Filmkritik: „Come Play“ (2020)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Jacob Chase
Mit: Azhy Robertson, Gillian Jacobs, John Gallagher Jr. u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 96 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror / Thriller
Tags: Kinder | Monster | Dämon | Alptraum | Autismus

Der will doch nur spielen.

Inhalt: Als an einer besonderen Form des Autismus leidender Junge kann Oliver (Azhy Robertson) nicht anders, als ständig sein Smartphone zu benutzen. Schließlich hilft es ihm, halbwegs mit den ihn umgebenden Menschen kommunizieren zu können. Eines Tages stößt er dabei plötzlich ein seltsames E-Book mit einer Grusel-Geschichte, in der es um ein Monster namens Larry geht. Naturgemäß hat der empfindsame Oliver Angst – doch spätestens als auch seine Mutter die Präsenz von Larry wahrnehmen kann, erscheint diese Angst mehr als berechtigt…

Kritik: Mit COME PLAY erscheint ein weiterer Horrorfilm der heutzutage leider alles andere als seltenen Schnell-Schocker der Marke Bewohner eines Hauses treffen auf Geister, Dämonen oder andere gruselige Gestalten. Immerhin, und um zumindest einigen ärgerlichen Klischees sogleich den Wind aus den Segeln zu nehmen; setzt der von Jacob Chase geschriebene und verwirklichte Film auf zumindest eine Besonderheit: seinen Hauptdarsteller. Das war in seinem zuvor veröffentlichten Kurzfilm LARRY (auf dem COME PLAY basiert) noch anders. Sicher, auch die Besetzung von wichtigen Charakteren oder gar Hauptrollen mit Kindern ist in Horrorfilmen keine Seltenheit mehr –  zumal Aspekte wie eine gut umgesetzte kindliche Perspektive, eine fast automatisch umso stärker ausfallende Empathie sowie die teils gesteigerte Glaubwürdigkeit in Bezug auf die Story („Kinder sind für manche Dinge empfänglicher“) dem Genre ohnehin in die Hände spielen. In COME PLAY aber erscheint der kindliche Hauptprotagonist zusätzlich schützenswert, da er an einer Form von Autismus leidet – und sich nicht mithilfe des (gesprochenen) Wortes verständigen kann. Tatsächlich ist es den Verantwortlichen auch gelungen, mit eben dieser Prämisse für ein klein wenig mehr Verzweiflung und Spannung zu sorgen als allgemein üblich – und auch die daraus resultierende Technik-Komponente (der Hauptprotagonist „spricht“ über eine Handy-App) wird gut in den Kontext der Dämonen-Story eingebunden.

Wenn man ganz ehrlich ist, war es das aber auch fast schon wieder gewesen – denn bis auf seinen Hauptprotagonisten (grandios gespielt von Jung-Darsteller Azhy Robertson) und eventuell einige der; man nenne sie Besonderheiten des Dämons hat COME PLAY dann doch überraschend wenig zu bieten. Zwar versucht man noch mit diversen Elementen für zusätzlichen Tiefgang zu sorgen, etwa der Darstellung der Freund- und Feindschaft unter den Kindern oder aber der quasi-Entstehungsgeschichte des Dämons selbst, inklusive aller enthaltenen und teils zu offensichtlichen Botschaften – doch schlägt dieser Versuch weitestgehend fehl. Hier fehlt COME PLAY schlicht das nötige Fingerspitzengefühl sowie der Anspruch, weit mehr als ein typischer Horror-Film zu sein – womit er sich klar hinter vergleichbaren, in vielerlei Hinsicht aber eben doch deutlich hochkarätigeren Filmen wie DER BABADOOK (Review) oder ICH SEH ICH SEH (Review) anstellen muss.

Gewissermaßen erscheint das aber auch irgendwie passig, schließlich schlagen die handwerklich-technischen Aspekte des Films in eine ganz ähnliche Kerbe. Das Set-Design von COME PLAY ist nett, und durch die Farbgebung wird eine angenehme Atmosphäre irgendwo zwischen Zeitlosigkeit und Retrospektive etabliert – während sich viele andere Dinge (wie etwa die Effekte, die CGI-lastige Darstellung des Dämons, der Soundtrack oder die Kameraführung) eher zum Vergessen eignen. Am ärgerlichsten ist und bleibt aber wohl der Tritt in das Fettnäpfchen der Marke es ergibt keinen Sinn, muss aber so geschehen weil es das Drehbuch so vorsieht. Denn wie sonst könnte man eine Szene wie die erklären, in der Oliver’s Mutter mit ihrem Sohn aus dem Haus fliehen will; ihm aber noch ausreichend Zeit gibt um erneut auf das Monster zu treffen ? Schlussendlich bleibt damit nur eine eingeschränkte Empfehlung übrig – und möglich.


Bilder / Promofotos / Screenshots: © Focus Features, Universal Pictures

 

border_01

„Ein netter Horrorstreifen für Zwischendurch, nicht mehr und nicht weniger.“

filmkritikborder

PC-Spieletest / Game-Review: DEATH COME TRUE (2020)

Originaltitel: Far Cry 5
Veröffentlichungsdatum: 17. Juli 2020 (PC)
Entwickler: Too Kyo Games
Publisher: IzanagiGames
USK: /
Genre: FMV-Game / Horror / Thriller / Mystery

Manche Dinge sollten besser nicht wahr werden.


Als der junge Makoto Karaki (Kanata Hongō) in seinem Hotelzimmer erwacht, weiß er kaum wie ihm geschieht: ausgerechnet er soll ein gesuchter Serienmörder sein. Zumindest behauptet das ein Bericht im Fernsehen. Doch ganz egal wie sehr er sich auch anstrengt, er kann sich einfach nicht erinnern. Nicht daran, wie er überhaupt in dieses Hotelzimmer gekommen ist – und erst Recht nicht daran, dass er einen Menschen getötet hat. Dezent problematisch ist auch, dass er das Hotel offenbar nicht verlassen kann – und ihm augenscheinlich so gut wie alle Anwesenden feindlich gesinnt sind. Was es mit der betäubten und gefesselten Akane Sachimura (Chiaki Kuriyama) – die immerhin gleich im Badezimmer nebenan liegt – auf sich hat, weiß er ebenfalls nicht. Nur eines, das weiß er mit Sicherheit: er muss herausfinden, was all das zu bedeuten hat.

Man kann es drehen und wenden wie man will, doch eines scheint festzustehen: sogenannte FMV-Spiele (FMV steht für Full Motion Video) wie DEATH COME TRUE bringen des öfteren einen markanten Negativaspekt mit sich. Und der bezieht sich auf nicht weniger als auf die Bezeichnung des Produktes an sich – schließlich wird ganz grundsätzlich von Spielen gesprochen, und eher beiläufig von interaktiven Filmen. Doch genau das ist DEATH COME TRUE – ein Spielfilm mit einer eigentlich recht typischen Länge, einer durchdachten Story und natürlich auch echten Schauspielern. Und, das ist das eigentlich besondere: gewissen Twists oder eher Momenten der Pause, in denen der Zuschauer selbst angehalten wird, gewisse Entscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen sind – und das gilt insbesondere für DEATH COME TRUE – allerdings nicht wirklich frei, oder anders gesagt: kleinere Abweichungen oder besondere Szenen, die man sonst nicht gesehen hätte sind möglich – doch am Ende wird man immer auf den einen, so gesehen linearen Weg zurückgeführt. Immerhin, in diesem Fall gibt es gegen Ende noch eine besondere Wahlmöglichkeit, die 2 unterschiedliche Enden zur Folge hat – doch das war es dann auch schon gewesen. Ein wirklicher spielerischer Inhalt ist demnach gar nicht vorhanden – es sei denn natürlich, man bewertet ein oder zwei Mausklicks alle 5 Minuten (übertrieben gesagt) als eben solchen. Wenn überhaupt sollte man sich im Falle von DEATH COME TRUE – und das gilt sicher auch für einige andere FMV’s – eher zurücklehnen und genießen.

