Metal-CD-Review: DOMINE – Emperor Of The Black Runes (2004)

Alben-Titel: Emperor Of The Black Runes
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Februar 2004
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Stefano Bonini – Drums
Riccardo Iacono – Keyboards
Enrico Paoli – Guitars, Vocals (choirs)
Morby – Vocals

Track-Liste:

1. Overture Mortale (Intro) (01:09)
2. Battle Gods (of the Universe) (04:58)
3. Arioch, the Chaos Star (05:06)
4. The Aquilonia Suite – Part I (11:01)
5. The Prince in the Scarlet Robe (The Three Who Are One – Part I) (06:53)
6. Icarus Ascending (06:29)
7. The Song of the Swords (05:41)
8. The Sun of the New Season (An Homecoming Song) (08:41)
9. True Believer (05:58)
10. The Forest of Light (03:28)

Ein Feldzug der allemal überzeugenden Sorte.

Nein, wirklich hübsch waren die Cover zu den DOMINE-Alben noch nie. Dass das vorliegende, 2004 erschienene vierte Studioalbum EMPEROR OF THE BLACK RUNES den diesbezüglichen Vogel sogar noch einmal abschießt; muss indes nicht viel bedeuten. Immerhin hatten sich die Italiener mit ihren vorherigen Alben alles andere als die Blöße gegeben – und sich zu einer starken Power Metal-Combo entwickelt, mit der man um die Jahrtausendwende herum einfach rechnen musste. Alben wie DRAGONLORD (siehe Review) und STORMBRINGER RULER (Review) sollten jedenfalls in keiner gut sortierten Genre-Sammlung fehlen – so klischeehaft und vorhersehbar die dahinterstehenden Konzepte auch erscheinen mögen. Dabei zeigte sich gerade im Falle einer Band wie DOMINE, dass es sich durchaus lohnt einmal genauer hinzuschauen – und entsprechende Äußerlichkeiten (wie etwa auch die zutiefst gewöhnungsbedürftigen Artworks) einfach mal gekonnt zu ignorieren. Entsprechend wenig überraschend war und ist in jedem Fall, dass auch EMPEROR OF THE BLACK RUNES keinen nennenswerten Keil in die grundsätzlich hervorragende Diskografie der Italiener getrieben hatte – und mit seinem überschwänglichen Konzept sowie der für DOMINE typischen Gangart irgendwo zwischen einer ordentlichen Portion Pomp und einer noch größeren Portion Kraft alle Fans der Combo zufriedenstellen sollte. Und sicher auch generelle Freunde eines zünftigen italienischen Power Metals, der mit frühen Bands wie DRAKKAR ganz ähnliche und durchaus mit DOMINE vergleichbare Genre-Combos anzubieten hatte.

Allerdings, und diesen Vorwurf muss man EMPEROR OF THE BLACK RUNES unter Umständen machen: ganz so frisch, feurig und gnadenlos stampfend wie seine Vorgänger ist das Album dann doch nicht ausgefallen, was man schon mit dem dezent überzeichneten Intro OVERTURE MORTALE sowie dem Opener BATTLE GODS feststellen wird.  Zwar hatten sich DOMINE diese Messlatte durch allerlei denkwürdige Auftakte (wie zuletzt etwa mit dem furiosen THE HURRICANE MASTER) quasi selbst auferlegt – doch ein wenig mehr wäre sicher auch hier drin gewesen. Zumal die symphonischen Ausstaffierungen in BATTLE GODS nicht unbedingt das gelbe vom Ei sind, was auch für die hier ausnahmsweise mal eher plump wirkenden Chöre gilt – und DOMINE ihre Stärken weiterhin in der lebhaften Auslegung des Zusammenspiels aus wunderbar frickelnden Gitarren, einem antreibenden Schlagzeug und der unverkennbaren Leadstimme von Morby hatten. Der Bass wird in diesem Zusammenhang nicht explizit erwähnt, was man EMPEROR OF THE BLACK RUNES ebenfalls anlasten könnte – hier wurde einiges zugunsten eines noch, man nenne es voluminöseren Sounds links liegen gelassen.

Und das ist vermutlich auch das größte Problem des Albums: es klingt stellenweise einfach etwas zu aufgeblasen, und Nummern wie ICARUS ASCENDING oder THE SONG OF THE SWORDS kommen schlicht mit zu vielen ungünstigen bis dezent nervigen Elementen daher. Zwar ist es angenehm zu hören, dass DOMINE mit Maßnahmen wie diesen eine dezente Weiterentwicklung ihres Sounds angestrebt hatten – doch wenn dafür die ursprünglich so einzigartige, schlicht unwiderstehlich packende und mitreißende Gesamtwirkung des Liedguts auf der Strecke bleibt; ist klar wofür man sich eher entscheiden würde. Geht man noch weiter ins Detail und vergleicht etwa die Gesangsdarbietung von Morby mit den vorherigen, wären theoretisch auch hier einige Abstriche zu machen (was sicher auch für einen explizit balladesken Einschub wie THE FOREST OF LIGHT gilt), doch davon soll an dieser Stelle abgesehen werden. Und das auch, da EMPEROR OF THE BLACK RUNES trotz allem ein gutes bis sehr gutes Power Metal-Album geworden ist. Eines, dass den Vergleich mit den Werken anderer Genre-Combos keineswegs scheuen muss – und mit Titeln wie THE AQUILONIA SUITE oder TRUE BELIEVER noch immer einige waschechte Kracher im Gepäck hat. Lediglich im Vergleich mit den vorherigen drei Alben muss es dezent hintenan stehen – trotz der wahrlich sagenhaften Ideen-Konstrukte und der neuerlichen weiblichen Gesangsunterstützung in zumindest zwei Titeln.

Absolute Anspieltipps: BATTLE GODS, THE AQUILONIA SUITE, TRUE BELIEVER


„Kommt nicht ganz an die Vorgänger heran – viel falsch machen kann man aber auch hier nicht.“

Metal-CD-Review: ULTIMATIUM – New Dawn (2004)

Alben-Titel: New Dawn
Künstler / Band: Ultimatium (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 08. September 2004
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Mastervox

Alben-Lineup:

JT Partanen – Vocals
Harri Niskanen – Drums, Guitars
Matti Pulkkinen – Keyboards
Tuomo Juntunen – Bass
Tero Maijala – Drums

Track-Liste:

1. Follow Me (03:33)
2. New Dawn (04:19)
3. Cut Deep Eternally (04:49)
4. Dysfunctional (02:36)
5. In Winter Nights (04:22)
6. In My Dreams (04:06)
7. Rain & Storm (04:49)
8. Through Winterland (04:39)
9. Fly High, Rise to the Sky (09:29)

Wer wird denn gleich ein ULTIMATUM stellen ?

