Filmkritik: „Das Geheimnis Von Marrowbone“ (OT: MARROWBONE, 2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Sergio G. Sánchez
Mit: Anya Taylor-Joy, George MacKay, Mia Goth u.a.
Land: Spanien, Großbritannien
Laufzeit: ca. 111 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Drama, Horror
Tags: Familie | Flucht | Umzug | Verfolgung | Fluch

Spieglein Spieglein an der Wand…

Inhalt: Um den Fängen ihres ihrer Familie offenbar aggressiv nachstellenden (noch-)Ehemannes  zu entkommen, trifft die verzweifelte Rose (Nicola Harrison) eine schwerwiegende Entscheidung: gemeinsam mit ihren insgesamt vier Kindern flieht sie Ende der 60er Jahre von Großbritannien in die Vereinigten Staaten von Amerika. Einmal in ihrem neuen Heim an einer ebenso idyllischen wie verlassenen Küste angekommen, nimmt die Familie einen neuen Namen an und versucht, möglichst wenig Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen. Doch schon kurz bevor sich die Kinder Jack (George MacKay), Jane (Mia Goth), Billy (Charlie Heaton) und der junge Sam (Matthew Stagg) richtig einleben können, erliegt ihrer Mutter ihrer schweren Krankheit – und hinterlässt ihren ältesten Sohn Jack mit einer wichtigen Aufgabe. Fortan soll er die Geschicke der Familie lenken und auf sie aufpassen – zumindest bis er 21 ist, und die Familie nicht mehr von den Behörden auseinandergerissen werden könnte. Tatsächlich scheint ihm das auch ganz gut zu gelingen – zumal er von seiner Liebe zur Bibliothekarin Allie (Anya Taylor-Joy) beflügelt wird. Problematisch ist indes, dass sich im großen Anwesen der Familie selbst einige höchst unheimliche Dinge ereignen… was insbesondere den jüngeren Geschwistern reichlich Sorge, ja wenn nicht gar panische Angst bereitet.

Kritik: Auch wenn der Filmtitel nicht sperriger hätte ausfallen können und die Geschichte von DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nach nicht viel klingt – oder eher nur nach einer weiteren von so vielen, in denen eine vom Schicksal gebeutelte Familie in ein gruseliges Anwesen zieht und somit erst Recht Probleme bekommt – erweist es sich als ratsam, der von Sergio G. Sánchez (unter anderem der Ideengeber für DAS WAISENHAUS, siehe Review) erdachten Schauermär eine Chance zu geben. Und das vornehmlich, da es sich entgegen den ersten Vermutungen weniger um einen klassischen Horrorfilm als vielmehr um einen überraschend intensiven Thriller handelt – dem anstelle des plakativen Horrors weitaus mehr Elemente des Dramas inklusive einer vergleichsweise starken Charakterzeichnung innewohnen. Und um einen Thriller der – der mittlerweile vorhandenen Erfahrung des spanischen Schauspielers, Drehbuchautors und Regisseurs Sánchez sei Dank – schnell eine ähnlich klaustrophobische und in sich stimmige Atmosphäre etablieren kann wie einst DAS WAISENHAUS.

Die wohl aber größte Überraschung des Films ist, dass er im späteren Verlauf mit einem so nicht unbedingt erwarteten Twist daherkommt – und damit vielleicht sogar einen ähnlichen Effekt zu hinterlassen vermag wie der Genre-Klassiker THE SIXTH SENSE. Damit steht fest, dass sich DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE am ehesten in die Riege der eher ebenso mysteriös wie psychologisch angehauchten Thriller im Stile der bereits erwähnten Titel, sowie eventuell auch ICH SEH, ICH SEH (Review), SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT (Review) oder DER BABADOOK (Review) einreiht – und dabei eine alles andere als schlechte Figur macht. So kann nicht nur die Schauplatzwahl inklusive eines überraschenden Settings in den späten 60er Jahren überzeugen – auch das Setdesign, die Kostüme, der gesamte handwerkliche Part und die darstellerischen Leistungen der teils bekannten, hier recht erfrischend agierenden Nachwuchs-Akteure stimmen. Lediglich die sich dann doch etwas länglich anfühlende Auftaktphase mit einigen verzichtbaren Momenten sowie der doch noch vorhandene Impuls, sich den gängigen Konventionen des Horrorfilms zu näheren (Stichwort Jumpscares) verhindert hier größeres – was aber nichts daran ändert, dass man DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE problemlos empfehlen kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Metropolitan FilmExport, Universal Pictures

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„Das Rad mag mit DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nicht neu erfunden werden – und doch handelt es sich um einen ebenso gut gemachten wie spannenden Film mit dem gewissen Etwas und einem überraschenden Ende.“

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Filmkritik: „Star Wars Episode 8: Die Letzten Jedi“ (2017)

Originaltitel: Star Wars: The Last Jedi
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Rian Johnson
Mit: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 152 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Star Wars | Episode 8 | Jedi-Ritter | Luke Skywalker | Imperium | Erste Ordnung | Rebellen

Spiele nicht mit der Macht, sonst setzt es eine Tracht.

Inhalt: Auch wenn der von Generalin Leias (Carrie Fisher) geführte Widerstand die furchteinflößende Starkiller-Basis der Ersten Ordnung zerstört hat, ist noch immer kein Frieden in Sicht. Mit verantwortlich dafür ist der eigentliche Strippenzieher der dunklen Seite der Macht, Snoke (Andy Serkis) – der weiterhin große Hoffnungen in seinen Schüler Kylo Ren (Adam Driver) setzt. Dennoch setzen der tollkühne Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac), der desertierte Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega) und die offenbar von der Macht profitierende Rey (Daisy Ridley) alles daran, den finsteren Mächten die Stirn zu bieten. Da sie selbst wissen dass die Lage beinahe aussichtslos ist, planen sie den legendären Luke Skywalker (Mark Hamill) mit in die Kämpfe einzubeziehen. Das Problem ist nur, dass sich der mittlerweile zu einem waschechten Einsiedler gemausert hat, der augenscheinlich nur noch wenig Interesse daran hat das Gute zu verteidigen…

Kritik: Ob man will oder nicht – die STAR WARS-Maschinerie läuft immer weiter. Erst Recht natürlich seit der umstrittenen Übernahme des ursprünglichen Produktionsstudios Lucasfilm durch den Disney-Konzern im Jahre 2012, der längst nicht mehr nur an der eigentlichen Filmreihe arbeitet. Während manche Franchise-Fans eben diesen – und dabei mittlerweile zahlreichen – Prequels und Spin-Offs von vorne herein aus dem Weg gehen, steht zumindest die bereits im Jahre 1977 mit dem legendären KRIEG DER STERNE losgetretene STAR WARS-Hauptreihe weiterhin im Fokus vieler Anhänger der Sternensaga – die damit umso mehr Aufmerksamkeit erhält. Und stellenweise auch deutlich mehr Kritik; wie es das noch nicht allzu lang zurückliegende, groß angekündigten Franchise-Revival in Form von EPISODE VII – DAS ERWACHEN DER MACHT (siehe Review) mit Nachdruck aufzeigte. Die Behauptung, dass die Verantwortlichen nicht viel mehr gemacht haben als eine vergleichsweise seelenlose Kopie des Materials der Originalfilmreihe aus den Jahren 1977 bis 1983 abgeliefert zu haben; ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen – sodass es eine umso spannendere Angelegenheit war und ist zu sehen, wie man im neuesten Teil der Reihe verfahren würde.

