Filmkritik: „The Reef – Schwimm Um Dein Leben“ (2010)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Andrew Traucki
Mit: Adrienne Pickering, Zoe Naylor u.a.
Land: Australien
Laufzeit: ca. 87 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Horror (80 %), Abenteuer (20 %)
Tags: Schiffbruch | Hai-Attacke | Offenes Meer | Überlebende | Seenot

Hier hat es sich ganz schnell ausgeREEFt.

Inhalt: Als Höhepunkt einer Australienreise gehen die Engländer Kate, Matt und Suzie an Bord einer kleinen Segelyacht, die von Luke und dessen Kumpel Warren geführt wird. Gemeinsam planen sie einen Trip zu den hiesigen Korallenriffs. Doch alsbald ereignet sich ein folgenschweres Unglück: die Yacht läuft auf ein Riff auf und liegt plötzlich kieloben auf dem Wasser. In Panik versuchen die Gekenterten zu retten, was zu retten ist. Doch als die Gruppe immer länger in der prallen Sonne sitzt wird klar, dass ihr so schnell niemand zur Hilfe eilen würde. So beschließen 4 der 5 Schiffbrüchigen ins Wasser zu gehen und zu einer nahen Insel zu schwimmen. Das Problem: diese ist längst nicht in Sicht, und im Gebiet wimmelt es nur so vor Haien.

Kritik: Sie sind eher selten, doch es gibt sie – Filme, die trotz oder gerade wegen ihres geringen Budgets etwas anders sind. Zumindest anders als vieles, was man sonst eher als alltäglichen Hollywood-Einheitsbrei beschreiben würde, frei nach dem Leitsatz: je rebellischer und nachhaltiger die letztendlich etablierte Wirkung, desto besser. Das Problem: da entsprechende Werke noch immer die klare Ausnahme bilden ist es kein Wunder, dass man automatisch mehr Negativbeispiele denn hervorzuhebende Filmperlen an der Hand hat. Negativbeispiele wie den australischen, 2010 veröffentlichten Katastrophen-Horrorverschnitt THE REEF – der noch einmal mit Nachdruck aufzeigt, dass nicht jedes mit einem kleinen Budget auskommendes Werk automatisch zu einem waschechten Indie-Geheimtipp avancieren kann. Erst Recht nicht, wenn man sich nur stumpf auf eine vergleichsweise unspektakuläre (oder eher: kaum für die übliche Länge eines Spielfilms geeignete) Geschichte respektive Grundidee stützt – und darüber hinaus nichts, aber auch wirklich gar nichts unternimmt; um dem Projekt so etwas wie eine Seele einzuverleiben.

Sicher, die Frage wie man einen Film wie diesen wirklich hätte spannend gestalten können ist gar nicht so leicht zu beantworten. Fest steht nur, dass die von Regisseur Andrew Traucki angebotene Lösung eine denkbar ungünstige ist – und eine, die in Sachen Originalität und Ideenreichtum bestenfalls mit ebenso kruden wie oberflächlichen Vergleichsfilmen a’la OPEN WATER mithalten kann. Warum, liegt auf der Hand: sich bei einem Szenario wie diesem dringend anbietende Aspekte wie eine nachhaltige Charakterentwicklung oder handfeste Survival-Elemente kommen erst gar vor, beziehungsweise stehen nicht im Fokus. Ein Fokus, der in diesem Fall von einem anderen, eher fischartigen Gesellen blockiert wird – der zum einen für eine Kategorisierung des Films im Horror-Genre sorgt; und zum anderen zum wahrlich einzigen Element avanciert, welches den Film irgendwie vorantreibt. Und das ist – zweifelsohne – eine eher müßige Angelegenheit.

Doch THE REEF wäre nicht THE REEF, wenn er überdies nicht noch ein Portiönchen mehr anzubieten hätte – und selbst sein einzig nennenswertes inhaltliches Element (den Überlebenskampf zwischen einer Gruppe Menschen und einem Hai) – zu einer kleinen, selbstverständlich absolut unfreiwilligen Comedy-Veranstaltung avancieren ließe. Das Verhalten der Hauptprotagonisten, aber eben auch des Hais sprechen hier Bände – ein Grinsen kann man sich ob der hanebüchenen Darstellung des Überlebenskampfes einerseits, und der merkwürdigen Strategie des Hais jedenfalls kaum verkneifen. Spätestens mit dem furiosen Finale wird es dann wohl für jeden soweit sein – ein (erneut unfreiwilliger) Lacher ist hier fast schon garantiert. Kurzum: wenn man sich schon derart auf einen Hai als eigentlichen Drive des Films versteift, sollte man eventuell auch ein wenig recherchieren und zumindest für eine halbwegs glaubhafte Darstellung sorgen. Oder eben nicht – doch der Grusel-Faktor wird dadurch nicht gesteigert, eher im Gegenteil.

Zugutehalten kann man dem Film eigentlich – und fairerweise – nur eines. Und das ist die doch halbwegs solide Kamera-Arbeit von Daniel Ardillery, die ein ansprechendes Spiel mit Perspektiven und eine angenehme Mischung aus ruhigeren und von Wellen bewegten Bildern offeriert. Darüber hinaus – und damit sind auch Dinge wie der Soundtrack oder die Leistung der beteiligten Darsteller gemeint – eignet sich THE REEF eher zum Vergessen. Eben so, wie man es auch mit der auf der gekenterten Yacht zurückgelassenen Figur des Warren gehandhabt hat – die im Film nie wieder gezeigt wurde.

Bilder / Promofotos / Screenshots: Atlas Film / Koch Media

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„Wenn er nicht so quälend lang, einfallslos und unblutig wäre; würde THE REEF fast schon als trashige Horrorkomödie durchgehen. So aber ist das Ergebnis einfach nur peinlich.“

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Filmkritik: „Undisputed III: Redemption“ (2010)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Isaac Florentine
Mit: Scott Adkins, Mykel Shannon Jenkins, Mark Ivanir u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: keine Jugendfreigabe (uncut) / ab 16 freigegeben (cut)
Genre: Action, Drama
Tags: Knast | Gefängnis | Korruption | Alltag | Kämpfe | Brutal

Sind sie zu hart, bist Du zu weich.

