Filmkritik: „Inside Man“ (2006)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Spike Lee
Mit: Denzel Washington, Clive Owen, Jonnie Brown u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 130 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller (50 %), Krimi(50 %)
Tags: Bankraub | Heist | Überfall | Geiselnahme | Raub | Erpressung

Diebstahl ist (nicht) gleich Diebstahl.

Inhalt: Der gewiefte Dalton Russell (Clive Owen) ist mit seinem Team gerade dabei, den Coup des Jahres zu landen. Als Maler getarnt haben sie es geschafft, die Kontrolle über eine große New Yorker Bank zu erlangen – inklusive aller sich im Gebäude befindenden Personen. Dabei scheinen sie recht gut vorbereitet zu sein, denn schon kurz nach der Erstürmung der Bank verpassen sie den Geiseln eine einheitliche Kleidung – sodass es den von Detective Keith Frazier (Denzel Washington) angeführten Ermittlern zusehends schwerfällt, die Lage zu überblicken. Ebenfalls zu einem Problem wird, dass der Gründer und Inhaber der Bank (Christopher Plummer) eine gewisse Madaline White (Jodie Foster) beauftragt, sich um den Inhalt eines seiner Schließfächer zu kümmern – ausgerechnet jetzt sollte man wohl sagen, und selbst wenn das bedeutet mit den Bankräubern kooperieren zu müssen. Was also ist im besagten Schließfach, das offenbar auf keiner Inventarliste auftaucht; und vor allem: wissen auch die Bankräuber davon ?

Kritik: INSIDE MAN ist ein von Spike Lee inszenierter Thriller, der sich für seine Darstellung eines etwas anderen Bankraubs auf eine Vorlage des US-Amerikanischen Drehbuchautors Russell Gerwitz stützt. Etwas anders ist vielleicht auch, dass der Film dabei tatsächlich mit einigen neuen respektive für das Genre der sogenannten Heist-Movies erfrischenden Ideen auftrumpfen kann – und die Darsteller alles daran setzen, ihre Charaktere glaubhaft zu verkörpern. Im Zusammenspiel mit dem nicht allzu schnell zu durchschauenden Plan der Bankräuber vermag es der Film so durchaus, einen gewissen Reiz oder auch Sog zu entwickeln – einen Reiz, dem man sich als Zuschauer kaum entziehen kann. Und einen, der die eigentlich eher hoch angesetzten 130 Minuten Spielzeit grundsätzlich zu alles anderem als einer langatmigen Angelegenheit avancieren lässt. Dafür, dass der Film zu keinem Zeitpunkt auf eine nennenswerte geschweige denn übertriebene Gewaltdarstellung oder größere Action-Szenen setzt; ist das durchaus ein Verdienst – wobei vor allem Fans von vergleichsweise ausführlichen Dialogen, Machtspielchen und einer wohldosierten Priese Humor auf ihre Kosten kommen sollten.

Und dennoch: im Falle von INSIDE MAN von einer qualitativen Ausnahme oder gar einem waschechten Genre-Highlight zu sprechen, trifft es dann auch nicht ganz genau. Der Grund dafür ist schnell gefunden: interessanterweise scheinen so gut wie jedem Vorteil des Films immer auch Elemente gegenübergestellt zu sein, die vorschnelle Begeisterungsstürme schnell wieder im Keim ersticken können. Beispielsweise halten die eingangs erwähnten frischen Ideen nicht immer das, was sie versprechen – wobei man erst gar nicht in Versuchung kommen sollte, viele der hier eingebrachten Aspekte logisch zu hinterfragen. Aber auch das prinzipiell engagierte Schauspiel steht in INSIDE MAN teilweise auf der Kippe. Allein die Darbietung von Denzel Washington bewegt sich hart im Rande des Overactings, vor allem hinsichtlich des für die Dramaturgie des Films doch etwas zu abgebrühten und an Filme wie SHAFT erinnernden Porträts. Und überhaupt: dass sein Charakter derart im Fokus steht, und selbst potentiell interessantere Figuren wie die des von Clive Owen gespielten Anführers der Bankräuber zu quasi-Nebenfiguren macht; mag im Sinne des Erfinders sein – wirkt sich hier aber ebenfalls nicht unbedingt positiv aus.

Auch die einerseits durch die vergleichsweise netten Bankräuber, andererseits – und vor allem – durch die Nazi-Thematik aufkommenden moralischen Fragen fallen im hier anberaumten Zusammenhang etwas zu abstrakt aus, als dass der Zuschauer wirklich etwas mit ihnen anfangen könnte. Immerhin verzichtet Spike Lee auf ein allzu gewöhnliches gut gegen böse-Gefälle – und überlässt es weitestgehend dem Zuschauer, etwaige (dann: sich zumeist im Graustufenbereich befindende) Urteile zu fällen. Das gilt dagegen weniger für die angedeuteten Strippenzieher im Hintergrund, wie etwa die von Juliane Moore gespielte Madeleine White – die eher wie eine (absichtlich überakzentuierte) Karikatur denn wie ein menschliches Wesen wirkt. Letztendlich bleiben INSIDE MAN damit vor allem zwei Dinge: eine super-solide Inszenierung, die ihr Augenmerk eher auf die Darsteller und Kulissen als auf etwaige Special Effects legt; sowie ein überraschend hoher Unterhaltungswert. Der tröstet über vieles hinweg – aber eben auch nicht über alles.

Bilder / Promofotos / Screenshots: United International Pictures (UIP)

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„Ein nicht vor Schwächen gefeites, aber doch recht solide gemachtes und vor allem spannendes Porträt eines etwas anderen Bankraubs.“

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Metal-CD-Review: AXENSTAR – The Final Requiem (2006)

Alben-Titel: The Final Requiem
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 8. September 2006
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

Magnus Winterwild – Vocals, Guitars, Keyboards
Joakim Jonsson – Guitars
Magnus Ek – Bass
Pontus Jansson – Drums

Track-Liste:

1. Final Requiem (03:53)
2. Condemnation (04:03)
3. The Divine (04:19)
4. Edge of the World (05:19)
5. Thirteen (04:41)
6. The Hide (04:59)
7. Underworld (05:46)
8. Spirit (04:07)
9. Pagan Ritual (03:56)
10. Seeds of Evil (04:37)
11. End of the Line (03:59)
12. Beyond the Lies (04:48)

Gut Ding will Weile haben.

