Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Tales From The Twilight World (1990)

Alben-Titel: Tales From The Twilight World
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. Oktober 1990
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power / Speed Metal
Label: No Remorse Records

Alben-Lineup:

Thomen Stauch – Drums
Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars

Track-Liste:

1. Traveler in Time (06:02)
2. Welcome to Dying (04:50)
3. Weird Dreams (01:22)
4. Lord of the Rings (03:18)
5. Goodbye My Friend (05:36)
6. Lost in the Twilight Hall (06:02)
7. Tommyknockers (05:13)
8. Altair 4 (02:27)
9. The Last Candle (06:02)

Geschichten aus der Zwischenwelt.

Man erinnert sich: in einer Zeit, die für die Entwicklung des europäischen Power Metals kaum spannender hätte sein können; machte sich neben ebenfalls enorm früh aktiv gewordenen Genre-Pionieren wie HELLOWEEN eine zunächst als LUCIFER’S HERITAGE durchgestartete Combo auf, die hiesige musikalische Welt im Sturm zu erobern. Wie man heute weiß, ist ihnen das auch zweifelsohne gelungen: nach der Umbenennung in BLIND GUARDIAN und der Veröffentlichung des Debütalbum BATTALIONS OF FEAR (1988, siehe Review) war die deutsche Band alsbald in aller Munde. Und das auch oder gerade weil BLIND GUARDIAN im Gegensatz zu ihren frühen Mitstreitern auf eine vergleichsweise harsche Gangart mit Anleihen aus dem Speed- und Thrash Metal setzten – und so weniger als Konkurrenzband denn als vielversprechende Alternative betrachtet werden konnten. Nach dem ebenfalls im Geiste des Debütalbums verwirklichten zweiten Album FOLLOW THE BLIND (Review) erschien 1990 das vorliegende TALES FROM THE TWILIGHT WORLD – und damit auch das erste BLIND GUARDIAN-Album, welches die bisher eingeschlagenen Genre-Pfade mehr oder weniger dezent ausgeweitet und den Weg für den späteren Sound der Band geebnet hatte.

Denn, und das fällt nicht erst in Anbetracht eines für die damaligen BLIND GUARDIAN eher ungewöhnlichen Titels wie LORD OF THE RINGS auf: im Gegensatz zu den beiden Vorgängern weist TALES FROM THE TWILIGHT WORLD schon wesentlich mehr jener Anteile auf, die man im allgemeinen dem klassischen oder auch typisch europäischen Power Metal zuordnen würde. Das schöne dabei ist, dass BLIND GUARDIAN ihre Speed Metal-Vergangenheit aber niemals gänzlich abgelegt hatten – und das Album so eine bis dato erstmalige Symbiose aus enorm griffigen Metal-Elementen und einer so noch nicht von der Band gekannten hymnischen Komponente markiert. Eine Komponente, die dabei nicht von jedermann gleich gut aufgenommen wurde – aber offensichtlich ebenso sehr zu BLIND GUARDIAN gehört wie der hiesige Frontmann Hansi Kürsch. Überhaupt scheint es gerade die erstmals auf TALES FROM THE TWILIGHT WORLD anberaumte Kombination aus verschiedenen Soundelementen und Gangarten zu sein, die der noch jungen Band den letzten Schliff verpasste – und ihr ihren bis heute erhalten gebliebenen Status sicherte.

Anders gesagt: es ist nur gut und richtig, dass Nummern wie etwa der Opener TRAVELER IN TIME, das mächtige LOST IN THE TWILIGHT HALL oder der Rausschmeißer THE LAST CANDLE eben so gehalten sind wie sie es sind – also etwa mit extrem eingängigen und hymnischen Refrains versehen sind, die die sonst recht gradlinig und kräftig tönende Angelegenheit in einem positiven Sinne auflockern. Das gilt im übrigen auch für die teils furiosen Soli-Parts, mit denen BLIND GUARDIAN nicht gerade spärlich umgegangen sind – was sich lediglich beim etwas zu wilden WELCOME TO DYING als störend erweisen könnte. Überhaupt scheint die einzige Schwäche des Albums darin begründet zu liegen, dass es BLIND GUARDIAN schlicht verpasst haben ihrem dritten Studiowerk noch etwas mehr Abwechslung einzuverleiben – immerhin weichen selbst das Instrumental WEIRD DREAMS, das quasi-Zwischenspiel ALTAIR 4 oder das frech polternde TOMMYKNOCKERS kaum von der generell auf dem Album veranschlagten Marschrichtung ab. Das bedeutet vornehmlich, dass BLIND GUARDIAN hier so gut wie nie ihren Fuß vom Gaspedal nehmen, innerhalb der einzelnen Titel relativ ähnlich mit den Gitarren umgehen – und sich auch Hansi Kürsch nicht gerade von seiner variabelsten Seite zeigt.

Wen das nicht stört, und wer generell nichts gegen eine kleine Erweiterung oder auch Auflockerung des auf den beiden Vorgängern inszenierten Sounds einzuwenden hat; der wird mit TALES FROM THE TWILIGHT WORLD aber problemlos und im besten Fall auch nachhaltig glücklich werden können.

Absolute Anspieltipps: TRAVELER IN TIME, LORD OF THE RINGS, LOST IN THE TWILIGHT HALL


„Ein im wahrsten Sinne des Wortes umwerfendes Speed- und Power Metal-Album.“

VICTORY – Rock N Roll Kids Forever (Official Classic Video)

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Metal-CD-Review: MESSENGER – Titanic Suicide (1990)

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Alben-Titel: Titanic Suicide
Künstler / Band: Messenger (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. September 1991
Land: Deutschland
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Patrik Deckarm – Guitars
Daniel Falkenstein – Drums
Martin Schneider – Guitars
Patrick Pytlik – Bass
Dietmar Pohle – Vocals

Track-Liste:

1. Intro / On the Run (05:03)
2. Falcon Age (04:56)
3. Scared Heart (04:31)
4. Why Are You Tellin‘ Me Lies (04:58)
5. Dead End (04:46)
6. Titanic Suicide (04:23)
7. Broken Mirror (05:45)
8. Demoney / The Last Bird Song (03:53)

Wenn die Botschaft nicht so richtig durchkommt.

Auf der Suche nach möglichst markanten und im besten Fall zumindest für den europäischen Raum (ge-)wichtigen Power Metal-Alben aus den späten 80ern und frühen 90ern kommt man gewiss nicht an Bands wie HELLOWEEN oder GAMMA RAY vorbei. Doch entstand 1990 auch noch eine weitere potentiell interessante Genre-Band. Eine, die indes erst viel später richtig durchstartete – hauptsächlich durch einen markanten Lineup- und Stilwechsel zu Beginn des neuen Millenniums. Doch in der Tat gab es vor den aktuellen MESSENGER noch eine Ursprungsform der Band, wenn man so will MESSENGER 1.0 – die mit TITANIC SUICIDE ihr Debütalbum ablieferten. Wer indes erwartet, hier ein weiteres deutsches Pendant zu MANOWAR zu hören oder einen ganz und gar kultverdächtigen Sound a’la MANILLA ROAD auf die Lauscher zu bekommen, der dürfte relativ enttäuscht aus der vorliegenden Alben-Erfahrung hervorgehen.

Denn auch wenn das Album nicht uninteressant ist, hatten die frühen MESSENGER vor allem ein Problem. Eines, das man wenn so will und entsprechend schlecht gelaunt ist auch auf ein einzelnes Bandmitglied beziehen könnte – Leadsänger Dietmar Pohle. Der agiert hier schließlich weniger so, als würde er Gesangsparts für ein Rock- geschweige denn Metal-Album einsingen – sondern eher so, als würde er sich privat in irgendeinem Wohnzimmer vorstellen. Diese merkwürdige Form der Unsicherheit und Zurückhaltung schlägt sich dann auch in anderen Bereichen des Albums nieder: während das Riffing hier und da durchaus Laune macht, bleiben die Kompositionen im allgemeinen sehr langatmig und unspektakulär. Am ehesten weiß noch das dezent an PRAYING MANTIS erinnernde WHY ARE YOU TELLING ME LIES zu begeistern; nicht zuletzt dank der gelungenen Soli-Passage. Doch im großen und Ganzen gilt: im besten Fall entfaltet die Scheibe den Charme einer sehr, sehr ungeschliffenen Demo-CD.

