Filmkritik: „Wunder Einer Winternacht – Die Weihnachtsgeschichte“ (OT: Joulutarina, 2007)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Juha Wuolijoki
Mit: Hannu-Pekka Björkman, Ville Virtanen, Otto Gustavsson u.a.
Land: Finnland
Laufzeit: ca. 83 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Drama, Abenteuer
Tags: Weihnachten | Weihnachtsmann | Weihnachtsfest | Santa Claus

Es könnte sich so zugetragen haben – so, oder so ähnlich…

Inhalt: Der in einem kleinen Dorf in Lappland aufwachsende Nikolas hat wahrlich kein leichtes Schicksal. Nachdem seine Eltern und seine Schwester auf tragische Weise ums Leben gekommen waren, streiten sich die Dorfbewohner darum, wer fortan die Fürsorge für den kleinen Jungen übernehmen würde. Oder eher könnte – schließlich leben die Bewohner in einfachen Verhältnissen und haben teilweise schon Schwierigkeiten, ihre eigenen Familien durchzubringen. So einigt man sich kurzerhand darauf, Nikolas nur für jeweils ein Jahr bei einer Gastfamilie leben zu lassen – wobei er alle Dorfbewohner näher kennenlernt und viele Freunde findet. Zum Dank schnitzt er den Kindern der jeweiligen Familie am Ende eines jeden Jahres opulente Holzfiguren, die er ihnen aber nicht direkt übergibt – sondern heimlich vor die Tür legt. Doch als bald darauf der kauzige Händler Iisakki Interesse an Nikolas und seiner Arbeitskraft anmeldet, gerät Nikolas‘ jährliches Vorhaben in Gefahr. Und tatsächlich: als er in der Werkstatt des offensichtlich verbitterten Mannes ankommt, scheint ihn dieser nur als Handlanger für niedere Aufgaben zu benötigen – wobei er ihm außerdem verbietet, weiter an seinen geliebten Holzfiguren zu arbeiten…

Kritik: Weihnachtsfilme, die ausnahmsweise mal nicht aus den Untiefen Hollywoods stammen; sieht man im allgemeinen viel zu selten. So muss man schon etwas Glück haben, um über einen Film wie WUNDER EINER WINTERNACHT zu stolpern – der eigentlich auf den Namen JOULUTARINA horcht und vom finnischen Regisseur und Produzenten Juha Wuolijoki stammt. Belohnt wird man dabei gleich in mehrerlei Hinsicht: die Geschichte wird insgesamt eher ruhig und vergleichsweise ungekünstelt erzählt, es gibt ausreichend Platz für allerlei interessante zwischenmenschliche Untertöne; und die technisch-handwerkliche Komponente macht mit dem netten Setdesign, der stimmigen Schauplatzwahl sowie nicht zuletzt den wunderbar atmosphärischen Landschaftsaufnahmen ordentlich was her. Die größte Stärke von JOULUTARINA aber ist die anberaumte Erzählstrategie, die ihre Wirkung keinesfalls verfehlt – und das auch ohne einer Zuhilfenahme des schon eher als typisch zu bezeichnenden Soundtracks, der aber glücklicherweise nicht flächendeckend eingesetzt wird. So ist der Film zum einen als relativ zeitloses Porträt zu verstehen, wobei sich stets nur erahnen lässt wann und wo genau sich das Ganze zugetragen haben könnte – und zum anderen erweist sich die Entscheidung, die Geschichte als ein ganzes Leben abdeckende Erzählung zu inszenieren; als äußerst glückliche Entscheidung. Das Gefühl einer (emotionalen) Bedeutung wird also weniger aus einer Ansammlung potentiell kitschiger Bilder oder anderen zielführenden, zumeist aber eben reichlich prätentiösen Stilmitteln generiert – sondern schlicht und ergreifend aus dem sich durchaus auf den Zuschauer übertragenden Gefühls heraus, dass es sich um die Darstellung eines Lebenswerks handelt. Ob um ein mehr oder weniger bedeutsames, dass muss ein jeder für sich selbst entscheiden – aber das durch und durch annehmbare Angebot ist gemacht. Wäre man mit dem pompösen Ende nicht doch noch ein wenig über das Ziel hinausgeschossen, wäre sogar noch mehr drin gewesen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © KSM GmbH

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„Ein gut gemachter, angenehm anrührender Weihnachtsfilm.“

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Metal-CD-Review: DOMINE – Ancient Spirit Rising (2007)

Alben-Titel: Ancient Spirit Rising
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 12. Februar 2007
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Stefano Bonini – Drums
Riccardo Iacono – Keyboards
Enrico Paoli – Guitars
Morby – Vocals

Track-Liste:

1. The Messenger (06:24)
2. Tempest Calling (05:59)
3. The Lady of Shalott (09:14)
4. I Stand Alone (After the Fall) (04:28)
5. Ancient Spirit Rising (09:28)
6. On the Wings of the Firebird (06:32)
7. Another Time, Another Place, Another Space (07:10)
8. Sky Rider (04:56)
9. How the Mighty Have Fallen (07:42)

Ein Aufstieg in ungeahnte Sphären ?

ANCIENT SPIRIT RISING ist das fünfte offizielle Studioalbum aus der italienischen Power Metal-Schmiede DOMINE. Aus einer vergleichsweise starken und musikalisch prägnanten, sollte man wohl sagen – schließlich schien die bereits 1983 (!) ins Leben gerufene Combo auf dem besten Wege zu sein, den ein oder anderen Rekord aufzustellen. Und, das versteht sich von selbst; dabei auch eine handvoll höchst gelungener Alben abzuliefern – von denen insbesondere das 1999 erschienene DRAGONLORD (siehe Review) sowie das 2001 nachgeschobene STORMBRINGER RULER (Review) noch lange nachhallen sollten. Nach dem etwas zumindest im direkten Diskografie-Vergleich etwas schwächeren EMPEROR OF THE BLACK RUNES (Review) erschien 2007 dann ANCIENT SPIRIT RISING, das heute zu Rezensionszwecken vorliegt. Gleichzeitig handelt es sich um das bis heute aktuellste Album der Italiener, die direkt nach der Produktion in eine Art Kältestarre verfielen – und das aus bisher ungeklärten Gründen. Immerhin: mittlerweile scheint die Band wieder etwas aktiver zu sein, von einer Auflösung scheint keine Rede – sodass man gespannt sein darf, ob DOMINE eines Tages doch noch mit ihrem sechsten Album um die Ecke kommen werden.

