Metal-CD-Review: DOMINE – Stormbringer Ruler (The Legend Of The Power Supreme) (2001)

Alben-Titel: Stormbringer Ruler – Legend Of…
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Januar 2001
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Morby – Vocals
Enrico Paoli – Guitars
Riccardo Paoli – Bass
Riccardo Iacono – Keyboards
Stefano Bonini – Drums

Track-Liste:

1. The Legend of the Power Supreme (01:30)
2. The Hurricane Master (04:32)
3. Horn of Fate (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 2) (07:33)
4. The Ride of the Valkyries (07:15)
5. True Leader of Men (06:19)
6. The Bearer of the Black Sword (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 1) (07:21)
7. The Fall of the Spiral Tower (06:14)
8. For Evermore (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 3) (06:24)
9. Dawn of a New Day – A Celtic Requiem (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 4) (10:58)

Wenn die Herrschaft über Drachen nicht ausreicht.

Ja, die Italiener von DOMINE hatten nicht unbedingt einen guten Start. Zumindest keinen, den man so hätte erwarten können – wofür allein die lange Wartezeit von immerhin 14 Jahren steht, die die Band seit ihrer Gründung bis hin zum Debütalbum CHAMPION ETERNAL (siehe Review) verstreichen ließ. Doch offenbar musste die Zeit erst reif werden für die Italiener respektive ihre Musik, mit der DOMINE in den späten 90ern Jahren auf einen äußerst fruchtbaren Boden stießen – und das nicht nur in ihrem Heimatland Italien. Sicher, das Debütalbum hatte seine Schwächen; und das vor allem in Bezug auf die akustische Qualität der heroisch angehauchten Inszenierung – doch spätestens mit dem Zweitwerk DRAGONLORD (siehe Review) konnten derlei Probleme vollständig aus dem Weg geräumt werden. Wie man heute weiß, wurde es daraufhin aber noch lange nicht still um DOMINE; die schlicht ihr musikalisches Ding durchzogen und sich nicht wirklich um das scherten was all die anderen Genre-Bands fabrizierten – sodass mit dem dritten offiziellen Studioalbum STORMBRINGER RULER gewissermaßen zu rechnen war.

Entsprechend wenig überraschend ist, dass das Album in etwa dort ansetzt wo man mit und auf DRAGONLORD aufgehört hatte – wobei man aber keineswegs von einem Wiederholungseffekt im negativen Sinne ausgehen sollte. Anders gesagt: auch wenn STORMBRINGER RULER zweifelsfrei als DOMINE-Release zu identifizieren ist und einige der hier vertretenen Nummern genauso gut auf dem Vorgänger hätten Platz finden können, stellen sich dennoch kaum Ermüdungserscheinungen ein. Schließlich macht schon der Auftakt des Albums klar, wohin die Reise gehen soll: während das eigentliche Intro THE LEGEND OF THE POWER SUPREME bereits ordentlich Stimmung macht (und in der Retrospektive dezent an DRAGONLAND’s Intro zu UNDER THE GREY BANNER erinnert); gelang den Italienern mit THE HURRICANE MASTER eine ihrer wohl schlagkräftigsten Nummern überhaupt. Die hier präsentierte Energie, Spielfreude und auch Sangeslust seitens des sich alles andere als zurückhaltenden Leadsängers Adolfo Morviducci aka Morby wird man jedenfalls nur allzu gerne annehmen – und das vermutlich auch dann, wenn man der italienischen Power Metal-Szene schon immer ein wenig skeptisch gegenübersteht.

Das sich DOMINE aber nicht nur wiederholten oder versuchten Abwandlungen des immer gleichen musikalischen Schemas an den Mann zu bringen, zeigt sich mit Nummern wie HORN OF FATE (das eine für die Italiener typisch mitreißende bis extrem hymnische Wirkung etablieren kann, im Refrain aber etwas andere Wege geht), dem vergleichsweise ruhig-stampfenden sowie mit einigen klassischen Bezügen und symphonischen Verzierungen ausgestatteten THE RIDE OF THE VALKYRIES, dem von einer längeren Akustik-Passage eingeleiteten THE BEARER OF THE BLACK SWORD oder dem gesanglich erfrischenden THE FALL OF THE SPIRAL TOWER. Während TRUE LEADER OF MEN problemlos als weiterer hochkarätiger DOMINE-Brecher durchgeht, offenbaren sich mit FOR EVERMORE und DAWN OF A NEW DAY dann aber die vielleicht einzigen wirklichen Knackpunkte des Albums. Der Grund dafür ist schnell gefunden: im ersten Fall haben DOMINE zum ersten Mal in ihrer Bandgeschichte nicht davor zurückgeschreckt, eine waschechte Ballade zu inszenieren – und dazu noch eine, die grundsätzlich alle typischen Genre-Klischees bedient. Immerhin, einen in jedem Fall positiven Aspekt hat das Ganze: man bekommt erstmals auch eine gänzlich andere Seite von Leadsänger Adolfo Morviducci zu Gesicht, der den hier dargebotenen Stimmen-Spagat überraschend vorzüglich meistert. Im zweiten Fall dagegen haben DOMINE schlicht etwas zu viele Durststrecken eingebaut, und die albern gesprochene Einleitung hätte ebenfalls nicht sein müssen.

Schlussendlich: mit ihrem STORMBRINGER RULER haben sich DOMINE alles andere als die Blöße gegeben. Einfach und schlicht ausgedrückt bedeutet das vornehmlich eines: wer schon dem Vorgänger DRAGONLORD eine gewisse Wertschätzung gegenüberbringen konnte, wird auch mit dem dritten Album der Italiener glücklich werden. Und das beinahe wunschlos, zumal auch dieses Mal absolut keine Schwächen in Bezug auf die Handhabung und klangliche Präsentation der Instrumente, die Abmischung oder andere Sound-relevante Aspekte festzustellen sind. An die generelle Ausreizung diverser Klischees, die überladenen Alben- und Titelbezeichnungen sowie die stets nicht gerade ansehnlichen Alben-Artworks wird man sich dann wohl auch noch gewöhnen können… vielleicht auch, da sie einfach typisch DOMINE sind.

Absolute Anspieltipps: THE HURRICANE MASTER, HORN OF FATE, THE RIDE OF THE VALKYRIES, TRUE LEADER OF MEN


„Der Stoff, aus dem (Power Metal-)Träume sind.“

Filmkritik: „A.I. – Künstliche Intelligenz“ (2001)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Supertoys Last All Summer Long von Brian Aldiss
Regie: Steven Spielberg
Mit: Haley Joel Osment, Jude Law, Frances O’Connor u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 140 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Drama
Tags: AI | Künstliche Intelligenz | Roboter | Haley Joel Osment | Kinderstar

Wenn Dein Roboter-Nachbar menschlicher ist als Du.

