Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Beyond The Red Mirror (2015)

Alben-Titel: Beyond The Red Mirror
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Januar 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. The Ninth Wave (09:28)
2. Twilight of the Gods (04:50)
3. Prophecies (05:26)
4. At the Edge of Time (06:54)
5. Ashes of Eternity (05:39)
6. The Holy Grail (05:59)
7. The Throne (07:54)
8. Sacred Mind (06:22)
9. Miracle Machine (03:03)
10. Grand Parade (09:28)

Vom Wunderland hinter dem Spiegel.

Gute 5 Jahre nach ihrem neunten Studioalbum AT THE EDGE OF TIME (siehe Review) erschien 2015 das bis heute letztaktuelle BLIND GUARDIAN-Album BEYOND THE RED MIRROR. Und damit auch ein Album, welches die Tradition der Band in vielerlei Hinsicht fortsetzte – und das nicht nur in Bezug auf das fantastische Artwork oder die Anzahl von exakt 10 vollwertigen Alben-Titeln. Mindestens einen Unterschied zum Vorgänger gibt es dann aber doch, und der spielt (wie nicht selten in der hiesigen Diskografie) auf das durchaus ehrenwerte Bestreben der Band an, sich mit ihrem jeweils neuesten Album nicht bloß wiederholen zu wollen. Ehrenwert ist das vor allem deshalb, da man so erst die Chance erhält näher zwischen den Alben der Genre-Pioniere differenzieren zu können – die sich seit dem früh vollzogenen Wandel der Band von einer Speed Metal-Combo in eine auf eine gewisse Epik ausgerichtete Power Metal-Formation allesamt in einem stilistisch gut zueinander passenden Fahrwasser bewegen. Dennoch, und wie sich zeigt birgt diese Form des minimalen, sich aber doch hörbar auswirkenden Neu-Erfindens auch eine gewisse Gefahr. Im größeren Kontext und in Bezug auf die gesamte Diskografie der Band bedeutet dies, dass BLIND GUARDIAN eine der; man nenne es qualitativ abwechslungsreichsten Diskografien überhaupt vorweisen können – und im kleinen Kontext, das heißt in Bezug auf das vorliegende BEYOND THE RED MIRROR; dass sich die Band abermals einen Schritt in eine so nicht unbedingt wünschenswerte Richtung erlaubt hat.

Sicher handelt es sich hierbei um eine etwas zugespitzte Formulierung, aber dennoch: gerade im Vergleich mit dem direkten Vorgänger AT THE EDGE OF TIME macht BEYOND THE RED MIRROR eine wesentlich schlechtere Figur als erwartet. Zwar legen es BLIND GUARDIAN hörbar darauf an, gerade das zu vermeiden – beispielsweise in Form ihrer dieses Mal doch recht üppig inszenierten symphonischen Facette inklusive eines echten Orchesters und Chors. Doch trotz der somit eigentlich zu erwartenden klanglichen Reichhaltigkeit ist das Album kurioserweise alles andere als spannend oder nennenswert facettenreich ausgefallen; oder mehr noch: über weite Strecken klingt es einfach nur ärgerlich langatmig. Woran genau das liegen könnte, ist schwer zu sagen – Fakt ist nur, dass es nicht auf die Leistungen der einzelnen (und der Band schon seit unzähligen Jahren die Treue haltenden) Mitglieder oder aber die zahlreichen anderen am Album beteiligten und dabei ebenfalls ihr Handwerk verstehenden Musikern zurückgeführt werden kann. Wobei, ganz stimmt das nicht – denn letztendlich muss sich ja irgendjemand für das Songwriting und das Konzept als vermutlich einzigen und wahren Knackpunkt von BEYOND THE RED MIRROR verantwortlich zeichnen. Wer genau hier welche Entscheidung zu welchem Zeitpunkt herbeigeführt hat, spielt dabei allerdings keine allzu große Rolle – nur, dass sie sich eher schlecht als recht auf das Album auswirken.

Vielleicht wollten BLIND GUARDIAN aber auch einfach zu viel – worauf bereits der überlange, mit wuchtigen Chor-Passagen ausgestatteter Opener THE NINTH WAVE hinweist. Aber auch wenn insbesondere der Orchester-Auftakt einen für BLIND GUARDIAN eher ungewöhnlichen Eindruck hinterlässt, ist der gar nicht erst das eigentliche Problem. Dieses findet sich schließlich erst im weiteren Verlauf, und folglich auch mit der Entwicklung der Nummer – der dabei ganz offensichtlich einige Stolpersteine in den weg gelegt wurden. Anders sind die stellenweise auftretenden, in Anbetracht des bisherigen Werdegangs der Band überraschend langatmigen und unspektakulären Momente wohl kaum zu erklären – wobei es sich um eine Form der Gleichförmigkeit handelt, die sich unglücklicherweise auch durch den Rest des Albums zieht. Viel zu oft hat man das Gefühl, als würden sich BLIND GUARDIAN aus unbestimmten gründen zurückhalten – was sich hier insbesondere durch die sich stark ähnelnden Strukturen und Stimmungen, das Ausbleiben von nennenswert andersartigen und die Atmosphäre befeuernden Titeln (MIRACLE MACHINE ist eine Ausnahme, aber leider keine besonders gute), das Fehlen von klaren Highlights sowie die relative klanglichen Dissonanzen in Bezug auf die nicht ganz glückliche Abmischungs- und Produktionsarbeit beziehen.

Ein in diesem Fall ebenfalls nicht zu verachtender Kritikpunkt (mit dem die Band im übrigen schon des öfteren zu kämpfen hatte) bezieht sich auf die überlagerten Gesänge sowie die Inszenierung der Chöre, die auf BEYOND THE RED MIRROR einen alles andre als wuchtigen oder ausgewogenen Eindruck hinterlassen – und so dazu führen, dass sich die Nummern noch gleichförmiger anfühlen als ohnehin schon. Aber auch Leadsänger Hansi Kürsch hat schon einmal eine bessere Figur gemacht – was den insgesamt doch eher enttäuschenden Eindruck des Albums unterstreicht. Momentan mag es zwar ein schwacher Trost sein, aber: wenn man so will und der bisher eigentlich immer bei der Betrachtung von BLIND GUARDIAN aufgegangen Rechnung traut, sollte das nächste Album wieder ein Highlight werden…

Absolute Anspieltipps: AT THE EDGE OF TIME, THE HOLY GRAIL


„Das erste deutlicher enttäuschende BLIND GUARDIAN-Album als hoffentlich nur einmaliger Ausrutscher.“

Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – A Time Never Come 2015 Edition (2015)

Alben-Titel: A Time Never Come – 2015 Edition
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. April 2015
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Aldo Lonobile – Guitars
Michele Luppi – Vocals
Andrea Buratto – Bass
Marco Lazzarini – Drums
Gabriele Ciaccia – Keyboards
Marco Pastorino – Guitars

Track-Liste:

1. Gate of Wisdom (00:59)
2. Legend (06:15)
3. Under the Flag of Mary Read (07:22)
4. The Brave (07:13)
5. Emotions (02:35)
6. Oblivion (04:34)
7. Lady of Silence (05:27)
8. The Mystery of Love (06:55)
9. Paganini’s Nightmare (01:11)
10. Hamelin (04:42)
11. Ascension (01:07)
12. Dr. Faustus (08:26)
13. Lie to Me (live) (04:12)
14. Wish & Steadiness (live) (04:55)

Vorsicht vor dem einen großen Fehler.

Dass sich eine Band aus irgendeinem Grund für eine Neuaufnahme eines ihrer älteren Alben entscheidet, ist längst nichts neues mehr. Wie sehr man sich mit einem eben solchen Projekt verhaspeln kann, überrascht dagegen immer wieder – zumal, und das ist das eigentlich fatale; es erst gar keinen offensichtlichen Grund für eine entsprechende Neufassung gab. Vor exakt diesem Problem stehen nun auch die italienischen Power Metaller von SECRET SPHERE – die sich für ihre 2015’er Edition von A TIME NEVER COME die gleich betitelte Urfassung aus dem Jahre 2001 (siehe Review) zur Brust nahmen um sie analog zum kürzlichen Lineup-Wechsel (für den angestammten Leadsänger Roberto „Ramon“ Messina kam erst kürzlich der von VISION DIVINE bekannte Michele Luppi) für die Zukunft der Band aufzubereiten. So oder so ähnlich müssen SECRET SPHERE jedenfalls gedacht haben – wobei das gar nicht erst nicht ihr größter Fehler war. Der liegt vielmehr und schlicht darin begründet, dass A TIME NEVER COME das markanteste und vielleicht auch beste Album der Italiener war und bis heute ist – und niemand der bei klarem Verstand ist, auf eine unnötige Neuaufnahme des bereits erstklassigen Materials setzen würde. Auch oder gerade dann nicht, wenn man in der Zwischenzeit einen neuen Leadsänger akquiriert hat – der das Erbe seines Vorgängers eigentlich nur mit Füßen treten kann. Und das selbst, wenn er sein Handwerk versteht.

