PC-Spieletest / Game-Review: HIDDEN & DANGEROUS 2 (2003)

Originaltitel: Hidden & Dangerous 2
Veröffentlichungsdatum: 21. Oktober 2003 (PC)
Entwickler: Illusion Softworks
Publisher: Gathering
USK: Ab 16 freigegeben
Genre: Taktik-Shooter
Tags: Weltkrieg, Soldaten, Panzer, Kampf, Mission

Von Grabenkämpfen und (unfreiwillig) lustigen Kameraden.

Mit HIDDEN & DANGEROUS 2 hat das tschechische Entwicklerstudio Illusion Softworks den Nachfolger zum 1999 erschienenen ersten Teil des Taktik-Shooters auf den Markt gebracht. Nicht weiter verwunderlich ist, dass an der schon zuvor gut aufgegangenen Weltkriegs-Thematik festgehalten und das Spiel letztlich ganz ähnlich gestaltet wurde – mit einigen Verbesserungen, versteht sich. So weiß man dem Spieler tatsächlich einiges anzubieten, und das nicht nur auf den ersten Blick: das aus dem ersten Teil übernommene Losziehen als Team von bis zu 4 Mitgliedern ist vielversprechend und eröffnet einige Möglichkeiten, die Schauplätze und Missionen sind abwechslungsreich, die Story ist insgesamt gut und recht atmosphärisch erzählt – und die Grafik- sowie die Soundkulisse brauchen sich ebenfalls nicht zu verstecken. Sicher, es gibt hübschere (und detailreichere) Spiele aus dem entsprechenden Zeitraum – doch insgesamt lässt sich HIDDEN & DANGEROUS 2 durchaus sehen, vor allem natürlich wenn es um die markanten Wechsel zwischen staubigen Wüstenabschnitten, kleinen Dörfchen, verschneiten Berglandschaften oder dicht bewachsenen Urwäldern geht.

Glücklicherweise fällt HIDDEN & DANGEROUS 2 aber auch in spielerischer Hinsicht recht interessant aus – vorrangig natürlich durch die Möglichkeit, 4 verschiedene Figuren gleichzeitig zu spielen. Oder eher im Wechsel, der aber zu jedem Zeitpunkt im Spiel möglich ist. So kann und sollte man sein Team gut und vielleicht auch ganz unterschiedlich ausstatten, um in den Missionen mehr Möglichkeiten zu haben. Das funktioniert dann auch recht gut und macht entsprechend Laune – trotz oder gerade wegen der Gefahr, das ein oder andere Teammitglied aufgrund eines Fehlers zu verlieren. Große Auswirkungen hat das übrigens nicht – nach dem Beenden einer Mission (es sei denn, es ist eine zusammenhängende) hat man erneut die Möglichkeit, einen oder mehrere neue Rekruten aufzunehmen.

Das Mittel der Fortbewegung muss dabei nicht immer der Fußmarsch sein – oft hat man die Möglichkeit, verschiedene Fahrzeuge (wie Jeeps, Laster oder Flak-Wagen) zu benutzen. Dann und wann kommt einem sogar ein Panzer unter die Finger – oder wie in einem Level kleine Mini-Unterseeboote, mit denen man sich an zwei Schiffe heranschleichen muss. Meist erledigt die KI hier alles nötige: man selbst geht mit der entsprechend gewählten Spielfigur voran, und per Befehl folgen die anderen. Wird es brenzlig, kann man natürlich auch den Befehl zum Warten oder Rückzug geben – was oftmals ebenso wichtig sein kann wie ein oder zwei Mann vorgehen zu lassen.

Diesbezüglich – und leider – offenbart sich dann auch das mitunter einzige waschechte Problem an und in HIDDEN & DANGEROUS 2: die KI. Selbige ist vielleicht gut gemeint und erfüllt des öfteren ihren Zweck, aber: der allgemeine Frustfaktor ist einfach viel, viel zu hoch. Sei es, dass die Kollegen (und das trotz eher harmloser Umstände) immer wieder der Reihe nach ins Gras beißen, sie absolut ungeschickt in ihr Verderben rennen oder einfach nicht das machen was man ihnen sagt – selten hat man sich so schön über seine (künstlichen) Kameraden ärgern können. Das man dabei stets nur in gefühlter Rufweite agiert, macht es nicht gerade besser: ist man einmal zu weit vorgegangen, „hören“ die anderen schon nicht mehr auf eventuell gegebene Befehle – man muss zurück- beziehungsweise in Reichweite laufen. In vielen Passagen bleibt einem so oftmals nichts anderes übrig, als alle vier Mitglieder einzeln durch haarige Situationen zu manövrieren – was unter Umständen eine doch recht fummelige Angelegenheit sein kann.

Andererseits, und um auf die Gegenseite zu blicken; sieht es in Bezug auf die Gegner-KI plötzlich ganz anders aus. Wobei man einwerfen muss: nicht automatisch besser, denn gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden treffen die Feinde; man will nicht sagen unverschämt gut – was des Öfteren recht unrealistisch erscheint. Die Tatsache, dass man hier einen Taktik-Shooter spielt – bei dem ein oder zwei Schüsse ausreichen, um ins Gras zu beißen – macht sich diesbezüglich doch eher negativ bemerkbar.

Eigentlich, ja eigentlich – und unter Beachtung der im allgemeinen üblichen Qualitätsstandards in Bezug auf die Beurteilung von PC-Spielen – dürfte ein Spiel wie HIDDEN & DANGEROUS 2 damit vieles einfahren, nur keine Höchstwertung. Und doch besitzt das Spiel etwas, was es gewissermaßen einzigartig (und dann auch: in einem positiven Sinne) macht. Um eine genauere Übersicht über möglichst alle Positiv- und Negativmerkmale zu erhalten, folgt an dieser Stelle die obligatorische Auflistung in Tabellenform.

Handlung und Präsentation
  • Authentisch erzählte Weltkriegs-Missionen
  • Kleine Zwischensequenzen
  • Stimmige Briefings
  • Keine Story und Charakterentwicklung im eigentlichen Sinne
  • Die Orte des Geschehens, etwaige Ereignisse und alle beteiligten Personen sind letztlich absolut austauschbar

5.5/10

Grafik und Design
  • Enorm abwechslungsreiche, stimmige Optik (Städte, Wälder, Wüsten, Eis)
  • Teils malerische Gesamtbilder (Sonnenuntergänge, spezielle Gebäude)
  • Solide Charakter-Animationen (beim Hinlegen, bei Treffern, beim Klettern)
  • Gute Mixtur aus verwinkelten Innen- und weitläufigen Aussenarealen
  • Passable Waffen- und Explosionseffekte
  • Hübsche Inventare
  • Eher wenig Details und matschige Texturen
  • Allgemein etwas zu „kantiger“ Eindruck

8.0/10

Sound
  • Gut vertonte Figuren
  • Lebendige Umgebungsgeräusche
  • Grandioser Soundtrack
  • Einmalig-geniales Sound-Design z.B. beim Ableben von Figuren
  • Teils deutlich zu angestrengt / verkniffen klingende Synchronsprecher

