Filmkritik: „Inglorious Basterds“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Quentin Tarantino
Mit: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz u.a.
Land: USA, Deutschland
Laufzeit: ca. 153 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Drama, Kriegsfilm
Tags: Zweiter Weltkrieg | USA | Deutschland | Rache | Feldzug

Von unbekannten Sammelleidenschaften des 20sten Jahrhunderts, Folge Eins: Nazi-Skalps.

Inhalt: Während der zweite Weltkrieg noch in vollem Umfang tobt, landet ein US-amerikanisches Team aus einer handvoll Elitekämpfern im von Nazis besetzten Frankreich. Ihr Auftrag ist simpel, aber in der Durchführung keinesfalls einfach: sie sollen so viele Nationalsozialisten wie nur irgendwie möglich zur Strecke bringen – egal auf welche Art und Weise. Während sie also mit einer Vorliebe für Nazi-Skalps als makabere Trophäe durch Frankreich schleichen rückt schon bald ein neues, potentiell kriegsentscheidendes Ziel in ihre Nähe. Die gesamte deutsche Heeresführung inklusive niemand geringerem als Adolf Hitler würde sich bald zu einem illustren Propagandafilm-Abend in einem französischen Kino versammeln. Was läge da also näher, als den Krieg mit dem Ableben Hitlers vorzeitig zu beenden ? Doch auch die Gegenseite schläft nicht – allen voran hat es sich ein perfider Nazi-Inspektor (Christoph Waltz) zum Ziel gemacht, Juden und allgemeine „Vaterlandsverräter“ zu enttarnen. Und so scheint er recht schnell zu bemerken, dass sich hinter den als italienische Filmfreunde ausgebenden Subjekten ganz andere, hochkarätige Gegner verbergen… nämlich Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und sein Team.

Kritik: Sicher; man kann von Quentin Tarantino beziehungsweise seiner bereits mit frühen Filmen wie Reservoir Dogs – Wilde Hunde (1992) oder Pulp Fiction (1994) etablierten Marke halten was man will. So gut wie fest steht indes, dass seine Filme nicht selten mit einem immensen Unterhaltungswert einhergehen – ganz gleich, ob dabei etwaige Grenzen des guten oder schlechten Geschmacks neu ausgelotet werden. Überhaupt fühlt es sich gut an zu wissen, dass es auch in der heutigen Zeit noch Filmschaffende gibt, die trotz eines wie im Falle von Tarantino rasant gewachsenen Bekanntheitsgrades an ihren Wurzeln (oder wahlweise auch: Grundsätzen) festhalten und sich nicht großartig darum scheren, was andere sagen respektive von ihren Werken halten. Auch INGLORIUS BASTERDS zeugt von dieser schlicht für Tarantino typischen Mission, eine auf den ersten Blick gewöhnliche Geschichte unter Zuhilfenahme seines offensichtlich großzügig ausgestatteten Ideen-Fundus und einer großen Portion Eigeninitiative zu einem so noch nicht dagewesenen, reichlich grotesken Ganzen zu verweben. Das mündet hier zwar nicht in einem nennenswert gehaltvollen, geschweige denn politisch oder historisch korrekten Machwerk – dafür aber in einem direkt dem Regisseur zuzuordnenden, angenehm eigenwilligen, von der ersten Minute an unterhaltsamen und nicht zuletzt enorm eigenständigen Film – der nicht wirklich etwas mit dem (fast) gleichnamigen Film INGLORIOUS BASTARDS aus dem Jahr 1978 (siehe Review) gemeinsam hat.

Anders gesagt: bei Tarantino – und damit auch bei INGLORIOUS BASTERDS – wird ein sonst essentieller Bestandteil wie der der eigentliche Geschichte zu einem bloßen Aufhänger degradiert, um noch mehr Platz für ein wildes Intermezzo aus kunterbunten Charakteren, aberwitzigen Dialogen und gefühlt im Sinne des Films zurechtgebogenen Ereignissen zu lassen. Dass diese Achterbahnfahrt nicht nur nett anzuschauen ist sondern auch einer gewissen Substanz nicht entbehrt, etwa in Bezug auf die psychologische Komponente – macht die Tarantino-Filme so reizvoll; und lässt sie eben nicht nur zu stilistisch herausragenden Kunstwerken avancieren, sondern zu ganzheitlichen. INGLORIOUS BASTERDS bildet da keine Ausnahme, auch wenn man sich an den Gedanken einer Verquickung einer Weltkriegsthematik mit dem typischen gehobenen Exploitation-Flair (inklusive einer letztendlich doch recht explizit ausgeführten und dargestellten Form der, man nenne es späten Rache) erst gewöhnen muss. Lässt man sich aber erst einmal auf den Film ein und genießt den von den ersten Minuten an hochgehaltenen Ideenreichtum inklusive vieler auch in handwerklicher und darstellerischer Hinsicht bemerkenswerter Raffinessen; so wird einem der unrühmliche Feldzug der INGLORIOUS BASTERDS so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © The Weinstein Company

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„Ja, Inglourious Basterds ist ein brutal-makaberer Rachefeldzug, an dem sich die Geister scheiden werden – aber auch eine ebenso markante wie einzigartige Hommage an das Kino beziehungsweise die Geschichte des Films selbst.“

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Filmkritik: „Bronson“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Biografie / Originaldrehbuch
Regie: Nicolas Winding Refn
Mit: Tom Hardy, Matt King, James Lance u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Biografie, Drama, Thriller
Tags: Charles Bronson | Verbrecher | Krimineller | Schläger | Gefängnis | Gewalt

Entdecke Deine künstlerische Ader.