In der Zeit um die Jahrtausendwende, in der der europäische Power Metal zweifelsohne eine weitere bemerkenswerte Blütezeit erlebte; erblickten viele neue Genre-Combos das Licht der Welt. Auch die 2001 gegründeten und bald darauf mit ihren ersten Demos im Gepäck die Szene unsicher machenden Finnland von ULTIMATIUM bilden so gesehen keine Ausnahme – auch wenn es bis zum vorliegenden Debütalbum NEW DAWN noch etwas gedauert hatte. 2004 war es dann aber endlich soweit: ULTIMATIUM konnten die bisher gesammelten Erfahrungen kumulieren, sich einige ihrer früheren Titel erneut vorknöpfen – und das insgesamt 9 Titel starke NEW DAWN über das Label MAstervox veröffentlichen. Dennoch, und trotz der offensichtlichen Ambitionen wurden ULTIMATIUM eigentlich erst mit ihrem späteren Zweitwerk HWAINOO bekannt und stellenweise auch berüchtigt – wofür unter Umständen auch das zu den Zeiten von NEW DAWN noch etwas anders aussehende Lineup der Finnen mitverantwortlich war.

Schließlich gab sich seinerzeit noch nicht der vergleichsweise furios agierende und durch seine Mitarbeit bei Bands wie etwa DREAMTALE bekannte Sänger Tomi Viiltola die Ehre, die typischen Euro-Power-Kompositionen der Marke ULTIMATIUM zu veredeln – sondern sein eher unvorbelasteter respektive unbekannter Vorgänger JT Partanen. Das Problem: betrachtet man ein Album wie NEW DAWN, kommt man an der Darbietung eben jenes ehemaligen ULTIMATIUM-Frontmanns kaum vorbei. Selbige ist dabei allerdings alles andere als herausragend, ja wenn nicht gar als relative Herausforderung an den Hörer zu bezeichnen – was unter Umständen auch die bald nach der Veröffentlichung des Albums vollzogene Trennung erklärt. So sind es vornehmlich die recht STRATOVARIUS-affinen instrumentalen Strukturen inklusive des gerne mal anberaumten und die Melodien unterstützenden Keyboards, die hier für ein Aufhorchen sorgen – und nicht der eher limitierte und schnell eintönig wirkende Leadgesang. Immerhin: auch die Abmischungs- und Produktionsqualität des Albums kann überzeugen, zumal sie sich als recht differenziert und erweist und so auch einem gerne mal vernachlässigten Instrument wie dem Bass die nötige Aufmerksamkeit zukommen lässt.

Eine gewisse Vorliebe für einen alles andere als unvorhersehbaren und dabei auch mal explizit kitschig wirkenden Power Metal inklusive einiger typischer balladesker Momente (IN MY DREAMS oder CUT DEEP ETERNALLY, wobei der Leadgesang hier zusätzlich ungünstig ausfällt) sowie allerlei recht süßlich anmutende Melodien und Keyboard-Ausstaffierungen sollte man aber durchaus mitbringen, will man in den Genuss eines Albums wie NEW DAWN kommen – dass mit Nummern wie dem stampfenden Opener FOLLOW ME, dem trotz des überschwänglichen Keyboards recht kraftvoll daherkommenden IN WINTER NIGHTS, dem überraschend atmosphärischen THROUGH WINTERLAND oder dem überlangen Rausschmeißer FLY HIGH RISE TO THE SKY immerhin einige potentielle Highlights serviert. Bis auf die im allgemeinen recht ansehnliche Gitarren-Arbeit gibt es davon abgesehen aber auch tatsächlich nicht viel mehr zu holen: die Balladen des Albums sind gelinde gesagt kaum zu ertragen (und das in mehrerlei Hinsicht), das instrumentale Zwischenspiel DYSFUNCTIONAL ist nicht mehr als nett – und die Schwächen oder auch relativen Strapazen in Bezug auf den Leadgesang sowie die Nutzung des Keyboards einfach zu frappierend. Kurzum: an der Band interessierte sollten vielleicht lieber gleich zum wesentlich besseren und auch spannenderen Nachfolger HWAINOO greifen.

Absolute Anspieltipps: FOLLOW ME, IN WINTER NIGHTS, THROUGH WINTERLAND, FLY HIGH RISE TO THE SKY


„Ein interessantes, aber eben auch in vielerlei Hinsicht extrem ausbaufähiges Debütalbum.“

Metal-CD-Review: TOCCATA MAGNA – Incognite Soul (2004)

Alben-Titel: Incognite Soul
Künstler / Band: Toccata Magna (mehr)
Veröffentlichungsdatum: März 2004
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Megahard Records

Alben-Lineup:

Juliano Ângelo – Bass
Ricardo Giordano – Drums
Everton Acosta – Guitars
David Amato – Guitars
Antônio Moraes – Vocals

Track-Liste:

1. Acqua Vitae / Tierra Mystica (Intro) (03:35)
2. Incognite Soul (06:12)
3. Forbidden Tears (04:52)
4. Siren Song (07:13)
5. Ashes of a Heaven (06:54)
6. Children of the Sun (06:02)
7. Golden Wings (Quriwayra) (06:03)
8. Transcending to the Light (05:09)
9. Inner Oblations (07:00)

TOCCATA und Fuge.

Auf der Suche nach etwaigen möglichst hochkarätigen oder zumindest ein gewisses Interesse weckenden Ein-Album-Wundern aus dem Genre des Power Metal kommt man kaum an den Brasilianern von TOCCATA MAGNA vorbei. Immerhin war die 2001 in Porto Alegre gegründete Combo eine der wenigen, die vergleichsweise explizit auf den Einfluss von indigenen Soundelementen setzte – mehr noch als die seinerzeit noch als UIRAPURU aktiven Kollegen von AQUARIA. Eben davon konnte man sich sowohl auf der 2002 erschienenen Demo FORBIDDEN TEARS FROM AN INCOGNITE SOUL sowie dem Titel-technisch etwas entschlackten 2004’er Debütalbum INCOGNITE SOUL überzeugen – wobei es TOCCATA MAGNA durchaus verstanden, die beiden anberaumten musikalischen Welten sinnig miteinander zu verknüpfen. Anders gesagt: die Brasilianer hatten es relativ problemlos geschafft, ihre traditionellen und für unsere Ohren durchaus exotischen Klänge in einen überraschenden Einklang mit den knackigen Power Metal-Elementen einer eigentlich typisch europäischen Spielart zu bringen.

