Metal-CD-Review: AXENSTAR – Aftermath (2011)

Alben-Titel: Aftermath
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Januar 2011
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: IceWarrior Records

Alben-Lineup:

Adam Lindberg – Drums
Joakim Jonsson – Guitars
Jens Klovegård – Guitars
Magnus Winterwild – Vocals, Bass, Keyboards

Track-Liste:

1. Dogs of War (05:12)
2. The Escape (03:52)
3. Tears of the Sun (03:21)
4. Agony (05:26)
5. Aftermath (03:49)
6. The New Breed (04:50)
7. Dead Kingdom (04:51)
8. Until Your Dying Breath (05:06)
9. Signs of a Lie (04:27)
10. Forever the Pain (05:29)

Die Sache musste einfach ein Nachspiel haben.

Ja, sie hatten es endlich getan – und erstmals mehr als nur ein oder zwei Jahre zwischen zwei Studioalben vergehen lassen. In diesem Falle waren es sogar ganze 5, was durchaus eine Unregelmäßigkeit in der bis dato recht gradlinigen Diskografie der Schwedischen Power Metaller von AXENSTAR markiert. In gewisser Weise handelte es sich aber auch um eine unbedingt notwendige – schließlich waren die überambitionierten Musiker um den gesanglich unverkennbaren Frontmann Magnus Winterwild mit der vergleichsweise rasanten Veröffentlichungsstrategie ihrer ersten vier Alben dezent über das Ziel hinausgeschossen. Eine der unvermeidlichen (oder zumindest nicht gänzlich zu versteckenden) Folgen war ein spürbarer qualitativer Abfall nach dem ebenso überraschenden wie guten Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review), der letztendlich auf dem viel zu gleichförmigen und unspektakulären THE FINAL REQUIEM aus dem Jahre 2006 (Review) mündete. Umso spannender war und ist natürlich die Frage, in wie weit sich die lange (und im besten Fall kreative) Pause der Schweden auf ihre Musik ausgewirkt hatte – und ob sie es geschafft hatten, sich aus ihrem quasi selbst geschaufelten Loch der Bedeutungslosigkeit zu befreien. Schließlich, und auch das sollte man nicht vergessen; waren AXENSTAR längst nicht die einzigen, die sich Anfang der 2000er Jahre aufgemacht hatten um die Welt mit ihrer Interpretation eines melodischen Power Metals zu erobern.

In Bezug auf AFTERMATH ist auf den ersten Blick dann vornehmlich eines festzustellen: es hatte sich tatsächlich etwas getan in den musikalischen Welten von AXENSTAR. Insbesondere die dieses Mal deutlich schroffere Gangart der Gitarren sowie das kräftige Drumming fallen hier direkt, und damit schon im knackigen Opener DOGS OF WAR auf – der überdies auch einige Tempowechsel vorsieht und schnell zu einem der spannenderen AXENSTAR-Titel avancieren kann. Warum man in der Mitte der Nummern allerdings eine derart miserabel abgemischte Sprechpassage einbauen musste, wissen nur die Schweden selbst – der Atmosphäre ist sie jedenfalls nicht unbedingt dienlich. Doch was hilft es, sich mit (wieder einmal: völlig vermeidbaren) Kleinigkeiten aufzuhalten wenn es doch um das große Ganze geht – was zumindest im Vergleich mit dem müden Vorgänger THE FINAL REQUIEM recht angenehm ausfällt. Fast schon kurios in diesem Zusammenhang ist indes, dass es die Schweden erst jetzt geschafft hatten ihre Nummern so zu gestalten, dass man sie auch tatsächlich auseinander halten kann. Sei es ein plötzlicher Tempo- oder Rhythmuswechsel hier, ein überraschender Break dort; längere Instrumental- und Solipassagen oder das sich wieder etwas deutlicher zu Wort meldende Keyboard – AFTERMATH sprüht im Vergleich zu seinem Vorgänger geradezu vor Spielfreude und Abwechslung, und macht dementsprechend auch wesentlich mehr Spaß.

Das gilt natürlich auch für den unter Umständen noch immer etwas wenig variablen, dafür aber absolut stilsicherne Leadgesang von Magnus Winterwild – der dieses Mal geradezu perfekt von den lebendigen Kompositionen aufgefangen wird. Anders gesagt: in Bezug auf die schon immer sichere handwerkliche Komponente der Band hatte sich bis auf die etwas härtere und griffigere Gangart wenig getan, glücklicherweise – doch im Hinblick auf ihre Fähigkeiten wirklich gute und aussagekräftige Genre-Nummern zu schreiben, machten AXENSTAR im Rahmen der Pause zwischen THE FINAL REQUIEM und AFTERMATH einen wahren Quantensprung. Demnach kann man auch kaum etwas falsch machen, wenn man dem geneigten Power Metal-Konsumenten ein Album wie dieses ans Herz legt – ein Album, mit dem AXENSTAR endlich den Kreis zu ihrem gelungenen Debütalbum schließen konnten.

Absolute Anspieltipps: THE ESCAPE, TEARS OF THE SUN, AFTERMATH, THE NEW BREED, FOREVER THE PAIN


„Na also – dieses Mal gibt es fast nichts auszusetzen.“

Metal-CD-Review: WILD STEEL – Transcending Glory (2011)

Alben-Titel: Transcending Glory – A Tribute To Crimson Glory
Künstler / Band: Wild Steel (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. Februar 2011
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Wild Steel – Vocals
Riccardo Romano – Drums
Davide Dogliotti – Bass
Alessandro Graziano – Guitars
Francesco Dogliotti – Guitars

Track-Liste:

1. Dragon Lady (04:20)
2. Valhalla (03:56)
3. In Dark Places (07:00)
4. Azrael (05:45)
5. Masque of the Red Death (04:17)
6. Burning Bridges (06:34)
7. Lady of Winter (04:02)
8. Eternal World (04:02)
9. Lost Reflection (04:53)

Einmalig, aber nicht einmalig gut.

