Metal-CD-Review: DOMINE – Dragonlord (Tales Of The Noble Steel) (1999)

Alben-Titel: Dragonlord (Tales Of The Noble Steel)
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. Juni 1999
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Riccardo Iacono – Keyboards
Enrico Paoli – Guitars
Morby – Vocals
Mimmo Palmiotta – Drums

Track-Liste:

1. Anthem (A Declaration of War) (01:34)
2. Thunderstorm (04:40)
3. Last of the Dragonlords (Lord Elric’s Imperial March) (06:43)
4. Blood Brothers‘ Fight (04:49)
5. Defenders (05:23)
6. Mars, the Bringer of War (01:03)
7. Dragonlord (The Grand Master of the Mightiest Beasts) (06:50)
8. Uriel, the Flame of God (06:32)
9. The Ship of the Lost Souls (06:31)
10. The Battle for the Great Silver Sword (13:13)

Wenn erst der zweite Schlag richtig sitzt.

Im Rahmen der auch heute noch gern gesehenen respektive gehörten musikalischen Relikte einer Zeit, in der sich nicht wenige italienische Power Metal-Combos auf den Weg gemacht hatten die Bühnen dieser Welt zu erobern; ist die Rechnung gewiss nicht ohne die bereits im Jahre 1983 gegründeten Musiker von DOMINE zu machen. Und das auch gerade weil die Band seinerzeit noch etwas brauchte, um ihren eigentlichen Siegeszug zu starten. Nach einigen kleineren Demos und der entscheidenden Verpflichtung des Leadsängers Adolfo Morviducci aka Morby war es dann aber endlich soweit – sodass DOMINE mit ihrem 1997 veröffentlichten Debütalbum CHAMPION ETERNAL (siehe Review) erstmals nachhaltig von sich hören lassen konnten; analog zu den ebenfalls in jenen frühen gestarteten Ambitionen von Bands wie etwa RHAPSODY OF FIRE. Dabei konnten sich DOMINE schon zu diesem Zeitpunkt insofern von ihrer Konkurrenz abheben, als dass sie einen extrem heroisch angehauchten, aber eben nicht symphonisch unterstützten oder progressiv angehauchten Power Metal inszenierten – wobei sich zunächst noch einige Schwächen hinsichtlich der Präsentation offenbarten.

Aber: schon im Zuge des zweiten Durchlaufs in Form von DRAGONLORD (TALES OF THE NOBLE STEEL), dem direkten (und auch inhaltlichen) Nachfolger zu CHAMPION ETERNAL; bewiesen DOMINE dass derartige Probleme von nun an der Vergangenheit angehören sollten – und legten ein rundum zufriedenstellend produziertes, wuchtiges und insgesamt 10 Titel starkes Nachfolgewerk vor. Eines, dass ebenfalls über das Label Dragonheart Records erschien und sich stilistisch eng am ähnlich episch aufgemachten Vorgänger orientierte; keine Frage. Dennoch vermochten es die Italiener, noch einmal eine ordentliche Schippe draufzulegen – und das in fast jeder Hinsicht. DRAGONHEART avancierte so nicht von ungefähr zu einem ebenso traditionellen wie packenden Power Metal-Pflichtprogramm – und hat auch heute noch nichts von seiner ursprünglichen Magie und Faszinationskraft eingebüßt. Gesetzt dem Fall natürlich, man ist dem Genre des Power Metal im allgemeinen zugeneigt – und hat auch nichts gegen eine ordentliche Priese Pomp, Pathos und je nach persönlicher Facón auch Kitsch einzuwenden. Immerhin: dass wie so oft mit typischen Begriffen um sich geworfen wird und die inhaltliche Gestaltung dementsprechend vorhersehbar ausfällt; wiegt bei einem bald 20 Jahre alten Album verständlicherweise nicht ganz so schwer wie bei neueren und eventuell verbrauchteren Genre-Erzeugnissen.

In jedem Fall aber hatten sich DOMINE Gedanken gemacht – und es dabei geschafft, den Vorgänger in vielerlei Hinsicht zu toppen. zum einen wären hier natürlich die bereits erwähnte Produktionsqualität und der allgemein wuchtige Soundeindruck zu nennen, der dem Album eine angenehm druckvolle Komponente verpasst. Zum anderen aber, und das ist das schöne; hatten sich DOMINE auch im Detail verbessert – wie etwa in Bezug auf ihre auf dem Vorgänger noch kaum auszuhaltenden Interludes mit den überschwänglichen, ellenlangen Sprechpassagen. Zwar gibt es ähnliche Momente auch auf DRAGONLORD, doch sind diese entweder extrem kurz (wie im Intro ANTHEM) oder aber so gehalten, dass sie problemlos zu überspringen sind (wie im recht überflüssigen MARS, THE BRINGER OF WAR). Vor allem aber lenken sie nicht vom Wesentlichen respektive dem ab, was DOMINE hier schon im Opener THUNDERSTORM abfackeln – was letztendlich nicht weniger als ein zeitlos gutes Power Metal-Feuerwerk der Extraklasse ist. Und das nicht zuletzt auch, da die Abmischung recht vorteilhaft ausgefallen ist – und man beispielsweise stets ein Ohr für den von Riccardo Paoli gespielten Bass hat.

Aber auch in Bezug auf den Faktor Abwechslung hat man einiges vorgelegt: während LAST OF THE DRAGONLORDS das Tempo zunächst etwas drosselt – und das glücklicherweise nicht zu Lasten der dennoch hervorragenden Instrumentalstrecke in der Mitte – offenbart sich in BLOOD BROTHERS‘ FIGHT plötzlich eine teils merklich düsterere Atmosphäre, die dank der tadellosen Leistungen des Gitarristen Enrico Paoli sowie des Leadsängers Morby ebenso aufgeht wie der Rest des Albums. Sicher, in einer Nummer wie DEFENDERS gibt es bis auf den von DOMINE bereits gewohnten instrumentalen Kraftakt inklusive des umwerfend-druckvollen Eindrucks nicht viel zu holen; wobei es schade ist dass der recht simpel gehaltene Refrain eher kontraproduktiv wirkt und klingt – doch spätestens wenn die Italiener in ihrem Titeltrack DRAGONLORD zum großen Rundumschlag ausholen, sollte niemand mehr still sitzenbleiben. Mit Nummern wie dem vergleichsweise ruhigen und klassisch-retrospektiv orientierten THE SHIP OF THE LOST SOULS haben es DOMINE dagegen problemlos geschafft, ihre Bandbreite um eine weitere interessante Facette zu erweitern – und vielleicht auch Genre-Grenzen zu sprengen. Dass selbst der überlange Rausschmeißer THE GREAT BATTLE FOR THE SILVER SWORD keine längeren Durststrecken offenbart, rundet das GAnze ab.

