Metal-CD-Review: SABATON – Primo Victoria (2005)

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Alben-Titel: Primo Victoria
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. März 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Joakim Brodén – Vocals, Keyboards
Pär Sundström – Bass
Rikard Sundén – Guitars
Oskar Montelius – Guitars
Daniel Mullback – Drums

Track-Liste:

1. Primo Victoria (04:10)
2. Reign of Terror (03:51)
3. Panzer Battalion (05:09)
4. Wolfpack (05:55)
5. Counterstrike (03:48)
6. Stalingrad (05:18)
7. Into the Fire (03:25)
8. Purple Heart (05:07)
9. Metal Machine (04:22)

Der Sieg scheint zum Greifen nah.

Es war einmal im Jahre 1999 – als sich einige talentierte schwedische Musiker zusammengefunden, eine Band gegründet und bald darauf erstmals offiziell gezeigt haben was in ihnen steckt. Die Rede ist natürlich von SABATON und ihrer ganz eigenen Interpretation des War Metal, wie er schon auf den frühen Demos respektive auch der Compilation FIST FOR FIGHT (siehe Review) zu hören war. Wenngleich jenes FIST FOR FIGHT auch gerne als Debütalbum der Band angesehen wird, nimmt selbigen Posten eigentlich das 2005 erschienene PRIMO VICTORIA ein – ein 9 Titel starkes, kompaktes und für die Band sicher wegweisendes Brachialwerk. Tatsächlich hört man dem Album auch definitiv an, dass sich im Laufe der Jahre einiges getan hatte im Hause SABATON – ein Umstand, der beileibe nicht nur auf die wesentlich ausdrucksstärkere und druckvollere Produktion zurückzuführen ist. So bietet PRIMO VICTORIA schlicht noch etwas griffigere, besser inszenierte SABATON-Nummern mit einem hörbar stärkeren und variableren Joakim Broden – und natürlich massig Hymnen-Potential.

Eines steht beim ersten Durchhören von PRIMO VICTORIA jedenfalls relativ schnell fest: wenn man SABATON’s Spielart und Genre-Ausrichtung inklusive des Fokus auf allerlei kriegsbezogene Inhalte grundsätzlich mag, hat man hier ein gefundenes Fressen vor sich. Denn: viel mehr hätten die Schweden vermutlich nicht aus diesem ersten, zweifelsohne selbstbewussten Anlauf machen können. Sei es der direkt ins Ohr gehende, wenn man so will majestätische Titeltrack PRIMO VICTORIA mit seinem starken Refrain, das gleichermaßen aggressive wie melodische REIGN OF TERROR oder das stampfende PANZER BATTALION – SABATON zeigen sich hier von ihrer besten und vermutlich auch unterhaltsamsten Seite. Zumal es nicht nur in Bezug auf den Leadgesang von Joakim Broden inklusive seines herrlichen Akzents sehr gut aussieht – auch die rein instrumentale Schlagkraft der Band ist hier enorm. Vornehmlich mit einer eher klassischen Ausrichtung versehen, darf es hie und da auch mal ein besonders Keyboardelement oder ein eher ruhiges Zwischenspiel (wie etwa zum Auftakt von WOLFPACK) sein – was für Abwechslung, aber auch reichlich Atmosphäre sorgt.

Sicher muss sich auch ein Album wie PRIMO VICTORIA etwaige Vergleiche gefallen lassen, die sich vornehmlich auf das frühere Schaffen anderer beziehen – gerade auf das von etwaigen Pionier-Bands der 80er Jahre, wie etwa JUDAS PRIEST, GRAVE DIGGER oder gar BLACK SABBATH. Doch das macht nichts, denn SABATON haben spätestens mit dem vorliegenden RIMO VICTORIA eine ganz eigene Genre-Nische für sich gefunden; in der sie weitestgehend konkurrenzlos agieren – trotz der hie und da auftretenden, nur natürlichen Parallelen. Umso schöner ist, dass das Album auch in der zweiten Hälfte nicht schlappmacht – und mit einem schmackigen INTO THE FIRE wohl so gut wie alle von den Sitzen holt, während man das stampfende PURPLE HEART als gut funktionierenden Balladen-Ersatz betrachten könnte. Der Rausschmeißer METAL MACHINE macht ebenfalls Laune, wohingegen STALINGRAD vergleichsweise düster und dank der engagierten Performance von Joakim Broden auch überraschend emotional klingt.

Wie man es auch dreht und wendet – PRIMO VICTORIA bietet dem geneigten Genre-Hörer die pure Essenz dessen, was SABATON seit jeher verkörpern. Während man sich über die besungenen Inhalte streiten könnte, respektive sie sicher nicht immer jedermanns Geschmack treffen können; sieht es vor allem an der handwerklichen Front erstaunlich gut aus. Joakim Broden röhrt hier so kräftig und prägnant wie nie zuvor, das Instrumentenspiel ist antreibend und angenehm variabel, die nicht unnötig verkomplizierten Song-Strukturen klingen eingängig – und das ohne sich allzu schnell abzunutzen. Den Schweden ist demnach fürwahr ein großer Streich gelungen – wobei anzunehmen ist, dass der erste Sieg am längsten nachhallt.

Absolute Anspieltipps: PRIMO VICTORIA, REIGN OF TERROR, COUNTERSTRIKE, INTO THE FIRE, PURPLE HEART


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„Im wahrsten Sinne des Wortes ein erster großer Sieg.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Majestic (2005)

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Alben-Titel: Majestic
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Oktober 2005
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Mayan Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Guitars, Vocals
Henjo Richter – Guitars, Keyboards
Dirk Schlächter – Bass
Dan Zimmermann – Drums

Track-Liste:

1. My Temple (04:57)
2. Fight (03:24)
3. Strange World (05:03)
4. Hell Is Thy Home (04:46)
5. Blood Religion (06:53)
6. Condemned to Hell (04:56)
7. Spiritual Dictator (05:38)
8. Majesty (06:23)
9. How Long (04:06)
10. Revelation (08:30)

Auch wenn man den Thron schon innehat, kann es nie schaden ihn zu verteidigen…

… ob nun gegen die Illuminaten oder andere potentielle Widersacher. In der Tat handelt es sich hier nur um eine der Kampfansagen von MAJESTIC, dem achten offiziellen Studioalbum von GAMMA RAY – und damit einer gut und gerne legendären Power Metal-Formation, die zuvor mit Alben wie LAND OF THE FREE (Review), SOMEWHERE OUT IN SPACE (Review) oder NO WORLD ORDER (Review) Geschichte geschrieben hatte. Doch auch wenn die Blütezeit von GAMMA RAY gerne im entsprechenden Zeitraum von 1995 bis 2001 verortet wird, büßte die Band auch im weiteren Karriere-Verlauf nichts von ihrer vorherigen Genialität ein. Wohl auch, da man sich eher nicht auf den vorangegangenen Lorbeeren ausruhte – sondern stattdessen weiterhin an äußerst hochkarätigen Genre-Alben feilte.