Und tatsächlich: der hier gemeinte achte STAR WARS-Teil DIE LETZTEN JEDI ist wieder etwas mehr geworden als eine gefühlte Neu- oder Nacherzählung der intergalaktischen Abenteuer der Vergangenheit. Und beileibe auch mehr als das, was George Lucas mit den viel diskutierten ersten Episoden aus den Jahren 1999 bis 2005 an (hier: reichlich buntem) STAR WAR-Material nachgelegt hatte. Anders gesagt: DIE LETZTEN JEDI ist als zweiter Teil der dritten Trilogie etwa kaum mit dem ebenso oberflächlich-klinischen wie schlicht fürchterlichen zweiten Teil der ersten (ANGRIFF DER KLONKRIEGER, siehe Review) zu vergleichen – und profitiert letztendlich sogar von der neuerlichen Disney-Ägide. Und das beispielsweise, indem man den Wünschen der Fans ganz offensichtlich wieder mehr Gehör schenkt. So ist DIE LETZTEN JEDI eine recht ansehnlicher STAR WARS-Teil geworden, der eine grundsätzlich angenehme Mixtur aus typischen Franchise-Elementen (wie etwa dem düster-dystopischen Setting, das man dennoch immer wieder mit einem gewissen Witz und Charme auflockert) und einer eher modernen Herangehensweise in Form von neuen Geschichten, Charakteren und Effekten.

Gerade die sehen im neusten Ableger übrigens ganz und gar hervorragend aus – auch wenn dies weniger auf potentiell hochkarätige Lichtschwert-Auseinandersetzungen zu beziehen ist, als vielmehr auf die Gestaltung der Weltraum-Szenen, die Kulissen und die Kostüme. Gerade in Anbetracht der schmackigen Kämpfe, die sogar den ein oder anderen Gänsehaut-Moment bereithalten (wie etwa den, als der Hypersprung eines Rebellenschiffes als Waffe eingesetzt wird); muss sich DIE LETZTEN JEDI also keineswegs hinter seinen Vorgängern verstecken – und das auch oder gerade weil hier augenscheinlich noch immer viel Wert auf ein geschicktes Handwerk gelegt wurde, und man nicht von einer Sound- und Effektflut der Marke TRANSFORMERS erschlagen wird. Dass J.J. Abrams (u.a. CLOVERFIELD) seine Finger mit im Spiel gehabt hat, merkt man übrigens auch – wobei die Überraschung umso größer ist, dass seine visuellen Konzepte gut in das STAR WARS-Universum zu passen scheinen.

Der größte Vorteil an EPISODE 8 aber ist und bleibt die Tatsache, dass man nach dem Wiederholungs-Effekt von EPISODE 7 endlich wieder eine neue (und dabei recht spannende) Geschichte erzählt – es dabei aber nicht verpasst, das gute alte STAR WARS-Gefühl inklusive der entsprechend unverwechselbaren Atmosphäre wieder aufleben zu lassen. Dass dafür auch oder sogar hauptsächlich die zahlreichen Auftritte wichtiger STAR WARS-Charaktere verantwortlich sind, versteht sich von selbst – wobei es sich unerwartet gut und stimmig anfühlt, im Sinne des Werdegangs von Meister Yoda, Luke Skywalker, Chewbacca oder Leia Organa auf den neuesten Stand gebracht zu werden. DIE LETZTEN JEDI kann damit getrost allen Franchise-Fans (und solchen, die es werden wollen) empfohlen werden – auch wenn man verständlicherweise nicht erwarten kann, dass es die achte Episode im Sinne der Qualität und des Flairs mit den altehrwürdigen Originalfilmen aufnehmen kann.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Lucasfilm / Disney

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„DIE LETZTEN JEDI ist ein unerwartet stimmiger STAR WARS-Teil geworden, der der neuen Trilogie durchaus zu neuem Glanz verhilft. Es gilt jedoch weiterhin – und speziell in Anbetracht der quantitativen Auswüchse des Franchise – Vorsicht walten zu lassen.“

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TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 8)

Originaltitel: The Walking Dead Season 8
Relation: Fortsetzung der siebten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 8 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

8×01 – Erster Kampf (Mercy)
8×02 – Die Verdammten (The Damned)
8×03 – Wir oder die (Monsters)
8×04 – Nur irgendwer (Some Guy)
8×05 – Die Beichte (The Big Scary U)
8×06 – Der König, die Witwe und Rick (The King, the Widow, and Rick)
8×07 – Für danach (Time for After)
8×08 – Kampf um die Zukunft (How It’s Gotta Be)
8×09 – Ehre (Honor)
8×10 – Botschaften (The Lost and the Plunderers)
8×11 – Flucht nach Hilltop (Dead or Alive Or)
8×12 – Der Schlüssel zur Zukunft (The Key)
8×13 – Der Weg der Toten (Do Not Send Us Astray)
8×14 – Ich sterbe nicht (Still Gotta Mean Something)
8×15 – Die rechte Hand (Worth)
8×16 – Zorn (Wrath)

Das alles kommt mir nicht bekannt vor.

Inhalt: Nachdem die Gemeinschaft um den ehemaligen Sheriff Rick Grimes bereits Bekanntschaft mit einer neuen, von einem skrupellosen Anführer namens Negan geleiteten Gruppe von Überlebenden gemacht hatte; droht die Auseinandersetzung zwischen den korrespondierenden Gemeinden Alexandria, Hilltop, dem Königreich und dem von den Saviors geführten Sanctuary endgültig zu eskalieren. Dabei ist nicht nur Negan selbst das Problem, der sich immer mehr auf seinen Zwist mit Rick versteift und nach wie vor versucht ihn zu brechen – auch innerhalb der verschiedenen Gemeinschaften ergeben sich teils unerwartete Entscheidungen, Intrigen und brutale Machtkämpfe. Immer mehr scheint es, als könnte es nur einen Sieger geben – einen, der die gegebenenfalls unterlegene Gruppe auch nicht mehr tolerieren und im schlimmsten Fall komplett auslöschen würde. Dass dabei das Leben jedes einzeln auf dem Spiel steht, ist beiden Seiten bewusst…

Kritik: Auch wenn es in Bezug auf die Einschaltquoten zur Schadenfreude mancher immer mauer aussieht, werden es die meisten Pay-TV-Zuschauer und Serienfans höchstwahrscheinlich mitbekommen haben: das ebenso berühmte wie berüchtigte THE WALKING DEAD-Franchise ist um eine weitere komplett ausgestrahlte Staffel reicher. Genauer gesagt handelt es sich um die mittlerweile achte – die im Grunde genommen direkt an die Ereignisse der vorangegangen siebten Staffel (siehe Review) anschließt und den Kampf zwischen den beiden TWD-Galionsfiguren Rick und Negan weiter intensiviert. Im Grunde genommen wurde in den bisherigen, zumeist ausführlichen Besprechungen der einzelnen Staffeln (siehe THE WALKING DEAD-TAG) bereits alles oder zumindest vieles über die Serie gesagt – sodass es an dieser Stelle nur eine kurze Übersicht über die Vor- und Nachteile der achten Staffel geben wird. Es sei allerdings angemerkt, dass selbst diese einige größere Spoiler enthalten können – weshalb man bei einem Vorhaben die Staffel noch zu verköstigen entsprechend vorsichtig sein sollte.