Inhalt: Nachdem sich der gefürchtete Gefängniskämpfer Yuri Boyka (Scott Adkins) eine schwere Knieverletzung zugezogen hat, fristet der ehemalige Champion ein ebenso verwahrlostes wie hoffnungsloses Dasein als Toilettenputzer. Gänzlich verschwunden scheint sein Kampfgeist allerdings nicht, ebenso wenig wie die Erfahrungen aus seinem jahrelangen Training. Und tatsächlich: als er zufällig einen Kampf beobachtet, wittert er seine Chance in den Ring zurückzukehren. Als dann auch noch ein größeres internationales Gefängnisturnier ausgetragen werden soll, ist Boyka sofort Feuer und Flamme – und das nicht nur, da dem Sieger die Freiheit winkt. Viel wichtiger ist es ihm schließlich zu beweisen, dass er noch immer einer der besten Kämpfer aller Zeiten ist… wobei es höchst unklug wäre, nicht auch ein Auge auf die skrupellosen Hintermänner und Strippenzieher des in vielerlei Hinsicht nicht ganz unproblematischen Duells zu werfen.

Kritik: Korrupte Beamte und schmierige Bonzen investieren in muskelbepackte Sträflinge, die sich in einem Kampf um Leben und Tod gegenüberstehen – und dabei nur vermeintlich die Freiheit gewinnen können. So oder so ähnlich muss man den sich auf den vergleichsweise hochkarätig besetzten ersten Teil (2002) der Reihe beziehenden dritten UNDISPUTED-Film des seit dem zweiten Teil verantwortlichen Regisseurs Isaac Florentine vorstellen – wobei es tatsächlich nicht allzu viel hinzuzufügen gibt. Anders gesagt: so oberflächlich, unglaubwürdig und im Sinne einer fraglichen Männerunterhaltung zusätzlich vereinfacht der Film erscheint, so ist er auch im Kern – woran auch die hier und da geäußerten flotten Sprüche nicht viel ändern. Und das schon gar nicht in Bezug auf die äußerst fragwürdige Moral des Films (die noch am ehesten als so sicher nicht beabsichtigte Metapher funktioniert) – oder aber die Tatsache, dass man selbst aus einer durchwachsenen Vorlage wie UNDISPUTED gleich mehrere Teile macht oder machen muss. Zugute halten kann man UNDISPUTED III also nur, dass man dem Hauptdarsteller Scott Adkins seine Rolle als knallharte und lediglich zum Kampf bestimmte Maschine durchaus abnimmt (und das etwa im Gegensatz zu so manchem Möchtgern-Badboy der Marke Hollywood) – und dass es auch dieses Mal einige herrlich abstruse Überzeichnungen sowie eine handvoll ungeschönt inszenierter und recht gut choreographierte Kampfszenen zu sehen gibt. Die können den Film zwar auch nicht retten oder origineller machen, aber immerhin für einen – wenn auch diskutablen – Unterhaltungswert sorgen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Millennium Films

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„Raubeiniges, aber eben auch reichlich luftiges Gefängniskampf-Futter für Zwischendurch.“

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Filmkritik: „Dschungelkind“ (2010)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Autobiografie von Sabine Kuegler
Regie: Roland Suso Richter
Mit: Thomas Kretschmann, Nadja Uhl, Isolde Barth u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Abenteuer / Drama
Tags: Dschungel | Urwald | Familie | Kinder | Reise | Rückkehr

Fluch und Segen des Dschungelkinds.

Inhalt: Als der Linguist Klaus Kuegler (Thomas Kretschmann) im Jahre 1980 gemeinsam mit der Familie in den Dschungel von West-Guinea reist, eröffnet sich insbesondere für die beiden jungen Kinder Sabine (Stella Kunkat) und Christian (Tom Hoßbach) ein magisches Natur-Paradies. Gemeinsam erkunden sie die Umgebung, finden schnell neue Freunde – und können sich alsbald schon kein Leben ausserhalb des Dschungels mehr vorstellen. Ihre Mutter Doris (Nadja Uhl) und ihre ältere Schwester Judith (Milena Tscharntke) jedoch scheinen zunächst noch Probleme zu haben, sich mit der neuen Situation zurechtzufinden – vor allem was die ungewöhnlichen Bräuche und Ansichten der hiesigen Einheimischen angeht. Letztendlich scheint man sich zu arrangieren – was aber nicht heißt, dass es nicht dennoch zu Problem kommen würde. Neben potentiellen Krankheiten, persönlichen Konflikten und Zukunftsängsten scheint sich schließlich auch noch ein größeres Stammeskrieg anzubahnen…

Kritik: Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, der Hektik des modernen Alltags zu entfliehen – und das Experiment zu wagen, ein eher ursprüngliches Leben inmitten im nirgendwo zu beginnen ? Zunächst noch aufgrund ihrer Eltern und ohne überhaupt die Wahl zu haben, kam die junge Sabine Kuegler in eine eben solche Situation – und das sowohl in ihrem tatsächlichen Leben als auch im Film DSCHUNGELKIND, der sich als autobiografisch inszenierte Werk von Roland Suso Richter mehr oder weniger direkt auf das Leben der in Nepal geborenen Autorin bezieht. Tatsächlich stellt sich der dabei auch der Film als recht spannende Angelegenheit heraus – und das nicht nur aufgrund der stimmig eingefangenen und gleichzeitig eine gewisse Form der Magie heraufbeschwörenden Bilder. Die recht geschickt in Szene gesetzte kindliche Erzählperspektive, die sich auf einem schmalen Grat zwischen einer Romantisierung und der Darstellung des nicht selten problematischen Alltags der Auswanderer bewegende inhaltliche Schwerpunktsetzung sowie die doppelt generationsübergreifende Leistung der beteiligten Darsteller auf Seiten der Familie und der Ureinwohner sprechen schließlich grundsätzlich für das Filmprojekt DSCHUNGELKIND – das vor allem in seiner ersten Hälfte sowie in Bezug auf seine vergleichsweise tiefgreifende und ungekünstelte Darstellung der Auseinandersetzung zwischen zwei grundverschiedenen Völkern (sowie allen beteiligten Personen) punkten kann.