Das 2005 erschienene MAJESTIC beispielsweise beschrieb den auch weiterhin höchst interessanten Werdegang der Band, und knüpfte mit seiner vergleichsweise düsteren inhaltlichen Komponente sowie den hervorragenden Leistungen aller Beteiligten Musiker direkt an das legendäre NO WORLD ORDER an. Gleichzeitig handelt es sich um eines jener selten Genre-Alben, die als Paradebeispiel angesehen werden können. Als Paradebeispiel für das hervorragende Schaffen einer Band, die es wie kaum eine zweite versteht; vergleichsweise anspruchsvolle und in jedem Fall interessante Inhalte mit einer exzellenten musikalischen Verpackung zu versehen. Viele Bands schaffen eben doch nur das eine oder das andere.

Und so prescht MAJESTIC von der ersten Sekunde an markant nach vorn. Schon mit dem mächtigen Opener MY TEMPLE sowie dem kurzen aber knackigen FIGHT legen GAMMA RAY ordentlich vor – und das mit den für die Band längst typischen, deswegen aber nicht minder effektiven Alleinstellungsmerkmalen. Solchen, zu denen sicher auch der markant-kräftige Leadgesang von Kai Hansen gehört; oder die grundsätzlich unvergleichlich antreibenden, herrlich stampfenden Power Metal-Kompositionen. Und die sind gerade im Falle von GAMMA RAY alles andere als vorhersehbar oder simpel – MAJESTIC stapelt oftmals mehrere Schichten aus zünftigen Power Metal-Elementen übereinander, und das auch gänzlich ohne dabei überladen zu klingen.

So lohnt es sich nicht nur, die Titel auf eine durchaus vorhandene Hymnen-Tauglichkeit zu untersuchen – denn auch in unzähligen Einzel-Momenten gibt es einiges zu entdecken. Gerade die Gitarren klingen äußerst lebendig, angenehm schroff und variabel. Im Zusammenspiel mit den zahlreichen, stets gut durchdacht und perfekt aufeinander abgestimmten Spielereien auch seitens des hervorragenden Drumming-Parts entsteht so ein überraschend vielschichtiger Klangteppich – der Laune macht und den Hörer auch nach mehreren Durchläufen noch perfekt unterhalten wird. Zumal der wirksame Gegensatz aus direkten und antreibenden Brechern a’la HELL IS THY HOME, nicht nur inhaltlich höchst interessanten Stampfern a’la BLOOD RELIGION oder auch mal deutlich düstereren Momenten wie im Titeltrack MAJESTIC für sich spricht.

Demnach ist es keine große Überraschung, dass MAJESTIC locker mit den bis dato besten Veröffentlichungen von GAMMA RAY mithalten kann. Gründe dafür gibt es einige: das an den Tag gelegte Handwerk ist geradezu phänomenal, das Songwriting bemerkenswert, der Faktor der Abwechslung enorm – und auch die perfekte Abmischung und die druckvolle Produktion lassen keine Wünsche offen.

Absolute Anspieltipps: MY TEMPLE, FIGHT, HELL IS THY HOME, BLOOD RELIGION


„Ein erstklassiges und zutiefst unterhaltsames Genre-Album.“

Metal-CD-Review: EQUILIBRIUM – Turis Fratyr (2005)

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Alben-Titel: Turis Fratyr
Künstler / Band: Equilibrium (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. Februar 2005
Land: Deutschland
Stil / Genre: Epic Folk- / Viking Metal
Label: Black Attakk Records

Alben-Lineup:

Helge Stang – Vocals
René Berthiaume – Guitars
Andreas Völkl – Guitars
Sandra Völkl – Bass
Julius Koblitzek – Drums

Track-Liste:

1. Turis Fratyr (00:34)
2. Wingthors Hammer (06:40)
3. Unter der Eiche (04:50)
4. Der Sturm (03:45)
5. Widars Hallen (08:15)
6. Met (02:23)
7. Heimdalls Ruf (01:50)
8. Die Prophezeiung (05:18)
9. Nordheim (05:11)
10. Im Fackelschein (01:58)
11. Tote Heldensagen (09:10)
12. Wald der Freiheit (03:00)

Entdecke die sagenumwobene Welt von TURIS FRATYR.

Es war einmal vor einer handvoll Jahren, als ein neues Jahrtausend anbrach – und eine höchst interessante deutsche Metal-Band wie aus dem Nichts auftauchte, um die Bühnen dieser Welt im Sturm zu erobern. Denn schon bald nachdem die offizielle Bandgründung im Jahre 2001 vollzogen und eine erste Demo veröffentlicht wurde, hagelte es rege Begeisterungsstürme – von Genre-Fans und Kritikern gleichermaßen. Eine der unmittelbaren Folgen war, dass die Band schlagartig in aller Munde war – und die andere, dass sie direkt einen Plattenvertrag von BLACK ATTAKK RECORDS angeboten bekam.

Die Rede ist natürlich von EQUILIBRIUM, einer der heute bekanntesten Folk- und Viking Metal-Combos überhaupt. Seinerzeit nutzten die talentierten Musiker um Band-Mastermind René Berthiaume den Rückenwind der ersten Demo, um mit dem Debütalbum TURIS FRATYR aus dem Jahre 2005 erstmals vollends durchzustarten – wobei es sich um ein Unterfangen handelte, welches zweifelsohne bis heute nachhallt. Gründe dafür gibt es mehrere – wie etwa die Tatsache, dass das Album einen enorm frischen Wind ins Genre brachte und so nicht nur für eingefleischte Genre-Fans; sondern eben auch musikalische Neu- oder Quereinsteiger interessant war.