Inhalt: Auch wenn man meinen müsste, dass man mit dem jungen David (Haley Joel Osment) einen ganz normalen kleinen Jungen vor sich hat; trügt der äußere Schein. Tatsächlich handelt es sich um ein neues und extrem fortschrittliches Roboter-Modell – das im Gegensatz zu seinen vielen Vorgänger-Modellen erstmals dazu in der Lage ist, echte Liebe zu empfinden. Für seinen ersten größeren Feldversuch hat sich der Erschaffer des Roboters, Dr. Hobby (William Hurt) die Familie der Swintons (Sam Robards, Frances O’Connor) ausgesucht. Schließlich liegt deren Sohn Martin (Jake Thomas) schon seit längerem im Koma – und David könnte den Eltern helfen, die schwere Zeit der Ungewissheit zu überstehen. Offenbar klappt das auch recht gut – bis Martin eines Tages wie durch ein Wunder erwacht, und es zu ersten handfesten Spannungen zwischen ihm und seinem neuen mechanischen Bruder kommt. Einige unglückliche Umstände führen dazu, dass David in einem verlassenen Waldstück ausgesetzt wird – und sich nach dem Zusammenschluss mit einem anderen, erwachsenen Roboter (Jude Law) auf die Suche nach einer Möglichkeit macht zu einem echten Jungen zu werden. Schließlich glaubt er, nur so die Liebe seiner Mutter zurückgewinnen zu können…

Kritik: Wann, wo und von wem das erste Mal stichhaltigere Gedanken zum Thema der Robotik und der künstlichen Intelligenz geäußert wurden, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Fakt ist nur, dass die Theorie einer Deus Ex Machina eine relativ zeitlose ist und dabei nicht unbedingt einer tatsächlichen Umsetzung (oder der Möglichkeit zu einer Umsetzung, der man sich mittlerweile immer weiter nähert) bedarf – und durch berühmtere literarische Abrisse immer wieder befeuert wird. Einer davon findet sich etwa in Form der Kurzgeschichte SUPERTOYS LAST ALL SUMMER LONG des britischen Schriftstellers Brian Aldiss – die im Sinne einer filmischen Aufarbeitung ursprünglich das Interesse des legendären Regisseurs Stanley Kubrick geweckt hatte, nach seinem Tod aber in die Hände von Steven Spielberg übergeben wurde. Letztendlich dabei herausgekommen ist der 2001’er Spielfilm A.I. – KÜNSTLICHE INTELLIGENZ – und das einerseits als recht typisches und vielleicht auch genau so erwartetes rundum-sorglos-Paket der Marke Hollywood; andererseits aber auch als überraschend tief schürfendes und emotional anspruchsvolles, im Sinne der eigenen Spielberg-Vorlage E.T. – DER AUSSERIRDISCHE (siehe Review) magisches Leinwandspektakel für jung und alt.

Ob man das Ganze dabei nun aus der Sicht der entsprechenden Vorlage, der Spielberg-Filmografie oder gar der einige Parallelen aufweisenden PINOCCHIO-Geschichte betrachtet, spielt dabei keine allzu große Rolle – schließlich ermöglicht Spielberg seinen Zuschauern hier einen möglichst unkomplizierten, unmittelbaren Einstieg in die Geschichte. Kurioserweise mündet diese alles andere als spezifische Vorgehensweise hier aber nicht in einem oberflächlichen Durcheinander – vielmehr untersützt sie den Eindruck, dass Spielberg seine Stärken als vergleichsweise universeller, aber eben auch nicht gänzlich substanzloser Hollywood-Unterhalter ausspielen konnte. Dazu passt auch die Feststellung, dass A.I. weder in inhaltlicher noch gestalterischer Hinsicht nennenswerte Probleme offenbart – und selbst potentielle Schwächen (wie eben auch die alles andere als auf Konfrontation gebürstete, eher in Richtugn eines modernen Märchens driftende Machart) ins positive verklehrt werden können.

Letztendlich ist A.I. damit ein Film geworden, der sich trotz seines gerne auch mal hochmodern dargestellten Technologie-Bezugs und der eingeschobenen Kubrick-Hommage an der absoluten Basis orientiert – und den Zuschauer weniger mit kopflastigem Dystopie-Gebrabbel als mit vielen zu Herzen gehenden Momenten ködert, gut unterhält und mit Sicherheit auch über den Film-Kontext hinaus beschäftigen wird. Große bonuspunkte gibt es dementsprechend auch für den atmospährischen Score von John Williams, sowie die Liestung des damals hochkarätigsten Kinderdarstellers überhaupt – Haley Joel Osment. Sofern es hier bei einer einmaligen Ambition bleibt – und sich Spielberg nicht etwa doch noch zu einem potentiell kruden Sequel hinreissen lässt – geht diese Form der prinzipiell etwas seichter aufgemachten Science Fiction speziell auch für ein jüngeres Publikum absolut in Ordnung. Im besten Fall wirkt sie sogar leicht kukltverdächtig – sodass man hier durchaus von Spielberg’s zweiten E.T. sprechen könnte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros Film GmbH

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„Ein rundum stimmiges, brillant gespieltes und angenehm zeitloses Meisterwerk der Science Fiction.“

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Metal-CD-Review: EDGUY – Mandrake (2001)

Alben-Titel: Mandrake
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. September 2001
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Tears of a Mandrake (07:11)
2. Golden Dawn (06:08)
3. Jerusalem (05:27)
4. All the Clowns (04:49)
5. Nailed to the Wheel (05:41)
6. The Pharaoh (10:37)
7. Wash Away the Poison (04:40)
8. Fallen Angels (05:15)
9. Painting on the Wall (04:38)
10. Save Us Now (04:37)

Ein bisschen Spaß muss sein ?

Man erinnert sich: um die Jahrtausendwende herum hat es nicht nur in Bezug auf etwaige Feuerwerksspektakel gekracht. Denn auch und gerade in den musikalischen Gefilden des europäischen Power Metals ging es verdammt heiß her. Im Kampf um die potentielle Genre-Krone der aus Deutschland stammenden Combos war die Rechnung in jedem Fall nicht ohne die Jungs von EDGUY zu machen – die mit ihrem auffällig starken Alben-Trio aus VAIN GLORY OPERA (siehe Review), THATER OF SALVATION (Review) und THE SAVAGE POETRY (Review) sicher einen der markanteren Soundtracks zum Millenniums-Übergang ablieferten. Darauf ruhten sich die Fulderaner indes nicht aus – schließlich stand der hiesigen Power Metal-Welt schon 2001 das nächste EDGUY-Album ins Haus. Selbiges horcht auf den Namen MANDRAKE, beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von einer guten Stunde – und markierte eventuell einen dezenten Umbruch in der stilistischen Ausrichtung der Band, der mit dem 2004 erschienenen HELLFIRE CLUB noch expliziter ausgeführt wurde.

Ein Umbruch, der sich indes weniger auf die feucht-fröhliche und für das Genre typische Spielart, das nach wie vor perfekte Handwerk oder potentiell einschneidende Besetzungswechsel bezog. Nein, vielmehr spielte der hier gemeinte frische Wind auf die von EDGUY angestrebte inhaltliche und damit auch atmosphärische Komponente an – schließlich sollte die auf MANDRAKE erstmals auftauchende Frage nach etwaigen musikalischen Clowns nicht von ungefähr gestellt werden. Wenn man so will, markierte das auch als Videosingle ausgekoppelte ALL THE CLOWNS (und selbstverständlich auch Titel wie SAVE US NOW) so den Auftakt einer neuen EDGUY-Ära – einer Ära, in der sich die Band etwas weniger ernst nehmen und mit einer entsprechenden Lockerheit auftreten würde. Allerdings immer, und das gilt es in jedem Fall hochzuhalten; ohne dabei ihre tatsächlichen musikalischen Fähigkeiten zu vernachlässigen. Von einer wie-auch-immer gearteten Blödelei war und ist das hier vertretene Material jedenfalls weit entfernt – sodass MANDRAKE grundsätzlich alle ansprechen sollte, die auch schon mit den vorherigen EDGUY-Releases warm werden konnten.

