Metal-CD-Review: DOMINE – Champion Eternal (1997)

Alben-Titel: Champion Eternal
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. September 1997
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Enrico Paoli – Guitars, Songwriting, Lyrics
Morby – Vocals
Mimmo Palmiotta – Drums

Track-Liste:

1. Hymn (01:56)
2. The Mass of Chaos (06:40)
3. The Chronicles of the Black Sword (08:08)
4. The Freedom Flight (06:14)
5. Army of the Dead (08:47)
6. The Proclamation (01:12)
7. Dark Emperor (05:06)
8. Rising from the Flames (05:30)
9. The Midnight Meat Train (04:35)
10. The Eternal Champion (12:26)

Ich glaub‘ ich hör nicht richtig.

Geht es um die italienische Power Metal-Szene der 90er Jahre, werden einem vor allem auch heute noch aktive Genre-Combos mit einer entsprechenden Wegbereiter-Funktion in den Sinn kommen – wie LABYRINTH, VISION DIVINE oder SECRET SPHERE als Vertreter eines etwas progressiveren Sounds; oder aber die Recken von RHAPSODY OF FIRE als Pioniere des Symphonic Power Metals. Dass das aber noch längst nicht alles ist, was die Italiener im Sinne von nennenswerten bis mitunter herausragenden Power Metal-Acts in Petto hatten (und haben); liegt auf der Hand – zumal sich immer auch ein Blick auf nicht ganz so bekannte, so gesehen unter dem Radar laufende Kollegen lohnt.

In Bezug auf die späten 90er und frühen 2000er Jahre etwa ist die Rechnung kaum ohne die Beiträge von Bands wie HEIMDALL, THY MAJESTY oder aber DOMINE zu machen – die sich interessanterweise bereits im Jahre 1983 (!) zusammengefunden hatten, bis zum eigentlichen Debütalbum mit dem ebenso klassischen wie bekannten Lineup unter der Führung des Leadsängers Adolfo Morviducci aka Morby aber noch etwas brauchten. 1997 war es dann aber endlich soweit, und CHAMPION ETERNAL erblickte als knapp einstündiges Power Metal-Werk das Licht der Welt – wobei es sich für die Band wie ein Befreiungsschlag angefühlt haben muss, die zahlreichen vorangegangen Demos (die ursprüngliche CHAMPION ETERNAL-Demo stammt aus dem Jahre 1989) endlich in eine entsprechend inszenierte Alben-Form zu bringen. Mit Dragonheart Records hatte man auch schnell ein passendes Label gunfunden – sodass der bestenfalls unaufhaltsame Siegeszug von DOMINE beginnen konnte.

Vielleicht sollte man aber auch sagen, der potentielle Siegeszug – denn ganz so erfolgreich wie es hätte sein können, war CHAMPION ETERNAL nicht. Und das, obwohl das Album so gesehen durchaus über Qualitäten verfügt, die man so noch nicht von der italienischen Genre-Szene kannte. Zumindest nicht bis dato, und von einer der kleineren Bands. So setzten DOMINE beispielsweise alles daran, CHAMPION ETERNAL wie eine einzige große Erzählung wirken zu lassen – mit entsprechenden Sprechpassagen, längeren Instrumentalstrecken, Interludes und längeren Einzel-epen wie etwa den Rausschmei´ßer und Titeltrack ETERNAL CHAMPION – was einerseits aufgeht und in einem hervorragenden Unterhaltungswert mündet, andererseits aber auch alles andere als ein makelloses Unterfangen ist.

Das wohl größte Manko an CHAMPION ETERNAL war und ist dabei klar die Abmischungs- und Produktionsqualität, die gelinde gesagt eher nach einer Garagenproduktion denn nach einem episch aufgemachten Power Metal-Epos klingt – und dem potentiellen Hörvergnügen ein mitunter recht massives Hindernis in den Weg legt. Außerordentlich darunter zu leiden haben etwa der allgemeine Gitarrensound sowie das Drumming, was wenn man nur auf diese beiden Instrumente achtet sogar eine Differenzierung zwischen den einzelnen Titeln schwierig macht. Ansatzweise gilt ähnliches auch für die spartanischen Hintergrundchöre sowie Darbietung des hiesigen Leadsängers Morby, der auf CHAMPION ETERNAL noch nicht ganz so stimmkräftig und variabel an den Start gegangen war wie auf den späteren DOMINE-Alben. Und ja, letztlich hätten auch die Zwischenspiele (oder auch die ellenlangen Titel-Einleitungen wie in THE CHRONICLES OF THE BLACK SWORD etwas knapper ausfallen können.

Dennoch – und um eine Lanze für das Album zu brechen – täuscht all dies nicht über die Tatsache hinweg, dass DOMINE ihr Handwerk schon früh verstanden und zweifellos dazu in der Lage waren, hervorragende Nummern respektive Genre-Hymnen mit einem gewissen atmosphärischen Tiefgang zu schreiben. So oder so, und auch wenn es nicht perfekt ist – ein Album wie CHAMPION ETERNAL gehört in jede gut sortierte Metal-Sammlung.

Absolute Anspieltipps: THE MASS OF CHAOS, THE FREEDOM FLIGHT, DARK EMPEROR, THE ETERNAL CHAMPION


„Nicht perfekt und gerade in klanglicher Hinsicht etwas unausgegoren – für ein Debütalbum einer zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unscheinbaren Band aber durchaus ein Brett.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Kingdom Of Madness (1997)

Alben-Titel: Kingdom Of Madness
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 8. Februar 1997
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Dominik Storch – Drums

Track-Liste:

1. Paradise (06:24)
2. Wings of a Dream (05:24)
3. Heart of Twilight (05:32)
4. Dark Symphony (01:05)
5. Deadmaker (05:15)
6. Angel Rebellion (06:44)
7. When a Hero Cries (03:59)
8. Steel Church (06:29)
9. The Kingdom (18:23)

Eine Erfolgsgeschichte, die erst noch eine werden sollte.

Nachdem die deutschen Power Metaller von EDGUY mit ihrem Debütalbum SAVAGE POETRY (siehe Review) Fuß gefasst hatten und innerhalb der Szene immer bekannter wurden, legten die noch jugendlichen Recken um Frontmann Tobias Sammet 1997 ihr 9 Titel starkes KINGDOM OF MADNESS nach. Hierbei handelt es sich um das zweite, seinerzeit über AFM Records erschienene Album der Band – welches kurioserweise auch gerne mal als das eigentliche Debütalbum von EDGUY bezeichnet wird. Doch ganz egal ob es nun um das erste oder zweite Album der Band handelt (womit der Vorgänger SAVAGE POETRY als reine Demo abgestempelt werden müsste) – KINGDOM OF MADNESS stellt wie schon sein Vorgänger zur Schau, auf welche musikalische Basis sich die frühen EDGUY (und damit auch die damals noch jugendlichen Bandmitglieder) verständigt hatten. Und das noch weitestgehend ohne, dass sich die eigentliche Größe der Band sowie der gleichermaßen markante wie dezent exzentrische Eindruck des Frontmanns Tobias Sammett schon maßgeblich offenbart hätte.