So kann die 2015’er Edition eigentlich nur im Hinblick auf jene Aspekte punkten, von denen man erwarten konnte dass sie auch genau so eintreten. Namentlich wären das eine Aufnahme-, Abmischungs- und Produktionsqualität die den aktuellen qualitativen Standards entspricht – und eine Herangehensweise, die selbst kleinere Fehler oder Unstimmigkeiten vollständig ausmerzt. Das Problem: trotz dessen, dass A TIME NEVER COME in den ersten Momenten wesentlich klarer und druckvoller durch die Boxen rauscht; geht die einst anberaumte Magie fast vollständig verloren. Anders gesagt: die unbeirrte Kraft und der vom Originalmaterial ausgehende Wille der Band etwas großes zu erreichen, geht auf der Neufassung verständlicherweise verloren – und wird gegen eine eigentlich eher unliebsame Form der Perfektion ausgetauscht. Einer im schlimmsten Fall als seelenlos zu bezeichnenden noch dazu – auch wenn sich in Bezug auf die eigentliche Qualität des Materials nicht allzu viel ändert. Die wahre Crux liegt hier schlicht in der Darbietungsform begründet, die die 2015’er Edition eines legendären Albums zu alles andere als einem Genuss macht – und das schon mit dem Vorgänger PORTRAIT OF A DYING HEART eher wackelig erscheinende musikalische Konstrukt der Band nicht nennenswert festigt. So kann oder sollte es jedenfalls nicht weitergehen mit einer Band, die einst Power Metal-Geschichte schrieb.

Absolute Anspieltipps: /


Schon in der Theorie problematisch – und in der Praxis umso ernüchternder.“

Metal-CD-Review: BANE OF WINTERSTORM – The War Of Shadows II (EP, 2015)

Alben-Titel: The War of Shadows II: Upon the Throne of Râvnöraak (EP)
Künstler / Band: Bane Of Winterstorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. November 2015
Land: Australien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Anthony J. Finch – Guitars, Vocals, Orchestrations
Tristan Petersön – Bass
Alberto di Biase – Drums, Percussion
Riccardo Mecchi – Vocals

Track-Liste:

1. Behold, a Pale Winter (02:30)
2. And the Kingdom Fell (05:38)
3. In the Shadow of the Devourer (06:34)
4. Ghosts of the Earth (03:52)
5. Dust upon the Throne (13:08)

Wenn’s mal wieder etwas düsterer werden soll.

Nein, und auch wenn es bei der Verlautbarung des Bandnamens nicht bei jedermann gleichermaßen klingen wird – BANE OF WINTERSTORM sind kein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Immerhin haben die bereits seit 2009 als WINTERSTORM aktiven Australier schon ein respektables Debütalbum veröffentlicht, mit dem sie sich in jedem Fall für so manche Merkliste der interessanteren Power Metal-Formationen aus dem symphonischen Bereich qualifiziert haben. Und das vornehmlich, da der hier gemeinte Erstschlag THE LAST SONS OF PERYLIN (siehe Review) als überraschend wuchtiges, vergleichsweise düsteres und gut durchdachtes Konzeptalbum daherkam – dass seine Spielzeit von guten 50 Minuten auf gerade einmal 5 Titel verteilte und von zahlreichen Gastauftritten anderer Genre-Pioniere (wie etwa Jonas Heidgert von DRAGONLAND) geschmückt wurde. Umso merkwürdiger erscheint es, dass die Band schon kurz nach dem so gesehen sensationellen Debüt abermals eine verdächtige Auszeit nahm. Eine, von der sich BANE OF WINTERSTORM offenbar bis heute nicht erholt haben – schließlich lassen die Australier momentan über keinen der ihnen zur Verfügung stehenden Kanäle etwas von sich hören.

Dass das mehr als nur schade ist, braucht man dabei nicht nur anhand des bereits erwähnten THE LAST SONS OF PERLYN erörtern – sondern eventuell auch im Hinblick auf die etwas später veröffentlichte EP mit dem schier unausschreiblichen Titel THE WAR OF SHADOWS II – DUST UPON THE THRONE OF RÂVNÖRAAK. Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang, dass die EP aus dem Jahre 2015 stammt – und damit ein Relikt einer Zeit ist, in der schon gewisse Unruhen innerhalb der Band geherrscht haben müssen. Und das merkt man das den 5 enthaltenen Titeln auch irgendwie an – zumindest im direkten Vergleich mit dem schlicht noch etwas runder wirkenden THE LAST SONS OF PERLYN. Wobei, und das ist die eigentliche Überraschung; selbst das nicht verhindern kann, dass die EP eine vergleichsweise markante Wirkungskraft entfalten und den Hörer im besten Fall nachhaltig fesseln kann. So düster, atmosphärisch und schlicht episch klang schließlich schon lange keine Symphonic Power Metal-Combo mehr. Mit Ausnahme von RHAPSODY OF FIRE eventuell, deren Status aber mittlerweile als dezent prekär einzustufen ist – oder die ANCIENT BARDS; die aufgrund des weiblichen Leadgesangs und dem Hang zu auch mal etwas balladeskeren Strömungen eine mindestens ebenso qualitative, aber eben auch etwas weichere Vergleichsmöglichkeit bieten.

BANE OF WINTERSTORM sind damit eine der wenigen Genre-Combos, die sich nicht davor scheuen einen vergleichsweise bombastisch angehauchten Symphonic Power Metal inklusive allerlei Filmsoundtrack-Bezüge (dann: aus dem Genre der düsteren Fantasy) sowie einer ordentlichen Priese Härte zu inszenieren – aber das eben stets ohne sich dabei dem Kitsch hinzugeben, oder auf irgendeine andere Art und Weise unglaubwürdig zu klingen. Im Zusammenspiel mit der vermittelten Tragweite der erzählten Geschichten, dem höchst soliden Handwerk und der schier perfekten Abmischungs- und Produktionsarbeit ergibt sich so ein recht überzeugendes Gesamtbild – dass lediglich von zwei Faktoren gestört wird, und auch in Zukunft noch gestört werden könnte. So sollten sich BANE OF WINTERSTORM früher oder später entgültig entscheiden, ob und wie sie mit ihrer Band weitermachen wollen – und dementsprechend auch mit einer klaren Besetzung und Mission auftreten. Ein allzu wildes hin- und her kann sich schließlich nur negativ auswirken. Zum anderen, und das ist momentan noch ein eher zu vernachlässigender Faktor; sollten die Australier darauf achten hie und da doch mal das ein oder andere für sie frische Element einzubauen – schlicht, da sich irgendwann eine gewisse Form der Eintönigkeit einschleichen könnte, die sich trotz des insgesamt positiv ausfallenden Eindrucks schon im Rahmen der knapp 31 Minuten der EP bemerkbar machen könnte.

Absolute Anspieltipps: AND THE KINGDOM FELL, IN THE SHADOW OF THE DEVOURER


„Ein hervorragend funktionierender, düsterer Symphonic Power Metal – und eine Band mit einer ungewissen Zukunft.“

TV-Kritik / Anime-Review: ONE PUNCH MAN

Originaltitel: ワンパンマン
Typ: Anime-TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 12 Folgen (je ca. 25 Minuten)
Land: Japan
Regie: Shingo Natsume
Studio: Madhouse
Genre: Action / Sci-Fi / Fantasy
Tags: Schlag | Kraft | Verantwortung | Helden | Außerirdische | Mutanten

Die Liste der 12 Episoden (deutsche Titel):

01 Der Stärkste
02 – Ein entrückter Cyborg
03 – Beharrlicher Wissenschaftler
04 – Ninja von heute
05 – Ultimativer Lehrer
06 – Furchterregendste Stadt
07 – Überlegender Schüler
08 – König der Tiefsee
09 – Unbeugsame Gerechtigkeit
10 – Nie da gewesene Krise
11 – Gebieter über das All
12 – Der stärkste Held

Vorsicht vor dem einen, wirklich ernsthaften Schlag.