Absolute Anspieltipps: WHY ARE YOU TELLING ME LIES


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„Gesanglich eine mittelprächtige Katastrophe, instrumentell hie und da interessant.“

Filmkritik: „Herr Der Fliegen“ (1990)

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Originaltitel: Lord Of The Flies
Regie: Harry Hook
Mit: Balthazar Getty, Danuel Pipoly, Edward Taft u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Abenteuer, Drama
Tags: Ausflug | Absturz | Einsame Insel | Kinder | Überleben

Der HERR DER FLIEGEN will es noch einmal wissen.

Kurzinhalt: Nach einem Flugzeugabsturz gelangt eine Gruppe von jungen Militär-Kadetten auf eine einsame Insel mitten im Nirgendwo – und muss sich ganz ohne die Hilfe von Erwachsenen zurechtfinden. Zwar hat einer der Piloten überlebt, doch ist er den Kindern aufgrund seiner Verletzung keine große Hilfe. So versuchen sich die Kinder, mit der im besten Fall nur temporären Ausnahme-Situation zu arrangieren – und erste Regeln für ein gerechtes Zusammenleben aufzustellen. Doch obwohl die Kinder gerade in dieser Situation zusammenhalten sollten, zeichnet sich alsbald ein Konkurrenzkampf ab: der erfahrene und grundsätzlich besonnene Ralph (Balthazar Getty) wird immer wieder vom jüngeren Jack (Chris Furrh) herausgefordert. Der gründet bald darauf eine eigene kleine Splittergruppe – und streift fortan als Jäger über die Insel. Doch was zunächst nur der Nahrungsbeschaffung dienen sollte, wandelt sich nach und nach in einen echten Überlebenskampf für alle Beteiligten.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Bei der vorliegenden 1990’er Fassung von HERR DER FLIEGEN handelt es sich bereits um die zweite offizielle Verfilmung des Buchstoffes von William Golding. Die erste stammt aus dem Jahre 1963, ist etwas altehrwürdiger – und wurde noch komplett in Schwarzweiß gedreht (siehe Filmkritik). Und obwohl bereits diese ursprüngliche Fassung eine zeitlose, gute und zudem keinen bis kaum Verbesserungsbedarf anmeldende war; hat man sich gute 27 Jahre später doch noch für eine Neuverfilmung entschieden – mit der Folge einer entsprechend gespaltenen Zuschauergemeinde. Immerhin hat sich das Team um Regisseur Harry Hook (der bis dahin nur mit einem einzigen Film in Erscheinung getreten war) wie zuvor schon Peter Brook relativ streng an die Buchvorlage gehalten – sodass die inhaltlichen Unterschiede der beiden Versionen überschaubar bleiben. Markantere Unterschiede finden sich daher vor allem in Bezug auf den Cast – und die handwerklichen Aspekte, die die einsame Insel nun erstmals in Farbe erstrahlen lassen und auch einige geschickt platzierte Zeitlupen-Effekte vorsehen.

Dennoch gibt es hie und da auch inhaltliche respektive inszenatorische Abweichungen – die sich zunächst nur in einem eher kleinen Rahmen bemerkbar machen; aber letztendlich doch eine immense Wirkung auf den Film im gesamten haben können. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass die 1990’er Version keine klassischen Schul- oder Chorjungen mehr porträtiert – sondern eine Gruppe Kinder aus einer Art Militärakademie. Analog dazu wird auch nicht mehr das im Original vieldeutige Kyrie gesungen und als Teil des Soundtracks genutzt. Bereits eine kleine Änderung wie diese kann zu gänzlich anderen Assoziationen führen. In diesem Falle vornehmlich weniger zweckdienlichen – da man beispielsweise automatisch davon ausgeht, dass diese Kinder andere Voraussetzungen haben in der Wildnis zu überleben.

Gelangt man zu den Umständen des Absturzes, werden ebenfalls nur angedeutete Informationen gegeben wie im Original – doch hat in der 1990’er Version überraschenderweise einer der Piloten überlebt. Wer allerdings davon ausgeht, dass sich das markant auf das Verhalten der Kinder auswirken müsste täuscht sich – im Endeffekt ändert sich nicht viel, zumal der Pilot schwer verwundet ist und die Kinder so gesehen weiterhin alleine über die Insel herrschen. Was genau diese Änderung zu bedeuten hat, wird es später offenbar – nämlich dann, wenn man jenem Piloten einen letzten denkwürdigen Auftritt beschert und ihn zum Monster der Insel macht. Jenes letztendlich nicht durch eine einzelne Person vertretene Monster hatte als Manifestation der Angstgefühle schon im Original eine große Bedeutung. Doch wie sich nunmehr zeigt, war die Art der Darstellung hier eine wesentlich subtilere, stilvollere – und somit auch dezent wirkungsvollere.

Ein weiterer, und gleichzeitig auch der letzte gravierende Unterschied findet sich in Bezug auf den Tod des Charakters Simon – eine der Schlüsselszenen des Originalfilms. Auch hier gilt: wieder weiß das Original zu überzeugen, vor allem in der Retrospektive. Hier wurden die Ereignisse als Folge eines gegenseitigen Aufstachelns im schwachen Licht eines Lagerfeuers dargestellt; während die Neuverfilmung erst gar nicht die Vermutung aufkommen lässt, dass es sich um einen Irrtum gehandelt haben könnte. Die Folge; mit der der Bogen zur eher militaristischen Darstellung der Kinder geschlagen wird, ist die einer schnelleren und noch offensichtlicheren Verwandlung der Kinder – die bereits nach kurzer Zeit nicht vor einem Mord zurückschrecken. Wenn man so will könnte man auch von einer Holzhammermethode sprechen – das Original ging hier deutlich geschickter vor, und ließ den Zuschauer zunächst anhand von subtilen Stimmung das Ausmaß des Schreckens begreifen.

Doch hat die Neuverfilmung auch Vorzüge – die sich allerdings hauptsächlich auf die technischen Aspekte beziehen. Zum einen ist es angenehm, die Insel in Farbe und damit automatisch auch etwas greifbarer zu erleben; was im Zusammenspiel mit den etwas großzügigeren Kameraschwenks und den gefühlt etwas erweiterten Schauplätzen auf der Insel zu einer intensiven Film-Erfahrung führt. Eher überraschend ist, dass auch die Zeitlupeneffekte ihren Zweck ganz und gar nicht verfehlen und dem Film keinen künstlich-modernen Anstrich verliehen. Im Gegenteil: in den zwei entscheidenden Momenten in denen sie eingesetzt werden, sind sie schlicht beeindruckend – und untermauern das inhaltlich bereits angedeutete. In Bezug auf die Leistungen der Darsteller und den Soundtrack gibt es verständlicherweise weitere Unterschiede – doch vom letztendlich erzielten Eindruck nehmen sich Original und Neuverfilmung hier nicht viel.

Fazit: Wie auch immer man generell zu Neuverfilmungen stehen mag – voreilige Schlüsse in Bezug auf entsprechende Werke zu ziehen scheint nur selten ratsam. Schließlich kann es sich trotz aller Bedenken lohnen, sowohl dem Original als auch der Neuverfilmung eine Chance zu geben. Und sie vielleicht auch unabhängig voneinander zu betrachten – wie bei den beiden Versionen von HERR DER FLIEGEN. Im Grunde hätte man der sehr guten Originalversion von 1963 nichts hinzufügen brauchen – und doch wirkt die Neuverfilmung alles andere als lieblos oder so, als wäre sie aus weniger ehrenwerten Gründen realisiert worden. Sicher bleibt es hier vor allem bei den technisch-handwerklichen Vorzügen, während der Inhalt zumeist deckungsgleich bleibt – mit Ausnahme einiger Entscheidungen, die man vielleicht anders hätte treffen sollen. Anders gesagt: die Neuverfilmung ist keinesfalls besser als das Original; die angewandte Holzhammermethode und Vereinfachung in Bezug auf die zu entdeckenden Kernelemente nicht immer angenehm – und doch fühlt sich die 1990’er Version des Films nicht an, als könnte oder sollte man gänzlich auf sie verzichten. Nur wenn man sich für ausschließlich eine Fassung entscheiden müsste, dann sollte die Wahl vielleicht doch eher auf das Original fallen.