Inhalt: Nachdem der junge Michael Peterson (William Darke) schon im Kindesalter mit einer recht offenen Einstellung zum Thema Gewalt auffällig geworden ist, scheint sich auch im weiteren Werdegang des jungen Mannes (dann: Tom Hardy) wenig zu ändern. Eher ist das Gegenteil der Fall – sodass es keine allzu große Überraschung ist, dass er bei dem Versuch eine Postfiliale auszurauben geschnappt wird. Daraufhin landet er für satte sieben Jahre im Gefängnis, zumindest wenn es nach den Richtern geht – doch für den exzentrischen Michael scheint das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. So beginnt er auch hinter Gittern, sich den Regeln zu widersetzen und inbesondere heftige Prügeleien anzufangen – was ihm sogar einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Gefängnis-Abteilung einbringt. Doch selbst hier scheint man nicht so recht zu wissen, wie man am ehesten mit einem Mann wie Michael umgehen sollte – der sich, nachdem er eines Tages doch noch unerwartet freikommt; kurzerhand den Künstlernamen Charles Bronson zulegt und eine Karriere als beinharter Straßenboxer beginnt. Der nächste Gefängnisbesuch soll indes weniger lange auf sich warten lassen als gedacht…

Kritik: In der Tat, und darauf weist längst nicht nur die Inhaltsbeschreibung des 2009 erschienenen Spielfilms BRONSON hin – ein wenig wahnsinnig ist das, was der dänische Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Winding Refn in Form seiner quasi-Hommage an das Leben des tatsächlich existierenden Schwerverbrechers Charles Arthur Salvador auf die Beine gestellt hat; durchaus. Mindestens aber ist es gewagt, wie nicht wenige Projekte des nach eigenen Angaben farbenblinden Multitalents Refn – der sich für BRONSON offenbar explizit von Stanley Kubrick’s Meisterwerk A CLOCKWORK ORANGE (siehe Filmkritik) inspirieren ließ. So sollte auch BRONSON so manchem Zuschauer einen gehörigen Schlag in die Magengrube verpassen – erst Recht natürlich, wenn man völlig unvoreingenommen ans Werk geht und sich entsprechend überraschen; ja wenn nicht gar von der schier hypnotischen Bilderflut überwältigen lässt.

Sicher kann und sollte man dabei nicht behaupten, dass BRONSON Filme wie A CLOCKWORK ORANGE übertrifft – zumal er das auch gar nicht will, und eher eine alternative (unter Umständen sogar eine greifbarere) Ansicht auf das von Gewalt gezeichnete Leben einer gesellschaftlichen Randfigur darstellt. Anders gesagt: Refn’s BRONSON ist am Ende nicht ganz so substanziell und kultverdächtig wie Kubrick’s Vorlage, vermag es aber dennoch für einen nachhaltigen Eindruck zu sorgen. Und das – womit sich die beiden Werke doch wieder näher kommen als gedacht – eher als ein auf die Leinwand gebanntes Kunstwerk denn als typischer Spielfilm. Das wilde und freigeistig inszenierte Aufeinandertreffen von schonungslos dargestellten Elementen der Gewalt, der stellenweise surreal anmutenden Bilder und Innenansichten des Hauptcharakters, des zugegebenermaßen großartigen Schauspiels des Hauptdarstellers Tom Hardy und nicht zuletzt des aussergewöhnlichen Soundtracks sollte jedenfalls niemanden gänzlich kalt lassen.

Streiten könnte man sich demnach am ehesten über den Sinn oder Unsinn von BRONSON als filmisches Kunstwerk und quasi-Biografie eines notorischen Schlägers, dem es völlig egal war und ist was mit ihm geschieht – wobei man den diesbezüglich auch im Film zitierten Begriff des Nihilismus leider nicht gänzlich von der Hand weisen kann, geht es um ein möglichst treffendes Gesamturteil. Das beste ist noch, man macht sich selbst ein Bild – denn einmal gesehen haben sollte man einen unkonventionellen Film wie BRONSON allemal. Natürlich nur, und dafür braucht es eigentlich keine Vorwarnung; wenn man die entsprechenden Nerven mitbringt…

Bilder / Promofotos / Screenshots: © STUDIOCANAL

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„Ein bemerkenswerter Spagat zwischen einem fleischgewordenen Prügel-Alptraum und einer ebenso makaberen wie überraschend faszinierenden Erzählart inklusive einiger gut gemeinter Kubrick-Analogien.“

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Metal-CD-Review: CONQUEST – Empire (2009)

Alben-Titel: Empire
Künstler / Band: Conquest (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Oktober 2009
Land: Ukraine
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metalism Records

Alben-Lineup:

Erland – Drums
Lady Dea – Keyboards
W. Angel – Vocals, Guitars
Kull – Bass

Track-Liste:

1. In the Darkness (Intro) (01:42)
2. It Begins from Your Heart (05:05)
3. Far Beyond (05:26)
4. Prisoner of the Universe (04:54)
5. We Have Returned (03:48)
6. When the Skies Fall (04:46)
7. We Are the Ones (04:43)
8. Faith Within (05:27)
9. The Never-Ending Quest Will End (04:46)
10. Empire (06:22)

Auf, auf zur großen Eroberung.

Geht es um das Schaffen der bereits 1996 in der Ukraine gegründeten Power Metal-Formation CONQUEST, sollte einem vornehmlich ein Studioalbum der stets gut aufgestellten Recken um Band-Mastermind W. ANGEL in den Sinn kommen: das 2005 veröffentlichte FROZEN SKY (siehe Review), dass den knapp 3 Jahre älteren Vorgänger ENDLESS POWER (Review) noch einmal toppen und sich als echter Genre-Geheimtipp profilieren konnte. Als fast perfekter noch dazu – hätten sich nicht doch noch einige Schwächen in Bezug auf die Produktion sowie insbesondere den damaligen Leadgesang von Alex G.L. eingeschlichen. In der Folge reagierten CONQUEST respektive Band-Mastermind W. ANGEL mit einer Umstrukturierung und Neuaufstellung, sodass bis zum vorliegenden und erstmals über ein entsprechendes Label (Metalism Records) veröffentlichten dritten Studioalbum EMPIRE ordentlich am Lineup geschraubt wurde – mit mindestens einer größeren Überraschung. Schließlich, und als Reaktion auf den bisher nicht optimalen Leadgesang schlüpfte auf EMPIRE niemand geringeres als W. ANGEL selbst in die Rolle des Leadsängers – woraufhin sich das Repertoire des Multitalents (der natürlich weiterhin an den Gitarren werkelte und das Album in kompletter Eigenregie aufnahm, abmischte und produzierte) noch einmal ordentlich erweiterte.