Irgendwo anbiedern wollten sich EQULIBRIUM aber nicht – vielmehr setzten sie schon früh auf eine ganz eigene Interpretation des Genres. Eine, bei der man sich einerseits auf ein respektables musikalisches Handwerk und Geschick berief; andererseits aber auch ganz spezielle und in jedem Fall unverkennbare Trademarks etablierte. TURIS FRATYR setzte so gesehen also nicht nur Maßstäbe, indem alle beteiligten Musiker eine herausragende Leistung ablieferten – sondern auch durch die zahlreichen guten Ideen und Elemente, die es in dieser Zusammenstellung so noch nicht wirklich gegeben hatte.

Und so klang und klingt das Debütalbum entsprechend frisch, unverbraucht, wild und energetisch. Schon der Auftakt weiß durch die allgemein aggressive Gangart mit einem flotten Tempo, schroffen Growls und einer breiten Gitarrenwand auf der einen, aber eben auch dezent auflockernden symphonischen Elementen, beschwingten Rhythmen und bunten Synth-Klängen auf der anderen Seite zu punkten. Die sich daraus ergebende Symbiose mag zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirken und klingen, im Endeffekt verfehlt sie aber nicht ihre Wirkung. Einzelne Nummern wie WINGTHORS HAMMER oder UNTER DER EICHE avancieren so zu kleinen Entdeckungsreisen für den Hörer, der auf TURIS FRATYR mit vielen verschiedenen Stimmungen und Emotionen konfrontiert werden wird. Mal geht es geradezu brachial und episch zu, mal verschwörerisch oder leicht angeheitert – und mal sind die verschiedenen Elemente gar nicht so leicht auseinanderzuhalten.

Das mag nicht auf vergleichsweise einfach gestrickte, extrem eingängige und schlicht reichlich Laune machende Nummern wie DER STURM oder etwa die lust’ge Honigwein-Hymne MET gelten – doch spätestens mit dem mächtigen WIDARS HALLEN, einem der vielleicht herausragendsten Titel des Albums; katapultieren sich EQUILIBRIUM in ungeahnte Höhen. Bei einer Über-Nummer wie dieser gilt es schlicht, sich zurückzulehnen und zu genießen – zumal die erzählerisch-emotionale Komponente ebenfalls nicht zu kurz kommt und Leadsänger Helge Stang eine zutiefst denkwürdige Darbietung abliefert. Vieles von dem, was noch folgt ist dann ebenfalls stark auf eine möglichst dichte Atmosphäre getrimmt – wie etwa die geradezu andächtigen Zwischenspielen HEIMDALLS RUF und IM FACKELSCHEIN, oder das dezent exotisch angehauchte DIE PROPHEZEIUNG. Ausfälle gibt es jedenfalls keine – nur noch wirkungsvollere Titel, wie etwa den episch angelegten Rausschmeißer TOTE HELDENSAGEN.

TURIS FRYTR hat alles, was ein hervorragendes Metal-Album braucht: ein vorzügliches Handwerk aller Beteiligten, eine satte Produktion, viele gute Ideen, reichlich Abwechslung und einen ganz speziellen Charme. Ein Charme, der vornehmlich aus der ureigenen Atmosphäre des Albums entsteht – die irgendwo zwischen einem typischen Genre-Werk, einer so noch nie dagewesenen Verspieltheit und Experimentierfreude (und das bei einer gleichbleibenden Stilsicherheit) sowie einem geradezu poetisch-monumentalen Eindruck anzusiedeln ist. EQUILIBRIUM mögen noch einiges vorhaben – doch mit TURIS FRATYR hat sich die Band selbst eine verdammt hohe Messlatte gesetzt. doch ganz unabhängig davon, was noch passieren wird – TURIS FRATYR gehört in jede anständige Metal-Sammlung und wird auch in vielen Jahren nichts oder zumindest wenig von seinem Reiz verlieren.

Absolute Anspieltipps: Alle


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„Nicht weniger als ein Meilenstein der Metal-Geschichte.“

Epic Metal Moments: AETHRA – Far Beyond The Distant Skies (2005)

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If I could fly, would you fly with me, riding forever ?
Telling and dreaming with tales of the stars
If I’m gonna die, will you die with me, being forever ?
Finding the best way to heavens gate
Cause I see your face, every night and day
And always you bring out the best part of me…

Far Beyond the distant skies,
I will follow you behind, far beyond the distant skies !
Far Beyond the distant skies,
I will follow you behind, far beyond the distant skies !

If I could be free, would you be with me, laying together ?
Staying for new days and enchanted ages
If I’m gonna wait, will you wait for me, when time is over ?
Finding the best way to anywhere
Cause I see your face, every night and day
And always you bring out the best part of me…

Far Beyond the distant skies
I will follow you behind, far beyond the distant skies !
Far Beyond the distant skies
I will follow you behind, far beyond the distant skies !

Metal-CD-Review: THE STORYTELLER – Underworld (2005)

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Alben-Titel: Underworld
Künstler / Band: The Storyteller (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. November 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Martin Hjerpe – Drums
Jacob Wennerqvist – Guitars
Fredrik Groth – Guitars, Keyboards
L.G. Persson – Vocals, Bass
Johan Sohlberg – Bass

Track-Liste:

1. Changeling (03:45)
2. Eyes of the Dead (03:58)
3. The Fiddler (05:29)
4. Watcher in the Deep (05:25)
5. Your Time Has Come (02:58)
6. Beauty Is the Beast (04:35)
7. Underworld (04:28)
8. Magic Elements (04:35)
9. Shine On (05:03)
10. Ace of Spades (Motörhead cover) (02:42)

Es geht auch ohne Höhepunkt – aber mit ist es eben doch schöner.