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„Über den Sinn oder Unsinn dieser Neuverfilmung lässt sich streiten – doch auch diese Version des klassischen Buchstoffes ist über weite Strecken gelungen.“

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Filmkritik: „Basket Case 2 – Die Rückkehr“ (1990)

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Originaltitel: Basket Case 2
Regie: Frank Henenlotter
Mit: Annie Ross, Leonard Jackson, Beverly Bonner u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror / Komödie
Tags: Geschwister | Brüder | Zwillinge | Trennung | Rache | Phänomen

Belial ist nicht länger allein…

Kurzinhalt: Nachdem sich die beiden ungleichen Zwillingsbrüder Duane Bradley und Belial an ihren einstigen Peinigern gerächt haben und in einem Streit beinahe selbst ums Leben gekommen wären, finden sich sich in einem Krankenhaus wieder. Da zu befürchten ist, dass die beiden für die Verbrechen belangt werden entschließen sie sich zu flüchten – und werden bald darauf von einer hilfsbereiten alten Dame namens Madame Ruth aufgenommen. Diese entpuppt sich als wahre Übermutter: nicht nur dass sie gleich mehrere Menschen in ihrem großen Anwesen betreut, sie alle sind wie Belial heftig entstellt und alleine kaum lebensfähig. Tatsächlich könnten Duane und Belial hier ein friedliches Leben unter Gleichgesinnten führen – was sie zunächst auch vorhaben, erst Recht als die Liebe ins Spiel kommt. Doch bald darauf bekommt eine dreiste Sensations-Reporterin Wind von dem Unterschlupf, und droht das Ganze durch einen Artikel auffliegen zu lassen. Das können Duane und Belial nicht zulassen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Ebenso kurios wie der zugrunde liegende Originalfilm BASKET CASE (siehe Review) ist die Tatsache, dass es überhaupt noch zu einem zweiten Teil der Horror-Mär um zwei eher ungewöhnliche Zwillingsbrüder kam. Einen Hinweis darauf liefert bereits die immerhin 8-jährige Zeitspanne zwischen den beiden Werken – die sich insofern erklären lässt, als dass Schöpfer Frank Henenlotter zunächst noch mit sich selbst und seinem Franchise haderte. Sicher auch, da BASKET CASE im Hinblick auf die Einspielergebnisse eine Enttäuschung war und wohl nicht allzu viele Kinogänger begeisterte. Doch im Laufe der Jahre, und mit der Veröffentlichung des Films auf dem Heimkinomarkt stellte sich plötzlich doch noch ein gewisser Erfolg ein – einer, den Frank Henenlotter offenbar als Ansporn verstand, aus dem lange Jahre alleinstehenden Original eine Trilogie zu formen. Und so knüpft BASKET CASE 2 trotz der vergangenen 8 Jahre direkt an den Vorgänger an – auch wenn am ehesten davon auszugehen war, dass beide Hauptdarsteller im großen Finale des ersten Teils das Zeitliche gesegnet hat.

Nun haben sie also doch überlebt – und werden entsprechend aufgepäppelt, um sich danach in einem ganz ähnlichen Szenario wie des ersten Teils wiederzufinden. Doch natürlich gibt es im Sinne der Fortsetzung einige markante Unterschiede: der entstellte Zwilling bleibt in BASKET CASE 2 nicht lange alleine und findet schnell ähnlich kurios anzuschauende Leidensgenossen, der gesunde Zwilling hadert (auch aufgrund dessen, und aufgrund einer Liebschaft) damit noch länger bei seinem Bruder zu bleiben – und wenn gemordet wird, geschieht dies in der Fortsetzung eher aus der Defensive heraus. Anders gesagt: dieses Mal vollführen die beiden ungleichen Brüder keinen Racheakt, sondern entschließen sich dazu ihre neu gefundene Familie gegen allzu neugierige Reporter und Störenfriede zu verteidigen. So weit, so gut – immerhin führt die ungewöhnliche Charakter-Konstellation wie schon im ersten Teil dazu, dass ein einstweilen erfrischendes Wechselbad der Gefühle entsteht. Einerseits vermag es BASKET CASE 2 auf eine merkwürdige Art und Weise zu unterhalten, hauptsächlich durch seine dezenten Grusel- und Trashanleihen – und andererseits könnte die Geschichte auch dieses Mal auf das reale Leben projiziert werden. Auch wenn derlei Seitenhiebe alles andere als versteckt oder geschickt verpackt daherkommen – irgendwie wirkt es charmant, wie Frank Henenlotter seine Monster-Mär immer wieder dazu benutzt, auf potentielle gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen (z.B. in Bezug auf Menschen mit Behinderungen, auf Reporter mit einem vor nichts Halt machenden Sensationswahn und mehr).

Dennoch gibt es auch Aspekte, die das Sequel zu einem etwas anderen Film machen als das Original: nicht nur, dass man sich dieses Mal kaum noch gruseln oder zumindest wundern kann (beispielsweise wurde der entstellte Zwilling im ersten Teil lange nicht gezeigt); Frank Henenlotter geht im zweiten Teil einen weitaus direkter vor wenn es um die eher makabere Seite des Franchise geht. Dieses Mal soll es also nicht nur ein entstellter Zwilling sein, sondern gleich ein ganzes Haus voller merkwürdiger Kreaturen – die von einer Art Wohltäterin mit Mutter-Komplex über viele Jahre versteckt gehalten werden und nur durch sie ein halbwegs glückliches Leben führen können. Sicher, auch der erste Teil wirkte einstweilen etwas weit hergeholt – doch nun ist es endgültig vorbei mit einer wie auch immer gearteten Subtilität. BASKET CASE 2 ist deutlich verrückter, bunter und trashiger in seiner Gesamtwirkung – sodass man schnell geneigt ist, den Film in eine entsprechende Genre-Schublade zu stecken. Das war beim Vorgänger noch etwas anders – hier funktionierte das Konzept noch auf mehreren Ebenen. Die Folge ist ein nicht mal im Ansatz ernstzunehmender Trashfilm; der zumindest auf der reinen Unterhaltungsebene punkten müsste.

Doch auch hier sieht es dann eher durchwachsen aus – zumal einige Schwächen des ersten Teils in das Sequel übernommen worden. Sicher, die im Film herumwandelnden Gestalten sehen einstweilen kurios aus – doch hat das Ganze noch immer wenig Sinn (zumal viele Kreaturen rein gar nichts menschliches an sich haben), noch zeugt es von einer aufwendig erscheinenden Handarbeit. Und wenngleich man meinen müsste, dass Frank Henenlotter analog zum allgemein recht bunten Treiben den Grad der Brutalität erhöht hat und somit zumindest ausreichendes Futter für Splatter-Fans liefert – ist dem nicht so. Die wenigen expliziteren Szenen des Films sind derart abstrus und plump gemacht, dass man sich doch sehr wundern muss warum die Filmreihe hierzulande so lange verteufelt wurde. Immerhin wirkt das Ganze nun etwas professioneller inszeniert, wohl auch durch ein etwas höheres Budget – und auch die Leistungen der Darsteller sind als gelungen zu bezeichnen. Schließlich ist es ihnen abermals gelungen, auf einem schmalen Grat zwischen einer zweckdienlichen Überzeichnung und einem schieren Overacting zu balancieren. Die optischen Aspekte und der Soundtrack fallen ebenfalls zufriedenstellend aus – hinterlassen aber keinen Eindruck, der mit dem einstweilen kultig anmutendem Charme des ersten Teils zu vergleichen wäre.