Ja, auch im Bereich des Power Metals gibt es so manche eher komische Erscheinung. Das können mal komplette Combos oder bestimmte kurzweilige Projekte sein, manchmal einfach nur unerwartete Stilwechsel oder kaum nachvollziehbare Neuausrichtungen – und in ganz seltenen Fällen auch mal einzelner Musiker als extravagante Frontmänner oder Solokünstler. Ohne dem Urteil einen zwingend negativen Beigeschmack hinzufügen zu wollen, ist sicher auch Andrea De Stefanis aka WILD STEEL einer von ihnen – schließlich hat der Mann mit der Maske, der vor allem für seine Mitwirkung in der nicht unumstrittenen italienischen Power Metal-Combo SHADOWS OF STEEL bekannt ist; schon immer sein ganz eigenes Ding durchgezogen. Das gilt mitunter auch für sein Soloprojekt in Form der Band WILD STEEL, das bis heute nur zwei Studioalben hervorgebracht hat. Zu allem Überfluss, und um die Merkwürdigkeit des Projekts ungewollt zu unterstreichen; auch noch zwei die unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können – und zwischen denen zumindest in Bezug auf die letztendliche musikalische Wertigkeit Welten liegen.

So konnte das bereits 2006 erschienene, dabei recht schlicht betitelte Debütalbum WILD STEEL (siehe Review) grundsätzlich überzeugen – und das sowohl als im allgemeinen recht gut funktionierendes Power Metal-Album, als auch (und das war die Überraschung) als weitaus angenehmere Variante des zuvor von SHADOWS OF STEEL an den Tag gelegten Italo-Sounds der Marke Andrea De Stefanis. Sicher, von einer wie auch immer gearteten Meisterklasse war auch dieses Debütalbum noch weit entfernt – und doch ergab es weitaus mehr Sinn als das, was sich der verantwortliche Künstler im Jahre 2011 erdacht hat. Schließlich enthält das vorliegende TRANSCENDING GLORY – A TRIBUTE TO CRIMSON GLORY ausschließlich Covoer-Versionen der klassischen Metal-Band, was dann doch etwas merkwürdig erscheint – vor allem natürlich in Anbetracht der Tatsache,  dass Andrea De Stefanis schon auf seinem Debütalbum ganze 4 CRIMSON GLORY-Coverversionen vorgesehen hatte. Dass er es mit seiner offensichtlichen Liebe zu einer Band, die bis heute nicht mehr als vier Studioalben veröffentlicht hat dezent zu übertreiben schien; ist also nicht gänzlich von der Hand zu weisen.

Wie ein Album klingt, dass ausschließlich aus Cover-Versionen besteht sollte demnach auch keine allzu große Überraschung sein – zumindest wenn man schon einmal ansatzweise in das Schaffen von CRIMSON GLORY oder andere zu Beginn der 90er aktiven Metal-Combos mit einem gewissen Hang zum Glam hineingehört hat. Das kuriose ist, dass Andrea De Stefanis die Nummern dabei aber keineswegs aufgewertet hat. Am ehesten ist sogar das Gegenteil der Fall – und das schlicht, indem er sich die Nummern hörbar zu eigen gemacht hat. Das bedeutet vornehmlich zweierlei: zum einen, dass der urtümliche Charme der Originale klar verloren geht – und zum anderen, dass die CRIMSON GLORY-Titel in der WILD STEEL-Variante um ein vielfaches weichgespülter und unorigineller klingen; verständlicherweise. Der eher generische Eindruck des Instrumentenspiels und der Produktion sprechen hier klar für sich.

Schlussendlich: ein wirklich triftiger Grund, um CRIMSON GLORY in Zukunft links liegen zu lassen und doch lieber zu den Interpretationen von WILD STEEL zu greifen; lässt sich kaum finden – woran auch der insgesamt akzeptable, aber eben auch nicht herausragende und einstweilen allzu künstlich-forciert klingende Leadgesang von Andrea De Stefanis nichts ändert. Sicher wäre er besser damit beraten gewesen, ein weiteres eigenständiges Genre-Album auf die Beine zu stellen – und zur Not wieder einige CRIMSON GLORY-Nummern in den Bonusbereich zu verfrachten. So aber bleibt es bei einem recht kuriosen Nachfolge-Album – und einer ungewissen Zukunft für die Band.

Absolute Anspieltipps: /


„Weder ein nennenswert gutes noch sonst irgendwie sinnvoll erscheinendes Cover-Album – leider.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Age Of The Joker (2011)

Alben-Titel: Age Of The Joker
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. August 2011
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Sammet – Vocals
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Robin Hood (08:26)
2. Nobody’s Hero (04:33)
3. Rock of Cashel (06:20)
4. Pandora’s Box (06:47)
5. Breathe (05:05)
6. Two Out of Seven (04:29)
7. Faces in the Darkness (05:24)
8. The Arcane Guild (05:00)
9. Fire on the Downline (05:48)
10. Behind the Gates to Midnight World (08:58)
11. Every Night Without You (04:52)

Manchmal muss man tief fallen, um wieder aufzustehen.

Was, ja was sollte noch von einer Band wie EDGUY kommen – einer Band, die sich einst für ebenso klassische wie legendäre Power Metal-Genrealben vom Schlage eines VAIN GLORY OPERA (siehe Review), THEATER OF SALVATION (Review) oder THE SAVAGE POETRY (Review) verantwortlich zeichnete; sich im Laufe der Jahre aber eher gegen die ursprünglich eingeschlagene Marschrichtung entschied und plötzlich nur noch höchst umstrittene Werke wie etwa HELLFIRE CLUB (Review) oder TINNITUS SANCTUS (Review) auf den Markt brachte ? Nun, und wie man heute weiß; haben EDGUY mit ihrem 2014 erschienen SPACE POLICE – DEFENDERS OF THE CROWN (Review) doch noch die Kurve gekriegt – zwar ebenfalls ohne an ihre alten Glanzzeiten anzuknüpfen, aber dafür mit einer feucht-fröhlichen und auch spaßigen Genre-Interpretation die man ohne größere Schmerzen verköstigen kann. Bis es soweit war, sollte der Hörerschaft allerdings noch ein weiteres EDGUY-Album der eher durchwachsenen Sorte serviert werden – das vorliegende AGE OF THE JOKER, dessen titelgebender Hofnarr nicht von ungefähr leicht wahnsinnig dreinblickt.