Im weiteren Verlauf indes, und mit der Zunahme der seitens des Hauptcharakters und des Regisseurs getroffenen Reflexionen droht die DSCHUNGELKIND-Filmfassade dann doch noch dezent zu bröckeln – was zum Teil auch an den schwächer geratenen Leistungen der vermehrt für sich spielenden Darsteller liegt, die dem vorangegangenen Spiel ihrer weitaus jüngeren Nachwuchs-Kollegen nunmehr kaum noch etwas entgegenzusetzen haben. Dennoch, und gerade in Anbetracht der anberaumten Komplexität der Erzählung und jeweiligen Innenansichten kann eine bedenkenlose Empfehlung für DSCHUNGELKIND ausgesprochen werden. Zum einen, da der Film weitaus weniger kitschig oder prätentiös daherkommen sollte als von manchen vermutet und klar die Charaktere in den Mittelpunkt stellt – und zum anderen, da er mit seiner gewissermaßen sonderbaren Mixtur aus einer vermittelten Abenteuerlust, einer angeschnittenen Familien-Historie und dem Porträt zweier höchst unterschiedlicher Lebensarten wunderbar unterhält.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © UFA Cinema

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„Abenteuerlich, substanziell und weitestgehend wertungsfrei – eine echte Überraschung.“

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Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – At The Edge Of Time (2010)

Alben-Titel: At The Edge Of Time
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Juli 2010
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. Sacred Worlds (09:17)
2. Tanelorn (Into the Void) (05:58)
3. Road of No Release (06:30)
4. Ride into Obsession (04:46)
5. Curse My Name (05:52)
6. Valkyries (06:38)
7. Control the Divine (05:26)
8. War of the Thrones (04:55)
9. A Voice in the Dark (05:41)
10. Wheel of Time (08:55)

Je knapper die Zeit, umso größer der Schöpfungsdrang ?

Man mag über sie denken was man will, aber: trotz dessen, dass sie schon seit unzähligen Jahren im Geschäft sind, mindestens einen markanten Stilwechsel vollzogen und dabei auch das ein oder andere Experiment gewagt haben; standen die deutschen Power Metaller von BLIND GUARDIAN noch zu keinem Zeitpunkt vor der Gefahr, sich in irgendeiner Form die Blöße zu geben. Dementsprechend – und mal abgesehen von ihrer ohnehin vorhandenen Wegbereiter-Funktion – sind sie mit ihren bis dato veröffentlichten, allesamt rundum zufriedenstellenden Studioalben auch nicht mehr aus der allgemeinen Power Metal-Szene wegzudenken. Dennoch, und das gilt längst nicht nur für BLIND GUARDIAN; ist es nur selten ratsam sich auf seinen bisherigen Erfolgen auszuruhen – weshalb das Bestreben immer neue Höhen zu Erreichen auch noch nach vielen Jahren vorhanden sein kann oder sollte. Zumindest im besten Fall – und glücklicherweise auch in Anbetracht eines Albums wie AT THE EDGE OF TIME, dem mittlerweile neunten offiziellen Langspieler der niemals ruhenden Power Metaller.

Anders gesagt: auch wenn bisher kein einziges BLIND GUARDIAN-Album Schwächen aufwies die den Hörgenuss in einer wirklich nachhaltigen Art und Weise hätten trüben können, ließen die Krefelder hie und da doch etwas Luft nach oben. Was nur verständlich ist, auf die auch bei einer großen Band wie dieser vorhandenen (menschlichen) Makel hinweist – und eine spezifischere Differenzierung zwischen den einzelnen Alben überhaupt erst möglich macht. Während der Vorgänger A TWIST IN THE MYTH (siehe Review) also möglicherweise nicht zum besten gehörte, was die Band der geneigten Hörerschaft jemals präsentiert hatte; schien die Band auf dem 2010 nachgeschobenen AT THE EDGE OF TIME noch einmal deutlich zugelegt zu haben. Und das in mehrerlei Hinsicht – vor allem aber was die an den Tag gelegte Härte, den spürbaren Druck und auch die Ausgewogenheit zwischen antreibend-rassigen Momenten und den für die Band typischen folkloristischen oder balladesken Einschüben betrifft. Betrachtet man den überraschend gut funktionierenden Opener SACRED WORLDS, sicher auch den symphonischen – die bei BLIND GUARDIAN eher selten Verwendung finden, hier aber schon einmal für einen vergleichsweise erfrischenden Alben-Auftakt sorgen.

Schon kurz darauf, und mit Titeln wie TANELORN oder RIDE INTO OBSESSION macht sich die im Gegensatz zum noch etwas luftigeren Vorgänger neu entdeckte Härte und Griffigkeit von BLIND GUARDIAN bemerkbar – die dem Album einen ebenso interessanten wie antreibenden Charakter einverleibt, und die dazwischenliegenden Titel wie etwa das stampfende ROAD OF NO RELEASE oder das für die Band typische Folk-Intermezzo CURSE MY NAME zu wunderbar aufgehenden atmosphärischen Einschüben macht. Was darauf folgt, ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern – läuft dann aber zugegebenermaßen auch mal Gefahr, etwas zu eintönig zu klingen. Während das recht ansprechende VALKYRIES dabei eigentlich nur – und leider – im Refrain schwächelt, wirkt sich das insbesondere bei einer sich nicht wirklich für eine Marschrichtung entscheidenden Nummer wie CONTROL THE DIVINE eher negativ aus. Glücklicherweise haben BLIND GUARDIAN aber noch etwas in Petto – und das ist das höchst geniale Trio aus der fast schon magischen Ballade WAR OF THE THRONES, dem Gassenhauer A VOICE IN THE DARK (der richtigerweise auch als Videosingle ausgekoppelt wurde) sowie dem episch aufgemachten und überlangen Rausschmeißer WHEEL OF TIME; der noch einmal alles abreißt was geht.

Letztendlich handelt es sich damit um ein BLIND GUARDIAN-Album, dass wieder mal einen dezenten Vorsprung gegenüber seinem direkten Vorgänger aufzuweisen vermag – und demnach auch in keiner gut sortierten Power Metal-Sammlung fehlen sollte.

Absolute Anspieltipps: SACRED WORLDS, TANELORN, RIDE INTO OBSESSION, VALKYRIES, A VOICE IN THE DARK, WHEEL OF TIME


„Ein vor allem zum Auftakt und zum Ende immens starkes BLIND GUARDIAN-Album.“

Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – Archetype (2010)

Alben-Titel: Archetype
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. April 2010
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Avalon

Alben-Lineup:

Roberto „Ramon“ Messina – Vocals
Aldo Lonobile – Guitars
Marco Pastorino – Guitars
Andrea Buratto – Bass
Federico Pennazzato – Drums
Gabriele Ciaccia – Keyboards

Track-Liste:

1. Pattern of Thought (Intro) (01:50)
2. Line on Fire (03:44)
3. Death from Above (05:17)
4. The Scars That You Can’t See (05:08)
5. More Than Myself (04:33)
6. Future (05:24)
7. Mr. Sin (04:07)
8. Into the Void (04:25)
9. All in a Moment (03:47)
10. Archetype (05:05)

Gefangen zwischen Genialität und Wahnsinn.