Fazit: BASKET CASE 2 ist einerseits ein lauwarmer, nicht mehr ganz so bahnbrechender Neuaufguss vieler Elemente des ersten Teils der Kult-Reihe – andererseits aber ein kunterbuntes Freudenfest für alle Freunde des ungewöhnlichen und des makaberen. Problematisch ist nur, dass Frank Henenlotter hier eindeutig den Weg des heftig überzeichneten Trashs beschreitet; aber dennoch an seiner mit dem Original etablierten Wirkung festhält – was in einer nicht mehr ganz so stilsicheren Verbindung mündet. Dennoch macht es Spaß, das einstweilen bitter-ernste Spiel der Darsteller zu betrachten; die sich inmitten all der wunderbaren Erzeugnisse der Maskenbildner bewegen und dabei eine vollkommen abwegige, aber irgendwie doch unterhaltsame Geschichte erzählen. Wenn diese als Ansporn verstanden werden kann, dass jeder (und vielleicht auch jedes Etwas) vor dem Gesetz und der Gesellschaft gleich behandelt werden sollte; warum nicht…

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„Schon deutlich abgedroschener als das Original, aber noch immer unterhaltsam“.

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Filmkritik: „M.A.R.K. 13 – Hardware“ (1990)

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Originaltitel: Hardware
Regie: Richard Stanley
Mit: Dylan McDermott, Stacey Travis, John Lynch u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Altersfreigabe: ab 18
Genre: Science Fiction / Horror
Tags: Mark 13 | Roboter | Künstliche Intelligenz | Endzeit | Ödland | Wüste

Das Leben in der Post-Apokalypse ist doch auch so schon schwer genug…

Kurzinhalt: In einer post-apokalyptischen Welt der Zukunft haben die wenigen überlebenden Menschen mit katastrophalen Lebensbedingungen zu kämpfen. Nicht nur, dass die Temperatur durch die zerstörte Ozonschicht enorm angestiegen ist, eine erhöhte Radioaktivität macht es enorm gefährlich selbst harmlos erscheinende Spaziergänge zu unternehmen. Doch es gibt sie dennoch, Sammler die durch das Ödland streifen um den ein oder anderen Schatz zu erbeuten – wie ein namenloser Nomade, der auf einer seiner Touren seltsame Teile eines Roboters findet. Diese verkauft er an einen Händler, von wo aus sie zu Moses gelangen – einem Soldaten, der seiner Freundin ein Geschenk machen möchte. Schließlich verdingt sich diese als Hobby-Künstlerin, und kann jedes noch so kurios erscheinende Teil für eine ihrer größeren Skulpturen gebrauchen. Als der Händler jedoch Nachforschungen anstellt und herausfindet, dass es sich bei dem Roboterkopf um ein Überbleibsel eines Projektes der Regierung handelt, schlägt er Alarm – und warnt Moses vor möglichen Gefahren. Doch scheint es bereits zu spät – die Maschine entwickelt ein Eigenleben, zapft etliche Energiequellen des Hauses an – und baut sich einen neuen Körper. Daraufhin scheint sie nur ein Ziel zu verfolgen: alle Menschen, die sich in seiner Nähe zu befinden, zu töten…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! M.A.R.K. 13, oder im englischen Original schlicht HARDWARE ist einer jener relativ unbekannten Nischen-Filme aus Großbritannien, die sich explizit auf ein postapokalyptisches Setting beziehen und relativ eindeutig unter dem Oberbegriff des Endzeitfilms rangieren. Doch nicht nur die relative Nähe zu früheren – und insgesamt betrachtet eher seltenen – Werken, die sich eine weltumfassende Katastrophe (wie in diesem Fall einen Atomkrieg) zur Prämisse machen, lässt das Projekt des Drehbuchautors und Regisseurs Richard Stanley interessant erscheinen. Auch die Tatsache, dass der Film auf der überaus bekannten Comicserie 2000 AD basiert und zudem mit Gastauftritten von Lemmy Kilmister von MOTÖRHEAD (musikalisch, aber auch in einer kleinen Rolle) oder Iggy Pop (als Stimme des Radiosprechers) geschmückt wird; lässt schnell den Gedanken an einen potentiellen Kultfilm aufkommen. Einen Kultfilm, der insofern besonders wäre als dass er weniger Wert auf die Darstellung einer typischen Endzeitfilm-Dystopie legt – als vielmehr auf ein fremdes, hochtechnisiertes Objekt inmitten eines apokalyptischen Szenarios. Und jenes Objekt ist der Titel-gebende MARK 13 – eine Art Superroboter, der von der Regierung mit einem ganz bestimmten Ziel entwickelt wird.

Doch so spannend das Ganze klingt, die sich damit anbietenden Möglichkeiten werden in HARDWARE kaum ausgenutzt – was nicht zuletzt an der eigentlichen Genre-Ausrichtung liegt. Denn nicht nur dass die Macher ihren Blick nur allzu selten oder überhaupt nicht auf das wie und warum der neuen Welt legen – grundsätzlich weichen alle potentiell interessanten inhaltlichen Aspekte der allgegenwärtigen Atmosphäre eines Horrorfilms. Eines etwas anderen zwar, dafür sorgt allein das Setting – doch erscheint es etwas ärgerlich, dass die Macher so wenig aus den gegebenen Möglichkeiten gemacht haben und den Film letztendlich auf ein einzelnes Element reduzieren. Auch, wenn der Titel des Films dies bereits dezent andeutet. Neben der einstweilen doch bemerkenswerten Grusel-Atmosphäre (die ein wenig an die Wirkung von ALIEN erinnert) ist eine der unausweichlichen Folgen für HARDWARE somit, dass man als Zuschauer kaum mit den hier angebotenen Porträts der Welt und den darin lebenden Charakteren warm werden wird – trotz des relativ langen Einführungsteils. Die Darstellung des furchterregenden Kampfroboters (der immerhin schick aussieht) verkommt somit beinahe zu einem reinen Selbstzweck – wäre da nicht der Grund für die Existenz desselben, der eng mit der vorherrschenden Endzeit-Situation zu tun hat. Allerdings wird der erst gegen Ende des Films offenbar – und wirkt durch die fehlende inhaltlichen Bezüge etwas aus der Luft gegriffen.

Doch nicht nur in Bezug auf seinen Inhalt wird HARDWARE zu einer knallharten Geschmacksfrage werden – und sich somit immer weiter vom Status eines unanfechtbaren Kult-Titels entfernen. Eine mitunter erhebliche Rolle spielt die gesamte audiovisuelle Gestaltungsarbeit des Films – die alles andere als gewöhnlich ist, und mit ihrer merkwürdigen Dosierung sowohl für Aufsehen, als auch für dezente Anflüge von Frust sorgen kann. Es beginnt bereits mit der eigentlichen Farbgestaltung, schließlich passt sich HARDWARE auch optisch der atomar verseuchten Endzeitwelt an. So hat das Bild über die gesamte Laufzeit des Films einen markanten Rotstich, der nur hie und da von noch düstereren Eindrücken abgewechselt wird – wie etwa in der Wohnung, in der ein Großteil des Geschehens spielt. Auch wenn es scheint, dass die Macher durchaus Wert auf einen gewissen Detailreichtum und die Ausarbeitung der Kulissen gelegt haben wird es einstweilen schwer, den Überblick zu behalten und einen genaueren Eindruck der Wohnsituation der Endzeit-Protagonisten zu erhalten. Analog dazu sorgt der reichlich durchtriebene Soundtrack für den ein oder anderen kuriosen, leider nur allzu selten wirklich stimmigen Moment. Und wenn beides exzessiv kombiniert wird – denn auch das geschieht in HARDWARE, wenn auch nur in einer einzelnen, dafür umso prägnanteren Szene – entsteht eine merkwürdige Symbiose, die dem Ganzen einen Hauch von Surrealismus verleiht. Das ist gleichermaßen mutig wie gewöhnungsbedürftig, zweifelsohne – doch will all das nicht wirklich mit den vorhergegangenen, eher auf Realismus getrimmten Eindrücken zusammenpassen.