Tatsächlich schien sich eben diese Entscheidung auch als richtig zu erweisen, oder anders gesagt: selbst wenn CONQUEST (die sich übrigens erst im Jahre 2011 in W. ANGELS CONQUEST umbenannten) noch immer weit davon entfernt waren, ihren überzeugenden Kompositionen auch einen wirklich kultverdächtigen Leadgesangspart gegenüberzustellen; konnte man ihnen zumindest in handwerklicher Hinsicht wenig vorwerfen. Das gilt natürlich insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass auch EMPIRE alles andere als ein allzu modernes oder auf Hochglanz poliertes Metal-Werk geworden ist – und sich die Ukrainer ihren ursprünglichen, schon vom Debütalbum bekannten Sound bewahren konnten. Trotz der Besetzungswechsel und der mittlerweile vergangenen Jahre, versteht sich – sodass EMPIRE in Sachen Energie und Spielfreude weniger weit hinter ENDLESS POWER und FROZEN SKY zurückstehen muss als gedacht. Und das ist nur gut und richtig, zählt die eher ungestüm und nach vorn preschende Herangehensweise (die zumindest noch hie und da eine Priese Speed Metal durchschimmern lässt) der Ukrainer seit jeher zu den absoluten CONQUEST-Markenzeichen; analog zur stets hervorragenden Gitarren-Arbeit und den griffigen Melodien – aber leider auch einem nicht ganz so optimal in Szene gesetzten Element.

Was genau hier gemeint sein könnte, erfährt man spätestens wenn man zu einer expliziten Alben-Ballade wie WHEN THE SKEIS FALL gelangt – mit der sich CONQUEST wahrlich keinen großen Gefallen getan haben. Sicher, mit einer Maßnahme wie dieser wollte man für Abwechslung sorgen und zeigen, dass man auch den Umgang mit großen Gefühlen nicht scheut – doch wenn das Ergebnis derart wenig überzeugend ausfällt wie in diesem Fall (und das auf so gut wie allen Ebenen), hätte man sich das Unterfangen doch besser zweimal überlegen sollen. Zumal CONQUEST schon auf dem Vorgänger FROZEN SKY einige alles andere als bemerkenswerte balladeseke Momente eingestreut hatten, aus denen man hätte lernen können (oder sollen). Immerhin: sieht man einmal großzügig über diesen allemal verzichtbaren Titel sowie eine handvoll anderer etwas zu handzahmer Passagen in anderen Nummern hinweg, ist an EMPIRE fast nichts auszusetzen – fast nichts. So könnte der doch etwas großzügig kalkulierte Einsatz des Keyboards dem ein oder anderen übel aufstoßen – erst Recht wenn CONQUEST damit wieder in eine etwas zu vorhersehbare und kitschige Ecke driften.

Das letzte größeres verhindernde I-Tüpfelchen ist aber nach wie vor der Leadgesang – der sich mit dem Einspringen von W. ANGEL höchstselbst zwar in eine angenehmere Richtung entwickelte, dabei aber immer noch weit davon entfernt war um als perfekt bezeichnet werden zu können. Allein der Refrain vom sonst recht guten FAR BEYOND etwa eignet sich als gutes diesbezügliches Anschauungsmaterial. Was einem bleibt ist der Fokus auf die wirklich starken Momente des Albums – wie auf den denkwürdigen Opener IT BEGINS FROM YOUR HEART, das ebenso verspielte wie stimmungsvolle PRISONER OF THE UNIVERSE, die beiden eher simplen aber gar nicht mal schlechten Stampfer WE HAVE RETURNED und WE ARE THE ONES; oder natürlich dem rasanten THE NEVER-ENDING QUEST WILL END. Letztendlich kann man mit einem Album wie diesem also nicht allzu viel falsch machen – auch wenn in diesem Fall sogar noch etwas mehr drin gewesen wäre für W. ANGEL und sein Gefolge.

Absolute Anspieltipps: IT BEGINS FROM YOUR HEART, PRISONDER OF THE UNIVERSE, WE ARE THE ONES, THE NEVER-ENDING QUEST WILL END


„Einfach typisch CONQUEST.“

Metal-CD-Review: DAMNATION ANGELS – Shadow Symphony (EP, 2003)

Alben-Titel: Shadow Symphony (EP)
Künstler / Band: Damnation Angels (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 5. September 2009
Land: Großbritannien / England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Lewis Starfire – Vocals
Will Graney – Guitars, Orchestration
Dawn Trigg – Keyboards
Gabriel Scott – Bass
John Graney – Drums

Track-Liste:

1. Bringer of Light (05:25)
2. The Black Cancer (05:56)
3. Someone Else (05:54)
4. I Hope (06:01)
5. Against All Odds (04:42)
6. Bringer of Light (05:24)

Die ersten Schritte sind die schwierigsten – aber meist auch die interessanteren.

Es war einmal in einer Zeit… als die DAMNATION ANGELS noch ohne den ab 2010 zugezogenen Leadsänger PELLEK ausgekommen sind, oder vielleicht auch eher auskommen mussten. Aus eben jener Zeit stammt die vorliegende EP SHADOW SYMPHONY als eines der ersten auch heute noch greifbaren Band-Releases – welches mit insgesamt 6 Titeln und einer eigentlich recht üppigen Spielzeit von knapp 33 Minuten aufwartet. Gerade bei einem retrospektiven Blick wie diesem muss man der Band eines in jedem Fall lassen: sie hat sich mehr als ordentlich gemausert. Denn, und trotz der bereits hier hör- und spürbaren Ambitionen klingt das auf SHADOW SYMPHONY dargebotene Material noch nicht ganz nach der später auf dem 2012 erschienenen Debütalbum BRINGER OF LIGHT (siehe Review) offenbarten Größe und vor allem auch Stilsicherheit der Band.