Bis es soweit ist, bleibt einem indes nicht viel mehr als die illustre Diskografie der Italiener zu durchstöbern. Eventuell ja auch, um das mit 9 Titeln bestückte und mit einer Gesamtspielzeit von einer guten Stunde ausgestattete ANCIENT SPIRIT RISING für sich zu entdecken. Zweifelsohne handelt es sich hierbei um ein Album, das etwas anders ist als die bisherigen DOMINE-Werke – und das nicht nur, da die berühmte (und zugegebenermaßen nicht gerade hübsche) Band-´Figur mit ihrer unverkennbaren Fratze nicht mehr im Mittelpunkt des Artworks steht. Vielmehr scheint sie das zeitliche gesegnet zu haben, was sicher auch den Alben-Titel erklärt – und vielleicht ja auch, warum sich DOMINE auf ihrem fünften Album etwas experimenteller inszenierten als noch zuvor. Ob sie selbiges allerdings wirklich im Sinne eines qualitativen Aufstiegs taten, sei einmal dahingestellt – denn gänzlich vor Schwächen gefeit ist ANCIENT SPIRIT keineswegs. In Anbetracht einer vergleichsweise hochkarätigen Gesamt-Diskografie wie der von DOMINE fällt das natürlich zusätzlich auf – auch wenn es nach dem Einlegen des Silberlings noch etwas dauert, bis die ersten wirklichen Streitpunkte auftauchen.

Denn: sowohl der Opener THE MESSENGER als auch das flotte TEMPEST CALLING sind zwei typische DOMINE-Gassenhauer, die wie so oft auf ein bestmögliches Zusammenspiel der Instrumente und den Einsatz des unverkennbaren Frontmanns Adolfo Morviducci aka Morby abzielen – was im Hinblick auf die schroffen Gitarren, den deutlich hörbaren Bass und den gewohnt wuchtigen bis epischen Anspruch auch relativ tadellos gelingt. Mit dem überlangen THE LADY OF SHALOTT indes brechen DOMINE erstmals deutlicher mit ihrer bisherigen Tradition – und präsentieren dem Hörer eine zutiefst gewöhnungsbedürftige Mixtur aus einer Ballade und – man will es eigentlich kaum aussprechen – einer Art Musical-Soundtrack. Der kaum aneckende, auffällig seichte Auftakt und die späteren Chorgesänge jedenfalls sprechen klar dafür – und weisen dezent darauf hin, dass nicht alles was DOMINE anfassen automatisch zu Gold wird. Das hie und da doch noch etwas mehr Feuer eingestreut wird, und das hauptsächlich seitens des Schlagzeugs; macht es schließlich auch nicht mehr viel besser. Unglücklicherweise ist jene Nummer aber noch nicht das Ende der qualitativ höchst diskutablen Fahnenstange – denn auch das folgende I STAND ALONE hat trotz seines immensen Tempos Tendenzen, die DOMINE einfach nicht gut zu Gesicht stehen. Der abermals Musical-artige Chorgesang sowie die generell eher schwachen Lyrics jedenfalls wollen einfach nicht so recht zur bisherigen, manche nennen sie mächtigen Diskografie der Italiener passen.

Entsprechend wenig verwunderlich ist demnach, dass auch der Titeltrack ANCIENT SPIRIT RISING die bisher gewonnen Eindrücke nicht mehr wirklich konterkarieren kann – und das bei einer Spieldauer von satten 9 Minuten. Stellenweise wirkt und klingt es gar so, als wären DOMINE hier einfach nicht sie selbst – was sowohl für die plötzlich arg langatmig erscheinende, man ist geneigt zu sagen dahindudelnde instrumentale Komponente als auch den wie aus dem Nichts an Alessio Garavello erinnernden Adolfo Morviducci gilt. Sicher, beides sind gute bis hervorragende Genre-Künstler – doch der Domine-Frontmann klang einfach deutlich besser, wenn er in tieferen Lagen und mit etwas mehr feurig-variabler Inbrunst sang. Und es geht weiter: während eine Combo wie ANGRA sicher mehr aus einer Nummer wie ON THE WINGS OF THE FIREBIRD hätte machen können, schweifen die Italiener auch mit den verbleibenden Titeln deutlich ab. Und das zumeist in Gefilde, die man so einfach nicht von der ehemals ebenso kraftvollen wie einzigartigen Combo gewohnt ist – und die man sich wenn überhaupt eher bei anderen Bands vorstellen könnte. Was das Album gerade noch im Mittelmaß hält, ist die wie immer hervorragende handwerkliche Komponente und die grundsätzlich keine Wünsche offenlassende Abmischung und Produktion – doch davon, und mit Ausnahme einiger vereinzelter Nummern sollte man besser nicht zu viel erwarten oder lieber gleich zu den anderen DOMINE-Alben greifen.

Absolute Anspieltipps: THE MESSENGER, TEMPEST CALLING


„Nach den bisherigen DOMINE-Alben eine ebenso herbe wie unerwartete Enttäuschung, leider.“

Metal-CD-Review: EMERALD SUN – Escape From Twilight (2007)

Alben-Titel: Escape From Twilight
Künstler / Band: Emerald Sun (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. März 2007
Land: Griechenland
Stil / Genre: Power Metal
Label: LMP

Alben-Lineup:

Bill Kanakis – Drums
Johnnie Athanasiadis – Guitars
Teo Savage – Guitars
Jim Tsakirides – Keyboards
Jimmy Santrazami – Vocals
Spyros Babatzanides – Bass

Track-Liste:

1. Sunrise (01:30)
2. Scream Out Loud (05:08)
3. High in the Sky (06:49)
4. The Traveller (00:58)
5. Sword of Light (05:59)
6. Eyes of Prophecy (04:40)
7. Escape from Twilight (05:49)
8. Emerald Sun (06:45)
9. H.M. (04:33)
10. The Story Begins (04:36)
11. Not Alone (05:38)

Ein Déjà-vu der nicht ganz unproblematischen Art.