Ein letzter Wermutstropfen ist dann die Tatsache, dass die Gastauftritte nicht wirklich solche sind – wenn man einmal davon absieht, dass tatsächlich hier und da MOTÖRHEAD-Klänge ertönen. Lemmi Kilmister selbst hat nur eine absolut unbedeutende, kurze Rolle als Taxifahrer inne; während Iggy Pop ein unspektakuläres Charakter-Dasein als niemals tatsächlich auftretender Radiosprecher fristet. Das wiederum lässt den anderen, eigentlichen Hauptdarstellern mehr Raum – der allerdings nur bedingt ausgenutzt wird; denn eine Glanzleistung liefert keiner der Beteiligten ab.

Fazit: HARDWARE ist einer jener weder-noch Filme, die sich durch die Vermengung verschiedener Genres auszeichnen, respektive selbst ins Abseits befördern. Denn wirklich harmonisch wirkt die Kombination aus Elementen der Science Fiction, des Horrors und teilweise sogar Surrealismus in diesem Fall nicht. Besonders schade ist, dass man offenbar keinen Wert auf eine vernünftige, nachvollziehbare Zeichnung der Endzeitwelt gelegt hat in der das Setting nun einmal angesiedelt ist – und sich stattdessen dem hier nur teilweise aufgehenden Konzept eines Creature- respektive Cyborg-Horrorfilms widmet. Immerhin gerät die zweite Filmhälfte so merklich spannender – die langatmige Einführung, die aufgrund der fraglichen Schwerpunktsetzung ohnehin überflüssig wird, verlangt einiges vom Zuschauer ab. Nach wie vor fraglich ist, ob es sich tatsächlich lohnt das Ganze bis zum Ende auszuhalten – bis auf ein oder zwei markantere Splatterszenen und den etwas abstrus und befremdlich wirkenden Kampf Super-Roboter gegen Mensch gibt es auch hier nicht mehr viel zu holen.

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„Langatmiger, visuell gewöhnungsbedürftiger Horrorfilm in ungenutztem Endzeitgewand.“

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Metal-CD-Review: AXXIS – II (1990)

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Alben-Titel: II
Künstler / Band: Axxis (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Hard Rock / Heavy Metal
Label: EMI Music

Alben-Lineup:

Bernhard Weiß – Vocals, Guitars
Walter Pietsch – Guitars
Harry Öllers – Keyboards
Werner Kleinhaus – Bass
Richard Michalski – Drums

Track-Liste:

1. The World Is Looking in Their Eyes 04:07
2. Save Me 04:05
3. Touch the Rainbow 03:32
4. Rolling like Thunder 04:06
5. Hold You 04:42
6. Ships Are Sailing 03:52
7. Little Look Back 03:58
8. Face to Face 05:22
9. Get Down 03:22
10. Gimme Back the Paradise 03:36
11. Hold You (acoustic version) 04:08

Die Erfindung der Eingängigkeit.

Nachdem die deutschen Jungs von AXXIS Ende der 80er Jahre mit ihrem Debüt KINGDOM OF THE NIGHT (Review) durchgestartet sind, folgte der Nachfolger II bereits kurze Zeit später. Warum auch nicht, ging die Mischung aus dezent hardrockigen bis schwermetallischen Tönen in Verbindung mit einer leichten Zugänglichkeit gnadenlos gut auf. Die AXXIS-Trademarks der absoluten Mitsing-Refrains und der Unvergleichbarkeit von Leadsänger Bernhard Weiß waren geboren – eine Tradition, die sich auch auf II fortsetzen sollte.

Jedoch ist in diesem Falle kaum von einer gewöhnlichen Fortsetzung zu sprechen – sondern eher von einer Überspitzung der eben genannten Aspekte. Auch wenn man sich mancherlei Superlativen kaum vorzustellen vermag, ist II tatsächlich noch eingängiger und so gesehen auch noch zugänglicher und freundlicher ausgefallen als der Vorgänger. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, sollte man meinen – doch AXXIS haben es geschafft. Was das nun in Bezug auf das Album II als Ganzes bedeutet; da könnten einige geteilter Meinung sein.

Fakt ist, dass es vor allem den Fans des Vorgängers gefallen wird – auch wenn man musikalisch keine nennenswerten Fortschritte macht und auch sonst für wenig Überraschungen sorgt. Das Konzept bleibt relativ simpel, die Nummern eingängig, Bernhard Weiß unverkennbar – wenn er nicht gar noch höhere Frequenzbereiche erreicht als auf dem Vorgänger. Das mag nicht spektakulär, aber doch zumindest solide klingen, jedoch: andererseits ist II schlicht verdammt simpel ausgefallen. Von den Lyrics über die Songaufbauten und Instrumentalkulissen bis hin zum allgemeinen Hymnencharakter der einzelnen Titel bleibt alles recht vorhersehbar und gleichförmig – selbst die Spieldauer der einzelnen Titel eignet sich mit jeweils 3 bis maximal 5 Minuten absolut für die ein oder andere Radioshow. Auch das wird noch einigen gefallen, da man in diesem Fall kaum nach einer besonders einprägsamen Nummer suchen muss, sie sind es grundsätzlich alle – doch ein wenig mehr Komplexität, ein dezentes Brechen mit der bisherigen Tradition hier und da wäre sicher nicht verkehrt gewesen. So aber bleibt das Album, was es augenscheinlich ist: eine Ansammlung von Hits, beziehungsweise Titeln, die man allesamt einzeln als (kommerziell erfolgreiche) Singles hätte auskoppeln können. Tatsächlich geschafft haben es im Endeffekt immerhin drei: das verhältnismäßig ‚harte‘ SHIPS ARE SAILING, die absolute Schnulz-Ballade HOLD YOU und der 80er-Jahre-Tribut TOUCH THE RAINBOW.

Doch auch wenn das Gefühl eines sich langsam aufbauenden, strukturell raffinierten Albums vollständig ausbleibt; entfalten die einzelnen Nummern eine gewisse Wirkungskraft. Eine, die sich gerade noch den zeitlosen Fahrtwind der musikalischen 80er-Jahre zunutze macht. Das Album klingt schön rockig, schmetternd und mitreißend – animiert aber keinesfalls zum Headbangen, sondern eher zum Mitschunkeln oder gar tanzen. Genau das könnte manchen sauer aufstoßen, denn wo der Vorgänger zumindest noch teilweise gewisse schwermetallische Affinitäten durchschimmern ließ, ist das auf II dargebotene Material nur noch schwerlich Heavy Metal zu bezeichnen. Mehr noch, selbst die Bezeichnung des Hardrocks reicht allein nicht aus – die fast schon übertrieben fröhlichen, simplen Refrains und der eher dezente Einsatz der Gitarren und des Schlagzeugs lassen das Ganze Projekt verdächtig nah in Richtung eines schnell ausgenudelten Poprocks driften.

Fazit: Wer gerne einen Blick auf die Anfangszeiten etwaiger alteingesessener Power Metal-Bands wirft, der könnte auch mit AXXIS‘ II seine Freude haben – wenn auch auf eine etwas andere Art. Denn schließlich hat das hier dargebotene Material nur wenig mit dem zu tun; was man sich unter einem Power Metal der frühen 90er-Jahre vorstellt. Anders gesagt: II ist in jedem einzelnen Moment absolut Chart-tauglich. Wer sich daran stört, der sollte eher zum Vorgänger und eigentlichen Debüt KINGDOM OF THE NIGHT greifen; dass zumindest stellenweise etwas, nennen wir es neutraler ausgefallen ist. Dennoch: wer hört nicht lieber eine schön schnulzige Ballade wie HOLD YOU IN MY ARMS, als tatsächlich das Radio einzuschalten… ?