Dennoch konnten schon hier einige Momente nachhaltig überzeugen – wie etwa das variantenreiche I HOPE, dass die Festigung einer eigenen Identität der DAMNATION ANGELS schon damals entsprechend vorantrieb. Nicht ganz so gut schnitten und schneiden in eben diesem Zusammenhang der düster-symphonisch angehauchte Opener BRINGER OF LIGHT mit seinen teils offensichtlichen NIGHTWISH-Parallelen, sowie auch die recht langatmige Ballade SOMEONE ELSE ab – womit man die 3 später auf das Debütalbum übernommen Nummern abgehandelt hätte. Was bleibt, sind 3 EP-excklusive Titel mit einem entsprechenden Seltenheitswert – die insgesamt betrachtet aber ebenfalls einen leicht zwiespältigen Eindruck hinterlassen.

BLACK CANCER etwa scheint nicht wirklich aus dem musikalischen wie atmosphärischen Vollen zu schöpfen, und erinnert dezent an das parallele Schaffen von KAMELOT – während die Instrumental-Version zu BRINGER OF LIGHT ebenfalls nur als ebenso kleine wie nette Dreingabe betrachtet werde kann. Mit dem eigentlichen EP-Rausschmeißer AGAINST ALL ODDS aber kann die EP noch einmal ordentlich Punkte einheimsen – sodass sie vor allem für eingeschworene Fans der DAMNATION ANGELS interessant sein sollte, die wirklich alles verfügbare Material (und damit auch das der Pre-PELLEK-Ära) ihr eigen nennen wollen. Alle anderen können dagegen gleich und getrost zum Debütalbum greifen.

Absolute Anspieltipps: I HOPE, AGAINST ALL ODDS


„Eine alles andere als schlechte EP, die aus heutiger Sicht und in Anbetracht des erst auf dem Debütalbum perfektionierten Sounds aber nur für explizite Fans der Band interessant sein sollte.“

Metal-CD-Review: QANTICE – The Cosmocinesy (2009)

Alben-Titel: The Cosmocinesy
Künstler / Band: Qantice (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. April 2009
Land: Frankreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Brennus Music

Alben-Lineup:

Vincent Pichereau – Vocals
Tony Beaufils – Guitars
Yosh Otias – Violin

Track-Liste:

1. Budding from the Mist (01:46)
2. Head over Worlds (06:04)
3. Pirates (06:36)
4. Megantrop (05:37)
5. Ocean Eclipse (04:56)
6. The Hero That You Need (06:32)
7. Burial Wave (06:25)
8. The Question (05:07)
9. Best in the Well (05:30)
10. The Least Worst Ending (04:19)

Frisch gewagt ist halb gewonnen.

Wie viele Power Metal-Bands sich im Laufe ihrer Karriere bereits an ein größer angelegtes und entsprechend aufwendigeres Konzeptalbum gewagt haben, steht in den Sternen. Fest steht nur, dass es die sich bereits im Jahre 2002 in Frankreich zusammengefunden Musiker von QANTICE ebenfalls versucht haben – und man die eigens erdachte Hintergrundgeschichte zum etwas merkwürdig betitelten Debütalbum THE COSMOCINESY nicht nur in der vorliegenden musikalischen Form entdecken kann, sondern auch in einem separat veröffentlichten französischen Roman. In Anbetracht der anzunehmenden erzählerische Dichte des Materials sollte die Band also durchaus über einen ausgeprägten Ideenreichtum verfügen, der THE COSMOCINESY allemal zugute kommen könnte. Fest steht aber auch, dass sich auch ein Album wie dieses die Frage nach einer hoffentlich vorhandenen generellen musikalischen Wertigkeit gefallen lassen muss – und eine gute Geschichte noch kein hervorragendes Power Metal-Album macht.

Tatsächlich kann man THE COSMOCINESY auch bestens in Bezug auf die in eben diese Richtung gehende Zwiespältigkeit beschreiben, denn: das Bestreben, eine vergleichsweise kreative und intensive Geschichte erzählen zu wollen hat sich in diesem Fall allemal ausgezahlt. Anders gesagt: man merkt dem insgesamt 10 Titel starken Album durchaus an, das es vergleichsweise besonders ist und die Band absolut hinter den hier kredenzten Ideen steht. Andererseits, und das ist die Kehrseite der Medaille; spielen QANTICE hier einen letztendlich doch recht verwechselbaren Power Metal der typisch europäischen Spielart. Einen, der dabei auch nicht vor gewissen Schwächen gefeit ist – die hier speziell in Bezug auf den Leadgesang von Vincent Pichereau festzustellen sind. Immerhin scheint er vergleichsweise unsicher zu agieren und speziell in den des öfteren angestrebten höheren Lagen Probleme zu haben, was schon den Opener HEAD OVER WORLDS zu einer kleinen Herausforderung machen kann. In Bezug auf die Instrumente sieht es da schon wesentlich besser aus: die Gitarren klingen sowohl im Rhythmus- als auch Solibereich angenehm knackig, das Drumming ebenso organisch wie antreibend; und auch der Bass bekommt – nicht zuletzt Dank der exzellenten Abmischungs- und Produktionsarbeit – die nötige Aufmerksamkeit.

Doch auch wenn QANTICE im weiteren Verlauf immer wieder auf besondere Extras wie etwa eine gut funktionierende symphonische Komponente, längere Instrumentalstrecken mit allerlei Abwechslung und eine möglichst ausgewogene Mixtur aus getragenen und flotteren Momenten setzen; geht es nie wirklich verloren – das Gefühl, als würde man hier lediglich einer von so vielen anderen Genre-Bands lauschen. Die deutlichsten Parallelen ergeben sich dabei wohl zu den italienischen Kollegen von LABYRINTH oder auch THY MAJESTIE – sodass es insgesamt betrachtet durchaus ein paar mehr Alleinstellungsmerkmale und noch ungewöhnlichere Sounds hätten sein dürfen. Eben solche, die die Besonderheiten der zugrundeliegenden Geschichte noch zusätzlich unterstrichen und das Album zu einem einzigartigen Genuss gemacht hätten. So bleibt es nur bei einem grundsoliden, letztendlich gar nicht allzu auffälligen Album im Stile der späteren DAMNATIONS ANGELS – wobei es umso passender erscheint, dass ein gewisser PELLEK zwischenzeitlich von eben dieser Band zu QANTICE gewechselt ist.