Denn das ist in diesem Fall – und trotz alledem – möglich. Und das sogar besser als gedacht. Vornehmlich liegt das an der tatsächlich höchst interessanten, sich nach und nach aufdröselnden Story – die vor allem in der ersten Hälfte unglaublich spannend und intensiv erzählt wird. Man fühlt recht bedingungslos mit dem (zunächst noch vollkommen ahnungslosen) Hauptcharakter mit – und malt sich aus, was es wohl mit dem seltsamen Hotel auf sich haben könnte. Die ersten Hinweise in Form von diversen Mystery-Elementen sowie auch das Durchbrechen von gängigen Perspektiven (der Hauptcharakter selbst merkt, dass die Zeit zurückgespult wird) passen hier ebenfalls perfekt ins Geschehen. Erst in der zweiten Hälfte dann verschenkt DEATH COME TRUE massiv Potential – leider. Die Gründe dafür liegen allerdings auf der Hand: der Hauptcharakter (und damit auch der Zuschauer) bekommt etwa zur Mitte hin überraschend großzügige Informationen zum Geschehen. Zu großzügige, muss man wohl sagen – schließlich weiß man ab diesem Zeitpunkt schon recht genau, welche Bedeutung das Hotel tatsächlich hat. Alle Enthüllungen die darauf folgen, sind längst nicht mehr so spannend oder haben einen ähnlichen Aha-Effekt.

Warum genau es zu einer solchen Entwicklung gekommen ist, bleibt natürlich fraglich – vielleicht sind den Machern die Ideen, das Budget oder schlicht und ergreifend auch einfach nur die Zeit ausgegangen. Das ist natürlich besonders ärgerlich, denn: man hätte DEATH COME TRUE auch bis zum absoluten Ende hin ähnlich spannend und intensiv gestalten können. Seien es noch ein paar mehr interessante Charaktere, der Einwurf eines noch komplexeren Zusammenhangs; oder vielleicht auch einfach nur ein erneutes in-Frage-stellen von all dem, was bis zu diesem Zeitpunkt passiert ist – der Möglichkeiten hätte es viele gegeben. Die beiden verfügbaren Enden die es in das Spiel geschafft haben, fühlen sich schließlich auch nicht mehr sonderlich rund respektive viel zu schnell abgehandelt an. Eine nachwirkende Beschäftigung mit dem Thema, oder auch nur ein bloßes Auseinandersetzen mit den gezeigten Inhalten über die Laufzeit hinaus wird so eher ausbleiben. Und gerade das ist eigentlich absolut untypisch für vergleichbare Genre-Filme aus Fernost.

Die viel zu kurze Gesamtlaufzeit, die enorme Qualitätsschwankung bei der Gegenüberstellung der ersten und zweiten Hälfte und das dementsprechend schwierige Preis-Leistungs-Verhältnis sollten demnach eher gegen DEATH COME TRUE sprechen. Dennoch kann man einen Blick riskieren – wenn einem der (sichtlich) betriebene Aufwand der Verantwortlichen, das gute Schauspiel und das nette Bonusmaterial als gute Verkaufsargumente reichen. Nur allzu viel erwarten sollte man wahrlich nicht – erst Recht nicht nach der wirklich grandiosen ersten Hälfte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: Steam

border_01

„Ganz nett, aber: hier wurde unglaublich viel Potential verschenkt.“

filmkritikborder

Die Einsamsten Power Metal-Bands Der Welt (Backup)

Herzlich willkommen zu einer der eher ungewöhnlicheren Aufstellungen dieses Blogs – in der ein genauerer Blick auf das Verhältnis von Metal- und speziell auch Power Metal Bands zu der jeweils generellen Bandanzahl in ihrem Herkunftsland geworfen werden soll. Ein besonderes Augenmerk soll dabei – und um das Ganze interessanter zu machen – allerdings weniger auf jene Länder gelegt werden, die ohnehin als quasi-Brutstätte von zahlreichen (und nicht selten auch guten) Power Metal-Combos bekannt sind. Länder wie Deutschland, die USA, Schweden, Finnland, Italien oder Frankreich wird man also nicht in der folgenden Aufstellung finden – dafür aber einige andere, die zumeist nicht gerade für eine einschlägige Metal-Szene bekannt sind. Vielleicht aber, und das ist der eigentliche Grund für die Liste; lässt sich ja dennoch der ein oder interessante Power Metal-Kandidat entdecken… der dann wahrscheinlich auf einem recht verlorenen Posten steht, wenn es um eine direkte Konkurrenz oder die Freundschaft zu anderen Partner-Bands geht.


Land: Anzahl Metal-Bands: Davon aktive: Power Metal-Bands: Davon aktive: Und das sind:
Afghanistan 1 1 0 0 /
Ägypten 35 33 1 1 Wyvern
Åland 8 4 0 0 /
Albanien 11 6 1 0 /
Algerien 25 11 0 0 /
Andorra 4 3 1 0 /
Angola 4 4 0 0 /
Armenien 20 16 1 1 Ambehr
Äthiopien 1 1 0 0 /
Azerbaidschan 10 8 0 0 /
Bahrain 12 6 0 0 /
Barbados 2 2 0 0 /
Belize 6 4 0 0 /
Botswana 9 8 0 0 /
Brunei 23 14 1 1 Luktujuh
Curaçao 1 1 0 0 /
Kambodscha 2 2 0 0 /
Dominikanische Rep. 33 17 1 1 Mithril
Färoer-Inseln 14 11 0 0 /
Georgien 23 18 0 0 /
Gibraltar 5 4 0 0 /
Grönland 9 9 0 0 /
Guernsey 13 9 1 1 Nemesis
Guyana 3 2 0 0 /
Honduras 50 38 3 0 /
Irak 11 11 0 0 /
Isle Of Man 2 0 0 0 /
Jamaika 1 0 0 0 /
Jordanien 30 17 1 0 /
Kasachstan 50 35 6 5 Храм Заката, Lamia, Путь Огня, Holy Dragons, Roman Khrustalev
Kenia 4 4 0 0 /
Kuwait 6 6 0 0 /
Kirgisistan 7 4 0 0 /
Laos 6 4 0 0 /
Libanon 49 28 2 2 Anuryzm, Ostura
Lybien 4 1 0 0 /
Liechtenstein 13 8 2 1 Demonium
Madagaskar 10 9 1 1 Storm
Marokko 22 16 0 0 /
Mauritius 2 2 0 0 /
Moldawien 32 19 0 0 /
Monaco 6 2 2 2 MindDust
Mongolei 6 5 0 0 /
Montenegro 11 9 0 0 /
Mosambique 2 1 0 0 /
Myanmar 6 5 0 0 /
Namibia 2 0 0 0 /
Nepal 25 18 0 0 /
Nicaragua 30 23 2 2 Agüizotes, Vortex
Oman 2 2 0 0 /
Pakistan 49 17 1 0 /
Katar 2 1 0 0 /
San Marino 2 1 0 0 /
Saudi-Arabien 12 10 0 0 /
Sri Lanka 28 18 1 1 Stigmata
Suriname 3 2 0 0 /
Spitzbergen 3 3 0 0 /
Syrien 31 19 0 0 /
Tadschikistan 5 4 0 0 /
Tunesien 25 21 2 2 Carthagods, Embers of Revenge
Turkmenistan 3 2 0 0 /
Uganda 2 2 0 0 /
Usbekistan 8 6 0 0 /
Ver. Arab. Emirate 26 14 0 0 /
Vietnam 38 8 1 1 Đông Đô