9.0/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Unterschiedliche Missionen mit unterschiedlichen Herangehensweisen
  • Im Team von bis zu 4 Mitgliedern spielbar – oder alleine
  • Verschiedene, sich auswirkende Charakterklassen
  • Viele verschiedene Fahrzeuge nutzbar
  • Großes Gefühl der Abwechslung
  • Fordernde, den Spieler antreibende Ziele
  • Schleichen / taktischeres Spielen jederzeit möglich
  • Teils hakelige Kämpfe (Zielen und Schiessen)
  • Etwas zu „gute“ Gegner-KI
  • Unterirdische Verbündeten-KI

7.0/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Geringe Ladezeiten
  • Freies Speichern
  • Intuitive Steuerung
  • Höhere Schwierigkeitsgrade und besondere Herausforderungen wählbar
  • KI-Totalaussetzer möglich
  • Manche Auslöser („erst muss das passieren damit es weitergeht“) schlecht / fehlerhaft platziert

7.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 20

Fazit: Ja, ein Spiel wie HIDDEN & DANGEROUS 2 mag mittlerweile in die Jahre gekommen sein – und doch zeigt es auf wie gut ein Spiel sein respektive werden kann, nimmt man sich nur genug Zeit und investiert dementsprechend auch einiges an Mühe. Zwar gilt das in diesem Fall leider nicht hinsichtlich wirklich aller Bereiche, insbesondere nicht im Blick auf die hanebüchene KI – doch in Sachen Atmosphäre macht dem Spiel trotzdem kein Titel so schnell etwas vor. Und das, obwohl es mittlerweile 17 Jahre auf dem Buckel hat.


„Ein Titel, den man auch nach vielen Jahren noch spielen kann.“

Filmkritik: „Matrix: Revolutions“ (2003)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Mit: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 128 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction, Action
Tags: Matrix | Trilogie | Finale | Abschluss | Zion | Maschinenwelt

Eine Revolution beginnt mit einem Gedanken.

Inhalt: Während sich sowohl die Soldaten als auch die Zivilisten der Menschenstadt Zion auf die finale Auseinandersetzung mit den Maschinen vorbereiten und alsbald die ersten Gegner vor das Visier bekommen, setzt Neo (Keanu Reeves) noch immer alles daran, seine Rolle als Auserwählter und potentieller Retter der Menschheit endgültig zu verstehen. Wieder zur Seite steht ihm dabei das Orakel (Mary Alice) – aber unglücklicherweise auch der abtrünnige Agent Smith (Hugo Weaving), der sich ebenfalls auf einen letzten Kampf vorzubereiten scheint. Von seiner Liebe zu Trinity (Carrie-Anne Moss) beflügelt, wagt Neo das schier unmögliche: er begibt sich auf den Weg in das Herz der Maschinenwelt – und damit an einen Ort, den noch nie zuvor ein Mensch betreten hat.

Kritik: In der Tat – und analog zu den beiden vorherigen Rezensionen zu THE MATRIX (siehe Review) und MATRIX: RELOADED (siehe Review) – gilt es in Bezug auf das 1999 von den Wachowski-Brüdern ins Leben gerufene MATRIX-Franchise mindestens zweierlei Überraschungen festzuhalten. Zum einen natürlich den ursprünglichen ersten Teil selbst, der hinsichtlich seiner erzählerischen Innovation und der Effekte Maßstäbe setzte – und zum anderen die Feststellung, dass die Ideengeber sich auch im Hinblick auf die beiden Fortsetzungen nicht nennenswert verhaspelten. Oder auch: sich nicht nennenswert bei einem potentiellen Massenpublikum anbiederten, trotz der im zweiten Teil stärker betonten (und teilweise dezent kitschig inszenierten, glücklicherweise aber immer noch als Beiwerk fungierenden) Liebensgeschichte zwischen Neo und Trinity. Anders gesagt: trotz des gewaltigen Budgets und der hohen Erwartungen sind die Wachowski’s sich selbst respektive ihrer Idee treu geblieben, woraufhin sich die abgeschlossene MATRIX-Trilogie schnell einen enormen Kultstatus erarbeiten konnte.

Zwar muss man dabei speziell in Bezug auf den dritten Teil einige Abstriche machen – wie etwa hinsichtlich der einstweilen doch etwas strapazierenden Effekt-Flut während der Kämpfe in und rund um Zion, den durch die heftige Überzeichnung etwas unglücklich gestalteten Endkampf zwischen Neo und Agent Smith oder die nicht gänzlich zufriedenstellende Auflösung gegen Ende. Eine Auflösung, die glücklicherweise nicht wirklich eine ist respektive noch immer ausreichend Fragen unbeantwortet lässt – aber dennoch nicht ganz mit der eventuell erwarteten Wirkung von Statten geht. An den Überraschungseffekt (oder auch: das den Kultfaktor der Reihe rechtfertigende Aha-Erlebnis) des ersten Teils etwa reicht das Finale nicht mehr heran. Vielleicht, und auch wenn das ebenfalls kein wirklicher Trost ist; hatten sich die Wachowski’s hier schlicht selbst eine Messlatte angelegt, die kaum noch zu erreichen war.

Gut, oder eher eine rettende Notwendigkeit ist; dass sich die offenbaren Schwächen von MATRIX: REVOLUTIONS aber nur auf vereinzelte Momente des Films beziehen – und den rundum gelungenen Eindruck der Trilogie nicht mehr wirklich schmälern können. Gesehen haben sollte man THE MATRIX respektive die vollständige Trilogie allemal – andernfalls verpasst man einen ebenso einzigartigen wie in einem positiven Sinne denkwürdigen Kino-Moment des frühen 21.sten Jahrhunderts.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros. GmbH

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„Ein nicht mehr ganz so starker, zweifelsohne aber dennoch absolut sehenswerter Abschluss einer einmaligen Trilogie.“

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Filmkritik: „Matrix: Reloaded“ (2003)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Mit: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 138 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Matrix | Parallelwelt | Maschinen | Auserwählter | Kampf | Überleben

Noch ist das letzte Geheimnis nicht gelüftet.

Inhalt: Nachdem der Computerspezialist Thomas A. Anderson aka Neo (Keanu Reeves) die Wahrheit über sein Leben erfahren und seine Rolle als Auserwählter angenommen hat, macht er sich gemeinsam mit seinen Mitstreitern Morpheus (Laurence Fishburn) und Trinity (Carrie-Anne Moss) sowie auch der Hilfe des ominösen Orakels (Gloria Foster) auf, endgültig hinter das Geheimnis der MATRIX zu kommen. Dass er dabei auch allen möglichen Widersachern die Stirn bieten würde, ist selbstverständlich – wie etwa dem abtrünnigen Agenten Smith (Hugo Weaving), der sich offenbar allein darauf fokussiert hat Neo zu vernichten. Das Problem: sollte Neo versagen, steht auch das Schicksal der Stadt Zion auf dem Spiel – die bereits von zahlreichen Robotern angesteuert wird. Noch hält die Verteidigung – die Frage ist nur, für wie lange… und ob Neo die Lösung tatsächlich in der trostlosen realen Welt, oder vielleicht doch der MATRIX suchen muss.