Anspieltipps: THE WORLD IS LOOKING IN HER EYES, SHIPS ARE SAILING

Vergleichsbands: SCORPIONS | VAN HALEN | AXEL RUDI PELL


60oo10

„Immer noch besser als das tägliche Chart-Radio, aber verdammt nah dran.“

Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Heading For Tomorrow (1990)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power / Speed Metal

Die Trackliste:

01. Welcome (1:00)
02. Lust for Life (5:01)
03. Heaven can wait (4:23)
04. Space Eater (4:34)
05. Money (3:40)
06. The Silence (6:20)
07. Hold your Ground (4:48)
08. Free Time (5:01)
09. Heading for Tomorrow (14:30)
10. Look at yourself (4:42)

Kai Hansen’s Reise geht nach seinem Ausstieg bei HELLOWEEN munter weiter…

Vorwort: Es war einmal vor langer Zeit… als  ein gewisser Kai Hansen als DAS Hauptaushängeschild eines 1985 erschienen Albums fungierte. Die Rede ist von HELLOWEEN’s Debütalbum WALLS OF JERICHO, auf dem er sowohl den Gesang als auch einen Großteil der Gitarrenarbeit übernahm. Die seitdem überaus erfolgreiche Deutsche Speed Metal-Band HELLOWEEN legte daraufhin zwei weitere exzellente Alben vor, die legendäre KEEPER OF THE SEVEN KEYS-Saga – jedoch gab Kai Hansen hierbei das Gesangsszepter an seinen neuen Kollegen Michael Kiske weiter. Er konzentrierte sich fortan nur noch auf die Gitarrenarbeit – aus Gründen einer zu deftigen Doppelbelastung als Sänger und Gitarrist. Doch das hat im dann einige Jahre später offensichtlich doch nicht mehr ‚gereicht’… und so ward im Jahre 1989 der Weg zu einer weiteren legendären Metal-Formation geboren: GAMMA RAY. In seinem ganz ‚eigenen‘ Bandprojekt würde Kai Hansen nun weiterhin seine Arbeit an der Gitarre verrichten, und zusammen mit einigen neuen Kollegen ordentlich solide Metal-Kost produzieren: Ralf Scheepers (Gesang), Uwe Wessel (Bass) und Mathias Burchadt (Schlagzeug). 1990 war es dann soweit – HEADING FOR TOMORROW erschien als Debütalbum der Band. Ja, in wie weit würde sich der damals ’neu geborene‘ Sound von GAMMA RAY von dem HELLOWEEN’s unterscheiden ? Würde es Kai Hansen wirklich gelingen, nach den beiden KEEPERS-Alben mit seiner neuen Band etwas gleichwertiges auf den Markt zu bringen ? Eine Frage, die man heute längst nicht mehr stellen braucht. Natürlich ist ihm das gelungen, und mehr noch: manche behaupten sogar, dass GAMMA RAY schon Anfang der 90er HELLOWEEN von der Kultposition #1 als ‚beste‘ Deutsche Power / Speed Metal-Band abgelöst haben. Werfen wir dazu noch einmal einen genaueren Blick auf das Debütalbum.

Kritik: In der Tat startet HEADING FOR TOMORROW in etwa so, wie man es von einem KEEPER OF THE SEVEN KEYS Part 3 erwartet hätte. Ein kurzes, stimmungsmachendes Intro mit dem Titel WELCOME führt den Hörer gespannt in das Album ein. Viel ist noch nicht zu hören – doch das Interesse ist mehr als geweckt, die Lauscher sind gespitzt. Und Rumms – schon bricht der Opener LUST  FOR LIVE gleich einem entfesselten Sturm los, und hinterlässt als ‚positive‘ Metal-Hymne einen gleichsam freudigen wie ehrlichen Eindruck. Ein wenig verspielt, zutiefst melodiös, aber noch viel mehr ‚Heavy‘ ist dieses Stück, welches zudem mit einer wahnwitzigen Soli-Gitarrenpassage aufwarten kann. Und es auch vermag einen gewissen Ralf Scheepers in das Rampenlicht zu rücken – der sich wie zuvor schon Michael Kiske bei HELLOWEEN als wahres Naturtalent herauskristallisiert. Besonders gelungen ist auch sein Auftritt im folgenden HEAVEN CAN WAIT, einem weiteren Kult-Klassiker der Band – der vor allem mit einem gleichsam melancholischen wie zeitlosen Refrain punkten kann. Auch die Strophen sind überaus versiert inszeniert, hierbei handelt es sich zweifelsohne um einen der Titel, den man immer und immer wieder hören kann ohne dass er an Ausdruckskraft verliert. Mehr als kultverdächtig ist hier auch die Passage vor dem Solo, beziehungsweise das melodische Solo selbst – der Wahnsinn. Und wieder wird einem klar, dass die glorreiche Geschichte, die zuvor von HELLOWEEN begonnen wurde, nun mit GAMMA RAY weitererzählt wird. HEAVEN CAN WAIT TIL ANOTHER DAY !

Ein klein wenig experimenteller geht es dann im folgenden SPACE EATER zu, dass mit einer sagenhaft dicken Bass-Line aufwartet und zudem einige eher ungewöhnliche Samples mit einbringt. Auch Scheepers passt sich in dieser Hinsicht innovativ an – und sorgt mit dem Wechsel von eher tieferen, leicht flüsternden Gesanglagen (Strophen) hin zu sagenhaft kristallklar-hohen (im Refrain) für ordentlich Abwechslung. Das dezente, aber dennoch markante Schlagzeug sorgt für den nötigen Drive, in Kombination mit dem kultigen Songtext und dem leichten SPACE-Touch ergibt sich so eine weitere zeitlose GAMMA RAY-Hymne. Dann folgt auch schon MONEY – mit Sicherheit einer der amüsanteren Titel der Band. Aber, was ist das ? Die Instrumentalisierung fällt reichlich kräftig und äusserst flott aus, sodass in der Verbindung mit dem absichtlich auf etwas schräg getrimmten Gesang von Scheepers und Hansen (der hier seinem neuen Kollegen ein wenig aushilft) ein äusserst innovativer Gesamteindruck entsteht. Extravagante Samples und irre Choreinlagen machen eines klar: hier haben die Jungs ordentlich Spaß gehabt. In der Tat lassen GAMMA RAY den Begriff ‚Innovation‘ auf ihrem Debütalbum zum allgegenwärtigen Motto werden – das folgende Stück THE SILENCE ist grundsätzlich eine Ballade mit leichten Klaviertönen, doch das Maß an gebotener Abwechslung ist schier unglaublich. Da wechselt man beherzt und als ob es das normalste der Welt wäre von der einen Stimmung in die andere, mal geht es besinnlich-ruhig zu, mal regieren dann doch wieder die typischen Bombast-Passasgen. Und über allem schwebt der wunderbare Gesang von Ralf Scheepers und der dezente Klang der Hintergrundchöre. Superb !

HOLD YOUR GROUND ist ein Titel, der wieder einmal stark nach ‚Kult‘ klingt – und der später auch von diversen Bands gecovert wurde. Das ist ganz großes Power- / Speed Metal-Kino, welches kaum Wünsche offen lässt. Tolle Riff-Linien und ein hohes Maß an Eingängigkeit ohne Kitsch garantieren einen unverfälschten Hörgenuss. Mit FREE TIME folgt nun ein weitere Titel aus der Fun Metal-Sparte, der einfach nur Laune macht. In der Tat, ein wenig simpel wirkt er durchaus, auch was den Text betrifft – doch für eine luftige Lust-und-Laune Nummer zwischendruch ist es genau das richtige. Ausserdem muss man sich auch in irgendeiner Form auf die Titelhymne HEADING FOR TOMORROW vorbereiten, die immerhin satte 14 einhalb Minuten lang ist. Leider gibt es auch ein kleines Problem in Anbetracht dieser Spielzeit: das Stück kann nicht wirklich durchgängig überzeugen, gerade die sehr lange Instrumentalphase zu Beginn, die eher weniger mit Metal zu tun hat, wirkt nicht wirklich ’satt‘ instrumentalisiert. Danach (etwa nach der Hälfte) geht es dann schon wieder etwas brachialer zu, was nur gut ist. Aber auch hier stören die sich wiederholenden Ausrufe eher als das sie wirklich begeistern. Hier fehlt einfach der nötige Pfiff, die nötige Innovation, die mit den vorherigen Titeln noch so beinhart gefeiert wurde. Zum Abschluss gibt es dann noch einen Cover-Titel, LOOK AT YOURSELF, der allenfalls solide ist; aber ebenfalls eher absackt wenn man ihn mit den anderen großartigen Nummern auf dem Album vergleicht.