Inhalt: Wenn man seinen eigenen Worten glaubt, dann führt der in der Z-Stadt lebende Kämpfer und Hobbyheld Saitama ein recht langweiliges Leben. Als Außenstehender jedoch kann man kaum anders, als nachhaltig beeindruckt zu sein – immerhin erledigt der durch sein hartes Training glatzköpfig gewordene Supermarkt-Schnäppchenfan jeden nur erdenklichen Gegner, und das mit nur einem Schlag. Eben das scheint ihm auch eine gewisse Routine beschert zu haben, sodass er selbst bei Angriffen der größten und furchteinflössendsten Kreaturen kaum eine Miene verzieht. Der junge Cyborg-Kämpfer Genos indes weiß um die unglaubliche Stärke des äußerlich unscheinbaren Naturtalents – und versucht trotz seiner ebenfalls nicht zu verachtenden Kampfkraft alles, um Saitamas neuer Schüler zu werden. Und auch wenn der sich zunächst merklich sträubt, entwickeln die beiden tatsächlich eine besondere Form des Zusammenhalts – die immer wieder gespickt ist von allerlei freundschaftlichen Rivalitäten und Wettkämpfen. So kommt es den beiden auch recht gelegen, dass sie als neue Mitglieder in der sogenannten Heldenvereinigung aufgenommen werden – in die nur die stärksten Helden kommen, und bald darauf nach speziellen Fähigkeits- und Beliebtheitsrankings aufgeteilt werden. Die alles entscheide Frage aber ist, ob Saitama und seine neuen Kollegen wirklich jeder Bedrohung entgegentreten können – im besten Fall ohne dabei doch noch draufzugehen…

Vorwort & Ersteindruck: ONE PUNCH MAN ist eine 2015 erstmals in Japan ausgestrahlte Anime-Serie, die ihren Ursprung in einer erfolgreichen Webcomic-Serie und einem darauf folgenden Manga hat. Dieses Jahr erschien die insgesamt 12 Episoden und einige Specials umfassende Serie endlich auch auf dem Heimkinomarkt in Deutschland – und das sogar mit einer zur Abwechslung mal wieder vortrefflich gelungenen Synchronisation. Der Chance, dass das in Japan längst enorm populäre Franchise auch hierzulande weiter an Bekanntheit gewinnen wird; steht somit kaum etwas im Weg. Und das sollte es auch nicht. Schließlich sind die Geschichten um den makaberen Anti-Helden Saitama nicht nur bei eingefleischten Manga- und Animefans beliebt, oder anders gesagt: wann wenn nicht jetzt besteht die Chance, seine sonst gegenüber Animes eher verhalten reagierenden Freunde mit einer unterhaltsamen und gut gemachten Serie wie ONE PUNCH MAN ganz im Sinne der fälschlicherweise gerne mal belächelten japanischen Kunstform zu bekehren ? Eines muss man dabei allerdings festhalten, und das geht eher gegen den typischerweise üblichen Anime-Kodex einer zumeist tiefgründigen und vielschichtigen inhaltlichen Komponente: ONE PUNCH MAN hat alles, nur keine ausgefeilte Story. Zumindest noch nicht, das heißt mit dem aktuellen Status Quo einer einzigen Staffel mit nur 12 recht knappen Episoden.

Story / Inhalt

In Bezug auf seine Story sowie etwaige potentielle Hintergrundgeschichten lässt es ONE PUNCH MAN zumeist extrem vereinfachend bis gekonnt umschiffend angehen. Abgesehen von den immer neuen und immer größeren Bedrohungen die es für Saitama und die anderen Helden zu bekämpfen gilt, machen eigentlich nur die Charaktere selbst gewisse Sprünge respektive Entwicklungen durch. Eine detaillierte oder weitestgehend nachvollziehbare Erläuterung möglichst aller Umstände innerhalb der hier gezeichneten Welt ist demnach zu keinem Zeitpunkt vorgesehen.

Allerdings, und das muss man dem Anime zugute halten; wirkt sich das im Falle von ONE PUNCH MAN kaum negativ aus. Dass man viele – oder eher alle – der kunterbunt-schrillen Besonderheiten schon ab der ersten Episode einfach so hinnehmen muss, gehört schlicht zum abgedrehten Gesamteindruck der Serie. ONE PUNCH MAN will keine großartige oder gar innovative Geschichte erzählen – sondern den Zuschauer stattdessen mit dem Auftreten immer neuer Helden und analog dazu auch immer verrückteren Kampf- und Actionszenen bei Laune halten. Und das ist etwas, was die Serie auch problemlos schafft – die 12 Episoden wirken kurz und knackig, und vergehen dabei wie im Flug.

Einen negativen Aspekt, der nicht immer ganz vom enormen Unterhaltungsfaktor der Serie überdeckt werden kann; gibt es dann aber doch. Begründet liegt er in der Tatsache, dass Saitama seinem Namen wahrlich alle Ehre macht – und jeden Gegner mit nur einem Schlag besiegt. Gut, im Endkampf waren es dann doch einige mehr – aber im Großen und Ganzen gerät das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der Serie auch leicht zu ihrem Nachteil. Sonderlich spannend sind die Kämpfe so schließlich nicht, es sei dann natürlich etwaige andere Helden springen ein und demonstrieren was sie können – oder aber die jeweiligen Gegner sind so von sich überzeugt, dass ihre quasi-Monologe fast schon mehr Spaß machen als die Kämpfe selbst. Fest steht aber: sollte es eine zweite Staffel geben, wären hier sicher noch einige weitere Variationen von Nöten – denn sonst könnte sich vielleicht doch noch eine gewisse Form der Eintönigkeit breit machen.

Charaktere

Sicher, in Bezug auf die Story und die grundsätzlich auch nicht unbedingt als innovativ zu bezeichnenden Inhalte kann ONE PUNCH MAN nicht wirklich punkten. Bei seiner ebenso starken wie abwechslungsreichen Charakter-Riege aber fährt die Serie dann doch noch alle Geschütze auf – und präsentiert dem Zuschauer ein ebenso kunterbuntes wie zutiefst unterhaltsames Ensemble. Vielleicht sogar eines der unterhaltsamsten, die es je in einer Anime-Serie gegeben hat – wobei sich ONE PUNCH MAN gar nicht mit sonst gerne bedienten Niedlichkeits-Klischees oder sexuellen Anspielungen aufhält, was man als zusätzlichen Pluspunkt betrachten könnte. Das einzige, was ansatzweise in diese Kategorie fallen könnte; wäre wohl der Auftritt des Puri Puri Prisoners – doch auch hier geht ONE PUNCH MAN derart überdreht und schlicht sympathisch vor, dass man sich erst gar keine weiterführenden Gedanken machen muss.

Ja, ONE PUNCH MAN macht einen Heidenspaß – was auch für das Porträt des Hauptcharakters Saitama gilt, dem sein Helden-Dasein eher langweilig vorkommt. Doch gerade dass er damit genau das verkörpert, was man von einem gestandenen Superhelden eher nicht erwarten würdesorgt für einen reichlich frischen Wind – und spendiert den oft unerbittlichen Kämpfen eine so noch nicht dagewesen komödiantische Facette. Analog zu einer auch sonst immer wieder anberaumten Alltags- und Situationskomik im Zusammenspiel mit anderen Charakteren, versteht sich – wobei dem Zuschauer kaum Zeit gelassen wird, sich zu erholen. Etwas zu entdecken gibt es schließlich immer – und das hohe Erzähltempo und die gerne mal direkt aneinandergereihten verrückten Ideen lassen schlicht keine Langeweile aufkommen.

Neben Saitama ist es so auch sein Sidekick Genos, der einige Sympathiepunkte einheimsen kann. Vornehmlich, da er das absolute Gegenteil von Saitama darstellt – und sein Handeln von einer eher ernst- und gewissenhaften Natur ist. Sicher, wirklich große Veränderungen machen beide nicht durch – doch ist es interessant zu sehen, wie genau sich ihr Zusammenspiel im Verlauf der Serie entwickelt.

Dann gibt es da noch die zahlreichen anderen Helden aus der Heldenvereinigung, die entsprechend kurios in Szene gesetzt werden (und teilweise sogar recht spannend, was dem anberaumten Rängesystem zu verdanken ist) und so für weitere Steigerungen des Unterhaltungswertes sorgen. Der Wunsch nach mehr Screentime des ein oder anderen besonders befähigten könnte dabei durchaus aufkommen – denn wirklich uninteressant erscheint hier niemand. Anders gesagt: wenn es nicht die Fähigkeiten der Helden sind die für Aufsehen sorgen, dann doch die jeweilige Persönlichkeit oder aber entsprechende Persönlichkeits-Macken.

Zuletzt spendiert ONE PUNCH MAN seinen Helden natürlich auch entsprechende Widersacher – wobei sich die Macher abermals ordentlich ausgelassen haben.  Entweder punkten die Monster mit besonders schrillen Designs und Animationen, oder aber mit besonders spektakulär in Szene gesetzten Auftritten. In denen wird beispielsweise nicht selten ein herrlich-überzogenes Weltübernahme-Gefasel an den Tag gelegt – was man so auch aus anderen Anime-Serien kennt. Der Zusammenhang in ONE PUNCH MAN indes ist ein ganz anderer, sodass man selbst die Monster (die sich hie und da nochmal zum Abschluss einer Episode melden) liebgewinnen und nach deren Vernichtung irgendwie auch vermissen wird.

Optische Aspekte

ONE PUNCH MAN bietet zwar keine optischen Innovationen – überzeugt dafür aber mit einem äußerst soliden Handwerk. Seien es die ganz und gar prächtige Farbenvielfalt, das geniale Charakter- und Monsterdesign, die ebenso flotten wie geschmeidigen Kampf- und Actionszenen oder die generelle optische Vielfalt – die Serie ist nicht weniger als Zucker für die Augen. Und das ohne, dass man eine übertriebene Hektik oder eine zu schnelle Bildfolge befürchten müsste. Lediglich eine gewisse Vorliebe für allerlei zeichnerische Übertreibungen sowie den ein oder anderen (absichtlich) simpel animierten Abschnitt sollte man schon mitbringen – schließlich hält der allgemeine Slapstick auch im Bereich des handwerklichen Einzug, glücklicherweise aber pointiert und relativ stilvoll.