Kurzum: THE COSMOCINESY weiß der Hörerschaft einen angenehm symphonisch angehauchten, abwechslungsreichen und vor allem in Bezug auf die Instrumentalisierung starken Power Metal inklusive einer netten Geschichte anzubieten – während die teils markanten Schwächen in Bezug auf den Leadgesang, einzelne deutlich unausgegorenere Momente (wie etwa die Ballade OCEAN ECLIPSE oder das recht langwierige THE HERO THAT YOU NEED) sowie die nicht wirklich aufgehenden lockeren, wie in PIRATES eher befremdlich klingenden Stimmungen noch größeres verhindern.

Absolute Anspieltipps: HEAD OVER WORLDS, MEGANTROP, THE QUESTION


„Dem Anspruch der Geschichte kann das Album nicht wirklich gerecht werden – aber solide ist das, was QANTICE hier abgeliefert haben allemal.“

Metal-CD-Review: ECLIPSE HUNTER – One (2009)

Alben-Titel: One
Künstler / Band: Eclipse Hunter (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. September 2009
Land: Russland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Нью Рок

Alben-Lineup:

Andrey Osokin – Keyboards
Alexander Yurov – Vocals
Vladimir Ilyuhin – Guitars
Tim Alexeyev – Bass

Track-Liste:

1. One (01:20)
2. Freedom (03:56)
3. I’ll Never Forget (07:25)
4. Train of Dreams (07:08)
5. Angel (05:57)
6. I’m Going Down (05:11)
7. Lost Symphony (03:49)
8. Fading (05:04)
9. Coming Home (08:31)
10. Awake (05:49)
11. Eternally (06:57)

Ein wenig Finsternis muss nicht immer etwas schlechtes bedeuten.

Ja, auch Russland spielt als Herkunftsland so manch hochkarätiger (und dabei gerne mal übersehener) Power Metal-Combo eine Rolle. Ein gutes Beispiel dafür waren unter anderem auch ECLIPSE HUNTER – eine bereits 2004 in Moskau gegründete Band mit einem vergleicshweise interessanten Namen und einem respektablen, 2009 erschienen Debütalbum. Selbiges horcht auf den Titel ONE, beinhaltet insgesamt 11 Titel – und vervollständigt so gesehen das, was die Band auf der 2008 erschienenen EP LOST SYMPHONY begonnen hatte. Einen hohen Bekanntheitsgrad genießt die Band indes nicht, wobei es davon abgesehen auch so scheint als hätten sich eCLIPSE HUNTER mittlerweile wieder aufgelöst. Was allemal schade ist, denn: zumindest dem heute zu Rezenionszwecken vorliegenden ONE wohnt durchaus etwas spezielles, einzigartiges und in jedem Fall für die Band sprechendes inne.

Was genau das ist oder sein könnte, ist dabei gar nicht so leicht zu beschreiben – denn eigentlich und ganz nüchtern betrachtet setzten die Russen gar nicht erst auf eine allzu ausgefeilte oder außergewöhnliche Spielart des Power Metal. Hinzu kommt, dass der Sänger auf ONE weitestgehend akzentfrei tönt – oder mindestens so, dass man nicht direkt auf sein Herkunftsland schließen kann. Auf den ersten Blick ordnet sich das Album damit relativ problemlos in die Riege etwaiger anderer euopäischer Veröffentlichungen ein, bei denen vornehmlich auf absolut typische Genre-Zutaten gesetzt wurde. Ein Beispiel dafür sind etwa die bei ECLIPSE HUNTER recht hoch gehaltenen Keyboards inklusive eines leicht elektronischen Einschlags (LOST SYMPHONY) – oder aber die Tatsache, dass die Band doch einige eher balladeske Ströumungen Einzug halten lässt. Und das mal ganz explizit wie in ANGEL (das als reine Ballade eigentlich recht gut funktioniert), mal im Duett mit einer weibnlichen Gesangsparnterin (FADING), mal in der Mixtur mit deutlich griffigeren Metal-Elementen (I’LL NEVER FORGET).

Und doch wird man schon mit dem ebenso sphärischen wie minimalistischen Intro ONE, dem darauffolgenden Opener FREEDOM oder dem späteren AWAKE bemerken; dass irgendetwas anders ist bei ECLIPSE HUNTER. Etwas, das in erster Linie nicht mit dem an den Tag gelegten Handwerk korrespondiert – denn das ist speziell in Bezug auf die sich alles andere als zurückhaltenden Keyboards und die Gesangsleistung von Alexander Yurov (recht kritisch wird es beispielsweise in I’M GOING DOWN) nur oder immerhin noch als soldie zu bezeichnen. Dennoch schafft es gerade FREEDOM als potentielles Highlight des Albums, für eine so nicht unbedingt erwartete Atmosphäre zu sorgen. Das, und die Tatsache dass sich ECLIPSE HUNTER trotz der teils übertriebenen elektronischen Akzente überaus glaubwürdig inszenieren (wie in der gesanglich nicht makellosen, aber insgesamt doch überragenden Rausschmießer-Ballade ETERNALLY); macht ONE dann doch noch zu einem Hingucker respektive Geheimtipp für eingefleischte Genre-Fans. Solche, die keine Perfektion erwarten – und die überdies nichts gegen eine dezente Portion Kitsch sowie eine eher fantastisch angehauchte Variante des Power Metals einzuwenden haben.