Eben das führt in diesem Fall auch zu einer vergleichsweise dichten, einzigartigen Atmosphäre – die man bis dato eigentlich nirgendwo anders auf einem Power Metal-Album hätte entdecken können. Ein Problem gibt es dann aber doch, denn: sowohl das Spiel der noch am ehesten dem Metal zuzuordnen Instrumente sowie die recht typische und nicht gänzlich vor Schwächen gefeite Gesangsdarbietung von Antônio Moraes gehören zweifelsohne nicht zum besten, was das Genre jemals hervorgebracht hat. Die ebenfalls im Zeitraum um den Release von INCOGNITE SOUL herum aktiv gewordenen Musiker von AETHRA beispielsweise hatten in diesem Sinne sogar noch etwas mehr in Petto – vielleicht, und wenn man so will. Die ebenfalls nicht gänzlich rund erscheinende Produktion und einige nicht optimale Elemente in der Abmischung können den Hörgenuss ebenfalls dezent trüben – was schade ist, eignet sich ein Album wie INCOGNITE SOUL doch am ehesten dazu, als im besten Fall stimmiges Ganzes wahrgenommen werden.

Demnach bleibt es leider auch nicht aus, dass man nicht immer über die an den Tag gelegten Schwächen insbesondere in Bezug auf den Auftakt des Albums und die recht deckungsgleichen Instrumentalstrukturen (seitens der Drums, der Gitarren und des so gut wie gar nicht hörbaren Bass) hinwegsehen kann. Wagt man es aber dennoch, und versucht sich von der sich gewissermaßen einzigartigen Atmosphäre des Albums gefangennehmen zu lassen; erwartet einen doch noch eine Power Metal-Stunde der angenehm besonderen Art – gerade natürlich mit dem balladesken CHILDREN OF THE SUN sowie dem in jeder Hinsicht markanten GOLDEN WINDS als vermutliche Highlights des Albums.

Absolute Anspieltipps: FORBIDDEN TEARS, CHILDREN OF THE SUN, GOLDEN WINDS


„Eine klare Empfehlung, aber: mit ein wenig mehr Feinschliff wäre noch viel mehr dringewesen.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – New World Messiah (2004)

Alben-Titel: New World Messiah
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. März 2004
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Nils Norberg – Guitars
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. New World Messiah (04:08)
2. Against the World (04:19)
3. Avalon (04:20)
4. Awakening (05:28)
5. Egyptica (05:53)
6. Break Away (04:34)
7. End of Days (04:47)
8. The Flame Will Never Die (04:21)
9. One Nation (04:30)
10. Nightmare (04:37)

Siehe, ich verkünde euch eine neue Welt.

Nein, viel falsch machen konnten die NOCTUNRAL RITES wahrlich nicht. Zumindest nicht zum Auftakt des neuen Jahrtausends, und mit ihren bis dato veröffentlichten hervorragenden Alben im Gepäck – von denen sowohl die aus der früheren Ära mit Anders Zackrisson, als auch die mit dem später für ihn eingesprungen neuen Leadsänger Jonny Lindqvist einen zumeist tadellosen Eindruck hinterlassen konnten. Nach den beiden vergleichsweise schweren; man will nicht sagen düsteren Vorgängern AFTERLIFE (siehe Review) und SHADOWLAND (Review) aber wollten die Schweden offenbar wieder ein etwas verspielteres Album an den Start bringen – das vorliegende NEW WORLD MESSIAH, das aus dem Jahre 2004 stammt und im besten Fall einen weiteren markanten Meilenstein innerhalb der hiesigen Diskografie markiert.

Tatsächlich muss man den NOCTURNAL RITES eines in jedem Fall zugute halten, neben ihrem Talent sich bis dato absolut keinen Ausfall geleistet zu haben versteht sich. Und das ist die Tatsache, dass sich Band scheinbar niemals Gefahr läuft sich bloß zu wiederholen. So wohnt einem jedem NOCTURNAL RITES-Album eine spezielle Atmosphäre inne, die es gewissermaßen unverwechselbar macht – wobei auch NEW WORLD MESSIAH keine Ausnahme bildet. Sicher, etwas gänzlich neues hatten die Schweden auch dieses Mal nicht erschaffen – doch dafür überzeugte die hier an den Tag gelegte, so noch nicht dagewesene Zusammenführung und Harmonie der verschiedenen Band-internen Spielarten. Anders gesagt: das Album offenbart eine angenehme Mixtur aus den griffigen Elementen des Vorgängers SHADOWLAND, sowie einigen etwas verspielteren Zügen – die genauso gut vom früheren THE SACRED TALISMAN hätten stammen können. Nicht zuletzt dank ihres ebenso klassischen wie hymnischen Anspruchs.

Ein oder zwei kleinere Mankos gibt es dann aber doch – wobei man mit beiden nicht unbedingt hätte rechnen können. So fällt insbesondere zum Auftakt des Albums auf, dass die NOCTURNAL RITES durch ihre hier abermals etwas aufgelockerte Spielart und des noch geradlinigeren Sounds einstweilen stark an andere Genre-Vertreter wie etwa HAMMERFALL erinnern. Natürlich nur in einer eher oberflächlichen Betrachtung, und ohne die noch immer vorhandenen; so gesehen typischen NOCTURNAL RITES-Merkmale außer acht zu lassen. Aber dennoch, für NEW WORLD MESSIAH schien sich die Band durchaus in die ein oder andere Richtung angepasst zu haben. Das zweite, eventuell noch schwerwiegendere Manko bezieht sich dann auf eine so erstmals auf NEW WORLD MESSIAH anberaumte Komponente – den Backgroundgesang, inklusive einiger damit verbundener Faktoren in der Abmischung und Produktion.

Besonders auffällig wird das spätestens bei einer stark Refrain-lastigen Nummer wie AVALON – die sich zwar als recht angenehme Hymne präsentiert, durch den hier aber fast schon aufdringlichen Sound der Backgroundvocals und -Chöre einen leicht zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Das ist schon ein wenig kurios, erst Recht wenn betrachtet dass ein beinahe jedes NOCTURNAL RITES-Album irgendeine kleinere; letztendlich absolut vermeidbare Schwäche offenbarte. Waren es zuvor etwa der nicht gänzlich optimale Sound der Drums, ist es dieses Mal schlicht alles was mit den Refrains und etwaigen überlagerten Gesängen korrespondiert – was bei einem eher hymnisch aufgemachten Album wie diesem natürlich nachteilig ins Gewicht fällt. Davon abgesehen stimmt aber, was der markant tönende Frontmann Jonny Lindqvist und seine Kollegen hier abliefern – vor allem in Bezug auf den wie immer schmackig-schroffen Gitarrensound und die insgesamt angenehm wuchtige Präsentation.

Wenn das Album also scheitert, dann auf einem recht hohen Niveau – und vornehmlich in Bezug auf die dieses Mal deutlich schwächeren i-Tüpfelchen in den Backgroundgesängen, Refrains und einzelnen merkwürdig kraftlos anmutenden Passagen in sonst guten Titeln wie END OF DAYS. Wen das nicht weiter stört, den erwartet noch immer ein äußerst anständiges Genre-Album – und ein weiteres Werk der hiesigen NOCTURNAL RITES-Diskografie, mit welchem man nicht allzu viele Fehler machen kann.