Ja, die Italienischen Power Metaller von SECRET SPHERE waren schon immer für eine Überraschung gut – und das sowohl in einem explizit positiven (wie zuletzt auf SWEET BLOOD THEORY, siehe Review) als auch etwas negativeren Sinn (der relative Totalausfall in Form von SCENT OF HUMAN DESIRE, Review). Eines muss man der Combo aber in jedem Fall lassen – sie stand so gut wie niemals still, und lieferte im Laufe der Jahre immer wieder ambitionierte Genre-Alben ab. Eben das führte auch dazu, dass SECRET SPHERE früher oder später nicht mehr nur als bloße Nachahmer von potentiellen Vorbildern wie LABYRINTH betrachtet werden konnten – und die Musik der Italiener ein gewisses Eigenleben und im besten Fall auch eine unverkennbare Dynamik entwickelte. Genau dafür ist auch das 2010 erschienene ARCHETYPE ein recht anschauliches Indiz – und das nicht nur, da man nach dem recht guten SWEET BLOOD THEORY eigentlich alles (und damit auch einen erneuten Ausrutscher) von der Band hätte erwarten können. Tatsächlich aber ist ARCHETYPE das exakte Gegenteil einer herben Enttäuschung geworden – und präsentiert die Italiener von einer überraschend vorteilhaften Seite. Einer, die man so noch nicht von SECRET SPHERE kannte – und die trotz der noch immer vorhandenen Parallelen zu anderen Landes-Kollegen dafür sorgt, dass das Album bereits ab den ersten Takten aus dem musikalischen Vollen schöpft.

Tatsächlich schneidet dabei schon das Intro PATTERN OF THOUGHT positiv ab – was in Anbetracht von gerne mal vertanen Chancen zur Atmospähre-Bildung eine willkommene Abwechslung ist. Richtig spannend wird es aber erst mit dem eigentlichen Opener LINE ON FIRE – und das auch oder gerade weil die Nummer wie eine härtere Variante von HAMMERFALL’s HEARTS ON FIRE klingt, denen SECRET SPHERE hier offenbar Tribut zollen wollten. Gelungen ist ihnen das in jedem Fall: mit einem zünftigeren und überzeugenderen Auftakt hätte man ARCHETYPE kaum versehen können. Auch das folgende DEATH FROM ABOVE macht trotz seiner balladesken Einschübe klar, dass SECRET SPHERE offenbar einen ungeahnten Quell der Kraft für sich entdeckt hatten – der sich in einer schier perfekten Symbiose aus hervorragend inszenierten symphonischen Elementen, antreibenden Metal-Instrumentierungen und einem Roberto „Ramon“ Messina in absoluter Bestform widerspiegelte. Und auch wenn balladeske Nummern wie THE SCARS THAT YOU CAN’T SEE die relative Nähe zu LABYRINTH & CO wieder etwas expliziter heraufbeschwören, steht eines unweigerlich fest: so überzeugend wie auf ARCHETYPE klangen SECRET SPHERE schon lange nicht mehr. Wenn man so will, und das Album entsprechend auf sich wirken lässt – könnte man unter Umständen sogar behaupten, dass SECRET SPHERE LABYRINTH in so mancherlei Hinsicht überholt hatten. Erst Recht natürlich, was die im Zeitraum von 2005-2007 veröffentlichte Alben der Italiener angeht, die sich erst mit dem ebenfalls 2010 veröffentlichten RETURN TO HEAVEN DENIED PT. II (Review) wieder fangen konnten.

In jedem Fall kann ein Album wie ARCHETYPE sowohl in den kräftig-flotten als auch etwas behutsameren Momenten als recht kompromiß0loser Genuss bezeichnet werden – und das nicht zuletzt dank des Engagements und der transportierten Glaubwürdigkeit der einzelnen Mitglieder. Von vorne bis hinten stimmt hier vieles, man will nicht sagen alles – da sich mit MISTER SIN und ALL IN A MOMENT doch noch zwei eher unliebsame Alternativen zu den sonst keinerlei Schwächen offenbaren Titeln eingeschlichen haben. Während der eine Titel mit einer eher ungünstigen Coolness und Witzigkeit ausgestattet ist, die einen an das Schaffen auf SCENT OF HUMAN DESIRE erinnern könnte; handelt es sich bei dem anderen schlicht um eine dann doch noch überflüssige Ballade – die zudem mit einem eher schlecht als recht inszenierten weiblichen Gastgesangspart daherkommt. Davon abgesehen gibt es aber nichts zu mäkeln – zumal allein ein Über-Titel wie MORE THAN MYSELF locker das Zeug dazu hätte, über ein oder vielleicht sogar zwei schwächere Nummern hinwegzutäuschen. ARCHETYPE kann damit problemlos als eines der besten SECRET SPHERE-Alben bezeichnet und überdies in einem Atemzug mit dem legendären A TIME NEVER COME genannt werden. Bravo !

Absolute Anspieltipps: LINE ON FIRE, DEATH FROM ABOVE, INTO THE VOID, ARCHETYPE


„Ein so keineswegs erwartetes, und damit umso wirksameres Highlight.“

Metal-CD-Review: TIERRA MYSTICA – A New Horizon Comes (2010)

Alben-Titel: A New Horizon Comes
Künstler / Band: Tierra Mystica (mehr)
Veröffentlichungsdatum: April 2010
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Voice Music

Alben-Lineup:

Rafael Martinelli – Bass
Duca Gomes – Drums
Fabiano Müller – Guitars, Violin
Alexandre Tellini – Guitars, Violin
Luciano Thumé – Keyboards
Ricardo Chileno – Vocals, Guitars (acoustic), Ocarina, Charango, Craviola, Bombo
Gui Antonioli – Vocals

Track-Liste:

1. Nueva Castilla (02:32)
2. Golden Courtyard [Qorikancha] (06:55)
3. Celebration to the Sun [Inti Raymi] (06:00)
4. New Eldorado [Qapaq Ñan] (05:52)
5. Spiritual Song (07:28)
6. Winds of Hope [Suyanawayra] (06:08)
7. Wide Open Wings (06:46)
8. Away from the Dream (05:04)
9. The Final Rest (04:50)

Von neuen und hoffentlich glorreichen Horizonten.