Wobei, und das ist das gravierende; jenes Wahnsinnige keineswegs mit dem Anflug einer wie auch immer gearteten Genialität gleichgesetzt werden kann. Zumindest nicht bei EDGUY und in diesem Fall – woran weder die mit 65 Minuten recht gut bestückte reguläre Albenversion von AGE OF THE JOKER, noch die wesentlich umfangreichere Digipack-Edition viel ändern kann. Der Grund dafür ist schnell gefunden: grundsätzlich haben EDGUY hier relativ genau da weitergemacht, wo sie mit dem höchst durchwachsenen TINNITUS SANCTUS aufgehört hatten. Sicher, dass sich EDGUY mittlerweile komplett von der Spielart eines knackigen europäischen Power Metals verabschiedeten hatten war das eine – doch dass sie im Gegenzug dafür fast nur noch auf eher harmlose Rock-Elemente, poppig angehauchte und absolut radiotaugliche Strukturen und eine ordentliche Prise eines zumeist gewöhnungsbedürftigen Blödeltums setzten; das andere. AGE OF THE JOKER fährt diesbezüglich zwar nicht ganz so harte Geschütze auf wie seine Vorgänger, glücklicherweise – ist abgesehen von einer kleinen handvoll besserer Nummern aber auch weit davon entfernt, nennenswertes zu reißen.

Die hier gemeinten besseren Nummern wären vermutlich das melodische und grundsätzlich recht angenehme ROCK OF CASHEL, das doch noch überraschend knackige THE ARCANE GUILD, und mit ein wenig Fantasie eventuell noch das recht Keyboard-lastige BREATHE sowie das überlange BEHIND THE GATES TO MIDNIGHT WORLD. Immerhin sorgen EDGUY hier durchaus für den ein oder anderen markanten Moment – vornehmlich im Zusammenspiel aus verspielten Arrangements und einem gewissen, sonst auf dem Album eher vernachlässigten Druck. Davon abgesehen kann oder muss man sich aussuchen, wohin die Reise auf AGE OF THE JOKER gehen soll. Eine Möglichkeit wäre in eine leidliche komische, im Zusammenspiel mit der dazugehörigen Videosingle sogar explizit peinliche – wie im absolute überflüssigen Opener ROBIN HOOD. Oder aber, man verdingt sich in Richtung etwaiger sich hart an der Schmerzgrenze bewegenden Balladen – wie das schmalzige EVERY NIGHT WITHOUT YOU. Was bleibt, sind nicht wenige Nummern die recht explizit an schwächere Momente aus dem benachbarten AVANTASIA-Projekt erinnern – oder im schlimmsten Fall an eine ebenso x-beliebige wie abgehalfterte Ex-Power Metal-Band. Wenn da nur nicht die unverändert markante Frontstimme von Tobias Sammet wäre, versteht sich – die das Album aber ebenfalls nicht retten kann.

Dabei gilt wie so oft: es sind nicht die handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder, die AGE OF THE JOKER vergleichsweise ernüchternd erscheinen lassen – sondern vielmehr die entstehende Atmosphäre als Endprodukt eines Zusammenspiels zahlreicher Faktoren. Einen nicht ganz unerheblichen Anteil hat diesbezüglich etwas auch die etwas merkwürdige Abmischungs- und Produktionsarbeit; die dem Ganzen einen recht seelenlosen, glatten und zusätzlich unspektakulären Anstrich verpasst – mit einer Nummer wie FACES IN THE DARKNESS als Paradebeispiel. Immerhin werden hier durchaus einige schwerere Riffs anberaumt – womit es umso seltsamer ist, dass der Titel derart kraft-  und harmlos klingt. Letztendlich gibt es auf AGE OF THE JOKER einfach zu wenig zu holen, als dass man es mit Nachdruck empfehlen könnte – sodass man diesen Punkt der EDGUY-Diskografie relativ problemlos überspringen kann.

Absolute Anspieltipps: ROCK OF CASHEL, BREATHE, THE ARCANE GUILD


„Nicht mehr ganz so arg wie der Vorgänger – aber für die Attribuierung als eines der besseren EDGUY-Alben reicht es ebenfalls nicht.“

Metal-CD-Review: ECLIPSE HUNTER – Unlimited Edition (2011)

Alben-Titel: Unlimited Edition
Künstler / Band: Eclipse Hunter (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. November 2011
Land: Russland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metalism Records

Alben-Lineup:

Andrey Osokin – Keyboards
Alexander Yurov – Vocals
Sergey Isaenko – Guitars
Dmitry Trofimov – Bass
Alexandra Popova – Vocals

Track-Liste:

1. Overture (04:18)
2. The Story Begins (04:42)
3. Heartbreaker (06:10)
4. Changes (07:01)
5. Denied (10:16)
6. Lullaby (06:00)
7. Decisions (02:28)
8. A Happy Ending? (03:33)
9. Someday (07:29)

Experimente sind eine schöne Sache, aber…

ECLIPSE HUNTER ist eine bereits im Jahre 2004 gegründete Power Metal-Formation aus dem Herzen Russlands. Eine, die sich über die Jahre hinweg vergleichsweise ruhig verhalten und dementsprechend auch nur eine recht übersichtliche Diskografie vorzuweisen hat – und trotz dessen schon wieder eine längere Pause eingelegt zu haben scheint (Stand 2017). Immerhin – und das ist auch der Grund für diese Rezension – waren die Musiker um Frontmann Alexander Yurov aber durchaus dazu imstande, mit ihrem Debütalbum ONE (siehe Review) einen respektablen Eindruck zu hinterlassen. Umso unverständlicher erscheint, wieso die Band nicht bei eben dieser eingeschlagenen Marschrichtung geblieben ist – und sich auf ihrem 2011 doch noch veröffentlichten, etwas merkwürdig betitelten Zweitwerk UNLIMITED EDITION von einer gänzlich anderen Seite zeigte. Einer, die aus einer generellen musikalischen Warte heraus zwar nicht komplett zu vernachlässigen ist; mit dem zuvor auf ONE inszenierten Power Metal aber nur noch verdächtig wenig am Hut hat.