Absolute Anspieltipps: NEW WORLD MESSIAH, AVALON, NIGHTMARE, ANOTHER STORM


„Das erste NOCTURNAL RITES-Album bis 2004, das deutlichere Schwächen aufweist. Insgesamt betrachtet kann es aber noch immer überzeugen.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Hellfire Club (2004)

Alben-Titel: Hellfire Club
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. März 2004
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Mysteria (05:45)
2. The Piper Never Dies (10:07)
3. We Don’t Need a Hero (05:31)
4. Down to the Devil (05:28)
5. King of Fools (04:22)
6. Forever (05:41)
7. Under the Moon (05:05)
8. Lavatory Love Machine (04:26)
9. Rise of the Morning Glory (04:40)
10. Lucifer in Love (00:32)
11. Navigator (05:23)
12. The Spirit Will Remain (04:13)

Es gilt, den Bogen nicht zu überspannen.

Wenn man schon nicht das 2001 erschienene MANDRAKE (siehe Review) als Wendepunkt oder zumindest den Auftakt einer neuen Gangart innerhalb der Diskografie von EDGUY bezeichnen würde, dann doch das 2004 nachgeschobene siebte Studioalbum HELLFIRE CLUB – das erstmals wesentlich deutlicher aus dem damals für die Band neuen Repertoire eines komödiantischen Slapsticks schöpfte. Damit markiert das Album automatisch einen der markanteren Gründe, weshalb sich die hiesige Fangemeinde nicht immer einig war und ist – und vielleicht auch, weshalb Frontmann Tobias Sammet das Projekt AVANTASIA ins Leben rief. Schließlich konnte er hier ziemlich genau da weitermachen, wo er auf früheren EDGUY-Alben wie VAIN GLORY OPERA (Review) oder THEATER OF SALVATION (Review) aufgehört hatte – während seine Arbeit bei EDGUY eine immer wildere und spaßigere Angelegenheit wurde. Eine, die in Titeln wie LAVATORY LOVE MACHINE ihren vorläufigen Höhepunkt fand – und die Band von einer bis dato noch nicht bekannten Seite zeigte. Immerhin: ihre handwerklichen Fähigkeiten hatten EDGUY auch auf HELLFIRE CLUB nicht vernachlässigt.

Ob das allerdings ausreicht, um die einstweilen merkwürdige bis ganz und gar krude Atmosphäre des äußerst wechselhaften Albums zu retten, ist eine andere Frage. Tatsächlich erscheinen in diesem Zusammenhang nicht nur stellvertretende Nummern wie eben LAVATORY LOVE MACHINE als kurzweilige gute-Laune-Nummern gewöhnungsbedürftig – auch der Einzug einiger Elemente, die man am ehesten im Bereich des Rock oder gar Pop verorten würde; sowie eine relative beliebig wirkende Aneinanderreihung einiger höchst unterschiedlicher und nicht wirklich miteinander harmonierender Nummern erweist sich als dezent problematisch. Bis es soweit kommt, steht der Hörerschaft allerdings erst einmal ein überraschend solider Alben-Auftakt ins Haus: der knackige Opener MYSTERIA, das klassisch-minimalistische THE PIPER NEVER DIES, das flotte WE DONT NEED A HERO und eventuell auch noch das stampfende DOWN TO THE DEVIL machen eine gute bis ganz und gar hervorragende Figur. So gesehen wäre es also durchaus von Vorteil gewesen, hätte das Album nach eben jenen vier Nummern geendet – und ein Dasein als EP gefristet.

Doch dem ist bekanntlich nicht so – womit es kein großes Geheimnis ist, dass grundsätzlich keine der noch auf HELLFIRE CLUB folgenden Nummern mit dem früh auf dem Album etablierten Qualitätsstandard mithalten kann. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein: schon KING OF FOOLS erweist sich als relativer Langweiler ohne viel Biss, und das eigentlich recht annehmbare UNDER THE MOON kann dem Album ebenfalls nicht mehr viel neues hinzufügen. Richtig arg wird es aber erst mit RISE OF THE MORNING GLORY als Höhepunkt des nicht unbedingt niveauvollen komödiantischen Schwerpunkts des Albums, LUCIFER IN LOVE als nervigstem Interlude das je auf einem Genre-Album veröffentlicht wurde; sowie weiteren relativ nichtssagenden und vergleichsweise uninspirierten Titeln wie NAVIGATOR. Dass sich dann auch die auf dem Album enthaltenen Balladen FOREVER und THE SPIRIT WILL REMAIN als dezent problematisch herausstellen, mindestens aber ungünstiger wirken und klingen als die bis dato von EDGUY und AVANTASIA präsentierten; rundet die Sache ab.

Schlussendlich haben sich EDGUY mit ihrem HELLFIRE CLUB nicht den größten Gefallen getan. Und das, obwohl der enorm starke Alben-Auftakt und der hier und da anberaumte Spaßfaktor eigentlich für das Album sprechen sollten. Doch es gilt eben, den Bogen nicht zu überspannen – was bei HELLFIRE CLUB dann doch etwas zu oft vorkommt.

Absolute Anspieltipps: MYSTERIA, THE PIPER NEVER DIES, WE DONT NEED A HERO, DOWN TO THE DEVIL


„Weder Fisch noch Fleisch, leider.“

Metal-CD-Review: MORIFADE – Domination (2004)

Alben-Titel: Domination
Künstler / Band: Morifade (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 09. Februar 2004
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Karmageddon Media

Alben-Lineup:

Stefan Petersson – Vocals
Jesper Johansson – Guitars
Robin Arnell – Guitars
Henrik Weimedal – Bass
Fredrik „Frippe“ Eriksson – Keyboards
Kim Arnell – Drums

Track-Liste:

1. Parallels (04:58)
2. A Silent Revolution (06:30)
3. The Second Coming (04:22)
4. Words I Never Speak (04:48)
5. Clarity (Fragments of a Dream) (04:20)
6. Panopticon (04:50)
7. The Rising (04:19)
8. Erase (05:36)
9. Memory’s End (05:02)
10. Cast a Spell (04:21)
11. As Time Decides (05:04)
12. Tomorrow Knows (04:31)
13. Dance with the Devil (Phenomena cover) (04:34)
14. Judas (Helloween cover) (04:49)

Im besten Fall darf es jede Band einmal kosten – das Gefühl, wahrhaftig zu dominieren…

