Filmkritik: „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (2019)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: J. J. Abrams
Mit: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 142 Minuten
FSK: ab 12
Genre: Science Fiction / Fantasy / Action
Tags: Star Wars | Jedi | Skywalker | Macht | Dunkle Seite | Imperium

Inhalt: Die sogenannte Neue Ordnung ist noch immer nicht besiegt. Eher ist das Gegenteil der Fall, hat der Widerstand unter Führung von Generalin Leia (Carrie Fisher) mehr zu kämpfen als jemals zuvor – erst Recht, da der skrupellose Anführer Kylo Ren (Adam Driver) einen ungeahnten Verbündeten hinzugewonnen zu haben scheint. Alle Hoffnungen ruhen nun auf Rey (Daisy Ridley), der offenbar letzten Jedi. Gemeinsam mit ihren Freunden Finn (John Boyega), Poe (Oscar Isaac), Chewbacca (Joonas Suotamo) und C-3PO (Anthony Daniels) macht sie sich auch die Suche nach einem geheimnisvollen Artefakt…

Kritik: Mit „Der Aufstieg Skywalkers“ endet die neueste (Haupt-)Trilogie aus dem berühmt-berüchtigten STAR WARS-Franchise. Eine Trilogie, die im allgemeinen für höchst gemischte Gefühle in den jeweiligen Fangemeinden gesorgt hat – und das nicht nur, da sich mittlerweile Disney für den Aufstieg oder Fall des einst von Altmeister George Lucas ins Leben gerufenen Franchise verantwortlich zeichnet. Gründe für den relativen Zwiespalt dürften sich schließlich auch in Bezug auf die inhaltliche Ausrichtung der Trilogie (mit „Das Erwachen der Macht“ als im Grunde lediglich die Original-Trilogie kopierendem Auftakt, siehe Rezension) sowie allerlei; man nenne sie moderne Entscheidungen hinsichtlich diverser Charaktere und Stilmittel finden. Im Falle von „Der Aufstieg Skywalkers“ – beziehungsweise grundsätzlich der gesamten neuen Trilogie – kommt es aber ohnehin ganz auf die jeweiligen persönlichen Erwartungen an.

Anders gesagt: erwartet man hier ein STAR WARS-Erlebnis der guten alten Schule – oder eines, welches auch nur ansatzweise mit dem einzigartigen Flair der drei ursprünglichen Teile vergleichbar ist – so wird man vermutlich eher enttäuscht. Andererseits, und im Vergleich mit der insgesamt sicher noch etwas unrühmlicheren Trilogie der Jahre 1999 bis 2005 (mit Episode 1 als kitschig-quietschbunten Negativhöhepunkt, siehe Rezension) schneiden die neuen Filme eben doch deutlich besser respektive angenehmer ab. Und das in mehrerlei Hinsicht: von den anberaumten handwerklich-technischen Elementen über die etablierte Atmosphäre bis hin zu deutlichen Reminiszenzen an die Original-Trilogie (unter anderem durch die durchaus angenehme Rückkehr diverser wichtiger Charaktere) stecken in der insgesamt überraschend düster gehaltenen Disney-Trilogie schon deutlich mehr „echte“ STAR WARS-Anteile als in den meisten anderen Franchise-bezogenen Werken.

Unter dem Gesichtspunkt und der Erwartungshaltung, möglichst viel neues und dabei in jeder Hinsicht erträgliches (selbst das ist heutzutage gar nicht mehr so einfach) STAR WARS-Material serviert zu bekommen, hat sich die neue Trilogie also durchaus einen Platz in den Hitlisten der Fans verdient. Erträglich deshalb, da man sich einerseits nicht zu weit vom Original entfernt, eine grundsätzlich spannende Weiterführung der ursprünglichen Geschichte inszeniert, auch einige durchaus passende neue Elemente vorsieht – und andererseits, da sich die inhaltlichen und stilistischen Fehlgriffe vor allem im Sinne eines eventuell zu modernen Films in Grenzen halten. Sicherlich, dezent stören können sie trotzdem – doch insgesamt betrachtet, und gerade nach dem eher enttäuschenden Auftakt der neuen Trilogie wissen sowohl „Die letzten Jedi“ und „Der Aufstieg Skywalkers“ einiges an hoch potentem Futter für STAR WARS-Fans zu liefern. OB sich diese dann als eingefleischt bezeichnen würden oder im besten Fall bereits seit der ursprünglichen Ausstrahlung der Originale dabei sind – die für immer relativ unantastbar bleiben werden und sollten – das spielt im Grunde gar keine allzu große Rolle.

So kann „Der Aufstieg Skywalkers“ grundsätzlich jedem Fan oder Nicht-Fan empfohlen werden, der nicht zu viel erwartet, eher wenig Lust auf die Charakter-bezogenen Neben-Ableger der Reihe hat – aber ebenfalls nicht auf ein zünftiges Sternen-Abenteuer verzichten kann oder will. Im Vordergrund – und unter Einbeziehung der im besten Fall etwas heruntergeschraubten Ansprüche – stehen dabei klar all jene STAR WARS-Elemente, die man kennt und liebt – und die nicht ohne Grund ikonisch geworden sind. Seien es große und von vielen geschätzte Charaktere wie Chewbacca, Luke Skywalker, Han Solo, Lando Calrissian, Leia Organa oder die Droiden R2D2 und C3PO; die verschiedenen Welten, die verschiedenen Raumschiffe und Gleiter (inklusive des Millenium-Falcons), die markanten Bösewichte – „Der Aufstieg Skywalkers“ hat viel von jenem zu bieten, was schon früher beliebt war beziehungsweise die Reihe eigentlich erst groß gemacht hat. Sicher, allzu große Überraschungseffekte bleiben in Anbetracht des Rezepts „weniger neues, mehr vom altbewährten“ aus – doch das macht nichts, bietet der Film auch so genügend Anhaltspunkte um nicht an Spannung zu verlieren.

Der wichtigste Punkt war uns ist aber der, dass man diese altbewährten Elemente tatsächlich sinnvoll und auf eine durchaus reizvolle Art und Weise in einen neuen Film portiert hat – und sie dabei niemals der Lächerlichkeit preisgibt oder dem Andenken an die alten Filme anderweitig Schaden zufügt. Eben so, wie es bei vielen aktuellen Remakes, Reboots oder Serien-Ablegern heutzutage leider gerne mal der Fall sein kann. So lassen sich auch die durchaus vorhanden Kritikpunkte an „Der Aufstieg Skywalkers“ verschmerzen; erneut unter der Beachtung des generell etwas heruntergeschraubten Anspruchs versteht sich. Das Erzähltempo vor allem in der ersten Hälfte des Films beispielsweise wirkt schon etwas holprig respektive teils gehetzt, das Hinarbeiten auf den eigentlichen Höhepunkt (das zu erwartende große Finale) überzeugt nicht immer bzw. bekommt es einige Dämpfer ab. Auch die teils eingeschobene Lockerheit bzw. die hie und anberaumten witzigen Stellen bedienen zwar den typischen STAR WARS-Humor, fühlen sich aber einstweilen etwas (zu) gezwungen an. Die handwerklich-technischen Aspekte wissen größtenteils zu überzeugen – vor allem im Hinblick auf die Kostüme, die (kleineren) Effekte, die Innenansichten der Raumschiffe und -Gleiter sowie glücklicherweise auch den Soundtrack. Im Großen finden sich dagegen – und warum auch immer – leider immer wieder einige eher störende Elemente, die man anders oder besser hätte umsetzen müssen. Die arg künstlichen Ansichten des zerstörten Todessterns etwa markieren hier ein Beispiel – oder der Haupt-Stützpunkt der Sith inklusive Publikum (eine viel zu vereinfachte, extrem matschig wirkende Darstellung) oder die große und eher diffuse (Weltraum-)Schlacht gegen Ende.

Was bleibt, ist eigentlich nur noch eine Kleinigkeit – die Charaktere, und damit verbunden sicherlich auch die Qualität des Schauspiels. Fest steht: man kann die in „Der Aufstieg Skywalkers“ vorgestellten bzw. handelnden Personen (wenn man mal die bereits bekannten und damit altbewährten außen vor lässt) eigentlich nur lieben oder hassen – dazwischen gibt es nicht viel Platz. Immerhin, die ein oder andere Überraschung gibt es – wobei sich auch hier eher wenig wirklich konstruiert anfühlt; mit Ausnahme des im Sinne der „dunklen Seite“ doch etwas zu mäandernden Gebarens von Kylo Ren. Alles in allem handelt es sich um einen soliden STAR WARS-Film – und einen würdigen Abschluss der neuen Trilogie.


„Ein gelungener Abschluss einer insgesamt nicht perfekten, aber doch höchst soliden Trilogie“.


PC-Spieletest / Game-Review: Star Wars Jedi: Fallen Order (2019)

Veröffentlichungsdatum: 15. November 2019 (PC)
Entwickler: Respawn Entertainment
Publisher: Electronic Arts
USK: Ab 16 freigegeben
Genre: Action-Adventure

Ein (Doppel-)Lichtschwert in der Dunkelheit.

