Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Imaginations From The Other Side (1995)

Alben-Titel: Imaginations From The Other Side
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 05. April 1995
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Imaginations from the Other Side (07:19)
2. I’m Alive (05:31)
3. A Past and Future Secret (03:48)
4. The Script for My Requiem (06:09)
5. Mordred’s Song (05:28)
6. Born in a Mourning Hall (05:14)
7. Bright Eyes (05:16)
8. Another Holy War (04:32)
9. And the Story Ends (06:00)

Vom grünen Gras und der anderen Seite.

IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE ist das fünfte offizielle Studioalbum aus der illustren Diskografie von BLIND GUARDIAN – einer bereits im Jahre 1984 als LUCIFER’S HERITAGE gegründeten Speed- und Power Metal-Combo, die im Laufe der Jahre eine immer größere Fanbase gewann und sich dabei nicht von ungefähr einen gewissen Kultstatus sichern konnte. Neben der für den Sound von BLIND GUARDIAN maßgeblichen Entwicklung, die die Band insbesondere zu Beginn der 90er Jahre durchmachte; sollte es in Bezug auf den weiteren Werdegang der Power Metal-Pioniere aber weit mehr als nur einmal spannend werden. Einer der diesbezüglich interessanteren – und unter Umständen auch kritischen – Momente bezieht sich dabei auf die von der Band an den Tag gelegte Kontinuität oder auch Stilsicherheit, die zur Mitte der 90er Jahre und speziell in Anbetracht eines Release wie IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE noch gewissen Schwankungen ausgesetzt war.

Im Falle dieses Albums von einer genau so erwarteten, den bisherigen Werdegang der Band gewissermaßen sinnig fortführenden Maßnahme zu sprechen trifft es schließlich nicht wirklich. Anders gesagt: so zielstrebig und entschlossen wie der direkte Vorgänger SOMEWHERE FAR BEYOND klingt das Album nicht. Vielmehr scheint es, als wären BLIND GUARDIAN inmitten einer für sie maßgeblichen Experimentierphase gewesen – eben jener, die sich für den weiteren Werdegang der Band als geradezu essentiell herausstellen sollte. Der zweifelsohne interessante, aber eben auch alles andere als vollständig überzeugende Opener und Titeltrack IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE gibt hier einen ersten Hinweis: am ehesten scheint es, als hätten BLIND GUARDIAN hier versucht die Vorzüge des Vorgängers mit der unbändigen Kraft und Härte ihrer noch früheren Alben zu verbinden. Im Endergebnis aber entsteht ein so nicht unbedingt erwartetes Durcheinander – und ein Gefühl, dass Blind GUARDIAN hier noch weit hinter ihren eigentlichen Möglichkeiten (oder auch ihrer Effektivität) zurückgeblieben sind.

Eben dieses Gefühl ist es dann auch, welches einige der noch folgenden Nummern begleitet. Mit ein Grund dafür könnte auch das Zusammenspiel der instrumentalen Strukturen und der Stimme von Hansi Kürsch sein – die man zweifelsfrei als unverkennbar bezeichnen kann, sich im Falle von IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE aber durchaus den ein oder anderen Ausrutscher in eine zu forcierte, zu aggressive und zu überspitzte Richtung leistet. Das Problem ist hier aber weniger die raue und letztendlich eher wenig Feingefühl zulassende Herangehensweise selbst – sondern vielmehr die Tatsache, dass die Nummern dennoch nicht kräftiger oder antreibender klingen als beispielsweise das auf FOLLOW THE BLIND enthaltene Material. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat auch die Abmischungs- und Produktionsarbeit, die insgesamt eher auf den Gesang ausgerichtet zu sein scheint – und die Kompositionen weit weniger spektakulär und druckvoll dastehen lässt, als es potentiell möglich gewesen wäre.

Doch sind dies noch nicht alle der eventuell aufkommenden Probleme – schließlich zeigen sich insbesondere in Bezug auf die überlagerten Gesänge und Hintergrundchöre kleinere Mankos oder eher Wiederholungs-Effekte. So offenbart IMAGINATIONS FROM THE SIDE als erstes BLIND GUARDIAN-Album bis 1995 expliziter, dass einige von der Band inszenierten Soundelemente dazu neigen, sich zu wiederholen. Das gilt insbesondere für die sich oft recht ähnlich anfühlende Gangart der Refrains, aber eben auch in Bezug auf die wenig Spielraum offenbarende Darbietung von Hansi Kürsch. Die Sache nicht gerade besser macht dann ausgerechnet das vielversprechende MORDRED’S SONG als Zwitter-Wesen irgendwo zwischen atmosphärischer Ballade und knackigem Stampfer – die Gesangsstrukturen klingen ärgerlich unvorteilhaft, und auch an den Instrumenten gibt es bis auf den Soli-Part wenig zu holen.

Immerhin; und zur Beschwichtigung haben BLIND GUARDIAN spätestens mit der herausragenden Ballade A PAST AND FUTURE SECRET aufgezeigt, dass sie auch bestens mit eher ruhigen Stimmungen umgehen und dabei auch ohne das Bedienen von gängigen Klischees echte Emotionen entstehen lassen können – zumal die durch ihre harsche Gangart in den Strophen sowie den eingängigeren Momenten in den Refrains doch noch relativ problemlos zündenden Hymnen THE SCRIPT FOR MY REQUIEM, BORN IN A MOURNING HALL und ANOTHER HOLY WAR doch noch für sich sprechen. Dennoch, und wenn es nur eine Tendenz ist: die zuvor veröffentlichten Alben schienen noch ein stückweit stärker zu sein als IMAGINATIONS FROM THE THE OTHER SIDE.

Absolute Anspieltipps: A PAST AND FUTURE SECRET, THE SCRIPT FOR MY REQUIEM, BORN IN A MOURNING HALL


„Der letzte Schliff fehlt – es bleibt aber bei einem guten BLIND GUARDIAN-Album.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Savage Poetry (1995)

Alben-Titel: Savage Poetry
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Dominik Storch – Drums

Track-Liste:

1. Key to My Fate (04:36)
2. Hallowed (06:30)
3. Misguiding Your Life (04:11)
4. Sands of Time (05:07)
5. Sacred Hell (06:09)
6. Eyes of the Tyrant (08:32)
7. Frozen Candle (07:57)
8. Roses to No One (05:48)
9. Power and Majesty (05:10)

Ob mit oder ohne Narrenkappe – wo EDGUY draufsteht, ist auch EDGUY drin.

Irgendwann hat alles einmal angefangen. Wie auch die Erfolgsgeschichte von EDGUY – einer heutzutage allseits bekannten Power Metal-Combo aus Hessen, die von einem noch bekannteren Frontmann angeführt wird. Schließlich schrieb Tobias Sammett nicht nur mit dieser, das heißt seiner eigentlichen und ursprünglichen Band Geschichte – sondern auch mit dem um die Jahrtausendwende entstandenen Allstar-Projekt AVANTASIA. Vor etwas mehr als 20 Jahren aber sah die Sache noch ein wenig anders aus: die damals allesamt gerade mal 18-jährigen Bandmitglieder hatten ihre Combo EDGUY gerade erst gegründet, 2 Demos veröffentlicht – und mit THE SAVAGE POETRY ihr erstes offizielles Studioalbum vorgelegt. Als reines Independent-Release, versteht sich – und mit immerhin 9 vollwertigen Titeln.

Und auch wenn man diesem ersten EDGUY-Album sicher noch keine wie auch immer geartete Wegbereiter-Funktion unterstellen kann – ausser natürlich für die Band selbst – ist es überaus interessant, einen Blick auf dieses frühe Schaffen der Band zu werfen. Und damit auch einem Album, das von einer ebenso ungestümen wie jugendlichen Performance des Leadsängers Tobias Sammett (markant: der Rausschmeißer POWER & MAJESTY), einem insgesamt eher an eine Demo-Produktion erinnernden Sound sowie einer am ehesten als klassisch zu bezeichnenden Auslegung des Genres lebt. So wartet THE SAVAGE PEOTRY mit hörbar weniger Schnörkeln, Bombast oder anderen Spielereien auf als etwaige spätere EDGUY-Alben – und serviert dem Hörer schon vom Opener HALLOWED an ein vergleichsweise schroffes, Riff-orientiertes und höchst authentisch klingendes Brett.