Fazit: Man könnte HEADING FOR TOMORROW vielleicht als ‚Nachfolger‘ zu den KEEPERS-Alben bezeichnen – schließlich ist der Sound insgesamt ein recht ähnlicher, was aber nicht negativ auszulegen ist. Schließlich ist für dieses Werk Kai Hansen, einer der großen, ehemaligen Köpfe von HELLOWEEN, verantwortlich… und der macht seine Sache mal wieder überaus gut, wie auch alle anderen Bandmitglieder. Vor allem Scheepers überzeugt mit seinem variablen Gesang, die Abwechslung unter den Stücken sorgt für einen zusätzlichen Reiz. Es gibt gnadenlos epische Hymnen, mal etwas melancholischere Klänge, mal beinahe-Balladen, mal reine Fun Metal-Stücke – für jeden ist etwas dabei, langweilig wird es nicht. Lediglich in Bezug auf die letzten beiden Titel sind Abstriche zu machen – der Titeltrack kann in Sachen Originalität und Qualität den Titeltracks der früheren HELLOWEEN-Scheiben absolut nicht das Wasser reichen, und der Finaltrack bewegt sich ebenfalls irgendwo im Mittelfeld. Alles, was davor kam, ist allerdings erste Sahne und ein Teil der Deutschen Metal-Geschichte.

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Filmkritik: „Der Krieg Ist Aus“ (1990)

Originaltitel: Apres La Guerre
Regie:
Jean-Loup Hubert
Mit: /
Laufzeit:
105 Minuten
Land:
Frankreich
Genre:
Drama

Inhalt: Frankreich im Jahre 1944: das Ende der deutschen Besatzungszeit ist bereits in Sicht, und auch die Bewohner eines kleinen Dorfes haben von der fröhlichen Kunde gehört. Voller Hoffnung wartet man hier auf das Eintreffen der amerikanischen Befreier, sogar ein eigener Musikzug und allerlei Dekorationen werden vorbereitet. Dann ist es soweit: drei Kinder sehen die sich annähernden Panzer als erste, und berichten sofort davon in der Stadt. Alle bereiten sich vor, doch dann geschieht das Unglück: es sind nicht die Amerikaner, sondern Reste eines deutschen Truppenverbandes ! Unter diesen tragischen Umständen kommt der Bürgermeister des Dorfes zu Tode, und prompt will man die Kinder für diese gravierende Fehlinformation zur Rechenschaft ziehen. Doch denen kann man keine Absicht unterstellen – dennoch ist es gut, dass sie sich vorsorglich versteckt haben und das folgende Streitgespräch von draussen aus mithören. Die hier ausgesprochenen Worte treffen die Kinder so hart, dass sie sich entscheiden, dass Dorf Richtung Lyon zu verlassen. Julien und Antoine, zwei Halbbrüder, sind zwei von ihnen – zusammen wollen sie ihre Mutter suchen. Auf dieser abenteuerlichen Reise lässt sich der dritte im Bunde leider nur allzu schnell schnappen – und so treffen Julien und Antoine zu zweit auf den deutschen Deserteur Franz. Nach anfänglicher Angst und Skepsis stellen die beiden bald fest, dass dieser furchteinflößende Deutsche gar nicht so ein Monster zu sein scheint… die drei werden auf dieser höchst ungewöhnlichen Odyssee zu Freunden.

Kritik: Da sieht man es mal wieder: mit einem vergleichsweise einfachen Prinzip lässt sich weitaus mehr als nur ein annehmbarer Film schaffen. Tatsächlich ist Der Krieg Ist Aus ein poetisches Meisterwerk geworden – und genießt sicherlich noch immer nicht den Bekanntheitsgrad, den er verdient hätte. Warum ist das so ? Nun, sicherlich liegt dies an der relativ untypischen Thematik. Als allgemeine Genre-Überschrift kann man die Begrifflichkeiten Drama und Zweiter Weltkrieg sicherlich noch unangetastet stehen lassen – geht man aber ins Detail, so muss man feststellen, dass es sich hier um einen bisher nie dagewesenen Film handelt, der schlicht nicht mit anderen Werken zu vergleichen ist. Denn es ist schon recht ungewöhnlich, Kinder als Hauptdarsteller in einen WK-II Film zu packen – noch dazu in einem so malerischen Gewand, dass man leicht an ein ganz anderes Genre, wie beispielsweise den Abenteuerfilm denken könnte. Dennoch lässt diese Mischung den überaus ernsten Unterton keinesfalls aussen vor, mehr noch; er bringt die Thematik auf eine bisher noch nie behandelte metaphorische Ebene.

So ist es unglaublich bewegend, diesem Film, und ganz besonders den vorgestellten Charakteren auf ihrer Reise beizuwohnen – die sich kontinuierlich zu einer kleinen Odyssee entwickelt. Alles beginnt in einem kleinen Dorf, zu einem Zeitpunkt, als die Kinder noch in die dörfliche Gemeinschaft integriert waren. Zumindest zu einem großen Teil – dass es bereits hier familiäre Unstimmigkeiten gegeben hat, wird man als Zuschauer später noch erfahren. Doch alle Wünsche der Kinder manifestieren sich nun im Zuge der Reise, des Abhauens von Zuhause – der Drang nach Freiheit, der Drang nach der Wahrheit zu forschen, und vielleicht auch der Wunsch wirkliche Liebe und Zuneigung zu erfahren. Diese erfahren die Halbbrüder in der ersten Etappe vor allem untereinander – der Zusammenhalt ist groß und rührend inszeniert. Es wird sich vorerst noch in der näheren Umgebung aufgehalten, zu Fuß kommt man schließlich nicht sehr weit – doch es scheint, als wäre ihnen niemand auf den Fersen. Das erste Proviant wird ergaunert oder in der Natur entdeckt, einer der beiden verkleidet sich als Mädchen – um der Verfolgung endgültig zu entgehen. Dass die beiden dann ausgerechnet in einem verletzten deutschen Soldaten einen Freund finden, der sie auf der Reise begleitet, ist der eigentliche, höchst überraschende Clou des Films. Wie ist so etwas möglich, wird man sich fragen ? Alle Begebenheiten sollten eigentlich dagegen sprechen: die Franzosen haben einen Hass auf die Deutschen, die Deutschen sind zu dieser Zeit entgültig verzweifelt, viele Desertieren und lassen niemanden mehr an sich heran – doch es scheint, als basierte die Geschichte tatsächlich auf wahren Begebenheiten.

Und hier kommt eine Kraft ins Spiel, eine gar universelle Kraft wenn man so will. Diese ist schwer zu benennen, doch in jedem Fall ist es eine Kraft der Güte, der Hoffnung. Allen Umständen zum Trotz entwickelt sich zwischen dem Trio ein unglaublich festes Band, welches früher oder später nicht mehr zu durchtrennen ist. Sehr bewegend ist beispielsweise die Szene, in der der Soldat sich eigentlich von den beiden Kindern verabschieden wollte – und er es doch nicht wagt, die beiden allein zurückzulassen. Wenn man so will, und das Ganze einmal oberflächlich betrachten wollte, so könnte man als Kritiker jetzt sagen: im Grunde „passiert“ ja nicht viel im Laufe der Spieldauer. Die Kinder laufen von Zuhause weg, treffen einen desertierten Deutschen, freunden sich mit ihm an und am Ende steht… jedenfalls kein Happy-End. Ja, es könnte durchaus Menschen geben die diesen Film genau so erleben werden – das ist allerdings höchst bedauerlich, da ihnen unglaublich viel entgeht. Denn man sieht selten einen Film, der derart viel zwischen den Zeilen transportiert – das können Gefühle und Emotionen im kleinen sein (in Bezug auf das Trio), aber eben auch universelle Ansichten und Interpretationsversuche in Bezug auf ein großes Ganzes – den schrecklichen Weltkrieg im Hintergrund. Man sollte diesen Film also mit höchster Aufmerksamkeit schauen, wobei dies eigentlich fast automatisch der Fall sein sollte. Denn trotz der hypnotisierenden malerischen Landschaften und der teilweisen erzählerischen Stille ist der Film überaus spannend.