Inhalt: Der Jedi-Schüler Cal Kestis scheint der einzige zu sein, der die fatale imperiale Order 66 – bei der nahezu alle Jedi getötet wurden – knapp überlebt hat. Doch nicht nur, dass er zum aktuellen Zeitpunkt Konflikten eher aus dem Weg gehen möchte, er scheint auch einen Großteil seiner einstigen Fähigkeiten verloren zu haben. So arbeitet er auf einer imperialen Werft auf dem Planeten Bracca, bis er eines Tages dazu gezwungen wird doch noch von der Macht Gebrauch zu machen – was die so bezeichnete Zweite Schwester auf den Plan ruft, die alle noch verbliebenen Jedi gnadenlos jagt. Glücklicherweise wird Cal gerade noch von Cere Junda und Greez Dritus gerettet – die offenbar beide für das Gute kämpfen und über ein eigenes Schiff, die Mantis verfügen. Fortan begibt man sich gemeinsam auf die Reise durch die Galaxis – mit dem Ziel, den Jedi-Orden doch noch auf irgendeine Art und Weise wieder aufbauen zu können…

Schon lange wartet die allgemeine Fangemeinde rund um gelungene Videospiele aus dem Star Wars-Universum auf einen wirklich würdigen Nachfolger zur legendären Franchise-Reihe JEDI KNIGHT. Vielleicht kommt hier ja JEDI: FALLEN ORDER ins Spiel – ein am ehesten als klassisch zu bezeichnender STAR WARS-Titel, welcher auf viele der tendenziell ärgerlichen neumodischen Erscheinungen in Videospielen verzichtet. Vornehmlich wären das etwaige kostenpflichtige oder auf merkwürdige Art und Weise freischaltbare Zusatzinhalte – wobei man in diesem Fall man sogar jegliche Online- und Multiplayer-Aspekte außen vor lässt. Stattdessen fokussiert man sich voll und ganz auf die Single-Player und Story-Kompetenzen des Spiels – was heutzutage eher eine Seltenheit ist. All das fühlt sich schon einmal alles andere als schlecht an – und macht tatsächlich Lust darauf, das neueste Spiel aus dem STAR WARS-Franchise auf eine ganz altmodische, aber gerade deswegen angenehme Art und Weise zu erkunden.

Und tatsächlich: es funktioniert, vor allem in den ersten Momenten von FALLEN ORDER. Die ersten vom Spieler gemachten, gar nicht mal so behutsamen Schritte (und Sprünge, inklusive halsbrecherischer Kletterpartien) innerhalb einer imperialen Arbeitsstätte wirken grundsätzlich stimmig – und das sowohl von der Inszenierung her, als auch vom Spielgefühl selbst. So wird das Geschehen oft durch einige nett gemachte Video-Sequenzen und Dialog-Momente in Ingame-Grafik begleitet – wobei die Übergänge zum tatsächlichen Spielgeschehen angenehm fließend sind. Als nur vermeintlich frisch gebackener Jedi mit einem leichten Gedächtnisschwund sieht das Spielprinzip dabei vor, dass man sich erst an seine Fähigkeiten erinnern muss, um sie wiederzuerlangen – was ein theoretisch vielleicht nicht ganz so sinnvolles, im Sinne des Spiels aber doch gut funktionierendes und motivierendes System beschreibt.

Neben diesen essentiellen Fähigkeiten, die durch vom Spiel vorgesehene Erinnerungen zugänglich gemacht werden; gibt es allerdings auch noch ein klassisches Skill-System: je mehr Gegner man erledigt (und umso mehr Erfahrung man damit sammelt), desto mehr lässt sich freischalten. Von erweiterten Fähigkeiten im Umgang mit dem Lichtschwert, über mehr verfügbare Lebensenergie-Punkte bis hin zu noch stärkeren Macht-Kräften ist hier auch alles dabei, was das Jedi-Herz begehrt. Die insgesamt fünf verfügbaren Welten (zwischen denen man stets und zu jederzeit mit per Raumschiff-Flug wechseln kann) sind recht groß und abwechslungsreich gestaltet (mal eher naturbezogen, mal eher technisch, mal eisig, mal apokalyptisch) – wobei man selbst entscheiden kann in wie weit man sie erkundet (etwa, um zusätzliche Geheimnisse zu entdecken), oder ob man schlicht den Story-Missionen folgt. In diesem Fall käme man wesentlich schneller voran – wobei man immer noch eine gute handvoll Stunden unterwegs sein wird.

Die hauptsächliche Motivation generiert das Spiel dabei aus dem besagten Freischalten von immer neuen Fähigkeiten, dem Vorankommen in der grundsätzlich spannenden Story – sowie der teils enorm abwechslungsreichen, geradezu filmreifen Inszenierung. So gibt es immer wieder Momente, die als waschechte Highlights fungieren. Etwa, wenn man selbst einen riesigen AT-AT erst verfolgen, irgendwie erklettern und dann übernehmen muss – um daraufhin selbst die mächtigen Laser-Kanonen zu bedienen. Überaus stimmig sind auch die Passagen, an denen man sich an seine Ausbildung als Padawan erinnert. Hier spielt man die Hauptfigur Cal als Kind – wobei insbesondere eine spätere Passage (als in der Erinnerung die Order 66 ausgelöst wird) einen derart großen Reiz entwickelt, dass man sich fast ein eigenes Spiel dazu wünschen würde. Doch natürlich gibt es auch im eigentlichen Spiel – und wenn mal nicht so viel los ist – einiges zu entdecken. Vor allem die Kletter-Passagen machen dabei ordentlich Laune – vor allem natürlich, wenn sie wie in einem speziellen Level in der Natur stattfinden, und man sich an Lianen hängt und über Äste balanciert. Hier erscheint einem als Spieler auch eine der größeren Kreaturen als absoluter Gänsehaut-Moment – wobei man zunächst nicht weiß, ob sie Freund oder Feind ist.

Neben den normalen Kämpfen (vor allem gegen allerlei Kreaturen, aber auch gegen imperiale Truppen) gibt es auch eine großzügige handvoll Bosskämpfe – die sich als enorm fordernd erweisen und einiges an Spannung erzeugen. Eventuell auch etwas Frust, vor allem zu Beginn – doch irgendwann hat man den Dreh raus, vor allem durch das richtige Timing und dem Einsatz wichtiger Fähigkeiten (wie dem Blocken, Ausweichen und Rollen). Während das Spiel im Mittelteil einige kleinere Längen hat, zieht man gegen Ende noch einmal ordentlich an – und präsentiert dem Spieler nicht nur einige Story-relevante Überraschungen, sondern auch viele Momente zum Dahin-Schmelzen in einer einzigartigen STAR WARS-Atmosphäre.

Das alles klingt gut, beziehungsweise nach einem sehr guten Spiel – doch leider offenbaren sich auch einige Probleme an und in FALLEN ORDER. Beispielsweise ist das gesamte Erkundungs- oder eher Fähigkeiten- und Belohnungssystem insgesamt betrachtet doch nicht ganz zufriedenstellend ausgefallen. Zum einen deshalb, da man viele der Abschnitte eines Levels erst in einem weitaus späteren Verlauf erkunden kann – beispielsweise, da man eine zu große Lücke nicht überwinden kann (hier hilft dann der später erwerbbare Doppel-Luftsprung) oder man ein Hindernis nicht wegdrücken kann (hier hilft dann der spätere Macht-Schub). Das man so gesehen immer wieder an verschlossenen Türen oder Hindernissen vorbeilaufen muss – mit dem Wissen, sie erst später überwinden zu können – fühlt sich dann doch etwas merkwürdig an.

Später dann, und wenn man sie endlich überwinden kann; muss man die Stellen dann aber doch wieder akribisch suchen – eine Schnellreise- oder Teleport-Option gibt es nicht, man beginnt stets am gleichen Startpunkt eines Levels. Ein weiteres damit verbundenes Problem ist die Belohnung, die es für diese Entdeckungen gibt; denn: zumeist handelt es sich um kleinere Story-Inhalte (auf die man als nicht beinharter Fan eher verzichten kann) oder aber freischaltbare Gimmicks für das Lichtschwert oder die Spielfigur. Die gefühlt unzähligen einzelnen Elemente für das Lichtschwert-Design etwa haben keine Auswirkungen auf das Schwert – es sind nur optische Anpassungen. Das ist insofern ärgerlich, als dass man bei wünschenswerten Dingen wie etwa der Farbe des Lichtschwerts mit Optionen geizt – und man sich so eher wie ein besserer Schrottsammler denn wie ein echter Entdecker vorkommt.

Ein weiterer Kritikpunkt findet sich klar im Grund-Design oder eher der Grundidee des Spiels. So gibt es ein spezielles System mit leuchtenden Macht-Kreisen, an denen man sich ausruhen kann um zu regenerieren oder seine Fähigkeiten anzupassen – was an sich eine gute Idee ist. Das Problem ist, dass bei einem Ausruh-Vorgang (und damit auch dem Setzen eines Speicherpunkts) alle Gegner in der Umgebung respawnt werden – was sich erneut verdammt merkwürdig anfühlt, und die theoretisch ärgerliche Arcade-Lastigkeit des Spiels noch fördert. Stichwort Arcade: die Boss-Gegner mit ihren mächtigen Lebensbalken sind das eine, die Tatsache dass selbst bei erneuten Anflügen eines Planeten Gegner exakt dort wieder erscheinen wo sie vorher waren das andere. Eine Spielwelt, die immer wieder zurückgesetzt wird ? Das spricht eher gegen ein gutes Singleplayer-Spiel.