Akustische Aspekte

Schon der mitreißende Opener von ONE PUNCH MAN macht klar: es darf gerne mal etwas ausgelassener und energetischer zugehen. Abgesehen vom Outro, welches im Gegensatz dazu einen krassen Gegenpol bildet; punktet die Serie so auch in den Kampfszenen mit allerlei antreibenden bis hymnischen Tönen. Letztendlich spielt der Soundtrack aber keine allzu große Rolle – zumal er in der allgemein abgedrehten Szenerie auch so manches Mal unterzugehen droht. Nicht zuletzt die Soundeffekte und das Engagement der Sprecher machen aus ONE PUNCH MAN aber auch ein akustischen Vergnügen.

Fazit: Hinsichtlich seines potentiellen Publikumserfolges stellt ONE PUNCH MAN eigentlich nur eine Frage: kann man als Zuschauer einmal mehr (im japanischen Anime-Bezug wohl eher: ausnahmsweise) auf einen ausgefeilten Storyschwerpunkt verzichten, und sich stattdessen nur an einer kunterbunt-verrückten Welt inklusive vieler schmackiger Actionszenen und zahlreicher schriller Charaktere erfreuen ? Wenngleich die Frage besser nicht generell mit einem lauthalsen ja beantwortet werden sollte – und das schon gar nicht in Richtung der westlichen Unterhaltungsindustrie, die Ambitionen wie diese nur allzu gut kennt – so kann, sollte oder muss man für ONE PUNCH MAN einfach mal eine Ausnahme machen. Anders gesagt: so durchtrieben und unterhaltsam, dabei aber stets handwerklich ansprechend und mit einem angenehmen Humor versehen war schon lange keine Anime-Serie mehr.

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„Eine Serie (fast) so stark wie ein Schlag von Saitama selbst. Ausnahmsweise gilt: eine zweite Staffel darf gerne folgen.“

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Metal-CD-Review: TALES OF GAIA – Breaking Dawn (EP, 2015)

Alben-Titel: Breaking Dawn (EP)
Künstler / Band: Tales Of Gaia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 31. Januar 2015
Land: Spanien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Niceto Aguilera – Bass
Sergi Sabater – Drums
Javi Carrillo – Guitars
Raul Moriana – Guitars, Keyboards
Edgar Castro – Vocals

Track-Liste:

1. Intro (01:30)
2. The Conquerors (04:39)
3. The Magic Land (05:38)
4. Death to the King (05:12)
5. Tales of Gaia (07:33)

Früher war eben doch (fast) alles besser.

Analog zur Alben-Besprechung in der ein intensiverer Blick auf das erste offizielle Studioalbum der Spanischen Power Metaller von TALES OF GAIA geworfen wurde (siehe Kritik zu HYPERNOVA), soll die Uhr an dieser Stelle doch noch einmal um ein paar Jahre zurückgedreht werden. Vornehmlich, da sich die Spanier aktuell wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert haben – und insbesondere der Leadgesang des aktuellen Frontmanns Néstor Català locker das Zeug dazu hat, eine mitunter verstörende Wirkung zu etablieren. Im gleichen Atemzug aber weckt eben jener Umstand auch ein gehöriges Interesse – und zwar in Richtung der früheren Marschroute der Band, die offenbar schon öfter Probleme mit der Besetzung des so wichtigen Leadgesangspostens hatte. Warum genau, das wissen wohl nur TALES OF GAIA selbst – eben so wie sie es hätten wissen müssen, dass Néstor Català womöglich doch nicht der richtige Mann für das Projekt ist.

Fakt ist aber auch, dass es eine Zeit gab in der es wesentlich besser aussah für die Ambitionen von TALES OF GAIA – worüber die vorliegende BREAKING DAWN-EP auch heute noch Zeugnis ablegt. Und das trotz der gerade einmal 5 respektive 4 enthaltenen vollwertigen Titel, die nach dem grundsätzlich überflüssigen Intro um die Gunst der Hörerschaft buhlen. Das besondere, und gewissermaßen erleichternde dabei ist: sie sind in eben diesem Bestreben auch recht erfolgreich – was vermutlich nur zwei Gründe hat. Zum einen wäre da die Tatsache, dass TALES OF GAIA ihr Handwerk durchaus verstehen, und vor allem das Spiel der Instrumente zu Gefallen weiß. Sicher, Anzeichen dafür findet man auch auf dem neuesten Album HYPERNOVA – doch die etwas abgespecktere (das heißt nicht überproduzierte, Sci-Fi-angehauchte und von dicken Keyboardteppichen unterlegte) Klangkulisse von BREAKING DAWN überzeugt dann eben doch noch ein stückweit mehr.

Der andere, in Anbetracht des neuen Albums noch wichtigere Grund aber sollte in der Darbietung des damaligen Leadsängers Edgar Castro zu finden sein. Zwar hat der keinen allzu hohen Wiedererkennungswert und klingt letztendlich wie nicht wenige seiner zahlreichen Genre-Kollegen – und doch wirkt seine Leistung vergleichsweise (stil-)sicher, engagiert und stimmig. Dies gepaart mit der der Band immer noch zu attestierenden Grundfähigkeit recht ansprechende Genre-Hymnen zu kreieren, führt dann eben zu Nummern wie THE MAGIC LAND – die wie so oft nicht vor diversen Klischees gefeit ist, aber schlicht einen Heidenspaß macht und vor allem gut klingt. Sicher, die EP mag in Anbetracht der hochkarätigen internationalen Konkurrenz nicht sonderlich interessant oder gar herausragend erscheinen; wobei sie am ehesten nach früheren Bestrebung von Combos wie etwa CRYSTALLION klingt.

Doch gerade wenn man BREAKING DAWN mit HYPERNOVA vergleicht, ist man geneigt über die kleineren Schwächen in der Abmischung (der Leadgesang beispielsweise ist deutlich zu laut und vordergründig), der nicht perfekten Darbietung von Edgar Castro und die letztendlich nicht ganz so aussagekräftige Gesamtwirkung hinwegzusehen. Anders gesagt: im Vergleich mit HYPERNOVA ist BREAKING DAWN schlicht Gold wert, und zeigt mit Nachdruck auf was einmal aus den Spaniern hätte werden können. Wobei die Geschichte der Band natürlich noch nicht zu Ende ist – und sich vielleicht doch noch alles zum Guten wendet.

Absolute Anspieltipps: THE MAGIC LAND, DEATH TO THE KING, TALES OF GAIA


„Weniger Innovation, mehr Wumms – das sind die eigentlichen TALES OF GAIA.“

Filmkritik: „Der Verlorene Bruder“ (2015)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Basierend Auf: Der Verlorene (Roman)
Regie: Matti Geschonneck
Mit: Noah Kraus, Katharina Lorenz, Charly Hübner u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 93 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Drama / Komödie
Tags: Nachkriegszeit | Flüchtlinge | Familie | Verlorener Sohn | Bruder

Willkommen im Land des Lächelns.

Kurzinhalt: Wie so viele Familien sind gegen Kriegsende auch die Blaschkes aus ihrer Heimat im Osten in Richtung Westdeutschland geflüchtet. Einmal in der westfälischen Provinz angekommen, haben sie sich mit ihrem expandierenden Lebensmittelhandel eine recht ansehnliche Existenz aufgebaut – und mit Sohn Max (Noah Kraus) einen entsprechend quirligen Familienzuwachs bekommen. Und doch gibt es da etwas, was vor allem Mutter Elisabeth (Katharina Lorenz) nicht aus dem Kopf geht: ihr erster Sohn Arnold, der als Kleinkind in den damligen Wirren der Flucht verlorenging. Während Vater Ludwig (Charly Hübner) so gut es geht versucht über den Verlust hinwegzusehen und ihn mit seinen beruflichen Plänen zu verdrängen; erreicht die Familie eines Tages doch noch die Nachricht, dass Arnold möglicherweise gefunden wurde. Doch um wirklich sichergehen zu können, muss sich die Familie einigen langwierigen testverfahren unterziehen… was vor allem dem jungen Max eher missfällt.