Die guten Seiten der achten THE WALKING DEAD-Staffel:

Neben den nach wie vor überdurchschnittlichen handwerklichen Aspekten der Serie – die sich beispielsweise in einem ansprechenden Setdesign, stimmigen Kostümen, einem aufwendigen Make-Up oder einer vergleichsweise ruhigen und nicht vom wesentlichen ablenkenden Kameraführung äußern – muss man speziell der achten Staffel des Franchise zugute halten, dass es bezüglich der zuvor nicht selten vernachlässigten (und damit umso mehr erwarteten) Action-Aspekte wieder etwas mehr zur Sache geht. Action bedeutet in diesem Fall gleich zweierlei: zum einen, dass die Szenenabfolgen selbst etwas rasanter inszeniert werden – und zum anderen, dass auch tatsächlich mehr innerhalb der einzelnen Folgen passiert; wobei die Interaktion zwischen den verschiedenen Charakteren, die Ereignisse auf dem Weg zum Endkampf zwischen Rick und Negan oder der Bildschirmtod von wichtigen Serien-Charakteren eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die teils merklich angezogene Spannung – die vor allem auch daraus resultiert, dass man den offensichtlich kaum noch zu vermeidende Endkampf immer wieder hinauszögert und sich dem Finale eher schrittweise (und das letztendlich sogar recht effektiv) nähert. Auch die Tatsache, dass man sich mittlerweile – und das gilt insbesondere oder auch zwangsläufig für Kenner der bisherigen Staffeln – recht intensiv mit den Kosmos von THE WALKING DEAD auseinandergesetzt hat (also beispielsweise die Charaktere, aber auch die eigentlichen Serien-Merkmale mit all ihren Vorzügen und Macken kennt), sollte sich in Bezug auf jede weitere Staffel eher positiv als negativ auswirken. Zumindest, und das ist die unweigerliche Voraussetzung; wenn man es überhaupt bis hierhin durchgehalten hat. Anders gesagt: auch wenn man bis dato einiges an der Serie auszusetzen hatte, ist es einem wahrscheinlich dennoch nicht gänzlich egal was passiert – auch oder gerade wenn die potentiellen Erwartungen wieder einmal enttäuscht werden.

Die schlechten Seiten der achten THE WALKING DEAD-Staffel:

Bei aller Liebe zu THE WALKING DEAD und der wieder etwas besseren achten Staffel sollte man eines in keinem Fall außer acht lassen: das Franchise (oder eher die hier behandelte Umsetzung der Comicbuchvorlage) war und ist längst nicht perfekt. Wenn man so will strotzt sie sogar vor Schwächen – die sich natürlich auch in der achten Staffel bemerkbar machen. In Sachen Timing, einer schier unsäglichen zeitlichen Streckung von einzelnen Ereignissen respektive ganzen Story-Arcs (man erinnere sich an das Gefängnis – und nun auch Negan) oder einem gefühlt eher fehlgeleiteten Fokus auf weniger interessante Inhalte etwa hinkt THE WALKING DEAD so manch anderer TV-Serie hinterher – wofür es hinreichend Beispiele gibt. Hinsichtlich der achten Staffel soll allerdings nur – und stellvertretend – auf einen einzelnen Moment voller potentieller Fehlentscheidungen hingewiesen werden. Gemeint ist das Ableben von Carl, das als Cliffhanger zwischen der 8 und 9 Episode (zwischen der die bekannte Winterpause lag) schlichtweg nicht funktionierte; oder eher gar nicht erst dafür vorgesehen war. Schließlich wusste man vor der Winterpause schon recht genau, was passieren würde – wobei es nicht unbedingt ärgerlich ist, dass man die entsprechend erwarteten Szenen in Episode 9 auch tatsächlich zu sehen bekommt.

Mit dem so noch nicht bei einem Infizierten vorgekommenen langen Todeskampf – inklusive eines schier unerträglichen Trauerspiels sowohl von Seiten der Darsteller als auch der allzu forciert auf die Tränendrüse drückenden Drehbuchautoren – hat man es dagegen eindeutig übertrieben. Von den Zombies oder Untoten, die eigentlich noch immer eine entsprechende Rolle spielen sollten; gar nicht erst zu sprechen – doch das war in Anbetracht des nunmehr fast ausschließlich zwischenmenschlichen Kampfes innerhalb von TWD gewissermaßen abzusehen. Folglich fehlen – und das nach wie vor – auch viele weitere Aspekte, die man von einer apokalyptisch angehauchten Zombie- respektive Survival-Serie erwarten würde. Und wenn doch mal etwas dahingehendes gezeigt wird (wie in Bezug auf sich ergebende Machtstrukturen, die Essensbeschaffung oder die Errichtung neuer Gemeinden / Schutzbereiche) scheint man doch schnell wieder beim nächsten Thema zu sein – vornehmlich einem solchen, von dem man nur selten das Gefühl hat als würde es tatsächlich eine größere Rolle spielen.

Fazit: Auch wenn die mittlerweile achte Staffel von THE WALKING DEAD das Tempo teils merklich anzieht, einige intensive Action-Elemente bereithält, wichtige Charakter-Entscheidungen forciert und ein überraschend abgeschlossen wirkendes Finale bereithält; bleibt das TV-Franchise ein enorm zweischneidiges Schwert. Wirklich retten kann demnach auch die achte Staffel nichts, oder bestenfalls wenig – wobei es die Tatsache, dass höchstwahrscheinlich noch einige weitere Staffeln folgen sollen nicht unbedingt besser macht. Anders gesagt: es hätte einfach vieles anders laufen sollen (oder eher: müssen) im THE WALKING DEAD-Universum, damit man von einer rundum gelungenen TV-Portierung hätte sprechen können. So aber bleibt es bei einer vergleichsweise zähen und schleppenden Angelegenheit, deren wenige Highlights und Lichtblicke im Wust der mittlerweile unzähligen Episoden verpuffen. Da die achte Staffel insgesamt betrachtet aber weniger Schwächen hat als die vorangegangenen, gibt es eine leichte Wertungserhöhung – wobei man es sich nach wie vor und in jedem Fall überlegen sollte, überhaupt mit der Serie anzufangen. Ist es erst einmal soweit, fällt ein Aufhören bekanntlich schwer – selbst wenn man nur mäßig von einer Serie wie TWD angetan ist…

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„Die achte Staffel von THE WALKING DEAD bleibt sich im Kern (und damit auch in Bezug auf so gut wie alle bisherigen Stärken und Schwächen) treu – und wirkt entsprechend altbekannt. Das angezogene Tempo und der potentiell schon jetzt endgültige Abschluss der Negan-Arc aber führen zu einer dezenten Wertungserhöhung im Vergleich mit den Vorgängerstaffeln.“

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Filmkritik: „Thor 3: Tag Der Entscheidung“ (2017)

Auch Bekannt Als: Thor: Ragnarok
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Taika Waititi
Mit: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 131 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Action / Science Fiction
Tags: Thor | Asgard | Mjölnir | Odin | Loki | Midgard | Marvel | Comic

Donnerbuddys für immer.

Inhalt: Nachdem Donnergott Thor (Chris Hemsworth) und sein Bruder Loki (Tom Hiddleston) ihren Vater Odin (Anthony Hopkins) auf der Erde ausfindig gemacht haben, müssen die sich nicht immer gut verstehenden Geschwister gleich mit mehreren Hiobsbotschaften zurechtkommen. Dass ihrer Heimatwelt Asgard eine Katastrophe in Form des sogenannten Ragnarök bevorsteht und sich ihr Vater vor ihren Augen in die Gefilde von Walhalla aufmacht ist dabei nur der Anfang – schließlich erfahren sie auch von einer ihnen bisher unbekannten Schwester namens Hela (Cate Blanchett). Die ist jedoch nicht gekommen, um den beiden Brüdern in dieser schweren Zeit beizustehen – sie will selbst nach Asgard, um sich an den mächtigen Kräften der Stadt zu laben und das Universum zu unterjochen. Und genau das wollen Thor und sogar Loki verhindern. Dumm nur, dass sie bei ihrer Reise nach Asgard auf einem seltsamen Müllplaneten namens Sakaar landen, der von einem noch seltsameren Herrscher kontrolliert wird – und auf dem selbst ein mächtiger Gott wie Thor dazu gezwungen werden kann, an blutrünstigen Turnieren teilzunehmen.