Sei es drum – für eine gute handvoll Stunden ist FALLEN ORDER allemal gut. Vor allem natürlich, da das Spiel von seinen stimmig inszenierten STAR WARS-Elementen lebt – und nicht nur mit einem grundsätzlich sympathischen Hauptcharakter aufwarten kann, sondern auch mit atemberaubenden Kletterpartien und furiosen Lichtschwert-Duellen. Und auch die teils atemberaubenden Boss-Kämpfe (bei denen man durchaus taktieren muss) sind ein Highlight für sich. Schade ist nur, dass prinzipiell noch so viel mehr drin gewesen wäre. Eine bessere Übersicht über alle Positiv- und Negativaspekte bietet die folgende Tabelle:

Handlung und Präsentation
  • Stimmige Erzählung im Star Wars-Universum
  • Passende Zwischen- und Ingame-Sequenzen
  • Hauptcharakter kommt oft zu Wort, macht eine Entwicklung durch
  • Geschichte fühlt sich insgesamt nicht wirklich bedeutsam an

8.0/10

Grafik und Design
  • Hübsche, abwechslungsreiche Spielwelten
  • Tolle Wetter-, Waffen- und Explosionseffekte
  • Stimmiges Charakter-Design
  • Teils manipulierbare Umgebung
  • Eher schlauchiges, dennoch dezent unübersichtliches Leveldesign
  • Teils deutlich sichtbare Level-Grenzen

9.0/10

Sound
  • Hervorragend vertonte Figuren
  • Lebendige Umgebungsgeräusche
  • Viele kleinere, stimmige Soundelemente
  • Guter, passiger Soundtrack
  • Tolle Waffeneffekte
  • Allgemein enorm viele Star Wars-Elemente

10/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Gefühl des Vorankommens durch Freischaltung immer neuer Fähigkeiten
  • Abwechslung durch Rätsel, Kletterpassagen, Kämpfe
  • Grandiose Lichtschwert-Kämpfe, Nutzung der Macht
  • Nette besondere Spielmomente (Erklimmung & Benutzung eines ATST)
  • Insgesamt eher simples, Arcade-Lastiges Spielprinzip
  • Merkwürdiges Gegner-Respawn-System
  • Andere Waffen sind nicht benutzbar (z.B. die der Gegner)
  • Nach kurzer Zeit: kaum Variation in Bezug auf Kämpfe und das Erkunden
  • Freischaltbares oft eher nutzlos (nur optische Elemente)
  • Rückkehr zu einzelnen noch nicht entdeckten Abschnitten frustrierend

4.5/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Frei belegbare Tasten
  • Vier verschiedene Schwierigkeitsgrade, jederzeit anpassbar
  • Teils fordernde Kämpfe
  • Kaum Bugs oder Abstürze
  • Eher geringe Systemanforderungen
  • Gewöhnungsbedürftige Mini-Map mit Weg-Markern
  • Zu Beginn noch zu wenig Fähigkeiten und Möglichkeiten
  • Eher fummelige Bedienung mit Maus und Tastatur
  • Keine Schnellreise-Möglichkeit auf den einzelnen Karten

7.5/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 15-30

Fazit: Insgesamt betrachtet handelt es sich bei JEDI: FALLEN ORDER zweifelsohne um ein gutes Spiel. Aber eben – und leider – kein sehr gutes. Dafür hat es einfach zu viele Schwachpunkte respektive Entscheidungen der Entwickler zu bieten, die einem zumindest als erfahrener Spieler nicht ganz schlüssig erscheinen werden. Auch ist es letztendlich doch eher kurz und weniger umfangreich als eventuell gedacht – sodass man schneller wieder aus der guten alten STAR WARS-Atmosphäre herausgerissen wird als eventuell erwartet. Immerhin bleibt es bei einem höchst soliden Titel, der einen für einige Stunden intensiv beschäftigen wird – sodass man gespannt sein kann, ob in Zukunft nicht doch ein noch besseres Franchise-Spiel erscheint. Eines, dass dann vielleicht endlich in die Fußstapfen der legendären JEDI KNIGHT-Titel steigen kann.



„Ein ambitioniertes Star Wars-Spiel mit einigen kleineren Schwächen – doch die tolle Gesamt-Atmosphäre macht vieles wieder wett.“

Filmkritik: „Wie Ich Lernte, Bei Mir Selbst Kind Zu Sein“ (2019)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Buchvorlage
Regie: Rupert Henning
Mit: Karl Markovics, Valentin Hagg, Sabine Timoteo u.a.
Land: Österreich
Laufzeit: ca. 140 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Tragikomödie
Tags: Kind | Junge | Familie | Aufwachsen | Fantasie

Die Kraft der Fantasie, oder: Young Sheldon auf Abwegen.

Inhalt: Der zwölfjährige Paul Silberstein wächst als jüngster Spross einer altösterreichischen Zuckerbäckerdynastie im Österreich der späten 1950er Jahre auf. Leicht hat er es dabei beileibe nicht – von seinem strengen Vater wird er drangsaliert, von seiner Mutter und seinem älteren Bruder größtenteils ignoriert. Doch mit Pauls Weg in die Pubertät kommt auch ein Drang, sich den ihm aufgezwungenen Regeln zu widersetzen – was ihm leider nicht viel mehr bringt als einen Aufenthalt im hiesigen Jesuiten-Internat. Auch hier versucht man, den jungen Freigeist in seine Schranken zu weisen – mit bestenfalls mittelmäßigem Erfolg. Paul rebelliert, auf seine ganz eigene Art und Weise – und träumt davon, sich endlich von den ihm auferlegten Fesseln loszureißen. Den nötigen Willen, und sicher auch die nötige Intelligenz und vor allem Redegewandtheit hat er – doch was hilft all das, wenn er schlicht niemanden hat, der ihn unterstützt ?

Kritik: WIE ICH LERNTE, BEI MIR SELBST KIND ZU SEIN ist eine Coming Of Age-Tragikomödie aus der Feder von Uli Brée und Rupert Henning, die sich für ihr Drehbuch auf die gleichnamige, teils autobiografisch angehauchte Erzählung des österreichischen Autors und Multi-Talents André Heller (Link) gestützt haben. In der Zusammenschau ist dabei vor allem eines herausgekommen: ein recht ambitioniertes, ungewöhnliches, unterhaltsames – und vor allem nicht zu unterschätzendes Werk mit einem Hang zu Genre-Veteranen der Marke Jean-Pierre Jeunet (DIE KARTE MEINER TRÄUME).

Ein Vergleich wie dieser mag (zu) hoch gegriffen erscheinen. Vielleicht aber auch nicht – schließlich beweist WIE ICH LERNTE… schon in seinen ersten Minuten, dass in diesem Fall mit etwas gänzlich anderem gerechnet werden müsste als einer typischen Coming Of Age-Geschichte. Und selbst wenn man sich bemüht eben diesen Begriff anzuberaumen; so gilt er doch bestenfalls für die Ausgangssituation und das grobe Story-Konstrukt – und nicht etwa für die erfrischende Ausführung. Immerhin ist die ebenso lebhaft wie; man nenne es durchtrieben – und sorgt dafür, dass es WIE ICH LERNTE… relativ problemlos in die Riege jener beachtenswerter Genre-Filme aufsteigen kann, die das gewisse Etwas haben.

Denn, und das sollte man festhalten: trotz seiner teils enorm skurrilen Einschübe wird der Film niemals albern. Vielmehr behält er seinen ernsten Grundton mindestens unterschwellig bei – und sorgt so immer wieder für Situationen, bei denen man nicht weiß ob man lachen oder weinen soll. Gerade das macht den Film so anders, und auch: so ehrlich und emotional. Als weiterer Bonus fungiert hier selbstverständlich auch die konsequente Einhaltung der kindlichen Erzählperspektive, die für ein erhöhtes Maß an Empathie und das im schlimmsten Fall längst vergessene, mit dem Hauptcharakter geteilte kindliche Entdeckergefühl sorgt. Dass WIE ICH LERNTE… dabei auch noch ein Auge auf allerlei menschliche und zwischenmenschliche Probleme wirft, interessante Fragen rund um das Aufwachsen und den Selbstfindungsprozesses nicht nur bei Kindern stellt; und dabei generell als kleines Plädoyer für Andersartigkeit gewertet werden kann rundet das Gesamtpaket hervorragend ab.

Wenn man schon bei den Vorzügen des Films ist, sollte man eines gewiss nicht vergessen respektive außer Acht lassen: die schier unglaubliche Leistung der beteiligten Darsteller, die hier alle – und das trotz oder gerade wegen der teils recht eingeschränkten Möglichkeiten einer Charakterbildung – über sich hinausgewachsen sind. Allen voran gilt hier natürlich der Jungdarsteller Valentin Hagg zu nennen, der den Film fast schon allein stemmt – und das auf eine derart bravouröse und charmante Art und Weise, das einem das Herz aufgeht. Immerhin: als allzu leicht zu spielen dürfte man diese Rolle wohl eher nicht bezeichnen, vor allem was den Spagat zwischen den verschiedensten Emotionen mit vereinzelten Höhepunkten in Richtung so selten gesehener Ausbrüche (beispielhaft: eine etwas andere Tanzeinlage als Kompensationstheraphie) – doch selbst in Anbetracht dessen gibt es hier nicht zu meckern, im Gegenteil.

Glücklicherweise ist das auch auf die gesamten anderen handwerklich-technischen Aspekte des Films zu beziehen, der insgesamt betrachtet nicht nur gut aussieht – sondern auch über das besondere Fingerspitzengefühl hinsichtlich der markanten Kamerafahrten oder des Soundtrack einige zutiefst positive Eindrücke generieren kann. Wenn, ja wenn da nicht doch zwei Dinge wären, die den Filmgenuss etwas schmälern: die doch recht ausführliche Spieldauer von knapp über 2 Stunden, die man eventuell – und je nach Facón – ruhig noch etwas hätte einstampfen können; sowie das in Sachen Symbolik und Bildsprache doch noch etwas ausufernde, fast schon surreale Züge annehmende Grande Finale. Selbiges steht schließlich doch etwas konträr zu den vorangegangenen, deutlich geschickteren und subtileren Eindrücken.