Kritik: Seine eher einseitige inhaltliche Gewichtung und das plötzliche bis plumpe Finale geraten dem VERLORENEN BRUDER leicht zum Nachteil. Davon abgesehen handelt es sich um ein gleichermaßen solides wie sympathisch erzähltes Nachkriegs-Drama mit komödiantischen Elementen, die sich vor allem aus der kindlichen Erzählperspektive des Hauptprotagonisten ergeben. Die atmosphärischen Kulissen und die engagierten, teilweise sogar hervorragenden darstellerischen Leistungen runden das Ganze ab – ob nun im Sinne einer für das Fernsehen produzierten Tragikomödie, oder einer zumindest für deutsche Verhältnisse überraschend stimmigen Coming Of Age-Geschichte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Universum Film Home Entertainment

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„Eine nicht spektakuläre, aber doch grundsolide deutsche Nachkriegs-Dramödie mit dem gewissen Etwas.“

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Metal-CD-Review: FIRELAND – The Time Traveler (2015)

Alben-Titel: The Time Traveler
Künstler / Band: Fireland (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. November 2015
Land: Chile
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Claudio González – Bass
Cristian Carrasco – Drums
Matias Vidal – Guitars
Rafael Castillo – Guitars, Keyboards, Vocals

Track-Liste:

1. Multispace (04:43)
2. Angels Falling (04:14)
3. Another Chance (05:05)
4. Open Wide (05:50)
5. Fight ‚till End (04:52)
6. The Travel (00:54)
7. Mark of the King (04:05)
8. Sand of Despair (04:42)
9. 1939 (05:41)
10. The Dark Army (05:02)
11. See Them Fall (05:35)
12. Wake Up Hell (04:23)
13. Golden Future (04:01)

Eine Reise ohne Wiederkehr ?

The TIME TRAVELER ist das zweite offizielle Studioalbum der aus Chile stammenden Musiker von FIRELAND – und damit auch einer Band, die im besten Fall nicht mit den gleichnamigen FIRELAND aus Großbritannien zu verwechseln ist. Immerhin: eine Gelegenheit sich entsprechend zu profilieren hatten die ambitionierten Chilenen bereits – schließlich erschien 2010 ihr nicht allzu bekanntes, mindestens grundsolides Debütalbum GOD ‚N‘ EVIL (siehe Review). Gute 5 Jahre danach, und analog zu einer kleineren Single-Veröffentlichung (ANGELS FALLING) wollen es FIRELAND also noch einmal wissen – und das in Form eines Albums, welches allein von seinem Artwork und der anberaumten Thematik dezent an Christopher Nolan’s Sci-Fi-Epos INTERSTELLAR erinnert. Ob es sich dabei wirklich um eine beabsichtigte Maßnahme handelt oder nicht sei einmal dahingestellt – fest steht wohl nur, dass Power Metal-Alben mit eher überirdischen Inhalten eine oftmals willkommene Abwechslung darstellen. Und im besten Fall sogar ganz und gar kultige Ausmaße annehmen – man denke nur an das frühe Schaffen von CELESTY, die durchgehend hochkarätige Werkschau von KELDIAN oder einzelne Highlight-Alben wie IRON FIRE’s VOYAGE OF THE DAMNED (Review).

Die Frage ist nur, ob FIRELAND respektive insbesondere der hiesige Frontmann Rafael Castillo (der neuerdings auch bei ALQUIMIA unterwegs ist) die ihnen gegeben Möglichkeit nutzen – und mit THE TIME TRAVELER tatsächlich ein interstellares Epos inszenieren. Als dahingehend hoffentlich bekräftigendes Argument fungieren in diesem Falle ganze 13 neue FIRELAND-Titel (von denen lediglich THE TRAVEL ein kurzes Interlude markiert) bei einer Spielzeit von einer guten Stunde – und das unterschwellige Versprechen, den guten aber nicht herausragenden Vorgänger GOD ‚N‘ EVIL noch zu übertreffen. Eines fällt dabei recht schnell auf: vor allem in Bezug auf das Songwriting scheint ihnen das auf THE TIME TRAVELER auch weitestgehend gelungen zu sein. So klingt das Album insgesamt etwas lebendiger, kräftiger und auch variabler respektive facettenreicher als der Vorgänger – sodass die Tendenz, schon mit dem (im Refrain leider etwas kraftlosen) Opener MULTISPACE und dem Riff-lastigen ANGELS FALLING in den Bann der Chilenen gezogen werden zu können; relativ groß ausfällt.

Ein entsprechendes Wörtchen hat hier vornehmlich das an den Tag gelegte Handwerk der Bandmitglieder mitzureden – wobei nicht nur die Gitarren äußerst überzeugend abschneiden, auch das Schlagzeug und der Bass erhalten einen entsprechenden Raum. Analog zur guten Abmischung und Produktionsarbeit stehen so einige Zeichen grün – doch Ausnahmen gibt es auch dieses Mal. Wobei man vielleicht eher von potentiellen Streitpunkten sprechen sollte, denn Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. So eignet sich vor allem der tendenziell eher weiche Leadgesang von Rafael Castillo schier perfekt dazu, die Geister zu scheiden – und auch die unterstützenden Elemente in  Form sich überlagernder Gesangsspuren und der Chöre (wie etwa in ANOTHER CHANCE) werden nicht jedermann gefallen. Andererseits spricht gerade der eben genannte Titel für eine der deutlichen Stärken von FIRELAND – die schlicht in der Kombination von schön knackigen Power Metal-Elementen und dem Anflug fast schon himmlisch-süßer Melodien liegen. Man nenne es den AETHRA-Effekt – wobei sich die Chilenen hier tatsächlich nicht allzu weit weg von ihren Kollegen aus Mexiko bewegen.

Aber; und das ist eines der maßgeblichen, sich immerhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau abspielenden Probleme von THE TIME TRAVELER – das Gefühl eines bis in die letzten Winkel stimmigen Erlebnisses hat man nicht durchgehend. Wobei die gar nicht erst allzu oft genutzten, wenn dann aber umso elektronischeren Sounds des Keyboards oder die hier und da durchschimmernden, explizit balladesken Ansätze wie in OPEN WIDE gemeint sind – das vielleicht keine Meisterleistung darstellt, aber immerhin eine weitere Facette von Leadsänger Rafael Castillo aufzeigt. Dennoch könnte einstweilen der Eindruck entstehen, als würden FIRELAND hier deutlich weniger spektakulär klingen als sie es eigentlich könnten – man nenne es den letzten fehlenden Schliff, das ärgerlicherweise vernachlässigte Tüpfelchen auf dem i. So haben Nummern wie FIGHT ‚TILL END oder MARK OF THE KING einige vielversprechende Ansätze – werden aber noch zu oft von entsprechend negativen Einrücken seitens des Leadgesangs oder den wenig griffen Refrains konterkariert.

Auch die Tatsache, dass FIRELAND hier einstweilen frappierend nach ihren Kollegen von HAMMERFALL und BLOODBOUND klingen; sollte der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Umso kurioser ist es, dass gerade die potentiell jenen Vergleichsbands nahestehenden Nummern bei FIRELAND voll aufzugehen scheinen – wie das stampfende SAND OF DESPAIR, THE DARK ARMY, SEE THEM FALL oder WAKE UP HELL. Eine Feststellung macht sich in jedem Fall breit: nach einem schwächeren Mittelteil ziehen FIRELAND gegen Ende des Albums noch einmal ordentlich an. So schaffen die Chilenen vornehmlich eines: sie schneiden insgesamt besser und irgendwie auch sympathischer ab, als man es zunächst hat erwarten können. Anders gesagt: THE TIME TRAVELER kann doch noch zu einer Empfehlung avancieren. Einer leicht eingeschränkten zwar – aber das Ziel den Vorgänger zu übertrumpfen, haben FIRELAND allemal erreicht.

Absolute Anspieltipps: ANGELS FALLING, ANOTHER CHANCE, SAND OF DESPAIR, THE DARK ARMY, GOLDEN FUTURE


„Grundsympatisch und gerade nach dem etwas schwächeren Mittelteil stärker als gedacht – FIRELAND sind auf dem absolut richtigen Weg. Vor allem, wenn sie noch weiter an entsprechenden Alleinstellungsmerkmalen arbeiten.“

Metal-CD-Review: DRAGONY – Shadowplay (2015)

Alben-Titel: Shadowplay
Künstler / Band: Dragony (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. September 2015
Land: Österreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Limb Music

Alben-Lineup:

Herbert Glos – Bass
Frederic Brünner – Drums
Andreas Poppernitsch – Guitars
Siegfried „The Dragonslayer“ Samer – Vocals
Simon Saito – Guitars
Manuel Hartleb – Keyboards

Track-Liste:

1. Wolves of the North (06:22)
2. Shadowrunners (04:18)
3. Kiln of the First Flame (05:32)
4. The Maiden’s Cliff (02:54)
5. Warlock (05:12)
6. Babylon (05:26)
7. Dr. Agony (04:29)
8. At Daggers Drawn (03:52)
9. Unicorn Union (04:10)
10. The Silent Sun (10:05)
11. True Survivor (03:47)
12. The One and Only (03:19)

Da hat sich aber wer gemausert.

SHADOWPLAY ist das zweite offizielle Studioalbum von DRAGONY – einer 2007 in Österreich gegründeten Power Metal-Formation, die im Jahre 2011 ihr Debütalbum LEGENDS veröffentlichte (siehe Review). Ihr ausbaufähiges Debütalbum, sollte man vielleicht sagen – denn auch wenn es sich um das erste große Projekt der Band (und darüber hinaus um ein reines Independent-Release) handelte, ließen DRAGONY schlicht noch ein stückweit zu viel Luft nach oben. Und das nicht nur in Bezug auf die letztendliche Qualität des Liedguts, sondern insbesondere in Richtung eines so kaum vorhandenen Wiedererkennungswertes. Aber: seit jenen Tagen ist nun schon wieder einiges an Zeit verstrichen. Eine Zeit, die DRAGONY offenbar intensiv genutzt haben – was sicher mit ein Grund dafür war, dass sie nun bei Limb Music unter Vertrag stehen und mit SHADOWPLAY ihr vielversprechendes zweites Studioalbum an den Start bringen.