Metal-CD-Review: FALCONER – From A Dying Ember (2020)

Alben-Titel: From A Dying Ember
Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichung: 26. Juni 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Metal Blade Records

Lineup:

Stefan Weinerhall – Guitars
Karsten Larsson – Drums
Mathias Blad – Vocals
Magnus Linhardt – Bass
Jimmy Hedlund – Guitars

Track-Liste:

1. Kings and Queens (04:40)
2. Desert Dreams (03:58)
3. Redeem and Repent (04:21)
4. Bland sump och dy (03:13)
5. Fool’s Crusade (05:25)
6. Garnets and a Gilded Rose (02:32)
7. In Regal Attire (03:53)
8. Rejoice the Adorned (03:41)
9. Testify (04:18)
10. Thrust the Dagger Deep (03:39)
11. Rapture (06:37)

Von einer Glut, die niemals vollständig verglimmt.

Fans der bekannten schwedischen Power Metal-Formation FALCONER werden es bereits gehört haben, für alle anderen sei es an dieser Stelle noch einmal erwähnt: ja, es ist leider wahr. FALCONER werden nach nunmehr 21 Jahren ihre musikalische Laufbahn respektive Karriere beenden – und mit dem heute zu Rezensionszwecken vorliegenden neunten Studioalbum FROM A DYING EMBER ihr letztes Studiowerk vorlegen. Zweifelsohne kommt diese Mitteilung ebenso unerwartet wie schockierend – und sollte die meisten Kenner der Band mit einem weinenden, aber eben auch einem lachenden Auge zurücklassen. Weinend deshalb, da FALCONER einen alles andere als unerheblichen Beitrag zum Power Metal-Genre geleistet haben – und man fortan auf weitere wahrhaft exzellente Werke wie das Debütalbum FALCONER (2001, siehe Review), CHAPTERS FROM A VALE FORLORN (2002, Review) oder NORTHWIND (2006, Review) verzichten muss. Lachend zurückgelassen wird man dagegen deshalb, da die Schweden eben nicht sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden wie so viele andere – und gegenüber ihren Fans eine klare Linie fahren. Und vielleicht ja auch, da sie im berühmt-berüchtigten schönsten Moment aufhören ? Dafür müsste FROM A DYING EMBER allerdings nochmal richtig einen raushauen – zumindest mehr, als das zuletzt erschienene BLACK MOON RISING (2014, Review) oder der komplett in der Landessprache der Schweden eingesungene Vorgänger ARMOD (2011, Review).

Die Chancen dafür sollten grundsätzlich gut stehen – denn wo sonst findet man schon eine derart erfahrene Band wie FALCONER, die selbst eine ihrer wohl größten Bewährungsproben (das war der Moment, in dem Leadsänger Mathias Blad die Band kurzzeitig respektive für immerhin 2 Alben verließ) doch noch mit Bravour bestand ? Fraglich ist demnach wohl nur, ob und wie sich das Wissen um den Status von FROM A DYING EMBER als letztes FALCONER-Album auf den Schöpfungsprozess ausgewirkt hat. Oder anders gefragt: haben FALCONER wirklich noch einmal alles gegeben, und ihrer Hörerschaft ein allerletztes Meisterwerk kredenzt ? Oder haben sie sich doch eher auf vergangene Erfolge besonnen, und es eher ruhig angehen lassen ? Um diese Frage möglichst treffend zu beantworten, könnte es ausnahmsweise einmal hilfreich sein sie eben nicht allzu angestrengt zu forcieren – sondern FROM A DYING EMBER stattdessen möglichst vorurteilsfrei und so gesehen auch als weiteres handelsübliches FALCONER-Album zu betrachten.

Das Album wird von KINGS AND QUEENS eröffnet – einer nicht besonders schnellen, aber gewissermaßen typischen FALCONER-Nummer mit prägnanten Riffs, interessanten Breaks und selbstverständlich auch dem – man kann es ruhig sagen – traumhaften Leadgesang von Mathias Blad. Entsprechend schnell ist man auch drin im Kosmos von FROM A DYING EMBER, das eindeutig als FALCONER-Album – und damit jener Band, die viele im Laufe der Jahre und Jahrzehnte kennen und lieben gelernt haben – zu identifizieren ist. Streiten könnte man sich wohl nur darüber, ob es sich bei dieser Nummer wirklich um einen treffenden Opener handelt – und ob nicht das folgende DESERT DREAMS besser geeignet gewesen wäre. Hier ziehen FALCONER schließlich noch einmal deutlich an, nicht nur was das Tempo betrifft – auch der geniale Refrain lässt Erinnerungen an die ganz großen Band-Momente wach werden. Hier ist eben überall ein wenig mehr drin, auch in den Strophen und dem Soli-Part – es handelt sich klar um das erste waschechte Highlight des Albums. Doch es geht weiter – auch mit REDEEM AND REPENT gibt man sich nicht die Blöße, und serviert dem Hörer viele der typischen (und eben auch: typisch-genialen) FALCONER-Trademarks. Denn seien es das hervorragende Songwriting, die Vielfalt und Wandelbarkeit innerhalb einzelner Titel, der allgemeine lyrische Tiefgang oder die perfekte Symbiose aus schön knackig klingenden Gitarren und dem weichen Leadgesang von Mathias Blad – so, und nicht anders macht ein FALCONER-Album wirklich Spaß.

Kleinere Abzüge in der B-Note gibt es auch, doch die sind je nach persönlicher Facón zu verschmerzen. So ist festzustellen – und wenn auch nur in einem höchst dezenten Maße – dass Mathias Blad möglicherweise nicht die beste Leistung seiner Karriere abruft. Sicher, grundsätzlich klingt er so markant und einzigartig wie eh und je, und damit auch gewissermaßen erhaben – doch ein kleiner Randeindruck, dass er auf früheren Alben für einen möglicherweise noch runderen Gesamteindruck gesorgt hat, lässt sich nicht gänzlich verdrängen. Ein Beispiel dafür findet sich etwa in FOOL’S CRUSADE – einer Nummer, bei der man das Gefühl bekommen könnte dass Blad der (wirklich starken) Instrumental-Front weniger entgegenzusetzen hat als zuvor. Das gilt natürlich nicht für die (gut platzierten) Momente, bei der sich die Instrumente auch mal etwas weiter zurückziehen – und Blad zu größeren gesanglichen Rundumschlägen ausholen kann – davon hätten es gerne noch etwas mehr sein dürfen. Ebenfalls fraglich respektive eine Geschmacksfrage ist, ob ein erneut auf schwedisch eingesungener Titel wie BLAND SUMP OCH DY etwas in der relativen Mitte des Albums zu suchen hat – und nicht besser am Ende oder als Bonustrack aufgehoben gewesen wäre.