Insgesamt betrachtet aber sollte man WIE ICH LERNTE… eine Chance geben – ob man sich nun als Freund von Coming Of Age-Geschichten bezeichnet oder nicht. Schließlich gilt, und das ist in diesem Fall tatsächlich so: es ist für (fast) jeden etwas dabei.

Bilder / Promofotos / Screenshots: Piffl Medien GmbH

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„Ein Film wie sein Hauptprotagonist: erfrischend anders.“

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Metal-CD-Review: WATERLAND – Darklight In Riverwood (2019)

 

Alben-Titel: Darklight In Riverwood
Band: Waterland (mehr)
Veröffentlichung: 20. September 2019
Land: Portugal
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Miguel Gomes – Guitars
Tó Silva – Keyboards
Tiago Moreira – Drums
Ivan Batista – Bass
Patricia Loureiro – Vocals

Track-Liste:

1. Destiny V (04:21)
2. Darklight (04:47)
3. Follow Me (04:02)
4. For All Eternity (04:10)
5. Iceland (04:34)
6. Winter Days (03:59)
7. The Rules We Made (05:20)
8. The Union of Freedom (05:02)
9. The Path for the Hidden Valley (06:08)
10. The Golden Mountain (05:55)
11. This Night (04:06)
12. We Are the One Master (05:38)

Gut, dass einer das Licht angelassen hat.

Und sie geht weiter – die Geschichte der 2007 gegründeten, quasi aus dem Vermächtnis von ORATORY hervorgetretenen Power Metal-Combo WATERLAND. Zugegeben, auf diesem Blog wurde die Band bisher nicht gerade mit Lobeshymnen überschüttet – wie man es jederzeit in den Reviews zu WATERLAND, VIRTUAL TIME, OUR NATION oder SIGNS OF FREEDOM nachlesen kann. Immerhin, ganz grundlos war und ist die Kritik am Schaffen der Band nicht – doch natürlich gibt es mit jedem neuen Album auch eine neue Chance. Ins diesbezügliche Rennen geht nun also DARKLIGHT IN RIVERWOOD, das mittlerweile fünfte Studioalbum von WATERLAND – die es offenbar endlich geschafft haben, ein halbwegs festes Lineup zu etablieren. Das relative Chaos vor allem in Bezug auf den Leadgesangsposten scheint mit dem erneuten Auftreten von Front-Frau Patricia Loureiro nunmehr vorüber – was gut ist, und der Band hoffentlich eine gewisse Stabilität verleiht. In wie weit sich das Ganze auf die musikalischen Bestrebungen der Band auswirkt, wird sich dagegen erst im folgenden zeigen.

DARKLIGHT IN RIVERWOOD geht mit einer geballten Ladung von immerhin 12 vollwertigen Titeln an den Start. Titel, denen man eines direkt anhört: die einstigen Schwächen der Band sind noch immer hörbar und vorhanden. Speziell natürlich in Bezug auf einige Faktoren hinsichtlich der Produktion und Abmischung, die in ihrer Gesamtheit noch immer nicht vollends professionell wirken respektive klingen – und den potentiellen Hörgenuss des Albums deutlich schmälern können. Aber auch davon abgesehen sollte jedem, der auf der Suche nach etwas neuem oder einer wie auch immer gearteten musikalischen Offenbarung im Bereich des Power Metals ist; von einem Album wie DARKLIGHT IN RIVERWOOD eher abgeraten werden, denn: WATERLAND klingen schlicht alles andere als originell. Einstweilen mag das kein Problem sein, erst Recht nicht für solche die sich erst gar keine allzu wilden Experimente oder Neuerungen in ihrem Power Metal-Alltag wünschen. Problematisch ist dabei nur, dass es so viele andere Bands einfach besser machen als die Kollegen von WATERLAND.

Schließlich könnte auch das mitunter einzige wirkliche Alleinstellungsmerkmal der Band zu einem Problem avancieren. Gemeint sind die eher säuselnden denn schmetternden Chöre, die schon immer aus den Kompositionen der Portugiesen hervor stachen – aber nicht unbedingt in einem positiven Sinne. Sicher, man kann die Band schier perfekt daran erkennen – doch warum man hier nicht mal etwas neues versucht, bleibt ein Rätsel. Analog dazu muss sich DARKLIGHT IN RIVERWOOD natürlich auch den Vorwurf gefallen lassen, deutlich zu weichgespült zu klingen – wobei die erwähnten Chöre nur das berühmte i-Tüpfelchen markieren. Der vergleichsweise zarte Leadgesang von Patricia Loureiro, die nicht gerade kräftig klingenden Gitarren und der ständige und überbordende Einsatz des Keyboards inklusive reichlich Klimm-Bimm sorgen jedenfalls nicht dafür, dass sich ein allzu satter Gesamteindruck einstellt.

Zum anderen aber, und das ist durchaus als Adelung zu verstehen; muss man in Bezug auf DARKLIGHT IN RIVERWOOD auch etwas ganz anderes feststellen. Nämlich, dass sich durchaus auch einiges positives getan hat an der Sound-Front der Marke WATERLAND. Das Drumming von Tiago Moreira etwa klingt nunmehr wesentlich organischer und variabler als zuvor, die hiesige Frontfrau Patricia Loureiro tönt so stilsicher wie nie zuvor, und einige Titel können mit einem gewissen ORATORY-Nostalgiebonus gar zu kleinen Highlights avancieren (FOLLOW ME, FOR ALL ETERNITY). Auch, da die Soli-Parts meist gut getroffen sind und es mit ihrem variablen Bezug auf die Gitarren und das Keyboard sogar vermögen, einen echten Spaßfaktor entstehen lassen.

Fassen wir also zusammen: die letzten Alben der Band wurden teils auffällig schlecht bewertet, auch oder gerade weil kein wirklicher Lerneffekt seitens der Mitglieder von WATERLAND spürbar war. Das ändert sich nun und mit DARKLIGHT IN RIVERWOOD – das nicht perfekt, aber immerhin als Schritt in die richtige Richtung zu werten ist. Wenn sich nun noch etwas in Richtung der Chöre und der allgemeinen Soundqualität ergibt, darf man wohl gespannt sein auf das, was die Portugiesen für die Zukunft planen.

Anspieltipps: FOLLOW ME, FOR ALL ETERNITY


„Ohne Frage: dies ist das bis heute beste WATERLAND-Album.“

Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Talviyö (2019)

Alben-Titel: Talviyö
Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichung: 6. September 2019
Land: Finnland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Tony Kakko – Vocals
Elias Viljanen – Guitars
Henrik Klingenberg – Keyboards
Pasi Kauppinen – Bass
Tommy Portimo – Drums

Track-Liste:

1. Message from the Sun (04:06)
2. Whirlwind (06:32)
3. Cold (04:29)
4. Storm the Armada (05:08)
5. The Last of the Lambs (04:22)
6. Who Failed the Most (04:44)
7. Ismo’s Got Good Reactors (03:43)
8. Demon’s Cage (04:58)
9. A Little Less Understanding (04:16)
10. The Raven Still Flies with You (07:39)
11. The Garden (06:17)

Da fröstelt’s einen ja fast schon im voraus.

Mit den finnischen Jungs von SONATA ARCTICA ist das schon so eine Sache. Einst – und das ist in Anbetracht eines Albums wie dem 1999 erschienenen ECLIPTICA (siehe Review) kein großes Wunder – als Helden und Wegbereiter des europäischen Power Metals gefeiert, entwickelte sich die Band im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte zu einem schon wesentlich; man nenne es angreifbareren musikalischen Konstrukt. Tatsächlich, und das behaupten vor allem langjährige Fans der Band; schienen die letztaktuellen Alben PARIAH’S CHILD (Review) und THE NINTH HOUR (Review) nicht gerade Glücksgriffe gewesen zu sein – erst Recht nicht aus Sicht der nun einmal nicht jeden Stilwechsel gutheißenden Power Metal-Fraktion. Immerhin – und wenn man den fast schon unbestreitbaren Reinfall in Form des 2014 veröffentlichten Revisited-Albums zu ECLIPTICA (Review) einmal außen vor lässt – kann man der Band eines nicht vorwerfen: das sie respektive die musikalischen Ambitionen der Mitglieder stillstehen. Und so markiert auch das jüngst erschienene TALVIYÖ als mittlerweile elftes offizielles Studioalbum der Band ein weiteres abenteuerliches, prinzipiell spannendes neues Kapitel in der Historie von SONATA ARCTICA.

Eines, und das konnten schon die anderen Alben der letzten Jahre nicht gerade als Vorteil für sich verbuchen; bleibt dabei aber natürlich auch dieses Mal nicht aus: man kann einfach nicht anders, als auch das jüngste Album mit früheren Werken der Band zu vergleichen. Vielleicht nicht unbedingt mit einem speziellen, wohl aber doch dem rundum prägnanten Gesamteindruck der ersten 5 bis 6 Alben der Finnen. Diesbezüglich fällt eines relativ direkt auf: wo man bei vielen anderen Bands sagen kann, dass sie – was ihre Fähigkeiten und ihr Auftreten betrifft – eben nicht gealtert sind, scheint der Zahn der Zeit durchaus markant an SONATA ARCTICA (oder eher: ihrer Musik) zu nagen. Und das ist auch eines der gravierenderen Probleme, ob nun aus Sicht eingefleischter Power Metal-Fans oder nicht; denn: SONATA ARCTICA machen mittlerweile nicht nur eine etwas andere Musik als noch zu Zeiten ihres Karrieauftaktes. Vielmehr scheinen sie auch darüber hinaus mit diversen Problem zu kämpfen haben, die im Falle von TALVIYÖ passenderweise mit dem anberaumten Winter-Setting einhergehen, oder anders gesagt: das Album klingt insgesamt auffallend kraftlos, eintönig; ja fast schon trist.