Kritik: Spätestens nach dem Überraschungserfolg von THE MATRIX (siehe Review) stand unumstößlich fest, dass man in Zukunft mit dem Schaffen der Wachowski-Brüder Larry und Andi rechnen sollte – und dass man den Geschwistern so gut wie alle Freiheiten in Bezug auf die damals noch ausstehenden Abschluss der geplanten MATRIX-Trilogie gewähren müsste. Entsprechend wenig überraschend war, dass das Budget für die beiden Nachfolger MATRIX: RELOADED und MATRIX: REVOLUTIONS grundsätzlich keine Grenze kannte, trotz der bereits einiges einsparenden Zusammenlegung der Drehtage – und dass die Wachowski’s wieder einmal Grenzen sprengen würden. Vielleicht in einem nicht ganz so innovativen, wegweisenden und spektakulären Ausmaß wie im ursprünglichen ersten Teil mit seiner bis heute kultigen inhaltlichen Offenbarung – aber immerhin ohne, sich in Bezug auf ihr Konzept zu verhaspeln oder sich gar die Blöße zu geben.

Anders gesagt: MATRIX: RELOADED steht dem großartigen Vorgänger in (fast) nichts nach. Sicher; dieses Mal weiß man ungefähr was einen erwartet, und der ganz gro´ße Aha-Effekt bleibt aus – wobei selbst die mangelnde inhaltliche Vertiefung potentiell spannender Elemente nicht verhindern kann, dass MATRIX: RELOADED einen schier ungeheuerlichen Sog entwickelt. Ein Sog, der verständlicherweise aus der Weiterführung der bereits im ersten Teil angeschnittenen Erzählstränge inklusive des Werdegangs der involvierten Charaktere resultiert – aber auch aus den furiosen Actionsequenzen, auf die im Vergleich mit dem Vorgänger noch einmal eine ordentliche Schippe draufgelegt wurde. Neben den schon zuvor beeindruckenden Zeitlupen-Effekten ist es hier vor allem eine längere Verfolgungsszene auf einer Autobahn, die im Gedächtnis bleiben wird – gerade weil es sich hier (und im Gegensatz zu einigen anderen pompös inszenierten Hollywood-Krachern) um alles andere als eine seelenlose Materialschlacht handelt.

Kurzum: die Story respektive die Weiterführung der Erzählung stimmt, wobei insbesondere der Schauplatz Zion sowie das Bestreben von Agent Smith Lust auf mehr machen. Die Effekte sind (wenngleich sie auch nicht mehr ganz so subtil angewandt werden) mindestens ebenso spektakulär wie im Vorgänger, die Leistungen der beteiligten Darsteller passt, der Soundtrack ist mitreißend. MATRIX: RELOADED ist ein wichtiger und qualitativ nicht wirklich abfallender Teil der MATRIX-Trilogie, die nicht von ungefähr als absolutes Pflichtprogramm für Cineasten gilt.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros. GmbH

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„Wie schon der erste Teil ist auch der zweite MATRIX-Film ein absolutes Muss – und ein ebenso wenig zu kritisierendes wie wichtiges Element innerhalb der kultigen Trilogie.“

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Metal-CD-Review: AXENSTAR – Far From Heaven (2003)

Alben-Titel: Far From Heaven
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. November 2003
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Magnus Winterwild – Vocals, Keyboards
Magnus Ek – Bass
Pontus Jansson – Drums
Thomas Eriksson – Guitars (lead)
Peppe Johansson – Guitars

Track-Liste:

1. The Descending (Intro) (01:05)
2. Infernal Angel (04:16)
3. Blind Leading the Blind (04:43)
4. Don’t Hide Your Eyes (05:12)
5. Far from Heaven (06:56)
6. Abandoned (05:19)
7. Children Forlorn (04:12)
8. Death Denied (04:31)
9. Blackout (04:59)
10. Northern Sky (04:55)

Der Weg ist das Ziel.

FAR FROM HEAVEN ist das zweite offizielle Studioalbum aus dem schwedischen Hause AXENSTAR – und damit auch jener 2001 gegründeten Power Metal-Combo, die sich seit ihrem Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review) für einen recht unverkennbaren Sound verantwortlich zeichnet. Zu nicht unerheblichen Teilen mitverantwortlich ist dafür auch der hiesige Frontmann Magnus Winterwild, der mit seiner ebenso sanften wie einzigartigen Stimme als Aushängeschild von AXENSTAR fungiert – analog zu den enorm melodischen Kompositionen einer wenn man so will typisch nordischen Spielart, versteht sich. Auf dem vorliegenden FAR FROM HEAVEN bekam das Gesangstalent dabei sogar etwas mehr Spielraum zugestanden als noch zuvor – was zum einen an der weitaus differenzierteren Abmischung liegt, und zum anderen an der im Vergleich mit PERPETUAL TWILIGHT doch etwas großzügiger ausfallenden Vielfalt des vertretenen Liedguts. Neben der schon vom Debütalbum bekannten Marschrichtung in Form von leicht melancholisch angehauchten Uptempo-Nummern mit starken Refrains und explizitem Hymnen-Einschlag (INFERNAL ANGEL, FAR FROM HEAVEN, DEATH DENIED, BLACKOUT) finden sich auf FAR FROM HEAVEN schließlich auch einige Titel, die man so von AXENSTAR noch nicht hatte hören können.

Beispiele dafür finden sich etwa im eigentlich recht flotten, rhythmisch dann aber doch etwas aus dem Rahmen fallenden LEADING THE BLIND; im nicht wirklich balladesken aber doch vergleichsweise sanften DONT HIDE YOUR EYES, in den deutlich zurückhaltenderen Rockern mit dezentem Retro-Touch und reichlich Keyboard-Einsatz (ABANDONED und THRILLS IN THE NIGHT) oder der durch und durch-Ballade NORTHERN SKY. Tatsächlich ist die hier von AXENSTAR angebotene Bandbreite an verschiedenen Marschrichtungen und Stimmungen grundsätzlich angenehm – zumal sie die handwerklichen Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder zusätzlich unterstreicht und FAR FROM HEAVEN so zu einer etwas spannenderen Angelegenheit macht als noch das Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT. Einer spannenderen, ohne Zweifel – doch ob es die Schweden dabei wirklich geschafft haben ihr Debütalbum auch qualitativ zu übertreffen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Immerhin profilierte sich gerade PERPETUAL TWILIGHT als vergleichsweise unkompliziertes und unmittelbar wirkendes Kraftpaket, dessen Gesamtwirkung selbst in Anbetracht der nicht gerade optimalen Abmischungs- und Produktionsarbeit kaum geschmälert wurde.