Ohne Zweifel: die frühen 2000er waren eine gute Zeit für die Schwedischen Power Metaller von MORIFADE. Nach ihrem ebenso überraschenden wie gelungenen 1999’er Debütalbum POSSESSION OF POWER (siehe Review), der gnadenlosen Gehemtipp-EP CAST A SPELL (Review) sowie dem hervorragenden zweiten Album IMAGINARIUM aus dem Jahre 2002 (Review) ließen sich die talentierten Musiker um Frontmann Stefan Petersson abermals nicht viel Zeit – und veröffentlichten ohne großartig zu zögern ihr drittes Studioalbum DOMINATION. Ein Album, das mindestens zwei Besonderheiten mitbringt. Zum einen beinhaltet es die vorangegangene EP CAST A SPELL, und das direkt im Anschluss an die regulären 9 Albentitel – was sich verständlicherweise nicht auf die Wertung auswirkt, aber allemal als nette Dreingabe zu verstehen ist. Insbesondere natürlich für alle, die die EP noch nicht ihr eigen nennen oder nennen wollen – vielleicht ja auch, da sie sich eher auf vollwertige Studioalben konzentrieren. Zum anderen aber, und das ist vielleicht noch etwas interessanter; präsentiert es MORIFADE von einer bis dato unbekannten musikalischen Seite – und das, obwohl das Album nur zwei Jahre nach IMAGINARIUM erschien und mit dem exakt selben Lineup verwirklicht wurde.

Und doch ist DOMINATION nicht weniger als das bis dato komplexeste, vielschichtigste und so gesehen vielleicht auch sperrigste Album von MORIFADE geworden. Ein Album; das damit auch nicht mehr ganz so eingängig wirkt und klingt wie seine Vorgänger, einen deutlicheren Abstand sowohl zu den gerne mal etwas überbordenden Kompositionen als auch dem allgemeinen Fantasy-Kontext einnimmt – und das vermutlich auch einige Durchläufe brauchen wird, um wirklich zünden zu können. Mit verantwortlich dafür ist auch die zumindest in dieser expliziten Form bei MORIFADE erstmalig hoch gehaltene progressive Komponente, die bereits den Alben-Auftakt und speziell die etwas längeren Nummern wie A SILENT REVOLUTION schmückt. Gerade diese neuerliche Herangehensweise ist es dann auch, die den Hörer auffordert genauer hinzuhören – und ihn einlädt, die sich alles andere als wiederholenden 9 Titel für sich zu entdecken. Sicher legten MORFIADE ihre Vergangenheit und ihre auch mal etwas kitschig erscheinende Spielfreude dabei nicht vollständig ab, glücklicherweise – wofür schon der sich irgendwo zwischen IRON SAVIOR, HELLOWEEN und GAMMA RAY bewegende Opener PARALLELS Pate steht.

Und tatsächlich: so knackig, bissig und zielstrebig wie hier klangen MORIFADE noch nie. Selbst der sonst recht weich tönende Leadsänger Stefan Petersson erscheint so in einem völlig neuen Licht, erst recht natürlich wenn es hinüber in merklich düsterere Nummern wie THE SECOND COMING oder aber emotionale Auseinandersetzungen wie in WORDS I NEVER SPEAK geht. Auch die einzelnen Instrumente bekommen eine wesentlich größere Aufmerksamkeit als noch zuvor – und das gar nicht erst, da man den Einsatz des Keyboards markant zurückgefahren hätte. Vielmehr scheint es, als hätte sich die allgemeine Abmischungs- und Produktionsqualität von MORIFADE hier auf ein schier perfektes Level eingependelt – sodass es schlicht ein pures Vergnügen ist dem antreibenden Schlagzeug, den variablen Basslinien oder aber den energetischen Gitarren zu lauschen. Besonders interessant wird es, wenn sich alle Vorzüge wie im eigentlich eher ruhigen THE RISING vermengen – und man mit dem Leadgesang und den ausgefeilten Instrumentalstrecken gänzlich neue Sphären erreicht.

Zwei kleinere Mankos gibt es dann aber doch – und die liegen im Falle von DOMINATION recht nah beieinander. So haben es MORIFADE schlicht verpasst, ihren im Großen und Ganzen recht ausgefeilten und teilweise schlicht beeindruckenden Nummern auch mit zu ihnen passenden Refrains zu versehen. Selbige wirken des öfteren vergleicshweise unspektakulär, ja wenn nicht gar etwas lustlos dargeboten – was auch für die alles andere als kräftigen Chorgesänge gilt, die das eigentliche Potential des Albums ebenfalls dezent schmälern. Glücklicherweise aber wiegen diese potentiellen Nachteile hier nicht ganz sso schwer – sodass man insgesamt und zusammenfassend betrachtet noch immer von einem ebenso vielfältigen wie zutiefst unterhaltsamen Power Metal-Album ausgehen kann, welches man im Nachhinein nicht mehr missen möchte.

Absolute Anspieltipps: PARALLELS, CLARITY (FRAGMENTS OF A DREAM), THE RISING


„Eine erwachsenere und härtere Version von MORIFADE, die überraschend gut funktioniert.“

Metal-CD-Review: FORGOTTEN TALES – All The Sinners (2004)

Alben-Titel: All The Sinners
Künstler / Band: Forgotten Tales (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. September 2004
Land: Kanada
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Union Metal International

Alben-Lineup:

Pat Vir – Bass
Sonia Pineault – Vocals
Martin Desharnais – Guitars
Frédéric Desroches – Keyboards
Cédric Prévost – Drums

Track-Liste:

1. The Hideaway (Part I) (01:53)
2. Lady of the Forest (Part II) (05:00)
3. All the Sinners (Part III) (04:02)
4. Wind Oh Wind (Part IV) (06:09)
5. The Message (Part V) (04:44)
6. March for Freedom (Part VI) (04:25)
7. Three Wishes (08:47)
8. Fairytales (05:11)
9. My Soul (06:42)
10. Magic Fountain (04:28)

Wer Geschichten wie diese vergisst, ist selbst Schuld.

Gute vier Jahre nach dem ersten Überraschungserfolg der kanadischen Symphonic Power Metaller von FORGOTTEN TALES (siehe Review zu THE PROMISE, 2001) legen die Musiker um die gesangsstarke Frontfrau Sonia Pineault nach – und kredenzen der geneigten Hörerschaft das 11 Titel starke ALL THE SINNERS. Dabei hat selbiges eine ganz ähnliche Aufmachung wie der Vorgänger – und nimmt so gesehen auch alle Vorteile des bereits höchst interessanten Diskografie-Auftakts aus der hiesigen Metal-Schmiede mit. Zum einen wäre da die Tatsache, dass sich die Kanadier weiterhin als vergleichsweise bombastisch klingende Genre-Combo mit einem Hang zum theatralischen inszenieren – die Gefahr in allzu kitschige Bereiche abzudriften aber gekonnt umschiffen. Sicher; inhaltlich und vom oberflächlichen Eindruck der opulenten Klangwelten her grasen die FORGOTTEN TALES auch weiterhin grundsätzlich alles ab, was man auch genau so vom Genre (und zumindest im entfernten Sinne vergleichbaren Combos wie RHAPSODY OF FIRE) erwarten würde. Doch die hie und da durchschimmernde progressive Note, die extravagante Darbietung der Frontfrau Sonia Pineault und das ebenso exzellente wie effektive Songwritign sorgt auch auf ALL THE SINNERS für alles andere als einen alltäglichen Power Metal-Genuss.