Eines, das trotz des nicht optimal inszenierten Sounds über eine gewisse Hymnentauglichkeit verfügt – und das zuletzt dank der guten, aber nicht übertrieben eingängigen Refrains – und in grundsätzlich tadellosen Genre-Nummern wie MISGUIDING YOUR LIFE oder KEY TO MY FATE angenehm an die Anfangszeiten von anderen deutschen Combos wie HELLOWEEN oder IRON SAVIOR erinnert. Für das hier abgelieferte Material schämen müssen sich EDGUY jedenfalls nicht, erst Recht nicht für das an Tag gelegte Handwerk – wie es bei manchen anderen Bands dann und wann doch mal der Fall ist, gerade nach vielen vergangenen Jahren und in der retrospektiven Betrachtung. Anders gesagt: THE SAVAGE POETRY markiert einen ebenso wichtigen wie auch heute noch problemlos zu genießenden ersten Meileinstein in Bezug auf die hiesige, über die Jahre markant gewachsene EDGUY-Diskografie.

Ein Meilenstein, der lediglich mit seiner eher schwachen Präsentation (von der immerhin der Bass profitiert), dem letzten fehlenden I-Tüpfelchen sowie der kläglich-seicht klimpernden Ballade SANDS OF TIME zu kämpfen hat. Davon abgesehen, und gerade in Anbetracht der weitaus wirksameren balladesken Ambition in Form von ROSES TO NOONE sowie eines puren Genre-Feuerwerks a’la SACRED HELL oder EYES OF THE TYRANT (diese 8 Minuten vergehen wie im Flug) gibt es aber kaum etwas zu mäkeln. Fest steht: dieses Stück Geschichte sollte ein jeder Genre-Enthusiast auf jeden Fall in seiner Sammlung haben, ob explizitzer EDGUY-Fan oder nicht.

Absolute Anspieltipps: HALLOWED, KEY TO MY FATE, SACRED HELL, EYES OF THE TYRANT


„Die klangliche Inszenierung ist nicht perfekt, die Stimme von Tobias Sammett noch rau und ungeschliffen – und doch zeugt schon dieses frühe EDGUY-Material von einem später glücklicherweise noch ausgeschöpften Potential.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – In A Time Of Blood And Fire (1995)

Alben-Titel: In A Time Of Blood And Fire
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Megarock Records

Alben-Lineup:

Anders Zackrisson – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Mikael Söderström – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Ulf Andersson – Drums

Track-Liste:

1. Sword of Steel (03:21)
2. Skyline Flame (05:30)
3. Black Death (04:08)
4. In a Time of Blood and Fire (05:01)
5. Dawnspell (05:38)
6. Lay of Ennui (05:02)
7. Winds of Death (04:17)
8. Rest in Peace (03:37)
9. Dragonisle (06:53)

Ach ja, da war doch noch was…

In der Tat haben sie sich bisher eher rar gemacht auf diesem Blog und innerhalb der korrespondieren Power Metal-Chronik – und doch wurden die Schweden von NOCTURNAL RITES nie gänzlich ausgeklammert. Und das sollte man wohl auch nicht – schließlich kann die bereits im Jahre 1990 als NECRONOMIC gegründete Combo problemlos als eine der interessanteren klassischen Power Metal-Formationen aus dem hohen Norden bezeichnet werden. Und sicher auch als eine der hochkarätigeren, die im Verlauf ihrer Karriere für reichlich Wirbel gesorgt hat – sodass es an der Zeit ist, endlich einige der dringend überfälligen Rezensionen zu den hiesigen Studioalben nachzuholen. Von denen haben sich im Laufe der Jahre immerhin ganze 9 angesammelt – oder 8, wenn man das bereits rezensierte aktuelle Album PHOENIX (siehe Review) einmal gedanklich abzieht.

Passenderweise scheint es in Anbetracht der vergleichsweise turbulenten Diskografie der Schweden auch keine allzu große Rolle zu spielen, ob man erst kürzlich in die hiesige Werschau eingestiegen oder bereits seit den Anfangstagen dabei ist – denn zu beobachten gab und gibt es in jedem Fall einiges. So haben die Schweden nicht nur einige qualitativen Höhen und Tiefen mitgenommen, auch einige damit verbundenen einschneidenden Mitgliederwechsel und stilistische Neuorientierungen schmücken die Historie der Band. Einer Band, die bis heute eine wichtige Rolle innerhalb des europäischen Power Metals spielt; in ihren Anfangstagen aber eigentlich einer ganz anderen Spielart frönte – dem Death Metal. Dabei ist es nicht weniger als ein pures Mysterium was genau gesehen wäre, hätten sie sich die NOCTURNAL RITES auch weiterhin in Richtung dieser einst angepeilten Spielart verdingt. Von Glück kann man wohl dennoch sprechen – denn mit der Entscheidung, ab dem heute vorliegenden 1995’er Erstwerk IN A TIME OF BLOOD AND FIRE nur noch auf einen klassischen Power Metal zu setzen; sind die Schweden bekanntlich auch sehr gut gefahren.

Wobei das eine noch dezent untertriebene Formulierung zu sein scheint – schließlich konnte und kann schon das vorliegende Debütalbum für einiges an Aufsehen sorgen. Vornehmlich, da es als ebenso klassisch angehauchtes und durch die Metal-Musik der guten alten 80er Jahre inspiriertes Album wie auch als recht eigenständiges und zielstrebiges Werk überzeugt – und die entstehenden Parallelen wenn überhaupt auf eher großartige Vorgänger und Genre-Pioniere wie etwa IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST oder auch RIOT hinweisen. Auch die wohlklingende und gut inszenierte Leadstimme von Anders Zackrisson lässt hier keine nennenswerten Zweifel zu – und die Leistungen an den Instrumenten hätten sowohl in den direkt zündenden Hymnen (SWORD OF STEEL, SKYLINE FLAME, DAWNFLAME, REST IN PEACE) als auch den etwas langsameren und komplexeren Arrangements (wie im Rausschmeißer DRAGONISLE) kaum treffender ausfallen können.

Was dem Album indes und trotz aller frühen Genialität fehlt – und es im Gegensatz zu RIOT’s THUNDERSTEEL (Review) knapp am Status eines zeitlosen Meisterwerks vorbeischrammen lässt – ist eine zu 100% zufriedenstellende Produktion, und eventuell auch ein wirklich durchgängig überzeugendes Songwriting. Schließlich wirken selbst die grundsätzlich schmackigen Hymnen so, als hätten sie ruhig noch etwas mehr Druck vertragen können – was vor allem auf die einstweilen etwas flach klingenden Refrains zu beziehen ist. Auch fühlt es sich hie und da so an, als hätten die NOCTURNAL RITES nicht wirklich jede einzelne der 43 Minuten so intensiv und meisterhaft genutzt wie es eventuell angedacht war – und beispielsweise im starken Titeltrack IN A TIME OF BLOOD AND FIRE bis ins kleinste Detail zelebriert wird. Dennoch, und ohne Zweifel: das Debütalbum der NOCTURNAL RITES ist ein ebenso wichtiges wie rundum ansprechendes Werk – und ein allemal lohnenswertes Stück Power Metal-Geschichte.