Anders gesagt: FAR FROM HEAVEN hält definitiv die größere Vielfalt bereit, verfügt über einen deutlich professionelleren technischen Part und zeigt insbesondere den hiesigen Leadsänger Magnus Winterwild von einer noch vorteilhafteren Seite – doch an die schiere Effektivität des Debütalbums kann der Nachfolger dennoch nicht ganz heranreichen. Der hauptsächliche Grund dafür, der im übrigen eng mit den bereits erwähnten Einzel-Titeln zusammenhängt; ist dann auch recht schnell gefunden: AXENSTAR agieren auf FAR FROM HEAVEN zwar weitaus variabler und auch professioneller als zuvor, haben dabei aber auch den Alltag oder eher die Routine in ihre Kompositionen einfließen lassen. Wie eine markante Kampfansage oder ein wie-auch-immer herausragender Moment innerhalb der Diskografie der Schweden wirkt und klingt das Album jedenfalls nicht. Wenn man so will und vom schlimmsten Fall ausgeht, könnte man sogar von einer gewissen Form der Gleichförmigkeit innerhalb der einzelnen Titel sprechen – die des Öfteren mit einigen eher langatmigen Passagen aufwarten, und die Schweden insbesondere in den langsameren und balladesken Momenten (NORTHERN SKY ist als Inbegriff eines jeden Power Metal-Klischees hoffentlich nur ein einmaliger Ausrutscher) alles andere als glanzvoll abschneiden lassen.

Schlussendlich ist es ebenso ärgerlich wie überraschend, dass ausgerechnet die von der Band an den Tag gelegte Vielfalt zu einer mehr oder weniger frappierenden Schwäche von FAR FROM HEAVEN avanciert – die analog zum auch insgesamt eher weichen Sound-Eindruck verhindert, dass das Album in ähnliche Sphären aufsteigen kann wie der Vorgänger. Selbstverständlich handelt es sich trotz allem noch um ein solides Power Metal-Album, dass im Vergleich mit vielen anderen noch locker die Nase vorn hat und gerade Fans von Combos wie SONATA ARCTICA ansprechen sollte. Doch gerade von einer Band wie AXENSTAR hätte man hier schlicht noch etwas mehr erwarten können.

Absolute Anspieltipps: INFERNAL ANGEL, FAR FROM HEAVEN, DEATH DENIED, BLACKOUT


„Nicht mehr ganz so stark wie das Debüt, aber noch immer ein solider Nachfolger.“

Metal-CD-Review: DARKFIRE – DarkFire (2003)

Alben-Titel: DarkFire
Künstler / Band: Darkfire (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2003
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sacred Metal

Alben-Lineup:

Omar Zoncada (Bifrost) – Vocals
Stefano (Dagr) – Bass
Luca Bellani (Andvari) – Drums
Tommy Dell’Olio (Ivaldi) – Guitars
Giangiacomo Cattaneo (Mimir) – Keyboards

Track-Liste:

1. The Dark Fire (05:53)
2. Master of Bulls (05:07)
3. The Pure Sound (07:58)
4. Against the Erudite (05:23)
5. Colours (05:14)
6. Spiral of Smoke (04:14)
7. The Spice Islands (06:00)
8. From Hollow Trunk (04:45)
9. Gorgoroth’s Fire (04:11)

Ein solches Feuer sollte man eigentlich nicht unbeaufsichtigt lassen.

Im Zuge der sogenannten ein-Album-Wunder aus Italien könnten oder sollten dem geneigten Power Metal-Fan gleich mehrere entsprechende Kandidaten in den Sinn kommen. Immerhin gibt es tatsächlich eine handvoll Bands, die nach nur einem offiziellen Studioalbum komplett von der Bildfläche des europäischen Power Metals verschwunden sind – und sich im Gegensatz zu unverhofften Rückkehren wie den HOLY KNIGHTS (die eine mehr oder weniger plötzliche Pause von guten 10 Jahren eingelegt hatten) auch nicht auf anderen verfügbaren Plattformen an ihre potentielle Fangemeinde wandten. MORGANA wären hier so ein Beispiel, auch wenn sich die Band im Jahre 2009 ohne ein wirkliches Ergebnis kurzzeitig wiedervereinigt hatte – oder auch die bereits 1994 gegründete Combo DARKFIRE. Die brachte es nach einer ersten Demo (1998) immerhin zum vorliegenden, im Jahre 2003 über das Label Sacred Metal veröffentlichte Debütalbum DARKFIRE – welches 9 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 50 Minuten enthält, mit einem recht interessanten Cover-Artwork ausgestattet ist und vor allem eine Frage aufwirft. Und die lautet: wo, ja wo nur sind die Jungs von DARKFIRE (die sich für das Album sogar eigene Künstlernamen gegeben hatten) nach all den Jahren geblieben ?

Eines muss man dem Album schließlich in jedem Fall lassen: es ist ein ebenso vielversprechendes wie höchst solides Werk aus den Gefilden des italienischen Power Metals, dass den Vergleich mit zahlreichen anderen zu jener Zeit aktiven Genre-Combos keineswegs scheuen muss. Dabei hatten die Italiener sogar ein potentielles Alleinstellungsmerkmal, oder zumindest eine für diese Zeit als Besonderheit durchgehende Eigenschaft. Anders gesagt: in einer Zeit, in der RHAPSODY (OF FIRE) große Erfolge feierten; inszenierten sich DARKFIRE weniger als allzu bombastische oder explizit symphonisch angehauchte Combo – sondern vielmehr als weitestgehend klassisch inspirierte, recht bodenständig agierende und gerne mal in Richtung eines griffigen Melodic Metal schielende Formation. Wenn dann auch noch einige progressive Ansätze hinzukommen, wie etwa im recht variablen und von einem furiosen Soli-Part begleiteten AGAINST THE ERUDITE, böten sich noch am ehesten Bands wie LABYRINTH als Vergleichsmöglichkeit an – wobei DARKFIRE aber einen wesentlich eigenständigeren Sound an den Tag legten als Beispielsweise VISION DIVINE.

Wenn es darum zu beurteilen, ob dieser gefühlt etwas weniger beeinflusste Sound aber auch genauso gut funktioniert und klingt wie der der bekannteren Bands jener Zeit; sieht es dagegen schon etwas kritischer aus. Zwar nicht in einem wirklich fatalen Ausmaß, aber: während schon der allgemeine Soundeindruck des DARKFIRE-Albums nicht vollständig zu überzeugen vermag (was vor allem an der eher schwachen Produktion liegt), hätten sich die Italiener Nummern wie das absolut harmlos rockende COLOURS oder die schier unerträglich schmachtende Akustik-Ballade FROM HOLLOW TRUNK unbedingt schenken sollen. Auch oder gerade weil der hiesige Leadsänger Omar Zoncada zweifelsohne nicht über das nötige Stimmvolumen und die nötige Überzeugungskraft verfügte, auch in diesen Momenten glänzen zu können. Eben diese Tatsache markiert dabei auch den zweiten offensichtlichen Schwachpunkt des Albums: in Bezug auf ihren Leadgesang konnten DARKFIRE wahrlich nicht viel abfakeln, und schon gar nicht mit den feilgebotenen Gesangsleistungen anderer Genre-Combos mithalten.