Wahrlich, und trotz des mittlerweile recht reichhaltigen Angebot an verschiedenen Power Metal-Combos aller Herren Länder – die Suche nach möglichst aus der Masse hervorstechenden, besonderen und schlicht einzigartig anders klingenden Bands fällt auch heutzutage nicht leicht. Eine Antwort auf die Frage, welche Bands nun am ehesten in einem solchen Zusammenhang zu empfehlen wären; muss man sich demnach schon gut überlegen. Vornehmlich, da es einfach nicht viele entsprechende Kandidaten gibt – und man zumeist nur in Übersee oder weit in der Vergangenheit fündig wird. Dennoch zeigt sich – und das gilt nicht nur für potentiell außergewöhnliche, sondern auch im allgemeinen hochkarätige Releases – dass es genrell nicht verkehrt ist, seinen Blick auch mal gen Brasilien als eines der interessanteren Power Metal-Herkunftsländer schweifen zu lassen. Immerhin brachte das Land längst nicht nur relativ bekannte Combos wie etwa ANGRA hervor – sondern auch einige, die man eher als Geheimtipp einstufen würde. Beginnen könnte man diesbezüglich mit weiteren Beispielen aus dem Bereich des Anfangsbuchstabens A – also etwa AGE OF ARTEMIS, AETHRA, ALMAH oder AQUARIA.

In der retrospektiven Betrachtung gab es dann aber noch mindestens eine Band, die aufgrund ihrer an den Tag gelegten musikalischen Einflüsse in einer besonderen Weise aufgefallen ist – sich aber viel zu schnell wieder von der Bildfläche verabschiedete. Die Rede ist von TOCCATA MAGNA – und damit auch einer band, die quasi den Grundstein für die heute vorgestellten und seit 2007 als TIERRA MYSTICA aktiven Musiker bildete. Und tatsächlich: das die Band irgendetwas mit TOCCATA MAGNA (oder eher der von ihnen gelieferten Vorlage) zu tun haben muss, bemerkt man nicht erst anhand der unter anderem einen gewissen Fabiano Müller aufführenden Besetzungsliste – man hört es auch. So präsentiert auch das vorliegende A NEW HORIZON COMES einige jener indigenen Klänge, die TOCCATA MAGNA auf ihrem bis heute einzigen Album INCOGNITE SOUL (siehe Review) inszenierten. Gut und lobenswert ist, dass TIERRA MYSTICA dabei ebenso stimmig und geschickt agieren wie ihre potentiellen Vorbilder – und die anberaumten traditionellen Elemente sinnig in den grundsätzlich knackigen Metal-Kompositionen verbauen.

Einen unter Umständen markanten Unterschied zwischen den beiden Bands gibt es dann aber doch – und der lässt die auch so schon recht interessant anmutenden Musiker von TIERRA MYSTICA in einem noch besseren Licht dastehen. Schließlich scheint es, als hätte sich die Band nicht nur entsprechend inspirieren lassen – sondern die Vorlage auch in einer mitunter entschiedenen Art und Weise perfektioniert. Anders gesagt: von bei TOCCATA MAGNA durchaus noch relevanten Problemen in Bezug auf den Leadgesang, sich stark ähnelnde Instrumentalstrukturen und eine eher schwache Produktion nehmen TIERRA MYSTICA einen gehörigen Abstand – womit sich ihr A NEW HORIZONS COMES in vielerlei Hinsicht als recht gut durchdachtes und stilsicher inszeniertes Genre-Werk profiliert. Eines, dass überdies noch mit dem gewissen und bereits erwähnten Etwas daherkommt – die sich insbesondere in den eher ruhigen Momenten des Albums bemerkbar machen. Dass gerade das der Band zu einem zusätzlichen Vorteil geraten würde, war so nicht unbedingt abzusehen; aber: alles, was bei anderen Combos als balladeskes Beiwerk oder vielleicht auch notwendiges Übel fungieren würde, avanciert bei TIERRA MYSTICA zu einer reichlich stimmungsvollen und emotionsgeladenen Kost. Wie im Falle des atmosphärischen WINDS OF HOPE, dessen Titelbezeichnung eine klare Hommage an das Schaffen von TOCCATA MAGNA darstellt.

Überaus ansprechend und absolut passend erscheint auch, dass der Musik von TIERRA MYSTICA eine gewisse progressive Komponente innewohnt – die aus Nummern wie dem Opener GOLDEN COURTYARD oder dem prinzipiell eher ruhigen SPIRITUAL SONG weit mehr macht als standardisiert erscheinende Genre-Titel. Nimmt man nun noch die teils deutlich zünftigeren Momente in Form des teils überaus flott voranpreschenden CELEBRATION TO THE SUN, des ebenso stampfenden wie hymnisch-verträumten NEW ELDORADO (das überdies eine Soli-Passge bereithält, die einfach nur zum Staunen einlädt) oder den Rausschmeißer THE FINAL REST hinzu, erhält man ein Album dass nicht nur erfrischend anders ist – sondern auch im Hinblick auf die sonst gängigen Power Metal-Faktoren gandenlos überzeugt. TIERRA MYSTICA haben es hier schlicht geschafft, ein Debütalbum hinzulegen welches seinesgleichen sucht – und das einfach keinen nennenswerten Raum für Kritik zulässt. Zusammenfassend bedeutet das vornehmlich eines: wer dieses Album nicht besitzt, verpasst etwas.

Absolute Anspieltipps: Alle


„Ein ebenso unerwartetes wie in jeder Hinsicht überzeugendes brasilianisches Meisterstück.“

Metal-CD-Review: KERION – The Origins (2010)

Alben-Titel: The Origins
Künstler / Band: Kerion (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Juni 2010
Land: Frankreich
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Metalodic Records

Alben-Lineup:

Stéphane Papasergio – Bass
JB – Drums
Rémi Carrairou – Guitars
Sylvain Cohen – Guitars
Flora Spinelli – Vocals

Track-Liste:

1. Prelude (01:24)
2. Time of Fantasy (04:07)
3. Black Fate (04:07)
4. We Will Go (04:51)
5. The Abyss (07:49)
6. Angels of the Last Hope (06:33)
7. Dark Isle (03:58)
8. Face the Beast (08:22)
9. Ghosts of Memories (03:28)
10. Resurrection (06:17)
11. Requiem of the Black Rose (09:19)

Alles hat irgendwo seinen Ursprung.