Dann wird das Album aber noch einmal richtig stark: das mittelalterlich anmutende, später von satten Riffs durchzogene Instrumental GARNETS AND A GILDED ROSE bietet eine nette Abwechslung, und bietet den wohl perfekten Auftakt für das folgende IN REGAL ATTIRE. Selbige Nummer hat die wohl am stärksten voranpreschenden Strophen des Albums – schade nur, dass der eher entschleunigende Refrain diesbezüglich kaum mithalten kann und größeres verhindert. REJOICE THE ADORNED dagegen zeigt noch einmal auf, was Mathias Blad wirklich kann – und wirkt damit weniger wie eine typische Power Metal-Ballade, sondern vielmehr wie ein kleines Kunstwerk. Gänsehaut gibt es spätestens beim großen Finale, in dem auch noch ein kleiner Chor einsetzt – der Wahnsinn. Analog dazu ist es nur gut, dass FALCONER eines definitiv nicht können: kitschig klingen. TESTIFY wiederum passt inhaltlich perfekt zum Dasein des Albums als Abschluss-Werk – während TRUST THE DAGGER DEEP mit einigen Sound-Elementen aufwartet, die man so nicht unbedingt erwartet hätte. Auch hier gilt: es handelt sich um eine Geschmacksfrage. Aber: warum setzt man das Ganze nicht einfach an das Ende des Albums ? Immerhin, mit dem eigentlichen Rausschmeißer RAPTURE wartet noch einmal ein kleiner Hochkaräter auf den Hörer, der – gewissermaßen passend zu etwaigen Gedankenspielen über das Ende von FALCONER – ein kleines Gefühlschaos auszulösen vermag. Die Instrumentalstrecken und heftigen Tempoausbrüche gegen Ende, mit der FALCONER genialerweise sogar den Kreis zu ihrer Vergangenheit als MITHOTYN (das war lange her) schließen; sind jedenfalls höchst interessant.

Schlussendlich: FROM A DYING EMBER ist ein sehr gutes FALCONER-Album geworden. Vermutlich nicht ihr bestes – aber das war in Anbetracht der ruhmreichen Historie der Band auch nicht unbedingt zu erwarten. Fest steht nur, dass es ihr letztes ist – und in Anbetracht dessen ist den Schweden der Abschluss doch mehr als zufriedenstellend gelungen. Fans sollten ihre Sammlung also dringend vervollständigen – und fortan in (hoffentlich schönen) Erinnerungen über eine der besten Power Metal-Bands aller Zeiten schwelgen. Danke, FALCONER.

Anspieltipps: DESERT DREAMS, REDEEM AND REPENT, IN REGAL ATTIRE, REJOICE THE ADORNED, TESTIFY


„Ein würdiger Abschied einer großartigen Band.“

Diese Wertung sorgt für einen Aufstieg von FALCONER in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: ALESTORM – Curse Of The Crystal Coconut (2020)

Alben-Titel: Curse Of The Crystal Coconut
Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichung: 29. Mai 2020
Land: Schottland / USA
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Christopher Bowes – Keyboards, Vocals
Gareth Murdock – Bass
Peter Alcorn – Drums
Elliot Vernon – Keyboards, Vocals
Máté Bodor – Guitars

Track-Liste:

1. Treasure Chest Party Quest (04:16)
2. Fannybaws (04:14)
3. Chomp Chomp (03:32)
4. Tortuga (03:22)
5. Zombies Ate My Pirate Ship (05:04)
6. Call of the Waves (05:05)
7. Pirate’s Scorn (Donkey Kong Country cover) (02:47)
8. Shit Boat (No Fans) (01:14)
9. Pirate Metal Drinking Crew (03:45)
10. Wooden Leg Part 2 (The Woodening) (08:06)
11. Henry Martin (02:29)

Irgendwer hat mir da doch schon wieder was ins Getränk gemischt.

Ja, es ist mal wieder so weit – ALESTORM sind zurück. Im Gepäck haben die Schotten (die sich mittlerweile gerne in den USA aufhalten und sicher auch den ein oder anderen Trip gen Mexiko wagen) ihr sechstes offizielles Studioalbum mit dem prächtigen Titel CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT. Der Silberling erscheint wie schon die Vorgänger über Napalm Records, beinhaltet 11 brandneue Tracks und wird – das kann man ruhig schon einmal im voraus festhalten – den typischen Spaßfaktor der Marke ALESTORM auch dieses Mal nicht zu kurz kommen lassen. Einen raubeinigen Spaßfaktor der – und das muss man der eigentlich schon seit 2004 aktiven Band in jedem Fall zugute halten – sich seit jeher auf ein höchst solides Handwerks-Fundament stützt. Die alles entscheidende Frage ist also – und das heute wie damals – in wie weit man generell geneigt ist, sich den illustren Seeräuber-Abenteuern rund um Kapitän Christopher Bowes hinzugeben. Denn eines steht mit Sicherheit fest: die Musik von ALESTORM, oder eher ihre ebenso eigentümliche wie spaßige Interpretation des Genres wird beileibe nicht jedermann gefallen. Aber vielleicht ist das ja auch ganz gut so.

In Richtung der langjährigen Fans kann man zumindest – und nach dem ersten tieferen Einstieg in die Welt von CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT – Entwarnung geben. Schließlich sind ALESTORM weder gealtert noch haben sie großartig an ihrer angepeilten Spielart geschraubt – womit sie ab den ersten Klängen des Openers TREASURE CHEST PARTY QUEST direkt als jene einzigartigen Schotten erkannt werden können, die sie nun einmal sind. Nur eine Sache könnte unter Umständen als dezent problematisch angesehen werden, auch wenn man die Musik von ALESTORM noch nie als anspruchsvoll bezeichnen konnte: im Vergleich mit den Vorgängern scheint CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT in Sachen Eingängigkeit, genereller Oberflächlichkeit und vor allem lyrischer Einfachheit noch einmal ein Portiönchen draufzusetzen. Das kann man mögen, wobei es in erster Linie dem raubeinig-authentischen Leadgesang von Christopher Bowes zu verdanken ist, dass das Konzept dennoch gut aufgeht – man muss es aber nicht. Anders gesagt: wem eine Nummer wie MEXIKO vom Vorgänger NO GRAVE BUT THE SEA (siehe Review) zwar spaßig, aber schlicht und ergreifend einfach deutlich zu platt daherkam; der wird vermutlich auch an CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT verzweifeln.

Immerhin, ALESTORM sind immer wieder bemüht für neue Eindrücke oder zumindest etwas Abwechslung zu sorgen – wobei man darüber streiten kann, ob ihnen das wirklich gelingt. Klar, an der Instrumental-Front gibt es wieder mal einiges zu entdecken – von der gelungenen Keyboard-Arbeit inklusive vieler kleiner Sound-Überraschungen über die recht stark im Fokus stehenden Folk-Elemente inklusive der von Ally Storch (SUBWAY TO SALLY) gespielten Violine bis hin zu den weit mehr als standardisierten Gitarren-Frickeleien gibt es diesbezüglich erst gar keine Verschnaufpause. Die neuen, hie und da eingeworfenen harschen Gesangspassagen dagegen sind Geschmackssache – wie sicher auch das insgesamt merkwürdige, passenderweise als Video-Single ausgekoppelte TORTUGA mit seinem quasi-Rap-Part von Kollege Luke Philp aka Captain Yarrface (RUMAHOY). Wirkliche Aha-Momente, die tatsächlich auch das Zeug dazu haben nachhaltig zu fesseln sucht man dagegen – und leider – vergebens.