Natürlich, gänzlich vor Schwächen gefeit ist DRAGONLORD nicht – und dennoch ist die Entwicklung, die DOMINE von ETERNAL CHAMPION hin zu ihrem zweiten Studioalbum durchgemacht hatten; definitiv nicht zu verachten. Fest steht: ein Album wie dieses gehört damit in jede gut sortierte Power Metal-Sammlung. Erst Recht natürlich, wenn man sich für die Geschichte des Genres interessiert – oder aber bereits Gefallen an seinerzeit ganz ähnlich agierenden Combos wie etwa den CRYSTAL EYES bekundet hat.

Absolute Anspieltipps: THUNDERSTORM, BLOOD BROTHERS‘ FIGHT, DRAGONLORD, THE SHIP OF THE LOST SOULS


„Ein schon früh offenbartes Konzept in der erstmaligen Vollendung – ein echter Klassiker.“

Filmkritik: „Matrix“ (1999)

Originaltitel: The Matrix
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Mit: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss, Hugo Weaving u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 131 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction, Action
Tags: Matrix | Fiktion | Paralellwelt | Roboter | Maschinen | Künstliche Intelligenz

Was ist schlimmer – irgendwo gefangen zu sein, oder gar nicht erst zu wissen dass man es ist ?

Inhalt: Thomas A. Anderson (Keanu Reeves) führt ein waschechtes Doppelleben: während er sich in seinem Alltag als unscheinbarer Programmierer für eine große Softwarefirma verdingt, nimmt er im privaten auch mal etwas zwielichtigere Aufräge an – sofern die Bezahlung für seine Dienste als professioneller Hacker stimmt. Und auch wenn er recht gut mit seinem Lebensstil zurechtzukommen scheint, beschleicht ihn des öfteren das Gefühl als würde etwas nicht stimmen – wobei er Schwierigkeiten hat zu definieren, was genau es sein könnte. Dementsprechend hätte er wohl mit allem rechnen können – nur nicht mit der These die ihm ein gewisser Morpheus (Laurence Fishburne) nahelegt. Der behauptet schlicht, dass die Welt wie Thomas und all die anderen Menschen sie kennen; nichts weiter ist als eine computergesteuerte Simulation. Kurz darauf stellt Morpheus Thomas vor die Wahl: entweder, er würde sein Leben wie bisher weiterleben – oder aber die Chance wahrnehmen, die Wahrheit zu ergründen. Dafür müsste Thomas allerdings sein altes Leben komplett hinter sich lassen…

Kritik: Ja, es wurde bereits viel über ihn gesagt – wobei sich so gut wie alle Kritiker und Zuschauer zumindest in einer Hinsicht einig sind. THE MATRIX, der 1999 erschienene Kultfilm der beiden Wachowksi-Brüder (oder mittlerweile auch Schwestern) war und ist nicht weniger als ein Meilenstein der Science Fiction- und Action-Filmgeschichte. Einer, bis heute nichts von seiner ursprünglichen Faszinationskraft verloren hat – was auch oder vielleicht sogar erst Recht für die beiden etwas später veröffentlichten Nachfolger MATRIX RELOADED und MATRIX REVOLUTIONS gilt. Der Gründe dafür gibt es gleich eine ganze handvoll: seien es die hervorraganden und in jeder Hinsicht innovativen Spezialeffekte inklusive der für die Filmreihe typischen Zeitlupen-Sequenzen, die gut choreographierten Kampfszenen, die hochkarätige und in einem angenehmen Maß in ihren Rollen aufgehende Besetzung oder nicht zuletzt die vergleichsweise wenig ausgelutschte (und für eine Hollywood-Produktion recht freigeistig umgesetzte) Grundidee – der turbulente Action- und Sci-Fi-Mix geht in vielerlei Hinsicht auf, und sorgt in Anbetracht seiner sowohl in handwerklich-technischer als auch inhaltlicher Hinsicht äußerst zufriedenstellender Elemente für einen immensen Unterhaltungswert.

Wenn man dem ersten Teil der Reihe dennoch etwas ankreiden wollte, wären dies vornehmlich zwei Dinge. Zum einen, dass es die Macher mit ihrer an den Tag gelegten (oder eher auf die Leinwand gebannten) Coolness stellenweise dezent übertrieben haben, was einige Szenen eher unfreiwillig komisch denn wirklich beeindruckend wirken lässt – und zum anderen, dass der erste Teil der Reihe schlicht noch nicht ganz die Intensität und den Ideenreichtum der späteren Nachfolger erreicht. Davon abgesehen – und in Anbetracht der Tatsache, dass THE MATRIX ohnehin nur als vollständige Trilogie funktioniert – gab und gibt es aber kaum etwas zu mäkeln. Anders gesagt: auch wenn der erste Teil nicht perfekt ist, gehört er zu einer absoluten Pflichtreihe des ausgehenden 20.sten und beginnenden 21.sten (Kino)Jahrhunderts.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros. GmbH

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„THE MATRIX ist zu Recht einer der einflussreichsten und kultigsten Filme der späten 90er Jahre. Weitaus überraschender ist allerdings die Tatsache, dass die beiden Nachfolger dem Original in fast nichts nachstanden.“

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Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – The Sacred Talisman (1999)

Alben-Titel: The Sacred Talisman
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Mai 1999
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Anders Zackrisson – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums
Mattias Bernhardsson – Keyboards

Track-Liste:

1. Destiny Calls (03:58)
2. The Iron Force (04:20)
3. Ride On (03:16)
4. Free at Last (03:50)
5. Hold On to the Flame (04:08)
6. Eternity Holds (04:00)
7. When Fire Comes to Ice (03:49)
8. The Legend Lives On (05:47)
9. The King’s Command (03:25)
10. Unholy Powers (Night of the Witch) (03:12)
11. Glorious (03:24)

And my death will be glorious.