UNDERWORLD ist das vierte Studioalbum aus dem Bunde der illustren Diskografie von THE STORYTELLER – einer bereits seit 1995 bestehenden Power Metal-Combo aus Schweden; die ihre Karriere zunächst mit einigen Demos sowie dem überraschenden Debütalbum aus dem Jahre 2000 (Review) begonnen hatte. Wie man heute weiß, markiert UNDERWORLD vor allem eine Besonderheit: es war das letzte STORYTELLER-Album vor einer längeren kreativen Pause oder auch Ruhephase. Einer, die immerhin ganze 8 Jahre währen sollte – der Nachfolger DARK LEGACY (Review) erschien erst 2013. Somit markiert UNDERWORLD den letzten Teil des frühen THE STORYTELLER-Kapitels – und vielleicht auch das Ende der eigentlichen Blütezeit der Band. Denn auch wenn speziell das Debütalbum sowie die generell eher leichtgängige Spielart der Band des öfteren im Fokus der Kritik standen, hatten sich THE STORYTELLER gemausert – und ein solides Genre-Album nach dem anderen veröffentlicht. Mit dem bis dato letztaktuellen Album TALES OF A HOLY QUEST (Review) wurde es sogar noch einmal richtig interessant: die Band war hier erstmals deutlich düsterer unterwegs und wandelte auf dezent progressiven Pfaden.

UNDERWORLD setzte diesen Trend allerdings nicht fort – sondern präsentiert sich eher als Bindeglied zwischen der neuerlichen düsteren, sowie der altbekannten feucht-fröhlichen und hymnischen Seite der Band. Eine besonders im Refrain typisch verschwörerische Uptempo-Nummer wie MAGIC ELEMENTS beispielsweise hätte auch genauso gut vom Debütalbum stammen können – und auch BEAUTY OF THE BEAST ist ein wie so oft stark nach vorn preschender, zutiefst melodischer und Riff-geladener Stampfer in bester Geschichtenerzähler-Manier. Wie schon zuvor gilt in diesem Falle allerdings auch, dass sich THE STORYTELLER nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht; sondern vielmehr weiter an ihrem Sound gefeilt haben. Die Auswirkungen dessen finden sich indes eher im kleinen – und betreffen in erster Linie den überaus standhaften Leadsänger L.G. Persson. Der inszeniert sich auf UNDERWORLD noch ein stückweit rauer und variabler als jemals zuvor, was hier sicherlich im MOTÖRHEAD-Cover zu ACE OF SPADES gipfelt – und durchaus Eindruck hinterlässt.

Aber noch etwas gilt es festzuhalten: UNDERWORLD bringt noch immer ausreichend direkt packende Uptempo-Nummern wie EYES OF THE DEAD an den Start, doch wird das Tempo hie und da auch mal markant gedrosselt. Und das erstmals mit vollem Erfolg: der schwere, stampfende Opener CHANGELING beispielsweise überzeugt als hervorragend inszenierte Geschichtsstunde mit einem grandiosen Riffing und einem kongenialen Refrain. Aber auch das dezent folkloristisch angehauchte THE FIDDLER weiß dank seiner vergleichsweise schweren Gangart, seinem für THE STORYTELLER ungewöhnlichen Rhythmus und der starken Performance von L.G. Persson zu gefallen. Lediglich das merkwürdige SHINE ON fällt leicht aus der Reihe der überraschend gelungenen und stilistisch treffsicheren Nummern heraus – was auch an den fast schon kuriosen, arg kraftlosen Hintergrundgesängen liegt.

Letztendlich avanciert UNDERWORLD aber ganz locker zu weit mehr als einem typischen THE STORYTELLER-Album – auch da es den bisherigen Werdegang der Band nicht nur erneut aufgreift, sondern vielmehr zu perfektionieren scheint. Sowohl in Sachen Stilsicherheit, Handwerk und Atmosphäre; als auch in Bezug auf den Faktor der dargebotenen Abwechslung aus hymnisch-flotten und markant-stampfenden Nummern markiert das Album jedenfalls klar den Höhepunkt des bisherigen Schaffens der Band. Demnach muss hier eine klare Empfehlung ausgesprochen werden, vor allem an all jene die die anderen STORYTELLER-Alben bisher links liegen gelassen haben. Indes: wer selbst durch ein Album wie dieses nicht bekehrt werden wird, der dürfte THE STORYTELLER dann aber wirklich von seiner Liste streichen. Alle anderen erwartet ein rundum stimmiges Genre-Werk – eines, das THE STORYTELLER nicht mehr nur stilistisch in die Nähe von Bands wie FALCONER rückt; sondern auch in deren qualitative Liga.

Absolute Anspieltipps: CHANGELING, EYES OF THE DEAD, THE FIDDLER, WATCHER IN THE DEEP, UNDERWORLD


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„Der eindeutige Höhepunkt der STORYTELLER-Karriere.“

Metal-CD-Review: SHAMAN – Reason (2005)

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Alben-Titel: Reason
Künstler / Band: Shaman (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Mai 2005
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Andre Matos – Vocals, Keyboards
Hugo Mariutti – Guitars
Luís Mariutti – Bass
Ricardo Confessori – Drums

Track-Liste:

1. Turn Away (04:25)
2. Reason (04:42)
3. More (The Sisters of Mercy cover) (04:06)
4. Innocence (04:39)
5. Scarred Forever (05:23)
6. In the Night (05:56)
7. Rough Stone (05:00)
8. Iron Soul (05:28)
9. Trail of Tears (03:52)
10. Born to Be (06:00)

Schon wieder eine Band der Tausend Gesichter. Oder waren es bloß zwei ?

Nach der mehr als interessanten Entwicklung der brasilianischen Power Metal-Institution ANGRA sah es um die Jahrtausendwende gut aus für drei ehemalige Mitglieder der Band: nicht nur, dass sie mit SHAMAN als mehr als ambitioniertes neues Metal-Projekt ins Leben riefen – das Debüt-Werk RITUAL (Review) schlug sogleich ein wie eine Bombe. Schlicht, da es ebenso genial wie einzigartig war und ist – und speziell Andre Matos alles richtig gemacht hatte. Gute 3 Jahre später sollte es dann an der Zeit sein für das zweite Studioalbum REASON – schließlich war das Potential weiterhin groß, die Energien der talentierten Musiker noch lange nicht verbraucht. Eine Frage aber stellte sich zweifelsohne: wie würden SHAMAN selbst mit einem Meilenstein wie RITUAL im Rücken umgehen ? Sicher hätten sich viele gewünscht, dass sie mit REASON ein ähnlich hochkarätiges, möglichst unverwechselbares Genre-Album auf die Beine stellen. Eben eines, wo nicht nur SHAMAN drauf steht – sondern auch SHAMAN drin ist.