Nein, ein absolut hervorragendes oder gar kultverdächtiges Debüt hatten die griechischen Power Metaller von EMERALD SUN mit ihrem Erstwerk THE STORY BEGINS (2005, siehe Review) nicht hingelegt – und doch handelte es sich um ein recht spielfreudiges und grundsätzlich angenehmes Genre-Album, auf das man hätte aufbauen können. Gut, letztendlich haben die Griechen auch genau das getan – wenn auch in einer eher unerwarteten Art und Weise. Mit dem vorliegenden ESCAPE FROM TWILIGHT haben sie respektive Limb Music schließlich eine beinahe deckungsgleiche zweite Variante ihres Debütalbums an den Start gebracht. Beinahe deckungsgleich war und ist sie deshalb, da man das Album zwar nicht komplett neu aufgenommen hatte – dafür aber einen neuen Mastering-Prozess vorsah. Einen, der letztendlich weniger am betroffenen Liedgut veränderte – zumal sich weitere Veränderungen an den einzelnen Titeln auf ein absolutes Minimum beschränken. Als ein Beispiel sei hier gennant, dass das Instrumental EMERALD SUN nun nicht mehr mit einem ärgerlichen Fadeout endet – was nicht viel ist, aber immerhin. Dem sicherlich löblichen Grundgedanken zum Trotz ergibt eine Vorgehensweise wie diese aber natürlich auch Schwierigkeiten – die sich hier in mindestens zweierlei Richtungen offenbarten.

Ein Problem liegt beispielsweise schlicht darin begründet, dass die Entscheidung bezüglich der Neuveröffentlichung für einen dezenten Anflug von Verwirrung sorgte – und auch heute noch bei nicht jedermann auf Verständnis stoßen wird. Dass THE STORY BEGINS und ESCAPE FROM TWILIGHT letztendlich ein und dasselbe Album sind ist dabei nur der (glücklicherweise schnell zu bemerkende) Anfang – die Frage nach dem besseren, wertigeren; und vielleicht auch von der Band am ehesten abgesegneten Release eine ganz andere. Schließlich brachte der Prozess des Remasterings nicht nur Vorteile mit sich, oder anders gesagt: während der insgesamt ausgewogenere und auch druckvollere Soundeindruck im Vergleich zur Urfassung grundsätzlich überzeugt, scheint die Neufassung auch die ein oder andere instrumentale Schwäche zu offenbaren. Vornehmlich solche, die in der etwas raueren Urfassung nicht ganz so deutlich aufgefallen waren – und ESCAPE FROM TWILIGHT somit erst Recht zu einem eher streitbaren und im schlimmsten Fall sogar fast schon klinisch oder generisch wirkenden Genre-Album avancieren lassen. Denn, und daran ändert auch die Neufassung nichts: einen wie auch immer gearteten Innovationspreis haben EMERALD SUN für ihren Karriere-Auftakt nicht verdient, wobei es eine fragliche Veröffentlichungsstrategie wie die vorliegende natürlich nicht gerade besser macht.

Da das Album aber im Kern dasselbe geblieben ist und sich so gesehen auch nichts an der Qualität des offerierten Materials geändert hat (mit Ausnahme des hier seltsamerweise schlechter als im Original klingenden H.M.) – könnte man zumindest theoretisch die Endpunktzahl des Vorgängers übernehmen. Da es sich aber doch um eine eher fragliche Strategie handelt, die Neuveröffentlichung etwas mehr Schwächen innerhalb des EMERALD SUN-Handwerks offenbart und ein Recycling-Produkt niemals die gleiche Bedeutung haben sollte wie das jeweilige Orginal; gibt es einen dezenten Abzug. Man entscheide selbst…

Absolute Anspieltipps: SCREAM OUT LOUD, HIGH IN THE SKY, ESCAPE, AND THE STORY BEGINS


„Kein zweites Album – sondern eine grundsätzlich diskutable Neuveröffentlichung, die die Urfassung kaum verbessert.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – The 8th Sin (2007)

Alben-Titel: The 8th Sin
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Mai 2007
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. Call Out to the World (03:48)
2. Never Again (03:19)
3. Not the Only (05:16)
4. Tell Me (04:13)
5. Not like You (04:25)
6. Leave Me Alone (03:00)
7. Till I Come Alive (03:45)
8. Strong Enough (03:13)
9. Me (04:13)
10. Pain & Pleasure (03:53)
11. Fools Parade (02:37)

Eine kleine Sünde hat doch wohl jeder frei.

Ja, die 2000er Jahre markierten eine recht aktive Zeit für die schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES – auch oder gerade aufgrund des markanten Lineup-Wechsels zu Beginn des neuen Jahrtausends, bei dem der auch heute noch in der Band aktive Jonny Lindqvist für den einstigen Frontmann Anders Zackrisson kam. Gleichzeitig aber handelte es sich auch um eine Zeit, in der nicht immer alles rund lief für die Schweden – die sich mit Alben wie THE SACRED TALISMAN (siehe Review) oder dem hervorragenden Alben-Duo aus dem 2000’er AFTERLIFE (Review) sowie dem 2002 erschienenen SHADOWLAND (Review) die Messlatte selbst ziemlich hoch gelegt hatten. Eine der somit fast schon abzusehenden Folgen war, dass bereits das 2005 veröffentlichte NEW WORLD MESSIAH (Review) dezente Probleme hatte die hohen Erwartungen zu erfüllen – woraufhin sich die Band abermals zusammensetzte und beschloss, etwas neues auszuprobieren.

Denn, und das muss man den Schweden zumindest in der Theorie hoch anrechnen: sich nur wiederholen, das wollten sie nicht – vielmehr ward der Blick stets explizit nach vorn gerichtet, was auch die teils neuerlichen stilistischen Ausrichtungen auf dem 2005 erschienenen GRAND ILLUSION (Review) erklärt. Eben diese Einstellung oder auch Vorgehensweise geriet den NOCTURNAL RITES aber spätestens auf dem vorliegenden THE 8TH SIN zu einem echten Nachteil. Einen, der die Band sogar in relative Existenznöte brachte – und dafür sorgte, dass bis zu einem neuen NOCTURNAL RITES-Release (namentlich das 2017 veröffentlichte PHOENIX, Review) ganze 10 weitere Jahre vergehen sollten. Aber wie es eben so ist: manchmal muss man tief fallen, um zu erkennen was man möglicherweise falsch gemacht oder zumindest anders hätte lösen können – wofür THE 8TH SIN wie fast kein zweites Genre-Album Pate steht. Sicher, unter gewissen Gesichtspunkten kann das Album durchaus bestehen; aber – und das ist das Problem – eher nicht unter jenen, die die NOCTURNAL RITES einst definierten.