Dennoch – und natürlich – handelt es sich bei KINGDOM OF MADNESS um alles andere als ein schlechtes Release. Eher um ein für das damalige Genre recht typisches, welches mit einigen Vor- als auch Nachteilen versehen war und ist. So ist es angenehm zu hören, dass sich vor allem Tobias Sammet immer mehr von seinem jugendlich-ungestühmen Ambitionen wegbewegte – und langsam aber sicher zu einem einzigartigen Genre-Sänger avancierte (beispielsweise in Bezug auf die Ansätze in WHEN A HERO CRIES). Und auch das ebenso abwechslungsreiche wie qualitative Songwriting macht im Zusammenspiel mit der effektiven Mixtur aus griffigen und balladesken Elementen eine gute Figur. Andererseits, und um auf den schon für SAVAGE POETRY dezent problematischen Faktor des klanglichen Gesamteindrucks zu kommen; fehlt es auch KINGDOM OF MADNESS an jener handwerklichen und inszenatorischen Perfektion, die das Album in die heutige Zeit retten könnte. Zumindest im Ganzen und ohne Abstriche – wobei insbesondere der extrem flache Klang der Drums, der in den Gesamtkompositionen relativ untergehende Bass, die leicht unvorteilhafte Gesangsabmischung sowie der hier (noch) nicht immer absolut stilsicher agierende Tobias Sammet verantwortlich sind.

So sind es vor allem die am ehesten Power Metal-Puristen ansprechende Uptempo-Nummern wie WINGS OF A DREAM oder STEEL CHURCH die sich als wirksam herausstellen – während nicht wenige der anderen Titel mit diversen Längen, klanglichen Problemen und auch teils deutlichen Schwächen in Bezug auf die Inhalte zu kämpfen haben. Einstweilen schleicht sich auch das Gefühl ein, als hätte man die ein oder andere Nummer doch lieber einer Band wie STRATOVARIUS überlassen sollen – die es schon früh verstanden, auch ihre längeren Nummern mit gehaltvollen Elementen zu garnieren. Und: was genau sich EDGUY bei ihrem ebenso länglichen wie teils unfreiwillig komischen Rausschmeißer THE KINGDOM gedacht haben, bleibt wohl besser unter Verschluss. Nach dem wunderbar klassischen, auch heute noch reizvollen und schlichtweg überzeugenderen SAVAGE POETRY ist EDGUY hier jedenfalls noch nicht der ganz große Sprung nach vorne gelungen – eher im Gegenteil. Glücklicherweise sah das später doch noch ganz anders aus.

Absolute Anspieltipps: WINGS OF A DREAM, STEEL CHURCH


„Eindeutig – und leider – keines der besseren EDGUY-Alben.“

Metal-CD-Review: HARDWARE / DREAMTALE – The Brave Men (Demo, 1997)

Alben-Titel: The Brave Men (Demo)
Künstler / Band: Hardware / Dreamtale (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1997
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

? – Drums
Rami Keränen – Vocals
? – Guitars
? – Keyboards
? – Bass

Track-Liste:

1. Twilight Mist (01:34)
2. Where The Rainbow Ends (04:56)
3. Memories Of Time (06:12)
4. The Brave Men (04:37)
5. Shooting Star (04:47)

Eine unerwartete Reise in die Vergangenheit.

Wer sich im Laufe der Jahre einmal näher mit dem Werdegang und der Diskographie der aus Finnland stammenden Power Metaller von DREAMTALE beschäftigt hat, wird bereits auf das ein oder andere hochkarätige und allgemein gerne mal unterschätzte Genre-Album gestoßen sein – und die Band entsprechend liebgewonnen haben. Doch wenngleich man glauben könnte, dass die beiden frühen Demos SHADOW OF THE FROZEN SUN (siehe Review) und REFUGE FROM REALITY (Review) das erste an die Öffentlichkeit gebrachte Material der Finnen repräsentieren, ist dem nicht so. Denn: DREAMTALE waren schon ab 1997 unter dem Namen HARDWARE aktiv. Warum genau die Band ein vergleichsweise großes Geheimnis daraus macht (auf der offiziellen Webseite ist beispielsweise nichts hierzu angegeben), und nur äußerst wenige Informationen über diese Band-Ära zu finden sind bleibt schleierhaft – wohingegen Fakt ist, dass sich auch die aus eben jener Zeit stammende Demo THE BRAVE MEN in vielerlei Hinsicht gelohnt hat.

Und das nicht nur für die Band selbst, was sich bekanntlich im Laufe der Jahre bestätigt hat. Auch für den geneigten Genre-Konsumenten gab und gibt es hier einiges zu holen, zumindest wenn man auch mal einen Blick auf die absoluten Anfangszeiten einer Band werfen möchte – sei es der Vollständigkeit oder aber schlicht der Neugier halber. In diesem Fall ist das Ganze unter anderem deshalb besonders lohnenswert, da die Demo sogar besser respektive aussagekräftiger klingt als die späteren – was eigentlich eine kleine Unmöglichkeit sein sollte. Doch die wesentlich bessere Aufnahmequalität des Leadgesangs von Rami Keränen – der hier überdies auch stilsicherer erscheint als auf den folgenden Demos – sowie die klarere Marschrichtung hinsichtlich eines hymnisch-melodischen Power Metals wie er bald darauf auf dem Debütalbum BEYOND REALITY inszeniert werden sollte; gestalten den Werdegang von den Demos zum Debütalbum der Band etwas nachvollziehbarer.

In jedem Fall findet sich kein offensichtlicher Grund, diesen Abschnitt der Band-Vergangenheit verstecken oder gar geheim halten zu müssen. Schließlich erscheint es aus heutiger Sicht zusätzlich reizvoll, alternative Versionen zu Titeln wie WHERE THE RAINBOW ENDS oder MEMORIES OF TIME zu erhalten – aber eben auch solche, die den finalen Versionen auch ganz locker das Wasser reichen können. Hier schwächelte speziell die REFUGE FROM REALITY-Demo etwas, was zwar keine negativen Auswirkungen für die Band hatte – zumindest aber verhindert, dass man sich die Demo auch heute noch gerne anhört. Das ist hier absolut nicht der Fall – zumal mit THE BRAVE MEN und dem angenehm Bass-lastigen SHOOTING STAR auch noch zwei exklusive Nummern enthalten sind, die so nie wieder von DREAMTALE eingespielt respektive veröffentlicht worden sind. Ein wenig erinnern die frühen DREAMTALE hier an die fast zeitgleich zu verortenden Anfangsjahre von ORATORY – einer ebenfalls unterbewerteten und mittlerweile längst aufgelösten Band. Und so bleibt einem oftmals nichts anderes übrig, als zumindest die wenigen greifbaren Veröffentlichungen in Ehren zu halten – wie auch die so gesehen einzige von HARDWARE.