Nachdem die Schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES bereits mit ihrem zweiten Studioalbum TALES OF MYSTERY AND IMAGINATION (Siehe Review) gezeigt hatten, dass der europäische Genre-Markt in jeder Hinsicht mit einer aufstrebenden Combo wie der ihren rechnen musste; schickte man gerade einmal ein gutes Jahr später THE SACRED TALISMAN ins Rennen – das dritte Album der Band, das die zuvor eingeschlagene Fantasy-Schiene fortführte und dabei zunächst durch eine eher unspektakuläre Aufmachung auffiel. Immerhin schienen sowohl das Cover als auch der Alben-Titel selbst nicht gerade großes zu versprechen – eher etwas typisches oder etwas, das zu einem späteren Zeitpunkt als zigmal gehörter Kitsch abgetan worden wäre. Dennoch – und wie so oft – zeigt sich, dass sich ein näheres Hinhören und im besten Falle auch Eintauchen in den hiesigen musikalischen Alben-Kosmos lohnt. Und das sogar so sehr, dass man hier relativ problemlos vom bis dato besten, atmosphärischsten und wirkungsvollsten NOCTURNAL RITES-Album überhaupt sprechen kann.

Anzeichen dafür gibt es schließlich einige – wobei schon die im Gegensatz zu den Vorgängern erhebliche verbesserte oder eher im Sinne der Marschrichtung der Band angepasste Abmischungs- und Produktionsarbeit als potentiell ausschlaggebendes Merkmal zu nennen ist. Schließlich klangen die NOCTURNAL RITES erst auf THE SACRED TALISMAN so, als wären sie tatsächlich eine sich irgendwo zwischen den Zeiten wohlfühlende Combo. Eine, die sich dem Schaffen anderer Bands nicht unterordnet, einen höchst eigenständigen Sound an den Tag legt – und diesen auch mit einem entsprechenden Nachdruck zu untermauern weiß. Die für den damaligen Frontmann Anders Zackrisson wesentlich vorteilhaftere Abmischung des Leadgesangs, die nicht mehr ganz so dröhnenden Gitarren, die bessere Hervorhebung der Drums und des Bass sowie der sich insgesamt organischer und lebendiger anfühlende Soundeindruck sprechen hier jedenfalls für sich.

Doch nicht nur in Bezug auf die Inszenierung und Vermittlungen ihres Sounds hatten die NOCTURNAL RITES abermals einen großen Sprung nach vorne gemacht – auch im Hinblick auf das Songwriting und das offerierte Maß der Abwechslung ging es erstmals so heiß her, dass man geneigt war von einem ganz und gar kultig anmutenden Endprodukt zu sprechen. Sei es der direkt wirksame, über allen Maßen hymnische Opener DESTINY CALLS; das angenehm klassisch stampfende THE IRON FORCE, das die Stimmung von RIOT’S THUNDERSTEEL heraufbeschwörende RIDE ON, das gewissermaßen leicht wehmütig stimmende und perfekt ausgeführte FREE AT LAST oder das variantenreiche HOLD ON TO THE FLAME – bereits der gesamte Alben-Auftakt von THE SACRED TALISMAN hätte mächtiger nicht ausfallen können. Umso schöner ist, dass das Album diesen Qualitätsstandard auch locker zu halten vermag – und man kaum eine andere Wahl hat als Nummern wie WHEN FIRE COMES TO ICE oder GLORIOUS direkt mit dem Prädikat wertvoll zu versehen. Zumindest im Sinne der Geschichte des europäischen Power Metals, für den sich die NOCTURNALES RITES nach ihrem Karriere-technischen Death Metal-Auftakt doch noch entschieden hatten.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass THE SACRED TALISMAN selbst mit einer für die Band eher untypischen Ballde wie THE LEGEND LIVES ON punkten kann – auch oder gerade weil sich der damalige Leadsänger Anders Zackrisson hier hörbar ins Zeug legte und der Hörerschaft eine so noch nicht bekannte Gesangs-Facette offenbarte. Die daraus folgende, letztendlich kaum vermeidbare Feststellung ist vergleichsweise selten, aber: das einzig schlechte an THE SACRED TALISMAN ist, dass es irgendwann einmal endet. Das will schon etwas heißen – und sorgt dafür, dass sich das Album einen der höheren Plätze in der hiesigen Liste der besten Power Metal-Alben des Blogs sichern kann. Danke, NOCTURNAL RITES !

Absolute Anspieltipps: DESTINY CALLS, RIDE ON, WHEN FIRES COMES TO ICE, GLORIOUS


„So oder so ähnlich klingt ein Power Metal-Meisterstück.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Theater Of Salvation (1999)

Alben-Titel: Theater Of Salvation
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. Februar 1999
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. The Healing Vision (01:11)
2. Babylon (06:10)
3. The Headless Game (05:31)
4. Land of the Miracle (06:32)
5. Wake Up the King (05:43)
6. Falling Down (04:36)
7. Arrows Fly (05:03)
8. Holy Shadows (04:31)
9. Another Time (04:07)
10. The Unbeliever (05:47)
11. Theater of Salvation (12:25)

Kommt Zeit, kommt Rat… und vielleicht auch endlich mal ein Meisterwerk.