Wobei, eine Ausnahme gibt es dann doch – und die heißt WOODEN LEG PART 2. Selbige Nummer ist nicht nur merklich anders als alle anderen Titel des Albums, sie weiß auch in vielerlei Hinsicht zu gefallen – etwa durch die insgesamt etwas epischer angelegte Herangehensweise. Hier fahren ALESTORM dann auch wirklich alles auf, was geht – wobei das verheißungsvolle Intro und der an diverse Folk Metal-Bands erinnernde Aufakt erst der Anfang sind. Ja, selbst die elektronischen Spielereien fügen sich nahtlos ein – und lyrisch geht es endlich mal etwas packender zu.  Davon abgesehen handelt es sich bei CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT aber eher um eine Aneinanderreihung weder besonders schlechter noch besonders herausragender; also schlicht solider ALESTORM-Nummern – die hinsichtlich ihres Tempos und Spaßfaktors mal mehr (FANNYBAWS, CALL OF THE WAVES, PIRATE’S SCORN), mal weniger (ZOMBIES ATE MY PIRATE SHIP, SHIT BOAT NO FANS) anziehen.

Eines gilt es aber in jedem Fall festzuhalten: wer die Band, und selbstverständlich auch ihre ebenso raubeinige wie ureigene Interpretation eines europäischen Power Metals noch nicht kennt; der sollte dringend mal einen Blick riskieren – ob nun in Bezug auf das vorliegende neueste Album, oder aber einen früheren Zeitpunkt innerhalb der Diskografie. Schließlich steht so gut wie fest dass man etwas verpasst hat, wenn man ALESTORM nicht kennt. Ob diese Festellung aber auch immer mehr neue Alben rechtfertigt, vor allem im Blick auf die nächsten Jahre; ist eine ganz andere Frage – denn wenn sich eine Band zum vorschnellen satthören eignet, ist das ALESTORM. 

Anspieltipps: FANNYBAWS, CALL OF THE WAVES, WOODEN LEG PART 2


„Insgesamt hält sich der Spaß in Grenzen, für zwischendurch ist das Ganze aber allemal empfehlenswert – und eine Über-Nummer gibt es gratis dazu.“

Diese Wertung sorgt für einen Aufstieg von ALESTORM in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Space Ninjas From Hell (2020)

Alben-Titel: Space Ninjas From Hell
Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichung: 17. Januar 2020
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Frank Koppe – Drums
Florian Zack – Guitars
Andreas Dockhorn – Bass
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals

Track-Liste:

1. Tale of the Sunbladers (04:18)
2. Ninjas Unite (04:35)
3. Super Sonic Samurai (04:02)
4. Evil Wizard WuShu Master (03:51)
5. Nippon Knights (03:28)
6. Shuriken Showdown (03:34)
7. Wasabi Warmachine (04:34)
8. Wrath of the Dragongod (03:32)
9. Astral Assassin Shark Attack (03:46)
10. Space Ninjas from Hell (03:15)
11. Cosmic Space Commando Base (04:19)
12. Shinobi Strike 3000 (02:23)

Wenn man zum lachen wirklich in den Keller gehen muss – oder sollte.

Mittlerweile gibt es sie immer zahlreicher: Power Metal-Bands, die nicht einfach nur Musik machen – sondern dabei auch auf ein ganz bestimmtes Image setzen. Und damit im besten Fall auch auf einen besonderen Wiedererkennungswert, der damit längst nicht mehr nur aus dem letztendlich an den Tag gelegten Handwerk resultiert. Oftmals mit im Gepäck dieser Band ist auch ein gewisser Spaßfaktor – der ebenfalls nicht allein aus der Musik resultiert, sondern mitunter abenteuerliche Ausmaße annehmen kann. Seien es also die Jungs von GLORYHAMMER mit ihrem gleich mehrere Jahrhunderte abdeckenden (und sich bis in kosmische Gefilde erstreckenden) Helden-Epos, die Recken von ALESTORM mit ihrem unwiderstehlichen Piraten-Flair oder die tollkühnen BROTHERS OF METAL mit ihren Gesangsgeschichten über den kriegerischen Odin und den Konsum von reichlich Met – von einer direkt wiederzuerkennenden Spielart über herrlich abstruse Musikvideos und Kostüme bis hin zu fulminanten Live-Auftritten haben sich diese Bands jeweils einiges aufgebaut, geht es um ihre (ur-)eigenen Identitäten. Wie VICTORIUS nun diesbezüglich ins Bild passen, ist noch nicht vollends geklärt – fest steht nur, dass die 2004 gegründete und von Leadsänger David Baßin geführte Band sich mittlerweile ebenfalls einer eher spaßigen Auslegung des übergeordneten Power Metal-Genres verschrieben hat. Die 2008 erschienene, dezent an den Stil des Indie-Kurzstreifens KUNG FURY erinnernde EP DINOSAUR WARFARE (siehe Review) jedenfalls sprach entsprechende Bände – und auch mit dem vorliegenden SPACE NINJAS FROM HELL schreitet man in eine ganz ähnliche Richtung.

Das bedeutet vornehmlich eines: dass die insgesamt 12 Titel des Albums mit einem immensen Spaßfaktor einhergehen. Zumindest in der Theorie, und wenn man so will – schließlich gibt es auch einige Anhaltspunkte, die eher gegen den neuerlichen Werdegang von VICTORIUS sprechen. Da wäre zum einen die Tatsache, dass SPACE NINJAS FROM HELL vieles ist – nur kein anspruchsvolles Album. Und das fällt selbst dann auf, wenn man sich im voraus auf ein eher seichtes und Spaß-orientiertes Album eingestellt hat – sowie hie und da ein gewisses, hier unbedingt nötiges Augenzwinkern walten lässt. Eines, dass bei den meisten anderen Bands einer ähnlichen Spielart kleinere Schwächen oder einfach zu kitschige Elemente und Momente verzeihen lässt – nicht aber bei VICTORIUS, die es im Hinblick auf ihr neues Album vielleicht doch etwas übertrieben haben. Denn: derart einfach gestrickt ging es schon lange nicht mehr auf einem Power Metal-Album zu – ganz unabhängig davon, wie groß der Spaßfaktor auch war. Das betrifft vor allem die Struktur des Albums und der einzelnen Titel – die letztendlich so leicht und eingängig daherkommen, dass man sie gar nicht mehr auseinanderhalten kann. Von den besungenen Inhalten, der Gestaltung der einzelnen Textzeilen sowie der entsprechend unbekümmerten Herangehensweise von Leadsänger David Baßin gar nicht erst zu sprechen. Es mag kurios erscheinen, aber: das hier gebotene ist selbst für ein wie auch immer geartetes Spaßalbum zu viel, oder eben zu wenig. Und das in einem solchen Maße, dass einem das Lachen – im schlimmsten Fall – im Halse stecken bleiben könnte.

Sicher, grundsätzlich verstehen VICTORIUS ihr Handwerk. Das haben sie bereits mit ihren früheren Alben bewiesen, und auch SPACE NINJAS FROM HELL hat – speziell bezüglich der Instrumenten-Front – einiges anzubieten. Theoretisch könnte die Band damit also durchaus mit ihren potentiellen Konkurrenten a’la GLORYHAMMER oder vielleicht auch DRAGONY mithalten. Theoretisch – doch wenn sich eine Band tatsächlich dafür entscheidet einen Titel wie das zwar gut gemeinte, letztendlich aber nur noch zum Fremdschämen einladende NIPPON KNIGHTS zu produzieren; hört es ganz schnell wieder auf. Und das gilt – leider – für einen Großteil der auf dem Album enthaltenen Titel, die meist genau das bieten was die kruden Bezeichnungen (noch nie eine ASTRAL ASSASSSIN SHARK ATTACK gehört ?) versprechen. Und das geht schlicht auf keine Kuhhaut – zumindest keine nüchterne. Während die letzte EP – die unter anderem mit Laser-schießenden Dinosauriern aufwartete – also noch als nette Abwechslung oder Gimmick verstanden werden konnte, sieht es in Bezug auf SPACE NINJAS FROM HELL (und damit gleich ein komplettes Album im peinlich-einfachen Spaßgewand) schon deutlich anders aus. Es ist schade – doch in dieser Form sollten VICTORIUS keinen Erfolg haben. Zumindest keinen, auf den man auch im hohen Alter noch stolz sein kann…

Anspieltipps: TALE OF THE SUNBLADERS


„Hoffentlich war das nur ein Ausrutscher.“

Diese Wertung sorgt für einen Abstieg von VICTORIUS in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

Metal-CD-Review: HALÉN – Idleness (2020)

Alben-Titel: Idleness
Band: Halén (mehr)
Veröffentlichung: 03. April 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Ola Halén – Gesang, Alle Instrumente

Track-Liste:

1. There’s no Use (04:48)
2. Daydream (03:39)
3. Tears (04:49)
4. Empire (05:19)
5. Labyrinth (05:02)
6. Dreams (04:44)
7. AnyMore (02:47)
8. Wonders (04:19)
9. Blown Away (04:28)

Da war aber jemand ganz und gar nicht faul.