Immerhin gibt es mit Titeln wie NAILED TO THE WHEEL auch auf diesem EDGUY-Album den ein oder anderen deutlich zünftigeren Moment, während aussagekräftige Brecher vom Schlage eines FALLEN ANGELS auch genauso gut auf dem seinerzeit erschienenen AVANTASIA-Debütalbum (Review) hätten erscheinen können. Dies gepaart mit einigen für die Band neuen Eindrücken – wie etwa dem bereits erwähnten ALL THE CLOWNS oder auch dem alles andere als alltäglichen, aber doch angenehm hymnischen PAINTING ON THE WALL – macht MANDRAKE erst perfekt, oder zumindest zu einer höchst zufriedenstellenden Angelegenheit. Einer, die durch wunderbar funktionierende Uptempo-Hymnen wie GOLDEN DAWN oder kräftigen Stampfern a’la JERUSALEM abgerundet wird – und lediglich einige wenige Momente bereithält, die sich als etwas zäher erweisen. In diesem Zusammenhang wären wohl am ehesten das gute, aber eben nicht nur in Bezug auf seine Spieldauer vergleichsweise überlange THE PHARAOH zu nennen – oder aber die Ballade WASH AWAY THE POISON, die gefühlt doch etwas zu sehr über das Ziel hinausschießt. Und auch der Rausschmeißer THE DEVIL & THE SERVANT schneidet nicht unbedingt gut ab, trotz des guten Handwerks und des ausnahmsweise mal stärker hervorgehobenen Basses – vor allem, da EDGUY hier ein wenig zu sehr nach einer Kopie der DESTINY-Ära von STRATOVARIUS klingen.

Schlussendlich kann, sollte oder muss man in diesem Fall aber von einem der gelungeneren EDGUY-Alben sprechen. MANDRAKE mag nicht perfekt sein und seine schwächeren Momente haben – doch die für das Album passend erscheinende klare Produktion, das von Band an den Tag gelegte Handwerk; das gut aufgehende Songwriting und der der teils enorme Hymnen-Faktor im Wechselspiel mit mal getrageneren, mal deutlich zupackenderen Elementen lassen einfach keinen Zweifel daran, dass EDGUY hier mehr als ordentlich abgeliefert haben.

Absolute Anspieltipps: JERUSALEM, NAILED TO THE WHEEL, FALLEN ANGELS, SAVE US NOW


„Ein höchst solides Album aus der bunten EDGUY-Diskografie.“

Metal-CD-Review: FORGOTTEN TALES – The Promise (2001)

Alben-Titel: The Promise
Künstler / Band: Forgotten Tales (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Kanada
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Union Metal International

Alben-Lineup:

Patrick Vir – Bass
Sonia Pineault – Vocals
Martin Desharnais – Guitars
Frédéric Desroches – Keyboards
Cédric Prévost – Drums

Track-Liste:

1. Intro (01:41)
2. Word of Truth (05:22)
3. Cold Heart (04:52)
4. Far Away (06:03)
5. Gates Beyond Reality (03:57)
6. Sanctuary (04:18)
7. Part I – She’s Falling (03:58)
8. Part II – Deadly Grasp (04:08)
9. Part III – Endless Dream (05:48)
10. Part IV – The Promise (05:21)

Manche Geschichten eignen sich zum Vergessen – andere nicht.

THE PROMISE ist das 2001 erschienene Debütalbum der aus Kanada stammenden Power Metaller von FORGOTTEN TALES – einer Band, die einst aus einer Hardrock-Formation hervorging und die von einer starken Frontfrau namens Sonia Pineault angeführt wird. Stark erscheint sie deshalb, da sie nicht nur über eine recht angenehme Stimmfarbe mit einem dezenten (und niemals allzu forcierten) Hang zur Klassik verfügt – sondern auch, da sie nicht unwesentlich an der überraschend stimmigen Gesamtwirkung des FORGOTTEN TALES-Konzeptes beteiligt ist. Wie es schon das Cover und die generelle Aufmachung der Scheibe vermuten lassen, lehnt sich die Band dabei gar nicht erst allzu weit aus dem Fenster – es wird ein ebenso symphonischer wie klassischer Power Metal kredenzt, der am am ehesten mit dem Output von ganz ähnlich vorgehenden Italo-Bands a’la RHAPSODY OF FIRE zu vergleichen ist. Nur, und diesen Unterschied sollte man durchaus noch einmal hervorheben; dass FORGOTTEN TALES von einer Frau angeführt werden.

Anders gesagt: ein wenig klingt THE PROMISE so, als würde es sich hier um eine von einer Frau dargebotene Fassung der fantastisch-pompösen Geschichten und Heldensagen der allseits bekannten Italiener handeln. Doch eben nur ein wenig – schließlich haben die FORGOTTEN TALES weit mehr drauf, als ihre potentiellen Vorbilder zu kopieren. Analog zur ausgeprägten, recht wohlklingenden symphonischen Komponente kommt so noch ein dezent progressiver oder zumindest sehr auf das variable Instrumentenspiel bezogene Anstrich hinzu – der einen stellenweise an das frühe Schaffen von FALCONER denken lässt. Dabei handelt es sich um einen Vergleich, der auch sonst nicht allzu abwegig erscheint – schließlich vermag es die hiesige Frontfrau Sonia Pineault locker, einen ebenso markanten Eindruck wie Mathias Blad zu hinterlassen. Einen ebenso stilsicheren, akzentfreien und schlicht enorm ausdrucksstarken. In gesanglicher Hinsicht sollten die Kanadier also schon einmal keine Probleme haben – wobei es umso schöner ist, dass es sich mit dem Rest kaum anders verhält.

Schließlich offeriert auch das Instrumentenspiel einige Reize – im allgemeinen eher Genre-typische, aber eben doch mit einem ordentlich Schmackes und Nachdruck präsentierte. Das Spiel der Gitarren beispielsweise macht beinahe jeden Titel zu einem kleinen, im Zusammenspiel mit den furiosen Drums stets angenehm antreibenden Erlebnis – und das nicht nur in den unterhaltsamen Soli-Parts. Dass selbst der Bass die verdiente Aufmerksamkeit bekommt und die allgemeine Abmischungs- und Produktionsqualität ebenfalls keine Wünsche offen lässt; rundet das Ganze ab – zumindest in handwerklich-technischer Hinsicht. Somit bleibt es eigentlich nur noch an den einzelnen Titeln, für den entsprechenden Ausschlag zu sorgen.