Absolute Anspieltipps: SWORD OF STEEL, IN A TIME OF BLOOD AND FIRE, DAWNSPELL, WIND OF DEATH, REST IN PEACE


„Ein gelungener (zweiter) Karriere-Auftakt – und ein Muss für Freunde eines ebenso klassischen wie zeitlosen Heavy- und Power Metals.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Eternity (1995)

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Alben-Titel: Eternity
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. August 1995
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Mark Vanderbilt – Vocals
Thom Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
David Pavlicko – Keyboards
Richard Warner – Drums

Track-Liste:

1. Eternity (05:42)
2. Black Tower (04:06)
3. Call of the Sea (05:15)
4. Proud Nomad (04:53)
5. Red Sands (04:09)
6. One of the Hunted (05:27)
7. Fire Within (04:55)
8. Warbird (05:23)
9. What About Me (04:20)
10. Etude Jongleur (00:51)
11. The Gleeman (06:23)

Frühe Geschichten von König Arthur & Co.

Heutzutage gibt es wohl kaum jemanden, der sie nicht kennt – die US-Amerikanischen Power Metaller von KAMELOT. Spätestens unter der Führung von Roy Khan, der ab 1998 für den Leadgesang zuständig war und den Stil der Band entscheidend mitprägte; preschte die Band langsam aber sicher in den Genre-Olymp vor. Eben weil KAMELOT schon immer etwas anders klangen als viele ihrer internationalen Genre-Kollegen – sowohl auf der musikalischen als auch der inhaltlichen Ebene. Doch gab es auch eine Zeit davor, respektive eine Zeit in der sich die Band erst noch finden sollte – immerhin wurde sie bereits 1991 gegründet. Das erste handfeste Lebenszeichen; oder positiv ausgedrückt der erste wichtige Meilenstein aus jener Zeit ist dabei das Studioalbum ETERNITY aus dem Jahre 1995. Wenngleich man nun jedoch annehmen könnte oder müsste, das KAMELOT bereits derart früh aus dem Vollen schöpften; liegt man dezent falsch – ETERNITY klingt zwar nicht unbedingt Genre-typisch, aber insgesamt doch alles andere als ausgefeilt.

Das hat mehrere Gründe – von denen einer im frühen, damals längst nicht perfekten Lineup der Band zu finden ist. Vor allem Leadsänger Mark Vanderbilt hat auf dem Debütalbum nicht gerade eine Glanzleistung abgeliefert – sodass ausgerechnet der für eine Band wie KAMELOT so wichtige Gesang samt der transportierten Inhalte und Botschaften das schwächste Element von ETERNITY markiert. Aber auch sonst, und selbst für Band-Mastermind Thomas Youngblood galt hier noch eher: gute Ansätze wurden präsentiert, doch die theoretische (und später glücklicherweise verwirklichte) Ausbaufähigkeit überstrahlte vieles. Titel wie der Rausschmeißer THE GLEEMAN fungieren hier als Paradebeispiele: grundsätzlich wuchtig und mit einer leicht progressiven Note inklusive eines markanten tempo-Wechsels versehen; gleiten KAMELOT hier letztendlich ins musikalische Nirgendwo. Das gilt sicher auch für eine Ballade wie WHAT ABOUT ME – die aufgrund des hier noch im Vordergrund stehenden Leadgesangs erst Recht nicht zünden will.

Immerhin: der eher schroffe, wenn man so will gar düstere Soundeindruck sowie die gediegene Spielart ohne großartige Schnörkel (und einem dezenten, stets wohlklingenden Einsatz des Keyboards) klingt selbst auf dem Debüt anders als vieles, was man sonst vom Genre gewöhnt ist. Für Alleinstellungsmerkmale haben KAMELOT also schon früh gesorgt. Problematisch ist dabei nur, dass ETERNITY den Hörer kaum zu packen vermag. Die 11 Titel fühlen sich letztendlich sogar verdächtig gleichförmig an, der eher schwache Leadgesang und das solide aber doch harmlose Spiel der Instrumente kann einfach nicht für Aufsehen sorgen. Speziell das doch sehr repetitiv erscheinende Riffing und die generell fehlende Variabilität könnten früher oder später für Verdruss sorgen. Denn: keiner der hier präsentierten Titel will auch nur ansatzweise aus der Masse der 11 (oder 10, abzüglich des Interludes) hervorstechen.

Absolute Anspieltipps: /


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„Ein eher lauwarmer Auftakt.“

Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Fourth Dimension (1995)

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Alben-Titel: Fourth Dimension
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: T&T Records

Alben-Lineup:

Timo Kotipelto – Vocals (lead)
Timo Tolkki – Guitars, Vocals (backing)
Jari Kainulainen – Bass
Tuomo Lassila – Drums
Antti Ikonen – Keyboards

Track-Liste:

1. Against the Wind (03:48)
2. Distant Skies (04:10)
3. Galaxies (05:01)
4. Winter (06:32)
5. Stratovarius (06:22)
6. Lord of the Wasteland (06:10)
7. 030366 (05:47)
8. Nightfall (05:09)
9. We Hold the Key (07:53)
10. Twilight Symphony (07:00)
11. Call of the Wilderness (01:30)

Wenn der Lineup-Wechsel breite Wellen schlägt.

Bis 1995 hatten die Finnischen Power Metaller von STRATOVARIUS schon drei aufsehenerregende Alben abgeliefert – von denen mindestens eines bis heute nachhalt und nach wie vor Genre-Fans aller Herren Länder begeistert (DREAMSPACE, Review). Mit FOURTH DIMENSION folgte dann aber nicht nur das vierte Studioalbum der ambinionierten Band – sondern auch das erste, dass einen bis dato kaum bekannten Leadsänger vorstellte. Ind er Tat beschränkte sich der eisntige Sänger, Gitarrist, Bassist und Frontm,ann Timo Tolkki nur noch auf die Gitarren und ein wenig Hintergrundgesang – während er das Zepter an seinen Vornamens-Vetter Timo Kotipelto weiterreichte. hierbei handelte es sich zweifelsohne um eine Entwicklugn oder auch Etnscheidung, die STRATOVARIUS nachhaltig prägte – nach der Meinung vieler in einer durchweg positiven Hinsicht. Und tatsächlich: bereits auf FOURTH DIMENSION wurde schnell offenbar, was der 1969 geborene neue Frontmann alles auf dem Kasten hat.

Die Folge war, dass man zumindest hinsichtlich des Leadgesangs keinerlei Abzüge mehr geltend machen konnte – und da Timo Tolkki schon zuvor mit seiner Gitarrenarbeit überzeugte, auch diesbezüglich nicht. Analog dazu hatte sich auch die allgemeine Produktion und die Gewichtung der einzelnen Instrumente verbessert, was sich inbesondere bei einem Instrumentalstück wie dem Titeltrack STRATOVARIUS heraushören lässt. Handwerklich gab es wahrlich nichts mehr zu mäkeln, STRATOVARIUS hatten ihren technischen Höhepunkt zweifelsohne erreicht. Worauf es nun nur noch ankam ist die Brillanz und Effektivität der einzelnen Nummern – und wie das Album insgesamt (und auch im Vergleich zum grandiosen DREAMSPACE) wirkte. Hier gilt es dann, zweierlei Dinge festzuhalten. Zum einen, dass der gesamte Alben-Auftakt und auch Mittelteil grandios ausgefallen ist. Die Über-Hymne AGAINST THE WIND führt den Hörer fesselnd in das Album ein, DISTANT SKIES wirkt gewichtig und ebenfalls angenehm hymnisch, GALAXIES überzeugt als eher Bass- und Keyboard-lastiger Stampfer mit einem herovorragenden Refrain.