Anders gesagt: wenn die Band schon auf GRAND ILLUSION gewisse Andeutungen machte sich immer weiter von ihren Power Metal-Wurzeln ezu entfernen, so beschreibt das vorliegende THE 8TH SIN die endgültige Umwandlung oder auch Konvertierung der NOCTURNAL RITES. Und die wird beileibe nicht bei jedermann Anklang finden, erst Recht natürlich im Hinblick auf und im Vergleich mit den früheren Alben der Band. Und sei es, dass man sich doch noch mit der auf THE 8TH SIN postulierten musikalischen Atmosphäre anfreunden kann (was mindestens eine enorme Eingewöhnungszeit erfordert) – ein wenig nachdenklich sollte einem eine Entwicklung wie diese in jedem Fall stimmen. Sicher, gegen etwaige Weiterentwicklungen oder Erprobungen in anderen Genres hat wohl niemand etwas einzuwenden – doch wenn eine vollständige Abkehr von alten Tugenden plötzlich zum Programm wird – und genau ist das somit auch gewissermaßen passend betitelte THE 8TH SIN – dann sollten vielleicht doch eher die Alarmglocken läuten.

Immerhin, und dafür braucht man gar nicht erst die Geschichte der Band oder ihre andern Alben zu kennen; weiß das Album auch von allen Umständen abgesehen nicht gerade aufregendes oder besonders gutes anzubieten. Eher absolut standardisierte AOR-Kost mit einem – und das wiegt wesentlich schlimmer – teils ärgerlichen und im Metal eher zu vermeidenden modernen Einschlag. Einen; der im Zusammenspiel mit der teils auffällig zurückgefahrenen Härte, dem wenig aufregenden Tempo, den recht generisch klingenden Gitarren und den absolut austauschbaren Refrains dafür sorgt; dass im direkten Vergleich selbst etwaige spätere AVANTASIA-Alben wie steinharte musikalische Bretter klingen. Oder die von KAMELOT. Immerhin könnte der Rausschmießer PAIN & PLEASURE genauso gut von eben jenen Amerikanern stammen – mit dem Unterschied, dass sie sicher etwas geschickter mit der hier anberaumten symphonischen Komponente umgegangen wären. All das wäre unter Umständen absolut fatal – wenn, ja wenn da nicht doch noch die ebenso markante wie angenehme Stimme von Jonny Lindqvist wäre. Die kann das Album gerade noch vor der absoluten qualitativen Versenkung retten und immerhin einen Grund dafür liefern, warum man sich ein Album wie THE 8TH SIN überhaupt zu Gemüte führen sollte. Ob das in einem Fall wie diesem ausreicht, muss ein jeder aber für sich selbst herausfinden.

Absolute Anspieltipps: NOT THE ONLY, NOT LIKE YOU, LEAVE ME ALONE


„Bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet – aber hoffentlich trotzdem nur eine einmalige Angelegenheit.“

Filmkritik: „Dog Days Of Summer“ (2007)

Filmtyp: Spielfilm
Regie: Mark Freiburger
Mit: Richard Herd, Devon Gearhart, Colin Ford u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: keine Angabe
Genre: Thriller / Drama
Tags: Kleinstadt | Kinder | Fremder | Mysteriös | Veränderungen

Wie im Kleinen, so im Großen…

Inhalt: Ein einsamer Mann durchwandert die Straßen einer verlassenen und vermüllten Kleinstadt, in der nur noch das pfeifende Geräusch des Windes zu hören ist – und wenn man genau hinhört, auch die Stimmen der Vergangenheit. So erinnert sich der Hauptprotagonist Philip zurück an die Zeit, in der er hier als Kind (Devon Gearhart) viel Zeit mit seinem besten Freund Jackson (Colin Ford) verbrachte. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm dabei ein ganz besonderer Sommer, in dem ein mysteriöser Fremder in der Stadt auftauchte. Sicher, Eli Cottonmouth (Will Patton) war ein äußerst fähiger Modellbauer, und erhielt seitens der Stadtverwaltung schnell den Auftrag auch von ihr ein detailliertes Modell anzufertigen. Im Großen und Ganzen aber machte er den Menschen eher Angst – und auch Philip wusste als Kind kaum, wie er den Fremden einschätzen sollte. Immerhin händigte er den beiden Freunden eine Kamera aus, und bat sie von möglichst vielen Objekten in der Stadt Bilder zu schießen. Das taten sie auch, ohne sich großartig Gedanken darüber zu machen – bis sich die Lage mit dem plötzlichen Verschwinden einer hochschwangeren Frau zuspitzte. So sollten die Menschen doch noch herausfinden, was es mit dem seltsamen Fremden und seinen Modellen tatsächlich auf sich hatte…

Kritik: Die US-Amerikanische Produktion DOG DAYS OF SUMMER ist alles andere als ein gewöhnlicher Spielfilm – und gleichzeitig auch einer, mit dem man erst warm werden muss. So können sich schon die ersten Minuten als recht zäh erweisen, und welche Marschrichtung das filmische Erstwerk von Regisseur Mark Freiburger letztendlich einschlagen würde; ist zunächst kaum zu erahnen. Aber auch in seinem weiteren Verlauf wirkt der Film etwas zu unentschlossen, zumindest stellenweise. Am ehesten wird der Zuschauer so einem wahren Wechselspiel aus verschiedenen Emotionen und Eindrücken ausgesetzt, ohne dass eine der vielen inhaltlichen Komponenten nachhaltig fokussiert wird. In seinem Dasein irgendwo zwischen einer klassischen Coming Of Age-Geschichte, einem netten Mystery-Thriller und einem Gesellschaftsdrama mit teils kritischen Botschaften lebt DOG DAYS OF SUMMER vor allem von seinen ungewöhnlichen Charakteren, dem soliden bis hervorragenden Schauspiel, der teils eindringlichen Filmmusik sowie seinem stimmig in Szene gesetzten Vergangenheits-Setting inklusive einer entsprechenden Erzähl-Perspektive.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Anchor Bay Entertainment

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„Eine insgesamt noch etwas zu konfuse und unentschlossene Angelegenheit – aber das an den Tag gelegte Handwerk überrascht, wie auch der allgemein ambitionierte und gewissermaßen erfrischende Gesamteindruck.“