Kritik: Nach der ebenso überraschenden wie guten ersten THOR-Verfilmung (2011, siehe Review) sowie dem deutlich düstereren Nachfolger THE DARK KINGDOM (2013, Review) wagt sich der beliebte Marvel-Held mit dem TAG DER ENTSCHEIDUNG bereits zum dritten Male auf die große Kinoleinwand. Wobei, und diesen Einschub sollte man in Anbetracht der aktuellen Marvel-Filmflut durchaus vornehmen; sich diese Zahl natürlich nur auf die Auftritte in seinem eigenen Franchise bezieht – und er dementsprechend auch in zahlreichen anderen Partner-Werken wie etwa der AVENGERS-Reihe ein Wörtchen mitzureden hat. Fakt ist: Comic-Verfilmungen sind in der aktuellen Kinolandschaft beliebter denn je, und gerade die Helden und Geschichten aus dem Hause MARVEL scheinen dabei den ein oder anderen Zuschauer-Nerv zu treffen. Das bedeutet indes nicht, dass sich die Geschichten nicht doch irgendwann abnutzen könnten – wofür gewissermaßen auch der neueste THOR-Teil Pate steht.

Interessanterweise ist es in diesem Fall aber nicht die zugrundeliegende Idee, die den ebenso apokalyptischen wie teils fast schon albernen Filmgenuss der Marke THOR markant trüben würde. Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall, denn die eher einen Schritt zurückgreifende Geschichte macht mit ihren mythischen Bezügen durchaus Spaß – und markiert eine willkommene Abwechslung zum inhaltlich deutlich schwächeren Vorgänger. Anders gesagt: THOR 3 erzählt nichts wirklich neues; greift dafür aber einige grundsätzlich spannende, bis dato aber vernachlässigte Themen und Personen aus dem entsprechenden Handlungskosmos auf. Sicher, eine allzu große Erzählkunst sollte man auch dieses Mal nicht erwarten; zumal das THOR-Franchise ein vergleichsweise triviales ist und weiterhin auf einen bestmöglichen Unterhaltungsfaktor abzielt – und doch ist die eigentliche Crux des Films nicht in der Geschichte zu suchen. Und auch nicht unbedingt in Bezug auf die auftretenden Charaktere sowie ihre auffallend flachen, nur selten glaubwürdigen und auf einer wie auch immer gearteten emotionalen Ebene überhaupt nicht mehr funktionierenden Porträts. THOR ist und bleibt eben ein Werk auf dem Hause Marvel – und damit auch eines, von dem man nicht unbedingt allzu tiefgründige Inhalte erwarten sollte.

Dass es dieses Mal ausgerechnet hinsichtlich des sich durch die Charaktere und die Szenerie fast schon automatisch ergebenden Unterhaltungsfaktors hapert, ist demnach umso fataler. Denn auch wenn THOR 3 gut aussieht, einige atemberaubende Schauplätze (die sich zumeist nicht auf der Erde befinden) bereithält, mit größtenteils nett gemachten Spezialeffekten gespickt ist und vor Situationskomik nur so trieft; scheinen es die Verantwortlichen vor allem im letztgenannten Sinne dezent übertrieben zu haben. Anders gesagt: die Atmosphäre, die der neueste THOR-Ableger etabliert; steht auf höchst wackeligen Beinen – und die anberaumte Komik, die sich über weite Strecken eher in einer ausgelassenen Albernheit offenbart; taugt eher für einen Anflug von Scham denn lauthalse Lacher. Ein auf einen einzelnen Filmabschnitt bezogenes Paradebeispiel dafür findet sich etwa mit den Ereignissen auf dem Müll-Planeten, die sich nicht so recht in das THOR-Universum fügen wollen – und im großen und Ganzen wie eine (allzu) wilde Mixtur aus verschiedenen Elementen der STAR WARS-Saga, TRON und DAS FÜNFTE ELELEMT wirken.

Aber irgendwie musste man die Geschehnisse aus den beiden Vorgängern ja noch toppen – mit einem einerseits konsequenten, sich andererseits aber auch dezent fehlgeleitet anfühlendem Ergebnis. Schlussendlich bleibt somit zu hoffen, dass THOR 3 der letzte Film aus dem Franchise ist und es bei einer insgesamt betrachtet akzeptablen Trilogie mit einem verhältnismäßig überqualifizierten ersten Teil bleibt – und derart turbulent-bunte wie in TAG DER ENTSCHEIDUNG Geschichten wenn überhaupt einen Platz in der GUARDIANS OF THE GALAXY-Reihe (die im besten Fall ebenfalls endlich ist) finden.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Marvel Studios 2017

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„Ein etwas zu rasantes und atmosphärisch krudes Sequel mit einem hohen Unterhaltungswert.“

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Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – The Nature Of Time (2017)

Alben-Titel: The Nature Of Time
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Juni 2017
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Frontiers Records

Alben-Lineup:

Andrea Buratto – Bass
Aldo Lonobile – Guitars
Gabriele Ciaccia – Keyboards
Michele Luppi – Vocals
Marco Lazzarini – Drums

Track-Liste:

1. Intermission (01:39)
2. The Calling (05:14)
3. Love (04:13)
4. Courage (05:39)
5. Kindness (05:14)
6. Honesty (05:12)
7. Faith (04:49)
8. Reliance (06:05)
9. Commitment (03:33)
10. The Awakening (08:57)
11. The New Beginning (05:17)

Die Zeit kann einem in der Tat so manchen Streich spielen.

Nein, und wenn es um ihre beiden letzten Releases PORTRAIT OF A DYING HEART (siehe Review) und A TIME NEVER COME 2015 EDITION (Review) geht – mit Ruhm haben sich die durch die Verpflichtung von Micheli Luppi neu aufgestellten und so gesehen als SECRET SPHERE 2.0 zu bezeichnenden Italiener wahrlich nicht beckleckert. Zumindest noch nicht – aber was nicht ist, kann ja noch werden – oder sogar an die glorreichen Anfangszeiten der Band anknüpfen. Natürlich nur im besten Fall – und wenn die Power Metaller auf ihrem mittlerweile neunten offiziellen Studioalbum endlich den richtigen Weg einschlagen. Dass sie dieses Mal nicht auf eine (unnötige) Neuaufnahme eines Klassikers setzen ist dabei zweifelsohne ein Schritt in die richtige Richtung – doch ob die hier zur Schau gestellten Ambitionen wikrlich ausreichen um sowohl die alten als auch neuen Fans der Band zufriedenzustellen, ist eien gänzlich andere Frage.

Tatsächlich scheinen sich SECRET SPHERE auf ihrem THE NATURE OF TIME dann auch ziehmlich genau so zu orientieren, wie man es hätte erwarten können. Im Detail beddeutet das, dass sich die Italiener immer weiter von ihrem einstigen Schaffen entfernen und die bereits auf PORTRAIT OF A DYING HEART angedeutete Marschrichtung konsequent ausbauen; oder anders gesagt: SECRET SPHERE sind aktuell weniger als typische Power Metal-Combo zu bezeichnen, sondern vielmehr als eine sich explizit auf zwischenmenschliche Themen und entsprechend balladeske Momente spezialisierende Melodic Metal-Fraktion mit hie und da eingestreuten knackigeren Elementen (wie in COURAGE). Das sollte vor allem (und zu Recht) Fans und Freunde der früheren Gangart der Band verschrecken, die sich einst im Bereich eines ebenso symphonischen wie progressiv angehauchten Power Metals innerhalb einer aufstrebenden Band-Generation aus Italien verdingte – aber auch alle anderen, die im allgemeinen Probleme mit vergleichsweise aufgeweichten musikalischen Strukturen haben.