Absolute Anspieltipps: FREEDOM, I’LL NEVER FORGET, COMING HOME, AWAKE


„Grundsätzlich nicht viel besser oder schlechter als das Schaffen von so vielen anderen, eher typischen Genre-Combos – und doch irgendwie besonders. Vielleicht trifft es der Begriff einer Rarität hier am besten.“

Metal-CD-Review: AGE OF GLORY – Tales Of Valour (2009, Demo)

Alben-Titel: Tales Of Valour (Demo)
Künstler / Band: Age Of Glory (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Februar 2009
Land: Schweden
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Andreas Alme – Drums, Percussion
Márton Tóth – Guitars, Vocals
Oscar Jacobsson – Guitars, Vocals
Jacob Sandberg – Bass, Vocals

Track-Liste:

1. Memories of a Lost Kingdom (06:46)
2. The Clash of Honour (05:00)
3. The Last Stand (06:08)
4. Forrest of Trolls (03:45)
5. March of the Warrior Kings (09:07)

Ach, da haben TWILIGHT FORCE ihre Inspiration her…

So oder so ähnlich könnte man jedenfalls denken, wenn man sich die 2009 erschienene TALES OF VALOUR-Demo der Schweden von AGE OF GLORY zu Gemüte führt und einen möglicherweise kühnen Vergleich wagt. Mindestens einen markanten Unterschied gibt es dann aber doch: die bereits 2007 in Göteburg gegründete Combo ist im Gegensatz zu den Landeskollegen von TWILIGHT FORCE (die sich erst 2011 zusammengefunden haben) weitestgehend unbekannt – und hat dementsprechend auch noch keine vergleichbaren Erfolge vorzuweisen. Immerhin: neben der vorliegenden Demo wurde just eine erste EP veröffentlicht (THE DAWN OF HEROES), die die ambitionierten Power Metaller eventuell doch noch auf den richtigen Weg bringen könnte.

Nach nunmehr 8 weiteren vergangenen Jahren wäre das der Band auch allemal zu wünschen, denn: schon die 5 Titel enthaltene erste Demo der Schweden macht ordentlich was her. Vornehmlich, da AGE OF GLORY hier einen recht ausgelassenen und bombastischen Power Metal inszenieren – eben ganz im Stile der bereits genannten Kollegen von TWILIGHT FORCE oder auch DRAGONLAND. Die ausschweifenden, aber interessanterweise auch nicht allzu überladen erscheinenden Kompositionen; der kräftige Leadgesang und die teils mächtigen Chöre etablieren jedenfalls schnell eine ordentliche Atmosphäre – und entwickeln im Zusammenspiel mit den mehr als solide vorgetragenen Metal-Elementen einen schönen Drive. Im Endergebnis erhält man so Titel wie den eigentlichen Opener THE CLASH OF HONOUR – der markant nach vorn prescht, sich von einer angenehm wandelbaren Seite zeigt; und neben den  typischen schwedischen Genre-Einflüssen auch solche aus Italien (z.B. HOLY KNIGHTS, THY MAJESTIE) an den Start bringt.

Die eigentliche Überraschung aber folgt erst sogleich, denn: auch der Midtempo-Stampfer THE LAST STAND weiß durchweg zu überzeugen – und das trotz seiner deutlich getrageneren Gangart. Damit haben AGE OF GLORY schon einmal bewiesen, dass sie sich keineswegs hinter einer übermäßigen Portion Tempo oder Bombast verstecken müssen. Eher ist das Gegenteil der Fall: das technisch und melodisch ansprechende Gitarrenspiel lädt zu einem genaueren Hinhören ein, der Leadgesang und die Chöre avancieren zu einer der wohl eindeutigsten Stärken der Band. Und noch etwas fällt im gleichen Atemzug auf: für eine frühe Demo erscheint die Abmischung recht ausgewogen, die Produktion recht druckvoll – nennenswert geschmälert wird der Hörgenuss jedenfalls nicht.

Eine kleinere Kehrseite gibt es dann aber doch – wobei abzuwägen bleibt, ob man das ellenlange und mit zahlreichen nicht ganz so stimmigen Sprechpassagen ausgestattete Intro MEMORIES OF A LOST KINGDOM tatsächlich als Negativkriterium werten sollte. Eines erscheint jedenfalls klar: wenn man den Musikern von TWILIGHT FORCE oder auch AGE OF GLORY dezente Formen der Übertreibung unterstellen möchte – beispielsweise in Bezug auf eine absichtliche Ausreizung diverser Genre-Klischees – ist ein (musikalisch gar nicht erst wirklich wertvolles) Intro wie dieses natürlich ein gefundenes Fressen. Aber auch das etwas weniger inspiriert erscheinende FOREST OF TROLLS bleibt deutlich hinter den anderen Titeln zurück – und das trotz des recht unterhaltsamen Soli-Parts in der Mitte.

Der episch angelegte Rausschmeißer MARCH OF THE WARRIOR KING hat dann auch ein klein wenig zu kämpfen: zum einen scheinen die Chor-Elemente hier etwas zu vordergründig abgemischt, und zum anderen hat man das Gefühl als käme die Nummer einfach nicht über ihre Auftaktphase hinaus. Zusammenfassend kann man aber ganz locker behaupten, dass es sich bei TALES OF VALOUR um eine höchst interessante und lohnenswerte Demo handelt. Eine Demo einer Band, die hoffentlich doch noch die Kurve kriegt und möglichst erfolgreich durchstartet. Alles andere wäre schade, nicht zuletzt aufgrund des somit vergeudeten Potentials.

Absolute Anspieltipps: THE CLASH OF HONOUR, THE LAST STAND


„Eine durch und durch anständige Demo einer vielversprechenden Band.“

Metal-CD-Review: DÜNEDAIN – Buscando El Norte II (2009)

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Alben-Titel: Buscando El Norte II
Künstler / Band: Dünedain (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Dezember 2009
Land: Spanien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Tony Delgado – Guitars (lead), Vocals
Jacin – Bass, Vocals
Maldito – Drums
Mariano Sánchez – Guitars (rhythm)

Track-Liste:

1. Buscando el norte (09:20)
2. Fiel a mi libertad (04:36)
3. Mi alma sigue en pie (05:00)
4. La tierra de los sueños (04:35)
5. La rosa negra (04:43)
6. No perder la fe (03:33)
7. Sólo un momento (04:39)

Wer auf dem Weg hierher schon ausgestiegen ist, verpasst den Höhepunkt der Reise.