Sieht man darüber hinweg, kann man mit Nummern wie dem flotten Opener und Titeltrack THE DARKFIRE, dem bereits erwähnten kräftigen AGAINST THE ERUDITE, dem markant stampfenden SPIRAL OF SMOKE sowie dem Rausschmeißer GORGOROTH’S FIRE (die Instrumental-Passage gegen Ende ist der Wahnsinn) durchaus einige direkt zündende Hymnen entdecken – gesetzt dem Fall, man kann das Aufkommen des doch recht überbordenden Keyboards sowie einiger nicht immer stimmig klingender Background-Shouts verkraften. Mit dem etwas ruhigeren, dezent an SECRET SPHERE erinnernden THE PURE SOUND sowie dem von einigen völlig unerwarteten Klang-Elementen begleiteten THE SPICE ISLANDS finden sich dann auch noch zwei längere Titel, die zweifelsohne einige interessante Ansätze mitbringen und eine Entdeckung wert sind – wobei man selbst entscheiden muss, wie gut oder schlecht DARKFIRE hinsichtlich dieser etwas komplexeren Ambitionen abschneiden. Schlussendlich: Das Debüt- und wohl auch Finalalbum von DARKFIRE gehört nicht zum besten, was das Genre jemals hervorgebracht hat und ist vielleicht auch nicht ganz so interessant wie etwa MORGANA’s Ein-Album-Angriff ANGEL – und doch steht fast außer Frage, dass es die Band zu noch viel mehr hätte bringen können.

Absolute Anspieltipps: THE DARKFIRE, AGAINST THE ERUDITE, SPIRAL OF SMOKE, GORGOROTH’S FIRE


„Viel zu gut, als dass die Band nach dem Release einen Grund dafür gehabt hätte in der Versenkung zu verschwinden.“

Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – Blood, Guts & Glory (2003)

Alben-Titel: Blood, Guts & Glory
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Oktober 2003
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: LMP / Limp Music Productions

Alben-Lineup:

Esa Ahonen – Guitars
Jan J. Cederlund – Bass
Gert Steelheart – Drums
Leif Collin – Guitars
Jan Söderlund – Keyboards
Glen Metal – Vocals

Track-Liste:

1. Morphine Dreams (01:01)
2. Mercenaries of Metal – The Quest Pt. I (06:10)
3. Inquisition – The Quest Pt. II (04:33)
4. Swords and Diamonds (04:23)
5. Thunder and Lightning (03:34)
6. The Story of the Sword (05:32)
7. Long Live the Warriors (05:34)
8. Triumph of Steel (04:52)
9. The Midas Touch (Samurai) – The Quest Pt. III (06:06)
10. Through the Skies (04:28)

Wer wird sich denn gleich im Gedärm seiner Gegner suhlen…

Im Zuge der um die Jahrtausendwende herum aktiv gewordenen Genre-Combos ist die Rechnung kaum ohne die Schweden von CRYONIC TEMPLE zu machen – die nach ihrem rundum überzeugenden Debütalbum CHAPTER I (2002, siehe Review) sogleich entsprechend nachlegten. Das zweite offizielle Werk aus der Hit- und Hymnenschmiede um den damals die Band repräsentierenden Frontmann Johan Johansson horcht dabei auf den einiges vorwegnehmenden Namen BLOOD, GUTS & GLORY, beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 46 Minuten – und macht grundsätzlich ziemlich genau da weiter, wo man das erfolgreiche CHAPTER I vor nicht allzu langer Zeit geschlossen hatte. Anders gesagt: auch auf dem zweiten Album der Schweden wird ein recht klassischer und schnörkelloser Power Metal der europäischen Spielart inszeniert, der einer gewissen Hymnen-Tauglichkeit nicht entbehrt. Und tatsächlich: ganz im Sinne von seinerzeit ganz ähnlich auftretenden Bands wie etwa STEEL ATTACK hatten es CRYONIC TEMPLE dabei durchaus geschafft, den ein oder anderen kultverdächtigen Moment festzuhalten. In Bezug auf das vorliegende Album gilt das selbstverständliche mit Ausnahme des überraschend unerträglichen Intros MORPHINE DREAMS, das mit seinen künstlichen Streichern zunächst noch einen alles andere als formidablen Eindruck hinterlässt.

Danach aber geht es mit Titeln wie der unaufhaltsam voranpreschenden Band- und Genre-Hymne MERCENARIES OF METAL sogleich ordentlich los – und das mit einer solchen Überzeugungskraft und Vehemenz, dass dem geneigten Power Metal-Konsumenten die ein oder andere Freudenträne ins Auge schießen könnte. Sicher handelt es sich hierbei um eine ebenso glückliche wie letztendlich doch eher seltene Erscheinung – erst Recht wenn man bedenkt, dass CRYONIC TEMPLE erst gar nicht allzu viel oder allzu außergewöhnliches unternommen haben um die Gunst der Hörerschaft zu gewinnen. Anders gesagt: nicht viele Bands, die – wenn man es einmal ganz nüchtern betrachtet – so schlicht klingen wie CRYONIC TEMPLE konnten und können eine ähnlich intensive und vor allem glaubhafte Wirkung etablieren. Als Pate für das schier perfekt aufgehende Konzept der Band stehen in diesem Fall klar Nummern wie das zünftige INQUISITION, das hymnisch-HAMMERFALLeske THE STORY OF THE SWORD oder das dezenten in Richtung MANOWAR schielende TRIUMPH OF STEEL – was letztendlich deutlich weniger nach MANOWAR klingt als beispielsweise das vorangegangene LONG LIVE THE WARRIORS. Selbige Nummer sorgt im übrigen auch dafür, dass das Album trotz seiner zahlreichen Highlights dezent hinter seinem Vorgänger CHAPTER I zurückstecken muss – analog zum ebenfalls nicht unbedingt herausragenden Abschluss des Albums in Form des etwas zu wilden THROUGH THE SKIES, dass in Bezug auf das Drumming und den vergleichsweise plumpen Refrain nicht wirklich überzeugt.

Davon abgesehen stehen aber so gut wie alle Zeichen auf grün, und das sogar auch oder vor allem in Bezug auf die Details – wie etwa die wahnwitzigen Soli-Parts, die gerne mal an die regulären Titel angehängt werden. Wenn man so will gehören sie vielleicht sogar zum besten, was das Genre jemals hervorgebracht hat – oder zumindest zum unterhaltsamsten. Dass das Handwerk der einzelnen Mitglieder, und insbesondere das des damaligen Leadsängers Johan Johansson eine ebenso überzeugende wie unvergleichliche Figur macht wie die allgemein recht vorteilhaft ausgefallene Abmischungs- und Produktionsarbeit, setzt dem Ganzen die Krone auf. Fest steht: ein Album wie BLOOD, GUTS & GLORY gehört in jede gut sortierte Power Metal-Sammlung.