Nein, das Bandprojekt HALÉN hat noch keine allzu weitreichende Geschichte – und man muss es vielleicht auch nicht unbedingt kennen. Dem geneigten Power Metal-Fan sollte ein Name wie Ola Halén – seines Zeichens das einzige offizielle Mitglied der Band – aber dennoch ein Begriff sein. Speziell natürlich in Bezug auf die ebenfalls aus Schweden stammende (und schon seit längerem vermisste) Genre-Combo INSANIA, die um die Jahrtausendwende herum mit einigen hochkarätigen Alben durchstartete. Zwar tat sie dies zunächst noch ohne Ola Halén – doch, ob Zufall oder nicht; liefen sie erst mit der Verpflichtung des markanten Gesangstalents zu ihrer absoluten Höchstform auf. Das erste Ergebnis der fruchtbaren Zusammenarbeit (FANTASY – A NEW DIMENSION, siehe Review) kann auch heute noch als eines der besten Power Metal-Alben überhaupt bezeichnet werden, je nach Perspektive – und auch danach sah es eigentlich rundum gut aus für die Band, trotz des bereits wesentlich schwächeren AGONY – GIFT OF LIFE (Review). Was daraufhin – und nach dem Jahr 2007 – passierte, weiß indes niemand so genau – schließlich zogen sich nicht nur INSANIA, sondern auch deren Frontmann Ola Halén zurück. Immerhin, mit seinem Nebenprojekt SHADOWS PAST konnte er 2013 wieder einen Erfolg feiern (PERFECT CHAPTER, siehe Review) – doch wirklich angekommen schien er nicht.

Ob er dies heute ist, darüber kann man ebenfalls nur munkeln – fest steht nur, dass er mit HALÈN ein weiteres Soloprojekt an den Start gebracht hat, und nach dem eher kruden NACKSKOTT (Review) nun IDLENESS vorlegt, das zweite offizielle Album der Ein-Mann-Band. Interessant, und sicher nicht jedem bekannt ist dabei; dass das auf IDLENESS enthaltene Material aber nicht grundsätzlich neu ist – sondern teilweise schon auf den frühen SHADOWS PAST-Demos enthalten war. Sei es drum – offenbar befand der Schwede das Material für so gut, dass es an der Zeit wäre für eine Aufarbeitung. Wobei, und das ist durchaus bemerkenswert; er wirklich alle anfallenden Arbeiten am Alben selbst übernahm. Gut, bis auf das Mastering – von einem wahren Multitalent (das nicht nur singen, sondern auch alle entsprechenden Instrumente handhaben kann) ist aber in jedem Fall zu sprechen. In wie weit das Album dabei wirklich punkten kann, ist natürlich eine andere Frage. Immerhin hatte HALÉN bereits mit und auf NACKSKOTT gezeigt, dass er durchaus ein Faible für etwas; man nenne sie ungewöhnlichere Töne zu haben scheint – zumindest im Sinne der eigentlichen Stil-Verortung im Bereich des Power Metals.

Immerhin, mit dem vorliegenden IDLENESS kann diesbezüglich schon einmal Entwarnung gegeben werden. Das 9 Titel enthaltene Werk ist weit davon entfernt, wie ein krudes musikalisches Experiment oder ein zusammengewürfeltes Sammelsurium an ausrangierten Nummern zu klingen, oder anders gesagt: IDLENESS klingt eindeutig nach dem Ola Halén, der man kennt und liebt. Mit einer Nummer wie BLOWN AWAY liefert er sogar ganz explizit ein Fest für all jene, die die früheren INSANIA feierten – was nur gut und richtig ist, und einstweilen tatsächlich Erinnerungen an das großartige FANTASY – A NEW DIMENSION wach werden lässt. Aber auch davon abgesehen sieht es gut aus für IDLENESS – das mit Titeln wie THERE’S NO USE, EMPIRE oder DREAMS einige waschechte Power Metal-Kracher an den Start bringt. Kracher, die all das haben was INSANIA ausgezeichnet hatte – und womöglich noch mehr. Schließlich muss man bedenken, dass hier tatsächlich nur ein einziger Mann am Werk ist. Das wiederum fällt nicht auf, was allemal positiv zu verstehen ist: seien es die schmackigen Gitarren inklusive vieler genialer Riff- und Solistrecken, der prägnante und gut hörbare Bass, das variable Drumming oder die unterstützende Keyboard-Elemente – hier gibt es wahrlich einiges höchst interessantes, und vor allem perfekt vorgetragenes auf die Lauscher. Gut, die Ballade ANYMORE und vielleicht auch das allgemein eher zurückhaltende WONDERS gehören nicht zu den besten Momenten des Albums – doch das ist insgesamt eher zu verschmerzen.

IDLENESS avanciert so zu einem kleinen Geheimtipp für alle Power Metal-Enthusiasten, die gerne auch mal hinter die Kulissen schauen – und nichts gegen eine Priese Eigenwilligkeit und dem für HALÉN typischen Mäandern zwischen verschiedenen Stimmungen einzuwenden haben. Und überhaupt: wenn selbst eine sonst obligatorische Ballade wie TEARS zündet – und das vor allem in Bezug auf den ebenso glaubwürdigen wie schlicht packenden Leadgesang – will das schon etwas heißen. Im handwerklichen Sinne ist HALÉN jedenfalls nichts vorzuwerfen, selbst der allgemeine Soundeindruck ist in Anbetracht einer Independent-Produktion höchst solide. Man kann damit eigentlich nur hoffen, dass Ola Halén in Zukunft auch wieder ein paar größere Releases an den Start bringen wird oder sonst irgendwie Aufmerksamkeit erlangt – denn verdient hätte er es allemal.

Anspieltipps: THERE’S NO USE, EMPIRE, DREAMS, BLOWN AWAY


„Gut, und vor allem: einzigartig.“

Metal-CD-Review: BROTHERS OF METAL – Emblas Saga (2020)

Alben-Titel: Emblas Saga
Band: Brothers Of Metal (mehr)
Veröffentlichung: 10. Januar 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: AFM Records

Lineup:

Emil Wärmedal – Bass
Dawid Grahn – Guitars
Pähr Nilsson – Guitars
Mikael Fehrm – Guitars
Ylva Eriksson – Vocals
Joakim Lindbäck Eriksson – Vocals
Johan Johansson – Drums
Mats Nilsson – Vocals

Track-Liste:

1. Brood of the Trickster (01:56)
2. Powersnake (03:43)
3. Hel (04:40)
4. Chain Breaker (03:53)
5. Kaunaz Dagaz (04:13)
6. Theft of the Hammer (04:10)
7. Weaver of Fate (04:45)
8. Njord (03:50)
9. Emblas Saga (07:14)
10. Brothers Unite (04:06)
11. One (04:17)
12. Ride of the Valkyries (03:26)
13. To the Skies and Beyond (04:53)

Und los geht die wilde Fahrt.