BUSCANDO EL NORTE II ist nicht nur das dritte offizielle Studioalbum der spanischen Power Metaller von DÜNEDAIN, sondern auch die Fortsetzung zur EP BUSCANDO EL NORTE (Review) – die ebenfalls im Jahre 2009 erschien. Wenngleich die Gesamtspielzeit des Albums mit knapp 36 Minuten gar nicht erst viel länger ist als die der EP (zum Vergleich: hier waren es 32 Minuten), so haben DÜNEDAIN zumindest eines geschafft – und das ist nicht weniger, als im Vergleich zur bereits vielversprechenden EP noch eine ordentliche Schippe draufzulegen.

Sicher, die Qualität der Produktion war schon auf der EP hervorragend (wohlgemerkt: beide Alben sind reine Independent-Werke), ebenso wie der Umgang mit den Gitarren respektive dem wunderbar ausgeprägten Fokus auf das Handwerk von Tony Delgado und Mariano Sánchez. Doch gibt es dieses Mal auch so etwas wie echte Abwechslung, trotz der relativ geringen Anzahl an Titeln. So werden neben den für DÜNEDAIN schon typischen Stampfern im Midtempo (FIEL A MI LIBERTAD, LA TIERRA DE LOS SUENOS, LA ROSA NEGRA) auch zwei flotte Uptempo-Hymnen (MI ALMA SIGUE EN PIE, NO PERDER LA FE), ein dezent symphonisch angehauchtes Epos mit vielen atmosphärischen Zwischenspielen (der Opener BUSCANDO EL NORTE) oder eine ansprechende Power-Ballade (SOLO UN MOMENTO) präsentiert. BUSCANDO EL NORTE II hat damit schon wesentlich mehr von einer abenteuerlichen Entdeckungsreise gen Norden oder in Richtung gänzlich anderer Gefilde – und entfaltet schnell einen enormen Charme.

Und noch etwas wirkt sich in diesem Fall überaus positiv aus: DÜNEDAIN trafen die durchaus markante Entscheidung, weite Strecken der Texte von Tony Delgado einsingen zu lassen. Ausnahmsweise, wohlgemerkt – denn eigentlich hatte Jacin noch immer die Position des Leadsängers inne. Ohne die vorherigen Leistungen eben jenes Sängers schmälern zu wollen – es macht einfach Spaß, der nunmehr in jeder Hinsicht kräftigeren, ausdrucksstärkeren und markanteren Leadstimme zuzuhören. Tatsächlich gibt es auch darüber hinaus keine Gründe, auch nur einen der 7 enthaltenen Titel zu skippen – ganz im Gegenteil. Viel eher wird man auf der Suche nach dem eigentlichen Highlight des Albums sein, welches gar nicht so leicht zu bestimmen ist. Das Angebot ist jedenfalls da – und mit ihm ein ganz und gar hervorragendes DÜNEDAIN-Album das vielleicht etwas kurz; dafür aber umso knackiger geraten ist.

Absolute Anspieltipps: BUSCANDO EL NORTE, FIEL A MI LIBERTAD, MI ALMA SIGUE EN PIE, NO PERDER LA FE, SOLO UN MOMENTO


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„Das mit Abstand hochkarätigste, was DÜNEDAIN bis dato zu bieten hatten – vermutlich aber auch darüber hinaus.“

Metal-CD-Review: DÜNEDAIN – Buscando El Norte (2009)

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Alben-Titel: Buscando El Norte
Künstler / Band: Dünedain (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. März 2009
Land: Spanien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Tony Delgado – Guitars (lead), Vocals
Jacin – Bass, Vocals
Maldito – Drums
Mariano Sánchez – Guitars (rhythm)

Track-Liste:

1. Una razón (04:11)
2. Toda una vida (05:36)
3. El principio del fin (04:32)
4. La oportunidad (03:34)
5. Quizás (05:05)
6. Abre los ojos (09:15)

Eine (hoffentlich) abenteuerliche Reise gen Norden.

Nachdem die spanischen Power Metaller von DÜNEDAIN mit ihrem Debütalbum (Review) für Aufsehen, mit dem Nachfolger LA LUZ DE MI OSCURIDAD (Review) jedoch eher für gemischte Gefühle gesorgt hatten; war es Anfang 2009 Zeit für ein neues Projekt. Und das kam in Form eines 6 Titel enthaltenden Mini-Albums namens BUSCANDO EL NORTE daher – aus dem gegen Ende des Jahres (und mit BUSCANDO EL NORTE II, Review) doch noch ein Zweiteiler wurde. Und dazu noch ein durchaus beachtlicher, auch wenn der vorliegende erste Teil noch nicht wirklich aus dem Vollen schöpfte. Und das hat hauptsächlich zwei Gründe.

Zum einen setzten DÜNEDAIN hier noch vermehrt auf den leider nur passablen Leadgesang von Jacin, anstatt dem eigentlichen Band-Mastermind Tony Delgado mehr Raum zuzugestehen – und zum anderen fühlen sich die 6 Titel für sich betrachtet einfach nicht besonders markant oder aussagekräftig an. Immerhin, eine Ballade vermisst man eher nicht – aber dass sich DÜNEDAIN hier ganz grundsätzlich nur in einem stampfenden Midtempo bewegen und dabei kaum stilistische Ausbrüche vorsehen, kann schnell zu einer gefühlten Eintönigkeit führen.

Dennoch, dass sich DÜNEDAIN absolut treu geblieben sind (was sich auch am unveränderten Lineup bemerkbar macht), fühlt sich gut an – und überträgt sich auch auf das alles andere als unterirdische, aber eben auch nicht hervorragende Album. Sieht man vom interessant anmutenden, letztendlich aber auch etwas plump wirkenden Cover-Artwork ab; ist DÜNEDAIN dieses Mal vor allem die Präsentation der Titel gelungen: die Aufnahme, Abmischung und Produktion lassen keine Wünsche offen, die Gitarren bekommen viel Raum und glänzen vor allem in den energetischen Soli-Parts, die Refrains sind eingängig und packend – auch ohne zusätzlichen Kitsch.