Absolute Anspieltipps: WHERE THE RAINBOW ENDS, SHOOTING STAR


„Eine der vermutlich interessantesten Power Metal-Demos aller Zeiten.“

Metal-CD-Review: IRON SAVIOR – Iron Savior (1997)

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Alben-Titel: Iron Savior
Künstler / Band: Iron Savior (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. März 1997
Land: Deutschland
Stil / Genre: Speed / Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Piet Sielck – Vocals, Guitars, Bass, Keyboards
Kai Hansen – Guitars, Vocals (lead) (tracks 6, 10)
Thomen Stauch – Drums, Percussion

Track-Liste:

1. The Arrival (01:08)
2. Atlantis Falling (04:34)
3. Brave New World (04:32)
4. Iron Savior (04:26)
5. Riding on Fire (04:55)
6. Break It Up (05:02)
7. Assailant (04:18)
8. Children of the Wasteland (04:49)
9. Protect the Law (04:16)
10. Watcher in the Sky (05:22)
11. For the World (05:24)
12. This Flight Tonight (Joni Mitchell cover) (03:57)

Geschichten des stählernen Erretters.

Beschäftigt man sich mit den großen Power Metal-Genrebands aus Deutschland, so wird der Weg kaum an IRON SAVIOR vorbeiführen – einer Band, die seit 1996 besteht und eine zweifelsohne interessante Entstehungsgeschichte hat. Immerhin bestand die Band im Zeitraum ihrer Entstehung aus zwei bereits bekannten und hochkarätigen Musikern namens Kai Hansen und Piet Sielck. Ersterer wurde vor allem durch HELLOWEEN und GAMMA RAY bekannt und in einem positiven Sinne berüchtigt – und auch Sielck war zumindest theoretisch eng mit HELLOWEEN (oder eher jenen Band-Phasen, als man sich noch einen anderen Namen gab) verbunden. Letztendlich hielt er sich aber eher im Hintergrund und fungierte als Produzent und wichtiger Hintermann in Bezug auf viele namhafte Projekte – wie unter anderem auch BLIND GUARDIAN. 1996 respektive 1997 war es dann aber an der Zeit, etwas neues zu wagen: IRON SAVIOR waren geboren, und – das steht nicht erst seit heute fest – eine neue fulminante Genre-Größe hatte sich wie ein Phönix aus der Asche erhoben.

Und so dürfte das 1997’er Debütalbum von IRON SAVIOR in den Regalen von nicht wenigen Metal-Fans stehen – das sollte es zumindest. Eben weil, und das ist das schöne – es nicht nur aus einer historischen Sicht heraus wertvoll erscheint; sondern auch ein vielleicht noch etwas schlagkräftigeres Argument liefert. Und das ergibt sich aus der Musik respektive den 12 enthaltenen Titeln. Die sprühen nur so vor Energie, klingen gleichermaßen frisch wie einzigartig und wegweisend – und sorgen so für ein Metal-Feuerwerk der ganz besonderen Art. Mit verantwortlich für den mit dem Debütalbum versprühten frischen Wind (ob aus heutiger Sicht oder der damaligen) ist sicher auch die Tatsache, dass IRON SAVIOR schon früh gewisse Alleinstellungsmerkmale an den Tag legten, ihre Stärken kannten – und dem Projekt überdies ein ebenso rauer wie rebellischer Eindruck innewohnte. Und nicht zuletzt, doch das sollte sich erst mit den Jahren zeigen – ein mitunter wegweisender.

Das Ergebnis jener guten Voraussetzungen lässt sich demnach zweifelsohne hören. Bereits der Opener BRAVE NEW WORLD zeigt auf, dass IRON SAVIOR keine bloße Kopie von HELLOWEEN oder GAMMA RAY waren und sind – sondern schon immer einen eigenen Weg gingen. Sollte man geneigt sein, nur einen einzigen Grund für ein Album wie dieses anzuführen; so wäre der eventuell in der Mischung aus antreibenden harten, schroffen Elementen des Power und Speed Metal sowie der dennoch unglaublichen Melodiösität zu finden. Anders gesagt: die Nummern klingen schön druck- und kraftvoll, wenn man so männlich und energetisch – und doch war man sich nicht zu schade, entsprechend eingängige Elemente anzuberaumen. Ob als Ausgleich oder Zusatz ist Auslegungssache – doch Fakt ist, dass Album so gleichermaßen griffig wie charmant und zugänglich klingt.

Als wäre all das nicht genug, gibt es da auch noch etwas anderes – die Leistung der einzelnen Mitglieder nämlich, die den positiven Gesamteindruck erst ermöglicht. Speziell was Kai Hansen hier an der Gitarre zaubert, ist bemerkenswert – vor allem Power Metaller der alten Schule werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Die Soli-Passagen hätten jedenfalls nicht furioser ausfallen können, und auch im Rhythmus-Bereich sieht es sehr gut aus. Am Schlagzeug hört man dann Thomas Stauch – der ebenfalls hervorragend abliefert und mit einem vergleichsweise variablen, niemals künstlich wirkenden Drumming überzeugt. Und über den Leadsänger Piet Sielck braucht man indes nicht viel zu sagen – außer, dass seine Stimme einzigartig ist und seine Darbietung hier keine Wünsche offen lässt.

Bleibt die Frage, ob das Debütalbum von IRON SAVIOR überhaupt irgendetwas negatives mit sich bringt. Tatsächlich gibt es diesbezüglich nichts großartiges zu vermelden – mit Ausnahme von ein oder zwei Kleinigkeiten, über die man insgesamt aber hinwegsehen kann. Beispielsweise ist der Bass (übrigens gespielt von Dirk Schlächter) kaum zu hören, beziehungsweise geht er in den flotten Kompositionen mit einem sehr präsenten Piet Sielck eher unter. Und obwohl es gut ist, dass mit Titel Nummer 6 (BREAK IT UP) auch mal ein deutlich ruhigerer Titel folgt; irgendwann muss man ja auch einmal durchatmen in Anbetracht der zahlreichen Uptempo-Hymnen – bietet gerade diese Halb-Ballade keine wirklichen Anreize, öfter zu ihr zurückzukehren. Doch ist das wie gesagt ein Tropfen auf dem heißen Stein – ein Album wie dieses sollte man nicht verpassen.