Würde dies nur auf die Atmosphäre zutreffen – und eben nicht die Leistungen der einzelnen Mitglieder – wäre das natürlich nur ein Stil-Element und etwas anderes. Doch so muss man zweifelsfrei feststellen, dass längst nicht mehr alles Gold ist was ehemals glänzte. Der Leadgesang von Tony Kakko etwa klingt längst nicht mehr so kräftig und variabel wie dereinst. Viel eher wirkt er angestrengt und auffallend limitiert – woran auch die nunmehr umso häufiger anberaumten Chöre (eher sind es mehrstimmige Studiogesänge) nicht viel ändern können. Die Folge: gerade die potenziell emotionaleren Momente wirken so kaum. Das Problem: derer sind es auf TALVIYÖ nicht gerade wenige, oder anders gesagt: das Album versucht einen Großteil seiner Wirkungskraft aus eben jenen balladesken, leicht träumerisch angehauchten Passagen zu generieren. In wie weit das dem Album letztendlich – und in seiner Gesamtheit – gelingt, muss nach wie vor ein jeder für sich selbst entscheiden. Es sind aber eben nicht wenige Faktoren, die eher gegen das Album sprechen.

Wie wäre es etwa mit dem kruden THE LAST OF THE LAMBS, das theoretisch – und auch wenn er nichts mit dem Oberbegriff des Power Metals am Hut hat – ein verdammt guter Titel hätte werden können ? Der schwache, emotionlose und einstweilen fast schon komische Leadgesang von Tony Kakko, der merkwürdig-matschige Mix inklusive einer hörbaren Stimmbearbeitung und das schlussendlich recht repetitive Instrumentenspiel zeigen jedenfalls auf, dass man für derlei Experimente doch eher zu Bands wie AYREON greifen sollte. Doch auch wenn es mal etwas kräftiger zugeht (wie im Opener MESSAGE FROM THE SUN oder WHO FAILED THE MOST) stehen nicht alle Zeichen auf grün – insbesondere was die unnötig weichgespülten Refrains angeht. Da ändert auch das vergleichsweise kräftige Riffing nichts, im Gegenteil. Im schlimmsten Fall klingt es gar wie ein relativer Fremdkörper im ohnehin unausgegorenen Mix – was das klangliche Chaos beinahe perfekt macht.

Natürlich, es finden sich auch einige bessere respektive hörbare Passagen (wie etwa in WHIRLWIND oder DEMON’S GATE) – doch kommen diese eher vereinzelt vor, und fungieren dabei bestenfalls als Reminiszenz an frühere, goldene Zeiten. Insgesamt betrachtet hat TALVIYÖ damit wahrlich nichts zu bieten, was Fans der früheren SONATA ARCTICA ansprechen sollte – und auch Neueinsteiger werden ob der zweifelhaften musikalischen Genialität nicht gerade vor Freunde aufspringen. Positiv hervorzuheben sind demnach nur noch der von Pasi Kauppinen gehandhabte Bass, sowie immerhin einige der Ambitionen seitens Henrik Klingenberg (Keyboards, Backing Vocals). Eine Kaufempfehlung rechtfertigt das nicht – und so bleibt den meisten nur abzuwarten, wie SONATA ARCTICA in Zukunft in Erscheinung treten werden.

Anspieltipps: /


„Dieses Ruder wird wohl nicht mehr herum gerissen werden.“

Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Extreme Power Metal (2019)

Alben-Titel: Extreme Power Metal
Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichung: 27. September 2019
Land: England
Spielart / Stil: Power Metal
Label: earMusic

Lineup:

Herman Li – Guitars
Sam Totman – Guitars
Frédéric Leclercq – Bass
Marc Hudson – Vocals
Gee Anzalone – Drums

Track-Liste:

1. Highway to Oblivion (06:48)
2. Cosmic Power of the Infinite Shred Machine (06:36)
3. The Last Dragonborn (06:12)
4. Heart Demolition (05:39)
5. Troopers of the Stars (05:03)
6. Razorblade Meltdown (04:45)
7. Strangers (04:29)
8. In a Skyforged Dream (04:45)
9. Remembrance Day (05:10)
10. My Heart Will Go On (Céline Dion cover) (03:24)

Wo extrem drauf steht, ist sicher auch extrem drin.

Manche, ja manche werden einfach niemals müde. So auch nicht die Jungs von DRAGONFORCE, die schon seit seit 1999 (damals noch als DRAGONHEART) unterwegs sind. Eine nennenswerte Alben-Pause gab es dabei bis heute nicht, und auch von ihrer ursprünglichen Energie scheinen sie nichts eingebüßt zu haben. In wie weit das auf das für die Band typische, gewissermaßen als Katalysator der Band fungierende Gitarren-Gefrickel von Herman Li und Sam Totman zurückzuführen ist, sei einmal dahingestellt. Wenig verwunderlich ist damit in jedem Fall, dass auch EXTREME POWER METAL als mittlerweile achtes offizielles Studioalbum der Band aus dem musikalischen Vollen schöpft – und selbstverständlich auch mit ordentlich Tempo voranprescht. In wie weit das Ganze tatsächlich eine extreme Erfahrung oder eben doch nur eine bloße Selbst-Beschreibung der Spielart der Band ist, wird sich zeigen – nur langweilig werden, das wird es wohl nicht.

So verschwenden die Engländer nicht viel Zeit, und läuten das Album sogleich mit dem Opener HIGHWAY TO OBLIVION ein – jener Nummer, die bereits vorab als (durchaus nett gestaltete) Video-Single veröffentlicht wurde. Und tatsächlich: was man hier zu hören bekommt, ist zweifelsfrei als DRAGONFORCE-Material einzustufen. Man ist geneigt zu sagen: als neues, aber eben auch recht typisches – wobei eingeschworene Fans der Combo kein Problem damit haben werden, ganz im Gegenteil. Schließlich sind alle der bisher hoch gehaltenen Trademarks der Band erneut mit von der Partie: vom recht wuchtigen Gesamteindruck über allerlei Instrumenten-Gequäle (was hier durchaus positiv gemeint ist) bis hin zum perfekt aufgehenden Wechselspiel aus getragenen und überaus flotten Momenten gibt es all das auf die Ohren, was man von der Band auch genau so erwartet hätte.

Eben auch, weil sie es einfach können. So sollte es selbst notorischen Nörglern und DRAGONFORCE-Verneinern entsprechend schwer fallen, EXTREME POWER METAL etwas vorzuwerfen – speziell in Bezug auf das an den Tag gelegte, rundum tadellose Handwerk. Seien es die schier perfekte Produktion und Abmischung (die jedes einzelne Instrument zur Geltung kommen lässt und den Gesang harmonisch einbindet), die Leistung an den Gitarren, die tollen Chöre oder der äußerst angenehme Leadgesang von Marc Hudson – EXTREME POWER METAL ist ein akustischer Genuss. Wenn, ja wenn man sich mit der Spielart der Engländer auch nur ansatzweise anfreunden kann. Doch auch diesbezüglich, und mit dem Stichwort des extremen kann – glücklicherweise – eine Entwarnung stattfinden. Denn: allzu wilde Experimente (wie etwa auf INHUMAN RAMPAGE, siehe Review) bleiben aus. Mehr noch, mit Nummern wie THE LAST DRAGONBORN, STRANGERS oder REMEMBRANCE DAY (trotz der Schmalz-Gefahr einfach nur wow) setzen DRAGONFORCE nunmehr vermehrt auf ebenso rhythmische wie hymnische Midtempo-Stampfer. Hier handelt es sich zweifelsohne um ausgewogene Nummern mit dem gewissen Etwas – was der Band allemal gut zu Gesicht steht und für Abwechslung sorgt.

Nicht zwingend neu für DRAGONFORCE, aber allemal interessant ist auch die mit Titeln wie HEART DEMOLITION offerierte musikalische Komponente irgendwo zwischen einem 80er-Hair-Metal, einem anspruchsvolleren Synth-Rock und einem griffigen Power Metal. Doch auch davon abgesehen gibt es immer wieder Highlights zu entdecken. Sei es ein überraschendes elektronisches Element hier (COSMIC POWER OF THE INFINITE SHRED MACHINE), eine folkig-traditionell anmutende Instrumentalpassage (THE LAST DRAGONBORN) dort – der weiter oben bereits eingeworfene Begriff der Langeweile hat auf einem Album wie EXTREME POWER METAL wahrlich nichts zu suchen. Glücklicherweise – schließlich hätte man genauso gut erwarten können, dass es die Engländer eher gleichförmig angehen; und schlicht eine Uptempo-Nummer nach der anderen präsentieren. Das ist hier definitiv nicht der Fall.

Doch natürlich gibt es sie auch dieses Mal, die deutlich schnelleren Nummern – die nicht selten dezent ausufernde (aber eben auch nicht wirklich übertriebene) Soli-Parts an den Start bringen und insbesondere DRAGONFORCE-Fans der ersten Stunde die Freudentränen in die Augen schnellen lassen sollten. Einzig beim flotten TROOPERS OF THE STARS kann man sich nicht des Gefühl erwehren, dass man die Nummer irgendwo schon einmal gehört hat – natürlich nicht eins zu eins, aber die quasi-Konkurrenten RAZORBLADE MELTDOWN und IN A SKYFORGED DREAM klingen einfach deutlich frischer. Und ja, zum Ende gibt es dann tatsächlich noch eine Cover-Version von CELINE DION’s MY HEART WILL GO ON zu hören – doch auch hier geben sich DRAGONFORCE nicht die Blöße. Im Gegenteil, man kann relativ eindeutig von einer der besseren Cover-Versionen des Titels sprechen.