Doch wo man zuvor von allerlei Verkehrungen des negativen (Ausstieg von Mitgliedern bei ANGRA) ins positive (Neugründung von SHAMAN und daraufhin Erfolg für beide Bands) sprechen konnte, sieht es in Bezug auf REASON schon wieder etwas anders aus. Wenn man so will, könnte man sogar sagen dass das Album erschreckend ist – nicht unbedingt erschreckend schlecht, aber doch erschreckend anders als sein Vorgänger. Sicher, es ist nur gut und richtig dass sich SHAMAN nicht bloß wiederholen wollten und sich weiterhin ausprobierten; ihr Talent sollte schließlich als Grundlage für so viele Bereiche fungieren können. Doch dass die Brasilianer schon nach einem Album eine Kehrtwende von 180 Grad vollziehen würden; damit war nun wahrlich nicht zu rechnen. Im Detail bedeutet das: REASON ist deutlich weniger energetisch und einzigartig als sein Vorgänger, streut immer wieder ungewöhnlich rockige sowie düstere Stimmungen ein – und auch der zuvor noch unglaublich abliefernde Andre Matos wirkt hier eher so, als würde er sich aus irgendeinem Grund zurückhalten.

Zurückhaltung ist dann wohl auch das Stichwort, wenn es um die Gesamtwirkung des Albums geht – das nicht schlecht geworden, aber schlicht und ergreifend etwas merkwürdig ist. Offenbar wussten selbst die Bandenmitglieder nicht so genau, wohin die Reise nun gehen sollte – was einen Umstand beschreibt, der dem Album zweifelsohne anzuhören ist. So klingt schon der Opener TURN AWAY als vermutlich härteste Nummer des Albums nicht mehr wirklich nach SHAMAN – und was darauf folgt, ist ebenfalls mit höchst gemischten Gefühlen zu betrachten. Das langatmige REASON beispielsweise funktioniert weder als rockige Ballade noch als rassiger Stampfer – der Soli-Part dudelt eher belanglos vor sich her, der Refrain wirkt ärgerlich weichgespült. Die Cover-Version von MORE ist dann interessant, aber auch nicht mehr – als Bonus-Track am Ende wäre das Ganze sicher besser aufgehoben. Auch IN THE NIGHT präsentiert sich relativ nichtssagend – trotz des symphonischen Einschübe und der offensichtlich an den Tag gelegten Energien; speziell Andre Matos legt sich hier ordentlich ins Zeug.

Doch ändert das nichts daran, dass viele der Nummern einfach nicht zünden und merkwürdig verhalten, harmlos und verwechselbar klingen. Den diesbezüglichen Höhepunkt erreicht man dabei sicher mit ROUGH STONE – einem der uninteressantesten Titel des Albums mit einem mehr als einschläfernden Refrain. Glücklicherweise gibt es aber auch eine Haben-Seite – mit Titeln wie INNOCENCE; welches eigentlich ’nur‘ die obligatorische Ballade des Albums markiert, aber eine verdammt gute ist und mit einem sagenhaften Spannungsbogen daherkommt. Auch SCARRED FOREVER klingt trotz seines etwas modernen Anstrichs gut, und überzeugt mit seinem vordergründig-schroffen Riffing als eine der härteren Nummern des Albums. IRON SOUL, TRAIL OF TEARS und BORN TO BE bewegen sich dann irgendwo dazwischen und sorgen für alles, nur keine Klarheit. Schlussendlich bleibt nur zu sagen: wer erwartet, dass SHAMAN hier ihre Erfolgsgeschichte des sagenhaften RITUAL fortsetzen, wird bitter enttäuscht werden. Wer dagegen offen für Veränderungen ist und nicht immer die volle Ladung Power Metal braucht, der könnte durchaus Gefallen am abwechslungsreichen, aber eben auch etwas unentschlossenen Sound des Albums finden.

Absolute Anspieltipps: TURN AWAY, INNOCENCE, SCARRED FOREVER


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„Nicht schlecht – aber kein Vergleich mit dem Vorgänger und schlicht eines der merkwürdigeren Genre-Alben.“

Metal-CD-Review: DERDIAN – New Era Part I (2005)

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Alben-Titel: New Era (Part One)
Künstler / Band: Derdian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 09. März 2005
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steelheart Records

Alben-Lineup:

Salvatore Giordano – Drums
Enrico Pistolese – Guitars (rhythm)
Dario Radaelli – Guitars (lead)
Marco Garau – Keyboards
Joe – Vocals
Fulvio Manganini – Bass

Track-Liste:

1. Incipit (01:01)
2. Beyond the Gate (05:38)
3. Eternal Light (05:12)
4. Nocturnal Fires (06:54)
5. Anuby’s Call (05:10)
6. Incitement (06:19)
7. Screams of Agony (05:11)
8. Where I Can Fly (05:29)
9. Crystal Lake (05:25)
10. Entering the Cage (01:04)
11. Cage of Light (08:08)

Ein Album, das noch viel mehr sein könnte.