Dies liegt in erster Linie an der präsentierten Situation, bei der ein großes Maß an Empathie für die Charaktere einfach aufkommen muss. Schließlich ist die Situation ebenso hoffnungslos wie hoffnungsvoll – der Krieg hat die Menschen müde gemacht und zermürbt, doch selbst inmitten all das Chaos und der Grausamkeit gibt es etwas, was die Menschen menschlich macht, ihnen neue Hoffnung schenkt. Es ist natürlich sehr bewegend, dem Ende des Films entgegenzufiebern – erst könnte man noch meinen, es würde eine Art Happy End geben… doch hier offeriert der Film eine weitere, tiefgehende Ansicht auf den Charakter des deutschen Soldaten, der letztendlich am Erlebten zerbricht – wenn man es aus dieser Perspektive betrachten will. Die Zukunft der Kinder… ungewiss, doch diese will der Film auch gar nicht behandeln: lediglich dieses kleine Wunder vor dem Ende gilt es, zu beleuchten. Die technischen Aspekte des Films sind ausgezeichnet – es ist besonders die gut gelungene Kamera-Arbeit, die von Anfang an überzeugt. Hinzu kommen die wunderschönen, malerischen Landschaften und Züge der Natur, in denen sich die Protagonisten bewegen. Hier und da gibt es dann mal ein kleineres Dörfchen zu sehen – die Gestaltung der Szenen und Szenenaufbauten ist beeindruckend und wirkt stets authentisch. Wie sollte es bei einem Film wie diesem hier anders sein – ein großer Teil der Aufmerksamkeit des Zuschauers fällt nun einmal auf die Darsteller. Und die scheinen derart talentiert, dass sie ihr Spiel nicht erst perfektionieren müssen (die Kinder), sondern direkt und spontan das im filmischen Sinne „richtige“ tun – sich authentisch und glaubhaft zu verhalten. Das sieht in gekünstelten Hollywood-Produktionen oftmals ganz, ganz anders aus ! Der Darsteller des deutschen Soldaten macht ebenfalls eine sehr gute Figur – sein Schwanken zwischen seinem emotionslosen Dasein als deutscher Frontsoldat und seinem eigentlich gütigen, wohlwollenden Inneren macht den Reiz dieses Porträt aus. Wahrlich bravouröse Leistungen, die hier zu sehen sind.

Fazit: Schlussendlich kann man eigentlich nicht umher kommen, dieses kleine Kunstwerk nur in den höchsten Tönen zu loben – es handelt sich hier um Filmkunst, wie sie im Buche steht. Man nehme lediglich einige der Zutaten, die gerade in Frankreich immer wieder für gelungene Filme sorgen – und streiche restlos alles, was irgendwie an Macharten aus Übersee (Hollywood) erinnern könnte. Heraus kommt ein Film wie Der Krieg Ist Aus – ein bewegender, sentimentaler, spannender, ergreifender Film.

Filmkritik: „Troll 2“ (1990)

Filmtitel: Troll 2
Regie: 
Claudio Fragasso
Mit: /
Laufzeit:
95 Minuten
Land:
Italien
Genre: 
Horror

Inhalt: Irgendwo in den weniger dicht besiedelten Gebieten der USA liegt ein kleines Städtchen mit dem Namen nilboG… die Einwohner sind jedoch keine Menschen, sondern als solche getarnte Trolle, beziehungsweise Goblins ! So begibt sich eine Familie tragischerweise auf die Reise, um im besagten Ort Urlaub zu machen – der Sohn der Familie, Joshua (Michael Stephenson) stellt als erstes fest, dass es die Goblins auf ihn und seine Familie abgesehen haben. Doch niemand glaubt ihm – ausser sein verstorbener Großvater, der ihm hier und da erscheint und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Das schlimme: die Goblins sind zwar Vegetarier, doch der Weg ihres Gemüseanbaus ist ein spezieller: Menschen werden mithilfe einer glibbrigen Flüssigkeit in essbare Pflanzen verwandelt ! Da nur Joshua die drohende Gefahr für ihn, seine Familie und weitere Charaktere abwenden kann, liegt die Macht über den Aufstieg oder Niedergang des bösen Goblinvolkes in seiner Hand…

Kritik: Im Falle von Troll 2 handelt es sich um einen absoluten Ausnahmefilm. Wer den Film kennt, wird bereits wissen was gemeint ist, und wer nicht – der wird zumindest bei der Plotbeschreibung schon etwas gestutzt haben. Troll 2 ist in jedem Fall einer der trashigsten Filme aller Zeiten, und vielleicht sogar einer der schlechtesten. Doch gleichzeitig ist er auch einer der besten der schlechtesten Filme aller Zeiten – was offensichtlich an der lockeren Machart, den abstrusen Ideen und der unglaubwürdigen Inszenierung liegt. Das interessante: die Macher wollten mit Troll 2 offenbar tatsächlich einen ernsten Horrorfilm drehen ! Doch sie sagten es im Nachhinein selbst, dass das Ergebnis ein wenig von den ursprünglichen Plänen abgewichen ist… diese Selbstironie, gepaart mit der wahrlich einzigartigen Absurdität des Films macht ihn – trotz allem – zu einem sehenswerten Werk. Sehenswert nicht in Bezug auf die filmische Qualität, aber auf den überdurchschnittlich hohen (und meist unfreiwilligen) Unterhaltungswert.

Sicherlich hat der Film – und das ist offensichtlich – unglaublich viele Schwächen, auch neben der höchst merkwüridgen Inszenierung der Story. So scheinen zum Beispiel die Darsteller nicht wirklich eben solche zu sein, ihr Spiel wirkt schlicht gnadenlos überzogen und unfreiwillig komisch (die Mutter der Familie mit ihrem entsetzten Blick). Auch die in Horrorfilmen sonst so wichtige Musik klingt einfach nur billig; genauso wie die Soundeffekte. Die Optik lässt auf ein recht niedriges Budget schließen, die Schnitte fallen stark übertrieben aus und führen ebenfalls zum ein oder anderen unfreiwilligen Lacher. Richtig böse wird es dann bei den Dialogen und den Kostümen: selbige beschreiben die wahrhaft billigsten und hässlichsten, die ich je in einem Film sah. Eine wirkliche Daseinsberechtigung haben auch die restlichen Teilaspekte nicht, aber gerade die Gesamtkomposition wird bei einem Großteil der Zuschauer allerhöchstens ein dauerhaftes Kopfschütteln auslösen.

Fazit: Man sollte sich in diesem Fall kurz fassen, und auf ein weiteres, absolut mieses Sequel zu einem Prestigetitel verweisen: Krieg Der Welten 2. Weil Troll 2 aber einen (unfreiwilligen) Spaßfaktor an den Tag legt und vor aberwitzigen Ideen nur so strotzt, gibt es aufgrund des vergleichsweise deutlich angestiegenen Unterhaltungsfaktors eine höhere Wertung. Zum Abschluss noch die besten Szenen in einer Übersicht:

    • Der Großvater sagt Joshua, er solle seine Eltern vor einer Verwandlung bewahren – woraufhin die Zeit für 30 Sekunden stillsteht und die vergifteten Speisen auf merkwürdige Art vernichtet werden…
    • Einer von den Burschen die hinter der Familie hinterherfahren trifft auf einen listigen Goblin, der sich als bildhübsche Dame ausgibt. Ein Maiskolben sorgt daraufhin für ein entsprechendes Maß an Situationskomik…
    • Die entsetzten Blicke von der Mutter der Familie, wenn Gefahr droht…
    • Die Pflanzenszene mit dem epischen Kultausruf oh-my-goooooooooooood…
    • Der Endkampf mit Joshua, dem Goblinoberhaupt und der Geheimwaffe des Großvaters