Mit Folgenummern wie WINTER wirkt das Album überhaupt deutlich getragener, aber in gewisser Weise auch mächtiger als der verspielte Vorgänger – ohne melodische Uptempo-Brecher wie LORDS OF THE WASTELAND außen vor zu lassen. Mit dem höchst experimentellen 030366 aber hat man eine der wohl sperrigsten STRATOVARIUS-Nummern aller Zeiten geschaffen – wenn auch beliebe keine schlechte; denn interessant ist diese ungewohnt progressive Seite allemal. Über das eher behäbige NIGHTFALL und das sich nciht ganz wie erhofft entwickeldne WE HOLD THE KEY könnte man dagegen streiten – sie sind nicht schlecht, aber eben auch nicht allzu packend. Da macht das ebenfalls nicht wirklich flotte, aber doch angenehm erhabene TWILIGHT SYMPHONY schon eher eine gute Figur. Insgesamt kann das Album über weite Strecken überzeugen, der Lineupwechsel schien sich positiv ausgeworkt zu haben – doch in bezug auf den allgemeinen Genialitäts- und Wirkungsfaktor schneidet das vorherige DREAMSPACE noch ein klein wenig besser ab.

Absolute Anspieltipps: AGAINST THE WIND, DISTANT SKIES, GALAXIES, LORDS OF THE WASTELAND, TWILIGHT SYMPHONY


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„Mit dem neuen Lineup gesanglich und handwerklich perfekt – aber insgesamt nicht ganz so wuchtig wie zuvor.“

Metal-CD-Review: RHAPSODY – Eternal Glory (Demo, 1995)

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Alben-Titel: Eternal Glory (Demo)
Künstler / Band: Rhapsody (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Cristiano Adacher – Vocals
Luca Turilli – Guitars
Andrea Furlan – Bass
Daniele Carbonera – Drums
Alex Staropoli – Keyboards

Track-Liste:

1. Invernal Fury (04:38)
2. Warrior of Ice (04:10)
3. Tears at Nightfall (01:14)
4. Alive and Proud (06:02)
5. Land of Immortals (05:45)
6. Holy Wind (03:41)
7. Eternal Glory (09:35)

Es aber begab sich zu einer Zeit…

Gleichermaßen interessant wie kurios kann es erscheinen, einmal eine längst vergessene Demo-CD (oder sollte man eher sagen, Kassette) einer seit Jahren fest etablierten Genre-Größe des symphonischen Power Metals einzulegen. Die Rede ist in diesem Fall von RHAPSODY OF FIRE, die sich zu Beginn ihrer Karriere noch THUNDERCROSS nannten – und die bereits lange vor dem ersten offiziellen Album LEGENDARY TALES von 1997 unter dem neuen Bandnamen RHAPSODY aktiv waren. Eines der Relikte aus dieser Zeit ist die 1995’er Demo ETERNAL GLORY – mit 7 enthaltenen Titeln, die später alle Geschichte schreiben sollten. Wenn auch in einer leicht abgeänderten Form, und mit Fabio Lione als Leadsänger – in diesem Fall war es noch Cristiano Adacher der den Ton angab. Und so ist die Erfahrung, eine Demo wie diese zu hören; insbesondere als RHAPSODY-Fan eine besondere – gesetzt dem Fall, man war nicht schon von Beginn an dabei und entdeckte die Band erst viel, viel später.

So wird man hier einige der wohl ursprünglichsten Klänge der findigen Italiener zu hören bekommen – verständlicherweise in einer nicht ganz optimalen Klangqualität und einem kaum differenzierten Hörerlebnis in Bezug auf die einzelnen Elemente. Das wirkt vor allem jenem potentiell bombastischen Eindruck entgegen, der die späteren Alben dominieren sollte – sodass ETERNAL GLORY es nicht unbedingt vermag, seine Hörer direkt umzuhauen. Das stört aber nur bedingt, schließlich sollte die Demo vornehmlich als eine erste Werkschau gesehen werden, die bereits viel über das Potential der Band verriet – aber noch weit hinter den eigentlichen Möglichkeiten zurückblieb. Und so ist es vor allem interessant, einige Titel der späteren Alben in einer noch vorläufigen Fassung zu hören – wie INVERNAL FURY (das später zu RAGE OF THE WINTER wurde), ALIVE AND PROUD (später: LORD OF THUNDER) oder HOLY WIND, das interessanterweise über einen gänzlich anderen Refrain verfügt als das spätere RIDING THE WINDS OF ETERNITY.

Die ETERNAL GLORY-Demo von RHAPSODY lohnt sich damit vor allem in der Hinsicht, als dass sie noch einmal einen ganz anderen Blick auf die später enorm erfolgreichen Italiener und einige ihrer markantesten Titel zulässt. Schließlich ist es nicht nur die unvermeidlich schlechtere Soundqualität, die das hier dargebotene Material vom späteren unterscheidet. Allein der damalige Leadsänger Cristiano Adacher sorgt für ein völlig neues, gar nicht mal so uninteressantes RHAPSODY-Erlebnis; wie auch die vielen später abgeänderten Texte und Kompositionen in ihrer Urpsrungsform. Auch dient die Demo sehr gut dazu aufzuzeigen, dass mindestens zwei der enthaltenen Titel schlichtweg grandios sind – LAND OF IMMORTALS und ETERNAL GLORY klingen sowohl in dieser Ursprungsform als auch in den Finalfassungen verdammt kräftig, markant und zeitlos. Und die anderen haben bekanntlich den nötigen, noch fehlenden Feinschliff erhalten um ganz ähnlich zünden zu können… was ohne diese Rohfassungen gar nicht erst möglich gewesen wäre. Wer die Demo schon damals und in der guten alten Kasettenform in den Händen halten durfte, darf sich glücklich schätzen – alle anderen sollten sich das Ganze zumindest in einer digitalisierten Version sichern. Denn wenn das Hören einer von der reinen Klangqualität her ungünstigen Demo schon mehr Freude bereitet als der Genuss eines so manchen perfekt abgemischten und produzierten Genrewerkes, dann ist das ein gutes Zeichen. Oder ein schlechtes – je nachdem, aus welcher Warte man das Ganze betrachtet…

Absolute Anspieltipps: LAND OF IMMORTALS, HOLY WIND, ETERNAL GLORY


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„Die Geburt einer Legende in Stein gemeißelt.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Land Of The Free (1995)

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Alben-Titel: Land Of The Free
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Vocals, Guitars
Thomas Nack – Drums, Vocals (backing)
Jan Rubach – Bass
Dirk Schlächter – Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Rebellion in Dreamland 08:44
2. Man on a Mission 05:49
3. Fairytale 00:50
4. All of the Damned 05:01
5. Rising of the Damned 00:43
6. Gods of Deliverance 05:01
7. Farewell 05:11
8. Salvation’s Calling 04:36
9. Land of the Free 04:38
10. The Saviour 00:40
11. Abyss of the Void 06:04
12. Time to Break Free 04:40
13. Afterlife 04:46 Show lyrics

Land Of The Free, oder: ein Stück Metal-Geschichte.

Es war einmal im Jahre 1995, als ein alteingesessener GAMMA RAY-Gitarrist aufbegehrte und zusätzlich zu seiner markanten Gitarrenarbeit den Leadgesangsposten der 1989 gegründeten Band übernahm. In der Tat – die Rede ist von niemand geringeren als Kai Hansen, der den für 3 Studioalben verpflichteten Ralf Scheepers ablöste und fortan noch intensiver Einfluss auf den ureigenen, wegweisenden Sound der Band nehmen konnte. Die unausweichliche Folge war ein GAMMA RAY-Album, welches bis heute nachhallt – und gleichzeitig eines der interessanten der gesamten bisherigen Diskografie der deutschen Power Metaller ist. Neben jenen früheren, ebenfalls wegweisenden Alben der sehr eng mit GAMMA RAY verbundenen Band HELLOWEEN, versteht sich.