Der Grund dafür ist ebenso schlicht wie in seiner Gesamtwirkung enttäuschend: UNLITED EDITION markiert eher ein Experiment denn ein reguläres, sich wirklich vollwertig anfühlendes Studioalbum. Ein unter Umständen als fehlgeleitet zu bezeichnendes Experiment noch dazu – schließlich hat sich die Band hier weniger von anderen Bereichen des Metal, als vielmehr von diversen Strömungen der Popmusik inspirieren lassen. Entsprechend seicht, harmlos und über alle Maßen unspektakulär ist auch das Ergebnis – welches schon mit dem handwerklich ansprechenden, letztendlich aber relativ nichtssagenden Intro OVERTURE sowie dem extrem flachen Opener THE STORY BEGINS perfekt beschrieben wird. Sicher, in Richtung des versierten Handwerks und der anständigen Produktion kann man LIMITED EDITION nur wenig vorwerfen – mit Ausnahme des in diesem Fall deutlich schwächer wirkenden Leadgesangs von Alexander Yurov. Dennoch: dass das Album einfach keine Höhen und Tiefen hat, sich des ewig gleichen langatmigen Tempos bedient und immer wieder mit so nicht unbedingt aufgehenden klanglichen Experimenten aufwartet; macht UNLIMITED EDITION zu alles andere als einem Genuss. Und das weder für Freunde eines knackigen Power Metals, noch für Fans einer progressiveren Gangart.

Anders gesagt: wer es tatsächlich schafft, in Anbetracht von Titeln wie dem knapp 10-minütigen DENIED eben nicht auf die Skip-Taste zu drücken; verdient auch schon wieder eine gewisse Form der Anerkennung. Und überhaupt: sieht man einmal von der relativ poppigen Attitüde des Albums ab, können ECLIPSE HUNTER hier bestenfalls als eine deutlich schwachbrüstigere Version potentieller Vorbilder bezeichnet werden – wobei insbesondere die Parallelen zu Bands wie DERDIAN (in Bezug auf die plötzlichen Breaks und die Inszenierung der Texte) oder auch DREAMTALE (in Bezug auf einige melodische Elemente) nicht zu überhören sind. Ein Großteil der verbleibenden Nummern unterscheidet sich dann eigentlich nur noch wie folgt: entweder wären sie besser bei Projekten wie AVANTASIA aufgehoben (der Rausschmeißer SOMEDAY etwa) – oder sie sind gleich komplett zu vernachlässigen, wie im Falle der nicht nur gesanglich problematische Ballade LULLABY. Einzig und allein das kurz vor SChluss präsentierte A HAPPY ENDING erinnert noch ansatzweise an die einstigen ECLIPSE HUNTER – doch das reicht natürlich nicht aus.

Schlussendlich: sollten die Russen eines Tages doch noch zurückkehren, so wären ihnen mindestens zweierlei Dinge zu wünschen. Zum einen, dass sie endlich eine eigene musikalische Identität an den Start bringen – und zum anderen, dass sie sich für ein Genre oder zumindest eine etwas klarere Marschrichtung entscheiden.

Absolute Anspieltipps: A HAPPY ENDING ?


„Ein letztendlich doch eher limitiertes Album, und das in mehrerlei Hinsicht.“

Metal-CD-Review: MORIFADE – Empire Of Souls (2011)

Alben-Titel: Empire Of Souls
Künstler / Band: Morifade (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 09. September 2011
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: IceWarrior Records

Alben-Lineup:

Henrik Weimedal – Bass
Kim Arnell – Drums
Fredrik Eriksson – Keyboards
Robin Arnell – Guitars
Kristian Wallin – Vocals
Mathias Kamijo – Guitars

Track-Liste:

1. Bleeding for Lust (05:19)
2. A Cry from the Void (04:33)
3. Come in Blood (05:51)
4. Fear Breeder (03:52)
5. My Silent Serenade (05:32)
6. Road of Deception (04:44)
7. Resemblance of Hate (04:38)
8. Impact of Vanity (04:54)
9. Strenght in Solitude (05:57)
10. The Dark Resignation (05:42)
11. A Sinister Mind (05:03)

Irgendetwas war geschehen… aber was ?

EMPIRE OF SOULS ist das vierte offizielle Studioalbum der Schwedischen Power Metaller von MORIFADE, die sich mittlerweile aufgelöst haben. Vor der offenbar endgültigen Trennung im Jahre 2015 jedoch waren die Musiker durchaus dazu in der Lage, für einiges an Aufsehen zu sorgen – und das vornehmlich um die Zeit der Jahrtausendwende herum. Immerhin konnten das 1999’er Debütalbum POSSESSION OF POWER (siehe Review), der schnelle Nachfolger IMAGINARIUM (Review) sowie das überraschende DOMINATION (Review) trotz des letzten fehlenden i-Tüpfelchens konsequent überzeugen – sodass es umso merkwürdiger erscheint, wieso die Band ab 2005 in eine Art Kältestarre verfiel. Sicher, dass der für den prägnanten Sound der Band alles andere als unwichtige Frontmann und Leadsänger Stefan Petersson das Boot verließ – und mit ihm auch noch der Gitarrist Jesper Johansson – sollte der Band einen Dämpfer verpasst haben. Dennoch ist es dezent kurios, dass es trotz des recht zeitnah akquirierten neuen Sängers Kristian Wallin ganze 7 Jahre brauchte, bis sich MORIFADE neu sortiert hatten und mit einem neuen Studioalbum zurück waren – dem vorliegenden EMPIRE OF SOULS.

Wobei es sich, und das ist kein Geheimnis; durchaus um ein Album mit diversen Problemen handelt. Und das gar nicht mal explizit, da MORIFADE hier ganz grundsätzlich wie eine völlig differente Band klingen – eine Band, die nichts oder nur noch wenig mit ihren Vorgängeralben am Hut zu haben scheint. Sicher wäre das unter Umständen noch zu verschmerzen, vor allem in Anbetracht der erwähnten Probleme und der langen Zeitspanne zwischen den jeweiligen Werken – doch nicht jede Band die sich neu erfindet, klingt danach noch überzeugend. Und tatsächlich: weder können MORIFADE hier mit ihrer neuen Marschrichtung und Gangart in Richtung eines eher auf modern getrimmten Releases mit schweren Riffs, aber merkwürdigerweise auch ohne viel Biss punkten (stellvertretend steht hier der gesamte Alben-Auftakt mit BLEEDING FOR LUST, A CRY FROM THE VOID und COME IN BLOOD) – noch in ihren hie und da durchschimmernden und dabei ebenso verspielten wie klassischen Power Metal-Momenten, die zumindest ansatzweise aus den alten Tagen der Band hätten stammen können.