Wenn man eine der markanteren Power Metal-Combos nennen müsste, die sich in den frühen 90er Jahren aufgemacht hat um die hiesige Genre-Welt im Sturm zu erobern; sollte man die Rechnung keineswegs ohne die Jungs von EDGUY machen. Immerhin hatten sich die Musiker um Frontmann Tobias Sammet ab dem 1995 veröffentlichten Debütalbum SAVAGE POETRY (siehe Review) kontinuierlich gesteigert, und mit dem überraschenden VAIN GLORY OPERA (Review) ihr bis dato maßgeblichstes Werk abgeliefert. Ebenfalls noch in diese frühe Schaffensperiode der Band einzuordnen ist das 1999 erschienene THEATER OF SALVATION – mit welchem EDGUY abermals etwas neues wagten, oder sich zumindest wieder etwas weiter vom vergleichsweise düsteren und symphonisch angehauchten Sound des Vorgängers wegbewegten. Doch ganz unabhängig davon, ob man THEATER OF SALVATION nun als Neueinsteiger entdeckt oder im Vergleich mit den grundsätzlich ganz ähnlich aufgemachten früheren EDGUY-Alben betrachtet – von einem rundum gelungenen Album konnte und kann man hier in jedem Fall sprechen.

Und das sicher auch, da EDGUY mit THEATER OF SALVATION ihr bis dato temporeichstes, spielfreudigstes und vielleicht auch mit den meisten direkt wirksamen Hymnen versehenes Album kreierten – und die Gesamtwirkung der 11 Titel im Sinne der übergeordneten Power Metal-Definition kaum klassischer hätte ausfallen können. So sind es vor allem die vergleichsweise schnörkellosen, wunderbar Gitarren-orientierten und in den Refrains starken Brecher BABYLON, WAKE UP THE KING oder ARROWS FLY welche angenehm unvermittelt ins Ohr gehen – und dank ihrer Eingängigkeit wohl auch eine Weile im Gedächtnis bleiben werden. Eine Eingängigkeit, die hier aber nicht zwingend mit dem Begriff der Einfachheit gleichgesetzt werden muss – zumal THEATER OF SALVATION sowohl im kompositorischen, als auch im handwerklichen und produktionsbezogenen Sinne so gut wie nichts vorzuwerfen ist. Überhaupt sorgen Nummern wie das herrlich stampfende THE HEADLESS GAME, das gewissermaßen die Atmosphäre des ebenfalls im Jahre 1999 gegründeten AVANTASIA-Projektes vorwegnehmende LAND OF THE MIRACLE oder das dezent an STRATOVARIUS erinnernde FALLING DOWN durchaus für die nötige Abwechslung und Vielfalt.

Wenn auch nicht immer mit dem nötigen Effekt – denn zumindest das recht explizit auf die Tränendrüse drückende ANOTHER TIME schie´ßt eventuell doch noch dezent übers Ziel hinaus. Dennoch sollte man hier – und insgesamt betrachtet – relativ problemlos vom bis dato besten und wirksamsten EDGUY-Album überhaupt sprechen können. Sowohl die Bandmitglieder an den Instrumenten als auch Frontmann Tobias Sammet befanden sich auf einem qualitativen Höhepunkt, das Aufkommen absolut kultverdächtigter Hymnen ist hoch, bloße Lückenfüller gibt es keine. Als gewissermaßen abrundende Faktoren fungieren dann etwa das kurze aber recht atmosphärische Intro THE HEALING VISION, sowie der überlange Titeltrack THEATER OF SALVATION – bei dem sich EDGUY ebenfalls nicht die Blöße gaben und aus dem musikalischen Vollen schöpften. Wenn man schon nichts mit dem späteren Werk von EDGUY anfangen kann – THEATER OF SALVATION war und ist ein absolutes Muss, geht es um einen perfekt in Szene gesetzten und wunderbar klassischen europäischen Power Metal.

Absolute Anspieltipps: BABYLON, THE HEADLESS GAME, WAKE UP THE KING, FALLING DOWN, ARROWS FLY, THEATER OF SALVATION


„EDGUY auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.“

Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – Mistress Of The Shadowlight (1999)

Alben-Titel: Mistress Of The Shadowlight
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1999
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Elevate Records

Alben-Lineup:

Roberto „Ramon“ Messina – Vocals
Paolo „Paco“ Gianotti – Guitars
Aldo Lonobile – Guitars (lead)
Andrea Buratto – Bass
Luca Cartasegna – Drums
Antonio Agate – Keyboards

Track-Liste:

1. Dawn of Time (01:21)
2. Age of Wizard (06:08)
3. Recall of the Valkyrie (05:54)
4. On the Wings of Sun (05:20)
5. Twilight of Fairy Tale (05:14)
6. White Lion (07:50)
7. Labyrinth of Glass (05:33)
8. Seren (02:07)
9. Secret Sphere (10:33)

Eine Reise in geheime Sphären der Vergangenheit.

Verbindet man den Begriff des italienischen Power Metal mit dem Zeitraum der späten 90er Jahre, so wird es vornehmlich eine Band sein die dem geneigten Genre-Enthusiasten in den Sinn kommt: RHAPSODY, die heute mit dem Zusatz OF FIRE unterwegs sind und speziell dem Subgenre des Symphonic Power Metal einen großen Dienst erwiesen haben. Doch natürlich gab es zahlreiche weitere aufstrebende Genre-Bands, die sich in dieser Zeit aufmachten um die musikalischen Bühnen dieser Welt zu erobern. Neben bekannteren Acts wie LABYRINTH, VISION DIVINE oder THY MAJESTY versuchten so auch die 1997 gegründeten SECRET SPHERE im Zuge der neuen Power Metal-Invasion der Marke Italien durchzustarten. Und tatsächlich: nach einer ersten Demo gingen sie schon 1999 mit ihrem Debütalbum MISTRESS OF THE SHADOWLIGHT an den Start. Selbiges erschien seinerzeit über das Label Elevate Records, beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtlaufzeit von exakt 50 Minuten – und vermittelt gerade aus heutiger Sicht ein angenehm ursprüngliches Gefühl.