Zwar ist es irgendwie auch schade, dass Ralf Scheepers (bis 1994 bei GAMMA RAY) nie so anerkannt wurde wie Kai Hansen; zumindest nicht in Bezug auf seine Leistungen als Leadsänger. Andererseits sollte der ohnehin später PRIMAL FEAR (s)einen eigenen Weg gehen, der ihm vielleicht auch besser zu Gesicht stand. Klar ist nur: ab 1995 wurden GAMMA RAY zu dem, was sie auch heute noch sind – eine unverkennbare, in allen Belangen starke Pionierband des Power Metals. Und das nicht nur, da sie zusammen mit HELLOWEEN den Weg für den Erfolg des in Europa noch relativ frischen Subgenres ebneten und damit eine der ersten nennenswerten Bands jener Spielart waren – sondern auch, da ihre Kompositionen stets zeitlos waren und noch immer sind. Wie viele Bands sich an potentiellen musikalischen Vorbildern wie eben HELLOWEEN oder GAMMA RAY orientier(t)en, steht in den Sternen – doch ist es immer wieder eine Erfahrung wert, zurück zu den Ursprüngen zu gehen und ein Album wie LAND OF THE FREE zu genießen.

Die Frage ist nur, ob dies auch uneingeschränkt möglich ist. Fakt ist, dass LAND OF THE FREE das wohl bekannteste, am höcshten gelobte Album der Band ist – und tatsächlich, vieles von dem hier dargebotenen klingt verdächtig nach Kult. Dennoch könnten die Meinungen auseinandergehen, wenn es darum geht den Kultstatus des Albums zu verteidigen oder eben anzufechten. Das dies überhaupt möglich ist, liegt dabei weder an den Leistungen der einzelnen Mitglieder, der Produktion (obwohl sie hie und da etwas kraftlos und leise wirkt) oder dem offensichltich vorhandenen Ideenreichtum – sondern schlicht an ein oder zwei kleineren Fehlgriffen. Zum einen äußern sich diese in Form der immerhin drei auf dem Album vertretenen Interludes, deren Sinn sich nicht wirklich erschließt (auch, da sie her schlecht als Recht in den Albenkontext passen) – und zum anderen an den nicht immer prägnant ausgeführten Ideen. Bereits der Opener REBELLION IN DREAMLAND verspricht großes, besitzt eine interessante progressive Note – doch so richtig Stimmung will bei einem eher sperrigen Titel wie diesem noch nicht aufkommen. Titel Nummer zwei, MAN ON A MISSION dagegen vertreibt dann plötzlich alle Sorgen – und glänzt mit seiner Wirkung als zeitlose, unverbrauchte, spielfreudige Hymne eines Power Metals der europäischen Spielart. Hier geben sich GAMMA RAY nicht nur äußerst flott, kräftig und hymnisch – sondern klingen vor allem auch verdammt atmosphärisch. 

Danach folgt dann allerdings der eher schwächere Teil des Albums, der zum einen aus den besagten Interludes, und zum anderen aus bestenfalls mittelprächtigen Titeln wie ALL OF THE DAMNED oder GODS OF DELIVERANCE besteht. Sicher klingen GAMMA RAY auch hier mehr als nur solide, doch kann man sich kaum des Gefühls erwehren, dass hier jeweils weitaus mehr dringewesen wäre. Die Ballade FAREWELL, die mit einem dezenten Gastgesangspart von Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) aufwartet fungiert dann quasi als Vermittler zwischen der eher schwachen Entwicklung nach MAN ON A MISSION und den noch verbleibenden Nummern. Zu Beginn noch etwas behäbig, entwickelt sich der Titel mehr und mehr zu einem echten emotionalen Feuerwerk – und vielleicht auch zu einem Dauerbrenner für die etwas ruhigeren Stunden. Mit SALVATION’S CALLING gehen GAMMA RAY dann auch wieder in die Vollen, und präsentieren den zweiten markant-starken Titel des Albums, der vermehrt an die Ära der HELLOWEEN KEEPERS-Sage erinnert.

Den Vogel endgültig abschießen aber können GAMMA RAY dann aber erst mit dem Titeltrack. LAND OF THE FREE ist damit einer der wenigen Titeltracks auf einem Power Metal-Album, die diese Bezeichnung auch redlich verdient haben. Nach einem weiteren Interlude folgen dann noch drei Nummern, die das Album prägnant abschließen. Der ABYSS OF THE VOID kommt wunderbar stampfend und atmosphärisch daher, TIME TO BREAK FREE glänzt mit einer überraschenden Komplettperformance von Kollege Michael Kiske, und AFTERLIFE ist durch den Selbstmord des HELLOWEEN-Drummers Ingo Schwichtenberg 1995 (dem dieser Titel gewidmet ist) zusätzlich emotional aufgeladen.

Fazit: LAND OF THE FREE ist ein sehr gutes GAMMA RAY-Album – aber nicht unbedingt das beste. Das markante Abflauen nach einer Hymne wie MAN ON A MISSION spricht hier – ebenso wie die eher überflüssigen Interludes – Bände. Glücklicherweise geht es ab dem achten Titel wieder rund, sodass man spätestens mit der zweiten Albenhälfte gnadenlos gut bedient wird. Doch Luft nach oben, die ist noch reichlich da.

Anspieltipps: MAN ON A MISSION, SALVATION’S CALLING, LAND OF THE FREE, ABYSS OF THE VOID

Vergleichsbands: HELLOWEEN | BLIND GUARDIAN | IRON SAVIOR | PRIMAL FEAR


„Allein aufgrund des Band-internen Gesangsdebüts von Kai Hansen kultverdächtig.“

Filmkritik: „Desperado“ (1995)

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Originaltitel: Desperado
Regie: Robert Rodriguez
Mit: Antonio Banderas, Salma Hayek, Steve Buscemi u.a.
Land: USA
Laufzeit: 104 Minuten
FSK: Ab 18 freigegeben
Genre: Action / Western
Tags: Desperado | Mariachi | Gitarrenkoffer | Rache | Mexiko | Tarantino

Auf zur zweiten Runde, pendejos.

Inhalt: Einst geriet ein namenloser Mariachi (Antonio Banderas) aufgrund einer ungünstigen Verwechselung in die Schusslinie eines Gangsterbosses, der es eigentlich auf einen ganz anderen abgesehen hatte. Ausgerechnet das Markenzeichen, stets mit einem Gitarrenkoffer umherzuziehen, verband beide – nur hatte der Mariachi tatsächlich ein Instrument darin, der andere ein ganzes Arsenal von Waffen. Letztendlich wurde der Mariachi aber so tief in die Ereignisse verwickelt, dass er dabei seine neu gewonnene Liebe verlor – und seine Linke Hand schwer verletzt wurde. Seitdem sind einige Jahre vergangen, und der einst friedliebende Mariachi schwört auf Rache an den eigentlichen Auftraggebern. Nun ist er es, der den Gitarrenkoffer voller Waffen mit sich herumträgt; und auf der Suche nach einem Mann namens Bucho (Joaquim de Almeida) durch eine mexikanische Kleinstadt zieht. Das Problem: trotz aller Versuche, möglichst friedlich und ohne Aufsehen an Bucho heranzukommen, gerät der Mariachi immer wieder in knallharte Schießereien. Und so muss er sich seinen Weg bahnen – durch unzählige Horden von Bucho’s Schergen; doch scheinen seine Bosse ebenfalls einen speziellen Auftragskiller entsandt zu haben um die Legende vom sagenumwobenen Mariachi ein für allemal zu beenden…

Kritik: Der 1995’er (Kult-)Film DESPERADO von Regisseur Robert Rodriguez ist ein Sequel zu seinem knapp 3 Jahre älteren Regiedebüt EL MARIACHI (Kritik). Jene auf Film gebannte Legende eines umherziehenden Liedermachers glänzte vor allem durch ihr besonders intensives, unverbrauchtes filmisches Flair – und die Tatsache, dass Rodriguez gerade einmal 7000 US-Dollar für die Produktion zur Verfügung standen. In Anbetracht des durch und durch stimmigen Ergebnisses wurde so der Grundstein für Rodriguez‘ markante Karriere gelegt – kein Wunder also, dass man es schon bald noch einmal darauf anlegen wollte; und mit DESPERADO ein offizielles Sequel ins Rennen schickte. Im direkten Vergleich ein relativ kostspieliges: aufgrund des gestiegenen Bekanntheitsgrades und des sich abzeichnenden Erfolges standen Rodriguez nun satte 7 Millionen US-Dollar zur Verfügung – etwa das tausendfache des ursprünglichen EL MARIACHI-Budgets.