Absolute Anspieltipps: Alle


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„Ein in so gut wie jeder Hinsicht überzeugendes Debüt.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Dominion (1997)

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Alben-Titel: Dominion
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1996
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Mark Vanderbilt – Vocals
Thom Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
David Pavlicko – Keyboards
Richard Warner – Drums

Track-Liste:

1. Ascension (01:25)
2. Heaven (03:39)
3. Rise Again (04:07)
4. One Day I’ll Win (05:39)
5. We Are Not Separate (03:46)
6. Birth of a Hero (05:17)
7. Creation (05:07)
8. Sin (03:36)
9. Song of Roland (04:54)
10. Crossing Two Rivers (04:29)
11. Troubled Mind (04:39)

Von glorreichen und anderen Vergangenheiten.

Nachdem die US-Amerikanischen Power Metaller von KAMELOT mit ihrem Debütalbum ETERNITY (Review) einen überraschend durchschnittlichen, mit Sicherheit noch viel Platz nach oben lassenden Genre-Einstand feierten; sollte gute 2 Jahre später ein erneuter Versuch gestartet werden für Furore zu sorgen. Das schon etwas bekanntere zweite Studiowerk horcht dabei auf den Namen DOMINION, bewegt sich stilistisch klar im ausbaufähigen Fahrwasser des Vorgängers – und übernimmt leider nicht nur dessen Stärken. Abermals wird ein sehr klassischer, wenn man so will bodenständiger Power Metal ohne großartige Schnörkel präsentiert – wobei man die Gefahr, allzu eintönig und emotionslos zu klingen leider nicht vollständig ausgeräumt hat. Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall: viele der hier dargebotenen Nummern sind enorm spannungsarm, kommen ohne nennenswerte Höhen und Tiefen daher – und zeugen noch kaum von den späteren Ruhmestaten der Band.

Das liegt mitunter auch an einem der größten Schwachpunkte des zweiten Albums: auch dieses Mal schafft es Leadsänger Mark Vanderbilt nicht, dem Projekt KAMELOT mit einer ansprechenden Gesangsleistung beizukommen. Auch wenn er insgesamt schon etwas stilsicherer auftitt und sich selbst bestimmte Grenzen auferlegt, entsteht schlicht kein besonders markanter oder zur Band passender Eindruck. Im Zusammenspiel mit der ebenfalls nicht optimalen, im schlimmsten Fall als lustlos zu bezeichnenden Produktion ergibt sich so ein stark an den Vorgänger erinnernder Eindruck. Oder anders gesagt: einer, der alles andere als perfekt ist. Auf der Haben-Seite verbucht das Album indes eine größere Vielfalt an markanten Riffs (wie etwa in WE ARE NOT SEPERATE), einen stärken Fokus auf den Bass und einen treffsicheren Einsatz des Schlagzeugs. Und auch das Gefühl, als wären KAMELOT schon zu diesem Zeitpunkt zu so viel mehr imstande gewesen; lässt sich nicht verhehlen. Das leicht progressiv angehauchte RISE AGAIN hat diesbezüglich extrem gute Ansätze, ebenso wie das unterhaltsame Instrumental CREATION. Schlussendlich haben sich KAMELOT mit ihrem zweiten Album aber nur – oder immerhin – sehr dezent gesteigert.

Absolute Anspieltipps: HEAVEN, RISE AGAIN, CREATION


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„Etwas ausgewogener und stilsicherer als der Vorgänger – aber noch weit vom eigentlichen Potential entfernt.“

Metal-CD-Review: HAMMERFALL – Glory To The Brave (1997)

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Alben-Titel: Glory To The Brave
Künstler / Band: Hammerfall (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Juni 1997
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Joacim Cans – Vocals
Oscar Dronjak – Guitars, Vocals (backing)
Fredrik Larsson – Bass, Vocals (backing)
Glenn Ljungström – Guitars
Patrik Räfling – Drums

Track-Liste:

1. The Dragon Lies Bleeding (04:22)
2. The Metal Age (04:27)
3. HammerFall (04:45)
4. I Believe (04:49)
5. Child of the Damned (Warlord cover) (03:40)
6. Steel Meets Steel (03:58)
7. Stone Cold (05:40)
8. Unchained (05:34)
9. Glory to the Brave (07:20)

Geschichtsstunden a’la HAMMERFALL Teil 1.

Es war einmal im Jahre 1997… als eine bis dato unbekannte Band namens HAMMERFALL erstmals in der Landschaft des in den 90er Jahren geradezu florierenden europäischen Power Metals erschien. Im Gepäck hatten die Schweden ihr Debütalbum GLORY TO THE BRAVE – ein Album, welches den Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere legen und den ersten Schritt der Band hin zu ihrem aktuellen Kultstatus bilden sollte. Lauscht man dem Album, so werden einem die Gründe hierfür direkt offenbar: GLORY TO THE BRAVE klingt von vorne bis hinten geradezu furios. Furios bedeutet in diesem Fall vor allem kräftig, klassisch und ausdrucksstark – das vorgelegte Tempo, das schroffe Riffing, der Gegensatz von eher kantigen und zutiefst melodiösen Elementen sowie der glasklare Leadgesang von Joacim Cans sorgen für einen direkten Einstieg und einen markanten Aha-Effekt. Das besondere: auch wenn man HAMMERFALL gerne einen Hang zu groß angelegten Kitsch und Pomp nachsagt, so ist davon zumindest auf dem Debüt nichts zu finden – mit Ausnahme der Titelbezeichnungen und vereinzelter Momente in den Lyrics vielleicht. Doch wenn selbst ein THE DRAGON LIES BLEEDING derart galoppierend durch die Boxen rauscht, fallen derlei Stilmittel einfach nicht mehr ins Gewicht.

THE METAL AGE ist etwas langsamer aufgemacht, klingt dafür umso Riff-lastiger und stampfender; während HAMMERFALL den ersten eindeutigen Höhepunkt markiert. Hier handelt es sich um eine Genre-Hymne wie sie im Buche steht; und die sicher einigen als Vorbild gedient hat – allein der Refrain erzeugt hier eine wohlige Gänsehaut. Erst im Mittelteil wird das Album dann – und für seine Verhältnisse – dezent schwächer. Schließlich gerät die Aneinanderreihung der Ballade I BELIEVE, der Coverversion von CHILD OF THE DAMNED sowie dem ganz ähnlich aufgemachten STEEL MEETS STEEL schon längst nicht mehr so spannend und fesselnd wie der Auftakt. Was beileibe nicht nur am gedrosselten Tempo liegt – wie man es auch am höchst gelungenen Stampfer STONE COLD erkennen kann. Höchstwahrscheinlich liegt es am ehesten an der doch auffallenden Ähnlichkeit der Titel im Mittelteil, dem ein wenig mehr Abwechslung sicher gut getan hätte. Erst UNCHAINED rückt die Fronten wieder zurecht, und überzeugt durch seine mitreißende Wirkung sowie speziell dem späteren Instrumentalpart inklusive markanter Tempi-Wechsel; bevor die rausschmeißende Power-Ballade GLORY TO THE BRAVE das Album rund abschließt – und dabei eine deutlich bessere Figur macht als das vergleichsweise hauchzarte I BELIEVE.