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Metal-CD-Review: ARIADNA PROJECT – Parallel Worlds (2007)

Alben-Titel: Parallel Worlds
Künstler / Band: Ariadna Project (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2005
Land: Argentinien
Stil / Genre: Power Metal
Label: NEMS Enterprise

Alben-Lineup:

Javier Yuchechen – Vocals
Rodrigo Alejandro Gudiña – Guitars
Guillermo Adrián D’Medio – Guitars, Keyboards
Alexis Espinosa – Bass
Pablo Garrocho – Drums

Track-Liste:

1. Fire of Hate (05:40)
2. New Dawn (05:18)
3. Seasons of Darkness (05:36)
4. Learning to Believe (05:45)
5. The Shadows Will Remain Behind (06:34)
6. Until the End (05:33)
7. Opening the Gates (00:49)
8. The Key (06:23)
9. Rainfall (05:20)
10. Magic tale (03:51)
11. Parallel Worlds (07:17)
12. Lost Horizon (04:56)
13. More than Meets the Eye (Europe cover) (03:21)

Doppelt hält (nicht) besser.

Was, ja was kann man als von sich selbst überzeugte und entsprechend aufbegehrende Genre-Band unternehmen, um seine Musik noch mehr potentiell interessierten näherzubringen ? Im Falle der gerne mal unterschätzten Argentinier von ARIADNA PROJECT, die 2005 ihr mehr als nur solides Debütalbum MUNDOS PARALELOS auf den Markt brachten (siehe Review) fiel eine der diesbezüglichen Entscheidungen eher kurios aus, denn: gute zwei Jahre nach dem eigentlichen Release wurde das Album noch einmal neu aufgelegt. Das besondere: die Band hatte weder einen Labelwechsel (der zu einem größeren Publikum hätte führen können) vollzogen, noch großartige Änderungen in Bezug auf die Qualität des Outputs (wie etwa in Richtung etwaiger Abmischugns- oder Produktionsfaktoren) vorgesehen. Anders gesagt: wie schon MUNDOS PARALELOS enthält auch PARALLEL WORLDS 12 reguläre Titel, und den Bonustrack zu EUROPE’s MORE THAN MEETS THE EYE.

Gut, eine mehr oder weniger kleine Änderung gab es dann aber doch. Eine, die sowohl die plötzlich ins englische übersetzten Titel des Albums erklärt – als auch die Brücke zu den bereits erwähnten möglichen Maßnahmen mit dem Ziel eines noch höheren Bekanntheitsgrades schlägt. Es ist ungewöhnlich aber: ARIADNA PROJECT (oder eher der hiesige Leadsänger Javier Yuchechen) haben für PARALLEL WORLDS alle Texte noch einmal neu eingesungen – dieses Mal allerdings auf Englisch. Änderungen am grundsätzlichen Aufbau des Albums, oder aber in Bezug auf die Instrumente / Kompositionen gab und gibt es dagegen keine. Dabei war und ist es dem ARIADNA PROJECT allemal zu gönnen; dass sie mit Maßnahmen wie diesen eine möglicherweise breitere Hörerschicht erreichen – doch zu einer regulären Taktik sollte das Ganze dann vielleicht doch eher nicht werden.

Denn: neben den bereits erwähnten Vorteilen hat eine Neufassung wie PARALLEL WORLDS auch einige potentielle Knackpunkte. So könnte man schon die ungewöhnliche Veröffentlichungs-Strategie an sich als eine Art Ausverkauf werten – und ARIADNA PROJECT gewisse Entscheidungsschwierigkeiten unterstellen. Denn warum sollten sie nicht in dem Territorium bleiben, in dem sie sich offensichtlich wohl fühlen – um gerade so zu weiteren Höhenflügen anzusetzen, die im besten Fall auch einen internationalen Eindruck hinterlassen ? Doch nicht nur diese Gedanken könnten der so gesehen forcierten Maßnahme der Band einen faden Beigeschmack verleihen – schließlich hat PARALLEL WORLDS noch ein anderes, letztendlich auch genau so erwartetes Problem.

Denn während die Qualitäten der einzelnen Titel grundsätzlich exakt denen von MUNDOS PARALELOS entspricht – womit PARALLEL WORLDS auch den Eindruck eines enorm starken Auftakts und eines schwächeren Finales übernimmt – wirken sich die Englischen Texte dann doch noch auf den Gesamteindruck aus. Und das in einer so sicher nicht gewünschten Art und Weise. Fakt ist, dass Javier Yuchechen einen wesentlich besseren, stilsichereren und vor allem authentischeren Eindruck hinterlässt wenn er in seiner angestammten Landessprache singt. Mehr noch: einige der auf PARALLEL WORLDS enthaltenen Titel klingen und wirken plötzlich deutlich weniger spektakulär und generischer als zuvor. Ganz besonders schlimm – und auch das war zu erwarten – trifft es diesbezüglich die eher balladesken Nummern des Albums, wie etwa UNTIL THE END oder LOST HORIZON.

Immerhin führt das ganze zu einer sicher nicht unwichtigen Feststellung: ändert man den Leadgesang – oder auch nur einzelne diesbezügliche Aspekte – ändert man auch das Album an sich. Das spiegelt sich natürlich auch in der Wertung wider – die dann doch deutlich niedriges ausfällt als die für MUNDOS PARALELOS. Wirklich an der Musik von ARIADNA PROJECT interessierte sollten daher weiterhin – und unbedingt – mit der originalen Fassung Vorlieb nehmen.

Absolute Anspieltipps: FIRE OF HATE, THE SHADOWS WILL REMAIN, MAGIC TALE


„Ein unnötiger Neuaufguss, der bestens dazu geeignet ist eben nicht den gewünschten Effekt zu haben.“

Metal-CD-Review: ANCESTRAL – The Ancient Curse (2007)

Alben-Titel: The Ancient Curse
Künstler / Band: Ancestral (mehr)
Veröffentlichungsdatum: September 2007
Land: Italien
Stil / Genre: Power / Speed Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Massimiliano Mendolia – Drums
Alessandro Olivo – Guitars
Giovanni Battista Ferantello – Guitars
Domiziano Mendolia – Bass
Mirko Olivo – Vocals

Track-Liste:

1. Free Born (05:24)
2. Lord of Terror (06:33)
3. The Ancient Curse (04:41)
4. Sanctuary of the Kings (05:11)
5. Achille’s Fury (in Hector’s Death) (05:29)
6. Time Has Gone By (04:13)
7. Jalwink’s Fall (05:19)
8. The Walls of Troy (06:48)
9. Eleanore Rigby (The Beatles cover) (03:24)

Entdecke die Kraft der (Ur-)Ahnen.