Selbiges beinhaltet 10 reguläre Titel und zwei Bonustracks – von denen man einen eventuell schon im Vorfeld gehört haben könnte. Schließlich haben sich DRAGONY nicht den Spaß nehmen lassen, das von David Hasselhoff eigens für das Kurzfilmprojekt KUNG FURY eingespielte TRUE SURVIVOR zu covern – und das mit einem recht spaßigen Ausgang. In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt auch das Cover zu NIK KERSHAW’s THE ONE AND ONLY – ein Cover, welches es überraschenderweise locker mit dem Original aufnehmen kann. Wichtiger als diese beiden I-Tüpfelchen sind aber wohl die anderen 10 neuen DRAGONY-Nummern – und die haben es entgegen etwaiger potentiell negativer Erwartungen absolut in sich. Anders gesagt: der Fakt, dass SHADOWPLAY das Debütalbum LEGENDS meilenweit übertrifft; ist einfach nicht zu überhören.

Und das ist beileibe nicht nur auf die schier perfekte Abmischungs- und Produktionsarbeit und das deutliche gesteigerte handwerkliche Geschick der einzelnen Mitglieder zu beziehen – sondern auch auf die Qualität des Songwritings und das so gesehen wesentlich effektivere Gesamtpaket. Beispielsweise haben DRAGONY ihre schon auf LEGENDS hoch gehaltene symphonische Komponente perfektioniert – und das in einem ganz und gar beeindruckenden Ausmaß, wie es schon der stimmungsvolle Opener WOLVES OF THE NORTH mit Nachdruck zu verstehen gibt. Auch die Bandbreite der Instrumente inklusive der verspielten Gitarren und des gut hörbaren Basses weiß zu gefallen – ebenso wie die oft wuchtigen Chöre in Verbindung mit den gerne mal hochtrabenden Refrains. Einen allzu großen respektive ausgeprägten Kitsch-Faktor muss man dabei dennoch nicht befürchten – trotz des Bedienens nicht weniger typischer Genre-Klischees klingt SHADOWPLAY ausgewogen und kräftig genug, um nicht in unerwünschte Gefilde abzudriften.

Gut, das akustisch-balladeske THE MAIDEN’S CLIFF bewegt sich diesbezüglich schon recht nah an der imaginären Schmerzgrenze – aber auch hier nimmt man Leadsänger Siegfried „The Dragonslayer“ Samer weitestgehend ab, was er da von sich gibt. Selbiger markiert eventuell auch einen der wenigen Knackpunkte an und auf SHADOWPLAY – zumindest, wenn man generell Probleme mit einem eher weichen Leadgesang im Stile von David Baßin (VICTORIOUS, die sich auch sonst für einen Vergleich anbieten) hat. Sollte das hingegen nicht der Fall sein, so stehen die Chancen gut dass man den Geschichten von Herrn Samer nur allzu gerne lauscht – oder sich schlicht dem immensen Hymnen- und Spaßfaktor von Nummern wie BABYLON oder UNICORN UNION hingibt. Wer es etwas schlichter und gradliniger mag, sollte dagegen mit einem Riff-Fest vom Schlage eines WARLOCK (welches zudem einige höchst interessante Chor-Elemente bereithält) oder eines gesanglich intensiven und durch Zak Stevens (CIRCLE II CIRCLE, SAVATAGE) bereicherten THE SILENT SUN bedient werden.

Fest steht: SHADOWPLAY klingt längst nicht mehr wie ein Album, welches etwaigen großen Genre-Vorbildern nacheifert – sondern wie eines, welches mindestens mit selbigen mithalten kann. Ob sogar noch mehr drin ist, muss ein jeder für sich selbst entscheiden – Fakt ist nur, dass das Angebot da ist und alles andere als eine schlechte Figur macht.

Absolute Anspieltipps: WOLVES OF THE NORTH, SHADOWRUNNERS, WARLOCK, BABYLON, TRUE SURVIVOR


„Ob mit oder ohne ein gewisses Augenzwinkern – mit SHADOWPLAY haben sich DRAGONY selbst übertroffen.“

Filmkritik: „Baby Bump“ (2015)

Auch bekannt als: Guziukas
Regie: Kuba Czekaj
Mit: Kacper Olszewski, Agnieszka Podsiadlik, Caryl Swift u.a.
Land: Polen
Laufzeit: ca. 89 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Drama, Komödie
Tags: Junge | Kind | Mutter | Familie | Pubertät | Sexualität | Erwachen

Ein etwas anderer Kindheits- und Jugendtribut.

Vorsicht – in BABY BUMP wird scharf geschossen.

Kurzinhalt: Mit dem Eintritt in die Pubertät beginnt sich das Leben des jungen Mickey (Kacper Olszewski) markant zu verändern. Doch nicht nur, dass er Probleme mit seinem eigenen Körper entwickelt und sein sexuelles Erwachen unmittelbar bevorsteht; auch das Verhältnis zu seiner Mutter (Agnieszka Podsiadlik) und seinen Schulkameraden wird das eine ums andere Mal komplett auf den Kopf gestellt. Klar scheint: Mickey ist gefangen zwischen seinem bisherigen Dasein als kleiner Junge, der sich nach mütterliche Fürsorge sehnt – und dem von nicht immer überzeugenden männlichen Vorbildern geformten Bild des Mannes, zu welchem er sich möglicherweise entwickeln wird. Um sein Gefühlschaos besser verarbeiten zu können, bedient er sich einfach seiner ohnehin recht ausgeprägten Fantasie…

Kritik: Wie viele Filmemacher sich insgesamt schon an einer filmischen Umsetzung respektive cineastisch aufbereiteten Interpretation zum Thema des Erwachsenwerdens versucht haben, steht in den Sternen. Fest steht nur, dass es zahlreiche waren – und das Genre des Coming Of Age-Films ein gleichermaßen spannendes wie zeitloses ist. Während ein Großteil der entsprechenden Werke am ehesten innerhalb der Bereiche des Dramas und der Komödie zu verorten ist, gibt es jedoch auch einige Ausreißer – wie ein vergleichsweise kuriose Genre-Erguss mit dem Titel BABY BUMP. Der extravagante polnische Film von Kuba Czekaj hatte seinen ersten internationalen Auftritt im Rahmen des Filmfestival Cottbus – und ist gleich in mehrerlei Hinsicht dafür geeignet, für Aufsehen zu sorgen.

Denn auch wenn sich selbst ein BABY BUMP die unspektakuläre Zuordnung zum Genre des Dramas, oder eher der Drämödie gefallen lassen muss; bietet der Film ausreichend Anhaltspunkte um nicht mit anderen verwechselt werden zu können. Anders gesagt: BABY BUMP ist auffällig wild, anarchistisch; und wenn man so will sogar verstörend. Mit dafür verantwortlich ist hier die explizite Vermengung von Traum und Realität, durch die er immer wieder dezent surrealistische Züge annimmt – die man sonst eigentlich von ganz anderen Werken gewohnt ist. Sicher, von der ganz großen Filmkunst ist das Werk von Kuba Czekaj noch weit entfernt. Vornehmlich, da sich der Film stark auf seine durchtriebene symbolische Ebene verlässt – selbige insgesamt betrachtet aber eher ernüchternd ausfällt. Und: die es schlicht nicht vermag, den mit handfestem Inhalt geizenden Film sinngemäß über seine lange Laufzeit zu füllen. Der Gedanke, dass sich das Ganze auch oder vielleicht sogar besser als Kurzfilm geeignet hätte; ist jedenfalls nicht gänzlich von der Hand zu weisen.

Doch für ein markantes und vor allem alles andere als alltägliches Aha-Erlebnis reicht es allemal. Dabei ist das Gelingen des Films in erster Linie auf den durchaus unterhaltsamen Faktor der handwerklichen Aspekte zu beziehen. Die außergewöhnliche Kameraführung, die geschickten Schnitte, die Einbeziehung der Umgebung und diverser zweckentfremdeter Objekte; die bunten eingeworfenen Text- und Gedankenfetzen, der unkonventionelle Soundtrack – BABY BUMP macht technisch einen angenehm unkonventionellen, gleichzeitig aber niemals zu forciert wirkenden Eindruck. Nicht ganz unbeteiligt daran sind sicher auch die beiden Hauptdarsteller, das ungewöhnliche Duo aus den polnischen Talenten Kacper Olszewski (als Sohn) und Agnieszka Podsiadlik (als Mutter) – die in ihren Rollen mit weniger Eigenregie, dafür aber mit der perfekten Umsetzung der Anleitungen des Regisseurs glänzen können.