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Gut dabei ist, dass Rodriguez eher weniger zu den typischen (das heisst: sich unterordnenden oder am Markt orientierenden) Regisseuren zu zählen ist – und die Mittel sichtlich vernünftig und nach bestem Wissen und Gewissen eingesetzt hat. So ist es ihm gelungen einen würdigen und vor allem stilechten Nachfolger zu inszenieren. Einen, der die besondere Atmosphäre des Originals einerseits noch einmal heraufbeschwört, andererseits aber auch als eigenständiger Film zu betrachten ist. Man muss das Original EL MARIACHI also nicht zwingend gesehen haben, um in den Genuss von DESPERADO zu kommen. Von Vorteil wäre es trotzdem, denn sonst könnte der doch etwas abrupten Start von EL MARIACHI (bei dem sich nicht lange mit Charaktervorstellungen aufgehalten wird) den Einstieg erschweren.

Dennoch: dass DESPERADO mit deutlich mehr Aufwand und Kosten produziert wurde, hat eine Sonnen- und eine Schattenseite; beziehungsweise wiegen sich Vor -und Nachteile insbesondere im direkten Vergleich mit dem Vorgänger EL MARIACHI quasi direkt auf. DESPERADO wirkt insbesondere in technischer Hinsicht versierter und aufwendiger produziert, was Rodriguez mehr Möglichkeiten offenbart – die so erreichte Zeitlosigkeit kann aber nicht mit dem Originalitäts- und Kultfaktor des Originals mithalten. Auch die gecastete Darstellerriege spielt hier eine enorme Rolle: während das Original noch ausschließlich mit mexikanischen Laiendarstellern besetzt wurde (was bemerkenswert gut funktionierte), sieht man in DESPERADO schon deutlich bekanntere Gesichter. Die Hauptrolle übernimmt nun Antonio Banderas, der dem Mariachi mit seinem durchtriebenen Latin-Lover-Charme eine gänzlich neue Facette verpasst. Da war Carlos Gallardo doch noch ein stückweit zurückhaltender – gerade der von ihm verkörperte; unentschlossene, verletztliche und zufällig in allerlei Geschehen hineinstolpernde Mariachi entfaltete als Charakter einen enormen Reiz und bot wunderbare Identifikationsmöglichkeiten. So gerät die Wandlung zum quasi-Helden a’la Banderas nur teilweise nachvollziehbar – und lässt den Mariachi deutlich unantastbarer erscheinen.

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Da können auch die hie und da eingestreuten Rückblenden, die neu geknüpfte Freundschaft mit einem kleinen Jungen (der ebenfalls Gitarre spielt) oder die Liebschaft mit einer neuen rassig-mexikansichen Dame (gespielt von Selma Hayek) nicht viel retten: irgendwie bekommt man keinen besonderen Draht mehr zum Mariachi, der hier eher wie eine überstilisierte Comicfigur wirkt. Als hätte man sich genau dies gedacht, bekommt er passend dazu auch noch eine kugelabweisende Weste angezogen – und kann so munter durch diesen oder jenen Kugelhagel stolzieren, sich ausreichend Zeit lassen und letztendlich doch noch (fast) unbehelligt aus der Szenerie hervorgehen. Trotz einiger kleinerer auftretender Verletzungen wird dieses überzeichnende Stilmittel im Fall von DESPERADO arg ausgenutzt; sodass die Kämpfe schnell an Dynamik und Spannung verlieren. Äußerst makaber: ausgerechnet, als der Mariachi zwei seiner alten Kollegen (Carlos Gallardo hat hier immerhin einen Gastauftritt) zu sich ruft, ballern diese in derselben stupiden Mariachi-Manier umher (und suchen sich keine Deckung) – nur, dass diese vergleichsweise schnell das zeitliche segnet. Derartige Kämpfe, bei denen zusätzlich noch an alte Actionfilme oder Western erinnernde Stilmittel hinzukommen (Menschen, die durch Explosionen oder Schüssen geradezu in die Luft gewirbelt werden) muss man einfach mögen – in EL MARIACHI wirkten sie in jedem Fall deutlich bodenständiger und angenehmer. Auch in Sachen Sex zieht man nun an und wird deutlich expliziter. Die ausführliche Liebensszene zwischen dem Mariachi und seiner neuen Liebe ist zwar rein inszenatorisch großartig ausgefallen – fraglich bleibt aber ob sie etwas in diesem Film zu suchen hat, besonders in diesem Umfang.

Man könnte also vermuten, dass DESPERADO schon weitaus eher auf blosse Schauwerte setzt als auf eine stimmige Atmosphäre – ein Fakt, der sicherlich auch dem nun höheren Budget anzulasten ist. Immerhin: Rodriguez versucht dieser Richtung insofern entgegenzuwirken, als dass er sich – vom Mariachi selbst abgesehen – mal wieder um eine handvoll interessanter Nebencharaktere kümmert. Hier ist es lediglich etwas schade, dass diese oftmals nichts oder nur wenig zur Handlung beizutragen haben – höchst amüsant sind die Auftritte dennoch. So sorgt allein der Blick und das Gebaren des Barkeepers immer wieder für Schmunzler, der hier noch auffällig dürre Danny Trejo darf als wilder Messerwerfer ordentlich Wut ablassen, und sogar Quentin Tarantino bekommt einen kleinen Gastauftritt. Das Problem: Szenen wie diese fügen sich nicht unbedingt besonders gut in den Filmkontext ein, und genießen so vor allem einen vom eigentlichen Film unabhängigen Kultstatus. Besonders markant ist das auch der Fall beim von Steve Buscemi gespielten Part: zwar wertet er den Film auf, doch erscheint er andererseits relativ plump konstruiert. Er ist also ein Freund des Mariachi – wie lernten sie sich kennen, und kann ein Mann wie der Mariachi überhaupt einen Freund haben ? Später war er ein Freund des Mariachi – warum verzieht der bei dessen Ableben dann keine Miene ? Fragen über Fragen… und auch eine ganz große bleibt nun nicht mehr aus.

Fazit: Ja; welcher ist nun kultiger ? Das Original EL MARIACHI, welches mit einem überraschend niedrigen Budget, einer Bande von Laiendarstellern und einer großen Portion Genialität realisiert wurde – oder der etwas glattgeschliffenere, modernere DESPERADO ? Eine schwierige Angelegenheit, die man letztendlich nur anhand des Interesses der Zuschauer ausmachen kann. Wer die atmosphärisch dichte Reise eines Mariachi erleben möchte, der aufgrund eines schicksalhaften Zufalls immer wieder in lebensbedrohliche Situationen gerät, der sollte zu EL MARIACHI greifen. Wer eine nicht ganz so dichte Atmosphäre verschmerzen kann, dafür aber mehr Lacher und generell ein optisch aufregenderes Gesamtpaket serviert bekommen möchte, der greift zu DESPERADO. Eine Lanze sollte man dann aber doch noch für das Original brechen, denn: DESPERADO wirkt einstweilen etwas gezwungen, etwas zu fordernd und / oder selbstverständlich auf Kult getrimmt; mit einem insgesamt nicht vollständig zufriedenstellenden Ergebnis. Dem Original merkt man ein solches Bestreben eher nicht an – und dennoch, oder gerade deshalb liegt ihm der größere Kult-Faktor zugrunde. Es sei, wie es sei: lang lebe der Mariachi… ob nun der neue oder der alte.