Und auch hier sieht es gut aus, verdammt gut sogar – nur stellenweise sind deutlichere Abstriche zu machen, wie etwa in Bezug auf das dann doch etwas zu viel wollende und alles andere als optimal inszenierte COLD HEART; oder einige langatmigere Momente in der das Album abschließenden THE TALE OF NEERIS-Saga. Zusätzlich könnte oder müsste man sicherlich auch ganz generell einwenden, dass THE PROMISE wahrlich kein Album für etwaige Genre- und so gesehen auch Kitsch-Verneiner ist. Die FORGOTTEN TALES greifen schließlich durchaus in die entsprechende Schatzkiste der für den heroisch angehauchten Symphonic Power Metal üblichen Zutaten – und laufen dabei wie so viele andere Gefahr, einstweilen doch mal etwas zu abgedroschen zu klingen. Aber eben auch nur stellenweise – und bis die griffigen Gitarren einsetzen, der nächste geniale Refrain erklingt oder zünftige Instrumentalstrecken abgefeiert werden. Viel falsch machen kann man mit einem Album wie diesem also nicht.

Absolute Anspieltipps: WORD OF TRUTH, GATES BEYOND REALITY, SANCTUARY


„Eine einerseits nicht allzu außergewöhnliche, andererseits aber doch angenehm erfrischende und kraftvolle Power Metal-Perle.“

Metal-CD-Review: MORGANA – Angel (2001)

Alben-Titel: Angel
Künstler / Band: Morgana (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Elevate Records

Alben-Lineup:

Marco Mesemi – Vocals
Christian Borgoglio – Guitars
Alberto Ronchi – Guitars
Massimo Colla – Bass
Maurizio Colla – Drums
Gianluca Bottazzi – Keyboards

Track-Liste:

1. Twilight (01:50)
2. The Downfall of Rain (04:43)
3. Beyound Our Truth (05:58)
4. The Syndrome (05:50)
5. Angel (06:08)
6. The Different (05:05)
7. Let’s Free the Essence (06:24)
8. Your Recall (05:29)
9. Road to Nowhere (Ozzy Osbourne cover) (05:09)
10. ∞ (02:13)

Engel kommen und gehen.

Was waren sie doch schön und spannend – jene Jahre, in denen das Genre des Power Metal endgültig seinen Kinderschuhen entwuchs und so gesehen eine gleichermaßen bunte wie neue Grenzen auslotende Phase der Jugendlichkeit erreichte. Am ehesten träfe die Attribuierung wohl auf den Zeitraum der Jahrtausendwende zu, in dem viele neue Bands das Licht der erblickten – und sich durch mal mehr, mal weniger aussagekräftigen Stilblüten profilierten. Grundsätzlich ging es dabei in ganz Europa entsprechend heiß her – doch neben den schön früh etablierten, sozusagen sicheren Power Metal-Herkunftsländern wie Deutschland schienen in dieser Zeit vor allem die Italiener auf dem Vormarsch zu sein. So ist es kaum verwunderlich, dass es nach der Vorarbeit von Genre-Galionsfiguren wie LABYRINTH, RHAPSODY oder VISION DIVINE plötzlich zahlreiche weitere Bands darauf anlegten, mit ihren Kreationen durchzustarten – die Zeit von neuen Acts wie THY MAJESTY, SECRET SPHERE, DOMINE oder KALEDON war gekommen. Gleichzeitig handelte es sich um eine Zeit, in der der italienische Power Metal immer spezieller und unverkennbarer wurde – womit er sich eine große Fangemeinde erspielen konnte. Doch natürlich blieben auch jene nicht aus, die für das Genre potentiell problematische Begriffe wie Kitsch oder Pathos nunmehr direkt mit der neuen italienischen Power Metal-Welle verbanden – und das nicht gänzlich unbegründet.

In eben diese Kerbe schläft auch das 2001 erschienene Debütalbum ANGEL von MORGANA ein, das wie schon die Erzeugnisse von gedachten Partner-Bands a’la RHAPSODY oder THY MAJESTY nicht an symphonischen und sonstigen Spielereien spart – und darüber hinaus mit einigen zusätzlichen, potentiell eher weichmachenden Elementen versehen ist. Im Gegensatz zu den schon immer dezent problematischen Ergüssen von Bands wie SKYLARK etwa entfaltet ANGEL aber schnell einen etwas anderen Ersteindruck: das insgesamt 11 Titel starke Album klingt engagiert und lebt von einer lebendigen, vergleichsweise vielschichtigen Inszenierung in Richtung eines recht wuchtig präsentierten Symphonic Power Metals. Einen der, und das einer der vordergründigsten Unterschiede zu anderen Bands jener Zeit; aber zusätzlich ein deutliches Augenmerk auf eingängige Melodien und Emotionen legt und damit insgesamt etwas zugänglicher klingt. Und dennoch: trotz einer relativen großen Portion Herzschmerz, nicht wenigen tatsächlich als kitschig zu bezeichnenden Elementen und einem alles andere als herausragenden Leadgesangspart von Marco Mesemi braucht man hier weder ein vollständig weichgespültes Pop-Erzeugnis noch ein generell zu vernachlässigen Genre-Album erwarten.

Im Gegenteil: ihr Handwerk verstanden MORGANA recht gut. Sicher, die vielen symphonischen Einschübe und Spielereien sind Geschmackssache – doch wirklich billig oder allzu plump klingen sie in keinem der 9 vollwertigen Titel, das Intro und Outro laufen hier noch am ehesten Gefahr zu Skip-Kandidaten zu avancieren. Die Handhabung der Gitarren, des Schlagzeuges und des Basses jedoch überzeugt weitestgehend; während die Chöre sogar richtig gut respektive herausragend abschneiden – und es im Zusammenspiel mit den auch sonst überaus starken Refrains locker vermögen, einige Konkurrenzbands jener Zeit in den Schatten zu stellen. Das alles klingt nach einem höchst interessanten Genre-Werk, was ANGEL letztendlich auch ist – aber von einer wie auch immer gearteten Perfektion war und ist es ebenfalls recht weit entfernt. Und das liegt nicht nur an der teils offensichtlichen Nähe zu den bereits erwähnten Partner-Bands und die damit einhergehende Verwechselungsgefahr. Denn: gerade Leadsänger Marco Mesemi hat einstweilen deutlich hörbare Probleme, gegen die schiere Wucht der üppig ausstaffierten Instrumentalstrukturen anzukommen respektive einen markanten gesanglichen Gegenpol zu bilden – die nicht allzu glückliche, eher verwaschen klingende Abmischung erledigt hier ihr übriges.

Hinzu kommt, dass das Album gleich eine handvoll klar hinter den anderen zurückstehenden Titel präsentiert. Wie etwa und ausgerechnet den Titeltrack ANGEL – der als gesanglich höchst problematische Herzschmerz-Ballade einfach nicht sonderlich gut funktioniert. Etwas besser, aber mit ähnlichen Problemen schneidet ROAD TO NOWHERE ab – und auch Titel wie THE DIFFERENT sind dank ihrer extremen symphonischen Zusatzelemente und ihrer nicht gerade sonderlich geistreichen Textinhalte mit Vorsicht zu genießen. Da gehen LETS FREE THE ESSENCE und FLY IN THE SKY schon wesentlich besser auf. Das flotte YOUR RECALL könnte dann sogar relativ problemlos als absoluter Anspieltipp des Album fungieren – trotz der sicher nicht zu verschweigenden Kitsch-Gefahr. Fest steht: eine Chance kann man einem vergleichsweise interessanten One-Album-Wonder wie MORGANA durchaus geben.