Wenn eine Band mehrere Studioalben innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums auf den Markt bringt, kann das eigentlich nur zweierlei bedeuten. Entweder die Band hat viel zu sagen und legt neben vielen guten Ideen auch einen ausgesprochenen Tatendrang an den Tag – oder aber ihr fehlt schlicht das Gefühl für ein gutes Timing. Schließlich gilt auch oder gerade bei guter Musik (oder solcher von jeweils persönlichen Helden), dass man die Hörerschaft durchaus etwas zappeln lassen sollte und nicht zu schnell nachliefert – nicht zuletzt aufgrund der Gefahr, sich bloß zu wiederholen oder kaum Differenzierungsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Releases anzubieten. Etwas ganz ähnliches ist wohl auch den Jungs von AXENSTAR passiert, die sich bereits 1998 als POWERAGE zusammengefunden und ab dem Jahre 2002 einen Namen gemacht hatten. Und das vornehmlich aufgrund ihrer recht konsequenten Veröffentlichungs-Strategie, die mit dem gelungenen Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review) noch geradezu vorzüglich begann. Während auch das überraschend schnell nachgeschobene Zweitwerk FAR FROM HEAVEN (Review) noch relativ gnadenlos überzeugen konnte, sah es für das 2005 veröffentlichte THE INQUISITION (Review) schon nicht mehr ganz so gut aus – wobei auch das vorliegende THE FINAL REQUIEM mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen hat.

Anders gesagt: zwar haben AXENSTAR mit ihren ersten vier Alben zweifelsohne bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen und problemlos dazu in der Lage sind; einen nicht zu weichen Melodic Power Metal mit dem ein oder anderen Alleinstellungsmerkmal (vornehmlich: der unverwechselbare Leadgesang des angestammten Frontmanns Magnus Winterwild) zu inszenieren – doch schienen sie es andererseits und mit der Veröffentlichung von 4 Alben innerhalb von gerade einmal 4 Jahren auch geradezu darauf anzulegen, die Gemüter zu spalten. Dass ein Album wie THE FINAL REQUIEM damit – und verständlicherweise – keinen ähnlichen Überraschungseffekt generieren kann wie einst das Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT ist aber nur der Anfang. Relativ problematisch ist beispielsweise, dass AXENSTAR schon immer eine vergleichsweise gradlinige; man will nicht sagen simpel vorgehende Genre-Combo waren – mit entsprechenden klaren Strukturen und wenigen Überraschungen innerhalb der einzelnen Titel, dafür aber einer tadellosen handwerklichen Komponente und einem angenehm emotionalen Unterton. Dementsprechend hätte man durchaus damit rechnen sollen, dass eben jenes Konzept spätestens auf THE FINAL REQUIEM etwas ausgelutscht erscheinen respektive eine eher ernüchternde Wirkung etablieren würde – und mit entsprechenden Gegenmaßnahmen kontern sollen.

Doch von eben solchen hat man auf THE FINAL REQUIEM leider nicht Gebrauch gemacht. Immerhin fällt schon die oberflächliche Strukturierung des Albums eher ungünstig aus, gelinde gesagt – auch wenn es grundsätzlich eine nette Sache ist, dem Hörer ganze 12 vollwertige Titel ohne viel Schnickschnack zu servieren. Im Falle von THE FINAL REQUIEM aber wirkt sich das Ganze zusätzlich negativ aus, zumal sich alle Titel stets grob um die 4-Minuten-Marke herum bewegen und in vielerlei Hinsicht ähnlich aufgemacht sind – woran auch ein hie und da eingeschobener Stimmverzerrungs-Effekt wie in EDGE OF THE WORLD oder das alles andere als atmosphärische PAGAN RITUAL nicht viel ändern. Überhaupt ist es kaum zu verstehen, dass es AXENSTAR hier nicht einmal schaffen den einzelnen Titel-Erwartungen ansatzweise gerecht zu werden – und sich selbst die vermeintlich bösen oder zumindest eine gewisse Härte versprechenden Titel (SEEDS OF EVIL) als absolut typische AXENSTAR-Nummern ohne viel Biss herausstellen. Demnach kann es durchaus vorkommen, dass man nach dem noch recht prägnanten Opener und Titeltrack FINAL REQUIEM nicht mehr so recht weiß wo und woran man jeweils ist – und das schlicht, da das Album im weiteren Verlauf deutlich zu gleichförmig und überraschungsarm daherkommt.

Sicher, all das ändert wenig an der grundsätzlich tadellosen handwerklichen Leistung der einzelnen Mitglieder sowie der im Vergleich zum Vorgänger sogar noch verfeinerten Abmischungs- und Produktionsqualität – die Fähigkeit wirklich kultverdächtige oder zumindest nachhaltig wirkende Song-Momente zu kreieren schien den Schweden auf THE FINAL REQUIEM aber dezent abhanden gekommen zu sein. Vielleicht könnte man auch sagen, dass zu viele Köche den Brei verderben – was unter Umständen auch für eine Flut von grundsätzlichen guten Genre-Nummern einer einzelnen Band gelten kann, die sich in ihrer Gesamtheit als überraschend zäh erweisen und sich letztendlich doch nur auf einem durchschnittlichen Niveau einpendeln können.

Absolute Anspieltipps: FINAL REQUIEM, CONDEMNATION


„Handwerklich und klangtechnisch über viele Zweifel erhaben – aber wie so oft zeigt sich, dass das längst nicht alles ist.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – A Twist In The Myth (2006)

Alben-Titel: A Twist In The Myth
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. September 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. This Will Never End (05:07)
2. Otherland (05:14)
3. Turn the Page (04:16)
4. Fly (05:43)
5. Carry the Blessed Home (04:03)
6. Another Stranger Me (04:36)
7. Straight Through the Mirror (05:48)
8. Lionheart (04:15)
9. Skalds and Shadows (03:13)
10. The Edge (04:27)
11. The New Order (04:49)

Ganz so groß ist die Überraschung dann doch nicht.

Gute 4 Jahre nach dem ebenso überraschenden wie überraschend guten A NIGHT AT THE OPERA (2002, siehe Review) legten die angestammten Genre-Pioniere von BLIND GUARDIAN ihr zum Zeitpunkt der Veröffentlichung achtes Studioalbum A TWIST IN THE MYTH nach. Selbiges beinhaltet 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 51 Minuten, kommt mit einem für die Band typisch-fantastischen Artwork daher – und schickte sich an, die ebenso wahnwitzige wie unvergleichliche Erfolgsgeschichte der bereits seit 1984 aktiven Kult-Band fortzusetzen. Ob dies den stets in vielerlei Hinsicht engagierten Recken um Frontmann Hansi Kürsch aber auch tatsächlich gelungen ist, ist eine andere Frage. Denn wie so oft – und speziell in Anbetracht der doch recht turbulenten (und teilweise umstrittenen) Diskografie der Band – zeigte sich, dass auch hinter einer legendären Combo wie BLIND GUARDIAN nur Menschen stecken. Menschen, die sich glücklicherweise als waschechte Vollblut-Musiker profilierten – und der Metal-Welt dabei das ein oder andere hochkarätige, im besten Fall auch bis heute nachhallende Geschenk bereiteten. Gleichzeitig sollte man aber auch von Musikern ausgehen, die in ihrem Geschäft – und im Hinblick auf die nicht selten über viele Jahre (oder Jahrzehnte) aktive Konkurrenz – nicht gänzlich davor gefeit sind, Fehler zu begehen.