Analog zu den frühen Werke der bereits genannten Vergleichsbands, versteht sich. Wobei es vornehmlich die Kollegen von LABYRINTH sind, zu denen die wohl auffälligsten Parallelen bestehen. Doch das wirkt sich in diesem Falle nicht negativ aus, zumal das Genre jung und die Masse an lokalen Konkurrenzbands eher übersichtlich war. In diesem Zusammenhang schienen auch besondere Alleinstellungsmerkmale von einer eher zweitrangigen Natur zu sein – vielmehr ging es darum, das möglichst beste aus den jeweils gegebenen Möglichkeiten zu machen. Und das ist den Italienern von SECRET SPHERE auf ihrem MISTRESS OF THE SHADOWLIGHT auch in einer durchaus respektablen Ausprägung gelungen. Und vor allem einer spannenden: seien es die hie und da eingestreuten klassisch-symphonischen Klang-Elemente (die, wie sollte es anders sein; an das frühe Schaffen von RHAPSODY erinnern), der großzügige aber dennoch stimmige Einsatz des Keyboards, die Mixtur aus flotten und eher getragenen Titeln oder die guten handwerklichen Leistungen – langweilig wird es auf ihrem Debütalbum keineswegs.

Dabei hat selbiges mindestens zwei markante Vorteile: zum einen den stets präsenten, perfekt in Szene gesetzten Bass von Andrea Buratto – und zum anderen die Stärke der klar erkennbaren Hymnen des Albums. Vornehmlich wären hier Titel wie der mächtige Opener AGE OF WIZARD, das feucht-fröhlich voranpreschende RECALL OF THE VALKYRIE, das angenehm wandelbare ON THE WINGS OF SUN oder das mit gleichermaßen symphonischen wie progressiven Noten ausgestattete SEREN zu nennen. Während der Leadgesang von Roberto „Ramon“ Messina als solide, aber eben auch relativ typisch und im schlimmsten Fall gar als verwechselbar zu bezeichnen ist; wirkt sich eigentlich nur eine Kleinigkeit negativ auf den Gesamteindruck aus – und das sind die im Falle von MISTRESS OF THE SHADOWLIGHT häufiger auftretenden balladesken Strömungen. Anders gesagt: mit Nummern wie TWILIGHT OF FAIRY TALE bewegt man sich verdächtig nah an der Kitsch-Grenze des gerade noch erträglichen, und auch sonst hätte man hie und da etwas weniger atmosphärische Spielereien vorsehen können.

Denn insgesamt betrachtet hat das Album vor allem eines: eine ordentliche Portion Power. Und die sollte man in diesem Fall auch ruhig entsprechen hochhalten – schließlich könnte man nicht umsonst behaupten, dass es SECRET SPHERE locker schafften mit der hochkarätigen Konkurrenz von LABYRINTH mithalten zu können. Anhaltspunkte dafür finden sich überall – besonders aber in jenen Nummern, die dem Werk der italienischen Kollegen sehr ähnlich sind (wie etwa WHITE LION oder LABYRINTH OF GLASS). Wenn man so will schneiden SECRET SPHERE vielleicht  sogar noch ein stückweit besser ab – nicht unbedingt in Bezug auf den Leadgesang, aber doch die lebendigere Instrumentierung und die mindestens gleichwertige Bandbreite an vermittelten Emotionen. Kurzum: bei MISTRESS OF THE SHADOWLIGHT handelt es sich um einen echten Klassiker, der in keiner Sammlung fehlen sollte.

Absolute Anspieltipps: AGE OF WIZARD, RECALL OF THE VALKYRIE, ON THE WINGS OF SUN


„Ein seinerzeit höchst gelungener Genre-Einstieg für SECRET SPHERE – und auch heute noch extrem lohnenswert.“

Metal-CD-Review: DREAMTALE – Shadow Of The Frozen Sun (Demo, 1999)

Alben-Titel: Shadow Of The Frozen Sun (Demo)
Künstler / Band: Dreamtale (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. August 1999
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Rami Keränen – Guitars, Vocals, Keyboards
Petteri Rosenbom – Drums
Petri Laitinen – Bass
Kalle-Pekka Ware – Guitars

Track-Liste:

1. Winds of Change (04:51)
2. Secret Wish (05:11)
3. Time of Fatherhood (05:14)
4. Wasteland of the Forgotten (06:11)
5. Now It’s Time (06:25)
6. Shadow of the Frozen Sun (08:19)

Eine Mär von alten, aber gewiss nicht vergessenen Geschichten.

SHADOW OF THE FROZEN SUN ist die erste offiziell von DREAMTALE veröffentlichte Demo-CD aus dem Jahre 1999 – und damit das wohl älteste heute noch verfügbare Material aus den Anfangszeiten der längst etablierten finnischen Power Metal-Combo. Mit der absoluten Ur-Besetzung, die so nur auf dieser Demo vertreten war und letztendlich nur ein einziges Jahr hielt – und einem damals noch etwas ungeschliffenen, dabei aber nicht minder zielstrebigen Sound konnten DREAMTALE hier erstmals zeigen was in ihnen steckt. Dabei scheint eben jenes musikalische Wagnis nicht nur in Anbetracht des späteren Erfolges der Band aufgegangen zu sein – denn schließlich klingt die Demo auch heute noch sehr angenehm. Sicher, von dem für das Debütalbum BEYOND REALITY (siehe Review) erstmals in jeder Hinsicht perfektionierten Sound war das Ganze noch dezent entfernt – doch die Tendenzen hinsichtlich eines hervorragenden Songwritings und der ausgezeichneten handwerklichen Fähigkeiten der Mitglieder waren schon damals klar erkennbar.

Viel wichtiger erschien in diesem Fall aber ohnehin der Wille, etwas ganz und gar großartiges innerhalb des noch vergleichsweise jungen Genres zu erschaffen – und auch der schimmert innerhalb der 6 auf der Demo vertretenen Titel immer wieder durch. So kann man auch den hier noch etwas wackelig und höchst gewöhnungsbedürftig erscheinenden Auftritt des Sängers Rami Keränen verschmerzen – der später wesentlich sicherer auftrat. Die Leistungen an den Instrumenten und die angepeilten Sound-Schwerpunkte ließen dagegen schon auf dieser frühen Demo kaum zu wünschen übrig: die äußerst variabel agierenden Gitarren stehen klar im Vordergrund, der Bass ist in Nummern wie SECRET WISH deutlich hörbar und perfekt in Szene gesetzt, das Drumming klingt recht organisch – und einige Melodien, wie etwa die in WASTELAND OF THE FORGOTTEN lassen großes vermuten. Allemal interessant ist, dass das später bei DREAMTALE omnipräsente Keyboard hier noch deutlich weniger Raum einnahm – und sich die Band so in einem eher klassischen Sound-Outfit präsentierte.