Wer oder was ist DERDIAN ? In der Tat handelt es sich hier um eine bereits 1998 gegründete Power Metal-Combo aus dem Herzen Italiens, die ihr Debütalbum erst im Jahre 2005 veröffentlichte – mit einem Artwork von Dario Radaelli, dass sicher auch gut als Gemälde taugen würde. Das gute Stück horcht auf den Namen NEW ERA PART I, beinhaltet 11 Titel – und ist so gesehen die Vollendung des bereits auf den beiden früheren Demos REVENGE und INCITEMENT begonnenen Konzepts. Ein Konzept, das durchaus eine kleine Besonderheit offenbart, denn nur auf den ersten Blick präsentieren DERDIAN einen eher gradlinigen Power Metal, der sich stilistisch nah an der Spielart von anderen und bereits etablierten italienischen Combos bewegt. Steigt man dann aber tiefer in die Welt von NEW ERA PART I ein, so muss man feststellen dass die Band doch über gewisse Alleinstellungsmerkmale verfügt. Von einer bloßen RHAPSODY-Kopie zu sprechen, trifft es also nicht ganz. Selbst andere, vielleicht schon eher treffende Vergleiche a’la LABYRINTH, KALEDON oder THY MAJESTIE gehen nicht wirklich auf – sie könnten bestenfalls als Anhaltspunkt dienen. Geht man richtig tief ins Detail, würde sich eigentlich nur eine ganz andere, nicht aus Italien stammende Combo als Vergleich anbieten: AETHRA.

Dass die auf NEW ERA PART I enthaltene Musik aber dennoch vergleichsweise simpel ist, und auch genauso unmittelbar funktioniert spielt nicht wirklich eine Rolle – man spürt, dass DERDIAN mit Herzblut bei der Sache sind und ihren Kompositionen mit einem hohen Wiedererkennungswert versehen. Einen, der ähnlich wie bei RHAPSODY oder THY MAJESTIE über einen enorm hymnischen Faktor verfügt – aber weniger aus symphonischen Bombast generiert wird und so vergleichsweise bodenständig wirkt. Ein mitunter gravierendes Problem offenbart NEW ERA PART I dennoch: es ist schlicht ein verhältnismäßig schlecht produziertes und präsentiertes Album, dass eher den Charme einer Demo-Produktion denn den eines stimmigen Mammutwerkes entfaltet. Hier handelt es sich um ein Problem, welches nicht selten vorkommt – erst Recht, wenn die entsprechenden Bands noch nicht etabliert sind. In wie weit derlei Aspekte also in die Wertung einfließen, ist schwierig zu bestimmen. Fakt ist aber, dass es sich auf den Gesamteindruck auswirkt.

Schließlich verhindert der einstweilen verwaschene und schlecht abgemischte Eindruck, dass NEW ERA PART I seine volle Wirkungskraft entfalten kann. So bleibt ein nicht unerheblicher Teil der Fantasie des Hörers überlassen, der in eben dieser die grundsätzlich absolut stimmigen Nummern wie BEYOND THE GATE oder ETERNAL LIGHT akustisch perfektioniert. Dass das so gut funktioniert, liegt sicher auch daran dass NEW ERA PART I ansonsten sehr gut abschneidet – vom Songwriting über die teils markanten Gitarreneffekte bis hin zur treffenden Leistung des Leadsängers stimmt hier alles. Gerade die Gitarren sollten noch einmal gesondert erwähnt werden – denn gerade hier versteckt sich eines der wohl auffälligsten Alleinstellungsmerkmale der Band; die sich folglich etwas verspielter und experimentierfreudiger gibt als viele Kollegen. Auch Abwechslung ist gegeben:mal geben sich DERDIAN absolut hymnisch und klassisch (NOCTURNAL FIRES, INCITEMENT), mal düster und leicht progressiv (ANUBYS CALL), mal balladesk (WHERE I CAN FLY) – wobei der Eindruck stets zufriedenstellend ausfällt.

Fest steht: DERDIAN scheinen vor Potential fast zu bersten. Wenn es gut läuft, sollten die Italiener also eine große Zukunft vor sich haben. Mit einer zünftigen Produktion wäre NEW ERA PART I ein Meilenstein geworden – so reicht es noch für eine eingeschränkte Empfehlung für alle, die über etwaige Produktions-relevante, klangliche Defizite hinwegsehen können. Das Angebot ist jedenfalls da.

Absolute Anspieltipps: ETERNAL LIGHT, NOCTURNAL FIRES, ANUBYS CALL, INCITEMENT


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„Die Produktion ist stark verbesserungswürdig – das Album im Kern aber überaus gelungen.“

Filmkritik: „Durch Den Tod Versöhnt / End Of The Spear“ (2005)

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Originaltitel: End Of The Spear
Regie: Jim Hanon
Mit: Louie Leonardo, Chad Allen, Chase Ellison u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 108 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama
Tags: Eingeborene | Ureinwohner | Urwald | Missionierung | Kontakt

Zwischen Bäumen, Speeren und Bibeln.

Kurzinhalt: Im Jahre 1956 versucht der christliche Missionar Steve Saint (Chad Allen) in einem vom dichten Bewuchs umgebenen Dschungel-Dorf einem einheimischen Stamm die christliche Nächstenliebe näherzubringen – den sogenannten Huaorani. Dabei scheint es ihm weniger wichtig, die Glaubensgemeinschaft der Christen zu vergrößern – er möchte den Stamm lediglich davor bewahren, sich selbst respektive im Kampf mit verfeindeten Nachbarstämmen auszulöschen. Mit dabei sind einige Freunde, sowie auch seine Familie – wobei er einen besonders guten Draht zu seinem 8-jährigen Sohn Steve (Chase Ellision) hat – und ihm auf dieser Mission eine ganz andere Lebensweise als die ihm bisher bekannte aufzeigen möchte. Eines Tages kommt es aber zu einem Zwischenfall: Nate wird trotz seiner Friedfertigkeit und seiner Bemühungen dem Stamm zu helfen ermordet, wie auch einige seiner engsten Freunde. Der zunächst fassungslose Steve hat allen Grund zu Trauern – und dennoch spürt er schon früh das Verlangen, die außergewöhnliche Arbeit seines Vaters fortzusetzen; nicht zuletzt da er sein Leben gab für das, an was er glaubte.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! DURCH DEN TOD VERSÖHNT; oder im Original END OF THE SPEAR ist ein Drama von Jim Hanon, der sich für seinen zweifelsohne besonderen Film auf eine gleichnamige Buchvorlage gestützt hat. Die wiederum stammt von Steve Saint – also jener tatsächlich existierenden Person, mit deren Charakterisierung sich der Film befasst. Größtenteils geht es dabei um das Jahr 1956, in dem die sogenannte Operation Auca stattgefunden hat. Der Film wird aus einer Rückblende des nunmehr gealterten, damals 8-jährigen Steve Saint erzählt – und legt seinen Fokus dabei explizit auf das außergewöhnliche Aufeinandertreffen zweier Kulturen. Dabei fällt vor allem eines schnell und positiv auf: Regisseur Jim Hanon hat es trotz einiger eigentlich für sich sprechender Szenen vermieden, vorschnell Partei für die eine oder die andere Seite zu ergreifen. Wohl auch, da es so gut wie unmöglich erscheint, in Anbetracht des für den gewöhnlichen Zuschauer zutiefst exotischen Szenarios standardisierte Attribuierungen vorzunehmen. Nein, END OF THE SPEAR wird weitestgehend neutral erzählt – und kann daher weder als Rechtfertigung für das Vorgehen der Christen in Bezug auf etwaige Missionarstätigkeiten, noch als Werbefilm für traditionelle Lebensarten verstanden werden.