Und auch wenn es sich hierbei um eine absichtlich etwas zugespitzte Formulierung handelt – und A TWIST IN THE MYTH folglich weit davon entfernt ist, um als Fehler durchgehen zu können – schienen sich BLIND GUARDIAN nach ihren bis dato an den Tag gelegten Erfolgen erst einmal dezent zurückgelehnt zu haben. Sicher taten sie das nicht wirklich, zumal auch A TWIST IN THE MYTH ein rundum spannendes, vielschichtiges und alles andere als dahingeschludertes Genre-Album ist – doch im Vergleich mit einigen der Vorgänger-Alben konnte sich schlicht kein ähnlich intensiver Eindruck einstellen. In wie weit das zwischenzeitliche Ausscheiden des Gründungsmitgliedes Thomen „The Omen“ Stauch mit einer Feststellung wie dieser korrespondiert oder korrespondieren kann, ist ohne eine intensivere Nachforschung kaum zu belegen – doch vermutlich lag es nicht allein an seinem Weggang. Weitaus wahrscheinlicher ist, dass BLIND GUARDIAN nach seinem Weggang schlicht und ergreifend nicht in ihrer besten Form waren – und das Album so etwas weniger an Kraft, Ausdruck und Variabilität mitbringt, als man es eigentlich von der Band gewöhnt ist.

Vielleicht könnte man auch behaupten, dass A TWIST IN THE MYTH ziemlich genau da weitermacht wo A NIGHT AT THE OPERA aufgehört hatte – nur in einer gefühlt etwas abgespeckteren Version, und folglich auch mit weitaus weniger Überraschungen. Besonders markant ist in diesem Zusammenhang die auf A TWIST ON THE MYTH zusätzlich hervorgehobene Komponente in Richtung einer Rock-Oper – was den insgesamt eher weichen und zugänglich wirkenden Eindruck des Albums auch recht gut beschreibt. Doch das ist nicht das Hauptproblem – wobei es generell schwerfällt wirklich den einen Knackpunkt auszumachen, der so nur auf A TWIST IN THE MYTH vorkommt. Vielmehr steckt der Teufel im Detail, und offenbart sich stets häppchenweise – etwa in Bezug auf die vielen eher harmlos-rockigen Stampfer a’la TURN THE PAGE, CARRY THE BLESSED HOME, ANOTHER STRANGER ME, THE NEW ORDER oder DEAD SOUND OF MISERY. Selbstverständlich gilt auch hier, dass BLIND GUARDIAN ihr Handwerk nicht verlernt haben und selbst in Nummern wie diesen immer wieder auf das ein oder andere Highlight aus sind – beispielsweise in Form von schmackigen Soli. Doch das Gefühl, als würde die Band hier um ihr Leben spielen respektive wirklich alles geben; stellt sich eher nicht ein.

Titel wie der Opener THIS WILL NEVER END, OTHERLAND oder auch das sich erst im weiteren Verlauf entwickelnde FLY schneiden da schon wesentlich besser respektive interessanter ab – wobei es schade ist, dass BLIND GUARDIAN nicht auch hier noch etwas öfter auf das Gaspedal gedrückt haben, und insbesondere die Refrains eher schlecht als recht abschneiden. Mit verantwortlich dafür ist die; man nenne sie einmal dezent ertränkende Klang-Komponente – die durch den recht großzügigen Sound der überlagerten Gesänge dazu führt, dass die Refrains alles andere als differenziert oder einzigartig klingen. Selbstverständlich gilt, dass es sich trotz allem um ein super-solides Genre-Album handelt (und vielleicht sogar eines, dass so manche Konkurrenzband vor Neid erblassen lassen sollte) – doch im Sinne der jeweils herauszupickenden absoluten Highlights der BLIND GUARDIAN-Diskografie sollte man die Rechnung vielleicht doch lieber ohne A TWIST IN THE MYTH machen.

Absolute Anspieltipps: THIS WILL NEVER END, OTHERLAND, SKALDS AND SHADOWS


„Ein nicht gänzlich vor Schwächen gefeites Album aus der BLIND GUARDIAN-Diskografie.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Rocket Ride (2006)

Alben-Titel: Rocket Ride
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Januar 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias „Eggi“ „Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Sacrifice (08:03)
2. Rocket Ride (04:49)
3. Wasted Time (05:48)
4. Matrix (04:10)
5. Return to the Tribe (06:07)
6. The Asylum (07:39)
7. Save Me (03:47)
8. Catch of the Century (04:03)
9. Out of Vogue (04:36)
10. Superheroes (03:20)
11. Trinidad (03:29)
12. Fucking with Fire (Hair Force One) (04:22)

Und ab geht die Post Rakete.

ROCKET RIDE ist das siebte offizielle Studioalbum von EDGUY – jener legendären und allseits bekannten Power Metal-Formation aus deutschen Landen, deren schillernde Galionsfigur Tobias Sammet grundsätzlich vieles richtig gemacht hat. Vor mindestens eine größere Bewährungsprobe wurde die hiesige Fangemeinde aber durchaus gestellt – wobei die hierbei gemeinte Entwicklung nicht wirklich an einem eindeutigen Zeitpunkt festzumachen ist. Fest steht indes, dass sich EDGUY ab ihrem 2001 erschienenen MANDRAKE (siehe Review), sowie speziell dem nachgeschobenen HELLFIRE CLUB (Review) von einer etwas anderen Seite zeigten als bis dato gewohnt – und nicht jeder mit der nunmehr deutlich ausgelasseneren, mitunter dezent blödelnden Stimmung innerhalb der Musik der Fulderaner warm werden konnte. Erst Recht natürlich, wenn man bedenkt dass EDGUY vor nicht allzu langer Zeit Alben wie VAIN GLORY OPERA (Review), THEATER OF SALVATION (Review) oder THE SAVAGE POETRY (Review) veröffentlicht hatten – Alben, die man relativ problemlos als Meilensteine in Bezug auf die damalige Power Metal-Szene bezeichnen könnte.