Der hauptsächlichen Gründe dafür sind es vor allem zwei: zum einen hat sich der eher moderne, fast einzig und allen auf das schnell repetitiv erscheinende Riffing ausgelegte Sound auch in eben diesen Nummern breitgemacht – und zum anderen schaffte es Leadsänger Kristian Wallin hier einfach nicht, dem Album einen wirklich beeindruckenden Gesangsanstrich zu verpassen. Sicher: seine recht kräftige, wenn man so will laute und fordernde Stimme ist grundsätzlich eine willkommene Abwechslung – doch scheint sie nicht immer zur Stimmung der veranschlagten Instrumentalkompositionen zu passen. Überdies scheint sie auch nicht besonders flexibel zu sein, was eine ebenso ruhige wie emotionale Nummer a’la MY SILENT SERENADE unterstreicht – in der der MORIFADE-Sänger schlicht alles andere als glänzt, zumindest wenn es um die Strophen geht. Und überhaupt: was genau in einer Nummer wie STRENGTH IN SOLITUDE geschehen ist – vor allem in Bezug auf die veranschlagte Rhythmik und den lustlosen Refrain – das wissen respektive wussten wohl nur MORIFADE selbst.

Was dem Album bleibt, ist seine gelungene Präsentation inklusive aller die Abmischung und die Produktion betreffender Faktoren; sowie das grundsätzlich ansprechende Handwerk der einzelnen Mitglieder an den Instrumenten. Und eventuell einige doch noch direkt zündende Hymnen a’la ROAD OF DECEPTION oder IMPACT OF VANITY, wobei auch hier gilt: man hat vergleichbares einfach schon recht oft, und gegebenenfalls auch besser gehört. Fest steht: ein Album wie dieses lässt es weniger schade erscheinen, dass MORIFADE nicht mehr existieren; leider. Aber immerhin bleibt einem noch das Schwelgen in Erinnerungen, respektive der Genuss der besseren frühen Werke der Schweden – auf dass sie niemals gänzlich vergessen werden.

Absolute Anspieltipps: ROAD OF DECEPTION, IMPACT OF VANITY


„Ein nicht komplett zu vernachlässigendes, aber doch eher enttäuschendes Diskografie-Finale.“

Filmkritik: „Killer Mountain“ (2011)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Regie: Sheldon Wilson
Mit: Emmanuelle Vaugier, Aaron Douglas, Paul Campbell u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 85 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben (gekürzte Fassung)
Genre: Science Fiction / Action / Abenteuer
Tags: Berg | Gipfel | Monster | Kreaturen | Jungbrunnen | Jagd

Da hat wohl jemand Höhenluft gekostet. Oder vielleicht doch etwas ganz anderes… ?

Inhalt: Als eine Expedition zum bisher noch nicht von Menschen bestiegenen Berg Gangkhar Puensum in Bhutan plötzlich verschwindet, wird der erfahrene Bergsteiger Ward Donovan (Aaron Douglas) angeheuert um auf Spurensuche zu gehen – und die vermissten im besten Fall wohlbehalten zurückzubringen. Doch schnell scheint es, als würde sich eine von den hiesigen Einheimischen ausgesprochene und zunächst als Unsinn abgestempelte Warnung bewahrheiten. Ihrem Wortlaut nach sollen dort oben Götter hausen, die man besser nicht erzürnen sollte – zumindest nicht, wenn einem das eigene Leben lieb ist. So kommt es, wie es kommen musste: die Crew wird alsbald von seltsamen Kreaturen angegriffen, und die ersten Opfer lassen nicht lange auf sich warten…

Kritik:: Die recht hanebüchene und wenig durchdacht erscheinende Story, die überraschend miserablen CGI-Effekte und das peinliche Overacting machen schnell klar, dass es sich bei KILLER MOUNTAIN um eine schnell realisierte TV-Produktion handelt. Eine Produktion ohne große Ansprüche – die nicht einmal dazu taugt, um im Sinne eines unfreiwillig komischen Filmabends zu unterhalten. So lässt sich der Film getrost auf eine Stufe mit den berühmt-berüchtigten Werken aus dem Hause THE ASYLUM stellen – bei denen bekanntlich ebenfalls gilt, dass man lieber die Finger von ihnen lassen sollte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Syfy

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„Plump produziert und in fast jeder Hinsicht misslungen – selbst für eine TV-Produktion ist das zu wenig.“

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Metal-CD-Review: VEXILLUM – The Wandering Notes (2011)

Alben-Titel: The Wandering Notes
Künstler / Band: Vexillum (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Januar 2011
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: My Graveyard Productions

Alben-Lineup:

Francesco Ferraro – Bass
Francesco Girardi – Drums
Michele Gasparri – Guitars
Andrea Calvanico – Guitars
Dario Vallesi – Vocals

Track-Liste:

1. Neverending Quest (06:11)
2. The First Light (05:03)
3. Avalon (06:01)
4. The Brave and the Craven (05:37)
5. Ranger Runs Again (03:27)
6. Rising from the Ruins (05:43)
7. The Wood of Chances (03:48)
8. Hunter and Prey (04:12)
9. The Traveller (05:04)
10. Open Your Curtain (05:26)
11. Shadow Vexillum – Part II (06:30)

Jung, wild und ungestüm.