Absolute Anspieltipps: THE DRAGON LIES BLEEDING, HAMMERFALL, STONE COLD, UNCHAINED


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„Ein Klassiker mit einem unvergleichlich mächtigen Auftakt, aber dezent schwächerem Mittelteil – in jedem Fall ein Muss in jeder Sammlung.“

Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Visions (1997)

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Alben-Titel: Visions
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. April 1997
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: T&T Records

Alben-Lineup:

Timo Tolkki – Guitars
Timo Kotipelto – Vocals
Jari Kainulainen – Bass
Jens Johansson – Keyboards
Jörg Michael – Drums

Track-Liste:

1. The Kiss of Judas (05:49)
2. Black Diamond (05:39)
3. Forever Free (06:00)
4. Before the Winter (06:07)
5. Legions (05:43)
6. The Abyss of Your Eyes (05:38)
7. Holy Light (05:45)
8. Paradise (04:27)
9. Coming Home (05:36)
10. Visions (Southern Cross) (10:15)

Gut Ding will Weile haben – und reifen.

Nach einer nicht unbedingt schlechten, aber insgesamt doch eher zu vernachlässigenden EPISODE (Review) aus dem STRATOVARIUS-Albenkosmos sollte das 1997’er Studioalbum VISIONS sch0on wieder deutlich mehr energisches Futter für Power Metal-Puristen bieten. Allerdings gilt auch hier: an die selbst auferlegte Messlatte in Form des bis dato vielleicht großartigsten STRATOVARIUS-Albums DREAMSPACE (Review) konnten die Finnen auch dieses Mal nicht herankommen. Und das trotz dessen, dass man mit Timo Kotipelto einen mehr als würdigen Nachfolger vorstellte, zumindest ab dem 95’er Album FOURTH DIMENSION (Review). Allseits bekannt ist, dass sich der im Laufe der Jahre zu einem der markantesten Genre-Sänger überhaupt entwickelt hat – womit es umso spannender ist, auch seine Ursprünge zu ergründen. Tatsächlich scheint er gerade vom 96’er EPISODE zum 97’er VISIONS einen weiteren Riesensprung gemacht zu haben – sodass das Album in Bezug auf den Gesang allein schon einmal keinerlei Wünsche offen lässt. Doch mangelt es VISIONS an etwas anderem: an absolut kultverdächtigen Nummern und dem generellen Gefühl, hier etwas ganz besonders auf die Lauscher zu bekommen.

Sicher, die flotten Hymnen des Albums (wie BLACK DIAMOND als etwas düstere Variante, LEGIONS als gute-Laune-Garant und FOREVER FREE irgendwo dazwischen) machen Laune – doch fügen sie dem bisherigen STRATOVARIUS-Katalog nicht gerade viele neue Eindrücke hinzu. Mit Ausnahme des angenehm stampfenden Openers THE KISS OF JUDAS vielleicht – der lediglich etwas deplatziert erscheint und viel besser in der Mitte des Albums aufgehoben wäre. Im schlimmsten Fall aber wirken einige der hier dargebotenen Nummern wie dezent schwächere Versionen früherer STRATOVARIUS-Hymnen – bei denen man vielleicht auch das Gefühl hatte, als stünde die Band noch mehr hinter dem was sie da gerade machen. So bietet VISIONS eine höchst gemischte Ansammlung von eindeutig überdurchschnittlichen, aber eben auch relativ nichtssagenden Nummern – was insbesondere auf die zwei schwachen und merkwürdigerweise kaum emotionalen Balladen BEFORE THE WINTER und THE ABYSS OF YOUR EYES zutrifft.

Und auch das schon in die richtige Richtung gehende COMING HOME hätte wesentlich interessanter werden können – wie sicher auch das abschließende Epos VISIONS (SOUTHERN CROSS). Hier wird das Dilemma des Albums wieder einmal offenbar: handwerklich gibt es nichts zu mäkeln, hie und da werden gute Ideen ersichtlich – doch für das Album im gesamten reichten die offenbar nicht aus. Nach dem schwachen EPISODE ist VISIONS zwar wieder ein relativer Genuss – doch sprüht das Album nicht gerade vor Genialität. Dafür fühlt es sich schlicht zu unrund an – und vor allem so, als wäre noch viel zu viel Luft nach oben. Für STRATOVARIUS-Verhältnisse mag das Kritik auf hohem Niveau sein, wie man es auch anhand der folgenden Abschlusswertung sehen kann – doch sichert das Album so schon einmal keinen Platz unter den besten drei, vier oder fünf der Gesamt-Diskografie.

Absolute Anspieltipps: THE KISS OF JUDAS, LEGIONS, HOLY LIGHT


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„Nicht schlecht – aber eben auch keine Offenbarung.“

Metal-CD-Review: SHADOWS OF STEEL – Shadows Of Steel (1997)

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Alben-Titel: Shadows Of Steel
Künstler / Band: Shadows Of Steel (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1997
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Frank Andiver – Drums
Wild Steel – Vocals
Steve Vawamas – Bass
Andre La Fisic – Guitars
Andrew McPauls – Keyboards

Track-Liste:

1. Countdown (01:20)
2. Shadows of Steel (05:24)
3. The Playing Room IV (07:24)
4. Journey (03:27)
5. Out of the Darkness (03:50)
6. The Island (04:08)
7. Storied Windows (04:40)
8. Winterland (03:26)
9. Day as Lions (04:27)
10. Fly Away (05:25)
11. Kingdom (04:25)
12. Gone with the Wind (04:38)

Nur ein weiterer HELLOWEEN-Abklatsch ?

Es gibt sie bekanntlich nicht gerade selten – mehr oder weniger explizite Nachahmer von europäischen Kult-Combos a’la HELLOWEEN. Jene Feststellung allein beinhaltet jedoch noch kein aussagekräftiges Urteil – warum sollte man nicht Vorbilder haben dürfen, und diverse Einflüsse auch in seine Musik einfließen lassen ? Gesetzt natürlich dem Fall, dass man nicht bloß kopiert sondern seine Vorbilder eher als eine der potentiell vielen Inspirationsquellen ansieht. Dann gilt es nur noch, einen möglichst charmanten Ansatz zu finden und sich im besten Fall später weiterzuentwickeln und auf eigenen Beinen zu stehen – etwa so, wie es auch INSANIA gemacht haben. Deren erstes und vor allem zweites Album SUNRISE IN RIVERLAND haben schließlich ebenfalls starke HELLOWEEN-Parallelen, waren aber bereits alles andere als schlecht – bevor die Combo mit ihrem dritten Album (Review) ein wahres Meisterwerk abgeliefert haben, dass überraschenderweise völlig unverwechselbar klang.