Absolute Anspieltipps: THE DOWNFALL OF RAIN, BEYOND OUR TRUTH, THE SYNDROME, YOUR RECALL


„Längst nicht perfekt – aber ein italienisches Paradebeispiel dafür, wie Bands wie SKYLARK vielleicht schon immer hätten klingen können oder sollen.“

Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – A Time Never Come (2001)

Alben-Titel: A Time Never Come
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Elevate Records

Alben-Lineup:

Roberto „Ramon“ Messina – Vocals
Aldo Lonobile – Guitars
Antonio Agate – Keyboards
Andrea Buratto – Bass
Paco Gianotti – Guitars
Luca Cartasegna – Drums

Track-Liste:

1. Gate of Wisdom (00:39)
2. Legend (06:13)
3. Under the Flag of Mary Read (07:21)
4. The Brave (07:14)
5. Emotions (01:25)
6. Oblivion (04:31)
7. Lady of Silence (05:34)
8. The Mystery of Love (06:51)
9. Paganini’s Nightmare (Theme from Caprice #5) (01:03)
10. Hamelin (04:42)
11. Ascension (00:56)
12. Dr. Faustus (08:08)

Eine Zeit, an die man sich gern erinnert.

Nachdem sich die 1997 gegründeten Power Metaller von SECRET SPHERE mit ihrem 1999 an den Start gegangenen Debütalbum MISTRESS OF THE SHADOWLIGHT (siehe Review) erstmals die Ehre innerhalb eines im damaligen Italien gerade erst aufblühenden Metal-Genres gegeben hatten, stand es relativ gut für die junge und aufstrebende Combo. Und das auch im direkten Vergleich mit einigen anderen Bands, die sich zu jener Zeit immer mehr festigten und kontinuierlich erfolgreicher wurden – wie etwa RHAPSODY, LABYRINTH oder VISION DIVINE. Und tatsächlich: während das Erstwerk teils noch enorm auffällige Parallelen zu eben jenen geografischen Partner-Bands aufwies, schienen sich auch die ambitionierten Musiker von SECRET SPHERE mit ihrem 2001 erschienenen Zweitwerk A TIME NEVER COME mehr und mehr zu profilieren.

Anders gesagt: etwaige schnell anzuberaumende Sound-Parallelen fielen so gut wie weg, die Band fand langsam aber sich ihren (ur-)eigenen Sound und ihre eigene Identität – und schickte sich mit A TIME NEVER COME an, eine in mehrere Abschnitte unterteilte, entsprechend episch angelegte Sage zu erschaffen. Und das ist ihnen auch gelungen: das Album ist enorm vielschichtig; und dabei ein mehr als nur nennenswerter Genre-Beitrag geworden. Einer, der sowohl in inhaltlicher als auch musikalischer Hinsicht überzeugt, eine enorme Bandbreite an Emotionen vermittelt – und den geneigten Genre-Hörer auf eine gleichermaßen abenteuerliche wie musikalisch höchst zufriedenstellende Reise entführt. Denn nach wie vor waren die handwerklichen Leistungen der Mitglieder tadellos, hier vielleicht sogar noch ein wenig sicherer als auf dem Vorgänger – wobei speziell die Gitarren einiges an Variabilität und Ausdruckskraft zugelegt hatten.

Fest steht: der markant in Szene gesetzte Bass, das organische Schlagzeugspiel, die sich gut in die Songstrukturen einfügenden Keyboard-Elemente und der im direkten Vergleich mit dem Vorgänger definitiv erstarkte Leadgesang von Roberto „Ramon“ Messina ließen und lassen so gut wie keine Wünsche offen – und machen das Album zu einem Genuss, sowohl im gesamten als auch in Bezug auf besonders starke Einzel-Momente. So könnte es auch entsprechend schwerfallen, sich entsprechende Highlights herauszupicken. Auf gar keinen Fall ungenannt bleiben dürfen in diesem Zusammenhang allerdings die beiden Über-Nummern OBLIVION und LOST LAND OF LYONESSE (als japanischer Bonustrack), die nicht nur markant aus dem Alben-Kotext herausragen – sondern auch ganz allgemein zu den vielleicht wirksamsten Genre-Hymnen aller Zeiten gehören.

Überhaupt: während andere ähnlich hochqualitative Alben mit einer ähnlichen Machart zumindest im Detail Schwächen aufweisen, sieht es für A TIME NEVER COME auch hier verdammt gut aus. Vielleicht sogar zu gut um wahr zu sein – denn selbst die üppig vorhandenen atmosphärischen Ausstaffierungen in Form von Interludes, symphonischen Isntrumentalpassagen und klassischen Einschüben a’la PAGANINI’S NIGHTMARE wirken sich nicht störend aus, im Gegenteil. Anders gesagt: auch sie sind eine Entdeckung wert, was beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Im Falle von SECRET SPHERE aber führen sie tatsächlich zu einer weiteren Verdichtung der ohnehin intensiven Atmosphäre – was auch für die balladesken Momente gilt. Denn ob nun wohl dosiert innerhalb der einzelnen Titel, oder aber als alleinstehendes Werk in Form eines THE MYSTERY OF LOVE – kitschig oder überkandidelt klingt hier nichts.

Schlussendlich: auch wenn manche Zeiten niemals kommen respektive eintreten werden, so vermag es zumindest die Kraft der Musik einen entsprechenden Trost zu schaffen. A TIME NEVER COME ist ein musikalisches Meisterwerk, und das vermutlich nicht nur innerhalb des Power Metal-Genres.

Absolute Anspieltipps: LEGEND, OBLIVION, LOST LAND OF LYONESSE, HAMELIN


„Da hat jemand Höhenluft gekostet.“

Metal-CD-Review: CELESTY – Warrior Of Ice (Demo, 2001)

Alben-Titel: Warrior Of Ice (Demo)
Künstler / Band: Celesty (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Tapani Kangas – Guitars
Kimmo Perämäki – Vocals
J-P Alanen – Guitars
Ari Katajamäki – Bass
Jere Luokkamäki – Drums

Track-Liste:

1. Intro (01:29)
2. Journey to the Unknown (03:53)
3. The Truth (04:48)
4. Fire Against the Ice (03:58)
5. Behind the Stars (03:34)

Die eisige Geburt einer Legende.