Nanu… wer oder was sind denn VEXILLUM, die sich frei nach der Facón von Bands wie SABATON nach einer althergebrachten Bezeichnung für kriegsbezogene Gegenstände benannt haben (Wikipedia-Link) ? In der Tat handelt es sich hier um eine bereits 2004 als SHADOW VEXILLUM gegründete Power Metal-Combo aus Italien, die sich nach ihrer ersten Demo (TALES, 2006) im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Schatten erhoben hatte – und somit auch auf den einstigen Namenszusatz verzichten konnte. Schließlich versprach schon die erste unter dem neuen Banner aufgenommene Werkschau NEVERENDING QUEST (2007) großes, nicht zuletzt dank der in Italien nicht allzu häufig anberaumte Symbiose aus Power Metal und Folk-Elementen. Ein wenig dauerte es zwar noch bis zum vorliegenden und über My Graveyard Productions erschienenen Debütalbum THE WANDERING NOTES – wobei man allerdings auch nicht sagen kann, dass die Bande die Wartezeit nicht genutzt hätte. Denn: THE WANDERING NOTES ist tatsächlich ein mehr als nur nennenswertes, rundum knackiges und vor allem spannendes Genre-Album geworden. Eines, dass dabei sogar in etwa dem entspricht; was man anhand des stimmigen Cover-Artworks hat erwarten können.

Anders gesagt: nach einem kurzen, ausnahmsweise mal nicht überflüssigen Intro-Part legt der Opener NEVERENDING QUEST gleich ordentlich vor; und überzeugt nicht nur in Bezug auf die handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder und die höchst zufriedenstellende Abmischungs- und Produktionsqualität – sondern auch hinsichtlich der wenn man so will ureigenen Atmosphäre. Eine, die sich glücklicherweise auch durch die Folgenummern zieht – von denen sich so manche als absoluter Anspieltipp eignet. AVALON etwa greift erstmals deutlicher auf die von der Band anberaumten Folk-Elemente zurück, führt nebenbei auch noch eine dezente symphonische Komponente ein – und avanciert so zu einer der vermutlich besten respektive wirksamsten Midtempo-Hymnen überhaupt. Warum genau das Konzept von VEXILLUM hier so gut aufgeht, lässt sich dabei wohl nur erahnen. Immerhin ist es beileibe keine Selbstverständlichkeit, dass Genre-Bands aus Italien so frisch und unverbraucht klingen – doch offenbar hatten sich Italiener schon früh auf ihre potentiellen Alleinstellungsmerkmale fokussiert, und diese auf THE WANDERING NOTES erstmals perfekt umgesetzt.

Sicher gibt es kaum eine Band, die sich nicht auch mit anderen vergleichen lässt – was auch für VEXILLUM gilt. Jedoch, und das ist ein klarer Vorteil der Italiener – allzu schnelle, und vor allem allzu viele Parallelen lassen sich nicht ziehen. Bands wie ELVENKING oder FALCONER eignen sich wohl noch am ehesten für einen Vergleich, zumindest einen groben – der gleichzeitig auch auf die einzige potentielle Schwäche von VEXILLUM hinweist. Denn: der hiesige Leadsänger Dario Vallesi macht nicht immer eine gute Figur, auch wenn er eine grundsätzlich angenehme Stimmfarbe hat. Doch wann immer er etwas aggressivere Töne anschlägt, zu emotionalen Screams ansetzt (wie in THE WOOD OF CHANGES) oder sich wie in RANGER RUNS AGAIN auch mal deutlich ruhiger inszeniert wird klar: gegen eine sich aufgrund des Band-Vergelichs anbietende Genre-Galionsfigur wie Mathias Blad sieht er verständlicherweise alt aus. Und das nicht nur was das Volumen der Stimme betrifft – sondern auch hinsichtlich der allgemeinen Bandbreite, Glaubwürdigkeit und nicht zuletzt Sicherheit. Immerhin: er gibt sein bestes. Und von einer allgemein guten Band, die sich durch ihren Leadgesang vieles zunichte macht, ist VEXILLUM ebenfalls noch weit entfernt.

Eines schaffte und schafft THE WANDERING NOTES allemal – ein Dasein als stilistisch und atmosphärisch sehr zielgerichtetes, enorm Riff-geladenes und grundsätzlich kaum verbesserungswürdiges Power Metal-Werk zu etablieren. Vielleicht kein perfektes, dafür gibt es hier und da noch zu viel Luft nach oben – aber in jedem Fall eines, dass man in seiner Sammlung haben sollte.

Absolute Anspieltipps: NEVERENDING QUEST, AVALON, THE BRAVE AND THE CRAVEN, OPEN YOUR CURTAIN


„Ein buntes metallisches Potpourri aus klassischen Genre-Elementen, zündenden Folk-Zusätzen und rundum stimmig verpackten Geschichten mit einer Extraportion Atmosphäre.“

Metal-CD-Review: SYMAKYA – Majestic 12: Open Files (2011)

Alben-Titel: Majestic 12: Open Files
Künstler / Band: Symakya (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. Februar 2011
Land: Frankreich
Stil / Genre: Progressive Power Metal
Label: Fantai’Zic Productions

Alben-Lineup:

Thomas Das Neves – Drums
Matthieu Morand – Guitars, Bass, Orchestration
Kevin Kazek – Vocals

Track-Liste:

1. Genesis (08:48)
2. The First Disturbing Contact (03:07)
3. Other Keys (07:58)
4. The Inner Control (07:25)
5. Under the Banner of the Faith (06:48)
6. Messenger of the Verb (07:54)
7. Of New Idols (04:57)
8. Supervision Code (07:23)
9. Human God? (08:05)
10. Disconnected End of Process (03:19)

Eine Akteneinsicht der etwas anderen Art.

Auf der Suche nach nicht wirklich bekannten, dafür aber umso interessanteren und im besten Fall auch entsprechend hochkarätigen Power Metal-Perlen kommt man an manchen Releases einfach nicht vorbei. Einen eben solchen Fall beschreiben auch die 2008 gegründeten SYMAKYA aus Frankreich – deren Diskografie bis heute erstaunlich übersichtlich geblieben ist. Tatsächlich haben die Franzosen bisher nur ein einziges Album veröffentlicht, und zwar ihr Debütalbum MAJESTIC 12: OPEN FILES aus dem Jahre 2011. Dieses beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 65 Minuten, und ist als eine von gerade einmal 6 Veröffentlichungen des Labels Fantai’Zic Productions erschienen. Ob man in diesem Fall ein dezentes leider hintenan schieben; oder sich lieber ob der somit allemal gegebenen Exklusivität freuen soll bleibt jedem selbst überlassen – doch Fakt ist, dass SYMAKYA gleich aus mehreren Blickwinkeln heraus interessant erscheinen. Und das schon, bevor man überhaupt erst näher in die musikalischen Welten von MAJESTIC 12: OPEN FILES eingestiegen ist.