Absolute Anspieltipps: MERCENARIES OF METAL, INQUISITION, THE STORY OF THE SWORD, TRIUMPH OF STEEL


„Ein zeitloser Geheimtipp.“

Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – Scent Of Human Desire (2003)

Alben-Titel: Scent Of Human Desire
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. Mai 2003
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Roberto „Ramon“ Messina – Vocals
Aldo Lonobile – Guitars (lead)
Paolo „Paco“ Gianotti – Guitars
Andrea Buratto – Bass
Luca Cartasegna – Drums
Antonio Agate – Keyboards

Track-Liste:

1. Rain (05:26)
2. Still Here (03:01)
3. 1000 Eyes‘ Show (05:45)
4. More Than Simple Emotions (04:01)
5. Surrounding (05:53)
6. Desire (05:16)
7. Virgin Street 69 (04:15)
8. Runaway Train (04:24)
9. Scent of a Woman (04:44)
10. Life Part 1 – Walking Through the Dawn (01:53)
11. Life Part 2 – Daylight (08:41)

Veränderungen sind grundsätzlich eine schöne Sache, aber…

Auch wenn die Band schon seit vielen Jahren aktiv ist und im Laufe der Jahre mehr als eine handvoll Alben veröffentlicht hat, wird sie höchstwahrscheinlich nicht jeder kennen. Dennoch konnten die bereits 1997 gegründeten SECRET SPHERE vor allem zu ihrer Anfangs- und Blütezeit relativ problemlos mit anderen seinerzeit  aktiven und die italienische Power Metal-Szene maßgeblich mitgestaltenden Combos wie etwa LABYRINTH konkurrieren – wofür sowohl das höchst gelungene Debütalbum MISTRESS OF THE SHADOWLIGHT (1999, siehe Review) als auch das 2001 veröffentlichte, sogar noch einen Tick bessere A TIME NEVER COME (Review) bis heute Pate stehen. Aber wie es eben so ist – und zweifelsohne auch bei LABYRINTH der Fall war – sollten selbst jene nicht vor etwaigen stilistischen Verirrungen gefeit gewesen sein, die dabei halfen das seinerzeit noch junge Genre aus seinen Kinderschuhen zu befreien.

Und das ist in einem Fall wie diesem schon etwas verwunderlich, zumal zwischen dem zuvor veröffentlichten A TIME NEVER COME und dem vorliegenden SCENT OF HUMAN DESIRE gerade einmal 2 Jahre liegen. Dennoch, und deshalb auch die bereits nicht viel gutes verheißende Andeutung; hatte sich in Bezug auf den Sound der Italiener durchaus einiges getan – wenn auch eher nicht in eine wünschenswerte Richtung. Anders gesagt: wer erwartet hat, dass SECRET SPHERE den auf A TIME NEVER COME begonnen Power Metal-Siegeszug mit SCENT OF HUMAN DESIRE fortsetzen würden, konnte und kann eigentlich nur enttäuscht werden. Nicht nur, dass sich die Italiener auf ihrem dritten Studiowerk weitaus zurückhaltender, zahmer und im Endeffekt auch wesentlich unspektakulärer inszenierten – auch machten sie fatalerweise nicht davor Halt, einige für sie neue Elemente in ihrem Sound zu verbauen. Das konnten mal explizit balladeske sein, wie etwa in MORE THAN SIMPLE EMOTION, DESIRE oder SCENT OF A WOMAN und auch an (zu) vielen anderen Stellen – oder aber solche, von denen man zumindest auf einem Power Metal-Album unbedingt einen großen Abstand hätte nehmen sollen.

Namentlich sind hier jene Anwandlungen gemeint, die SECRET SPHERE in Titeln wie STILL HERE, VIRGIN STREET 69, RUNAWAY TRAIN und sogar dem überlangen Rausschmeißer LIFE PART 2 offenbarten. Die an den Titel angehängte Passage, in denen ein nichtssagendes Geklimper von einem schallenden Gelächter der Marke Beavis & Butthead-Imitat begleitet wird; setzt dem Ganzen natürlich die Krone auf. Es ist merkwürdig, aber: hört man Titel wie diese, kann man kaum glauben dass dem musikalischen Schaffen der Band einst eine gewisse Größe oder auch Eleganz innewohnte. Sicher, gegen ein wenig Spaß hat grundsätzlich niemand etwas einzuwenden. Wenn das Ganze aber in eine derart plumpe Richtung driftet wie hier, sieht die Sache schon anders aus. Immerhin: in Bezug auf das Handwerk respektive ihr Instrumentenspiel können SECRET SPHERE selbst hier überzeugen, mit Ausnahme des in diesem Fall nicht selten blöd dastehenden (was durchaus eine treffende Formulierung ist) Leadsängers Roberto Messina oder der wie in SURROUNDING mehr schlecht als recht inszenierten Chöre. Dennoch: dass sich ausgerechnet SECRET SPHERE in einer derart expliziten Art und Weise von ihrer ursprünglich eingeschlagenen Marschrichtung wegbewegten, stimmt einen schon etwas wehmütig.

Fest steht: mit den hier präsentierten, ärgerlich auf komisch und modern getrimmten Titeln sowie der doch recht großen Anzahl an maximal soliden, aber eben nicht herausragenden Balladen konnten und können SECRET SPHERE einfach keinen Blumentopf gewinnen. Zumal sie schon in diesen Momenten stark an die Kollegen von LABYRINTH erinnern – zumindest mehr als auf ihren vorherigen, weitaus eigenständigeren Alben. Das einzige, was SCENT OF HUMAN DESIRE so noch vor der bodenlosen Versenkung rettet; sind lediglich jene beiden Nummern die doch noch an die einstige Kraft der Band erinnern – der starke Opener RAIN sowie das balladesk angehauchte, dabei aber vergleichsweise wirkungsvolle 1000 EYES‘ SHOW.

Absolute Anspieltipps: RAIN, 1000 EYES SHOW


„Zu viele Balladen treffen auf zu viele Blödeleien. Und das sollen SECRET SPHERE sein ?“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – Golden Dawn (2003)

Alben-Titel: Golden Dawn
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2003
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Matteo Galbier – Bass
Alessio Garavello – Vocals
Andrea Martongelli – Guitars
Matteo Ballottari – Guitars
Paolo Perazzani – Drums

Track-Liste:

1. Fire, Set Us Free (04:24)
2. Black Rain (04:04)
3. The End of the World (04:18)
4. The Traveller (04:13)
5. Master of the Souls (04:53)
6. Arthemis (04:14)
7. The Axe Is Coming (04:11)
8. From Hell to Hell (04:00)
9. Golden Dawn (04:21)
10. Might for Right (Heavy Load cover) (03:15)

Ein neuer Tag ist angebrochen, es gilt etwas zu schaffen.

GOLDEN DAWN ist das dritte offizielle Studioalbum der italienischen Power Metal-Combo ARTHEMIS, die seit ihrem Debütalbum CHURCH OF THE HOLY GHOST (siehe Review) und der Rekrutierung des späteren POWER QUEST-Leadsängers Alessio Garavello immer öfter von sich hören ließ. Doch wie sollten ARTHEMIS noch eine Schippe auf den überaus gelungenen Vorgänger THE DAMNED SHIP (Review), auf dem Garavello seinen tadellosen Einstand feierte; drauflegen – und das auch noch in so kurzer Zeit ? Schließlich sind zwischen den beiden Alben gerade einmal 2 Jahre vergangen. Immerhin, ARTHEMIS geben auf ihrem GOLDEN DAWN durchaus eine Antwort auf diese und andere Fragen – das Problem ist nur, dass sie nicht wirklich überzeugend ausfallen.