THE NATURE OF TIME sollte so am ehesten Freunde einer insgesamt eher balladesken Seite des Melodic Metal ansprechen, die nichts gegen eine musikalische Aufarbeitung diverser für die Bandmitglieder aktueller zwischenmenschlicher Angelegenheiten haben. Eines muss man SECRET SPHERE dabei in jedem Fall lassen: durch die konsequente Verfolgung ihrer neuen Identität haben sie sich mittlerweile stilistisch gefestigt, und sind so auch bestens dazu in der Lage in dem von ihnen angepeilten musikalischen Segment zu punkten. So scheint insbesondere Leadsänger Michele Luppi entgültig in der Band angekommen – so variabel, emotional und doch niemals abgedroschen klang er auf noch keinem SECRET SPHERE-Release. Auch die Mitglieder an den Instrumenten machen ihre Sache gut – wobei sie vor allem immer wieder mit allerlei abwechlungsreichen Spielereien aufwarten, die die einzelnen Nummern in einer recht ansprechenden Art und Weise aufpeppen. Und das trotz oder gerade wegen ihrer teils gefühlten Längen.

Ob das Ganze aber wirklich mit dem recht ähnlich gehaltenen Schaffen von Bands wie CAIN’S OFFERING oder den neueren ALMAH mithalten kann, sei einmal dahingestellt. Inbesondere in Anbetracht dessen, dass SECRET SPHERE den Bogen hie und da dezent zu überspannen drohen – wie etwa im deutlich zu harmlosen KINDNESS oder dem stark auf die Tränendrüse drückenden Rausschmeißer THE NEW BEGINNING als Paradebeispiel. Rein technisch, und speziell in Bezug auf den Leadgesang von Micheli Luppi ist der Band aber auch hier nichts vorzuwerfen. Schlussendlich handelt es sich mit THE NATURE OF TIME also am ehesten um ein Album, welches zwei GEsichter hat. Zum einen ist es kaum noch mit dem früheren Schaffen der Band vereinbar und schneidet gerade in den ersten Momenten entsprechend gewöhnungsbedürftig ab – zum anderen aber überzeugt es als grundsätzlich angenehmes Melodic Metal-Album mit einem teils überzeugend3en emotionalen Tiefgang. Doch wie man es auch dreht und wendet, es wäre wohl in jedem Fall besser die Vergangenheit der Band beim Genuss eines Albums wie THE NATURE OF TIME komplett auszublenden – und SECRET SPHERE als das zu sehen, was sie sind. Eine Band, die sich mitten in ihrer zweiten Blütephase befindet – und die sich nicht schämt, Gefühle zu zeigen.

Absolute Anspieltipps: COURAGE, RELIANCE, COMMITMENT, THE AWAKENING


„Stellenweise sehr weich – und doch mit einigen starken und im Sinne der ab 2012 eingeschlagenen Marschrichtung von SECRET SPHERE überzeugenden Highlights versehen.“

Metal-CD-Review: ELVENKING – Secrets Of The Magick Grimoire (2017)

Alben-Titel: Secrets Of The Magick Grimoire
Künstler / Band: Elvenking (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. November 2017
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal w/ Folk
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Aydan – Guitars
Damna – Vocals
Rafahel – Guitars
Lethien – Violin
Jakob – Bass
Lancs – Drums

Track-Liste:

1. Invoking the Woodland Spirit (06:02)
2. Draugen’s Maelstrom (04:24)
3. The One We Shall Follow (04:25)
4. The Horned Ghost and the Sorcerer (04:36)
5. A Grain of Truth (05:16)
6. The Wolves Will Be Howling Your Name (05:55)
7. 3 Ways to Magick (04:35)
8. Straight Inside Your Winter (04:43)
9. The Voynich Manuscript (06:19)
10. Summon the Dawn Light (04:57)
11. At the Court of the Wild Hunt (07:40)
12. A Cloak of Dusk (02:24)

Einfach typisch italienisch… oder ?

Da sich das Power Metal-Jahr 2017 langsam aber sicher dem Ende neigt, ist es an der Zeit noch das ein oder andere bestenfalls hochkarätige Genre-Release nachzuholen – wie im aktuellen Fall etwa das bereits Mitte November erschienene SECRETS OF THE MAGICK GRIMOIRE. Hierbei handelt es sich um das mittlerweile neunte offizielle Studioalbum der langjährig im Genre aktiven Italiener von ELVENKING – die bekanntermaßen schon früh darauf setzten, ihre ganz eigene Symbiose aus Elementen des Folk- und Power Metal zu finden. Und das mit mal mehr, mal weniger großem Erfolg; sowie auch einer gewissen Form der Streitbarkeit. Die begleitete vor allem die früheren Releases der Band – was auch dazu führte, dass das Schaffen von ELVENKING ein stückweit deutlicher polarisiert als das anderer italienischer Genre-Combos.

Der aktuelle Silberling SECRETS OF THE MAGICK GRIMOIRE indes hat diesbezüglich eher weniger auf dem Kasten, oder anders gesagt: in Bezug auf eine potentielle Spaltung der Gemüter gibt es dieses mal kaum etwas zu befürchten. Und das schlicht, da es die Italiener vergleichsweise ruhig angehen lassen, weitestgehend auf Nummer sicher gehen – und dabei ein ebenso unkompliziertes wie verhältnismäßig solides Album abliefern. Aber eben auch ein recht spannungsarmes, dass nach dem furiosen und gro´ßzügig von symphonischen Elementen durchzogenen Opener INVOKING THE WOODLAND SPIRIT (der auch als Videosingle veröffentlicht wurde, das Album aber nicht wirklich repräsentiert) auch die ein oder andere Durststrecke offenbart.

Sicher, was die Italiener in Nummern wie DRAUGEN’S MAELSTROM, THE ONE WE SHALL FOLLOW oder THE HORNED GHOST AND THE SORCERER abliefern ist grundsätzlich nicht von schlechten Eltern – doch die Chance, dass einen selbiges Material vom Hocker reißen wird ist vergleichsweise gering. Zwar stehen ELVENKING auch auf ihrem aktuellen Album für ein ebenso überzeugendes wie effektives Handwerk, dass auch die Einbeziehung der für die Band typischen Folk-Elemente stimmig wirken lässt – doch insgesamt betrachtet scheint es einem Großteil der Nummern an der nötigen Durchsetzungskraft zu fehlen. Zumindest wenn man ein Album erwartet, dass es wirklich schaffen kann den Hörer nachhaltig in seinen Bann zu ziehen.

Den insgesamt 12 auf der regulären Edition enthaltenen Titeln (von denen lediglich der Rausschmießer A CLOAK OF DUSK aus dem Rahmen der für die Band typischen Spielzeiten von jeweils 4-8 Minuten fällt) haftet so nicht selten eine gewisse Form der Gleichförmigkeit und vielleicht auch Oberflächkeit an, die wenn überhaupt nur von den hie und da eingeworfenen Growls durchbrochen werden kann. Vor allem die somit nur vermeintlich wuchtigen Refrains leiden zusätzlich unter diesem Eindruck (wie etwa in THE ONE WE SHALL FOLLOW), wobei auch die nicht gerade knackige Produktion ein Wörtchen mitzureden hat. Und über den nicht wirklich energetischen, aber auch nicht wirklich sanften Leadgesang des hiesigen Frontmanns Davide Moras kann und wird man sich auch noch in Jahren streiten.

Sei es drum – Fans der Combo werden auch dieses Album nicht missen möchten. Die anderen dagegen sollten vielleicht einen früheren Einstiegspunkt in die hiesige Diskografie wählen, oder zwecks einer weitaus zünftigeren Auslegung der Symbiose aus Folk- und Power Metal mal bei den Jungs von FALCONER vorbeischauen. Denn auch wenn ELVENKING damals nicht zwingend besser waren als heute, so scheint eines gewiss: spannender klangen sie allemal.