Nachdem sie mit ihrem 2017 erschienenen Studioalbum PROPHECY OF RAGNARÖK (siehe Review) erstmals erfolgreich in Erscheinung getreten sind, gehen die sagenumwobenen Geschichten der aus Schweden stammenden Power Metaller rund um die BROTHERS OF METAL weiter. Und das offenbar recht munter: nach einigen Singles und einer handvoll feucht-fröhlicher Musikvideos (siehe hier) veröffentlichen die Recken mit dem vorliegenden EMBLAS SAGA ihr vielversprechendes zweites Studioalbum. Und das selbstverständlich nicht mehr als Independent-Release – sondern mit der vollen Unterstützung und Reichweite von AFM Records als glückliches Label, welches die Schweden gewissermaßen entdeckt respektive direkt nach ihrem Debüt aufgenommen hat. Zu Recht, muss man wohl sagen – zumindest in Anbetracht des rundum gelungenen Debütalbums, das neben seinen mehr als respektablen handwerklichen Aspekten vor allem eines hochgehalten hat: einen immensen Spaßfaktor. Wie sich der Nachfolger schlägt, wird sich zeigen – doch grundsätzlich sollten die Chancen gut stehen für die Schwertbrüder und -Schwestern.

Bevor es so richtig losgeht, sollte man eines aber in jedem Fall wissen; womit sich der Kreis zum erwähnten Spaßfaktor schließt: auch in Anbetracht des schier epischen Auftretens der Band (oder eben: gerade deswegen) sollte man sich dem Schaffen der BROTHERS OF METAL besser nicht bierernst, sondern stattdessen mit dem ein oder anderen Augenzwinkern nähern. Schließlich, und auch wenn die jeweils angepeilten Spielarten nicht wirklich miteinander zu vergleichen sind; springen die Brüder und Schwestern des (Power) Metals in eine ganz ähnliche Nische wie etwa die Kollegen von ALESTORM, GLORYHAMMER oder TWILIGHT FORCE. Und damit zweifelsohne Bands, bei denen weniger mehr manchmal einfach mehr ist. Anders gesagt: wer auf eine wie auch immer geartete Originalität verzichten kann und nichts gegen die ein oder andere – auch mal parodistische – Überspitzung im Sinne diverser Genre-Klischees einzuwenden hat, sollte mit einer Band wie den BROTHERS OF METAL bestens beraten sein.

Denn, und daran besteht kein Zweifel: rein handwerklich und soundtechnisch macht den BROTHERS OF METAL keiner so schnell etwas vor. Gerade damit haben die Schweden eine der vielleicht wichtigsten Hürden in Bezug auf, man nenne sie einmal Spaßprojekte wie diese (ohne, das damit eine Abwertung vorgenommen werden soll) relativ problemlos genommen. EMBLAS SAGA klingt rundum satt, ist schier perfekt produziert und abgemischt – und wartet mit einigen höchst interessanten Darbietungen der einzelnen Mitglieder auf. Mitgliedern wie etwa Ylva Eriksson – die gemeinsam mit ihrem Gesangspartner Joakim Lindbäck Eriksson für das mitunter prägnantestes Alleinstellungsmerkmal der Band sorgt, den zweistimmigen Leadgesang. Nicht nur, dass es im Bereich des Power Metals an sich schon selten ist zwei Frontmänner respektive -Frauen an den Start zu bringen – im Falle der BROTHERS OF METAL ist es klar das markante Wechselspiel aus den offensichtlichen Gegensätzen der beiden, die das Ganze so interessant macht.

So kann man sich eigentlich nur noch darüber streiten, in wie weit man die diversen Kuriositäten der Band nun gutheißen kann oder nicht. Warum die Band etwa über gleich drei Gitarristen verfügt, steht (in anbetracht dessen, dass es einfach kaum nötig erscheint) in den Sternen. Eben so, wie ihre Vorliebe für die nordische Mythologie gnadenlos ist – sodass es nicht weiter verwunderlich sein sollte, wenn der anberaumte Bombast dem ein oder anderen doch vorschnell auf den Nerv gehen könnte. Das gilt im übrigen auch – und sei es nur dezent – für die Darbietung von Joakim Lindbäck Eriksson, von dem man sich langsam auch mal ein paar andere (Gesangs-)Töne wünscht. Doch es hilft alles nichts – erklingen Titel KAUNAZ DAGAZ oder THEFT OF THE HAMMER, hält einen einfach nichts mehr auf den Sitzen. Das durchaus geniale Riffing, der wuchtige Bass und der ebenso voranpreschende wie im Sinne eines symphonischen Power Metals sehnsüchtig-verträumte Eindruck lassen hier jedenfalls keine Wünsche offen.

Schlussendlich: EMBLAS SAGA ist vielleicht kein Anwärter auf den Genre-Thron des Jahres 2020 – aber doch ein extrem aufheiterndes Genre-Intermezzo für so manch triste Stunde. Vor allem natürlich, da die BROTHERS OF METAL das was sie hier zum Besten geben wirklich zu leben scheinen – Augenzwinkern hin oder her.

Anspieltipps: KAUNAZ DAGAZ, THEFT OF THE HAMMER, RIDE OF THE VALKYRIES


„Hier wird einiges groß geschrieben – vor allem der Spaßfaktor.“

Metal-CD-Review: FAIRYLAND – Osyrhianta (2020)

Alben-Titel: Osyrhianta
Band: Fairyland (mehr)
Veröffentlichung: 22. Mai 2020
Land: Frankreich
Spielart / Stil: Symphonic Power Metal
Label: Massacre Records

Lineup:

Willdric Lievin – Bass
Philippe Giordana – Keyboards
JB Pol – Drums
Sylvain Cohen – Guitars
Francesco Cavalieri – Vocals

Track-Liste:

1. The Age of Birth (02:57)
2. Across the Snow (05:15)
3. The Hidden Kingdom of Eloran (06:13)
4. Eleandra (04:12)
5. Heralds of the Green Lands (04:36)
6. Alone We Stand (04:40)
7. Hubris et Orbis (05:54)
8. Mount Mirenor (07:15)
9. Of Hope and Despair in Osyrhia (12:02)
10. The Age of Light (04:02)

Es ist viel Zeit vergangen in Osyrhia.

Nein, im Hause FAIRYLAND ist man nicht unbedingt dafür bekannt, mit Alben um sich zu schmeißen. Vielmehr ließen es die Franzosen respektive das angestammte Band-Oberhaupt Philippe Giordana immer etwas ruhiger angehen – vor allem nach dem noch etwas lebhafteren Karriereauftakt Anfang der 2000er Jahre. Fans wussten dennoch, wo sie ihre Dosis der gewissermaßen typischen Giordana-Soundelemente her bekommen konnten – immerhin ist der Franzose zu großen Teilen mitverantwortlich für den Sound der quasi-Partnerband KERION. Was ihn beziehungsweise seine Arbeit so speziell macht, sind ohne Zweifel die Chöre – die man so bei keiner anderen Band zu hören bekommt, und bereits das FAIRYLAND-Debütalbum OF WARS IN OSYRHIA (siehe Review) zu etwas ganz besonderem machten. Nun aber, und nach immerhin 11 Jahren FAIRYLAND-Pause ist das Mastermind doch noch mit einem neuen Album zurückgekehrt – dem vielversprechend anmutenden OSYRHIANTA. In wie weit das ganze eine Reminiszenz in Bezug auf das 17 Jahre alte Erstwerk der Franzosen ist, und ob die seinerzeit begonnene Geschichte weitererzählt wird; wird sich noch zeigen.