Schließlich geht es abseits von den mannigfaltigen (und im Film lediglich angeschnittenen) politischen, religiösen und moralischen Hintergründen ohnehin eher um die Menschen, die an der Operation beteiligt waren – und das auf beiden Seiten. Neben dem glaubhaft und nachvollziehbar dargestellten Engagement der Missionare erhält man so auch einen überraschend authentisch wirkenden Eindruck in die Lebensweise eines Indianerstammes – mit allen dazugehörigen fremden Elementen, aber sicherlich auch Grausamkeiten. Eingebettet wird die Geschichte in simple; gleichzeitig aber auch malerische und geradezu poetische Bilder – beispielsweise wenn die markante gelbe Propellermaschine über den satt-grünen Dschungelwäldern und tiefblauen Flüssen ihre Erkundungs-Runden dreht. Gerade diese Szenen werden einem auch ohne die inhaltlichen Bezüge im Gedächtnis bleiben – auch, da die musikalische Untermalung stets passig erscheint und mit ihrer Mixtur als eher klassischen und sphärisch-verträumten Elementen eine intensive Atmosphäre etabliert. Jim Hanon ist so vor allem eines gelungen: keine seine veranschlagten Szenen wirkt aus dem Kontext gerissen oder gar lieblos inszeniert. Vielmehr entsteht ein höchst atmosphärisches Gesamtbild, welches den Zuschauer selbst in den Momenten in denen die Handlung in den Hintergrund rückt intensiv zu fesseln vermag.

Fazit: Die Botschaft, die man sich als Zuschauer aus END OF THE SPEAR mitnimmt; wird zweifelsohne eine jeweils andere sein. Aber genau darin liegt auch eine der klaren Stärken des Films – der mit seiner ungewöhnlichen und wahren Geschichte, den wuchtigen Bildern, dem stimmigen Soundtrack und nicht zuletzt dem grandiosen Schauspiel zu überzeugen weiß. Vor allem der junge Nachwuchs-Darsteller Chase Ellison liefert hier schlicht überragend ab – was den Film in seiner Endwertung noch einmal ausdrücklich positiv beeinflusst. Dafür, dass er gerade einmal 10 Millionen US-Dollar gekostet hat und man sicher nicht direkt an ihn denkt, wenn es um die vielleicht besten Filme aus dem Jahr 2005 geht – schneidet er schlicht überraschend gut ab und kann problemlos als Geheimtipp bezeichnet werden. Ob nun aus Sicht einer bestimmten Interessengruppe wie den beiden hauptsächlich im Film behandelten; oder aber auch – und das ist das schöne – ganz unvoreingenommen.

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„Ein außergewöhnlicher Film über eine außergewöhnliche Begebenheit.“

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Metal-CD-Review: KAMELOT – The Black Halo (2005)

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Alben-Titel: The Black Halo
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. März 2005
Land: USA
Stil / Genre: Prog Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Khan – Vocals
Thomas Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
Casey Grillo – Drums

Track-Liste:

1. March of Mephisto (05:28)
2. When the Lights Are Down (03:41)
3. The Haunting (Somewhere in Time) (05:40)
4. Soul Society (04:17)
5. Interlude I: Dei Gratia (00:57)
6. Abandoned (04:07)
7. This Pain (03:59)
8. Moonlight (05:10)
9. Interlude II: Un assassinio molto silenzioso (00:40)
10. The Black Halo (03:43)
11. Nothing Ever Dies (04:45)
12. Memento Mori (08:54)
13. Interlude III: Midnight – Twelve Tolls for a New Day (01:21)
14. Serenade (04:33)

Wenn ein kleiner Stilbruch großes verändert.

Nachdem die US-Amerikanischen Progressive Power Metaller von KAMELOT mit ihrem Alben-Trio aus THE FOURTH LEGACY (Review), KARMA (Review) und EPICA (Review) drei mehr als bemerkenswerte Genre-Beiträge abgeliefert hatten, sollte es 2005 an der Zeit sein für das siebte Studioalbum THE BLACK HALO. Sicher war es nicht ganz leicht, mit eben diesem an das bereits erreichte anzuknüpfen – im besten Falle sinnig, und dass auch noch ohne sich bloß zu wiederholen. Hierbei handelt es sich um eine Feststellung, die wohl auch KAMELOT machten und sich folglich für einige mehr oder weniger dezente Veränderungen entschieden. Veränderungen; die bereits an der bloßen Oberfläche – das heißt beispielsweise dem deutlich different gehaltenen Artwork ohne den einst lieb gewonnenen Farbton Lila – festzumachen sind, sich aber natürlich auch bis in den eigentlichen musikalischen Bereich ausweiten. Dabei fällt eines ganz besonders schnell auf: KAMELOT entfernten sich mit THE BLACK HALO schon deutlicher von ihrem ehemaligen Konzept, markant-poetische und auch mal explizit beschwingte Stimmungen in abwechslungsreichen und stilistisch ausgefeilten Kompositionen zu verbauen. Vor allem der Alben-Auftakt mit den gradlinigen Titeln MARCH OF MEPHISTO (inklusive einiger nicht wirklich guter Hintergrundgesänge) und WHEN THE LIGHTS ARE DOWN (inklusive einer ungewohnt elektronischen Komponente) klingt so anders als alles, was man bisher von KAMELOT gewöhnt war. Zwar setzten KAMELOT auch hier noch auf typische Markenzeichen wie eine eher düstere Stimmung und den Einsatz von ganz bestimmten Elementen und Untertönen – doch fallen gerade die nicht mehr so stimmig aus wie dereinst.