Aber, und wie man weiß legte Tobias Sammet etwaige in diese Richtung gehenden Ambitionen nicht gänzlich ab – sondern verwirklichte sie fortan eher in seinem AVANTASIA-Projekt. EDGUY indes liefen durchaus Gefahr, sich nicht für eine klare Marschrichtung entscheiden zu können – oder im schlimmsten Fall gar als abgehalfterte Comedy-Band zu enden. Dezent problematisch ist, dass man mit dem 2006 erschienenen ROCKET RIDE nicht allzu viel unternommen hat um eben diese Entwicklung aufzuhalten – und den Hörer abermals der ein oder anderen Talfahrt ausgesetzt hat. Nummern wie das sich dezent überflüssig anfühlende MATRIX oder die kitschig-harmlose und in jeder Hinsicht Chart-taugliche Ballade SAVE ME markieren dabei aber erst den Anfang der relativen Misere – und das nach dem rundum gelungenen Auftakt des Albums. Mit dem überraschend mächtigen, nach einer typischen EDGUY- und AVANTASIA-Manier aufgepeppten Opener SACRIFICE, dem recht griffigen Titeltrack ROCKET RIDE oder dem angenehm Riff-orientierten WASTED TIME macht der schließlich noch eine recht überzeugende Figur – und lässt zunächst kaum vermuten, dass sich EDGUY doch noch derart verhaspeln respektive stilistisch verirren würden.

Doch es kommt, wie es kommen musste: mit den in CATCH OF THE CENTURY inszenierten, recht großkotzigen (und nicht wirklich pointiert wirkenden) Peinlichkeiten, der auffällig platten Videosingle SUPERHEROES sowie den letztendlich relativ unmöglichen Rausschmeißern TRINIDAD und FUCKING WITH FIRE setzten EDGUY zu einem absoluten Tiefflug an, der selbst noch die ärgsten Momente des Vorgängers HELLFIRE CLUB zu unterbieten vermag. Einem grundsätzlich unnötigen Tiefflug noch dazu, der ROCKET RIDE am ehesten für Freunde eines eher retrospektiv orientierten Hardrocks mit einer ordentlichen Priese Glam-Metal interessant machen sollte. Alle anderen – und vor allem jene, die einen Narren an den früheren Alben der Band gefressen haben – sei indes nur der solide Alben-Auftakt ans Herz gelegt. Anders gesagt: in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk (insbesondere von Frontmann Tobias Sammet), die Produktion und einen nicht unwesentlichen Unterhaltungswert mag das Ganze noch ganz gut funktionieren – doch insgesamt klingt und fühlt sich ROCKET RIDE einfach deutlich zu unrund an.

Absolute Anspieltipps: SACRIFICE, WASTED TIME, RETURN TO THE TRIBE


„Auf eine gute erste Alben-Hälfte folgt eine zum Vergessen.“

Metal-CD-Review: DESTINATION’S CALLING – Invisible Walls (2006)

Alben-Titel: Invisible Walls
Künstler / Band: Destination’s Calling (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. September 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Christian Gräter – Vocals, Guitars
Markus Göller – Guitars
Steffen Singler – Bass
Christian Frank – Drums

Track-Liste:

1. Intro (01:16)
2. Fallen from Grace (04:04)
3. Sinthetic (04:08)
4. Trapped in Silence (04:15)
5. Bleeding Again (04:05)
6. Prolog (01:22)
7. Invisible Walls (08:15)
8. Disconnected (03:29)
9. Sentenced (03:57)
10. Turning Away (04:14)
11. Destination’s Calling (06:39)

Reisse die unsichtbaren Wände ein, die dich umgeben… wenn die Kraft dazu ausreicht.

DESTINATION’S CALLING sind eine bereits 1997 gegründete Power Metal-Formation aus Deutschland, die nach einem nicht ganz so gradlinigen Start und einigen Demo-Veröffentlichungen erst 2006 ihr Debütalbum INVISIBLE WALLS vorlegte. Selbiges enthält insgesamt 11 oder auch 9 vollwertige Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 45 Minuten – und ist grob im Bereich des melodischen Power Metals einzuordnen. Des typisch europäischen, sollte man wohl noch dazu einschieben – denn wie ihre potentiellen Vorbilder setzen auch DESTINATION’S CALLING auf eine möglichst ausgewogene Mischung aus gleichermaßen stampfenden wie auch mal etwas flotteren Hymnen auf der einen, sowie deutlich softeren bis explizit balladesken Momenten auf der anderen Seite. Eine Band, die sich für einen schier perfekten Vergleich anbietet, wäre etwa DIONYSUS – auf ihren insgesamt drei Studioalbum legten die mittlerweile wieder getrennte Wege gehenden Schweden eine ganz ähnliche Marschrichtung vor wie nun auch die Deutschen von DESTINATION’S CALLING.

Aber, und das ist eventuell auch einer der Knackpunkte an und auf dem Debütalbum INVISIBLE WALLS – einen zweiten Olaf Hayer konnten die Deutschen für ihren ersten handfesten musikalischen Output nicht an den Start bringen. Sicher ist ein Vergleich wie dieser eher oberflächlicher Natur – und doch spricht er nicht unbedingt für DESTINATION’S CALLING und ihren hiesigen Leadsänger Markus Göller. Schließlich scheint gerade der noch mit einigen anderen Schwierigkeiten zu kämpfen zu haben – vornehmlich solchen, die sich auf sein alles andere als akzentfreies und so gesehen auch wenig stilsicher inszeniertes Englisch beziehen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob man diese Feststellung auf die potentiell kräftigeren Momente oder aber die emotionaleren bezieht – einen wirklich guten respektive besonders einprägsamen Eindruck hinterlässt er nicht. Sicher auch, da seine Bandbreite ganz allgemein einen recht limitierten Eindruck macht – oder zumindest keine nennenswerten Ausbrüche in eine wie auch immer geartete Richtung vorgesehen sind.

An der Instrumenten-Front sieht es dagegen schon etwas besser aus für DESTINATION’S CALLING – auch wenn hier ebenfalls keine neuerlichen Maßstäbe gesetzt werden. Anders gesagt: die insgesamt eher ruhige bis retrolastig-rockige Ausrichtung des Albums weiß mit ihrem überraschend starken Fokus auf den Bass zu gefallen und geht gut ins Ohr – doch allzu spektakuläres wird hier weder in Bezug auf den bereits erwähnten Gesang noch das Songwriting oder die eher zurückhaltende Gitarrenarbeit geboten. Darüber hinaus kann man sich einstweilen kaum des Eindrucks erwehren, dass DESTINATION’S CALLING hier einfach nicht wirklich in die Vollen gegangen sind – Nummern wie der Titeltrack INVISIBLE WALLS fühlen sich schlicht deutlich zu kraftlos und uninspiriert an, um überhaupt irgendetwas zu reißen. Das Problem: gerade diese eher mittelprächtigen Nummern umgeben meist belanglose Balladen wie das darauf folgende, äußerst minimalistisch gehaltene DISCONNECTED.