Im Falle des Debütalbums von SHADOWS OF STEEL sieht die Sache aber offenbar etwas anders aus. Auch dieses Werk schreit förmlich nach allzu offensichtlichen Parallelen zur deutschen Kult-Combo – allerdings ohne, dass man deren Klasse auch nur ansatzweise erreichen kann. Allzu eigenständig oder nennenswert innovativ ist das enthaltene Material also schon mal nicht – doch es kommen noch weitere Probleme hinzu. Und die liegen in erster Linie im ominöse Frontmann der Band begründet, der stets eine Maske und den Künstlernamen WILD STEEL trägt. Da dies ein retrospektives Review ist, kann in diesem Falle weiter ausgeholt werden: viele Jahre nach diesem allerersten Auftritt auf einem Power Metal-Album überhaupt (zuvor war es nur eine Demo) veröffentlichte der Italiener mit seiner eigenen Band ein weiteres Genre-Album namens WILD STEEL (Review) – das schon eher nach etwas handfestem klang und auch heute noch nicht zu verachten ist. Doch die hier abgelieferte, immerhin knapp 10 Jahre ältere Leistung… lässt sich im Grunde kaum schmerzfrei hören. Vielmehr wirkt es, als würde der Frontmann hier verdächtig schief, unsicher und völlig unabhängig von den Instrumentierungen singen – mit einem entsprechend disharmonischen Ergebnis, und ganz und gar katastrophalen Auswüchsen in den höheren Lagen.

Hinzu kommt, dass die Texte wahrlich nichts neues bieten, weder für damalige noch heutige Verhältnisse – und sogar vergleichsweise unglaubwürdig und gekünstelt dargeboten werden. Was bleibt, ist der Instrumentalpart – der sich schon eher hören lässt; was bei näherer Betrachtung aber auch kein großes Wunder ist. Schließlich hatte die Band Unterstützung von einigen erfahrenen und talentierten Mitgliedern von LABYRINTH – Frank Andiver, Andre De Paoli, Olaf Thörsen und Cristiano Bertocchi. Doch auch das reicht hier einfach nicht aus, um über den insgesamt verdächtig mittelmäßigen Gesamteindruck hinwegzutäuschen. Speziell die Soli sind hie und da ganz nett, das oftmals flotte Grundtempo und die soliden Drums machen Laune – doch die Reizüberflutung durch das omnipräsente Keyboard und die generell eher ausbleibende Kraft machen vieles zunichte. Letztendlich bleibt es so nur bei einer handvoll zündender Nummern – wie etwa dem Opener oder dem einzigen wirklich herausragenden Titel des Albums; THE PLAYING ROOM IV. Hier gibt es dann auch schon wesentlich mehr zu entdecken – was speziell bei geradezu grausigen Balladen a’la THE ISLAND oder WINTERLAND keineswegs der Fall ist. Doch die eher erschreckenden Momente hören niemals auf: während KINGDOM in den ersten Sekunden noch recht vielversprechend beginnt, wird man sich kurz darauf nur noch Fremdschämen.

Ob man nun Parallelen zu HELLOWEEN oder LABYRINTH ziehen will, was in Anbetracht der Besetzung etwas näher liegt – SHADOWS OF STEEL lassen eine eigene Identität vermissen, und wirken selbst als Neben- oder Spaßprojekt einiger talentierter Musiker viel zu blass und kraftlos. Der wahre Knackpunkt liegt im Leadgesang begraben, der hier wahrlich unter aller Kanone ist – aber auch die Instrumentalstrukturen reißen nicht viel; zumal sie oftmals stark vom süß-süffigen Keyboard dominiert werden. Den absoluten Tiefpunkt des Albums markieren aber ohne Zweifel die Balladen; die wohl zu den schrecklichsten gehören was das Genre jemals hervorgebracht hat.

Absolute Anspieltipps: SHADOWS OF STEEL, THE PLAYING ROOM IV, STORIED WINDOWS


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„SHADOWS OF STEEL klingen vielmehr nach LABYRINTH als nach HELLOWEEN – aber auch das macht es nicht besser.“

Filmkritik: „Air Force One“ (1997)

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Originaltitel: Air Force One
Regie: Wolfgang Petersen
Mit: Harrison Ford, Gary Oldman, Glenn Close u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 124 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action / Thriller

Tags: USA | Präsident | Flugzeug | Entführung | Erpressung | Familie

Über den Wolken muss die Freiheit wohl… eingeschränkt sein.

Kurzinhalt: Während eines Friedensgipfels in Moskau gelingt einer kleinen Gruppe von russischen Terroristen ein wahrer Coup. Unter der Leitung des Anführers Ivan Korshunov (Gary Oldman) schaffen sie es, die AIR FORCE ONE zu stürmen und unter ihre Kontrolle zu bringen. Damit haben sie bereits ein mehr als aussagekräftiges Druckmittel, um die Freilassung eines inhaftierten Generals zu erzwingen – doch dass auch der amerikanische Präsident höchstselbst (Harrison Ford) an Bord der Maschine ist, wissen sie zunächst nicht. Der hat sich schließlich im Bereich des Frachtraums der riesigen Maschine versteckt – und wartet nur auf den richtigen Moment, um sich den skrupellosen Entführen entgegenzustellen. Doch auch wenn sich der Präsident als guter Taktiker erweist und die Entführer noch nicht wissen, wer er eigentlich ist würde es nicht leicht für ihn werden. Die Terroristen im Cockpitbereich der Maschine haben bereits eine Geisel hingerichtet, und drohen mit weiteren Verlusten sollte sich der mysteriöse Störenfried nicht endlich stellen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Trotz der Vielzahl von verschiedenen Genres kann man Filme oftmals in zwei übergeordnete Kategorien unterteilen. Die eine beinhaltet vornehmlich Filme, die einen Schwerpunkt auf ihren Inhalt setzen und die Zuschauer entsprechend fordern – und die andere solche, bei denen es eher der reine Unterhaltungsfaktor ist der im Mittelpunkt steht. Und dann gibt es Filme; und das ist auch der Grund für diese einfache Veranschaulichung; die nur äußerst bedingt zu einer der beiden Kategorien passen wollen. Schlicht, da sie noch über ganz andere, möglicherweise ungeahnte Qualitäten verfügen. Im Falle von AIR FORCE ONE, einem Flugzeug-Thriller der noch am ehesten zu den reinen Unterhaltungsfilmen gezählt werden kann; findet sich gleich eine schiere Ansammlung von eben solchen Qualitäten – die eher unterschwelliger Natur sind bzw. dies sein sollen; aber dennoch sofort ins Auge stechen. Die Rede ist hier eindeutig von einer merkwürdigen Form des Patriotismus oder auch Militarismus – Aspekte, die so manchen US-Film garnieren und nicht selten auf wenig Gegenliebe stoßen. Erst Recht, wenn die Auswüchse eher unglaubwürdiger Natur sind, und den eigentlichen Film zu einer Art Nebensache machen.