Schließlich versprechen SYMAKYA eine nicht ganz so häufig anberaumte Symbiose aus verschiedenen Subgenres des Metal. Sicher, mehr oder weniger dezent progressiv angehauchte Bands gibt es auch im Bereich des Power Metal – doch ist in diesem Falle eine zusätzliche Verquickung mit allerlei symphonischen Klangelementen vorgesehen. Das Ergebnis kann sich dabei allemal sehen respektive hören lassen: SYMAKYA vernachlässigen keine der angepeilten Spielarten, sondern vermengen sie zu einem höchst interessanten Ganzen. Anders gesagt: die Kombination aus etwas anspruchsvolleren progressiven Noten, einem zünftigen Power Metal der europäischen Spielart sowie der wunderbar atmosphärischen Orchestrierung von Matthieu Morand geht voll auf – und verleiht MAJESTIC 12: OPEN FILES eine ganz eigene, unverwechselbare Note. Analog zur ohnehin interessanten Thematik des Albums versteht sich – bei dem man einstweilen tatsächlich das Gefühl entwickeln kann, der ein oder anderen Verschwörung auf die Spur zu kommen.

Natürlich nur, wenn man sich auf ein Konzept wie dieses einlässt – aber das sollte eingefleischten Power Metal-Fans, die sich sonst auch in deutlich weniger geschickt und atmosphärisch ausstaffierten musikalischen Welten zuhause fühlen; entsprechend leicht fallen. Und überhaupt: neben den vielen interessanten, ganz grundsätzlich für SYMAKYA sprechenden Aspekten des Albums sieht es auch hinsichtlich der handwerklichen Leistungen, des Songwritings und der gesamten Abmischungs- und Produktionsarbeit überaus gut aus. Wie ein vorschnell auf die Beine gestelltes Debütalbum klingt das Ganze jedenfalls nicht – sondern vielmehr wie ein lange Jahre geplanter Befreiungsschlag, in den auch einiges an Herzblut geflossen sein dürfte. So macht schon der Opener GENESIS klar, worauf man sich bei einem Album wie diesem einstellen sollte – auf eine wunderbar schmackig vorgetragene, beeindruckende Reise; die sowohl auf der inhaltlichen als auch musikalischen Ebene überzeugt.

Das erfrischende dabei ist sicherlich, dass viele der allgemein typischen Genre-Klischees keinen Platz in den musikalischen Welten von SYMAKYA haben – und die progressiv angehauchten Strukturen inklusive einiger furioser Soli-Momente nicht nur hervorragend klingen, sondern auch für markante Abwechslung sorgen. Dass die Musiker ihr Handwerk verstehen und ein Gefühl für eine gewisse (aber niemals lächerlich wirkende) Dramatik haben, lässt sich dabei auch anhand zunächst eher unscheinbar wirkender Momente feststellen – wie in Bezug auf das Zwischenspiel THE FIRST DISTURBING CONTACT. Dieses offenbart – wie im übrigen auch das Outro – echte Soundtrack- respektive Hörspielqualitäten – und sollte demnach keineswegs übersprungen werden. Eine mindestens ebenso ehrlich gemeinte Lobeshymne kann oder sollte man auch für den hiesigen Leadsänger Kevin Kazek vorsehen – der schlicht eine hervorragende Figur macht. Vornehmlich, da er sich den progressiven Strukturen gefühlt anpasst und mit seiner Stimme den ein oder anderen Spagat wagt – und ihn dabei auch in einem solchen Ausmaße schafft, dass man einstweilen glaubt mehrere verschiedene Sänger zu hören.

Fakt ist: was nach dem bereits überaus gelungenen Auftakt des Albums folgt, überzeugt durchgängig – schwache Momente oder gar Ausfälle gibt es keine. Eigentlich nur solche, die eine schier einzigartige Atmosphäre etablieren – und dabei ein ganz und gar zeitloses Kult-Potential offenbaren. Es bleibt somit nur, sich dezent vor SYMAKYA zu verneigen – und ob der Dinge zu harren, die in Zukunft noch von der Band kommen könnten.

Absolute Anspieltipps: GENESIS, OF NEW IDOLS, SUPERVISION CODE 1945, HUMAN GOD


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„Nicht weniger als ein absoluter Genre-Meilenstein aus Frankreich.“

Metal-CD-Review: CELLADOR – Honor Forth (EP, 2011)

Alben-Titel: Honor Forth (EP)
Künstler / Band: Cellador (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Oktober 2011
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Chris Petersen – Vocals, Guitars, Bass
Diego Valadez – Keyboards
Jesper Stotz – Keyboards (Honor Forth & I’m Omega)
Adam Leeway – Drums

Track-Liste:

1. Honor Forth (03:49)
2. I’m Omega (04:44)
3. Unchained (05:01)
4. Conscious Defector (05:09)

Ehre wem Ehre gebührt.

Nachdem sich die US-Amerikansichen Power Metaller von CELLADOR der Welt schon 2006 mit ihrem rundum gelungenen Debütalbum ENTER DECEPTION (siehe Review) vorgestellt hatten, ging es für die Band nicht direkt weiter – einige markante Lineup-Wechsel und eine langjährige Schaffenspause waren die Folge. Umso interessanter war und ist das 2001 erschienene Lebenszeichen der Band, die 4 Titel enthaltene EP HONOR FORTH. Dabei ist sie nicht nur interessant, da sie erstmals wieder neues CELLADOR-Material nach immerhin 5 Jahren Pause präsentierte – sondern auch, da gitarrist und gründungsmitglied Chris Petersen dieses Mal einige Sachen selbst in die Hand nahm. Schlciht, da die Band zu diesem Zeiptpunkt kein collständiges Lineup hatte, er die Band aber dennoch nicht ihrem Schicksal überlassen wollte. Das ergebnis ist dabei durchaus ansehnlich geworden, auch wenn sich das Ganze so ein wenig wie ein Ein-Mann-Projekt anfühlt – Chris Petersen kann nicht nur hervorragend Gitarre spielen, sondern auch singen und den Part des Bassisten übernehmen. Nur an den Drums bekam er Unterstützung von einem gewissen Adam Leeway – was gut ist, schließlich waren das furiose und variable Drumming schon ein Markenzeichen von ENTER DECEPTION.