Es kann sich demnach auch heute noch lohnen, eine Veröffentlichung wie SHADOWS OF THE FROZEN SUN für sich zu entdecken – zumal immerhin 3 der 6 Nummern im Laufe der Jahre nicht noch einmal aufgenommen wurden, und so einen entsprechend hohen Raritätswert besitzen. Dabei sind ausgerechnet die verdächtig hochkarätig. Gut, der eher als solide zu bezeichnende Opener WINDS OF CHANGE vielleicht noch nicht – aber das hymnische NOW IT’S TIME und der fast schon überlange Titeltrack SHADOW OF THE FROZEN SUN allemal. Die anderen Titel konnte man dagegen auf den späteren Alben wiederfinden, in merklich aufgepeppten Versionen versteht sich – sodass sich hier ein ebenfalls nicht zu verachtender Blick auf deutlich frühere Entwicklungsstadien lohnt.

Absolute Anspieltipps: SECRET WISH, WASTELANDS OF THE FORGOTTEN, NOW IT’S TIME, SHADOW OF THE FROZEN SUN


„Eine nicht perfekte aber höchst interessante Demo, die das spätere Schaffen einer großartigen Band ankündigte.“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – Church Of The Holy Ghost (1999)

Alben-Titel: Church Of The Holy Ghost
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Dezember 1999
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Andrea Martongelli – Guitars
Matteo Galbier – Bass
Alessio Turrini – Drums
Matteo Ballottari – Guitars
Alberto Caria – Vocals

Track-Liste:

1. War (07:09)
2. Tyrants‘ Time (07:12)
3. Time to React (04:06)
4. Tomorrow’s World (05:16)
5. Claws of the Devil (05:46)
6. The Storm (08:46)
7. Twilight in the Dark (07:06)
8. Church of the Holy Ghost (07:55)

Ist der Geist erst einmal aus der Flasche…

CHURCH OF THE HOLY GHOST ist das 1999 erschienene Debütalbum der italienischen Power Metal-Combo ARTHEMIS, die bereits seit 1994 (damals noch unter dem Namen NEMHESIS) ihr Unwesen treibt. Aus dieser Zeit scheint aber nicht mehr allzu viel übrig zu sein – zumal die Band ohnehin erst bekannter und erfolgreicher wurde, als ein gewisser und später als POWER QUEST-Frontmann bekannt gewordener Alessio Garavello den Posten des Leadsängers übernahm. Interessanterweise geschah das aber erst kurz nach dem vorliegenden CHURCH OF THE HOLY GHOST – sodass man hier das wohl mit Abstand ursprünglichste und raueste heute noch verfügbare ARTHEMIS-Material auf die Lauscher bekommt. Und eben darauf sollte man sich auch einstellen respektive nicht mit einem allzu ausgefeilt klingenden musikalischen Erguss rechnen. Immerhin erschien das Album seinerzeit als reine Independent-Produktion, und den Mitgliedern standen offenbar nicht die besten Möglichkeiten in Bezug auf die Aufnahme, das Mixing und die Produktion zur Verfügung.

Wenn man darüber hinwegsehen kann – und eventuell noch über den zunächst gewöhnungsbedürftigen Leadgesang von Alberto Caria – lässt sich aber dennoch ein recht interessantes Genre-Album entdecken. Und das ist vielleicht sogar noch untertrieben formuliert, denn: die hier offerierten Kompositionen tönen mal so gar nicht nach typischen Power-Klischees der Marke Italien. Vielmehr legt CHURCH OF THE HOLY GHOST einen erstaunlich klassischen Genre-Sound vor, der mit seinem hervorgehobenen Bass und den enorm progressiven Strukturen angenehm an eine längst vergangene Ära des Heavy Metal erinnert. Und eben dieser überraschend klassische Genre-Sound ist es auch, der das Album trotz der klaren Schwächen im Hinblick auf die Präsentation locker zu Tragen vermag. Anders gesagt: hat man sich erst einmal im Kontext des Albums eingefunden und sich an den Sound gewöhnt, steht dem klassischen Metal-Vergnügen eigentlich nichts mehr im Weg.

Das liegt auch an der insgesamt als vorzüglich zu bezeichnenden Gitarrenarbeit inklusive zahlreicher ansprechender Instrumentalstrecken und Soli, dem im Verlauf des Albums gefühlt immer sicherer werdenden Leadsänger Alberto Caria; sowie der generell recht energetischen bis furiosen Gesamtwirkung von Brechern a’la WAR oder TYRANTS TIME. Doch der allgemeine Unterhaltungswert wird daraufhin sogar noch gesteigert. Sei es der kürzeste Titel des Albums (TIME TO REACT) mit seinen überzeugenden Tempiwechseln, das lockere aber kultverdächtige TOMORROW’S WORLD, das leicht verrückte CLAWS OF THE DEVIL – ARTHEMIS haben hier einiges abgeliefert, wobei jedes einzelne Instrument schier hervorragend abschneidet und mit einer größtmöglichen Flexibilität agiert.