Das gilt insbesondere dann, wenn man die beiden Vorgänger zwecks eines direkten Vergleichs zu Rate zieht. Denn, und diese Feststellung ist noch völlig unabhängig von der Qualität des jeweils enthaltenen Materials zu treffen: CHURCH OF THE HOLY GHOST und THE DAMNED SHIP waren schlicht ungleich spannender als das insgesamt ebenfalls nicht schlechte, vergleichsweise aber doch eher langatmige GOLDEN DAWN. Sicher, der Leadgesang von Alessio Garavello klingt auch in diesem Fall weitestgehend stilsicher – selbst wenn seine hohen Gesangslagen auch mal dezent anstrengend werden können, wie etwa im Opener FIRE SET US FREE – und ist zusätzlich mit einem hohen Wiedererkennungswert versehen. Auch die Gitarren frickeln recht munter durch die Landschaft, analog zum wieder angenehm präsenten Bass und dem variablen Schlagzeugspiel – die einzelnen Mitglieder haben also schon einmal nichts von ihren Fähigkeiten eingebüßt. Die Präsentation fällt ebenfalls schön wuchtig aus, und überzeugt vor allem mit einem antreibenden Druck in den tieferen Frequenzen.

Die Tatsache, dass die einst herausragenden Soli mit ihrem leicht exzentrischen Anstrich nunmehr deutlich gekürzt wurden, die progressiveren Strukturen weichen mussten und sich ARTHEMIS auch sonst eher angepasst geben weist aber schon auf das eigentliche Problem des Albums hin. Es geht einfach zu sehr auf Nummer sicher, wagt keinerlei nennenswerte Ausbrüche – und fühlt sich im Endeffekt schlicht deutlich zu gleichförmig an. Zwar sind so gut wie alle Nummern als solide zu bezeichnen – wenn man von der wirklich unsäglichen Ballade GOLDEN DAWN absieht – aber mehr auch nicht. Markant herausragende Highlights gibt es keine – auch wenn THE END OF THE WORLD mit seiner außergewöhnlichen Rhythmik verdächtig nah an eben jenem begehrten Status kratzt. Doch seien es das etwas unentschlossene BLACK RAIN mit seinen Rock-Anleihen, das nicht zuletzt durch den verschenkten Refrain etwas holprige THE TRAVELLER, das gesanglich dezent problematische MASTER OF SOULS, das langatmige ARTHEMIS – das hier dargebotene Material bewegt sich weit davon entfernt unterirdisch zu sein, doch wirklich schlagkräftig sind die hiesigen ARTHEMIS-Argumente dieses Mal auch nicht.

Schlussendlich: ARTHEMIS können mit und auf ihrem GOLDEN DAWN selbst in Anbetracht ihres offensichtlich vorhandenen Talentes nicht allzu viel reißen – zumindest wenn darum geht, ihre selbst auferlegte Messlatte zu erreichen. Das ist zwar schade, aber ihre gut bestückte Diskografie hält bekanntlich noch einige andere; teilweise deutlich hochkarätigere Werke bereit. Fans der Combo werden ohnehin zugreifen, und das gewissermaßen auch mit Recht – Neueinsteiger sollten sich aber vielleicht lieber erst mit dem stärkeren THE DAMNED SHIP befassen.

Absolute Anspieltipps: FIRE SET US FREE, THE END OF THE WORLD, THE AXE IS COMING


„Noch ganz locker ein überdurchschnittliches Genre-Album – doch von ARTHEMIS hätte man durchaus noch etwas mehr erwarten können.“

Metal-CD-Review: THE STORYTELLER – Tales Of A Holy Quest (2003)

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Alben-Titel: Tales Of A Holy Quest
Künstler / Band: The Storyteller (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. November 2003
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Martin Hjerpe – Drums
Jacob Wennerqvist – Guitars
Fredrik Groth – Guitars, Keyboards
L.G. Persson – Vocals, Bass

Track-Liste:

1. Voices from the Past (00:46)
2. Seed of Lies (04:27)
3. Conviction (05:44)
4. A Holy Quest (03:52)
5. Words Out of Greed (03:52)
6. Chamber of Torture (04:38)
7. The Mass (05:02)
8. Blinded Eyes (04:17)
9. When All Hope Has Faded (03:28)
10. Trails of Blood (08:03)
11. …and Still They Speak (00:50)

Wenn der Geschichten-Erzähler dreimal ruft.

TALES OF A HOLY QUEST ist der Name des dritten Studioalbums der Schwedischen Power Metaller von THE STORYTELLER, deren illustre Geschichten man zuvor schon auf dem überraschenden Debüt (Review) und dessen sogar noch etwas besseren Nachfolger CROSSROAD (Review) belauschen konnte. Als drittes Album innerhalb von gerade einmal drei Jahren ist es klar der ersten markanten Blütezeit der Band zuzuordnen – einer Zeit, in der man über reichlich Inspiration verfügte und die im Laufe der Jahre gesammelte Ideen von den insgesamt vier Demo-Veröffentlichungen vervollständigte, perfektionierte und so gesehen nach bester STORYTELLER-Manier abrundete. Was an TALES OF A HOLY QUEST als drittem Langspieler im Bunde zunächst auffällt, ist jedoch nicht die enthaltene Musik.

Schließlich wird man in Bezug auf das zweifelsohne auffallende Cover-Artwork geneigt sein, zweimal hinzusehen. Vor allem aber offenbart es eine mitunter interessante Frage: haben sich THE STORYTELLER einfach nur mit ihrer Motiv-Wahl vergriffen, oder ist das Ganze gar als selbstsichere Kampfansage zu verstehen ? Die mit einem Motiv wie diesem zu attackierenden wären in diesem Fall wohl vornehmliche jene Kritiker, die sich an der bisher vergleichsweise einfach gestrickten Musik der Schweden gestört haben. So oder so bietet auch das dritte Album genau das, was man THE STORYTELLER auch erwartet hätte: einen gradlinig gestrickten, hymnischen und wenn man so will klassisch-europäischen Power Metal. Einen, der folglich weder Neuland betritt noch als besonders herausragend zu bezeichnen ist – aber handwerklich mehr als nur solide dargeboten und dazu noch mit einer gewissen Glaubwürdigkeit transportiert wird.

Da das kurze Intro sowie das ganz ähnlich aufgemachte Outro relativ nichtssagend sind, bleiben dem Album immerhin 9 vollwertige Titel. Und die gehen aufgrund der seit dem ersten Album omnipräsenten musikalischen Trademarks der Band schnell ins Ohr. Abermals liegt der Fokus explizit auf den Gitarren, der klassischen Instrumentierung ohne großartige Schnörkel sowie einem nur minimalen Keyboardeinsatz; wieder gibt es allerlei gut konstruierte und angenehm hymnische Refrains zu bestaunen, wieder erklingt die (vielleicht nicht perfekte, aber doch einzigartige) Leadstimme von Band-Frontmann L.G. Persson und erzählt so manch interessante Geschichte. Auf TALES OF A HOLY QUEST bleibt somit vieles beim alten – sodass vor allem diejenigen bedient werden, denen schon die Vorgänger gefielen. Anders herum bedeutet das aber auch: wer bisher nichts mit THE STORYTELLER anfangen könnte, der wird auch durch TALES OF A HOLY QUEST nicht zum Fan werden.