Absolute Anspieltipps: INVOKING THE WOODLAND SPIRIT, AT THE COURT OF THE WILD HUNT


„Weit davon entfernt, um als Hauptprogramm zu fungieren – als bessere Hintergrundberieselung klappt’s aber.“

Metal-CD-Review: WINGS OF DESTINY – Butterfly Effect (2017)

Alben-Titel: Butterfly Effect
Künstler / Band: Wings Of Destiny (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 08. Dezember 2017
Land: Costa Rica
Stil / Genre: Power Metal
Label: Melodic Revolution Records

Alben-Lineup:

Edgardo Monge – Bass
Cristian Jiménez – Guitars
Allan – Guitars
Alejandro Amador – Keyboards
Anton Darusso – Vocals

Track-Liste:

1. Prelude: Garden of Eden 01:37
2. Say Goodbye to Heaven 04:36
3. Circle of Fire 03:45
4. Life Frequency 00:39
5. Butterfly Effect 04:12
6. From Shadows to the Light 06:31
7. Exodus 01:30
8. Brave New World 03:47
9. Outro: Time (Acoustic version) 04:12

Unverhofft kommt oft.

Nein, es ist keine Schande wenn man bis dato noch nichts von der aus Costa Rica stammenden Power Metal-Formation WINGS OF DESTINY gehört hat – schließlich kann man nicht gleich auf jede irgendwo auf der Welt gegründete Genre-Combo aufmerksam werden. Verpasst haben könnte man aber dennoch etwas – immerhin existiert die Band schon seit 2013, und das 2014 veröffentlichte Debütalbum TIME stellte sich als ebenso überraschend wie rundum zufriedenstellend heraus (siehe Review). Wohlgemerkt geschah das noch unter dem ursprünglichen Bandnamen DESTINY. Erst 2015 erfolgte die Umbenennung in WINGS OF DESTINY – wobei sich die Band analog zum nunmehr kaum noch zu verwechselnden Namen auch einen Vertrag bei Power Prog Records sichern konnte. Unter eben jenem Label erfolgte dann auch das offizielle Re-Release von TIME, sowie die Veröffentlichung des unter Umständen noch ein stückweit interessanteren Zweitwerks KINGS OF TERROR (Review) – das die Band von einer überraschend gut in Szene gesetzten progressiven Seite zeigte, wobei der Grundton insgesamt deutlich düsterer ausfiel als noch auf dem recht HELLOWEENesken Debütalbum. Im Endergebnis hat sich die Band damit einen der begehrten Posten innerhalb der Liste der besten Power Metal-Alben des Blogs gesichert – und steht seitdem unter besonderer Beobachtung.

Das bedeutet indes nicht, dass jedes der möglicherweise noch kommenden Alben automatisch in ebenso hohen Tönen gelobt werden wird wie die Vorgänger. Erst Recht nicht, wenn sich wie im Falle der WINGS OF DESTINY schon mit der im August veröffentlichten Single BRAVE NEW WORLD einige doch recht markante Veränderungen andeuteten – die sich nun auch auf BUTTERFLY EFFECT niederschlagen, dem dritten und zugegebenermaßen etwas merkwürdigen Studioalbum der Band. Merkwürdig ist es vor allem deshalb, da es mit 9 Titeln und einer Spielzeit von gut 30 Minuten an sich schon recht karg bestückt ist – die Band aber dennoch nicht davor zurückschreckte, gleich zwei Interludes einzubauen. Zwei Interludes, die man sich unbedingt hätte schenken sollen oder müssen – schließlich ergeben LIFE FREQUENCY als beliebiger Radiomitschnitt und EXODUS als leicht aus dem Kontext gerissener Filmsoundtrack inklusive THE SIXTH SENSE-Zitat hier nicht wirklich Sinn. Vor allem aber klingen sie nicht gut – was leider auch für das austauschbare, mehr als nur dezent an DRAGONLAND erinnernde Intro GARDEN OF EDEN gilt. Nimmt man nun noch die Akustik-Version von TIME hinzu – die recht nett ausfällt, aber eigentlich nichts im regulären Kontext eines derart knappen Albums zu suchen hat – so bleiben einem nur noch ganze 5 wirklich neue, vollwertige Nummern.

Sicher, selbst in Anbetracht dieser Voraussetzungen hätten die WINGS OF DESTINY vielleicht noch punkten können – hätten sie wirklich jeden der verbleibenden Momente so intensiv genutzt wie auf KINGS OF TERROR. Dass dem aber keineswegs so ist, hat man unter Umständen schon der vorab-Single BRAVE NEW WORLD entnehmen können – die nicht nur extrem plump und ernüchternd klingt, sondern auch eines der hauptsächlichen Probleme an BUTTERFLY EFFECT und den neuen WINGS OF DESTINY beschreibt. Kurzum: die Costa-Ricaner klingen hier schlicht wie eine ganz andere Band. Eine Band, die nur noch ansatzweise unter dem Oberbegriff des Power Metal geführt werden kann, und rein gar nichts mit der Größe der einstigen WINGS OF DESTINY am Hut zu haben scheint. Die dieses Mal recht übertriebenen, unnötig aggressiven und insgesamt einfach unstimmig wirkenden Ambitionen des Leadsängers Anton Darusso gehen jedenfalls auf keine Kuhaut – schon der Opener SAY GOODBYE TO HEAVEN oder eben die Single BRAVE NEW WORLD machen diesbezüglich vieles zunichte. Aber auch der extrem Keyboard-überladene Titeltrack BUTTERFLY EFFECT macht alles andere als eine gute Figur.

Einzig dass doch noch die alten WINGS OF DESTINY durchschimmern lassende, für das Genre typische CIRCLE OF FIRE sowie teilweise auch FROM SHADOWS TO THE LIGHT lassen vermuten, dass hier eine Band am Werk ist die ihr Handwerk grundsätzlich versteht – sich aber aus irgendeinem Grund einer schier katastrophalen stilistischen Verirrung hingegeben hat. Auch wenn sich jeder ein eigenes Bild der Entwicklung von WINGS OF DESTINY machen sollte, scheint eines damit festzustehen: mit BUTTERFLY EFFECT hat sich die Band keinen großen Gefallen getan.

Absolute Anspieltipps: CIRCLE OF FIRE


„Nach dem überzeugenden Vorgänger eine herbe Enttäuschung – gelinde gesagt.“

Metal-CD-Review: EXOS – Time For A Change (2017)

Alben-Titel: Time For A Change
Künstler / Band: Exos (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 17. November 2017
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Uniting Sound Media

Alben-Lineup:

Jens Faber – Guitars, Bass, Keyboards
Fabio Lione – Vocals
Jonas Heidgert – Vocals
Piet Sielck – Vocals
Tommy Johansson – Vocals
Dario Velasco – Vocals
Siegfried Samer – Vocals
Johnny la Bomba – Vocals
Gus Monsanto – Vocals
Daniele „The Dan“ Gelsomino – Vocals
Marc M. Lemler – Vocals
Philipp Bock – Drums

Track-Liste:

1. Fanatics (03:57)
2. Time for a Change (03:17)
3. Hell Where You Least Expect It (03:18)
4. Be the One You’ve Never Been (03:16)
5. Fly Away (04:41)
6. All the Evil Must Die (04:26)
7. One Way Street (04:32)
8. As Heaven Died (03:30)
9. Still Alive (03:58)
10. Read My Words (03:17)
11. Final Way Home (03:44)
12. For Once in My Life (04:32)
13. Into the Mirror (03:59)
14. Helping Hand (03:21)
15. Time (04:42)

Alles, nur kein Stillstand.