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„Nicht mehr ganz so kultig wie das Original“

Filmkritik: „Fist Of The North Star – Der Erlöser“ (1995)

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Originaltitel: Fist Of The North Star
Regie: Tony Randel
Mit: Gary Daniels, Malcolm McDowell, Costas Mandylor u.a.
Land: USA
Laufzeit: 103 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Action / Fantasy
Tags: Fist Of The North Star | FOTNS | Kenshiro | Hokuto Shin-Ken | Martial Arts

Kenshiro und Co. im (ungewohnten) Realfilm-Gewand.

Inhalt: Nachdem das Gleichgewicht zwischen zwei traditionellen Schulen überlieferter Kampftechniken, der Faust des Nordens und dem Kreuz des Südens aus den Fugen geraten ist – wurde die Welt in ein Chaos gestürzt. In dieser Post-Apokalypse versucht Shin (Costas Mandylor) als mächtigster Vertreter des Kreuz des Südens die Macht an sich zu reissen. Doch hat er noch mindestens einen potentiellen Widersacher, dem ihm trotz seiner wachsenden Macht gefährlich werden könnte: Kenshiro (Gary Daniels), ein Mann welcher vom Schicksal auserkoren wurde die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Der jedoch wurde durch den vorgetäuschten Tod seiner Geliebten Julia gebrochen – und wandelt seitdem ziellos durch das von Säure-Regen überzogene Ödland. Erst, als er auf ein kleines blindes Mädchen trifft, welches von einem Teenager beschützt wird, scheint ihm seine Aufgabe wieder klarer zu werden. Überdies erscheint Kenshiro auch noch sein ermordeter Vater (Malcolm McDowell), der ihn ebenfalls ermahnt, seine offenbar unausweichliche Rolle anzunehmen und sich seinem Feind zu stellen. Die Weichen für einen alles entscheidenden Kampf sind gestellt – ein Kampf, der über das zukünftige Schicksal der Welt entscheiden wird.

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Kritik: Die kurze Plot-Zusammenfassung klingt manchen etwas zu konfus, oder allzu trashig-fantastisch ? In der Tat ist FIST OF THE NORTH STAR kein alleinstehender, eigenständiger Realfilm – stattdessen basiert er auf einem überaus bekannten Manga- und Animefranchise aus Japan. Ausgerechnet die USA haben sich im Jahre 1995 einer Realfilmversion angenommen – und beziehen sich dabei vor allem auf den Anime-Film HOKUTO NO KEN aus dem Jahre 1986 (Review). Natürlich fand all dies statt, noch lange bevor das Franchise in ab 2006 im Ursprungsland weitergeführt werden sollte (siehe Link zu den anderen FOTNS-Animes); und die Zuschauerschaft mit dringend benötigten Enthüllungen konfrontiert wurde. Doch nicht nur seine etwas konfuse und lückenhafte Erzählweise merkt man dem FOTNS-Realfilm an – sondern auch das Alter. Sicher darf man keinen auf Hochglanz polierten Film oder spektakuläre Effekte erwarten, wenn es um ein 1995’er Release geht welchem ein vergleichsweise niedriges Budget zur Verfügung stand – doch wäre gerade in Bezug auf die Inszenierung eine etwas… zeitlosere Variante von Vorteil gewesen.

Nicht umsonst hagelte es für FOTNS zahlreiche negative Kritiken – von Fans und Kennern des Originalfilms oder der Original-Serie; aber auch von gänzlich unvoreingenommen Zuschauern. Gerade in Bezug auf diese Zuschauergruppe erscheinen derartig vernichtende Schlüsse durchaus ein wenig nachvollziehbar. Schließlich sollte man diesen Film nur denjenigen empfehlen, die sich zumindest ansatzweise mit der zugrundeliegenden Thematik befasst haben – allen anderen wird es in diesem Realfilm etwas zu flott, und vor allem lückenhaft vorangehen. Warum aber ausgerechnet Fans der Serie den FOTNS-Realfilm schlecht beurteilen, erscheint nicht immer ganz klar – schließlich besitzen diese nicht nur ein gewisses Basiswissen in Bezug auf den Plot und die jeweiligen Hintergrundgeschichten; auch hinsichtlich des Trash-, Brutalitäts- und (storyrelevanten) Vereinfachungsfaktors sollten diese eigentlich abgehärtet sein. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass die Original-Serie und der Anime-Film aus dem Jahre 1986 alles andere als Meisterwerke der japanischen Kunst sind. Bereits hier muss man enorme qualitative Abstriche in Kauf nehmen, die sich vor allem auf die klischeehafte Geschichte und die teils plumpe Inszenierung in bester Haudrauf-Manier beziehen.

Und dennoch ist das Franchise in Japan längst Kult – offenbar einer der Gründe, weshalb sich auch die Amerikaner an diesem regelrechten Boom beteiligten wollten. Eine andere, etwas freundlichere Interpretation wäre, dass die Verantwortlichen den Stoff auch in Übersee bekannt machen wollten – und da eigneten sich Realfilme gerade im Jahre 1995 schon eher als möglicherweise ‚fremd‘ erscheinende Animes. Wie dem auch sei – FOTNS ist letztendlich gar keine so große Enttäuschung geworden wie gedacht. Natürlich wirkt die Geschichte etwas trashig und wenig originell (das gleiche gilt allerdings für die Originale), natürlich sind sowohl die allgemeine Optik als auch die Effekte lausig, und: natürlich nimmt man das Ganze viel zu ernst. Aber dennoch kann der Film auf einer gewissen Ebene überzeugen – einer, die auch für die zahlreichen Fans des Franchises verantwortlich ist. Schließlich bekommt man hier eine vergleichsweise unkomplizierte, aber dennoch mit allerlei Fantasy und Mystik gespickte Geschichte einiger mächtiger Krieger präsentiert, die entweder vom rechten Weg abgekommen sind und ihre Macht missbrauchen – oder aber ihr (gutes) Herz wieder-entdecken müssen. Eine Geschichte wie diese ist eben doch recht japanisch, und hebt sich im Vergleich zu vielen US-Releases dieses Jahrgangs entsprechend von der Masse ab. Zusätzlich bekommt der Zuschauer eine recht ansehnliche Zusammenstellung verschiedener Themenfelder aufgetischt: von einem Leben nach der Apokalypse (ungefähr nach MAD MAX-Manier) über alten Mythen und Legenden bis hin zu einem familiären Zweikampf, der sich letztendlich auf die Situation der gesamten Welt auswirken würde ist alles dabei.

Selbst die Darsteller agieren passabel – wenn man sich einmal auf das Spektakel eingelassen hat, sind nicht einmal unfreiwillige Lacher mit von der Partie; was man bei einem ernsten Gebaren wie diesem durchaus erwarten könnte. Dies heisst indes nicht, dass nicht doch einige unfreiwillige Lacher entstehen könnten – in Anbetracht der reichlich kruden Kampfszenen ist dies kaum vermeidbar. Getreu dem Original wird hier eben nicht nur in typischer Martial-Arts-Manier gekämpft – sondern auch auf der Suche nach Druckpunkten (eine traditionelle, tödliche Kampfkunst)… herumgefingert. Verständlicherweise ist hier einiges an Comedy-Potential geboten – was im Anime grundsätzlich wegfiel, da diese Kunstform eben andre Möglichkeiten offenbart als der Realfilm. Dennoch hätten die Macher hier zweifelsohne etwas mehr Geschick an den Tag legen sollen – und sei es, dass man andere Soundeffekte (die sind typisch hölzern), andere Laute der Beteiligten (oft ist nur merkwürdiges Stöhnen zu hören) oder eine besondere Kameraführung vorgesehen hätte. Das gleiche gilt auch für die seltenen, wenn dann aber eher lachhaften Spezialeffekte; wie beispielsweise der brennenden Hand. Andere wiederum können überraschenderweise überzeugen – wie etwas das FOTNS-typische, makabere Aufplatzen der Körper (und vor allem Köpfe). Hier haben die Kostüm- und Maskenbildner gute Arbeit geleistet – auch wenn deutlich weniger Blut fliesst als in den Originalen.