Respekt verdienen jedenfalls alle Beteiligten: das äußerst variable, lebendige Drumming von Alessio Turrini begeistert, der Bass von Matteo Galbier geht niemals unter, das inszenierte Spektakel der Gitarristen Andrea Martongelli und Matteo Ballottari ist ein Highlight für sich – und Leadsänger Alberto Caria überzeugt letztendlich doch, nicht zuletzt dank seiner Sicherheit in den hohen Lagen. Schade bleibt natürlich, dass das Album seine potentiell enorm hochkarätige Wirkung niemals gänzlich entfalten kann. Oder anders gesagt: der eher an eine plumpe Garagenproduktion erinnernde Klangeindruck wird der eigentlichen Größe von CHURCH OF THE HOLY GHOST kaum gerecht – und verhindert im Zusammenspiel mit dem nicht immer optimalen Leadgesang, dass das Album in den absoluten Wertungs-Olymp aufsteigt. Bei einer Empfehlung und einem der interessanteren Italien-Releases bleibt es aber dennoch.

Absolute Anspieltipps: TYRANT’S TIME, TIME TO REACT, TOMORROW’S WORLD, CLAWS OF THE DEVIL


„Ein Album, dass es trotz der schwächelnden Präsentation in sich hat.“

Metal-CD-Review: MORIFADE – Possession Of Power (1999)

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Alben-Titel: Possession Of Power
Künstler / Band: Morifade (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 22. November 1999
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Loud n‘ Proud

Alben-Lineup:

Stefan Petersson – Vocals
Jesper Johansson – Guitars
Henrik Weimedal – Bass
Kim Arnell – Drums

Track-Liste:

1. Possession of Power (00:48)
2. Dragonlord (04:45)
3. Cast a Spell (04:33)
4. Ending of Time (05:32)
5. The Signs (04:12)
6. My Own Majesty (04:05)
7. To Live Forever (04:44)
8. The Vision and the Temple (06:48)
9. World of Steel (03:54)
10. A Northern Rhyme (04:22)
11. Ancient Prophecy (07:40)

Darf es auch mal wieder etwas klassisches sein ?

Geht es um die aus Schweden stammende Power Metal-Formation MORIFADE, so sind mindestens zwei wichtige Feststellungen zu treffen. Zum einen handelt es sich um eine jener zumindest potentiell legendären Combos, die das um die Jahrtausendwende herum erneut erblühende Genre des europäischen Power Metal mehr oder weniger entscheidend mitgeprägt haben – und deren Musik wohl niemals gänzlich verstummen wird. Zum anderen handelt es sich aber auch um eine jener nicht gerade langlebigen Combos, deren Blütezeit auf einen ganz speziellen Zeitraum festzumachen ist – und die sich danach nie wieder so richtig erholte. Und so bleibt einem aus heutiger Sicht nicht viel mehr übrig, als sich mit eben dieser Blütezeit zu befassen – erst Recht, da die Band seit 2011 nichts mehr veröffentlicht hat und mittlerweile sogar als aufgelöst gilt.

Doch im Jahre 1999 sah die Sache noch etwas anders aus, denn hier setzten MORIFADE erstmals zu einem allemal bemerkenswerten Rundumschlag an. Der horcht auf den Namen POSSESSION OF POWER, kommt mit 11 frischen und energiegeladenen Titeln daher – und erinnert mit seiner Spielfreude an andere frühe, längst kultige Debüt-Alben wie dem der CRYSTAL EYES (WORLD OF BLACK AND SILVER, Review) oder aber dem ein Jahr später erschienenen QUEST FOR GLORY der italienischen Kollegen von DRAKKAR (Review). Wobei es sich um einen gar nicht mal so abwegigen Vergleich handelt – schließlich kann man ihn nicht nur in Bezug auf den Stil der Bands, sondern auch die letztendlich offerierte Wertigkeit von POSSESSION OF POWER anwenden. Anders gesagt: qualitativ steht das Debütalbum von MORIFADE in etwa zwischen denen der eben genannten Partner-Bands, wobei das Niveau der früheren CRYSTAL EYES nicht erreicht werden konnte – aber dass der früheren DRAKKAR durchaus.

Und das liegt vornehmlich an der recht zeitlosen Wirkungskraft von POSSESSION OF POWER, das trotz seiner eher minimalistischen Inszenierung mit einem angenehm hymnischen Anstrich (DRAGONLORD, THE SIGNS, TO LIVE FOREVER) aufwarten kann. Entsprechend unvermittelt fällt der Einstieg, entsprechend groß der Spaßfaktor aus – zumal der Sound und die meist zutiefst melodischen Kompositionen von MORIFADE klassischer nicht hätte ausfallen können. Doch muss sich auch ein Album wie POSSESSION OF POWER Kritik gefallen lassen – wobei sich die relative Einfachheit des Albums als Segen und Fluch zugelich ehrausstellt. Sicher mag es so enorm eingängig ausfallen und das Genre in einer angenehm unkomplizierten Weise zelebrieren – doch eignet sich POSSESSION OF POWER so auch nicht als Dauerbrenner. Dafür sind die offerierten Zutaten dann doch etwas zu typisch und vorhersehbar.

Und so ist POSSESSION OF POWER gefangen in einem Strudel aus einer angenehmen Eingängigkeit und einer zumindest potentiell ärgerlichen EIntönigkeit. Gerade der sehr hohe Leadgesang von Stefan Petersson fällt in diesem Zusammenhang eher strapazierend aus (besonders in Gesangs-betonteren Nummern wie ENDING OF TIME) – wobei das Album auch alles andere als perfekt produziert und abgemischt wurde. In erster Linie fehlt es der Soundkulisse wohl an Druck – im tiefen Frequenzbereich geht hier auffällig wenig. Davon abgesehen gibt es indes kaum Kritikpunkte zu nennen: MORIFADE gelingt es die Balance zwischen eher verspielten und von manchen gern als kitschig bezeichneten Elementen (CAST A SPELL) sowie ihrem antreibenden Metal-Kern zu halten, die Chöre klingen einfach aber wirksam; und selbst eine Ballade wie MY OWN MAJESTY macht eine vergleichsweise gute Figur. Fans des Genres sollten sich dieses Stück Metal-Geschichte also durchaus sichern.