Genau das scheint schließlich auch hier passiert zu sein. Es wirkt beinahe so, als hätte man sich die gesamte Story um die Flugzeugentführung nur aus den Fingern gesogen um Werbung für die USA, ihre Kriegsmaschinerie und mit dieser Nation nur allzu gerne verbundenen Werte zu machen. Diese Werte könnte man grob unter Begriffen wie Ehre, Stolz und Nationalismus zusammenfassen – oder direkt am Film festmachen; was dann schon deutlich weniger positiv klingt. Schließlich ist es hier de gute alte Feind aus dem Osten, der scheinbar stellvertretend die Position der Bösewichte einnimmt – und der in Anbetracht eines derartigen Vergehens genau so charakterisiert wird, dass auch der Zuschauer nur noch Hass für ihn empfinden kann. Das ist sicher etwas fragwürdig, könnte aber auch nur ein blosser Zufall sein – oder auch nicht. Denn spätestens wenn sich das gemeine Fußvolk nur allzu bereitwillig und in entsprechend heroischen Posen für den amerikanischen Präsidenten opfert, kann man eigentlich kaum anders als den Kopf zu schütteln.

Versucht man dagegen einmal völlig von diesen Denkansätzen wegzukommen und den Film auf der einen Unterhaltungsebene zu betrachten; so scheint er immerhin ansatzweise gelungen. Die Prämisse eines entführten Flugzeuges dieser Größe (und mit dieser Besatzung) ist spannend, ebenso wie der verzweifelte Plan der Entführer – die ebenfalls und nach ihrer ganz eigenen Interpretation bereit sind, für ihre Nation zu sterben. Der gesamte Ablauf der Entführung und Geiselnahme, sowie das langsame Vorarbeiten des überraschend fähigen Präsidenten machen sogar einstweilen Laune; wenn auch nicht im wohl eigentlich geplanten Sinne. Schließlich funktioniert das Projekt selbst in Anbetracht dieser Stärken nur unter der Ägide eines (zugespitzten) Trashfilms – und keinesfalls unter der eines ernstgemeinten Blockbusters. Doch ein eben solcher will AIR FORCE ONE nun einmal sein – ein politisch nicht unbedingt korrekter noch dazu. Denn wo immer man geneigt war über so manch krude Situation an Bord des Flugzeuges zu lachen (wie etwa, wenn wild in den schmalen Gängen geballert wird), so wird einem das Lachen vermutlich alsbald wieder im Halse stecken bleiben – ob der gefühlten Ernsthaftigkeit des Films.

Doch gibt es auch Negativaspekte in und an AIR FORCE ONE, die auch ganz nüchtern betrachtet zu erkennen sind – wie etwa die vergleichsweise miesen und alles andere als zeitlosen Spezialeffekte, der geringe Aufwand beim Dreh (schließlich gibt es so gut wie nur einen Schauplatz, der zudem sehr übersichtlich ist) oder der völlig fehlgeleitete, viel zu pompöse Soundtrack. Die Leistungen der Darsteller sind noch mit gemischten Gefühlen zu betrachten. Gary Oldman spielt den Bösewicht gut und halbwegs glaubhaft, nur hat er verdächtig wenig russisches an sich. Harrison Ford’s Beitrag funktioniert dann ebenfalls nur als grandiose Form des Over-Actings – es fühlt sich an, als hätte Indiana Jones seinen Hut abgelegt um in die Verkleidung eines US-Präsidenten zu schlüpfen. Die absolute Krönung der miserabel umgesetzten Elemente bildet dann aber ohnehin eine einzelne, spätere Szene – die, in der eine Staffel feindlicher Migs aufbricht um die AIR FORCE ONE ein für allemal vom Himmel zu holen. Einmal am bzw. hinter dem Ziel angekommen, harren die Piloten aber aus – und versuchen es gar nicht erst (zumindest nicht ernsthaft), Schaden anzurichten. Stattdessen warten sie genau so lange, wie es dauern würde bis die amerikanischen Jäger eintreffen. Und wer den darauf folgenden Luftkampf gewinnt, ist wohl alles andere als eine Überraschung. Warum man dies nicht entsprechend anders löste – um zumindest einen Funken Glaubwürdigkeit zu erhalten – bleibt offen.

Fazit: Aus AIR FORCE ONE hätte ein solider Actionfilm werden können. Ansatzweise ist er das auch – doch dadurch, dass vor allem im letzten Filmdrittel auf eine schier unerträgliche Portion US-Patriotismus und Kitsch gesetzt wird, können selbst die grundlegendsten Anforderungen des Actionkinos nicht mehr bedient werden. Zu dramatisch, zu hochstilisiert und zu Pathos-geladen ist die vordergründig etablierte Wirkung, die mit Glaubwürdigkeit nur noch soviel zu tun hat wie ein Michael Bay mit Zurückhaltung. Dennoch, und das ist das fatale; nehmen die Verantwortlichen den Film – und vielleicht auch sich selbst – absolut ernst, und lassen erst gar keine Form des Augenzwinkerns zu. Wäre zumindest das der Fall gewesen, hätte man dem Film eventuell noch einen gewissen, dann positiven Trash-Faktor attestieren können. Somit sind auch die hinter AIR FORCE ONE stehenden Machtverhältnisse schnell geklärt: anstatt eines zwinkernden Regisseurs ist es eher ein engagierter, mit dem Zeigefinger fuchtelnder UNCLE SAM der den Ton angibt. Dass das aber eher weniger mit der Intention des Mediums Film zu tun hat, versteht sich von selbst.

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„Die volle Dröhnung US-Patriotismus und eine große Portion Trash – das muss man nicht haben.“

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Filmkritik: „Das Fünfte Element“ (1997)

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Originaltitel: The Fifth Element
Regie: Luc Besson
Mit: Bruce Willis, Gary Oldman, Ian Holm u.a.
Land: Frankreich, USA
Laufzeit: ca. 126 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Zukunft | Weltuntergang | Elemente | Außerirdische | Weltraum

Fünf Elemente auf Abwegen.