Es war einmal zur Zeit der Jahrtausendwende – als das Genre des Power Metal schon lange kein Nischendasein mehr fristete, und vielversprechende neue Genre-Combos wie Pilze aus dem Boden sprießten. Eine von eben jenen Bands stammt aus Finnland – und wurde nach der Gründung im Jahr 1998 alsbald von CELESTIAL in den heute noch gültigen Namen CELESTY umbenannt. Und der sollte eingefleischten Genre-Fans durchaus ein Begriff sein. Schließlich können sowohl das Debütalbum REIGN OF ELEMENTS (siehe Review) als auch der kongeniale Nachfolger LEGACY OF HATE (Review) problemlos als zeitlose Power Metal-Meilensteine bezeichnet werden. Solche, an die man sich stets gern erinnert – und die bis heute nachhallen, nicht zuletzt dank der vergleichsweise überlangen und furiosen Hymnen LEGACY OF HATE PART I und II. Aus eben jener Saga wurde später sogar noch ein Dreiteiler – doch konnten die später erschienenen Alben MORTAL MIND CREATION (Review) und VENDETTA (Review) nicht mehr wirklich mit dem beeindruckenden Grundstein respektive der selbst auferlegten Messlatte der Band mithalten.

Seit dem Jahr 2009 ist es dann aber plötzlich verdächtig ruhig geworden um CELESTY. Aktuell scheint die Band zwar wieder aktiv zu sein; zumindest behauptet sie das – doch ob tatsächlich noch etwas handfestes folgen wird, bleibt abzuwarten. bis dahin bietet es sich an, noch einmal auf die Vergangenheit der Band zu schauen – wobei es heute leider kaum noch möglich scheint auf Material zu stoßen, das um das Jahr 2000 kreiert wurde oder auch tatsächlich erschienen ist (wie etwa die 1999’er Demo mit zwei finnischen Titeln). Wenn man doch das Glück hat, ergattert man vielleicht eine der wenigen noch verfügbaren physikalischen Exemplare der Demo WARRIOR OF ICE – die mit 5 Titeln und einer Gesamtspielzeit von knapp 18 Minuten ausgestattet ist.

Dabei ist das mit einer eher ungünstigen Erzählstimme versehene, kurze Intro noch am ehesten zu vernachlässigen. Doch was dann in Form von JOURNEY TO THE UNKNOWN, THE TRUTH, FIRE AGAINST THE ICE und BEHIND THE STARS folgt; ist allerfeinstes CELESTY-Material der ersten Stunde. Und damit auch solches, dass nicht nur aufgrund der frühen Datierung und des hier noch etwas raueren Soundeindrucks interessant erscheint – sondern auch, da keiner der Titel auf einem späteren Album Verwendung gefunden hat. Aber sicher nicht, da die Qualität nicht ausgereicht hätte. Vielmehr schienen CELESTY genügend Ideen für viele weitere, mindestens ebenso qualitative Titel zu haben – wovon man sich schließlich auf REIGN OF ELEMENTS überzeugen konnte. Und doch gehören die vier auf WARRIOR OF ICE vertretenen Titel zum ureigenen Band-Kosmos dazu – zumal die Geschichte hier ihren Anfang genommen hat und die Lyrics schon einmal dezent vorwegnahmen; was auf REIGN OF ELEMENTS sowie LEGACY OF HATE folgen würde.

Im Falle von WARRIOR OF ICE vermag jedenfalls selbst der vergleichsweise ungeschliffene Soundeindruck nicht zu stören. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall, denn gerade das vor Kraft und Spielfreude nur so strotzende JOURNEY TO THE UNKNOWN bekommt durch den alles andere als überproduzierten oder klinischen Eindruck einen zusätzlichen Reiz. Sicher, was die Leistung von Kimmo Perämäki als Leadsänger anbelangt; war eventuell noch etwas Luft nach oben – doch wiegt das gelungene Zusammenspiel aller vorhandenen Sound-Elemente in diesem Falle schwerer. WARRIOR OF ICE klingt bemerkenswert energetisch, im eigentlichen Genre-Sinne angenehm klassisch; und insgesamt ganz und gar kultig – womit es sich um ein absolutes Muss handelt, will man tiefer in die musikalischen Welten von CELESTY einsteigen und dabei wirklich alles mitnehmen.

Absolute Anspieltipps: JOURNEY TO THE UNKNOWN, FIRE AGAINST THE ICE, BEHIND THE STARS


„Hier von einer wuchtigen Demo zu sprechen, wäre noch untertrieben.“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – The Damned Ship (2001)

Alben-Titel: The Damned Ship
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: September 2001
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Matteo Ballottari – Guitars
Matteo Galbier – Bass
Alessio Turrini – Drums
Alessio Garavello – Vocals
Andrea Martongelli – Guitars

Track-Liste:

1. Quest for Immortality (07:01)
2. Voice of the God (05:20)
3. Sun’s Temple (06:09)
4. Starchild (05:41)
5. The Wait (01:05)
6. The Night of the Vampire (06:45)
7. Earthquake (04:20)
8. Noble Sword (05:07)
9. The Damned Ship (05:42)

Das Schiff mag verdammt sein, die Besatzung ist es aber noch lange nicht.

Sicher, mit ihrem 1999’er Debütalbum CHURCH OF THE HOLY GHOST hatten die italienischen Power Metaller von ARTHEMIS schon mehr als ordentlich abgeliefert (siehe Review). Doch mit der zwischenzeitlich gewonnenen Erfahrung, dem neuen Leadsänger Alessio Garavello (der im Jahr 2001 ebenfalls als Frontmann von POWER QUEST verpflichtet wurde) und den besseren Möglichkeiten in Bezug auf die Präsentation sollte das Zweitwerk der Italiener vielleicht noch ein wenig mehr einschlagen. Denn: während die bereits auf dem Debütalbum der Band etablierten Trademarks auch auf dem vorliegenden Nachfolger weiterhin hochgehalten wurden, stimmte es nun auch endlich hinsichtlich der Abmischung der einzelnen Elemente – und damit auch dem nunmehr wesentlich wuchtigeren Gesamteindruck. Anders gesagt: der vergleichsweise klassische Sound der Band, der schön vordergründig tönende Bass und die dezent progressiv angehauchten Strukturen inklusive zahlreicher ausgedehnter Instrumentalparts machten schon den Vorgänger großartig – doch erst mit und auf THE DAMNED SHIP konnte man ARTHEMIS erstmals in einem klanglich absolut zufriedenstellenden Gewand erleben.

Im Hinblick auf das Konzept und die angestrebte Wirkung hatte sich indes nicht allzu viel geändert – sodass auch THE DAMNED SHIP als äußerst Riff-geladenes, bassiges, energetisches und zielstrebiges Gesamtpaket daherkommt. Eines, dessen Wirkungskraft man sich kaum entziehen kann – nicht zuletzt dank der hervorragenden Leistungen der einzelnen Mitglieder, die ihr Handwerk zum Zeitpunkt der Aufnahmen perfekt beherrschten. Schon der Opener QUEST FOR IMMORTALITY entfaltet so eine packende Atmosphäre, wobei sich der Leadgesang erst gar nicht allzu sehr von dem des Vorgängers unterscheidet. Doch auch wenn Neuzugang Alessio Garavello und sein Vorgänger Alberto Caria damit klar an der gleichen Basis gearbeitet, und sich für ihre Arbeit am Projekt ARTHEMIS entsprechend angepasst hatten; ist der Gesang des neuen Leadsängers dennoch mit einem nicht unwichtigen Vorteil versehen. Welcher das sein könnte, liegt recht schnell auf der Hand: Alessio Garavello’s Auftritt ist insgesamt deutlich stilsicherer als der seines Vorgängers – und in seiner Gesamtheit auch einzigartiger. Die Folge war, dass der neue ARTHEMIS-Leadgesang mit einem deutlich höheren Wiedererkennungswert versehen war – und die Band endlich die perfekte Ergänzung für ihre raffinierten musikalischen Kompositionen gefunden hatte.