Und die ändern eben auch nicht mehr viel am insgesamt deutlich zu ernüchternden Eindruck des Albums. Immerhin: die Abmischung und Produktion sind gelungen, und mit dem Rausschmeißer DESTINATION’S CALLING erwartet den Hörer doch noch eine kleine Kraftexplosion. Zumindest im Verhältnis, also etwa in Bezug auf das Schlagzeug und das Gitarrenspiel – wobei es viel mehr von eben solchen schon eher packenden Momenten (wie zum Alben-Auftakt eventuell noch das dezent an die CRYSTAL EYES erinnernde SINTHETIC) hätte geben müssen. Dass der Weg bis dahin aber einfach zu beschwerlich ist um zu begeistern – und das trotz der insgesamt recht übersichtlichen Spielzeit – spricht aber leider kaum für INVISIBLE WALLS. Vielleicht ist beim nächsten Mal ja eine größere Portion (Überzeugungs-)Kraft drin…

Absolute Anspieltipps: SINTHETIC, DESTINATION’S CALLING


„Ein insgesamt eher austauschbares und gesanglich problematisches Album, dass sich kaum gegen die auf der Hand liegenden Alternativen durchsetzten kann.“

Metal-CD-Review: ICEWIND – All Is Dust (2006)

Alben-Titel: All Is Dust
Künstler / Band: Icewind (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. April 2006
Land: Kanada
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steelheart Records

Alben-Lineup:

Gabriel Langelier – Vocals
Steve Gemme – Keyboards
Jay Menard – Guitars
Vinni Poliquin – Guitars
Dan Dupuis – Bass
Alex Dubé – Drums

Track-Liste:

1. A Breeze of Hope (01:32)
2. Winter Heaven (04:22)
3. Walking Alone (05:11)
4. Follow the Wind (04:56)
5. All Is Dust (07:29)
6. Washed Away (06:38)
7. No Other Way (04:56)
8. Inner Storm (07:09)
9. Premonitions (01:36)
10. Trapped in a Dream (06:20)

Von eisigen Winden und zu Staub zerfallenden Träumen.

Aufgrund diverser Erfahrungswerte sollte man eigentlich meinen, dass eine Band mit dem Namen ICEWIND nur aus dem hohen Norden Europas stammen kann. Insbesondere natürlich dann, wenn sie sich der Spielart des Power Metals verschrieben hat; und von ihrem Stil her durchaus mit Finnischen Genre-Größen a’la STRATOVARIUS oder CELESTY vergleichbar ist. Die auch sonst einen recht klassisch-europäischen Eindruck machenden ICEWIND jedoch stammen aller Erwartungen zum Trotz aus Kanada – und haben eine gleichermaßen kurze wie interessante Diskografie in Petto. Schließlich stand die bereits im Jahre 2002 gegründete Combo schon kurz nach ihrer vielversprechenden ersten Demo INNER STORM (2004) vor einigen Schwierigkeiten und Label-Problemen – sodass das vorliegende Debütalbum ALL IS DUST eventuell an einigen vorbeigegangen sein könnte.

Gerade das wäre jedoch relativ fatal – und das nicht nur, da ICEWIND ein hochkarätiges kanadisches Pendant zu den bereits genannten Vergleichsbands ist. Oder eher war, betrachtet man den aktuellen Status der Band – wobei man die Hoffnung wohl noch nicht ganz begraben sollte. Nein, ICEWIND konnten auf ihrem Debütalbum auch ganz unabhängig von etwaigen Vergleichen überzeugen – und das in mehrerlei Hinsicht. So wirkt ALL IS DUST nicht nur wie ein gelungenes Konglomerat verschiedenster Genre-Einflüsse aus Europa und teilweise auch den USA, wobei vor allem die Lyrics und die relative inhaltliche Tiefe dezent an das Schaffen von KAMELOT erinnern könnten. Immerhin hatten es ICEWIND schon auf ihrem Debütalbum geschafft, sowohl eine enorm dichte Atmosphäre zu etablieren als auch für diverse Alleinstellungsmerkmale zu sorgen – was sicher nicht jedem aufstrebenden Genre-Künstler direkt gelingt.

Anders gesagt: auch wenn der Sound von ALL IS DUST einstweilen an den diverser europäischer Genre-Vertreter erinnert, waren ICEWIND keineswegs auf eine bloße Kopie oder Nachahmung aus. Und gerade das merkt man den hervorragend inszenierten Nummern auch zu jedem Zeitpunkt an. Das Songwriting ist durchgehend stark, die Leistungen an den Instrumenten tadellos, der Leadgesang von Gabriel Langelier überaus angenehm und variabel. Genre-Fans sollte es überdies freuen, dass ALL IS DUST zu nicht unerheblichen Teilen von seinem schroffen Gitarrensound inklusive einiger eher extravaganter Soli lebt – und auch diesbezüglich sieht es sehr gut aus. Dass auch die hie und da anberaumten Chöre schön wuchtig und im Sinne des Kontextes apokalyptisch klingen (wie etwa in INNER STORM) macht die Sache schier perfekt, und verleiht den Kompositionen eine zusätzliche Dimension. Selbst das vom Keyboarder der Band bediente Piano fügt sich überraschenderweise nahtlos in die Kompositionen ein – wie etwa im hymnischen FOLLOW THE WIND oder dem flotten NO OTHER WAY.

Ein oder zwei Kleinigkeiten, die man hätte anders lösen können gibt es dann aber doch – womit indes nicht das Intro oder das kurze Zwischenspiel PREMONITIONS gemeint sind; die als Stimmungsmacher und Lückenfüller mehr als ordentlich daherkommen. Am ehesten hat ALL IS DUST mit kleineren Problemen hinsichtlich der Abmischung und Produktion zu kämpfen, die sich in einem nicht unbedingt als erdig zu bezeichnenden Gesamteindruck widerspiegeln. Analog zu diesem ein wenig an eine ungeschliffene Demo erinnernden Sound können so insbesondere das Drumming und der recht häufige Einsatz des Keyboards (sowie des Pianos) auch mal einen dezent künstlichen Eindruck entstehen lassen. Glücklicherweise aber nicht in einem solchen Maße, dass es den Hörgenuss maßgeblich trüben würde. Und überhaupt, die Stärken des Albums machen vieles wieder wett. Denn wenn selbst eine Ballade wie WASHED AWAY zündet, wird klar: ICEWIND sind oder waren alles andere als eine Alltagserscheinung.

Absolute Anspieltipps: WINTER HEAVEN, WALKING ALONE, FOLLOW THE WIND, INNER STORM, TRAPPED IN A DREAM


„Da können sich so manche Europäer noch eine Scheibe von abschneiden.“

Metal-CD-Review: CELLADOR – Enter Deception (2006)

Alben-Titel: Enter Deception
Künstler / Band: Cellador (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Juni 2006
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Michael Gremio – Vocals
Chris Petersen – Guitars
Bill Hudson – Guitars
Valentin Rakhmanov – Bass
David Dahir – Drums

Track-Liste:

1. Leaving All Behind (03:13)
2. A Sign Far Beyond (05:17)
3. Never Again (05:13)
4. Forever Unbound (05:59)
5. Seen Through Time (07:09)
6. Wakening (05:19)
7. Releasing the Shadow (05:42)
8. No Chances Lost (06:31)

Ein Trick, dem man nur allzu gerne auf den Leim geht.