Selbiger sollte schließlich genau wissen, was er hier von seinen beiden Figuren verlangt – wobei man zumindest einstweilen das Gefühl entwickelt, als gehe das Konzept auf. Schließlich entstehen im Verlauf des Films durchaus Momente, in denen die anberaumte Themen-bezogene Symbolik tatsächlich greifbar wird. Ein riesiges Ei – welches als Kokon und als zweite Geburtsstätte eines Heranwachsenden dient – zählt hier noch zu den harmlosen Varianten. Die (täuschend echt wirkende) Enthauptung eines Huhns fällt dagegen schon in die Kategorie einer deutlich krasseren, sich im Kontext des Films aber fast schon selbsterklärenden Bildersprache. Trotz der auffällig starr agierenden, oder eher den absichtlich mit einer weniger vielfältigen Mimik ausgestatteten Darstellern kann man sich jedenfalls sehr gut vorstellen, dass beim Dreh einige kuriose Momente entstanden sind.

Im Film selbst hält sich der Spaß allerdings in klaren Grenzen – explizite komödiantische Einschübe oder gar solche, die lauthalse Lacher erzeugen gibt es höchst selten. Analog zu einigen teils recht verstörenden Szenen – die sich indes weniger auf eine explizit dargestellte Sexualität, als vielmehr die Amputation etwaiger Körperteile beziehen – kommt der unterschwellige Leitspruch von BABY BUMP also genau richtig. Aufwachsen, das ist nun wirklich nichts für Kinder. Zumindest nicht in Bezug auf die ureigene Atmosphäre dieses Films – der hierzulande auch mit einer entsprechenden Altersfreigabe ab 16 eingestuft wurde. Unterhalten kann er aber, und dass auf eine höchst rebellische Art und Weise. Nicht allzu zart besaitete, sowie generelle Freunde des kuriosen sollten demnach ruhig mal einen Blick riskieren.


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„Weder für Kinder noch den typischen Kinogänger – und gerade deshalb eine vergleichsweise erfrischende Erfahrung.“

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PC-Spieletest / Game-Review: ASSASSIN’S CREED ROGUE (2015)

Originaltitel: Assassin’s Creed Rogue
Veröffentlichungsdatum: 10. März 2015 (PC)
Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
USK: Ab 16 freigegeben
Genre: Action-Adventure
Tags: Assassinen, Animus, Abstergo, DNA, Sequenz, Geschichte, Vergangenheit

Aus alt mach neu… oder zumindest halb neu.

Inhalt: Inmitten des siebenjährigen Krieges und dem damit verbundenen Kampf um die Vorherrschaft in Nordamerika steht der raubeinige, aus Irland stammende Shay Patrick Cormac zwischen den Fronten der Assassinen und Templer. Schließlich gerät er – nachdem er seine Ausbildung zum Assassinen erfolgreich abgeschlossen hat und sich in mehr und mehr Aufträgen beweist – ein ums andere Mal ins Grübeln. Wer sind die Assassinen wirklich; und wie sind ihre Ambitionen und Ziele mit den Folgen zu vereinbaren, die ihre Aktionen in der Welt auslösen ? Überdies scheinen die als böse und hasserfüllt abgestempelten Templer ihrer Rolle zumindest in Nordamerika ganz und gar nicht gerecht zu werden: sie setzen sich für Gerechtigkeit und das Wohl der Bürger ein, und bieten auch dem verwirrten Shay ihre Hilfe an. Auf seiner Odyssee nach der Wahrheit und einem hoffentlich zu erreichenden Seelenheil begegnet er daraufhin nicht nur alten bekannten wie Adéwalé, Haytham Kenway und Achilles Davenport – sondern auch vielen neuen illustren Persönlichkeiten, wie etwa Benjamin Franklin oder James Cook.

ASSASSIN’S CREED ROGUE ist der mittlerweile siebte offizielle Hauptteil des berühmt-berüchtigten, mit dem ersten Teil (2007, siehe Review) ins Leben gerufenen Assassinen-Franchise aus dem Hause Ubisoft. Gleichzeitig handelt es sich insofern um einen besonderen Teil, da es sich um das letzte noch für die alte Konsolen-Generation (also PS3 und X-Box 360) konzipierte ASSASSIN’S CREED handelt – und, da er in eben jenen Versionen zeitgleich mit dem Next-Gen-Spiel ASSASSIN’S CREED UNITY erschienen ist. Eine Marketing-Maßnahme wie diese erscheint mindestens ungewöhnlich – aber immerhin konnten so Besitzer aller Konsolen in den Genuss eines neuen ASSASSIN’S CREED kommen. Wobei neu in diesem Fall der eventuell falsche Ausdruck ist, denn eine wie auch immer geartete Revolution erwartet den Spieler mit ROGUE keineswegs. Aber vielleicht ist das auch gar nicht notwendig, ja wenn nicht gar besser so – schließlich hat ASSASSIN’S CREED UNITY aufgezeigt, wie streitbar etwaige Neuerungen und neumodische Anwandlungen in Form von unter anderem kostenpflichtigen Online-Features tatsächlich sein können. Etwas steht also schon jetzt unmittelbar fest: Spieler, die ein klassisches ASSASSIN’S CREED erleben wollen und zwischen ROGUE und UNITY entscheiden müssen; sollten vermutlich lieber mit dem erstgenannten Teil Vorlieb nehmen.

Eine Revolution – oder eher ein rückwärtsgewandter Blick auf das bisher erreichte ?

Was ROGUE respektive ein klassisches ASSASSIN’S CREED ausmacht, liegt schließlich schnell auf der Hand: seien es die eleganten und weitestgehend hervorragend steuerbaren Kletterpartien, die atmosphärisch ausstaffierte Hintergrundstory um den Konflikt zwischen Assassinen und Templern, entscheidende Missionen in Form von gezielten Attentaten mit verschiedenen Herangehensweisen, das unermüdliche Sammeln von in der Spielwelt verstreuten Gegenständen; oder aber die seit ASSASSIN’S CREED 3 sehr gut bei den Spielern ankommenden Seeschlachten inklusive eines aufrüstbaren Schiffs und des Gefühls, als waschechter Kapitän zu agieren – ROGUE vereint grundsätzlich alle Vorzüge des Franchise, die in den früheren Teilen etabliert und kontinuierlich verbessert wurden. Wirkliche Neuerungen gibt es nicht – mit Ausnahmen einiger kleinerer Details. Beispielsweise gibt es nun gegnerische Assassinen, die den Spieler nun ebenso heimtückisch angreifen können wie er selbst andere NPC’s. Merkwürdig: in Bezug auf das Inventar- und Waffensystem wurden zwar Veränderungen vorgenommen, doch erscheinen diese eher rückwärtsgewandt. So greift der Protagonist des Spiels auf ein recht übersichtliches Waffenarsenal zurück, wobei sich die wähl- und kaufbaren Dolch- und Schwertersets sowohl von der Optik als auch den Grundwerten (wie Schaden, Combo-Fähigkeit) her sehr ähneln. Neben der obligatorischen versteckten Klinge und typischen ASSASSINEN-Tools wie etwa Wurfmessern, verschiedenen Pfeilen und Pistolensets (die sich ebenfalls fast alle gleichen) gibt es dann eigentlich nur noch den Wurfpfeil, mit dem sich Gegner aufhängen lassen – sowie einige neuen Granatentypen, die in etwa der Wirkung der Pfeile entsprechen, dabei aber immerhin einen größeren Radius bedienen. Schwerere Waffen (wie Äxte) oder größere Gewehre kann man zwar von gegnerischen NPC’s aufnehmen und kurzzeitig benutzen – doch leider nicht ins Inventar packen.

Jene gefühlte Form der Vereinfachung erstreckt sich dann auch auf andere Bereiche des Spiels – was vornehmlich für den Verlauf der Missionen, aber auch für die serientypischen Sammelaktionen gilt. Die mögen in der Hierarchie zwar noch unter den Nebenmissionen stehen, doch der hierbei entstehende Drang möglichst alles zu vervollständigen kann unter Umständen eine große Rolle spielen. Und eben dieser Drang sollte – analog zur investierten Spielzeit – auch entsprechend belohnt werden. Doch gerade diesbezüglich hätte man unbedingt noch etwas mehr Fingerspitzengefühl investieren sollen. Zum einen fallen die Belohnungen insgesamt betrachtet viel zu dürftig aus, denn bis auf neue (sich natürlich wieder ähnelnde) Rüstungen oder hie und da mal ein paar neuen Waffen gibt es so gut wie nichts zu holen. Am ärgerlichsten aber sind wohl die freischaltbaren Cheats, bei dessen Aktivierung der Spielstand warum-auch-immer nicht mehr gespeichert wird – die aber weder einen ersichtlichen Vorteil bringen, noch den Spaßfaktor nennenswert erherhöhen. Zum anderen hat die Suche nach versteckten Höhlenmalereien oder uralten Gegenständen nur noch wenig von den mystisch angehauchten Entdeckungsreisen eines ASSASSIN’S CREED 2. Das gleiche gilt für die hie und da eingestreuten Rätsel, bei denen man zumeist Gebilde in einer bestimmten Art und Weise anordnen muss. Das ist nicht unbedingt fordernd, macht aber vor allem nur wenig Spaß. Umso erstaunlicher und ein wenig ärgerlich ist, dass das Spiel so gut wie gar keine Kletterrätsel mehr vorsieht. Erinnert man sich an die älteren Teile; so werden einem unweigerlich Passagen in den Sinn kommen, in denen die Kameraposition etwas weiter nach hinten rückte – und sich der Spieler gezwungen sah einen nicht immer direkt ersichtlichen Weg zu erklettern. Das ist nun kaum noch der Fall – und auch sonst gehen die Kletterpartien viel zu leicht von der Hand. Unglücklich: ausgerechnet jene Stellen, an denen man ein wenig mehr Probieren muss (wie etwa an Bäumen, Astgabelungen oder speziellen Holztürmen) ähneln sich sehr stark – nach ein oder zwei erklommenen Gebilden weiß man das nächste Mal also schon recht genau, worauf man sich einlassen wird.