Relativ gleichförmige und Highlight-arme Titel wie THE HAUNTING, THIS PAIN oder MOONLIGHT stellen dann noch einmal klar, dass die hier eher ernüchternde Wirkung nicht aus den Leistungen der einzelnen Mitglieder resultiert (was sicher noch unverständlicher wäre) – sondern vielmehr aus einem erstmals verdächtig langatmigen Songwriting und dem Ausbleiben eines jeglichen Aha-Effekts. Dementsprechend machen auch die drei vorgesehenen Interludien nicht viel Sinn, die in Bezug auf den Vorgänger EPICA noch als echter Zugewinn bezeichnet werden konnten. Stichwort EPICA: wo vom zuvor noch davon absehen sollte, sich einzelne Titel herauszupicken und das Album eher als Ganzes auf sich wirken lassen konnte; ist bei THE BLACK HALO das absolute Gegenteil der Fall. Das Album ist schlicht zu unspektakulär und gleichförmig, als dass man es in einem Zug genießen könnte – und letztendlich auch zu wenig emotional. So bleibt es bei einer handvoll gelungener Nummern, die es sich herauszupicken gilt – wie das symphonisch angehauchte SOUL SOCIETY, der Titeltrack THE BLACK HALO oder auch NOTHING EVER DIES. Analog zu den noch immer hervorragenden handwerklichen Leistungen vor allem in Bezug auf den Leadgesang (und die einstweilen zu Rate gezogene weibliche Unterstützung) sowie die schmackige Produktion kann so schlimmeres verhindert werden. Doch im Vergleich zu THE FOURTH LEGACY, KARMA oder EPICA muss THE BLACK HALO deutlich hintenan stehen.

Absolute Anspieltipps: SOUL SOCIETY, THE BLACK HALO, NOTHING EVER DIES

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„Alles, was EPICA und dessen Vorgänger ausmachte; sucht man in Bezug auf THE BLACK HALO vergebens.“

Metal-CD-Review: AETHRA – Intoxicating Evolution (Demo, 2005)

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Alben-Titel: Intoxicating Evolution (Demo)
Künstler / Band: Aethra (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2005
Land: Mexiko
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Tex – Guitars
René Almaguer – Keyboards
Walo – Vocals
Alan Gómez – Bass
Lanke – Drums, Percussion

Track-Liste:

1. Drop in the Sky (06:11)
2. Far Beyond the Distant Skies (05:33)
3. Make Me Believe (04:10)
4. Wishmaker (04:15)
5. The Right Way to Home (05:33)
6. In the Eye of the Storm (05:06)
7. When the Sunset Falls (05:50)

Eine unverhoffte Power Metal-Sternstunde aus Mexiko.

Vielleicht hätte alles etwas anders kommen können oder sollen. Rückwirkend lässt sich indes nichts daran ändern, dass die aus Mexiko stammenden Power Metaller von AETHRA im Jahre 2005 leider kein Studioalbum verwirklichen konnten – sondern lediglich eine weitere Demo. Das war nach der 2003’er Überraschung in Form von TALES FROM DISTANT SKIES AND FAR BEYOND (Review) nicht unbedingt zu erwarten, zumal das dort dargebotene Material durchaus erstklassig war und wenn überhaupt nur in Bezug auf die typische Demo-Produktion hintenan stand. Lauscht man nun der zweiten Demo INTOXICATING EVOLUTION, so wird nur noch mehr klar dass AETHRA ein massives Potential an den Tag legten – und es beileibe schade ist, dass sie damals nicht unter Vertrag genommen wurden und die 7 hier präsentierten Titel nicht noch wirksamer haben präsentierten können. Schließlich ist auch die zweite Demo nicht vor einem dezent ungeschliffenen und schroffen Soundeindruck gefeit – der aber nichts daran ändert, dass AETHRA hier das ein oder anderen Melodic Power Metal-Feuerwerk abfackeln. Der vielleicht stärkste Titel der Demo kommt dabei nicht wie zuvor am Ende der Tracklist (man erinnere sich an das starke WINSLOW), sondern bereits an zweiter Stelle: FAR BEYOND THE DISTANT SKIES hat alles, was eine überragende Genre-Hymne braucht und macht schlicht einen Heidenspaß.

Die anderen Titel, der gerne auch mal etwas getragener daherkommen immer wieder balladeske Elemente vorsehen; zeugen dann hauptsächlich von einer vergleichsweise bemerkenswerten und allemal ernst gemeinten Emotionalität. Gerade das ist keine Selbstverständlichkeit im Genre des Power Metal, in dem des Öfteren mit zusammenhanglosem Kitsch um sich geworfen wird. Auch wenn sich AETHRA mit Titeln wie THE RIGHT WAY TO HOME nah an diesbezüglich kritischen Grenzen bewegen, nimmt man ihnen schlicht zu jedem Zeitpunkt ab was sie da von sich geben – was auch am Leadsänger Walo liegt, dem man einfach anhört dass er einiges an Herzblut in dieses Projekt investiert haben muss. Es bleibt somit fraglich, warum die Band im Laufe der vielen Jahre nicht doch noch richtig durchstartete und erst 2011 mit TIME AND ETERNITY (Review) ein sehr solides und rund produziertes, dieser Demo aber theoretisch unterlegenes Debütalbum ablieferten. Diese 2005’er Demo sollte jedenfalls einen ganz besonderen Platz in jeder gut sortierten Genre-Sammlung erhalten.

Absolute Anspieltipps: DROP IN THE SKY, FAR BEYOND THE DISTANT SKIES, WISHMAKER


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„Vielleicht ist sie nicht perfekt, aber: eine stärkere und aussagekräftigere Demo einer Power Metal-Band wird man kaum finden.“