THE ANCIENT CURSE ist das Debütalbum der italienischen Power Metal-Formation ANCESTRAL – und eines, welches zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Spätsommer 2007 eigentlich längst überfällig gewesen ist. Schließlich wurde die Band in einer Zeit gegründet, in der der italienischen Power Metal gerade zu einem großen Vormarsch ansetzte. Dass dennoch ganze 8 Jahre vergehen sollten, bis die Italiener endlich zu einem ersten Rundumschlag über das Label Underground Symphony ausholen konnten; ist ungewöhnlich – und verhinderte eventuell, dass ANCESTRAL mit auf den Zug der sich um die Jahrtausendwende herum erfolgreich etablierten Genre-Bands aus Italien aufspringen konnten. Nichts desto trotz handelt es sich bei THE ANCIENT CURSE um eine lohnenswerte und so gesehen zeitlose Entdeckung. Eine, die auch heute noch reichlich Spaß macht – und dabei vor allem einen markanten Vorteil hat. Denn, und das galt nicht nur im Jahr 2007: das Album hat eindeutig das Potential, dem geneigten Genre-Konsumenten ordentlich Feuer unter dem Hintern zu machen.

Anders gesagt: ANCESTRAL waren trotz der relativen Verspätung noch immer jung und wild, und übertrugen etwaige damit zusammenhängende Attribute auch auf ihr Debütalbum THE ANCIENT CURSE. Die insgesamt 9 enthaltenen Titel (oder 8; zieht man das einerseits witzige, andererseits auch recht gewöhnungsbedürftige Cover zu ELEANORE RIGBY ab) kennen – wenn es um das anberaumte Tempo, den allgemeinen Druck der Instrumente oder den kräftigen Leadgesang von Mirko Olivo geht – folglich kaum ein Halten. Auch der sicher nicht perfekte, letztendlich aber perfekt zur Gesamtstimmung passende Eindruck der Abmischungs- und Produktionsfaktoren sorgt hierbei für das gewisse oder eher wilde Etwas. Andererseits, und das wird man schon im wuchtigen Opener FREE BORN bemerken; waren und sind ANCESTRAL aber beileibe keine beliebige Garagenband – THE ANCIENT CURSE hat trotz seiner unkomplizierten Vorgehensweise und der unmittelbar-antreibenden Wirkung durchaus Hand und Fuß.

Einem heillosen Durcheinander wird man auf diesem Album also keineswegs begegnen – eher einer ungestümen und dennoch ausreichend strukturierten (Ur-)Kraft, die es einem dank ihrer mitreißenden Wirkung schwer macht still sitzenzubleiben. Zusätzliche Pluspunkte gibt es für den bereits erwähnten Leadgesang, den kompletten Wegfall eines sonst üblichen Keyboards, die höchst solide Gitarrenarbeit, den ausnahmsweise mal deutlich hörbaren und gut in Szene gesetzten Bass – sowie die Tatsache, dass so gut wie kein italienischen Genre-Album aus dem betreffenden Zeitraum mit THE ANCIENT CURSE vergleichbar ist. Fans einer weniger hymnischen und verspielten, dafür aber umso knackigeren und gradlinigeren Gangart des Power Metal können und sollten hier bedenkenlos zuschlagen.

Absolute Anspieltipps: THE ANCIENT CURSE, SANCTUARY OF THE KINGS, ACHILLES FURY


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„Furios, kraftvoll und intensiv – ein echtes Power Metal-Kleinod.“

 

Metal-CD-Review: SABATON – Metalizer (2007)

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Alben-Titel: Metalizer
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. März 2007
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Bróden – Vocals, Keyboards
Sundström – Bass
Montelius – Guitars
Sundén – Guitars
Mullback – Drums

Track-Liste:

Disc 1
1. Hellrider (03:42)
2. Thundergods (03:48)
3. Metalizer (04:07)
4. Shadows (03:29)
5. Burn Your Crosses (05:09)
6. 7734 (03:42)
7. Endless Nights (04:52)
8. Hail to the King (03:39)
9. Thunderstorm (03:09)
10. Speeder (03:46)
11. Masters of the World (04:02)

Disc 2
1. Introduction (00:56)
2. Hellrider (03:49)
3. Endless Nights (04:50)
4. Metalizer (04:26)
5. Burn Your Crosses (05:23)
6. The Hammer Has Fallen (05:50)
7. Hail to the King (04:09)
8. Shadows (03:33)
9. Thunderstorm (03:10)
10. Masters of the World (04:01)
11. Guten Nacht (01:53)
12. Birds of War (04:53)

Von langen Wegen und erfüllten Träumen.

Im Genre des Power Metal ist so gut wie immer was los. Entsprechend heiß ging oder geht es auch in so mancher Genre-Diskografie zu – wie auch bei den Schweden von SABATON, denen man zumindest zu Beginn ihrer Karriere gewisse Startschwierigkeiten unterstellen konnte. So entstand auch die relative Verwirrung um die Reihenfolge ihrer Studioalben – von denen heute das durchaus bemerkenswerte PRIMO VICTORIA (siehe Review) aus dem Jahre 2005 als Debütwerk fungiert. Eigentlich hätte man aber schon die frühere, aus zwei alten Demos zusammengestellte Compilation FIST FOR FIGHT (siehe Review) als eben solches veröffentlichen können – was letztendlich auch geschah, allerdings erst im Jahre 2007 und damit einige Jahre später als geplant. Man sollte also ganz genau schauen, wo man in die SABATON-Diskografie einsteigt – wobei das vorliegende METALIZER gleich zwei diesbezügliche Möglichkeiten anbietet. Entweder, man hört das ursprüngliche Material in einer neuen, etwas aufpolierten Version aus dem Jahre 2007 und erhält überdies einige interessante Bonustracks – oder man greift auf die originale, auf der zweiten CD enthaltenen Urfassung aus den Anfangszeiten der Band zurück. Wobei auch die noch einen interessanten Bonustrack namens BIRDS OF WAR bereithält.

