenn man so will bombastisches Genrealbum mit einem hohen Wiedererkennungswert. Jener Bombast entsteht in diesem Fall aber nicht aufgrund etwaiger symphonischer Elemente, sondern allein aus einem äußerst druckvollen schwermetallischen Anspruch und einem Pathos-geladenen Inhalt. Durch die im Vordergrund stehenden Gitarren, das durchaus grandiose Riffing und die starke Produktion fällt der Einstieg in das Album vergleichsweise leicht – man ist sofort gefangen von der ureigenen Atmosphäre. Da erscheint es nur passig, dass man sich für das Album ein Thema wie die mythologisch-interessanten Geschichten um altehrwürdige Heldenfiguren wie Siegfried und anderen Charakteren der Nibelungensage ausgesucht hat. Natürlich geht es im Power Metal gerne um allerlei Heroisches und althergebrachte Heldensagen, doch kommt es immer ganz darauf an wie intensiv man sich mit der Materie befasst – 7 SEALS jedenfalls verkörpern das was sie machen stets glaubwürdig.

Ihr Sound lässt sich wiederum am ehesten beschreiben, wenn man einige potentielle Parallelen zu anderen Bands zieht. Der vergleichsweise tiefe Leadgesang beispielsweise lässt einen schnell an eine Priese Folk, und eventuell an Bands wie FALCONER denken. Die instrumentalen Kompositionen mit ihren gradlinigen, gern von akustischen Intermezzi unterbrochenen Momenten lassen dagegen Erinnerungen an SALAMANDRA wach werden – während man das zugrundliegende, leicht Fantasy-lastige Konzept und die dezenten symphonischen und choralen Einschübe gut mit früheren Projekten von FAIRYLAND oder auch der AINA METAL OPERA vergleichen könnte. Nimmt man alles zusammen, hat man eine Band wie 7 SEALS – die entsprechend vielseitig, abwechslungsreich und vor allem enorm stilsicher agiert. Das ausreichend eigene Ideen vorhanden sind, zeigt man schließlich nicht zuletzt durch das gelungene Cover-Artwork, die interessante Aufteilung des Albums in verschiedene Abschnitte oder allerlei generelle Aha-Momente. Auch sonst offenbart das Album Überraschungen an allen Ecken und Enden.

Dabei  spielt es grundsätzlich kaum eine Rolle, ob man nun die schnelleren, härteren und epischer aufgemachten  Titel zur Hand nimmt oder die eher andächtig-balladesken. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass selbst die Interludes in Sachen Qualität und Atmosphäre niemals hintenan stehen – mehr noch, sie übertreffen gar so manch alleinstehenden Titel. Sei es das gesanglich starke Duett in FORTUNE AND DECEIT, die stimmigen Chorgesänge in PRELUDE TO PERDITION oder das instrumentale, später mit einem weiblichem Gesang aufgewertete Zwischenspiel FAREWELL – hier wurde eine mehr als nur solide Arbeit abgeliefert. Die Folge: die Interludes sind in diesem Fall weit mehr als bloße Lückenfüller.

Doch gibt es auch dezente Schwächen zu vermelden: nach dem sehr starken Auftakt droht man mit Nummern wie UNFORSEEN ALLIANCE qualitativ wieder leicht abzufallen. Besonders der eingestreute weibliche Gesang, der kaum mit dem männlichen Counterpart mithalten kann (und im Interlude wesentlich besser klang); stellt sich hier als echtes Manko heraus. Das gilt übrigens auch für den späteren Titel A GIFT TO THE NYMPH, der zudem ganz ähnlich klingt und das Album nicht unbedingt von seiner vielfältigsten Seite zeigt. Hie und da fehlt den Titeln zudem, man nenne es einmal Spannungsbogen – die Atmosphäre innerhalb der einzelnen Nummern ist kaum Schwankungen ausgesetzt und bleibt zumeist etwas zu gleichförmig.

Fans von FAIRYLAND oder anderen Combos und Projekten, die gleichermaßen mit der Realität verwobene wie fantastische Geschichten erzählen und dabei vergleichsweise packend und mitreißend klingen; können im Falle von MORIBUND jedenfalls bedenkenlos zugreifen. 7 SEALS hätten ihre Geschichten um die Nibelungensage atmosphärischer nicht hätten verpacken können. Da auch die handwerklichen Aspekte über jeden Zweifel erhaben sind, die Produktion schön sauber und druckvoll ausgefallen ist und somit das Gesamtpaket stimmt, macht es nur noch besser. Lediglich der Fakt, dass das Album insgesamt etwas mehr Abwechslung hätte vertragen können (eine, die eben nicht nur durch die Interludes generiert wird), schmälert den Gesamteindruck leicht.

Absolute Anspieltipps: TO FORESTS WILD AND FREE, FORTUNE AND DECEIT, A FATEFUL CONSIPRACY


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„So unterhaltsam (und wohlklingend) kann eine Geschichten- und Märchenstunde sein.“