Betrachtet man die Power Metal-Szene der letzten Jahre, so scheint eines festzustehen: groß angelegte, vergleichsweise aufwändige und nicht selten mit einem enormen Staraufgebot versehene Metal-Projekte haben wieder Konjunktur. Sicher auch, da die gegebenenfalls internationale Vernetzung besser funktioniert und wesentlich einfacher zu handhaben ist als damals – und viele dem Genre langjährig zugetane Musiker nichts gegen die ein oder andere besondere Herausforderung einzuwenden haben. Wie so oft lautet die Frage dabei nur, wer genau zu einer entsprechenden musikalischen Versammlung einlädt – und ob derjenige wirklich über ausreichend Ideen sowie ein bestenfalls ausgeprägtes Maß an Fingerspitzengefühl verfügt, um die Leistung aller Beteiligten zu würdigen und unter einen Hut zu bekommen. Schließlich ist längst nicht jeder, der viele Kontakte hat und seine Gäste zu einer bestenfalls einmaligen Power Metal-Tafelrunde einlädt; automatisch ein zweiter Tobias Sammett. Immerhin war es seinerzeit eben jener EDGUY-Frontmann, der mit seinem zunächst kleinen Nebenprojekt AVANTASIA eine ebenso überraschende wie schlicht wunderbar funktionierende METAL-OPERA (siehe Review zu Part I) auf die Beine gestellt hatte. Eine, die für viele Genre-Enthusiasten auch heute noch ein absolutes Pflichtprogramm darstellt – und die oft in einem Atemzug mit vielen der heute veröffentlichten Allstar-Alben genannt wird.

Ein solches ist auch das vorliegende TIME FOR A CHANGE von EXOS – auch wenn es auf den ersten Blick absolut nicht danach aussieht. Eigentlich, und um sowohl auf den Ersteindruck des Bandnamens und des atemberaubend schlichten Cover-Artworks einzugehen; sieht es sogar nach gar nichts aus – wobei es reichlich fatal wäre, nicht doch noch einen intensiveren Blick zu wagen. Denn wie sich herausstellt, steckt hinter EXOS niemand geringerer als Jens Faber – der bekanntlich einer der Hauptakteure von DAWN OF DESTINY ist. Und damit auch einer Band, die trotz ihrer teils bemerkenswerten Alben noch immer weniger Aufmerksamkeit bekommt, als sie es verdient hätte. Nun also wagt sich der Gitarrist, Bassist, Keyboarder und Songwriter an TIME FOR A CHANGE – beziehungsweise veröffentlicht es, nachdem er bereits ab 2015 dafür warb möglichst viele Gaststars für sein Projekt zu gewinnen. Wie sich heute und in der Vollendung zeugt, mit Erfolg: neben allseits bekannten Genre-Größen wie Fabio Lione (Ex-RHAPSODY OF FIRE), Jonas Heidgert (DRAGONLAND), Gus Monsanto (HUMAN FORTRESS) Piet Sielck (IRON SAVIOR) oder Thommy Johansson (REINXEED) finden sich weitere hoffnungsvolle Talente, die man noch nicht allzu oft gehört hat – aber allemal begrüßen wird. Wie etwa Siegfried Samer von DRAGONY oder Johnny La Bomba von GLORYFUL, um nur zwei zu nennen.

Dabei schafft es Jens Faber nicht nur, die entsprechenden Gesangskünstler um sich zu scharen – er schafft es auch, sein Album TIME FOR A CHANGE zu einem vergleichsweise besonderen zu machen. Und das, obwohl es sich hier ganz grundsätzlich um über die Jahre gesammeltes Material handelt, das in der vorgestellten Konstellation auch eine Fehlzündung hätte nach ziehen können. Dem ist allerdings nicht so, erst Recht nicht zum Auftakt des Albums – das mit dem gesangsstark-stampfenden Opener FANATICS sowie dem von Jonas Heidgert getragenen TIME FOR A CHANGE als waschechter Power Metal-Hymne sogleich aus dem Vollen schöpft. Doch auch was dann folgt, ist nicht von schlechten Eltern. Vornehmlich, da Jens Faber nicht verbergen kann was er die letzten Jahre gemacht hat – und Nummern wie HELL WHERE YOU LEAST EXPECT IT, BE THE ONE YOU’VE NEVER BEEN oder READ MY WORDS einfach verdammt offensichtlich nach DAWN OF DESTINY schreien. Und das kann sich in Anbetracht der Vorlage einfach nicht negativ auswirken, eher im Gegenteil. Sicher, die Klasse seiner Hauptband erreicht er dabei nicht ganz – doch dafür gibt es einen Haufen Abwechslung und die ein oder andere Überraschung. Und das zumeist im positiven Sinn – sodass selbst der im allgemeinen als eher gewöhnungsbedürftig geltende Thommy Johansson für einige verdächtig starke Momente (FLY AWAY, AS HEAVEN DIED) sorgt.

Tatsächlich, und das war so sicherlich nicht zu erwarten; fällt es vergleichsweise schwer TIME FOR A CHANGE überhaupt irgendetwas anzukreiden. Handwerklich ist das Album in vielerlei Hinsicht erhaben – selbst die Abmischung und Produktion fällt in Anbetracht dessen, dass die meisten Musiker wohl nicht persönlich bei Jens Faber im Studio waren; hervorragend aus. Und überhaupt: grundsätzlich schneiden alle Gaststars verdammt gut ab, mit Ausnahme eines dieses Mal etwas merkwürdig tönenden Fabio Lione – der den Rausschmeißer des Albums damit zu einer eher vernachlässigbaren Angelegenheit macht, leider. Und dass eine Nummer wie STILL ALIVE dann doch recht frappierend an das jüngste Schaffen von AVANTASIA erinnert, ist alemal zu verzeihen. Schlussendlich: was Jens Faber hier an den Instrumenten, in Bezug auf das Songwriting und die Auswahl seiner Gaststars auf die Beine gestellt hat; verdient allemal Anerkennung.

Absolute Anspieltipps: TIME FOR A CHANGE, HELL WHERE YOU LEAST EXPECT IT, ONE WAY STREET, AS HEAVEN DIED, FOR ONCE IN MY LIFE


„Ob als stark besetztes Konzeptalbum oder als Allstar-Compilation mit einer ordentlichen Priese DAWN OF DESTINY – TIME FOR A CHANGE kommt ebenso überraschend daher, wie es gut ist.“

Finale: Die Besten (Und Die Schlechtesten) Power Metal-Alben Des Jahres 2017 Sind…

Zuallererst, und zur Abschwächung der typischerweise entsprechend reißerischen Überschrift – vielleicht ist noch etwas früh, eine wie auch immer geartete Genre-Bestenliste des Jahres 2017 zu erstellen. Zum einen natürlich, da das Jahr noch nicht ganz vorbei ist und noch einige Releases folgen – zum anderen aber, und das wiegt wohl noch etwas schwerer; da den Autor des Blogs längst nicht alle potentiell hochkarätigen Power Metal-Veröffentlichungen des Jahres erreichten. Dies kann und soll gegebenenfalls noch nachgeholt werden – wobei etwaige Vorschläge natürlich jederzeit willkommen sind. Vielleicht hat ja jemand schon alle der in diesem Jahr etwa 400 erschienen Genre-Releases gehört – und kennt noch den ein oder anderen Kandidaten, der unbedingt gehört werden muss ?