Sicher werden ihn nicht wenige Bands irgendwann einmal gehabt haben – den Gedanken, dass sie möglicherweise irgendetwas offen gelassen haben. So oder so ähnlich wird es wohl auch im Falle der französischen Power Metaller von KERION gewesen sein – die sich eigentlich schon im Jahre 1997 als LIRLIAN aufgemacht hatten, die hiesige Power Metal-Welt im Sturm zu erobern. Wobei, ganz so treffend ist diese Formulierung dann doch nicht – schließlich sollte es noch eine ganze Weile dauern, bis man überhaupt etwas nennenswertes von den Musikern um die im Jahre 2002 akquirierte Fronfrau Flora Spinelli hat hören können. So werden insbesondere die frühen Demos der Band nicht jedermann bekannt sein. Wobei, und auch das gilt es festzuhalten; sie selbst jene die sie gehört haben nicht zu 100% zufriedenstellen konnten. Mit ein Grund dafür war und ist die recht bescheidene Abmischungs- und Produktionsarbeit, die ziemlich exakt dem entspricht was man im allgemeinen als Garagenproduktion bezeichnet – und die noch nicht gänzlich ausgereiften Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder.

Andererseits, und verständlicherweise besaßen die hier gemeinten Demos CONPIRACY OF DARKNESS (2003) und THE LAST SUNSET (2005) dann doch eine gewisse Wichtigkeit – immerhin ebneten sie den weiteren Weg der Band, die 2007 endlich mit ihrem Debütalbum HOLY CREATURES QUEST (siehe Review) um die Ecke kam. Um dieses frühe Material also nicht gänzlich in Vergessenheit geraten zu lassen, taten KERION das vermutlich einzig richtige – und nahmen einige der besten Titel noch einmal auf, um sie auf dem 2010 erschienenen zweiten Album der Band nochmals in einem etwas ansprechenderen Licht erstrahlen zu lassen. Das gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass man generell etwas mit dem vielleicht nicht gerade als originell zu bezeichnenden Sound der Band anfangen kann – und vor allem über diverse Schwächen im Leadgesang von Flora Spinelli hinwegsehen kann. Gerade diesbezüglich hatte man mit den Neuaufnahmen schließlich nicht allzu viel erreicht, oder anders gesagt: THE ORIGINS präsentiert einen recht typischen Symphonic Power Metal für alle, die kein Problem mit einer ordentlichen Portion Kitsch haben.

Einen Symphoic Power Metal, der hier immerhin durch die Mitarbeit von niemand geringerem als Philippe Giordana (FAIRYLAND) und Willdric Lievin (ebenfalls FAIRYLAND, sowie auch HAMKA) aufgewertet wird – was sich wie schon beim Vorgänger HOLY CREATURES QUEST vor allem in Bezug auf die Chöre in den Refrains und diverse melodische Strukturen seitens der Keyboards bemerkbar macht. Und tatsächlich: Nummern wie der hymnische Opener TIME OF FANTASY machen durchaus Laune, gerade wenn man auf eine etwas üppigere Ausreizung der in diesem Fall alles andere als zurückhaltenden symphonischen Elemente steht. Angenehm ist auch, dass KERION offenbar daraus aus waren für ein möglichst großes Maß an Abwechslung zu sorgen – und beileibe nicht nur die typisch-voranpreschenden Uptempo-Nummern inklusive der dazu passenden hochtrabenden Refrains vorgesehen sind. In Bezug auf eben jene Vielfalt offenbart sich dann aber auch das ein oder andere Problem, oder anders gesagt: es ist längst nicht alles perfekt, was KERION hier auftischen.

Zumindest nicht in seiner Gänze, und in der zusammenfassenden Betrachtung. Einzelne Momente haben dagegen durchaus einen gewissen Charme, wie etwa das sich irgendwo zwischen exotischen Klängen, Lagerfeuer-Gitarrengesäusel und Filmsoundtrack  bewegende WE WILL GO oder das in instrumentaler Hinsicht recht anspruchsvolle RESURRECTION. Refrains wie die von DARK ISLE gehen – Philippe Giordana sei Dank – ebenfalls runter wie Öl. Schade ist nur dass die Strophen hier noch einmal mit Nachdruck darauf hinweisen, warum die allgemeinen Darbietungen von Frontfrau Flora Spinelli nicht bei jedermann gleichermaßen gut ankommen. Das gilt natürlich auch für die recht problematischen balladesken Momente – wie etwa in GHOST OF MEMORIES. Davon abgesehen aber haben KERION hier eine recht interessante Werkschau vorgelegt – die vor allem Die-Hard-Fans der Combo ansprechen sollte. Alle anderen werden dagegen nicht viel falsch machen, wenn sie zu einem noch späteren Zeitpunkt in die Diskografie einsteigen – etwa ab dem ebenfalls recht guten CLOUDRIDERS PART I – ROAD TO SKYCITY (Review).

Absolute Anspieltipps: TIME OF FANTASY, WE WILL GO, DARK ISLE, RESURRECTION


„Nicht hervorragend – aber besser als das Debütalbum und ambitioniert genug, um aufzufallen.“

Metal-CD-Review: FORGOTTEN TALES – We Shall See The Light (2010)

Alben-Titel: We Shall See The Light
Künstler / Band: Forgotten Tales (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 05. November 2010
Land: Kanada
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Union Metal International

Alben-Lineup:

Patrick Vir – Bass
Mike Bélanger – Drums
Sonia Pineault – Vocals
Martin Desharnais – Guitars
Frédéric Desroches – Keyboards

Track-Liste:

1. We Shall See the Light (05:25)
2. Guardian Angel (05:09)
3. Keepers of the Field (05:15)
4. The Reaper (05:05)
5. Diviner (06:22)
6. The Calling (05:40)
7. Howling at the Moon (05:20)
8. Broken Wings (05:26)
9. Angel Eyes (04:55)

Ein neues Kapitel in den Geschichten der FORGOTTEN TALES.

Mit WE SHALL SEE THE LIGHT begeben sich die kanadischen Symphonic Power Metaller von FORGOTTEN TALES nun schon zum dritten Mal an die hart umkämpfte Front der zahlenmäßig klar unterlegenen Genre-Combos mit weiblichen Gesangstalenten. Dass sie sich diesbezüglich aber ganz locker behaupten können, zeigten die Musiker bereits mit ihren beiden guten und leider gerne mal übersehenen Vorgängern THE PROMISE (siehe Review) und dem 2006 erschienenen ALL THE SINNERS (Review) auf. Und auch wenn mit dem 2010 veröffentlichten WE SHALL SEE THE LIGHT erstmals ganze 6 Jahre zwischen zwei FORGOTTEN TALES-Alben liegen, hat sich grundsätzlich nicht allzu viel getan in der hiesigen Power Metal-Schmiede – was in diesem Fall aber eher positiv und als Fortsetzung der überraschenden qualitativen Kontinuität der Band zu verstehen ist. So präsentiert auch das neue Album vieles von dem, was schon auf den Vorgängern zu gefallen wusste – inklusive einer wie immer markanten Leistung der hiesigen Frontfrau Sonia Pineault.