Immerhin spricht schon im Vorfeld einiges für das Album: nach der bereits einige Jahre zurückliegenden Verpflichtung dreier neuer Mitglieder hat man sich noch einmal ordentlich Zeit genommen, bis OSYRHIANTA endlich in den Startlöchern stehen konnte. Und das hört man dem Album auch an, zumindest respektive vor allem dem Auftakt: sowohl das von einer wuchtigen Erzählstimme (Dan Wilberg) begleitete Intro THE AGE OF BIRTH als auch der Opener ACROSS THE SNOW schöpfen ausdrücklich aus dem musikalischen Vollen. Fest stehen damit schon einmal zwei Dinge: zum einen, dass OSYRHIANTA kein allzu luftiges respektive direkt zugängliches Werk ist – und zum anderen, dass man auch davon unabhängig unbedingt auf ein gutes Soundsystem oder noch besser vernünftige Kopfhörer setzen sollte, um in den vollen Genuss wirklich aller Facetten der Musik von FAIRYLAND zu kommen. Sicher, mit OSYRHIANTA bekommt man einiges an Pomp und Bombast auf die Ohren, womit die Band gewissermaßen auch den langjährig gehegten Erwartungen der Hörerschaft entspricht – doch sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Bei der – sich zugegebenermaßen nicht sonderlich zurückhaltenden – Keyboard-Arbeit von Philippe Giordana handelt es sich eben nur um einen Aspekt innerhalb der musikalischen Welten von FAIRYLAND.

Darüber hinaus, und das macht OSYRHIANTA noch einmal mit Nachrdruck deutlich; gibt es eben auch noch einiges anderes zu hören – wie selbstverständlich einige schmackige Metal-Instrumentierungen, die – um mal einen Vergleich anzuberaumen – wesentlich kräftiger daherkommen als etwa bei den Kollegen von TWILIGHT FORCE. Dies lässt sich beispielsweise gut am von Willdric Lievin gehandhabten Bass festmachen – der innerhalb der Titel stets gut zu hören ist, und auch mal einige besondere Einzelmomente erhält. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die wirklich alles andere als langatmige Struktur und Gestaltung des Albums, oder anders gesagt: es gibt an so gut wie jeder Ecke etwas zu entdecken, simpel von Refrain zu Refrain gehangelt wird sich nie.

Und doch muss sich auch ein Album wie OSYRHIANTA Kritik gefallen lassen. Vielleicht sogar mehr, als zunächst angenommen. Ob man dabei die wesentlich älteren Alben der Band zwecks eines Vergleiches zu Rate zieht oder nicht, spielt dabei keine Rolle – was eigentlich zu einem Vorteil für FAIRYLAND hätte avancieren sollen. Doch selbst wenn man OSYRHIANTA einmal völlig unvoreingenommen als neues Album einer neuen Band betrachtet, ergeben sich einige Auffälligkeiten – wobei diese mit einem eher allgemeinen Eindrücke hinsichtlich der Qualität der Abmischung beginnen. Viel zu oft hat man das Gefühl, als wären einige Elemente zu laut respektive vordergründig platziert, während andere eher untergehen – den Bass einmal ausgenommen. Das können man die oftmals zu leisen und / oder kraftlos inszenierten Chöre sein (was bitte ist denn in ELEANDRA passiert), oder mal die doch deutlich zu dick aufgetragene Keyboard-Front – während es allerlei eher merkwürdige Experimente wie das Sound-Wirrwarr in HERALDS OF THE GREEN LANDS (dort, wo über die Chöre auch noch eine Erzählstimme gelegt wird) nicht besser machen. Damit steht eines schon einmal unumstößlich fest: ein rundum ausgewogenes, in allen Einzelmomenten perfekt abgestimmtes Album klingt anders. Mit den weiter oben erwähnten guten Kopfhörern hat sich das also auch schon wieder erledigt – zumindest nach den ersten Titeln oder eben dem Zeitpunkt, an dem einen der Sound von OSYRHIANTA doch lieber den Buckel runter als in die Ohren rauschen kann.

Aber noch etwas fällt eher negativ auf. Und das ist – man muss wohl sagen, leider – der Leadgesang des neuen FAIRYLAND-Sängers Francesco Cavalieri. Der bringt schließlich nicht nur eine einstweilen etwas zu raue Gangart mit an den Start, die wenig mit einer von FAIRYLAND irgendwie auch erwarteten Virtuosität am Hut hat – sondern scheint auch auch etwas mehr vom Sound seiner eigentlichen Band WIND ROSE mit in den neuen FAIRYLAND-Soundtopf zu werfen, als es möglicherweise beabsichtigt war. Fakt ist: eine Band wie FAIRYLAND braucht einen besonderen, einzigartigen, unverwechselbaren Leadsänger – und keinen der zwar sein Handwerk versteht, sich aber vornehmlich durch einen Wechsel von sanfteren zu deutlich harscheren Tönen auszeichnet. Sicher, man bekommt keine zweite Elisa C. Martin – die übrigens einen Gastauftritt auf dem Album hat, ausgerechnet im schwachen ELEANDRA – aber etwas außergewöhnlicheres, für einen deutlicheren Aha-Effekt sorgendes hätte einfach drin sein sollen. So aber klingt OSYRHIANTA teils äußerst merkwürdig, oder auch: verdreht. Wie sollte es auch anders sein wenn die Refrains (wie in HUBRIS ET ORBIS) eher kraft- und lustlos klingen, die Darbietungen in den Strophen aber gegenteilig; man will nicht sagen angestrengt ?

Im schlimmsten Fall könnte man FAIRYLAND so unterstellen, einige falsche Entscheidung bezüglich ihrer Soundausrichtung getroffen zu haben. Wer hierfür noch ein weiteres, möglichst treffendes Beispiel braucht sollte sich einmal den Rausschmeißer THE AGE OF LIGHT zu Gemüte führen – der nicht viel weniger als alles falsch macht, was möglich ist. Die Gesangsdarbietungen an sich sind schon gewöhnungsbedürftig, doch die wahre Crux liegt auch hier im Mix – so matschig und ziellos hat schon lange keine Darbietung im Bereich des symphonischen Power Metals mehr geklungen. Wobei natürlich auch hier gilt: die Chöre machen es nicht besser, im Gegenteil. Was hier passiert ist, beziehungsweise warum sich Philippe Giordana plötzlich derart die Blöße gibt, bleibt ein Rätsel. Sicher, einerseits muss ein jeder für sich selbst entscheiden in wie weit er oder sie den neuen Sound der Band gutheißen kann oder auch nicht – aber andererseits hätte man von FAIRYLAND schlicht etwas aussagekräftigere, allgemein weniger angreifbares erwartet. OSYRHIANTA sollte damit gerade für FAIRYLAND-Fans der ersten Stunde – ob Elisa-Anbeter oder nicht – eine Enttäuschung sein, oder anders gesagt: gegen OSYRHIANTA klingt ein jedes einzelnes KERION-Album (die ja ebenfalls nicht unumstritten sind) wie eine echte Offenbarung.

Anspieltipps: ACROSS THE SNOW, HUBRIS ET ORBIS


„Das war vor allem eines: viel Lärm um nichts. Leider.“