Manchmal bietet es sich einfach an, aus der Vergangenheit zu lernen – auch wenn es schwerfällt.

Tatsächlich ist jenes Wiederholungs-Prinzip auch eines der großen Probleme von ROGUE. Und das nicht unbedingt, da es immer wieder altbekannte Elemente aus den älteren Teilen aufgreift, die Serien-Fans hinreichend bekannt vorkommen dürften. Nein – denn während die meist gut funktionieren, liegt die Crux schlicht in der Mühe begraben die die Macher (nicht) in ROGUE investiert haben. Hier lässt das Spiel – und das trotz der ansehnlichen Spielwelt – schließlich immer wieder durchscheinen, dass man es sich hie und da schlicht deutlich zu einfach machte. Seien es immer wieder auftauchende NPC’S mit den immer gleichen Sprüchen (markant: der NPC, der den Spieler zum Renovieren von bestimmten Gebäuden auffordert), gut platzierte aber stets deckungsgleiche Handelsposten (beispielsweise die Gemischtwarenläden oder Hafenmeister), zahlreiche gefühlt leerstehende Landabschnitte mit langen Laufwegen und sich wiederholenden Design-Elementen; oder aber die kaum abwechslungsreichen Kämpfe – die Gefahr, sich relativ schnell an ROGUE sattgesehen zu haben; ist vergleichsweise groß. Das gilt vor allem – und leider – auch für die Kaperung von gegnerischen Schiffen, die sich allesamt beinahe gleich spielen. Immerhin: die Hauptmissionen bilden hier eine Ausnahme, die sie zumeist spannend inszeniert und von netten Zwischensequenzen begleitet werden. Dennoch, von der Größe eines ASSASSIN’S CREED 2 ist ROGUE auch diesbezüglich weit entfernt.

Und doch bleiben ROGUE mindestens zwei markante Stärken, die über viele Schwächen hinwegtrösten können. Da wäre zum einen die Story inklusive des obligatorischen Wechsels zwischen der Vergangenheit (alles, was im Animus passiert) und der Gegenwart. Die Geschichte um einen Assassinen, der sich aus ganz bestimmten Gründen gegen seinen alten Orden wendet und sich den Templern anschließt; ist Ubisoft tadellos gelungen. Sicher, die aufkommende Empathie hält sich im Vergleich zu früheren und wesentlich stärkeren Charakteren wie Ezio Auditore und später auch Desmond Miles eher in Grenzen – zumal es sich um einen wohl einmaligen Auftritt eines neuen Charakters handelt. Dennoch ist die Geschichte an sich spannend und interessant – und schlägt nebenbei noch gekonnt den Bogen zwischen ASSASSINS CREED 3 und BLACK FLAG. Der Gegenwarts-Part mit den teilweise etwas aufgesetzt wirkenden Inhalten schneidet hier zwar deutlich schlechter ab  – aber auch das ist nichts neues für das ASSASSIN’S CREED-Franchise. Die andere Stärke ist vornehmlich die, die auch schon BLACK FLAG so interessant gestaltete: das noch immer atemberaubende Piraten- oder hier eher Seefahrergefühl. Es macht schlicht einen Heidenspaß, sich in ROGUE hinter das Steuerruder eines kleinen aber feinen Schiffs zu klemmen, es nach und nach aufzurüsten, immer stärkere Gegnerverbände anzugehen – oder zum Schluss auch in der ein oder anderen legendären Schlacht zu kämpfen. Und wenn das erledigt ist, so genügt manchmal auch das bloße Fahren von A nach B – zumindest, wenn die Mannschaft mal wieder den ein oder anderen knackigen Shanty (auch die sind in der Spielwelt verstreut, ein Sammeln lohnt sich unbedingt) schmettert. Die hübschen und sich auf die Fahrt auswirkenden Wettereffekte und Wellengänge, hervorgehobene Stellen zum wunderbar inszenierten Jagen von Meerestieren, auf den Plan gerufene Kopfgeldjäger – ROGUE weiß seine Momente auf See (die hier problemlos die Hälfte der Gesamt-Spielzeit ausmachen können) perfekt zu inszenieren.

Was einst überzeugte, überzeugt auch heute noch – nur nicht mehr ganz so intensiv.

Schlussendlich bleibt es im Falle von ROGUE bei einer Art Patt-Situation. Es handelt sich keineswegs um ein schlechtes Spiel, und auch nicht um ein schlechtes ASSASSIN’S CREED – doch für einen wirklich herausragendes, sich markant von den früheren Teilen abhebendes Erlebnis reicht es eben auch nicht ganz. Denn dafür machten es sich die Macher doch etwas zu einfach – beispielsweise, indem sie viele altbewährte Konzepte erneut aufgegriffen und zudem einige Elemente unnötig oft wiederholt haben. Anders gesagt: die Story mag für ein wenig frischen Wind sorgen – doch die Spielpassagen zu Land und zu Wasser bieten eher altbewährtes. Das muss nicht zwingend etwas negatives bedeuten, zumal ASSASSIN’S CREED im Kern ein gutes Spiel ist und vermutlich auch bleiben wird. Die Verantwortlichen bei Ubisoft sollten jedoch bedenken, dass sich die Erfolge von dereinst nicht wiederholen lassen – zumindest nicht mit einem immer wieder neu aufgelegten, im Endeffekt aber deckungsgleichen Spiel. Erst Recht nicht, wenn man die bisher gefahrene Linie von mindestens einem veröffentlichten Spiel innerhalb von zwei Jahren beibehält. Etwas mehr Mut – oder aber eine längere Verschnaufpause – würden dem Franchise also sicher ganz gut bekommen.

 

Handlung und Präsentation
  • Neue Assassinen-Geschichten, diesmal eher mit Templer-Fokus
  • Hervorragende Zwischensequenzen mit Atmosphäre, Charme und Witz
  • Starke, alles andere als wortkarge Hauptfigur
  • Verheißungsvolles Intro, zufriedenstellendes Outro
  • Gegenwarts-Abschnitte wirken austauschbar und sind eher lieblos inszeniert

8.0/10

Grafik und Design
  • Schier unendlich weitläufig wirkende Spielwelt
  • Atemberaubende Wasser- und Wettereffekte
  • Gute Animationen
  • Hübsche Seeschlachten
  • Grafik und Design insgesamt eher altbacken
  • Im Detail zu wenig Abwechslung
  • Wirklich markante Abschnitte, Gebäude oder Strukturen bleiben aus

8.0/10

Sound
  • Gut vertonte Figuren
  • Lebendige Umgebungsgeräusche
  • Raubeinig-stimmungsvolle Shantys
  • Viele Sounds und Sprachpassagen wiederholen sich markant

8.5/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Spaßige Seeschlachten
  • Lebendig wirkende Stadtabschnitte
  • Aufrüstbarer Charakter, aufrüstbares Schiff, dezentes Crafting
  • Beschäftigungsmöglichkeiten wie Ingame-Spiele, Sammelaktionen, Herausforderungen
  • Eher geringer Wiederspielwert
  • Belohnungen für Fortschritte (z.B. Roben, Waffen, Galionsfiguren) und Gimmick-Cheats (die keinen Spaß machen) sind ein Witz

8.0/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Faires Speicher- und Rücksetzungssystem
  • Praktische, hübsche, zoom- und markierbare Weltkarte
  • Intuitive, unkomplizierte Steuerung
  • Kaum Ladezeiten
  • Gegner-KI hat teils markante Aussetzer
  • Fummelige Inventar- und Menüführung
  • Unnötige Quicktime-Events
  • Kein Schwierigkeitsgrad einstellbar – Spiel oftmals viel zu leicht, manchmal aber auch knackig bis unfair (Stichwort legendäre Seeschlachten)
  • Seeschlachten einstweilen stark unübersichtlich (Kameraführung)

6.5/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 15-35


„Das letzte ASSASSIN’S CREED der „alten“ Generation – und beileibe kein schlechtes.“