In Anbetracht der ungewöhnlichen Historie des Albums – oder eher der Alben – stellt sich im Falle von METALIZER eine unter Umständen gewichtige Frage. Wurden die Nummern durch die Neuaufnahmen aufgewertet, oder sollte man doch eher mit den alten Originalfassungen Vorlieb nehmen ? Sicher wird das diesbezügliche Urteil je nach persönlichen Vorlieben anders ausfallen. Fest steht aber, und das ist keine Selbstverständlichkeit; dass SABATON der ursprünglichen Intention ihrer Lieder gefühlt treu geblieben sind. Demnach haben sie insgesamt betrachtet kaum Veränderungen vorgenommen, nur die Aufnahme- und Produktionsqualität wurde verständlicherweise an aktuellere Standards angepasst. Und noch einmal: hier wird es wahrlich sehr stark vom persönlichen Geschmack abhängen, wohin die Wahl eher tendieren wird. Beim Opener HELLRIDER beispielsweise zeigt sich, dass die Neufassung zahlreiche Vorteile mit sich bringt – beim vergleichsweise bedächtigen und hymnischen MASTERS OF THE WORLD dagegen entfaltet die Urfassung einen leicht angenehmeren und zeitloseren Eindruck.

Immerhin kann mit METALIZER nun auch das alte, wenn man so will erste offizielle Material von SABATON als eigenständiges Album und damit ein vollwertiger Teil der Diskografie betrachtet werden. Auf eine nachvollziehbare Bewertung zu kommen, ist dagegen nicht ganz so leicht. So kann ein Großteil des Materials nun einmal nicht als gänzlich neu bezeichnet werden, wodurch zumindest einige den eventuell gewünschten Überraschungseffekt vermissen könnten. Auch gilt es anzumerken, dass die Neufassungen nicht nur Vorteile mit sich bringen. Letztendlich – und glücklicherweise – ist das aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn SABATON haben mit dieser Veröffentlichung grundsätzlich alles richtig gemacht. Nicht zuletzt durch die guten bis herausragenden Bonustracks – und die Inkludierung des Originalmaterials, was einen direkten Vergleich und das unkomplizierte Herauspicken der jeweils vom Hörer favorisierten Version ermöglicht.

Absolute Anspieltipps: HELLRIDER, THUNDERGODS, BURN YOUR CROSSES, BIRDS OF WAR


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„Der Weg zu einem vollwertigen Album war lang, doch es hat sich gelohnt.“

Metal-CD-Review: KNIGHTS OF ROUND – Eternity (2007)

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Alben-Titel: Eternity
Künstler / Band: Knights Of Round (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 08. August 2007
Land: Japan
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black-Listed Productions

Alben-Lineup:

Takashit – Bass
Tongari – Drums
Bashikun – Guitars
Vocchang – Vocals

Track-Liste:

1. Prologue (01:58)
2. Knights of Round (04:36)
3. Forest of the Fortress (04:55)
4. Icarus (04:55)
5. Sprint for Freedom (06:00)
6. Diabolic Noble (04:49)
7. Mercy (06:00)
8. Eternity (07:44)

Auf auf, ihr Ritter der Tafelrunde.

Die japanische Power Metal-Szene boomt. Ob nun an der Oberfläche, das heißt in Bezug auf etwas bekanntere Bands oder aber im Untergrund – eigentlich gibt es so gut wie immer etwas zu entdecken. In welche Kategorie die bereits 2003 gegründeten, allerdings erst ab 2005 mit einer kleinen Demo in Erscheinung getretenen KNIGHTS OF ROUND gehören wird sich wohl erst noch zeigen müssen. Doch immerhin gibt es nun das erste handfeste Anschauungsmaterial in diese Richtung. Selbiges hört auf den Namen ETERNITY, beinhaltet 8 Titel bei einer Gesamtspieldauer von knapp 40 Minuten – und präsentiert sowohl einige bereits auf der Demo enthaltenen, aber auch einige gänzlich neue Titel. Das Artwork macht ebenfalls ordentlich was her – es kann also losgehen mit dem musikalischen Genuss aus Fernost.

Und tatsächlich: die KNIGHTS OF ROUND machen schon zu Beginn keine allzu schlechte Figur. So sollte man sich nicht von den ersten, zugegebenermaßen etwas aufgeblasenen symphonischen Sekunden des Intros PROLOGE täuschen lassen – die alsbald hinzukommenden Gitarren zeigen zweifelsohne auf, dass hier talentierte Musiker am Werkeln sind. Der Übergang zum Opener und Titeltrack KNIGHTS OF ROUND hätte jedenfalls nicht stimmiger ausfallen können – hier präsentiert sich die Band erstmals in ihrem eigentlichen musikalischen Gewand. Das besteht vornehmlich aus einer gleichermaßen flotten wie antreibenden Power Metal-Klangkulisse mit einem angenehmen Fokus auf die Gitarren sowohl im Rhythmus- als auch Solibereich – und einem hohen Leadgesang bei den fast ausschließlich auf englisch eingesungenen Texten, die typischerweise mit einem vergleichsweise heftigen Akzent vorgetragen werden.

Das muss man nicht mögen, für viele Japan-Bands gehören Maßnahmen wie diese aber eben einfach dazu. Das ist auch gar nicht das Problem an und mit ETERNITY – dass seine teils frappierenden Schwächen vornehmlich in anderen Bereichen hat. Zum einen wäre da die Tatsache, dass Leadsänger Vocchang ganz grundsätzlich keinen markanten Eindruck hinterlässt – und die Titel so vor allem in gesanglicher Hinsicht auffallend gleichförmig klingen. Analog dazu fällt auch der gesamte Aufnahme- und Produktionspart eher ungünstig aus. Der Sound wirkt insgesamt viel zu blechern und schwachbrüstig, die unausgewogene Abmischung lässt den ohnehin schwächelnden Leadgesang zusätzlich alt aussehen. Anders und kurz gesagt: die Präsentation von ETERNITY haut einen wahrlich nicht vom Hocker.

Und dann wären da noch so gut wie alle nach dem Opener folgenden Titel – die trotz der Überarbeitung seltsam unfertig und vor allem unspektakulär klingen. Seien es das langatmige FOREST OF THE FORTRESS, das gesanglich höchst problematische ICARUS oder das dezent ermüdende DIABOLIC NOBLE – wirklich mitreißende Momente sind rar gesät. Immerhin finden sich mit dem angenehm verträumten SPIRIT FOR FREEDOM sowie dem etwas düstereren MERCY doch noch zwei kleine Highlights respektive Lichtblicke. Ob das reicht, muss ein jeder für sich selbst entscheiden – doch es scheint als hätte die Band weitaus mehr Potential, als sie auf ETERNITY zeigt.