DRAGONFORCE haben damit alles richtig gemacht – auch, oder gerade weil sie das Rad nicht neu erfinden und sich und ihrer Spielart konsequent treu bleiben. Von Müdigkeit oder gar Lustlosigkeit gibt es jedenfalls keine Spur – sodass EXTREME POWER METAL selbst das bereits gute, aber nicht ganz so kultverdächtige REACHING INTO INFINITY (siehe Review) toppen kann.

Anspieltipps: HIGHWAY TO OBLIVION, HEART DEMOLITION, RAZORBLADE MELTDOWN, REMEMBRANCE DAY


„Ein Album das Spaß macht – und dabei auch noch verdammt gut ist.“

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Starbourne Traveler (2019)

Alben-Titel: Starbourne Traveler
Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichung: 06. Dezember 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Massacre Records

Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Jonatan Hallberg – Guitars
Claes Wikander – Bass
Henrik Birgersson – Drums

Track-Liste:

1. Gods of Disorder (03:44)
2. Side by Side (04:12)
3. Extreme Paranoia (re-recorded) (03:41)
4. Starbourne Traveler (04:33)
5. Corridors of Time (04:02)
6. Paradise Powerlord (03:35)
7. Into the Fire (04:09)
8. In the Empire of Saints (05:15)
9. Midnight Radio (04:03)
10. Rage on the Sea (re-recorded) (07:06)

Wer wäre da nicht gerne mitgereist.

Wenn es um die Nennung von ebenso hochkarätigen wie möglichst langjährig aktiven Genre-Combos aus dem hohen Norden geht, kann man die Rechnung wohl kaum ohne die CRYSTAL EYES machen. Dabei hat die 1992 gegründete Band, die mit ihrem 1999’er Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (siehe Review) ein echtes Meisterstück ablieferte und unter anderem Mitglieder von Bands wie FRETERNIA beherbergte; schon einiges durchgemacht – wie etwa den Weggang des Band-Oberhauptes Mikael Dahl im Jahre 2005. Und auch wenn es nicht verkehrt war, dass sich seinerzeit der für ihn eingesprungene Søren Nico Adamsen (Ex-ARTILLERY, Ex-DIGNITY und viele mehr) weiter in der Szene hat profilieren können; war die plötzliche Rückkehr Dahl’s im Jahre 2009 doch eine Erleichterung. Eine, die man auf dem wesentlich später veröffentlichten KILLER (2014, siehe Review) noch einmal deutlich spüren konnte. Letztendlich hatten es die CRYSTAL EYES so geschafft, mit einer wohl dosierten Anzahl von guten bis sehr guten Studioalben (von 1999 bis 2014 waren es insgesamt 7) eine ansehnliche Fanbase zu etablieren. Wie genau der Weg für die Schweden weitergehen sollte, war dann für einige Zeit unklar – bis zum heute glücklicherweise vorliegenden, achten offiziellen Studioalbum STARBOURNE TRAVELER.

Nach guten 5 Jahren Pause ist es also wieder soweit – wobei die Schweden erst gar keine weitere Zeit vergehen lassen, sondern den Hörer direkt mit einem flotten Opener wie GODS OF DISORDER beglücken. Mit eben diesem, aber auch der rhythmischen Folgenummer SIDE BY SIDE wird eines tatsächlich relativ schnell klar: die CRYSTAL EYES sind nicht gealtert, oder wenn dann nur in Würde. Denn so frisch und unverbraucht sie auf STARBOURNE TRAVELER auch klingen, die Bezüge zu ihrer eigenen musikalischen Vergangenheit kommen nicht zu kurz – was vor allem eingefleischte Fans der Band erfreuen sollte. Anders gesagt: mit den CRYSTAL EYES bekommt man eine der wenigen Power Metal-Bands serviert, die schon seit Jahren ihre ureigenen Trademarks hat. Trademarks, anhand derer man sofort genau weiß wer oder was hier durch die Boxen rauscht. Dass sich die Schweden dabei nicht bloß wiederholen, macht es umso besser – wobei einige gerade diesbezüglich und in Anbetracht der Titel EXTREME PARANOIA und RAGE ON THE SEA stutzig werden könnten. Zu Recht, denn tatsächlich gab es diese Nummern schon – und zwar auf dem Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER. Die Tatsache, dass man 2 bloße Neuaufnahmen quasi mitten ins neue Album wirft – wohlgemerkt ein Album, das ohnehin nur 10 Titel beinhaltet – lässt zugegebenermaßen vieles vermuten, nur nichts gutes.

Doch dann das. Kurz gesagt vermögen die CRYSTAL EYES auch diesen Kniff perfekt umzusetzen, und dabei sowohl alte als auch neue Fans zufriedenzustellen. Wer, ja wer hätte gedacht; dass EXTREME PARANOIA noch immer so gut klingt – oder sollte man eher sagen, schon wieder ? Schließlich kann man der Nummer durch die Neuaufbereitung tatsächlich etwas neues abgewinnen, vornehmlich natürlich durch die kaum mehr miteinander zu vergleichende Herangehensweise im Blick auf den Leadgesang Dahl’s – sodass man nunmehr zwei nicht zu verachtende Versionen eines hervorragenden Titels hat. Während andere also ganze Alben mit sich kaum voneinander unterscheidenden – oder im schlimmsten Fall gleich durch und durch negativ auffallenden – Neuaufnahmen veröffentlichen, machen die CRYSTAL EYES wieder einmal vor wie es geht, gehen sollte. In diesem Fall ist es demnach absolut zu verschmerzen, dass es sich nicht wirklich um neue Titel handelt. Und überhaupt – es bleiben ja noch acht Titel, an die man sich zwecks einer Befriedigung der Lust nach wirklich neuem Material wenden kann.

Und die haben es dann auch tatsächlich – und ausnahmslos – in sich. Wie etwa wäre es denn mit dem Titeltrack STARBOURNE TRAVELER, der insgesamt eher ruhig gehalten ist – mit dem prägnanten, an frühere Platten der Band erinnernden Riffing (hier ist es vor allem VENGEANCE DESCENDING) und seinem hymnischen Anspruch im Refrain aber dennoch so manche Hütte abzureissen vermag ? Wie steht es mit CORRIDORS OF TIME, das wie schon der Opener als eine Art Rückschau der CRYSTAL EYES auf ihr eigenes Schaffen fungiert – und dabei in jedem Moment (hier ist es vor allem der Soli-Part und alles, was noch darauf folgt) brilliert ? Und was ist mit dem luftig-rockenden MIDNIGHT RADIO, das weitaus mehr Spaß macht als gedacht ? Gut, das balladeske IN THE EMPIRE OF SAINTS fällt vielleicht etwas aus dem Rahmen, nicht aufgrund der Gangart – aber doch des in den Strophen kaum wiederzuerkennenden Gesangs von Mikael Dahl. Doch wenn das wirklich die schwächste Nummer des Albums sein soll, so kann man sich auch an diese gewöhnen.

Alles in allem ist den CRYSTAL EYES ein kleiner Geniestreich gelungen – auch oder vielleicht gerade aufgrund dessen, dass das letzte Studioalbum KILLER mittlerweile 5 Jahre zurückliegt. Mit ihrer Mixtur aus bekannten, guten alten und teilweise auch erfrischend neuen Elementen bleibt jedenfalls kein Auge trocken, oder anders gesagt: ein ungetrübter Hörgenuss irgendwo zwischen einem flotten schwedischen Power Metal und einem auch mal etwas hymnischeren Hardrock ist garantiert. Und das sowohl für alteingesessene, als auch für Neueinsteiger. Eine unbedingte Empfehlung !

Anspieltipps: GODS OF DISORDER, SIDE BY SIDE, EXTREME PARANOIA, STARBOURNE TRAVELER


„Die CRYSTAL EYES waren 5 Jahre weg ? Mag sein, aber es fühlt sich nicht so an.“

Metal-CD-Review: AGE OF ARTEMIS – Monomyth (2019)

Alben-Titel: Monomyth
Band: Age Of Artemis (mehr)
Veröffentlichung: 02. April 2019
Land: Brasilien
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Giovanni Sena – Bass
Gabriel Soto – Guitars
Riccardo Linassi – Drums
Jeff Castro – Guitars
Pedro Campos – Vocals

Track-Liste:

1. Status Quo (01:36)
2. The Calling (05:25)
3. Helping Hand (05:50)
4. Unknown Strength (04:26)
5. Lightning Strikes (04:51)
6. The Call of the Fear (05:37)
7. Reborn (04:59)
8. Endless Fight (04:32)
9. What Really Matters (05:48)
10. Where Love Grows (06:37)
11. A Great Day to Live (05:25)
12. Prelude to a New World (02:10)

Von nur schwerlich zu beantwortenden Geschmacksfragen.