Aktuell, und um auf die Überschrift zurückzukommen; sieht der Stand der Dinge jedenfalls 9 ebenso markante wie starke Kandidaten vor, die es in die nähere Auswahl der vermutlich besten Alben des Jahres geschafft haben. Im Detail sehen diese wie folgt aus (die Anordnung erfolgt alphabetisch, alles andere ist Zufall):

Eines steht mit Sicherheit fest: mit diesen 10 Genre-Werken aus dem Jahr 2017 kann man nicht viel falsch machen. Auch wenn (noch) nicht wirklich entscheiden werden kann, welches der aufgeführten Alben sich tatsächlich die Krone holt. Schwer ist die Entscheidung vor allem deshalb, da es kein Album geschafft hat mehr als 9.0 von 10 Punkten einzufahren – und sich alle auf einem recht ähnlichen qualitativen Niveau einpendeln. Schauen wir ob sich noch etwas ändern wird, oder gar ein bisher übersehener Kandidat um die Ecke kommt…

Sicher wollen manche auch erfahren, wie es in Bezug auf die eher entgegengesetzte Richtung bestellt ist. Tatsächlich hat das Pendel dieses Jahr doch etwas öfter in die entsprechende Richtung ausgeschlagen – wobei durchaus auch die ein oder andere Überraschung dabei ist. Doch natürlich sollen auch diese Releases eine gewisse Form der Aufmerksamkeit bekommen – schließlich kann und sollte man immer auf Besserung hoffen. Kurzum: die folgenden Alben habe alle eine Wertung von lediglich 4.0 Punkten oder weniger bekommen:

Na dann – auf ein neues…

Metal-CD-Review: BEAST IN BLACK – Berserker (2017)

Alben-Titel: Berserker
Künstler / Band: Beast In Black (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. November 2017
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Máté Molnár – Bass
Sami Hänninen – Drums
Kasperi Heikkinen – Guitars
Anton Kabanen – Guitars
Yannis Papadopoulos – Vocals

Track-Liste:

1. Beast in Black (04:29)
2. Blind and Frozen (05:04)
3. Blood of a Lion (05:03)
4. Born Again (03:51)
5. Zodd the Immortal (03:34)
6. The Fifth Angel (03:30)
7. Crazy, Mad, Insane (03:30)
8. Hell for All Eternity (04:48)
9. Eternal Fire (03:34)
10. Go to Hell (03:01)
11. End of the World (05:10)
12. Ghost in the Rain (05:35)

Wer wird denn gleich zum Bersker werden… ?

Eine handvoll Alben, die man als markante Schlachtrufe aus dem Genre des Power Metal bezeichnen kann; kennt vermutlich jeder. Schlachtrufe, die ihre Wirkung zumeist aus einer weitestgehend ungekünstelten Gesamtwirkung generieren – und dabei bestenfalls mit dem ein oder anderen Alleinstellungsmerkmal aufwarten. Auch die Finnen von BEAST IN BLACK wagen sich auf ihrem Debütwerk BERSERKER nun an eine eben solche oder zumindest daran erinnernde Kombination – denn im Gegensatz zu den meisten anderen Genre-Vertretern scheuen sie sich offenbar nicht davor, auch mal das ein oder andere moderne Element in ihren Kompositionen zu verbauen. Kompositionen, denen man von der handwerklichen Warte heraus vieles unterstellen könnte – nur nicht, dass sie von unerfahrenen Musikern eingespielt wären oder wie ein zielloses Exerpeiment klingen. BERSERKER bewegt sich damit irgendwo zwischen neuerlichen Genre-Tributprojekten wie etwa den höchst solide agierenden BROTHERS OF METAL, klassisch-gradlinigen Haudrauf-Combos wie VHÄLDEMAR oder auch den gerne mal etwas deutlcher vom Keyboard getragenen Ambitionen von Landeskollegen wie DREAMTALE – und wirft dabei mit einer entsprechend breit gefächerten Palette höchst verschiedener Eindrücke um sich.

Eine gewisse Eingewöhnungszeit sollte man also definitiv einplanen – und auch die Möglichkeit, dass man in Anbetracht einiger merkwürdig sanft bis ganz und gar radiotauglich klingender Passagen (wie etwa in BORN AGAIN) oder ganzer nicht wirklich zum Oberbegriff des Power Metal passender Nummern (wie etwa dem fast schon discotauglich stampfenden CRAZY MAD INSANE mit seiner stark elektronischen Komponente) mal mehr oder weniger kurz den Kopf schütteln wird. Wobei, und das wäre genrell gtesprochen ein relativ vernichtendes i-Tüpfelchen; auch sonst alles nach einem relativ eindeutigen too much zu schreien scheint. Vor allem natürlich in Bezug auf das stets reichlich Platz einnehmenden Keyboard und den überschwänlichen elektronischen Bombast.

Umso größer ist die Überraschung dass es den Finnen dennoch gelungen ist, mit BERSERKER ein ebenso erfrischendes wie schlicht verdammt durchschlagkräftiges Power Metal-Album auf die Beine zu stellen. Vornehmlich, da sich die wohl eindrucksvollste Stärke der noch jungen Band einen angenehm unaufhaltsamen Weg in die Hirnwindungen des Hörers bahnt – die Gesangsdarbietung des hiesigen Leadsängers Yannis Papadopoulos. Einen derart energetisch und kraftvoll agierenden, dabei aber immer auch eine gewisse Akrobatik an den Tag legenden Leadsänger hat man schließlich schon lange nicht mehr gehört. Ausser eventuell; und deshalb auch der weiter oben anberaumte Vergleich, bei den Kollegen von VHÄLDEMAR – mit dem Unterschied, dass Yannis Papadopoulos eine noch größere Variabilität besitzt. So glänzt er nicht nur in den markant nach vorn preschenden Momenten wie etwa im Opener BEAST IN BLACK – auch in Bezug auf seine eher sanfte Seite (wie zum Auftakt von BLOOD OF A LION oder BORN AGAIN) macht er eien verdächtig gute Figur. Dass er dann auch noch relativ problemlos als Frontmann einer beliebigen Trash Metal-Combo durchgehen könnte (ZODD THE IMMORTAL) und dabei immer wieder mit einigen eine wohlige Gänsehaut erzeugenden Screams um die cke kommt, rundet das Ganze ab.

Fest steht: bei einem derart wandelbaren Frontmann ist es BEAST IN BLACK allemal zu verzeihen, dass sie auf ihrem Debütalbum auch mal den ein oder anderen Ausflug in so nicht ubnedingt erwartete Gefilde wagen – oder das Keyboard hie und da dezent überstrapazieren (ETERNAL FIRE). Schließlich sorgt allein seine markante Leistung dafür, dass den einstweilen etwas weicheren Anwandlungen in den Kompositionen ein zünftiger (und so gesehen ausgleichender) Gegenpart verpasst wird. Wie etwa in BLIND AND FROZEN – einer Nummer mit leichtem Pop-einschlag, die so oder so ähnlich auch von AVANTASIA hätte stammen können.

Ein kleineres Problem offenbart sich dann aber doch – und das bezieht sich auf die Darbietung der anderen beteiligten Musiker. Oder eher die Gewichtung der Beteiligung, analog zur generellen Abmischungqualität. Denn: nicht immer bekommt man einen guten Eindruck davon, was BEAST IN BLACK alles in Bezug auf das Instrumentenspiel in Petto haben. Abgesehen vom Einsatz des Keyboards versteht sich, und mit Ausnahme der gut akzentuierten Soli-Momente. Betrachtet man das hochkarätige Lineup der Band (unter anderem mit zwei bei den Ungarn von WISDOM aktiven Musikern), so sollte man jedenfalls meinen dass hier noch mehr drin gewesen wäre. Hie und da war es dann eben doch etwas zuviel des Guten, respektive des Bombasts – sodass gerade der Bass, und eisntweilen auch die Gitarren und das SChlagzeug in der fulminanten Klangkulisse unterzugehen drohen. Oder zumindest eine etwas generisch wirkende Nebenrolle spielen – was speziell für die sich nicht gerade zurückhaltenden Refrains gilt.

Sei es drum – so viel Spaß hat schon lange kein Power Metal-Album gemacht. Erst Recht keines aus dem Jahre 2017 – sodass sich BEAST IN BLACK durchaus Hoffnung auf die diesjährige Genre-Krone machen dürfen. Allen verantwortlichen, aber hauptsächlich Yannis Papadopoulos sei Dank. Chapeau !

Absolute Anspieltipps: BEAST IN BLACK, BORN AGAIN, THE FIFTH ANGEL, ETERNAL FIRE, GO TO HELL


„Einerseits, und speziell zu Beginn dezent gewöhnungsbedürftig – andererseits, und vor allem in gesanglicher Hinsicht klar das eindrucksvollste Power Metal-Album des Jahres 2017.“