Eine dezente stilistische Veränderung aber kann man dann doch ausmachen: WE SHALL SEE THE LIGHT klingt insgesamt etwas weniger verspielt und auch ein stückweit düsterer als die Vorgänger. Eben das wird wohl auch über den jeweiligen Fall oder Aufstieg des Albums in der Gunst der Hörerschaft entscheiden – wobei es nicht ganz leicht fällt festzustellen, in welche Richtung das Pendel nun eher ausschlägt. Anders gesagt: einerseits scheint der nunmehr etwas aufgeräumter erscheinende Sound den FORGOTTEN TALES recht gut zu Gesicht zu stehen – andererseits aber wird man ähnliche progressiv-wandelbare Strukturen und fulminante Kraftausbrüche wie in der Vergangenheit eher vermissen. Das erscheint natürlich umso ernüchternder wenn man weiß, zu was die Band eigentlich imstande ist. Doch aus irgendeinem Grund scheinen sich die FORGOTTEN TALES (womit tatsächlich auch alle einzelnen Bandmitglieder gemeint sind) dieses Mal eher zurückgehalten zu haben.

Trotz der grundsätzlich exzellenten Handhabung der Instrumente und der abermals interessanten Gesangsdarbietung könnte man hie und da also durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Band bei vielen der auf WE SHALL SEE THE LIGHT enthaltenen Titel ein stückweit zu sehr auf Nummer sicher gegangen ist. Einen Hinweis darauf gibt bereits der eher verhaltene, nicht so recht zünden wollende Opener und Titeltrack WE SHALL SEE THE LIGHT – und auch das grundsätzlich interessante THE REAPER hätte viel mehr Bumms vertragen können, vor allem seitens der Gitarren. Richtig arg wird es aber erst mit Nummern wie KEEPERS OF THE FIELD oder BROKEN WINGS – welche die Band erstmals von einer erstaunlich ernüchternden Seite zeigen. Umso schöner ist es da, dass es mit Titeln wie GUARDIAN ANGEL, DIVINER oder HOWLING AT THE MOON dann doch noch die volle Portion FORGOTTEN TALES auf die Lauscher gibt. Hier scheinen die Kanadier dann plötzlich doch wieder vor Kraft und Spielfreude zu strotzen – wobei lediglich Frontfrau Sonia Pineault etwas weniger Stimmakrobatik zeigt und Druck aufbaut als in den Jahren zuvor.

Sicher, die FORGOTTEN TALES haben noch immer einiges in Petto – und doch müssen sie aufpassen, dass sie sich unter keinen Umständen zurück entwickeln. WE SHALL SEE THE LIGHT ist zwar noch nicht als dahingehender Schritt zu bezeichnen – doch erste (und dabei gar nicht mal so unterschwellige) Anzeichen sind definitiv auszumachen. Leider, muss man sagen – denn es wäre zutiefst schade, wenn eine Band wie diese in der Versenkung verschwindet.

Absolute Anspieltipps: GUARDIAN ANGEL, THE REAPER, DIVINER, HOWLING AT THE MOON


„Noch ist weiterhin ausreichend Land in Sicht – eine dezente Form der Vorsicht erscheint jedoch angebracht.“

Metal-CD-Review: VICTORIUS – Unleash The Titans (2010)

Alben-Titel: Unleash The Titans
Künstler / Band: Victorius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Januar 2011
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Andreas Dockhorn – Bass
Tyl Fiedler – Drums
Dirk Scharsich – Guitars
David Baßin – Vocals
Steven Dreißig – Guitars

Track-Liste:

1. Unleash the Titans (03:36)
2. Oblivion (03:16)
3. Stormrider (03:46)
4. Break the Spell (04:11)
5. Wings of Destiny (04:11)
6. Slave to the Dark (03:37)
7. Last Sanctuary (03:38)
8. Fly with Me (04:12)
9. Angel (03:33)

Ja dann… lassen wir sie mal frei, die Titanen.

VICTORIUS ist eine 2004 gegründete Power Metal-Combo aus Deutschland, die im Jahre 2008 eine erste offizielle Demo an den Start gebracht hat. Bevor die Band aber von einem Label unter Vertrag genommen und analog dazu auch einen größeren Bekanntheitsgrad erreichte, sollten noch einige Jahre vergehen. Aus eben jener Zwischenphase stammt auch das vorliegende Debütalbum UNLEASH THE TITANS, welches 9 Titel bei einer recht übersichtlichen Gesamtspielzeit von 34 Minuten beinhaltet – und von der Band noch in kompletter Eigenregie produziert und vermarktet wurde. Das gleichermaßen interessante wie kuriose dabei ist, dass VICTORIUS nicht nur deshalb vergleichsweise schlecht abgeschnitten hatten – sondern auch davon unabhängig nur ein eher mäßiges Genre- respektive Debütalbum abliefern konnten. Eines, welches nur wenig mit der später glücklicherweise doch noch erreichten Stilsicherheit der Band am Hut hatte. Anders gesagt: zu den interessanteren Debütalben diverser aufstrebender Bands, denen eine gewisse Magie sowie der spürbare Drang mehr erreichen zu wollen innewohnt; gehört UNLEASH THE TITANS nicht – oder nur höchst eingeschränkt.

Denn neben der eher schwachbrüstigen, insbesondere für die Gitarren zum Nachteil ausfallenden Abmischungs- und Produktionsarbeit hat das Album mindestens eine weitere frappierende Schwäche. Oder eher zwei, schließlich ist weder das was Leadsänger David Baßin hier von sich gibt von besonderer Bedeutung, noch kann seine gesangliche Darbietung generell überzeugen – mit Darbietungen wie der in BREAK THE SPELL, dem auch sonst recht merkwürdigen LAST SANCTUARY oder dem balladesken ANGEL als negative Paradebeispiele. Dabei ist insbesondere das einer der Gründe dafür, dass viele der vertretenen Nummern wie ein relativ müder Abklatsch diverser sogenannter True Metal-Bands a’la MAJESTY oder WIZARD wirken – die grundsätzlich soliden, aber eben auch alles andere als spektakulären Instrumentalparts sowie die selbst im Vergleich zu den frühen WIZARD geradezu kärglich ausfallenden Gangshouts erledigen den Rest. Immerhin geben einige Riffs und harmonische Strukturen (wie etwa in STORMRIDER) einen dezenten Hinweis darauf, dass schon zu diesem frühen Zeitpunkt mehr in VICTORIUS geschlummert hatte als sie es in der Lage waren zu zeigen – doch gegen den insgesamt eher platten Gesamteindruck konnten und können diese feinen Nuancen auch nicht mehr viel ausrichten.