Ein paar Anreize respektive eventuelle Verbesserungen im Vergleich zu den Vorgängern gibt es dann aber doch. So kommt das Album insgesamt wesentlich düsterer daher, und es finden sich auch mehr progressive Ansätze. Ganz so einfach machen es sich THE STORYTELLER dann eben doch nicht – sie sind offenbar darauf bedacht sich weiterzuentwickeln, und eine möglichst große Bandbreite an eindrücken zu vermitteln. Und das ist ihnen in diesem Fall auch gelungen. Die Entscheidung mehr Hintergrundsänger ins Boot zu holen wirkt sich positiv aus, Leadsänger L.G. Persson versucht sich erfolgreich in bis dato unbekannten Gefilden (THE MASS), der nunmehr deutlich schwerere und ernstere Gesamteindruck sowie das neuerliche inhaltliche Konzept stellen eine willkommene Abwechslung zu den teils quietschfidelen Vorgängern dar.

Absolute Anspieltipps: SEED OF LIES, CONVICTION, WORDS OUT OF GREED, TRAILS OF BLOOD


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„Auch im dritten Anlauf schwächeln THE STORYTELLER nicht.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Epica (2003)

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Alben-Titel: Epica
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. Januar 2003
Land: USA
Stil / Genre: Prog Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Khan – Vocals
Thomas Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
Casey Grillo – Drums

Track-Liste:

1. Prologue (01:07)
2. Center of the Universe (05:27)
3. Farewell (03:41)
4. Interlude I (Opiate Soul) (01:10)
5. The Edge of Paradise (04:09)
6. Wander (04:24)
7. Interlude II (Omen) (00:40)
8. Descent of the Archangel (04:35)
9. Interlude III (At the Banquet) (00:30)
10. A Feast for the Vain (03:57)
11. On the Coldest Winter Night (04:03)
12. Lost & Damned (04:55)
13. Helena’s Theme (01:51)
14. Interlude IV (Dawn) (00:27)
15. The Mourning After (Carry On) (04:59)
16. III Ways to Epica (06:14)

EPICA, oder: die Definition des Power Metal ?

Die US-Amerikanischen Power Metaller der bereits 1991 gegründeten Genre-Combo KAMELOT haben durchaus etwas Zeit gebraucht, um ihre Position zu festigen – für sich selbst und ihre eigene Identität, aber auch im Hinblick auf die niemals schlafende internationale Konkurrenz. Spätestens ab 2001 und mit den beiden hervorragenden Alben THE FOURTH LEGACY (Review) sowie dessen Nachfolger KARMA (Review) schien es dann aber endgültig besiegelt: KAMELOT waren zu einer wichtigen Genre-Größe aufgestiegen, und zu Recht in aller Munde. Aus dieser markanten Blütezeit der Band stammt auch das sechste Studioalbum EPICA – ein Werk, welches mit satten 16 Titeln bestückt ist und den wuchtigen musikalischen Eindruck des direkten Vorgängers KARMA kontinuierlich fortgesetzt hat. Offenbar in einer derart aussagekräftigen Art und Weise, dass sich eine bis dato als SAHARA DUST bekannte Band kurzerhand umbenannt hat – in die heute ebenfalls sehr bekannte Symphonic Power Metal-Combo EPICA aus den Niederlanden. Noch schöner und bemerkenswerter ist indes, dass sich daraufhin eine gewisse Freundschaft zwischen den beiden Bands entwickelte und sie in Zukunft des öfteren zusammenarbeiten sollten.

EPICA als sechstes KAMELOT-Album in seine Einzelteile zu zerlegen, fällt indes nicht ganz leicht. Aber vielleicht ist das auch die falsche Herangehensweise, will man in den durchaus speziellen Kosmos des Albums einsteigen. Ein Kosmos, der sich nicht nur durch die markante Qualität des enthaltenen Materials definiert – sondern auch durch die spezielle, eng mit der Philosophie der Band vernetzten Art der Präsentation. Der hier vorgelegte Spagat zwischen auch mal deutlich düstereren, getragenen Stimmungen und typisch-antreibenden Power Metal-Elementen war zwar auch schon auf den Vorgängern auszumachen; sucht in Bezug auf die Qualität von EPICA aber vergebens seinesgleichen. Die somit generierte, bemerkenswert poetische Gesamtwirkung kann somit auch im breit gefächerten internationalen Vergleich als einzigartig bezeichnet werden – und gilt seit jeher als eines der herausragendsten Alleinstellungsmerkmale der Band. Davon abgesehen schienen auch alle einzelnen Mitglieder für EPICA noch einmal zu ihrer Höchstform aufgelaufen zu sein. Das Riffing klang beispielsweise noch nie so knackig und variabel, der Gesang von Roy Khan noch nie so emotional und treffsicher. Dieser handfeste Eindruck bestätigt, dass KAMELOT den direkten Vorgänger KARMA sogar noch einmal großzügigen toppen konnten.

Verantwortlich dafür ist zu großen Teilen auch die spannende Aufgliederung des Albums, und wenn man so will auch das Timing: KAMELOT streuen hier immer wieder sehr gute oder gar herausragende (OPIATE SOUL) Interludien ein, die für Stimmung sorgen und den ein oder anderen Titel perfekt einleiten. Dementsprechend sollte man auch weitestgehend davon absehen, sich einzelne Nummern herauzupicken – am besten funktioniert EPICA noch als Gesamtwerk, oder auch Gesamtkunstwerk. Dabei ist beileibe nicht zu verhehlen, dass auch Einzelbetrachtungen kaum negatives hervorbringen würden. CENTER OF THE UNIVERSE beispielsweise bietet eine so noch nie dagewesene Symbiose aus balladesken, metallischen und hymnischen Elementen; FAREWELL überzeugt als wuchtiger Stampfer mit einem starken Instrumental, ON THE EDGE OF PARADISE als dezent mystisch angehauchtes Opus mit starken Hintergrundgesängen. Im weiteren Verlauf kann das Album auch mal deutlich progressivere oder balladeskere (WANDER, ON THE COLDEST WINTER NIGHT) Stimmungen anberaumen; schneidet aber auch dabei stets höchst zufriedenstellend ab. Schlussendlich kann man nur folgendes festhalten: EPICA ist eines der vielleicht besten KAMELOT-Alben überhaupt, in jedem Fall aber das beste bis zum Jahre 2003 – schlicht, da es in so gut wie jedem Moment überzeugt und es die gefühlte Quintessenz der Band repräsentiert.

Absolute Anspieltipps: CENTER OF THE UNIVERSE, FAREWELL, A FEAST FOR THE VAIN, LOST AND DAMNED


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„KAMELOT auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.“