ENTER DECPTION ist das Debütalbum der US-Amerikanischen Power Metaller von CELLADOR, die sich bereits 2003 unter dem Namen APOSTATE gegründet haben. Doch wenngleich man es eventuell anders erwartet hätte, hört man der Band ihre Herkunft nicht direkt an – schließlich spielen CELLADOR einen energetischen Power Metal, den man einwandfrei der europäischen Spielart zuordnen könnte. Stilistisch bewegen sie sich dabei irgendwo zwischen dem oftmals überaus flotten und Riff-geladenen Output von DRAGONFORCE, und eventuell auch der beschwingten Melodiösität von POWER QUEST. Aber, und immerhin: wie eine bloße Kopie dieser oder anderer potentieller Vorbilder klingen CELLADOR zu keinem Zeitpunkt. Überhaupt scheint die Band kaum Zeit verlieren zu wollen, und prescht mit ihren 8 auf ENTER DECPTION enthaltenen Titeln direkt markant nach vorn. Mit dieser Form der pausenlosen Aneinanderreihung von potentiellen Hymnen, sowie seiner allgemeinen Kompaktheit ermöglicht das Album einen direkten und unkomplizierten Einstieg – und sollte vor allem Geschwindigkeitsliebhaber, Gitarrenfetischisten und Freunde des schnörkellosen zufriedenstellen.

Schließlich ist die Gitarrenarbeit größtenteils hervorragend – man lauscht den beiden hier verantwortlichen Frickel-Künstlern einfach gerne, auch wenn die Soli-Passagen auch mal dezent zu abgedreht daherkommen können und so – wie im übrigen so vieles – reine Geschmackssache sind. Immerhin haben sie einen hohen Unterhaltungswert und zeigen sie auf, dass die beiden Gitarristen ihr Handwerk verstehen. Das gilt im übrigen auch und gänzlich uneingeschränkt für den Drummer der Combo, der bei CELLADOR offensichtlich einiges zu tun hat. Glücklicherweise handelt es sich bei seinem vorgehen aber nicht um ein stupides Doublebass-Dauerfeuer – es sind immer wieder Variationen sowie allerlei Tempi- und Rhythmuswechsel vorgesehen. Das lockert einzelne Titel auf, und macht auch die auf den ersten Blick eher unscheinbaren interessant – wie etwa das hymnische NEVER AGAIN. An den Leadgesang von Michael Gremio muss man sich eventuell erst einmal gewöhnen – doch seine vergleichsweise gemäßigte, dabei aber nicht eine gewisse Kraft entbehrende Stimme fügt sich perfekt in die Gesamtkompositionen ein.

Und dennoch bleibt ein leicht fader Beigeschmack zurück, der vornehmlich darauf zurückzuführen ist dass CELLADOR eben keine Fehler machen. Oder eher: sich nicht nennenswert ausprobieren, und im Verlauf des sich etwas zu gleichförmig anfühlenden Albums absolut auf Nummer sicher gehen. Immerhin bleibt dem geneigten Genre-Hörer so eine sonst obligatorische Ballade erspart, und der Wegfall von etwaigen lückenfüllenden Zwischenspielen ist theoretisch eine angenehme Sache. Aber: ein wenig mehr Spielraum hätte es dann doch sein dürfen. So hat man schließlich des öfteren das Gefühl, versehentlich die Repeat-Tase erwischt zu haben, oder anders gesagt: aufgrund ihrer doch sehr ähnlichen Strukturen und der kontinuierlich angepeilten Gangart im Uptempo fällt es nicht immer leicht, die einzelnen Titel überhaupt auseinanderzuhalten. Mit den Refrains verhält es sich ähnlich respektive ebenfalls dezent zwiespältig: grundsätzlich machen sie aufgrund ihrer Eingängigkeit Spaß, doch wirklich herausragend klingen zu keinem Zeitpunkt. Zumal gerade die unterstützenden Chor-Elemente nicht immer stilsicher klingen. Dass hat unter anderem zur Folge, dass man CELLADOR im direkten Vergleich zur Konkurrenz noch nicht unterstellen kann; dass sie das Zeug dazu haben absolut einzigartige und unvergessliche Hymnen zu kreieren. eine Empfehlung kann dennoch ausgesprochen werden – denn vom Dasein eines schlechten Power Metal-Albums ist ENTER DECEPTION glücklicherweise noch immer weit entfernt.

Absolute Anspieltipps: A SIGN FAR BEYOND, NEVER AGAIN, SEEN THROUGH TIME


„Ein rundum gelungenes Debütalbum, das insgesamt aber noch etwas zu unspektakulär daherkommt und zu wenig Abwechslung bietet.“

Metal-CD-Review: SABATON – Attero Dominatus (2006)

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Alben-Titel: Attero Dominatus
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Juli 2006
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Daniel Mullback – Drums
Rikard Sundén – Guitars
Oskar Montelius – Guitars
Pär Sundström – Bass
Joakim Brodén – Vocals
Daniel Mÿhr – Keyboards

Track-Liste:

1. Attero Dominatus (03:43)
2. Nuclear Attack (04:10)
3. Rise of Evil (08:19)
4. In the Name of God (04:06)
5. We Burn (02:55)
6. Angels Calling (05:57)
7. Back in Control (03:14)
8. A Light in the Black (04:52)
9. Metal Crüe (03:42)

Achtung, die Panzer rollen wieder vor.

Es ist schon beachtlich, was die Schwedischen Jungs von SABATON bereits in ihren frühen Schaffensjahren alles auf die Beine gestellt hatten. Das spezifische, schon auf der aus zwei früheren Demos zusammengebastelten Compilation FIST FOR FIGHT (Review) vorgestellte Konzept der Band wirkte jedenfalls sehr überzeugend – und gerade die vieles lostretende Kampfansage vom Schlage eines PRIMO VICTORIA (2005, siehe Review) war kaum zu überhören. Interessant ist, dass es daraufhin erst so richtig losging im Hause SABATON: die Diskografie der Band wurde ab 2006 kontinuierlich gut bestückt, sodass in der Folge spätestens alle zwei Jahre mit einem neuen Studiowerk zu rechnen war und ist; von diversen kleineren Veröffentlichungen gar nicht erst zu sprechen. Den Auftakt jener neuen Veröffentlichungsreihe, und damit einhergehend auch des neuen Selbstbewusstseins der Band markierte dabei aber nicht nur das großartige und von vielen sehr gut aufgenommene PRIMO VICTORIA – sondern auch dessen Nachfolger ATTERO DOMINATUS.