MONOMYTH ist der Titel des mittlerweile dritten offiziellen Studioalbums von AGE OF ARTEMIS – einer 2009 gegründeten, aus dem Herzen Brasiliens stammende Combo; die in Anbetracht der Historie des Leadsängers Alírio Netto sowie natürlich auch der Qualität des 2011 erschienenen Debütalbums OVEROMING LIMITS (siehe Review) oft in einem Atemzug mit ANGRA genannt wurde. Nun aber schreiben wir das Jahr 2019 – und die Frage, ob AGE OF ARTEMIS noch immer mit ihren theoretischen Vorbildern – oder zumindest musikalisch verwandten Kollegen, zu denen man auch noch ALMAH, SHAMAN und ANDRE MATOS hinzufügen könnte – mithalten können; rückt stärker in den Vordergrund als jemals zuvor. Immerhin mussten AGE OF ARTEMIS in der Zwischenzeit gleich drei einschneidende Besetzungswechsel verkraften – wobei nicht nur Pedro Sena (Drums) und Nathan Grego (Gitarre) die Band verließen, sondern – und ausgerechnet – auch noch der hiesige Leadsänger Alírio Netto. Für ihn kam erst kürzlich, das heißt 2017 der neue Frontmann Pedro Campos – den einige als Leadsänger der ebenfalls brasilianischen Power-Prog-Combo HANGAR, oder aber durch seine zahlreichen Auftritte bei den Kollegen von SOULSPELL kennen dürften.

So steht eines schon einmal unumstößlich fest: der Sound von AGE OF ARTEMIS hat sich weiter gewandelt. Vornehmlich aufgrund der eben erwähnten Besetzungswechsel – aber eventuell auch, da die Brasilianer den zutiefst mittelprächtigen Eindruck ihres 2014 erschienenen zweiten Albums THE WAKING HOUR (Review) vergessen lassen möchten. Vermutlich wird es dabei aber längst nicht jeden zufriedenstellen, in welche Richtung sich AGE OF ARTEMIS zusehends bewegen, oder anderes gesagt: der ursprünglich auf OVERCOMING LIMITS angepeilte Power Metal mit dezent symphonischen Einflüssen kommt bei den Brasilianern überhaupt nicht mehr vor. Das bedeutet mindestens zweierlei: zum einen, dass MONOMYTH mit seinen insgesamt 12 enthaltenen Titeln eher das Genre eines progressiven Power Metals bedient, womit die Brasilianer einen ganz ähnlichen Weg beschreiten wie jüngst die Italiener von LABYRINTH (gemeint ist hauptsächlich das 2017 erschienene ARCHITECTURE OF A GOD, siehe Review) – und zum anderen, dass allzu temporeich voranpreschende Gangarten, melodiöse Kraftakte oder hymnische Tendenzen im Sinne eher klassischer Power Metal-Combos ausbleiben. Natürlich muss das noch nichts schlechtes bedeuten – doch um der Enttäuschung jener entgegenzuwirken, die sich ein zweites OVERCOMING LIMITS gewünscht haben; sei es an dieser Stelle noch einmal angemerkt.

Wie gut oder schlecht MONOMYTH damit wirklich ist, ist demnach gar nicht so leicht zu beantworten – was des öfteren der Fall ist oder sein kann, wenn sich Bands vergleichsweise heftige Stilwechseln unterziehen. Klar, grundsätzlich spricht eine Menge für die neuen AGE OF ARTEMIS – etwa das wirklich in jeder Hinsicht tadellose Handwerk, die gelungene Abmischung und Produktion inklusive der nötigen Aufmerksamkeit für den Bass, die zumindest hie und da noch immer durchscheinende Band-Vergangenheit respektive die musikalische Verbindung zu anderen brasilianischen Combos (wie etwa beim Opener THE CALLING oder dem an ANGRA erinnernden HELPING HAND), Kracher-Titel wie WHERE LOVE GROWS (das alles andere als eine Ballade ist) oder der grundsätzlich starke, raspelig-raue Leadgesang von Pedro Campos, der im Zusammenspiel mit den Instrumenten auch mal an den Sound der Kollegen von den (neueren) NOCTURNAL RITES erinnern kann.

Dennoch, ein etwas flaues Gefühl bleibt zurück. Ob selbiges auf den insgesamt betrachtet eher modern ausfallenden Sound (und sei es nur gefühlt, siehe etwa Titel wie ENDLESS FIGHT), die doch prägnante Anzahl von Titeln mit einer deutlich ruhigeren Gangart, einzelne Titel wie das in vielerlei Hinsicht anstrengende THE CALL OF THE FEAR, das fehlen von wirklich kraftvoll-ausbrechenden Momenten oder die teils etwas zu gleichförmigen und gerade in Bezug auf die Gitarren höchst unspektakulären Refrains zurückzuführen ist; offenbart sich dabei nicht wirklich. Vermutlich ist es eine Mischung aus allem. Freunde einer progressiven Spielart, die eine gut inszenierte Symbiose aus Handwerk, Technik und Emotionen erleben wollen; sollten aber in jedem Fall einen Blick riskieren. Alle anderen, und das gilt insbesondere für Fans eines eher klassischen Power Metals; sollten sich dagegen schnell mit einem vergleichsweise handzahmen Album (insgesamt betrachtet) wie MONOMYTH langweilen – und seien entsprechend gewarnt. Zumal es ganz aktuell auch einige relativ ähnliche, aber eben doch deutlich interessantere Alternativen gibt – wie etwa die Jungs von den WINGS OF DESTINY, die sich mit ihrem neuesten Werk REVELATIONS (siehe Review) selbst übertroffen haben.

Anspieltipps: THE CALLING, WHAT REALLY MATTERS, WHERE LOVE GROWS


„Vergleichsweise anspruchsvoll und gerade technisch hervorragend – aber dennoch alles andere als atemberaubend.“

Metal-CD-Review: WINGS OF DESTINY – Revelations (2019)

Alben-Titel: Revelations
Band: Wings Of Destiny (mehr)
Veröffentlichung: 31. Mai 2019
Land: Costa Rica
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Melodic Revolution Records

Lineup:

Emil Minott – Bass
Roberto Ulloa – Drums
Cristian Jiménez – Guitars
Anton Darusso – Vocals
Dani Chaves – Guitars

Track-Liste:

1. Revelations (06:51)
2. Divine? (Chaos Theme) (01:12)
3. Rising Chaos (05:44)
4. Here We Go (04:26)
5. Facing the Beast (04:38)
6. Stand and Fight (04:46)
7. Under the Moon (04:08)
8. Free Fall (04:28)
9. Lost in the Dark (05:00)
10. Wake Me Up (05:23)
11. Possessed (04:37)
12. Requiem (05:55)
13. Post Mortem (04:59)

Mich dünkt, es wird sich etwas offenbaren.

Schon kurz nach ihrer Bandgründung im Jahre 2013 (damals noch pur als DESTINY) avancierte sie zu einem waschechten Genre-GEheimtipp: die aus Costa Rica stammende Combo WINGS OF DESTINY, die mit ihrem ebenso kurzen wie knackigen Debütalbum TIME (siehe Review) einiges an Aufmerksamkeit erregen konnte. Und auch der 2016 nachgeschobene, letztendlich gar nicht so leicht in Worte zu fassende Nachfolger KINGS OF TERROR (Review) präsentierte sich als etwas ganz und gar besonderes – sodass es mehr als nur verwunderlich war, dass die Band das bis dato etablierte Niveau mit dem dritten Studioalbum BUTTERFLY EFFECT (Review) erstmals deutlich untergraben hatte. Immerhin, damit dürfte es nur umso spannender werden ein Album wie REVELATIONS für sich zu entdecken – wobei das auch für all jene gilt, die bisher noch nichts von den WINGS OF DESTINY gehört haben. Eines steht schließlich unweigerlich fest: auch REVELATIONS ist ein alles andere als gewöhnliches, einfaches oder gar vorhersehbares Genre-Album geworden.

Vielmehr werfen die WINGS OF DESTINY auch dieses Mal mit allerlei verschiedenen Gangarten, Einflüssen und teils auch überraschenden Elementen um sich – sodass REVELATIONS trotz seiner vielen kraftvollen und temporeichen Brecher durchaus ein gewisser progressiver Anspruch innewohnt. Immerhin, der Leadsänger ist mit Anton Darusso noch immer derselbe wie dereinst beim unter dem Bandnamen DESTINY veröffentlichten Debüt – was man zweifelsohne hört, oder in Anbetracht seines stimmlichen Volumens inklusive einer; man nenne es subtilen Aggressivität auch stets spürt. Nummern wie der Opener und Titeltrack REVELATIONS, HERE WE GO oder FACING THE BEAST avancieren so schnell zu ungeahnt kraftvollen Hymnen ohne allzu schnell aufkommenden Vergleichsmöglichkeiten – wobei es den WINGS OF DESTINY dieses Mal wieder deutlich besser gelingt, ein zielgerichtetes respektive effektives Songwriting zu betreiben. Zumindest im Gegensatz zum eher konfusen Vorgänger BUTTERFLY EFFECT – den man in Anbetracht der bereits zum Auftakt von REVELATIONS gebotenen Stärke und Spielfreude getrost vergessen kann oder vielleicht auch sollte. Die dezent eingebrachten symphonischen Elemente stehen der Band jedenfalls gut zu Gesicht.

Über den Aufstieg oder Fall des Albums werden – je nach persönlicher Facón – aber wohl ohnehin die ganz und gar besonderen Momente des Albums entscheiden. Das können dann Dinge wie das höchst merkwürdige, durchaus unterhaltsame Zwischenspiel DIVINE (CHAOS THEME) sein, fremdartig klingende Intros wie das zu UNDER THE MOON; oder Nummern wie RISING CHAOS – das vergleichsweise harsche Töne anklingen lässt und ganz nebenbei noch etwaige Genre-Grenzen zwischen der eigentlich angepeilten Spielart des Power Metals und ebenfalls gerne zu Rate gezogenen Elementen aus dem Thrash Metal niederreißt. Fest steht: das Handwerk der WINGS OF DESTINY war noch nie so überzeugend wie aktuell, und auch hinsichtlich der Abmischung und Produktion gibt es so gut wie nichts zu mäkeln. Im besten Fall führt das dazu, dass allein der Genuss eines Auftakts wie der zu STAND AND FIGHT für einen wahren Gänsehaut-Moment sorgt. Einen von vielen, sollte man wohl sagen – schließlich fällt die Qualität auch zur Alben-Mitte hin nicht ab.