Trotz allem gibt es einige Aspekte, die das Album noch dezent hinter seinen eigentlichen Möglichkeiten zurückbleiben lassen. Da wäre etwa die Tatsache; dass es nicht mehr ganz so verspielt, klassisch-progressiv und abwechslungsreich ist wie seinerzeit der kultige Vorgänger. Sicher klingen ARTHEMIS hier noch immer ausreichend anders als so viele ihrer italienischen Genre-Kollegen, doch gefühlt hatte man sich zumindest ein wenig angepasst. Eine Nummer wie STARCHILD dagegen offenbart, dass auch ein Alessio Garavello nicht immer stilsicher klingt – sondern auch mal eher befremdlich. Trotz der grandiosen Instrumentalstrecke und des beeindruckenden Finales erhält man so nur einen durchschnittlichen Titel. Ebenfalls mit gemischten Gefühlen zu betrachten sind die beiden rein instrumentalen Interludes, die als Aufbau um das starke NIGHT OF THE VAMPIRE fungieren. THE WAIT fällt mit seiner Spielzeit von nur einer Minute sowie seinem recht harmlosen geklimpere sogar völlig aus dem Rahmen, während das längere EARTHQUAKE am ehesten als Zurschaustellung der fähigkeiten der beiden Gitarristen der Band zu verstehen ist – als alleinstehehden Titel aber weniger gut funktioniert.

Dennoch: für alle Fans von eher klassisch ausgelegten italiensichen Power Metal-Combos, bei denen sich die Qualitäten des Gesangs und der Instrumentalstrecken auf einem kontinuierlich hohen Niveau bewegen – und die dazu noch das gewisse Etwas mitbringen, auch ohne die nennenswerte Unterstützung eines Keyboards – ist THE DAMNED SHIP ein absolutes Muss.

Absolute Anspieltipps: QUEST FOR IMMORTALITY, VOICE OF THE GODS, SUN’S TEMPLE, THE NIGHT OF THE VAMPIRE, THE DAMNED SHIP


„Etwas angepasster und weniger progressiv als der Vorgänger – der neue Leadsänger und die perfektionierten Präsentationsaspekte sorgen aber für den ein oder anderen Boni.“

Metal-CD-Review: SABATON – Fist For Fight (2001)

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Alben-Titel: Fist For Fight (Compilation)
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Pär Sundström – Bass
Joakim Brodén – Keyboards, Vocals
Rikard Sundén – Guitars
Oskar Montelius – Guitars
Daniel Mullback – Drums

Track-Liste:

1. Introduction (00:53)
2. Hellrider (03:45)
3. Endless Nights (04:48)
4. Metalizer (04:42)
5. Burn Your Crosses (05:27)
6. The Hammer Has Fallen (05:46)
7. Hail to the King (04:09)
8. Shadows (03:32)
9. Thunderstorm (03:07)
10. Masters of the World (03:57)
11. Guten Nacht (01:11)

Und es ward das erste Mal zum Kampf geblasen.

Irgendwann fängt jeder beziehungsweise alles einmal an. Auch die Erfolgsgeschichte der heutzutage allseits bekannten schwedischen Power Metaller von SABATON, die schon früh respektive ab 1999 mit einigen markanten Alleinstellungsmerkmalen glänzten – und Genre-Fans mit ihrer ganz eigenen Interpretation des sogenannten War Metal versorgten. Das besondere dabei ist vermutlich, dass es für SABATON noch nie halbe Sachen gab. So sollte es nicht nur in musikalischer Hinsicht heiß hergehen – schließlich schmückte die Band ihren klassisch orientierten, schnörkellosen und druckvollen Heavy Metal immer wieder (oder sollte man eher sagen, so gut wie ausschließlich) mit kriegsbezogenen Texten und Inhalten. Eine dazu passende Selbstinszenierung inklusive einer optisch auffälligen Erscheinung, sowie insbesondere das Gebaren von Frontmann Joakim Broden mit seinem außergewöhnlichen Akzent und der vergleichsweise rauen Stimme sicherten der Band schnell einen besonderen Status innerhalb der Metal-Szene.

Das erste diesbezügliche, auch heute noch verfügbare Anschauungsmaterial befindet sich auf der FIST FOR FIGHT-Compilation aus dem Jahre 2001 – die eigentlich aus zwei vorangegangenen Demo-CD’s der Band besteht und 2007 noch einmal als Bonus-Disc zum neu aufgenommen METALIZER veröffentlicht wurde. Zweifelsohne handelt es sich dabei um eine Ansammlung von gleichermaßen zeitlosen wie angenehm stampfenden Genre-Hymnen – die rückblickend gerade deshalb zu gut funktionieren, da sich SABATON hier gefühlt noch in mehrere Richtungen ausprobierten, einen verdammt rauen und ungeschliffenen Sound an den Tag legten – und in ihrer Musik sowohl einige angenehme Aspekte vergangener Epochen des Heavy- und Power Metal, als auch einige neue Elemente verarbeiteten. Das Ergebnis war und ist ein Stück Genre-Geschichte, dass sich dank seiner Zeitlosigkeit auch heute noch wunderbar hören lässt.

Sicher, auf das kurze und irgendwie nicht so recht zum Rest des Albums passen wollende Intro INTRODUCTION hätte man wohl noch am ehesten verzichten können – doch schon der Opener HELLRIDER präsentiert sich als wunderbar kratzig-raue Hymne irgendwo zwischen MANOWAR, GRAVE DIGGER, JUDAS PRIEST und eventuell HAMMERFALL. Und auch wenn sich diese Parallelen hie und da einfach anbieten, läuft das was SABATON hier präsentieren niemals Gefahr verwechselt zu werden – nicht zuletzt dank der prägnanten Performance von Joakim Broden. Gut ist auch, dass sich so gut wie jede Nummer leicht von den anderen unterscheiden lässt – und demnach reichlich Abwechslung geboten wird. ENDLESS NIGHTS beispielsweise präsentiert sich als dezent düstererer und Riff-orientierter Brecher, METALIZER als relativ typische aber Laune-machende Genre-Hymne; und eine Nummer wie BURN YOUR CROSSES als mächtig-melodiöses Konstrukt mit den jungen Schweden in ihrer erstmaligen Höchstform.

Was folgt, rangiert zumeist ebenfalls im oberen Durchschnitt – oder leicht darunter. HAIL TO THE KING und SHADOWS beispielsweise mögen zwar kein Kult-Potential aufweisen, sind dafür aber allemal zwei angenehme Stampfer. Etwas enttäuschender ist da schon das eher monotone THUNDERSTORM, und auch das balladeske THE HAMMER HAS FALLEN fällt mit seiner stark gewöhnungsbedürftigen Performance von Joakim Broden leicht aus der Reihe. Vielleicht nicht am besten, aber doch am interessantesten dürfte dann aber der Rausschmeißer MASTERS OF THE WORLD ausfallen – der SABATON erstmals mit einigen später für sie typischen Soundmerkmalen vornehmlich seitens des Keyboards zeigt. Und damit auch Merkmalen, über die man sicher streiten kann. Allzu poppig oder weichgespült fallen diese hier aber nicht aus – sie wirken eher auflockernd und erweitern die Compilation um eine weitere Facette.