Wie schon der Vorgänger beinhaltet das mächtig betitelte zweite Studioalbum der Band 9 vollwertige Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 40 Minuten – und legt es schnell darauf an, den geneigten Power Metal-Konsumenten direkt in seinen Bann zu ziehen und zu fesseln. Das geschieht vornehmlich über die spezifischen aber vergleichsweise ungewöhnlichen Inhalte, den allgemeinen Druck und die Schlagkraft der Musik; sowie nicht zuletzt die prägnante Frontstimme von Joakim Broden. So macht schon der Opener und Titeltrack ATTERO DOMINATUS mindestens zweierlei Dinge klar: zum einen, dass es SABATON absolut ernst meinen mit ihrer eingeschlagenen Marschrichtung innerhalb des quasi neu gegründeten oder zumindest neu belebten Subgenre des War Metal – und zum anderen, dass sie schlicht das Zeug dazu haben gleichermaßen voranpreschende wie kultverdächtige Genre-Hymnen zu inszenieren.

Wie so oft aber zeigt sich, dass auch Bands mit einem über die Jahre weitestgehend unveränderten Konzept kleinere bis deutlichere Berg- und Talfahrten erleben können. Sicher, ATTERO DOMINATUS ist insgesamt betrachtet ein gut funktionierendes Genre-Album mit einem enormen Wiedererkennungswert – doch gerade im Vergleich mit seinem sehr guten, verständlicherweise auch etwas überraschenderen Vorgänger muss es klar hintenan stehen. Das mag nicht allzu kurios erscheinen, zumal keine Band vor halbwegs klar erkennbaren schwächeren Momenten in der Diskografie gefeit ist – etwas schade ist es aber natürlich dennoch, gerade wenn es sich um zwei derart schnell aufeinander folgende Alben handelt. Anders gesagt: SABATON haben mit ihrem ATTERO DOMINATUS nicht schlecht abgeliefert, aber auch nicht wirklich nachgelegt.

Die Gründe dafür könnte man – je nach persönlicher Facón – in den unterschiedlichsten Bereich suchen. Doch fest scheint zu stehen; dass es schon einmal nicht an den guten, bis dato schon zur Schau gestellten handwerklichen Leistungen der Mitglieder oder einer fehlenden Motivation gelegen haben kann. Etwas sinniger erscheint hier schon die Vorstellung eines Anfluges von Routine, der das Album insgesamt etwas vorhersehbarer und unspektakulärer gestaltet. Dazu passen auch das oftmals anberaumte Midtempo ohne größere Kraftausbrüche sowie die teils auffälligen Parallelen zu Bands wie MANOWAR (Stichwort RISE OF EVIL) – und der Fakt, dass sich kaum eine der Nummern als besonders erinnerungswürdig oder gar als langjähriger Dauerbrenner zu eignen scheint. Mit Ausnahme des Openers versteht sich, dessen Kraft man sich einfach nicht oder nur schwer entziehen kann.

Gut, auch das eher ruhige LIGHT IN THE BLACK kann dank seiner atmosphärischen Ausstaffierungen einen gewissen Reiz entwickeln; und der Rausschmeißer METAL CRÜE ist eine sympathisch-spaßige Genre-Hymne mit allerlei Erwähnungen potentieller Einflüsse der Band. Davon abgesehen geht es aber schlicht etwas zu gleichförmig zu – und so, als hätten SABATON hier eher auf Nummer sicher gehen wollen. Das Ergebnis ist ein überdurchschnittliches, leider aber auch vergleichsweise uninteressantes und im absolut schlimmsten Fall zu überspringendes Werk der hiesigen SABATON-Diskografie. Immerhin: eines, dass mit PRIMO VICTORIA und METALIZER zwei starke Nachbarn hat und somit direkt auf der Hand liegende Alternativen bietet.

Absolute Anspieltipps: ATTERO DOMINATUS, IN THE NAME OF GOD, LIGHT IN THE BLACK


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„Einerseits ein höchst solides Genre-Album, andererseits ein recht enttäuschender Nachfolger.“

Metal-CD-Review: SYNTHPHONIA SUPREMA – Synthphony 001 (2006)

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Alben-Titel: Synthphony 001
Künstler / Band: Synthphonia Suprema (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. Januar 2006
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Rising Symphony

Alben-Lineup:

Fryderyk T – Guitars (lead and rhythm), Synth
Daniele Bisi – Keyboards, Keybass, Programming
MatKracker – Vocals
Ismat – Drums

Track-Liste:

1. Fileader (03:46)
2. Nothing Can Stop Me (04:41)
3. Synth Metal (04:06)
4. Uncosmic Justice (04:51)
5. My War (05:20)
6. Black Cat (04:37)
7. Shield Saviour (05:44)
8. Fatherland (07:11)
9. Glacier Inside (06:12)
10. Battle of the Living Dead (Warlord cover) (04:05)

Probier doch mal was neues.

Wie würde es wohl klingen, wenn eine italienische Power Metal-Combo mit einem schier unaussprechlichen Namen antritt um den sogenannten Synth-Metal vorzustellen und zu verteidigen ? Auf dem Debütalbum von SYNTHPHONIA SUPREMA kann man sich davon durchaus ein Bild machen – und das nicht nur in der gleichnamige Hymne SYNTH METAL (die Titelnummer #3 des Albums), sondern gleich auf dem gesamten Werk der Italiener. Anders gesagt: was anderswo und generell eher als zu vermeidender Faktor gilt, ist bei den Jungs von SYNTHPHONIA SUPREMA Programm. Alle der 10 enthaltenen Titel sind gespickt vom überbordenden Einsatz des Keyboards respektive markanten elektronischen Einflüssen mit einem Hang zum Retro-Kitsch.

Doch ganz egal wie man zu einem solchen Genre-Experiment stehen mag, eines muss man den Italienern in jedem Falle zugute halten: bei allen Spielereien und synthetischen Ausstaffierungen ihrer Kompositionen vernachlässigen sie eben auch nicht die grundlegende Power Metal-Komponenten. Im Gegenteil: die Gitarren tönen schön schroff und gehen glücklicherweise nicht im Mix unter, was auch für das antreibende (aber etwas repetitive) Drumming gilt. Auch der angenehm geschmeidige Leadgesang von MatKracker schneidet grundsätzlich sehr gut ab. Das die Band keinen echten Bassisten hat, hört man allerdings schon – was die meisten allerdings kaum stören dürfte. Für Freunde eines ganz und gar klassischen Power-Metal ist die SNYTHPHONY 001 ohnehin nichts, die Band setzt vielmehr darauf etwas ganz und gar neues zu kreieren.