Demnach ist es nur gut und richtig, dass die FORGOTTEN TALES nicht großartig an ihrem Konzept geschraubt haben – und sich auch dieses Mal auf ihre bereits herausgearbeiteten Stärken verlassen. Am markanten weiblichen Leadgesang gibt es wie schon beim Vorgänger nichts zu mäkeln, die Gitarren begeistern sowohl im Rhythmus- als auch Solibereich, der Bassist und der Schlagzeuger liefern mehr als ordentlich ab – und die symphonischen Spielereien halten sich im direkten Vergleich sogar eher zurück. Eine spannende Frage aber bleibt – schließlich war es seinerzeit noch am ehesten die das THE PROMISE-Album abschließende, 4-teilige TALE OF NEERIS-Saga welche dezente Durststrecken aufwies. Und tatsächlich: dieses Mal haben die Kanadier ganz ähnliches in Petto, immerhin besteht der gesamte Alben-Auftakt aus 6 zusammenhängenden Nummern – wobei sich nunmehr kaum noch Gründe für eine wie auch immer geartete Zurückhaltung ergeben. So macht schon das atmosphärische Intro THE HIDEAWAY eine gute Figur, wie auch der eigentlichen Opener LADY OF THE FOREST – der von seiner Präsentation her perfekt zum allgemeinen Eindruck der Band passt und sich als angenehm mächtige Genre-Hymne erweist.

Und auch wenn der Titeltrack ALL THE SINNERS, das recht balladeske WIND OH WIND sowie das eher experimentelle instrumentale Zwischenspiel THE MESSAGE etwas Zeit brauchen sich zu entfalten; ist einem spätestens mit dem MARCH FOR FREEDOM wieder eine wohlige Gänsehaut garantiert. Das wirklich überraschende folgt indes erst jetzt – denn was die Kanadier nach ihrem aus 6 Titel bestehenden Alben-Auftakt anzubieten haben, übertrifft noch einmal alle Erwartungen. Das immerhin knapp 9 Minuten lange THREE WISHES beispielsweise strotzt nur so vor Atmosphäre und allerlei gelungenen Instrumentalpassagen (die abermals in leicht progressiven Gefilden zu verorten sind) – und das nicht minder spektakuläre FAIRYTALES begeistert mit einer angenehm erfrischenden Rhythmik sowie einer beeindruckenden Leistung von Frontfrau Sonia Pineault. Dass auch die noch verbleibenden Titel kaum hinter den anderen zurückstecken müssen, rundet das Ganze ab. Anders gesagt: die FORGOTTEN TALES haben hier mehr als ordentlich abgeliefert, und müssen sich keineswegs hinter ihrer internationalen Konkurrenz verstecken.

Absolute Anspieltipps: LADY OF THE FOREST, THREE WISHES, FAIRYTALES


„Ebenso gut und erfrischend wie der bereits empfehlenswerte Vorgänger.“

Filmkritik: „Golemata Voda / Der Tag, Als Stalins Hose Verschwand“ (2004)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Golemata Voda (Roman)
Regie: Ivo Trajkov
Mit: Saso Kekenovski, Maja Stankovska u.a.
Land: Mazedonien
Laufzeit: ca. 93 Minuten
FSK: keine Angabe / nicht geprüft
Genre: Drama
Tags: Zweiter Weltkrieg | Kinder | Flüchtlinge | Kommunismus

Golemata Voda, oder: A Macedonian Film.

Inhalt: Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wird der junge, vom Krieg gebeutelte Lem (Saso Kekenovski) in ein stalinistisches Erziehungslager in Jugoslawien gebracht. Doch anstatt der dringend benötigten Zuneigung bekommen Lem und die vielen anderen Waisenkinder hier vor allem eines zu spüren: einen unangenehmen Drill, der durch die nicht seltenen Schikanen der Aufseher noch verstärkt wird. Eines Tages kommt mit Isak (Maja Stankovska) ein eher ungewöhnlicher Junge in das Lager, der von den meisten nur als der Sohn des Teufels bezeichnet wird. Doch während ihm viele seiner jüngeren Leidensgenossen eher mit Ehrfurcht gegenüberstehen und es kaum wagen würden sich ihm zu nähern, versucht Lem die Gunst des seltsamen Jungen zu gewinnen. Als er damit Erfolg hat, scheint Lem wieder Hoffnung zu schöpfen – doch die Situation im Lager spitzt sich zu, als mehrere propagandistische Symbole des Lagers gestohlen oder verunstaltet werden. Eines scheint klar: der Schuldige muss gefunden werden, wobei die dabei eingesetzten Methoden kaum eine Rolle spielen.

Kritik: GOLEMATA VODA, THE GREAT WATER – oder um ihn beim etwas sperrigen Deutschen Titel DER TAG ALS STALINS HOSE VERSCHWAND zu nennen – ist ein Nachkriegsdrama des Mazedonischen Regisseurs Ivo Trajkov, der auf der gleichnamigen Romanvorlage des ebenfalls aus Mazedonien stammenden Schriftstellers Živko Čingo basiert. Gleichzeitig handelt es sich um einen Film mit mehreren Besonderheiten – die bei der zugrundeliegenden Erzähl-Perspektive in Form einer Rückblende beginnen, sich über den expliziten Fokus auf das übergeordnete Thema der (Staats-)Erziehung erstrecken; und schlussendlich in einem starken Schwerpunkt auf eine etwas andere Coming Of Age-Geschichte münden. Schließlich rückt Trajkov vor allem seine beiden jungen Hauptprotagonisten in den Fokus, die als Kriegswaisen in das kommunistisch-stalinistische Erziehungslager gebracht werden – und beleuchtet potentielle Folgen der hiesigen Doktrin.