So stellen sich auch Titel wie UNDER THE MOON als höchst atmosphärische, gut inszenierte Nummern mit dem gewissen Etwas heraus – wobei es nicht einmal stört, dass das Keyboard hie und da eine etwas größere Aufmerksamkeit zugestanden bekommt. Schließlich ist die Entschädigung in Form der knackigen Metal-Elemente, und das inklusive zahlreicher genialer Soli- und Instrumentalstrecken; schlicht enorm. Dass den WINGS OF DESTINY dann selbst gefühlt modernere Titel wie das bei anderen Bands sicher zum Scheitern verurteilte FREE FALL oder die Ballade WAKE ME UP (die sich im weiteren Verlauf noch ungemein steigert) gelingen, rundet das Ganze ab. Wie eventuell auch das tatsächlich mehr als überraschende Finale des Albums – das mit drei Nummern aufwartet, die man so überhaupt nicht hätte erwarten können. Die aber – und das ist das wichtige – noch immer recht gut zu den WINGS OF DESTINY passen. Sei es das kaum noch dem Power Metal zuzuordnende und extrem aggressive POSSESSED, das plötzlich enorm doomige REQUIEM oder das experimentelle, dabei aber dennoch emotionale und dezent an AYREON erinnernde POST MORTEM – mittlerweile ist den WINGS OF DESTINY alles zuzutrauen. Solange es nur gut klingt und der Unterhaltung respektive Abwechslung dient – die auf REVELATIONS nicht hätte größer sein können – ist alles in Ordnung. Aktuell sind die Costa-Ricaner jedenfalls wieder auf dem absolut richtigen Weg.

Anspieltipps: REVELATIONS, RISING CHAOS, FACING THE BEAST, STAND AND FIGHT


„Angenehm anders, enorm vielfältig und verdammt gut inszeniert – eine echte Überraschung.“

Metal-CD-Review: FUGATTA – Tales Of A New Century (2019)

Alben-Titel: Tales Of A New Century
Band: Fugatta (mehr)
Veröffentlichung: 04. März 2019
Land: Mexiko
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Hugo Medina – Bass
Daniel Viña – Vocals
Eusebio Ismael Medrano Mendoza „Chemo“ – Guitars
Homero Lezama – Keyboards
Diego Aguilar – Drums

Track-Liste:

1. Awakening of the Inner Warrior (02:16)
2. Rise Your Pride (04:12)
3. Incubus (03:56)
4. Owners of This World (03:02)
5. Seas of Sirens (04:18)
6. Far Away (03:58)
7. The Autumn Was Long (04:34)
8. Waiting for Tomorrow (04:49)
9. My World Never Ends (05:04)
10. Decadence (04:26)
11. Seas of Sirens (Orchestral Bonus Track) (04:44)

Ein Albentitel, der einer gewissen Ironie nicht entbehrt.

In der Tat ist es nun schon wieder etwas her, dass die Jungs von FUGATTA mit ihrem Debütalbum MYSTIC KINGDOM (siehe Review) an den Start gegangen sind. Trotz dessen, dass sich die Mexikaner offenbar schon damals großes vorgenommen hatten; sollte es auch daraufhin erst einmal eine ganze Weile still werden um die Band. Warum genau, das wissen wohl nur die einzelnen Mitglieder selbst. Immerhin, und aus mancherlei Perspektive sicher glücklicherweise steht eines nunmehr fest: das immerhin ganze 8 Jahre währende Schweigen wurde doch noch gebrochen, und zwar mit dem kürzlich erschienenen zweiten Studioalbum TALES OF A NEW CENTURY. Wie schon der Vorgänger fristet es einen eher unscheinbaren Status als leicht zu übersehendes Independent-Release und wird von der Band selbst vertrieben – wobei man sich auch dieses Mal die Frage stellen könnte, wer genau mit einem Album wie diesem bedient werden soll. Schließlich, und diese Kritik sollte erlaubt sein; war schon der Vorgänger alles andere als ein rundum zufriedenstellendes geschweige denn sonderlich originelles Power Metal-Album. Eines, das in jedem Fall noch reichlich Luft nach oben ließ.

Immerhin – und in Bezug auf das vorliegende TALES OF A NEW CENTURY – ist FUGATTA dabei eines in jedem Fall hoch anzurechnen: sie haben sich spürbar bemüht, eben jene Lücke zu schließen. So merkt man den 11 enthaltenen neuen Nummern zweifelsfrei an, dass die Mexikaner einiges an Herzblut (und natürlich auch Zeit) investiert haben. Mit dem im Vergleich zum Vorgänger besser aufgehenden Songwriting, dem stärkeren Fokus auf die Metal-Elemente inklusive einiger guter Soli, kleinen Verbesserungen im Leadgesang und letztendlich auch in der Abmischung und Produktion macht TALES OF A NEW CENTURY jedenfalls schon deutlich mehr her als dereinst das reichlich ungeschliffene MYSTIC KINGDOM. Zweifelsohne handelt es sich hier um einen Vorteil, der klar für die Band und die Entwicklung von FUGATTA spricht. Eine unter Umständen entscheidende Frage ist nur, ob das wirklich reicht – vor allem in Bezug auf die aktuelle Konkurrenzfähigkeit von FUGATTA. Die steht schließlich – und bei einer näheren Betrachtung des auf TALES OF A NEW KINGDOM enthaltenen Materials – noch immer auf recht wackeligen Beinen.

Entsprechend spannend ist der Versuch herauszufinden, woran genau das liegen könnte – wobei zumindest das symphonisch angehauchte instrumentale Intro AWAKENING OF THE INNER WARRIOR sowie der als Videosingle ausgekoppelte Opener RISE YOUR PRIDE noch keine wirklichen Rückschlüsse ermöglichen. Ganz im Gegenteil: so wie in RISE YOUR PRIDE hätten FUGATTA vielleicht schon damals klingen sollen. Natürlich offenbaren sich gerade im Leadgesang einige Schwächen, und etwas ganz und gar besonderes ist auch dieser Titel nicht – doch die ebenso temporeiche und melodiöse Gangart passt recht gut zum allgemeinen Soundoutfit der Band, das hier ein wenig an die Kollegen von 4TH DIMENSION denken lässt. Die eigentliche Crux oder auch Problematik der Band und des Albums lässt sich dann allerdings auch nicht mehr allzu lange auf sich warten. Schließlich zeigen schon Nummern wie INCUBUS (das schlicht extrem viel will, letztendlich aber nur mäßig abschneidet und im besten Fall an die Glanzzeiten von CELESTY erinnert) oder OWNERS OF THIS WORLD (das relativ düster daherkommt und einen am ehesten an die Kollegen von KAMELOT denken lässt) auf; an welchen Ecken und Enden es bei FUGATTA noch hapert.

Kein Geheimnis ist etwa, dass bereits erwähnte Leadgesang von Daniel Viña eine diesbezüglich nicht ganz unwesentliche Rolle spielt. Der Mexikaner ist einfach nicht der beste geschweige denn markanteste Sänger, und offenbar gerade im Spagat zwischen verschiedenen Tonlagen teils frappierende Schwächen. Dass TALES OF A NEW KINGDOM – natürlich – auch eine der typisch-obligatorischen Balladen vorsieht, macht es nicht gerade besser: THE AUTUMN WAS LONG zündet einfach nicht, weder auf musikalischer noch auf emotionaler Ebene. Ebenfalls eher suboptimal ist der natürlich doch noch vergleichsweise großzügig ausfallende Einsatz des Keyboards – wobei es nicht unbedingt problematisch ist dass es zum Einsatz kommt, sondern eher wie es klingt. Das ist auch dann der Fall, wenn anstatt der allzu elektronisch anmutenden Klänge (OWNERS OF THIS WORLD) explizit symphonische Elemente zu Rate gezogen werden. Wie etwa in SEAS OF SIRENS, das einfach viel zu überladen klingt und den dünnen Leadgesang von Daniel Viña umso schlechter dastehen lässt. Interessanterweise klingt auch das Drumming alles andere als überragend (wie in FAR AWAY) – wobei fraglich bleibt, wie viele Anteile auf den handwerklichen Part von Diego Aguilar zurückfallen, und wie viele auf die Aufnahme, Abmischung und Produktion.

Schlussendlich gilt es mindestens zweierlei Dinge festzuhalten. Zum einen, dass es FUGATTA durchaus gelungen sich zu steigern (was in Anbetracht der Zeitspanne zwischen den beiden Alben aber eigentlich auch ein Muss ist) – und zum anderen, dass dies noch immer nicht ausreicht um die Mexikaner zu einer der nennenswerteren Power Metal-Combos avancieren zu lassen. Wirklich entscheiden wird sich die Zukunft der Band also vermutlich erst bei einem potentiellen weiteren Album – auf dem man hoffentlich auf Titel wie das in jeder Hinsicht unterirdische MY WORLD NEVER ENDS verzichtet.

Anspieltipps: RISE YOUR PRIDE, OWNERS OF THIS WORLD, FAR AWAY


„Die richtigen Vorbilder scheinen FUGATTA zu haben – eine entsprechende Qualität aber können sie auch dieses Mal nicht etablieren.“