Was dem Debütalbum somit bleibt, ist sein eher rauer und ungeschliffener Eindruck – der die Musiker von VICTORIUS in einer frühen, potentiell interessanten Schaffensphase zeigt. Wer seine Sammlung vervollständigen möchte, kann also getrost zuschlagen – wer dagegen nur auf die Essenz von VICTORIUS aus ist; der sollte UNLEASH THE TITANS vielleicht eher überspringen und mit den späteren, besseren Alben beginnen.

Absolute Anspieltipps: UNLEASH THE TITANS, STORMRIDER


„Eine interessante, insgesamt aber viel zu ungeschliffene und gerade in gesanglicher Hinsicht problematische Werkschau.“

Metal-CD-Review: ICEWIND – Again Came The Storm (2010)

Alben-Titel: Again Came The Storm
Künstler / Band: Icewind (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. November 2010
Land: Kanada
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metalodic Records

Alben-Lineup:

Gabriel Langelier – Vocals
Phil – Keyboards
Jay Menard – Guitars
Vinni Poliquin – Guitars
Mitch Mission – Bass
Alex Dubé – Drums

Track-Liste:

1. Signs of Temptation (04:53)
2. Blood Stained History (03:54)
3. My Glorious Burden (04:24)
4. My Own Tragedy (04:13)
5. The Last March (We’ll Meet Again) (07:10)
6. The Happening (04:16)
7. As Fool We Dance (05:49)
8. Hymn for a Brighter Dawn (04:17)
9. Oh Winter Morning (05:05)
10. Again Came the Storm (07:55)

Ein eiskalter Sturm, so mächtig wie der erste ?

Nachdem sich die Power Metaller von ICEWIND schon auf ihrem Debütalbum ALL IS DUST (siehe Review) von einer überraschend überzeugenden Seite zeigten, sollte es 2010 an der Zeit sein für den zweiten großen Rundumschlag aus Kanada. So wurde das 10 Titel starke, dieses Mal über Metalodic Records erschienene AGAIN CAME THE STORM ins Rennen geschickt – welches gleichzeitig das bis heute letzte Album der Band markiert. Etwas haben ICEWIND also schon einmal mit anderen vergleichsweise hochkarätigen Genre-Acts aus Kanada (wie etwa INSTANZIA) gemein: trotz der vielversprechenden Ersteindrücke und der hervorragenden Qualität des tatsächlich abgelieferten Materials sollten jene Bands nie so richtig durchstarten – und das mit der oft unausweichlichen Folge, dass die sie irgendwann im Nichts verschwinden. Oder schlimmer noch: gleich komplett aufgelöst werden. Das ist natürlich schade, auch oder gerade im Fall von ICEWIND. Schließlich musste und muss sich auch deren Zweitwerk AGAIN CAME THE STORM nicht allzu sehr hinter seinem schier genialen Vorgänger oder anderen Genre-Releases aus Übersee verstecken.

Denn: auch dieses Mal galt es für die Konkurrenz, sich warm anzuziehen – insbessondere die aus Finnland, zu der ICEWIND den nach wie vor größten Bezug hatten. Im Gegensatz zum Vorgänger und den anzuberaumenden Parallelen zu STRATOVARIUS und CELESTY aber offenbart AGAIN THE STORM eher eine Nähe zu Bands wie SONATA ARCTICA – was bereits einen dezenten Hinweis darauf geben könnte, dass sich Sound-technisch einiges getan hatte im Hause ICEWIND. Und tatsächlich: während die handwerklichen Leistungen nach wie vor über viele Zweifel erhaben waren, einige Alleinstellungsmerkmale (wie etwa der prägnante Einsatz eines Pianos) vom Vorgänger übernommen wurden und sich die allgemeine Abmischungs- und Produktionsqualität sogar maßgeblich verbessert hatte; setzten ICEWIND neuerdings auf einen wesentlich erdigeren, druckvolleren Sound. Anders gesagt: der eher raue und ungestüme, durch die wuchtig-apokalyptischen Chöre und die dichte Atmosphäre gekennzeichnete Sound von ALL IS DUST wurde weitestgehend durch einige neue, nicht mehr wirklich überraschende Strömungen ersetzt. Das hat einige Vorteile, die sich vor allem auf den wesentlich ausgewogeneren Gesamteindruck beziehen lassen – führt aber auch dazu, dass ICEWIND dieses Mal nicht ohne einige mehr oder weniger erhebliche Schrammen davonkommen.

Denn: gerade der Auftakt des Albums fühlt sich hie und da etwas zu harmlos, ja wenn nicht gar weichgespült an – woran auch das recht häufig eingesetzt Piano nicht ganz unbeteiligt ist. Zumindest im Gegensatz zum Eindruck des vergleichsweise furios vorgehenden, einige Grenzen sprengenden Vorgängers – und trotz der großen Stilsicherheit der einzelnen Mitglieder, insbesondere der beiden Gitarristen und des endlich deutlich besser in Szene gesetzten Bassisten. Das Gefühl, dass es ICEWIND dieses Mal weit mehr potentiellen Hörern recht machen wollten als zuvor; lässt sich jedenfalls nicht gänzlich von der Hand weisen. Allzu fatale Auswirkungen hat das zwar nicht, zumal sich insbesondere der Leadsänger Gabriel Langelier von einer unglaublich virtuosen Seite zeigt und so auch der neuen Ausrichtung von ICEWIND die nötige Glaubwürdigkeit verleiht – und doch hinterlassen gerade Nummern wie THE HAPPENING oder AS FOOLS WE DANCE einen leicht faden Beigeschmack. Schlussendlich: insgesamt betrachtet handelt sich noch immer um ein lohnenswertes Genre-Album mit dem gewissen Etwas. Ein Album, das paradoxerweise noch besser funktioniert; wenn man es eben nicht als ICEWIND-Album betrachtet – und den Vorgänger entsprechend ausklammert.

Absolute Anspieltipps: BLOOD STAINED HISTORY, MY GLORIOUS BURDEN, OH WINTER MORNING, AGAIN CAME THE STORM


„Ein gutes Genre-Album, aber: der Vorgänger war besser.“