Neben der ungeschönt-intensiven Atmosphäre, einigen gelungenen Stilmitteln gerade in Bezug auf die Darstellung des sublimatorischen Mystizismus und dem generellen Wegfall von allzu plump-pauschalen Aussagen oder direkten Urteilen über die Hintergründe fallen auch die insgesamt gelungenen handwerklich-technischen Aspekte auf. So sind die Bildkompositionen teils wuchtig und opulent, lassen dabei aber stets den unterschwelligen Schrecken erahnen – und die stimmige Filmmusik weiß für eine ansprechende akustische Untermalung zu sorgen, auch ohne dabei allzu forciert auf die Tränendrüse zu drücken. Den größten Respekt aber verdienen die beiden Kinderdarsteller in den Rollen von Lem und Isak – die ihren erwachsenen Kollegen in Nichts nachstehen, erst Recht nicht was ihr höchst authentisches Spiel betrifft. Auch wenn GOLEMATA VODA knapp am Status eines Meisterwerks vorbeischrammt – für eine Attribuierung als besonderes filmisches Kleinod aus Mazedonien reicht es ganz locker.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Medialuna Entertainment

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„Intensiv erzählt, bewegend und gleichermaßen grotesk wie authentisch.“

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Metal-CD-Review: FINAL CHAPTER – The WizardQueen (2004)

Alben-Titel: The WizardQueen
Künstler / Band: Final Chapter (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. April 2004
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Michael Stein – Drums, Percussion
Achim Sinzinger – Guitars
Michael Brettner – Guitars
Andreas Wimmer – Bass, Keyboards

Track-Liste:

1. Intro (01:11)
2. The WizardQueen (06:34)
3. The Beginning (08:59)
4. The Old Man (04:41)
5. The One Who Cannot Loves (05:41)
6. The Ballad of the Queen (07:45)
7. The Temple of Fear (02:21)
8. The King of the Court (06:37)
9. The Fight (04:00)
10. The Resurrection (09:32)
11. The Arrival of the Queen (04:14)
12. The Search (07:49)

Von Hexen und anderen Zauberkünstlerinnen.

Mit neuen Combos wie MARIUS DANIELSEN’S LEGEND OF VALLEY DOOM (siehe hier) haben sie wieder deutlich an Reiz gewonnen – spezielle Power Metal-Projekte, die angelehnt an ihre Bezeichnung als Metal-Opera eine große Bandbreite an Gastauftritten auffahren und eine mehr oder oder weniger episch angelegte Geschichte erzählen. Doch auch wenn sie vergleichsweise selten sind und AVANTASIA von vielen als eigentliche Begründer jenes Power Metal-Subgenres betrachtet werden (THE METAL OPERA, siehe Review zu Part I und Part II), tauchten sie im Laufe der Jahre immer wieder auf – manchmal auch bei internationalen Bands, die entweder direkt aus dem Nichts kamen und ebenso schnell wieder verschwanden (siehe AINA’S DAYS OF RAISING DOOM, Review) – oder von denen man es weniger erwartet hätte. Auch die deutschen Musiker von FINAL CHAPTER sind diesbezüglich wohl eine Art Randentdeckung – und das, obwohl das für ihr 2004 erschienenes Debütalbum THE WIZARDQUEEN an den Start gebrachte Star-Aufgebot recht beachtlich war.

Glücklicherweise, sollte man sagen – denn nach der bereits 2000 erschienenen ersten Demo der Band war offenbar noch nicht gänzlich klar, wohin die Reise von FINAL CHAPTER einmal gehen könnte. Irgendwie hatte es die Band dann aber doch geschafft, THE WIZARD QUEEN auf die Beine zu stellen – ein immerhin 12 Titel starkes, knapp 70-minütiges Konzeptalbum mit Gastauftritten von Tobias Sammet (EDGUY, AVANTASIA) und Chitral Somapala (RED CIRCUIT, Ex-POWER QUEST). Eines kann sich das Album aber schon einmal nicht vorwerfen lassen – dass es sich allzu sehr auf Namen wie diese stützt oder verlässt. Tatsächlich sind die für die beiden bekanntesten Künstler des Albums vorgesehenen Rollen sogar vergleichsweise gering bemessen – grundsätzlich lebt THE WIZARDQUEEN von den Auftritten der anderen beteiligten Sänger und vor allem Sängerinnen. Eine große Rolle spielt hier sicher auch der eigentliche Band-Leadsänger Oliver Strasser, der einen entsprechend großen Raum einnimmt – und den Sound des Albums so maßgeblich prägt.

Die Frage ist jedoch, ob THE WIZARDQUEEN auch das Zeug dazu hatte – und im besten Fall noch immer hat – zu einem echten Genre-Dauerbrenner zu avancieren. Immerhin gibt es einige durchaus überzeugende Argumente dafür – wie grundsätzliche alle, die sich in irgendeiner Art und Weise aus das Instrumentenspiel und das an den Tag gelegte Handwerk der Band beziehen. Vor allem das gleichermaßen griffige wie variable Gitarrenspiel von Achim Sinzinger und Michael Brettner überzeugt, wie auch die schier perfekt in Szene gesetzten symphonischen Elemente und etwaige andere Spielereien seitens des Keyboards. Einzig und allein der Bass hätte noch etwas mehr hervorgehoben werden können – davon abgesehen überzeugt aber auch die allgemeine Abmischung und Produktion. Anders gesagt: THE WIZARDQUEEN klingt recht pompös und majestätisch, aber eben nicht unnötig überladen – und trumpft überdies noch mit einer recht großen Vielfalt an verschiedenen Eindrücken und Gangarten auf.

Probleme gibt es aber dennoch, und das an mindestens zwei Fronten. Zum einen erscheint das Songwriting im Gesamten eher hinter den eigentlichen Fähigkeiten der Beteiligten anstehen zu müssen – das Versprechen einer wirklich dichten Atmosphäre kann über den Verlauf des Albums nicht wirklich gehalten werden, und alles in den Schatten stellende Highlights kann man ebenfalls nicht ausmachen. Zum anderen, und das wiegt eventuell noch etwas schwerer; scheint das Gesangskonzept von THE WIZARDQUEEN nicht wirklich aufgegangen zu sein. Und das trotz der offensichtlich vorhandenen Fähigkeiten aller, oder zumindest der meisten Beteiligten. Eine der Folgen ist, dass das Album nach dem noch äußerst flotten und hymnischen Opener THE WIZARD QUEEN teils deutlich an Atmosphäre und Faszinationskraft verliert – und man einfach nicht kontinuierlich bei Laune gehalten werden kann, gerade in Anbetracht von vergleichsweise überlangen Nummern wie THE BEGINNING.

Allzu viel geschieht hier schließlich tatsächlich nicht, wobei sich vor allem die einzelnen Gesangsparts anfühlen als wären sie spontan in einen Topf geworfen worden. Andererseits neigen auch schon mal ganze Strophen (wie etwa in THE ONE WHO CANNOT LOVE) dazu, sich schlicht etwas zu holprig und konstruiert anzufühlen. Mit einem harmonischen und bis in die letzten Ecken stimmigen Ganzen, wie es sich etwa bei den sich überraschenderweise für einen naheliegenden Vergleich anbietenden Tschechen von SALAMANDRA ergibt (vor allem in Bezug auf deren frühe Werke wie etwa SKARREMAR, Review); konnten FINAL CHAPTER hier einfach nicht auftrumpfen. Um ein interessantes und so gesehen lohnenswertes Album handelt es sich aber allemal – nur keines, dass das Zeug dazu hätte in die Geschichte einzugehen.