Absolute Anspieltipps: DRAGONLORD, CAST A SPELL, THE SIGNS, TO LIVE FOREVER


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„Ein klassisches Genre-Album mit vielen Vorzügen – aber auch kleineren Schwächen.“

Great Power Metal Classics: MORIFADE – Dragonlord (1999)

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Der Track stammt vom ersten MORIFADE-Album POSSESSION OF POWER. Schade ist, dass sich die Band mittlerweile aufgelöst hat…

Metal-CD-Review: IRON SAVIOR – Unification (1999)

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Alben-Titel: Unification
Künstler / Band: Iron Savior (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Januar 1999
Land: Deutschland
Stil / Genre: Speed / Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Piet Sielck – Vocals, Guitars
Kai Hansen – Guitars, Vocals
Jan-Sören Eckert – Bass, Vocals (additional)
Dan Zimmermann – Drums
Andreas Kück – Keyboards

Track-Liste:

1. Coming Home (05:23)
2. Starborn (04:37)
3. Deadly Sleep (05:09)
4. Forces of Rage (05:46)
5. Captain’s Log (01:02)
6. Brothers (of the Past) (04:43)
7. Eye to Eye (05:52)
8. Mind over Matter (05:35)
9. Prisoner of the Void (04:43)
10. The Battle (05:47)
11. Unchained (06:09)
12. Forevermore (05:15)
13. Gorgar (Helloween cover) (04:07 )
14. Neon Knights (Black Sabbath cover) (03:54)
15. Dragonslayer (performed by Excelsis) (05:09)

Schnell noch einen nachgelegt.

UNIFICATION ist das zweite offizielle Studioalbum der deutschen Speed und Power Metaller von IRON SAVIOR. Und auch wenn es gerade einmal zwei Jahre nach dem überraschenden – und überraschend guten – Debütalbum erschien (Review), hatte man kaum das Gefühl als würden es IRON SAVIOR zu schnell angehen. Eher war gegenteiliges der Fall – da die Band ein vergleichsweise massives Potential aufgezeigt hatte und klarstellte, dass auch in Zukunft mit ihr zu rechnen wäre. Und so machten IRON SAVIOR auf UNIFICATION da weiter, wo sie mit ihrem Debütalbum aufgehört hatten – mit einer großen Portion eines gleichermaßen flotten wie kräftigen Power respektive Speed Metal der alten Schule. Einem extrem hochkarätigen noch dazu; dafür muss man nicht erst die Besetzungsliste des Albums lesen, die nach wie vor mit großen Namen a’la Kai Hansen, Dan Zimmerman oder eben Allround-Talent Piet Sielck aufwartete. IRON SAVIOR hatten in Bezug auf ihr zweites Studiowerk nichts von ihrer Originalität und Spielfreude verloren.

Und so rauscht UNIFICATION überaus munter durch die Boxen. Die instrumentale Vielfalt und Stilsicherheit ist groß, der Leadgesang mitreißend und sympathisch, der Spaßfaktor enorm. Im Gegensatz zum Vorgänger schienen IRON SAVIOR auch noch einmal angezogen zu haben, wenn es um den hymnischen Faktor vieler Nummern geht: die Refrains klingen auf UNIFICATION noch etwas eingängiger, und der dezente Sci-Fi-Touch sorgt für reichlich Atmosphäre. Neben dem IRON SAVIOR-typischen, Hymnen-lastigen Auftakt mit COMING HOME und dem noch flotteren STARBORN fällt hier vor allem DEADLY SLEEP auf – ein extrem atmosphärischer Stampfer mit hervorragenden Riffs und einer formidablen Gesangs-Darbietung von Kai Hansen. Doch ob nun das verschwörerische FORCES OF RAGE, das rhythmische BROTHERS oder das zur Abwechslung auch mal etwas ruhigere EYE TO EYE – Gründe, die Skip-Taste zu betätigen wird man hier eher nicht finden.

Das gilt zumindest bis in die Mitte des Albums hinein – denn dann wird UNIFICATION doch noch etwas länglich. MIND OVER MATTER, PRISONER OF THE VOID oder THE BATTLE sind sicher nicht schlecht, doch fühlen sie sich gerade im Vergleich mit dem fulminanten Auftakt-Nummern eher schwach an. Wenn man so will könnte man hier durchaus von eher zu vernachlässigenden Fillern sprechen. Gegen Ende zieht man dafür wieder markant an: das ungewöhnliche UNCHAINED wird so schnell nicht mehr aus den Gehörgängen verschwinden, und die Ballade FOREVERMORE bietet eine weitere denkwürdige, emotionale Gesangsperformance von Kai Hansen. All das wäre nicht so spannend, würde sich der Spieß nicht noch einmal umdrehen: die quasi-Bonussektion des Albums wartet wieder mit drei Nummern auf, die man nicht unbedingt braucht. Hier finden sich noch ein eher überflüssiges Cover des HELLOWEEN-Titels GORGAR, ein (recht gutes) Cover von BLACK SABBATH, und das vergleichsweise fremd klingende DRAGONSLAYER – welches von einer Band namens EXCELSIS eingespielt wurde, die einen Contest gewannen und so auf dem Album vertreten sein durften.

Schlussendlich: IRON SAVIOR haben mit UNIFICATION vieles richtig gemacht. Die unglaubliche Spielfreude überträgt sich einstweilen direkt auf den Hörer – und die zahlreichen Hymnen verfehlen kaum ihren Zweck. Dennoch vermag das Album nicht konsequent oder eher von vorne bis hinten zu überzeugen – es gibt markante Unterbrechungen im etwas langatmigen Mittelteil, sowie dem gewöhnungsbedürftigen Bonus-Part. Da das Album in seinen Starken Momenten aber verdammt überzeugend klingt, stellenweise sogar noch überzeugender als das Debütalbum – kann man noch immer von einem Geniestreich sprechen. Und von Kritik auf hohem Niveau, die abermals knapp verhindert dass das Album eine Höchstwertung einfährt.

Absolute Anspieltipps: COMING HOME, DEADLY SLEEP, FORCES OF RAGE, UNCHAINED


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„Im Vergleich zum Debütalbum halten sich die Vor- und Nachteile von UNIFICATION auf einem sehr hohen Niveau die Waage. Oder anders gesagt: das zweite Album ist ebenso gut wie das erste.“