Kurzinhalt: Im New York des Jahres 2214 sieht alles ein klein wenig anders aus als man es kennt. Die Wolkenkratzer sind um ein vielfaches gewachsen, der Stadtverkehr führt nun nicht mehr durch die Straßen – sondern durch die Luft. Dies ist auch der Arbeitsplatz des ehemaligen Militärs Korben Dallas (Bruce Willis), der sich hier als Taxifahrer verdingt. Eines Tages fällt ihm dabei ein blinder Passagier in den Schoß – es ist die hübsche Leeloo (Milla Jovovich), die offenbar von den Behörden verfolgt wird. Korben entschließt sich, ihr zu helfen – und erfährt bald darauf, was es mit dem mysteriösen Mädchen auf sich hat. Angeblich ist sie nicht weniger als ein höheres Wesen, welches auf die Erde entsandt wurde um sie vor einer großen Gefahr zu retten – einer außerirdischen Gefahr, die alle 5000 Jahre erscheint und die Existenz allen Lebens bedroht. Der zweifelnde Korben kann kaum glauben, was er da hört – doch die zahlreichen Verfolger, zu denen sich nun auch noch ein seltsamer Geistlicher (Ian Holm) mit seinem Assistenten gesellt, scheinen dem Mädchen Recht zu geben. Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, werden jedoch noch 4 mächtige Artefakte benötigt; 3 in Steinform gemeißelte Elemente. Und so machen sich Korben und seine neue Bekanntschaft auf, um die Steine von einer außerirdischen Opernsängerin zu erhalten… dumm nur, dass bereits einige vom geplanten Übergabeort wissen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Luc Besson’s DAS FÜNFTE ELEMENT lässt sich wahrlich nicht vorschnell in eine vorgefertigte Kategorie stecken. Doch was bei anderen Filmen schnell zu einer Art Ausschlusskriterium werden kann, setzt sich in diesem Falle zu einem überraschend stimmigen Ganzen zusammen – trotz, oder gerade wegen der vielen verschiedenen Anleihen. Irgendwo zwischen dem Dasein eines durchaus stilvollen Slapstick-Actioners, einer fantastischen Science Fiction-Opera und einem nur allzu irdischen (Liebes-)Drama entfaltet der Film seine Wirkung – die nicht so leicht zu beschreiben ist, in jedem Fall aber mit einem immensen Unterhaltungswert einhergeht. Schön ist, dass der Film mit so mancher Tradition bricht und dabei mehr als eine handvoll rebellischer, frischer Elemente einstreut. Somit kann DAS FÜNFTE ELEMENT sowohl den eher glattgeschliffenen Glanz eines Hollywood-Blockbusters transportieren; als auch das Flair einer unabhängigen, merklich raueren Independent-Produktion. Dass das überhaupt möglich ist, liegt zweifelsohne an Luc Besson und seiner Ambition, seinen ehemaligen Kindheitsraum respektive europäischen Film für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen. Auch hier gilt: was anderswo ein Sakrileg gewesen wäre, verstärkt in diesem Fall die positiven Aspekte des Films. Denn: Besson biedert sich nicht an oder schaltet sich gleich, er passt lediglich einige Elemente dem internationalen Filmmarkt an (vor allem, in dem er auf einen in bester STIRB LANGSAM-Manier agierenden Bruce Willis zurückgreift) – und zieht dennoch sein ganz eigenes Ding durch.

Jedoch sollte man darauf gefasst sein, dass DAS FÜNFTE ELEMENT seine Stärken weniger aus einer inhaltlichen Stichhaltigkeit bezieht – sondern vielmehr aus einer Ansammlung von allgemeinen Kuriositäten. Der zugrundeliegende Plot ist somit fast vollständig zu vernachlässigen; viel mehr als dass wieder einmal die Welt gerettet werden muss braucht man eigentlich nicht zu wissen. Dabei scheinen es ausgerechnet die vielen eher schlechten Ideen zu sein, die den Film zu dem machen was er ist. Sei es, dass man ein Lebewesen (und die dazugehörige Seele, wenn man so will) aus einem minimalen biologischen Restbestand vollständig wiederherstellen kann, sei es dass der Bösewicht ein geradezu selbstzerstörerisches Ziel verfolgt; sei es dass die wichtigen Elementen-Steine im Körper (!) einer Außerirdischen verborgen sind, die gerade im rechten Moment ihr Leben lässt… all das ergibt nur verdächtig wenig Sinn, wird aber von einem äußerst unterhaltsamen Aufbau umgeben. Somit ist es keinesfalls die Story selbst welche den Grundpfeiler dieses Films bildet – sondern das gesamte Drumherum. Wichtig erscheint daher zu erwähnen, dass der Film weniger für Science Fiction-Puristen geeignet ist – selbst wenn diese eine Vorliebe für einen gewissen Humor der Marke Over-The-Top hegen – und er am ehesten zündet, wenn man ihn als (Slapstick-)Actionfilm vor einer etwas anderen Kulisse betrachtet.

Ein Actionfilm, der seine Wirkung vor allem aus den optischen Schauwerten bezieht – die in diesem Fall entsprechend kunterbunt und manchmal sogar nachhaltig beeindruckend ausfallen. Die Abwechslung hinsichtlich der Schauplätze ist enorm, die Sets sind stets liebevoll ausgestattet; die Actionszenen an sich (fliegende Autos, Schießereien, Weltraumszenen) sind rasant und niemals allzu plump inszeniert. Selbst die Effekte sind trotz ihrer Alterserscheinungen grandios und vermitteln eine zeitlose Wirkung – vor allem, da sie perfekt in die allgemeine Szenerie integriert werden. Und auch in den nicht ganz so hübsch anzusehenden Momenten macht der Film eine gute Figur – alles, was hier einen Platz gefunden hat scheint perfekt in das Konzept des Films zu passen. DAS FÜNFTE ELEMENT nimmt sich schließlich nicht allzu ernst (was fatal wäre), sondern ist ein wildes Spaß-Projekt durch und durch. Und doch lassen sich – wenn man so will – gewisse Seitenhiebe entdecken, die man beispielsweise auf die Medienlandschaft beziehen könnte. Dafür steht in diesem Fall vor allem Chris Tucker als selbstverliebt-abgedrehter Radiomoderator Pate, der stets eine gute Show bringen will – komme was wolle. Gerade sein Spiel ist es auch, welches teils hart an etlichen Zuschauer-Nerven zerrt – doch selbstverständlich handelt es sich auch hier um knallhartes Kalkül.

Fazit: Nein, DAS FÜNFTE ELEMENT ist kein absoluter Geniestreich – sondern vielmehr der fleischgewordene Kindheitstraum eines extravaganten französischen Regisseurs. Dass er dennoch und derart aus der Masse an auf Hochglanz polierten Effektfilmen hervorsticht, ist nicht nur seiner inhaltlichen Vielfalt zu verdanken – sondern auch der schöpferischen Freiheit und dem offensichtlichen Ideenreichtum der Macher. Ob man sich hier so manches von potentiellen Vorbildern abgeschaut hat oder nicht – alle Beteiligten scheinen sich ordentlich ausgelassen zu haben. Vor allem die Drehbuchschreiber, der Regisseur und die Darsteller; aber sicher auch das Effekt-Team sowie die Masken- und Kostümbildner. Das Ergebnis ist ein entsprechend buntes, zeitloses Stück Film; welches allein von der Geschichte her keine neuen Wege geht – aber aufgrund der Art der Inszenierung und des ganz speziellen, deutlich spürbaren Flairs eine Empfehlung wert ist.

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„Frankreich trifft auf Hollywood trifft auf bunte Pillen. Wenn dieser Film kein Unikat ist, welcher dann ?“

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