Fazit: Der FOTNS-Realfilm wird zweifelsohne unterschätzt – er ist alles andere als schlecht, und gerade für Fans des Franchises durchaus als sehenswert zu betrachten. Die Geschichte ist typisch FIST OF THE NORTH STAR, und weicht gar nicht mal so sehr von den Originalen ab – auch wenn verständlicherweise weniger Erzählzeit zur Verfügung steht. Die Schauspieler agieren glaubwürdig (vor allem die Gegenspieler Gary Daniels und Costas Mandylor), die Szenenaufbauten sind nett (wie etwa das kleine, heruntergekommene Zufluchts-Örtchen), die Kämpfe sind größtenteils unterhaltsam, man bekommt ein halbwegs gutes Gefühl für die Charaktere und ihre Motivation. Und der Soundtrack ist nun wahrlich ein – positiv herausragender – Fall für sich. Sicher gäbe es noch Verbesserungsbedarf – hätte man einige mehr oder weniger große Kleinigkeiten anders gemacht, wäre aus FOTNS vielleicht ein zeitloser Klassiker geworden. Das wären dann vor allem Dinge wie: etwas mehr Spiel in Bezug auf die Optik und Kameraführung (der Film wirkt für seine Story noch viel zu gewöhnlich), etwas mehr Brutalität und vielleicht sogar Splatter-Anleihen, epischere und ausführlichere Heldenporträts und Kämpfe, oder etwas mehr Zugeständnisse hinsichtlich des Trash-Faktors. Schließlich nimmt sich der Film etwas zu ernst; ein Gefühl welches nicht immer sinnig transportiert werden kann. Aber man sieht: es wäre so einfach gewesen. Bleibt eine stimmige, grundsolide Anime-Adaption mit einem beinahe kultigen Charme; die vor allem Fans des Franchise nicht missen sollten.

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Filmkritik: „Jumanji“ (1995)

Filmtitel: Jumanji
Regie: Joe Johnston
Mit: Robin Williams, Kirsten Dunst, Bradley Pierce u.a.
Laufzeit: 104 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Abenteuer / Fantasy

Wer auch immer dieses Spiel spielt, sollte sich warm anziehen.

Inhalt: JUMANJI – das ist der Name eines Spiels, welches allem Anschein nach verflucht ist. Zumal die Spieler kaum wissen, worauf sie sich mit einer im Nachhinein oftmals unfreiwilligen Partie einlassen – sobald sie feststellen, dass dieses harmlos anmutende Brettspiel so einiges in Petto hat. So kommt es, dass die einstigen Besitzer es vergruben, um es ein für allemal loszuwerden. Einige Jahre später jedoch findet ein kleiner Junge namens Alan Perish (Adam Hann-Byrd) das Spiel bei nahen Ausgrabungen, und ist sofort gefesselt von der vom Spiel ausgehenden Magie. Zusammen mit dem zögernden Nachbarsmädchen Sarah Wittle (Laura Bell Bundy) beginnt er, zu spielen – doch nach nur wenigen Zügen geschieht das unfassbare. Alan wird in das Spiel hineingezogen, und die fassungslose Sarah rennt panisch aus dem Haus. Einige Jahre vergehen, bis die Waisenkinder Peter (Bradley Pierce) und Judy (Kirsten Dunst) mit ihrer Tante Nora (Bebe Neuwirth) in das Haus ziehen, in dem Alan Parish ehemals gelebt hat. Es dauert nicht lange, bis die beiden Kinder das Spiel entdecken – und feststellen, dass sie selbst zu einem Teil desselben werden. Nun ist es an ihnen, eine Partie fortzuführen, die im Jahre 1969 begonnen wurde – doch dazu müssen sie erst einmal die zwei Spieler von dereinst wiederfinden…

Kritik: Irgendwie hat alles mal angefangen. Karrieren (wie die von Kirsten Dunst), Parade-Rollen (wie die von Robin Williams), Filme über magische Wunderwelten die mit unserer kollidieren, und dabei ein geradezu tierisches Inferno verursachen… JUMANJI ist ein solcher Film; der wahrhaftig Grundlagen erschuf und bis heute nichts von seiner Originalität und Wirkungskraft eingeüßt hat. Nur eines muss man immer wieder feststellen: er wird gnadenlos kopiert, und das meist eher schlecht als recht. So kommt es, dass vor allem ein ‚Original‘ wie JUMANJI die Bezeichnung als zeitloser Familienfilm verdient, damals wie heute. Der Erzählfokus von JUMANJI liegt dabei explizit auf dem Spiel, und den weitreichenden Folgen die ein solches mit sich bringt – Abweichungen gibt es kaum, selbst für Charakterporträts bleibt nicht viel Zeit. Doch das große Gefühl eines Abenteuers und die unabsehbaren Gefahren, die vom Spiel ausgehen, machen dieses Manko allemal wieder wett. Dabei sollte man jedoch darauf achten, dass JUMANJI nicht als Kinderfilm für wahrlich alle Generationen missverstanden wird – immerhin erhielt er eine FSK 12-Freigabe, die auch größtenteils berechtigt ist. Vor allem deutlich jüngeren Zuschauern werden die vom Spiel heraufbeschworenen Monster zu düster daherkommen, die Geschichte selbst nicht immer greifbar.

Dafür, dass der Film aus dem Jahre 1995 stammt, sind die Effekte – auf denen verständlicherweise ein Hauptaugenmerk des Films liegt – beeindruckend ausgefallen. Die bunt durcheinander gewürfelten Tiere, Kreaturen und Gestalten wirken stets erschreckend echt, und interagieren stimmig mit der Umwelt, beziehungsweise wissen diese ein ums andere Mal gehörig zu verwüsten. Die netten, detailreich gestalteten Schauplätze markieren ein weiteres Highlight – etwa das Haus der Familie Perish. Hier spiegelt sich tatsächlich der Eindruck eines riesigen Abenteuerspielplatzes wider, der durch den Einfluss des Spiels nun noch mehr in ein verdammt lebendiges Tollhaus verwandelt wird. Hier haben die Macher wahrlich keine Kosten und Mühen gescheut – das Ergebnis fällt entsprechend aus, und sorgt so für eine atmosphärische Stimmung. Auch die Darsteller wissen sowohl mit ihrem Können, als auch mit einem gewissen unabhängigen Charme zu glänzen. Robin Williams agiert charmant und glaubwürdig, seine Kollegin Bonnie Hunt spielt liebenswürdig und mit Leidenschaft, die Kinderdarsteller Bradley Pierce und eine noch sehr junge Kirsten Dunst überzeugen durch die Bank. Zahlreiche Nebencharaktere sorgen für den ein oder anderen Sidekick, Lacher oder makaberen Moment – es ergibt sich ein äußerst buntes, dabei aber immer stimmiges Gesamtbild.

Fazit: Dass die Charaktere möglicherweise zu kurz kommen ist ein Gefühl welches hier und da aufkommen mag, ebenso wie die relative Ernüchterung in Anbetracht der offenen Storyline. Davon abgesehen ist JUMANJI ein wahrer Erlebnis-Film mit allerlei Tohuwabohu, der einen mannigfaltigen Unterhaltungswert vorzuweisen hat und groß und klein zu begeistern weiss. Viele Erwachsene, die den Film aus ihrer Kindheit kennen; werden ihn zudem mit einem hohen Nostalgie-Bonus attribuieren – zu Recht. Doch auch heute noch wirkt er wunderbar magisch und mitreissend; und kann sich im Vergleich mit späteren Nachfolgern a’la NACHTS IM MUSEUM locker behaupten. Eine zeitlose Empfehlung für einen unterhaltsamen Filmabend im Kreise der Familie.