Ob das nun entsprechend mutig und bombastisch klingt, oder aber dezent plump und nervig – das muss ein jeder wohl für sich selbst entscheiden. Am ehesten aber scheint es, als ob das Pendel ständig zwischen eben jenen beiden Attribuierungen hin- und herschwingt. Tatsächlich entfaltet die Musik der Italiener die größte Wirkung, wenn sich das Keyboard ausnahmsweise mal etwas zurückhält – wie etwa während der Strophen des superflotten NOTHING CAN STOP ME, im ebenfalls packenden UNCOSMIC JUSTICE oder GLACIER INSIDE. Eben diese Titel fungieren dann aber auch klar als Paradebeispiele für das Wechselspiel zwischen einem gradlinigen Power Metal und den einstweilen etwas zu heftigen Synth-Attacken. Im Verlauf einiger Nummern wird sogar hörbar am Leadgesang geschraubt, was sicher nicht nötig gewesen wäre – und den ganz und gar künstlichen Eindruck perfekt macht.

Zu einem uneingeschränkt empfehlenswerten Genuss wird SNYPTHPHONIA 001 so nicht – aber auch nicht zu einem komplett zu vernachlässigenden Genre-Experiment einer typischen italienischen Kitsch-Band. Am sinnvollsten erscheint es somit, dem Album eine Chance zu geben. Aber natürlich nur, wenn eine gewisse Sympathie für den Synth Metal zumindest ansatzweise vorhanden ist – und man im besten Fall auch noch Fan diverser klassischer Videospiele oder anderer Genre-Combos wie etwa CELESTY ist.

Absolute Anspieltipps: NOTHING CAN STOP ME, SYNTH METAL, FATHERLAND


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„Das Album mag kein Dauerbrenner sein – ist aber handwerklich solide und markiert eines der angenehmeren Power Metal-Experimente respektive -Extreme.“

Metal-CD-Review: BLOODBOUND – Nosferatu (2006)

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Alben-Titel: Nosferatu
Künstler / Band: Bloodbound (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. Februar 2006
Land: Schweden
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Avalon / Metal Heaven

Alben-Lineup:

Fredrik Bergh – Keyboards
Henrik Olsson – Guitars
Johan Sohlberg – Bass
Tomas Olsson – Guitars
Pelle Åkerlind – Drums
Urban Breed – Vocals

Track-Liste:

1. Behind the Moon (06:27)
2. Into the Dark (04:31)
3. Nosferatu (06:23)
4. Metal Monster (04:24)
5. Crucified (03:50)
6. Desdemonamelia (04:14)
7. Fallen from Grace (04:45)
8. Screams in the Night (04:40)
9. For the King (03:49)
10. Midnight Sun (03:51)
11. On the Battlefield (05:57)

Mal sehen wer artig und wer böse war.

NOSFERATU ist nicht nur der Name einer allseits bekannten Sagengestalt, sondern auch der Titel des Debütalbums von BLOODBOUND – einer 2004 gegründeten Power Metal-Combo aus Schweden. Zunächst nur über das Label Avalon in Japan erschienen, bietet es dem geneigten Genre-Hörer 11 Titel aus dem Bereich des melodischen Power respektive Heavy Metal – wobei man sich irgendwo zwischen eher klassisch-traditionellen Anleihen a’la IRON MAIDEN und hymnisch-flotten Landes-Kollegen wie HAMMERFALL bewegt. Trotz etwaiger möglicher Vergleiche; wie etwa auch zu den klassischen Momenten der europäischen Power Metal-Pioniere a’la HELLOWEEN oder GAMMA RAY entwickeln BLOODBOUND dabei überraschenderweise schneller als erwartet eine ganz eigene Identität. Und das scheint hauptsächlich an zwei Faktoren zu liegen: dem Leadgesang und dem prägnanten Gitarrenspiel.

Ersterer stammt vom ehemaligen TAD MOROSE-Frontmann Urban Breed, der nach dem letzten hiesigen Album MODUS VIVENDI direkt zu BLOODBOUND wechselte und daher einigen bereits bekannt vorkommen könnte. Fakt ist, dass er nicht nur über eine außergewöhnliche und unverwechselbare Leadstimme verfügt – sondern auch auf NOSFERATU weitestgehend Abstand davon nimmt, sich Genre-typisch zu inszenieren. Das bedeutet vor allem, dass das Singen in allzu hohen Lagen ausbleibt und generell ein etwas rauerer und kräftigerer Grundton vorherrscht. Im Zusammenspiel mit den teils wuchtigen Chören ergibt sich so eine recht ansprechende Gesangs-Dynamik, die niemals aufdringlich oder künstlich forciert klingt – man hört den Geschichten auf NOSFERATU einfach gerne zu.

Die bereits angedeutete zweite Besonderheit sind die Gitarren – die interessanterweise von den beiden Brüdern Henrik und Tomas Olsson gespielt werden. Dass die beiden ihr Handwerk verstehen ist das eine – dass das Album aber gerade durch ihren Einsatz an Eigenständigkeit gewinnt und man mit der Entscheidung, es generell sehr Riff-lastig zu gestalten genau den richtigen Nerv getroffen hat; das andere. Trotz der an den Tag gelegten Energie und Spielfreude klingt das Album überdies oft merkwürdig; man nenne es einmal locker und beschwingt – was zumindest in diesem Fall absolut positiv auszulegen ist. Es wirkt schließlich beinahe so, als hätten sich BLOODBOUND nicht einmal sonderlich anstrengen müssen um das auf NOSFERATU dargebotene Material zu verwirklichen – was in Anbetracht der Qualität des Albums eigentlich eine kleine Unmöglichkeit ist.

So oder so verfehlt NOSFERATU nicht seinen Zweck. Das mitunter einzige, was man dem Album vorwerfen könnte wäre die Tatsache, dass nicht alle der 11 enthaltenen Titel gleichermaßen effektiv zünden. Denn auch wenn sich kein allzu markanter qualitativer Ausreißer finden lässt, müssen eher simple Nummern wie METAL MONSTER oder DESDEMONAMELIA klar hinter den anderen anstehen. Und auch die Gesangsdarbietung in SCREAMS IN THE KNIGHT muss man klar zu den gewöhnungsbedürftigen Momenten des Albums zählen. Dennoch: die oft angenehm auflockernden Refrains und wohl dosierten Soli-Passagen sind stark, die keine Wünsche offenlassende Produktion rundet das Ganze sinnig ab. Das Album kann so jedem ans Herz gelegt werden, der auf die eher klassische Seite des Power Metal ohne klimpernde Keyboards oder pompöse symphonische Arrangements setzt. Und es lieber etwas rauer, aber dennoch enorm melodisch und hymnisch mag.

Absolute Anspieltipps: NOSFERATU, CRUCIFIED, FALLEN FROM GRACE, FOR THE KING


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„Ein rundum gelungener Karriere-Start mit zahlreichen hymnischen Momenten.“