Absolute Anspieltipps: PROLOGUE, KNIGHTS OF ROUND, SPIRIT FOR FREEDOM, MERCY


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„Eine interessante neue Japan-Combo – doch die Schwächen im Leadgesang und der Präsentation lassen noch viel Luft nach oben.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Land Of The Free II (2007)

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Alben-Titel: Land Of The Free II
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. November 2007
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Guitars, Vocals
Henjo Richter – Guitars, Keyboards
Dirk Schlächter – Bass
Dan Zimmermann – Drums

Track-Liste:

1. Into the Storm (03:47)
2. From the Ashes (05:26)
3. Rising Again (00:27)
4. To Mother Earth (05:11)
5. Rain (05:16)
6. Leaving Hell (04:20)
7. Empress (06:22)
8. When the World (05:44)
9. Opportunity (07:14)
10. Real World (05:42)
11. Hear Me Calling (04:14)
12. Insurrection (11:33)

Frei wie ein Vogel, Teil 2.

Wer GAMMA RAY nicht kennt, hält diesen Status entweder aus Absicht aufrecht – oder hat sich schlicht noch nicht intensiver mit der Geschichte des Power Metal auseinandergesetzt. Nicht umsonst gilt die aus Hamburg stammende Combo als absolutes Genre-Urgestein, welches zusammen mit HELLOWEEN den ein oder anderen Weg bereitet hat – und die dabei auch heute noch aktiv ist. Außer Frage steht dabei, dass GAMMA RAY während ihrer mittlerweile 27-jährigen Karriere viele Höhen und Tiefen erlebt haben – was sich auch in der illustren Diskografie niederschlägt. Einer allgemein sehr hochkarätigen, die mit vielen kleineren Veröffentlichungen daherkommt – doch letztendlich geben eben doch die Studioalben den Ausschlag. Nach einer immensen Welle des Erfolges und beinahe gänzlich unantastbaren Werken wie SOMEWHERE OUT IN SPACE (Review), NO WORLD ORDER (Review) oder MAJESTIC (Review) sollte 2007 LAND OF THE FREE II erscheinen – was leicht überraschend war, da wohl kaum jemand mit einem zweiten Teil des schon 1995 veröffentlichten LAND OF THE FREE (Review) gerechnet hat. Vor allem aber drängte sich eine Frage auf: würden GAMMA RAY das qualitative Niveau des Originals halten können, und das im besten Fall ohne es bloß zu kopieren ?

Und tatsächlich: nach den zahlreichen vorangegangenen Erfolgsalben kann man in diesem Fall erstmals nicht gänzlich verhehlen, dass die Antwort auf diese Fragen von einer merklichen Ambivalenz geprägt ist. Zwar hat LAND OF THE FREE II locker das Zeug dazu, als eigenständiges Werk zu fungieren – und ist so gesehen eine durchaus sinnige Fortsetzung ohne den berühmt-berüchtigten Wiederholungseffekt. Doch zum besten, was sich die Band jemals geleistet hat; gehört das hier präsentierte Material eben auch nicht. Anders gesagt: auch wenn sich GAMMA RAY mit LAND OF THE FREE II noch immer über dem Genre-Durchschnitt bewegen, ist stellenweise ein deutlich Rückschritt zu spüren und zu hören. Einer, der sich sowohl im Detail; aber auch im Großen und Ganzen widerspiegelt. Generell ist festzustellen, dass man es in nicht wenigen der insgesamt 12 enthaltenen Nummern eher ruhig respektive simpel angehen lässt – und das betrifft nicht nur die Textinhalte wie etwa in TO MOTHER EARTH, sondern auch die musikalischen Kompositionen.

Die sind zwar noch immer recht knackig und einwandfrei als GAMMA RAY-Material zu identifizieren, doch hinsichtlich der noch auf MAJESTIC gezeigten Genialität und Vielschichtigkeit muss LAND OF THE FREE II glasklar hintenan stehen. Überhaupt wirkt das Album in vielerlei Hinsicht zahmer und damit auch etwas weniger wirksam – auch wenn viele Nummern rein Tempo-technisch aus dem Vollen schöpfen und mit einigen knackigen Riffs und furiosen Soli daherkommen. Doch sei es, dass hie und da mal ein eher ungünstiger Refrain (FROM THE ASHES), ein überflüssiges und störendes Interlude (RISING AGAIN), fast schon penetrant wirkende Doublebass-Attacken ohne wirkliche Variation (schon wieder trifft es MOTHER EARTH), ein eher plump wirkendes RAIN oder ein desillusionierendes REAL WORLD auftauchen – wirklich rund klingt das Album nicht. Damit ist es zwar eine eher seltene Ausnahme, zumal es seit dem 1993 erschienen INSANITY AND GENIUS-Album so gut wie nichts mehr an GAMMA RAY zu bemängeln gab – doch etwas schade ist es natürlich trotzdem.

Hinzu kommt, dass das Album mehr Querverweise auf andere Bands enthält als jedes andere GAMMA RAY-Album zuvor. Sicher wollte Kai Hansen nur seine Faszination für andere Pioniere wie etwa IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST ausdrücken, was nett ist – aber ebenfalls kein gutes Argument für die ohnehin wackelige Originalität von LAND OF THE FREE II markiert. Andererseits ist es aber eben auch Kai Hansen, der für die Haben-Seite des Albums verantwortlich ist – sein beinahe unveränderter, gleichermaßen markante wie qualitative Leadgesang ist ebenso fulminant wie sein versiertes Gitarrenspiel. Auch gilt anzuführen, dass das Album durchaus mehre Durchläufe braucht; und dabei noch etwas wachsen kann. Dennoch: eine Differenzierung vorzunehmen schadet nicht. LAND OF THE FREE II ist schlussendlich keines der besseren GAMMA RAY-Alben, und sollte vor allem Fans ansprechen die ihre Sammlung vervollständigen möchten.

Absolute Anspieltipps: INTO THE STORM, LEAVING HELL, WHEN THE WORLD, INSURRECTION


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„Ein solides Album, aber ein dezenter Rückschritt für GAMMA RAY-Verhältnisse.“