Tatsächlich bewegt sich die EP stilistisch auch gar nicht so weit entfernt von eben jenem 5 Jahre älteren Vorgänger. HONOR FORTH ist temporeich, handwerklich über viele Zweifel erhaben, klingt schön wuchtig; und bietet dem geneigten Power Metal-Enthusiasten eine ansprechende Mixtur aus dezent schroffen und melodiösen Genre-Elementen. So kann schon der Opener und titeltrack HONOR FORTH zu einem kleinen highlight avancieren – zumal CELLADOR hier einen ihrer bisher besten refrains präsetnieren. Aufgrund der geringen Spielzeit der EP, aber sich auch aufgrund des leicht veränderten Klankonzepts fallen die Soli nciht mehr ganz so länglich aus – verrückt genug um aufzufallen sind sie aber immer noch. CELLADOR, oder eher Chris Petersen hat in diesem Fall alles richtig gemacht – seine kurze, aber über alle Maßen knackige EP kann sich wahrlich sehen (und hören) lassen.

Absolute Anspieltipps: HONOR FORTH, UNCHAINED


„Eine kurze aber gelungene, und in gewisser Weise auch beeindruckende EP.“

Filmkritik: „Quarantäne 2: Terminal“ (2011)

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Originaltitel: Quarantine 2: Terminal
Regie: John Pogue
Mit: Mercedes Masohn, Josh Cooke, Mattie Liptak u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 82 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Flugzeug | Hangar | Virus | Epedemie | Zombies | Infizierung

Hurra, Hurra, die Pest ist da… ?

Kurzinhalt: Eigentlich hatte sich Stewardess Jenny (Mercedes Masöhn) auf einen ruhigen Arbeitstag an Bord eines weiteren Passierfluges eingestellt. Als einer der hiesigen Fluggäste plötzlich ernste Anzeichen einer Krankheit zeigt und sich zudem äußerst aggressiv verhält, ist es allerdings ganz schnell vorbei mit der angestrebten Alltagsroutine. Was folgt, ist ein dringend erforderliches Ruhigstellen der betreffenden Person; sowie eine eilige Notlandung auf einem Ausweichflughafen – was die Passagiere zu Recht beunruhigt. Doch es zeigt sich, dass es sich hierbei erst um die Ruhe vor dem Sturm handeln sollte… denn offenbar sind auch noch andere Fluggäste krank geworden. Umso überraschter ist die Truppe, als sie am Flughafen nicht in das vorgesehene Terminal gelangt – sondern stattdessen in einem sonst nicht der Öffentlichkeit zugänglichen Bereich des Flughafens festgehalten wird.

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Kritik: Es gibt sie immer wieder – Filme, denen man relativ schnell ansieht dass irgendetwas nicht stimmt. Dabei ist jene Form der gefühlten Ermangelung aber nicht unbedingt nur auf den jeweiligen Inhalt zu beziehen – denn meist hapert es gleich in mehrerlei Hinsicht. Und eben dafür könnte auch QUARANTÄNE 2: TERMINAL ein Paradebeispiel sein. Immerhin: der Horrorfilm mit Zombie-Anleihen, der von John Pogue stammt und als Nachfolger des ersten QUARANTÄNE-Streifens aus dem Jahre 2008 fungiert; hätte zumindest theoretisch das Zeug dazu gehabt als überdurchschnittliches Genre-Futter zu fungieren. Doch gerade in Anbetracht der simplen Prämisse, den eher übersichtlichen Schauplätzen und den offenbar nur geringen zur Verfügung stehenden Mitteln hätte den Machern eines definitiv nicht abhanden kommen dürfen: das Fingerspitzengefühl.

So zeigt QUARANTÄNE 2 recht schnell und mit Nachdruck auf, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Noch nicht ganz so gravierend ist, dass sich die technischen und inszenatorischen Aspekte bestenfalls auf einem gehobenen B-Movie-Niveau bewegen – doch dass die eigentliche Geschichte absolut unspektakulär und vorhersehbar bleibt schon eher. Die unausweichliche Folge: weder sollte man hier mit noch nie gesehenen Elementen rechnen, noch mit einer besonders gelungenen Umsetzung altbekannter Inhalte. Anders gesagt: Zombie-ähnliche Epidemien wurden anderswo schon zigmal gezeigt, und das meist besser – QUARANTÄNE 2 verpasst es schlicht, mehr und vor allem anspruchsvolleres aus seinem vergleichsweise ungewöhnlichen und eigentlich viele Möglichkeiten offerierenden Schauplätzen (zunächst im Flugzeug, später in einem großen Hangar) zu machen. Als reiner Spaßfilm taugt QUARANTÄNE 2 indes auch nicht – denn dafür nimmt er sich schlichtweg zu ernst.

Hinzu kommt, dass sich die Verantwortlichen nicht einmal ob einiger besonders interessanter Charakterporträts bemüht haben – allein die Zusammenstellung wirkt hier eher bemüht und stereotyp. Analog dazu fallen auch die Leistungen der beteiligten Darsteller nicht sonderlich glanzvoll – und schon gar nicht erinnerungswürdig – aus. Am ärgerlichsten aber wirkt QUARANTÄNE 2 immer dann, wenn er es tatsächlich einmal schafft eine nennenswerte Spannung und Atmosphäre zu etablieren (vornehmlich in seinen dunklen und klaustrophobischen Momenten) – diese dann aber spätestens mit den fürchterlich-unglaubwürdig dargestellten Infizierten inklusive einiger typisch-plumper Effekthaschereien wieder zerstört. Was bleibt, ist reichlich verschenktes Potential – und ein eher zu überspringender Horrorfilm der Marke unspektakulär.


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„Hier gehören nicht nur die Protagonisten in Quarantäne.“

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