Absolute Anspieltipps: THE WIZARD QUEEN, THE OLD MAN, THE KING OF THE COURT, THE SEARCH


„Eine gleichermaßen überraschende wie ambitionierte Metal-Oper, die eine Chance verdient.“

Metal-CD-Review: WONDERLAND – Follow Me (2004)

Alben-Titel: Follow Me
Künstler / Band: Wonderland (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. November 2004
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nexus

Alben-Lineup:

Andrea „Tower“ Torricini – Bass
Frank Andiver – Drums, Keyboards
Vic Mazzoni (R.I.P. 2016) – Guitars
Alexx Hall – Vocals

Track-Liste:

1. Last Time My Memory (06:21)
2. The Call of the Dawn (04:36)
3. Call My Name (03:39)
4. Eternally (03:47)
5. Raise Your Wings (05:24)
6. Winter Silence (07:45)
7. No Resurrection (06:32)
8. Follow Me (07:19)
9. The Promise (06:19)
10. Hell and Heaven (04:32)

Wo WONDERLAND draufsteht, ist leider nicht immer ein musikalisches Wunderland drin.

Nachdem sich die italienischen Power Metaller von WONDERLAND auf ihrem gleichnamigen Debütalbum aus dem Jahre 2002 erstmals richtig austoben konnten (siehe Review), folgte gute 2 Jahre und eine zwischengeschobene EP später auch schon der offizielle Nachfolger FOLLOW ME. Der hat insofern eine Besodnerheit, als dass er das bis heute letzte Lebenszeichen der Band markiert – schließlich ist der Status der Band seit nunmehr 13 Jahren ungewiss. Es bleibt einem also nicht viel mehr, als in der Vergangeheit zu wühlen respektive zu schwelgen – was im Falle von WONDERLAND aber durchaus eine kleine Herausorderung darstellt. Denn: bekanntlich hatten sich die Italiener schon auf ohrem Debütalbum nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Zwar wäre es ebenso falsch, von einem Totalausfall zu sprechen – doch der geluinde gesagt ungünstige Leadgesang, die überakzentuierte Keyboard-Komponente und der allgemein etwas zu hoch angesetzte Kitschfaktor waren und sind nicht zu leugnen. Umso spannender ist es zu betrachten, was sich im Laufe der 2 zwischen den Alben liegenden Jahre bei WONDERLAND getan hatte – oder eben nicht.

Und tatsächlich: in einer allzu nennenswerten Ausprägung hatten WONDERLAND nicht an ihrem Soudn geschraubt, sodass die Parallelen zu potentiellen Genre-Vorbildern wie den frühen LABYRINTH, VISION DIVINE oder gar DREAMTALE auch auf FOLLOW ME noch immer deutlich zu hören sind. Im Gegensatz zu jenen Vergleichsbands aber wirkt das Vorgehen von WONDERLAND nicht selten etwas zu plump und einfach – was sich insbesondere am abermals deutlich ausufernden, wenig geschickten Einsatz des mit elektronischen Spielereien recht großzügig umgehenden Keyboards festmachen lässt. Die recht melodischen, aber eben auch sehr weichen undwenig griffigen Songstrukturen; der erneut so manche Schmerzgrenze auslotene Kitschfaktor, die unüberhörbaren Anleiehen aus der Popmusik und die stilistische Nähe zu anderen insgesamt relativ ungünstig agierenden Combos wie SKYLARK machen somit auch FOLLOW ME zu einer mittelprächtigen Herausforderung – insbesondere natürlich für die, die allgemein härtere Gangarten gewöhnt sind.

Oder aber schlicht solche, die etwas mehr Stilsicherheit offenbaren. Schließlich kann, darf und soll ein guter Power Metal auch mal etwas emotionalere oder verträumtere Töne anschlagen – was Bandnamen wie DREAMTALE oder WONDERLAND ja letztendlich auch implizieren. Doch übertreiben sollte man es auch nicht – schon gar nicht wenn wie bei WONDERLAND noch andere, den Hörgenuss regelrecht aufweichende Faktoren vorhanden sind. Und die gibt es auch auf FOLLOW ME zuhauf, wobei so gut wie alle schon vom Vorgängeralbum bekannt sind. Da wären zum Beispiel die schlicht alles andere als herausragenden handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder, die – sofern sie es schaffen, neben dem omnipräsenten Keyboard überhaupt einen Eindruck zu hinterlassen – bestenfalls als zweckdienlich zu beschreiben sind. Das gilt indes kaum für den Leistung von Leadsänger Alexx Hall, der schon auf dem Vorgänger eher negativ auffiel – und in Bezug auf FOLLOW ME sogar noch eine Schippe draufgelegt hatte.

In eine eher ungünstige Richtung, versteht sich. Wobei es geradezu fatal erscheint, dass die Abmischung sogar noch zugunsten des Leadgesangs ausfällt und zahlreiche auf den Gesang fokussierte balladeske Passagen vorgesehen sind – was die Schwächen nur noch unüberhörbarer macht. Während nicht wenige Nummern gerade dadurch zu einer waschechten nervlichen Zereißprobe avancieren, gibt es (fast schon passenderweise) auch solche; die wirklich alle Schwächen der Band in einem schier unerträglichen Ganzen kombinieren – wie etwa FOLLOW ME oder HELL AND HEAVEN.  Fest steht: Alexx Hall ist kein guter und schon gar kein großartiger Genre-Sänger, was er mit diesem Auftritt noch einmal deutlich unterstrichen hat – es bleiben jedenfalls mehr Emotionen auf der Strecke, als ihm lieb sein dürfte. Was schlussendlich bleibt ist ein Album, dass hie und da ein paar gute Ansätze hat (das recht LABYRINTHeske LAST TIME MY MEMORY, oder das potentiell doch noch berührende THE PROMISE) und insgesamt noch deutlich über dem in diesem Zeitraum entstandenen Schaffen von SKYLARK einzuordnen ist – letztendlich aber zu wenig treffende Anhaltspunkte liefert, um es zu einer lohnenswerten Entdeckung zu machen.

Absolute Anspieltipps: LAST TIME MY MEMORY, THE PROMISE


„Wie schon beim Vorgänger gilt: der Fokus wird vermehrt auf ärgerliche Schwächen als auf potentielle Stärken gerichtet. Dieses Mal vielleicht sogar noch etwas mehr, leider.“