Betrachtet man das Ganze als das was es ist – nämlich als Auftakt zu einem weitaus größeren, wenn man so will mächtigeren Folge-Album namens BUSCANDO EL NORTE II – dann geht der erste Teil allemal in Ordnung. Auch wenn er eher nicht das Zeug dazu hat, zu einem echten Dauerbrenner zu avancieren.

Absolute Anspieltipps: QUIZAS, EL PRINCIPIO DE FIN


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„Ein anständiges Album – welches umso besser funktioniert, wenn man den zweiten Teil gleich hinterherschiebt.“

Metal-CD-Review: ALESTORM – Black Sails At Midnight (2009)

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Alben-Titel: Black Sails At Midnight
Künstler / Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Mai 2009
Land: Schottland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Christopher Bowes – Vocals, Keyboards, Tin Whistle
Dani Evans – Bass, Guitars
Ian Wilson – Percussion, Vibraslap

Track-Liste:

1. The Quest (04:57)
2. Leviathan (05:56)
3. That Famous Ol‘ Spiced (04:46)
4. Keelhauled (03:42)
5. To the End of Our Days (06:23)
6. Black Sails at Midnight (03:31)
7. No Quarter (03:02)
8. Pirate Song (04:03)
9. Chronicles of Vengeance (06:25)
10. Wolves of the Sea (Pirates of the Sea cover) (03:34)

Es gilt, die Segel erneut zu hissen.

BLACK SAILS AT MIDNIGHT ist das zweite offizielle Studioalbum der Schottischen Pirate Power Metaller von ALESTORM – und eines jener musikalischen Sequels, bei denen man nicht das Gefühl hat als sei in der Zwischenzeit viel passiert. Doch das muss noch nichts negatives bedeuten, denn tatsächlich liegt das Debütalbum CAPTAIN MORGAN’S REVENGE (Review) gerade einmal ein Jahr zurück. Überhaupt sollte es gerade für eine recht spezifisch ausgerichtete Band wie ALESTORM schwierig sein, sich neu zu erfinden – sodass die Schotten auch dieses Mal wie der Schuster bei seinen Leisten bleiben, und der geneigten Hörerschaft einen rundum Party-tauglichen Power Metal der eher raubeinigen Art kredenzen.

Das bedeutet in erster Linie, dass ALESTORM auch auf BLACK SAILS AT MIDNIGHT eine möglichst gut funktionierende Symbiose aus einer schroffen Metal-Grundlage sowie zahlreichen verspielten Zutaten anpeilen – die sich in schunkelnden Männerchören, reichlich Keyboardeinsatz, tatsächlich gespielten traditionellen Instrumenten sowie ganz besonders der unverkennbaren Darbietung des hiesigen Leadsängers Cristopher Bowes widerspiegeln. Wie beim Vorgänger gilt dabei vor allem eines: man wird diese Mixtur entweder lieben oder hassen, für irgendetwas dazwischen scheint eigentlich kaum Platz. Immerhin zeigen ALESTORM auch auf ihrem Zweitwerk eines mit Nachdruck: dass sie das was sie da machen lieben, können und wohl auch weiterhin machen werden; komme was wolle. Gerade diese konsequente Einstellung vermag es im besten Fall auch, sich auf den Hörer zu übertragen – der sich bei vielen der auf BLACK SAILS AT MIDNIGHT enthaltenen Titel bei einem taktvollen Mitwippen ertappen könnte. Wenn das mal reicht – denn dass ALESTORM mehr als nur ordentlich Stimmung machen können, bewiesen sie schon auf ihrem Debüt.

Spaß macht das Album so allemal, auch wenn im zweiten Anlauf dieselben potentiellen Schwächen auftauchen die auch schon der Vorgänger mitbrachte. Da es sich aber um das zweite Album der Band handelt und es somit keinen vergleichbaren Überraschungseffekt mehr gibt, könnten diese nun etwas schwerwiegender ausfallen als noch zuvor. So klingt BLACK SAILS AT MIDNIGHT über weite Strecken auffällig gleichförmig, viel Abwechslung gibt es nicht. Es sei denn natürlich, man zählt Titel wie das ausnahmsweise mal deutlich langsamer inszenierte TO THE END OF OUR DAYS hinzu. Das Problem: auch wenn eine quasi-balladeske Nummer wie dieser im Alben-Kontext erfrischend erscheinend mag, klingt sie einfach nicht gut – sondern eher verdächtig langatmig. Selbst die potentielle Hymne des Albums, KHEELHAULED kann nicht wirklich überzeugen – hier klingen ALESTORM etwas zu hektisch und vor allem im refrain ernüchternd. Von kleineren Nuancen wie diesen abgesehen gibt es aber wenig spektakuläres zu vermelden, weder im positiven noch im negativen Bereich: es gibt weder klar erkennbare Highlights, noch absolut zu vernachlässigende Titel.

Das kann man zwar interpretieren wie man will – doch scheint diese Feststellung gut zum so gesehen nicht gerade aufregenden Eindruck des Albums zu passen. Im schlimmsten Fall avanciert BLACK SAILS AT MIDNIGHT so zu einem Power Metal-Album der Marke weder-noch. Eines, das durchaus Spaß macht – aber eben auch nur innerhalb eines bestimmten Rahmens, wenn die Dosierung stimmt – und wenn man das deutlich bessere und frischere Debütalbum nicht zu Vergleichszwecken heranzieht.

Absolute Anspieltipps: CHRONICLES OF VENGEANCE


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„Schon jetzt klingt die Musik von ALESTORM verdächtig abgenutzt – zumindest, wenn man dieses Album mit dem erst ein Jahr zurückliegenden Vorgänger vergleicht.“