Schlussendlich: das hier dargebotene Material ist vermutlich noch etwas von der Schlagkraft der eigentlichen Blütezeit der Band entfernt – und doch macht es Spaß, eine Compilation wie diese zu entdecken. Auch, oder gerade weil sie vergleichsweise ungeschliffenen und mit einigen Ecken und Kanten daherkommt. Der klassische, kräftige Sound der 11 (oder eher 9 vollwertigen) Titel vermag es jedenfalls, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Absolute Anspieltipps: HELLRIDER, ENDLESS NIGHTS, BURN YOUR CROSSES, SHADOWS, MASTERS OF THE WORLD


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„Wer verzichtet schon gerne auf ein Stück Geschichte.“

Metal-CD-Review: IRON SAVIOR – Dark Assault (2001)

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Alben-Titel: Dark Aussault
Künstler / Band: Iron Savior (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. März 2001
Land: Deutschland
Stil / Genre: Speed / Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Jan-Sören Eckert – Bass
Thomas Nack – Drums, Percussion
Andreas Kück – Keyboards
Piet Sielck – Vocals, Guitars
Joachim „Piesel“ Küstner – Guitars
Kai Hansen – Guitars, Vocals

Track-Liste:

1. Never Say Die (05:32)
2. Seek and Destroy (03:45)
3. Solar Wings (04:33)
4. I’ve Been to Hell (04:05)
5. Dragons Rising (06:24)
6. Predators (03:54)
7. Made of Metal (06:58)
8. Firing the Guns (04:42)
9. Eye of the World (05:18)
10. Back into the Light (05:52)
11. After the War (06:18)
12. Delivering the Goods (Judas Priest cover) (03:59)

Mit den Mächten des bösen ist nicht zu spaßen.

IRON SAVIOR ist eine jener berühmt-berüchtigten Power Metal-Genrecombos, mit der seit ihrer Bandgründung im Jahre 1996 kontinuierlich zu rechnen ist. Sicher auch, da man die Abfolge der Veröffentlichungen stets knapp hielt, speziell um die Jahrtausendwende herum ordentlich abliferte – und die quasi-Grundsteinlegung so einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Tatsächlich sind vor allem das Debütalbum aus dem Jahre 1997 (Review) und dessen Nachfolger UNIFICATION (Review) zeitlos gute Genre-Alben geworden, die bis heute nachhallen. Lange Zeit schien es, als könnte kaum etwas markant schief laufen im Hause IRON SAVIOR – zumindest solange man auch weiterhin mit einem ähnlichen Engagement, mit einer ähnlich überzeugenden Kraft und Glaubwürdigkeit auftreten würde. Doch wie man weiß, hält so gut wie nichts ewig – sodass das vorliegende dritte Album DARK ASSAULT durchaus mit gemischten Gefühlen zu betrachten ist. Zwar ist hier keinesfalls von einem Reinfall zu sprechen, doch sollte man gewisse Ermüdungserscheinungen eben auch nicht ignorieren – und das bei einem Album, welches im Jahre 2001 veröffentlicht wurde und damit so gesehen das neue Jahrtausend für IRON SAVIOR einläutete.

Zuallererst fällt auf, dass DARK ASSAULT insgesamt deutlich weniger kraftvoll und temporeich klingt als die Vorgänger; oder anders gesagt: IRON SAVIOR schienen den Speed Metal nun eher außen vor zu lassen, und sich stattdessen mehr auf einen melodischen Power Metal zu fokussieren. Das ist nicht schlecht und zeugt von der Bereitwilligkeit, sich zu verändern oder gar weiterzuentwickeln – doch verständlicherweise hat das Album so einen deutlich weniger zupackenden, direkt fesselnden Effekt. Auch das sagt noch nicht viel aus, schließlich lohnt es sich oft einem Release Zeit zu geben und es in mehreren Durchläufen für sich zu entdecken. Doch gibt es noch mehr, was IRON SAVIOR hier – und erstmals – nicht wirklich gelungen ist. Zunächst wäre da der Fakt zu nennen, dass das Album trotz der etwas anderen; wenn man so will bodenständigeren Soundausrichtung noch immer stark an die Vorgänger erinnert – IRON SAVIOR haben es demnach verpasst, ihrem Sound etwas neues abzugewinnen, ein Wiederholungseffekt könnte sich bereits jetzt und mit dem dritten Album einstellen.

Wobei, ganz stimmt das nicht – denn tatsächlich gibt es vor allem eine markante Änderung, und die bezieht sich auf das Drumming. Dabei scheint die Tatsache, dass Dan Zimmermann (FREEDOM CALL) von Thomas Nack (GAMMA RAY) abgelöst wurde; gar nicht mal ausschlaggebend – vielmehr ist der allgemeine Sound der Drums, an dem geschraubt wurde. Und das zum Nachteil von IRON SAVIOR – Double-Bass-Attacken wie in SEEK AND DESTROY können so zu einer echten nervlichen Zerreißprobe werden. Woran genau es liegt, bleibt schwer zu sagen – doch klingen die Drums nun deutlich; man nenne es maschineller – und auch bassiger. Vielleicht wollte man etwas mehr Druck erzeugen, was sich eigentlich hätte erübrigen sollen in Anbetracht der ohnehin schon furiosen Wirkung eines Vorgängers wie UNIFICATION – un überhaupt, warum man stattdessen nicht einfach den Bass-Part von Jan-Sören Eckert aufgewertet hat bleibt ein Rätsel. Denn der ist nach wie vor kaum zu hören; mit Ausnahme von einzelnen Sektionen wie dem Auftakt zu BACK INTO THE LIGHT versteht sich. Davon abgesehen fallen Produktion und Abmischung aber wie gewohnt qualitativ aus.

Und auch die einzelnen Mitglieder machen einen guten Job – allen voran Kai Hansen (der erneut Gitarre spielt und hie und da mitsingt) und Multi-Talent Piet Sielck, der sich neben dem Leadgesang für alle Sound-relevanten Aspekte des Albums verantwortlich zeichnet. Doch wie es eben so ist – so überraschend, oder gar überragend wie auf den Vorgängern wirken sie auf DARK ASSAULT nicht mehr. Eher überwiegt das Gefühl, als hätte sich vieles eingespielt – oder ist schlicht Routine geworden. Und so wirkt das Album entsprechend kühl, sowohl in emotionaler wie auch inhaltlicher und musikalischer Hinsicht – zu kühl für die sonst so feurigen IRON SAVIOR. Erst gegen Ende, das heißt in etwa mit den letzten vier Nummern schöpft man noch einmal aus dem Vollen – was leider etwas zu spät kommt, das Album aber durchaus in gewisser Weise rettet.

Absolute Anspieltipps: EYE OF THE WORLD, BACK INTO THE LIGHT, AFTER THE WAR


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„Die erste vielleicht auch qualitative Verschnaufpause.“